Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes
GA 230

2 November 1923, Dornach

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Zu der äußerlich wahrnehmbaren, sichtbaren Welt gehört die unsichtbare, die mit ihr zusammen ein Ganzes bildet. Zunächst tritt in aller Deutlichkeit hervor, wie sehr das der Fall ist, wenn wir unseren Blick nun von den Tieren abwenden zu den Pflanzen.

[ 2 ] Das pflanzliche Dasein, das den Menschen zunächst erfreut, sproßt und sprießt aus der Erde heraus und bildet eigentlich den Anlaß zu etwas, was als geheimnisvoll empfunden werden muß. Beim Tier kann sich der Mensch, wenn ihm auch der Wille des Tieres, die ganze innere Aktivität des Tieres zunächst etwas Geheimnisvolles schon ist, dennoch sagen: Dieser Wille ist eben da, und aus diesem Willen heraus ist dann die Gestalt, sind die Außerungen des Tieres eine Folge. — Aber an der Pflanze, die in einer so mannigfaltigen Gestalt an der Oberfläche der Erde erscheint, die in einer so geheimnisvollen Art aus dem Samen mit Hilfe der Erde und mit Hilfe des Luftkreises zunächst sich entwickelt, muß der Mensch empfinden, wie ein anderes vorhanden sein muß, damit diese Pflanzenwelt ihm eben in der Gestalt entgegentreten kann, in der sie ihm entgegentritt.

[ 3 ] Die geistige Anschauung führt uns dann, wenn wir auf die Pflanzenwelt blicken, gleich zu einer Fülle von Wesenheiten, die in den alten Zeiten des instinktiven menschlichen Hellsehertums auch gewußt worden sind, erkannt worden sind, dann aber vergessen worden sind, und heute nur noch Namen darstellen, welche die Dichter verwenden, denen eigentlich eine Realität von der heutigen Menschheit nicht zugeschrieben wird. Aber in demselben Maße, in dem den Wesen, welche die Pflanze umschwirren und umweben, keine Realität zugeschrieben wird, verliert man das Verständnis für die Pflanzenwelt; dieses Verständnis für die Pflanzenwelt, das zum Beispiel so notwendig wäre für die Heilkunst, ist ja eigentlich der heutigen Menschheit ganz verlorengegangen.

[ 4 ] Nun haben wir schon einen sehr bedeutsamen Zusammenhang der Pflanzenwelt mit der Schmetterlingswelt erkannt; allein der wird uns auch erst so recht vor die Seele treten, wenn wir noch tiefer hineinschauen in das ganze Weben und Treiben der Pflanzenwelt.

[ 5 ] Die Pflanze streckt ihre Wurzel in den Boden. Wer das verfolgen kann, was da eigentlich von der Pflanze in den Boden hineingestreckt wird, der kann mit dem geistigen Blick, und ein solcher muß es ja sein, der die Wurzel richtig durchschaut, zugleich verfolgen, wie überall das Wurzelwesen der Pflanze von Naturelementargeistern umgeben und umwoben wird. Und diese Elementargeister, die eine alte Anschauung als Gnomen bezeichnet hat, die wir Wurzelgeister nennen können, können wir mit einer imaginativen und inspirierten Weltanschauung wirklich so verfolgen, wie wir im Physischen das Menschenleben und das Tierleben verfolgen. Wir können gewissermaßen hineinschauen in das Seelenhafte dieser Elementargeister, dieser Wurzelgeisterwelt.

[ 6 ] Diese Wurzelgeister sind ein ganz besonderes Erdenvolk, für den äußeren Anblick zunächst unsichtbar, aber in ihren Wirkungen um so sichtbarer; denn keine Wurzel könnte entstehen, wenn nicht zwischen der Wurzel und dem Erdreich vermittelt würde durch diese merkwürdigen Wurzelgeister, die das Mineralische der Erde in Strömung bringen, um es an die Wurzeln der Pflanze heranzubringen. Natürlich meine ich dabei den geistig zugrundeliegenden Vorgang.

[ 7 ] Diese Wurzelgeister, die überall im Erdreich vorhanden sind, die sich ganz besonders wohl fühlen innerhalb der mehr oder weniger durchsichtigen oder auch metallisch durchsetzten Gesteine und Erze, die aber sich am wohlsten fühlen, weil da ihr eigentlicher Platz ist, wenn es sich darum handelt, das Mineralische der Pflanzenwurzel zu vermitteln, diese Wurzelgeister sind ganz erfüllt von einem innerlich Geisthaften, das wir nur vergleichen können mit dem, was wir erfassen können im innerlichen Geisthaften des menschlichen Auges, des menschlichen Ohres. Denn diese Wurzelgeister sind in ihrer Geisthaftigkeit ganz Sinn. Sie sind eigentlich sonst gar nichts, als aus Sinn bestehend, sie sind ganz Sinn, und ein Sinn, der zugleich Verstand ist, der nicht nur sieht und nicht nur hört, der sogleich im Sehen und im Hören das Gesehene und Gehörte versteht, der überall nicht bloß Eindrücke empfängt, sondern überall Ideen empfängt. — Ja, wir können auch hinweisen auf die Art und Weise, wie diese Wurzelgeister ihre Ideen empfangen. Sehen Sie, da sproßt aus der Erde die Pflanze heraus (Tafel 11, links oben / Zeichnung S. 114). Die Pflanze kommt, wie ich gleich nachher zeigen werde, in Verbindung mit dem außerirdischen Weltenall, und zu gewissen Jahreszeiten besonders strömen gewissermaßen Geistströme (lila) von oben, von der Blüte, von der Frucht der Pflanze bis hinunter zur Wurzel, strömen in die Erde hinein. Und wie wir das Auge dem Lichte entgegenstrecken und sehen, so wenden die Wurzelgeister ihre Wahrnehmungsfähigkeit dem entgegen, was durch die Pflanzen von oben herunter in die Erde hineinträufelt. Was ihnen da entgegenträufelt, das ist das, was das Licht in die Blüten hineingeschickt hat, was die Sonnenwärme in die Pflanzen hineingeschickt hat, was die Luft im Blatte angerichtet hat, ja, was ferne Sterne in der Gestaltung der Pflanzen bewirkt haben. Die Pflanze sammelt die Geheimnisse des Weltenalls, senkt sie in den Boden, und die Gnomen nehmen diese Geheimnisse des Weltenalls aus dem, was ihnen durch die Pflanze geistig zuträufelt, in sich auf. Und indem sie, namentlich vom Herbste an durch den Winter hindurch, auf ihren Wanderungen durch Erz und Gestein tragen, was ihnen durch die Pflanzen zugeträufelt ist, werden sie dadurch zu denjenigen Wesen innerhalb der Erde, die die Ideen des ganzen Weltenalls durch die Erde hindurchströmend wandernd tragen. Wir sehen hinaus in die weite Welt. Die Welt ist aus dem Weltengeiste gebaut, eine Verkörperung der Weltenideen, des Weltengeistes. Die Gnomen nehmen durch die Pflanzen, die ihnen dasselbe sind, was uns die Lichtstrahlen sind, die Ideen des Weltenalls auf und tragen sie im Inneren der Erde in voller Bewußtheit von Erz zu Erz, von Stein zu Stein.

[ 8 ] Wir schauen in die Tiefen der Erde hinunter, nicht indem wir da unten abstrakte Ideen suchen für irgendwelche bloß mechanisch wirkenden Naturgesetze, sondern wir schauen hinunter in die Tiefen der Erde und sehen die wandernden und wandelnden Gnomen, welche die lichtvollen Bewahrer des Weltenverstandes sind innerhalb der Erde. Weil daher diese Gnomen das, was sie sehen, zugleich wissen, haben sie im Vergleich zu den Menschen ein zwar gleichgeartetes Wissen; sie sind die Verstandeswesen katexochen, sie sind ganz Verstand. Alles ist an ihnen Verstand, aber ein Verstand, der universell ist, der daher auf den menschlichen Verstand eigentlich heruntersieht als auf etwas Unvollkommenes. Die Gnomenwelt lacht uns eigentlich aus mit unserem würgenden, ringenden Verstande, mit dem wir so dies oder jenes manchmal erfassen, während die Gnomen gar nicht nachzudenken brauchen. Sie sehen das, was verständig ist in der Welt, und sie sind insbesondere dann ironisch, wenn sie merken, daß der Mensch sich abmühen muß, um erst auf dieses oder jenes zu kommen. Wie kann man das — sagen die Gnomen —, wie kann man erst sich Mühe geben, nachzudenken? Man weiß ja alles, was man anschaut. Die Menschen sind dumm — so sagen die Gnomen —, denn sie müssen erst nachdenken.

[ 9 ] Und ich möchte sagen, bis zur Ungezogenheit ironisch werden die Gnomen, wenn man ihnen von Logik spricht. Denn wozu soll man so ein überflüssiges Ding brauchen, eine Anleitung zum Denken? Die Gedanken sind doch da. Die Ideen strömen durch die Pflanzen. Warum stecken die Menschen nicht ihre Nase so tief in die Erde hinein, wie die Wurzel der Pflanze ist, und lassen sich in die Nase hineinträufeln das, was die Sonne zu den Pflanzen sagt? Dann würden sie etwas wissen! Aber mit Logik — sagen die Gnomen —, da kann man eigentlich immer nur ganz kleine Stücke von Wissen haben.

[ 10 ] So sind die Gnomen eigentlich innerhalb der Erde die Träger der Ideen des Universums, des Weltenalls. Aber die Erde selbst haben sie gar nicht gerne. Sie schwirren herum in der Erde mit Ideen vom Weltenall, hassen aber eigentlich das Irdische. Das ist ihnen etwas, dem sie am liebsten entrinnen möchten. Sie bleiben allerdings dennoch bei diesem Irdischen — Sie werden gleich nachher sehen warum —, aber sie hassen es, denn das Irdische bildet für die Gnomen eine fortwährende Gefahr, und zwar deshalb, weil dieses Irdische fortwährend den Gnomen droht, sie sollten eine gewisse Gestalt annehmen: nämlich die Gestaltungen derjenigen Wesen, die ich Ihnen in der letzten Stunde hier beschrieben habe, die Gestaltungen der Amphibien, der Frösche und Kröten namentlich. Und die Empfindung der Gnomen in der Erde ist eigentlich diese: Wenn wir zu stark mit der Erde verwachsen, bekommen wir Frosch- oder Krötengestalt. Und sie sind fortwährend auf dem Sprunge, zu vermeiden, mit der Erde zu stark zu verwachsen, um nicht diese Gestalt zu bekommen; sie wehren sich fortwährend gegen diese Erdengestalt, die ihnen eben in der Weise drohen würde in dem Elemente, in dem sie sind. In dem irdisch-feuchten Elemente halten sie sich auf; da droht ihnen fortwährend die Amphibiengestaltung. Aus der reißen sie sich fortwährend heraus und erfüllen sich ganz mit den Ideen des außerirdischen Universums. Sie sind eigentlich innerhalb der Erde dasjenige, was darstellt das Außerirdische, weil es fortwährend vermeiden muß, mit dem Irdischen zusammenzuwachsen; sonst bekämen die Einzelwesen eben die Gestalt der Amphibienwelt. Und gerade aus diesem, ich möchte sagen Haßgefühl, Antipathiegefühl gegenüber dem Irdischen gewinnen die Gnomen die Kraft, die Pflanzen aus der Erde herauszutreiben. Sie stoßen fortwährend mit ihrer Grundkraft vom Irdischen ab, und mit diesem Abstoßen ist die Richtung des Wachstums der Pflanzen nach oben gegeben; sie reißen die Pflanzen mit. Es ist die Antipathie der Gnomen gegenüber dem Irdischen, was die Pflanzen nur mit ihrer Wurzel im Erdreiche sein läßt, aber dann herauswachsen läßt aus dem Erdreiche, so daß also eigentlich die Gnomen die Pflanzen aus ihrer ureigenen Gestalt der Erde entreißen und nach oben wachsen machen.

[ 11 ] Ist dann die Pflanze nach oben gewachsen, hat sie den Bereich der Gnomen verlassen und ist übergetreten aus dem Reiche des Feucht-Irdischen in das Reich des Feucht-Luftigen, dann entwickeln die Pflanzen das, was in den Blättern zur äußeren physischen Gestaltung kommt. Aber in alldem, was nun im Blatte tätig ist, wirken wiederum andere Wesenheiten, Wassergeister, Elementargeister des wäßrigen Elementes, welche eine ältere instinktive Hellseherkunst zum Beispiel Undinen genannt hat. Geradeso wie wir die Wurzel umschwirrt und umwebt von den Gnomenwesen finden, so in der Nähe des Bodens, wohlgefällig das Aufwärtsstreben, das die Gnomen gegeben haben, beobachtend, sehen wir diese Wasserwesen, diese Elementarwesen des Wassers, diese Undinenwesen.

[ 12 ] Diese Undinenwesen sind anders ihrer inneren Natur nach als die Gnomen. Sie können sich nicht wie ein Sinnesorgan, wie ein geistiges Sinnesorgan hinauswenden an das Weltenall. Sie können sich eigentlich nur hineinergeben in das Weben und Walten des ganzen Kosmos im luftig-feuchten Elemente, und dadurch sind sie nicht solche helle Geister wie die Gnomen. Sie träumen eigentlich fortwährend, diese Undinen, aber ihr Träumen ist zu gleicher Zeit ihre eigene Gestalt. Sie hassen nicht so stark die Erde wie die Gnomen, aber sie sind sensitiv gegen das Irdische. Sie leben im ätherischen Elemente des Wassers, durchschwimmen und durchschweben es. Und sie sind sehr sensitiv gegen alles, was Fisch ist, denn es droht ihnen die Fischgestalt, die sie auch zuweilen annehmen, aber gleich wieder verlassen, um in eine andere Metamorphose überzugehen. Sie träumen ihr eigenes Dasein. Und im Träumen ihres eigenen Daseins binden sie und lösen sie, binden sie und trennen sie die Stoffe der Luft, die sie auf geheimnisvolle Art in die Blätter hineinbringen und herantragen an dasjenige, was die Gnomen nach aufwärts gestoßen haben. Die Gnomen stoßen das Pflanzenwesen nach aufwärts. (Tafel 11, links oben / Zeichnung S. 114, hell.) Es würde hier verdorren, wenn nicht die Undinenwesen von allen Seiten gewissermaßen herankämen und nun in dieser traumhaften Bewußtheit, in der sie die Pflanzen umschwirren, sich erwiesen, man kann nicht anders sagen, als der Weltenchemiker. Die Undinen träumen das Verbinden und Lösen der Stoffe. Und dieser Traum, in dem die Pflanzen leben, in den die Pflanze hineinwächst, wenn sie nach aufwärts den Boden verläßt, dieser Undinentraum ist der Weltenchemiker, der die geheimnisvolle Verbindung und Lösung der Stoffe, vom Blatte ausgehend, in der Pflanze bewirkt. So daß wir sagen können, die Undinen sind die Chemiker des Pflanzenlebens. Sie träumen von Chemie. Es ist in ihnen eine ungemein zarte Geistigkeit, eine Geistigkeit, die eigentlich ihr Element da hat, wo Wasser und Luft sich berühren. Die Undinen leben ganz im feuchten Elemente; aber ihr eigentliches inneres Wohlgefallen haben sie, wenn sie irgendwo an eine Oberfläche, wenn auch nur an die Oberfläche eines Tropfens oder sonst irgendeines Wäßrigen kommen. Denn ihr ganzes Streben besteht darin, sich davor zu bewahren, ganz die Gestalt, die bleibende Gestalt der Fische zu bekommen. Sie wollen in der Metamorphose bleiben, in der ewigen, der immerwährenden Verwandelbarkeit. Aber in dieser Verwandelbarkeit, in der sie von Sternen und von der Sonne, vom Lichte und von der Wärme träumen, werden sie die Chemiker, die vom Blatte aus nun die Pflanze weiterbringen in ihrer Gestaltung, die Pflanze, die von der Gnomenkraft nach oben geschoben worden ist. Und so entwickelt denn die Pflanze das Blattwachstum (Tafel 11, links oben / Zeichnung S. 114), und das Geheimnisvolle enthüllt sich als Undinentraum, in den die Pflanze hineinwächst.

[ 13 ] In demselben Maße aber, in dem die Pflanze in den Undinentraum hineinwächst, gerät sie nach oben nun in ein anderes Bereich, in das Bereich derjenigen Geister, die nun ebenso im luftartig-wärmehaften Elemente leben, wie die Gnomen im feucht-irdischen, die Undinen im feucht-luftigen leben. So im luftartig-wärmehaften Element leben diejenigen Wesenheiten, die eine ältere, instinktive Hellseherkunst als die Sylphen bezeichnet hat. Diese Sylphen, die im luftartig-warmen Elemente leben, dringen aber, weil die Luft überall durchsetzt ist vom Lichte, zum Lichte vor, werden lichtverwandt, und sind namentlich empfänglich für dasjenige, was die feineren, aber größeren Bewegungen innerhalb des Luftkreises sind.

[ 14 ] Wenn Sie im Frühling oder Herbst einen Schwalbenschwarm sehen, der in seinem Hinfliegen zugleich den Luftkörper in Schwingungen bringt, einen bewegten Luftstrom hervorruft, so bedeutet dieser bewegte Luftstrom, der aber dann bei jedem Vogel vorhanden ist, für die Sylphen etwas Hörbares. Weltenmusik ertönt daraus den Sylphen. Wenn Sie irgendwo, sagen wir, auf dem Schiffe fahren, und die Möwen heranfliegen, dann ist in dem, was durch den Möwenflug erregt wird, ein geistiges Ertönen, eine geistige Musik, die das Schiff begleitet.

[ 15 ] Wiederum sind es die Sylphen, welche in diesem Tönen drinnen sich entfalten und entwickeln und in diesen erregten Luftströmen ihre Heimat finden. Im dem geistig-tönend bewegten Luftelemente finden sie ihre Heimat und nehmen dabei dasjenige auf, was die Kraft des Lichtes in diese Luftschwingungen hineinschickt. Dadurch aber fühlen sich diese Sylphen, welche im Grunde genommen für sich mehr oder weniger schlafende Wesenheiten sind, überall dort am heimischsten, am meisten zuhause, wo der Vogel die Luft durcheilt. Wenn eine Sylphe gezwungen ist, die vogellose Luft zu durchschwirren, dann ist es für sie so, als ob sie sich selbst verloren hätte. Wenn ihr der Anblick des Vogels in der Luft wird, dann kommt etwas ganz Besonderes über die Sylphe. Ich mußte oftmals einen gewissen Vorgang für den Menschen darstellen, jenen Vorgang, der die Menschenseele dazu führt, zu sich «Ich» zu sagen. Ich habe immer aufmerksam gemacht auf den Ausspruch Jean Pauls, daß da der Mensch, wenn er zum ersten Male zu der IchVorstellung kommt, wie in das verhangenste Allerheiligste der Seele hineinsieht. Die Sylphe sieht nicht in ein solches verhangenes Allerheiliges der eigenen Seele hinein, sondern sie sieht den Vogel, und die IchEmpfindung überkommt sie. In dem, was der Vogel, durch die Luft fliegend, in ihr erregt, findet die Sylphe ihr Ich. Und damit, daß das so ist, daß sie am Außeren ihr Ich entzündet, wird die Sylphe die Trägerin der kosmischen Liebe durch den Luftraum. Die Sylphe ist zugleich, indem sie etwa so wie ein menschlicher Wunsch lebt, aber das Ich nicht im Inneren hat, sondern in der Vogelwelt hat, die Trägerin der Liebeswünsche durch das Universum hindurch.

[ 16 ] Deshalb ist zu schauen die tiefste Sympathie der Sylphe mit der Vogelwelt. Wie der Gnom die Amphibienwelt haßt, wie die Undine sensitiv ist und sich gewissermaßen nicht nähern mag dem Fische, weg will vom Fisch, ein Grauen in gewissem Sinne empfindet, so will die Sylphe zum Vogel hin, fühlt sich wohl, wenn sie an sein Gefieder herantragen kann die schwebend-tönende Luft. Und wenn Sie den Vogel fragen würden, von wem er singen lerne, dann würden Sie von ihm hören, daß er seinen Inspirator in der Sylphe hat. Die Sylphe hat ein Wohlgefallen an der Vogelgestalt. Aber sie ist abgehalten durch die kosmische Ordnung, Vogel zu werden, denn sie hat eine andere Aufgabe. Sie hat die Aufgabe, in Liebe das Licht an die Pflanzen heranzutragen (Tafel 11, links oben / Zeichnung S. 114, hell und rot). Geradeso wie die Undine der Chemiker ist, ist dadurch die Sylphe für die Pflanze der Lichtträger. Sie durchsetzt die Pflanze mit Licht; sie trägt in die Pflanze das Licht hinein.

[ 17 ] Dadurch, daß die Sylphe in die Pflanze das Licht hineinträgt, wird etwas ganz Eigentümliches in der Pflanze geschaffen. Sehen Sie, die Sylphe trägt fortwährend das Licht in die Pflanze hinein. Das Licht, das heißt die Sylphenkraft in der Pflanze, wirkt auf die chemischen Kräfte, welche die Undine in die Pflanze hineinversetzt. Da geschieht das Zusammenwirken von Sylphenlicht und Undinenchemie (Tafel 11, links oben / Zeichnung S. 114, rot). Das ist eine merkwürdige plastische Tätigkeit. Aus dem Lichte heraus weben die Sylphen mit Hilfe der Stoffe, die da hinaufströmen und von den Undinen bearbeitet werden, da drinnen eine ideale Pflanzengestalt. Die Sylphen weben eigentlich die Urpflanze in der Pflanze aus dem Lichte und aus dem chemischen Arbeiten der Undinen. Und wenn die Pflanze gegen den Herbst hin abwelkt und alles, was physische Materie ist, zerstiebt, dann kommen diese Formen der Pflanzen eben zum Herunterträufeln, und die Gnomen nehmen sie jetzt wahr, nehmen wahr, was die Welt, die Sonne durch die Sylphen, die Luft durch die Undinen, an der Pflanze bewirkt hat. Das nehmen die Gnomen wahr. So daß die Gnomen unten den ganzen Winter hindurch beschäftigt sind, wahrzunehmen, was von den Pflanzen hinunterträufelt in den Erdboden. Da fassen sie die Ideen der Welt in den Pflanzenformen, die mit Hilfe der Sylphen plastisch ausgebildet sind, und die in ihrer Geist-Ideengestalt in den Erdboden hineingehen.

[ 18 ] Von dieser Geist-Ideengestalt wissen ja diejenigen Menschen natürlich nichts, die die Pflanze nur materiell, als Materielles betrachten. Daher tritt hier an dieser Stelle für die materielle Pflanzenbetrachtung etwas ein, was nichts anderes ist als ein grandioser Irrtum, ein furchtbarer Irrtum. Diesen Irrtum will ich Ihnen skizzieren.

[ 19 ] Sie werden von der materialistischen Wissenschaft überall beschrieben finden: da wurzelt die Pflanze im Boden, darüber entfaltet sie ihre Blätter, zuletzt ihre Blüte, in der Blüte die Staubgefäße, dann den Fruchtknoten, und dann wird in der Regel von einer anderen Pflanze der Staub von den Antheren, von den Staubgefäßen, herangetragen, und der Fruchtknoten wird befruchtet, und dadurch entsteht der Same der neuen Pflanze. So wird das überall beschrieben. Es wird gewissermaßen der Fruchtknoten als das Weibliche und das, was von den Staubgefäßen kommt, als das Männliche angesehen, kann auch nicht anders angesehen werden, solange man im Materialistischen steckenbleibt, denn da sieht dieser Prozeß wirklich aus wie eine Befruchtung. Aber so ist es nicht, sondern wir müssen, um überhaupt die Befruchtung, also die Fortpflanzung des Pflanzlichen einzusehen, uns bewußt sein, daß zunächst aus dem, was die großen Chemiker, die Undinen in den Pflanzen bewirken, was die Sylphen bewirken, die Pflanzenform entsteht, die ideale Pflanzenform, welche in den Erdboden sinkt und von den Gnomen bewahrt wird. Da unten ist sie, diese Pflanzenform. Da drinnen ist sie in der Erde gehütet nun von den Gnomen, nachdem sie sie gesehen haben, geschaut haben. Die Erde wird zum Mutterschoß desjenigen, was da hinunterträufelt. Und hier ist etwas ganz anderes, als was die materialistische Wissenschaft beschreibt.

[ 20 ] Hier oben (Siehe Zeichnung $. 121) kommt die Pflanze, nachdem sie durch den Sylphenbereich gegangen ist, in die Sphäre der Elementar-Feuergeister. Und die Feuergeister, sie sind die Bewohner des Wärmeartig-Lichtartigen; sie sammeln, wenn dieErdenwärme am höchsten gestiegen oder eben geeignet geworden ist, nun die Wärme auf. Ebenso wie dieSylphen das Licht aufgesammelt haben, so sammeln die Feuergeister die Wärme auf und tragen sie in die Blüten der Pflanzen hinein.

[ 21 ] Undinen tragen die Wirkungen des chemischen Äthers in die Pflanzen hinein, Sylphen tragen die Wirkungen des Lichtäthers in die Pflanzen hinein, die Feuergeister tragen die Wirkungen des Wärmeäthers in die Blüten der Pflanzen hinein. Und der Blütenstaub, der ist dasjenige, was nun gewissermaßen das kleine Luftschiffchen abgibt für die Feuergeister, um hineinzutragen die Wärme in den Samen. Die Wärme wird überall gesammelt mit Hilfe der Staubfäden und von den Staubfäden aus übertragen auf den Samen in dem Fruchtknoten. Und dieses, was hier im Fruchtknoten gebildet wird, das ist im Ganzen das Männliche, das aus dem Kosmos kommt. Nicht der Fruchtknoten ist das Weibliche, und die Antheren des Staubfadens wären das Männliche! Da geschieht überhaupt in der Blüte keine Befruchtung, sondern da wird nur der männliche Same vorgebildet. Was als Befruchtung wirkt, das ist nun dasjenige, was von den Feuergeistern in der Blüte als der der Wärme des Weltenalls entnommene weltenmännliche Same ist, der zusammengebracht wird mit dem Weiblichen, das aus der Formung der Pflanze, wie ich Ihnen gesagt habe, schon früher als Ideelles hinuntergeträufelt ist in den Erdboden, da drinnen ruht. Für die Pflanzen ist die Erde Mutter, der Himmel Vater. Und alles das, was außerhalb des Irdischen geschieht, ist für die Pflanze nicht Mutterschoß. Es ist ein kolossaler Irrtum, zu glauben, daß das mütterliche Prinzip der Pflanze im Fruchtknoten ist. Da ist gerade das mit Hilfe der Feuergeister aus dem Universum herausgeholte Männliche. Das Mütterliche wird aus dem Kambium der Pflanze, welches sich sowohl gegen die Rinde wie gegen das Holz hin verbreitet, hinuntergetragen als Idealgestalt in der Pflanze. Und dasjenige, was nun entsteht aus dem Zusammenwirken von Gnomenwirkung und Feuergeisterwirkung, das ist Befruchtung. Im Grunde genommen sind die Gnomen die geistigen Hebammen der Pflanzen-Fortpflanzung. Und die Befruchtung findet statt während des Winters drunten in der Erde, wenn der Samen in die Erde hineinkommt und auftrifft auf die Gestalten, die die Gnomen empfangen haben von den Sylphen- und Undinenwirkungen und hintragen, wo diese Gestalten auftreffen können auf den befruchtenden Samen.

[ 22 ] Sie sehen: dadurch, daß man das Geistige nicht kennt, daß man nicht weiß, wie mitweben und mitleben mit dem Pflanzenwachstum Gnomen, Undinen, Sylphen und Feuergeister — was früher Salamander genannt worden ist —, dadurch ist man sich sogar ganz unklar über den Vorgang der Befruchtung in der Pflanzenwelt. Also da, außerhalb der Erde geschieht eben gar keine Befruchtung, sondern die Erde ist Mutter der Pflanzenwelt, der Himmel ist Vater der Pflanzenwelt. Das ist in ganz wörtlichem Sinne der Fall. Und die Befruchtung der Pflanzen geschieht dadurch, daß die Gnomen von den Feuergeistern dasjenige nehmen, was die Feuergeister in den Fruchtknoten hineingetragen haben auf den kleinen Luftschiffchen des Antherenstaubes als konzentrierte kosmische Wärme. So sind die Feuergeister Wärmeträger.

[ 23 ] Jetzt werden Sie natürlich leicht einsehen, wie eigentlich das ganze Pflanzenwachstum zustande kommt. Erst beleben unten mit Hilfe dessen, was ihnen von den Feuergeistern wird, die Gnomen die Pflanze und stoßen sie nach aufwärts. Sie sind die Lebenspfleger. Sie tragen heran den Lebensäther an die Wurzel; jenen Lebensäther, in dem sie selber leben, den tragen sie an die Wurzel heran. Weiter pflegen in der Pflanze die Undinen den chemischen Äther, die Sylphen den Lichtäther, die Feuergeister den Wärmeäther. Dann verbindet sich wiederum die Frucht des Wärmeäthers mit dem, was unten Leben ist. Und so kann man die Pflanze nur verstehen, wenn man sie im Zusammenhange betrachtet mit alledem, was sie umschwirrt, umwebt und umlebt. Und sogar auf die richtige Interpretation des bei der Pflanze wichtigsten Vorganges kommt man erst dann, wenn man in diese Dinge eindringt, auf geistige Art eindringt.

[ 24 ] Es ist interessant, wenn dies einmal erkannt wird, jene Notiz bei Goethe wiederzusehen, wo Goethe in Anknüpfung an einen anderen Botaniker sich so furchtbar ärgert, daß die Leute da reden von den ewigen Hochzeiten da oben auf den Pflanzen. Goethe ärgerte sich, daß über eine Wiese da lauter Hochzeiten ausgebreitet sein sollen. Es erschien ihm das als etwas Unnatürliches. Aber das war ein instinktiv sehr sicheres Gefühl. Goethe konnte nur noch nicht wissen, um was es sich eigentlich handelt, aber es war instinktiv sehr sicher. Er konnte aus seinem Instinkt heraus nicht begreifen, daß da oben in den Blüten die Befruchtung vor sich gehen sollte. Er wußte nur noch nicht, was da unten, unterhalb des Bodens vor sich geht, daß die Erde der Mutterschoß ist für die Pflanzen. Aber daß das, was da oben ist, das nicht ist, wofür es alle Botaniker ansehen, das ist etwas, was Goethe instinktiv gefühlt hat. Nun erkennen Sie auch den innigen Zusammenhang zwischen der Pflanze und der Erde einerseits. Aber noch etwas anderes müssen Sie ins Auge fassen.

[ 25 ] Sehen Sie, wenn nun da oben die Feuergeister herumschwirren, namentlich wenn sie den Antherenstaub vermitteln, dann haben sie nur ein Gefühl. Das ist ein gesteigertes Gefühl gegenüber dem Sylphengefühl. Die Sylphen empfinden ihr Selbst, ihr Ich, indem sie die Vögel schwirren sehen. Die Feuergeister haben dieses noch gesteigert gegenüber der Schmetterlingswelt und überhaupt der ganzen Insektenwelt. Und sie sind es, diese Feuergeister, welche am liebsten der Insektenspur folgen, um eben die Vermittlung der Wärme zu bewirken für den Fruchtknoten. Um das konzentrierte Warme, das hineinkommen muß in die Erde, um sich da zu verbinden mit der ideellen Gestalt, um das hinzutragen, fühlen sich die Feuergeister innig verwandt mit der Schmetterlingswelt und auch überhaupt mit der gesamten Insektenwelt. Sie folgen überall den Spuren der Insekten, die von Blüte zu Blüte schwirren. Und so hat man eigentlich das Gefühl, wenn man diese von Blüte zu Blüte schwirrenden Insekten verfolgt: jedes solche von Blüte zu Blüte schwirrende Insekt hat eigentlich eine ganz besondere Aura, die nicht recht erklärlich ist aus dem bloßen Insekt. Insbesondere die Bienen mit ihrer hellglänzenden, wunderbar leuchtenden, schimmernden, schillernden Aura, die von Pflanze zu Pflanze schwirren, sind außerordentlich schwierig ihrer Aura nach zu erklären. Warum? Weil das Insekt Biene überall begleitet ist von dem Feuergeist, der sich ihm so verwandt fühlt, daß da die Biene ist, und die Biene für das geistige Schauen überall in einer Aura drinnen ist, die eigentlich der Feuergeist ist. Wenn die Biene durch die Luft fliegt von Pflanze zu Pflanze, von Baum zu Baum, so fliegt sie mit einer Aura, die ihr eigentlich von dem Feuergeiste gegeben wird. Der Feuergeist fühlt nicht nur in der Anwesenheit des Insektes sein Ich, sondern er will mit dem Insekt ganz verbunden sein.

[ 26 ] Dadurch bekommen aber auch die Insekten jene Kraft, von der ich Ihnen gesprochen habe, die sich selbst im Hinausschimmern in den Kosmos zeigt. Die Insekten bekommen dadurch diese Kraft, die physische Materie, die sich mit ihnen vereinigt, ganz zu durchgeistigen und das durchgeistigte Physische in den Weltenraum hinausstrahlen zu lassen. Aber geradeso wie bei einer Flamme die Wärme es zunächst ist, die das Licht zum Scheinen bringt, so sind es auf der Oberfläche der Erde, wenn die Insekten in den Weltenraum hinausschimmern lassen, was dann den Menschen anzieht, wenn er zur physischen Verkörperung herunterkommen soll: es sind die Insekten (Tafel 11, rechts / Zeichnung, rot und gelb), sind diejenigen Wesenheiten, die entflammt sind zu diesen Taten durch den Kosmos, durch die Feuergeister, die sie umschwirren. Und während die Feuergeister auf der einen Seite tätig sind dafür, daß in den Kosmos die durchfeuerte Materie hinausströmt, sind sie auf der anderen Seite dafür tätig, daß ins Innere der Erde hinein das konzentrierte Feurige, das konzentrierte Warme geht, um aufzuerwecken mit Hilfe der Gnomen die Geistgestalt, die von Sylphen und Undinen hinuntergeträufelt ist in die Erde.

[ 27 ] Sehen Sie, das ist der geistige Vorgang des Pflanzenwachstums. Und weil eigentlich das Unterbewußte des Menschen es ahnt, daß mit der blühenden, sprossenden Pflanze es etwas Besonderes ist, erscheint das Pflanzenwesen als ein so Geheimnisvolles. Das Geheimnis wird natürlich nicht zerklüftet, denn den wunderbaren Mysterien wird nicht der Schmetterlingsstaub abgestreift; aber, ich möchte sagen, in einer noch erhöhteren Wunderbarkeit erscheint dasjenige, was sonst in der Pflanze den Menschen entzückt und erhebt, wenn nun eigentlich nicht nur die physische Pflanze da ist, sondern dieses wunderbare Arbeiten da unten der unmittelbar verständigen, ganz Intellekt-bildenden Gnomenwelt, die die Pflanzenkraft zunächst hinaufstoßen. So wie gewissermaßen der menschliche Verstand nicht der Schwerkraft unterworfen ist, wie der Kopf getragen wird, ohne daß wir seine Schwere fühlen, so überwinden die Gnomen mit ihrer Lichtintellektualität das Erdenhafte und stoßen die Pflanze herauf. Sie bereiten unten das Leben. Aber das Leben würde ersterben, wenn es nicht vom Chemismus angefacht würde. Den bringen die Undinen heran. Und das Licht muß das durchströmen.

[ 28 ] So sehen wir von unten herauf, ich möchte sagen, im BläulichSchwärzlichen die Schwerkraft (Tafel 12 / Zeichnung S. 126), der der Schwung nach oben hin gegeben wird, von den Gnomen ausgehend, und, rings die Pflanze umschwirrend, angedeutet in den Blättern, die Undinenkraft, welche Stoffe mischt und entmischt, indem die Pflanze hinaufwächst. Von oben herunter, von den Sylphengeistern wird hineingeprägt in die Pflanze das Licht, die nun eine plastische Gestalt bilden, die wiederum idealisiert hinuntergeht und vom Mutterschoße der Erde aufgenommen wird. Und dann wiederum wird die Pflanze umschwirrt von den Feuergeistern, die in den kleinen Samenpünktchen konzentrieren die Weltenwärme, die dann mit der Samenkraft den Gnomen hinuntergegeben wird, so daß die Gnomen aus Feuer und Leben da unten die Pflanzen entstehen lassen können.

[ 29 ] Wiederum sehen Sie, wie die Erde ihre abstoßende Kraft, ihre Dichtigkeit, im Grunde genommen der Antipathie der Gnomen und Undinen gegen Amphibien und Fische verdankt. Wenn die Erde dicht ist, so ist die Dichtigkeit diese Antipathie, durch welche Gnomen und Undinen ihre Gestalt aufrecht erhalten. Wenn sich Licht und Wärme heruntersenkt auf die Erde, so ist das zu gleicher Zeit der Ausdruck jener Sympathiekraft, der tragenden Sylphen-Liebekraft, die durch den Luftraum getragen wird, und der tragenden Feuergeist-Opferkraft, welche das Sich-Herunterneigende bringt. So daß man sagen kann: Es wächst über der Erde zusammen dasjenige, was Erdendichte, Erdenmagnetismus, Erdenschwere ist, indem es nach aufwärts strebt, zusammen mit der abwärts strebenden Liebe- und Opferkraft. Und in diesem Ineinanderwirken der abwärtsströmenden Liebe-Opferkraft und der aufwärtsströmenden Dichtigkeit, Schwerekraft und magnetischen Kraft, in diesem Zusammenwirken entwickelt sich über dem Erdboden, wo die beiden sich begegnen, das Pflanzenwesen, das ein äußerer Ausdruck des Zusammenwirkens von Weltenliebe, Weltenopfer, Weltenschwere und Weltenmagnetismus ist.

[ 30 ] Damit haben Sie gesehen, um was es sich handelt, wenn wir unseren Blick auf die uns so entzückende, erhebende und anmutende Pflanzenwelt richten. Durchschauen können wir sie erst, wenn wir imstande sind, das Geistige, das Übersinnliche zu dem Physischen, zu dem Sinnlichen hinzuzuschauen. Das macht auch zu gleicher Zeit möglich, den Kapitalirrtum der materialistischen Botanik zu korrigieren, als ob da oben die Befruchtung vor sich gehe. Was da vor sich geht, ist nicht die Befruchtung, sondern die Zubereitung des männlichen Himmelssamens der Pflanze für dasjenige, was im Mutterschoße der Erde für die Pflanze vorbereitet wird.