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Insight from Initiation
GA 227

22 August 1921, Penmaenmawr

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Das Traumleben

Dream Life

[ 1 ] Zwischen das Wachleben des Menschen und das Schlafleben, von denen ich Ihnen wenigstens einiges skizzenhaft in der letzten Betrachtung habe schildern können, stellt sich hinein das Traumleben. Dieses Traumleben, das so wenig Bedeutung für die unmittelbare Wirklichkeit des Alltags haben kann, hat aber für die tiefere Erkenntnis sowohl der Welt wie auch des Menschen die denkbar größte Bedeutung. Nicht nur dadurch, daß in der Geisteswissenschaft, von der hier die Rede ist, die Bedeutung dieses Traumes voll gewürdigt werden muß, damit man von der Betrachtung des Traumes zu manchem anderen übergehen kann, sondern auch deshalb hat dieses Traumleben eine so besondere Bedeutung, weil es sozusagen die Ecke darstellt, durch welche gewisse andere Welten, als diejenige ist, die der Mensch wachend erlebt, in diese gewöhnliche Welt hereinscheinen. So daß der Mensch oftmals gerade durch das Rätselvolle der Traumesgebilde aufmerksam wird nicht nur darauf, daß es in den Untergründen oder auch Obergründen der ihm zugänglichen Welt noch andere Welten gibt, sondern auch darauf, wie etwa das Wesen dieser Welten sein könne.

[ 1 ] Between a person’s waking life and their sleeping life—which I was able to describe to you, at least in outline form, in my last reflection—lies the life of dreams. This life of dreams, which can have so little significance for the immediate reality of everyday life, is nevertheless of the greatest possible importance for a deeper understanding of both the world and human beings. Not only because, in the spiritual science under discussion here, the significance of this dream must be fully recognized so that one can move from the study of dreams to many other areas, but also because this dream life has such special significance in that it represents, so to speak, the opening through which certain worlds other than the one experienced by human beings while awake shine into this ordinary world. Thus, it is often precisely through the enigmatic nature of dream images that a person becomes aware not only that there are other worlds in the depths or even on the surface of the world accessible to them, but also of what the nature of these worlds might be.

[ 2 ] Aber auf der anderen Seite ist es außerordentlich schwierig, in dieses ganze rätselhafte Traumleben vom Standpunkt des höheren Bewußtseins aus einzudringen, denn der Traum ist im Leben eine Macht, die den Menschen in die denkbar größte Illusion hineinversetzen kann. Und man wird leicht gerade gegenüber dem Traume geneigt, dasjenige, was sich illusionär hineinstellt in das Leben, in einer falschen Weise auf seine Wirklichkeit zu beziehen. Gehen wir einmal auf diese Weise vor, indem wir uns dabei durchaus auf dasjenige beziehen, was ich schon über das Schlafesleben und auch über die wiederholten Erdenleben gesagt habe.

[ 2 ] But on the other hand, it is extremely difficult to penetrate this entire enigmatic world of dreams from the standpoint of higher consciousness, for in life, the dream is a force that can plunge a person into the greatest possible illusion. And one is easily inclined, precisely when it comes to dreams—which introduce an illusory element into life—to mistakenly attribute reality to them. Let us proceed in this way, referring entirely to what I have already said about the life of sleep and also about repeated earthly lives.

[ 3 ] Ein Beispiel, das in der einen oder anderen Art im Traumleben sich immer wiederholt, ist das, daß man im Traume irgend etwas gemacht hat, woran man im Wachleben gar nicht denken könnte, es irgendwie schon gemacht zu haben, was eben ganz außerhalb des Bereiches der Möglichkeit lag, es zu machen im bisherigen Erdenleben. Dann träumt man, daß man dieses, was man nun verfertigt hat, nicht finden könne, und man sucht wie ein Verrückter nach diesem abhanden gekommenen Dinge, das man gemacht zu haben glaubt.

[ 3 ] An example that recurs in one form or another in our dream life is when, in a dream, one has done something that one could never even imagine having done in waking life—something that lay completely beyond the realm of possibility in one’s earthly life thus far. Then you dream that you cannot find what you have just made, and you search like a madman for this lost object that you believe you have made.

[ 4 ] Betrachten wir das Beispiel konkreter. In dieser Form, wie ich es geschildert habe, variiert in der einen oder anderen Art, kommt das ja im Traumleben eines jeden Menschen vor. Betrachten wir es konkret. Sagen wir, ein Schneider habe geträumt, obwohl er nur ein ganz kleiner Schneider ist für kleinbürgerliche Leute, daß er für einen Minister einen Staatsrock gemacht habe. Nun fühlt er sich schon ganz wohl in diesem Verfertigen des Staatsrockes, der nun schon da sein soll. Aber gleich darauf verwandelt sich der Traum in die Stimmung, daß er nun überall diesen Rock sucht, als er ihn dem Minister abliefern soll, und er kann ihn nirgends finden.

[ 4 ] Let’s look at this example in more detail. In the form I’ve described—albeit with variations here and there—this occurs in everyone’s dream life. Let’s examine it specifically. Let’s say a tailor—even though he’s just a very small-time tailor for the petty bourgeoisie—dreamed that he had made a ceremonial coat for a minister. Now he feels quite at ease making this ceremonial coat, which is supposed to already be there. But immediately afterward, the dream shifts to a situation where he’s searching everywhere for this coat when he’s supposed to deliver it to the minister, and he can’t find it anywhere.

[ 5 ] Hier haben Sie einen Traum, der ganz und gar in den Formen verläuft, die der Betreffende zwar nicht im Leben ausführen kann, die er sich aber namentlich wunschhaft recht gut noch vorstellen kann in dem Leben, das er eben auf der Erde führt. Ausführen kann er die Sache nicht, weil er eben nur ein kleiner Schneider für kleinbürgerliche Leute ist, und man kann den Rock nicht bei ihm bestellen. Aber manchmal mag durch seine kühnen Tagträume der Wunsch gegangen sein, einen solchen Staatsrock zu verfertigen. Vielleicht kann er das gar nicht, aber es wird der Wunsch seiner Tagträume.

[ 5 ] Here you have a dream that unfolds entirely in forms which the person in question cannot, admittedly, realize in life, but which he can still quite vividly imagine—as a wish—in the life he is currently leading on earth. He cannot carry it out because he is, after all, just a small tailor for the petty bourgeoisie, and one cannot order such a coat from him. But sometimes, through his bold daydreams, the desire to make such a state coat may have crossed his mind. Perhaps he cannot do it at all, but it becomes the desire of his daydreams.

[ 6 ] Aber was liegt dem zugrunde? Dem liegt tatsächlich eine Wirklichkeit zugrunde. Wenn der Mensch mit seinem Ich und seinem astralischen Leib schlafend außerhalb des physischen Leibes und des ätherischen Leibes ist, dann befindet er sich ja in derjenigen Wesenheit, die durch die wiederholten Erdenleben durchgeht.

[ 6 ] But what underlies this? It is, in fact, based on reality. When a person, with their ego and astral body, is asleep outside of their physical and etheric bodies, they are, in fact, within that entity that passes through repeated earthly lives.

[ 7 ] Dasjenige, was innerlich kraftet, was eigentlich innerlich tätig ist zunächst an seinem eigenen Wesen, während der Mensch schläft, das ist Ich und ist astralischer Leib: Das braucht in seinen Erlebnissen nicht etwa bloß Erinnerung zu haben an das eben jetzt verlebte Erdenleben, sondern das kann Erinnerungen haben an andere Erdenleben. Und ich erzähle Ihnen nicht irgend etwas hypothetisch Angenommenes, sondern etwas, was durchaus dem Gebiete der Wirklichkeit entstammt, von der ich spreche. Es kann also sein, daß der Betreffende allerdings einmal beteiligt war — sagen wir in alter römischer Zeit in einem früheren Erdenleben — an dem Bestellen einer besonders stattlichen Toga. Er braucht dazumal nicht einmal Schneider gewesen zu sein, aber er kann irgendwie der Diener oder vielleicht sogar der Freund eines römischen Staatsmannes gewesen sein. Sein Schicksal kann ihn vielleicht gerade dadurch, daß er dazumal einen so lebendigen Wunsch hatte, seinen Herrn in einer möglichst würdigen Weise vor die Welt hinzustellen, in dieser Inkarnation zu seinem Berufe gebracht haben. Denn für das gesamtmenschliche Leben sind eben gerade Wünsche, Gedanken von einer außerordentlich großen Bedeutung. Und so kann die Erinnerung an das in dieser Weise in einem früheren Erdenleben Durchlebte die Seele und den Geist des Menschen, Ich und astralischen Leib, durchziehen. Dann am Morgen, wenn der Mensch nun untertaucht, so wie ich das gestern nur skizzenhaft aufgezeichnet habe, mit seinem Ich und astralischen Leib in den ätherischen Leib und den physischen Leib, dann taucht diese Seele, die noch eben gesteckt hat in dem erinnernden Erleben von der Schönheit der Staatstoga, nun unter in diejenigen Vorstellungen, die der betreffende Kleidermacher im jetzigen Erdenleben haben kann; die stekken in seinem ätherischen Leibe. Da staut sich dasjenige, was eben noch als auf die alte Römerzeit bezüglich erlebt worden ist, das staut sich. Es soll hinein in die Vorstellungen, die er bei Tag haben kann. Aber bei Tag hat er nur dasjenige an Vorstellungen, daß er für die kleinbürgerlichen Leute Kleider macht. Nun kann die Seele, wenn sie da untertaucht, nur außerordentlich schwer umsetzen dasjenige, was sie eben an der schönen Staatstoga empfunden hat; das kann sie schwer vorstellen an den schrecklichen Kleidern, die der Kleidermacher zu machen hat. Da verwandelt es sich beim Übergehen, bei der Stauung, von der Vorstellung der Toga zu dem gegenwärtigen ministeriellen Staatsrock, und erst später, wenn der Betreffende ganz untergetaucht ist in seinen ätherischen und physischen Leib, dann vertilgt das, was er nun vorstellen muß, dasjenige, was er kurz vor dem Aufwachen erlebt hat.

[ 7 ] That which is active within, that which is actually at work within—first and foremost in its own being—while a person sleeps, is the “I” and the astral body: In its experiences, it does not merely have memories of the earthly life just now lived, but it can also have memories of other earthly lives. And I am not telling you something that is merely a hypothetical assumption, but something that definitely originates from the realm of reality of which I am speaking. It may therefore be that the person in question was indeed once involved—let’s say in ancient Roman times, in a previous earthly life—in the commissioning of a particularly stately toga. He need not even have been a tailor at that time, but he may somehow have been the servant or perhaps even the friend of a Roman statesman. His destiny may well have led him to his present profession in this incarnation precisely because he had such a vivid desire back then to present his master to the world in the most dignified manner possible. For in the life of humanity as a whole, it is precisely desires and thoughts that are of extraordinary importance. And so the memory of what was experienced in this way in a previous earthly life can permeate the soul and spirit of the human being—the I and the astral body. Then in the morning, when the human being sinks down—as I sketched out only briefly yesterday—with his I and astral body into the etheric body and the physical body, this soul, which just a moment ago was immersed in the recollection of the beauty of the state toga, now sinks into those ideas that the tailor in question may have in his present earthly life; which are embedded in his etheric body. There, what has just been experienced in relation to ancient Roman times becomes blocked; it gets stuck. It seeks to enter the ideas he might have during the day. But during the day, his only ideas are that he makes clothes for the petty bourgeoisie. Now, when the soul sinks into this state, it finds it extremely difficult to translate what it has just felt regarding the beautiful state toga; it finds it hard to imagine this in relation to the dreadful garments that the tailor has to make. So, during the transition—during this accumulation—it transforms from the image of the toga to the present-day ministerial coat, and only later, when the person in question has fully submerged himself in his ethereal and physical body, does what he must now imagine obliterate what he experienced just before waking up.

[ 8 ] So haben wir eben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unser gesamtmenschliches Leben da. In unserem Innern müssen wir uns mit unserem gesamtmenschlichen Leben entgegenstellen demjenigen, was wir in diesem Erdenleben vorstellen, denken können nach unseren Erfahrungen, und bekommen dadurch die sonderbaren Gestaltungen des Traumes heraus. Daher ist es gerade beim Traum so schwierig, seinen Inhalt, den er zunächst darbietet, und der ein vollständiges Gaukelbild sein kann, zu unterscheiden von der wahren Wirklichkeit, die eigentlich immer dahintersteckt. Diese wahre Wirklichkeit kann etwas ganz anderes sein. Aber derjenige gewöhnt sich nach und nach, in das ganze verwickelte Geschehen des Traumlebens sich hineinzufinden, der eben darauf aufmerksam wird, daß man beim Traume weniger dasjenige zu beachten hat, was einem in Bildern vor die Seele gezaubert wird, denn diese Bilder werden geformt von dem ja eigentlich im Bette zurückgelassenen ätherischen Leib, der die Gedanken, die Vorstellungen eben in sich trägt. Diese Vorstellungen hat man ja nicht in seinem eigentlichen inneren Wesen während des Schlafes. Man muß diesen Inhalt der Vorstellungen unterscheiden von etwas anderem, und dieses andere möchte ich nennen den dramatischen Verlauf des Traumes. Man muß sich allmählich gewöhnen, an den dramatischen Verlauf des Traumes so seine Aufmerksamkeit zu wenden, daß man sich frägt: Verläuft dieser Traum so, daß er, wenn die betreffenden Tatsachen im Tagesleben erfahren würden, ungeheure Freude machen würde? Hat man auch im Traume diese Freude, diese Befreiung erlebt, oder segelt man hinein im Traume in eine Katastrophe? Geht man von einer gewissen Exposition, wo sich Dinge zeigen können, dann verwickeln und dann ein Absturz kommt, über zu irgendeiner Katastrophe? Diese Fragen sollte man in erster Linie beachten, wenn das Traumleben in Betracht kommt, also nicht den gedanklichen Inhalt, sondern das dramatische Geschehen.

[ 8 ] Thus, our entire human life lies right there between falling asleep and waking up. Within ourselves, we must contrast our entire human life with what we can imagine and think about in this earthly life based on our experiences, and through this process we arrive at the strange forms of the dream. That is why it is so difficult, especially with dreams, to distinguish their content—which is presented to us at first and can be a complete illusion—from the true reality that is actually always lying behind it. This true reality can be something entirely different. But those who become aware that, in dreaming, one should pay less attention to the images conjured before the soul—for these images are formed by the etheric body, which is actually left behind in bed and carries the thoughts and ideas within itself—will gradually learn to find their way into the whole intricate process of dream life. After all, one does not possess these ideas within one’s actual inner being during sleep. One must distinguish the content of these ideas from something else, and this other thing I would like to call the dramatic course of the dream. One must gradually accustom oneself to directing one’s attention to the dramatic course of the dream in such a way that one asks oneself: Does this dream unfold in such a way that, if the events in question were experienced in waking life, they would bring immense joy? Did one also experience this joy, this liberation, in the dream, or is one sailing toward a catastrophe in the dream? Does one move from a certain exposition, where things can reveal themselves, then become entangled, and then a downfall occurs, leading to some catastrophe? These are the questions one should consider first and foremost when examining dream life—not the content of thought, but the dramatic unfolding.

[ 9 ] Es kann jemand träumen, er steigt auf einen Berg hinauf; die Bergwanderung wird immer schwieriger und schwieriger. Er kommt endlich an einen Punkt, wo er nicht weiter kann, wo sich ihm ungeheure Hindernisse entgegentürmen. Er empfindet diese Hindernisse wie etwas, was in sein Leben bedeutsam hineinragt. Gut, es kann jemand diesen Traum haben. Man könnte ihn weiter ausmalen. Aber er oder ein anderer kann einen anderen Traum haben: er bewegt sich durch den Eingang einer Höhle, die irgendwo meinetwillen in einen Bergkeller hineinführt. Er hat, nachdem er den Eingang durchschritten hat, noch etwas Helligkeit. Dann wird es immer finsterer und finsterer. Aber endlich kommt er an eine Stelle, wo es nicht nur völlig finster ist, sondern wo ihm auch entgegenkommen die furchtbarsten Kältewirkungen und dergleichen, so daß er von dieser Stelle aus nicht weiter in die Berghöhle hineindringen kann.

[ 9 ] Someone might dream that they are climbing a mountain; the hike becomes increasingly difficult. They finally reach a point where they can go no further, where immense obstacles loom before them. They perceive these obstacles as something that significantly intrudes into their life. Well, someone might have this dream. One could elaborate on it further. But he or someone else might have a different dream: he moves through the entrance of a cave that, for the sake of argument, leads into a mountain cavern somewhere. After passing through the entrance, he still has some light. Then it grows darker and darker. But finally, he reaches a point where it is not only completely dark, but where he is also met by the most terrible effects of cold and the like, so that from this point on, he cannot penetrate any further into the mountain cave.

[ 10 ] Sehen Sie, da haben Sie zwei dem Inhalte nach ganz verschiedene Träume; dramatisch stellen sie beide dar ein Unternehmen, das anfangs geht, dann Schwierigkeiten bietet, dann an ein unüberwindliches Hindernis kommt. Die Bilder sind ganz verschieden, der dramatische Verlauf ist der gleiche. Beiden Träumen kann nun dasselbe Ereignis in der übersinnlichen Welt, gewissermaßen hinter der Szene des Lebens, zugrunde liegen. Es kann bei beiden Träumen ganz dasselbe in der Seele vorgegangen sein, und ganz dasselbe kann sich in den verschiedensten Bildern nach außen hin zum Abbilde bringen.

[ 10 ] You see, here you have two dreams that are quite different in content; dramatically, both depict an undertaking that starts off well, then encounters difficulties, and finally comes up against an insurmountable obstacle. The images are quite different, but the dramatic progression is the same. Both dreams may be based on the same event in the supersensible world—behind the scenes of life, so to speak. The exact same process may have taken place in the soul in both dreams, and the exact same process may manifest outwardly in the most diverse images.

[ 11 ] Das will eben darauf aufmerksam machen, daß man nicht in äußerlicher Weise, wie es so häufig vorkommt, aus dem Inhalt der Träume zu schließen habe, sondern aus dem dramatischen Verlauf zunächst sich zu unterrichten habe, durch was des Menschen Seele und Geist da durchgegangen sein kann. Dann wird man, wenn man außerdem noch sein Vorstellungsvermögen dabei unterstützt durch solche Übungen, von denen ich in diesen Tagen gesprochen habe, dann wird man allmählich immer mehr und mehr hineinkommen, aus der illusionären Bilderwelt des Traumes heraus dasjenige durch die Dramatik hindurch erfassen zu können, was eigentlich als eine übersinnliche, zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erlebte Wirklichkeit dem Traume zugrunde liegt.

[ 11 ] This is simply meant to draw attention to the fact that one should not draw conclusions from the content of dreams in a superficial way, as so often happens, but should first gain insight from the dramatic course of events into what the human soul and spirit may have gone through. Then, if one also supports one’s imagination with exercises such as those I have spoken of in recent days, one will gradually be able to move deeper and deeper into the dream’s illusory world of images and, through its dramatic structure, grasp what actually underlies the dream as a supersensory reality experienced between falling asleep and waking up.



[ 12 ] Bevor ich über Einzelheiten des Traumes, seiner Beziehung zu dem physischen Körper des Menschen und zu dem Geistigen des Menschen spreche, was in den nächsten Tagen noch geschehen soll, möchte ich heute charakterisieren, wie der Mensch durch die Traumeswelt sich in den ganzen Kosmos, in das ganze Universum hineingestellt zeigt. Man kann ja sehen, wie im Traume beginnt ein ganz anderer Zusammenhang der einzelnen Ereignisse des Lebens, als derjenige ist, den wir im Wachleben durchmachen. Im Wachleben — das haben wir ja gerade an den eben erwähnten Beispielen gesehen — stellen sich nach den Gesetzen, in denen wir in der sinnlichen Welt einmal drinnen sind, die Dinge in einem gewissen Zusammenhang dar. Ein Folgendes muß immer auf ein Früheres kommen. Der Traum zeigt dasjenige, was in der gewöhnlichen Sinneswelt geschehen kann, in vollständiger Auflösung. Es wird alles anders; es löst sich alles auf. Dasjenige, was, wie der Mensch selbst, als sinnliches Wesen an den Erdboden durch die Schwere gebunden ist, kann im Traume plötzlich fliegen. Der Mensch macht Kunstflüge ohne Flugzeug im Traume. Woran man sich sonst die Zähne ausbeißt, an einem mathematischen Problem zum Beispiel, das erlebt man im Traume so, als ob man es kinderleicht gelöst habe. Man erinnert sich dann vielleicht an die Lösung im Wachen nicht mehr — nun, das ist ja ein persönliches Unglück —, aber jedenfalls hat man die Vorstellung, daß die Hemmnisse, die Hindernisse im Vorstellen, die im Tagesleben da sind, nicht da seien. Und so wird alles, was im Tagesleben einen festen Zusammenhang hat, in einer gewissen Weise im Traume aufgelöst. Wollen wir uns ein sinnliches Bild machen von dem, was da im Traume eigentlich geschieht — für unser Vorstellen natürlich nur geschieht —, so können wir sagen: Wir stellen meinetwillen ein Glas mit einer Flüssigkeit, mit Wasser hin, geben irgendein Salz, das sich auflösen kann, in das Wasser hinein und schauen nun dem Auflösen zu. Das Salz, nehmen wir an, wäre sogar kristallisiert und hätte bestimmte Formen. Das Salz zeigt uns zunächst, wenn wir es hineinwerfen, die bestimmtesten Formen. Dann aber sehen wir, wie sich die Formen auflösen, die phantastischsten Formen annehmen, bis sich endlich das ganze Salz im Wasser aufgelöst hat und wiederum eine mehr oder weniger homogene Flüssigkeit erscheint.

[ 12 ] Before I discuss the details of the dream, its relationship to the human physical body and to the human spiritual realm—which I plan to do in the coming days—I would like to describe today how, through the world of dreams, the human being places itself within the entire cosmos, within the entire universe. One can indeed see how, in the dream, a completely different interconnection of life’s individual events begins to emerge than the one we experience in waking life. In waking life—as we have just seen in the examples mentioned—things present themselves in a certain interconnection according to the laws that govern the sensory world once we are immersed in it. What comes next must always follow what came before. The dream reveals that which can happen in the ordinary sensory world in a state of complete dissolution. Everything becomes different; everything dissolves. That which, like human beings themselves as sensory beings, is bound to the earth by gravity can suddenly fly in a dream. In a dream, a person performs aerobatics without an airplane. Things that one otherwise struggles with—a mathematical problem, for example—are experienced in a dream as if they had been solved with childlike ease. One may then no longer remember the solution while awake—well, that is a personal misfortune—but in any case, one has the impression that the inhibitions and obstacles to imagination that exist in daily life are not present. And so everything that has a fixed connection in daily life is, in a certain sense, dissolved in a dream. If we want to form a sensory image of what is actually happening in a dream—which, of course, only happens in our imagination—we can say: Let’s imagine a glass containing a liquid, such as water; we add some kind of salt that can dissolve into the water and then watch as it dissolves. Let’s assume the salt is even crystallized and has specific shapes. When we drop it in, the salt initially reveals the most distinct shapes. But then we see how these shapes dissolve, taking on the most fantastical forms, until finally all the salt has dissolved in the water and a more or less homogeneous liquid reappears.

[ 13 ] So ähnlich geht es im Vorstellen, im seelischen Erleben mit dem Traum. Sowohl der Einschlafetraum wie der Aufwachetraum nehmen sich heraus die gewöhnlichen Tageserlebnisse, lösen sie auf, geben ihnen alle möglichen phantastischen Formen, allen möglichen phantastischen Sinn; phantastisch nennen wir es vom Standpunkt des gewöhnlichen Bewußtseins aus. Es ist das ein ganz gutes Bild, die Auflösung irgendwelcher Salze in einer Flüssigkeit, für dasjenige, was seelisch-geistig eben eigentlich im Traume geschieht.

[ 13 ] This is roughly how it works in the imagination, in the psychological experience of dreaming. Both the dream we have as we fall asleep and the dream we have upon waking take the ordinary experiences of the day, break them down, and give them all kinds of fantastical forms and all kinds of fantastical meanings; we call it “fantastic” from the standpoint of ordinary consciousness. The dissolution of certain salts in a liquid is a very good metaphor for what actually happens psychologically and spiritually in a dream.

[ 14 ] Nun wird man, wenn man so recht hineingewachsen ist in die heutige Vorstellungswelt, nicht leicht zu einem unbefangenen Begreifen dieser Tatsache kommen, denn die heutige, insbesondere die heutige sich wissenschaftlich nennende Menschheit weiß von gewissen Dingen tatsächlich außerordentlich wenig.

[ 14 ] Now, once one has become thoroughly immersed in today’s worldview, it is not easy to arrive at an unbiased understanding of this fact, for today’s humanity—especially that which calls itself scientific—actually knows extraordinarily little about certain things.

[ 15 ] Wirklich, diese Dinge, die ich jetzt sage, sage ich nicht aus dem Grunde, weil ich gerne auch der Wissenschaft etwas am Zeuge flikken möchte. Das ist gar nicht meine Absicht. Ich schätze die Wissenschaftlichkeit und möchte nirgends Laientum oder Dilettantentum an die Stelle des wissenschaftlichen Betriebes gesetzt wissen. Man muß auch gerade vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus die großen Fortschritte und auch die begrenzte Wahrheit und Sicherheit der gegenwärtigen Wissenschaftlichkeit durchaus anerkennen. Das also durchaus vorausgesetzt. Dennoch muß das Folgende gesagt werden.

[ 15 ] Truly, I am not saying these things now simply because I would like to take a swipe at science. That is not my intention at all. I value scientific rigor and would never want to see amateurism or dilettantism take the place of scientific practice. Precisely from the standpoint of the humanities, one must fully acknowledge the great advances—as well as the limited truth and certainty—of contemporary scientific practice. Having made that clear, the following must nevertheless be said.

[ 16 ] Die Menschen nehmen heute, wenn sie etwas wissen wollen, die irdischen Dinge und irdischen Vorgänge. Sie beobachten sie und schließen aus den Beobachtungen auf Naturgesetze. Sie machen wohl auch Experimente, um der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen, und lassen sich aus dem, was die Experimente ergeben, wiederum ihre Naturgesetze offenbaren. Und so kommt man auf eine bestimmte Art von Gesetzen, die man dann seine Wissenschaft nennt. Und dann blickt man hinaus in die Himmelsweiten. Man sieht in den Himmelsweiten, sagen wir, die wunderbaren Spiralnebel, sieht in diesen Spiralnebeln einzelne Weltenkörper entstehen und dergleichen. Man nimmt diese Dinge heute selbst durch die photographische Methode auf, die noch viel genauer die Sachen zeigt als die gewöhnliche Beobachtung durch das Teleskop oder dergleichen. Und was tut man dann, um Erkenntnisse zu gewinnen über dasjenige, was da in den räumlichen Himmelsweiten vor sich geht? Man nimmt die Naturgesetze der Erde, dasjenige, was man von der Erde aus geschlossen hat, was man da erexperimentiert hat, das nimmt man, und dann spekuliert man darüber nach, wie nach denselben Naturgesetzen sich solch ein Spiralnebel in Raumesfernen gebildet haben könnte. Man macht Hypothesen und Theorien über Weltentstehung und Weltuntergang, um dasjenige, was man in seinem Laboratorium an dem Erdmangan, Erdensauerstoff, Wasserstoff entdeckt hat, als Naturgesetze anzuwenden auf die Himmelssphäre. Und wenn man dabei neue Stoffe entdeckt, so macht man ja zuweilen so unbewußte Andeutungen, daß man da in recht zweifelhaftes wissenschaftliches Getriebe hineinkommt. Man hat da überall Wasserstoff gefunden in den Raumesweiten, Helium zum Beispiel, aber man hat noch einen anderen Stoff gefunden, der hat einen sonderbaren Namen, sonderbar, weil er schon etwas hindeutet auf die Verwirrung des Denkens, die da eintritt. Er heißt nämlich Nebulium. Es wird das Denken da nebelhaft, daher dieses Nebulium neben dem Helium, neben dem Wasserstoff. Wenn man so einfach dasjenige, was man in seinem Erdenlaboratorium als Naturgesetze erkundet hat, anwendet, und nun auf die Art zum Beispiel des schwedischen Denkers Arrhenius, der in dieser Beziehung wirklich unendlich viel Unheil angerichtet hat, nachspekuliert, was da draußen in räumlichen Weiten vor sich gehen könne, dann muß man notwendigerweise in Irrtum über Irrtum hineinkommen, wenn man das Folgende nicht in unbefangener Art betrachten kann.

[ 16 ] Today, when people want to know something, they turn to earthly things and earthly processes. They observe them and deduce the laws of nature from their observations. They also conduct experiments to uncover nature’s secrets, and in turn, allow the results of these experiments to reveal the laws of nature to them. And so one arrives at a certain kind of law, which one then calls “science.” And then one looks out into the vastness of the heavens. In the vastness of the heavens, one sees, for example, the marvelous spiral nebulae; one sees individual celestial bodies forming within these spiral nebulae and the like. Today, one even captures these phenomena using photographic methods, which reveal them much more precisely than ordinary observation through a telescope or similar instruments. And what does one do then to gain insights into what is happening out there in the vastness of space? One takes the laws of nature on Earth—what one has deduced from Earth, what one has experimentally verified there—and then speculates on how, according to those same laws of nature, such a spiral nebula might have formed in the depths of space. We formulate hypotheses and theories about the origin and end of the universe in order to apply what we have discovered in our laboratories—such as manganese, oxygen, and hydrogen on Earth—as laws of nature to the celestial sphere. And when new substances are discovered in the process, one sometimes makes such unconscious insinuations that one gets caught up in rather dubious scientific speculation. Hydrogen has been found everywhere in the vastness of space—helium, for example—but another substance has also been discovered that has a peculiar name, peculiar because it already hints at the confusion of thought that arises there. It is called nebulium. Thinking becomes foggy there—hence this “nebulium” alongside helium and hydrogen. When one simply applies what one has investigated as the laws of nature in one’s earthly laboratory, and then speculate—in the manner, for example, of the Swedish thinker Arrhenius, who has truly caused an infinite amount of harm in this regard—about what might be happening out there in the vastness of space, one inevitably falls into error upon error unless one can view the following with an open mind.

[ 17 ] Sehen Sie, ich möchte wiederum von einem Vergleich ausgehen: Es ist Ihnen ja aus der Naturwissenschaft bekannt, wie Newton, der englische Physiker, Naturphilosoph, die Theorie aufgestellt hat der sogenannten Gravitation, der Schwerewirkung im ganzen Weltenraum. Er dehnte das Gesetz der Gravitation, das man am gewöhnlichen fallenden Stein sieht, den die Erde anzieht, auf die gegenseitigen Verhältnisse aller Weltenkörper aus. Er sprach auch aus, wie die Kraft dieser Gravitation, die Stärke, mit der Entfernung immer abnimmt.

[ 17 ] You see, I would like to start with a comparison once again: As you know from the natural sciences, Newton, the English physicist and natural philosopher, formulated the theory of so-called gravitation, the force of gravity throughout the universe. He extended the law of gravitation—which can be observed in the ordinary falling stone attracted by the Earth—to the mutual relationships of all celestial bodies. He also explained how the force of this gravitation, its strength, decreases with distance.

[ 18 ] Für Physiker, die in diesem Saale etwa sein könnten, kann man ja sagen, daß das Gesetz lautet, daß die Schwere mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, also in der Entfernung 2 viermal, in der Entfernung 3 neunmal schwächer ist; das heißt also mit dem Grade der Entfernung nimmt die Schwere ab.

[ 18 ] For physicists who might be present in this hall, one can say that the law states that gravity decreases with the square of the distance; thus, at a distance of 2, it is four times weaker, and at a distance of 3, it is nine times weaker; in other words, gravity decreases with the degree of distance.

[ 19 ] Sehen Sie, für eine solche Kraft stellt man ein solches Gesetz auf. Das ist ganz richtig. Aber man hat nicht die Möglichkeit, wenn man bloß im rein physischen Dasein stehenbleibt, dieses Gesetz nun universell genug zu denken. Man denkt sich, wenn man hier einen Weltenkörper hat, dann nimmt seine Gravitationskraft mit der Entfernung ab; sie ist stark, sie wird schwächer, noch schwächer, noch schwächer und immer schwächer.

[ 19 ] You see, for a force like this, one formulates a law like this. That is quite correct. But if one remains confined to a purely physical existence, one does not have the ability to conceive of this law as being universal enough. One imagines that if there is a celestial body here, its gravitational force decreases with distance; it is strong, then it grows weaker, weaker still, weaker still, and weaker and weaker.

[ 20 ] So ist es ja auch mit der Lichtausbreitung. Das Licht, das sich ausbreitet von einem bestimmten Lichtquell, wird immer schwächer und schwächer.

[ 20 ] It's the same with the propagation of light. Light that travels from a specific light source becomes weaker and weaker.

[ 21 ] Das durchschaut der gegenwärtige Mensch mit seiner Wissenschaft. Aber er durchschaut nicht das andere, daß, wenn er Naturgesetze hier auf dem Erdenkörper aufstellt in seinem Laboratorium und diese Naturgesetze in Ideen bringt, daß die Wahrheit dieser Naturgesetze, der Inhalt dieser Naturgesetze auch aufhört, je weiter man sich von der Erde entfernt. Wenn man also auf der Erde ein Gesetz für die Verbindung von Elementen aufstellt, Sauerstoff und Wasserstoff oder irgendwelchen Elementen, wenn man auf der Erde das Gravitationsgesetz aufstellt, so nimmt die Wahrheit des Inhaltes dieses Gesetzes eben auch mit dem Hinausgehen in den Weltenraum ab. Und wenn ich hier in meinem Laboratorium ein gewisses Naturgesetz aufgestellt habe, und ich übertrage dieses Naturgesetz auf einen Spiralnebel im fernen Weltenraum, so habe ich genau dasselbe getan, als wenn ich glaube, wenn ich hier eine Kerze aufstelle, diese Kerze anzünde und nun durch den Weltenraum hinausstellen könnte in den Spiralnebel, so würde das Kerzenlicht da oben mit derselben Intensität scheinen wie hier. Gerade diesem selben Irrtum gebe ich mich hin, wenn ich glaube, daß das, was ich hier in meinem Laboratorium festgestellt habe, auch da draußen in dem fernen Weltenraum gilt. So daß gerade ein durchgreifender Irrtum dadurch entsteht, daß man das, was man in einem Erdenlaboratorium als ganz richtige Naturgesetze findet, nun übertragt auf die Weiten des Himmelsraumes.

[ 21 ] Modern man, with his science, sees through this. But he does not see through the other fact: that when he formulates laws of nature here on Earth in his laboratory and expresses these laws of nature as ideas, the truth of these laws—the content of these laws—also ceases to apply the farther one moves away from Earth. So if one formulates a law on Earth governing the combination of elements—oxygen and hydrogen, or any other elements—or if one formulates the law of gravity on Earth, the truth of the content of that law also diminishes as one moves out into outer space. And if I have established a certain law of nature here in my laboratory and I apply this law to a spiral nebula in distant outer space, I have done exactly the same thing as if I believed that if I were to place a candle here, light it, and then extend it out through outer space into the spiral nebula, the candlelight would shine up there with the same intensity as it does here. I am committing precisely this same error when I believe that what I have established here in my laboratory also applies out there in distant space. Thus, a profound error arises precisely from applying what we find to be entirely correct laws of nature in an earthly laboratory to the vastness of outer space.

[ 22 ] Nun aber ist der Mensch nicht ausgeschlossen von jener Gesetzmäßigkeit, in die man hineinkommt, wenn eben die Erdengesetzmäßigkeit wie die Stärke der Gravitation oder des Lichtes nicht mehr gilt. Und wollte man eine Gesetzmäßigkeit, die anders ist als unsere Naturgesetze, finden im Raume, dann müßte man immer weiter und weiter von der Erde sich entfernen. Will man sie finden auf eine mehr innerlich menschliche Art, so geht man vom Wachen ins Schlafen über. Wenn wir wachen, stehen wir drinnen im Bereich dieser Naturgesetze. Wir tun alles, was wir tun, im Sinne dieser Naturgesetze. Wir nehmen uns vor, unsere Hand, unseren Arm zu erheben; die chemisch-physikalischen Vorgänge, die da in den Muskeln sich abspielen, die mechanischen Vorgänge, die sich im Knochengerüste abspielen, sie spielen sich ab nach den Gesetzen, die wir hier auf Erden in unserem Laboratorium oder durch Beobachtung erforschen. Dasjenige, was da drinnen als Seele lebt, das geht im Schlaf heraus aus dem physischen und aus dem Ätherleib. Und indem es herausgeht, dringt es in die Welt ein, die nun nicht unterworfen ist den Naturgesetzen. Deshalb beginnt der Traum ein solcher Spötter über die Naturgesetze zu werden. Wir dringen in eine ganz andere Welt hinein. Wir dringen in eine Welt hinein, in die wir uns ebenso schlafend hineinleben, wie wir wachend mit unserem physischen Körper uns in die Sinnenwelt hineinleben. Aber diese Welt ist eine andere. Diese Welt hat nicht unsere Naturgesetze, sondern diese Welt hat ganz andere Gesetze. Jede Nacht, indem wir aus unserem physischen und Ätherleib herausgehen, tauchen wir unter in eine Welt, in der unsere Naturgesetze nicht mehr gelten. Und der Traum ist diejenige Macht, welche die intensive Opposition den Naturgesetzen gegenüberstellt.

[ 22 ] But human beings are not excluded from that order of laws one enters when the laws of the Earth—such as the force of gravity or the speed of light—no longer apply. And if one were to seek a system of laws in space that differs from our natural laws, one would have to move farther and farther away from Earth. If one wishes to find it in a more inwardly human way, one passes from waking to sleeping. When we are awake, we are within the realm of these natural laws. We do everything we do in accordance with these natural laws. We resolve to raise our hand or our arm; the chemical and physical processes taking place in the muscles, the mechanical processes occurring in the skeletal structure—all unfold according to the laws we investigate here on Earth in our laboratories or through observation. That which lives within us as the soul leaves the physical body and the etheric body during sleep. And as it leaves, it enters a world that is not subject to the laws of nature. That is why the dream begins to become such a mocker of the laws of nature. We enter a completely different world. We enter a world into which we immerse ourselves while asleep, just as we immerse ourselves in the sensory world with our physical body while awake. But this world is different. This world does not follow our natural laws; rather, it has entirely different laws. Every night, as we step out of our physical and etheric bodies, we plunge into a world where our natural laws no longer apply. And the dream is the very force that presents an intense opposition to the natural laws.

[ 23 ] Indem ich träume, zeigt mir der Traum, daß ich in einer Welt lebe, die gegen die Naturgesetze protestiert, die den Naturgesetzen nicht unterworfen sein will. Wenn ich des Abends einschlafe und mich aus meinem physischen und Ätherleib herausbewege, dann lebe ich noch halb drinnen in den Naturgesetzen; aber ich trete schon ein in die Welt, die nun nicht von Naturgesetzen beherrscht wird. Da kommt dieses Durcheinander von Naturgesetzen und übersinnlichen Gesetzen im Traume zustande. Ebenso beim Aufwachen.

[ 23 ] As I dream, the dream shows me that I live in a world that defies the laws of nature, a world that refuses to be subject to them. When I fall asleep in the evening and move out of my physical and etheric bodies, I am still half within the laws of nature; but I am already entering the world that is not governed by the laws of nature. This is how the confusion of natural laws and supersensible laws arises in dreams. The same is true upon waking.

[ 24 ] Man kann nun sagen, daß man mit jedem Einschlafen hineintaucht in eine Welt, in der unsere Naturgesetze nicht gelten, und mit jedem Aufwachen taucht man auf aus dieser Welt in die Welt, in der eben unsere Naturgesetze gelten. Wenn wir uns diesen Vorgang wirklich vorstellen, so ist es ja so: Denken Sie sich die Traumeswelt wie ein Meer, in dem Sie leben. Nehmen Sie an, Sie wachen auf aus dem flutenden Traumleben des Morgens. Es ist, wie wenn Sie sich herausbewegen würden aus dem flutenden Traumleben. Sie bewegen sich von einer übersinnlichen Gesetzmäßigkeit in die sinnlich-intellektuelle Gesetzmäßigkeit hinein. Und so ist es Ihnen, als wenn alles dasjenige, was Sie nach dem Aufwachen in scharfen Konturen sehen, herausgeboren würde aus dem Flüssigen, Flüchtigen. Sagen wir, Sie sehen meinetwillen hier Fenster; wenn Sie zuerst vom Fenster träumen, so wird Ihnen auch dieses Fenster herausgeboren erscheinen von etwas Verflossenem, von etwas Unbestimmtem vielleicht, das hier (gelb) allerlei Feuerflammen hat; da taucht das Fenster auf, und würden Sie ganz lebhaft träumen, so würden Sie sehen, wie die ganze, scharf konturierte bestimmte Tageswelt Ihres Bewußtseins auftaucht aus diesem Unbestimmten, wie wenn sich aus dem Meere heraus Wellen erheben würden (blau), diese Wellen sich aber dann zur Tageswelt formen würden.

[ 24 ] One could say that every time we fall asleep, we dive into a world where our laws of nature do not apply, and every time we wake up, we surface from that world into the world where our laws of nature do apply. If we really imagine this process, it is indeed like this: Imagine the world of dreams as an ocean in which you live. Suppose you wake up from the surging dream life of the morning. It is as if you were moving out of that surging dream life. You are moving from a supersensory order of reality into the sensory-intellectual order of reality. And so it seems to you as if everything you see in sharp contours after waking up were born out of the fluid, the fleeting. Let’s say, for my sake, that you see windows here; if you first dream of a window, this window, too, will appear to you as emerging from something that has flowed away, from something indefinite perhaps, which here (yellow) has all manner of flames; then the window emerges, and if you were dreaming very vividly, you would see how the entire, sharply contoured, definite waking world of your consciousness emerges from this indeterminate state, as if waves were rising out of the sea (blue), but these waves would then take shape to form the waking world.

[ 25 ] Und hier ist einer derjenigen Punkte, wo man, wenn man als gegenwärtiger Mensch diese Dinge wieder erforscht, in jenes ehrfurchtsvolle Staunen hineinkommt, das man empfinden kann gegenüber den traumhaften Imaginationen einer früheren Menschheit, von denen ich auch in diesen Tagen gesprochen habe. Ich sagte, wenn wir zurückgehen zu demjenigen, was eine frühere Menschheit auch im Wachleben in traumhaften Imaginationen in der Seele erlebt hat, was sie dann in Mythen und Legenden in die Göttersagen geformt hat, was so unbestimmt vertfließt gegenüber demjenigen, was wir heute in fester Naturanschauung erfassen, wenn man zu dem zurückgeht mit dem, was man heute wieder entdecken kann, ganz selbständig, unabhängig von diesen alten traumhaften Imaginationen, dann kommt man aber doch zu einem ehrfürchtigen Erstaunen, zu einer ehrfürchtigen Bewunderung desjenigen, was in den Seelen dieser Menschen älterer Zeitepochen gelebt hat. Und aus dem alten Griechenland tönt uns noch ein Wort herüber, welches uns Zeugnis ist, wenn wir auf diesem Gebiete neuerdings dasjenige wieder erforschen, was die Wahrheit ist; es tönt uns aus dem alten Griechenland herüber ein Wort, welches uns bezeugt, daß die Griechen noch etwas gewußt haben von diesen Dingen, daß die Griechen sich vorgestellt haben: Es gibt etwas, was aller Weltgestaltung zugrunde liegt, aus dem sich alle bestimmten Gestalten erheben, das man aber nur erreichen kann, wenn man aus der Sinnenwelt heraus in den Schlafzustand, in einen traumhaften Zustand kommt. Das haben die Griechen genannt das Chaos. Und es war alle Spekulation, alle begriffliche Untersuchung, was das Chaos ist, vergeblich; denn das Chaos ist etwas, woran der heutige Mensch nahe kommt, wenn er ins Träumen hineinkommt. Nur noch ins Mittelalter ragt hinein irgend etwas von einer Kenntnis dessen, was so als übersinnliche, kaum schon Materie zu nennende äußere Substanz allen äußeren Substanzen zugrunde liegt, indem im Mittelalter gesprochen wird von der sogenannten Quintessenz, der fünften Wesenheit, neben den vier anderen Elementen: Erde, Wasser, Luft, Feuer — der Quintessenz.

[ 25 ] And here is one of those points where, as a person living in the present who is exploring these things anew, one is filled with that sense of awe and wonder that one can feel toward the dreamlike imaginings of an earlier humanity—which I have also spoken about in recent days. I said that when we go back to what an earlier humanity experienced in the soul—even in waking life—as dreamlike imaginings, which they then shaped into myths and legends and tales of the gods—and which now seem so vague and indistinct compared to what we grasp today in our concrete view of nature—when we return to that with what we can rediscover today, entirely on our own, independent of these ancient, dreamlike imaginings—then we do indeed arrive at a sense of awe and wonder, at a reverent admiration for what lived in the souls of those people from earlier eras. And from ancient Greece, a word still echoes to us, bearing witness to us as we once again explore in this realm what the truth is; a word echoes to us from ancient Greece that testifies that the Greeks still knew something of these things, that the Greeks imagined: There is something that underlies the entire structure of the world, from which all specific forms arise, but which can only be reached when one steps out of the sensory world into the state of sleep, into a dreamlike state. The Greeks called this Chaos. And all speculation, all conceptual inquiry into what Chaos is, was in vain; for Chaos is something that modern man comes close to when he enters the realm of dreaming. Only in the Middle Ages does something of a knowledge of what lies at the foundation of all external substances—a supersensible, external substance that can scarcely even be called matter—still emerge, in that the Middle Ages speak of the so-called quintessence, the fifth essence, alongside the four other elements: earth, water, air, fire—the quintessence.

[ 26 ] Oder es dringt etwas noch in das mittelalterliche Schauen hinein, wenn der Dichter in einer so anschaulichen Art sagt: Die Welt ist aus den Träumen gewoben. Der Grieche würde gesagt haben: Die Welt ist aus dem gewoben, was du, wenn du aus dem Sinnlichen hinausdringst in die Welt, die du frei von deinem Körper erlebst, was du da erlebst als das Chaos. — So muß man schon, um zu verstehen, was die Griechen mit dem Chaos meinten, hinweisen auf dasjenige, was nicht in den sinnlichen, was in den übersinnlichen Welten liegt.

[ 26 ] Or perhaps something of the medieval worldview still permeates the poet’s vision when he says so vividly: “The world is woven from dreams.” A Greek would have said: The world is woven from that which—when you transcend the sensory realm and enter the world you experience free from your body—you perceive as chaos. — Thus, in order to understand what the Greeks meant by chaos, one must point to that which lies not in the sensory world but in the supersensory worlds.



[ 27 ] Wenn man nun die ganzen Vorgänge des Einschlafens, Träumens, Schlafens, Aufwachens verfolgt von jenen Gesichtspunkten aus, die sich ergeben, wenn man den Weg, den ich in diesen Tagen beschrieben habe, zu der höheren Erkenntnis durch Imagination, Inspiration, Intuition hinaufsteigt in die übersinnlichen Welten, wenn man also das Traum-, Schlaf-, Wachleben von dem Gesichtspunkt dieser Erkenntnis verfolgt, so stellt sich einem etwa das Folgende dar: Der Mensch schläft hinüber aus dem gewöhnlichen Tageszustand in sein Schlafesleben, aus dem die Träume in unbestimmt chaotischer, aber auch bewunderungswürdiger, innerlich einheitlicher Art heraussteigen können. Im Bette zurückgelassen wird der physische Körper und der Ätherleib, der als das eigentlich Belebende, Gestaltende, Wachstumbewirkende den physischen Körper durchzieht. Eine Zweiheit wird im Bette zurückgelassen.

[ 27 ] If one now traces the entire process of falling asleep, dreaming, sleeping, and waking up from the perspectives that arise when one follows the path I have described in recent days toward higher knowledge through imagination, inspiration, and intuition into the supersensible worlds—in other words, if one observes the dream, sleep, and waking lives from the perspective of this knowledge—then the following picture emerges: The human being drifts off from the ordinary waking state into the life of sleep, from which dreams can emerge in an indeterminately chaotic yet also admirable and internally unified manner. Left behind in bed are the physical body and the etheric body, which, as the actual animating, shaping, and growth-promoting force, permeates the physical body. A duality is left behind in bed.

[ 28 ] Aber eine Zweiheit geht auch heraus und dringt ein in jenes übersinnliche Dasein zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, das ich Ihnen also auch heute eben vom Gesichtspunkte des Traumerlebnisses aus beschreiben konnte.

[ 28 ] But a duality also emerges and penetrates that supersensible state of being between falling asleep and waking up, which I was thus able to describe to you today from the perspective of the dream experience.

[ 29 ] Diese Zweiheit, sie stellt sich nun für die höhere Erkenntnis der Imagination, Inspiration und Intuition in der folgenden Weise dar: Da ist dasjenige, was dem Menschen eigen ist, wenn er herausdringt aus physischem und Ätherleib als sein astralischer Leib. Stoßen wir uns nicht, ich habe das schon gesagt, an Worten; man muß Worte haben, man könnte für astralischen Leib auch ein anderes Wort gebrauchen. Ich werde ja sogleich etwas charakterisieren, was den astralischen Leib betrifft, und wir werden sehen, daß es nicht auf Namen ankommt, sondern auf dasjenige, was man sich als Vorstellungen über sie aneignen kann. Dieser astralische Leib ist eine Summe von Vorgängen. Es geschieht etwas im Menschen, der aus seinem physischen und ätherischen Leib herauswächst. Eben dieses Geschehen, diese Vorgänge stellen den astralischen Leib dar. Im Ätherleib haben wir zurückgelassen die Vorstellungen, die Gedanken. Hier drinnen im astralischen Leib ist vergeistigtes Licht, von der Kraft der Liebefähigkeit durchzogene kosmische Wärme. Das alles ist im astralischen Leib vorhanden.

[ 29 ] This duality presents itself to the higher insight of imagination, inspiration, and intuition in the following way: There is that which is peculiar to the human being when he emerges from the physical and etheric bodies as his astral body. Let us not, as I have already said, get hung up on words; words are necessary, but one could also use a different word for the astral body. I will shortly describe some characteristics of the astral body, and we will see that what matters is not the name but what one can grasp as concepts about it. This astral body is a sum of processes. Something happens within the human being as they grow out of their physical and etheric bodies. It is precisely this happening, these processes, that constitute the astral body. In the etheric body, we have left behind our concepts and thoughts. Here within the astral body is spiritualized light—cosmic warmth permeated by the power of the capacity for love. All of this is present in the astral body.

[ 30 ] Dasjenige, was so im astralischen Leib vorhanden ist, das kann eben beim Aufwachen hineintauchen in den Ätherleib, sich stauen, und dann als das Gewebe, als das Spiel der Träume erscheinen, oder auch, indem es sich herausbewegt aus physischem und Ätherleib, indem es verläßt die Welt der Vorstellungen, wiederum als das Gewebe, das Spiel der einfachen Träume erscheinen. Es ist also im wesentlichen der astralische Leib, der uns herausträgt aus physischem und Ätherleib.

[ 30 ] That which is present in the astral body in this way can, upon waking, plunge into the etheric body, accumulate there, and then appear as the fabric, as the play of dreams; or, by moving out of the physical and etheric bodies and leaving the world of ideas, it can again appear as the fabric, the play of simple dreams. It is therefore essentially the astral body that carries us out of the physical and etheric bodies.

[ 31 ] Und dieser astralische Leib ist diejenige Wesenheit in uns, die, wie ich schon gesagt habe, die eigentliche Opposition macht gegen die Naturgesetze. Wir stecken vom Morgen bis zum Abend, vom Aufwachen bis zum Einschlafen in dem Getriebe der Naturgesetze drinnen, in dem Getriebe der Naturgesetze, das wir auch durch die Mathematik erfassen können in bezug auf seine Räumlichkeit und Zeitlichkeit. Indem wir einschlafen, dringen wir heraus sowohl aus dem Gewebe der Naturgesetze, wie auch aus den mathematischen Gesetzen. Wir ziehen auch die Mathematik aus, denn unser astralischer Leib, der enthält nicht die tote, abstrakte Mathematik des dreidimensionalen Raumes, sondern eine in sich geschlossene, ich möchte sagen lebendige, aber geistig lebendige Mathematik, die nur in einer Dimension verläuft, die nur in der geraden Linie verläuft. Über diese Dimensionalität werde ich noch zu sprechen haben. Aber dieser astralische Leib ist es eigentlich, der uns frei macht von unserem Haften an den Naturgesetzen, welches vorhanden ist zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. Wir werden durch unseren astralischen Leib in eine ganz andere Welt versetzt, in die übersinnliche Welt.

[ 31 ] And this astral body is the entity within us that, as I have already said, actually opposes the laws of nature. From morning to night, from waking to falling asleep, we are caught up in the workings of the laws of nature—the workings of the laws of nature that we can also grasp through mathematics in terms of their spatiality and temporality. As we fall asleep, we break free from both the fabric of the laws of nature and the mathematical laws. We also shed mathematics, for our astral body does not contain the dead, abstract mathematics of three-dimensional space, but rather a self-contained—I would say living, though spiritually living—mathematics that exists in only one dimension, that extends only in a straight line. I will have more to say about this dimensionality later. But it is actually this astral body that frees us from our attachment to the laws of nature, which exists between waking and falling asleep. Through our astral body, we are transported into a completely different world—the supersensible world.

[ 32 ] Wollte man diesen Vorgang etwa schematisch zeichnen, so müßte man sagen: Wir weben im Bereich der Naturgesetze, wenn wir wachen (weiß). Wir dringen aber mit unserem astralischen Leib, den wir ja auch in unserem physischen Leib drinnen haben, beim Einschlafen heraus (gelb). Hier im physischen und Ätherleib ist unser astralischer Leib ganz den Naturgesetzen unterworfen. Er ist ganz in allen seinen Bewegungen und Vorgängen so drinnen, daß er in den Naturgesetzen drinnen lebt, wie ich sie schematisch dargestellt habe in diesen Figuren (rote Kästchen).

[ 32 ] If one were to sketch this process schematically, one would have to say: We exist within the realm of the laws of nature when we are awake (white). However, as we fall asleep, we emerge from this realm with our astral body—which, after all, is also contained within our physical body—(yellow). Here, within the physical and etheric bodies, our astral body is entirely subject to the laws of nature. It is so completely immersed in all its movements and processes that it lives within the laws of nature, as I have schematically illustrated in these figures (red boxes).

[ 33 ] Jetzt lebt sich der astralische Leib, indem er heraustritt aus dem physischen und Ätherleib, in die übersinnliche Welt hinein, und jetzt ist er in einer anderen, in einer übersinnlichen Gesetzmäßigkeit darinnen. Der astralische Leib ist etwas ganz anderes geworden. Er hat gewissermaßen die Zwangsjacke der Naturgesetze an vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Er schläft ein, das heißt, er dringt aus physischem und ätherischem Leib heraus, und er bewegt sich in der Welt freier Gesetzmäßigkeit, die seine ihm angemessene Gesetzmäßigkeit ist. Und in was kommt er da hinein? Er kommt nun hinein in eine Welt, das heißt, er bringt uns als Menschen in eine Welt hinein, die für das Ich, für die eigentliche Ich-Organisation, die nun im astralischen Leib drinnen ist und mit ihm aus dem physischen und Ätherleib herausgeht im Einschlafen, eine freie Beweglichkeit gibt; das Ich wird frei in der Welt, in die es der astralische Leib hineingetragen hat. Jede Nacht wird das Ich in einer Welt frei, in der die Naturgesetze nicht gelten, in der das Ich frei vom Zwang der Naturgesetze schalten und walten kann. Wenn wir zwischen dem Einschlafen und Aufwachen stehen und uns unser astralischer Leib befreit hat von den Naturgesetzen, wenn nicht mehr die Gravitation, nicht mehr das Gesetz der Energie, wenn gar nichts mehr von allen diesen Gesetzen gilt in der Welt, in die wir jetzt eingetreten sind, dann ist die Bahn freigegeben für jene sittlichen Impulse, die nur hier sich, ich möchte sagen, unter dem Zwang der sinnlichen Weltordnung in der Welt ausleben können, in der wir sind zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. In einer Welt, in der das Sittengesetz nun dieselbe Kraft und Gewalt erlangt, wie hier die Naturgesetze haben, lebt das Ich vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und in dieser Welt kann das Ich etwas vorbereiten. Das Ich kann in dieser Welt, in der es befreit ist im Schlafzustande von den Naturgesetzen, vorbereiten dasjenige, was es dann auszuführen hat, wenn es durch die Pforte des Todes geschritten ist. Über diesen Weg vom Tod bis zu einer neuen Geburt werden wir dann in den weiteren Vorträgen zu reden haben.

[ 33 ] Now the astral body comes to life by stepping out of the physical and etheric bodies and into the supersensible world, and now it is subject to a different, supersensible order of laws within that world. The astral body has become something entirely different. From the moment we wake up until we fall asleep, it is, so to speak, bound by the straitjacket of the laws of nature. It falls asleep—that is, it emerges from the physical and etheric bodies—and moves into the world of free laws, which are the laws appropriate to it. And what does it enter there? It now enters a world—that is, it carries us as human beings into a world that affords the “I,” the actual “I”-organization, which is now within the astral body and leaves the physical and etheric bodies with it as we fall asleep, a freedom of movement; the “I” becomes free in the world into which the astral body has carried it. Every night, the “I” becomes free in a world where the laws of nature do not apply, where the “I” can act as it pleases, free from the constraints of those laws. When we are in the state between falling asleep and waking up, and our astral body has freed us from the laws of nature—when gravity no longer applies, nor the law of energy, when none of these laws apply at all in the world into which we have now entered—then the way is clear for those moral impulses that can only be lived out here, I might say, under the compulsion of the sensory world order—in the world in which we find ourselves between waking and falling asleep. In a world where the moral law now attains the same power and authority as the laws of nature have here, the “I” lives from falling asleep until waking. And in this world, the “I” can make preparations. In this world, where it is freed from the laws of nature during sleep, the “I” can prepare what it must then carry out once it has passed through the gate of death. We will then discuss this path from death to a new birth in the subsequent lectures.

[ 34 ] Das Ich kann nun vorbereiten zunächst in Bildformen, in Imaginationen, die aber nicht vorgestellt werden, sondern die Kraftimpulse sind, das Ich kann vorbereiten zwischen dem Einschlafen und Aufwachen die Bilder desjenigen, was es dann in der Geistwirklichkeit zu leisten hat. Wenn es durch die Pforte des Todes getreten ist, werden nämlich die Sittengesetze so sein, wie unsere Naturgesetze hier in der physisch-sinnlichen Welt sind. Hier zwischen dem Einschlafen und Aufwachen bereitet das durch den astralischen Leib befreite Ich schon in Bildern dasjenige vor, was in Geistwirklichkeit durchgemacht werden muß zwischen dem Tode und einem neuen Erdenleben. So daß wir sagen können: Das Ich arbeitet schon, wenn auch keimhaft, wie in einem ganz kleinen Geistkeim dasjenige aus, was es dann zu leisten hat im Geist-Universum nach dem Tode. Und in dem, was das Ich in diesem Schlafzustande schon hier ausarbeitet im Bilde, liegt schon angedeutet dasjenige, was wir durch keine Naturgesetze, sondern nur durch die geistige Welt von diesem Erdenleben in das nächste Erdenleben hinübernehmen können. Die Kausalitat desjenigen, was wir als sittlicher Mensch in uns aufgenommen haben, die sittlichen Impulse können wir hier nur dadurch verfolgen, daß wir uns gewissermaßen mit einem inneren Seelengehorsam unter sie stellen. So wie das Ich sie ausarbeitet im Schlafzustande und dann weiterarbeitet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so gewinnen diese sittlichen Impulse dieselben Kräfte, die sonst hier Naturgesetze haben, und kleiden sich hinein in den nächsten Menschenleib, den wir im folgenden Erdenleben tragen werden als unsere sittlich-natürliche Verfassung, als unser Temperament, als unsere Charakteranlage, die man nur mit Unrecht einer bloßen Vererbung zuschreibt, die so ausgearbeitet wird, daß das Ich schon daran zu arbeiten hat im Schlafzustande, wenn es durch den astralischen Leib befreit in einer nun nicht natürlichen, sondern in einer rein geistigen Welt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen waltet. Und so können wir sehen, wie der Mensch durch den Schlafzustand schon seine Zukunft vorbereitet, wie er sich hineinlebt in seine Zukunft.

[ 34 ] The “I” can now prepare—initially in the form of images, in imaginations that are not merely visualized but are rather impulses of power—the “I” can prepare, between falling asleep and waking up, the images of what it must then accomplish in spiritual reality. For once it has passed through the gate of death, the moral laws will be just as our natural laws are here in the physical-sensory world. Here, between falling asleep and waking up, the “I”—liberated by the astral body—already prepares, in images, what must be experienced in spiritual reality between death and a new earthly life. So that we can say: The “I” is already working out—albeit in a nascent form, as in a very small spiritual seed—what it will then have to accomplish in the spiritual universe after death. And in what the “I” is already working out here in this state of sleep through images, there is already a hint of what we can carry over from this earthly life into the next—not through any natural laws, but only through the spiritual world. We can trace the causality of what we have taken in as moral beings—these moral impulses—only by submitting ourselves to them, as it were, with an inner obedience of the soul. Just as the “I” works them out during sleep and then continues to work on them between death and a new birth, so do these moral impulses acquire the same forces that are otherwise governed by natural laws here, and they clothe themselves in the next human body that we will bear in our next earthly life as our moral constitution, as our temperament, as our character disposition—which is wrongly attributed to mere heredity—and which is shaped in such a way that the “I” must already begin working on it during sleep, when, freed through the astral body, it reigns not in a natural world but in a purely spiritual one between falling asleep and waking up. And so we can see how, through the state of sleep, a person is already preparing for their future, how they are living their way into their future.

[ 35 ] Und was zeigt uns der Traum? Ich möchte sagen: Da arbeitet das Ich während des Schlafens, aber der Traum zeigt uns diese Arbeit in illusionären Bildern. Wir können noch nicht in dieses Erdenleben hereinnehmen, was schon während des Schlafzustandes für das nächste Erdenleben gewoben wird. Der Traum — ich habe das im Anfang meines heutigen Vortrages erklärt — kann uns in seinen Bildern verworren dasjenige zeigen, was wir durchgemacht haben in früheren Erdenleben, so wie er in chaotischen Formen dasjenige zeigt, was keimhaft vorbereitet wird für die Menschheitszukunft in künftigen Zeiten.

[ 35 ] And what does the dream reveal to us? I would say: The “I” is at work during sleep, but the dream presents this work to us in illusory images. We cannot yet bring into this earthly life what is already being woven during sleep for the next earthly life. The dream—as I explained at the beginning of my lecture today—can show us, in its confused images, what we have experienced in previous earthly lives, just as it reveals, in chaotic forms, what is being prepared in embryonic form for humanity’s future in times to come.

[ 36 ] So führt uns in der Tat die richtige Interpretation des Traumes dazu, anzuerkennen, daß der Traum doch etwas ist wie ein Fenster, durch das wir nur in der richtigen Weise durchschauen müssen, wie ein Fenster hinein in die übersinnliche Welt. Denn hinter diesem Fenster liegt dasjenige, was das Gewebe der Ich-Tätigkeit ist, die da dauert von früheren Erdenleben bis zu künftigen Erdenleben. Wir schauen schon in einer gewissen Weise, wenn wir den Traum in der richtigen Weise interpretieren können, durch das Fenster des Traumes von der Welt der Vergänglichkeit, in der wir als Erdenmensch leben, in die Welt der Dauer, der Ewigkeit, der wir mit unserer eigentlichen inneren Menschenwesenheit angehören.

[ 36 ] Indeed, the correct interpretation of the dream leads us to recognize that the dream is, after all, something like a window—one through which we need only look in the right way—a window into the supersensible world. For behind this window lies the very fabric of ego activity, which extends from past earthly lives to future earthly lives. In a certain sense, when we are able to interpret the dream correctly, we already look through the window of the dream from the world of transience—in which we live as earthly human beings—into the world of permanence, of eternity, to which we belong with our true inner human being.

[ 37 ] Davon will ich dann morgen weitersprechen.

[ 37 ] I'll talk more about that tomorrow.