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Initiations-Erkenntnis
GA 227

30 August 1923, Penmaenmawr

Die Evolution der Welt im Zusammenhang mit der Evolution des Menschen

[ 1 ] Halten wir zunächst bewußt zusammen die Betrachtungen, die angestellt worden sind über Welt und Mensch, und wir werden darauf kommen, wie der Mensch in sich trägt, wenn auch im Bilde, die Vergangenheit der Welt, und wie der Mensch heraufheben kann stufenhaft diese Bilder der Weltvergangenheit. In dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein liegt ja von alledem nichts als die Erinnerung, die den Menschen zurückweist auf die Erlebnisse, die er im Erdenleben gehabt hat. Wenn aber der Mensch dann dieses gewöhnliche Bewußtsein über die Wege führt, die ich gekennzeichnet habe, dann taucht mit dem Heller- und Hellerwerden des geistigen Bewußtseins immer mehr und mehr von der Vergangenheit der Weltenentwickelung in ihm auf. Und wir haben ja gesehen, wie der Mensch wieder erleben muß diese Weltenvergangenheit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 2 ] Wir können sagen: Wenn in der Imagination allmählich für das Erdendasein auch dasjenige sichtbar wird, was für die Sinne unwahrnehmbar bleibt, dann schaut der Mensch schon zurück in all das, was sich in seinem gegenwärtigen Erdenverlaufe nicht nur als Bilder der Erinnerung zugetragen hat, sondern was ihn selbst gestaltet hat, was ihn von innen heraus als Wachstumskräfte, als Ernahrungskräfte, die aber alle vom Geiste ausgehen, geformt hat.

[ 3 ] Weiter, in der Inspiration, schaut der Mensch in das vorirdische Dasein hinein, aber nicht nur in das vorirdische Dasein seines eigenen Wesens. Wir haben ja gesehen, wie er hinausgelangt, man möchte sagen, von der kosmischen Erdeninsel in das freie kosmische Weltenmeer, in dem die Sterne eingebettet sind, die aber für ihn jetzt zu den Wohnplätzen geistiger Wesenheiten werden.

[ 4 ] Und dann, wenn die Intuition auftaucht, dann schaut der Mensch in vergangene Erdenleben zurück. Mit diesen vergangenen Erdenleben aber taucht zugleich auf vor dem Blicke das Gesamtleben der Welt in ihrer Vergangenheit. Der Mensch ist in der Tat aus dem ganzen Weltenall herausgeboren, und dieses ganze Weltenall lebt in seinem physischen, in seinem ätherischen, in seinem astralischen Leibe, und während des Erdendaseins am wenigsten noch im Ich. Aber all das ist in dem Menschen enthalten. All das wirkt und webt in seinem Innern. Wir tragen als Menschen die ganze Vergangenheit der Weltenentwickelung in uns, an der unzählige göttliche Geistgenerationen gearbeitet haben. Diese ganze Arbeit göttlicher Geistgenerationen, die tragen wir in dem Aufbau unserer Organe; die tragen wir in den Kräften, welche unsere Organe durchweben und durchleben; die tragen wir in uns, wenn die Kräfte unserer Organe aufblühen zu unseren Empfindungen und Gedanken. Wir tragen das Wirken in der ganzen Weltevolution, insofern es der Vergangenheit angehört, in uns.

[ 5 ] Wenn wir nun, nachdem wir so gewissermaßen wenigstens in Gedanken den Blick geschärft haben für das Vergangene, hinausschauen in die Welt, die hier auf Erden unsere Umgebung bildet, dann sehen wir ja im gewöhnlichen Bewußtsein von dieser Welt nur das, was die Sinne darbieten und der Verstand auf Grund der Sinnesbeobachtungen verarbeiten kann. Das ist aber im Grunde genommen das allerwenigste. Hinter dem Sinnendasein liegt eben das weitausgebreitete geistige Dasein, jenes geistige Dasein, das auch tätig ist in allen Farben, die in der Natur erscheinen, in allen Tönen, die von der Natur aus gehört werden können, in allen Wärme- und Kältewahrnehmungen, in allem, was überhaupt auf den Menschen wirken kann aus den Naturerscheinungen heraus.

[ 6 ] Da gibt es außer dem offenbaren physisch-sinnlichen Naturdasein ein verborgenes geistiges Naturdasein, eine verborgene geistige Umwelt. Und diese Umwelt, von der wir also gewissermaßen nur die Oberfläche in der Sinneswahrnehmung erblicken, trägt des Menschen zukünftige Entwickelung schon heute in ihrem Schoße. So wie wir in unserem Innern die ganze Vergangenheit in mächtigen Bildern tragen und selbst das Ergebnis dieser Bilder sind, so wirkt und webt in der verborgenen Natur das, was, wenn es sich als Weltenentwickelung weiter entfaltet, uns unsere Zukunft bringt. Wir können also die gewichtigen Sätze vor uns hinstellen: In seinem Innern trägt der Mensch die Weltvergangenheit; in der äußeren Welt wird getragen des Menschen Zukunft.

[ 7 ] Dies sind die beiden Grundsätze, fundamentale Sätze der Weltevolution und der Menschenevolution. Schon im einzelnen menschlichen Dasein drückt sich das aus. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen all dem im Menschen, was nach der Kopforganisation und dem, was nach dem übrigen Leibe hin tendiert. Man könnte sagen, wenn man etwas grob die Sache andeutete — die Dinge sind natürlich feiner —: Vom Herzen aus wirken die Kräfte gegen die Kopforganisation, bewirken, daß der Kopf diese seine besondere Konfiguration bekommt, von der harten Schädeldecke umgeben ist, ausgefüllt ist von dem, was in der Welt überhaupt den größten Wunderbau darstellt: den Windungen und den Verflechtungen des menschlichen Gehirnes und den Einbettungen der menschlichen Sinne.

[ 8 ] All das, was in diesen Kräften lebt, all das, was da aus Brust und Herz nach dem Kopf des Menschen hinaufstrahlt, das ist Ergebnis der Vergangenheit. Das konnte so, wie es im Menschen ist, nur dadurch werden, daß, wie gesagt, unzählige göttliche Geistgenerationen durch Weltenkörper-Metamorphosen, durch planetarische Metamorphosen hindurch gearbeitet haben. Und ich habe ja in meiner «Geheimwissenschaft» darauf hingewiesen, wie dieser Erdenentwickelung vorangegangen ist eine Saturnentwickelung, eine Sonnenentwickelung, eine Mondenentwickelung, wie dann die Erdenentwickelung, innerhalb der wir leben, gekommen ist. Innerhalb der Erdenentwickelung haben sich zunächst die Saturnentwickelung, die Sonnenentwickelung, die Mondenentwickelung wiederholt. Wir stehen jetzt etwas über der Mitte der eigentlichen Erdenentwickelung hinaus in der Entwickelung des Menschen auf der Erde.

[ 9 ] All die Kräfte, die sich durch lange Zeiträume hindurch unter dem Einflusse von göttlichen Geistgenerationen allmählich entwickelt haben, alle.diese Kräfte leben im Erdenmenschen selbst im physischen Leibe, strahlen vom Herzen nach dem Kopfe hinauf. Was Sie in Ihrem physischen, ätherischen, astralischen und IchWesen fortwährend in sich tragen, als ausstrahlend vom mittleren Menschen nach dem Kopfmenschen, das haben Göttergenerationen durch unermeßliche Zeiträume hindurch vorbereitet und gearbeitet. Und das letzte, was in diesen ausstrahlenden Kräften lebt, unbewußt für den heutigen Menschen noch lebt, das ist das, was sich ausspricht als sein Karma, seine eigene Ich-Vergangenheit während des Erdenlebens.

[ 10 ] So daß man sagen kann: Dringt man ein in diese kosmischen Erinnerungskräfte, dann schaut man zuerst auf das Karma, dann auf die verschiedenen Stadien der Erdenentwickelung, dann aber auf die Metamorphosen, auf die planetarischen Umgestaltungen, die die Erde durchgemacht hat, bevor sie selber Erde geworden ist. Denn bevor die Erde entstehen konnte, mußte erst ein solcher Weltenkörper entstehen, der nur aus feiner Wärme bestand: Saturn. Der mußte sterben und im neuen Dasein als Sonne aufgehen, als Sonne, deren letzter Rest die Sonne ist, die wir draußen im Weltenraume sehen. Das war ein nur aus Luft bestehender Weltenkörper, der wiederum sterben mußte, damit ein aus mehr wäßriger Substanz bestehender Weltenkörper, der Mond, entstehen konnte. Der mußte sterben, damit die in fester, in mineralischer Substanz erschienene Erde kommen konnte, auf welcher sich erst der Mensch entwickeln konnte, so wie er heute als Erdenmensch ist.

[ 11 ] Aber ebenso, wie wir diese aufwärtsstrebenden Kräfte haben, so tragen wir in uns abwärtsstrebende Kräfte, welche im Herzen eine Art Mittelpunkt haben, durch welche beiden Kräfte der Blutzirkulationsstrom dann einströmt in die Bewegungen unserer Gliedmaßen (siehe Zeichnung S. 265).

[ 12 ] Das, was an diesen Kräften vorhanden ist, lebt in jeder Handbewegung, wenn Sie etwas ergreifen, wenn Sie irgendeine äußere Erdentätigkeit vor sich gehen lassen, lebt in jedem Schritte, den Sie unternehmen, um Ihre Erdentaten zu vollenden. Das aber sind Kräfte, die der verborgenen Umwelt angehören. Die gehören nun nicht der Vergangenheit an, die gehören der verborgenen Umwelt an. Die werden erst in den Schoß einer Vergangenheit, die aber eine zukünftige Vergangenheit sein wird, aufgenommen werden, wenn der Mensch durch die Todespforte geht und sein Erdendasein vertauscht mit dem Sternendasein. In diesen Kräften bereitet sich die Zukunft des Menschen vor.

[ 13 ] Und diese Zukunft entsteht durch die Wechselwirkung dieser Kräfte mit denjenigen Kräften, die draußen in der verborgenen Natur vorhanden sind. So trägt die Welt des Menschen Zukunft in ihrer eigenen Evolution in sich. Und der Mensch ist in bezug auf diese oberen Kräfte und in bezug auf diese unteren Kräfte in sich ja stark differenziert. Diejenige Erkenntnis, die erworben werden kann, wenn man an dem Hüter der Schwelle vorbeigekommen ist, die zeigt, wie stark der Mensch eigentlich in bezug auf diese beiden Kräfterichtungen differenziert ist.

[ 14 ] Für das gewöhnliche Bewußtsein bleibt ja alles dasjenige, was unter dem Herzen liegt, unbewußt. Aber weil es für den Menschen unbewußt ist, deshalb ist es nicht minder von einem Bewußtsein erfüllt, von einem Bewußtsein aber, zu dem der Mensch nur in der Gegenwart noch nicht dringt. Daher ist der Mensch in seinem Erleben anders innerlich gestaltet als in seinem Bewußtsein. In seinem Bewußtsein erlebt er ja sozusagen nur dasjenige, was da an der Oberfläche wie eine Insel herausragt aus all den Erlebnissen, die er sonst hat. Das kann man sehen, wenn man den Menschen durchschauen kann, wie er mit diesen, man möchte sagen, heute noch unterbewußten Kräften ausgestattet ist.

[ 15 ] Da kann man sehen, wie der Mensch diese oder jene Tat vollbringt, die ihm für den unmittelbaren Erdenaugenblick, in dem er lebt, Wohlgefallen verursacht, Befriedigung verursacht. Sein Kopf ist befriedigt. Der Mensch vollbringt vielleicht aus diesem oder jenem Grunde eine recht böse Tat: Sein Kopf ist befriedigt. Dem gewöhnlichen Bewußtsein entziehen sich die Zusammenhänge. Aber es kann der Kopf eines Menschen sehr stark befriedigt sein — und die Hand, die die betreffende Tat begeht, in dem Unterbewußten, das aber trotzdem ein Bewußtes in der Welt ist, die Hand erzittert. Und wenn jene Erzitterung auch nicht immer äußerlich sichtbar ist, im ätherischen und astralischen Leibe wird sie ein Beben. So daß man innerlich sehen kann, wie der Mensch an einer vollbrachten Tat im Haupte seine Befriedigung haben kann, wie diese Befriedigung im Unterbewußten ein Erzittern wird, ein Erzittern wird entweder in denjenigen astral-ätherischen Organen, die mit den Armen, oder denjenigen, die mit den Beinen zusammenhängen. In demjenigen, was im Kopfe Befriedigung ergibt an einer bösen Tat, in dem, man möchte sagen, erstirbt das Bewußtsein; aber ein anderes Bewußtsein geht auf in demjenigen, was in dem unteren Menschen erzittert über eine Tat.

[ 16 ] In diesem Erzittern bereitet sich das kommende Karma vor. Denn dieses Erzittern ist das Erzittern vor den Kräften der verborgenen Natur, der verborgenen Welt. In diesem Erzittern fühlt der Mensch voraus, was er erleben wird als Sternenurteil, wenn er von der Erdeninsel in den weiten Ozean des Sternenwesens kommt.

[ 17 ] So können wir sagen: Im Menschen lebt Vergangenheit der Welt und Zukunft der Welt in verschiedener Weise. Diese Vergangenheit der Welt und diese Zukunft der Welt leben aber auch selbst in der äußeren Gestalt des physischen Leibes. Dasjenige, was der Mensch als Kopforganisation an sich trägt, was das Wunderbarste, Vollkommenste ist, das aus der Weltenentwickelung hervorgeht, das zerbricht zum großen Teile, indem der Mensch durch die Todespforte geht, auch in seinem geistig-inneren Inhalte. Dagegen das, was der Mensch in seiner unteren Organisation hat, wenn Sie es auch nur physisch anschauen, zeigt Ihnen im Physischen das Bild dessen, was da lebt als Geistig-Seelisches in Armen, in Händen, in der ganzen Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation. In dieser Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation lebt ja nicht nur dasjenige, was man sieht als Fleisch und Blut; da leben Kräfte darinnen. Und hinter manchem, was Sie da sehen als Fleisch und Blut zu Armen und Händen physischer Natur geformt, leben die geistigen Kräfte. Diese geistigen Kräfte strömen gegenwärtig durch Ihre Arme, durch Ihre Beine. Im künftigen Erdenleben werden sie strömen durch diejenigen Organe, welche die Kiefer auf- und abwärtsbewegen in der Verlängerung des Ober- und Unterkiefers nach hinten. Die Kopfknochen werden in ihrer plastischen Bildung in dem nächsten Erdenleben sein die umgestalteten Arm- und Beinknochen — natürlich der geistige Teil derselben; das Physische fällt ab. Dasjenige, was Sie heute als Arme und Beine an sich tragen, tragen Sie in der nächsten Erdeninkarnation als die Konfigurationen des Kopfes in sich, den Kräften, der Dynamik nach gesagt. So daß selbst die physische Organisation ein Abbild davon gibt, wie der Mensch durch die Erdenleben durchgeht. Derjenige, der in der richtigen Weise die künstlerische Plastik des menschlichen Hauptes beim heutigen Erdenleben betrachtet, sieht darin die Gestalten, die der Mensch geformt hat durch dasjenige, was er im gewöhnlichen Leben im Behandeln der Menschen und der Erdenwelt durch seine Arme und Hände im vorhergehenden Erdenleben getan hat. Die Taten der Arme und Beine der einen Erdeninkarnation leben in der Formung des Kopfes der nächsten Erdeninkarnation fort. Die gewöhnliche Phrenologie ist darinnen dilettantisch, denn sie macht allerlei intellektuelle Interpretationen der Kopfformung. Aber dahinter steckt eine tiefe okkulte Phrenologie, welche bei jedem Menschen individuell ist und daher nicht in allgemeinen Regeln gelernt werden kann, die aber aus Intuitionen heraus aus den Formen des Kopfes sich enträtseln kann das, wozu der Mensch sich vorbereitet hat in dem, was er im Gehen, im Handeln, im Tun eines vorhergehenden Erdenlebens vollbracht hat.

[ 18 ] So hängt Vergangenheit und Zukunft in der Weltentwickelung und in der Menschenentwickelung zusammen.


[ 19 ] So steht in dem gegenwärtigen Erdendasein der Mensch vor uns, vor sich selbst, und er zeigt in dem, was er geworden ist, die Arbeit von göttlichen Geistgenerationen, die durch unermeßliche Zeiträume hindurch gewirkt haben. Man kann natürlich nur immer, ich möchte sagen, skizzenhaft nachzeichnen, wie die Bilder, die das gegenwärtige Menschendasein zeigt, hinweisen auf das, was diese Göttergenerationen durch die Metamorphose der Erdenevolution, Saturn, Sonne, Mond, für die Gestaltung des Menschen, für das ganze Leben des Menschen geformt haben. Nehmen wir zunächst drei bedeutsame Impulse im menschlichen Erdenleben, die wir als besonders bezeichnend für den Menschen herausgreifen wollen. Wenn man nur mit dem gewöhnlichen Bewußtsein hinsieht auf das Wunderbare, das sich enthüllt, wenn ein Menschenwesen von den ersten Tagen seines Daseins an immer weiter und weiter sich entfaltet — wenn man einen Blick dafür hat, so ahnt man wenigstens die ungeheuren Tiefen, aus denen sich da ein Seelisch-Geistiges heraus ringt, um die unbestimmte Form des Kindes in den ersten Tagen und Wochen in immer bestimmtere zu bilden, in der weiteren Zeit dann die chaotischen Bewegungen der Arme und Beine in geregelte Bewegungen umzuwandeln. Wir ahnen, wie sich da etwas offenbart, was in den unendlichen Tiefen des verborgenen Naturdaseins drinnensteckt als ein Geistiges, das sich im Leibe ausdrückt. Man kann sagen: Es gibt ja nichts Wunderbareres auf der Erde anzuschauen als diese Entfaltung des inneren Menschen im äußeren Menschen, während sich ein Kind in den allerersten Jahren seines Lebens entwickelt. Weiß man diesen Anblick zu durchdringen mit einem wirklich künstlerisch-religiösen Sinn — in Demut, in die man verfallen kann gegenüber dem Geistigen, das sich da enthüllt —, dann übersteigt dasjenige, was man da beobachten kann alle künstlerischen, wissenschaftlichen oder religiösen Eindrücke, die man von der Außenwelt empfangen kann.

[ 20 ] Heben wir aber aus dieser kindlichen Entwickelung, kindlichen Entfaltung drei Dinge heraus. Wir sagen so im gewöhnlichen Leben: das Kind lernt gehen. Das ist in der Tat etwas Wunderbares. Aber in diesem: das Kind lernt gehen, steckt ja außerordentlich viel von der Bewegung. Mit allen Gliedmaßen richtet sich das Kind aus einer Richtung, die parallel der Erdenoberfläche ist dem Rückgrat nach, auf zur aufrechten Stellung. In diesem Momente, den wir einfach dadurch, daß wir das Auffälligste, das Sinnenfälligste bezeichnen, wahrnehmen, daß wir sagen: das Kind lernt gehen —, in dieser Zeit seines Lebens lernt ja das Kind alle seine Kräfte in einer anderen Weise in die Erde hinein orientieren. Das Kind lernt, sich mit seinem eigenen inneren Gleichgewicht und dem Gleichmaß seiner Kräfte in den ganzen Kosmos hineinstellen. Aber zugleich erblicken wir in dem, was sich uns da zeigt, wie der Mensch über die Tierwelt hinauswächst. Denn das Tier kann das nicht, erlebt diesen Lebensaugenblick nicht. Das Tier bleibt im wesentlichen mit seinem Rückgrat parallel mit der Erde, oder wenn es sich, wie der Affe, aufwärtsrichtet, so ist diese Aufwärtsrichtung im Widerspruch mit seiner Organisation.

[ 21 ] Wer den Menschen beurteilen will, muß das Gehenlernen des Kindes im richtigen Lichte sehen können. Die Naturforscher haben die Knochen der Menschen verglichen mit den Knochen der Tiere und haben gefunden, daß sie veränderte Tierknochen sind, die Muskeln veränderte Tiermuskeln sind und so weiter. So sei es mit allen Organen. Aber auf diesem Wege findet man ja gar nicht den Unterschied des Menschen vom Tier; sondern den Unterschied des Menschen vom Tiere findet man erst, wenn man den Menschen in dem Augenblicke erfaßt, wo er von demjenigen, was ihm tierhaft anhaftet in den ersten Zeiten seines Lebens, sich aufrichtet, seine Gleichgewichtslage hineinorientiert in die Gleichgewichtslage der ganzen Welt. Zu dieser Kunst in seinem Leben hätte der Mensch niemals kommen können, wenn sie nicht schon vorbereitet worden wäre in urältester Zeit. Diese Kunst ruhte im menschlichen Wesen im Keime schon während des Saturndaseins. (Während der folgenden Ausführungen wird an die Tafel gezeichnet. Siehe Schema S. 269 + 271). Während des Saturndaseins haben göttliche Geister den Keim zu demjenigen gelegt, was sich zeigt, wenn das Kind, wie wir sagen, gehen lernt. Da waren noch gar keine Tiere da; die sind erst später während des Sonnendaseins gekommen. So daß der Mensch in seiner Anlage älter ist als das Tier. All dasjenige, was in diesem unsichtbar Kraftenden liegt, was den Menschen zum Gehen bringt, weist in seiner Abstammung zurück bis zum Saturndasein.

[ 22 ] Das zweite, was im Kinde auftritt, ist, daß sich aus seinem Orientieren im Raume die Kräfte nach innen drängen. Und die Kräfte, die sich nach innen drängen, die kommen wiederum in einer anderen Weise zum Vorschein. Ich ergreife die Kreide. Da geht eine Kraft nach außen. Aber eine Gegenkraft geht nach innen, die entlädt sich in den inneren Organen. Diese von der Orientierung in die Bewegung durch die Glieder kommende, nach innen gerichtete Kraft, die kommt dann in der kindlichen Entwickelung zum Vorschein, wenn das Kind sprechen lernt. Das ist das zweite, was das Kind lernt: sprechen. Zuerst kommen die Kräfte nach außen: das Kind lernt sich orientieren im Raume. Es kommen dieselben Kräfte nach innen: das Kind lernt sprechen.

[ 23 ] Die Naturwissenschaft weiß von dem nur einen kleinen Teil. Sie weiß ja nur, daß der Rechtshänder das Sprachzentrum in der linken Gehirnhälfte und der Linkshänder das Sprachzentrum in der rechten Gehirnhälfte hat. Aber alles dasjenige, was im Gehirn überhaupt ist von der Sprachentwickelung, das wird von den Gliedmaßen erst in das Gehirn hineingearbeitet, während das Kind gehen, greifen, sich bewegen, die Dinge umfassen lernt. Das sind die nach innen gehenden Kräfte, die dann übergehen vom Gehirn aus in die Sprachorgane.

[ 24 ] Wiederum haben die göttlich-geistigen Wesen seit unermeßlichen Zeiten vorbereitet, daß die menschliche Organisation so ist, daß sie im Kinde zur Sprache werden kann. Daß der Mensch die Sprache erlernen konnte, das rührt davon her, daß die göttlichgeistigen Wesen an dem Menschen, den sie vorbereitet haben für das Gehen seit der Saturnzeit, daß die göttlich-geistigen Wesen gearbeitet haben auf der Sonne, um im Menschen die Sprache zu erzeugen.

[ 25 ] Und das dritte, was das Kind aus der Sprache heraus entwickelt, was auch die Menschheit aus der Sprache heraus entwickelt hat denn erst lernten die Menschen in der Erdenentwickelung sprechen, dann erst denken —, was die Menschen herausentwickeln, was das Kind herausentwickelt aus der Sprache, das ist der Gedanke. Und der Gedanke, der ist vorbereitet von göttlich-geistigen Wesen seit der Mondenzeit. Das ist des Menschen Entwickelung innerhalb der vergangenen Welt, daß göttlich-geistige Generationen an ihm vorbereitet haben Gehen, Sprechen, Denken: Saturnentwickelung, Sonnenentwickelung, Mondenentwickelung.

[ 26 ] In der Weltentwickelung kam dazu während der Sonnenzeit die Tierheit, natürlich in einer anderen Gestalt als heute. Heute müssen sie Pflanzen fressen, das haben sie damals nicht gebraucht; sie waren bloß in der Luft vorhandene Wesen, aus Luftmaterie bestehende Wesen. Während des Mondendaseins kamen die Pflanzen dazu.

[ 27 ] Nun geht die Entwickelung über nach dem Erdendasein. Da erst entwickelt der Mensch das, worinnen die Kräfte des Gehens, des Sprechens, des Denkens sichtbarlich leben, die Gestalt, die Figur. Mit der Gestalt zu gleicher Zeit tritt auf das Mineralreich. In den Menschen gliedert sich das Mineralreich dann auch ein. Damit charakterisiert man die Vergangenheit des Menschen.

[ 28 ] Will man auf die Zukunft des Menschen sehen, dann muß man, wenn man etwas Gegenwärtiges auf der Erde nehmen will, vom Alter aus charakterisieren. Da muß man dasjenige, was sich in der heutigen Menschheit außerordentlich undeutlich beim Altern, beim Altwerden ausdrückt, charakterisieren. Während dasjenige, was sich bei der Entfaltung des Kindes offenbart im Gehen, Sprechen, Denken, offenbar ist, weil es sich nach außen ankündigt, so sieht man dasjenige, was gewissermaßen gegen das Alter zu im Menschen immer geistiger und geistiger wird, heute noch wenig, wenn man nicht mit einem geistigen Blick den Menschen anschaut. Ich sagte, es ist das Wunderbarste, wie im Körper nach und nach das Seelisch-Geistige zur Offenbarung kommt, und es ist, wenn man das richtig anschaut, das tiefste religiöse Gefühl vor der bedeutsamsten Kunst, das einen da überkommen kann. Aber wiederum ist es etwas ebenso Bewundernswürdiges, zu sehen, wie das, was der Mensch nun durch Gehen, Sprechen und Denken während seines Erdendaseins in seinem ganzen Wesen erlebt hat, wie das nach und nach wiederum ins Geistige hinein verschwindet, um dann durch die Pforte des Todes zu gehen, wie die Gedanken, wie die Worte, wie alles das, was der Mensch errungen und erarbeitet hat mit den Händen, ins Geistige hinein verschwindet, und der Mensch dann dieses Geistige, das er empfängt aus Denken, Sprechen und Gehen, hineinträgt durch die Todespforte wiederum ins geistige Leben. Und geradeso wie uns hinweist das, was im Kinde als Gehen, Sprechen, Denken zum Vorschein kommt, auf die Vorstadien der Erdenentwickelung, Mond, Sonne, Saturn, so weist uns das, was der Mensch in seinen Gedanken erlebt, zunächst hin auf seine nächsten Erdenleben, von da aus aber in die große Epoche der Erdenentwickelung.

[ 29 ] Von da aus aber weist uns die Entwickelung, die Entfaltung der Welt und des Menschen auf jenen Zustand hin, der aber erst erlebt werden kann, wenn die Erde wiederum gestorben ist und in einem neuen planetarischen Dasein, dem Jupiterdasein, wieder aufgegangen ist; auf das weisen uns die Menschengedanken hin. Denn diese Menschengedanken selber werden dann nicht als fluktuierende Gedanken im Menschen leben, sondern selber gestaltet sein. Und auftreten wird der gestaltete Gedanke in der Gestalt des Menschen.

[ 30 ] Heute können wir unsere Gedanken verbergen in uns, und unser Antlitz trägt unter Umständen höchst unschuldige Gestalt, während wir im Innern schuldig sind. Das werden wir während der nächsten Metamorphose des Erdendaseins, im Jupiterdasein, nicht können. Da werden wir das Antlitz an uns tragen, das der Gedanke erzeugt. Denn unsere menschliche Gestalt wird nicht so fest sein, mineralisch fest, sondern sie wird selbst innerlich beweglich sein, aus einer ganz weichen Materie bestehen. Und wenn einer einen falschen Gedanken im Innern hegt, so wird dieser Gedanke in der augenblicklichen Formung seines Antlitzes vor seine Mitmenschen hintreten. Alles, was Gedanke ist, wird im Augenblick Gestalt werden. Und als das, was dauernder Gedanke ist, was Temperament ist, als das werden die Menschen herumgehen. Man wird einem gleich ansehen, wenn einer ein Bösewicht ist, oder wenn er nur animalische Triebe hat, während des Jupiterdaseins. Das ist das erste Stadium der Menschenzukunft.

[ 31 ] Das zweite Stadium ist dasjenige, was der Mensch nun entwikkeln kann aus seinem Sprechen. Das Sprechen ist ja heute etwas, was aus dem Inneren eben nur durch das Medium der Luft nach außen dringt. Dieses Sprechen wird ein Schöpferisches in der Zukunft werden. Das ausgesprochene Wort wird nicht nur verfallen in der Luft, sondern das ausgesprochene Wort wird vorhanden bleiben. Der Mensch wird gestaltenschöpferisch werden durch das Wort.

[ 32 ] So daß der Mensch durch den Gedanken schon von der Jupiterzeit an sich selber formen wird. Durch das Wort wird er seine Umwelt formen während des Venusdaseins, denn dann wird dieses eintreten: Wird der Mensch während des Venusdaseins ein böses Wort aussprechen, so wird während dieses Venusdaseins, das im wesentlichen in einer so feinen Materie, wie die Luft ist, existieren wird, in der Luft etwas entstehen wie eine häßliche Pflanzengestalt. Der Mensch wird also die Geschöpfe seiner eigenen Sprache um sich herum haben.

[ 33 ] Und das, was lebt im Gehen, im Bewegen der Arme, wird während der letzten Metamorphose der Erde entwickelt, während des Vulkandaseins. Schöpferische Gefühle treten auf, schöpferische Sprache, und die Gefühle, in der Sprache schöpferisch, treten während des Venusdaseins auf.

[ 34 ] Heute gehen wir zu unseren Taten, wir verrichten unsere Taten mit unseren Armen. Allein, das bleibt nicht. Ich gehe dahin, habe irgend etwas zu tun. Es kann natürlich auch etwas Komplizierteres sein, ich kann in eine komplizierte Sache gegangen sein oder dergleichen, kann auch meinetwillen einen Krieg geführt haben. Wir gehen wieder weg. Dann ist nichts da in der äußeren Welt.

[ 35 ] Während des Vulkandaseins wird alles bleiben. Da wird der Mensch nicht nur gehen und greifen, sondern alles dasjenige, was er geht und greift, ist hineingezeichnet in das Vulkandasein. Seine Taten sind selber verwirklicht im Vulkandasein. So daß wir im Vulkandasein das verwirklichte, realisierte Tun des Menschen haben.

[ 36 ] Sie sehen, welch ein gewaltiger Einschnitt da ist mit dem Erdendasein zwischen Vergangenheit und Zukunft der Welt- und Menschheitsentwickelung. Alles das, was bis zur Erde gegangen ist, haben göttliche Geistgenerationen gemacht. Das, was folgen wird, wird der Mensch selber machen. Das ist das Eintreten der Freiheit in die Menschenwesenheit innerhalb des Kosmos. Der Mensch ist von Göttern hereingesetzt in die Welt, bekommt sein freies Dasein; er hat sein Gehen, Sprechen und Denken von den Göttern erlangt, selbst seine Gestalt. Er wird in Gehen, Sprechen und Denken dasjenige hineinfügen für die Evolution der Welt in der Zukunft, was er selbst ist. Und jetzt ist der Mensch eben daran, sich erst einzuleben aus der Vergangenheit heraus in die Zukunft hinein. Er hat ja ein Stück Vergangenheit in dem, was in seinem eigenen Karma liegt, und er hat ein Stück Zukunft in dem, was er für das Karma von sich selbst für die Zukunft wollen wird. Der Mensch ist gewissermaßen jetzt in der Lehrzeit zwischen Vergangenheit und Zukunft.

[ 37 ] Das bewirkt auch, daß die Dinge sich nicht ohne weiteres so genau vollziehen können, wie ich sie gestern als das Vorgezeichnete dargestellt habe. Ich sagte, diese 2160 Jahre müßten eigentlich verlaufen zwischen zwei Inkarnationen. Aber der Mensch nimmt ja weitaus nicht alles dasjenige auf während seines Erdenlebens, was er aus dem Erdenleben herausziehen könnte. Daher stellen sich natürlich heute noch in Wirklichkeit die Zeiträume zwischen dem Tod und einer neuen Geburt für viele Menschen ganz anders heraus, für keinen Menschen übrigens noch 2160 Jahre, sondern wesentlich kürzer.

[ 38 ] Menschen, die ganz und gar sich nur dem Erdenleben hingegeben haben, die etwas Kriminelles in ihrem Wesen haben, die haben wenig Möglichkeiten in sich aufgehäuft, um auf den Ozean des Sternendaseins hinauszusegeln; sie kommen sehr bald wiederum zum Erdenleben zurück, nachdem sie eine kurze Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchgemacht haben. Andere haben das, was sie schon als ein Geistig-Seelisches während des Erdenlebens ausgebildet haben, in einer längeren Zeit zu verfeinern, zu vervollkommnen. So daß man sagen kann: namentlich aniimalisch gerichtete Menschen, die sich leicht ihren Trieben, ihren Leidenschaften hingeben, sie kommen bald zurück. Diejenigen, die eine geistig normale Entwickelung durchmachen, sie kommen nach späterer Zeit zurück. Aber es können auch Menschen, die aus dem Erdenleben selber heraus zum Beispiel die Anregung schöpfen können durch tiefere Einsicht in das, was im gegenwärtigen Zeitalter gelingt, in sich Impulse aufnehmen und den Opferwillen haben — gerade weil sie tief und geistig in die Welt hineinsehen —, zurückzukommen, sobald sie wiederum mitwirken können an der Erdenentwickelung. Denn man kann, indem man dem Geiste Liebe entgegenbringt schon im Erdenleben, man kann die drei bis sechs Durchgänge, die ich gestern beschrieben habe — durch das Mars-, Jupiter-, Saturnwesen —, beschleunigen, schneller machen. Wer mit niederen Trieben ausgestattet durch die Todespforte geht, der bebt vorher zurück, vollendet nicht die Kreise, wird namentlich von der Planetoidenregion zurückgestoßen. Wie die Menschen heute in allerlei Kreise hineinkommen dadurch, daß sie sich gewissen Einflüssen der Welt hingeben, im persönlichen Leben, im nationalen Leben und so weiter, davon will ich noch morgen sprechen.

[ 39 ] Derjenige Mensch, der richtig bis zu der Planetoidenregion kommt, der vollbringt heute, man kann sagen, sieben- bis achthundert Jahre zwischen einem Erdenleben und dem anderen. Das ist für diejenigen Menschen, die nicht gerade niedere Naturen sind, das Normale. Aber durch ein tieferes Hineinblicken und durch eine Liebe zur geistigen Welt kann auch bewußt das Leben zwischen Tod und neuer Geburt abgekürzt werden. Dann können gerade solche Naturen verhältnismäßig bald wieder erscheinen, die aus diesem Erdenleben viel gewinnen, damit sie möglichst gut bald wiederum zur Umgestaltung der Erdenzivilisation und der Erdenkultur arbeiten können.


[ 40 ] Ich mußte Sie in Gedanken aus der irdischen Welt in die Welt der Sterne, in die Welt der Bewohner der Sterne führen, um in einer in der Gegenwart wirklich angemessenen Weise hinauszuweisen aus der Welt, in der im allgemeinen der Mensch in der Gegenwart befangen ist, in diejenige Welt hinein, in die er eintreten muß durch innere Erkenntnis, wenn er seine Zukunft in der richtigen Weise erleben will.

[ 41 ] Nun ist im allgemeinen der Mensch heute aber weit davon entfernt, sich von der materiellen Welt loszulösen, in der uns unmittelbar umgebenden, sinnlich-physischen Welt schon das Geistige zu suchen. Es ist heute die Zeit schon etwas spät geworden, um auf die Hindernisse hinzuweisen, die dem Menschen in der Gegenwart gegenüberstehen, wenn er, wie zum Beispiel in der Psychoanalyse — ich werde morgen darauf hinweisen — eindringen will wenigstens in die menschliche Geisteswelt. Ein richtiger Weg gerade aus der unmittelbaren Beobachtung des Sinnlich-Physischen wird sich aber ergeben auch für diejenigen Kreise, welche ganz aus der Wissenschaft der Gegenwart heraus arbeiten wollen, wenn sie eben schon im Physisch-Sinnlichen versuchen, das Geistige zu finden. Das kann man. Und ein gewisser Beweis dafür, daß man das kann, ist gegeben in der eben erschienenen Broschüre unseres Physiologisch-Biologischen Institutes in Stuttgart. Da hat Frau Dr. Kolisko jetzt die Ergebnisse einer sehr schönen Untersuchung veröffentlicht unter dem Titel: «Physiologischer und physikalischer Nachweis der Wirksamkeit kleinster Entitäten». Sie wissen, daß die Homöopathie wirken will durch starke Verdünnungen der physischen Materie. Man kommt auf diese Weise, indem man die physische Materie zu starker Verdünnung bringt, schon, indem man über die Wirksamkeit starker Verdünnung der Materie geht, ins Geistige hinein. Nun ist es gelungen, tatsächlich nachzuweisen, daß man auf exaktem Wege finden kann, wie kleinste Entitäten, stärkste Verdünnungen wirken. Frau Dr. Kolisko hat die Anweisungen, die ich nach dieser Richtung gegeben habe, mit größter Gewissenhaftigkeit durch lange Zeiten durchgeführt, und es ist uns gelungen, auf diese Weise Verdünnungen zu erzeugen im Verhältnisse von 1:1 Trillion.

[ 42 ] Wenn man irgendeinen Stoff vollständig auflöst in einem Wasserglase, dann die Hälfte wegschüttet, und das was man übrigbehalten hat, wiederum auflöst in der Menge des Wassers eines ganzen Wasserglases, so hat man eine Verdünnung von 1:2 erreicht; wenn man die Hälfte wiederum wegschüttet, das wiederum im ganzen Glas hat, hat man 1:4, und so geht es fort. Nun sind in unserem Biologischen Institut in Stuttgart durch gewissenhafte, exakte Methoden Möglichkeiten herausgekommen, um eben wirklich genaue Verdünnungen zu erreichen von 1:1 Trillion; dadurch erreicht man die sogenannten höheren Potenzen. Und Sie werden finden in dieser Arbeit, was erreicht wird auf diesem Wege, sagen wir, gerade bei dem Antimon, über das ich ja auch gesprochen habe in diesen Tagen im medizinischen Vortrag. Da findet man, daß sich das Pflanzenwachstum, zum Beispiel das Wachsen eines Weizenkeimes, gegen die 21. Potenz zu am langsamsten, dagegen bei den Potenzen gegen die 29., 30. Potenz zu am schnellsten vollzieht. So daß man also in einer Flüssigkeit irgendeine Substanz verdünnt hat in hohen Potenzen — wie gesagt, wir haben die Potenz erzeugt, die der Verdünnung entspricht 1:1 Trillion —, und man sieht nun, wie niedere Potenzen, Verdünnungen, den Pflanzenkeim anders wachsen lassen, wie die höchsten Verdünnungen gerade den Pflanzenkeim am schnellsten wachsen lassen, das heißt die Lebenskraft am meisten anregen. Auf diese Weise ist es also gelungen, das bloß Materielle zu zerspalten, so daß in dem bloß Materiellen das wirklich Geistige zum Vorschein kommt. Denn wenn Sie das Materielle nicht, wie der Atomist es macht, in Atome zerspalten, sondern es in seinen Funktionen, Kräften zur Wirksamkeit bringen, dann zeigen Sie den guten Willen, ich möchte sagen, die Materie selber mit Geist zu durchsetzen, um ins Geistige überzutreten.

[ 43 ] Nun können Sie sich denken, was das bedeutet für das exakte Anschauen von Heilmitteln in ihrer Wirkung auf den menschlichen Organismus; denn man sieht ja die Wirkung. Man erzeugt die Verdünnung, hat sie im Laboratoriumgläschen, läßt darinnen bei dieser Potenz einen Weizenkeim keimen, bei der nächsten Potenz einen Weizenkeim keimen und so weiter. Man hat nun diese Weizenkeime. Allerdings, bei dieser exakten Untersuchung waren ganze Zimmer angefüllt mit Keimen von Weizenkörnern, an denen sich zeigte, wie die verschiedenen Verdünnungen die Erde beeinflußten, aus der das Weizenkorn heraus keimt. Das, sehen Sie, ist dasjenige, was aus der heutigen Wissenschaft heraus gemacht werden muß, um schon das materielle Wissen ins Geistige hineinzutreiben. Sie wissen, es bestand immer zwischen Homöopathie und Allopathie ein gewisser Streit über die Wirkung kleinster Entitäten unter großen Verdünnungen. Die ganze Angelegenheit war bisher im Grunde genommen mehr die Sache eines Glaubens. Der eine bekannte sich mehr zu dem, der andere mehr zu dem. Nun handelt es sich hier nicht darum, für die Homöopathie Partei zu ergreifen, sondern nur exakt wissenschaftliche Tatsachen festzustellen. Es wird selbstverständlich in der Zukunft so sein, daß man nun wissen wird, wo man Substanzen unmittelbar allopathisch anwenden muß, wo man sie verdünnt anwenden muß, damit sie in der richtigen Weise auf den Menschen, namentlich den menschlichen Ätherleib Einfluß haben, der ja die Lebenskräfte darstellt, und wie stark man sie verdünnen muß. Man wird also in der Zukunft genau die Grenzen ziehen können: Da mußt du allopathisch vorgehen, da mußt du homöopathisch vorgehen, denn geradeso wie man sonst wissenschaftliche Versuche mit aller Exaktheit macht, so ist in dieser Broschüre von Frau Dr. Kolisko: «Physiologischer und physikalischer Nachweis der Wirksamkeit kleinster Entitäten», eben in unserem Stuttgarter Biologischen Laboratorium der Nachweis geliefert darüber, wie kleinste Entitäten wirklich wirken. Dasjenige, was bisher also bloßer Glaube sein konnte, ist damit wirklich auf einem wichtigen Gebiete zur Wissenschaft erhoben. Aber noch etwas anderes zeigt sich.

[ 44 ] Sehen Sie sich einmal in dieser Schrift die exakt ausgearbeiteten Kurven an, in denen gezeigt ist, wie die Wachstumskräfte auf- und absteigen, sehen Sie da, wie die Kurven gezeichnet sein müssen bei geringen Verdünnungen, und wie bei größeren Verdünnungen. Sehen Sie, wie Sie bei gewissen Verdünnungen Minima, bei größeren Verdünnungen Maxima des Wachstums bekommen. Dann geht es aber wiederum auf ein Minimum zurück, wiederum zum Maximum und so weiter. So daß Sie an den außerordentlich gewissenhaft hingezeichneten Kurven unmittelbar eine Einsicht in einen in aller Materie wirkenden Rhythmus bekommen, in den Rhythmus, der überall im Materiellen schon das Geistige ausdrückt. Wir gehen beim Menschen von dem Stoffwechselsystem über zu dem rhythmischen System. Wir können aber auch in der Natur das rhythmische System auf ganz exakt wissenschaftliche Weise finden. Das sehen Sie gerade an dieser Arbeit, die, wie ich glaube, tatsächlich ein wichtiger Markstein sein könnte, gerade auch in der medizinischen Frage zwischen Homöopathie und Allopathie, so überhaupt was die Einsicht in die Natur betrifft. Man wird in der Zukunft, wenn man diese Forschungsresultate in der richtigen Weise würdigen wird, nicht mehr bloß auf dem Wege des Messens, des Wägens, also bloß auf atomistische Weise die Naturgesetze suchen, sondern man wird erkennen, wie in aller Materie sich schon ein Rhythmus zeigt, wie daher in dem Rhythmus des Naturgeschehens sich abdrückt der Rhythmus des Kosmos.

[ 45 ] Darauf wollte ich nur aufmerksam machen als auf einen Weg, der aus der ganz exakten Wissenschaft heraus eingeschlagen werden muß. Morgen werde ich fortfahren, zu zeigen, wie zum Beispiel in der Psychoanalyse und dergleichen etwas wie eine Art theoretische Aversion vorhanden ist, diese Wege, die vom Physisch-Natürlichen zum Geistigen führen, wirklich zu beschreiten.

[ 46 ] Will aber die Menschheit aufwärts, und nicht abwärts in der Zivilisation kommen, so muß sie die geistigen Wege beschreiten.