The Composition of the Mysteries
GA 232
22 December 1923, Dornach
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The Composition of the Mysteries, tr. SOL
Dreizehnter Vortrag
Thirteenth Lecture
[ 1 ] Das Mysterienwesen der verschiedenen Zeiten, es war in mannigfaltigen Gestaltungen über die verschiedenen Gegenden der Erde ausgebreitet, sagte ich gestern. Jede Gegend hatte nach ihrer Bevölkerung, nach den Bedingungen, die das Erdgebiet, das in Betracht kam, sonst aufwies, eine besondere Mysteriengestaltung. Nun kam aber eine Zeit, die für das ganze Mysterienwesen von einer außerordentlich großen Wichtigkeit ist. Das ist die Zeit, die einige Jahrhunderte nach der Begründung des Christentums für die Erdenentwickelung eintrat.
[ 1 ] The mystery traditions of various eras were spread across different regions of the Earth in manifold forms, as I said yesterday. Each region had a particular form of the mystery tradition, depending on its population and the other conditions characteristic of the specific area in question. But then came a time of extraordinary importance for the entire mystery tradition. This is the period that began for the development of the Earth several centuries after the founding of Christianity.
[ 2 ] Man sieht ja schon aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», daß dasjenige, was auf Golgatha geschehen ist, in einer gewissen Weise alles zusammenfaßt, was in den verschiedensten Mysterien über die Erde verteilt war. Aber das Mysterium von Golgatha unterschied sich ja von all den anderen Mysterien, die ich Ihnen geschildert habe, dadurch, daß es sozusagen auf dem Schauplatz der Geschichte vor aller Welt dasteht, währenddem die älteren Mysterien eben wirklich im Dämmerdunkel des Tempel-Inneren sich abspielten, und von diesem Dämmerdunkel des Tempel-Inneren heraus ihre Impulse hinausschickten in die Welt.
[ 2 ] As you can see from my book Christianity as a Mystical Fact, what happened on Golgotha, in a certain sense, sums up everything that was scattered across the earth in the most diverse mysteries. But the Mystery of Golgotha differed from all the other mysteries I have described to you, in that it stands, so to speak, on the stage of history before the whole world, whereas the older mysteries actually took place in the twilight of the temple’s interior, and from that twilight of the temple’s interior sent their impulses out into the world.
[ 3 ] Sehen wir in die orientalischen Mysterien, sehen wir zu den Mysterien hin, die ich Ihnen als die vorderasiatischen ephesischen Mysterien geschildert habe, sehen wir zu den griechischen Mysterien, sei es zu den chthonischen, sei es zu den eleusinischen, sehen wir zu den Mysterien hin, die ich gestern erwähnt habe, zu den samothrakischen Mysterien, oder sehen wir endlich zu den Mysterien hin, die ich charakterisiert habe als die hybernischen Mysterien, überall sehen wir, wie im Dämmerdunkel des Tempel-Inneren sich das eigentliche Mysterium abspielt und dann seine Impulse hinaussendet in die Welt. Wer das Mysterium von Golgatha wirklich begreift — man hat es ja dadurch nicht begriffen, daß man die Nachrichten, die von ihm erhalten sind, historisch weiß-, der hat darinnen zugleich begriffen die Mysterien, die vorangegangen sind.
[ 3 ] When we look at the Eastern mysteries—the mysteries I have described to you as the Near Eastern Ephesian mysteries—when we look at the Greek mysteries, whether the Chthonic or the Eleusinian, when we look at the mysteries I mentioned yesterday, the Samothracian mysteries, or finally, when we turn to the mysteries I have characterized as the Hybernian Mysteries—everywhere we see how, in the twilight of the temple’s interior, the true mystery unfolds and then sends out its impulses into the world. Whoever truly comprehends the Mystery of Golgotha—for one has not comprehended it merely by knowing the historical accounts that have been preserved about it—has thereby also comprehended the mysteries that preceded it.
[ 4 ] Diese Mysterien, die dem Mysterium von Golgatha vorangegangen sind und in ihm gipfelten, sie hatten alle in bezug auf ihre Gefühlswirkungen eine Eigentümlichkeit. In den Mysterien ging viel Tragisches vor sich. Und wer die Einweihung zu den Mysterien erlangte, mußte durchmachen Leiden, Schmerzen. Nun, das habe ich ja des öfteren charakterisiert. Aber im ganzen kann man doch sagen, daß bis zum Mysterium von Golgatha hin derjenige, der durch eine Einweihung zu gehen hatte, der vorbereitend aufmerksam darauf gemacht wurde, daß er die mannigfaltigsten Überwindungen, Leiden, Schmerzen durchzumachen hatte, Tragisches durchzumachen hatte, — der hätte dennoch gesagt: Durch alle Feuer der Welt werde ich gehen, denn das führt hinein in jene Lichtregion des Geistes, in der man schaut, was man nur ahnen kann im gewöhnlichen Bewußtsein des Menschen auf Erden in einem bestimmten Zeitalter. Es war also im Grunde genommen Sehnsucht, Sehnsucht zu gleicher Zeit, die freudig war, die denjenigen befiel, der den Weg zu den alten Mysterien suchte — gewiß eine ernste Freude, eine tiefe Freude, eine erhabene Freude, aber Freude dennoch.
[ 4 ] These mysteries, which preceded the Mystery of Golgotha and culminated in it, all had a distinctive quality in terms of their emotional impact. Much that was tragic took place within the mysteries. And whoever attained initiation into the mysteries had to endure suffering and pain. Well, I have described this on numerous occasions. But on the whole, one can still say that up until the Mystery of Golgotha, the one who had to undergo an initiation—who was made aware in advance that he would have to endure the most varied trials, sufferings, and pains, and go through tragic experiences—would nevertheless have said: “I will pass through all the fires of the world, for this leads into that region of light within the spirit where one beholds what one can only intuit in the ordinary consciousness of human beings on earth in a particular age.” So, in essence, it was a longing—a longing that was at the same time joyful—that seized those who sought the path to the ancient mysteries—certainly a solemn joy, a deep joy, a sublime joy, but joy nonetheless.
[ 5 ] Nun kam eine Zwischenzeit — wenn ich die Vorträge halte in den nächsten Tagen, werde ich ja diese Dinge von den historischen Gesichtspunkten aus zu charakterisieren haben — es kam eine Zwischenzeit, die endlich führte zu dem vierzehnten, fünfzehnten Jahrhundert, wo, wie Sie ja wissen, eine neue Epoche in der Menschheitsentwickelung begann. Eine Zwischenzeit kam. Und nachher kam dasjenige, was eine ganz andere Stimmung abgab beim Ausgangspunkte seines Weges für den, der da suchte nach dem Wissen in den höheren Welten. Es ist ja in der Tat so, daß, wenn wir in alte Mysterien nachträglich durch die Akasha-Chronik hineinschauen, wir doch freudige Gesichter finden, tiefgründige, aber im Grunde genommen freudige Gesichter. Wenn ich Ihnen eine Szene schildern würde, die man ja in der AkashaChronik nachträglich herausholen kann, eine Szene zum Beispiel in den kabirischen, samothrakischen Mysterien, dann müßte man doch sagen: die Persönlichkeiten, die da hineingingen in das Tempel-Innere der Kabiren, sie hatten vielsagende, tiefgründige Antlitze, aber etwas Freudiges.
[ 5 ] Now there was an interim period—when I give the lectures over the next few days, I will, of course, have to characterize these things from a historical perspective—there was an interim period that ultimately led to the fourteenth and fifteenth centuries, when, as you know, a new epoch in human development began. An interim period began. And afterward came that which created an entirely different atmosphere at the starting point of the path for those who were seeking knowledge in the higher worlds. It is indeed the case that when we look back at the ancient mysteries through the Akashic Records, we find joyful faces—profound, yet fundamentally joyful faces. If I were to describe to you a scene that can indeed be retrieved retrospectively from the Akashic Records—a scene, for example, from the Kabirian or Samothracian mysteries—then one would have to say: the individuals who entered the inner sanctum of the Kabiri’s temple had expressive, profound countenances, yet there was something joyful about them.
[ 6 ] Dann kam eine Zwischenzeit. Und dann kam das, was nicht eigentliche Tempel hatte, aber doch einen moralischen Zusammenhalt, wie er schon war in den alten Mysterien. Und dann kam das, was oftmals als das rosenkreuzerische Wesen im Mittelalter bezeichnet wird.
[ 6 ] Then came an interim period. And then came that which did not have a temple in the strict sense, but nevertheless possessed a moral cohesion similar to that found in the ancient mysteries. And then came that which is often referred to as the Rosicrucian movement in the Middle Ages.
[ 7 ] Wenn man aber in einer ähnlichen Weise, wie ich es jetzt eben getan habe für einen Gesichtspunkt, für die antiken Mysterien, wenn man diese Mysterienschüler des Rosenkreuzertums charakterisieren wollte, so müßte man sagen: die wichtigsten dieser Persönlichkeiten, die im Mittelalter nach der Erkenntnis, nach der Erforschung der geistigen Welt gingen, hatten wahrhaftig nicht freudige, hatten wahrhaftig tief tragische Gesichter. Das ist so sehr eine Wahrheit, daß man schon sagen kann: diejenigen, die nicht tief tragische Gesichter hatten, waren ganz gewiß keine echten Menschen in diesem Streben. Und es war allerdings aller Grund vorhanden, tragische Gesichter an sich zu tragen.
[ 7 ] But if one were to characterize these initiates of the Rosicrucian Order in a similar way to how I have just done so—from the perspective of the ancient mysteries—one would have to say: the most important of these figures, who in the Middle Ages sought knowledge and explored the spiritual world, truly did not have joyful faces; they truly had deeply tragic faces. This is so very true that one can even say: those who did not have deeply tragic faces were most certainly not genuine people in this pursuit. And there was indeed every reason to bear tragic faces.
[ 8 ] Ich möchte Ihnen anschaulich machen an der Art und Weise, wie nach und nach die Menschen, die nach Erkenntnis gestrebt haben, zu den Geheimnissen der Natur und des Geistes anders stehen mußten, als man im Altertum in den alten Mysterien zu ihnen gestanden hat, in dieser Zeit, die dann hingipfelte zu dem Rosenkreuzertum des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts.
[ 8 ] I would like to illustrate to you how, little by little, people who sought knowledge came to view the mysteries of nature and the spirit differently than they had been viewed in antiquity within the ancient mysteries—a process that culminated in the Rosicrucian movement of the fourteenth and fifteenth centuries.
[ 9 ] Ich habe ja schon gestern darauf aufmerksam gemacht: Naturerscheinungen, Naturvorgänge waren ja für den alten Menschen unmittelbar Göttervorgänge. So wie es niemandem einfallen würde, die Bewegung des menschlichen Auges für sich zu betrachten und nicht als die Offenbarung des Seelisch-Geistig-Leiblichen des Menschen, so wenig fiel es einem Menschen der alten Zeit ein, irgendeine Naturerscheinung abgesondert für sich zu betrachten. Er betrachtete sie als den ‚Ausdruck des Gottes, der sich offenbarte durch die Naturerscheinungen. Die Erdoberfläche, sie war dem alten Menschen ebenso die Haut des erd-göttlichen Wesens, wie die Menschenhaut eben die Haut des beseelten Menschenwesens für den heutigen Menschen ist. Man versteht gar nicht, wie die Seelenstimmung eines alten Menschen war, wenn man eben nicht weiß, daß er so sprach, wie ich es gestern erwähnt habe: von der Erde als einem Götterleib, und von den Beziehungen der anderen Planeten unseres Planetensystems wie von Brüdern und Schwestern.
[ 9 ] As I already pointed out yesterday: For ancient people, natural phenomena and natural processes were, in and of themselves, divine acts. Just as it would never occur to anyone today to view the movement of the human eye in isolation rather than as a revelation of the human being’s soul, spirit, and body, so too would it never have occurred to a person in ancient times to view any natural phenomenon in isolation. They regarded it as the ‘expression of the divine, revealing itself through natural phenomena.’ The Earth’s surface was, for ancient people, just as much the skin of the Earth-divine being as human skin is the skin of the animated human being for people today. It is impossible to understand the spiritual disposition of an ancient person unless one knows that they spoke, as I mentioned yesterday, of the Earth as a divine body, and of the other planets in our solar system as brothers and sisters.
[ 10 ] Dieses unmittelbare Verhältnis zu den Naturerscheinungen und Naturdingen, wo eben das einzelne Naturding, die einzelne Naturerscheinung die Offenbarung des Göttlichen für den Menschen war, diese Anschauung ging aber dann über in eine ganz andere, wo sozusagen für die Erkenntnis sich zurückgezogen hatte, was göttlich ist in den Naturerscheinungen. Denken Sie sich — wenn es sein könnte, daß das Furchtbare einträte —, irgendeiner von Ihnen würde sich irgendwo placieren, und es würde geschehen, daß man an ihm nur mehr den Leib sieht, so wie man die Erde sieht, für sich neutral, ohne Beseelung: es wäre ja schrecklich, etwas ganz Furchtbares!
[ 10 ] This direct relationship to natural phenomena and natural objects—where the individual natural object or phenomenon itself was the revelation of the divine to humankind—this perspective then gave way to a completely different one, in which, so to speak, the divine aspect of natural phenomena had withdrawn from human understanding. Imagine—if it were possible for something terrible to happen—that one of you were to stand somewhere, and it happened that all one could see of him was his body, just as one sees the earth, neutral in itself, without any soul: it would be terrible, something truly dreadful!
[ 11 ] Aber dieses Furchtbare ist für die Erkenntnis in der neueren Zeit eingetreten. Und dieses Furchtbare fühlten die Erkennenden des Mittelalters. Es ist so, wie wenn das Göttliche sich zurückgezogen hätte für das Erkennen aus den Naturerscheinungen und Naturvorgängen. Und während in der alten Zeit Naturdinge und Naturvorgänge Offenbarungen des Göttlichen sind, kommt diese mittlere Zeit, und da sind Naturdinge und -Vorgänge nur Bilder, nicht mehr Offenbarungen, sondern Bilder des Göttlichen.
[ 11 ] But this dreadful reality has become apparent to modern thought. And this dreadful reality was felt by the thinkers of the Middle Ages. It is as if the divine had withdrawn from the realm of human understanding as manifested in natural phenomena and processes. And whereas in ancient times natural phenomena and processes were revelations of the divine, this intermediate period arrived, and now natural phenomena and processes are merely images—no longer revelations, but images of the divine.
Alte Zeit: Naturdinge und -Vorgänge
Offenbarungen des GöttlichenMittlere Zeit: Naturdinge und -Vorgänge
Bilder des Göttlichen
Ancient Times: Natural Phenomena and Processes
Manifestations of the DivineMiddle Ages: Natural Phenomena and Processes
Images of the Divine
[ 12 ] Aber der heutige Mensch hat nicht einmal mehr einen rechten Begriff, inwiefern Naturvorgänge und so weiter Bilder des Göttlichen sind. Ich möchte Ihnen an einem Beispiel, das auch heute natürlich jedem bekannt sein kann, der irgendwie ein bißchen Chemie gelernt hat, zeigen, wie bei denjenigen Menschen, die wenigstens noch drinnen standen in der Anschauung: Naturdinge und Naturvorgänge sind Bilder des Göttlichen, wie bei diesen Menschen der Betrieb der Naturwissenschaft war.
[ 12 ] But people today no longer even have a proper understanding of the extent to which natural processes and the like are images of the divine. I would like to use an example—one that, of course, anyone today who has studied even a little chemistry will be familiar with—to show you how natural science was practiced by those people who still held the view that natural phenomena and processes are images of the divine.
[ 13 ] Nehmen Sie einen einfachen Versuch, der heute ja von dem Chemiker immer gemacht werden kann. Man nehme eine Retorte — ich will es ganz schematisch erklären —, gebe in die Retorte Oxalsäure hinein, die man aus dem Klee bekommen kann, und vermische diese Oxalsäure zu gleichen Teilen mit Glyzerin. Dann erhitze man diese Mischung von Glyzerin und Oxalsäure, und man bekommt — wie gesagt, ich zeichne schematisch — die hier weggehende Kohlensäure. Die Kohlensäure geht weg, und was hier übrig bleibt, das ist Ameisensäure. Die Oxalsäure verwandelt sich sozusagen unter Verlust der Kohlensäure in Ameisensäure.
[ 13 ] Let’s consider a simple experiment that any chemist can perform today. Take a retort—I’ll explain this very schematically—pour oxalic acid into the retort (which can be obtained from clover), and mix this oxalic acid in equal parts with glycerin. Then heat this mixture of glycerin and oxalic acid, and you’ll get—as I said, I’m describing this schematically—carbon dioxide escaping here. The carbon dioxide escapes, and what remains here is formic acid. The oxalic acid is converted, so to speak, into formic acid through the loss of carbon dioxide.


[ 14 ] Nun, bitte sehen Sie sich dieses Schema an: Oxalsäure, Ameisensäure; Kohlensäure geht fort. Sie können nun, indem Sie im Laboratorium die Retorte vor sich haben, diesen Versuch anstellen. Sie können nun davorstehen wie ein heutiger Chemiker, der eben bei diesem Versuch abschließt.
[ 14 ] Well, please take a look at this diagram: oxalic acid, formic acid; carbon dioxide escapes. Now, with the retort in front of you in the laboratory, you can conduct this experiment. You can stand there just like a modern chemist who has just completed this experiment.
[ 15 ] So war es bei dem mittelalterlichen Menschen vor dem dreizehnten, vierzehnten Jahrhundert nicht der Fall; sondern dieser Mensch blickte nun sogleich nach zweierlei hin. Er sagte: Oxalsäure, ja gewiß, am hervorragendsten ist sie im Klee, Kleesäure; aber Oxalsäure ist in gewissen Mengen im ganzen menschlichen Organismus, namentlich aber bei demjenigen Teil des menschlichen Organismus, der die Verdauungsorgane, Milz, Leber und so weiter umschließt. So daß, wenn Sie den menschlichen Organismus nehmen, Sie da, wo der Verdauungstrakt ist, vorzugsweise mit Vorgängen zu rechnen haben, die unter dem Einfluß der Oxalsäure stehen.
[ 15 ] This was not the case for people in the Middle Ages before the thirteenth and fourteenth centuries; rather, these people immediately focused on two things. They said: Oxalic acid—yes, certainly, it is most abundant in clover; clover acid; but oxalic acid is present in certain quantities throughout the entire human organism, particularly in that part of the human organism that encompasses the digestive organs—the spleen, liver, and so on. So that when you consider the human organism, you must expect, particularly in the area of the digestive tract, processes that are influenced by oxalic acid.
[ 16 ] Aber das ist so, daß nun auf diese Oxalsäure, die namentlich im menschlichen Unterleibe vorhanden ist und dort ihre Bedeutung hat, durch den menschlichen Organismus selber eine solche Wirkung ausgeübt wird, oder eine ähnliche Wirkung wie in der Retorte auf die Oxalsäure durch das Glyzerin. Eine Glyzerinwirkung geschieht hier. Und denken Sie sich das Merkwürdige: Unter dem Einfluß der Glyzetinwirkung geht in Lunge und Atmungsluft das Verwandlungsprodukt der Oxalsäure über: Ameisensäure. Und der Mensch atmet Kohlensäure aus, die dort herauskommt (siehe Zeichnung). Sie stoßen mit der Atemluft nach außen; damit stoßen Sie die Kohlensäure heraus. Sie können zunächst ganz gut das hier (die Retorte mit der erhitzten Mischung von Glyzerin und Oxalsäure) als den menschlichen Verdauungstrakt ansehen; das, wo die Ameisensäure abfließt, als die Lunge, und das hier als die ausgeatmete Luft, die Kohlensäure aus der Lunge.
[ 16 ] But the fact is that the human organism itself exerts an effect on this oxalic acid—which is present, in particular, in the human abdomen and plays an important role there—an effect similar to that exerted by glycerin on oxalic acid in a retort. A glycerin-like effect occurs here. And consider this remarkable fact: Under the influence of this glycerin-like effect, the conversion product of oxalic acid—formic acid—is produced in the lungs and respiratory air. And the human being exhales carbon dioxide, which is released there (see diagram). You expel it outward with your breath; in doing so, you expel the carbon dioxide. For now, you can think of this (the retort containing the heated mixture of glycerin and oxalic acid) as the human digestive tract; the point where the formic acid flows out as the lungs; and this here as the exhaled air—the carbon dioxide from the lungs.
[ 17 ] Nun ist der Mensch keine Retorte. Die Retorte zeigt eben auf tote Weise, was im Menschen lebendig und empfindend vorhanden ist. Aber das ist richtig: Würde der Mensch niemals Oxalsäure entwickeln in seinem Verdauungstrakt, so würde er überhaupt nicht leben können, daß heißt, sein Ätherleib hätte gar keine Grundlage in seinem Organismus. Würde der Mensch aber nicht die Oxalsäure in Ameisensäure verwandeln, so hätte sein astralischer Leib keine Grundlage in seinem Organismus. Der Mensch braucht für seinen Ätherleib Oxalsäure, für seinen astralischen Leib Ameisensäure. Und er braucht nicht etwa diese Substanzen, sondern er braucht die Arbeit, die Tätigkeit im Innern, welche darinnen besteht, daß der Oxalsäure-Prozeß stattfindet, daß der Ameisensäure-Prozeß stattfindet. Das ist natürlich etwas, was die heutige Physiologie erst gewinnen muß, sie kann heute noch nicht so sprechen, denn sie spricht von dem, was im Menschen vor‚geht, als wenn es äußerliche Prozesse wären.
[ 17 ] Now, a human being is not a test tube. The test tube merely demonstrates, in a lifeless way, what is alive and sentient within a human being. But this is true: If a human being were never to produce oxalic acid in his digestive tract, he would not be able to live at all—that is to say, his etheric body would have no foundation whatsoever in his organism. But if a human being were not to convert oxalic acid into formic acid, his astral body would have no foundation in his organism. Human beings need oxalic acid for their etheric body and formic acid for their astral body. And they do not need these substances per se, but rather the inner work and activity that consists in the oxalic acid process taking place and the formic acid process taking place. This, of course, is something that modern physiology has yet to grasp; it cannot speak in these terms today, for it speaks of what takes place within the human being as if these were external processes.
[ 18 ] Das war das eine, was derjenige, der dazumal Naturwissenschaft getrieben hat und vor seiner Retorte gesessen ist, sich fragte: Wie ist irgendein äußerer Vorgang, den ich in einer Retorte oder in einer anderen chemischen Anordnung wahrnehme, wie ist dieser Vorgang im Menschen?
[ 18 ] That was the one question that anyone who practiced natural science back then and sat in front of his retort asked himself: How does any external process that I observe in a retort or in some other chemical setup correspond to a process within the human being?
[ 19 ] Die zweite Frage war diese: Wie ist dieser Vorgang in der großen Natur draußen? Nun, für diesen Vorgang, wenn ich ihn als ein Beispiel wählen würde, würde sich der damalige Naturforscher gesagt haben: Ich wende nun den Blick hinaus auf die Erde, wo die Pflanzenwelt ausgebreitet ist. Allerdings — ausgesprochen, radikal, findet sich die Oxalsäure im Sauerklee, in den Kleearten überhaupt; aber in Wirklichkeit findet sich die Oxalsäure überall ausgebreitet in der Vegetation, wenn auch zuweilen in homöopathischer Dosis, aber sie ist überall da. Überall ist zugleich wenigstens ein Anflug, wenn auch manchmal ein homöopathischer Anflug von dem vorhanden, was zum Beispiel die Insektenart der Ameisen dadurch macht, daß die Ameisen noch herankommen an die Oxalsäure selbst im modernden Holze. Dieses Insektenheer, das dem Menschen oftmals so lästig wird, verwandelt das, was ausgebreitet ist als Oxalsäure über die Wiesen, über die Fluren, über den ganzen Vegetationsboden der Erde, in Ameisensäure. Und wir atmen tatsächlich die Ameisensäure, wenn auch in geringer Dosis, fortwährend aus der Luft ein, verdanken diese Ameisensäure, die in der Luft vorhanden ist, der Arbeit der Insekten an den Pflanzen, indem die Oxalsäure der Pflanzen in Ameisensäure umgewandelt wird.
[ 19 ] The second question was this: How does this process occur in the great outdoors? Well, regarding this process—if I were to choose it as an example—the naturalist of that time would have said to himself: I now turn my gaze out toward the earth, where the plant world is spread out. Admittedly—in a pronounced, radical form—oxalic acid is found in wood sorrel and in clover species in general; but in reality, oxalic acid is widespread throughout the vegetation, even if sometimes in homeopathic doses—yet it is present everywhere. Everywhere there is at least a trace—even if sometimes only a homeopathic trace—of what, for example, the insect species known as ants produce by being able to access oxalic acid even in decaying wood. This army of insects, which is often such a nuisance to humans, transforms what is spread as oxalic acid across the meadows, across the fields, across the entire vegetative layer of the earth, into formic acid. And we do, in fact, continuously inhale formic acid from the air—albeit in small doses—and owe the presence of this formic acid in the air to the work of the insects on the plants, as they convert the plants’ oxalic acid into formic acid.
[ 20 ] So sagte sich der mittelalterliche Naturforscher: Im Menschen ist der Umwandlungsprozeß von Oxalsäure in Ameisensäure vorhanden. ‚Aber im Leben und Treiben der Natur ist ebenso dieser Umwandlungsprozeß vorhanden.
[ 20 ] The medieval naturalist reasoned as follows: The process of converting oxalic acid into formic acid occurs in humans. “But this conversion process is also present in the life and activity of nature.”
[ 21 ] Diese zwei Fragen stellte sich der mittelalterliche Naturforscher bei jedem Vorgang, den er in seinem Laboratorium machte. Und nun war ihm etwas eigentümlich, diesem mittelalterlichen Naturforscher, was heute dem Menschen ganz abhanden gekommen ist. Heute denkt man, im Laboratorium kann ja jeder forschen, ob einer nun ein guter oder ein schlechter Mensch ist, darauf kommt es ja nicht an. Man hat die Formeln, man analysiert oder synthetisiert; das kann ja jeder machen. Damals, als in dieser Weise an die Natur herangegangen wurde, wo man die Natur genommen hat als Wirkung des Göttlichen, das heißt des Göttlichen im Menschen, wie ich es dargestellt habe, und des Göttlichen in der großen Natur, damals hatte man die Anforderung: Der Mensch, der so forscht, muß zu gleicher Zeit eine innere Frömmigkeit haben. Er muß in der Lage sein, seine Seele und seinen Geist hinrichten zu können zu dem Göttlich-Geistigen der Welt. Und man war sich klar darüber, denn es war eine Tatsache: Derjenige, der sich wie zu einer Opferhandlung vorzubereiten hatte zu seinem Experimentieren und wirklich innerlich warm geworden war von Übungen der Frömmigkeit für sein Experimentieren, der machte eben die Erfahrung, daß ihn das Experiment hineinführte auf der einen Seite in die Erforschung des Menschen, auf der anderen Seite hinausführte in die Erforschung der großen Natur. So daß man die innerliche Güte als Vorbereitung für das Forschen ansah, und man sah seine Laboratoriumsversuche so an, daß man die Fragen, die sie einem beantwortete, als von göttlichgeistigen Wesen gern beantwortet gehabt hätte.
[ 21 ] The medieval naturalist asked himself these two questions every time he conducted an experiment in his laboratory. And there was something peculiar about this medieval naturalist—something that people today have completely lost. Today people think that anyone can conduct research in a laboratory—whether one is a good or a bad person doesn’t matter. You have the formulas; you analyze or synthesize—anyone can do that. Back then, when nature was approached in this way—when nature was regarded as an effect of the Divine, that is, of the Divine within the human being, as I have described, and of the Divine in the greater natural world—back then, there was a requirement: the person conducting such research must at the same time possess an inner piety. He must be able to direct his soul and spirit toward the divine-spiritual aspect of the world. And people were clear about this, for it was a fact: whoever had to prepare for their experimentation as if for a sacrificial rite, and had truly warmed themselves inwardly through exercises of piety for their experimentation, would experience that the experiment led them, on the one hand, into the exploration of the human being, and on the other hand, out into the exploration of the great natural world. Thus, inner goodness was regarded as preparation for research, and one viewed one’s laboratory experiments in such a way that the questions they answered were seen as ones one would have gladly had answered by divine-spiritual beings.
[ 22 ] Nun, damit habe ich Ihnen aber jenen Übergang charakterisiert, der stattgefunden hat von dem Geiste der alten Mysterien zu dem, was dann Mysterienwesen im Mittelalter hat sein können. Sehen Sie, traditionell hat sich ja manches von den alten Mysterien auch in das Mysterienwesen des Mittelalters herein bewahrt. Aber was die eigentliche Größe selbst der Spät-Mysterien, der von Samothrake oder von Hybernia war, was das eigentlich Große daran war, das konnte dennoch im Mittelalter nicht erreicht werden.
[ 22 ] Well, with that I have described the transition that took place from the spirit of the ancient mysteries to what the mystery cults of the Middle Ages may have been. You see, traditionally, many elements of the ancient mysteries were indeed preserved in the mystery traditions of the Middle Ages. But the true greatness of the late mysteries—those of Samothrace or Hybernia—what was truly great about them—could not be attained in the Middle Ages.
[ 23 ] Traditionell hat sich so etwas ja bewahrt selbst bis in unsere Tage herein, was Astrologie genannt wird. Traditionell hat sich dasjenige bewahrt, was Alchemie genannt wird. Aber man weiß ja heute schon gar nicht, und man hat auch schon im zwölften, dreizehnten Jahrhundert kaum gewußt, welches die Bedingungen des wirklichen astrologischen Wissens und des wirklichen alchemistischen Wissens sind.
[ 23 ] Traditionally, something like this—what is called astrology—has been preserved right up to the present day. Traditionally, what is called alchemy has been preserved. But people today have no idea—and even in the twelfth and thirteenth centuries, they hardly knew—what the conditions for true astrological knowledge and true alchemical knowledge are.
[ 24 ] Sehen Sie, durch Nachdenken oder durch empirisches Forschen, wie man es heute nennt, kann ja niemand zur Astrologie kommen. Diejenigen Menschen, die in die alten Mysterien eingeweiht waren, hätten Ihnen, wenn Sie sie gefragt hätten, ob man durch Forschung, durch Nachdenken zur Astrologie kommen kann, geantwortet: Du kannst zur Astrologie kommen durch Nachdenken, durch empirische Forschung genau ebenso gut, wie du die Geheimnisse eines Menschen durch empirische Forschung und durch Nachdenken erfahren kannst, wenn er sie dir nicht sagt. Nehmen Sie an, es gäbe etwas, was nur ein Mensch weiß, was niemand weiß, als dieser Mensch; und jemand würde behaupten, er machte Experimente, um hinter das zu kommen, was der Mensch weiß, oder er denkt nach darüber, was der Mensch weiß — nicht wahr, absurd wäre das! Aber über astrologische Dinge etwas zu erfahren durch Nachdenken, oder durch Experimente, oder durch Beobachtungen, hätte ein alter Mensch ebenso absurd gefunden, wie heute ein Mensch es absurd findet, wenn man erforschen will, was man nur dadurch erfahren kann, daß es einem einer sagt. Denn die alten Menschen haben gewußt: Die Geheimnisse der Sternenwelten kennen nur die Götter, oder wie man es später genannt hat, die kosmischen Intelligenzen. Die kosmischen Intelligenzen, die wissen die Geheimnisse der Sternenwelten, die nur können es einem sagen. Daher muß man den Erkenntnisweg machen, der einen dazu führt, sich mit den kosmischen Intelligenzen verständigen zu können.
[ 24 ] You see, no one can arrive at astrology through reflection or through empirical research, as it is called today. Those who were initiated into the ancient mysteries would have answered you—if you had asked them whether one can arrive at astrology through research or through reflection—as follows: You can arrive at astrology through reflection and through empirical research just as easily as you can discover the secrets of a person through empirical research and reflection if that person does not tell you. Suppose there were something that only one person knew—something that no one else knew except that person—and someone claimed that they were conducting experiments to discover what that person knows, or that they were reflecting on what that person knows—wouldn’t that be absurd! But to learn something about astrological matters through reflection, or through experiments, or through observations, would have seemed just as absurd to an ancient person as it seems absurd to a person today to try to investigate what can only be learned by having someone tell you. For the ancients knew: Only the gods—or, as they were later called, the cosmic intelligences—know the secrets of the starry worlds. The cosmic intelligences—they know the secrets of the starry worlds; only they can tell us. Therefore, one must follow the path of knowledge that leads to being able to communicate with the cosmic intelligences.
[ 25 ] Wirkliche, wahrhaftige Astrologie beruht darauf, daß man in die Möglichkeit gelangt, die kosmischen Intelligenzen zu verstehen. Und wirkliche Alchemie? Wirkliche Alchemie beruht nicht darauf, daß man so forscht, wie der heutige Chemiker, eben auch experimentiert und nachdenkt, sondern Alchemie beruht darauf, daß man in den Naturprozessen die Naturgeister wahrnehmen kann, so daß man sich mit ihnen verständigen kann; daß einem die Naturgeister sagen, wie der Vorgang verläuft, was da eigentlich geschieht. Astrologie war in den ältesten Zeiten durchaus keine Spintisiererei und kein beobachtendes Forschen, sondern der Verkehr mit den kosmischen Intelligenzen. Alchemie war in den alten Zeiten durchaus kein beobachtendes Forschen, kein bloßes Nachdenken, sondern Verkehr mit den Naturgeistern. Das muß man zunächst wissen. Wäre man zu einem Ägypter der älteren Zeit, oder namentlich zu einem Chaldäer der älteren Zeit gekommen, so hätte einem der gesagt: Mein Observatorium habe ich dazu, um Zwiesprache halten zu können durch meine Instrumente und durch das, was ich aus meinem Geiste heraus mit Hilfe meiner Instrumente sprechen lasse — um Zwiesprache zu halten mit den kosmischen Intelligenzen. Und derjenige, der als frommer Naturforscher im Mittelalter vor die Retorte trat und an der Retorte auf der einen Seite naturwissenschaftlich das Innere des Menschen erforschte, auf der anderen Seite das Weben und Wesen der großen Natur, dieser mittelalterliche Forscher hätte gesagt: Ich experimentiere, weil durch das Experiment die Naturgeister zu mir sprechen. Der Alchemist war derjenige, der die Naturgeister beschwor. Alles, was später als Alchemie angesehen worden ist, ist eben dekadentes Produkt. Alles, was in älteren Zeiten Astrologie war, ist Ergebnis des Verkehrs mit den kosmischen Intelligenzen.
[ 25 ] True, authentic astrology is based on gaining the ability to understand the cosmic intelligences. And true alchemy? True alchemy does not rely on conducting research the way today’s chemists do—that is, through experimentation and reflection—but rather on being able to perceive the spirits of nature within natural processes, so that one can communicate with them; so that the spirits of nature tell one how the process unfolds and what is actually happening there. In the earliest times, astrology was by no means mere speculation or observational research, but rather communion with the cosmic intelligences. Alchemy in ancient times was by no means observational research or mere reflection, but rather communion with the spirits of nature. This is what one must first understand. If one had approached an Egyptian of earlier times, or specifically a Chaldean of earlier times, that person would have said: “I have my observatory so that I may engage in dialogue through my instruments and through what I allow to speak from my spirit with the help of my instruments—to engage in dialogue with the cosmic intelligences.” And the one who, as a devout natural scientist in the Middle Ages, stood before the retort and, through the retort, scientifically explored on the one hand the inner workings of the human being and, on the other hand, the weaving and essence of the great natural world—this medieval researcher would have said: “I experiment because, through the experiment, the spirits of nature speak to me.” The alchemist was the one who summoned the spirits of nature. Everything that was later regarded as alchemy is merely a decadent product. Everything that was astrology in earlier times is the result of communion with the cosmic intelligences.
[ 26 ] Nun, in dieser Zeit, in den ersten Jahrhunderten nach der Entstehung des Christentums, da war eigentlich schon die alte Astrologie, das heißt der Verkehr mit den kosmischen Intelligenzen, dahin. Man hatte die Tradition noch. Wenn die Sterne in Opposition, in Konjunktion standen und dergleichen, da rechnete man, nicht wahr, und so weiter. Man hatte alles das, was einem geblieben war als Tradition aus den Zeiten, da die Astrologen ihren Umgang mit den kosmischen Intelligenzen hatten. Aber während in dieser Zeit, ein paar Jahrhunderte nach der Entstehung des Christentums, die Astrologie eigentlich schon dahin war, blieb die Alchemie eigentlich noch vorhanden. Der Umgang mit den Naturgeistern war noch durchaus in späteren Zeiten möglich.
[ 26 ] Well, during that time—in the first centuries after the emergence of Christianity—ancient astrology, that is, communication with the cosmic intelligences, had actually already disappeared. The tradition still existed. When the stars were in opposition, in conjunction, and so on, people would make calculations, wouldn’t they, and so forth. People still had everything that remained as tradition from the times when astrologers communicated with the cosmic intelligences. But while during this period—a few centuries after the emergence of Christianity—astrology had essentially already faded away, alchemy actually still existed. Communication with the spirits of nature was still quite possible in later times.
[ 27 ] Und wenn wir jetzt hineinschauen in das, was im Mittelalter, sagen wir, im vierzehnten, aber sogar noch im fünfzehnten Jahrhundert ein wirklich rosenkreuzerisches alchemistisches Laboratorium war, da finden wir darinnen Instrumente, die verhältnismäßig manchmal sogar schon ähnlich sehen den heutigen Instrumenten, wenigstens kann man sich nach den heutigen Instrumenten schon Vorstellungen machen, was diese Instrumente der damaligen Zeit waren. Aber wenn wir dann geistig hineinschauen in diese rosenkreuzerischen Mysterien, so finden wir eigentlich überall drinnen, ich möchte schon sagen die ältere, noch ernstere und noch tiefer tragische Persönlichkeit, die dann zu dem Faust, namentlich zu dem Goetheschen Faust geworden ist. Und gegenüber dem, was in den rosenkreuzerischen Laboratorien steht als der Forscher mit dem tiefgründigen tragischen Gesichte, der eigentlich mit dem Leben nicht mehr fertig wird, gegenüber dem, was uns da entgegentritt, ist eigentlich der Goethesche Faust auch so etwas Ähnliches, wie jener — ich habe gestern mit einem radikalen Ausdrucke gesagt — Journalartikel-Apollo von Belvedere gegen den Apollo, wie er aus dem dampfenden Opferrauche am Kabiren-Altar sich gebildet hat.
[ 27 ] And if we now look into what was a true Rosicrucian alchemical laboratory in the Middle Ages—let’s say in the fourteenth, but even as late as the fifteenth century—we find instruments there that sometimes even look relatively similar to today’s instruments; at the very least, based on today’s instruments, we can already form an idea of what these instruments from that time were like. But when we then look inward, spiritually, into these Rosicrucian mysteries, we actually find everywhere within them—I would even say—the older, even more serious, and even more profoundly tragic figure who later became Faust, specifically Goethe’s Faust. And in contrast to what stands in the Rosicrucian laboratories—the researcher with the profound, tragic countenance who can no longer cope with life—in contrast to what confronts us there, Goethe’s Faust is actually something similar to that—as I said yesterday in rather radical terms — the “newspaper-article Apollo of Belvedere” as opposed to the Apollo who emerged from the billowing sacrificial smoke at the altar of the Cabiri.
[ 28 ] Man sieht im Grunde genommen, wenn man in diese alchemistischen Laboratorien des achten, neunten, zehnten, elften, zwölften, dreizehnten Jahrhunderts hineinschaut, in eine tiefe Tragik hinein. Und diese Tragik des Mittelalters, diese Tragik gerade der ernstesten Leute, die wird ja in keinem Geschichtsbuch in der richtigen Weise verzeichnet, denn man sieht nicht so recht in die Seelen hinein.
[ 28 ] Basically, when you look into these alchemical laboratories of the eighth, ninth, tenth, eleventh, twelfth, and thirteenth centuries, you see a profound tragedy. And this tragedy of the Middle Ages—this tragedy of the most serious-minded people, in particular—is not properly recorded in any history book, because one cannot truly see into their souls.
[ 29 ] Alle diese wirklichen Forscher, die in dieser Art den Menschen und das Weltall als Natur an der Retorte suchen, alle diese Menschen sind gesteigerte faustische Naturen in dem älteren Mittelalter, denn sie fühlen eines tief: Wenn wir experimentieren, dann sprechen die Naturgeister zu uns, die Geister der Erde, die Geister des Wassers, die Geister des Feuers, die Geister der Luft. Sie hören wir in ihrem Raunen, in ihrem Lispeln, in ihren eigentümlich verlaufenden, summend beginnenden Lauten, die dann übergehen in Harmonien und Melodien, um in sich zurückzukehren. So daß Melodien ertönen, wenn Naturvorgänge stattfinden. Man hat eine Retorte vor sich; man vertieft sich, wie ich gesagt habe, als frommer Mann in dasjenige, was da vorgeht. Gerade bei diesem Vorgang, wo man die Metamorphose erlebt der Oxalsäure in die Ameisensäure, gerade da erlebt man, wie zunächst, wenn man den Vorgang nun frägt, einem das Naturgeistige antwortet, so daß man das Naturgeistige dann benützen kann für das innere Wesen des Menschen. Da beginnt zunächst die Retorte durch farbige Erscheinungen zu sprechen. Man fühlt, wie die Naturgeister des Irdischen, die Naturgeister des Wäßrigen aus der Oxalsäure aufsteigen, sich geltend machen, wie aber dann das Ganze übergeht in ein summendes Melodiegestalten, Harmonien, die dann wieder in sich zurückkehren. So erlebt man diesen Vorgang, der dann die Ameisensäure und die Kohlensäure ergibt.
[ 29 ] All these true researchers, who in this way seek humanity and the universe as nature in the retort—all these people are heightened Faustian figures of the early Middle Ages, for they feel one thing deeply: When we experiment, the spirits of nature speak to us—the spirits of the earth, the spirits of water, the spirits of fire, the spirits of air. We hear them in their murmurs, in their whispers, in their peculiar, meandering sounds that begin with a hum, which then merge into harmonies and melodies before returning to themselves. So that melodies resound when natural processes take place. One has a retort before one; one immerses oneself, as I have said, like a devout man, in what is happening there. It is precisely during this process—where one witnesses the metamorphosis of oxalic acid into formic acid—that one experiences how, when one inquires into the process, the spiritual aspect of nature responds, so that one can then utilize this spiritual aspect for the inner being of the human being. There, the retort begins to speak through colored phenomena. One feels how the nature spirits of the earthly realm and the nature spirits of the aqueous realm rise from the oxalic acid and assert themselves, but then how the whole process transitions into a humming melody, harmonies that then return to themselves. This is how one experiences this process, which ultimately yields formic acid and carbonic acid.
[ 30 ] Und lebt man sich so hinein in dieses Übergehen des Farbigen in das Tönende, dann lebt man sich auch hinein in dasjenige, was einem der Laboratoriumsvorgang über die große Natur und über den Menschen sagen kann. Dann hat man schon das Gefühl: es offenbaren die Naturdinge und Naturvorgänge noch etwas, was die Götter sprechen, sie sind Bilder des Göttlichen. Und man wendet es innerlich nutzbringend auf den Menschen an. In allen diesen Zeiten war ja noch im hohen Grade Heilkunde zum Beispiel mit dem Wissen der allgemeinen Weltanschauung innig verbunden.
[ 30 ] And if one immerses oneself in this transition from the colorful to the resonant, then one also immerses oneself in what the laboratory process can tell us about the great forces of nature and about human beings. Then one already has the feeling that natural phenomena and processes reveal something more—that the gods speak through them; they are images of the divine. And one applies this insight fruitfully to human beings. In all those times, medicine, for example, was still intimately connected to the knowledge of the general worldview to a high degree.
[ 31 ] Nun, sagen wir, mit solcher Anschauung hätte man die Aufgabe, Therapeutisches auszubilden. Man hat einen Menschen vor sich. Dieselben äußeren Symptom-Komplexe können ja die mannigfaltigsten Krankheitszustände und Krankheitsursachen zum äußeren Ausdruck bringen. Aber mit einer Methode, die etwa das aufnimmt — ich sage nicht, daß sie heute so sein kann wie im Mittelalter, sie muß natürlich heute anders sein —, kann man sich sagen: Wenn ein ganz bestimmter Symptom-Komplex auftritt, so ist der Mensch nicht imstande, genügend Oxalsäure in Ameisensäure umzuwandeln. Er ist irgendwie zu schwach geworden, um Oxalsäure in Ameisensäure umzuwandeln. Man kann ihm vielleicht mit einem Heilmittel beikommen, wenn man ihm nun irgendwie Ameisensäure beibringt, so daß man ihm von außen hilft, wenn er selber die Ameisensäure nicht erzeugen kann.
[ 31 ] Well, let’s say that with such a perspective, one would have the task of developing a therapeutic approach. One has a person in front of one. The same external symptom complexes can, after all, be the outward expression of the most diverse disease states and causes of illness. But with a method that takes this into account—I’m not saying it can be the same today as it was in the Middle Ages; of course, it must be different today—one can say to oneself: When a very specific complex of symptoms appears, the person is unable to convert enough oxalic acid into formic acid. They have somehow become too weak to convert oxalic acid into formic acid. Perhaps one can treat them with a remedy by somehow supplying them with formic acid, so that one helps them from the outside when they cannot produce formic acid on their own.
[ 32 ] Sehen Sie, Sie können nun zwei, drei Leute, bei denen Sie diagnostiziert haben, daß sie die Ameisensäure nicht erzeugen können, mit Ameisensäure behandeln, es hilft ihnen ganz gut. Dann bekommen Sie einen Menschen, da ist etwas Ähnliches vorhanden. Sie geben Ameisensäure — es hilft gar nichts. In dem Augenblick, wo Sie aber Oxalsäure geben, hilft es sogleich. Warum? Ja, weil der Kräftemangel eben an einem anderen Orte liegt, da, wo die Oxalsäure in Ameisensäure umgewandelt werden soll. In einem solchen Falle würde jemand, der im Sinne dieser mittelalterlichen Forscher gedacht hat, eben gesagt haben: Ja, der menschliche Organismus wird unter Umständen, wenn man ihm einfach unter gewissen Voraussetzungen Ameisensäure gibt, sagen: die befördere ich nicht in die Lunge, oder dergleichen, damit es in die Atemluft kommt und in die Zirkulation, sondern ich will an einem ganz anderen Orte angegriffen werden, ich will schon in der Sphäre der Oxalsäure angegriffen werden; die will ich mir selber umwandeln in die Ameisensäure. Ich verzichte auf die Ameisensäure, die will ich mir selber machen.
[ 32 ] Look, you can now treat two or three people whom you’ve diagnosed as being unable to produce formic acid with formic acid, and it helps them quite well. Then you come across a person with a similar condition. You give them formic acid—it doesn’t help at all. But the moment you give oxalic acid, it helps immediately. Why? Well, because the deficiency lies in a different place—namely, where oxalic acid is supposed to be converted into formic acid. In such a case, someone who thought along the lines of these medieval researchers would have said: “Yes, under certain circumstances, if you simply give the human organism formic acid under specific conditions, it will say: I won’t transport this into the lungs, or anything like that, so that it enters the respiratory air and the circulation; rather, I want to be acted upon in a completely different place—I want to be acted upon already in the realm of oxalic acid; I want to convert that oxalic acid into formic acid myself. I’ll do without the formic acid—I’ll produce it myself.
[ 33 ] So sind eben die Dinge verschieden. Und um was es sich diesen alchemistischen Forschern handelte, die dieses Namens wert sind — denn natürlich ist mit diesen Dingen viel Schwindel, Dummheit und so weiter getrieben worden —, war immer dasjenige, was gesunde Natur des Menschen ist, in inniger Verbindung gedacht mit dem, was kranke Natur des Menschen war.
[ 33 ] That’s just how things are. And what these alchemical researchers—who are worthy of the name—were concerned with—for, of course, a great deal of fraud, foolishness, and so on has been perpetrated in connection with these matters—was always that which constitutes the healthy nature of human beings, conceived in intimate connection with that which constituted the diseased nature of human beings.
[ 34 ] Aber all das führte eben zu nichts anderem, als zu dem Verkehre mit den Naturgeistern. Der mittelalterliche Forscher hatte also diese Empfindung: Ich verkehre mit den Naturgeistern. Da gab es aber alte Zeiten, da verkehrten die Menschen mit den kosmischen Intelligenzen. Die sind mir verschlossen.
[ 34 ] But all of this led to nothing other than communion with the spirits of nature. The medieval researcher thus had this feeling: “I am in communion with the spirits of nature.” But there were ancient times when people were in communion with the cosmic intelligences. Those are beyond my reach.
[ 35 ] Ja, meine lieben Freunde, seitdem auch die Naturgeister sich von der menschlichen Erkenntnis zurückgezogen haben, seit Naturdinge und Naturvorgänge jene Abstraktionen geworden sind, als die sie dem heutigen Physiker und Chemiker erscheinen, seit jener Zeit entsteht jene Tragik nicht mehr, die im Mittelalter da war. Denn die Naturgeister, mit denen jene Menschen noch verkehrten, die reichten gerade hin, um die Sehnsucht nach den kosmischen Intelligenzen, zu denen die alten Menschen gekommen sind, zu erwecken. Aber man konnte den Weg zu den kosmischen Intelligenzen nicht mehr finden mit demjenigen, was gerade damals an Erkenntnismitteln aufgewendet werden konnte; man konnte nur den Weg zu den Naturgeistern finden. Und indem man die Naturgeister wahrnahm, die Naturgeister in die Erkenntnis herein bezog, empfand man so tragisch, daß man nicht zu den kosmischen Intelligenzen kommen konnte, von denen die Naturgeister selber wiederum inspiriert sind. Man nahm wahr, was die Naturgeister wissen; aber man konnte nicht durch sie hindurch bis zu den kosmischen Intelligenzen dringen. Das war die Stimmung.
[ 35 ] Yes, my dear friends, ever since the spirits of nature have also withdrawn from human understanding, ever since natural phenomena and processes have become the abstractions they appear to be to today’s physicists and chemists, ever since that time, the tragedy that existed in the Middle Ages no longer arises. For the nature spirits with whom those people still interacted were just enough to awaken the longing for the cosmic intelligences to which the ancient people had arrived. But it was no longer possible to find the path to the cosmic intelligences using the means of knowledge available at that time; one could only find the path to the nature spirits. And by perceiving the nature spirits—by incorporating them into one’s understanding—people felt a profound sense of tragedy that they could not reach the cosmic intelligences from which the nature spirits themselves are in turn inspired. They perceived what the nature spirits know; but they could not penetrate through them to the cosmic intelligences. That was the prevailing mood.
[ 36 ] Und im Grunde genommen war der Umstand, daß die NaturgeisterErkenntnis den mittelalterlichen Alchemisten geblieben ist, und die Erkenntnis der kosmischen Intelligenzen verlorengegangen ist, die Ursache ihrer Tragik. Und es war auch wiederum die Ursache dazu, daß schon dieser mittelalterliche Naturforscher nicht mehr zu einer vollständigen Menschenerkenntnis kommen konnte. Aber er ahnte noch, wo eine vollständige Menschenerkenntnis war. Und man muß schon sagen: Es ist wie eine Reminiszenz an dasjenige, was mancher Laboratoriumsmann im Mittelalter fühlte, wenn der Goethesche Faust sagt: Da steh? ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor — denn diese Lehre gaben im Grunde genommen gerade den Laboratoriumsmenschen die Naturgeister, zu denen sie vordrangen. Sie gaben aber auch keine rechte Seelenerkenntnis, diese Naturgeister.
[ 36 ] And, fundamentally speaking, the fact that the medieval alchemists retained their understanding of the spirits of nature, while their understanding of the cosmic intelligences was lost, was the cause of their tragedy. And this, in turn, was also the reason why even these medieval natural philosophers could no longer attain a complete understanding of humanity. But he still sensed where a complete understanding of humanity lay. And one must say: It is like a reminiscence of what many a laboratory scientist in the Middle Ages felt when Goethe’s Faust says: “Here I stand? “Here I stand, I poor fool, and am as wise as before”—for, in essence, it was precisely this lesson that the spirits of nature, whom they had managed to reach, imparted to the laboratory scientists. Yet these spirits of nature did not provide any true understanding of the soul either.
[ 37 ] Heute ist eben schon vieles auch an Tradition verlorengegangen; es muß aber wiedergefunden werden. Ich möchte sagen, die Nachricht von den wiederholten Erdenleben hatte dieser Forscher auch. Er stand in seinem Laboratorium; die Naturgeister hatten gerade das Eigentümliche, daß sie von allem Möglichen sprachen in der Beziehung der Substanzen, in der Schilderung der Geschehnisse der Welt, daß sie aber ganz und gar niemals sprachen von den wiederholten Erdenleben; sie hatten kein Interesse an den wiederholten Erdenleben.
[ 37 ] Today, much has already been lost to tradition; but it must be rediscovered. I would like to say that this researcher also had knowledge of repeated earthly lives. He was standing in his laboratory; the nature spirits had the peculiar trait that, while they spoke of all manner of things regarding the nature of substances and the description of world events, they never—not even once—spoke of repeated earthly lives; they had no interest in repeated earthly lives.
[ 38 ] Nun, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen einige der Gedanken vor die Seele gestellt, die als Ausgangspunkte einer tragischen Grundstimmung bei diesen mittelalterlichen Naturforschern vorhanden waren. Und wir wollen auf diese eigentümliche Gestalt hinblicken, auf diesen rosenkreuzerischen Forscher, der in dem früh-mittelalterlichen Laboratorium steht, mit seinem ernsten, oftmals so tiefgründigen, aber kummervollen Gesichte, mit keiner Verstandesskepsis, aber mit einer tiefen Ungewißheit des Gemütes, mit keiner Lähmung des Willens, aber mit dem Bewußtsein:
[ 38 ] Well, my dear friends, I have presented to you some of the thoughts that served as the starting points for a tragic underlying mood among these medieval natural philosophers. And let us turn our gaze to this peculiar figure, this Rosicrucian researcher standing in the early-medieval laboratory, with his serious, often so profound, yet sorrowful countenance—without intellectual skepticism, but with a deep uncertainty of the soul; without a paralysis of the will, but with the awareness:
O, Wille, Wille ist in mir —
Wie leite ich ihn hinaus zu den Bahnen,
Die zu den kosmischen Intelligenzen führen?
O, will, will is within me —
How do I direct it out toward the paths
that lead to the cosmic intelligences?
[ 39 ] Ja, da entstanden unzählige Fragen in dem Gemüte dieses mittelalterlichen Naturforschers! Und ein schwacher Abglanz davon ist der erste Faust-Monolog mit dem, was ihm folgt.
[ 39 ] Yes, countless questions arose in the mind of this medieval naturalist! And the first Faust monologue, along with what follows it, offers a faint reflection of that.
[ 40 ] Wir wollen uns morgen diesen ernsten Forscher mit tiefgründigem Gesichte, der eigentlich der Urvater des Goetheschen Faust ist, etwas genauer ansehen.
[ 40 ] Tomorrow, we’ll take a closer look at this serious scholar with the pensive expression, who is actually the forefather of Goethe’s Faust.
