The Composition of the Mysteries
GA 232
15 December 1923, Dornach
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The Composition of the Mysteries, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Aus dem, was ich gestern vorzubringen hatte, wird es vielleicht verständlich sein, wenn ich von Aristoteles, dem Zusammenfasser des gesamten Wissens, der gesamten Erkenntnis im Altertum im vierten vorchristlichen Jahrhunderte, sage, daß er, trotzdem er eigentlich nur eine Art logischen Systems über Mitteleuropa fließen ließ, dennoch auf dem Boden des griechischen und eigentlich des gesamten Mysterienwesens der damaligen Zeit stand. Ja, man wird sogar sagen müssen, daß derjenige, der solche Dinge wie Weltanschauungen nicht bloß mit dem Verstande, sondern auch mit dem Gemüte aufzunehmen in der Lage ist, herausfühlen kann aus den logischen Darstellungen des Aristoteles, daß ein gewisses inniges Verknüpftsein mit Naturgeheimnissen auch der aristotelischen Logik und Philosophie zugrunde liegt. Es war eben mehr das Schicksal des Aristoteles, ein logisches System über Europa auszugießen, als, wenn ich mich so ausdrücken darf, sein eigener Entwickelungsgang. Denn immerhin, man kann schon sagen, um die hier vorliegende eigentümliche Tatsache zu illustrieren: es wäre vielleicht undenkbar, daß Plato hätte der Lehrer Alexanders werden können, während Aristoteles es hat werden können.
[ 1 ] From what I had to say yesterday, it may become clear when I say of Aristotle—the synthesizer of all knowledge and all insight in antiquity during the fourth century B.C.—that, although he essentially only allowed a kind of logical system to flow through Central Europe, he nevertheless stood on the foundation of the Greek—and indeed the entire—mystery tradition of that time. Indeed, one must even say that anyone capable of absorbing such things as worldviews not merely with the intellect but also with the heart can sense from Aristotle’s logical expositions that a certain intimate connection with the mysteries of nature also underlies Aristotelian logic and philosophy. It was simply more a matter of Aristotle’s destiny to spread a logical system throughout Europe than, if I may put it this way, his own course of development. For, after all—and one can certainly say this to illustrate the peculiar fact at hand—it would perhaps have been unthinkable for Plato to have become Alexander’s teacher, whereas Aristotle was able to do so.
[ 2 ] Plato setzte gewiß in seiner Art nur die alten Mysterien in einer mehr ideellen Form fort. Aber gerade durch sein Ideelles wurde er die Persönlichkeit, die mehr hinwegführte von den Geheimnissen der Natur, während Aristoteles wiederum auf sie zurückführte, was Sie schon aus meinen ganz kurzen Darstellungen in meinen «Rätseln der Philosophie» ersehen können. Aber den vollen Tatbestand lernt man doch erst kennen, wenn man sich eine Vorstellung machen kann, wie der siebenjährige Unterricht, den Aristoteles dem Alexander gegeben hat, eigentlich seinem Inhalte nach war. Ich will in Kürze zusammenfassen, was, herausgehoben aus dem antiken Mysterienwesen, der Inhalt dieses Unterrichtes war.
[ 2 ] In his own way, Plato certainly merely continued the ancient mysteries in a more ideal form. But it was precisely through his idealism that he became the figure who led people further away from the mysteries of nature, while Aristotle, in turn, led them back to them—as you can already see from my very brief descriptions in my Riddles of Philosophy. But one can only truly grasp the full picture when one can form a conception of what the seven years of instruction that Aristotle gave to Alexander actually entailed in terms of content. I will briefly summarize what, drawn from the ancient mystery traditions, constituted the content of this instruction.
[ 3 ] Es war ja, wenn man überhaupt in jenen alten Zeiten in einer gültigen Weise über die Natur sprach, so, daß man unter der Natur nicht dasjenige verstand, was die heutige Naturwissenschaft versteht: die bloßen irdischen Erscheinungen, von denen man dann auf die außerirdischen Himmelserscheinungen äußerlich schließt; sondern man gliederte den Menschen an die Natur im allerweitesten Sinne an, und konnte das nur, wenn man auch den Geist in der Natur suchte, denn man ließ es sich in jenen alten Zeiten gar nicht beifallen, den Menschen etwa seelenlos und geistlos zu betrachten. Und so handelte es sich eigentlich bei dem Mysterienunterricht über die Natur immer darum, die Natur weit hinauszudehnen in das Kosmische, so weit, als der Kosmos dem Menschen durch seine Verwandtschaft mit ihm zugänglich sein konnte.
[ 3 ] Indeed, if one spoke of nature in a meaningful way at all in those ancient times, it was not in the sense that modern natural science understands it: merely earthly phenomena, from which one then draws superficial conclusions about extraterrestrial celestial phenomena; but rather, one linked human beings to nature in the broadest possible sense, and this was only possible if one also sought the spirit within nature, for in those ancient times it was simply unthinkable to regard human beings as soulless and spiritless. And so, in the mystery teachings on nature, the aim was always to extend nature far out into the cosmic realm—as far as the cosmos could be accessible to human beings through their kinship with it.
[ 4 ] Nun, aller Unterricht, aller ernst genommener Unterricht in jenen alten Zeiten war ja nicht ein Appell an den menschlichen Verstand oder an das äußere Beobachtungsvermögen des Menschen. Was man sich heute unter Wissen vorstellt, das spielte eigentlich in jenen älteren Zeiten, auch noch zur Zeit des Aristoteles, keine beträchtliche Rolle. Und wenn die Geschichtsschreiber der einzelnen Wissenschaften heute ihr eigenes wissenschaftliches Denken darstellen wollen, so sollten sie eigentlich erst bei Kopernikus oder Galilei anfangen; denn was sie zurückgehend zu dem noch hinzuflicken, das ist ja durchaus nicht zutreffend. Und wenn sie gar gegen das griechische Wissen hin gehen, so ist es die reine Phantasie, die sie da geben: es ist eine Art Fortsetzung der Gegenwart nach früheren Zeiten, die aber niemals real war. Denn auch zu Aristoteles’ Zeiten und von Aristoteles selber wurde jeder Unterricht, der ernst genommen wurde, so gegeben, daß er verknüpft war mit einer Umänderung der ganzen Menschennatur, mit einem Appell nicht nur an das menschliche Denken und Beobachten, sondern an das ganze menschliche Leben. Der Mensch sollte durch Erkenntnis eben ein anderes Wesen werden, als er ohne die Erkenntnis ist. Das war ja das Wesentliche, worauf es in den Mysterien ankam, daß der Mensch durch die Erkenntnis ein ganz anderes Wesen wurde, als er vorher war. Und gerade zu Aristoteles’ Zeiten war es so, daß man diese Umwandelung des Menschen vor allen Dingen dadurch herbeizuführen versuchte, daß man zwei polarisch einander entgegengesetzte Empfindungen auf die menschliche Seele wirken ließ.
[ 4 ] Well, all teaching—all teaching taken seriously in those ancient times—was not, after all, an appeal to human reason or to man’s capacity for external observation. What we today understand as knowledge did not actually play a significant role in those earlier times, not even in Aristotle’s day. And if the historians of the various sciences today wish to present their own scientific thinking, they should really begin with Copernicus or Galileo; for whatever they retroactively tack on to that is by no means accurate. And if they go as far back as Greek scholarship, what they present is pure fantasy: it is a kind of extension of the present into earlier times, which, however, never actually existed. For even in Aristotle’s time, and by Aristotle himself, any instruction that was taken seriously was imparted in such a way that it was linked to a transformation of the whole of human nature—an appeal not only to human thought and observation, but to the entirety of human life. Through knowledge, a person was meant to become a different being than he or she was without that knowledge. That was, after all, the essential point of the Mysteries: that through knowledge, a person would become a completely different being than he or she had been before. And precisely in Aristotle’s time, this transformation of the human being was sought above all by allowing two polar, mutually opposed sensations to act upon the human soul.
[ 5 ] Man ermahnte den Menschen, der unterrichtet werden sollte, der nach und nach zum Wissen, zur Erkenntnis kommen sollte, so recht menschlich sich hineinzufühlen in seine Naturumgebung. Sieh einmal — so sagte man etwa —, du atmest die Luft, aber du atmest die Luft, die im Sommer warm ist, im Winter kalt ist. Du atmest die Luft so, daß du deinen eigenen Atem in Dampfesgestalt, in Dunstgestalt im Winter wahrnehmen kannst. Er wird unsichtbar, wenn du warme Luft im Sommer atmest.
[ 5 ] People were urged—those who were to be taught, who were to gradually come to knowledge and understanding—to empathize in a truly human way with their natural surroundings. “Look,” they would say, for example, “you breathe the air, but you breathe air that is warm in summer and cold in winter. You breathe the air in such a way that you can perceive your own breath as vapor or mist in winter. It becomes invisible when you breathe warm air in summer.”
[ 6 ] Und an solch eine Erscheinung wurde angeknüpft. Man knüpfte nicht zunächst etwa so an die Natur an, daß man sagte: Sieh einmal, da hat ein Körper diese oder jene Temperatur; ich erwärme ihn in einer Retorte, er macht diese oder jene Veränderung durch. Nein, man knüpfte an den Menschen an, an den Menschen, wie er sich drinnen fühlt in jenem Zusammenhange, der den Atmungsprozeß darstellt. Und man ließ allmählich den Menschen auf der einen Seite zum Erfühlen, zum Empfinden kommen der erwärmten Luft: Stelle dir recht vor, was das heißt, erwärmte Luft. Sie will hinauf, und du mußt fühlen, indem die erwärmte Luft an dich herankommt, daß dich eigentlich etwas in die Weiten tragen will. Und fühle im Gegensatz dazu das kalte Wasser, das kalte Wasser in irgendeiner Form; fühle es nur. Du fühlst dich darinnen eigentlich nicht heimisch. In der warmen Luft fühlst du dich heimisch, so heimisch, daß dich die warme Luft in die Weiten des Kosmos tragen will. Im kalten Wasser fühlst du dich fremd, nicht heimisch. Aber du fühlst, wenn du fortgehst vom kalten Wasser, und wenn du das kalte Wasser außer dir tun läßt, was es tun will: dann wird diese Tatsache für dich etwas; dann, wenn du das kalte Wasser außer dir tun lässest, was es tun will, dann bereitet es selber zum Beispiel die Schneekristalle, die niederfallen auf die Erde. Außerhalb der Schneekristalle, die Schneekristalle beobachtend, fühlst du dich an deinem richtigen Orte. Die warme Luft kannst du eigentlich nur in dir fühlen, und du möchtest dich mit der aufwärtsstrebenden warmen Luft in die Weltenweiten tragen lassen. Das kalte Wasser kannst du nur eigentlich außer dir fühlen, und du möchtest es, damit du eine Verwandtschaft mit ihm hast, eigentlich in seinen Ergebnissen durch deine Sinne betrachten.
[ 6 ] And this phenomenon was taken as a starting point. At first, one did not approach nature by saying, for example: “Look, a body has this or that temperature; I heat it in a retort, and it undergoes this or that change.” No, one began with the human being—with the human being as he feels within himself in that context that constitutes the process of breathing. And gradually, on the one hand, people were led to feel and sense the warmed air: Imagine exactly what that means—warmed air. It wants to rise, and as the warmed air approaches you, you must feel that something actually wants to carry you out into the vastness. And in contrast, feel the cold water—cold water in any form; just feel it. You don’t really feel at home in it. In the warm air, you feel at home—so at home that the warm air wants to carry you out into the vastness of the cosmos. In the cold water, you feel like a stranger, not at home. But you feel that when you step away from the cold water, and when you let the cold water do whatever it wants outside of you: then this fact becomes something for you; then, when you let the cold water do whatever it wants outside of you, it itself creates, for example, the snowflakes that fall to the earth. Outside the snowflakes, observing the snowflakes, you feel you are in your rightful place. You can really only feel the warm air within yourself, and you want to let the upward-rising warm air carry you into the vastness of the universe. You can really only feel the cold water outside yourself, and—so that you may have a connection with it—you actually want to observe its effects through your senses.
[ 7 ] Das waren die zwei polarischen Gegensätze, an die man dazumal herangebracht wurde: zu fühlen, daß eigentlich «draußen und drinnen vom Menschen» ein leerer Ausdruck ist. Draußen und drinnen will eigentlich gar nichts Besonderes besagen. Viel will besagen: warme Luftigkeit, kalte Wäßrigkeit. Das sind Gegensätze, durch die der Mensch ganz seinem innersten Wesen nach in die Welt hineingestellt wird. Denn «draußen » ist erst etwas dadurch, daß es kalt-feucht ist, «drinnen» ist etwas dadurch, daß es warm-luftig ist. Qualitativ fühlte man diesen Gegensatz, und qualitativ das Hineingestelltsein des Menschen.
[ 7 ] These were the two polar opposites that people were led to consider at that time: to realize that “outside and inside the human being” is actually an empty expression. “Outside” and “inside” do not really mean anything specific. What does mean a great deal is: warm airiness, cold wateriness. These are opposites through which human beings are placed in the world in accordance with their innermost being. For “outside” is only such insofar as it is cold and damp; “inside” is only such insofar as it is warm and airy. This contrast was felt qualitatively, as was the human being’s placement within the world.
[ 8 ] Dann sprach man nicht mehr von Dingen, dann sprach man von dem Menschen selbst. Man sprach davon, daß das Warmluftige zu den Göttern hinführt, zu den Göttern in den Höhen, und daß das Feuchtkalte zu den unterirdischen Dämonen führt. Aber mit der Fahrt nach den unterirdischen Dämonen ist zu gleicher Zeit verbunden die Erkenntnis der Natur. Man muß nur mitbringen in die unteren Regionen das, was man erkundet und erlebt durch das Warmluftige in den Höhen, damit einem das Untere nichts anhaben kann. Und wenn man dann mit dieser inneren Empfindung für den Gegensatz des Warmluftigen und des Feuchtkalten, wenn man mit diesem Erlebnis an die Natur heranging, dann konnte man durch das weitere Erleben an den Naturgegenständen und Naturvorgängen tief hineinschauen in das Wesen des Weltenalls überhaupt.
[ 8 ] Then people no longer spoke of things; instead, they spoke of human beings themselves. They spoke of how the warm and airy leads to the gods—to the gods in the heights—and how the cold and damp leads to the subterranean demons. But the journey to the subterranean demons is simultaneously linked to an understanding of nature. One need only bring down into the lower regions what one has explored and experienced through the warm air in the heights, so that the lower realms cannot harm one. And if one then approached nature with this inner sense of the contrast between the warm and the cold and damp—if one approached nature with this experience—then, through further experience of natural objects and processes, one could look deeply into the very essence of the universe as a whole.
[ 9 ] Heute untersucht der Chemiker den Wasserstoff, schreibt dem Wasserstoff nach seinen Untersuchungen gewisse Eigenschaften zu. Dann beobachtet er die Weltenräume, sieht da etwas, was dieselben Eigenschaften offenbart wie der Wasserstoff im Laboratorium, und sagt, der Wasserstoff ist auch in den Weiten. Solch eine Unterweisung würde auch zu Aristoteles’ Zeiten noch eine Torheit gewesen sein. Aber man ging dazumal anders zu Werke.
[ 9 ] Today, the chemist studies hydrogen and, based on his investigations, attributes certain properties to it. Then he observes outer space, sees something there that exhibits the same properties as hydrogen in the laboratory, and concludes that hydrogen also exists in the vastness of space. Such a line of reasoning would have been considered sheer folly even in Aristotle’s time. But back then, people took a different approach.
[ 10 ] Wenn vertieft war das innere Erleben durch das, was ich eben angedeutet habe, dann führte man den Schüler zu der Beobachtung dessen, was nun wirklich in der aufstrebenden, sich in die Weltenweiten hinaus öffnenden Blume lebt. Pflanzenerkenntnis, das war dasjenige, wozu man den Schüler führte, Pflanzenerkenntnis: Schaue hinein in die sich öffnende Blumenkrone, beobachte, wie da das, was den Weiten der Welt entgegenstrahlt, auf dich einen Eindruck macht.
[ 10 ] Once the inner experience had been deepened by what I have just described, the student was then guided to observe what truly lives within the blossoming flower as it opens out into the vastness of the world. Knowledge of plants—that was what the student was guided toward: knowledge of plants. Look into the opening corolla of the flower; observe how what radiates out toward the vastness of the world makes an impression on you.
[ 11 ] Und indem der Schüler mit jenen vertieften Empfindungen, von denen ich Ihnen gesprochen habe, so über die sich öffnenden Blumen hinblickte, dann ging ihm eine innerliche Erkenntnis, eine innerliche Erleuchtung auf. Die Blumen draußen auf Erden wurden ihm zu Verkündern von Weltengeheimnissen in den Weiten. Die Blumen sprachen ihm von den Weltenweiten. Und in einer eindringlichen, aber nur andeutenden Weise führte der Lehrer den Schüler dahin, dieses Geheimnis, das von den Weiten der Welt einströmt in das Blumenwesen, aus sich selber heraus zu finden. Und so wurde der Schüler nach und nach dazu gebracht, auf die Frage des Lehrers: Was nimmst du denn da eigentlich wahr, wenn du hineinschaust in den sich öffnenden Blumenkelch, in die sich öffnende Blumenkrone, wo die Staubgefäße herauskommen und dir entgegenstrahlen, was nimmst du eigentlich wahr? — da wurde der Schüler dazu gebracht, zu sagen: Die Pflanzen erzählen mir, daß sie eigentlich durch die schwere, kalte Erde gezwungen sind, ihren Standort auf der Erde zu nehmen, daß sie aber eigentlich nicht aus der festen Erde gekommen sind, sondern in diese nur hineinbefestigt worden sind, daß sie in Wahrheit wassergeborene Wesen sind, und in dieser ihrer Lebendigkeit als wassergeborene Wesen im vorerlebten Zustand des Erdenseins — ich meine den in meiner «Geheimwissenschaft » beschriebenen Zustand, den Mondzustand — ihr wirkliches echtes Dasein gehabt haben. Sehen Sie, dazu wurde der Schüler gebracht, zu sagen: Das, was eigentlich die Geheimnisse des Mondes sind, der aus der Erde herausgegangen ist und noch etwas von dem vorirdischen Mondenzustande bewahrt, das spiegelt mir aus den Blumen entgegen. Denn die Blumen sagten dem Schüler nicht jede Nacht das gleiche. Wenn der Mond vor dem Löwen stand, sagten die Blumen etwas anderes, als wenn der Mond vor der Jungfrau oder vor dem Skorpion stand. Denn das, was der Mond bei seinem Umkreisen durch den Tierkreis erlebte, von dem erzählten die Blumen auf der Erde. Von den Geheimnissen des Weltenalls draußen erzählten die Blumen auf der Erde. Es war wirklich so, daß der Schüler durch das, was herangebracht wurde an ihn, aus seinem innersten Herzen heraus sagte:
[ 11 ] And as the student gazed upon the blooming flowers with those profound feelings I have spoken to you about, an inner realization, an inner enlightenment dawned upon him. The flowers out there on Earth became to him heralds of the world’s mysteries in the vast expanses. The flowers spoke to him of the vastness of the world. And in a compelling yet only suggestive way, the teacher guided the student to discover within himself this mystery that flows from the vastness of the world into the being of the flower. And so, little by little, the student was led, in response to the teacher’s question: “What do you actually perceive when you look into the opening calyx, into the opening corolla, where the stamens emerge and shine out toward you—what do you actually perceive?” — the student was led to say: “The plants tell me that they are actually compelled by the heavy, cold earth to take their place on the earth, but that they did not actually come from the solid earth, rather they have merely been anchored within it; that they are, in truth, water-born beings, and in this vitality of theirs as water-born beings, in the pre-experienced state of earthly existence—I mean the state described in my Occult Science, the lunar state—they have had their true, authentic existence.” You see, the student was led to say: “What are actually the mysteries of the Moon—which emerged from the Earth and still preserves something of the pre-earthly lunar state—is reflected back to me by the flowers.” For the flowers did not tell the student the same thing every night. When the Moon was in Leo, the flowers said something different than when the Moon was in Virgo or in Scorpio. For the flowers on Earth recounted what the Moon experienced as it circled through the zodiac. The flowers on Earth spoke of the mysteries of the universe out there. It was truly the case that, through what was brought to him, the student spoke from the depths of his heart:
Ich schaue in die Blumen;
Ihre Verwandtschaft mit dem Mondensein offenbaren sie;
Sie sind erdbezwungen nun, denn sie sind Wassergeborene.
I gaze at the flowers;
They reveal their kinship with the moon;
They are now bound to the earth, for they were born of water.
[ 12 ] Das konnte der Schüler fühlen, weil er ja vorher eingeführt worden war in dasjenige, was ihm das erkaltende Wasser gab. Er hatte das erlebt, und durch dieses Erlebnis kam er an der Blume zu dieser Erkenntnis.
[ 12 ] The student could sense this because he had previously been introduced to what the cooling water gave him. He had experienced it, and through that experience, he came to this realization when he saw the flower.
[ 13 ] Und wenn der Schüler genügend vertraut geworden war mit dem Mondengeheimnis, das die Pflanzen, die aus der Erde heraussprossen, verrieten, dann wurde er weiter an die Metalle der Erde herangeführt, an die Hauptmetalle: Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber, Silber, wie ich sie gestern in einem anderen Zusammenhange Ihnen vorgeführt habe. Und wenn er ein so vertieftes Empfindungsleben hatte, wie ich es jetzt angedeutet habe, dann erfuhr er gerade an den Metallen, indem er sich bekannt machte mit dem, was sie ihm geheimnisvoll sagten, die Geheimnisse des ganzen Planetensystems. Denn das Blei klärte ihn auf über den Saturn, das Zinn über Jupiter, das Eisen über Mars, das Gold über die Sonne, das Kupfer über die Venus, das Quecksilber über den Merkur, und wiederum das Silber über den Mond, insoferne der Mond nun nicht in engerer Verwandtschaft mit der Erde steht, sondern auch ein Angehöriger des ganzen Weltenalls ist. Und so wie der Schüler sich das Blumengeheimnis enthüllte, so enthüllte er sich das Metallgeheimnis. Es war also das Erste das Pflanzengeheimnis, das Zweite das Metallgeheimnis.
[ 13 ] And once the student had become sufficiently familiar with the mystery of the moon, as revealed by the plants sprouting from the earth, he was then introduced to the metals of the earth—the primary metals: lead, tin, iron, gold, copper, mercury, and silver—as I demonstrated to you yesterday in a different context. And if he possessed such a deeply attuned sensory life as I have just described, then it was precisely through the metals—by familiarizing himself with what they mysteriously revealed to him—that he came to know the secrets of the entire planetary system. For lead enlightened him about Saturn, tin about Jupiter, iron about Mars, gold about the Sun, copper about Venus, mercury about Mercury, and silver about the Moon—insofar as the Moon is not merely closely related to the Earth but is also a part of the entire universe. And just as the student revealed the secret of the flowers to himself, so he revealed the secret of the metals to himself. Thus, the first was the secret of the plants, and the second was the secret of the metals.
[ 14 ] Dieses Metallgeheimnis, das in den eleusinischen Mysterien durch das Ihnen gestern geschilderte mächtige Planiglobium der männlichen Statue gegeben worden ist, dieses Metallgeheimnis wurde in den Unterricht hineinverwoben auch noch zur Aristoteleszeit, und an diesem Metallgeheimnis enthüllte sich das Geheimnis der Planeten. Man empfand ja nicht so grob wie heute; man empfand, indem man an das Metall Blei herantrat, daß das Blei nicht nur in der bleigrauen Farbe dem ‚Auge erscheint, sondern dieses Bleigrau machte einen eigentümlichen Eindruck auf das innere Auge. Es löschte in einer gewissen Beziehung dieses Bleigrau des frischen Bleimetalles die anderen Farben aus, und man empfand ein Mitgehen mit der bleigrauen Metallität. Man kam in einen gewissen Bewußtseinszustand, und man kam hinein in das Erleben von etwas ganz anderem, als die Gegenwart ist. Man kam wirklich in eine Stimmung hinein, wie wenn die ganze Vorzeit der Erde vor einem aufstünde, indem das Gegenwärtige abgeblendet war durch das Bleigrau. Saturn-Natur enthüllte sich.
[ 14 ] This secret of metals, which was revealed in the Eleusinian Mysteries through the mighty planiglobe of the male statue I described to you yesterday, was woven into the teachings even in Aristotle’s time, and through this secret of metals, the mystery of the planets was unveiled. People’s perceptions were not as crude as they are today; when approaching the metal lead, they sensed that lead did not merely appear to the eye as a lead-gray color, but that this lead-gray made a peculiar impression on the inner eye. In a certain sense, this lead-gray of the fresh lead metal extinguished the other colors, and one felt oneself moving in harmony with the lead-gray metallic quality. One entered a certain state of consciousness and experienced something entirely different from the present. One truly entered a mood as if the entire prehistory of the Earth were unfolding before one, as the present was dimmed by the lead-gray. The nature of Saturn revealed itself.
[ 15 ] Beim Golde nimmt man, äußeren Analogien nach, an, daß die Alten in dem Golde einen Repräsentanten der Sonne gesehen haben. Das war wahrhaftig nicht bloß ein äußerliches Analogiespiel, daß man die Sonne als etwas Wertvolles am Himmel und das Gold als etwas Wertvolles auf der Erde angesehen hat. Es ist ja im Grunde genommen dem modernen Menschen nichts zu dumm, werin es sich darum handelt, die ‚Alten für dumm zu halten. Schaute man das Gold in seiner in sich geschlossenen glanzgelben Farbe, mit der Anspruchslosigkeit und dem Stolz nach außen, dann fühlte man in der Tat etwas, was man zunächst verwandt empfand der ganzen Blutzirkulation des Menschen. Man fühlte es der Qualität Gold gegenüber: da bist du drinnen, da fühlst du dich ein. Und durch diese Empfindung kam man dazu, die Natur des Sonnenhaften zu begreifen. Man fühlte die Verwandtschaft der Qualität Gold mit dem, was von der Sonne im Blute des Menschen wirkte.
[ 15 ] When it comes to gold, based on external analogies, it is assumed that the ancients saw gold as a representation of the sun. It was truly not merely a superficial play on analogies that the sun was regarded as something valuable in the sky and gold as something valuable on earth. After all, when it comes to dismissing the ‘ancients’ as foolish, nothing is too silly for modern people. If one looked at gold in its self-contained, brilliant yellow color—with its outward modesty and pride—one did indeed feel something that initially seemed akin to the entire human blood circulation. One felt this in relation to the quality of gold: there you are within it, there you feel at home. And through this sensation, one came to understand the nature of the solar. One felt the kinship between the quality of gold and that which the sun brings to bear in human blood.
[ 16 ] Und so nahm man durch die einzelnen Metalle das ganze Planetensystem wahr. Und es kam der Schüler dazu, das Denken über die Dinge, das nicht so abstrakt vorzustellen ist wie das heutige Denken, in der folgenden Weise anzuwenden:
[ 16 ] And so, through the individual metals, the entire planetary system was perceived. And the student came to apply this way of thinking about things—which cannot be conceived of as abstractly as today’s thinking—in the following manner:
Ich denke über die Metalle; Tee
Ihre Verwandtschaft mit den Planeten offenbaren sie;
Sie sind erdbezwungen, denn sie sind Luftgeborene.
I am thinking about the metals; tea
They reveal their connection to the planets;
They are earth-bound, for they are born of air.
[ 17 ] In der Tat, die Metalle, wie sie in der Erde heute sind, kamen aus dem Kosmos in Luftesform und wurden nach und nach flüssig erst während des Mondendaseins. Sie kamen in Luftesform, als die Erde in ihrem alten Sonnenzustande war, erlangten die flüssige Form während des Mondendaseins und wurden erdbezwungen in die feste Form hinein eben während der Erdenzeit. Das war das zweite Geheimnis, das sich dem Schüler enthüllte.
[ 17 ] In fact, the metals, as they exist in the Earth today, came from the cosmos in gaseous form and gradually became liquid only during the Moon phase. They arrived in gaseous form when the Earth was in its ancient solar state, attained a liquid form during the Lunar Era, and were transformed into a solid form by the Earth’s influence precisely during the Earth Era. That was the second mystery revealed to the student.
[ 18 ] Das dritte Geheimnis, das sollte dem Schüler dadurch aufgehen, daß er beobachten lernte, wie über die Erde hin die Menschen, die Völker verschieden sind. Man gehe nach dem warmen Afrika mit seinem eigentümlichen Klima, man findet dort die Menschen schon äußerlich der Hautfarbe nach verschieden dem Menschen von Hellas. Man gehe nach Asien hinüber; wiederum findet man die Menschen verschieden. Und eine feine Empfindung hatten ja die Griechen für die äußeren Verschiedenheiten der Menschen.
[ 18 ] The third mystery was meant to become clear to the student as he learned to observe how people and peoples differ across the earth. Go to warm Africa with its distinctive climate, and you will find that people there differ from the people of Greece even in their outward appearance, based on skin color. Go over to Asia, and again you will find people who are different. And the Greeks certainly had a keen sense of the outward differences among people.
[ 19 ] Eine der interessantesten Schriften, die von Aristoteles auf die Nachwelt gekommen sind, ist die Schrift über die Physiognomik, worunter aber nicht bloß die Gesichtsphysiognomik verstanden wurde, sondern wo die Physiognomik des ganzen Menschen studiert wurde mit dem ‚Anspruch, daß man dadurch die wahre Natur des Menschen kennenlernt, wie der Mensch sein Haar gekräuselt oder glatt hatte, je nach den verschiedenen Klimaten, in denen er war, wie er nicht nur seine Hautfärbung, sondern den gesamten Ausdruck seines Menschenwesens änderte, je nachdem er unter diesem oder jenem Klima geboren wurde.
[ 19 ] One of the most interesting works by Aristotle that has survived to this day is his treatise on physiognomy, which, however, was not limited to facial physiognomy, but studied the physiognomy of the entire human being with the “claim that through this one can come to know the true nature of man—how a person’s hair was curly or straight, depending on the various climates in which he lived, and how he changed not only his skin color but the entire expression of his human nature, depending on whether he was born under this or that climate.
[ 20 ] Lernte man die Spiegelung des Mondengeheimnisses in den Blumen, lernte man die Spiegelung der Planeten in den Metallen, so lernte man das eigentliche Menschengeheimnis auf Erden nun durch diesen dritten Unterricht kennen. Und darin leistete ja gerade die Naturwissenschaft der damaligen Zeit außerordentlich viel, die Mannigfaltigkeit der Menschennatur auf Erden auf sich wirken zu lassen und zur Beantwortung der Frage zu kommen: Welche Urgestalt des Menschen liegt eigentlich den Absichten der Götter zugrunde ?
[ 20 ] Just as one learned about the reflection of the mystery of the moon in flowers, and the reflection of the planets in metals, so too did one come to know the true mystery of humanity on Earth through this third lesson. And in this regard, the natural sciences of that time made an extraordinary contribution to allowing the diversity of human nature on Earth to take effect and to arriving at an answer to the question: What primordial form of humanity actually underlies the intentions of the gods?
[ 21 ] Und an den Gestaltungen, an der Physiognomik der Menschen über die Erde hin, so wie sie vorgeführt wurde, lebendig vorgeführt wurde, ging dem Schüler innerlich erst das Geheimnis des Tierkreises auf. Denn so, wie dieser Tierkreis auf die Elemente der Erde wirkt, wie dieser Tierkreis im Zusammenhange mit dem Planetensystem und mit dem Monde zu der entsprechenden Jahreszeit die Winde in dieser Richtung herträgt, zu der anderen Jahreszeit in jener Richtung, bald warme Lüfte über irgendeine Gegend bringend, bald kalte Schauer über eine Gegend hinfegend und dadurch in das menschliche Leben tief eingreifend, dafür suchten die damaligen Naturforscher die Ursprünge in den Einflüssen, die von den Tierkreissternen, modifiziert durch die Planeten und die Sonne und den Mond, auf die Erde einstrahlten.
[ 21 ] And it was through the forms, through the physiognomy of human beings across the earth—as it was presented, vividly presented—that the mystery of the zodiac first dawned on the student inwardly. For just as this zodiac influences the elements of the Earth, and just as this zodiac—in conjunction with the planetary system and the Moon—drives the winds in one direction during one season and in another direction during another season, sometimes bringing warm air over a region, sometimes sweeping cold showers across a region, and thereby profoundly affecting human life, the natural scientists of that time sought the origins of these phenomena in the influences radiating toward the Earth from the stars of the zodiac, modified by the planets, the Sun, and the Moon.
[ 22 ] Und von einem besonderen Interesse war es für die Naturgeschichte der damaligen Zeit, zu sagen: Da ist ein Mensch — schwarzes gekräuseltes Haar, angerötete Gesichtsfarbe, so und so gestaltete Nase und so weiter: das ist ein Mensch, der verweist mich auf das Zeichen des Löwen, wie der Löwe ausstrahlte seine Kräfte, abgeschwächt oder verstärkt durch die anderen Planeten, je nachdem sie in dieser oder jener Stellung waren. Das ist ein Mensch, der innerlich nach seinem Karma in seiner Leber diese oder jene Eigenschaften trägt. Solch eine Eigenschaft in der Leber, die zum Beispiel einen Anflug von Melancholie in das Seelenleben hineinbringt, sie wurde herbeigeführt dadurch, daß sich in einem gewissen Zeitpunkte Venus in ein gewisses Verhältnis brachte zu Jupiter, und das der Löwenstrahlung einen gewissen Charakter gab. Ich schaue in der besonderen Beschaffenheit des Temperamentes im Zusammenhange mit der Leberbeschaffenheit dieses kosmische Determiniertsein, dieses kosmische Bestimmtsein des Menschen. Ich dehne das aus auf die Qualitäten der Völker der Erde. Ich schaue in demjenigen, was der Mensch zusammen erlebt mit dem atmosphärischen Umkreis, das Geheimnis des Tierkreises.
[ 22 ] And it was of particular interest to the natural history of that time to say: Here is a person—with black, curly hair, a ruddy complexion, a nose of such-and-such a shape, and so on: this is a person who reminds me of the sign of Leo, just as the lion radiated its powers, weakened or strengthened by the other planets, depending on whether they were in this or that position. This is a person who, inwardly, according to his karma, bears these or those qualities in his liver. Such a quality in the liver—which, for example, introduces a touch of melancholy into the soul life—was brought about by the fact that, at a certain point in time, Venus entered into a certain relationship with Jupiter, and this gave the lion’s radiance a certain character. I see this cosmic predetermination, this cosmic destiny of the human being, in the particular nature of the temperament in connection with the nature of the liver. I extend this to the qualities of the peoples of the Earth. I see the mystery of the zodiac in what human beings experience in unison with their atmospheric surroundings.
[ 23 ] Und indem der Schüler so eingeführt wurde, ging aus seinem Herzen wiederum die Erkenntnis auf, die er etwa in die folgende Form kleidete:
[ 23 ] And as the student was thus introduced to the subject, a realization arose once again in his heart, which he expressed in roughly the following words:
Ich erlebe die Geheimnisse des Tierkreises Tafel 18 in der Mannigfaltigkeit der Menschen;
Die Verwandtschaft dieser Mannigfaltigkeit der Menschen mit den Fixsternen steht vor meiner Seele;
Denn die Menschen leben mit dieser Mannigfaltigkeit Tafel 19 erdbezwungen; sie sind Wärmegeborene.
I experience the mysteries of the zodiac, Plate 18, in the diversity of humankind;
The kinship between this diversity of humankind and the fixed stars stands before my soul;
For humankind lives, with this diversity, Plate 19, bound to the earth; they are born of warmth.
[ 24 ] Aus dem Wärme-Äther, aus dem Wärme-Äther unter dem Einfluß der Tierkreiszeichen Geborene: sie sind Wärmegeborene. So fühlte sich der Mensch in seiner Physiognomie als der Wärmegeborene, der nur verändert worden ist während des Mondendaseins, während des Erdendaseins, aber doch die ursprüngliche Anlage in der alten Saturnzeit erlangt hat, so wie er die Metallität der Erde sonnengeboren-luftgeboren empfand, das Blumenhafte, das Pflanzenhafte mondgeboren-wassergeboren empfand. Das konnte er so empfinden, denn er war vorbereitet dazu dadurch, daß er die Dinge gewissermaßen anfaßte mit den Empfindungen, die in ihm erregt worden waren für das Warmluftige und für das Kaltwäßrige.
[ 24 ] Those born from the heat-ether, from the heat-ether under the influence of the signs of the zodiac: they are those born of heat. Thus, in his physiognomy, man felt himself to be the heat-born being, who had merely been transformed during his lunar existence and his earthly existence, yet had acquired his original disposition in the ancient Saturn era—just as he perceived the metallic nature of the earth as sun-born and air-born, and the floral and plant-like qualities as moon-born and water-born. He was able to perceive things this way because he had been prepared for it by, so to speak, touching things with the sensations that had been aroused within him for the warm-airy and the cold-watery.
[ 25 ] Man beobachtete den Menschen so, daß man die Empfindung bekam: er wirkt auf das Warmluftige in einer gewissen Mischung mit dem Kaltwäßrigen; man beobachtete in der Aristoteleszeit den Menschen, indem man auf seine Physiognomie ging, so, daß man sich die Frage beantwortete: wieviel gibt einem dieser Mensch für das Warmluftige, wieviel nimmt er einem an Kaltwäßrigem? Mit dem, was man so in der Seele ausgebildet hatte, schaute man den Menschen an, und man lernte nach und nach die ganze Natur so anschen. Das wurde die Vorbereitung für dasjenige, was dann über Afrika nach Spanien herüberkam und über einzelne Teile von Mitteleuropa sich ergoß als die alte Alchemie, die wirkliche Alchemie: alles in der Natur, in der Welt so anzusehen, jedes Blumenhafte, jedes Tierhafte, aber auch jede Wolke, jedes Dunstgebilde, Sand und Steine, Meer und Fluß, Wald und Wiese so anzusehen, wie sie den Eindruck machen nach dem Warmluftigen und dem Kaltfeuchten.
[ 25 ] People were observed in such a way that one got the impression: they affect the warm-airy aspect in a certain mixture with the cold-watery aspect; in Aristotle’s time, people were observed by examining their physiognomy, so as to answer the question: how much of the warm-air element does this person give, and how much of the cold-water element does he take? With what had been developed in this way within the soul, people looked at human beings, and gradually learned to view all of nature in this way. This became the preparation for what then came over from Africa to Spain and spread across parts of Central Europe as the ancient alchemy, the true alchemy: to view everything in nature, in the world—every flower, every animal, but also every cloud, every misty formation, sand and stones, sea and river, forest and meadow—in the way they make an impression in terms of warmth and cold dampness.
[ 26 ] Und so bekam man in bezug auf die Natur ein feines Empfindungsvermögen für vier Qualitäten. Es bildete sich aus, indem man das Warmluftige empfand, die Empfindung für die Wärme, aber zu gleicher Zeit an der Luft, wie die Wärme war eben für das Luftige. Und es bildete sich aus an dem Kalten die Empfindung für das Feuchte und das Trockene. Für diese Unterscheidungen, für diese Differenzierungen bekam man ein feines Empfindungsvermögen, denn man stand mit seinem ganzen Menschen darinnen in dem, was die Welt gab, durch diese Empfindungsfähigkeiten.
[ 26 ] And so, with regard to nature, a refined sense for four qualities developed. It formed as one perceived the warm air—the sensation of warmth—but at the same time, in relation to the air, just as warmth was associated with airiness. And through the cold, a sense of the moist and the dry developed. For these distinctions, for these differentiations, one acquired a refined sense of perception, for one stood with one’s whole being within what the world offered, through these sensory faculties.
[ 27 ] Auf dem Gesichtspunkte, auf dem nun des Aristoteles Schüler, Alexander der Große, stand, war es selbstverständlich gegeben, eigentlich zunächst die ganze Gegend, in der die beiden lebten, unter diesem Gesichtspunkte zu verstehen. Und als Alexander durchdrungen war von dem, was gerade aus einer solchen Empfindungsfähigkeit heraus kam, da empfand er eigentlich das ganze griechische Wesen, so wie es in Mazedonien sich offenbarte, unter den zwei Qualitäten des Feuchten und des Luftigen, und das setzte seine Stimmung in einer gewissen Zeit seines Lebens zusammen. Und was er aus, ich möchte sagen der besonderen Art einer Initiation, die er durch Aristoteles empfangen hatte, empfand als den Grundcharakter seiner unmittelbaren Welt, die er erlebte, das faßte er nur als eine Halbheit auf. Das kann doch nur die Hälfte der Welt sein, so sagte er sich. — Sie sehen, in dieser Zeit wurde alles Naturhafte ganz an den Menschen herangebracht, so daß der Mensch eigentlich dieses Naturhafte erlebte, und an dieses Naturhafte konnte nun folgender Unterricht geschlossen werden:
[ 27 ] From the perspective now held by Aristotle’s student, Alexander the Great, it was only natural to first understand the entire region in which the two lived from this perspective. And when Alexander was imbued with what arose precisely from such a sensibility, he actually perceived the entire Greek essence—as it manifested itself in Macedonia—in terms of the two qualities of the moist and the airy, and this shaped his disposition during a certain period of his life. And what he perceived—I would say through a special kind of initiation he had received from Aristotle—as the fundamental character of the immediate world he experienced, he regarded as only half the picture. “This can only be half the world,” he told himself. — You see, during this period, everything natural was brought very close to human beings, so that people actually experienced this natural aspect, and from this natural aspect the following teaching could now be derived:
[ 28 ] Das hier hatte die Windrichtung Nordwest, wenn hier etwa Mazedonien wäre, das die Windrichtung Südwest, die Windrichtung Nordost, die Windrichtung Südost.
[ 28 ] Here, the wind was blowing from the northwest; if this were, say, Macedonia, the wind would be blowing from the southwest, the northeast, or the southeast.


[ 29 ] Nun, von selbst hatte Aristoteles’ Schüler, Alexander, empfinden gelernt namentlich an dem, was die klimatischen Einflüsse, was die Winde hertrugen von Nordwesten, das Feuchtkalte; an dem, was von Südwesten hergetragen wurde, das Warmfeuchte. Das war ihm die Hälfte der Weltempfindung. Im Unterrichte wurde es ihm ergänzt, und es ging ihm das auch innerlich auf, daß das dazugehörte: dasjenige, was vom Nordosten her wehte, strahlte das Trockenkalte, und was vom Südosten her strömte, das Trockenwarme. So hatte er aus den vier Windrichtungen her die Empfindung kennengelernt des Trockenkalten, des Trockenwarmen, des Warmfeuchten, des Kaltfeuchten. Als echter Mensch der damaligen Zeit wollte er die Gegensätze versöhnen: Hier in Mazedonien erlebt man nur das Kaltfeuchte, das Warmfeuchte; verbunden muß es werden mit dem Kalttrockenen, mit dem Feurigtrockenen, mit dem, was aus dem Norden von Asien herüberweht, mit dem, was aus dem Süden von Asien herüberweht durch Asien.
[ 29 ] Well, Aristotle’s student, Alexander, had learned to perceive this on his own, specifically through what the climatic influences—the winds blowing from the northwest—brought: the cold and damp; and through what was carried from the southwest: the warm and damp. That constituted half of his perception of the world. In his studies, this was supplemented, and it dawned on him inwardly that the following also belonged to this picture: what blew from the northeast radiated dry cold, and what flowed from the southeast, dry warmth. Thus, from the four cardinal directions, he had come to know the sensations of dry cold, dry warmth, warm dampness, and cold dampness. As a true man of his time, he wanted to reconcile these opposites: Here in Macedonia, one experiences only the cold-damp and the warm-damp; these must be united with the cold-dry, with the fiery-dry, with what blows over from the north of Asia, and with what blows over from the south of Asia through Asia.
[ 30 ] Daraus entstand dann jener unwiderstehliche Drang zu den asiatischen Zügen. Und an diesem Beispiel sollen Sie sehen, daß es in der damaligen Zeit anders war als in der späteren Zeit. Denken Sie an eine Prinzenerziehung von heute, was da gelehrt wird; denken Sie sich solch einen Prinzen, der auf Heereszüge erzogen wird. Versuchen Sie sich klar zu machen, wie viel Verwandtschaft zwischen dem Physikunterricht, den irgendein Prinzenerzicher jemandem beibringt, und demjenigen ist, was dann erlebt wird auf dem Heereszuge: was da für eine Beziehung ist! Aus den Retorten schlüpft in der Regel nicht aus, was getan wird auf den Heereszügen. — An solchen Beispielen können Sie ganz besonders sehen, wie weit entfernt heute dasjenige ist, was Erkenntnis ist, was an den Menschen herangebracht werden soll, um seinen inneren Menschen zu formen, von dem, was der Mensch im äußeren Leben ist. Hier haben Sie noch eine Zeit, wo gerade aus der Erkenntnis heraus eine völlige Einheit erstrebt werden konnte zwischen dem, was den Menschen innerlich formt, gestaltet, und demjenigen, was macht, wie er selber in der Welt drinnen steht und in der Welt drinnen tut und handelt. Alte Geschichte geht schon aus der Schulstube hervor. Aber die Schulstube war eben mysterienverwandt, mysterienhaft, und das Mysterium bedeutete die Welt, und die Welt ergab sich als das Ergebnis dessen, was an Kräften im Mysterium war. Das gab den Impuls, nach Asien hinüberzutragen, was alte Naturwissenschaft war. In vielfach gesiebtem Zustande kam sie über Spanien durch Europa hindurch. Man merkt sie noch an dem, was Paracelsus geäußert hat, was Jakob Böhme, was Gichtel geäußert hat, was die verschiedenen Menschen geäußert haben, die dann wiederum angeknüpft haben an solche Geister wie Basilius Valentinus. Aber zunächst sollte siegen, was in bloße Gedankenform getaucht war, was in bloße Logik getaucht wat, und das andere sollte warten.
[ 30 ] This gave rise to that irresistible attraction to Asian features. And this example should show you that things were different back then than they were later on. Think of a prince’s education today—what is taught there; imagine such a prince being trained for military campaigns. Try to grasp how much connection there is between the physics lessons that a prince’s tutor teaches someone and what is then experienced on a military campaign: what a relationship there is! What is done on military campaigns does not, as a rule, emerge from the test tubes. — In such examples you can see particularly clearly how far removed what is known today—what is meant to be imparted to a person to shape their inner being—is from what a person is in their outer life. Here you have a time when, precisely out of this knowledge, a complete unity could be sought between what shapes and forms a person inwardly and what determines how they stand in the world and how they act and behave within it. Ancient history already emerges from the schoolroom. But the schoolroom was, in fact, related to the mysteries, mysterious in nature, and the Mystery signified the world, and the world arose as the result of the forces present within the Mystery. This provided the impulse to carry what was ancient natural science over to Asia. In a form that had been sifted through many times, it came through Europe via Spain. One can still discern it in what Paracelsus expressed, what Jakob Böhme and Gichtel expressed, and what the various individuals expressed who, in turn, drew upon the ideas of figures such as Basilius Valentinus. But at first, what was immersed in mere thought, what was immersed in mere logic, was to prevail, and the rest was to wait.
[ 31 ] Aber heute ist die Zeit, wo dieses andere seine Warte-Aufgabe erfüllt hat, wo es wiedergefunden werden muß als die Summe der Naturerkenntnisse. Alexander mußte zunächst diese Naturgeheimnisse im Grunde genommen drüben in Asien begraben, denn nur ihre Leichname wurden nach Europa herübergebracht. Aber nicht diese Leichname sollen galvanisiert werden, sondern das ureigene Lebendige soll heute wieder gefunden werden. Die nötige Begeisterung, die dazu gehört, wird sich freilich im wesentlichen nur dann ergeben können, wenn auch eine warme Empfindung für das vorhanden ist, was in der Zeitenwende einmal da war, und wenn man ein lebendiges Gefühl dafür entwickelt, daß jene ja nur im äußeren als Eroberungszüge ausschauenden Züge Alexanders dahin gingen, zu der einen Seite der Windrose die andere Seite der Windrose zu finden, dahin gingen, zu enträtseln zu dem, was nur halb die Erde sein konnte, die andere Hälfte. Und es war durchaus auch das Aufsuchen eines persönlichen Erlebnisses. Das persönliche Erlebnis bestand eben darin, daß eine gewisse innere Unbefriedigung und Unbehaglichkeit in dem Milieu des bloß Kaltfeuchten und Feuchtwarmen da war, und daß die andere Empfindung sich hinzu ergänzen sollte.
[ 31 ] But today is the time when this “other” has fulfilled its task of waiting, when it must be rediscovered as the sum of our knowledge of nature. Alexander first had to, in a sense, bury these mysteries of nature over in Asia, for only their remains were brought back to Europe. But it is not these remains that should be revived; rather, the vital essence that is inherently its own must be rediscovered today. The necessary enthusiasm for this, of course, can essentially arise only if there is also a warm feeling for what once existed at the turn of the ages, and if one develops a living sense that Alexander’s campaigns—which outwardly appeared to be conquests—were in fact journeys from one side of the compass rose to the other, that they set out to unravel the other half of what could only be half the earth. And it was certainly also a quest for a personal experience. This personal experience consisted precisely in the fact that there was a certain inner dissatisfaction and unease in an environment of mere cold-dampness and damp-warmth, and that the other sensation was meant to complement it.
[ 32 ] Inwiefern das eben im eminentesten Sinne auch eine große historische Bedeutung in der Entwickelung des ganzen Abendlandes hatte, das werde ich dann auseinanderzusetzen haben in den Vorträgen, welche in der nächsten Zeit während der Delegiertenversammlung gehalten werden sollen über die okkulte Grundlage des geschichtlichen Lebens der Menschen auf der Erde.
[ 32 ] To what extent this also had great historical significance—in the most eminent sense—for the development of the entire Western world is something I will have to explore in the lectures to be held in the near future during the Delegates’ Assembly on the occult foundation of human historical life on Earth.
I. Pflanzengeheimmis
Ich schaue in die Blumen;
Ihre Verwandtschaft mit dem Mondensein offenbaren sie;
Sie sind erdbezwungen nun, denn sie sind Wassergeborene.II. Metallgeheimmis
Ich denke über die Metalle;
Ihre Verwandtschaft mit den Planeten offenbaren sie;
Sie sind erdbezwungen, denn sie sind Luftgeborene.III. Menschengeheimnis
Ich erlebe die Geheimnisse des Tierkreises in der Mannigfaltigkeit der Menschen;
Die Verwandtschaft dieser Mannigfaltigkeit der Menschen mit den Fixsternen steht vor meiner Seele;
Denn die Menschen leben mit dieser Mannigfaltigkeit erdbezwungen; sie sind Wärmegeborene.
I. The Secret of Plants
I gaze at the flowers;
They reveal their kinship with the moon;
They are now bound to the earth, for they were born of water.II. The Secret of Metal
I reflect on the metals;
They reveal their kinship with the planets;
They are bound to the earth, for they are born of the air.III. The Mystery of Humanity
I experience the mysteries of the zodiac in the diversity of human beings;
The kinship between this diversity of human beings and the fixed stars stands before my soul;
For human beings live with this diversity, bound to the earth; they are born of warmth.
