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The Rudolf Steiner Archive

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The Composition of the Mysteries
GA 232

25 November 1923, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich sprach Ihnen davon, wie der Mensch in seinem Leben demjenigen unterliegt, was man gewohnt ist von naturwissenschaftlicher Seite her Vererbung zu nennen. Ich sprach Ihnen ferner davon, wie der Mensch den Wirkungen der Außehwelt, der Anpassung an die Außenwelt unterliegt, und wie alles, was in der Vererbung beschlossen ist, mit dem Ahrimanischen zusammenhängt und das, was Anpassung an die äuBere Welt im weitesten Sinne ist, mit dem Luziferischen. Ich sagte Ihnen aber auch, wie im Weltenall, das heißt innerhalb der geistigen Wesenhaftigkeiten, die dem Weltenall zugrunde liegen, dafür gesorgt ist, daß in richtiger Art das Luziferische und das Ahrimanische sich einreihen können in das menschliche Leben. Fügen wir zu dem, was gesagt worden ist, noch einiges heute hinzu, indem wir das vorgestern Auseinandergesetzte noch einmal ins Auge fassen.

[ 1 ] I spoke to you about how human beings, in the course of their lives, are subject to what is commonly referred to in the natural sciences as heredity. I also spoke to you about how human beings are subject to the influences of the external world—that is, to adaptation to the external world—and how everything determined by heredity is connected to the Ahrimanic, while what constitutes adaptation to the external world in the broadest sense is connected to the Luciferic. But I also told you how, within the universe—that is, within the spiritual essences that underlie the universe—provisions have been made to ensure that the Luciferic and the Ahrimanic can be properly integrated into human life. Let us add a few more points today to what has already been said by revisiting the discussion from the day before yesterday.

[ 2 ] Wir haben daran gedacht, wie die Erinnerung, alles GedächtnismäBige, als ein innerlich Seelisches den Menschen gestaltet. Wir sind ja als seelisches Wesen wirklich viel mehr, als wir denken, von unseren Erinnerungen gebildet. Die Art und Weise, wie unsere Erlebnisse Erinnerungen geworden sind, das hat eigentlich unsere Seele gestaltet; mehr als man denkt, ist man ein Ergebnis des Erinnerungslebens. Und wer nur einigermaßen Selbstbeobachtung so weit üben kann, daß er auf das Erinnerungsleben einzugehen vermag, der wird sehen, eine wie große Rolle durch das ganze Erdenleben hindurch namentlich die Eindrücke der Kindheit spielen. Die Art und Weise, wie wir gerade diejenige Kindheit verbracht haben, die dann gar keine große Rolle im bewußten Leben spielt, die Zeit, während welcher wir sprechen gelernt haben, gehen gelernt haben, während welcher wir die ersten Zähne, die vererbten Zähne bekommen haben, die Eindrücke während all dieser Entwickelungsmomente, die spielen durch das ganze Erdenleben hindurch eine große Rolle im menschlichen Seelenleben. Und manches von dem, was, ich möchte sagen charakterologisch betont, innerlich aufstößt an Gedanken, die mit Erinnerungen zusammenhängen — und alles, was wir nicht gerade unter äußeren Eindrücken in unseren Gedanken fassen, hängt ja mit Erinnerungen zusammen — alles, was in dieser Weise aufstößt, uns innerlich freudig, uns innerlich schmerzlich berührt, — es sind ja gewöhnlich leise Nuancen von Freude und Schmerz, die da begleiten die frei aufsteigenden Gedanken — all das, was an Erinnerungsleben in uns ist, das trägt ja unser astralischer Leib auch mit hinaus, wenn wir in den Schlafzustand übergehen. Und wenn man nun mit imaginativem Schauen den Menschen als seelisch-geistiges Wesen im Schlafe ins Auge faßt, so stellt sich ja die Sache in der folgenden Art dar. Da kann man schon sagen: Wenn Sie, schematisch gezeichnet, das als die menschliche Haut auffassen und sich vorstellen, daß innerhalb der menschlichen Haut der Ätherleib bleibt beim Schlafen und der physische Leib, und außerhalb der astralische Leib zunächst ist — das Ich werde ich später dazu zeichnen — und man beobachtet das gewissermaßen, indem man sich ihm gegenüberstellt, dann sieht man den astralischen Leib eigentlich aus den Erinnerungen bestehend. Nur sieht man, wie diese Erinnerungen, die im astralischen Leib da außerhalb des Menschen leben, durcheinander gewirbelt werden, möchte ich sagen. Es werden Erlebnisse, die der Zeit nach weit auseinanderliegen, die dem Raume nach weit auseinanderliegen, zusammengestellt; aus gewissen Erlebnissen wird manches ausgeschieden, so daß das ganze Erinnerungsleben während des Schlafes umgestaltet wird. Und wenn dann der Mensch träumt, so träumt er eben dadurch, daß ihm dieses umgewandelte Erinnerungsleben vor das Bewußtsein tritt. Und gerade an der Beschaffenheit des Traumes kann man jenes Durcheinanderwirbeln wahrnehmen, innerlich wahrnehmen, was von außen gesehen die imaginative Clairevoyance anschauen kann.

[ 2 ] We have reflected on how memory—and everything related to it—shapes human beings as an inner, spiritual reality. As spiritual beings, we are, in fact, shaped by our memories far more than we realize. The way in which our experiences have become memories has, in fact, shaped our soul; we are, more than we realize, a product of our life of memory. And anyone who can practice self-observation to even a moderate degree—enough to delve into their life of memory—will see what a major role childhood impressions, in particular, play throughout our entire earthly life. The way in which we spent precisely that childhood—which then plays no major role in our conscious life—the time during which we learned to speak, learned to walk, during which we got our first teeth, our inherited teeth—the impressions during all these moments of development play a major role in the life of the human soul throughout our entire earthly existence. And much of what—I would say, in terms of character—internally surfaces as thoughts connected to memories—and everything we grasp in our thoughts that is not directly influenced by external impressions is, after all, connected to memories—everything that surfaces in this way, touching us inwardly with joy or pain, — for it is usually subtle nuances of joy and pain that accompany these freely arising thoughts — all that constitutes our life of memory is carried out by our astral body when we pass into the state of sleep. And when one now gazes upon the human being as a soul-spiritual being during sleep through imaginative vision, the situation presents itself in the following way. One might say: If you, schematically speaking, regard this as the human skin and imagine that within the human skin the etheric body and the physical body remain during sleep, and that the astral body is initially outside—I will draw the “I” later—and if you observe this, as it were, by standing opposite it, then you see that the astral body actually consists of memories. But one sees how these memories, which live in the astral body outside the human being, are, so to speak, thrown into disarray. Experiences that are far apart in time and far apart in space are brought together; certain elements are filtered out of some experiences, so that the entire life of memory is restructured during sleep. And when a person dreams, they dream precisely because this transformed life of memory comes to the forefront of their consciousness. And it is precisely in the nature of the dream that one can perceive this churning—perceive it inwardly—which, viewed from the outside, can be observed through imaginative clairvoyance.

[ 3 ] Aber dabei stellt sich noch ein anderes ein. Dasjenige, was da als Erinnerungen figuriert vom Einschlafen bis zum Aufwachen, was also den hauptsächlichsten Inhalt des menschlichen astralischen Seelenlebens ausmacht, das vereinigt sich während des Schlafes mit den Kräften, die hinter den Naturerscheinungen sind. So daß man sagen kann: Das alles, was da als astralischer Leib in den Erinnerungen lebt, geht eine Verbindung ein mit den Kräften, die hinter den Mineralien, eigentlich im Innern der Mineralien, im Innern der Pflanzen, hinter den Wolkenerscheinungen und so weiter sind.

[ 3 ] But another aspect comes into play here. What appears in our memories from the moment we fall asleep until we wake up—that is, what constitutes the main content of human astral soul life—unites during sleep with the forces that lie behind natural phenomena. So one can say: Everything that lives in these memories as the astral body enters into a connection with the forces that lie behind minerals—actually within the minerals themselves—within plants, behind cloud formations, and so on.

[ 4 ] Wer diese Tatsache durchschaut, für den ist es eigentlich, ich möchte sagen entsetzlich, wenn nun die Leute kommen und sagen: Hinter den Naturerscheinungen sind materielle Atome. Ja, mit diesen materiellen ‚Atomen vereinigen sich unsere Erinnerungen während des Schlafes nicht; aber mit dem, was wirklich hinter den Naturerscheinungen ist, mit den geistig wirksamen Kräften, vereinigen sich unsere Erinnerungen während des Schlafens; da drinnen ruhen unsere Erinnerungen während des Schlafens.

[ 4 ] For anyone who sees through this fact, it is actually—I would say—appalling when people come along and say: “Behind natural phenomena lie material atoms.” Yes, our memories do not unite with these material ‘atoms’ during sleep; but they do unite with what truly lies behind natural phenomena—with the spiritually active forces—and it is there that our memories rest during sleep.

[ 5 ] So daß wir wirklich sagen können: Unsere Seele taucht unter ins Innere der Natur mit ihren Erinnerungen während des Schlafens. Und Sie sagen nichts Unwahres, nichts Unwirkliches, meine lieben Freunde, wenn Sie folgendes aussprechen, wenn Sie aussprechen: Wenn ich einschlafe, da übergebe ich meine Erinnerungen den Mächten, die im Kristall, die in den Pflanzen, die in allen Naturerscheinungen geistig walten.

[ 5 ] So that we can truly say: Our soul plunges into the depths of nature with its memories while we sleep. And you are not saying anything untrue or unreal, my dear friends, when you say the following: When I fall asleep, I entrust my memories to the spiritual forces that reign in crystals, in plants, and in all natural phenomena.

[ 6 ] Ja, Sie können einen Spaziergang machen, am Wegesrand sehen die gelben Blüten, die blauen Blüten, das grüne Gras, die glänzende versprechende Ähre, und Sie sagen: Indem ich so während des Tages an euch vorübergehe, sehe ich euch von außen; in euer eigenes geistiges Innere werde ich versenken, während ich schlafe, meine Erinnerungen. Ihr nehmt auf dasjenige, was ich während des Lebens aus meinen Erlebnissen heraus in Erinnerungen umgewandelt habe, ihr nehmt auf diese Erinnerungen, wenn ich schlafe. — Und es ist vielleicht doch das schönste Naturgefühl, zum Rosenstrauch nicht nur ein äußerliches Verhältnis zu haben, sondern sich zu sagen: Ich liebe den Rosenstrauch besonders aus dem Grunde, weil der Rosenstrauch die Eigentümlichkeit hat — Räumliches spielt ja dabei keine Rolle, die Rose mag noch so weit entfernt sein, wir finden schon im Schlafe unseren Weg zu ihr —, weil der Rosenstrauch die besondere Eigentümlichkeit hat, gerade unsere ersten Kindheitserinnerungen aufzunehmen. Die Menschen lieben die Rose aus dem Grunde — sie wissen es nur nicht —, weil die Rosen die allerersten Kindheitserinnerungen aufnehmen.

[ 6 ] Yes, you can go for a walk; along the way you’ll see the yellow flowers, the blue flowers, the green grass, the gleaming, promising ears of grain, and you’ll say: As I pass by you like this during the day, I see you from the outside; but while I sleep, I will immerse my memories in your own spiritual inner being. You absorb what I have transformed from my experiences into memories during my life; you absorb these memories when I sleep. — And perhaps it is, after all, the most beautiful feeling of nature—not merely to have an external relationship with the rosebush, but to say to oneself: I love the rosebush especially because it has this unique quality—distance plays no role here; no matter how far away the rose may be, we find our way to it even in our sleep—because the rosebush has the special quality of holding our very first childhood memories. People love the rose for this reason—they just don’t realize it—because roses hold our very first childhood memories.

[ 7 ] Mit uns waren, während wir Kind waren, andere Menschen liebevoll; sie haben uns oftmals zum Lächeln gebracht. Das haben wir vergessen. Aber wir tragen es in unserer Gemütsstimmung in uns. Und der Rosenstrauch nimmt die Erinnerung, die wir selber vergessen haben, während des nächtlichen Schlafes in sein eigenes Inneres auf. Der Mensch ist eben mehr als er glaubt mit der natürlichen Außenwelt, das heißt mit dem Geist, der in der natürlichen Außenwelt waltet, verbunden. Und dieses Erinnern an die ersten Kindheitsjahre, das ist besonders noch dadurch höchst merkwürdig mit Bezug auf das menschliche Schlafen, weil aus den ersten Kindheitsjahren und aus den Jahren bis zum Zahnwechsel hin, bis zum siebenten Lebensjahr ungefähr, eigentlich während des Schlafes nur das Seelische aufgenommen wird. Wir haben wirklich das in uns als Menschen, daß das Geistige, das Innere der Natur von unserer Kindheit im Grunde gerade das Seelische aufnimmt. Es gilt natürlich auch anderes: jenes Seelische, das wir entwickelt haben während der ersten Kindheit, indem wir zum Beispiel grausam waren, das steckt auch in uns; das nimmt aber die Distel auf. Natürlich ist das alles vergleichsweise gesprochen. Aber es deutet auf eine bedeutsame Realität durchaus hin. Was vom Kinde nicht in das Innere der Natur aufgenommen wird, das wird uns gleich aus folgendem hervorgehen.

[ 7 ] When we were children, other people were kind to us; they often made us smile. We have forgotten that. But we carry it within us in our state of mind. And the rosebush absorbs into its very core, while we sleep at night, the memory that we ourselves have forgotten. Human beings are, in fact, more closely connected to the natural external world—that is, to the spirit that reigns in the natural external world—than they realize. And this recollection of the early years of childhood is particularly remarkable in relation to human sleep, because from the early years of childhood and through the years leading up to the loss of baby teeth—until about the age of seven—it is actually only the soul that is absorbed during sleep. We truly have this within us as human beings: that the spiritual, the inner aspect of nature, essentially absorbs only the soul during our childhood. Of course, the opposite is also true: the soul elements we developed during early childhood—for example, by being cruel—are also within us; but these are absorbed by the thistle. Naturally, all of this is relative. But it certainly points to a significant reality. What is not absorbed into the inner nature of the child will become clear to us from what follows.

[ 8 ] Sehen Sie, in den ersten sieben Lebensjahren ist eigentlich alles Körperliche vererbt. Die ersten Zähne sind ja durchaus vererbte Zähne, weil überhaupt alles Materielle, das wir in uns tragen in den ersten sieben Lebensjahren, im wesentlichen Vererbtes ist. Aber nach ungefähr sieben Lebensjahren wird ja die ganze materielle Substanz ausgestoBen, fällt ab, wird neu gebildet. Der Mensch bleibt als Form, als Geistgestalt. Sein Materielles stößt er jeweils aus; nach sieben bis acht Jahren ist alles weg, was vor sieben bis acht Jahren da war. Und so ist es, daß, wenn wir neun Jahre alt geworden sind, wir unseren ganzen Menschen erneuert haben. Wir bilden dann unseren Menschen nach den äußeren Eindrücken.

[ 8 ] You see, during the first seven years of life, virtually everything physical is inherited. The first teeth are, after all, entirely inherited teeth, because absolutely everything material that we carry within us during the first seven years of life is essentially inherited. But after about seven years of life, the entire physical substance is expelled, falls away, and is newly formed. The human being remains as a form, as a spiritual being. He expels his physical substance bit by bit; after seven to eight years, everything that was there seven to eight years ago is gone. And so it is that, by the time we have reached the age of nine, we have renewed our entire being. We then shape our being according to external impressions.

[ 9 ] Und in der Tat, es ist sehr wichtig, gerade für das Kind in den ersten Lebensepochen, daß es in die Lage kommt, seinen neuen Körper, jetzt nicht den vererbten Körper, sondern den aus dem Innern heraus gebildeten Körper, nach guten Eindrücken der Umgebung, nach einer guten Anpassung bilden zu können. Während der Körper, den das Kind hat, wenn es zur Welt kommt, davon abhängt, ob ihm die vererbten Impulse in guter oder weniger guter Weise mitgegeben werden, hängt der spätere Körper, den es an sich trägt vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahr, ganz stark von den Eindrücken ab, die das Kind aus seiner Umgebung aufnimmt. Jeweils nach sieben Jahren bilden wir unseren Körper neu.

[ 9 ] And indeed, it is very important—especially for the child in the early stages of life—that it be able to shape its new body—not the body inherited from its parents, but the body formed from within—based on positive impressions from the environment and through successful adaptation. While the body a child has at birth depends on whether the inherited impulses are passed on in a positive or less positive way, the body the child carries from the seventh to the fourteenth year of life depends very strongly on the impressions the child absorbs from its surroundings. Every seven years, we reshape our bodies.

[ 10 ] Ja, aber sehen Sie, das ist das Ich, das da bildet. Wenn auch das Ich noch nicht einmal für die Außenwelt geboren ist beim Kinde mit dem siebenten Jahre — es wird ja erst später geboren —, so wirkt es dennoch, denn es ist natürlich verbunden mit dem Körper, und es ist das Ich, das da bildet. Und es bildet dasjenige, wovon ich gesprochen habe; es bildet das, was dann als Physiognomie und als Geste, als die äußere materielle Offenbarung des Seelisch-Geistigen beim Menschen herauskommt. Es ist ja überhaupt so, daß derjenige Mensch, der regsamen Anteil an der Welt hat, der sich für vieles interessiert, und dieses, woran er regsamen Anteil hat, innerlich auch regsam verarbeitet, daß ein solcher Mensch in seinem äußeren Gesichtsausdrucke, in seinen Gesten materiell wieder das offenbart, was er da mit Interesse aufnimmt, was er mit Interesse innerlich verarbeitet. Bei dem Menschen, der regsamstes Interesse an der Außenwelt hat, der regsam dieses Interesse an der Außenwelt innerlich verarbeitet, bei dem wird man an jeder Runzel im Gesichte im späteren Lebensalter sehen, wie er sich diese selbst geformt hat, und man wird viel lesen können, weil das Ich in der Geste, in der Physiognomie, im Ausdruck zum Vorscheine kommt. Bei einem Menschen, der blasiert oder interessenlos an der Außenwelt vorbeigeht, bei dem bleibt das ganze Leben hindurch das Gesicht mit demselben Ausdruck. Es prägen sich nicht die feineren Erlebnisse in Physiognomie und Geste ein. In manchem Gesichte kann man eine ganze Biographie lesen; in manchem kann man nicht viel mehr lesen, als daß der Mensch einmal Kind gewesen ist, was ja nichts Besonderes ist.

[ 10 ] Yes, but you see, it is the “I” that shapes things there. Even though the “I” has not yet even been born into the outer world in a child of seven—it is, after all, born only later—it is nevertheless at work, for it is naturally connected to the body, and it is the “I” that shapes things there. And it shapes what I have been speaking of; it shapes what then emerges as physiognomy and gesture—the outward, material manifestation of the soul-spiritual in human beings. It is generally the case that a person who takes an active interest in the world, who is interested in many things, and who also actively processes internally what he or she is interested in—such a person reveals in his or her outward facial expressions and gestures, in a material way, what he or she takes in with interest and what he or she processes internally with interest. In a person who takes the most active interest in the external world and who actively processes this interest internally, one will see in every wrinkle on their face in later life how they have shaped it themselves, and one will be able to read a great deal from it, because the “I” manifests itself in gesture, in physiognomy, and in expression. In a person who passes by the outside world with indifference or a lack of interest, the face retains the same expression throughout their entire life. The finer experiences are not imprinted on their physiognomy and gestures. In some faces, one can read an entire biography; in others, one can read little more than that the person was once a child—which is, of course, nothing special.

[ 11 ] Das bedeutet aber außerordentlich viel, daß der Mensch also durch den Austausch des Materiellen nach jeweils sieben bis acht Jahren aus seiner Form heraus sein Aussehen erarbeitet. Das bedeutet sehr viel, dieses Arbeiten des Menschen an seinem Äußeren, an Physiognomie und Geste; das ist wiederum etwas, was der Mensch im Schlafe hineinträgt ins Innere der Natur.

[ 11 ] But it is extraordinarily significant that human beings, through the renewal of their physical form every seven to eight years, shape their appearance. This work that human beings do on their outward appearance, their physiognomy, and their gestures is very significant; it is, in turn, something that human beings carry into the inner realm of nature while they sleep.

[ 12 ] Und wiederum, wenn man mit imaginativem Hellsehen hinschaut auf den Menschen und nun das Ich betrachtet, wie es draußen schlafend ist, so ist dieses Ich eigentlich bestehend aus Physiognomie und Geste. Es ist daher gerade bei denjenigen Menschen, die viel von ihrem Inneren in ihren Gesichtsausdruck oder in ihre Geste zu legen vermögen, ein glänzendes, ein strahlendes Ich da. Und dieses Erarbeiten der Geste, der Physiognomie verbindet sich wiederum mit gewissen Kräften im Innern der Natur. Und es ist schon so: wenn wir in der Lage waren, oftmals im Leben freundlich zu sein, liebenswürdig zu sein, dann ist die Natur geneigt, sobald das Liebenswürdigsein Gesichtsausdruck ‚geworden ist, dies während unseres Schlafes in ihr Wesenhaftes aufzunehmen. Unsere Erinnerungen nimmt sie auf in ihre Kräfte, unsere Gestenbildung nimmt sie auf in ihr Wesenhaftes, in die Naturwesen selber. So innig ist der Mensch im Zusammenhange mit der äußeren Natur, daß es für die äußere Natur eine ungeheure Bedeutung hat, was er in seinem Innern seelisch als Erinnerungen erlebt, wie er sein inneres Seelisches in Geste, in Physiognomie zum Ausdrucke bringt. Denn das lebt im Innern der Natur weiter.

[ 12 ] And again, if one looks at a person with imaginative clairvoyance and now observes the “I” as it lies dormant on the outside, this “I” actually consists of physiognomy and gesture. It is therefore precisely in those people who are able to express much of their inner being through their facial expressions or gestures that a brilliant, radiant “I” is present. And this development of gesture and facial expression, in turn, is connected to certain forces within nature. And it is indeed true: if we have been able to be friendly and kind many times in life, then nature is inclined, as soon as that kindness has “become” a facial expression, to incorporate it into its very essence while we sleep. Nature absorbs our memories into its forces; it absorbs the formation of our gestures into its very essence, into the natural beings themselves. So intimately is the human being connected with external nature that what he experiences inwardly as memories, and how he expresses his inner soul life through gesture and physiognomy, has immense significance for external nature. For this lives on within nature.

[ 13 ] Sehen Sie, ich habe im Abstrakten oftmals angeführt den Goetheschen Spruch, der eigentlich eine Kritik eines Spruches von Haller ist. Haller hat das Wort geprägt: «Ins Innre der Natur dringt kein erschaffner Geist. Glückselig, wem sie nur die äußre Schale weist.» Goethe sagt darauf: O du Philister! Ort für Ort sind wir im Innern. Nichts ist drinnen, nichts ist draußen; was drinnen ist, ist draußen, was draußen ist, ist drinnen — meint Goethe. Dich frage nur zu allermeist, ob du selbst Kern oder Schale seist. Goethe sagt, er höre diesen Ausdruck an die sechzig Jahre und fluche darauf, aber verstohlen, weil Goethe fühlte — er kannte natürlich noch nicht Geisteswissenschaft —, aber er fühlte: Wenn da irgendeiner sagt, den er nur als einen Philister anschauen konnte:

[ 13 ] You see, I have often cited in my abstracts Goethe’s saying, which is actually a critique of a saying by Haller. Haller coined the phrase: “No creative spirit penetrates into the innermost depths of nature. Blessed is he to whom she shows only the outer shell.” Goethe responds: “O you philistine! In every place, we are within. Nothing is inside, nothing is outside; what is inside is outside, what is outside is inside”—so says Goethe. “Just ask yourself, above all, whether you yourself are the core or the shell.” Goethe says he’s been hearing this expression for sixty years and curses it—but surreptitiously—because Goethe felt—he didn’t yet know spiritual science, of course—but he felt: Whenever someone says this, whom he could only regard as a philistine:

«Ins Innre der Natur ...
Dringt kein erschaffner Geist»

“Into the heart of nature...
No creative spirit penetrates”

[ 14 ] so weiß der eben nichts davon, daß der Mensch, einfach indem er ein Erinnerungswesen und ein Gesten- und Physiognomiewesen ist, fortwährend ins Innere der Natur eindringt. Wir sind nicht Wesenheiten, die nur am Tore der Natur stehen und vergebens anklopfen. Gerade durch dasjenige, was Innerstes ist in uns, stehen wir mit dem Inneren der Natur auch in innigster Beziehung. Weil aber das Kind bis zum siebenten Jahre einen ganz vererbten Körper hat, so geht nichts von dem Ich, von Geste und Physiognomie, ins Innere der Natur über. Wir beginnen erst mit dem Zahnwechsel ins Wesenhafte der Natur einzudringen. Daher werden wir auch erst nach dem Zahnwechsel reif, nach und nach über irgend etwas in der Natur nachzudenken. Vorher sind es Willkürgedanken, die im Kinde aufsteigen, die nicht viel mit der Natur zu tun haben, die reizvoll gerade dadurch sind, daß sie nicht viel mit der Natur zu tun haben. Wir kommen am besten an das Kind heran, wenn wir neben dem Kinde dichten, wenn wir die Sterne zu Augen des Himmels machen und so weiter, wenn die Dinge, die wir mit dem Kinde besprechen, möglichst weit von der äußeren physischen Wirklichkeit entfernt sind.

[ 14 ] Thus, he is simply unaware that human beings, simply by virtue of being beings of memory, gesture, and physiognomy, are constantly penetrating into the very heart of nature. We are not beings who merely stand at the gate of nature and knock in vain. It is precisely through what is most inner within us that we stand in the most intimate relationship with the innermost essence of nature. But because a child’s body is entirely inherited until the age of seven, nothing of the “I,” of gesture, or of physiognomy passes into the innermost essence of nature. It is only with the change of teeth that we begin to penetrate into the essence of nature. That is why it is only after the change of teeth that we become mature enough to gradually reflect on something in nature. Before that, the thoughts that arise in the child are arbitrary thoughts that have little to do with nature—thoughts that are appealing precisely because they have little to do with nature. We reach the child best when we compose poetry alongside the child, when we turn the stars into the eyes of the sky and so on—when the things we discuss with the child are as far removed as possible from external physical reality.

[ 15 ] Erst vom Zahnwechsel ab wächst das Kind allmählich in die Natur hinein, so daß seine Gedanken nach und nach mit den Naturgedanken zusammenfallen können; und im Grunde ist das ganze Leben vom siebenten bis vierzehnten Jahre ein solches, daß das Kind hineinwächst in die Natur; denn da trägt es außer den Erinnerungen seiner Seele in die Natur auch noch die Geste, die Physiognomie hinein. Und das geht dann so durch das ganze Leben hindurch. Für das Innere der Natur werden wir als einzelne menschliche Individualität erst mit dem Zahnwechsel geboren.

[ 15 ] It is only after the child’s teeth begin to fall out that he or she gradually grows into nature, so that his or her thoughts can little by little coincide with the thoughts of nature; and essentially, the entire period from the seventh to the fourteenth year is one in which the child grows into nature; for during this time, in addition to the memories of his or her soul, the child also brings his or her gestures and physiognomy into nature. And this continues throughout their entire life. As individual human beings, we are only truly born into the inner world of nature when our baby teeth fall out.

[ 16 ] Daher lauschen diejenigen Wesenheiten, die ich Ihnen als Elementarwesen bezeichnet habe, Gnomen und Undinen, so gerne, wenn ihnen der Mensch etwas erzählt von dem Kindesleben bis zum siebenten Jahre. Denn für diese Naturwesen wird der Mensch erst mit dem Zahnwechsel geboren. Das ist eine außerordentlich interessante Erscheinung. Vorher ist der Mensch für Gnomen und Undinen ein jenseitiges Wesen. Es ist für sie deshalb ziemlich rätselhaft, wieder Mensch da auftritt in einer gewissen Vollendung schon. Aber es würde schon ungeheuer belebend sein für die pädagogische oder pädagogisierende Phantasie, wenn der Mensch dadurch, daß er Geisteserkenntnis aufnimmt, sich wirklich versetzen könnte in diese Dialoge mit den Naturgeistern; wenn er in die Naturgeisterseele sich hineinversetzen könnte, um ihre Anschauungen zu erlangen gegenüber dem, was er ihnen erzählen kann von Kindern. Denn dadurch bildet sich gerade die schönste Märchenphantasie. Und wenn in alten Zeiten die Märchen so wunderbar konkret, inhaltsvoll geworden sind, so ist es, weil die Märchendichter mit Gnomen und Undinen reden konnten, aber nicht bloß von ihnen etwas hören konnten. Diese Naturgeister sind zuweilen sehr egoistisch. Die werden schweigsam, wenn man ihnen nicht auch etwas erzählt, worauf sie neugierig sind. Und dasjenige ist für sie die beste Erzählung, wenn man ihnen von den Taten der Babys erzählt. Dann erfährt man auch vielerlei von ihnen, was gerade in Märchenstimmung übergehen kann. Ja, sehen Sie, gerade für das praktische geistige Leben kann das außerordentlich wichtig werden, was dem Menschen heute ganz urphantastisch erscheint. Aber es ist so, daß tatsächlich diese Dialoge mit den geistigen Naturwesen durch die Umstände, die ich dargelegt habe, etwas außerordentlich Belehrendes nach beiden Seiten hin haben.

[ 16 ] That is why those beings I have described to you as elemental beings—gnomes and undines—love to listen when a human tells them about a child’s life up to the age of seven. For these nature beings, a human is not truly born until the teeth have been replaced. This is an extraordinarily interesting phenomenon. Before that, a human is a being from the other world to gnomes and undines. It is therefore quite a mystery to them when a human reappears, already in a certain state of perfection. But it would be immensely stimulating for the pedagogical or educational imagination if, by absorbing spiritual knowledge, a human being could truly put themselves in the place of these nature spirits in their dialogues; if they could put themselves in the soul of a nature spirit to gain their perspectives on what the human can tell them about children. For this is precisely how the most beautiful fairy-tale imagination takes shape. And if, in ancient times, fairy tales became so wonderfully concrete and rich in content, it is because the fairy-tale writers could speak with gnomes and undines—not merely hear something from them. These nature spirits are sometimes very self-centered. They fall silent if you don’t also tell them something that piques their curiosity. And the best story for them is when you tell them about the deeds of babies. Then you also learn all sorts of things from them that can easily take on a fairy-tale atmosphere. Yes, you see, what seems utterly fantastical to people today can actually become extraordinarily important, especially for practical spiritual life. But the fact is that, due to the circumstances I have described, these dialogues with the spiritual beings of nature are extraordinarily instructive for both sides.

[ 17 ] ‚Auf der anderen Seite aber wirkt natürlich das, was ich gesagt habe, in gewissem Sinne beängstigend, denn der Mensch schafft, wenn er schläft, fortwährend Abbilder seines innersten Wesens. Da hinter den Erscheinungen der Natur, hinter den Blumen des Feldes sind bis in die ätherische Welt herein Abdrücke von unseren guten und nichtsnutzigen Erinnerungen. Da wimmelt die Erde überall von dem, was in den Menschenseelen lebt. Und es ist schon so, daß in der Realität das menschliche Leben gar sehr mit solchen Dingen zusammenhängt.

[ 17 ] “On the other hand, however, what I have said does, of course, seem frightening in a certain sense, for when a person sleeps, they are constantly creating images of their innermost being. Behind the phenomena of nature, behind the flowers of the field, there are imprints of our good and useless memories extending all the way into the ethereal world. The earth is teeming everywhere with what lives in human souls. And it is indeed true that, in reality, human life is very much connected to such things.

[ 18 ] Wir finden also da zunächst die Naturgeister als Wesenhaftigkeiten, in die wir mit unserer Gestenwelt eindringen. Wir finden aber auch die Welt der Angeloi, Archangeloi, Archai. In diese wachsen wir ebenso hinein, in sie tauchen wir unter. Wir tauchen in die Taten der Engelwelt hinein durch unsere Erinnerungen. Wir tauchen in die Wesenhaftigkeiten der Engelwelt hinein durch unser von uns selbst geprägtes Physiognomisches und Gestenhaftes. Und es ist dieses sich Einleben im Schlafe so, daß wir sagen können: Wenn wir uns herüberleben in die Natur, dann erscheint uns das Einleben in die Natur so: Dies ist wieder die Haut unseres Körpers (es wird gezeichnet); je weiter wir hinausgehen, kommen wir immer mehr von Angeloi- in Archangeloi-, in Archai-Regionen hinein in der radialen Richtung. Da kommen wir hinein in die dritte Hierarchie.Und wenn wir da hinein schlafend mit unseren Erinnerungen und unseren Gesten untertauchen wie in das flutende Meer der webenden Wesenheiten der Angeloi, Archangeloi und Archai, wenn wir da untertauchen, dann kommt von der einen Seite eine Strömung von geistigen Wesenheiten (siehe Zeichnung). Das ist die zweite Hierarchie: Exusiai, Kyriotetes, Dynamis. Und wenn wir anklingen lassen wollen an dasjenige, was äußerlich in der Welt ist, das, was wir eben dargestellt haben, dann geht diese Strömung so, daß uns der Lauf der Sonne von Ost nach West während des Tages ausdrückt den Weg, in dem die zweite Hierarchie durchkreuzt die dritte Hierarchie. Die dritte Hierarchie: Angeloi, Archangeloi, Archai ist wie auf- und abschwebend und sich «die goldnen Eimer» reichend — auf- und abschwebend. In dieser Darstellung ist dann die zweite Hierarchie wie mit der Sonne von Osten nach Westen gehend, — jetzt ist es nicht scheinbar, denn da gilt nicht die kopernikanische Weltanschauung, sondern es ist tatsächlich von Ost nach West gehend die Strömung, welche die Sonne durchläuft während des Tages. So daß der Mensch, indem er schaut — das heißt, wenn er schauen kann — hineinwächst während des Schlafes in diese dritte Hierarchie. Aber diese dritte Hierarchie ist fortwährend gnadevoll durchströmt von der Seite her von der zweiten Hierarchie. Und diese zweite Hierarchie macht sich auch in unserem Seelenleben durchaus geltend.

[ 18 ] So there we first encounter the nature spirits as essences into which we penetrate with our world of gestures. But we also encounter the world of the angels, archangels, and archaic beings. We grow into this world as well; we immerse ourselves in it. We immerse ourselves in the deeds of the angelic world through our memories. We immerse ourselves in the essences of the angelic world through our own physiognomic and gestural expressions. And this immersion in sleep is such that we can say: When we live our way over into nature, then this immersion in nature appears to us as follows: This is once again the skin of our body (it is depicted); the further we go out, the more we enter—in a radial direction—into the regions of the angels, then the archangels, and finally the Archai. There we enter the third hierarchy. And when we submerge into it in sleep with our memories and our gestures, as into the surging sea of the weaving beings of the Angeloi, Archangeloi, and Archai—when we submerge there—then a current of spiritual beings flows in from one side (see drawing). This is the second hierarchy: Exusiai, Kyriotetes, Dynamis. And if we wish to allude to that which is outwardly in the world—that which we have just described—then this current proceeds in such a way that the sun’s course from east to west during the day expresses to us the path along which the second hierarchy intersects the third hierarchy. The third hierarchy—Angeloi, Archangeloi, Archai—is as if floating up and down, passing “the golden buckets” to one another—floating up and down. In this depiction, the second hierarchy is then seen as moving with the sun from east to west—this is not merely an illusion, for the Copernican worldview does not apply here; rather, the current through which the sun passes during the day actually flows from east to west. Thus, as the human being looks—that is, if he is able to look—he grows into this third hierarchy during sleep. But this third hierarchy is continually and graciously permeated from the side by the second hierarchy. And this second hierarchy also makes itself fully felt in our soul life.

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[ 19 ] Ich habe Ihnen vorgestern angedeutet, was es für eine Bedeutung hat, wenn wir auf in der Jugend Erlebtes wiederum zurückkommen. In dieser Beziehung können Sie eine tiefgehende Empfindung bekommen, wenn Sie die Mysterien wiederum in die Hand nehmen und da, jetzt vielleicht mit einem größeren Verständnis, als das einmal der Fall war, lesen können, was dort über die Erscheinung von Johannes Jugend dargestellt wird. Es ist schon so, daß der Mensch besonders sein Inneres regsam, intensiv wahrnehmbar für ihn selber machen kann, wenn er tätig auf sein Jugendliches zurückkommt. Ich habe Ihnen gesagt: Man nehme alte Schulbücher, in denen man einmal etwas gelernt hat oder meinetwillen auch nichts gelernt hat, wiederum zur Hand, man versetze sich in dieses Lernen oderNichtslernen hinein — es kommt ja nicht darauf an, ob man etwas gelernt hat oder nicht, sondern daß man sich in das, was man mit ihnen gemacht hat, hineinversetzt: man kann da schon eigene Erfahrungen haben. Für mich war es einmal vor ein paar Jahren von einer ungeheuren Bedeutung, mich in eine solche Situation der Jugend hineinzuversetzen, als ich eine Verstärkung der Kräfte des geistigen Erfassens brauchte. Ich war gerade elf Jahre alt und bekam ein Schulbuch. Das erste, was geschah — es ist mir zufällig passiert —, war, daß aus einer Unvorsichtigkeit das Tintenfaß umfiel und mir dabei zwei Seiten so verdorben hatte, daß ich die zwei Seiten nicht mehr lesen konnte. Das ist auch eine Tat. Diese Tat habe ich vor vielen Jahren oftmals wiedererlebt, dieses Schulbuch mit den verdorbenen Seiten, und mit all dem, was ich ausgestanden habe, denn das Schulbuch mußte aus einer armen Familie heraus wieder gekauft werden. Es war etwas Entsetzliches, was man alles an diesem Schulbuch mit seinem Riesentintenklecks — dazumal nannte man’s noch anders — alles erleben konnte! Also so etwas wieder rege machen. Wie gesagt, es handelt sich nicht darum, daß man just brav gewesen sein soll bei dem, was man wieder heraufholt, sondern daß es eben etwas ist, was intensiv erlebt worden ist. Wenn Sie versuchen, das tatsächlich mit aller inneren Intensität wiederum heraufzubekommen, dann werden Sie noch etwas anderes erleben. Sie werden mehr als im Traume, in einer wirklichen Anschauung, wenn Sie abgeschlossen von den Eindrücken des Tages in Ihrem Bette ruhen, eine Situation erleben. Während Sie bei Tag sich eine Szene, die Sie innerlich durchlebt haben, vor die Seele gerufen haben, erleben Sie, wenn die Nacht gekommen ist, wenn es um Sie herum finster ist, wenn Sie mit sich selbst sind, schauend wie im Raume die Situation, in der Sie entweder vorher oder nachher waren. Sagen wir also, Sie haben sich eine Szene vor die Seele gerufen, die Sie meinetwillen um elf Uhr einmal erlebt haben. Nachher sind Sie irgendwo hingegangen, wo Sie Menschen gegenübergesessen haben. Sie sitzen da, und die Menschen sitzen da herum. Sie haben etwas, was Sie innerlich erlebt haben, heraufgeholt. Was äußerlich dazumal um Sie herum war, tritt Ihnen dann ganz als räumliche Anschauung entgegen. Man muß nur auf solche Zusammenhänge hinschauen. Da können ganz bedeutsame Entdeckungen gemacht werden. Meinetwillen sagen wir, Sie haben als siebzehnjähriger junger Mensch jeden Mittag in einer Pension gegessen, wo die Leute gewechselt haben. Nun rufen Sie sich gerade eine Szene, die Sie innerlich erlebt haben, irgendwie herauf. Sie erleben es regsam durch. In der Nacht erleben Sie: Sie sitzen an dem Tisch, daherum sitzen diejenigen Leute, die Sie nur, weil sie wechselnd sind in einer Pension, selten gesehen haben. An einem Gesichte erkennen Sie: das ist ja dasselbe, was ich dazumal durchgemacht habe. Das äußerlich Räumliche tritt zu dem innerlich Seelischen hinzu, wenn Sie die Erinnerungen in dieser Weise tätig machen.

[ 19 ] The day before yesterday, I hinted to you at the significance of revisiting experiences from our youth. In this regard, you can gain a profound insight if you pick up the Mysteries again and, perhaps now with a greater understanding than you once had, read what is described there about the appearance of John in his youth. It is indeed true that a person can make their inner life particularly vivid and intensely perceptible to themselves when they actively revisit their youth. I have told you: Take old schoolbooks—from which you once learned something, or, for that matter, learned nothing—and pick them up again; immerse yourself in that process of learning or not learning—it doesn’t matter whether you learned something or not, but rather that you immerse yourself in what you did with them: you can already gain your own experiences there. For me, a few years ago, it was of immense importance to put myself in such a situation from my youth when I needed to strengthen my powers of intellectual comprehension. I was just eleven years old and had received a textbook. The first thing that happened—it happened by chance—was that, through carelessness, the inkwell tipped over and ruined two pages so badly that I could no longer read them. That, too, is an event. I relived that event many times over the years—that schoolbook with the ruined pages, and everything I had to endure—because the schoolbook had to be repurchased by a poor family. It was something dreadful—all the things one could go through with that schoolbook and its giant inkblot—back then they still called it something else! So, to bring something like that vividly back to life. As I said, it’s not a matter of having been particularly well-behaved in the events you’re recalling, but rather that it’s something that was experienced with great intensity. If you try to actually bring that back with all your inner intensity, then you will experience something else as well. You will experience a situation—more than in a dream, in a real vision—when you are resting in your bed, cut off from the impressions of the day. Whereas during the day you have summoned to mind a scene that you have lived through inwardly, when night has fallen, when it is dark around you, when you are alone with yourself, you will experience the situation—as if it were right there in the room—in which you were either before or after that event. So let’s say you’ve brought a scene to mind that—for the sake of argument—you once experienced at eleven o’clock. Afterward, you went somewhere where you sat across from other people. You’re sitting there, and the people are sitting around you. You’ve brought up something you’ve experienced inwardly. What was outwardly around you at that time then appears to you entirely as a spatial vision. One need only look for such connections. Very significant discoveries can be made there. For the sake of argument, let’s say that as a seventeen-year-old, you ate lunch every day at a boarding house where the guests changed frequently. Now you somehow recall a scene that you experienced inwardly. You relive it vividly. At night, you experience it: you are sitting at the table, surrounded by people whom you rarely saw simply because they were constantly changing at the boarding house. Looking at one face, you realize: this is exactly what I went through back then. The external, spatial aspect joins the inner, spiritual aspect when you actively engage with your memories in this way.

[ 20 ] Sehen Sie, das heißt aber dann tatsächlich mit dieser Strömung, die da von Ost nach West geht, leben. Denn Sie kommen immer mehr und mehr in das Gefühl hinein: Da in dem Geistigen, in das Sie eintreten im Schlafe, leben Sie nicht nur so, daß Sie im Geistigen aufgehen; sondern in diesem Geistigen, da geht dasjenige vor sich, was sich äußerlich spiegelt in dem Augenblicke, wo Sie um den Pensionstisch herum wiederum die Menschen sitzen sehen. Sie haben das längst vergessen, aber es ist da. Sie schauen hin, wie Sie auf diejenigen Dinge hinschauen, die oftmals als in der Akasha-Chronik stehend verzeichnet sind. In dem Augenblicke, wo Sie das vor sich haben, haben Sie erfaßt diese Strömung von Ost nach West: die Strömung der zweiten Hierarchie. In dieser Strömung der zweiten Hierarchie lebt etwas, was sich äußerlich im Tag abbildet.

[ 20 ] You see, that actually means living in harmony with this current that flows from east to west. For you are increasingly coming to realize: In the spiritual realm you enter during sleep, you do not merely live in such a way that you merge with the spiritual; rather, within this spiritual realm, what is taking place is reflected outwardly at the very moment when you see people sitting around the dining table once again. You have long since forgotten this, but it is there. You look at it just as you look at those things that are often recorded as being in the Akashic Records. At the very moment you have this before you, you have grasped this current flowing from East to West: the current of the Second Hierarchy. Within this current of the Second Hierarchy lives something that is reflected outwardly in the course of the day.

[ 21 ] Nun ist der Tag durch das ganze Jahr hindurch variabel. Im Frühling wird er lang, im Herbst wird er kurz, im Sommer ist er am längsten, im Winter am kürzesten. Der Tag wird metamorphosiert während des Jahres. Das rührt von einer der Ostwest-Strömung entgegenkommenden Strömung her, die von West nach Ost geht. Und das ist die Strömung der ersten Hierarchie, der Seraphime, der Cherubime und Throne. Verfolgen Sie daher, wie sich der Tag ändert im Lauf des Jahres, gehen Sie vom Tag zum Jahr über, dann, meine lieben Freunde, dann kommen Sie hinüber in dasjenige, was Ihnen während des Schlafes begegnet als die entgegengesetzte Strömung.

[ 21 ] The length of the day varies throughout the year. In spring it grows longer, in fall it grows shorter; in summer it is longest, and in winter it is shortest. The day undergoes a metamorphosis throughout the year. This stems from a current flowing from west to east, which runs counter to the east-west current. And this is the current of the first hierarchy—the Seraphim, the Cherubim, and the Thrones. Therefore, observe how the day changes over the course of the year; move from the day to the year, and then, my dear friends, you will enter into that which you encounter during sleep as the opposing current.

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[ 22 ] In der Tat, es ist schon so, daß wir schlafend hineinwachsen in die geistige Welt in radialer Richtung, in der Richtung, die von West nach Ost geht, und in der Richtung, die von Ost nach West geht. Wie ich Ihnen gesagt habe, es werden räumliche Bilder vor unsere Seele hingestellt, wenn wir in regsamer Erinnerung etwas vor unsere Seele hinftreten lassen].

[ 22 ] Indeed, it is true that while we sleep, we grow into the spiritual world in a radial direction—in the direction that runs from west to east, and in the direction that runs from east to west. As I have told you, spatial images are presented to our soul when we allow something to step before our soul in active remembrance].

[ 23 ] So ist es aber auch, wenn wir uns unseres Willens bewußt werden. Das ist gerade das, was in die Geste, in die Physiognomie hineingeht: wenn wir uns unseres Willens bewußt werden. Besonders für Eurythmisierende müßte dasjenige, was ich jetzt sage, eine gewisse Bedeutung haben, obwohl die Eurythmie natürlich nicht die Absicht hat, das zur Geltung zu bringen, was ich jetzt sagen will. Es ist so, daß der Mensch, wenn er wirklich aus dem Innern heraus auch sein Äußeres immer mehr und mehr gestaltet, wenn sein Ich immer mehr und mehr zum Ausdrucke kommt in Physiognomie und Geste, dann bekommt er nicht nur vom Tag einen Eindruck. Denn das ist ein Eindruck vom Tag: vom inneren Erleben, vom regsamen inneren Erinnerungsleben überzugehen zu der Anschauung der räumlich äußerlichen Dinge. Man erlebt, was man mit siebzehn Jahren gelernt hat, wiederum, und man sieht dann die Leute, die in der Pension um einen herumgesessen sind, im Nachbilde wie in der Akasha-Chronik. Das ist Tag-Erleben!

[ 23 ] But this is also true when we become aware of our will. That is precisely what is expressed in gesture and facial expression: when we become aware of our will. What I am about to say should be of particular significance to eurythmists, even though eurythmy, of course, does not intend to emphasize what I am about to say. The fact is that when a person truly shapes their outer appearance more and more from within—when their “I” finds increasing expression in facial features and gestures—they do not merely receive an impression of the day. For this is an impression of the day: the transition from inner experience, from an active inner life of memory, to the perception of external, spatial things. One relives what one learned at the age of seventeen, and then one sees the people who sat around one in boarding school, in a afterimage as in the Akashic Records. That is daytime experience!

[ 24 ] ‚Aber man kann auch das Jahr erleben. Und zwar ist das dann möglich, wenn man achtgibt darauf, wie der Wille an einem wirkt; wenn man achtgibt darauf, wie man es verhältnismäßig leicht hat, den Willen zur Geltung zu bringen, wenn man es recht warm hat, während es schwer wird — einem feineren Aufpassen auf sich selber wird das schon klar —, seinen Willen durch den Körper strömen zu lassen, wenn man friert. Wer so recht einen Zusammenhang zwischen dem Willen und dem Warmhaben und Frieren innerlich erleben kann, der bekommt allmählich, wenn so etwas ausgebildet ist, die Möglichkeit, bei sich zu sprechen von einem Winterwillen und einem Sommerwillen.

[ 24 ] “But one can also experience the year. And this is possible when one pays attention to how the will affects one; when one pays attention to how relatively easy it is to assert one’s will when one is quite warm, whereas it becomes difficult—as one will realize upon closer self-observation—to let one’s will flow through the body when one is cold. Anyone who can truly experience this inner connection between the will and feeling warm or cold will gradually, once this ability has been developed, be able to speak of a “winter will” and a “summer will” within themselves.

[ 25 ] Man findet nämlich, daß man am besten die Bezeichnung dieses Willens von den Jahreszeiten hernimmt. Achten wir zum Beispiel auf einen Willen, der einem gewissermaßen die Gedanken hinausträgt ins Weltenall, der es einem leicht macht, seinen Körper zu handhaben, so daß in der Handhabe, in der Geste des Körpers die Gedanken wie hinausgetragen werden in das Weltenall ... sie entschlüpfen einem aus den Fingerspitzen: man fühlt förmlich, wie man es leicht hat, den Willen zu entfalten. Man steht einem Baum gegenüber, es gefällt einem etwas besonders da oben: es werden, wenn der Wille in uns warm wird, die Gedanken bis an den Gipfel des Baumes hinaufgetragen — ja, manchmal gehen sie bis zu den Sternen, wenn man sich so recht in Sommernächten zugleich begabt findet mit warmem Willen.

[ 25 ] In fact, it is generally agreed that the best way to describe this will is by reference to the seasons. Let us consider, for example, a will that, so to speak, carries one’s thoughts out into the universe, that makes it easy to control one’s body, so that in the control, in the gesture of the body, the thoughts are as if carried out into the universe... they slip from one’s fingertips: one literally feels how easy it is to unfold the will. You stand facing a tree; something up there particularly appeals to you: as the will within us warms, our thoughts are carried all the way up to the treetop—yes, sometimes they reach as far as the stars, when on summer nights you find yourself truly endowed with a warm will.

[ 26 ] Wenn der Wille innerlich erkaltet, dann ist es so, als ob alle Gedanken nur in unserem Kopfe getragen würden, als ob alle Gedanken nicht in die Arme könnten, nicht in die Beine könnten. Alles geht in den Kopf. Der Kopf erträgt die Willenskälte, und wenn die Willenskälte nicht überwältigend wirkt, so daß ein frostiges Gefühl eintritt, dann wird der Kopf warm durch seine innere Gegenwirkung, und er entfaltet dann Gedanken.

[ 26 ] When the will grows cold within, it is as if all thoughts were confined to our minds, as if they could not reach our arms or our legs. Everything goes into the head. The head endures the coldness of the will, and if that coldness does not have an overwhelming effect—so that a frosty feeling sets in—then the head warms up through its inner counteraction, and it then gives rise to thoughts.

[ 27 ] So daß man sagen kann: der Sommerwille führt uns hinaus in die Weiten der Welt. Der Sommerwille, der warme Wille trägt überallhin unsere Gedanken. Der Winterwille, der trägt die Gedanken in unseren Kopf, in unser Haupt herein. Man kann seinen Willen so unterscheiden. Und man wird dann den einen Willen, der uns überall hinträgt ins Weltenall, den wird man fühlen als verwandt mit dem Verlauf des Sommers; den Willen, der die Gedanken in unseren Kopf hineinträgt, den wird man fühlen als verwandt mit dem Winter. Man erlebt so, wie man sonst den Tag erlebt, so an dem Willen das Jahr.

[ 27 ] So one can say: the will of summer leads us out into the vastness of the world. The will of summer, that warm will, carries our thoughts everywhere. The will of winter, on the other hand, draws our thoughts into our heads, into our minds. One can distinguish between these two wills in this way. And one will then feel that the one will, which carries us everywhere into the universe, is akin to the course of summer; the will that carries our thoughts into our heads will be felt as akin to winter. Just as one otherwise experiences the day, so does one experience the year through the will.

[ 28 ] Und sehen Sie, es gibt eine Möglichkeit, das, was ich Ihnen jetzt auf die Tafel schreiben werde, tatsächlich als Realität zu empfinden. Man kann, wenn man den Winter im Erlebnis des menschlichen Willens erlebt, ihn so erleben, daß man sagt:

[ 28 ] And you see, there is a way to actually experience what I am about to write on the board as reality. When one experiences winter through the lens of human will, one can experience it in such a way that one says:

O Welten-Bilder,
Ihr schwebet heran
Aus Raumesweiten.
Ihr strebet nach mir,
Ihr dringet ein
In meines Hauptes
Denkende Kräfte.

O images of the worlds,
You float toward me
From the vastness of space.
You reach out to me,
You penetrate
The thinking powers
Of my mind.

[ 29 ] Sehen Sie, das ist aber nicht bloß abstrakt, sondern der Mensch kann es dahin bringen, wenn er seinen eigenen Willen mit der Natur verbunden fühlt, so zu fühlen, wenn der Winter kommt, als wenn ihm aus dem Raum wiederum zugetragen würde, was in ihm selber Erlebnisse sind, die er erst der Natur übergeben hat. Und man kann auf den Wellen, die hier angedeutet werden:

[ 29 ] You see, this is not merely abstract; rather, when a person feels their own will connected to nature, they can come to feel—when winter arrives—as if what is being conveyed to them from the cosmos were, in fact, experiences that originated within themselves and which they had first entrusted to nature. And one can, on the waves hinted at here:

O Welten-Bilder,
Ihr schwebet heran
Aus Raumesweiten.
Ihr strebet nach mir,
Ihr dringet ein
In meines Hauptes
Denkende Kräfte —

O images of the worlds,
You float toward me
From the vastness of space.
You reach out to me,
You penetrate
The thinking powers
Of my mind —

[ 30 ] man kann da seine eigenen Erlebnisse, die schon in die Natur übergegangen waren, dabei empfinden. Das ist die Empfindung des Winterwillens.

[ 30 ] One can sense one’s own experiences there—experiences that have already become part of nature. That is the sensation of the winter will.

[ 31 ] Aber man kann auch den Sommerwillen, der unsere Gedanken hinausweitet in das Weltenall, empfinden:

[ 31 ] But one can also feel that summer spirit that expands our thoughts out into the vastness of the universe:

Ihr meines Hauptes
Bildende Seelenkräfte,
Ihr erfüllet mein Eigensein,

You, my head
Creative powers of the soul,
You fill my very being,

[ 32 ] das heißt, die Gedanken, die zuerst im Haupte erlebt werden, gehen in den ganzen Körper über, erfüllen zunächst den Körper, dann aber dringen sie aus dem Körper hinaus —

[ 32 ] that is, the thoughts that are first experienced in the head spread throughout the entire body, initially filling the body, but then they extend beyond the body —

Ihr dringet aus meinem Wesen
In die Weltenweiten,
Und einigt mich selbst
Mit Weltenschaffensmächten.

You surge forth from my being
Into the vastness of the worlds,
And unite me
With the creative powers of the worlds.

[ 33 ] Das ist dasjenige, was der Soemmerwille, der dem Sommer verwandte Wille in uns, uns als sein Wesen ausdrücken läßt, so daß wir sagen können: Wenn wir empfinden, ich habe aus meinem Innern hervorgeholt das tätige Erinnern an irgend etwas lange Verlebtes — der Tag mit seiner Nacht bringt es mir wieder entgegen, indem er es ergänzt durch die äußere Raumesanschauung. Und das entspricht der Strömung von Ost nach West. So dürfen wir sagen: In uns wandelt sich Winterwille in Sommerwillen, Soemmerwille in Winterwillen. Wir sind verwandt nicht mehr dem Tag mit seinem Wechsel von Helligkeit und Finsternis, wir sind verwandt dem Jahr mit unserem Willen, dadurch der Strömung von West nach Ost der ersten Hierarchie: den Seraphimen, Cherubimen und Thronen.

[ 33 ] This is what the “summer will”—the will within us that is akin to summer—allows us to express as its very essence, so that we can say: When we feel that we have drawn from within ourselves the active memory of something long past—the day, with its night, brings it back to us by supplementing it with the external perception of space. And this corresponds to the flow from east to west. Thus we may say: Within us, winter will transforms into summer will, and summer will into winter will. We are no longer related to the day with its alternation of light and darkness; we are related to the year through our will, and thereby to the flow from west to east of the first hierarchy: the Seraphim, Cherubim, and Thrones.

[ 34 ] Wir werden nun im weiteren sehen, wie der Mensch gehindert oder gefördert werden kann durch Vererbung und äußere Anpassung in bezug auf dieses Zusammengehen mit dem Inneren der Natur. Denn dasjenige, was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe, das bezieht sich darauf, daß der Mensch, wenn er möglichst wenig gehindert ist durch luziferische und ahrimanische Kräfte, in dieser Art, mit Vorstellung und Wille, hineinwächst ins Innere der Natur, aufgenommen wird von den Zeitenkräften, den Tagkräften, den Jahreskräften: dritte Hierarchie, zweite Hierarchie, erste Hierarchie. Aber einen wesentlichen Einfluß auf all das haben die ahrimanischen Kräfte, wie sie in der Vererbung auftreten, und die luziferischen Kräfte, wie sie in der Anpassung auftreten. Diese große Rätselfrage, die soll uns dann das nächste Mal beschäftigen.

[ 34 ] We will now see how human beings can be hindered or aided by heredity and external adaptation in relation to this union with the inner essence of nature. For what I have just explained to you relates to the fact that when human beings are hindered as little as possible by Luciferic and Ahrimanic forces, they grow into the innermost essence of nature through imagination and will, and are taken up by the forces of the times, the forces of the day, and the forces of the year: the third hierarchy, the second hierarchy, and the first hierarchy. But the Ahrimanic forces, as they manifest in heredity, and the Luciferic forces, as they manifest in adaptation, exert a significant influence on all of this. We shall then address this great enigma next time.

Winterwille:
O Welten-Bilder,
Ihr schwebet heran
Aus Raumesweiten.
Ihr strebet nach mir,
Ihr dringet ein
In meines Hauptes
Denkende Kräfte.
Sommerwille:
Ihr meines Hauptes
Bildende Seelenkräfte,
Ihr erfüllet mein Eigensein,
Ihr dringet aus meinem Wesen
In die Weltenweiten,
Und einigt mich selbst
Mit Weltenschaffensmächten.
Winterwille:
O images of the world,
You float toward me
From the vastness of space.
You reach out toward me,
You penetrate
The thinking powers
Of my mind.
Summer Will:
You, the creative forces of my soul

You fill my very being,
You flow forth from my essence
Into the vastness of the worlds,
And unite me
With the creative powers of the worlds.