The Composition of the Mysteries
GA 232
24 November 1923, Dornach
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The Composition of the Mysteries, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Wenn man von dem Seelischen, dem wir uns gestern in der Betrachtung ein wenig widmeten, den Übergang sucht zum Schaffen des Seelischen am physischen Menschen, und gerade zum Schaffen des Seelischen am physischen Menschen in bezug auf diejenigen Dinge, die auch gestern besprochen worden sind, so wird man nach zwei Richtungen hin geführt. Erinnerung weist ja zunächst die Seele zurück in früheres Erleben; Denken weist die Seele, wie ich gestern gezeigt habe, in das ätherische Dasein. Dasjenige, was dann den Menschen noch stärker ergreift als Erinnerung, was ihn so stark ergreift, daß die inneren Impulse in seine Körperlichkeit übergehen, das habe ich dann gestern genannt Geste, Gestenhaftes. Und indem wir das Gestenhafte betrachten, sind wir damit ja schon vorgerückt bis zu dem Offenbaren des Seelisch-Geistigen im Physischen.
[ 1 ] If one seeks to make the transition from the soul—which we considered briefly yesterday—to the formation of the soul in the physical human being, and specifically to the formation of the soul in the physical human being with regard to those things that were also discussed yesterday, one is led in two directions. Memory, after all, first leads the soul back to past experiences; thinking, as I showed yesterday, leads the soul into the etheric realm. That which then grips the human being even more strongly than memory—that which grips him so strongly that the inner impulses pass into his physicality—I called yesterday “gesture,” or “the gestural.” And by contemplating the gestural, we have already advanced to the point where the soul-spiritual is revealed in the physical.
[ 2 ] Nun ist ja das ganze Hereintreten des Menschen in das physische Erdenleben ein Ergreifen des Physischen durch das Geistig-Seelische. Und wenn wir uns zunächst an die Erinnerung halten, so besteht sie ja darin, daß früher im irdischen Dasein Erlebtes herübergetragen wird in ein späteres Lebensalter.
[ 2 ] Now, a person’s entire entry into physical life on Earth is, in fact, a grasping of the physical by the spiritual-soul aspect. And if we consider memory first, it consists in the fact that experiences from an earlier phase of earthly existence are carried over into a later stage of life.
[ 3 ] Es frägt sich nun, können wir vom menschlichen Leben aus — so, wie die Erinnerung zurückweist nur auf Dinge im Laufe des Erdenlebens —, können wir vom menschlichen Leben aus weiter zurück weisen? Können wir zurückweisen auf dasjenige, was vor dem Eintritte des Menschen in das Erdenleben liegt?
[ 3 ] The question now arises: Can we, based on human life—since memory refers only to events that occur during earthly life—can we look even further back? Can we look back to what lies before a person’s entry into earthly life?
[ 4 ] Nun kommen wir da zu zwei Dingen: einmal zu dem, was der Mensch geistig-seelisch im vorirdischen Dasein durchgemacht hat. Überlassen wir das zunächst einer späteren Betrachtung. Aber es ist ja noch etwas anderes da, etwas mit der physischen Körperlichkeit Zusammenhängendes, das der Mensch als individuelles Wesen herein in die physische Körperlichkeit trägt. Es ist alles das, was wir aus gewohnten naturwissenschaftlichen Vorstellungen heraus als Vererbung bezeichnen. Der Mensch trägt in sich bis in seine Temperamentsanla‚gen hinein, die also schon stark ins Seelische heraufspielen, Eigentümlichkeiten, Impulse, die sich anschließen an dasjenige, was seinen physischen Vorfahren eigen war.
[ 4 ] This brings us to two points: first, what the human being experienced spiritually and psychologically during pre-earthly existence. Let us set that aside for now for later consideration. But there is also something else—something connected to physical embodiment—that the human being, as an individual being, carries with them into physical embodiment. It is everything that we, based on our customary scientific concepts, refer to as heredity. Human beings carry within themselves—right down to their temperamental dispositions, which thus already have a strong influence on the soul—peculiarities and impulses that are connected to what was characteristic of their physical ancestors.
[ 5 ] Allerdings, die heutige Menschheit geht mit solchen Dingen etwas oberflächlich, man könnte sogar sagen, etwas gedankenlos um. Ich habe gerade heute morgen ein Buch gelesen auf einer Fahrt, das über einen Herrscher aus einem bekannten, jetzt vergangenen Herrscherhause handelte, und das sich mit der Frage der Vererbung in diesem Herrscherhause befaßt. Da werden bis ins siebente Jahrhundert zurück Eigenschaften angegeben, die sich immer wiederum vererbten. Nur findet sich in diesem Buch dann bezüglich dieser Vererbung ein eigentümlicher Satz. Der lautet etwa folgendermaßen: In diesem Herrscherhause sind Leute, die auffällig zeigen, daß sie neigen zu Extravaganzen, daß sie neigen zu Paradoxien des Lebens, zu Ausschweifungen und so weiter, aber es gibt auch noch Mitglieder dieses Herrscherhauses, die all das nicht haben. Sie sehen: eine eigentümliche Art, zu denken! Denn man sollte eigentlich voraussetzen, daß jemand, der so etwas bemerkt, sich sagen müßte: Aus solchen Voraussetzungen kann man überhaupt nichts schließen. Wenn Sie aber durchgehen vieles von dem, was in der Gegenwart zu sogenannten sicheren Ansichten führt, da werden Sie vieles dergleichen finden.
[ 5 ] However, people today tend to treat such matters somewhat superficially—one might even say thoughtlessly. Just this morning, while traveling, I read a book about a ruler from a well-known, now-defunct royal house, which dealt with the question of heredity within that royal house. It traces characteristics back to the seventh century that were consistently passed down through the generations. However, the book contains a peculiar statement regarding this heredity. It goes something like this: In this ruling house, there are people who conspicuously display a tendency toward extravagance, toward the paradoxes of life, toward debauchery, and so on, but there are also members of this ruling house who do not exhibit any of these traits. As you can see: a peculiar way of thinking! For one would actually expect that someone who notices something like this would have to say to themselves: “You can’t draw any conclusions at all from such premises.” But if you go through much of what currently leads to so-called ‘certain views,’ you will find many examples of this sort.
[ 6 ] ‚Aber wenn auch die Anschauungen, die heute über die Vererbung herrschen, sich ziemlich oberflächlich ausnehmen, so muß man doch sagen: Der Mensch trägt einmal die vererbten Merkmale in sich. Das ist die eine Seite. Der Mensch hat ja oftmals auch zu kämpfen mit diesen vererbten Merkmalen. Er muß sich herausschälen gewissermaßen aus diesen vererbten Merkmalen, um zu demjenigen zu kommen, wozu er veranlagt ist durch sein Leben, bevor er das irdische Dasein betreten hat.
[ 6 ] “But even if the prevailing views on heredity today seem rather superficial, one must still say: Human beings do, after all, carry inherited traits within them. That is one side of the matter. After all, human beings often have to struggle with these inherited traits. They must, so to speak, extricate themselves from these inherited traits in order to arrive at what they are predisposed to do through their lives, even before they entered earthly existence.
[ 7 ] Das zweite, worauf wir verwiesen werden, das ist dasjenige, was der Mensch sich aneignet durch Erziehung, durch den Umgang mit seinen Mitmenschen, aber auch durch den Umgang mit der äußeren Natur. Aus den Gewohnheiten der Betrachtung untergeordneter Naturreiche heraus nennt man dieses die Anpassung des Menschen an die umliegenden Verhältnisse. Und Sie wissen ja, daß eine moderne Naturwissenschaft überhaupt für ein Lebewesen diese zwei Impulse, Vererbung und Anpassung, als das Allerwichtigste betrachtet.
[ 7 ] The second aspect to which we are referred is that which human beings acquire through education, through interaction with their fellow human beings, but also through interaction with the external natural world. Based on the customary approach to studying subordinate kingdoms of nature, this is referred to as human adaptation to surrounding conditions. And as you know, modern natural science regards these two impulses—heredity and adaptation—as the most important factors for any living being.
[ 8 ] Aber gerade wenn man in diese Dinge hineinkommt, dann fühlt man, wenn man unbefangen sich den Dingen hingibt, daß man ohne den Weg in die geistige Welt hinein über solche Dinge überhaupt keinen Aufschluß gewinnen kann. Und so wollen wir denn heute gerade diese Dinge, die einem im Leben auf Schritt und Tritt entgegentreten, im Lichte der Geist-Erkenntnis einmal erfassen.
[ 8 ] But it is precisely when one delves into these matters—and approaches them with an open mind—that one senses that, without entering the spiritual world, one cannot gain any insight into such things at all. And so today let us try to understand precisely these things—which we encounter at every turn in life—in the light of spiritual knowledge.
[ 9 ] Da müssen wir zurückgreifen auf etwas, was uns in den vergangenen Betrachtungen wiederholt beschäftigt hat. Wir haben ja hinweisen müssen, auch wiederum in diesen Betrachtungen, auf den Austritt des Mondes aus dem Erdenplaneten. Man kann hinweisen darauf, daß der Mond einmal mit dem Erdenplaneten verbunden war und in einer bestimmten Zeit aus diesem Erdenplaneten herausgetreten ist, um diesen Erdenplaneten von der Ferne aus zu beeinflussen. Ich habe aber auch darauf hingewiesen, welch ein Geistiges hinter diesem Mondausgang liegt. Ich habe darauf hingewiesen, wie einmal auf der Erde geradezu übermenschliche Wesenheiten lebten, die die ersten großen Lehrer der Menschheit waren, und von denen dasjenige herrührt, was auf dem Grunde unseres menschlichen Denkens auf Erden als die Urweisheit bezeichnet werden kann, was sich überall als ein ursprünglicher Einschlag findet, tief bedeutsam ist, Ehrfurcht erregt, was selbst in den Trümmern, in denen es vorhanden ist, Ehrfurcht erregt, und was einstmals den Inhalt eben der Lehre übermenschlicher großer Lehrer am Ausgangspunkte der irdischen Menschheitsentwickelung bildete.
[ 9 ] Here we must refer back to something that has repeatedly occupied us in our previous considerations. We have, after all, had to point out—once again in these reflections—the Moon’s separation from the Earth. One can point out that the Moon was once connected to the Earth and, at a certain time, separated from it in order to influence the Earth from a distance. But I have also pointed out what spiritual reality lies behind this separation of the Moon. I have pointed out how, at one time, truly superhuman beings lived on Earth who were the first great teachers of humanity, and from whom derives what, at the very foundation of our human thinking on Earth, can be called primordial wisdom—that which is found everywhere as an original imprint, is deeply significant, inspires awe, and which, even in the ruins in which it is found, inspires awe, and which once formed the very content of the teachings of these great, superhuman teachers at the very beginning of humanity’s earthly development.
[ 10 ] Diese Wesenheiten haben ihren Weg gefunden hinauf in das Mondendasein, und sie sind nun heute mit dem Mondendasein verbunden. Sie gehören gewissermaßen zu der Bevölkerung des Mondes. Nun handelt es sich darum, daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes durchgegangen ist, ja etappenweise dasjenige durchmacht, was gebunden ist an die planetarische Welt, die zu unserer Erde gehört. Wir haben ja auch das schon betrachtet, daß der Mensch zunächst, wenn er durch das irdische Dasein durchgegangen ist, in den Bereich der Mondenwirkungen kommt, dann weiter in den Bereich der Venus-, Merkur-, Sonnenwirkungen und so fort. Heute mag uns zunächst interessieren, wie der Mensch da in den Bereich der Mondenwirkungen kommt.
[ 10 ] These beings have found their way up into lunar existence, and today they are connected to it. In a sense, they belong to the population of the Moon. Now the point is that when a human being has passed through the gate of death, he or she goes through, in stages, that which is connected to the planetary world belonging to our Earth. We have already considered that, after passing through earthly life, a human being first enters the realm of lunar influences, then proceeds into the realms of Venusian, Mercurial, and solar influences, and so on. Today, we may be particularly interested in how a human being enters the realm of lunar influences.
[ 11 ] Ich habe schon darauf hingedeutet auch von diesem Orte aus, daß ja mit imaginativer Anschauung verfolgt werden kann das Leben des Menschen über die Todespforte hinaus, und daß tatsächlich dasjenige, was vom Menschen da ist, im Geistigen erscheint, nachdem er den physischen Leib abgelegt hat, den Elementen der Erde übergeben hat. Nachdem er seinen Ätherleib aufgenommen gesehen hat von der Äthersphäre, die mit unserer Erde verbunden ist, bleibt vom Menschen übrig das Geistig-Seelische, Ich, astralischer Leib, dasjenige, was sich an Ich und astralischen Leib dann angliedert. Aber wenn man mit imaginativer Anschauung dieses durch des Todes Pforte Gegangene betrachtet, stellt es sich immer noch in einer Gestalt dar. Es ist die Gestalt, die die physische Materie, die der Mensch in sich trägt, zur eigentlichen Form bringt. Diese Form bleibt der robusten physischen Körperlichkeit gegenüber wie ein Schattenbild, dem seelischen Empfinden und Wahrnehmen gegenüber aber von kräftigem, intensivem Eindruck. Verblaßt ist das Haupt des Menschen an dieser Gestalt für den seelischen Eindruck; stark ist das Übrige, das nach und nach dann beim Durchgang durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt sich verwandelt in das Haupt der nächsten Inkarnation. Aber etwas ist zu sagen über diese Gestalt, die da von der imaginativen Anschauung erblickt werden kann, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist: sie trägt einen gewissen physiognomischen Ausdruck. Sie ist ein getreues Abbild gewissermaßen der Art und Weise, wie der Mensch hier im physischen Erdenleben gut oder böse war. Hier im physischen Erdenleben kann der Mensch verbergen, ob in seiner Seele das Böse oder das Gute wirkt. Nach dem Tode kann er das nicht verbergen. Schaut man auf die Geistgestalt, die geblieben ist nach dem Tode, so trägt diese den physiognomischen Ausdruck desjenigen, was der Mensch auf der Erde war.
[ 11 ] I have already indicated, even from this place, that it is indeed possible to follow the life of a human being beyond the gate of death through imaginative contemplation, and that what remains of the human being actually appears in the spiritual realm after he has shed his physical body and surrendered it to the elements of the earth. After the human being has seen his etheric body taken up by the etheric sphere connected to our Earth, what remains of him is the spiritual-soul aspect—the I, the astral body, and that which then attaches itself to the I and the astral body. But when one observes, through imaginative contemplation, this being who has passed through the gate of death, it still presents itself in a form. It is the form that gives shape to the physical matter the human being carries within. This form remains, in contrast to the robust physical body, like a shadow image; yet to the soul’s feeling and perception, it makes a powerful, intense impression. The human head is faint in this form as far as the soul’s impression is concerned; the rest is strong, and it gradually transforms, during the passage through life between death and a new birth, into the head of the next incarnation. But there is something to be said about this form, which can be beheld through imaginative perception after a person has passed through the gate of death: it bears a certain physiognomic expression. It is, so to speak, a faithful reflection of the way in which the person was good or evil here in physical earthly life. Here in physical earthly life, a person can conceal whether evil or good is at work in their soul. After death, they can no longer conceal this. If one looks at the spiritual form that remains after death, it bears the physiognomic expression of what the person was on earth.
[ 12 ] Derjenige, der durch des Todes Pforte ein moralisch Böses mit der Seele verbunden trägt, der trägt einen physiognomischen Ausdruck, durch den er äußerlich, wenn ich so sagen darf, ähnlich wird den ahrimanischen Gestalten. Und es ist für die erste Zeit nach dem Tode durchaus so, daß alles Empfinden und Wahrnehmen des Menschen gebunden ist an dasjenige, was der Mensch in sich nachbilden kann. Wenn der Mensch nun an sich selber die Physiognomie Ahrimans trägt dadurch, daß er das moralisch Böse in seiner Seele durch des Todes Pforte geführt hat, dann kann er auch nur dasjenige, was Ahriman ähnlich ist, nachbilden, das heißt wahrnehmen, und er ist gewissermaßen seelisch blind gegen diejenigen Menschenseelen, die mit guter Stimmung, mit guter moralischer Stimmung durch des Todes Pforte hindurchgegangen sind. Das gehört sogar zu dem schärfsten Gericht, in das der Mensch eingeführt wird, nachdem er den Durchgang gefunden hat durch des Todes Pforte, daß er, insofern er böse ist, nur seinesgleichen sehen kann, weil er nur das in sich nachbilden kann, was die Physiognomie von auch bösen Menschen ist.
[ 12 ] Anyone who passes through the gate of death carrying a moral evil bound to their soul takes on a physiognomic expression that, outwardly—if I may put it that way—makes them resemble the Ahrimanic figures. And in the immediate period after death, it is certainly the case that all human feeling and perception is bound to that which the human being can recreate within himself. If a person now bears the physiognomy of Ahriman within themselves—by having carried moral evil in their soul through the gate of death—then they can only reflect, that is, perceive, that which is similar to Ahriman; and they are, so to speak, spiritually blind to those human souls who have passed through the gate of death with a good disposition, with a good moral disposition. This is, in fact, one of the most severe judgments to which a person is subjected after passing through the gate of death: that, to the extent that he is evil, he can see only his own kind, because he can reproduce within himself only the physiognomy of people who are also evil.
[ 13 ] Nun kommt der Mensch, indem er durch des Todes Pforte getreten ist, in den Bereich des Mondes. Da gerät derjenige, der Böses durch des Todes Pforte trägt, in die Gegenwart von übersinnlichen, überphysischen Wesenheiten, aber immer auch solchen, die ihm physiognomisch ähnlich sind, also in die Nähe von ahrimanischen Gestalten. Dieses Durchgehen durch eine ahrimanische Welt bei gewissen Menschen hat eine ganz bestimmte Bedeutung im ganzen Zusammenhange des Weltgeschehens. Und wir werden begreifen, was da eigentlich geschieht, wenn wir nun den eigentlichen Sinn der Hinauswanderung der urweisen Lehrer nach der Mondenkolonie des Kosmos ins Auge fassen.
[ 13 ] Now, having passed through the gate of death, the human being enters the realm of the Moon. There, the one who carries evil through the gate of death finds himself in the presence of supersensible, superphysical beings—but always also of those who resemble him physiognomically, that is, in the vicinity of Ahrimanic figures. For certain people, this passage through an Ahrimanic world has a very specific significance within the overall context of world events. And we will understand what is actually happening there when we now consider the true meaning of the migration of the ancient sages to the lunar colony of the cosmos.
[ 14 ] Sehen Sie, mit der ganzen Weltentwickelung sind ja außer den Wesenheiten der höheren Hierarchien, die wir gewöhnlich mit den Namen Angeloi, Archangeloi und so weiter bezeichnen, durchaus auch diejenigen Wesenheiten verbunden, die in das ahrimanische und in das luziferische Reich gehören; diese Wesenheiten wirken im ganzen Weltenzusammenhange so, wie die normal sich entfaltenden. Die luziferischen Wesenheiten wirken fortwährend, indem sie dasjenige, was die Tendenz in sich trägt, zur physischen Materialität vorzuschreiten, abbringen wollen von dem Vordringen zur physischen Materialität. Im Bereiche des Menschen wirken die luziferischen Wesenheiten so, daß sie jede Gelegenheit benützen, um den Menschen hinwegzuheben von seiner physischen Körperlichkeit. Die luziferischen Wesenheiten haben das Bestreben, aus dem Menschen ein rein geistig-seelisch-ätherisches Wesen zu machen. Die ahrimanischen Gestalten haben das Bestreben, alles dasjenige von dem Menschen auszusondern, was ihn nach dem Seelisch-Geistigen, wie es nun einmal im Menschenreiche sich entwickeln muß, hinträgt. Sie möchten das Untermenschliche, dasjenige, was in den Trieben, Instinkten und so weiter liegt, was sich in der Körperlichkeit ausdrückt, ins Geistige verwandeln. Ins Geistige den Menschen verwandeln, das ist der Trieb sowohl der luziferischen wie der ahrimanischen Wesenheiten. Nur daß die luziferischen das Geistig-Seelische aus dem Menschen herausziehen wollen, so daß sich der Mensch nicht mehr kümmern würde um seine irdischen Verkörperungen, sondern als geistig-seelisches Wesen leben wollte. Die ahrimanischen Wesenheiten möchten sich am liebsten gar nicht um das GeistigSeelische des Menschen kümmern, sondern dasjenige, was ihm als Hülle, als Kleid, als Werkzeug im Physischen und Ätherischen gegeben ist, das möchten sie loslösen und in ihre Welt hineinbringen.
[ 14 ] You see, the entire course of world development is connected not only with the beings of the higher hierarchies—whom we usually refer to as Angeloi, Archangeloi, and so on—but also with those beings who belong to the Ahrimanic and Luciferic realms; these beings act within the entire context of the world just as those that develop normally do. The Luciferic beings are constantly at work, seeking to divert whatever carries within itself the tendency to progress toward physical materiality from advancing toward physical materiality. In the realm of the human being, the Luciferic entities act in such a way that they seize every opportunity to lift the human being away from his physical corporeality. The Luciferic entities strive to transform the human being into a purely spiritual-soul-etheric being. The Ahrimanic forces strive to separate from human beings everything that carries them toward the soul-spiritual, as it must develop within the human realm. They wish to transform the subhuman—that which lies in the drives, instincts, and so on, and which expresses itself in physicality—into the spiritual. To transform human beings into spiritual beings—that is the impulse of both the Luciferic and the Ahrimanic beings. The difference is that the Luciferic beings seek to draw the spiritual-soul aspect out of human beings, so that human beings would no longer concern themselves with their earthly incarnations but would instead wish to live as spiritual-soul beings. The Ahrimanic beings, on the other hand, would prefer not to concern themselves at all with the human spirit-soul, but rather to detach that which is given to the human being as a shell, a garment, or a tool in the physical and etheric realms, and to bring it into their own world.
[ 15 ] So steht der Mensch auf der einen Seite gegenüber den Wesenheiten der normal sich entfaltenden Hierarchien, aber er steht, weil er einverwoben ist in das ganze, in das totale Dasein, auch gegenüber den luziferischen und ahrimanischen Gestalten.
[ 15 ] Thus, on the one hand, human beings stand in relation to the beings of the normally unfolding hierarchies; but because they are interwoven into the whole, into total existence, they also stand in relation to the Luciferic and Ahrimanic forces.
[ 16 ] Und nun handelt es sich darum, daß ja jedesmal, wenn die luziferischen Gestalten Anstrengungen machen, an den Menschen heranzukommen, dies damit verbunden ist, daß der Mensch eigentlich erdenfremd und erdenfern gemacht werden soll; dagegen, wenn die ahrimanischen Gestalten Anstrengungen machen, sich des Menschen zu bemächtigen, so möchten sie ihn immer irdischer und irdischer machen, obwohl sie die Erde in dichter geistiger Substanz und mit dichten geistigen Kräften eben auch vergeistigen wollen.
[ 16 ] And now the point is that every time the Luciferic beings make efforts to approach human beings, this is connected with the intention of making human beings essentially alien to the earth and increasingly distant from it; whereas when the Ahrimanic forces make efforts to take possession of human beings, they seek to make them ever more earthly, even though they also wish to spiritualize the Earth through dense spiritual substance and dense spiritual forces.
[ 17 ] Man muß, wenn man geistige Angelegenheiten bespricht, sich nun gewissermaßen solcher Ausdrücke bedienen, die vielleicht grotesk erscheinen gegenüber diesen geistigen Angelegenheiten. Aber wir müssen ja uns zunächst der Menschensprache bedienen. Daher gestatten Sie schon, meine lieben Freunde, daß ich für etwas, was sich im rein Geistigen vollzieht, eben gewöhnliche Menschenworte gebrauche. Sie werden mich ja verstehen. Sie werden hinaufheben das, was ich in dieser Weise ausdrücke, in das Geistige.
[ 17 ] When discussing spiritual matters, one must, so to speak, make use of expressions that may seem grotesque in light of these spiritual matters. But we must, after all, make use of human language to begin with. Therefore, my dear friends, please allow me to use ordinary human words to describe something that takes place in the purely spiritual realm. You will understand me, of course. You will elevate what I express in this way into the spiritual realm.
[ 18 ] Gerade diejenigen Wesenheiten, die dem Menschen einstmals im Beginne des Erdendaseins als die großen Lehrer die Urweisheit gebracht haben, die haben sich nach dem Monde aus dem Grunde zurückgezogen, um, so weit es in ihrem Bereiche möglich ist, das Luzifetische und das Ahrimanische in das richtige Verhältnis zum Menschenleben zu bringen. Warum war das notwendig? Warum mußte von solchen erhabenen Wesenheiten, wie diese Urlehrer waren, die Tat gewählt werden, aus dem Irdischen, in dessen Bereich sie eine Zeitlang gewirkt hatten, herauszugehen, nach dem außerirdischen Monde hinzugehen, um das Luziferische und das Ahrimanische in das rechte Verhältnis zum Menschen der Möglichkeit nach zu bringen?
[ 18 ] It was precisely those beings who, at the very beginning of earthly existence, brought primordial wisdom to humanity as the great teachers who subsequently withdrew from the Earth to the Moon in order to bring the Luciferic and the Ahrimanic forces into the proper balance with human life, as far as is possible within their sphere of influence. Why was this necessary? Why did such exalted beings as these Primordial Teachers have to choose to leave the earthly realm—where they had been active for a time—and go to the Moon, in order to bring the Luciferic and the Ahrimanic forces into the proper balance with human life, as far as possible?
[ 19 ] Sehen Sie, wenn der Mensch aus dem vorirdischen Dasein als seelisch-geistige Wesenheit heruntersteigt ins Irdische, so macht er ja jenen Weg durch, den ich in dem Kursus über «Kosmologie, Religion und Philosophie» beschrieben habe. Er hat ein bestimmtes geistig-seelisches Dasein; das verbindet er mit dem, was ihm in der reinen Vererbungslinie durch Vater und Mutter gegeben wird, mit dem physisch-embryonalen Dasein. Die beiden, das Physisch-Embryonale und das Geistige, dringen ineinander, vereinigen sich miteinander, und der Mensch kommt auf diese Weise in das Erdendasein herein. Aber in dem, was nun in der Vererbungslinie liegt, in dem, was von den Vorfahren übergeht an Vererbungsmerkmalen auf die Nachkommen, in dem ist dasjenige enthalten, was den ahrimanischen Wesenheiten gerade die Angriffspunkte auf die menschliche Natur gibt. In den Vererbungskräften liegen die ahrimanischen Kräfte. Und indem der Mensch in sich viel von diesen Vererbungsimpulsen trägt, hat er eine Körperlichkeit, an die das Ich nicht gut herankann. Das ist sogar das Geheimnis mancher menschlichen Wesenheiten, daß sie zu viel der Vererbungsimpulse in sich tragen. Man nennt das heute «erblich belastet sein». Das hat dann zur Folge, daß das Ich nicht voll in die Körperlichkeit hineindringen kann, daß das Ich nicht voll ausfüllen kann alle die einzelnen Organe der Körperlichkeit, und der Körper gewissermaßen eine Eigenwirkung entfaltet neben der Impulsivität des Ich, die eigentlich hineingehöfrt in diese Körperlichkeit. So daß es den ahrimanischen Mächten, indem sie ihre Anstrengungen machen, möglichst viel in die Vererbung hineinzulegen, gelingt, das Ich nur lose sitzen zu machen in der menschlichen Wesenheit. Das ist das eine.
[ 19 ] You see, when a human being descends from pre-earthly existence as a soul-spiritual being into the earthly realm, he follows the path I described in the course on “Cosmology, Religion, and Philosophy.” They have a specific spiritual-soul existence; they combine this with what is given to them through the pure hereditary line from their father and mother—that is, their physical-embryonic existence. The two—the physical-embryonic and the spiritual—interpenetrate and unite with one another, and in this way the human being enters earthly existence. But within what lies in the hereditary line—that is, in the hereditary traits passed down from ancestors to descendants—lies precisely what provides the Ahrimanic beings with their points of attack on human nature. The Ahrimanic forces lie within the hereditary forces. And because human beings carry within themselves so many of these hereditary impulses, they possess a physicality that the ego cannot easily penetrate. This is, in fact, the secret behind many human beings: that they carry too many of these hereditary impulses within themselves. Today this is called “being genetically predisposed.” The consequence of this is that the ego cannot fully penetrate the physical body, that the ego cannot fully fill all the individual organs of the physical body, and that the body, so to speak, develops its own activity alongside the impulsivity of the ego, which is actually meant to be embedded within this physical body. Thus, by exerting their efforts to embed as much as possible into heredity, the Ahrimanic forces succeed in causing the “I” to sit only loosely within the human being. That is one aspect.
[ 20 ] Aber der Mensch unterliegt ja auch der Anpassung an die äußeren Verhältnisse. Denken Sie nur, wie stark der Mensch der Anpassung an die äußeren Verhältnisse unterliegt, indem Sie betrachten, was für Einflüsse Klima und andere geographische Verhältnisse auf den Menschen haben. Dieser Einfluß der reinen Naturumgebung ist ja von außerordentlicher Bedeutung für den Menschen. Es gab sogar Zeiten, in denen dieser Einfluß der Naturumgebung in besonderer Weise durch die Leitung der weisen Führer der Menschheit benutzt worden ist.
[ 20 ] But human beings are, after all, also subject to adaptation to external conditions. Just consider how strongly human beings are subject to adaptation to external conditions by observing the influence that climate and other geographical conditions have on them. This influence of the natural environment alone is, after all, of extraordinary importance to human beings. There have even been times when this influence of the natural environment has been utilized in a special way under the guidance of humanity’s wise leaders.
[ 21 ] Wenn wir zum Beispiel hinschauen auf etwas ganz Merkwürdiges im alten Griechentum, auf den Unterschied der Spartaner und Athener, so müssen wir sagen: dieser Unterschied der Spartaner und Athener, der eigentlich in unseren gebräuchlichen Geschichtshandbüchern in einer recht äußerlichen Weise geschildert wird, er beruht auf etwas, das zurückgeht auf Maßnahmen alter Mysterien, die Verschiedenes wirkten für die Spartaner und die Athener.
[ 21 ] If, for example, we look at something quite remarkable in ancient Greece—the difference between the Spartans and the Athenians—we must say: this difference between the Spartans and the Athenians—which is actually described in a rather superficial way in our standard history textbooks—is based on something that goes back to the practices of the ancient mysteries, which had different effects on the Spartans and the Athenians.
[ 22 ] In Griechenland gab man ja sehr viel auf Gymnastik. Die Gymnastik war das Hauptsächlichste in der Erziehung des Kindes, weil man auf dem Umwege durch die Körperlichkeit, indem man diese Körperlichkeit in einer bestimmten Weise lenkte und leitete, gerade in der griechischen Art auch auf das Geistig-Seelische wirkte. Aber in verschiedener Art geschah das bei den Spartanern, in verschiedener Art bei den Athenern. Bei den Spartanern war es so, daß es vor allen Dingen darauf ankam, die Knaben so sich entwickeln zu lassen, daß sie durch ihre gymnastischen Übungen möglichst dasjenige, was der Körper innerlich arbeitet, auch voll nur durch den Körper sich erarbeiteten. Daher wurde der spartanische Knabe angehalten, unbesehen der Witterung seine gymnastischen Übungen zu machen.
[ 22 ] In Greece, great importance was placed on gymnastics. Gymnastics was the most important aspect of a child’s education, because—indirectly through physicality, by directing and guiding that physicality in a specific way—it also influenced the mind and soul, particularly in the Greek tradition. But this was done differently among the Spartans than among the Athenians. Among the Spartans, the primary concern was to allow the boys to develop in such a way that, through their gymnastic exercises, they would, as far as possible, fully achieve—solely through the body—what the body works on internally. For this reason, the Spartan boy was required to perform his gymnastic exercises regardless of the weather.
[ 23 ] Anders war das bei den Athenern. Die Athener sahen viel darauf, daß die gymnastischen Übungen angepaßt wurden den Witterungsverhältnissen; sie sahen viel darauf, daß der Knabe, der seine gymnastischen Übungen machte, dem Sonnenlichte in entsprechender Weise ausgesetzt wurde. Den Spartanern war es gleichgültig, ob bei Regen oder Sonnenschein die Übungen durchgeführt wurden. Die Athener forderten, daß auf den Menschen Anregendes wirkte, insbesondere das Anregende der Sonnenwirkungen.
[ 23 ] The Athenians took a different approach. They placed great importance on adapting the gymnastic exercises to the weather conditions; they also placed great importance on ensuring that the boy performing his gymnastic exercises was exposed to sunlight in an appropriate manner. The Spartans were indifferent to whether the exercises were performed in rain or sunshine. The Athenians insisted that people be exposed to stimulating influences, particularly the invigorating effects of the sun.
[ 24 ] Der spartanische Knabe wurde so behandelt, daß seine Haut geradezu dicht gemacht wurde, damit alles, was er an sich entwickelte, vom inneren Körperlichen kam. Der athenische Knabe wurde in bezug auf seine Haut nicht nur mit Sand und Öl bearbeitet, sondern er wurde ausgesetzt der Sonnenwirkung.
[ 24 ] The Spartan boy was treated in such a way that his skin was made virtually impenetrable, so that everything he developed came from within his body. The Athenian boy was not only rubbed with sand and oil, but was also exposed to the sun.
[ 25 ] Dadurch ist übergegangen in den athenischen Knaben dasjenige, was von außen, von den Sonnenwirkungen in den Menschen hereinkommen kann. Der athenische Knabe wurde angeregt, gesprächig zu werden, der athenische Knabe wurde angeregt, sich in schönen Worten auszudrücken. Der spartanische Knabe wurde geradezu abgeschlossen durch alle möglichen Öleinreibungen, ja sogar durch Bearbeitung der Haut mit Sand und Öl, alles in sich zu entwickeln, es zu entwickeln unabhängig von der äußeren Natur. Dadurch wurde der spartanische Knabe dazu veranlaßt, alles, was an Kräften die menschliche Natur entwickeln kann, in das Innere zu treiben, nicht es herauszubringen.
[ 25 ] As a result, what can enter human beings from the outside—from the effects of the sun—was instilled in the Athenian boys. The Athenian boy was encouraged to become talkative; the Athenian boy was encouraged to express himself in beautiful words. The Spartan boy, on the other hand, was virtually sealed off—through all manner of oil rubs, and even by treating the skin with sand and oil—so that he might develop everything within himself, independently of the external natural world. As a result, the Spartan boy was led to drive all the powers that human nature can develop inward, rather than bringing them outward.
[ 26 ] Dadurch wurde er nicht gesprächig, wie der athenische Knabe; dadurch wurde er gerade dazu gebracht, mit Worten zu kargen, wenig auszusprechen, still zu sein. Und wenn er etwas aussprach, dann mußte es bedeutsam sein, dann mußte es Inhalt haben. Spartanische Redensarten — nur wenige wurden ausgesprochen — waren bekannt durch ihr Inhaltsvolles, athenische Redensarten durch das Schöne der Sprachformungen. Das hing zusammen mit der Anpassung des Menschen an die Umgebung durch das entsprechende Erziehungssystem.
[ 26 ] This did not make him talkative, like the Athenian boy; rather, it led him to be sparing with words, to say little, and to remain silent. And when he did speak, what he said had to be meaningful; it had to have substance. Spartan sayings—of which only a few were ever uttered—were known for their depth of meaning, while Athenian sayings were known for the beauty of their phrasing. This was linked to how people adapted to their environment through the corresponding educational system.
[ 27 ] Sie können das auch sonst sehen in dem Verhältnis, das sich herstellt zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Menschen des Südens, an die überhaupt herantritt, was äußere Sonnenwirkung ist, sie werden gebärdenreich, sie werden auch gesprächig; es entwickelt sich bei ihnen eine Sprache, die Wohlklang hat, weil sie in ihrer Wärme-Entwickelung mit der äußeren Wärme-Entwickelung zusammenhängen.
[ 27 ] You can also see this in the relationship that develops between a person and their environment. People in the South, who are directly exposed to the sun’s external effects, become expressive in their gestures and talkative; they develop a language that is melodious because their own development of warmth is connected to the external development of warmth.
[ 28 ] Menschen des Nordens, sie entwickeln sich so, daß sie nicht gesprächig werden, weil sie im Innern die Körperwärme als Impulse bei sich behalten müssen. Sehen Sie sich Menschen des Nordens an. Sie sind bekannt durch ihr Schweigen; sie sitzen ganze Abende miteinander zusammen, ohne daß sie sich gedrängt fühlen, viele Worte zu machen. Der eine frägt; der andere antwortet ihm mit einem Nein oder Ja nach zwei Stunden oder erst am nächsten Abend. Das hängt durchaus damit zusammen, daß diese Menschen des Nordens genötigt sind, stärkere innere Impulse für die Erzeugung des Wärmehaften in sich zu haben, weil das Wärmehafte nicht von außen an sie herandringt.
[ 28 ] People from the North develop in such a way that they do not become talkative, because they must retain their body heat internally as a source of energy. Look at people from the North. They are known for their silence; they sit together for entire evenings without feeling compelled to say many words. One asks a question; the other answers with a “no” or “yes” two hours later—or not until the next evening. This is entirely due to the fact that these northerners are compelled to have stronger internal impulses to generate warmth within themselves, because warmth does not reach them from the outside.
[ 29 ] Da haben wir dasjenige, was man Anpassung des Menschen an die äußeren Verhältnisse schon im Naturhaften nennen kann. Sehen Sie dann, wie das alles in der Erziehung, im sonstigen geistig-seelischen Leben wirkt. Gerade wie auf dasjenige, was in der Vererbung liegt, die ahrimanischen Wesenheiten ihren wesentlichen Einfluß haben, so haben auf dasjenige, was Anpassung ist, die luziferischenWesenheitenihren wesentlichen Einfluß. Da können sie an den Menschen heran, wenn der Mensch seine Beziehungen zur Außenwelt herstellt. Sie verstricken das menschliche Ich in die Außenwelt. Dadurch aber bringen sie dieses Ich oftmals in eine Verwirrung gegenüber dem Karma hinein.
[ 29 ] Here we have what can already be called the adaptation of the human being to external conditions in the natural realm. See then how all this works in education and in other aspects of spiritual and soul life. Just as the Ahrimanic beings exert their essential influence on what lies in heredity, so do the Luciferic beings exert their essential influence on what constitutes adaptation. They can approach the human being when the human being establishes relationships with the external world. They entangle the human “I” in the external world. In doing so, however, they often lead this “I” into confusion regarding karma.
[ 30 ] Während also die ahrimanischen Wesenheiten den Menschen in eine Verwirrung hineinbringen in bezug auf sein Ich gegenüber seinen physischen Impulsen, bringen ihn die luziferischen Wesenheiten in eine Verwirrung hinein gegenüber seinem Karma. Denn dasjenige, was da von der Außenwelt kommt, liegt durchaus nicht immer im Karma, sondern muß erst ins Karma durch mancherlei Fäden und Verbindungen hineingefügt werden, damit es in der Zukunft einmal im Karma liegen kann.
[ 30 ] While the Ahrimanic beings lead human beings into confusion regarding their “I” in relation to their physical impulses, the Luciferic beings lead them into confusion regarding their karma. For what comes from the external world is by no means always part of karma; rather, it must first be woven into karma through various threads and connections so that it may one day become part of karma.
[ 31 ] So hängt mit dem menschlichen Leben das Ahrimanische, das Luziferische intim zusammen. Das muß geregelt werden; es muß geregelt werden in der Gesamtentwickelung des Menschen. Daher war es notwendig geworden, daß diese urweisen Lehrer der Menschheit von der Erde, auf der sie diese Regelung nicht hätten vornehmen können, weil sie nicht während des menschlichen Erdenlebens vorgenommen werden kann, und der Mensch außerhalb des Erdenlebens eben nicht auf der Erde ist — deshalb war es notwendig, daß diese urweisen Lehrer der Menschheit von der Erde weggehen mußten, auf dem Monde ihr Dasein weiterfanden. Denn jetzt, nachdem sie nach dem Monde gezogen waren — und hier komme ich dazu, eben die Menschensprache gebrauchen zu müssen für etwas, was man eigentlich in andere Wortbilder kleiden möchte, — kamen diese Wesenheiten, also diese urweisen Lehrer, dazu, während ihres Mondendaseins Verträge zu suchen mit den ahrimanischen und mit den luziferischen Mächten. Und dem Menschen wäre besonders schädlich das Auftreten der ahrimanischen Mächte in seinem Dasein nach dem Tode; wenn diese ahrimanischen Wesenheiten da wirklich auf ihn einen Einfluß nehmen könnten. Denn sehen Sie, wenn da der Mensch durch des Todes Pforte geht und irgend etwas Böses in den Nachwirkungen in seiner Seele trägt, so befindet er sich ja, wie ich Ihnen gesagt habe, ganz in ahrimanischer Umgebung, ja sogar in ahrimanischen Anschauungen. Er selber hat eine ahrimanische Physiognomie. Er hat nur eine Wahrnehmung für diejenigen menschlichen Wesenheiten, die auch eine ahrimanische Physiognomie an sich tragen. Das muß so bleiben, daß es bloß seelisches Erleben des Menschen ist. Könnte Ahriman jetzt eingreifen, könnte er den astralischen Leib beeinflussen, dann würde dies eine Kraft werden, die da Ahriman in den Menschen hineinimpulsieren könnte, die nicht nur nach und nach karmisch sich ausgleichen würde, sondern die den Menschen ganz nahe verwandt der Erde machen würde, die den Menschen in zu starken Zusammenhang mit dem Irdischen bringen würde. Das streben auch die ahrimanischen Mächte an. Sie möchten bei denjenigen menschlichen Wesen, bei denen es anginge, durch das, was sie an bösen Impulsen durch die Pforte des Todes tragen, nach dem Tode einsetzen, wo der Mensch noch in seiner Geistgestalt ähnlich ist der irdischen Gestalt. Da möchten sie diese Geistgestalt mit Kräften durchdringen, möglichst viele solche Wesenheiten nahe ans Erdendasein heranziehen und sozusagen eine ahrimanische Erdenmenschheit begründen.
[ 31 ] Thus, the Ahrimanic and the Luciferic are intimately connected with human life. This must be regulated; it must be regulated within the overall development of the human being. Therefore, it had become necessary for these primal-wise teachers of humanity to leave the Earth—where they could not have carried out this regulation, because it cannot be carried out during human life on Earth, and because when a human being is outside of earthly life, they are not on Earth—and so it was necessary for these primal-wise teachers of humanity to leave the Earth and continue their existence on the Moon. For now, after they had moved to the Moon—and here I am compelled to use human language for something that one would actually prefer to express in other figurative terms—these beings, that is, these primordial wise teachers, came to seek agreements with the Ahrimanic and Luciferic powers during their existence on the Moon. And the intervention of the Ahrimanic forces in a person’s life after death would be particularly harmful to them—if these Ahrimanic beings were truly able to exert an influence on them there. For you see, when a human being passes through the gate of death and carries within his soul any evil in its aftereffects, he finds himself, as I have told you, entirely in an Ahrimanic environment—indeed, even amidst Ahrimanic perceptions. He himself has an Ahrimanic physiognomy. He is perceptive only toward those human beings who also bear an Ahrimanic physiognomy. This must remain merely a spiritual experience of the human being. If Ahriman were now to intervene, if he could influence the astral body, this would become a force that Ahriman could instill into the human being—a force that would not only gradually balance itself out karmically, but would make the human being very closely related to the Earth, bringing the human being into too strong a connection with the earthly realm. This is also what the Ahrimanic forces are striving for. They wish to act upon those human beings who are susceptible to it—through the evil impulses they carry through the gate of death—after death, when the human being is still similar in spirit form to their earthly form. There they wish to permeate this spiritual form with forces, draw as many such beings as possible close to earthly existence, and, so to speak, establish an Ahrimanic earthly humanity.
[ 32 ] Deshalb haben die urweisen Lehrer der Menschheit, die jetzigen Bewohner des Mondes, einen Vertrag geschlossen mit den ahrimanischen Mächten, der von den ahrimanischen Mächten eingegangen werden mußte aus Gründen, die ich noch später auseinandersetzen werde, einen Vertrag, daß sie in vollem Sinne des Wortes, so weit es nur möglich ist, den ahrimanischen Mächten einen Einfluß auf das menschliche Leben überlassen, bevor der Mensch zum irdischen Dasein heruntersteigt. Wenn der Mensch also im Heruntersteigen zum irdischen Dasein wiederum die Mondensphäre passiert, dann dürfen nach den Abmachungen zwischen den urweisen Lehrern der Menschheit und den ahrimanischen Mächten diese Mächte auf den Menschen einen bestimmten Einfluß haben. Und dieser Einfluß äußert sich eben darin, daß die Vererbung möglich geworden ist. Dagegen mußten, nachdem ihnen dieses Vererbungsgebiet gewissermaßen durch die Bemühungen der urweisen Lehrer der Menschheit zugewiesen worden war, die ahrimanischen Wesenheiten verzichten auf dasjenige, was in der menschlichen Entwickelung nach dem Tode lebt.
[ 32 ] That is why the primordial teachers of humanity—the present inhabitants of the Moon—concluded a covenant with the Ahrimanic forces, a covenant that the Ahrimanic forces were compelled to enter into for reasons I will explain later—a covenant stipulating that, in the fullest sense of the word, as far as is at all possible, allow the Ahrimanic forces to exert an influence on human life before the human being descends into earthly existence. So when the human being, in descending to earthly existence, passes through the lunar sphere once more, then—according to the agreements between the primordial teachers of humanity and the Ahrimanic forces—these forces are permitted to exert a certain influence upon the human being. And this influence manifests itself precisely in the fact that heredity has become possible. On the other hand, after this realm of heredity had been assigned to them, so to speak, through the efforts of the primordial teachers of humanity, the Ahrimanic beings had to renounce that which lives on in human development after death.
[ 33 ] Umgekehrt wiederum ist ein Vertrag zustande gekommen mit den luziferischen Wesenheiten, daß diese luziferischen Wesenheiten nur einen Einfluß haben dürfen auf den Menschen, wenn er durch des Todes Pforte gegangen ist, und nicht, bevor er heruntersteigt zum irdischen Dasein.
[ 33 ] Conversely, an agreement has been reached with the Luciferic beings that these Luciferic beings may only exert an influence on human beings after they have passed through the gate of death, and not before they descend into earthly existence.
[ 34 ] Dadurch kam eine Regelung in die außerirdischen Einflüsse des Ahrimanischen und des Luziferischen gerade durch die großen urweisen Lehrer der Menschheit zustande. Aber wir haben ja schon gesehen und brauchen uns die Sache nur zu überlegen, so tritt es gleich zutage: da wird der Mensch an die Natur herangeführt. Dadurch, daß die ahrimanischen Wesenheiten auf ihn wirken können vor dem Heruntersteigen auf die Erde, wird der Mensch ausgesetzt den Einwirkungen der Vererbungsimpulse. Dadurch, daß die luziferischen Wesenheiten auf ihn wirken können, wird der Mensch ausgesetzt denjenigen Impulsen, die in der physischen Umgebung liegen, im Klima und dergleichen, auch in der geistig-seelisch-sozialen Umgebung durch Erziehung, Leben und so weiter. Der Mensch kommt also mit seiner Naturumgebung in ein Verhältnis, und in diese Naturumgebung kann hineinwirken das Ahrimanische und das Luziferische.
[ 34 ] As a result, a balance was established between the extraterrestrial influences of the Ahrimanic and the Luciferic forces, precisely through the great, primal teachers of humanity. But we have already seen this, and we need only reflect on the matter for it to become immediately apparent: this is how human beings are introduced to nature. Because the Ahrimanic beings can act upon him before his descent to Earth, human beings are exposed to the influences of hereditary impulses. Because the Luciferic beings can act upon him, human beings are exposed to those impulses that lie in the physical environment—in the climate and the like—as well as in the spiritual, psychological, and social environment through upbringing, life experiences, and so on. Human beings thus enter into a relationship with their natural environment, and both the Ahrimanic and the Luciferic forces can influence this natural environment.
[ 35 ] Nun möchte ich von einer ganz anderen Seite her über das Dasein dieser ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten gerade auch in der Naturumgebung sprechen. Ich habe bei der Besprechung des Michaelproblemes schon auf die Dinge hingewiesen. Jetzt will ich es noch genauer machen. Stellen Sie sich einmal vor jenen Wechsel in der uns umgebenden Natur, der dadurch eintritt, daß wir vor aufsteigenden Nebeln stehen können. Die wäßrigen Dünste der Erde steigen auf. Wir leben vielleicht sogar innerhalb der Atmosphäre, die erfüllt ist von diesem Aufsteigen der wäßrigen Dünste der Erde. In diesem Aufsteigen der wäßrigen Dünste der Erde entdeckt derjenige, der es zum geistigen Schauen gebracht hat, daß in dieser Naturerscheinung etwas leben kann, was Irdisches in zentrifugaler Richtung nach aufwärts trägt, hinaufträgt.
[ 35 ] Now I would like to speak from a completely different perspective about the existence of these Ahrimanic and Luciferic beings, particularly in the natural environment. I have already pointed out these things in my discussion of the Michael problem. Now I would like to go into even greater detail. Imagine for a moment the change in the natural world around us that occurs when we stand before rising mists. The watery vapors of the earth rise up. We may even be living within the atmosphere that is filled with this rising of the Earth’s watery vapors. In this rising of the Earth’s watery vapors, those who have attained spiritual vision discover that something can live within this natural phenomenon that carries earthly matter upward in a centrifugal direction.
[ 36 ] Sehen Sie, nicht umsonst werden Menschen leicht melancholisch, wenn sie im Nebel leben, denn es ist etwas im Erleben des Nebeligen, was unseren Willen belastet. Wir erfahren Belastung des Willens im Nebeligen.
[ 36 ] You see, it is not for nothing that people tend to become melancholic when they live in the fog, for there is something about the experience of the foggy that weighs on our will. We experience this burden on the will in the fog.
[ 37 ] Nun kann man unter anderen Übungen seine Imaginationen so herstellen, daß man von sich aus seinen Willen belastet. Man kann das durch Übungen machen, die darin bestehen, daß man durch innerliche Konzentration auf bestimmte körperliche Organe, Muskeln namentlich, eine Art inneren Muskelgefühls, Muskelspürens hervorruft. Wenn man so den Willen belastet, indem man dieses innerliche Muskelspüren hervorruft — es ist etwas anderes, wenn man geht und man spürt den Muskel, als wenn man durch Konzentration beim Stehen die Muskeln spannt —, wenn das eine ständige Übung wird, wenn es so gemacht wird, wie andere Übungen, die ich in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben habe, dann belastet man den Willen durch seine eigene Tätigkeit. Und dann wird man ansichtig desjenigen, was im aufsteigenden Nebel vorhanden ist, was im aufsteigenden Nebel einen moros und melancholisch machen kann, dann wird man ansichtig, geistig-seelisch ansichtig, wie im aufsteigenden Nebel gewisse ahrimanische Geister leben. So daß man mit Geist-Erkenntnis sagen muß: im aufsteigenden Nebel erheben sich von der Erde in den Weltenraum hinaus ahrimanische Geister, die da auf diese Art ihr Dasein weiten in bezug auf das Irdische.
[ 37 ] Among other exercises, one can cultivate one’s imagination in such a way as to exert willpower of one’s own accord. This can be achieved through exercises that involve focusing one’s inner concentration on specific bodily organs—muscles, to be precise—to evoke a kind of inner muscular sensation or awareness. When one strains the will in this way by evoking this inner sensation of the muscles—it is one thing to walk and feel the muscles, and quite another to tense the muscles through concentration while standing—if this becomes a regular practice, if it is done as I have described in other exercises in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds? —then one strains the will through one’s own activity. And then one becomes aware—spiritually and soulfully aware—of what is present in the rising mist, of what in the rising mist can make one gloomy and melancholic; then one becomes aware, spiritually and soulfully aware, of how certain Ahrimanic spirits live in the rising mist. Thus, through spiritual insight, one must say: in the rising mist, Ahrimanic spirits rise from the earth out into the world space, expanding their existence in this way in relation to the earthly realm.


[ 38 ] Wieder etwas anderes ist es, wenn man — wozu man ja gerade hier am Goetheanum so viel schöne Gelegenheit hat — den Blick des Abends oder des Morgens wendet in die Weiten und sieht in den Weiten die Wolken, aber lagernd über diesen Wolken das Sonnenlicht. Vor einigen Tagen konnten Sie hier sehen, so in den späteren Nachmittagsstunden, wie geradezu eine Art roten Sonnengoldes in Wolken sich verkörperte und die verschiedensten Gestaltungen in einer ganz wunderbaren Art hervorrief. Es war derselbe Abend, an dem dann der Mond von einer besonderen Intensität seines Scheinens war. Aber auch sonst können Sie sehen, wie die Wolken dastehen und über den Wolken sich lagert, man möchte sagen, das Leuchten in einem wunderbar erglänzenden Farbenspiel. Natürlich kann man es überall sehen, aber ich weise eben auf das hin, was gerade hier in Dornach besonders schön gesehen werden kann.
[ 38 ] It is quite another thing when—as we have so many wonderful opportunities to do right here at the Goetheanum—we turn our gaze in the evening or morning toward the vast expanse and see the clouds in that expanse, but with the sunlight resting above them. A few days ago, you could see here, in the late afternoon hours, how a kind of red, sun-like gold was embodied in the clouds and evoked the most varied forms in a truly wonderful way. It was the same evening when the moon shone with a particular intensity. But even at other times, you can see how the clouds stand there and how, above them, the light—one might say—lies in a wonderfully resplendent play of colors. Of course, you can see it everywhere, but I am simply pointing out what can be seen particularly beautifully right here in Dornach.
[ 39 ] In dem, was in der Atmosphäre sich an flutendem Lichte über die Wolken hinlagert, da leben nun ebenso die luziferischen Geister, wie im aufsteigenden Nebel die ahrimanischen Geister. Und im Grunde genommen ist es für denjenigen, der nun in der richtigen Weise bewußt mit Imagination so etwas anschauen kann, so, daß er, wenn es ihm gelingt, das gewöhnliche Denken mitgehen zu lassen mit den die Gestalten und Farben verwandelnden Wolken, wenn er sozusagen seinen Gedanken die Möglichkeit gibt, statt scharfe Umrisse zu haben, sich zu metamorphosieren, sich zu wandeln, wenn die Gedanken selber so weit und wieder eng werden, wenn sie mitgehen mit den Wolkengebilden, wenn sie Gestalt und Farben der Wolkenbildungen mitmachen: dann ist es so, daß der Mensch wirklich beginnt, dieses Farbenspiel über den Wolken, insbesondere des Abend- und Morgenhimmels, anzusehen wie ein Farbenmeer, in dem sich luziferische Gestalten bewegen. Und wenn beim Menschen durch den aufsteigenden Nebel Stimmungen der Melancholie angeregt werden, dann ist es hier so, daß seine Gedanken, damit aber auch sein Gemüt gewissermaßen in einer übermenschlichen Freiheit atmen lernen beim Anblicke dieses luzifetisch flutenden Lichtmeeres. Das ist eine besondere Beziehung, die der Mensch zu der Umgebung eingehen kann, denn da kann er tatsächlich bis zu dem Gefühle sich aufschwingen, daß sein Denken ist wie ein ‚Atmen im Lichte. Der Mensch fühlt das Denken wie ein Atmen, aber wie ein Atmen im Lichte. Gerade wenn Sie dies durchmachen wollen, werden Sie besser verstehen die eine Stelle in meinen Mysteriendramen, wo gesprochen wird von den Wesen, die Licht atmen dürfen. Der Mensch kann schon ein Vorgefühl bekommen von dem, was solche Wesen sind als Atmungswesen des Lichtes, wenn er so etwas, wie ich es beschrieben habe, durchmacht.
[ 39 ] The Luciferic spirits dwell just as much in the flood of light that settles over the clouds in the atmosphere as the Ahrimanic spirits dwell in the rising mist. And essentially, for those who can now consciously observe such phenomena through imagination in the proper way, it is such that—if they succeed in allowing their ordinary thinking to go along with the clouds that transform shapes and colors, if they, so to speak, give their thoughts the opportunity to metamorphose and change rather than have sharp outlines— if the thoughts themselves expand and then contract again, if they move along with the cloud formations, if they take on the shapes and colors of the clouds: then it is the case that the human being truly begins to view this play of colors above the clouds—especially in the evening and morning sky—as a sea of colors in which Luciferic beings move. And when the rising mist stirs up moods of melancholy in a person, it is here that their thoughts—and thus also their spirit—learn, as it were, to breathe in a superhuman freedom at the sight of this sea of light surging with Luciferic radiance. This is a special relationship that a person can enter into with their surroundings, for there they can indeed rise to the feeling that their thinking is like ‘breathing in the light.’ The person experiences thinking as breathing, but as breathing in the light. Precisely when you wish to go through this experience, you will better understand that passage in my Mystery Dramas where it speaks of the beings who are permitted to breathe light. A person can already gain a foretaste of what such beings are—as breathing beings of light—when they undergo something like what I have described.
[ 40 ] So finden wir, wie das Ahrimanische und Luziferische auch eingegliedert ist den Erscheinungen der äußeren Natur. Und wenn wir auf die Vererbung und auf die Anpassungserscheinungen in der Menschenwesenheit hinschauen, so trägt in ihnen der Mensch sein geistig-seelisches Wesen an die Natur heran. Wenn wir solche Naturerscheinungen betrachten, wie den aufsteigenden Nebeldunst und die Wolken, überzogen von flutendem Lichte, dann sehen wir, wie ahrimanische und luziferische Wesenheiten mit dem Naturhaften sich verbinden. Aber das Herankommen des menschlichen Geistig-Seelischen in Vererbung und Anpassung an die Natur ist ja, wie ich Ihnen gezeigt habe heute, auch nur ein Herankommen an das Luziferische und Ahrimanische. Und so finden wir im Menschen, wenn wir auf sein Naturhaftes hinschauen, das Luziferische und Ahrimanische, und wir finden in denjenigen Naturerscheinungen, die etwas in sich tragen, was den Physiker nichts anzugehen braucht, wiederum das Luziferische und Ahrimanische. Und sehen Sie, das ist der Punkt, wo wir hingeführt werden können zu einer über das irdische Dasein hinausgehenden Wirkung des Naturhaften auf den Menschen.
[ 40 ] Thus we find that the Ahrimanic and Luciferic forces are also integrated into the phenomena of external nature. And when we look at heredity and the phenomena of adaptation in the human being, we see that through them the human being brings his spiritual-soul nature into contact with nature. When we observe natural phenomena such as rising mist and clouds bathed in flowing light, we see how Ahrimanic and Luciferic beings connect with the natural world. But the approach of the human spiritual-soul nature through heredity and adaptation to nature is, as I have shown you today, merely an approach to the Luciferic and Ahrimanic. And so, when we look at the natural aspect of the human being, we find the Luciferic and the Ahrimanic; and in those natural phenomena that contain something that need not concern the physicist, we again find the Luciferic and the Ahrimanic. And you see, this is the point where we can be led to an effect of the natural upon human beings that extends beyond earthly existence.
[ 41 ] Halten wir zunächst heute das fest: wir finden Ahriman und Luzifer in der menschlichen Vererbung und in der menschlichen Anpassung. Wir finden Ahriman und Luzifer im aufsteigenden Nebel und in dem auf die Wolken herabflutenden und von ihnen aufgehaltenen, aufgefangenen Lichte. Und wir finden im Menschen ein Streben, Ausgleich, Rhythmus zu schaffen zwischen Vererbung und Anpassung. Wir finden aber auch in der Natur draußen das Bestreben, Rhythmus zu schaffen zwischen den beiden Gewalten, die ich jetzt im Naturhaften als die ahrimanischen und luziferischen aufgezeigt habe.
[ 41 ] Let us first note this today: we find Ahriman and Lucifer in human heredity and in human adaptation. We find Ahriman and Lucifer in the rising mist and in the light that floods down upon the clouds and is held back and caught by them. And we find in human beings a striving to create balance and rhythm between heredity and adaptation. But we also find in nature outside the striving to create rhythm between the two forces that I have now identified in the natural world as the Ahrimanic and the Luciferic.
[ 42 ] Verfolgen Sie den ganzen Hergang im Naturhaften draußen, so haben Sie im Grunde ein wunderbares Schauspiel. Verfolgen Sie den aufsteigenden Nebel, verfolgen Sie darinnen, wie ahrimanische Geister in diesem aufsteigenden Nebel hinausstreben in die Weltenweiten. In dem Augenblicke, wo der aufsteigende Nebel oben sich zur Wolke ballt, müssen sie absehen von ihren Bestrebungen, müssen wiederum zurück auf die Erde. In der Wolke findet das anmaßende Aufwärtsstreben Ahrimans seine Grenzen. In der Wolke hört das Nebelhafte auf, damit aber auch das Heimische des Ahriman für das Nebelhafte. In der Wolke aber beginnt die Möglichkeit, daß sich das Lichthafte über die Wolke oben lagert: Luzifer, oben über die Wolken gelagert.
[ 42 ] If you observe the entire process in the natural world outside, you are essentially witnessing a marvelous spectacle. Watch the rising mist; observe within it how Ahrimanic spirits strive outward from this rising mist into the vastness of the cosmos. At the moment when the rising mist coagulates into a cloud above, they must abandon their aspirations and return to Earth. In the cloud, Ahriman’s presumptuous upward striving finds its limits. In the cloud, the misty ceases to exist, and with it, Ahriman’s home within the misty realm. But in the cloud, the possibility arises for the light to settle above it: Lucifer, settled high above the clouds.
[ 43 ] Fassen Sie das in seiner vollen Bedeutung. Fassen Sie den aufsteigenden Nebel mit den gelbfahlen Ahrimangestalten, in sich zu Wolken geballt; in demjenigen, was sich als das flutende Licht über der Wolke bildet, die luziferischen Gestalten nach abwärts strebend, dann haben Sie in die Natur hineingezeichnet das Ahrimanische und das Luziferische.
[ 43 ] Understand this in its full significance. Visualize the rising mist with the yellowish Ahrimanic figures, gathered within it into clouds; and in what forms as the flooding light above the cloud, the Luciferic figures striving downward—then you have drawn the Ahrimanic and the Luciferic into nature.
[ 44 ] Und dann werden Sie auch begreifen, daß Zeiten, in denen man ein Gefühl hatte für dasjenige, was jenseits der Schwelle liegt, für das, was webt und lebt in der Leuchte-Wolke, was lebt und webt in dem sich aufballenden Nebel, daß in diesen Zeiten zum Beispiel die Maler in einer ganz anderen Lage waren als später. Da trug für sie auch das, was sie als das Geistige kannten, die Farbe, damit diese Farbe hinkam an ihre rechte Stelle auf die Leinwand. Der Dichter konnte sagen, indem er sich bewußt war, daß die Göttlichkeit, die Geistigkeit in ihm sprach: «Singe, o Muse, vom Zorn des Peleiden Achilles» oder: «Singe mir, 0 Muse, vom Manne, dem Vielgereisten»; so beginnen die Homerischen Dichtungen. Klopstock hat dann, da damals nicht mehr rege war der Sinn für das Göttlich-Geistige, an die Stelle gesetzt: «Singe, unsterbliche Seele, dersündigen Menschen Erlösung»; ich habe das öfter besprochen. So wie das der Dichter in alten Zeiten gesagt hatte — er konnte das in Worte kleiden und seine Dichtungen damit beginnen —, so hätten aber auch die alten Maler, selbst noch diejenigen der Leonardo- und Raffael-Zeit sagen können und haben es auch empfunden in ihrer Art: Male mir, o Muse, male mir, o göttliche Kraft, trage mir die Hände, trage mir die Seele in die Hände, damit du in meinen Händen den Pinsel führen kannst.
[ 44 ] And then you will also understand that in times when people had a sense of what lies beyond the threshold—of what weaves and lives in the luminous cloud, of what lives and weaves in the billowing mist—that in those times, for example, painters were in a completely different situation than they were later. Back then, even what they knew as the spiritual—color—played a role for them, so that this color might find its rightful place on the canvas. The poet could say, knowing that the divine, the spiritual, spoke within him: “Sing, O Muse, of the wrath of Peleus’ son Achilles” or: “Sing to me, O Muse, of the man who traveled far and wide”; thus begin the Homeric epics. Klopstock, then, since the sense for the divine-spiritual was no longer active at that time, substituted: “Sing, immortal soul, of the redemption of sinful mankind”; I have discussed this often. Just as the poets of old had said—they were able to put it into words and begin their poems with it—so too could the old painters, even those of the time of Leonardo and Raphael, have said, and indeed they felt it in their own way: Paint for me, O Muse, paint for me, O divine power, place my hands in your care, place my soul in my hands, so that you may guide the brush in my hands.
[ 45 ] Es handelt sich wirklich darum, daß man dieses Verbundensein des Menschen mit dem Geistigen in allen Lebenslagen begreift, und am meisten eben in den wichtigsten Lebenslagen.
[ 45 ] It is truly a matter of understanding this connection between human beings and the spiritual realm in all situations in life, and most of all in the most important ones.
[ 46 ] Das halten wir also fest, daß wir auf der einen Seite in der Vererbung und Anpassung das Menschliche selbst an das Ahrimanische und Luziferische heranbringen, daß wir aber auch in einem Durchschauen der Natur das Luziferische und Ahrimanische an die äußere Natur heranbringen können. Dann fahren wir morgen in unseren Betrachtungen von diesem Gesichtspunkte aus fort.
[ 46 ] Let us therefore note that, on the one hand, through heredity and adaptation, we bring the human aspect itself into contact with the Ahrimanic and Luciferic forces; but that, on the other hand, through a deeper understanding of nature, we can also bring the Luciferic and Ahrimanic forces into contact with the external natural world. We will then continue our reflections tomorrow from this perspective.
