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Initiations-Erkenntnis
GA 227

22 August 1923, Penmaenmawr

Das Traumleben

[ 1 ] Zwischen das Wachleben des Menschen und das Schlafleben, von denen ich Ihnen wenigstens einiges skizzenhaft in der letzten Betrachtung habe schildern können, stellt sich hinein das Traumleben. Dieses Traumleben, das so wenig Bedeutung für die unmittelbare Wirklichkeit des Alltags haben kann, hat aber für die tiefere Erkenntnis sowohl der Welt wie auch des Menschen die denkbar größte Bedeutung. Nicht nur dadurch, daß in der Geisteswissenschaft, von der hier die Rede ist, die Bedeutung dieses Traumes voll gewürdigt werden muß, damit man von der Betrachtung des Traumes zu manchem anderen übergehen kann, sondern auch deshalb hat dieses Traumleben eine so besondere Bedeutung, weil es sozusagen die Ecke darstellt, durch welche gewisse andere Welten, als diejenige ist, die der Mensch wachend erlebt, in diese gewöhnliche Welt hereinscheinen. So daß der Mensch oftmals gerade durch das Rätselvolle der Traumesgebilde aufmerksam wird nicht nur darauf, daß es in den Untergründen oder auch Obergründen der ihm zugänglichen Welt noch andere Welten gibt, sondern auch darauf, wie etwa das Wesen dieser Welten sein könne.

[ 2 ] Aber auf der anderen Seite ist es außerordentlich schwierig, in dieses ganze rätselhafte Traumleben vom Standpunkt des höheren Bewußtseins aus einzudringen, denn der Traum ist im Leben eine Macht, die den Menschen in die denkbar größte Illusion hineinversetzen kann. Und man wird leicht gerade gegenüber dem Traume geneigt, dasjenige, was sich illusionär hineinstellt in das Leben, in einer falschen Weise auf seine Wirklichkeit zu beziehen. Gehen wir einmal auf diese Weise vor, indem wir uns dabei durchaus auf dasjenige beziehen, was ich schon über das Schlafesleben und auch über die wiederholten Erdenleben gesagt habe.

[ 3 ] Ein Beispiel, das in der einen oder anderen Art im Traumleben sich immer wiederholt, ist das, daß man im Traume irgend etwas gemacht hat, woran man im Wachleben gar nicht denken könnte, es irgendwie schon gemacht zu haben, was eben ganz außerhalb des Bereiches der Möglichkeit lag, es zu machen im bisherigen Erdenleben. Dann träumt man, daß man dieses, was man nun verfertigt hat, nicht finden könne, und man sucht wie ein Verrückter nach diesem abhanden gekommenen Dinge, das man gemacht zu haben glaubt.

[ 4 ] Betrachten wir das Beispiel konkreter. In dieser Form, wie ich es geschildert habe, variiert in der einen oder anderen Art, kommt das ja im Traumleben eines jeden Menschen vor. Betrachten wir es konkret. Sagen wir, ein Schneider habe geträumt, obwohl er nur ein ganz kleiner Schneider ist für kleinbürgerliche Leute, daß er für einen Minister einen Staatsrock gemacht habe. Nun fühlt er sich schon ganz wohl in diesem Verfertigen des Staatsrockes, der nun schon da sein soll. Aber gleich darauf verwandelt sich der Traum in die Stimmung, daß er nun überall diesen Rock sucht, als er ihn dem Minister abliefern soll, und er kann ihn nirgends finden.

[ 5 ] Hier haben Sie einen Traum, der ganz und gar in den Formen verläuft, die der Betreffende zwar nicht im Leben ausführen kann, die er sich aber namentlich wunschhaft recht gut noch vorstellen kann in dem Leben, das er eben auf der Erde führt. Ausführen kann er die Sache nicht, weil er eben nur ein kleiner Schneider für kleinbürgerliche Leute ist, und man kann den Rock nicht bei ihm bestellen. Aber manchmal mag durch seine kühnen Tagträume der Wunsch gegangen sein, einen solchen Staatsrock zu verfertigen. Vielleicht kann er das gar nicht, aber es wird der Wunsch seiner Tagträume.

[ 6 ] Aber was liegt dem zugrunde? Dem liegt tatsächlich eine Wirklichkeit zugrunde. Wenn der Mensch mit seinem Ich und seinem astralischen Leib schlafend außerhalb des physischen Leibes und des ätherischen Leibes ist, dann befindet er sich ja in derjenigen Wesenheit, die durch die wiederholten Erdenleben durchgeht.

[ 7 ] Dasjenige, was innerlich kraftet, was eigentlich innerlich tätig ist zunächst an seinem eigenen Wesen, während der Mensch schläft, das ist Ich und ist astralischer Leib: Das braucht in seinen Erlebnissen nicht etwa bloß Erinnerung zu haben an das eben jetzt verlebte Erdenleben, sondern das kann Erinnerungen haben an andere Erdenleben. Und ich erzähle Ihnen nicht irgend etwas hypothetisch Angenommenes, sondern etwas, was durchaus dem Gebiete der Wirklichkeit entstammt, von der ich spreche. Es kann also sein, daß der Betreffende allerdings einmal beteiligt war — sagen wir in alter römischer Zeit in einem früheren Erdenleben — an dem Bestellen einer besonders stattlichen Toga. Er braucht dazumal nicht einmal Schneider gewesen zu sein, aber er kann irgendwie der Diener oder vielleicht sogar der Freund eines römischen Staatsmannes gewesen sein. Sein Schicksal kann ihn vielleicht gerade dadurch, daß er dazumal einen so lebendigen Wunsch hatte, seinen Herrn in einer möglichst würdigen Weise vor die Welt hinzustellen, in dieser Inkarnation zu seinem Berufe gebracht haben. Denn für das gesamtmenschliche Leben sind eben gerade Wünsche, Gedanken von einer außerordentlich großen Bedeutung. Und so kann die Erinnerung an das in dieser Weise in einem früheren Erdenleben Durchlebte die Seele und den Geist des Menschen, Ich und astralischen Leib, durchziehen. Dann am Morgen, wenn der Mensch nun untertaucht, so wie ich das gestern nur skizzenhaft aufgezeichnet habe, mit seinem Ich und astralischen Leib in den ätherischen Leib und den physischen Leib, dann taucht diese Seele, die noch eben gesteckt hat in dem erinnernden Erleben von der Schönheit der Staatstoga, nun unter in diejenigen Vorstellungen, die der betreffende Kleidermacher im jetzigen Erdenleben haben kann; die stekken in seinem ätherischen Leibe. Da staut sich dasjenige, was eben noch als auf die alte Römerzeit bezüglich erlebt worden ist, das staut sich. Es soll hinein in die Vorstellungen, die er bei Tag haben kann. Aber bei Tag hat er nur dasjenige an Vorstellungen, daß er für die kleinbürgerlichen Leute Kleider macht. Nun kann die Seele, wenn sie da untertaucht, nur außerordentlich schwer umsetzen dasjenige, was sie eben an der schönen Staatstoga empfunden hat; das kann sie schwer vorstellen an den schrecklichen Kleidern, die der Kleidermacher zu machen hat. Da verwandelt es sich beim Übergehen, bei der Stauung, von der Vorstellung der Toga zu dem gegenwärtigen ministeriellen Staatsrock, und erst später, wenn der Betreffende ganz untergetaucht ist in seinen ätherischen und physischen Leib, dann vertilgt das, was er nun vorstellen muß, dasjenige, was er kurz vor dem Aufwachen erlebt hat.

[ 8 ] So haben wir eben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unser gesamtmenschliches Leben da. In unserem Innern müssen wir uns mit unserem gesamtmenschlichen Leben entgegenstellen demjenigen, was wir in diesem Erdenleben vorstellen, denken können nach unseren Erfahrungen, und bekommen dadurch die sonderbaren Gestaltungen des Traumes heraus. Daher ist es gerade beim Traum so schwierig, seinen Inhalt, den er zunächst darbietet, und der ein vollständiges Gaukelbild sein kann, zu unterscheiden von der wahren Wirklichkeit, die eigentlich immer dahintersteckt. Diese wahre Wirklichkeit kann etwas ganz anderes sein. Aber derjenige gewöhnt sich nach und nach, in das ganze verwickelte Geschehen des Traumlebens sich hineinzufinden, der eben darauf aufmerksam wird, daß man beim Traume weniger dasjenige zu beachten hat, was einem in Bildern vor die Seele gezaubert wird, denn diese Bilder werden geformt von dem ja eigentlich im Bette zurückgelassenen ätherischen Leib, der die Gedanken, die Vorstellungen eben in sich trägt. Diese Vorstellungen hat man ja nicht in seinem eigentlichen inneren Wesen während des Schlafes. Man muß diesen Inhalt der Vorstellungen unterscheiden von etwas anderem, und dieses andere möchte ich nennen den dramatischen Verlauf des Traumes. Man muß sich allmählich gewöhnen, an den dramatischen Verlauf des Traumes so seine Aufmerksamkeit zu wenden, daß man sich frägt: Verläuft dieser Traum so, daß er, wenn die betreffenden Tatsachen im Tagesleben erfahren würden, ungeheure Freude machen würde? Hat man auch im Traume diese Freude, diese Befreiung erlebt, oder segelt man hinein im Traume in eine Katastrophe? Geht man von einer gewissen Exposition, wo sich Dinge zeigen können, dann verwickeln und dann ein Absturz kommt, über zu irgendeiner Katastrophe? Diese Fragen sollte man in erster Linie beachten, wenn das Traumleben in Betracht kommt, also nicht den gedanklichen Inhalt, sondern das dramatische Geschehen.

[ 9 ] Es kann jemand träumen, er steigt auf einen Berg hinauf; die Bergwanderung wird immer schwieriger und schwieriger. Er kommt endlich an einen Punkt, wo er nicht weiter kann, wo sich ihm ungeheure Hindernisse entgegentürmen. Er empfindet diese Hindernisse wie etwas, was in sein Leben bedeutsam hineinragt. Gut, es kann jemand diesen Traum haben. Man könnte ihn weiter ausmalen. Aber er oder ein anderer kann einen anderen Traum haben: er bewegt sich durch den Eingang einer Höhle, die irgendwo meinetwillen in einen Bergkeller hineinführt. Er hat, nachdem er den Eingang durchschritten hat, noch etwas Helligkeit. Dann wird es immer finsterer und finsterer. Aber endlich kommt er an eine Stelle, wo es nicht nur völlig finster ist, sondern wo ihm auch entgegenkommen die furchtbarsten Kältewirkungen und dergleichen, so daß er von dieser Stelle aus nicht weiter in die Berghöhle hineindringen kann.

[ 10 ] Sehen Sie, da haben Sie zwei dem Inhalte nach ganz verschiedene Träume; dramatisch stellen sie beide dar ein Unternehmen, das anfangs geht, dann Schwierigkeiten bietet, dann an ein unüberwindliches Hindernis kommt. Die Bilder sind ganz verschieden, der dramatische Verlauf ist der gleiche. Beiden Träumen kann nun dasselbe Ereignis in der übersinnlichen Welt, gewissermaßen hinter der Szene des Lebens, zugrunde liegen. Es kann bei beiden Träumen ganz dasselbe in der Seele vorgegangen sein, und ganz dasselbe kann sich in den verschiedensten Bildern nach außen hin zum Abbilde bringen.

[ 11 ] Das will eben darauf aufmerksam machen, daß man nicht in äußerlicher Weise, wie es so häufig vorkommt, aus dem Inhalt der Träume zu schließen habe, sondern aus dem dramatischen Verlauf zunächst sich zu unterrichten habe, durch was des Menschen Seele und Geist da durchgegangen sein kann. Dann wird man, wenn man außerdem noch sein Vorstellungsvermögen dabei unterstützt durch solche Übungen, von denen ich in diesen Tagen gesprochen habe, dann wird man allmählich immer mehr und mehr hineinkommen, aus der illusionären Bilderwelt des Traumes heraus dasjenige durch die Dramatik hindurch erfassen zu können, was eigentlich als eine übersinnliche, zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erlebte Wirklichkeit dem Traume zugrunde liegt.


[ 12 ] Bevor ich über Einzelheiten des Traumes, seiner Beziehung zu dem physischen Körper des Menschen und zu dem Geistigen des Menschen spreche, was in den nächsten Tagen noch geschehen soll, möchte ich heute charakterisieren, wie der Mensch durch die Traumeswelt sich in den ganzen Kosmos, in das ganze Universum hineingestellt zeigt. Man kann ja sehen, wie im Traume beginnt ein ganz anderer Zusammenhang der einzelnen Ereignisse des Lebens, als derjenige ist, den wir im Wachleben durchmachen. Im Wachleben — das haben wir ja gerade an den eben erwähnten Beispielen gesehen — stellen sich nach den Gesetzen, in denen wir in der sinnlichen Welt einmal drinnen sind, die Dinge in einem gewissen Zusammenhang dar. Ein Folgendes muß immer auf ein Früheres kommen. Der Traum zeigt dasjenige, was in der gewöhnlichen Sinneswelt geschehen kann, in vollständiger Auflösung. Es wird alles anders; es löst sich alles auf. Dasjenige, was, wie der Mensch selbst, als sinnliches Wesen an den Erdboden durch die Schwere gebunden ist, kann im Traume plötzlich fliegen. Der Mensch macht Kunstflüge ohne Flugzeug im Traume. Woran man sich sonst die Zähne ausbeißt, an einem mathematischen Problem zum Beispiel, das erlebt man im Traume so, als ob man es kinderleicht gelöst habe. Man erinnert sich dann vielleicht an die Lösung im Wachen nicht mehr — nun, das ist ja ein persönliches Unglück —, aber jedenfalls hat man die Vorstellung, daß die Hemmnisse, die Hindernisse im Vorstellen, die im Tagesleben da sind, nicht da seien. Und so wird alles, was im Tagesleben einen festen Zusammenhang hat, in einer gewissen Weise im Traume aufgelöst. Wollen wir uns ein sinnliches Bild machen von dem, was da im Traume eigentlich geschieht — für unser Vorstellen natürlich nur geschieht —, so können wir sagen: Wir stellen meinetwillen ein Glas mit einer Flüssigkeit, mit Wasser hin, geben irgendein Salz, das sich auflösen kann, in das Wasser hinein und schauen nun dem Auflösen zu. Das Salz, nehmen wir an, wäre sogar kristallisiert und hätte bestimmte Formen. Das Salz zeigt uns zunächst, wenn wir es hineinwerfen, die bestimmtesten Formen. Dann aber sehen wir, wie sich die Formen auflösen, die phantastischsten Formen annehmen, bis sich endlich das ganze Salz im Wasser aufgelöst hat und wiederum eine mehr oder weniger homogene Flüssigkeit erscheint.

[ 13 ] So ähnlich geht es im Vorstellen, im seelischen Erleben mit dem Traum. Sowohl der Einschlafetraum wie der Aufwachetraum nehmen sich heraus die gewöhnlichen Tageserlebnisse, lösen sie auf, geben ihnen alle möglichen phantastischen Formen, allen möglichen phantastischen Sinn; phantastisch nennen wir es vom Standpunkt des gewöhnlichen Bewußtseins aus. Es ist das ein ganz gutes Bild, die Auflösung irgendwelcher Salze in einer Flüssigkeit, für dasjenige, was seelisch-geistig eben eigentlich im Traume geschieht.

[ 14 ] Nun wird man, wenn man so recht hineingewachsen ist in die heutige Vorstellungswelt, nicht leicht zu einem unbefangenen Begreifen dieser Tatsache kommen, denn die heutige, insbesondere die heutige sich wissenschaftlich nennende Menschheit weiß von gewissen Dingen tatsächlich außerordentlich wenig.

[ 15 ] Wirklich, diese Dinge, die ich jetzt sage, sage ich nicht aus dem Grunde, weil ich gerne auch der Wissenschaft etwas am Zeuge flikken möchte. Das ist gar nicht meine Absicht. Ich schätze die Wissenschaftlichkeit und möchte nirgends Laientum oder Dilettantentum an die Stelle des wissenschaftlichen Betriebes gesetzt wissen. Man muß auch gerade vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus die großen Fortschritte und auch die begrenzte Wahrheit und Sicherheit der gegenwärtigen Wissenschaftlichkeit durchaus anerkennen. Das also durchaus vorausgesetzt. Dennoch muß das Folgende gesagt werden.

[ 16 ] Die Menschen nehmen heute, wenn sie etwas wissen wollen, die irdischen Dinge und irdischen Vorgänge. Sie beobachten sie und schließen aus den Beobachtungen auf Naturgesetze. Sie machen wohl auch Experimente, um der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen, und lassen sich aus dem, was die Experimente ergeben, wiederum ihre Naturgesetze offenbaren. Und so kommt man auf eine bestimmte Art von Gesetzen, die man dann seine Wissenschaft nennt. Und dann blickt man hinaus in die Himmelsweiten. Man sieht in den Himmelsweiten, sagen wir, die wunderbaren Spiralnebel, sieht in diesen Spiralnebeln einzelne Weltenkörper entstehen und dergleichen. Man nimmt diese Dinge heute selbst durch die photographische Methode auf, die noch viel genauer die Sachen zeigt als die gewöhnliche Beobachtung durch das Teleskop oder dergleichen. Und was tut man dann, um Erkenntnisse zu gewinnen über dasjenige, was da in den räumlichen Himmelsweiten vor sich geht? Man nimmt die Naturgesetze der Erde, dasjenige, was man von der Erde aus geschlossen hat, was man da erexperimentiert hat, das nimmt man, und dann spekuliert man darüber nach, wie nach denselben Naturgesetzen sich solch ein Spiralnebel in Raumesfernen gebildet haben könnte. Man macht Hypothesen und Theorien über Weltentstehung und Weltuntergang, um dasjenige, was man in seinem Laboratorium an dem Erdmangan, Erdensauerstoff, Wasserstoff entdeckt hat, als Naturgesetze anzuwenden auf die Himmelssphäre. Und wenn man dabei neue Stoffe entdeckt, so macht man ja zuweilen so unbewußte Andeutungen, daß man da in recht zweifelhaftes wissenschaftliches Getriebe hineinkommt. Man hat da überall Wasserstoff gefunden in den Raumesweiten, Helium zum Beispiel, aber man hat noch einen anderen Stoff gefunden, der hat einen sonderbaren Namen, sonderbar, weil er schon etwas hindeutet auf die Verwirrung des Denkens, die da eintritt. Er heißt nämlich Nebulium. Es wird das Denken da nebelhaft, daher dieses Nebulium neben dem Helium, neben dem Wasserstoff. Wenn man so einfach dasjenige, was man in seinem Erdenlaboratorium als Naturgesetze erkundet hat, anwendet, und nun auf die Art zum Beispiel des schwedischen Denkers Arrhenius, der in dieser Beziehung wirklich unendlich viel Unheil angerichtet hat, nachspekuliert, was da draußen in räumlichen Weiten vor sich gehen könne, dann muß man notwendigerweise in Irrtum über Irrtum hineinkommen, wenn man das Folgende nicht in unbefangener Art betrachten kann.

[ 17 ] Sehen Sie, ich möchte wiederum von einem Vergleich ausgehen: Es ist Ihnen ja aus der Naturwissenschaft bekannt, wie Newton, der englische Physiker, Naturphilosoph, die Theorie aufgestellt hat der sogenannten Gravitation, der Schwerewirkung im ganzen Weltenraum. Er dehnte das Gesetz der Gravitation, das man am gewöhnlichen fallenden Stein sieht, den die Erde anzieht, auf die gegenseitigen Verhältnisse aller Weltenkörper aus. Er sprach auch aus, wie die Kraft dieser Gravitation, die Stärke, mit der Entfernung immer abnimmt.

[ 18 ] Für Physiker, die in diesem Saale etwa sein könnten, kann man ja sagen, daß das Gesetz lautet, daß die Schwere mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, also in der Entfernung 2 viermal, in der Entfernung 3 neunmal schwächer ist; das heißt also mit dem Grade der Entfernung nimmt die Schwere ab.

[ 19 ] Sehen Sie, für eine solche Kraft stellt man ein solches Gesetz auf. Das ist ganz richtig. Aber man hat nicht die Möglichkeit, wenn man bloß im rein physischen Dasein stehenbleibt, dieses Gesetz nun universell genug zu denken. Man denkt sich, wenn man hier einen Weltenkörper hat, dann nimmt seine Gravitationskraft mit der Entfernung ab; sie ist stark, sie wird schwächer, noch schwächer, noch schwächer und immer schwächer.

[ 20 ] So ist es ja auch mit der Lichtausbreitung. Das Licht, das sich ausbreitet von einem bestimmten Lichtquell, wird immer schwächer und schwächer.

[ 21 ] Das durchschaut der gegenwärtige Mensch mit seiner Wissenschaft. Aber er durchschaut nicht das andere, daß, wenn er Naturgesetze hier auf dem Erdenkörper aufstellt in seinem Laboratorium und diese Naturgesetze in Ideen bringt, daß die Wahrheit dieser Naturgesetze, der Inhalt dieser Naturgesetze auch aufhört, je weiter man sich von der Erde entfernt. Wenn man also auf der Erde ein Gesetz für die Verbindung von Elementen aufstellt, Sauerstoff und Wasserstoff oder irgendwelchen Elementen, wenn man auf der Erde das Gravitationsgesetz aufstellt, so nimmt die Wahrheit des Inhaltes dieses Gesetzes eben auch mit dem Hinausgehen in den Weltenraum ab. Und wenn ich hier in meinem Laboratorium ein gewisses Naturgesetz aufgestellt habe, und ich übertrage dieses Naturgesetz auf einen Spiralnebel im fernen Weltenraum, so habe ich genau dasselbe getan, als wenn ich glaube, wenn ich hier eine Kerze aufstelle, diese Kerze anzünde und nun durch den Weltenraum hinausstellen könnte in den Spiralnebel, so würde das Kerzenlicht da oben mit derselben Intensität scheinen wie hier. Gerade diesem selben Irrtum gebe ich mich hin, wenn ich glaube, daß das, was ich hier in meinem Laboratorium festgestellt habe, auch da draußen in dem fernen Weltenraum gilt. So daß gerade ein durchgreifender Irrtum dadurch entsteht, daß man das, was man in einem Erdenlaboratorium als ganz richtige Naturgesetze findet, nun übertragt auf die Weiten des Himmelsraumes.

[ 22 ] Nun aber ist der Mensch nicht ausgeschlossen von jener Gesetzmäßigkeit, in die man hineinkommt, wenn eben die Erdengesetzmäßigkeit wie die Stärke der Gravitation oder des Lichtes nicht mehr gilt. Und wollte man eine Gesetzmäßigkeit, die anders ist als unsere Naturgesetze, finden im Raume, dann müßte man immer weiter und weiter von der Erde sich entfernen. Will man sie finden auf eine mehr innerlich menschliche Art, so geht man vom Wachen ins Schlafen über. Wenn wir wachen, stehen wir drinnen im Bereich dieser Naturgesetze. Wir tun alles, was wir tun, im Sinne dieser Naturgesetze. Wir nehmen uns vor, unsere Hand, unseren Arm zu erheben; die chemisch-physikalischen Vorgänge, die da in den Muskeln sich abspielen, die mechanischen Vorgänge, die sich im Knochengerüste abspielen, sie spielen sich ab nach den Gesetzen, die wir hier auf Erden in unserem Laboratorium oder durch Beobachtung erforschen. Dasjenige, was da drinnen als Seele lebt, das geht im Schlaf heraus aus dem physischen und aus dem Ätherleib. Und indem es herausgeht, dringt es in die Welt ein, die nun nicht unterworfen ist den Naturgesetzen. Deshalb beginnt der Traum ein solcher Spötter über die Naturgesetze zu werden. Wir dringen in eine ganz andere Welt hinein. Wir dringen in eine Welt hinein, in die wir uns ebenso schlafend hineinleben, wie wir wachend mit unserem physischen Körper uns in die Sinnenwelt hineinleben. Aber diese Welt ist eine andere. Diese Welt hat nicht unsere Naturgesetze, sondern diese Welt hat ganz andere Gesetze. Jede Nacht, indem wir aus unserem physischen und Ätherleib herausgehen, tauchen wir unter in eine Welt, in der unsere Naturgesetze nicht mehr gelten. Und der Traum ist diejenige Macht, welche die intensive Opposition den Naturgesetzen gegenüberstellt.

[ 23 ] Indem ich träume, zeigt mir der Traum, daß ich in einer Welt lebe, die gegen die Naturgesetze protestiert, die den Naturgesetzen nicht unterworfen sein will. Wenn ich des Abends einschlafe und mich aus meinem physischen und Ätherleib herausbewege, dann lebe ich noch halb drinnen in den Naturgesetzen; aber ich trete schon ein in die Welt, die nun nicht von Naturgesetzen beherrscht wird. Da kommt dieses Durcheinander von Naturgesetzen und übersinnlichen Gesetzen im Traume zustande. Ebenso beim Aufwachen.

[ 24 ] Man kann nun sagen, daß man mit jedem Einschlafen hineintaucht in eine Welt, in der unsere Naturgesetze nicht gelten, und mit jedem Aufwachen taucht man auf aus dieser Welt in die Welt, in der eben unsere Naturgesetze gelten. Wenn wir uns diesen Vorgang wirklich vorstellen, so ist es ja so: Denken Sie sich die Traumeswelt wie ein Meer, in dem Sie leben. Nehmen Sie an, Sie wachen auf aus dem flutenden Traumleben des Morgens. Es ist, wie wenn Sie sich herausbewegen würden aus dem flutenden Traumleben. Sie bewegen sich von einer übersinnlichen Gesetzmäßigkeit in die sinnlich-intellektuelle Gesetzmäßigkeit hinein. Und so ist es Ihnen, als wenn alles dasjenige, was Sie nach dem Aufwachen in scharfen Konturen sehen, herausgeboren würde aus dem Flüssigen, Flüchtigen. Sagen wir, Sie sehen meinetwillen hier Fenster; wenn Sie zuerst vom Fenster träumen, so wird Ihnen auch dieses Fenster herausgeboren erscheinen von etwas Verflossenem, von etwas Unbestimmtem vielleicht, das hier (gelb) allerlei Feuerflammen hat; da taucht das Fenster auf, und würden Sie ganz lebhaft träumen, so würden Sie sehen, wie die ganze, scharf konturierte bestimmte Tageswelt Ihres Bewußtseins auftaucht aus diesem Unbestimmten, wie wenn sich aus dem Meere heraus Wellen erheben würden (blau), diese Wellen sich aber dann zur Tageswelt formen würden.

[ 25 ] Und hier ist einer derjenigen Punkte, wo man, wenn man als gegenwärtiger Mensch diese Dinge wieder erforscht, in jenes ehrfurchtsvolle Staunen hineinkommt, das man empfinden kann gegenüber den traumhaften Imaginationen einer früheren Menschheit, von denen ich auch in diesen Tagen gesprochen habe. Ich sagte, wenn wir zurückgehen zu demjenigen, was eine frühere Menschheit auch im Wachleben in traumhaften Imaginationen in der Seele erlebt hat, was sie dann in Mythen und Legenden in die Göttersagen geformt hat, was so unbestimmt vertfließt gegenüber demjenigen, was wir heute in fester Naturanschauung erfassen, wenn man zu dem zurückgeht mit dem, was man heute wieder entdecken kann, ganz selbständig, unabhängig von diesen alten traumhaften Imaginationen, dann kommt man aber doch zu einem ehrfürchtigen Erstaunen, zu einer ehrfürchtigen Bewunderung desjenigen, was in den Seelen dieser Menschen älterer Zeitepochen gelebt hat. Und aus dem alten Griechenland tönt uns noch ein Wort herüber, welches uns Zeugnis ist, wenn wir auf diesem Gebiete neuerdings dasjenige wieder erforschen, was die Wahrheit ist; es tönt uns aus dem alten Griechenland herüber ein Wort, welches uns bezeugt, daß die Griechen noch etwas gewußt haben von diesen Dingen, daß die Griechen sich vorgestellt haben: Es gibt etwas, was aller Weltgestaltung zugrunde liegt, aus dem sich alle bestimmten Gestalten erheben, das man aber nur erreichen kann, wenn man aus der Sinnenwelt heraus in den Schlafzustand, in einen traumhaften Zustand kommt. Das haben die Griechen genannt das Chaos. Und es war alle Spekulation, alle begriffliche Untersuchung, was das Chaos ist, vergeblich; denn das Chaos ist etwas, woran der heutige Mensch nahe kommt, wenn er ins Träumen hineinkommt. Nur noch ins Mittelalter ragt hinein irgend etwas von einer Kenntnis dessen, was so als übersinnliche, kaum schon Materie zu nennende äußere Substanz allen äußeren Substanzen zugrunde liegt, indem im Mittelalter gesprochen wird von der sogenannten Quintessenz, der fünften Wesenheit, neben den vier anderen Elementen: Erde, Wasser, Luft, Feuer — der Quintessenz.

[ 26 ] Oder es dringt etwas noch in das mittelalterliche Schauen hinein, wenn der Dichter in einer so anschaulichen Art sagt: Die Welt ist aus den Träumen gewoben. Der Grieche würde gesagt haben: Die Welt ist aus dem gewoben, was du, wenn du aus dem Sinnlichen hinausdringst in die Welt, die du frei von deinem Körper erlebst, was du da erlebst als das Chaos. — So muß man schon, um zu verstehen, was die Griechen mit dem Chaos meinten, hinweisen auf dasjenige, was nicht in den sinnlichen, was in den übersinnlichen Welten liegt.


[ 27 ] Wenn man nun die ganzen Vorgänge des Einschlafens, Träumens, Schlafens, Aufwachens verfolgt von jenen Gesichtspunkten aus, die sich ergeben, wenn man den Weg, den ich in diesen Tagen beschrieben habe, zu der höheren Erkenntnis durch Imagination, Inspiration, Intuition hinaufsteigt in die übersinnlichen Welten, wenn man also das Traum-, Schlaf-, Wachleben von dem Gesichtspunkt dieser Erkenntnis verfolgt, so stellt sich einem etwa das Folgende dar: Der Mensch schläft hinüber aus dem gewöhnlichen Tageszustand in sein Schlafesleben, aus dem die Träume in unbestimmt chaotischer, aber auch bewunderungswürdiger, innerlich einheitlicher Art heraussteigen können. Im Bette zurückgelassen wird der physische Körper und der Ätherleib, der als das eigentlich Belebende, Gestaltende, Wachstumbewirkende den physischen Körper durchzieht. Eine Zweiheit wird im Bette zurückgelassen.

[ 28 ] Aber eine Zweiheit geht auch heraus und dringt ein in jenes übersinnliche Dasein zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, das ich Ihnen also auch heute eben vom Gesichtspunkte des Traumerlebnisses aus beschreiben konnte.

[ 29 ] Diese Zweiheit, sie stellt sich nun für die höhere Erkenntnis der Imagination, Inspiration und Intuition in der folgenden Weise dar: Da ist dasjenige, was dem Menschen eigen ist, wenn er herausdringt aus physischem und Ätherleib als sein astralischer Leib. Stoßen wir uns nicht, ich habe das schon gesagt, an Worten; man muß Worte haben, man könnte für astralischen Leib auch ein anderes Wort gebrauchen. Ich werde ja sogleich etwas charakterisieren, was den astralischen Leib betrifft, und wir werden sehen, daß es nicht auf Namen ankommt, sondern auf dasjenige, was man sich als Vorstellungen über sie aneignen kann. Dieser astralische Leib ist eine Summe von Vorgängen. Es geschieht etwas im Menschen, der aus seinem physischen und ätherischen Leib herauswächst. Eben dieses Geschehen, diese Vorgänge stellen den astralischen Leib dar. Im Ätherleib haben wir zurückgelassen die Vorstellungen, die Gedanken. Hier drinnen im astralischen Leib ist vergeistigtes Licht, von der Kraft der Liebefähigkeit durchzogene kosmische Wärme. Das alles ist im astralischen Leib vorhanden.

[ 30 ] Dasjenige, was so im astralischen Leib vorhanden ist, das kann eben beim Aufwachen hineintauchen in den Ätherleib, sich stauen, und dann als das Gewebe, als das Spiel der Träume erscheinen, oder auch, indem es sich herausbewegt aus physischem und Ätherleib, indem es verläßt die Welt der Vorstellungen, wiederum als das Gewebe, das Spiel der einfachen Träume erscheinen. Es ist also im wesentlichen der astralische Leib, der uns herausträgt aus physischem und Ätherleib.

[ 31 ] Und dieser astralische Leib ist diejenige Wesenheit in uns, die, wie ich schon gesagt habe, die eigentliche Opposition macht gegen die Naturgesetze. Wir stecken vom Morgen bis zum Abend, vom Aufwachen bis zum Einschlafen in dem Getriebe der Naturgesetze drinnen, in dem Getriebe der Naturgesetze, das wir auch durch die Mathematik erfassen können in bezug auf seine Räumlichkeit und Zeitlichkeit. Indem wir einschlafen, dringen wir heraus sowohl aus dem Gewebe der Naturgesetze, wie auch aus den mathematischen Gesetzen. Wir ziehen auch die Mathematik aus, denn unser astralischer Leib, der enthält nicht die tote, abstrakte Mathematik des dreidimensionalen Raumes, sondern eine in sich geschlossene, ich möchte sagen lebendige, aber geistig lebendige Mathematik, die nur in einer Dimension verläuft, die nur in der geraden Linie verläuft. Über diese Dimensionalität werde ich noch zu sprechen haben. Aber dieser astralische Leib ist es eigentlich, der uns frei macht von unserem Haften an den Naturgesetzen, welches vorhanden ist zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. Wir werden durch unseren astralischen Leib in eine ganz andere Welt versetzt, in die übersinnliche Welt.

[ 32 ] Wollte man diesen Vorgang etwa schematisch zeichnen, so müßte man sagen: Wir weben im Bereich der Naturgesetze, wenn wir wachen (weiß). Wir dringen aber mit unserem astralischen Leib, den wir ja auch in unserem physischen Leib drinnen haben, beim Einschlafen heraus (gelb). Hier im physischen und Ätherleib ist unser astralischer Leib ganz den Naturgesetzen unterworfen. Er ist ganz in allen seinen Bewegungen und Vorgängen so drinnen, daß er in den Naturgesetzen drinnen lebt, wie ich sie schematisch dargestellt habe in diesen Figuren (rote Kästchen).

[ 33 ] Jetzt lebt sich der astralische Leib, indem er heraustritt aus dem physischen und Ätherleib, in die übersinnliche Welt hinein, und jetzt ist er in einer anderen, in einer übersinnlichen Gesetzmäßigkeit darinnen. Der astralische Leib ist etwas ganz anderes geworden. Er hat gewissermaßen die Zwangsjacke der Naturgesetze an vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Er schläft ein, das heißt, er dringt aus physischem und ätherischem Leib heraus, und er bewegt sich in der Welt freier Gesetzmäßigkeit, die seine ihm angemessene Gesetzmäßigkeit ist. Und in was kommt er da hinein? Er kommt nun hinein in eine Welt, das heißt, er bringt uns als Menschen in eine Welt hinein, die für das Ich, für die eigentliche Ich-Organisation, die nun im astralischen Leib drinnen ist und mit ihm aus dem physischen und Ätherleib herausgeht im Einschlafen, eine freie Beweglichkeit gibt; das Ich wird frei in der Welt, in die es der astralische Leib hineingetragen hat. Jede Nacht wird das Ich in einer Welt frei, in der die Naturgesetze nicht gelten, in der das Ich frei vom Zwang der Naturgesetze schalten und walten kann. Wenn wir zwischen dem Einschlafen und Aufwachen stehen und uns unser astralischer Leib befreit hat von den Naturgesetzen, wenn nicht mehr die Gravitation, nicht mehr das Gesetz der Energie, wenn gar nichts mehr von allen diesen Gesetzen gilt in der Welt, in die wir jetzt eingetreten sind, dann ist die Bahn freigegeben für jene sittlichen Impulse, die nur hier sich, ich möchte sagen, unter dem Zwang der sinnlichen Weltordnung in der Welt ausleben können, in der wir sind zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. In einer Welt, in der das Sittengesetz nun dieselbe Kraft und Gewalt erlangt, wie hier die Naturgesetze haben, lebt das Ich vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und in dieser Welt kann das Ich etwas vorbereiten. Das Ich kann in dieser Welt, in der es befreit ist im Schlafzustande von den Naturgesetzen, vorbereiten dasjenige, was es dann auszuführen hat, wenn es durch die Pforte des Todes geschritten ist. Über diesen Weg vom Tod bis zu einer neuen Geburt werden wir dann in den weiteren Vorträgen zu reden haben.

[ 34 ] Das Ich kann nun vorbereiten zunächst in Bildformen, in Imaginationen, die aber nicht vorgestellt werden, sondern die Kraftimpulse sind, das Ich kann vorbereiten zwischen dem Einschlafen und Aufwachen die Bilder desjenigen, was es dann in der Geistwirklichkeit zu leisten hat. Wenn es durch die Pforte des Todes getreten ist, werden nämlich die Sittengesetze so sein, wie unsere Naturgesetze hier in der physisch-sinnlichen Welt sind. Hier zwischen dem Einschlafen und Aufwachen bereitet das durch den astralischen Leib befreite Ich schon in Bildern dasjenige vor, was in Geistwirklichkeit durchgemacht werden muß zwischen dem Tode und einem neuen Erdenleben. So daß wir sagen können: Das Ich arbeitet schon, wenn auch keimhaft, wie in einem ganz kleinen Geistkeim dasjenige aus, was es dann zu leisten hat im Geist-Universum nach dem Tode. Und in dem, was das Ich in diesem Schlafzustande schon hier ausarbeitet im Bilde, liegt schon angedeutet dasjenige, was wir durch keine Naturgesetze, sondern nur durch die geistige Welt von diesem Erdenleben in das nächste Erdenleben hinübernehmen können. Die Kausalitat desjenigen, was wir als sittlicher Mensch in uns aufgenommen haben, die sittlichen Impulse können wir hier nur dadurch verfolgen, daß wir uns gewissermaßen mit einem inneren Seelengehorsam unter sie stellen. So wie das Ich sie ausarbeitet im Schlafzustande und dann weiterarbeitet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so gewinnen diese sittlichen Impulse dieselben Kräfte, die sonst hier Naturgesetze haben, und kleiden sich hinein in den nächsten Menschenleib, den wir im folgenden Erdenleben tragen werden als unsere sittlich-natürliche Verfassung, als unser Temperament, als unsere Charakteranlage, die man nur mit Unrecht einer bloßen Vererbung zuschreibt, die so ausgearbeitet wird, daß das Ich schon daran zu arbeiten hat im Schlafzustande, wenn es durch den astralischen Leib befreit in einer nun nicht natürlichen, sondern in einer rein geistigen Welt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen waltet. Und so können wir sehen, wie der Mensch durch den Schlafzustand schon seine Zukunft vorbereitet, wie er sich hineinlebt in seine Zukunft.

[ 35 ] Und was zeigt uns der Traum? Ich möchte sagen: Da arbeitet das Ich während des Schlafens, aber der Traum zeigt uns diese Arbeit in illusionären Bildern. Wir können noch nicht in dieses Erdenleben hereinnehmen, was schon während des Schlafzustandes für das nächste Erdenleben gewoben wird. Der Traum — ich habe das im Anfang meines heutigen Vortrages erklärt — kann uns in seinen Bildern verworren dasjenige zeigen, was wir durchgemacht haben in früheren Erdenleben, so wie er in chaotischen Formen dasjenige zeigt, was keimhaft vorbereitet wird für die Menschheitszukunft in künftigen Zeiten.

[ 36 ] So führt uns in der Tat die richtige Interpretation des Traumes dazu, anzuerkennen, daß der Traum doch etwas ist wie ein Fenster, durch das wir nur in der richtigen Weise durchschauen müssen, wie ein Fenster hinein in die übersinnliche Welt. Denn hinter diesem Fenster liegt dasjenige, was das Gewebe der Ich-Tätigkeit ist, die da dauert von früheren Erdenleben bis zu künftigen Erdenleben. Wir schauen schon in einer gewissen Weise, wenn wir den Traum in der richtigen Weise interpretieren können, durch das Fenster des Traumes von der Welt der Vergänglichkeit, in der wir als Erdenmensch leben, in die Welt der Dauer, der Ewigkeit, der wir mit unserer eigentlichen inneren Menschenwesenheit angehören.

[ 37 ] Davon will ich dann morgen weitersprechen.