The Composition of the Mysteries
GA 232
7 December 1923, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Composition of the Mysteries, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Das letzte Mal mußte ich Ihnen sprechen von den ephesischen Mysterien der Artemis, um Sie aufmerksam zu machen auf gewisse Zusammenhänge zwischen dem, was sich im Laufe der Menschheitsentwickelung als Erkenntnis ergeben hat, und demjenigen, was heute wiederum gefunden werden kann durch den Einblick, durch das Schauen in die geistige Welt. Heute möchte ich, um manches, was mit den angeschlagenen Themen zusammengehört, aufzubauen, von einer anderen Mysterienstätte sprechen, die auch im Ausgangspunkte des neueren Geisteslebens in einer gewissen Weise dadurch steht, daß sie diese neuere Geistesbewegung impulsiert hat, aber doch wiederum noch manches herübergenommen hat aus älteren Geistesbewegungen, in denen noch die Urweisheit der Menschen verankert war. Ich möchte Ihnen heute sprechen von jener Mysterienstätte und ihren tonangebenden Impulsen, die einmal bestanden hat auf der irischen Insel, in Irland, auf die auch hingedeutet ist in meinen Mysterien: von der Mysterienstätte Hyberniens.
[ 1 ] Last time I had to speak to you about the Ephesian Mysteries of Artemis in order to draw your attention to certain connections between what has emerged as knowledge in the course of human development and what can be rediscovered today through insight, through gazing into the spiritual world. Today, in order to build upon some of the themes we have touched upon, I would like to speak of another site of mystery that also stands, in a certain sense, at the starting point of modern spiritual life—in that it gave impetus to this newer spiritual movement—yet at the same time drew upon many elements from earlier spiritual movements in which the primordial wisdom of humanity was still rooted. Today I would like to speak to you about that place of mystery and its defining impulses, which once existed on the island of Ireland—a place to which I also allude in my Mysteries: the place of mystery known as Hybernia.
[ 2 ] Es ist verhältnismäßig viel schwieriger, aus dem, was ich öfter vor Ihnen in meinen Schriften die Akasha-Chronik genannt habe, heranzukommen gerade an die alte Mysterienstätte Hyberniens, der vielgeprüften Insel im Westen von England; es ist verhältnismäßig viel schwerer, im nachträglichen Schauen heranzukommen an die Bilder, die in der ewigen Chronik davon geblieben sind, als an andere Mystetienstätten. Denn man bekommt eigentlich, wenn man sich nähern will anschaulich gerade dieser Mysterienstätte, den Eindruck, daß die Bilder dieser Mysterienstätte mit außerordentlich starken Abstoßungskräften versehen sind, die einen zurückstoßen, und die sogar auch dann, wenn man, ich möchte sagen mit einem gewissen Mut an solche Dinge herangeht, durch den Mut nicht so stark zu dämpfen sind, wie das in anderen dergleichen Fällen ist, sondern die auch einem mutvollen Schauen Widerstand entgegensetzen, der sich äußert, ich möchte sagen sogar bis in eine Art Betäubung herein. So daß man nur mit Hindernissen des Erkennens herankommen kann an das, was ich nun beschreiben will. Sie werden in den nächsten Tagen sehen, warum solche Hindernisse des Erkennens gerade da bestehen.
[ 2 ] It is relatively much more difficult to gain access, through what I have often referred to in my writings as the Akashic Records, specifically to the ancient mystery site of Hybernia, the much-tried island to the west of England; it is relatively much harder, in retrospect, to access the images that have been preserved in the eternal chronicle of this place than those of other mystery sites. For when one seeks to approach this particular mystery site more closely, one actually gets the impression that the images of this mystery site are imbued with extraordinarily strong repulsive forces that push one back—and that even when one, I might say, approach such things with a certain courage, these forces cannot be mitigated as strongly by that courage as is the case in other similar instances, but rather they also oppose even a courageous gaze, manifesting themselves—I might even say—to the point of a kind of numbness. So that one can only approach what I now wish to describe by overcoming obstacles to knowledge. In the coming days, you will see why such obstacles to cognition exist precisely there.
[ 3 ] Es gab natürlich auch in dieser Mysterienstätte einweihende Initiierte, die das alte Urwissen der Menschheit herübergenommen hatten, und die bis zu einem gewissen Grade, angeregt und impulsiert durch dieses Urwissen, zu einer Art eigenem Schauen hingelangen konnten. Und es gab Schüler, Einzuweihende, welche gerade in der besonderen Art, die dort gepflegt wurde, sozusagen an das Weltenwort herangebracht werden sollten. Nun, wenn man auf die Vorbereitung hinschaut, die zunächst den dort in Hybernia Einzuweihenden zugekommen ist, so bestand diese Vorbereitung in zwei Dingen. Das erste war, daß diese Vorzubereitenden an alle Schwierigkeiten des Erkennens überhaupt seelisch herangeführt wurden. Alles, was, ich möchte sagen Qual des Erkenntnisweges sein kann, jenes Erkenntnisweges, der noch nicht in die Tiefe des Daseins hineingeht, sondern der einfach darin besteht, daß man die gewöhnlichen Seelenkräfte, die man im alltäglichen Bewußtsein hat, so stark anstrengt, als nur irgend möglich ist: die Schwierigkeiten, die sich auf diesem Erkenntniswege des gewöhnlichen Bewußtseinsergeben, die wurden diesen Schülern seclischnahegebracht. Sie mußten alle die Zweifel, alle die Plagen, all das innere Ringen und das oftmalige Scheitern dieses inneren Ringens, das Enttäuschtwerden durch, sagen wir, eine wenn auch noch so gute Logik und Dialektik, das alles mußten sie durchmachen. Sie mußten durchmachen alles, was man an Schwierigkeiten empfindet, wenn man nun schon wirklich einmal eine Erkenntnis errungen hat und diese dann aussprechen will.
[ 3 ] Of course, there were also initiates at this place of mystery who had preserved humanity’s ancient primordial knowledge and who, to a certain extent—inspired and impelled by this primordial knowledge—were able to attain a kind of vision of their own. And there were students, those to be initiated, who were to be brought, so to speak, into contact with the Word of the Worlds precisely through the special method practiced there. Now, if one looks at the preparation that was initially given to those to be initiated there in Hybernia, this preparation consisted of two things. The first was that those being prepared were introduced, on a soul level, to all the difficulties of knowledge in general. Everything that might be described as the torment of the path of knowledge—that path of knowledge which does not yet penetrate into the depths of existence, but which simply consists in exerting the ordinary soul forces one possesses in everyday consciousness as intensely as is at all possible: the difficulties that arise on this path of knowledge within ordinary consciousness—these were brought close to these students’ souls. They had to go through all the doubts, all the torments, all the inner struggle, and the frequent failure of that inner struggle; the disappointment caused by, let us say, even the best logic and dialectic—they had to go through all of that. They had to endure all the difficulties one experiences when one has truly attained insight and then wishes to express it.
[ 4 ] Sie werden fühlen, meine lieben Freunde, das ist durchaus zweierlei: eine Wahrheit errungen haben und sie auszusprechen, zu formulieren. Man hat ja, wenn man in ernster Weise seinen Erkenntnisweg geht, immer das Gefühl, daß dasjenige, was man in die Worte drängen kann, eigentlich schon etwas nicht mehr ganz Wahres ist, etwas die Wahrheit mit allen möglichen Klippen und Fallen Einfassendes ist.
[ 4 ] You will feel, my dear friends, that these are two entirely different things: having attained a truth and then expressing it, putting it into words. After all, when one seriously pursues the path of knowledge, one always has the feeling that what one can squeeze into words is, in fact, no longer quite the whole truth—something that frames the truth with all manner of pitfalls and traps.
[ 5 ] All das, was man da durchmachen kann, was eben nur derjenige kennt, der wirklich das Ringen nach Erkenntnis geübt hat, all das wurde diesen Schülern nahegebracht.
[ 5 ] Everything one can go through in that process—things that only those who have truly engaged in the struggle for knowledge can understand—was made clear to these students.
[ 6 ] Und dann das Zweite, was ihnen nahegebracht wurde, das war, daß sie wiederum seelisch erfuhren, wie wenig eigentlich dasjenige, was auf diesem gewöhnlichen Bewußtseinswege Erkenntnis werden kann, wie wenig das irgendwie zuletzt doch zum menschlichen Glück beitragen kann, wie wenig Logik, Dialektik, Rhetorik zum menschlichen Glück beitragen können. Auf der anderen Seite aber wurde diesen Schülern klar gemacht, daß der Mensch eben doch, wenn er sich aufrecht erhalten will im Leben, herantreten muß an dasjenige, was ihm in einer gewissen Weise Freude, Glück bringt. Und so wurden sie getrieben auf der einen Seite bis nahe an einen Abgrund, und auf der anderen Seite auch bis nahe an den anderen Abgrund und immer veranlaßt zu zweifeln, als ob sie warten sollten, bis man ihnen eine Brücke baut über jeden einzelnen Abgrund. Und sie sind schon so stark in die Zweifel und Schwierigkeiten der Erkenntnis eingeweiht worden, daß sie eigentlich dann, wenn sie übergeleitet wurden von dieser Vorbereitung zu dem wirklichen Herantreten an die Weltengeheimnisse, sogar bis zu dem Entschluß kamen: Wenn es so sein muß, dann wollen wir verzichten auf Erkenntnis, dann wollen wir verzichten auf alles das, was den Menschen nicht Glück bringen kann.
[ 6 ] And then the second thing that was brought to their attention was that they came to realize, once again on a spiritual level, just how little of what can be grasped through ordinary paths of consciousness can ultimately contribute to human happiness—how little logic, dialectics, and rhetoric can contribute to human happiness. On the other hand, however, it was made clear to these students that if a person wants to sustain themselves in life, they must turn to that which, in a certain way, brings them joy and happiness. And so they were driven, on the one hand, close to one abyss, and on the other hand, close to the other abyss, and were constantly led to doubt, as if they were to wait until a bridge were built for them across each individual abyss. And they had already been so deeply immersed in the doubts and difficulties of knowledge that, when they were led from this preparation to the actual approach to the mysteries of the world, they even came to the conclusion: “If it must be so, then let us renounce knowledge; let us renounce everything that cannot bring happiness to human beings.”
[ 7 ] Es war durchaus in diesen alten Mysterien so, daß eben die Menschen so starken Prüfungen unterworfen wurden, und daß sie tatsächlich bis zu Punkten gebracht wurden, wo sie in natürlichster, elementarster Art Gefühle entwickelten, die der gewöhnliche philiströse Verstand natürlich als unbegründet ansieht. Aber es ist leicht, zu sagen: Kein Mensch wird ja doch auf Erkenntnis verzichten wollen, selbstverständlich will man Erkenntnis haben, wenn sie auch noch so große Schwierigkeiten macht! — Das sagen eben die Leute, die diese Schwierigkeiten nicht kennen, und die nicht systematisch in diese Schwierigkeiten eingeführt worden sind wie die Schüler dieser Mysterien in Hybernia. Auf der anderen Seite sagt man wiederum leicht: man will auf das innere Glück ebenso verzichten, wie auf das äußere Glück, und nur einen Erkenntnisweg gehen. Aber dem, der die Dinge kennt, wie sie sind, dem erscheinen eben diese beiden Aussprüche, die einem so oft begegnen, als etwas durchaus Philiströses.
[ 7 ] It was certainly the case in these ancient mysteries that people were subjected to such severe trials, and that they were in fact brought to points where they developed feelings in the most natural, most elemental way—feelings that the ordinary, philistine mind naturally regards as unfounded. But it is easy to say: “After all, no one would want to do without knowledge; of course one wants knowledge, even if it causes great difficulties!” — That is precisely what people say who are unfamiliar with these difficulties and who have not been systematically introduced to them, as were the students of these mysteries in Hybernia. On the other hand, it is also easy to say: one wants to renounce inner happiness just as much as outer happiness, and to follow only the path of knowledge. But to those who know things as they are, these two statements, which one encounters so often, appear to be thoroughly philistine.
[ 8 ] Dann also, wenn die Schüler bis zu dem angedeuteten Grade vorbereitet waren, dann wurden sie geführt vor zwei kolossale Bildsäulen, vor zwei große, gewaltige, majestätische Bildsäulen. Die eine war mehr majestätisch durch ihre äußere räumliche Größe, die andere war ebenso groß, aber sie war außerdem noch eindrucksvoll durch die besondere Art, wie sie war. Die eine Bildsäule war eine männliche Gestalt, die andere Bildsäule war eine weibliche Gestalt.
[ 8 ] Then, once the students had reached the indicated level of preparation, they were led before two colossal statues—two large, imposing, majestic statues. One was more majestic due to its sheer physical size; the other was just as large, but it was also impressive because of its unique form. One statue was a male figure; the other was a female figure.
[ 9 ] An diesen Bildsäulen sollten sie erleben in ihrer Art das Herankommen des Weltenwortes. Gewissermaßen sollten ihnen diese beiden Bildsäulen die äußeren Buchstaben sein, mit denen sie beginnen sollten, das Weltengeheimnis, das sich vor den Menschen hinstellt, zu entziffern.
[ 9 ] Through these statues, they were to experience, in their own way, the coming of the Word of the World. In a sense, these two statues were to serve as the outward letters with which they were to begin deciphering the mystery of the world that stands before humanity.
[ 10 ] Die eine Bildsäule, die männliche Bildsäule, sie war aus einem ganz elastischen Material. Und sie war so, daß sie an jeder Stelle eingedrückt werden konnte. Die Schüler wurden dazu veranlaßt, an jeder Stelle sie einzudrücken. Dadurch erwies sie sich innen als hohl. Also es war im Grunde genommen nur die Haut einer Bildsäule, aber aus durchaus elastischem Material, so daß, wenn sie drückten, sich die Form sofort wieder herstellte. Über dieser Bildsäule, über dem Kopf dieser Bildsäule, der besonders charakteristisch war, war etwas, was sich darstellte wie die Sonne. Der ganze Kopf war so, daß man sah, er sollte eigentlich ganz sein wie ein seelisches Auge; er sollte wie ein seelisches Auge mikrokosmisch darstellen den Inhalt des ganzen Makrokosmos. ‚Aber durch die Sonne sollte diese Manifestation des ganzen Makrokosmos in diesem Kolossalhaupte zum Ausdrucke kommen.
[ 10 ] One of the statues—the male statue—was made of a very elastic material. And it was such that it could be pressed in at any point. The students were encouraged to press it in at every point. As a result, it proved to be hollow inside. So, essentially, it was just the skin of a statue, but made of a thoroughly elastic material, so that when they pressed it, the shape immediately returned to normal. Above this statue, above the head of this statue—which was particularly distinctive—was something that resembled the sun. The entire head was such that one could see it was actually meant to be like a spiritual eye; like a spiritual eye, it was meant to represent, in a microcosmic sense, the content of the entire macrocosm. ‘But through the sun, this manifestation of the entire macrocosm was to find expression in this colossal head.’
[ 11 ] Ich kann Ihnen natürlich hier in der Geschwindigkeit nicht die beiden Bildsäulen aufzeichnen, ich will es also nur schematisch tun. Das war also die eine Bildsäule, von der man den unmittelbaren Eindruck hatte: da wirkt der Makrokosmos durch die Sonne, gestaltet das menschliche Haupt, das weiß, wie die Impulse des Makrokosmos sind, das sich selbst innerlich und äußerlich gestaltet nach diesen Impulsen des Makrokosmos.
[ 11 ] Of course, I can’t draw the two statues for you here on the spot, so I’ll just sketch them schematically. So that was one of the statues, which gave the immediate impression that the macrocosm acts through the sun, shaping the human head—which knows the nature of the macrocosm’s impulses and shapes itself, both internally and externally, according to these impulses of the macrocosm.


[ 12 ] Die andere Bildsäule war so, daß zuerst die Augen des Schülers fielen auf etwas, das in einer Art von Leuchtekörpern angebracht war und einen Schein zeigte, nach innen gehend. Und in dieser Umrahmung sah dann der Schüler eine weibliche Gestalt, die überall unter dem Einflusse dieser Strahlungen stand. Und er bekam das Gefühl, daß das sn Haupt erzeugt werde aus diesen Strahlungen heraus. Das Haupt hatte etwas Undeutliches an sich. Diese Statue war aus einer anderen Substanz. Sie war aus einer Substanz, die plastisch war, also nicht elastisch, sondern plastisch und außerordentlich weich. Der Schüler wurde veranlaßt, auch da zu drücken. Alles, was er hineindrückte, blieb bestehen. Es wurden nur immer zwischen dem einen Male, wo der Schüler geprüft wurde an diesen Statuen, und dem nächsten Male die Eindrücke, die von den Schülern verursacht wurden, wiederum ausgebessert. So daß immer, wenn die Schüler zu der entsprechenden Zeremonie vor diese Statue geführt werden sollten, die Statue wieder intakt hergestellt war. Bei der anderen, bei der elastischen, stellte sich immer alles von selber wieder her.
[ 12 ] The other statue was such that the student’s eyes were first drawn to something mounted within a sort of luminous structure that emitted a glow directed inward. And within this frame, the student then saw a female figure that was entirely bathed in these rays. And he got the feeling that the head was being formed from these rays. There was something indistinct about the head. This statue was made of a different substance. It was made of a substance that was plastic—not elastic, but plastic and extraordinarily soft. The student was prompted to press on it as well. Whatever he pressed into it remained there. However, between each time the student was tested on these statues and the next time, the impressions caused by the students were always repaired. So that whenever the students were to be led before this statue for the corresponding ceremony, the statue was restored to its intact state. With the other one—the elastic one—everything always restored itself on its own.
[ 13 ] Es war die zweite Statue so, daß man den Eindruck bekam: sie steht ganz unter dem Einfluß von Mondenkräften, die den Organismus durchdringen, und die aus dem Organismus das Haupt hervorwachsen lassen. Die Schüler bekamen einen außerordentlich mächtigen Eindruck von dem, was sie da erlebten. Diese Statue wurde ihnen immer wiederum ausgebessert. Und sie wurden oftmals, eine Gruppe von Schülern, in nicht zu großen Zeiträumen vor diese Statue geführt. Wenn sie vor diese Statue geführt wurden, herrschte rings herum zunächst bei den ersten Malen eine lautlose Stille. Sie wurden bis vor diese Statue von den schon Initiierten geführt, wurden dann verlassen, das Tor wurde hinter dem Tempel zugemacht; sie wurden ihrer Einsamkeit überlassen.
[ 13 ] It was the second statue, and it gave the impression that it was entirely under the influence of lunar forces that permeate the organism and cause the head to grow out of it. The students were left with an extraordinarily powerful impression of what they had experienced there. This statue was repeatedly restored for them. And they—a group of students—were often led before this statue at fairly regular intervals. When they were led before this statue, a profound silence reigned all around them, especially during the first few times. They were led up to the statue by those who had already been initiated, then left there; the gate behind the temple was closed, and they were left to their solitude.
[ 14 ] Dann kam eine Zeit, wo jeder Schüler für sich hineingeführt wurde und veranlaßt wurde zunächst, die Statue zu prüfen, um hier das Elastische zu fühlen, hier, an der anderen Statue, das Plastische zu fühlen, in dem seine Eindrücke bewahrt blieben. Dann wurde er allein für sich gelassen mit dem Eindruck desjenigen, was ja, wie ich schon andeutete, mächtig, ganz mächtig auf ihn wirkte. Und durch alles das, was er erst durchgemacht hatte auf dem Wege, den ich Ihnen ja gekennzeichnet habe, durchlebte der Schüler alle Schwierigkeiten der Erkenntnis, alle Schwierigkeiten der Glückseligkeit, will ich es nennen. Ja, solches zu durchleben bedeutet eben mehr, als in den Worten bloß ausgedrückt wird, in denen man es in der Weise, wie ich es jetzt tue, charakterisiert; solches Erleben bedeutete, daß man durch eine ganze Skala von Empfindungen durchging. Und diese Empfindungen machten es, daß der Schüler die lebendigste Sehnsucht hatte, indem er hingeführt wurde vor diese beiden Statuen, das, was ihm da als ein großes Rätsel erschien, in irgendeiner Weise in seiner Seele aufzulösen, dahinterzukommen, was dieses Rätselhafte eigentlich will: auf der einen Seite das Rätselhafte, daß man mit ihm überhaupt so etwas machte, auf der anderen Seite das Rätselhafte, das in den Gestalten selber lag und inder ganzen Art, wie man sich selber nur zu diesen Gestalten verhalten konnte. Das alles wirkte in tiefer, ungemein tiefer Weise auf die Schüler. Und sie waren vor diesen Statuen eigentlich, möchte man sagen, in ihrer ganzen Seele und in ihrem ganzen Geiste wie eine kolossale Frage. Sie kamen sich vor in ihrem Seelenerlebnis wie eine kolossale Frage. Alles war an ihnen Frage. Der Verstand fragte, das Herz fragte, der Wille fragte, alles, alles fragte. Der heutige Mensch kann von diesen Dingen, die in alten Zeiten anschaulich vorgeführt wurden, die heute nicht mehr in dieser Art zur Initiation anschaulich vorgeführt werden können und brauchen, immerhin lernen, welche Empfindungsskala man durchmachen muß, um sich der Wahrheit wirklich zu nähern, der Wahrheit, die dann in die Geheimnisse der Welt hineinführt. Denn wenn es auch für den heutigen Schüler das Richtige ist, diese Dinge in einem inneren, äußerlich unanschaulichen Entwickelungsweg durchzumachen, so bleibt doch das bestehen, daß auch der moderne Schüler dieselbe Empfindungsskala durchmachen sollte, diese Empfindungen durch innerliches meditatives Erleben in sich durchringen sollte. Also die Skala der Empfindungen selber kann an dem gelernt werden, was innerhalb des äußeren Kultusartigen in jenen alten Zeiten von den Menschen, die eingeweiht werden sollten, durchgemacht worden ist.
[ 14 ] Then came a time when each student was led in individually and asked first to examine the statue to feel its elasticity here, and here, on the other statue, to feel its plasticity, in which his impressions were preserved. Then he was left alone with the impression of what, as I have already indicated, had a powerful—a very powerful—effect on him. And through everything he had first gone through on the path I have described to you, the student experienced all the difficulties of knowledge, all the difficulties of bliss, if I may call it that. Yes, to experience such things means more than is merely expressed in the words used to characterize it, as I am doing now; such an experience meant passing through a whole range of sensations. And these sensations caused the student, as he was led before these two statues, to feel the most vivid longing to somehow unravel within his soul what appeared to him there as a great mystery—to get to the bottom of what this mystery actually meant: on the one hand, the mystery of why one was subjected to such an experience at all; on the other hand, the mystery inherent in the figures themselves and in the very way one could relate to them. All of this had a profound, immensely profound effect on the students. And standing before these statues, one might say, they were, in their entire soul and in their entire spirit, like a colossal question. In their inner experience, they felt like a colossal question. Everything about them was a question. The intellect asked, the heart asked, the will asked—everything, everything asked. Modern people can still learn from these things—which were vividly demonstrated in ancient times but can no longer be presented in this way for initiation—the full range of feelings one must go through in order to truly approach the truth, the truth that then leads into the mysteries of the world. For even though it is appropriate for today’s student to undergo these things on an inner path of development that is not outwardly visible, the fact remains that the modern student, too, should pass through the same range of feelings, should allow these feelings to permeate their being through inner meditative experience. Thus, the scale of feelings itself can be learned from what was experienced within the outward, ritualistic practices of those ancient times by the people who were to be initiated.
[ 15 ] Dann, wenn dieses durchgemacht war, dann wollte man die Schüler zu einer Art von Probezeit führen, durch die beides zusammenwirken konnte: auf der einen Seite das, was sie überhaupt vorher in der Vorbereitung durchgemacht hatten auf dem gewöhnlichen Erkenntnis- und Glückseligkeitswege, und das, was in ihnen geworden war wie eine große Frage des Gesamtgemütes, ja, des Gesamtmenschen. Das sollte nun zusammenwirken.
[ 15 ] Then, once this had been completed, the intention was to guide the students through a sort of probationary period in which both elements could interact: on the one hand, what they had previously experienced during their preparation along the ordinary path of knowledge and bliss, and on the other, what had become within them like a great question of the whole soul—indeed, of the whole human being. These two elements were now to interact.
[ 16 ] Und jetzt, indem ihr Inneres dies zusammen empfand, indem in ihrem Inneren dies zusammen in seinen Wirkungen gegenwärtig war, jetzt wurden ihnen, soweit es in der damaligen Zeit möglich war, vorgetragen die Weltengeheimnisse über den Mikrokosmos, über den Makrokosmos, etwas von jenen Zusammenhängen, die wir gerade in diesen Vorträgen jetzt berührt haben, die auch den Inhalt bildeten der Artemis-Mysterien zu Ephesus. Ein Teil davon wurde hier während einer Art von Probezeit vorgetragen. Dadurch wurde aber das, was wie eine große Frage im Gemüte dieser Schüler war, noch weiter erhöht. So daß der Schüler wirklich, ich möchte sagen in dieser Frageform durch die ungeheure Vertiefung, die das Gemüt im Erleben und im Ertragen durchmachte, in diesem ungeheuren Erleben, herangeführt wurde an die geistige Welt. Er kam tatsächlich mit seinem Empfinden hinein in jene Region, die eben die Seele erlebt, wenn sie in sich fühlt: Jetzt stehe ich vor der die Schwelle behütenden Macht.
[ 16 ] And now, as their inner beings perceived this together, as this was present within them in its effects, now, to the extent possible at that time, the mysteries of the world—concerning the microcosm, the macrocosm, and some of those interrelationships we have just touched upon in these lectures—were presented to them; these also formed the content of the Artemis Mysteries at Ephesus. Part of this was presented here during a sort of probationary period. But this only served to heighten even further what was like a great question in the minds of these students. So that the student was truly—I would say, in this questioning form—led into the spiritual world through the immense deepening that the mind underwent in experiencing and enduring this immense experience. He actually entered, with his feelings, into that region which the soul experiences precisely when it feels within itself: “Now I stand before the power guarding the threshold.”
[ 17 ] Es gab ja in den älteren Zeiten der Menschheit die verschiedensten Arten von Mysterien, und in der verschiedensten Weise wurden die Menschen herangeführt an das, was man empfinden muß, wenn man dann seine Empfindungen zusammendrängt in die Worte: Jetztsteheich an der Schwelle zur geistigen Welt. Ich weiß, warum diese geistige Welt für das gewöhnliche Bewußtsein behütet wird, und worinnen eigentlich das Wesen der behütenden Macht, des Hüters der Schwelle, liegt.
[ 17 ] In the early days of humanity, there were indeed the most diverse kinds of mysteries, and people were introduced in the most varied ways to what one must feel when one then condenses one’s feelings into the words: “Now I stand at the threshold of the spiritual world.” I know why this spiritual world is shielded from ordinary consciousness, and what the true nature of the protective power—the Guardian of the Threshold—actually is.
[ 18 ] Und wenn dann die Schüler diese Probezeit durchgemacht hatten, dann wurden sie neuerdings vor diese Statuen geführt. Und dann bekamen sie einen ganz merkwürdigen Eindruck. Dann bekamen sie einen Eindruck, der tatsächlich ihr ganzes Inneres aufrüttelte. Ich kann Ihnen den Eindruck nur dadurch vergegenwärtigen, daß ich Ihnen das, was in jener alten Sprache üblich war, eben in der heutigen deutschen Sprache wiedergebe.
[ 18 ] And once the students had gone through this probationary period, they were then led back to these statues. And then they had a very strange experience. They had an experience that truly shook them to their very core. I can only convey this impression to you by rendering what was customary in that ancient language into modern German.
[ 19 ] Wenn die Schüler so weit gekommen waren, wie ich es Ihnen charakterisiert habe, dann wurden sie wiederum, jeder einzeln, vor die Statuen geführt. Jetzt blieb aber der einweihende Priester, der Initiator, bei dem Schüler in dem Tempel drinnen. Und jetzt sah der Schüler, nachdem er erst wiederum in lautloser Stille hatte lauschen können auf dasjenige, was ihm die eigene Seele sagen konnte nach all diesen Vorbereitungen und Prüfungen, nachdem das längere Zeit gedauert hatte, wie aufsteigend seinen initiierenden Priester über dem Haupte dieser einen Gestalt zunächst. Und es erschien dann so, wie wenn die Sonne eben weiter rückwärts wäre, und in dem Raume, der da als Zwischenraum war zwischen der Statue und der Sonne, erschien der Priester, wie die Sonne bedeckend. Die Statuen waren sehr groß, so daß der Priester eigentlich in einer gewissen Kleinheit hier über der Statue nur dem Haupte nach erschien, gewissermaßen die Sonne bedeckend; mit dem anderen stand er unten. Dann kam wie aus einem Musikalisch-Harmonischen heraus wirkend — mit einem Musikalisch-Harmonischen begann die Zeremonie — die Sprache des Initiators. Und so, wie eben einmal der Schüler war in diesem Stadium, erschien es ihm so, wie wenn die Worte, die nun von den Lippen des Initiators ertönten, von der Statue gesagt wurden. Und zwar tönten ihm die Worte entgegen:
[ 19 ] Once the students had reached the stage I have described to you, they were again led, one by one, before the statues. But now the initiating priest, the initiator, remained with the student inside the temple. And now the student saw—after having once again been able to listen in utter silence to what his own soul had to say to him following all these preparations and trials, after this had taken quite some time—his initiating priest rising above the head of that one figure at first. And it then appeared as if the sun were moving backward, and in the space that served as an interval between the statue and the sun, the priest appeared as if covering the sun. The statues were very large, so that the priest actually appeared here above the statue—only his head visible—in a certain smallness, as it were, covering the sun; with the rest of his body, he stood below. Then, as if emerging from a musical-harmonic atmosphere—the ceremony had begun with a musical-harmonic element—the Initiator’s voice rang out. And just as the student had once been at this stage, it seemed to him as if the words now sounding from the Initiator’s lips were being spoken by the statue. And indeed, the words resounded to him:
Ich bin das Bild der Welt,
Sieh, wie das Sein mir fehlt.
Ich lebe in deiner Erkenntnis,
Ich werde in dir nun Bekenntnis.
I am the image of the world,
See how I lack being.
I live in your knowledge,
I now become a confession within you.
[ 20 ] Auch das machte wiederum, wie Sie sich denken können, einen mächtigen Eindruck auf den Schüler. Denn er war dazu vorbereitet, jene Macht zu erleben, die ihm entgegentrat in dem Bilde dieser Statue, und die von sich sagte: Sich, wie das Sein mir fehlt. Ich bin das Bild der Welt. Ich lebe in deiner Erkenntnis.
[ 20 ] As you can imagine, this, too, made a powerful impression on the student. For he was prepared to experience the power that confronted him in the image of this statue, a power that seemed to say: “I lack existence. I am the image of the world. I live in your knowledge.”
[ 21 ] Der Schüler war durch das, was in ihm vorbereitet war in bezug auf die Schwierigkeit des gewöhnlichen Erkenntnisweges, sozusagen nun auch vorbereitet, dieses Bild wie etwas zu nehmen, was ihn von diesen Schwierigkeiten erlöste, wenn er auch die Zweifel an der Erkenntnis in sich nicht besiegen konnte. Und er wurde dazu gebracht, das Gefühl zu haben, daß er diese Erkenntniszweifel nicht besiegen könne. Er war, indem das alles durch seine Seele durchgegangen war, innerlich bereit, sich gewissermaßen mit seiner ganzen Seele an dieses Bild anzuklammern, mit dem, was die Weltenmacht war, die durch dieses Bild symbolisiert wurde, zu leben, ihr sich sozusagen zu übergeben. Dazu war er bereit, indem er das empfand, was nun aus dem Munde des Priesters kam, was so erschien, wie wenn diese Statue eben der Buchstabe wäre, der diesen Sinn, der in den vier Zeilen hier liegt, vor den Schüler hinstellte.
[ 21 ] Because of what had been prepared within him regarding the difficulties of the ordinary path to knowledge, the student was now, so to speak, also prepared to regard this image as something that would free him from those difficulties, even though he could not overcome the doubts about knowledge within himself. And he was led to feel that he could not overcome these doubts about knowledge. Having gone through all of this in his soul, he was inwardly ready, as it were, to cling to this image with his whole soul, to live with the world power symbolized by this image, and to surrender himself to it, so to speak. He was ready for this as he sensed what was now coming from the priest’s mouth—what seemed as if this statue were, in fact, the very letter that set forth before the student the meaning contained in these four lines here.
[ 22 ] Nachdem der Priester wiederum zurückgestiegen war, der Schüler wiederum in lautlose Stille versetzt war, der Priester hinausgegangen war, den Schüler allein gelassen hatte, kam nach einiger Zeit ein zweiter Initiator. Der erschien dann über der zweiten Statue. Und wiederum erklang nun wie aus Musikalisch-Harmonischem heraus die Stimme dieses Priester-Initiators, und die ergab die Worte, die ich Ihnen so wiedergeben kann:
[ 22 ] After the priest had descended once more, the student had been plunged back into utter silence, and the priest had gone out, leaving the student alone, a second initiator arrived after some time. He then appeared above the second statue. And once again, as if from a musical harmony, the voice of this priest-initiator rang out, uttering the words that I can now repeat to you:
Ich bin das Bild der Welt,
Sieh, wie Wahrheit mir fehlt.
Willst du mit mir zu leben wagen,
o werd’ ich dir zum Behagen.
I am the image of the world,
See how I lack truth.
If you dare to live with me,
O, I will be a source of comfort to you.
[ 23 ] Und dem Schüler kam es jetzt nach allen Vorbereitungen vor, nachdem er ja dazu geführt war, das innerliche Glück, die innerliche Fülle zu ersehnen — ich müßte besser sagen statt Glück, weil das im Deutschen nicht die richtige Bedeutung gibt: freudvolle innerliche Fülle —, nachdem er durch alles das, was er erlebt hatte, dazu gekommen war, die Notwendigkeit zu empfinden, daß der Mensch zu dieser freudevollen inneren Fülle einmal komme, er war jetzt wiederum daran, indem er von der zweiten Bildsäule dieses hörte, nicht nur beinahe daran, sondern wirklich daran, nun auch die Weltengewalt, die durch diese zweite Bildsäule sprach, als diejenige zu betrachten, der er sich ergeben wollte.
[ 23 ] And now, after all the preparations, it seemed to the student—since he had been led to long for inner happiness, inner fulfillment—I should say, rather than “happiness,” because that does not convey the correct meaning in German: joyful inner fulfillment— after all he had experienced had led him to feel the necessity that human beings must one day attain this joyful inner abundance—he was now, upon hearing about the second statue, not merely on the verge of it but truly at the point of regarding the cosmic power speaking through this second statue as the very power to which he wished to surrender himself.
[ 24 ] Wiederum verschwand der Initiator. Wiederum wurde der Schüler allein gelassen. Und während dieser einsamen Stille empfand eigentlich jeder — wenigstens scheint das so, daß jeder es empfand — etwas, was sich vielleicht in den folgenden Worten ausdrücken läßt: Ich stehe an der Schwelle zur geistigen Welt. Hier in der physischen Welt nennt man etwas Erkenntnis, aber das hat eigentlich keinen Wert in der geistigen Welt. Und daß man hier in der physischen Welt Schwierigkeiten damit hat, das ist nur das physische Abbild von der Wertlosigkeit der Erkenntnis, die man hier in der Welt erwerben kann, für die übersinnliche, für die geistige Welt. Und ebenso hatte der Schüler die Empfindung: Manches sagt einem hier in der physischen Welt, du sollst der inneren freudevollen Fülle entsagen, eine Art asketischen Weg gehen, um in die geistige Welt hineinzukommen. Das aber ist eigentlich Illusion, das ist eigentlich Täuschung. Denn das, was in dieser zweiten Bildsäule erscheint, sagt ausdrücklich von sich: Sieh, wie Wahrheit mir fehlt.
[ 24 ] Once again, the initiator disappeared. Once again, the student was left alone. And during this solitary silence, everyone actually felt—or at least it seems that everyone felt—something that might perhaps be expressed in the following words: I stand on the threshold of the spiritual world. Here in the physical world, we call this “knowledge,” but it actually has no value in the spiritual world. And the fact that we struggle with it here in the physical world is merely the physical reflection of the worthlessness of the knowledge we can acquire here in this world for the supersensible, for the spiritual world. And likewise, the student had the feeling: Many things here in the physical world tell you that you must renounce your inner, joyful abundance and follow a kind of ascetic path in order to enter the spiritual world. But that is actually an illusion; it is actually a deception. For what appears in this second statue explicitly declares: “Behold how I lack truth.”
[ 25 ] Also der Schüler war nahe daran, an der Schwelle der Erkenntnis zu der Empfindung zu kommen, man müsse die innere freudevolle Fülle der Seele, des Gemütes mit Ausschluß von dem erringen, was hier in der physischen Welt durch das schwache, an den physischen Leib gebundene Menschenstreben als Wahrheit ersehnt wird. Es hatte der Schüler schon die Empfindung, daß es jenseits der Schwelle eben anders aussehen müsse, als hier diesseits der Schwelle, daß vieles von dem, was hier diesseits der Schwelle wertvoll ist, wertlos wird jenseits der Schwelle, und daß sogar solche Dinge wie Erkenntnis und Wahrheit jenseits der Schwelle ein ganz anderes Gesicht darstellen.
[ 25 ] The student was thus on the verge of realizing that one must attain the inner, joyful fullness of the soul and the spirit by setting aside what is here in the physical world regarded as truth through weak human striving bound to the physical body. The student already had the sense that things must look different beyond the threshold than they do here on this side of it, that much of what is valuable here on this side of the threshold becomes worthless beyond it, and that even such things as knowledge and truth take on a completely different aspect beyond the threshold.
[ 26 ] Das alles waren Empfindungen, die zum Teil in dem Schüler das Bewußtsein hervortiefen, er sei über manche Täuschungen und Enttäuschungen der physischen Welt hinausgelangt. Es waren aber auch Empfindungen, die bisweilen wiederum wie innerlich wirkende Feuerflammen waren. So daß man sich wie verzehrt von innerem Feuer, wie innerlich vernichtet fühlte. Und die Seele schwankte von der einen Empfindung zur anderen herüber und wiederum zurück. Und der Schüler wurde sozusagen auf der Erkenntnis-Glückswaage geprüft. Und während er so dieses Innerliche durchmachte, war es ihm, als ob die Bildsäulen selber sprechen würden. Er hatte nun etwas wie das innere Wort erlangt, und es war so, wie wenn die Bildsäulen selber sprechen würden. Und es sagte die eine Bildsäule:
[ 26 ] All of these were sensations that, in part, deepened the student’s awareness that he had transcended many of the illusions and disappointments of the physical world. But they were also sensations that at times felt like inner flames. So that one felt as if consumed by an inner fire, as if inwardly destroyed. And the soul wavered from one sensation to the other and back again. And the student was, so to speak, tested on the scales of knowledge and bliss. And while he was going through this inner experience, it seemed to him as if the statues themselves were speaking. He had now attained something like the inner word, and it was as if the statues themselves were speaking. And one statue said:
Ich bin die Erkenntnis.
Aber was ich bin, ist kein Sein.
I am knowledge.
But what I am is not being.
[ 27 ] Und jetzt bekam der Schüler dieses ganze, man möchte sagen, schreckausstrahlende Gefühl: Was man an Ideen hat, ist ja alles eben nur Idee, da ist kein Sein darinnen. Strengt man den menschlichen Kopf an — so hatte der Schüler das Gefühl —, so kommt man zwar zu Ideen, aber nirgends ist ein Sein. Ideen sind Schein, kein Sein. Und die andere Bildsäule war wie sprechend; sie sagte:
[ 27 ] And now the student was overcome by this feeling—one might say, a feeling that radiated dread: Whatever ideas one has are, after all, merely ideas; there is no reality within them. If one strains the human mind—so the student felt—one does indeed arrive at ideas, but there is no reality to be found anywhere. Ideas are illusion, not reality. And the other statue seemed to speak; it said:
Ich bin die Phantasie,
Aber was ich bin, hat keine Wahrheit.
I am imagination,
But what I am has no truth.
[ 28 ] So stellten sich vor den Schüler hin die beiden Bildsäulen, wovon die eine ihm vergegenwärtigte, was die Ideen sind ohne Sein, und die andere, was die Bilder der Phantasie sind ohne Wahrheit.
[ 28 ] Thus, the two statues stood before the student, one of which reminded him of what ideas are without existence, and the other of what the images of the imagination are without truth.
[ 29 ] Bitte, fassen Sie das in der richtigen Weise auf. Es kommt nicht darauf an, jetzt hier Dogmen zu geben, es kommt nicht darauf an, Sätze zu prägen, die irgendwie Wahrheiten oder Erkenntnisse ausdrücken, sondern es kommt darauf an, Erlebnisse der Schüler aus den Heiligtümern Hyberniens zu geben. Was diese Schüler erlebten, das zu geben, darauf kam es an. Nicht der Inhalt dessen, was da in diesen Sätzen steht, soll wie eine Wahrheit verkündet werden, sondern das, was in diesem Augenblicke der Initiation die Schüler der Mysterien Hyberniens erlebten, das sollte eben hingeschrieben werden.
[ 29 ] Please understand this correctly. It is not a matter of presenting dogmas here and now; it is not a matter of formulating statements that somehow express truths or insights; rather, it is a matter of conveying the experiences of the students from the sanctuaries of Hybernia. What mattered was conveying what these students experienced. It is not the content of these sentences that is to be proclaimed as truth, but rather what the students of the Mysteries of Hybernia experienced at that very moment of initiation—that is precisely what should be recorded.
[ 30 ] Und das alles erlebte ja der einzelne Schüler in absoluter Einsamkeit. Sein innerliches Erleben wurde so stark, daß sein äußerliches Gesicht nicht mehr wirkte. Es wirkte nicht mehr. Nach einiger Zeit sah er die Statue nicht mehr. Aber er las wie mit Flammenschrift an dem Orte, wo er hinschaute, etwas, was ja nicht äußerlich-physisch da war, was er aber mit erschütternder Deutlichkeit sah. Er las da, wo er früher das Haupt der Erkenntnisstatue gesehen hatte, das Wort Wissenschaft, und da, wo er das Haupt der anderen Statue geschen hatte, las er das Wort Kunst.
[ 30 ] And the individual student experienced all of this in utter solitude. His inner experience became so intense that his outward appearance no longer had any effect. It no longer had any effect. After some time, he could no longer see the statue. But wherever he looked, he read—as if in flames—something that was not physically present there, yet which he saw with shattering clarity. Where he had once seen the head of the statue of Knowledge, he read the word “Science,” and where he had seen the head of the other statue, he read the word “Art.”
[ 31 ] Und nachdem er dieses durchgemacht hatte, wurde er durch den Ausgang des Tempels zurückgeführt. Beim Tempel standen wiederum die beiden Initiatoren. Der eine nahm sein Haupt und richtete es gegen dasjenige, was ihm der andere Initiator zeigte: die Gestalt des Christus. Und dabei fielen Worte der Mahnung. Der eine Priester, der das Christusbild ihm vorwies, sprach zu ihm:
[ 31 ] And after he had gone through this, he was led back through the temple’s exit. The two initiators were standing by the temple once again. One of them took his head and turned it toward what the other initiator was showing him: the figure of Christ. And as he did so, words of admonition were spoken. The priest who presented the image of Christ to him said to him:
Nimm das Wort und die Kraft dieses Wesens
In dein Herz auf.
Take the words and the power of this being
into your heart.
[ 32 ] Und der andere Priester sprach:
[ 32 ] And the other priest said:
Und von ihm empfange,
Was dir die beiden Gestalten geben wollten:
Wissenschaft und Kunst.
And receive from him,
What those two figures wanted to give you:
Science and art.
[ 33 ] Das waren sozusagen die ersten zwei Akte der hybernischen Einweihung, der besonderen Art, wie in Hybernia die Schüler zu der wirklichen Empfindung des innersten Wesens des Christentums hingeleitet wurden. Und dies prägte sich nun ganz tief in die Seelen, in die Gemüter dieser Schüler ein. Und nun konnten sie, nachdem sie sich dieses eingeprägt hatten, an ihren weiteren Erkenntnisweg gehen.
[ 33 ] These were, so to speak, the first two acts of the Hybernian initiation—the unique way in which students in Hybernia were guided toward a genuine sense of the innermost essence of Christianity. And this left a deep impression on the souls and minds of these students. And now, having taken this to heart, they were able to continue on their path of knowledge.
[ 34 ] Was von diesem zu sagen ist und gesagt werden kann, werden wir nun in den nächsten Tagen im Zusammenhange mit anderen Dingen betrachten.
[ 34 ] We will now consider what can and should be said about this over the next few days in connection with other matters.
