The Composition of the Mysteries
GA 232
21 December 1923, Dornach
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The Composition of the Mysteries, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Ich habe ja im Laufe der letzten Wochen über mannigfaltige Mysteriengestaltungen hier vorgetragen. Wir haben insbesondere versucht, Einblicke zu gewinnen in diejenigen Mysterien, die als gewissermaßen die letzten großen Mysterien das menschliche Innere unmittelbar anknüpften an das Naturdasein, an den Geist des Naturdaseins. Es waren dies die Mysterien von Hybernia. Und wir haben gesehen, wie durch Blicke in den Menschen selbst, Blicke, die aber durchaus intim geistiger Natur, individuell persönlicher Natur sogar waren, die griechischen Mysterien in das Innere des Menschen eingedrungen sind. Man kann schon sagen: wie in der äußeren Natur die mannigfaltigsten Erdgegenden diese oder jene Vegetation tragen, so zeigen sich im Laufe der Menschheitsentwickelung auf den verschiedensten Gebieten der Erde die mannigfaltigsten Einflüsse von seiten der geistigen Welt auf die Menschen.
[ 1 ] Over the past few weeks, I have spoken here about various forms of the Mysteries. In particular, we have sought to gain insights into those Mysteries which, as the last great Mysteries, so to speak, directly linked the human inner being to existence in nature, to the spirit of existence in nature. These were the Mysteries of Hybernia. And we have seen how, through insights into the human being itself—insights that were, however, of a thoroughly intimate spiritual nature, indeed of an individually personal nature—the Greek Mysteries penetrated into the innermost being of the human being. One might well say: just as in the external natural world the most diverse regions of the earth bear this or that vegetation, so too, in the course of human development, the most diverse influences from the spiritual world upon human beings manifest themselves in the most varied regions of the earth.
[ 2 ] Würden wir, was ja in historischer Beziehung in den nächsten Tagen geschehen soll, in den Orient hinübergehen, so würden wir noch manches andere an Mysteriengestaltung finden. Aber ich habe heute — weil ja noch nicht alle Besucher anwesend sind — mehr an das anzuknüpfen, was schon betrachtet worden ist, denn etwas Neues zu beginnen.
[ 2 ] If we were to travel to the Orient—which, historically speaking, is set to happen in the coming days—we would discover many other aspects of mystery drama. But today—since not all of the visitors are present yet—I would rather build upon what has already been discussed than begin something new.
[ 3 ] Man kann sagen: Wenn man zurückblickt in der Menschheitsentwickelung, dann tritt einem mit aller Klarheit vor das imaginative Bewußtsein eine dreigliedrige Entwickelung. Ich sage: mit aller Klarheit vor das imaginative Bewußtsein, weil, wenn man die Epochen, von denen ich jetzt sprechen will, weiter nach vorn, nach früheren Zeiten ausdehnt, man ja natürlich eine größere Zahl bekommt als die Dreizahl, und ebenso, wenn man weiter in die Zukunft hineingeht. Aber wir wollen diese mittleren Stadien der Menschheitsentwickelung, die nicht erst durch Inspiration, sondern die schon mit aller Klarheit vor der Imagination auftreten, heute einmal von einem gewissen Gesichtspunkte aus ins Auge fassen.
[ 3 ] One might say: When we look back at the development of humanity, a threefold development emerges with complete clarity before our imaginative consciousness. I say “with complete clarity before the imaginative consciousness” because, if one extends the epochs I am about to discuss further back in time, one naturally arrives at a number greater than three; and the same is true if one looks further into the future. But today let us consider these middle stages of human development—which do not arise only through inspiration but already appear with complete clarity before the imagination—from a certain perspective.
[ 4 ] Noch bis in die ägyptische Zeit herein war es eigentlich für die Menschheit so, daß gegenüber dem damaligen Bewußtsein sowohl der afrikanisch-europäischen Völker wie der asiatischen Völker es dasjenige gar nicht gab, was man heute Stoffe nennt. Nicht einmal die äußeren groben Stoffe gab es für das Menschheitsbewußtsein, geschweige denn jene Abstraktionen, welche wir heute als Kohlenstoff, Wasserstoff, Schwefel und so weiter bezeichnen. Diese Dinge gab es nicht, sondern alles, was sich draußen in der Natur ausbreitete, das wurde unmittelbar angesehen als Körper der göttlich-geistigen Wesenheiten, die sich durch die ganze Natur offenbaren. Wir gehen heute ins Gebirge, treten auf den Stein, heben wohl auch den Stein auf, wir sehen in ihm eine gleichgültige Substanz. Uns kommt etwas Ähnliches gar nicht zum Bewußtsein, wie es dem älteren Ägypter, dem alten Orientalen zum Bewußtsein gekommen ist.
[ 4 ] Even well into the Egyptian era, the reality for humanity was that, from the perspective of the consciousness of both the African-European and Asian peoples at that time, what we today call “matter” did not exist at all. Not even the coarse, external substances existed in human consciousness, let alone those abstractions we now refer to as carbon, hydrogen, sulfur, and so on. These things did not exist; rather, everything that extended out in nature was directly regarded as the bodies of the divine-spiritual beings who reveal themselves throughout all of nature. Today we go into the mountains, step on a stone, perhaps even pick it up, and see in it an indifferent substance. Nothing even remotely similar comes to our consciousness as it did to the ancient Egyptians or the people of the ancient Orient.
[ 5 ] Nicht wahr, wir werden heute nicht, wenn wir einem Menschen gegenüberstehen und etwa seine Finger erfassen, dasjenige, was wir da berühren am Menschenfinger, als etwas Gleichgültiges betrachten. Wir betrachten es als etwas, was zu seinem ganzen menschlichen Organismus gehört. Und wir können nicht anders, indem wir zum Beispiel das letzte Glied des Zeigefingers eines Menschen betrachten, als uns sagen: dies ist ein Teil eines Gesamtorganismus.
[ 5 ] Isn't it true that today, when we stand face to face with a person and, say, touch their fingers, we do not regard what we are touching on that person's finger as something indifferent? We regard it as something that belongs to their entire human organism. And when we look, for example, at the tip of a person’s index finger, we cannot help but say to ourselves: this is part of a whole organism.
[ 6 ] So war es bei den alten Ägyptern, so war es bei den alten Orientalen in ihrem Bewußtsein. Traten sie auf einen Stein, hoben sie einen Stein auf: es war ihnen dies nicht ein gleichgültiger Stein wie uns heute, es war ihnen dies überhaupt nicht gewöhnliche irdische Substanz, es war ihnen dies der Teil des göttlichen Leibes, als der ihnen die Erde erschien. Und so, wie wir heute uns verhalten in unserem Bewußtsein zu der Haut des Menschen, so verhielten sich die Alten gegenüber der äußeren Oberfläche der Erde. Wenn wir heute herantreten an einen Menschen und uns durch besondere Umstände zum Bewußtsein kommt, daß er uns an einen anderen Menschen erinnert, den wir schon kennen, der jetzt vielleicht nicht da ist, und wenn die Umstände ergeben, daß dieser Mensch, den wir da treffen, die Schwester oder der Bruder jenes anderen Menschen ist, dann kommt uns unmittelbar in den Sinn: da ist gemeinsames Fleisch und Blut bei den beiden Menschen vorhanden, die gehören in einer gewissen Weise körperlich zusammen. Und wenn der alte Grieche oder der alte Orientale seinen Blick hinaufrichtete zum Mars, Jupiter, Saturn, und er sah dann die Erde an, dann sah er in dieser Erde eben zunächst den göttlichen Leib des Erdengottes, aber er sah zu gleicher Zeit in dieser Erde die Schwester oder den Bruder, kurz das Geschwisterliche zu den Planeten, die draußen um die Erde herumkreisten, Jupiter, Mars, Saturn.
[ 6 ] This was the case with the ancient Egyptians; this was the case with the ancient peoples of the Orient in their consciousness. When they stepped on a stone or picked up a stone, it was not merely an indifferent stone to them as it is to us today; to them, it was not at all an ordinary earthly substance; to them, it was a part of the divine body, as the earth appeared to them. And just as we relate in our consciousness today to the skin of a human being, so did the ancients relate to the outer surface of the earth. When we approach a person today and, due to particular circumstances, become aware that he or she reminds us of another person we already know—who may not be present at the moment—and when the circumstances reveal that this person we are meeting is the sister or brother of that other person, then it immediately occurs to us: there is a shared bond of flesh and blood between these two people; in a certain sense, they belong together physically. And when the ancient Greeks or the ancient Orientals raised their gaze to Mars, Jupiter, and Saturn, and then looked at the Earth, they saw in this Earth, first and foremost, the divine body of the Earth god, but at the same time they saw in this Earth the sister or brother—in short, the sibling relationship—to the planets circling around the Earth: Jupiter, Mars, and Saturn.
[ 7 ] Und so war etwas durchaus Seelisch-Geistiges im Empfinden des ganzen Kosmos und im Empfinden der Erde als eines Teiles dieses Kosmos bei den Alten vorhanden. Und Sie müssen sich nur recht tief in Ihrem Innern vorstellen, wie das etwas ganz anderes bedeutete für die Seele, als das, was der Mensch heute empfindet. Es heißt schon etwas, in der Erde den göttlichen Leib zu schauen, in der Erde das geschwisterliche Glied gegenüber allen anderen Planeten des Weltensystems zu sehen! Denn von Göttern erfüllt dachten sich die Alten das ganze Weltenall. Und von Göttern erfüllt war ihnen nicht nur die ganze Erde, von Göttern erfüllt war ihnen außer den planetarischen großen Weltenkörpern jedes einzelne Glied dieser planetarischen Wesenheiten. In Stein und Baum, in Fluß und Felsen, in Wolken und Blitz offenbarten sich irgendwelche geistig-göttliche Wesenheiten. Dieses Bewußtsein wurde erweckt in den weiten Kreisen der Bevölkerung über die Erde hin, und dieses Bewußtsein wurde vertieft in den mannigfaltigen Mysteriengestaltungen, die da und dort auf der Erde sich fanden.
[ 7 ] And so there was something thoroughly spiritual in the ancient people’s perception of the entire cosmos and of the Earth as a part of that cosmos. You need only look deep within yourselves to imagine how this meant something entirely different for the soul than what people feel today. It is indeed significant to behold the divine body in the Earth, to see in the Earth a sisterly member in relation to all the other planets of the solar system! For the ancients conceived of the entire universe as filled with gods. And for them, not only was the entire Earth filled with gods, but—apart from the great planetary bodies—every single part of these planetary entities was also filled with gods. In stone and tree, in river and rock, in clouds and lightning, various spiritual-divine beings revealed themselves. This awareness was awakened among broad segments of the population across the Earth, and this awareness was deepened through the manifold forms of mystery rituals that were found here and there on Earth.
[ 8 ] Und wenn wir im griechischen Wesen heraufkommen bis zu jener Zeit, da die äußere politische Größe Griechenlands hinuntersank in eine Art von Volkschaos und aufkam das mazedonische Wesen, dann finden wir, wie in der Tat damals etwas hereinflutete in das menschliche Wissen, in die menschliche Erkenntnis, was wir das letzte Mal hier in Form des Aristotelismus kennengelernt haben, was wir kennengelernt haben als dasjenige, was sich in geistiger Beziehung Alexander der Große zu seiner Volksaufgabe gemacht hatte. Wenn wir da zu diesem Kulminationspunkt des Griechentums auf der einen Seite, auf der anderen Seite zum Sturz des Griechentums, zum mazedonischen Wesen kommen, so sehen wir gegenüber dem, was die äußere Geschichte, die eigentlich in Wirklichkeit eine Geschichtslegende ist, bietet, auf dem Untergrunde der Bewußtseine gerade der tieferen Geister einen Impuls, der herauskam aus denjenigen Mysterien, denen, trotzdem er äußerlich nie davon sprach, Aristoteles recht nahe stand. Es waren jene Mysterien, die gerade im tiefsten Sinne in voller Lebendigkeit vor ihren Zuhörern das Bewußtsein erweckten, daß die ganze Welt eine Theogonie, ein Götterwerden sei, daß man die Welt durchaus in illusionärer Weise sieht, wenn man glaubt, daß etwas anderes wird in der Welt, als Götter. Götter sind es, die die Wesenhaftigkeiten der Welt darstellen, Götter sind es, welche Erlebnisse in dieser Welt haben, Götter sind es, die Taten ausführen. Und das, was man sieht als Wolken, was man hört als Donner, was man wahrnimmt als Blitze, was man auf der Erde wahrnimmt als Fluß und Berg, was man wahrnimmt auf der Erde in den Mineralreichen, das sind die Offenbarungen, die Äußerungen des Werdens der Schicksale der Götter, die sich dahinter verbergen. Und auch dasjenige was äußerlich sich darstellt in der Wolke, in Blitz und Donner, in Baum und Wald, in Fluß und Berg, das ist nichts anderes, als was das Götterdasein, das überall ist, so offenbart, wie die Haut des Menschen das innerlich Seelenhafte dieses Menschen offenbart. Und wenn Götter überall sind, dann muß man unterscheiden — so lehrte man die Mysterienschüler im nördlichen Griechenland — zwischen den kleinen Göttern, die in den einzelnen Naturwesen und -Vorgängen sind, und den großen Göttern, welche sich darstellen als Wesenhaftes der Sonne, des Mars, des Merkur, und eines vierten, der nicht äußerlich durch ein Bild oder durch eine Gestaltung sichtbar gemacht werden kann. Das waren die großen Götter, die großen Planetengötter, jene großen Planetengötter, die so behandelt wurden, daß des Menschen Blick hinaufgelenkt wurde nach dem Weltenraum, daß sein Auge, aber auch sein ganzes Herz schauen sollte dasjenige, was in Sonne, Mars, Merkur lebte, was aber nicht nur draußen in diesem kleinen Kreise lebt im Weltenraum, was überall im Weltenraum lebt, was vor allen Dingen herankommt an den Menschen.
[ 8 ] And when we trace the Greek essence back to that time when Greece’s external political greatness declined into a kind of popular chaos and the Macedonian essence emerged, then we find that, indeed, something flooded into human knowledge and human understanding at that time—something we last encountered here in the form of Aristotelianism, something we came to know as the spiritual mission Alexander the Great had set for himself in relation to his people. When we arrive, on the one hand, at this culminating point of Hellenism and, on the other hand, at the downfall of Hellenism and the Macedonian essence, we see, in contrast to what external history—which is in reality a historical legend—presents, an impulse emerging from the very depths of consciousness, particularly among the deeper spirits, an impulse that sprang from those mysteries to which Aristotle was quite close, even though he never spoke of them outwardly. It was these mysteries that, in the deepest sense and with full vitality, awakened in their listeners the awareness that the entire world is a theogony, a becoming of gods; that one views the world in a thoroughly illusory way if one believes that anything other than gods comes into being in the world. It is the gods who embody the essences of the world; it is the gods who have experiences in this world; it is the gods who perform deeds. And what one sees as clouds, what one hears as thunder, what one perceives as lightning, what one perceives on earth as rivers and mountains, what one perceives on earth in the mineral realms—these are the revelations, the manifestations of the unfolding of the destinies of the gods who lie hidden behind them. And what manifests outwardly in the cloud, in lightning and thunder, in the tree and the forest, in the river and the mountain—this is nothing other than what the divine presence, which is everywhere, reveals, just as a person’s skin reveals the inner soul of that person. And if gods are everywhere, then one must distinguish—as the students of the mysteries in northern Greece were taught—between the lesser gods, who are present in individual natural beings and processes, and the greater gods, who manifest as the essential beings of the Sun, Mars, Mercury, and a fourth who cannot be made visible externally through an image or a form. These were the great gods, the great planetary gods—those great planetary gods who were treated in such a way that the human gaze was directed upward toward outer space, so that not only the eye but also the whole heart might behold that which dwells in the Sun, Mars, and Mercury—but which does not live only out there in this small circle of outer space, which lives everywhere in outer space, and which, above all, draws near to human beings.
[ 9 ] Und nachdem zuerst, ich möchte sagen ein majestätischer Impuls in dem Schüler der nordgriechischen Mysterien dadurch erweckt worden war, daß sein Blick hinaufgelenkt wurde auf die Planetenkreise selbst, wurde dann dieser Blick menschlich so vertieft, daß gewissermaßen das Auge vom Herzen ergriffen wurde, um seelisch zu sehen. Dann verstand der Schüler, warum auf dem Altar vor ihn hingestellt worden waren drei symbolisch gestaltete Krüge.
[ 9 ] And after a—I would say—majestic impulse had first been awakened in the student of the Northern Greek Mysteries by his gaze being directed upward toward the planetary spheres themselves, this gaze was then deepened in a human sense to such an extent that, as it were, the eye was seized by the heart in order to see spiritually. Then the initiate understood why three symbolically shaped jugs had been placed on the altar before him.
[ 10 ] Wir haben einmal eine Nachbildung dieser Krüge hier in einer eurythmischen Faust-Vorstellung verwendet, und so, wie sie dazumal ausgesehen haben, diese Krüge, so haben sie ausgesehen in den samothrakischen, in den nordgriechischen Mysterien. Aber das Wesentliche war, daß mit diesen Krügen in ihrer ganzen symbolischen Gestaltung eine Weihehandlung, eine Opferhandlung vor sich gegangen ist. Eine Art Weihrauch wurde in diese Krüge getan, wurde entzündet, der Rauch strömte heraus, und drei Worte, von denen wir morgen noch sprechen werden, wurden mit mantrischer Gewalt von dem zelebrierenden Vater in den Rauch hineingesprochen, der von diesen Krügen aufdampfte, und es erschienen die Gestalten der drei Kabiren. Sie erschienen dadurch, daß der menschliche Atem, die Ausatmung durch das mantrische Wort sich gestaltete und seine Gestaltung mitteilte dem Aufsteigenden, Aufdampfenden der Substanz, die den symbolischen Krügen einverleibt worden war. Und indem der Schüler auf diese Weise lesen lernte in seinen eigenen Atemzügen, indem er lesen lernte, was in den Rauch diese eigenen Atemzüge hineinschrieben, lernte er zugleich lesen, was die geheimnisvollen Planeten aus dem weiten Weltenall herein zu ihm sprachen. Denn nun wußte er: wie der eine der Kabiren gestaltet wurde durch das mantrische Wort und seine Gewalt, so war in Wirklichkeit der Merkur; wie gestaltet wurde der zweite Kabir, so war in Wirklichkeit der Mars; wie gestaltet wurde der dritte Kabir, so war in Wirklichkeit Apollo, die Sonne.
[ 10 ] We once used a replica of these jugs here in a eurythmic performance of Faust, and these jugs looked exactly as they did back then—just as they appeared in the Samothracian and Northern Greek mysteries. But the essential point was that, in their entire symbolic form, these jugs were used in a consecration ritual, a sacrificial rite. A kind of incense was placed in these jugs, set alight; the smoke streamed out, and three words—which we will discuss tomorrow—were spoken with mantric power by the officiating priest into the smoke rising from these jugs, and the figures of the three Cabiri appeared. They appeared because the human breath—the exhalation through the mantric word—took shape and imparted its form to the rising, vaporizing substance that had been incorporated into the symbolic jugs. And as the student learned in this way to read his own breaths—as he learned to read what these very breaths inscribed into the smoke—he simultaneously learned to read what the mysterious planets spoke to him from the vast cosmos. For now he knew: just as one of the Kabirs was shaped by the mantric word and its power, so in reality was Mercury; just as the second Kabir was shaped, so in reality was Mars; just as the third Kabir was shaped, so in reality was Apollo, the Sun.
[ 11 ] Und wenn man jene Modejournalgestalten — verzeihen Sie, daß ich mich radikal ausspreche —, die man ja leider-meistens in Galerien aus der spätgriechischen Plastik sieht, und die man sehr verehrt, weil man keine Ahnung hat, aus was sie hervorgegangen sind, wenn man jene Modejournalgestalten eines Apollo, eines Mars, eines Merkur sich anschaut, sie aber anschaut mit jenem Goetheschen Blicke, mit dem Blick, den Goethe angewendet hat auf seiner italienischen Reise, um durch diese Modejournalgestalten die Ahnung zu bekommen, was eigentlich griechische Kunst war in jenen Hervorbringungen, die zugrunde gegangen sind mit so vielem, was in den ersten Jahrhunderten nach der Begründung des Christentums hinuntergestoßen worden ist in die furchtbare Verwüstung, die dazumal Platz gegriffen hat —, wenn man gewissermaßen hindurchschaut durch diese spätgriechischen plastischen Gestalten, die, ich möchte sagen, auf der einen Seite mit Recht, weil sie wegweisend waren, auf der anderen Seite mit Unrecht, weil sie eben Nachgeburten sind von Früherem, für groß gehalten werden, wenn man zurückschaut auf dasjenige, woraus sie entstanden sind, dann sieht man, wie in der älteren griechischen Zeit nachgebildet worden sind die Opfer-Offenbarungen, die auf eine solche Weise zustande gekommen sind in früherer Zeit in noch viel majestätischerer, großartigerer Weise, als später in Samothrake bei den Kabirenmysterien. Man sieht zurück auf jene Zeiten, in denen das mantrische Wort hineingesprochen worden ist in den Opferrauch, und die wahren Gestalten des Apollo, des Mars, des Merkur erschienen sind.
[ 11 ] And when one looks at those figures from fashion magazines—forgive me for speaking so bluntly—which, unfortunately, are most often seen in galleries alongside late Greek sculpture, and whom one greatly admires because one has no idea of their origins—if one looks at those fashion-magazine-style figures of Apollo, Mars, and Mercury, but views them with that Goethean gaze, the gaze that Goethe applied during his Italian journey, in order to gain, through these fashion-magazine-style figures, an inkling of what Greek art actually was in those creations that perished along with so much else that, in the first centuries after the founding of Christianity, was cast into the terrible devastation that took hold at that time—if one looks, so to speak, through these late Greek sculptural figures, which, I would say, on the one hand rightly, because they were pioneering, and on the other hand wrongly, because they are merely afterimages of what came before, are held in high regard when one looks back at that from which they arose, then one sees how, in the earlier Greek period, the sacrificial revelations were reenacted—revelations that had come about in earlier times in an even more majestic, magnificent way than later at Samothrace during the Cabirian Mysteries. One looks back to those times when the mantric word was spoken into the sacrificial smoke, and the true forms of Apollo, Mars, and Mercury appeared.
[ 12 ] Das waren die Zeiten, in denen der Mensch nicht in abstracto gesagt hat: Im Urbeginne war der Logos, und der Logos war bei Gott, und ein Gott war der Logos — das waren die Zeiten, in denen der Mensch etwas ganz anderes sagen konnte, in denen der Mensch sagen konnte: In mir gestaltet sich die Ausatmung, und indem die Ausatmung sich in regelmäßiger Weise gestaltet, erweist sie sich selber als ein Nachbild kosmischen Schaffens, denn sie schafft mir aus dem Opferrauch Gestaltungen, die für mich die lebendigen Schriftzüge sind, die mir vertaten, was mir die planetarischen Welten sagen wollen.
[ 12 ] Those were the times when people did not say, in the abstract: “In the beginning was the Logos, and the Logos was with God, and the Logos was God”—those were the times when people could say something entirely different, when they could say: “The exhalation takes shape within me, and as the exhalation takes shape in a regular manner, it reveals itself to be an afterimage of cosmic creation, for it creates for me, out of the sacrificial smoke, forms that are for me the living inscriptions which convey to me what the planetary worlds wish to tell me.”
[ 13 ] Und wenn sich der Schüler der Kabirenmysterien auf Samothrake näherte den Pforten dieser Einweihungsstätten, dann hatte er durch seinen Unterricht das Gefühl: Ja, jetzt betrete ich dasjenige, was mir umschließt die magischen Handlungen des opfernden Vaters. Denn «Vater» nannte man die zelebrierenden Initiatoren dieser Mysterien. ‚Und was offenbarte dem Schüler die magische Kraft dieser zelebrierenden Väter? Durch das, was die Götter in den Menschen gelegt haben, durch die Gewalt der Sprache, schrieb der priesterliche Magier und Weise hinein in den Opferrauch jene Schriftzüge, die aussprachen die Geheimnisse des Weltenalls.
[ 13 ] And when the initiate of the Cabirian Mysteries on Samothrace approached the gates of these places of initiation, his training had given him the feeling: Yes, now I am entering that which encompasses the magical acts of the sacrificing Father. For “Father” was the name given to the officiating initiators of these mysteries. “And what revealed to the initiate the magical power of these officiating Fathers? Through what the gods have placed within human beings—through the power of language—the priestly magician and sage inscribed into the sacrificial smoke those characters that articulated the secrets of the universe.
[ 14 ] Deshalb sagte der Schüler, wenn er sich der Pforte näherte, in seinem Herzen: Ich trete ein in dasjenige, was mir umschließt einen gewaltigen Geist, was mir umschließt die großen Götter, jene großen Götter, welche auf der Erde durch die Opferhandlungen der Menschen die Geheimnisse des Weltenalls enthüllen.
[ 14 ] That is why, as he approached the gate, the disciple said in his heart: “I am entering that which encompasses a mighty spirit, that which encompasses the great gods—those great gods who, through the sacrificial rites of humankind, reveal the mysteries of the universe on Earth.”
[ 15 ] Das war eine Sprache, die da gesprochen wurde, und eine Schrift, die da geschrieben wurde, die wahrhaftig nicht bloß den Verstand des Menschen, sondern die den ganzen Menschen in Anspruch genommen haben. Und in den samothrakischen Mysterien war schon noch etwas von einem Wissen, das ja heute ganz verglommen ist. Der Mensch ist heute ja wohl mächtig, mit Wahrheit davon zu sprechen, wie sich ein Quarzkristall anfühlt, wie sich meinetwillen ein Stück Eisen anfühlt, wie sich ein Stück Antimon anfühlt, wie sich ein Haar anfühlt, wie sich die menschliche Haut anfühlt, wie sich ein tierisches Fell anfühlt, wie sich Seide, Samt anfühlt; das ist der Mensch heute mächtig, sich zu vergegenwärtigen durch sein Gefühl. In den samothrakischen Mysterien war noch etwas vorhanden, durch das der Mensch mit Wahrheit sagen konnte, wie sich Götter anfühlen lassen. Denn der Gefühls-, der Tastsinn war noch fähig dessen, wessen er in alten Zeiten durchaus fähig war: das Geistige anzufühlen, Götter zu ertasten. Und das Wunderbare ist eigentlich folgendes, ja man muß schon in ältere Zeiten zurückgehen, wenn man geradezu sprechen will davon, daß die Menschen sagen konnten mit Wahrheit: Ich weiß durch meine Fingerspitzen, wie sich Götter ertasten. Aber in den samothrakischen Mysterien bestand eine andere Kunst des Ertastens der Götter; sie bestand in folgendem.
[ 15 ] That was a language that was spoken there, and a script that was written there, which truly engaged not merely the human mind, but the whole person. And in the Samothracian mysteries, there was still something of a knowledge that has, of course, been completely lost today. Today, people are certainly capable of speaking truthfully about how a quartz crystal feels, how a piece of iron feels to me, how a piece of antimony feels, how a strand of hair feels, how human skin feels, how an animal’s fur feels, how silk and velvet feel; that is what people today are quite capable of bringing to mind through their sense of touch. In the Samothracian Mysteries, there was still something present that enabled people to say truthfully how the gods could be felt. For the sense of touch was still capable of what it was fully capable of in ancient times: sensing the spiritual, feeling the gods. And the truly marvelous thing is this: indeed, one must go back to earlier times if one is to speak in all sincerity of how people could say with truth, “I know through my fingertips how the gods feel.” But in the Samothracian Mysteries there was another art of sensing the gods; it consisted of the following.
[ 16 ] Indem der priesterliche Magier in den Opferrauch die Worte hineinsprach, indem er also das Wort ertönen ließ im Aushauche und sprach, fühlte er in dem hinausgehenden Atem, wie der Mensch sonst fühlt, wenn er die tastende Hand ausstreckt. Und wie man weiß, daß man mit der Fingerspitze in stets anderer Weise tastet, über den Stoff fährt, wenn man Samt anfühlt, wenn man Seide anfühlt, wenn man Katzenfelle anfühlt, wenn man menschliche Haut anfühlt, so empfand der samothrakische Priestermagier mit der ausgeatmeten Luft, und er empfand den Aushauch, den er gegen den Opferrauch hin strahlen ließ, wie ein Ausstrecken von etwas, was aus ihm selber herauskam: er empfand den Aushauch wie ein Tastorgan, das nach dem Rauche hin ging. Er fühlte den Rauch. Und er fühlte in dem Rauch die ihm entgegenkommenden großen Götter, die Kabiren, er fühlte in dem, wie der Rauch sich gestaltete, und wie die Gestalten, die sich da bildeten, von außen herankamen an den Aushauch, so daß der Aushauch fühlte: da ist Rundung, da ist Eckigkeit, da greift mir etwas entgegen. Die ganze göttliche Gestalt des Kabirs wurde ertastet mit dem in das Wort gekleideten Aushauch. Mit der Sprache, die aus dem Herzen kam, ertastete der samothrakische Weise die durch den Opferrauch zu ihm herabsteigenden Kabiren, das heißt die großen Götter. Und es war eine lebendige Wechselwirkung zwischen dem Logos im Menschen und dem Logos draußen in den Weltenweiten.
[ 16 ] As the priestly magician spoke the words into the sacrificial smoke—that is, as he let the words resound in his exhalation—he felt in his outgoing breath what a person otherwise feels when he reaches out a groping hand. And just as one knows that one feels with one’s fingertips in ever-changing ways, running them over fabric—whether feeling velvet, silk, cat fur, or human skin—so too did the Samothracian priest-magician perceive with the air he exhaled, and he perceived the breath he sent radiating toward the sacrificial smoke as an outstretching of something that came from within himself: he perceived the breath as a tactile organ reaching out toward the smoke. He felt the smoke. And in the smoke he sensed the great gods coming toward him—the Kabirs; he sensed, in the way the smoke took shape and in the way the forms that were taking shape there approached the exhalation from the outside, so that the exhalation felt: there is roundness, there is angularity, something is reaching out to meet me. The entire divine form of the Kabir was perceived by touch through the breath clothed in the word. With the language that came from the heart, the Samothracian sage perceived the Kabirs—that is, the great gods—descending toward him through the sacrificial smoke. And there was a living interaction between the Logos within the human being and the Logos out there in the vastness of the worlds.
[ 17 ] Und indem der einweihende Vater den Schüler hinführte vor den Opferaltar und nach und nach lehrte, wie man fühlen kann mit der Sprache, und indem der Schüler immer weiter vorschritt und sich in dieses Fühlen mit der Sprache hineinfand, kam der Schüler endlich zu jenem Stadium inneren Erlebens, in dem er zunächst ein deutliches Bewußtsein hatte, wie gestaltet ist Merkur, Hermes, wie gestaltet ist Apollo, wie gestaltet ist Ares, der Mars. Es war, wie wenn das ganze Bewußtsein des Menschen herausgehoben wäre aus seinem Leibe, wie wenn dasjenige, was der Schüler früher gewußt hat als den Inhalt seines Kopfes, oben gewesen wäre über seinem Haupte, wie wenn das Herz lokalisiert wäre an einem neuen Orte, indem es heraufgedrungen wäre aus der Brust in den Kopf. Und dann erstand in diesem über sich selbst wirklich hinausgegangenen Menschen dasjenige, was innerlich sich formte zu dem Worte: So wollen dich die Kabiren, die großen Götter. Von da ab wußte der Schüler, wie in ihm lebte Merkurius in seinen Gliedmaßen, die Sonne in seinem Herzen, der Mars in seiner Sprache.
[ 17 ] And as the initiating father led the disciple before the sacrificial altar and gradually taught him how to feel through language, and as the disciple progressed further and further and became immersed in this feeling through language, the disciple finally reached that stage of inner experience in which he first had a clear awareness of the form of Mercury, Hermes, what Apollo is like, and what Ares—Mars—is like. It was as if the person’s entire consciousness had been lifted out of his body, as if what the student had previously known as the contents of his head were now above his head, as if the heart were located in a new place, having risen from the chest into the head. And then, within this human being who had truly transcended himself, arose that which took inner form in the words: “Thus do the Cabiri, the great gods, will you to be.” From that moment on, the student knew how Mercury lived within him in his limbs, the Sun in his heart, and Mars in his speech.
[ 18 ] Sehen Sie, durchaus nicht nur natürliche Vorgänge und Wesenheiten wurden in der äußeren Welt in den alten Zeiten den Schülern vorgeführt. Was ihnen vorgeführt wurde, war weder etwas einseitig Naturalistisches, noch etwas einseitig Moralisches, sondern etwas, wo Moral und Natur in eins zusammenflossen. Und das war gerade das Geheimnis der samothrakischen Welt, daß der Schüler vermittelt bekam das Bewußtsein: Natur ist Geist, Geist ist Natur.
[ 18 ] You see, it was by no means only natural processes and entities in the external world that were presented to the students in ancient times. What was presented to them was neither a one-sidedly naturalistic view nor a one-sidedly moral one, but rather something in which morality and nature merged into one. And that was precisely the secret of the Samothracian world: the student was imbued with the awareness that nature is spirit, and spirit is nature.
[ 19 ] Aus jenen Zeiten, die ihren letzten Nachklang in dem samothrakischen Kabirendienste gefunden haben, stammt jene Einsicht, welche die irdischen Substanzen zusammenbringt mit dem ganzen Himmel. Man konnte eben nicht in alten Zeiten sagen, wenn man jenes rötlich-bräunliche Mineral sah mit dem Kupferglanz, wenn man unser heutiges Kupfer sah, man konnte eben nicht sagen, so wie man heute sagt: Das ist Kupfer, das ist ein Bestandteil der Erde-denn das konnte man sich nicht denken. Das ist für die Alten kein Bestandteil der Erde gewesen, sondern das ist die Tat der Venus in der Erde gewesen, was sich als Kupfer überall offenbarte. Die Erde hat nur solche Gesteine wie Sandstein, Kalk entstehen lassen, um aufzunehmen in ihrem Schoß, was der Himmel in die Erde gepflanzt hat. Und so wenig, wie wir heute sagen dürfen, wenn wir hier (es wird gezeichnet) den Erdboden haben und wir einen Pflanzensamen in den Erdboden säen: AusdemErdboden ist dieser Same herausgewachsen, so wenig durfte man, wenn man hier die Erdoberfläche hätte und in der Erde ein Kupfererz, damals sagen: Dies Kupfererz ist ein Bestandteil der Erde. Was man sagen mußte, ist: Die Erde hier mit ihrem Sandstein oder sonstigen Gestein, sie ist der Boden, und das, was da metallisch drinnen ist, das hat irgendein Planet in die Erde hereingepflanzt. Das ist Same, hereingepflanzt in die Erde durch einen Planeten. Alles das, was so auf Erden war, sah man an als hereinimpulsiert in die Erde vom Himmel aus.
[ 19 ] From those times, whose final echoes can be found in the Samothracian Kabiri rites, comes the insight that unites earthly substances with the entire heavens. In ancient times, when people saw that reddish-brownish mineral with a coppery luster—when they saw what we now call copper—they simply could not say, as we do today: “That is copper; it is a component of the Earth”—for they could not conceive of such a thing. For the ancients, this was not a component of the earth, but rather the work of Venus within the earth, which manifested itself everywhere as copper. The earth produced only rocks such as sandstone and limestone in order to receive within its bosom what the heavens had planted in the earth. And just as we cannot say today—when we have the soil here (it is drawn) and we sow a plant seed into the soil: “This seed has grown out of the soil”—so too, when one had the Earth’s surface here and a copper ore within the Earth, one could not say back then: “This copper ore is a component of the Earth.” What one had to say was: The earth here, with its sandstone or other rock, is the soil, and whatever metallic substance is contained within it was planted into the earth by some planet. That is a seed, planted into the earth by a planet. Everything that existed on earth in this way was regarded as having been impulsed into the earth from heaven.
[ 20 ] Wenn man heute die Erde hat und die Substanzen der Erde kennenlernt, dann beschreibt man ja alles so — sehen Sie sich irgendeine Mineralogie, eine Geologie an —, daß man die Erde beschreibt. So hat man in der alten Wissenschaft nicht beschrieben. Da schweifte der Blick hin über die Erde; aber indem man dann die Substanzen sah, mußte man zum Himmel hinaufsehen, und in dem Himmel, da sah man das Wesenhafte der Substanzen. Scheinbar nur liegt Kupfer, liegt Zinn, liegt Blei in der Erde. Sie aber sind die Samen, welche hereingepflanzt worden sind während der alten Sonnen- und Mondenzeit von dem Himmel in das irdische Dasein.
[ 20 ] When we study the Earth today and learn about its substances, we describe everything in such a way—just look at any book on mineralogy or geology—that we are describing the Earth itself. That is not how it was described in ancient science. Back then, one’s gaze wandered over the Earth; but upon seeing the substances, one had to look up toward the heavens, and there, in the heavens, one saw the essential nature of the substances. Copper, tin, and lead appear to lie merely in the Earth. Yet they are the seeds that were planted here during the ancient Sun and Moon eras, from the heavens into earthly existence.
[ 21 ] So war aber auch noch die Lehre der Kabiren in den samothrakischen Mysterien. Das war schließlich schon das, was wenigstens als ‚Atmosphäre des Wissens auf Aristoteles und Alexander den Großen gewirkt hat. Und dann wurde der Anfang geschaffen zu etwas ganz anderem.
[ 21 ] But such was also the teaching of the Cabiri in the Samothracian Mysteries. After all, that was what, at the very least, had an impact on Aristotle and Alexander the Great as an “atmosphere of knowledge.” And then the foundation was laid for something entirely different.


[ 22 ] Die Menschheit kam mit ihrer Einsicht nicht sogleich vom Himmel auf die Erde herunter, sondern die Menschheit machte erst ein Zwischenstadium durch in alten Zeiten. Und noch in den Nachklängen jener alten Zeiten, den samothrakischen Mysterien, hat man, wenn man die Metalle der Erde oder auch andere Substanzen der Erde, wie Schwefel oder Phosphor, beschreiben wollte, eigentlich den Himmel beschrieben, geradeso, wie man eine Pflanze beschreibt, wenn man die Wesenheit des Samens kennen will. Man kann doch nicht, wenn man ein Samenkorn vor sich hat, das Wesen dieses Samenkorns erkennen, wenn man nicht die Pflanze erkennt. Was wollen Sie denn mit solch einem Samenkorn, das so aussieht, wenn Sie nicht wissen, wie Anis ausschaut? Was wollen Sie denn, hätten die Alten gesagt, aus dem Kupfer machen, das in der Erde sich zeigt, wenn Sie nicht wissen, wie geistig-seelisch-leiblich die Venus ausschaut da oben am Himmel.
[ 22 ] Humanity did not immediately descend from heaven to earth with its insight, but first passed through an intermediate stage in ancient times. And even in the echoes of those ancient times—the Samothracian Mysteries—when people sought to describe the metals of the earth or other earthly substances, such as sulfur or phosphorus, they were actually describing the heavens, just as one describes a plant when seeking to understand the essence of the seed. After all, when you have a seed in front of you, you cannot recognize the nature of that seed unless you recognize the plant. What good is such a seed that looks like this if you don’t know what anise looks like? What, the ancients would have said, would you do with the copper that appears in the earth if you don’t know what Venus looks like—spiritually, soulfully, and physically—up there in the heavens?
[ 23 ] Und aus der Himmelskunde wurde nach und nach, möchte man sagen, eine Umlaufskunde, eine Atmosphärenkunde, indem nicht mehr geschildert wurde, wenn man auf das Irdische hinsah, was die Sterne in ihrer Wesenhaftigkeit waren, sondern, indem man ein irdisches Wesen sah, sich sagte: Darinnen lebt erstens das, was wir in der festen Erde sehen, dann aber lebt da drinnen auch dasjenige, was wir in der nach der Tropfenform tendierenden Flüssigkeit sehen; dann lebt darinnen, was sich nach allen Seiten ausdehnen will, was luftförmig ist, was zum Beispiel im menschlichen Organismus in Atem und Sprache lebt. Und dann lebt darinnen das Feurige, welches das einzelne Wesen in sich auflöst, so daß aus den zerklüfteten, aufgelösten Bestandteilen Neues entstehen kann. Da leben die Elemente in jeder irdischen Gestaltung.
[ 23 ] And astronomy gradually—one might say—became the study of orbits and the study of the atmosphere, in that when one looked at earthly things, one no longer described what the stars were in their essence, but rather, when one saw an earthly being, one said to oneself: First of all, what we see in the solid earth lives within it; but then there also lives within it what we see in the liquid, which tends toward a drop-like form; and then there lives within it that which seeks to expand in all directions, that which is air-like, that which, for example, lives in the human organism as breath and speech. And then there lives within it the fiery element, which dissolves the individual being within itself, so that something new can arise from the fragmented, dissolved components. Thus the elements live within every earthly form.
[ 24 ] Und indem früher in den alten Mysterien die Menschen hingeschaut haben auf das allerdings auch kosmische, aber zum Irdischen gestaltete Salzige, das sie in dem gesehen haben, was Mutter Erde der Metallität entgegengebracht hat, haben sie das Merkuriale gesehen in alledem, was aus dem Weltenall heraus das Metall werden soll.
[ 24 ] And just as people in the ancient mysteries looked upon the salty element—which was indeed cosmic but had taken on an earthly form—and saw it in what Mother Earth had contributed to the metallic realm, they perceived the Mercurial in everything that was to become metal from the cosmos.
[ 25 ] Ach, es ist so ungeheuer kindisch, wenn heute die Menschen anfangen, Beschreibungen zu geben von dem, was man sich noch im Mittelalter als Merkur vorgestellt hat! Es steht da doch immer wieder im Hintergrunde, daß mit Merkur auch im Mittelalter so etwas Ähnliches wie das Quecksilber gemeint sein könnte oder überhaupt irgendein einzelnes Metall. Es ist ja gar nicht so. Merkur ist jedes Metall, insofern dieses Metall unter dem Einfluß des ganzen Kosmos steht. Denn wie würde Kupfer, wenn nur der Kosmos in seiner Peripherie wie auf jedes Metall wirkte? Kupfer würde tropfig wie Quecksilber. Wie würde Blei, wenn nur der Kosmos wirkte? Blei würde tropfig, Quecksilber. Wie würde Zinn, wenn nur der Kosmos wirkte? Zinn würde tropfig. Jedes Metall, wenn nur der Kosmos wirkt, würde Quecksilber. Alle Metalle sind Merkur, insofern der Kosmos auf sie wirkt. Und das wirkliche heutige Quecksilber, das noch auf der Erde Tropfenform annimmt, was ist denn das?
[ 25 ] Oh, it’s so incredibly childish when people today start giving descriptions of what people in the Middle Ages imagined Mercury to be! There’s always this underlying assumption that “Mercury” in the Middle Ages might have referred to something similar to quicksilver—or indeed any single metal at all. But that’s not the case at all. Mercury is every metal, insofar as that metal is under the influence of the entire cosmos. For how would copper behave if only the cosmos were to act upon its periphery, as it does on every metal? Copper would become fluid like quicksilver. What would happen to lead if only the cosmos were to act upon it? Lead would become liquid, like mercury. What would happen to tin if only the cosmos were to act upon it? Tin would become liquid. Every metal, if only the cosmos were to act upon it, would become like mercury. All metals are “Mercury” insofar as the cosmos acts upon them. And what, then, is the actual mercury of today, which still takes on a liquid form on Earth?


[ 26 ] Nun, sehen Sie: die anderen Metalle, sagen wir Blei, Kupfer, Zinn, Eisen, die sind über die Tropfenform hinausgegangen. Als die ganze Erde noch unter dem Einfluß des sphärisch-kugeligen Kosmos stand, waren alle Metalle Merkur. Sie sind über die merkuriale Gestalt hinausgegangen, sie kristallisieren heute in anderen Gestalten. Nur das eigentliche, im heutigen Sinne eigentliche Quecksilber ist auf jener Stufe stehengeblieben.
[ 26 ] Well, you see: the other metals—let’s say lead, copper, tin, and iron—have moved beyond the drop-like form. When the entire Earth was still under the influence of the spherical cosmos, all metals were mercury. They have moved beyond the mercurial form; today they crystallize in other forms. Only true mercury—in the modern sense of the word—has remained at that stage.
[ 27 ] Wie hätten die Alten und wie haben noch die mittelalterlichen Alchemisten zu dem heutigen Quecksilber gesagt? Sie haben gesagt: Kupfer, Zinn, Eisen, Blei sind die guten Metalle, die mitder Vorsehung fortgeschritten sind; Quecksilber ist der Luzifer unter den Metallen, denn es ist auf einer früheren Stufe der Gestaltung stehengeblieben. Und so war es eben in alten Zeiten, daß, indem man in dieser Weise von dem Irdischen gesprochen hat, man eben in Wahrheit von dem Himmlischen gesprochen hat.
[ 27 ] What would the ancients—and indeed, the medieval alchemists—have said about modern mercury? They said: Copper, tin, iron, and lead are the good metals that have progressed with Providence; mercury is the Lucifer among metals, for it has remained at an earlier stage of formation. And so it was in ancient times that, by speaking in this way of the earthly, one was in truth speaking of the heavenly.
[ 28 ] Von da aus kam man dann dazu, von demjenigen zu sprechen, was nun zwischen dem Umkreis und der Erde liegt. Zwischen dem Umkreis und der Erde liegt eben unten die Erde selbst, dann das wäßrige Element, das luftförmige Element und das feurige Element. Und so haben die Alten alles, was auf der Erde war, im Aspekt des Himmels gesehen; so hat eine mittlere Zeit, die erst zu Ende ging im ersten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts, alles im Aspekt des Umkreises, des Atmosphärischen gesehen. Und da, im vierzehnten, fünfzehnten Jahrhundert, kam der große Umschwung. Da fiel der Mensch mit seiner Anschauung ganz auf die Erde herab. Da zerklüfteten auch in seinem Bewußtsein die Elemente Wasser, Luft, Feuer; sie zerklüfteten in Schwefel, Kohlenstoff, Wasserstoff. Der Mensch sah alles im irdischen Aspekt.
[ 28 ] From there, the discussion turned to what lies between the outer sphere and the Earth. Between the celestial sphere and the Earth lie, from the bottom up, the Earth itself, then the watery element, the airy element, and the fiery element. And so the ancients viewed everything on Earth from the perspective of the heavens; likewise, a subsequent era—which only came to an end in the first third of the fourteenth century—viewed everything from the perspective of the celestial sphere, the atmospheric realm. And then, in the fourteenth and fifteenth centuries, the great turning point came. Then human beings, with their worldview, descended entirely to the Earth. Then, in their consciousness as well, the elements of water, air, and fire fragmented; they fragmented into sulfur, carbon, and hydrogen. Human beings saw everything from an earthly perspective.
[ 29 ] Und damit beginnt dann die Zeit, auf die ich schon hingedeutet habe, als ich die hybernischen Mysterien besprochen habe: es beginnt die Zeit, wo der Mensch die Erde umfaßt mit seiner Erkenntnis, und der Himmel wird ihm Mathematik. Er errechnet die Größe der Sterne, die Bewegung, die Entfernung der Sterne und so weiter. Der Himmel wird ihm Abstraktion.
[ 29 ] And with that begins the era I have already alluded to when discussing the Hybernian Mysteries: the era in which humanity embraces the Earth with its knowledge, and the heavens become mathematics to it. It calculates the size of the stars, their motion, their distance, and so on. The heavens become abstraction to him.
[ 30 ] Aber es wurde eben nicht bloß der Himmel Abstraktion. Denn das Abbild des Himmels im lebenden Menschen ist sein Haupt. Und was der Mensch vom Himmel erkennen kann, lebt in seinem Haupte. Und da der Mensch vom Himmel nur die Mathematik, das heißt das Logische, Abstrakte kennenlernte, lebte von nun an in seinem Haupte nur das Logisch-Abstrakte, das Begrifflich-Ideelle. Und so gab es fortan keine Möglichkeit für den Menschen, in das Begrifflich-Ideelle das Spirituell-Geistige hereinzubekommen. Und da, wo man den Geist suchte, begann jener große Kampf zwischen dem, was der Mensch erringen konnte mit seinen ideellen Hauptesinhalten, Gehirninhalten, und dem, was ihm die Götter offenbaren wollten vom Himmel herein. Am größten, am gigantischesten wurde dieser Kampf gekämpft in den wahren Gestaltungen desjenigen, was man die rosenkreuzerischen Mysterien im Mittelalter nennt. Da wurde empfunden als Vorbereitung zum wirklichen Wissen die Ohnmacht des modernen Menschen. Denn es war schon etwas, was empfunden werden konnte als etwas Gewaltiges gerade in den Kreisen der wahren rosenkreuzerischen Initiation. Das Gewaltige bestand darinnen, daß dem Schüler nicht abstrakt, sondern innerlich lebendig klar wurde: Du kannst als moderner Mensch ja nur in die Begriffswelt hinein. Aber damit verlierst du das lebendige Wesen dieser deiner Menschheit.
[ 30 ] But it was not merely heaven that became an abstraction. For the image of heaven in the living human being is his head. And what human beings can perceive of heaven lives in their head. And since human beings came to know of heaven only mathematics—that is, the logical and abstract—from then on, only the logical-abstract, the conceptual-ideal, lived in their head. And so, from then on, there was no possibility for human beings to bring the spiritual-mental into the conceptual-ideal. And where the Spirit was sought, that great struggle began between what man could attain through the ideal contents of his mind and brain, and what the gods wished to reveal to him from heaven. This struggle was waged on the grandest, most colossal scale in the true forms of what is known as the Rosicrucian mysteries of the Middle Ages. There, the powerlessness of modern humanity was perceived as a preparation for true knowledge. For it was indeed something that could be felt as something mighty, especially within the circles of true Rosicrucian initiation. The power lay in the fact that it became clear to the student—not abstractly, but as a living inner reality—that as a modern human being, one can only enter the world of concepts. But in doing so, one loses the living essence of one’s own humanity.
[ 31 ] Und indem der Schüler dieses fühlte, daß dasjenige, was ihm gerade die neuere Zeit gab, ihn nicht hinführen konnte zu dem, was sein eigentliches Wesen ist, da war es dann, daß der Schüler fühlte: Du mußt entweder verzweifeln an der Erkenntnis, oder du mußt durchgehen durch eine Art von Abtötung des Hochmutes der Abstraktion. Und schon fühlte der Rosenkreuzerschüler, der wahre Rosenkreuzerschüler etwas Ähnliches, wie wenn ihm der Meister einen Schlag ins Genick gegeben hätte, um ihm anzudeuten, daß das Abstrakte des modernen Hauptes nicht geeignet ist, in die geistigen Welten einzutreten, und daß der Schüler zu leisten habe die Absage an die bloße Abstraktion, um in die geistige Welt einzutreten.
[ 31 ] And as the student sensed that what modern times were offering him could not lead him to his true essence, it was then that the student felt: You must either despair of knowledge, or you must undergo a kind of mortification of the pride of abstraction. And already the Rosicrucian student—the true Rosicrucian student—felt something akin to the Master having struck him on the back of the neck to indicate that the abstract nature of the modern mind is not suited to entering the spiritual worlds, and that the student must renounce mere abstraction in order to enter the spiritual world.
[ 32 ] Das war eigentlich ein großer vorbereitender Augenblick dessen, was man nennen kann die Rosenkreuzer-Initiation.
[ 32 ] That was actually a major preparatory moment for what might be called the Rosicrucian initiation.
