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The Composition of the Mysteries
GA 232

23 November 1923, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Wir wollen nun, meine lieben Freunde, die Zeit, die uns hier für Vorträge innerhalb dieses Goetheanums bleibt vor den Weihnachtswochen, so gestalten, daß nun diejenigen, die hier in Dornach in der Erwartung leben können, daß die Weihnachtswoche kommt, möglichst viel in sich tragen können, was die anthroposophische Bewegung in die Herzen der Menschen hineinbringen kann. So daß auch wirklich gerade diejenigen, die nunmehr hier sitzen werden bis Weihnachten, in ihren Gedanken etwas zu sagen haben werden gerade über dasjenige, was jetzt, ich möchte sagen in letzter Stunde noch geschehen kann. Nicht daß ich etwa über die Internationale Anthroposophische Gesellschaft werde sprechen, das wird in ein paar Stunden in der VersammJung selber erledigt werden können, aber ich werde nun doch versuchen, diese Betrachtungen so anzulegen, daß sie auch für die Stimmung, die dann sein soll, etwas werden abgeben können. Und so werde ich, meine lieben Freunde, dasjenige, was ich schon in den letzten Wochen hier ausgeführt habe, von einem anderen Ausgangspunkte aus zu erreichen suchen, werde heute einmal damit beginnen, vom Seelenleben des Menschen selber aus zu einem Durchschauen der Weltengeheimnisse vor Ihnen zu gelangen.

[ 1 ] Now, my dear friends, let us use the time we have left here at the Goetheanum for lectures before the Christmas weeks in such a way that those of you here in Dornach who can live in anticipation of the coming Christmas week may take in as much as possible of what the anthroposophical movement can bring into people’s hearts. So that, in particular, those of you who will be sitting here until Christmas will have something to say in your thoughts about precisely what can still happen now—I would say, at the very last hour. Not that I will be speaking about the International Anthroposophical Society—that will be addressed in a few hours at the VersammJung itself—but I will now nevertheless try to structure these reflections in such a way that they can also contribute to the mood that is to prevail then. And so, my dear friends, I will seek to approach what I have already expounded here in recent weeks from a different starting point; today I will begin by leading you, starting from the inner life of the human being itself, to an understanding of the mysteries of the world.

[ 2 ] Gehen wir zunächst heute von etwas möglichst Einfachem aus. Betrachten wir das Seelenleben des Menschen, wie es sich darstellt, wenn der Mensch etwas weiter die innere Selbstbesinnung treibt, als bis zu dem Punkte, den ich vorzugsweise im Auge hatte, als ich die Artikel im «Goetheanum » über «Das Seelenleben » geschrieben habe. Wollen wir also jetzt in den Betrachtungen etwas weiter nach dem Seelenleben nach innen gehen, als das im «Goetheanum» der Fall war. Dafür ist eben das, was im «Goetheanum » steht in diesen vier Artikeln über das Seelenleben, eine Art Introduktion, eine Vorbereitung zu dem, was wir nun betrachten wollen.

[ 2 ] Let’s start today with something as simple as possible. Let us consider the human soul life as it presents itself when a person engages in inner self-reflection a little further than the point I had primarily in mind when I wrote the articles in The Goetheanum on “The Soul Life.” So let us now go a little deeper into the inner life of the soul in our reflections than was the case in the Goetheanum. To that end, what is written in the Goetheanum in these four articles on the inner life of the soul serves as a kind of introduction, a preparation for what we now wish to consider.

[ 3 ] Wenn wir Selbstbesinnung in einer zunächst großen, umfassenden Weise üben, so kommen wir ja darauf, wie in einer gewissen Weise dieses Seelenleben sich steigern kann. Es beginnt ja damit, daß wir die äußere Welt auf uns wirken lassen — wir tun das von Kindheit auf —, und daß wir dann das haben, was die innere Welt in uns wirkt, die Gedanke ist. Dadurch sind wir ja eigentlich Menschen, daß wir das, was die äußere Welt in uns wirkt, in unseren Gedanken weiterleben lassen, in unseren Gedanken uns innerlich vergegenwärtigen, eine Welt der Vorstellungen schaffend, die in einer gewissen Weise spiegelt dasjenige, was von außen auf uns Eindruck macht. Wir tun vielleicht dem Seelenleben nichts besonders Gutes, wenn wir gerade darüber uns viele Gedanken machen, wie die Außenwelt sich in unserer Seele spiegelt. Da kommen wir ja doch zu nichts anderem, als, ich möchte sagen, zu einem abgeschatteten Bilde der Vorstellungswelt in unserm Innern selber. Wir üben doch bessere Selbstbesinnung, wenn wir mehr, ich möchte sagen, auf das Kraftmoment sehen, so daß wir versuchen, auch einmal uns selbst auszuleben im Gedankenelemente, ohne daß wir auf die Außenwelt schauen; daß wir weiter verfolgen in Gedanken dasjenige, was als Eindrücke der Außenwelt vor uns gewesen ist. Der eine Mensch kommt dabei, je nachdem er veranlagt ist, mehr in abstrakte Gedanken hinein. Er bildet Weltensysteme aus oder auch nicht, er macht sich Schemata über alles mögliche in der Welt und dergleichen. Der andere Mensch folgt dabei, indem er über die Dinge, die auf ihn Eindruck gemacht haben, nachgedacht hat und dann die Gedanken weiter ausspinnt, er folgt mehr vielleicht irgendwelchen Phantasievorstellungen. Wir wollen darauf, wie nach dem Temperament, nach dem Charakter, nach der sonstigen Veranlagung des Menschen dieses Denken im Innern ohne äußere Eindrücke verläuft, nicht weiter eingehen, aber wir wollen uns bewußt machen, daß es doch für uns etwas Besonderes ist, wenn wir uns in bezug auf unsere Sinne zurückziehen von der Außenwelt und in unseren Gedanken, in unseren Vorstellungen einmal leben, sie weiter ausspinnend, vielleicht auch manchmal nur nach der Richtung der Möglichkeiten.

[ 3 ] When we practice self-reflection in a way that is, at first, broad and comprehensive, we come to realize how, in a certain sense, this inner life can intensify. It begins, after all, with allowing the external world to influence us—something we’ve been doing since childhood—and with experiencing what the inner world brings about within us, which is thought. It is precisely this that makes us human: that we allow what the external world brings about within us to live on in our thoughts, to bring it to life inwardly in our thoughts, creating a world of ideas that, in a certain way, mirrors what makes an impression on us from the outside. We may not be doing our inner life any particular good if we dwell too much on how the external world is reflected in our soul. After all, this leads us to nothing more than—I would say—a dimmed image of the world of ideas within ourselves. We practice better self-reflection, however, when we focus more—I would say—on the dynamic aspect, so that we try, for once, to live out our own selves within the elements of thought without looking to the external world; that we continue to pursue in thought what has been before us as impressions of the external world. Depending on their disposition, one person may thus delve more deeply into abstract thoughts. They may or may not construct world systems; they create schemas about all manner of things in the world and the like. Another person, having reflected on the things that have made an impression on them and then spinning those thoughts further, may follow more closely certain imaginative concepts. We will not go into further detail here about how this inner thinking—devoid of external impressions—proceeds according to a person’s temperament, character, or other predispositions, but we want to realize that it is indeed something special for us when we withdraw from the external world with regard to our senses and live for a time in our thoughts and imaginings, spinning them out further, perhaps sometimes merely in the direction of possibilities.

[ 4 ] Manche Menschen halten das ja für unnötig, nach der Richtung der Möglichkeiten zum Beispiel das Dasein im Gedanken weiter auszubilden. Es wird ja auch heute noch in dieser schweren Zeit einem öfter begegnen, daß man die Leute sieht, die sich den ganzen Tag damit beschäftigt haben, in ihrem Geschäft zu sein, da allerlei, was selbstverständlich für die Welt notwendig ist, zu verrichten, daß solche Leute dann sich zusammensetzen in kleinen Gruppen bei Kartenspiel, Dominospiel oder was es halt an ähnlichen Dingen gibt, um, wie man ja sehr häufig sagt, die Zeit zu vertreiben. Es wird aber nicht sehr häufig vorkommen, daß sich Leute in ähnlichen Gruppen zusammensetzen und zum Beispiel ihre Gedanken darüber austauschen, was alles aus denselben Dingen, die bei Tag geschehen sind, in denen man drinnen gesteckt hat, hätte herauskommen können, wenn das oder jenes etwas anders gewesen wäre. Dabei würden sich die Menschen nicht so amüsieren, wie beim Kartenspiel; aber es wäre ein Fortspinnen in Gedanken. Und wenn man sich dabei nur gesunden Sinn genug für die Wirklichkeit bewahrt, dann braucht ein solches Fortspinnen in Gedanken eben durchaus nichts Phantastisches zu werden.

[ 4 ] Some people consider it unnecessary, for example, to further develop one’s existence in thought along the lines of what is possible. Even today, in these difficult times, one often encounters people who have spent the entire day going about their business—doing all sorts of things that are, of course, necessary for the world—and who then gather in small groups to play cards, dominoes, or similar games, in order, as is so often said, to pass the time. However, it is not very common for people to gather in such groups and, for example, exchange thoughts on what might have come of the very same events that took place during the day—in which they were immersed—if this or that had been slightly different. People would not be having as much fun as they do playing cards; but it would be a process of spinning out ideas in their minds. And as long as one retains enough common sense to stay grounded in reality, such mental speculation need not turn into anything fantastical at all.

[ 5 ] Dieses Leben in Gedanken, das führt ja zuletzt zu dem, was Ihnen entgegentritt, wenn Sie in der richtigen Weise die «Philosophie der Freiheit» lesen wollen. Wenn Sie in der richtigen Weise die «Philosophie der Freiheit» lesen wollen, so müssen Sie dieses Gefühl eben kennen: in Gedanken zu leben. Die «Philosophie der Freiheit» ist ganz etwas, was aus der Wirklichkeit heraus erlebt ist; aber zu gleicher Zeit ist sie etwas, was ganz und gar eben aus dem wirklichen Denken hervorgegangen ist. Und daher sehen Sie eine Grundempfindung gerade in dieser «Philosophie der Freiheit». Diese «Philosophie der Freiheit», ich habe sie konzipiert in den achtziger Jahren, niedergeschrieben in dem Beginne der neunziger Jahre, und ich darf wohl sagen: bei denjenigen Menschen, die dazumal eigentlich sogar die Aufgabe gehabt hätten, den Grundnerv dieser «Philosophie der Freiheit» irgendwie wenigstens ins Auge zu fassen, fand ich mit dieser «Philosophie der Freiheit» überall Unverständnis. Und das liegt an einem bestimmten Punkte. Das liegt an folgendem: Die Menschen, auch die sogenannten denkenden Menschen der Gegenwart, kommen mit ihrem Denken eigentlich nur dazu, in ihm ein Abbild der sinnlichen Außenwelt zu erleben. Und dann sagen sie: Vielleicht könnte einem in dem Denken auch etwas kommen von einer überphysischen Welt; aber es müßte dann das auch so sein, daß geradeso, wie der Stuhl, wie der Tisch draußen ist, und von dem Denken vorausgesetzt wird, daß es drinnen ist, so müßte nun dieses Denken, das da drinnen ist, auch auf irgendeine Weise erleben können ein außerhalb des Menschen zu erfassendes Übersinnliches, wie der Tisch und der Stuhl außerhalb sind. — So ungefähr dachte sich Eduard von Hartmann die Aufgabe des Denkens.

[ 5 ] This life in thought ultimately leads to what you encounter when you seek to read the Philosophy of Freedom in the right way. If you wish to read the Philosophy of Freedom in the right way, you must be familiar with this feeling: living in thought. The Philosophy of Freedom is something that is experienced directly from reality; but at the same time, it is something that has emerged entirely from genuine thinking. And that is why you find a fundamental feeling precisely in this Philosophy of Freedom. I conceived this Philosophy of Freedom in the 1880s, wrote it down in the early 1890s, and I can safely say: among those people who, at that time, actually had the very task of at least somehow grasping the fundamental essence of this Philosophy of Freedom, I encountered nothing but incomprehension everywhere. And this is due to a specific point. It is due to the following: People—even the so-called thinking people of the present—actually manage, through their thinking, only to experience in it a reflection of the sensory external world. And then they say: Perhaps something from a superphysical world might also come to us through thinking; but it would then have to be the case that, just as the chair and the table are out there—and thought presupposes that they are out there—so this thinking, which is here within, would also have to be able to experience in some way a supersensible reality that can be grasped outside of the human being, just as the table and the chair are outside. — This is roughly how Eduard von Hartmann conceived of the task of thought.

[ 6 ] Nun trat ihm gegenüber dieses Buch, die «Philosophie der Freiheit». Da ist das Denken so erlebt, daß innerhalb des Denk-Erlebnisses man dazu kommt, gar nicht anders vorstellen zu können, als: Wenn du im Denken richtig drinnen lebst, lebst du, wenn auch zunächst auf eine unbestimmte Weise, im Weltenall. Dieses Verbundensein im innersten Denk-Erlebnis mit den Weltgeheimnissen, das ist jad er Grundnerv der «Philosophie der Freiheit». Und deshalb steht in dieser «Philosophie der Freiheit» der Satz: In dem Denken ergreift man das Weltgeheimnis an einem Zipfel.

[ 6 ] Now this book, The Philosophy of Freedom, came before him. In it, thinking is experienced in such a way that, within the experience of thinking, one comes to the point where one cannot imagine it any other way than this: If you truly live within thinking, you live—albeit initially in an indefinite way—in the universe. This connection, within the innermost experience of thinking, to the mysteries of the world—that is the very essence of The Philosophy of Freedom. And that is why The Philosophy of Freedom contains the following sentence: “In thinking, one grasps the mystery of the world by the hem.”

[ 7 ] Es ist vielleicht einfach ausgedrückt, aber es ist so gemeint, daß man gar nicht anders kann, wenn man das Denken wirklich erlebt, daß man sich fühlt nicht mehr außer dem Weltgeheimnis, sondern im Weltgeheimnis drinnen, daß man sich fühlt nicht mehr außerhalb des Göttlichen, sondern im Göttlichen. Erfaßt man das Denken in sich, so erfaßt man das Göttliche in sich.

[ 7 ] It may be put simply, but the point is that when one truly experiences thinking, one cannot help but feel that one is no longer outside the mystery of the world, but within it; that one is no longer outside the divine, but within it. If one grasps thinking within oneself, one grasps the divine within oneself.

[ 8 ] Diesen Punkt konnte man nicht erfassen. Denn erfaßt man ihn wirklich, hat man sich Mühe gegeben, das Denk-Erlebnis zu haben, dann steht man eben nicht mehr in der Welt drinnen, in der man vorher drinnen gestanden hat, sondern man steht in der ätherischen Welt drinnen. Man steht in einer Welt drinnen, von der man weiß: sie ist nicht von da und dort im physischen Erdenraum bedingt, sondern sie ist bedingt von der ganzen Weltensphäre. Man steht in der ätherischen Weltensphäre drinnen. Man kann nicht mehr zweifeln an der Gesetzmäßigkeit der Weltenäthersphäre, wenn man das Denken so erfaßt hat, wie es in der «Philosophie der Freiheit» erfaßt ist. So daß da erreicht ist dasjenige, was man ätherisches Erleben nennen kann. Daher wird es einem so, wenn man in dieses Erleben hineinkommt, daß man einen eigentümlichen Schritt in seinem ganzen Leben macht.

[ 8 ] This point could not be grasped. For if one truly grasps it—if one has made the effort to have that experience of thinking—then one is no longer standing within the world in which one previously stood, but rather one is standing within the etheric world. One stands within a world of which one knows: it is not conditioned by this or that point in physical earthly space, but is conditioned by the entire world sphere. One stands within the etheric world sphere. One can no longer doubt the lawfulness of the world-etheric sphere once one has grasped thinking as it is described in The Philosophy of Freedom. Thus, one attains what can be called an etheric experience. Therefore, when one enters into this experience, one takes a unique step in one’s entire life.

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[ 9 ] Ich möchte diesen Schritt so charakterisieren: Wenn man im gewöhnlichen Bewußtsein denkt, denkt man, wenn man hier in diesem Raume ist, Tische, Stühle, selbstverständlich Menschen und so weiter; man denkt vielleicht auch noch etwas anderes, aber man denkt die Dinge, die außerhalb sind. Also sagen wir — es sind da verschiedene Dinge außerhalb —, man umfaßt gewissermaßen mit seinem Denken von dem Mittelpunkt seines Wesens aus diese Dinge. Dessen ist sich ja jeder Mensch bewußt: er will mit seinem Denken die Dinge der Welt umfassen.

[ 9 ] I would like to describe this step as follows: When one thinks in ordinary consciousness—when one is here in this room—one thinks of tables, chairs, people, of course, and so on; one might also think of something else, but one thinks of the things that are outside. So let’s say—there are various things outside—one encompasses these things, as it were, with one’s thinking from the center of one’s being. Every person is aware of this: one wants to encompass the things of the world with one’s thinking.

[ 10 ] Kommt man aber dazu, dieses eben charakterisierte Denk-Erlebnis zu haben, dann ergreift man nicht die Welt; man hockt auch, möchte ich sagen, nicht in seinem Ichpunkte bloß drinnen, sondern es passiert etwas ganz anderes. Man bekommt das Gefühl, das ganz richtige Gefühlserlebnis, daß man mit seinem Denken, das eigentlich nicht an irgendeinem Orte ist, nach dem Innern alles erfaßt. Man fühlt: man tastet den inneren Menschen ab. So wie man mit dem gewöhnlichen Denken, ich möchte sagen, geistige Fühlfäden nach außen streckt, so streckt man mit seinem Denken, mit diesem Denken, das in sich selbst sich erlebt, fortwährend sich in sich selber hinein. Man wird Objekt, man wird sich Gegenstand.

[ 10 ] But when one comes to have this experience of thinking that has just been described, one does not grasp the world; nor, I would say, does one merely remain confined within one’s “I-point”—rather, something entirely different happens. One gets the feeling—the very right emotional experience—that with one’s thinking, which is not actually located anywhere, one grasps the inner essence of everything. One feels: one is probing the inner human being. Just as with ordinary thinking—I would say—one extends mental feelers outward, so with one’s thinking—with this thinking that experiences itself within itself—one continually extends inward into oneself. One becomes an object; one becomes an object to oneself.

[ 11 ] Das ist eben ein sehr wichtiges Erlebnis, das man haben kann, daß man weiß: du hast früher immer die Welt erfaßt; jetzt mußt du, indem du das Denk-Erlebnis hast, dich selbst erfassen. Da ergibt sich im Laufe dieses recht starken Sich-selbst-Erfassens, daß man die Haut sprengt. Und ebenso, wie man sich innerlich erfaßt, so erfaßt man von innen aus eben den ganzen Weltenäther, nicht in seinen Einzelheiten selbstverständlich, aber man kommt zur Gewißheit: dieser Äther ist ausgebreitet über die Weltensphäre, in der man drinnen ist, in der man zugleich drinnen ist mit Sternen, Sonne und Mond und so weiter.

[ 11 ] This is precisely a very important experience one can have—the realization that: you used to always grasp the world; now, through this experience of thinking, you must grasp yourself. In the course of this quite intense process of grasping oneself, one breaks through one’s own skin. And just as one comprehends oneself inwardly, so too does one comprehend, from within, the entire world-ether—not in its details, of course—but one arrives at the certainty that this ether is spread out over the sphere of the world in which one is situated, in which one is situated together with the stars, the sun, the moon, and so on.

[ 12 ] Nun, ein zweites, was der Mensch dann in seinem inneren Seelenleben entwickeln kann, das ist, wenn er nicht in den Gedanken, die von außen angeregt sind, zunächst so fortspinnt und fortwebt, sondern wenn er sich seinen Erinnerungen überläßt. Wenn der Mensch sich seinen Erinnerungen überläßt und das wirklich innerlich macht, so ergibt das wiederum ein ganz bestimmtes Erlebnis. Das Denk-Erlebnis, das ich eben geschildert habe, das führt einen eigentlich zunächst auf sich selbst; man erfaßt sich selbst. Und man hat eine gewisse Befriedigung in diesem Sich-selbst-Erfassen. Wenn man übergeht zu dem Erleben in der Erinnerung, dann wird es zuletzt, wenn man recht innerlich dabei vorgeht, doch so, daß einem das wichtigste Gefühlserlebnis nicht das ist, an sich heranzukommen. Das ist es einem beim Denken; deshalb findet man im Verlaufe dieses Denkens die Freiheit, die ganz von dem Persönlichen des Menschen abhängt. Und deshalb muß eine Freiheitsphilosophie ausgehen von dem Denk-Erlebnis, denn durch das DenkErlebnis kommt der Mensch an sich selber heran, findet sich als freie Persönlichkeit. So ist es nicht mit dem Erinnerungserlebnis. Mit dem Erinnerungserlebnis ist es so, daß man zuletzt, wenn man es ganz ernst zu nehmen vermag, wenn man sich ganz hineinzuversetzen vermag, dazu kommt, das Gefühl zu haben: sich eigentlich loszuwerden, wegzukommen von sich. Deshalb sind diejenigen Erinnerungen, die einen dieGegenwart vergessen lassen, die allerbefriedigendsten. Ich will nicht sagen, daß sie immer die besten sind, aber sie sind in vielen Fällen die befriedigendsten.

[ 12 ] Now, a second thing that a person can develop in their inner spiritual life is this: instead of initially spinning out and weaving together thoughts that are stimulated from the outside, they allow themselves to be carried away by their memories. When a person surrenders to their memories and does so truly from within, this in turn results in a very specific experience. The experience of thinking that I have just described actually leads one, at first, back to oneself; one comes to understand oneself. And one derives a certain satisfaction from this self-understanding. When one moves on to the experience of memory, however—if one proceeds with true inner depth—it ultimately turns out that the most important emotional experience is not that of coming to oneself. That is the case with thinking; that is why, in the course of this thinking, one finds the freedom that depends entirely on the individuality of the human being. And that is why a philosophy of freedom must proceed from the experience of thinking, for through the experience of thinking, the human being approaches oneself and finds oneself as a free personality. This is not the case with the experience of memory. With the experience of memory, if one is able to take it completely seriously and fully immerse oneself in it, one ultimately comes to feel as though one is actually letting go of oneself, getting away from oneself. That is why those memories that make one forget the present are the most satisfying. I do not mean to say that they are always the best, but in many cases they are the most satisfying.

[ 13 ] Man bekommt so recht einen Begriff von dem Werte des Erinnerns, wenn man auch Erinnerungen haben kann, die einen in die Welt tragen, trotzdem man mit der Gegenwart voll und ganz unzufrieden sein könnte, aus der Gegenwart eigentlich heraus will. Wenn man solche Erinnerungen entwickeln kann, daß man sich gesteigert in seinem Lebensgefühl empfindet, indem man sich seinen Erinnerungen hingibt, so gibt das, ich möchte sagen, als Gefühl eine Vorbereitung zu dem, was die Erinnerung werden kann, wenn sie noch viel realer wird.

[ 13 ] One really gets a sense of the value of memory when one can have memories that carry one out into the world, even though one might be completely dissatisfied with the present and actually want to escape from it. If one can develop memories that make one feel more alive by immersing oneself in them, this provides—I would say—a sense of preparation for what memory can become when it grows even more real.

[ 14 ] Sehen Sie, die Erinnerung kann realer werden dadurch, daß Sie mit möglichster Realität etwas an sich heranbringen, was Sie vor Jahren oder Jahrzehnten tatsächlich erlebt haben. Ich will es nur, wie es ist, ausdrücken. Nehmen Sie einmal an, Sie gehen an Ihre alten Habseligkeiten und versuchen, sagen wir, Briefe, die Sie in irgendeiner Angelegenheit zusammenhängend geschrieben haben, hervorzusuchen. Sie legen diese Briefe vor sich hin und leben sich an Hand dieser Briefe in die Vergangenheit hinein. Oder viel besser noch ist es, Sie nehmen nicht Briefe, die Sie selber geschrieben haben oder die Ihnen andere geschrieben haben, denn da kommt immer noch zu viel Subjektives hinein; noch besser wäre es, wenn Sie imstande wären, zum Beispiel Ihre alten Schulbücher zu nehmen und in diese alten Schulbücher so hineinzugucken, wie Sie dazumal hineingeguckt haben, als Sie eben noch wirklich als Pennäler über diesen Schulbüchern saßen; wenn Sie also tatsächlich in Ihr Leben etwas heraufbringen, was einmal war. Das ist nämlich ganz merkwürdig: wenn Sie so etwas ausführen, so ändern Sie Ihre ganze Seelenstimmung, wie diese Seelenstimmung in der Gegenwart ist. Es ist sehr merkwürdig. Und sehen Sie, Sie müssen nur in dieser Beziehung ein klein wenig erfinderisch sein; es kann alles dazu dienen. Vielleicht findet eine Dame irgendwo in einer Ecke irgendein Kleid, das sie vor zwanzig Jahren getragen hat, oder irgend etwas Ähnliches, und sie zieht sich das an und versetzt sich dadurch ganz in die Lage, in der sie dazumal war; also irgend etwas, was die Vergangenheit in möglichster Realität hereinbringt in die Gegenwart. Dadurch kommen Sie dazu, das gegenwärtige Erleben stark von sich abzusondern.

[ 14 ] You see, a memory can become more real by bringing to mind, as realistically as possible, something you actually experienced years or decades ago. I just want to put it as it is. Suppose you go through your old belongings and try to find, say, letters you wrote in connection with a particular matter. You lay these letters out in front of you and, using them as a guide, immerse yourself in the past. Or even better, don’t use letters that you wrote yourself or that others wrote to you, because there’s still too much subjectivity involved; it would be even better if you were able, for example, to take your old schoolbooks and look into them just as you did back then, when you were still actually sitting over those schoolbooks as a schoolboy; that is, if you can truly bring back into your life something that once was. It’s actually quite remarkable: when you do something like this, you change your entire state of mind—the way that state of mind is in the present. It’s very remarkable. And you see, you just have to be a little bit creative in this regard; anything can serve this purpose. Perhaps a lady finds a dress somewhere in a corner that she wore twenty years ago, or something similar, and she puts it on and thereby transports herself entirely back to the situation she was in at that time; in other words, something that brings the past into the present as realistically as possible. This enables you to strongly separate yourself from your present experience.

[ 15 ] Wenn man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein erlebt, so steht man sich ja eigentlich in dem Erleben zu nahe, um es zu etwas zu bringen, möchte ich sagen. Man muß sich ferner stehen können. Nun, der Mensch steht sich ferner, wenn er schläft, als wenn er wacht; denn da ist er mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leib aus dem physischen Leib und aus dem Ätherleib heraußen. Diesem astralischen Leib, der außerhalb des physischen Leibes im Schlafe ist, dem kommen Sie nahe, wenn Sie so real, wie ich es geschildert habe, vergangene Erlebnisse in die Gegenwart heraufrufen. Nun werden Sie das zunächst ja nicht glauben, weil Sie einer so unbedeutenden Sache, wie dem Regemachen von vergangenen Erlebnissen, meinetwillen mit einem alten Kleide, eine solche starke Wirkung nicht zuschreiben. Aber es handelt sich wirklich darum, daß man in diesen Dingen einmal eine Probe macht. Und wenn Sie die Probe machen, und Sie wirklich Alterlebtes in die Gegenwart heraufzaubern, so daß Sie darinnen leben und die Gegenwart ganz vergessen können, so werden Sie sehen, daß Sie Ihrem Astralleibe, Ihrem schlafenden Astralleibe nahe kommen.

[ 15 ] When one experiences things with ordinary consciousness, one is actually too close to the experience to make anything of it, I would say. One must be able to stand further away from oneself. Well, a person is more detached from themselves when they sleep than when they are awake; for then they are outside their physical body and their etheric body, together with their “I” and their astral body. You come close to this astral body—which is outside the physical body during sleep—when you recall past experiences into the present as vividly as I have described. At first, of course, you won’t believe this, because you wouldn’t attribute such a powerful effect to something as insignificant as reenacting past experiences—using, for my sake, an old piece of clothing as an example. But the point is really that you should try this out for yourself. And if you try it, and you truly conjure up past experiences into the present so that you can live within them and completely forget the present, you will see that you are drawing close to your astral body, your sleeping astral body.

[ 16 ] Wenn Sie aber das in der Weise erwarten, daß Sie nun nur so hinzuschauen brauchen, nach rechts oder links, und da eine Nebelgestalt als Ihren astralischen Leib sehen, dann werden Sie sich täuschen; so gehen die Sachen nicht vor sich. Aber Sie müssen achtgeben auf das, was wirklich eintritt. Etwas, was wirklich eintritt in einem solchen Falle, das wird zum Beispiel sein, daß Sie nach und nach durch solche Erlebnisse die Morgenröte ganz anders sehen, als Sie sie vorher gesehen haben, daß Sie einen Sonnenaufgang ganz anders empfinden, als Sie ihn vorher empfunden haben. Sie werden nach und nach auf diesem Wege dazu kommen, die Wärme der Morgenröte als etwas zu empfinden, was ankündigend ist, was gewissermaßen eine prophetische, eine naturhaft prophetische Kraft in sich hat. Sie werden beginnen, die Morgenröte als etwas geistig Kraftvolles zu empfinden, und Sie werden einen innerlichen Sinn mit diesem prophetisch Kraftvollen verbinden können, indem Sie, was Sie zuerst ja für eine Illusion ansehen mögen, die Empfindung bekommen: die Morgenröte hat etwas mit Ihnen selbst Verwandtes. Sie werden sich gerade durch solche Erlebnisse, wie ich sie geschildert habe, in den Stand versetzen können, zu empfinden, wenn Sie die Morgenröte schauen: ja, diese Morgenröte läßt mich ja nicht allein. Sie ist nicht bloß dort, und ich bin nicht bloß da. Ich bin innig verbunden mit dieser Morgenröte. Sie ist eine Gemütseigenschaft von mir; ich bin in diesem Momente selber Morgenröte. — Und wenn Sie sich so mit der Morgenröte verbunden haben, daß Sie gewissermaßen selber das farbige Aufstrahlen und Aufglänzen, das Sichherausentwickeln der Sonne aus dem farbigen Aufstrahlen und Aufglänzen so erleben, daß in Ihrem Herzen eine Sonne aus Morgenröte in lebendiger Empfindung hervorgeht, dann bekommen Sie auch die Vorstellung, daß Sie mit der Sonne über das Himmelsgewölbe ziehen, daß die Sonne Sie nicht allein läßt, daß die Sonne nicht dort ist und Sie da, sondern daß sich Ihr Dasein in einer gewissen Weise bis zum Sonnendasein hin erstreckt; daß Sie mit dem Lichte den Tag hindurch wandeln.

[ 16 ] But if you expect this to happen in such a way that you simply need to look to the right or left and see a shadowy figure there as your astral body, then you will be mistaken; that is not how things work. Instead, you must pay attention to what actually happens. Something that actually happens in such a case, for example, is that through such experiences you will gradually come to see the dawn in a completely different way than you did before, and you will perceive a sunrise quite differently than you did before. In this way, you will gradually come to perceive the warmth of the dawn as something that heralds the future—something that, in a sense, possesses a prophetic, a naturally prophetic power. You will begin to perceive the dawn as something spiritually powerful, and you will be able to connect an inner meaning with this prophetic power by coming to feel—even though you may at first regard it as an illusion—that the dawn has something in common with you yourself. It is precisely through experiences such as those I have described that you will be able to feel, when you gaze upon the dawn: yes, this dawn does not leave me alone. It is not merely there, and I am not merely here. I am intimately connected with this dawn. It is a quality of my own spirit; in this moment, I myself am the dawn. — And when you have connected with the dawn in such a way that you, so to speak, experience the colorful radiance and glow—the unfolding of the sun from that colorful radiance and glow—in such a way that a sun of dawn arises in your heart as a living sensation, then you also get the impression that you are moving across the vault of heaven with the sun, that the sun does not leave you alone, that the sun is not there and you are here, but that your existence extends in a certain way all the way to the sun’s existence; that you walk through the day with the light.

[ 17 ] Wenn Sie aber diese Empfindung entwickeln, die man — wie gesagt, nicht aus dem Denken, da kommt man an den Menschen heran —, die man aber aus der Erinnerung heraus auf die angedeutete Weise entwikkeln kann, wenn Sie diese Erlebnisse aus der Erinnerung heraus, besser gesagt aus der Kraft der Erinnerung heraus entwickeln, dann beginnen die Dinge, die Sie sonst mit Ihren physischen Sinnen wahrgenommen haben, ein anderes Antlitz zu haben: die Dinge beginnen geistig-seelisch durchsichtig zu werden. Es ist so, wenn man nur einmal die Empfindung erlangt hat, mit der Sonne zu gehen, in der Morgenröte die Kraft gewonnen hat, um mit der Sonne zu gehen, daß man dann alle Blumen auf der Wiese anders sieht. Die Blüten bleiben nicht dabei stehen, einem ihre gelben oder roten Farben zu zeigen, die an ihrer Oberfläche sind, sondern die Blüten beginnen zu sprechen, auf geistige Art zu unserem Seelischen zu sprechen. Die Blüte wird durchsichtig. Innerlich regt sich ein Geistiges der Pflanze, und das Blühen wird etwas wie ein Sprechen. Und man verbindet in dieser Weise tatsächlich seine Seele dann auch mit dem äußeren Naturdasein. Man bekommt auf diese Weise den Eindruck, daß hinter diesem Naturdasein etwas ist, daß das Licht, mit dem man sich verbunden hat, von geistigen Wesenheiten getragen ist. Und man erkennt in diesen geistigen Wesenheiten nach und nach die Züge dessen, was geschildert wird von Anthroposophie.

[ 17 ] But if you develop this feeling—which, as I said, does not come from thinking (for that is how one approaches human beings)—but which can be developed from memory in the manner described; if you develop these experiences from memory, or rather from the power of memory, then the things you would otherwise have perceived with your physical senses begin to take on a different aspect: things begin to become spiritually and soulfully transparent. It is as if, once you have attained the sensation of walking with the sun—having gained the strength in the dawn to walk with the sun—you then see all the flowers in the meadow differently. The blossoms do not merely stand there showing you their yellow or red colors on their surface; rather, the blossoms begin to speak, to speak in a spiritual way to our soul. The blossom becomes transparent. A spiritual aspect of the plant stirs within, and the blooming becomes something like speech. And in this way, one truly connects one’s soul with the outer natural world. In this way, one gains the impression that there is something behind this natural existence, that the light with which one has connected is carried by spiritual beings. And in these spiritual beings, one gradually recognizes the characteristics of what is described in anthroposophy.

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[ 18 ] Nehmen wir jetzt die zwei Etappen von Empfindungen zusammen, die ich eben jetzt geschildert habe. Nehmen wir die erste Empfindung, die man durch das Denken als inneres Erlebnis haben kann, dann wird es durch dieses Erlebnis weit; es hört ganz auf das Gefühl, im engen Raume dazustehen. Das Erleben des Menschen wird weit; man fühlt ganz bestimmt: in unserem Innern ist ein Punkt, der in die ganze Welt hinausgeht, der von derselben Substanz ist, wie die ganze Welt. Man fühlt sich eins mit der ganzen Welt, mit dem Ätherischen der Welt. Aber man fühlt auch, wenn man hier auf der Erde steht, da wird einem der Fuß, das Bein von der Schwerkraft der Erde hinuntergezogen; man fühlt, man ist mit seinem ganzen Menschen an diese Erde gebunden. In dem Momente, wo man dieses Denk-Erlebnis hat, fühlt man nicht mehr das Verbundensein mit der Erde, sondern man fühlt sich. abhängig von den Weiten der Weltensphäre. Alles kommt von den Weiten herein (Zeichnung: Pfeile); nicht von unten herauf, gewissermaßen vom Mittelpunkt der Erde nach aufwärts, alles kommt von den Weiten herein. Und man fühlt schon am Menschen: es muß, gerade wenn man den Menschen verstehen will, auch dieses Gefühl des Von den-Weiten-Hereinkommens da sein. (Siehe Zeichnung)

[ 18 ] Let us now consider the two stages of sensations that I have just described. Take the first sensation—the one one can experience as an inner experience through thinking—and this experience expands it; the feeling of being confined to a narrow space ceases entirely. A person’s experience expands; one feels quite distinctly: within us there is a point that reaches out into the entire world, that is of the same substance as the entire world. One feels at one with the entire world, with the ethereal aspect of the world. But one also feels, when standing here on Earth, that one’s foot and leg are pulled downward by Earth’s gravity; one feels bound to this Earth with one’s whole being. At the moment one has this experience of thinking, one no longer feels this connection to the Earth, but rather feels dependent on the vastness of the world sphere. Everything comes in from the vastness (drawing: arrows); not from below, so to speak, upward from the center of the Earth—everything comes in from the vastness. And one already senses this in the human being: especially if one wants to understand the human being, this feeling of “coming in from the vastness” must also be present. (See drawing)

[ 19 ] Das erstreckt sich eben bis in die Erfassung der Menschengestalt. Wenn ich bildhauerisch oder malerisch die Menschengestalt erfassen will, so kann ich eigentlich nur diesen unteren Teil des Kopfes der Menschengestalt so erfassen, daß ich ihn mir gebildet denke hervorgehend aus dem Räumlich-Inneren, aus dem Körperhaft-Inneren des Menschen. Ich werde nicht den rechten Geist in die Sache hineinbringen, wenn ich nun nicht in der Lage bin, den oberen Teil so zu machen, daß ich ihn mir von außen herangetragen denke. Das alles ist von innen nach außen (siehe Pfeile); das aber (oberer Kopfteil) ist von außen nach innen gebildet.

[ 19 ] This extends precisely to the depiction of the human form. If I want to capture the human form through sculpture or painting, I can really only capture this lower part of the human head in such a way that I imagine it emerging from the inner spatial reality, from the inner physical reality of the human being. I will not be able to infuse the right spirit into the work if I am not able to shape the upper part in such a way that I conceive of it as being brought in from the outside. All of this proceeds from the inside out (see arrows); but that (the upper part of the head) is formed from the outside in.

[ 20 ] Unsere Stirne, unser Oberkopf ist eigentlich immer daraufgesetzt. Wer mit künstlerischem Verständnis die Malereien in der kleinen Kuppel gesehen hat in dem zugrunde gegangenen Goetheanum, der wird immer gesehen haben, wie dies überall durchgeführt war: das untere Antlitz gewissermaßen als etwas vom Menschen Herausgewachsenes, das Obere des Kopfes etwas von dem Kosmos ihm Gegebenes. In Zeiten, in denen man solche Dinge empfunden hat, war das besonders rege. Sie werden niemals eine wirkliche griechische plastische Kopfform verstehen, ohne daß Sie diese Empfindung in sie hineinzulegen verstehen, denn die Griechen haben aus solchen Empfindungen heraus geschaffen.

[ 20 ] Our forehead, the top of our head, is actually always positioned there. Anyone who has viewed the paintings in the small dome of the destroyed Goetheanum with an artistic eye will have always seen how this was carried out throughout: the lower part of the face, as it were, as something that has grown out of the human being, and the upper part of the head as something given to him by the cosmos. In times when people felt such things, this was particularly vivid. You will never truly understand a genuine Greek sculptural head form unless you can imbue it with this feeling, for the Greeks created out of such feelings.

[ 21 ] Und so fühlt man sich eben wie verbunden mit dem Umkreis im Denk-Erlebnis.

[ 21 ] And that's how one feels connected to one's surroundings in the experience of thought.

[ 22 ] Und nun könnte man glauben, das setzte sich einfach so fort, man käme eben noch weiter hinaus, wenn man nun weitergeht vom Denken, vom Denk-Erlebnis bis zum Erinnerungserlebnis. Das ist aber nicht so, sondern es ist anders. Wenn Sie dieses Denk-Erlebnis wirklich in sich entwickeln, haben Sie ja durch das Denk-Erlebnis zuletzt den Eindruck der dritten Hierarchie: Angeloi, Archangeloi, Archai. So wie Sie sich in der Schwere, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel durch die Verdauung und so weiter das menschliche körperliche Erlebnis hier auf Erden vorstellen können, so können Sie sich die Bedingungen, unter denen die Wesen der dritten Hierarchie leben, vorstellen, wenn Sie durch dieses Denk-Erlebnis, statt daß Sie auf der Erde herumgehen, sich fühlen als getragen von Kräften, die da aus dem Weltenende an Sie herankommen.

[ 22 ] And now one might think that this would simply continue in this way—that one would simply go even further out if one were to proceed from thinking, from the experience of thinking, to the experience of memory. But that is not the case; it is different. If you truly develop this experience of thinking within yourself, you will ultimately gain, through the experience of thinking, an impression of the third hierarchy: Angeloi, Archangeloi, Archai. Just as you can imagine the human physical experience here on Earth—in terms of heaviness, the processing of food through digestion, and so on—so too can you imagine the conditions under which the beings of the third hierarchy live, when, through this experience of thinking, instead of walking around on Earth, you feel yourself carried by forces approaching you from the end of the world.

[ 23 ] Denkerlebnis: 3. Hierarchie

[ 23 ] Thought Experiment: 3. Hierarchy

[ 24 ] Nun, wenn man aber vom Denk-Erlebnis zum Erinnerungserlebnis übergeht, so ist es nicht so, daß man nun etwa, wenn das hier das Weltensphären-Ende wäre (siehe Zeichnung, oberer Kreisbogen), bis zu dem hin erleben kann. Man kann ein solches Weltenende, wenn man in die Wirklichkeit dieses Denk-Erlebnisses eintritt, erreichen; dann kommt man nicht noch weiter hinaus, sondern dann stellt sich die Sache anders dar. Dann ist zum Beispiel hier irgendein Gegenstand: ein Kristall, eine Blume, ein Tier. Geht man vom Denk-Erlebnis zu dem über, was einem das Erinnerungserlebnis alles bringen kann, dann schaut man in dieses Ding hinein.

[ 24 ] Now, when one moves from the experience of thinking to the experience of memory, it is not the case that—if this were the end of the world sphere (see drawing, upper arc)—one could experience all the way up to that point. One can reach such an end of the world when one enters into the reality of this experience of thinking; then one does not go any further out, but rather the situation presents itself differently. Then, for example, there is some object here: a crystal, a flower, an animal. When one moves from the experience of thinking to all that the experience of memory can bring, one looks into this thing.

[ 25 ] Der Blick, der bis zu den Weltenweiten gegangen ist, wenn er sich fortsetzt durch das Erinnerungserlebnis, sieht in die Dinge hinein. Also nicht, daß Sie noch weiter hinausdringen in unbestimmte abstrakte Weiten, sondern der fortgesetzte Blick, der sieht in die Dinge hinein; er sieht das Geistige in allen Dingen. Er sieht zum Beispiel im Lichte die wirkenden geistigen Wesenheiten des Lichtes und so weiter; er sieht in der Finsternis die in der Finsternis wirksamen geistigen Wesenheiten. So daß wir sagen können: das Erinnerungserlebnis, das führt in die zweite Hierarchie hinein.

[ 25 ] The gaze that has reached as far as the expanses of the worlds, when it continues through the experience of memory, sees into things. So it is not that you venture even further out into indefinite, abstract expanses, but rather that the continued gaze sees into things; it sees the spiritual in all things. For example, in the light it sees the spiritual beings active in the light, and so on; in the darkness it sees the spiritual beings active in the darkness. So that we can say: the experience of remembrance leads into the second hierarchy.

[ 26 ] Erinnerungserlebnis: 2. Hierarchie

[ 26 ] Memory Experience: 2. Hierarchy

[ 27 ] Und nun gibt es ja allerdings etwas im menschlichen Seelenleben, was über die Erinnerung hinausgeht. Machen wir uns das einmal klar, was über die Erinnerungen hinausgeht. Sehen Sie, die Erinnerung gibt unserer Seele die Färbung. Man kann ganz genau wissen, wenn man an einen Menschen kommt, der alles abfällig beurteilt, der über alles, was man zu ihm spricht, seine saure Atmosphäre gießt, der, wenn man ihm etwas recht Schönes erzählt, daneben etwas recht Häßliches selber erzählt, und so weiter — man kann ganz genau wissen: bei ihm ist das zusammenhängend mit seiner Erinnerung. Die Erinnerung gibt der Seele die Färbung.

[ 27 ] And yet there is indeed something in the life of the human soul that goes beyond memory. Let’s take a moment to understand what goes beyond memories. You see, memory gives our soul its character. You can know with absolute certainty when you encounter a person who judges everything disparagingly, who pours his sour attitude over everything you say to him, who, when you tell him something quite beautiful, responds by telling something quite ugly of his own—and so on—you can know with absolute certainty: in his case, this is connected to his memory. Memory gives the soul its character.

[ 28 ] Aber, sehen Sie: es gibt noch etwas anderes als diese seelische Färbung. Wir treten dem einen Menschen entgegen. Er bietet uns immer nur ironisch herabgezogene Mundwinkel dar, besonders wenn wir zu ihm etwas sagen, oder er zieht die Stirne in krause Falten, oder er macht ein tragisches Gesicht. Oder aber er blickt uns freundlich an, so daß wir Erhebung haben in dem, was er nicht bloß uns sagt, sondern uns blickt. Ja, sehen Sie, es ist interessant, einmal mit einem einzigen Blick bei irgendeiner wichtigen Darstellung im Verlaufe eines Vortrages alle Gesichter zu sehen: die Mundwinkel zu sehen bei irgend etwas, die Stirnen sich anzuschauen, die Starrheit manches Gesichtes, die Beweglichkeit manches Gesichtes und so weiter. Da drückt sich nicht bloß dasjenige aus, was Erinnerung in der Seele geblieben ist und der Seele eine bestimmte Farbennuance gegeben hat, sondern da drückt sich aus, was von der Erinnerung aus in Physiognomie, in Gestenusancen, in die ganze Attitude des Menschen übergegangen ist. Nun ja, es ist auch so, wenn bei einem Menschen nichts übergeht, wenn er ein Gesicht zeigt, das gar nichts aufgenommen hat von dem, was an Leiden und Schmerzen und Freuden durch sein Leben gegangen ist: das ist auch charakteristisch. Wenn sein Gesicht aalglatt geblieben ist, ist es ebenso charakteristisch, wie wenn sein Gesicht in den tiefen Furchen die Tragik des Lebens, den Ernst des Lebens, oder auch wohl manche Befriedigungen des Lebens ausdrückt. Da geht das, was sonst seelisch-geistig bleibt als Ergebnis der Erinnerungskraft, in die Gestaltung des Physischen über. Und es geht so stark über, daß der Mensch ja später tatsächlich dadurch nach außen hin seine Geste, seine Physiognomie hat, nach innen hin sein Temperament. Denn wir haben nicht immer im Alter dasselbe Temperament, wie wir es als Kind hatten. Das Temperament des Alters ist vielfach ein Ergebnis dessen, was wir im Leben durchgemacht haben und was innerlich seelisch Erinnerung geworden ist.

[ 28 ] But, you see: there is something else besides this emotional tinge. We approach a person. He always presents us with ironically downturned corners of his mouth—especially when we say something to him—or he furrows his brow, or he puts on a tragic expression. Or else he looks at us kindly, so that we find inspiration not only in what he says to us, but also in the way he looks at us. Yes, you see, it is interesting to take in all the faces at once with a single glance during some important moment in the course of a lecture: to observe the corners of the mouths in response to something, to look at the foreheads, the stiffness of some faces, the expressiveness of others, and so on. This expresses not only what has remained in the soul as memory and has given the soul a certain nuance of color, but also what has passed from memory into physiognomy, into nuances of gesture, and into the person’s entire demeanor. Well, it is also true that when nothing is transferred in a person—when they display a face that has absorbed nothing at all of the suffering, pain, and joys that have passed through their life—that, too, is characteristic. If their face has remained as smooth as glass, it is just as characteristic as when their face, in its deep furrows, expresses the tragedy of life, the seriousness of life, or indeed some of life’s satisfactions. There, what otherwise remains in the soul and spirit as a result of the power of memory is transformed into the physical form. And this transformation is so profound that, later on, a person’s outward gestures and physiognomy—and inwardly, their temperament—are actually shaped by it. For we do not always have the same temperament in old age as we did as children. The temperament of old age is often a result of what we have gone through in life and what has become an inner, psychological memory.

[ 29 ] Was da so in den Menschen innerlich hineingeht, das kann nun wiederum, obwohl dies jetzt schwieriger ist, in die Realität herübergetragen werden. Es ist noch verhältnismäßig leicht, irgend etwas vor unseren Seelenblick zu bringen, was wir in der Kindheit oder sonst vor Jahren durchgemacht haben, um gewissermaßen die Erinnerung zu realisieren. Es ist aber schwerer schon, sich in das Temperament seiner Kindheit zum Beispiel hineinzuversetzen oder überhaupt in sein früheres Temperament. Aber die Realisierung gerade einer solchen Übung kann ungeheuer Bedeutsames für den Menschen bringen. Und da ist eigentlich mehr erreicht, wenn wir das innerlich in der Seele vertieft machen können, als wenn wir es äußerlich machen.

[ 29 ] What goes on deep within a person can, in turn—although this is more difficult—be brought into reality. It is still relatively easy to bring something to the forefront of our inner vision—something we experienced in childhood or years ago—in order, so to speak, to bring the memory to life. It is, however, more difficult to put oneself in the mindset of one’s childhood, for example, or even to reconnect with one’s former temperament. But the realization of precisely such an exercise can bring immense significance to a person. And in fact, more is achieved when we can deepen this process inwardly in the soul than when we do it outwardly.

[ 30 ] Es wird ja schon etwas im Menschen erreicht, wenn er, sagen wir vierzig-, fünfzigjährig — natürlich in solchen Grenzen, wie es eben bei diesen Dingen notwendig ist — äußerlich seine Kinderspiele treibt; springt, wie er als Kind gesprungen ist und so weiter, wenn er versucht, wiederum solch ein Gesicht zu machen, wie es war, wenn ihm die Tante ein Bonbon gegeben hat, als er achtjährig war und dergleichen. Dieses bis in die Geste, bis in die Attitude hinein Sich-Zurückversetzen, das bringt wiederum etwas in unser Leben hinein, was nun ganz und gar uns zu der Empfindung bringt: die Außenwelt ist die Innenwelt, und die Innenwelt ist die Außenwelt.

[ 30 ] A person has indeed achieved something when, let’s say at the age of forty or fifty—within the limits that are naturally necessary in such matters—he outwardly engages in the games of his childhood; jumping as he did as a child, and so on, when he tries to make the same kind of face he used to make when his aunt gave him a piece of candy when he was eight years old, and the like. This act of transporting oneself back—right down to the gesture, right down to the attitude—in turn brings something into our lives that leads us to the full realization: the outer world is the inner world, and the inner world is the outer world.

[ 31 ] Wir kommen dann zum Beispiel mit unserem ganzen Sein in die Blume hinein und haben dann dasjenige, was ich nun zu dem Denk-Erlebnis und Erinnerungserlebnis hinzu das Gestenerlebnis im besten Sinne des Wortes nennen möchte. Und durch dieses kommen wir zu einer Vorstellung, wie Geistiges unmittelbar überall im Physischen wirkt.

[ 31 ] We then enter into the flower, for example, with our whole being, and experience what I would now like to call—in addition to the experience of thought and the experience of memory—the experience of gesture, in the best sense of the word. And through this, we arrive at a conception of how the spiritual acts directly throughout the physical world.

[ 32 ] Sie können nicht innerlich mit vollem Bewußtsein ergreifen, wie Sie meinetwillen vor zwanzig Jahren sich verhalten haben in der Geste bei irgendeinem äußeren Anlasse, ohne daß Sie, wenn Sie die Sache wirklich innerlich tief und ernst und energisch nehmen, auch dazu kommen, nun die Gemeinschaft des Geistigen und Physischen in allen Din‚gen aufzufassen. Dann sind Sie aber bei dem Erleben der ersten Hierarchie angekommen.

[ 32 ] You cannot fully grasp within yourself, with full consciousness, how you behaved twenty years ago for my sake—in a gesture prompted by some external occasion—without, if you truly take the matter deeply, seriously, and energetically within yourself, also coming to perceive the unity of the spiritual and the physical in all your . Then, however, you will have arrived at the experience of the first hierarchy.

[ 33 ] Gestenerlebnis: 1. Hierarchie

[ 33 ] Gestural Experience: 1. Hierarchy

[ 34 ] Das Erinnerungserlebnis, es läßt uns selbst Morgenröte werden, wenn wir der Morgenröte gegenüberstehen. Es läßt uns alle Wärme der Morgenröte fühlen, innerlich erleben. Wenn man aber aufsteigt zu dem Gestenerlebnis, dann wird dasjenige, was in der Morgenröte uns entgegenttritt, sich vereinigen mit allem, was überhaupt Farbiges, Tönendes im Objektiven uns erleben läßt.

[ 34 ] The experience of memory allows us to become the dawn itself when we stand before the dawn. It allows us to feel all the warmth of the dawn, to experience it inwardly. But when we ascend to the experience of gesture, then that which meets us in the dawn will unite with everything in the objective world that allows us to experience color and sound.

[ 35 ] Wenn wir die Gegenstände, die beleuchtet sind durch die Sonne, und die um uns herum sind, einfach ansehen, sehen wir sie eben so, wie sie sich darstellen können im Lichte. So sehen wir nicht die Morgenröte, namentlich wenn wir nach und nach vom Erinnerungserlebnis zum Gestenerlebnis übergehen: da löst sich von allem materiellen Sein dasjenige, was das Farbenerlebnis ist. Das Farbenerlebnis wird lebendig, wird seelisch, wird geistig, verläßt den Raum, in dem die äußere physische Morgenröte uns erscheint, und es beginnt die Morgenröte uns zu sprechen von dem Geheimnis des Zusammenhanges der Sonne mit der Erde. Und wir erfahren, wie die Wesen der ersten Hierarchie wirken.

[ 35 ] When we simply look at the objects around us that are illuminated by the sun, we see them exactly as they appear in the light. We do not see the dawn in this way, especially as we gradually transition from a memory experience to a sensory experience: for what constitutes the experience of color detaches itself from all material existence. The experience of color comes alive, becomes soulful, becomes spiritual; it leaves the space in which the outer, physical dawn appears to us, and the dawn begins to speak to us of the mystery of the connection between the sun and the earth. And we come to understand how the beings of the first hierarchy work.

[ 36 ] Wir lernen erkennen, wenn wir noch den Blick hinrichten auf die Morgenröte, wenn sie uns noch fast so erscheint, wie vorher bei dem bloßen Erinnerungserlebnis, wir erfahren, wie die Throne sind. Und dann löst sich die Morgenröte auf. Das Farbige wird Wesen, wird lebendig, wird seelisch, wird geistig, wird Wesen, spricht uns davon, wie das Verhältnis der Sonne zur Erde ist, wie es einstmals in der alten Sonnenzeit gewesen ist, spricht uns so, daß wir erfahren, was Cherubime sind. Und dann, wenn wir enthusiasmiert und ehrfurchtsvoll hingerissen von dieser zweifachen Offenbarung der Morgenröte, von der Thronen-Offenbarung und der Cherubim-Offenbarung, in der Seele weiterleben, dann dringt uns in unser eigenes Inneres herein aus dieser lebendig wesenhaft gewordenen Morgenröte dasjenige, was das Wesen der Seraphime ausmacht.

[ 36 ] We learn to recognize—when we still turn our gaze toward the dawn, when it still appears to us almost as it did before in the mere experience of memory—what the thrones are like. And then the dawn fades away. The colors become beings, come to life, become soulful, become spiritual—they become beings—and speak to us of the relationship between the sun and the earth, as it once was in the ancient Sun Age; they speak to us in such a way that we come to know what cherubim are. And then, when we continue to live in our souls, filled with enthusiasm and awe, enraptured by this twofold revelation of the dawn—the revelation of the Thrones and the revelation of the Cherubim—then, from this dawn that has become a living essence, that which constitutes the essence of the Seraphim penetrates into our very innermost being.

Denkerlebnis: 3. Hierarchie
Erinnerungserlebnis: 2. Hierarchie
Gestenerlebnis: 1. Hierarchie

Thought Experience: 3rd Hierarchy
Memory Experience: 2nd Hierarchy
Gesture Experience: 1st Hierarchy

[ 37 ] Nun, alles das, was ich Ihnen heute geschildert habe, habe ich Ihnen geschildert, um Ihnen damit anzudeuten, wie durch das einfache Verfolgen des Seelischen, vom Denken bis zur gedankenvollen, seelendurchdrungenen Geste, der Mensch in sich auch Empfindungen — es sind zunächst nur Empfindungen — über die geistigen Untergründe der Welt erwerben kann bis hinauf zu der Sphäre der Seraphime.

[ 37 ] Well, I have described all of this to you today in order to suggest how, simply by following the soul—from thought to the thoughtful, soul-imbued gesture—a person can also gain within themselves sensations—at first, merely sensations—regarding the spiritual foundations of the world, all the way up to the sphere of the seraphim.

[ 38 ] Das wollte ich heute nur als eine Art von Einleitung vorausschicken den Betrachtungen, die uns dann vom Seelenleben in die Weiten des geistigen Kosmos hinausführen sollen.

[ 38 ] I just wanted to preface today’s reflections with this as a sort of introduction—reflections that will then lead us from the life of the soul out into the vastness of the spiritual cosmos.