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The Composition of the Mysteries
GA 232

23 November 1923, Dornach

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Mystery Knowledge & Mystery Centers, tr. Goddard, et. al.
  1. The Composition of the Mysteries, tr. SOL
  2. Mysteriengestaltungen

Erster Vortrag

1. On Man’s Life Of Soul

[ 1 ] Wir wollen nun, meine lieben Freunde, die Zeit, die uns hier für Vorträge innerhalb dieses Goetheanums bleibt vor den Weihnachtswochen, so gestalten, daß nun diejenigen, die hier in Dornach in der Erwartung leben können, daß die Weihnachtswoche kommt, möglichst viel in sich tragen können, was die anthroposophische Bewegung in die Herzen der Menschen hineinbringen kann. So daß auch wirklich gerade diejenigen, die nunmehr hier sitzen werden bis Weihnachten, in ihren Gedanken etwas zu sagen haben werden gerade über dasjenige, was jetzt, ich möchte sagen in letzter Stunde noch geschehen kann. Nicht daß ich etwa über die Internationale Anthroposophische Gesellschaft werde sprechen, das wird in ein paar Stunden in der VersammJung selber erledigt werden können, aber ich werde nun doch versuchen, diese Betrachtungen so anzulegen, daß sie auch für die Stimmung, die dann sein soll, etwas werden abgeben können. Und so werde ich, meine lieben Freunde, dasjenige, was ich schon in den letzten Wochen hier ausgeführt habe, von einem anderen Ausgangspunkte aus zu erreichen suchen, werde heute einmal damit beginnen, vom Seelenleben des Menschen selber aus zu einem Durchschauen der Weltengeheimnisse vor Ihnen zu gelangen.

[ 1 ] We will use the time that is available for lectures at the Goetheanum between now and Christmas in such a way that those who are here in anticipation of the Christmas Meeting may absorb as much as possible of what the Anthroposophical Movement can convey to the hearts of men. Those who will be here until Christmas will therefore be able to bring their thoughts to bear upon what can still be given. I shall not deal with matters concerning the international Anthroposophical Society—that will be done at the meeting to be held shortly—but I shall try to formulate our studies in a way that will help to prepare the right mood of soul for the forthcoming Christmas Gathering. I shall therefore speak from a different point of view of a subject with which I have been dealing in recent weeks and I will begin by saying something about man’s life of soul, leading on from there to a survey of cosmic secrets.

[ 2 ] Gehen wir zunächst heute von etwas möglichst Einfachem aus. Betrachten wir das Seelenleben des Menschen, wie es sich darstellt, wenn der Mensch etwas weiter die innere Selbstbesinnung treibt, als bis zu dem Punkte, den ich vorzugsweise im Auge hatte, als ich die Artikel im «Goetheanum » über «Das Seelenleben » geschrieben habe. Wollen wir also jetzt in den Betrachtungen etwas weiter nach dem Seelenleben nach innen gehen, als das im «Goetheanum» der Fall war. Dafür ist eben das, was im «Goetheanum » steht in diesen vier Artikeln über das Seelenleben, eine Art Introduktion, eine Vorbereitung zu dem, was wir nun betrachten wollen.

[ 2 ] Let us start from something quite straightforward and consider what happens in man’s life of soul if he practises self-mindfulness beyond the point I actually had in mind when I was writing the articles in the Goetheanum Weekly. These four articles can serve as an introduction to what we are now to study.

[ 3 ] Wenn wir Selbstbesinnung in einer zunächst großen, umfassenden Weise üben, so kommen wir ja darauf, wie in einer gewissen Weise dieses Seelenleben sich steigern kann. Es beginnt ja damit, daß wir die äußere Welt auf uns wirken lassen — wir tun das von Kindheit auf —, und daß wir dann das haben, was die innere Welt in uns wirkt, die Gedanke ist. Dadurch sind wir ja eigentlich Menschen, daß wir das, was die äußere Welt in uns wirkt, in unseren Gedanken weiterleben lassen, in unseren Gedanken uns innerlich vergegenwärtigen, eine Welt der Vorstellungen schaffend, die in einer gewissen Weise spiegelt dasjenige, was von außen auf uns Eindruck macht. Wir tun vielleicht dem Seelenleben nichts besonders Gutes, wenn wir gerade darüber uns viele Gedanken machen, wie die Außenwelt sich in unserer Seele spiegelt. Da kommen wir ja doch zu nichts anderem, als, ich möchte sagen, zu einem abgeschatteten Bilde der Vorstellungswelt in unserm Innern selber. Wir üben doch bessere Selbstbesinnung, wenn wir mehr, ich möchte sagen, auf das Kraftmoment sehen, so daß wir versuchen, auch einmal uns selbst auszuleben im Gedankenelemente, ohne daß wir auf die Außenwelt schauen; daß wir weiter verfolgen in Gedanken dasjenige, was als Eindrücke der Außenwelt vor uns gewesen ist. Der eine Mensch kommt dabei, je nachdem er veranlagt ist, mehr in abstrakte Gedanken hinein. Er bildet Weltensysteme aus oder auch nicht, er macht sich Schemata über alles mögliche in der Welt und dergleichen. Der andere Mensch folgt dabei, indem er über die Dinge, die auf ihn Eindruck gemacht haben, nachgedacht hat und dann die Gedanken weiter ausspinnt, er folgt mehr vielleicht irgendwelchen Phantasievorstellungen. Wir wollen darauf, wie nach dem Temperament, nach dem Charakter, nach der sonstigen Veranlagung des Menschen dieses Denken im Innern ohne äußere Eindrücke verläuft, nicht weiter eingehen, aber wir wollen uns bewußt machen, daß es doch für uns etwas Besonderes ist, wenn wir uns in bezug auf unsere Sinne zurückziehen von der Außenwelt und in unseren Gedanken, in unseren Vorstellungen einmal leben, sie weiter ausspinnend, vielleicht auch manchmal nur nach der Richtung der Möglichkeiten.

[ 3 ] If we practise self-mindfulness thoroughly and comprehensively we shall realise how the life of soul can be enhanced and intensified. What happens in the first place is that we let the external world work upon us—as we have done from childhood onwards—and then we have thoughts which are the product of our inner world. Indeed, what makes us human beings in the real sense is that we allow the effects produced in us by the external world to live on further in our thoughts and are able to experience ourselves inwardly in these thoughts. We create a world of mental pictures which in a certain way reflects the impressions made upon us from outside. It is probably not very helpful to our inner life to ponder a great deal upon how the external world is reflected in our soul. By doing that we simply acquire a shadowy picture of the world of ideas within us. A better form of self-mindfulness is to concentrate on the activity itself, endeavouring to experience ourselves in tire actual element of thought without regard to the external world, pursuing in thought what came to us as impressions of the external world. It will depend on a man’s particular nature whether he is then led more in the direction of abstract thoughts; he may or may not devise philosophical world-systems or make schedules of everything in existence. Another man who has reflected about things that have made an impression upon him and then goes on spinning thoughts, may be following certain fantasies. We will not go further into how this inner thinking without any external impressions takes its course according to a man’s temperament, character or other traits. We will rather make ourselves conscious of the fact that it is important, as far as our senses are concerned, to withdraw from the external world and live in our thoughts and mental pictures, developing them to further stages, often perhaps merely as possibilities.

[ 4 ] Manche Menschen halten das ja für unnötig, nach der Richtung der Möglichkeiten zum Beispiel das Dasein im Gedanken weiter auszubilden. Es wird ja auch heute noch in dieser schweren Zeit einem öfter begegnen, daß man die Leute sieht, die sich den ganzen Tag damit beschäftigt haben, in ihrem Geschäft zu sein, da allerlei, was selbstverständlich für die Welt notwendig ist, zu verrichten, daß solche Leute dann sich zusammensetzen in kleinen Gruppen bei Kartenspiel, Dominospiel oder was es halt an ähnlichen Dingen gibt, um, wie man ja sehr häufig sagt, die Zeit zu vertreiben. Es wird aber nicht sehr häufig vorkommen, daß sich Leute in ähnlichen Gruppen zusammensetzen und zum Beispiel ihre Gedanken darüber austauschen, was alles aus denselben Dingen, die bei Tag geschehen sind, in denen man drinnen gesteckt hat, hätte herauskommen können, wenn das oder jenes etwas anders gewesen wäre. Dabei würden sich die Menschen nicht so amüsieren, wie beim Kartenspiel; aber es wäre ein Fortspinnen in Gedanken. Und wenn man sich dabei nur gesunden Sinn genug für die Wirklichkeit bewahrt, dann braucht ein solches Fortspinnen in Gedanken eben durchaus nichts Phantastisches zu werden.

[ 4 ] Some people, of course, consider this unnecessary. Even in difficult times like the present you will often find people who are occupied with their business the whole day in order to provide all kinds of things required by the world, afterwards getting together in little groups to play cards, dominoes or similar games, in order—as is frequently said—to ‘pass the time away’. But it will not often happen that people come together in groups in order to exchange thoughts, for example, about what might have happened in connection with the day’s business if things had gone differently in one way or another. They would not find that as entertaining as playing cards, but they would at least have been carrying their thoughts to further stages. And if on such an occasion they also retained a healthy feeling for reality there is no reason why such thinking should end in fantasy.

[ 5 ] Dieses Leben in Gedanken, das führt ja zuletzt zu dem, was Ihnen entgegentritt, wenn Sie in der richtigen Weise die «Philosophie der Freiheit» lesen wollen. Wenn Sie in der richtigen Weise die «Philosophie der Freiheit» lesen wollen, so müssen Sie dieses Gefühl eben kennen: in Gedanken zu leben. Die «Philosophie der Freiheit» ist ganz etwas, was aus der Wirklichkeit heraus erlebt ist; aber zu gleicher Zeit ist sie etwas, was ganz und gar eben aus dem wirklichen Denken hervorgegangen ist. Und daher sehen Sie eine Grundempfindung gerade in dieser «Philosophie der Freiheit». Diese «Philosophie der Freiheit», ich habe sie konzipiert in den achtziger Jahren, niedergeschrieben in dem Beginne der neunziger Jahre, und ich darf wohl sagen: bei denjenigen Menschen, die dazumal eigentlich sogar die Aufgabe gehabt hätten, den Grundnerv dieser «Philosophie der Freiheit» irgendwie wenigstens ins Auge zu fassen, fand ich mit dieser «Philosophie der Freiheit» überall Unverständnis. Und das liegt an einem bestimmten Punkte. Das liegt an folgendem: Die Menschen, auch die sogenannten denkenden Menschen der Gegenwart, kommen mit ihrem Denken eigentlich nur dazu, in ihm ein Abbild der sinnlichen Außenwelt zu erleben. Und dann sagen sie: Vielleicht könnte einem in dem Denken auch etwas kommen von einer überphysischen Welt; aber es müßte dann das auch so sein, daß geradeso, wie der Stuhl, wie der Tisch draußen ist, und von dem Denken vorausgesetzt wird, daß es drinnen ist, so müßte nun dieses Denken, das da drinnen ist, auch auf irgendeine Weise erleben können ein außerhalb des Menschen zu erfassendes Übersinnliches, wie der Tisch und der Stuhl außerhalb sind. — So ungefähr dachte sich Eduard von Hartmann die Aufgabe des Denkens.

[ 5 ] This living in thoughts leads finally to what you will experience if you read The Philosophy of Freedom properly. If you read that book as it is meant to be read you will understand what it means to live in thoughts. The Philosophy of Freedom is based upon experience of reality; but at the same time it was entirely the product of thinking. Hence you will find a fundamental tone in the book. I conceived it in the 1880’s and wrote it in the early 1890’s; but from men who at that time ought at least to have taken notice of the book, I was faced with misunderstanding everywhere. There is a particular reason for this: even those who are called thinkers today are unable to experience their thinking otherwise than as a picture of the outer physical world. And then they say: perhaps something belonging to a superphysical world might arise in a man’s thinking but then this thinking which is acknowledged to be within him would have to be able to experience something supersensible outside him, in the sense that a table or chair are outside him. This was approximately Eduard von Hartmann’s conception of the function of thinking.

[ 6 ] Nun trat ihm gegenüber dieses Buch, die «Philosophie der Freiheit». Da ist das Denken so erlebt, daß innerhalb des Denk-Erlebnisses man dazu kommt, gar nicht anders vorstellen zu können, als: Wenn du im Denken richtig drinnen lebst, lebst du, wenn auch zunächst auf eine unbestimmte Weise, im Weltenall. Dieses Verbundensein im innersten Denk-Erlebnis mit den Weltgeheimnissen, das ist jad er Grundnerv der «Philosophie der Freiheit». Und deshalb steht in dieser «Philosophie der Freiheit» der Satz: In dem Denken ergreift man das Weltgeheimnis an einem Zipfel.

[ 6 ] Then he comes across The Philosophy of Freedom. In that book the argument is that to experience thinking in the real sense means that a man can come to no other realisation than this: If you live in thinking in the real sense, you are living in the Cosmos even if, to begin with, somewhat diffusely. This connection in the most intimate experience of thinking with the secrets of the world-process is the root-nerve of The Philosophy of Freedom. Hence the statement is made in the book that in thinking we grasp one corner of the whole world-mystery.1See Chapter III, entitled Thinking in the service of Knowledge.

[ 7 ] Es ist vielleicht einfach ausgedrückt, aber es ist so gemeint, daß man gar nicht anders kann, wenn man das Denken wirklich erlebt, daß man sich fühlt nicht mehr außer dem Weltgeheimnis, sondern im Weltgeheimnis drinnen, daß man sich fühlt nicht mehr außerhalb des Göttlichen, sondern im Göttlichen. Erfaßt man das Denken in sich, so erfaßt man das Göttliche in sich.

[ 7 ] This may be putting it simply, but what is meant is that when a man experiences thinking in the real sense he no longer feels outside the mystery of world-existence but within it; he no longer feels outside the Divine but within the Divine. If he comprehends the reality of thinking within himself, he comprehends the Divine within himself.

[ 8 ] Diesen Punkt konnte man nicht erfassen. Denn erfaßt man ihn wirklich, hat man sich Mühe gegeben, das Denk-Erlebnis zu haben, dann steht man eben nicht mehr in der Welt drinnen, in der man vorher drinnen gestanden hat, sondern man steht in der ätherischen Welt drinnen. Man steht in einer Welt drinnen, von der man weiß: sie ist nicht von da und dort im physischen Erdenraum bedingt, sondern sie ist bedingt von der ganzen Weltensphäre. Man steht in der ätherischen Weltensphäre drinnen. Man kann nicht mehr zweifeln an der Gesetzmäßigkeit der Weltenäthersphäre, wenn man das Denken so erfaßt hat, wie es in der «Philosophie der Freiheit» erfaßt ist. So daß da erreicht ist dasjenige, was man ätherisches Erleben nennen kann. Daher wird es einem so, wenn man in dieses Erleben hineinkommt, daß man einen eigentümlichen Schritt in seinem ganzen Leben macht.

[ 8 ] This was the point that people could not grasp. For if a man really comprehends it, if he has made efforts to achieve this kind of thinking, he finds himself no longer within the world that was previously his, but he is now within the etheric world. It is a world of which he knows that it is not conditioned by any part of the physical Earth but by the whole cosmic sphere. He is within the etheric Cosmos, and he can no longer have any doubts about the law and order of this cosmic sphere if he has grasped thinking as it is understood in The Philosophy of Freedom. Etheric experience, as it may be called, has now been achieved and a notable step forward in life has been taken.

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[ 9 ] Ich möchte diesen Schritt so charakterisieren: Wenn man im gewöhnlichen Bewußtsein denkt, denkt man, wenn man hier in diesem Raume ist, Tische, Stühle, selbstverständlich Menschen und so weiter; man denkt vielleicht auch noch etwas anderes, aber man denkt die Dinge, die außerhalb sind. Also sagen wir — es sind da verschiedene Dinge außerhalb —, man umfaßt gewissermaßen mit seinem Denken von dem Mittelpunkt seines Wesens aus diese Dinge. Dessen ist sich ja jeder Mensch bewußt: er will mit seinem Denken die Dinge der Welt umfassen.

[ 9 ] Let me characterise this step as follows.—Our thinking in ordinary consciousness is concerned with tables, chairs, human beings, of course, and so forth; we may think of other things too in the outside world. With our thinking we comprehend these things from the centre of our being. Everyone is aware that with his thinking he wants to comprehend the things of the world.

[ 10 ] Kommt man aber dazu, dieses eben charakterisierte Denk-Erlebnis zu haben, dann ergreift man nicht die Welt; man hockt auch, möchte ich sagen, nicht in seinem Ichpunkte bloß drinnen, sondern es passiert etwas ganz anderes. Man bekommt das Gefühl, das ganz richtige Gefühlserlebnis, daß man mit seinem Denken, das eigentlich nicht an irgendeinem Orte ist, nach dem Innern alles erfaßt. Man fühlt: man tastet den inneren Menschen ab. So wie man mit dem gewöhnlichen Denken, ich möchte sagen, geistige Fühlfäden nach außen streckt, so streckt man mit seinem Denken, mit diesem Denken, das in sich selbst sich erlebt, fortwährend sich in sich selber hinein. Man wird Objekt, man wird sich Gegenstand.

[ 10 ] But once you achieve the experience of thinking I described just now, you are not grasping the world; nor are you riveted in your ego. Something quite different happens. You get the feeling—and quite rightly—that with your thinking which is not localised in any particular place, you grasp everything inwardly. You feel you are making contact with the inner man. Just as in ordinary thinking you stretch your spiritual ‘feelers’ outwards, so with this thinking which experiences itself in itself, you are continually stretching inwards, into your own being. You become object, object to yourself.

[ 11 ] Das ist eben ein sehr wichtiges Erlebnis, das man haben kann, daß man weiß: du hast früher immer die Welt erfaßt; jetzt mußt du, indem du das Denk-Erlebnis hast, dich selbst erfassen. Da ergibt sich im Laufe dieses recht starken Sich-selbst-Erfassens, daß man die Haut sprengt. Und ebenso, wie man sich innerlich erfaßt, so erfaßt man von innen aus eben den ganzen Weltenäther, nicht in seinen Einzelheiten selbstverständlich, aber man kommt zur Gewißheit: dieser Äther ist ausgebreitet über die Weltensphäre, in der man drinnen ist, in der man zugleich drinnen ist mit Sternen, Sonne und Mond und so weiter.

[ 11 ] It is a very significant experience to realise that whereas hitherto it was always the world that you grasped, now, having this experience of thinking it is your own self you have to grasp. In the course of this firm grasp of your own self you come to realise that you have broken through your skin. You grasp yourself inwardly and in the same way you begin to grasp the whole world-ether from within, not of course in all its details but you know with certainty that this ether spreads over the whole cosmic sphere with which you are living together with stars, sun, moon, and so forth.

[ 12 ] Nun, ein zweites, was der Mensch dann in seinem inneren Seelenleben entwickeln kann, das ist, wenn er nicht in den Gedanken, die von außen angeregt sind, zunächst so fortspinnt und fortwebt, sondern wenn er sich seinen Erinnerungen überläßt. Wenn der Mensch sich seinen Erinnerungen überläßt und das wirklich innerlich macht, so ergibt das wiederum ein ganz bestimmtes Erlebnis. Das Denk-Erlebnis, das ich eben geschildert habe, das führt einen eigentlich zunächst auf sich selbst; man erfaßt sich selbst. Und man hat eine gewisse Befriedigung in diesem Sich-selbst-Erfassen. Wenn man übergeht zu dem Erleben in der Erinnerung, dann wird es zuletzt, wenn man recht innerlich dabei vorgeht, doch so, daß einem das wichtigste Gefühlserlebnis nicht das ist, an sich heranzukommen. Das ist es einem beim Denken; deshalb findet man im Verlaufe dieses Denkens die Freiheit, die ganz von dem Persönlichen des Menschen abhängt. Und deshalb muß eine Freiheitsphilosophie ausgehen von dem Denk-Erlebnis, denn durch das DenkErlebnis kommt der Mensch an sich selber heran, findet sich als freie Persönlichkeit. So ist es nicht mit dem Erinnerungserlebnis. Mit dem Erinnerungserlebnis ist es so, daß man zuletzt, wenn man es ganz ernst zu nehmen vermag, wenn man sich ganz hineinzuversetzen vermag, dazu kommt, das Gefühl zu haben: sich eigentlich loszuwerden, wegzukommen von sich. Deshalb sind diejenigen Erinnerungen, die einen dieGegenwart vergessen lassen, die allerbefriedigendsten. Ich will nicht sagen, daß sie immer die besten sind, aber sie sind in vielen Fällen die befriedigendsten.

[ 12 ] There is a second way in which a man can develop his life of soul. Instead of being wholly occupied with thoughts that are prompted from outside, he gives himself up to his memories. If he does this and makes the process an inner reality he will again have a quite definite experience. The experience of thinking I have just described to you does actually lead a man to his own self; he grasps his own self and this process gives him a certain satisfaction. But when he passes on to the experiencing of memories he will find, if he is inwardly active in the real sense, that the most striking feeling is not that of approaching his own self. That is what happens in the experience of thinking; and for that reason man will find freedom in the course of this thinking, a freedom which depends entirely upon the personal element in him. That is why a ‘philosophy of freedom’ must take its start from the experience of thinking, for it is through this experience that a man finds his own self, finds his bearings as a free personality. This does not happen in the case of the memory experience. If a man proceeds with real earnestness, and is able to immerse himself entirely in the experience, he will have the feeling of being liberated from himself, of getting away from himself. That is why memories which enable the present to be forgotten are the most satisfying—I do not say they are always the best, but in many cases they are the most satisfying.

[ 13 ] Man bekommt so recht einen Begriff von dem Werte des Erinnerns, wenn man auch Erinnerungen haben kann, die einen in die Welt tragen, trotzdem man mit der Gegenwart voll und ganz unzufrieden sein könnte, aus der Gegenwart eigentlich heraus will. Wenn man solche Erinnerungen entwickeln kann, daß man sich gesteigert in seinem Lebensgefühl empfindet, indem man sich seinen Erinnerungen hingibt, so gibt das, ich möchte sagen, als Gefühl eine Vorbereitung zu dem, was die Erinnerung werden kann, wenn sie noch viel realer wird.

[ 13 ] You can certainly get an idea of the value of memory if your memories can carry you out into the world, no matter how utterly dissatisfied you may be with the present and wish you could get right away from it. If you can waken memories which, as you give yourselves up to them, give you an enhanced feeling of life, this will be a preparation for what memory can ultimately become.

[ 14 ] Sehen Sie, die Erinnerung kann realer werden dadurch, daß Sie mit möglichster Realität etwas an sich heranbringen, was Sie vor Jahren oder Jahrzehnten tatsächlich erlebt haben. Ich will es nur, wie es ist, ausdrücken. Nehmen Sie einmal an, Sie gehen an Ihre alten Habseligkeiten und versuchen, sagen wir, Briefe, die Sie in irgendeiner Angelegenheit zusammenhängend geschrieben haben, hervorzusuchen. Sie legen diese Briefe vor sich hin und leben sich an Hand dieser Briefe in die Vergangenheit hinein. Oder viel besser noch ist es, Sie nehmen nicht Briefe, die Sie selber geschrieben haben oder die Ihnen andere geschrieben haben, denn da kommt immer noch zu viel Subjektives hinein; noch besser wäre es, wenn Sie imstande wären, zum Beispiel Ihre alten Schulbücher zu nehmen und in diese alten Schulbücher so hineinzugucken, wie Sie dazumal hineingeguckt haben, als Sie eben noch wirklich als Pennäler über diesen Schulbüchern saßen; wenn Sie also tatsächlich in Ihr Leben etwas heraufbringen, was einmal war. Das ist nämlich ganz merkwürdig: wenn Sie so etwas ausführen, so ändern Sie Ihre ganze Seelenstimmung, wie diese Seelenstimmung in der Gegenwart ist. Es ist sehr merkwürdig. Und sehen Sie, Sie müssen nur in dieser Beziehung ein klein wenig erfinderisch sein; es kann alles dazu dienen. Vielleicht findet eine Dame irgendwo in einer Ecke irgendein Kleid, das sie vor zwanzig Jahren getragen hat, oder irgend etwas Ähnliches, und sie zieht sich das an und versetzt sich dadurch ganz in die Lage, in der sie dazumal war; also irgend etwas, was die Vergangenheit in möglichster Realität hereinbringt in die Gegenwart. Dadurch kommen Sie dazu, das gegenwärtige Erleben stark von sich abzusondern.

[ 14 ] Memory can become more real if you recall with the greatest possible intensity something you actually experienced years or even decades ago. Suppose, for instance, you turn to a collection of old papers and take out letters you wrote on some particular occasion. You put these letters in front of you and let them carry you back into the past. Or it would be preferable not to take letters which you wrote yourself or which others wrote to you, because the subjective element would be too strong there. Try, rather, to get hold of your old schoolbooks, and peep into them as you did when you first went to school. In this way you can actually call back the past into your life. The effect is remarkable. If you do what I suggest you will entirely transform your present state of mind. You must exercise a little ingenuity here although almost anything will serve. For instance, a lady might come across a dress she has not worn for twenty years; she puts it on and is transported back into the conditions prevailing at that time. You must choose something that will bring the past with the greatest possible reality into the present. In this way you can separate yourself radically from your present experience.

[ 15 ] Wenn man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein erlebt, so steht man sich ja eigentlich in dem Erleben zu nahe, um es zu etwas zu bringen, möchte ich sagen. Man muß sich ferner stehen können. Nun, der Mensch steht sich ferner, wenn er schläft, als wenn er wacht; denn da ist er mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leib aus dem physischen Leib und aus dem Ätherleib heraußen. Diesem astralischen Leib, der außerhalb des physischen Leibes im Schlafe ist, dem kommen Sie nahe, wenn Sie so real, wie ich es geschildert habe, vergangene Erlebnisse in die Gegenwart heraufrufen. Nun werden Sie das zunächst ja nicht glauben, weil Sie einer so unbedeutenden Sache, wie dem Regemachen von vergangenen Erlebnissen, meinetwillen mit einem alten Kleide, eine solche starke Wirkung nicht zuschreiben. Aber es handelt sich wirklich darum, daß man in diesen Dingen einmal eine Probe macht. Und wenn Sie die Probe machen, und Sie wirklich Alterlebtes in die Gegenwart heraufzaubern, so daß Sie darinnen leben und die Gegenwart ganz vergessen können, so werden Sie sehen, daß Sie Ihrem Astralleibe, Ihrem schlafenden Astralleibe nahe kommen.

[ 15 ] With ordinary-level consciousness we are too close to ourselves in our actual experience to be able to make it into anything valuable. We must be able to stand at a distance from ourselves. Now a man is farther away from himself when he is asleep than when he is awake, for during sleep his astral body and ego are outside his physical and etheric bodies. You will be able to approach this astral body, which as I have said, is outside the physical body during sleep, if you summon up some past experience as vividly as possible into the present. You will probably not believe what I am telling you because you will be reluctant to attribute such significance to something as comparatively trivial as the awakening of past experiences by looking at an old dress. But just put it to the test, and if you succeed in conjuring up some past experience into the present so vividly that you are wholly engrossed in it and can be entirely oblivious of the present, you will find that you are drawing near to your astral body as it is in sleep.

[ 16 ] Wenn Sie aber das in der Weise erwarten, daß Sie nun nur so hinzuschauen brauchen, nach rechts oder links, und da eine Nebelgestalt als Ihren astralischen Leib sehen, dann werden Sie sich täuschen; so gehen die Sachen nicht vor sich. Aber Sie müssen achtgeben auf das, was wirklich eintritt. Etwas, was wirklich eintritt in einem solchen Falle, das wird zum Beispiel sein, daß Sie nach und nach durch solche Erlebnisse die Morgenröte ganz anders sehen, als Sie sie vorher gesehen haben, daß Sie einen Sonnenaufgang ganz anders empfinden, als Sie ihn vorher empfunden haben. Sie werden nach und nach auf diesem Wege dazu kommen, die Wärme der Morgenröte als etwas zu empfinden, was ankündigend ist, was gewissermaßen eine prophetische, eine naturhaft prophetische Kraft in sich hat. Sie werden beginnen, die Morgenröte als etwas geistig Kraftvolles zu empfinden, und Sie werden einen innerlichen Sinn mit diesem prophetisch Kraftvollen verbinden können, indem Sie, was Sie zuerst ja für eine Illusion ansehen mögen, die Empfindung bekommen: die Morgenröte hat etwas mit Ihnen selbst Verwandtes. Sie werden sich gerade durch solche Erlebnisse, wie ich sie geschildert habe, in den Stand versetzen können, zu empfinden, wenn Sie die Morgenröte schauen: ja, diese Morgenröte läßt mich ja nicht allein. Sie ist nicht bloß dort, und ich bin nicht bloß da. Ich bin innig verbunden mit dieser Morgenröte. Sie ist eine Gemütseigenschaft von mir; ich bin in diesem Momente selber Morgenröte. — Und wenn Sie sich so mit der Morgenröte verbunden haben, daß Sie gewissermaßen selber das farbige Aufstrahlen und Aufglänzen, das Sichherausentwickeln der Sonne aus dem farbigen Aufstrahlen und Aufglänzen so erleben, daß in Ihrem Herzen eine Sonne aus Morgenröte in lebendiger Empfindung hervorgeht, dann bekommen Sie auch die Vorstellung, daß Sie mit der Sonne über das Himmelsgewölbe ziehen, daß die Sonne Sie nicht allein läßt, daß die Sonne nicht dort ist und Sie da, sondern daß sich Ihr Dasein in einer gewissen Weise bis zum Sonnendasein hin erstreckt; daß Sie mit dem Lichte den Tag hindurch wandeln.

[ 16 ] But you will be mistaken if you think that all you have to do is to look right or left, and that you will see a shadowy form that is your astral body; that is not how things work. You must pay attention to what actually happens, which may for instance be that after such experiences you see the dawn and the sunrise very differently from hitherto. On this path you will gradually begin to feel the warmth of the dawn as something prophetic, having a kind of natural prophetic power. You will begin to feel the dawn as something spiritually forceful and that there is some connection between that power and an inner sense within yourself; and although at first you may regard it as an illusion, you will eventually feel that there is some relationship between the dawn and your own being. Through the experience I have described you will gradually come to feel, as you look at the dawn: this dawn does not leave me alone. There is an inner connection between my own being and the dawn. The dawn is a quality of my own soul. At this moment I am myself the dawn—If you have been able to unite yourself with the dawn in such a way that you experience its coloured radiance out of which the sun rises, in your very heart as a living feeling—then you will also feel that you are actually travelling across the heavens with the sun, that as I put it just now, the sun will not leave you alone, that it is not a case of you being here and the sun there, but that in a sense your existence stretches right up to that of the sun—in fact that you journey through the day in company with the fight.

[ 17 ] Wenn Sie aber diese Empfindung entwickeln, die man — wie gesagt, nicht aus dem Denken, da kommt man an den Menschen heran —, die man aber aus der Erinnerung heraus auf die angedeutete Weise entwikkeln kann, wenn Sie diese Erlebnisse aus der Erinnerung heraus, besser gesagt aus der Kraft der Erinnerung heraus entwickeln, dann beginnen die Dinge, die Sie sonst mit Ihren physischen Sinnen wahrgenommen haben, ein anderes Antlitz zu haben: die Dinge beginnen geistig-seelisch durchsichtig zu werden. Es ist so, wenn man nur einmal die Empfindung erlangt hat, mit der Sonne zu gehen, in der Morgenröte die Kraft gewonnen hat, um mit der Sonne zu gehen, daß man dann alle Blumen auf der Wiese anders sieht. Die Blüten bleiben nicht dabei stehen, einem ihre gelben oder roten Farben zu zeigen, die an ihrer Oberfläche sind, sondern die Blüten beginnen zu sprechen, auf geistige Art zu unserem Seelischen zu sprechen. Die Blüte wird durchsichtig. Innerlich regt sich ein Geistiges der Pflanze, und das Blühen wird etwas wie ein Sprechen. Und man verbindet in dieser Weise tatsächlich seine Seele dann auch mit dem äußeren Naturdasein. Man bekommt auf diese Weise den Eindruck, daß hinter diesem Naturdasein etwas ist, daß das Licht, mit dem man sich verbunden hat, von geistigen Wesenheiten getragen ist. Und man erkennt in diesen geistigen Wesenheiten nach und nach die Züge dessen, was geschildert wird von Anthroposophie.

[ 17 ] If you develop this feeling, not out of thinking but out of memory in the way I described, if you can develop these experiences out of the power of memory, then you will find that things which you have perceived with your physical senses begin to look different, enabling spirit-and-soul to become manifest; when you have acquired the feeling of travelling with the sun, all the flowers in the field will look different to you. The flowers do not merely display the red or yellow colours on their surface; they begin to speak spiritually to your soul. The flower becomes transparent; a spiritual element in the flower begins to stir and the blossoming becomes a sort of speaking. In this way you are actually uniting your soul with external Nature. In this way you get the impression that there is something behind this Nature, that the light with which you are connected is borne by spiritual Beings. And in those spiritual Beings you gradually recognise the characteristics described by Anthroposophy.

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[ 18 ] Nehmen wir jetzt die zwei Etappen von Empfindungen zusammen, die ich eben jetzt geschildert habe. Nehmen wir die erste Empfindung, die man durch das Denken als inneres Erlebnis haben kann, dann wird es durch dieses Erlebnis weit; es hört ganz auf das Gefühl, im engen Raume dazustehen. Das Erleben des Menschen wird weit; man fühlt ganz bestimmt: in unserem Innern ist ein Punkt, der in die ganze Welt hinausgeht, der von derselben Substanz ist, wie die ganze Welt. Man fühlt sich eins mit der ganzen Welt, mit dem Ätherischen der Welt. Aber man fühlt auch, wenn man hier auf der Erde steht, da wird einem der Fuß, das Bein von der Schwerkraft der Erde hinuntergezogen; man fühlt, man ist mit seinem ganzen Menschen an diese Erde gebunden. In dem Momente, wo man dieses Denk-Erlebnis hat, fühlt man nicht mehr das Verbundensein mit der Erde, sondern man fühlt sich. abhängig von den Weiten der Weltensphäre. Alles kommt von den Weiten herein (Zeichnung: Pfeile); nicht von unten herauf, gewissermaßen vom Mittelpunkt der Erde nach aufwärts, alles kommt von den Weiten herein. Und man fühlt schon am Menschen: es muß, gerade wenn man den Menschen verstehen will, auch dieses Gefühl des Von den-Weiten-Hereinkommens da sein. (Siehe Zeichnung)

[ 18 ] Let us look at the two stages of feelings which I have just been describing. The first feeling which can be brought by thinking inwardly experienced, is one of expansion. The feeling of being in a confined space ceases altogether. Your experience widens and you have a definite feeling that within your inner being there is a kernel which extends into the Cosmos and is of the same substance as the Cosmos. You feel at one with the etheric substance of the Cosmos. But when you are standing on the Earth you feel that your feet and legs are drawn down by the Earth’s force of gravity; you feel that your whole being is bound firmly to the Earth. At the moment when you have the experience of thinking you no longer feel bound to the Earth; you feel dependent upon the wide expanse of the cosmic sphere. You feel that everything comes inwards, not from below, as it were from the centre of the Earth upwards but from the cosmic expanse, the Universe. And you feel that to understand Man, this sense that something is streaming in from the cosmic expanse must be present.

[ 19 ] Das erstreckt sich eben bis in die Erfassung der Menschengestalt. Wenn ich bildhauerisch oder malerisch die Menschengestalt erfassen will, so kann ich eigentlich nur diesen unteren Teil des Kopfes der Menschengestalt so erfassen, daß ich ihn mir gebildet denke hervorgehend aus dem Räumlich-Inneren, aus dem Körperhaft-Inneren des Menschen. Ich werde nicht den rechten Geist in die Sache hineinbringen, wenn ich nun nicht in der Lage bin, den oberen Teil so zu machen, daß ich ihn mir von außen herangetragen denke. Das alles ist von innen nach außen (siehe Pfeile); das aber (oberer Kopfteil) ist von außen nach innen gebildet.

[ 19 ] This applies even to a true understanding of the human form. If I want to give expression to the human form in sculpture or in painting, I must picture to myself that only the lower part of the head proceeds from the inner bodily and spatial nature of man. I shall not be able to get the right spirit into the work unless I am able to convey the impression that the upper part of the head has been brought from outside. The lower part of the head must seem to have come from within outwards, but the upper from outside inwards.

[ 20 ] Unsere Stirne, unser Oberkopf ist eigentlich immer daraufgesetzt. Wer mit künstlerischem Verständnis die Malereien in der kleinen Kuppel gesehen hat in dem zugrunde gegangenen Goetheanum, der wird immer gesehen haben, wie dies überall durchgeführt war: das untere Antlitz gewissermaßen als etwas vom Menschen Herausgewachsenes, das Obere des Kopfes etwas von dem Kosmos ihm Gegebenes. In Zeiten, in denen man solche Dinge empfunden hat, war das besonders rege. Sie werden niemals eine wirkliche griechische plastische Kopfform verstehen, ohne daß Sie diese Empfindung in sie hineinzulegen verstehen, denn die Griechen haben aus solchen Empfindungen heraus geschaffen.

[ 20 ] If you looked with artistic understanding at the paintings in the small cupola of the now destroyed Goetheanum, you will have seen that this principle was everywhere observed: the lower part of the face was always represented as having grown from within the human being and the upper part of the head as something given him from the Cosmos. This was particularly evident in times when these things were known. You will never understand the form of the head in a genuine Greek sculpture unless you associate this feeling with it, for it was out of similar feelings that the Greeks created their works of art.

[ 21 ] Und so fühlt man sich eben wie verbunden mit dem Umkreis im Denk-Erlebnis.

[ 21 ] And so in the Thinking experience you will feel yourself united with the surrounding Universe.

[ 22 ] Und nun könnte man glauben, das setzte sich einfach so fort, man käme eben noch weiter hinaus, wenn man nun weitergeht vom Denken, vom Denk-Erlebnis bis zum Erinnerungserlebnis. Das ist aber nicht so, sondern es ist anders. Wenn Sie dieses Denk-Erlebnis wirklich in sich entwickeln, haben Sie ja durch das Denk-Erlebnis zuletzt den Eindruck der dritten Hierarchie: Angeloi, Archangeloi, Archai. So wie Sie sich in der Schwere, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel durch die Verdauung und so weiter das menschliche körperliche Erlebnis hier auf Erden vorstellen können, so können Sie sich die Bedingungen, unter denen die Wesen der dritten Hierarchie leben, vorstellen, wenn Sie durch dieses Denk-Erlebnis, statt daß Sie auf der Erde herumgehen, sich fühlen als getragen von Kräften, die da aus dem Weltenende an Sie herankommen.

[ 22 ] Now it might be imagined that this process would simply continue further outwards as you pass from the Thinking experience to the Memory experience. But it is not so. If you succeed in developing within yourself the Thinking experience you will finally have the impression of the Third Hierarchy: Angeloi, Archangeloi, Archai. Just as you can picture man’s bodily experience here on Earth in the working of gravity or in the process of the digestion of foodstuffs, you can picture the conditions under which the Beings of the Third Hierarchy live if, through this Thinking experience, instead of trudging around the confines of Earth you feel yourself borne by forces coming to you from the ultimate boundary of the Cosmos.

[ 23 ] Denkerlebnis: 3. Hierarchie

[ 23 ] Thinking Experience: Third Hierarchy

[ 24 ] Nun, wenn man aber vom Denk-Erlebnis zum Erinnerungserlebnis übergeht, so ist es nicht so, daß man nun etwa, wenn das hier das Weltensphären-Ende wäre (siehe Zeichnung, oberer Kreisbogen), bis zu dem hin erleben kann. Man kann ein solches Weltenende, wenn man in die Wirklichkeit dieses Denk-Erlebnisses eintritt, erreichen; dann kommt man nicht noch weiter hinaus, sondern dann stellt sich die Sache anders dar. Dann ist zum Beispiel hier irgendein Gegenstand: ein Kristall, eine Blume, ein Tier. Geht man vom Denk-Erlebnis zu dem über, was einem das Erinnerungserlebnis alles bringen kann, dann schaut man in dieses Ding hinein.

[ 24 ] Now if you pass from the Thinking experience to the Memory experience it is not a matter of being able to reach this ultimate boundary of the cosmic spheres. You can, it is true, reach this boundary if you know the reality of the Thinking experience. But the Memory experience leads to a different result. Suppose, for example, you have here some object—a crystal or a flower or an animal. What happens when you pass from the Thinking experience to all that the Memory experience can offer, is that you can see right into the object.

[ 25 ] Der Blick, der bis zu den Weltenweiten gegangen ist, wenn er sich fortsetzt durch das Erinnerungserlebnis, sieht in die Dinge hinein. Also nicht, daß Sie noch weiter hinausdringen in unbestimmte abstrakte Weiten, sondern der fortgesetzte Blick, der sieht in die Dinge hinein; er sieht das Geistige in allen Dingen. Er sieht zum Beispiel im Lichte die wirkenden geistigen Wesenheiten des Lichtes und so weiter; er sieht in der Finsternis die in der Finsternis wirksamen geistigen Wesenheiten. So daß wir sagen können: das Erinnerungserlebnis, das führt in die zweite Hierarchie hinein.

[ 25 ] The gaze which had extended to the ultimate boundary of the cosmic expanse, supplemented by the Memory experience, penetrates into the essence of things. You do not in that case press on into indefinite abstractions but this extended gaze perceives the spiritual quality in all things. For instance, it perceives the spiritual Beings who are active in the light, or the spiritual Beings who are active in the darkness. So we can say: the Memory experience leads us to the Second Hierarchy.

[ 26 ] Erinnerungserlebnis: 2. Hierarchie

[ 26 ] Memory Experience: Second Hierarchy

[ 27 ] Und nun gibt es ja allerdings etwas im menschlichen Seelenleben, was über die Erinnerung hinausgeht. Machen wir uns das einmal klar, was über die Erinnerungen hinausgeht. Sehen Sie, die Erinnerung gibt unserer Seele die Färbung. Man kann ganz genau wissen, wenn man an einen Menschen kommt, der alles abfällig beurteilt, der über alles, was man zu ihm spricht, seine saure Atmosphäre gießt, der, wenn man ihm etwas recht Schönes erzählt, daneben etwas recht Häßliches selber erzählt, und so weiter — man kann ganz genau wissen: bei ihm ist das zusammenhängend mit seiner Erinnerung. Die Erinnerung gibt der Seele die Färbung.

[ 27 ] Now there is something in man’s life of soul which is not subject to the limitations of memory. Let us be clear about what it is. Memory gives our soul its special colouring. Suppose we come across a man who criticises everything adversely, who diffuses his own bitterness over everything we talk about, who whenever we tell him about something really beautiful, at once speaks of something unpleasant. In such a case we may know with certainty that this characteristic is connected with his memory. Memory gives the soul its colouring.

[ 28 ] Aber, sehen Sie: es gibt noch etwas anderes als diese seelische Färbung. Wir treten dem einen Menschen entgegen. Er bietet uns immer nur ironisch herabgezogene Mundwinkel dar, besonders wenn wir zu ihm etwas sagen, oder er zieht die Stirne in krause Falten, oder er macht ein tragisches Gesicht. Oder aber er blickt uns freundlich an, so daß wir Erhebung haben in dem, was er nicht bloß uns sagt, sondern uns blickt. Ja, sehen Sie, es ist interessant, einmal mit einem einzigen Blick bei irgendeiner wichtigen Darstellung im Verlaufe eines Vortrages alle Gesichter zu sehen: die Mundwinkel zu sehen bei irgend etwas, die Stirnen sich anzuschauen, die Starrheit manches Gesichtes, die Beweglichkeit manches Gesichtes und so weiter. Da drückt sich nicht bloß dasjenige aus, was Erinnerung in der Seele geblieben ist und der Seele eine bestimmte Farbennuance gegeben hat, sondern da drückt sich aus, was von der Erinnerung aus in Physiognomie, in Gestenusancen, in die ganze Attitude des Menschen übergegangen ist. Nun ja, es ist auch so, wenn bei einem Menschen nichts übergeht, wenn er ein Gesicht zeigt, das gar nichts aufgenommen hat von dem, was an Leiden und Schmerzen und Freuden durch sein Leben gegangen ist: das ist auch charakteristisch. Wenn sein Gesicht aalglatt geblieben ist, ist es ebenso charakteristisch, wie wenn sein Gesicht in den tiefen Furchen die Tragik des Lebens, den Ernst des Lebens, oder auch wohl manche Befriedigungen des Lebens ausdrückt. Da geht das, was sonst seelisch-geistig bleibt als Ergebnis der Erinnerungskraft, in die Gestaltung des Physischen über. Und es geht so stark über, daß der Mensch ja später tatsächlich dadurch nach außen hin seine Geste, seine Physiognomie hat, nach innen hin sein Temperament. Denn wir haben nicht immer im Alter dasselbe Temperament, wie wir es als Kind hatten. Das Temperament des Alters ist vielfach ein Ergebnis dessen, was wir im Leben durchgemacht haben und was innerlich seelisch Erinnerung geworden ist.

[ 28 ] But there is still something else. We may meet a man who faces us with an ironic sneer particularly when we say something to him, or he wrinkles his forehead or puts on a tragic expression. Or he may give us a friendly look so that we are cheered not only by what he says but by his look. When something important is said during a lecture it is interesting to give a momentary glance at the faces of the audience and see the ironic expressions on some lips, the foreheads with or without wrinkles, the blank or lively expressions on the faces. What is being expressed there is not merely memory that has persisted in the soul and gives the soul its colouring but something that has gone over from memory into a man’s physiognomy, into his different gestures, into his whole bearing. If a man takes in nothing, if his countenance betrays the fact that all the sufferings, sorrow and joy in his life have left him unimpressed, that too is characteristic. A face that has remained smooth and unlined, or one that is deeply furrowed by the tragedy or seriousness of life is as characteristic as one that expresses much happiness. In such cases, what otherwise remains part of the life of soul-and-spirit as the outcome of the power of memory has passed over into actual physical form. The effect is so strong that it is expressed outwardly in later life in a man’s gestures and physiognomy independently of his temperament which remains inward. For in old age we have not always the same temperament as we had in childhood. Our temperament in old age is often a result of what we have undergone in life and has become memory in the inner life of soul.

[ 29 ] Was da so in den Menschen innerlich hineingeht, das kann nun wiederum, obwohl dies jetzt schwieriger ist, in die Realität herübergetragen werden. Es ist noch verhältnismäßig leicht, irgend etwas vor unseren Seelenblick zu bringen, was wir in der Kindheit oder sonst vor Jahren durchgemacht haben, um gewissermaßen die Erinnerung zu realisieren. Es ist aber schwerer schon, sich in das Temperament seiner Kindheit zum Beispiel hineinzuversetzen oder überhaupt in sein früheres Temperament. Aber die Realisierung gerade einer solchen Übung kann ungeheuer Bedeutsames für den Menschen bringen. Und da ist eigentlich mehr erreicht, wenn wir das innerlich in der Seele vertieft machen können, als wenn wir es äußerlich machen.

[ 29 ] What enters into a man inwardly in this way, may again—though this is more difficult—become reality. It is comparatively easy to bring before the eyes of our soul something we experienced in childhood or perhaps many years ago, and so make the memory of it a fact. It is more difficult to transpose oneself into the temperament we had in childhood or in our earlier years. But the practice of such an exercise can bring results of immense significance. And even more is achieved if we can deepen this experience inwardly than if it is merely an external act.

[ 30 ] Es wird ja schon etwas im Menschen erreicht, wenn er, sagen wir vierzig-, fünfzigjährig — natürlich in solchen Grenzen, wie es eben bei diesen Dingen notwendig ist — äußerlich seine Kinderspiele treibt; springt, wie er als Kind gesprungen ist und so weiter, wenn er versucht, wiederum solch ein Gesicht zu machen, wie es war, wenn ihm die Tante ein Bonbon gegeben hat, als er achtjährig war und dergleichen. Dieses bis in die Geste, bis in die Attitude hinein Sich-Zurückversetzen, das bringt wiederum etwas in unser Leben hinein, was nun ganz und gar uns zu der Empfindung bringt: die Außenwelt ist die Innenwelt, und die Innenwelt ist die Außenwelt.

[ 30 ] Something can certainly be achieved in a man if, say at the age of forty or fifty—naturally within the obvious limits in such circumstances—he plays the games he played in childhood, if he jumps as he did then, or even if he tries to make the same kind of face he made when, as an eight-year-old, his aunt gave him a sweet! If he can transpose himself back into the actual gesture or posture of that moment, again he will find that something is brought into his life whereby he is led to the conviction that the outer world is the inner world and the inner world is the outer world.

[ 31 ] Wir kommen dann zum Beispiel mit unserem ganzen Sein in die Blume hinein und haben dann dasjenige, was ich nun zu dem Denk-Erlebnis und Erinnerungserlebnis hinzu das Gestenerlebnis im besten Sinne des Wortes nennen möchte. Und durch dieses kommen wir zu einer Vorstellung, wie Geistiges unmittelbar überall im Physischen wirkt.

[ 31 ] We can then penetrate with our whole being into a flower, for instance, and then, in addition to the Thinking experience and the Memory experience we have what I will call, in the truest sense, a Gesture experience. In this way we acquire an idea of how the spiritual is directly at work within the physical.

[ 32 ] Sie können nicht innerlich mit vollem Bewußtsein ergreifen, wie Sie meinetwillen vor zwanzig Jahren sich verhalten haben in der Geste bei irgendeinem äußeren Anlasse, ohne daß Sie, wenn Sie die Sache wirklich innerlich tief und ernst und energisch nehmen, auch dazu kommen, nun die Gemeinschaft des Geistigen und Physischen in allen Din‚gen aufzufassen. Dann sind Sie aber bei dem Erleben der ersten Hierarchie angekommen.

[ 32 ] You cannot, with full consciousness, inwardly apprehend the gesture you made, perhaps twenty years ago in response to some outer provocation, without realising the union of the physical and the spiritual in all things. But then you will have arrived at the experience of the First Hierarchy.

[ 33 ] Gestenerlebnis: 1. Hierarchie

[ 33 ] Gesture Experience: First Hierarchy

[ 34 ] Das Erinnerungserlebnis, es läßt uns selbst Morgenröte werden, wenn wir der Morgenröte gegenüberstehen. Es läßt uns alle Wärme der Morgenröte fühlen, innerlich erleben. Wenn man aber aufsteigt zu dem Gestenerlebnis, dann wird dasjenige, was in der Morgenröte uns entgegenttritt, sich vereinigen mit allem, was überhaupt Farbiges, Tönendes im Objektiven uns erleben läßt.

[ 34 ] The Memory experience enables us to identify ourselves with the dawn when we confront it, and to feel and inwardly experience its glowing warmth. But with the Gesture experience, what confronts us in the dawn will unite with everything that can be experienced as colour or tone in the objective world.

[ 35 ] Wenn wir die Gegenstände, die beleuchtet sind durch die Sonne, und die um uns herum sind, einfach ansehen, sehen wir sie eben so, wie sie sich darstellen können im Lichte. So sehen wir nicht die Morgenröte, namentlich wenn wir nach und nach vom Erinnerungserlebnis zum Gestenerlebnis übergehen: da löst sich von allem materiellen Sein dasjenige, was das Farbenerlebnis ist. Das Farbenerlebnis wird lebendig, wird seelisch, wird geistig, verläßt den Raum, in dem die äußere physische Morgenröte uns erscheint, und es beginnt die Morgenröte uns zu sprechen von dem Geheimnis des Zusammenhanges der Sonne mit der Erde. Und wir erfahren, wie die Wesen der ersten Hierarchie wirken.

[ 35 ] When we simply look at the objects around us that are illumined by the sun, we see them as they can reveal themselves to the light. But the dawn changes when we pass gradually from the Memory experience to the Gesture experience. The colour experience detaches itself entirely from materiality in any form; it becomes a living reality of soul-and-spirit, abandons the space in which the outer, physical dawn appears to us and the dawn begins to speak to us of the mystery of the connection of the Sun with the Earth. We experience how the Beings of the First Hierarchy work.

[ 36 ] Wir lernen erkennen, wenn wir noch den Blick hinrichten auf die Morgenröte, wenn sie uns noch fast so erscheint, wie vorher bei dem bloßen Erinnerungserlebnis, wir erfahren, wie die Throne sind. Und dann löst sich die Morgenröte auf. Das Farbige wird Wesen, wird lebendig, wird seelisch, wird geistig, wird Wesen, spricht uns davon, wie das Verhältnis der Sonne zur Erde ist, wie es einstmals in der alten Sonnenzeit gewesen ist, spricht uns so, daß wir erfahren, was Cherubime sind. Und dann, wenn wir enthusiasmiert und ehrfurchtsvoll hingerissen von dieser zweifachen Offenbarung der Morgenröte, von der Thronen-Offenbarung und der Cherubim-Offenbarung, in der Seele weiterleben, dann dringt uns in unser eigenes Inneres herein aus dieser lebendig wesenhaft gewordenen Morgenröte dasjenige, was das Wesen der Seraphime ausmacht.

[ 36 ] If we still direct our gaze to the dawn and it still appears almost as it did during the Memory experience, we learn to recognise the Thrones. Then the dawn dissolves away; the colour becomes living being, becomes soul, becomes spirit, speaks to us of the relation of the Sun to the Earth as it was in the ancient Sun period, speaks to us in such a way that we experience the Cherubim. Finally, if with the enthusiasm and reverence aroused in us by this twofold revelation of the dawn, by the revelation of Thrones and Cherubim, we live onwards, there penetrates into us from the dawn, transformed now into living being, experience of the nature of the Seraphim.

Denkerlebnis: 3. Hierarchie
Erinnerungserlebnis: 2. Hierarchie
Gestenerlebnis: 1. Hierarchie

Thinking Experience: Third Hierarchy
Memory Experience: Second Hierarchy
Gesture Experience: First Hierarchy

[ 37 ] Nun, alles das, was ich Ihnen heute geschildert habe, habe ich Ihnen geschildert, um Ihnen damit anzudeuten, wie durch das einfache Verfolgen des Seelischen, vom Denken bis zur gedankenvollen, seelendurchdrungenen Geste, der Mensch in sich auch Empfindungen — es sind zunächst nur Empfindungen — über die geistigen Untergründe der Welt erwerben kann bis hinauf zu der Sphäre der Seraphime.

[ 37 ] In all that I have been describing to you today, my aim has been to indicate how, by simply passing in the life of soul from Thinking to Gesture man can develop feelings in himself—to begin with no more than feelings—of the spiritual foundations of the Cosmos right up to the sphere of the Seraphim.

[ 38 ] Das wollte ich heute nur als eine Art von Einleitung vorausschicken den Betrachtungen, die uns dann vom Seelenleben in die Weiten des geistigen Kosmos hinausführen sollen.

[ 38 ] Not translated