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World History from an Anthroposophical Perspective
GA 233

31 December 1923, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Wir stehen heute in dem Zeichen einer schmerzlichen Erinnerung, und wir wollen dasjenige, was wir gerade heute zum Inhalte dieses Vortrags zu nehmen haben, durchaus in das Zeichen dieser schmerzlichen Erinnerung stellen. Der Vortrag, den ich in unserem alten Bau gerade vor einem Jahre halten durfte: diejenigen von Ihnen, die anwesend waren, werden sich daran erinnern, wie er den Weg genommen hat, von der Schilderung irdischer natürlicher Verhältnisse ausgehend, hinauf in die geistigen Welten und die Offenbarungen dieser geistigen Welten aus der Schrift der Sterne; wie dann die Möglichkeit vorhanden war, das menschliche Herz, die Menschenseele, den menschlichen Geist in Zusammenhang zu bringen ihrem ganzen Wesen nach mit dem, was gefunden werden kann, wenn man den Weg hinaus nimmt aus dem Irdischen nicht nur in die Sternenweiten, sondern in dasjenige, was durch die Sternenweiten wie eine Weltenschrift das Geistige abbildet. Und das letzte, was ich hinschreiben durfte auf die Tafel in jenem Raum, der uns dann bald darauf genommen ward, ging durchaus darauf hinaus, die menschliche Seele hinaufzuheben in geistige Höhen. Damit war eigentlich gerade an jenem Abend unmittelbar angeknüpft an dasjenige, dem ja unser Goetheanumbau durch seine ganze Wesenheit gewidmet sein sollte. Und von dem, woran damals angeknüpft worden ist, lassen Sie mich zunächst heute wie in einer Fortsetzung gerade des Vortrages, der vor einem Jahre hier gehalten worden ist, sprechen.

[ 1 ] Today we are marked by a painful memory, and we wish to place the very subject of this lecture firmly within the context of that painful memory. The lecture I had the privilege of giving in our old building exactly one year ago: those of you who were present will recall how it took us on a journey, beginning with a description of earthly, natural conditions, up into the spiritual worlds and the revelations of these spiritual worlds as found in the “Scripture of the Stars”; how it then became possible to connect the human heart, the human soul, and the human spirit—in their very essence—with what can be found when one takes the path out of the earthly realm, not only into the vastness of the stars, but into that which, through the vastness of the stars, reflects the spiritual like a cosmic script. And the last thing I was permitted to write on the blackboard in that room—which was taken from us shortly thereafter—was entirely aimed at lifting the human soul up to spiritual heights. Thus, on that very evening, we were directly connecting to that to which the entire essence of our Goetheanum renovation was meant to be dedicated. And regarding what was taken up at that time, let me speak today, first of all, as a continuation of the very lecture that was given here a year ago.

[ 2 ] Wenn in der Zeit, die dem Brande von Ephesus vorangegangen ist, die Rede war von den Mysterien, dann sprachen alle diejenigen, welche in ihrem Gemüte etwas verstanden von dem Mysterienwesen, so, daß ihre Rede ungefähr klang: Menschliches Wissen, menschliche Weisheit hat eine Stätte, eine Heimstätte in den Mysterien. — Und wenn in jenen alten Zeiten unter den geistigen Lenkern der Welt die Rede von den Mysterien war, wenn also in übersinnlichen Welten von den Mysterien gesprochen wurde — ich darf mich dieser Ausdrücke bedienen, obwohl sie natürlich nur in figürlicher Weise die Art bezeichnen, wie von den übersinnlichen Welten herunter gedacht und wie gewirkt wird in die sinnlichen —, wenn also in den übersinnlichen Welten gesprochen wurde von den Mysterien, da klang ungefähr die Rede so: In den Mysterien errichten die Menschen Stätten, wo wir Götter die opfernden Menschen finden können, die uns verstehen im Opfer. Denn in der Tat, das war allgemeines Bewußtsein der alten Welt derer, die da wußten in der alten Welt, daß sich in den Mysterienstätten Götter und Menschen begegneten und daß alles dasjenige, was die Welt trägt und hält, abhängt von dem, was sich abspielt in den Mysterien zwischen den Göttern und zwischen den Menschen.

[ 2 ] When, in the period preceding the burning of Ephesus, people spoke of the Mysteries, all those who had some understanding in their hearts of the nature of the Mysteries spoke in such a way that their words sounded something like this: Human knowledge, human wisdom, has a place, a home, in the Mysteries. — And when, in those ancient times, the spiritual guides of the world spoke of the Mysteries—that is, when the Mysteries were spoken of in the supersensible worlds—I may use these terms, although they naturally describe only figuratively the way in which thought descends from the supersensible worlds and works into the sensible ones— when, then, the Mysteries were spoken of in the supersensible worlds, the discourse sounded something like this: In the Mysteries, human beings erect places where we gods can find the sacrificers who understand us through the sacrifice. For indeed, this was the general consciousness of the ancient world—of those who knew in the ancient world—that gods and human beings met in the mystery sites, and that everything that sustains and upholds the world depends on what takes place in the mysteries between the gods and between human beings.

[ 3 ] Aber es gibt ein Wort, das ja auch äußerlich historisch überliefert ist, das aus dieser historischen Überlieferung ja ergreifend sprechen kann zum Menschenherzen, das aber besonders ergreifend spricht, wenn man es sieht aus ganz besonderen Ereignissen heraus sich formen, wie mit ehernen, aber nur für den Augenblick im Geiste sichtbaren Lettern hineingeschrieben in die Geschichte der Menschheit. Und ich meine, ein solches Wort ist immer zu sehen, wenn der geistige Blick hinzielt auf die Herostratos-Tat, den Brand von Ephesus. Man kann in diesen Feuerflammen das alte Wort finden: der Neid der Götter.

[ 3 ] But there is a word that has indeed been handed down historically, a word that can speak powerfully to the human heart from this historical tradition, yet speaks with particular power when one sees it taking shape out of very special events—as if inscribed in the history of humanity with letters of bronze, visible in the spirit only for a moment. And I believe such a word can always be seen when the spiritual gaze turns to the deed of Herostratus, the burning of Ephesus. In these flames, one can find the ancient word: the envy of the gods.

[ 4 ] Ich glaube allerdings, daß unter den mancherlei Worten, die aus alten Zeiten überliefert sind, die im Leben alter Zeiten auf die Weise zu sehen sind, wie ich sie eben geschildert habe, in dieser physischen Welt dieses eines der furchtbarsten ist: der Neid der Götter. In jenen alten Zeiten wurde alles mit dem Worte Gott bezeichnet, was in übersinnlicher Wesenheit so lebte, daß es niemals nötig hatte, in einem physischen Leib auf Erden zu erscheinen, und man unterschied in jenen alten Zeiten die mannigfaltigsten Göttergeschlechter. Und ganz gewiß, diejenigen göttlich-geistigen Wesenheiten, welche so verbunden sind mit der Menschheit, daß der Mensch seinem innersten Wesen nach dutch sie entstanden und durch den Lauf der Zeiten geschickt ist, diese göttlich-geistigen Wesenheiten, die wir verspüren dutch die Majestät und durch die kleinsten Erscheinungen der äußeren Natur, die wir verspüren durch dasjenige, was in unserem Inneren lebt, diese göttlich-geistigen Wesenheiten können nicht neidisch werden. Aber in der alten Zeit meinte man mit dem Neid der Götter dennoch etwas sehr Reales. Wenn wir die Zeit verfolgen, in der sich das Menschengeschlecht bis gegen Ephesus hin entwickelt hat, da finden wir, daß allerdings die fortgeschritteneren menschlichen Individuen vieles von dem, was ihnen die guten Götter gern in den Mysterien gegeben haben, an sich genommen haben. Denn wir treffen durchaus das Richtige, wenn wir sagen: Es besteht zwischen den guten Menschenherzen und den guten Göttern ein inniges Verhältnis, das immer fester und fester gebunden wurde in den Mysterien, so daß es gewissen anderen, luziferisch-ahrimanischen Götterwesenheiten vor die Seele getreten ist, daß der Mensch immer näher und näher herangezogen wurde an die guten Gottheiten. Und es entstand der Neid der Götter auf den Menschen. — Und wir müssen es immer wieder und wiederum in der Geschichte hören, wie der nach dem Geist strebende Mensch, wenn er einem tragischen Geschick verfällt, in den alten Zeiten so bezeichnet wird, daß man sein tragisches Geschick zusammenbringt mit dem Neid der Götter.

[ 4 ] I believe, however, that among the various terms handed down from ancient times—which, in the context of life in those days, are to be understood in the way I have just described—this one is among the most terrifying in this physical world: the envy of the gods. In those ancient times, the word “god” was used to designate everything that existed in a supersensible form in such a way that it never needed to appear in a physical body on earth, and in those ancient times people distinguished between the most diverse families of gods. And most certainly, those divine-spiritual beings who are so closely connected to humanity that, in their innermost essence, human beings have come into being through them and have been guided through the course of time—these divine-spiritual beings, whom we sense through the majesty and the smallest manifestations of external nature, whom we sense through that which lives within us—these divine -spiritual beings cannot become envious. But in ancient times, the envy of the gods was nevertheless understood to mean something very real. If we trace the period during which the human race developed up to the time of Ephesus, we find that the more advanced human individuals did indeed take to themselves much of what the good gods gladly bestowed upon them in the mysteries. For we are absolutely correct in saying: There exists an intimate relationship between the hearts of good human beings and the good gods, a relationship that was bound ever more firmly within the Mysteries, so that it became apparent to certain other, Luciferic-Ahrimanic divine beings that human beings were being drawn ever closer and closer to the good deities. And thus arose the envy of the gods toward human beings. — And we must hear it again and again throughout history: how, in ancient times, a person striving toward the spirit—when he or she falls prey to a tragic fate—is described in such a way that his or her tragic fate is linked to the envy of the gods.

[ 5 ] Die Griechen wußten, daß dieser Neid der Götter besteht, und sie leiteten manches von dem, was äußerlich vorging in der Menschheitsentwickelung, von diesem Neid der Götter her. Mit dem Brande von Ephesus ist eigentlich offenbar geworden, daß eine gewisse geistige Weiterentwickelung der Menschheit nur möglich ist, wenn die Menschen sich bewußt wurden: Es gibt Götter, das heißt übersinnliche Wesenheiten, die auf den weiteren Fortschritt der Menschen neidisch sind. — Das gibt schließlich aller Geschichte, die da folgte auf den Brand von Ephesus — ich kann auch sagen, auf die Geburt des Alexander —, das besondere Kolorit. Und zu der rechten Auffassung des Mysteriums von Golgatha gehört auch dieses: Man schaue hin auf eine Welt, die erfüllt ist von dem Neide gewisser Göttergeschlechter. — Ja, die seelische Atmosphäre, sie war eigentlich in Griechenland schon seit einer Zeit, die bald nach dem Perserkriege liegt, erfüllt von den Auswirkungen dieses Neides der Götter. Und dasjenige, was in der makedonischen Zeit dann getan worden ist, mußte im vollen Bewußtsein davon getan werden, daß der Neid der Götter über die Erdoberfläche hin in geistiger Atmosphäre waltet. Aber es wurde getan mutvoll, kühn, den Mißverständnissen der Götter und Menschen trotzend.

[ 5 ] The Greeks knew that this envy of the gods existed, and they attributed much of what outwardly took place in human development to this envy of the gods. The burning of Ephesus actually revealed that a certain spiritual advancement of humanity is only possible when people became aware that there are gods—that is, supersensible beings—who are envious of humanity’s further progress. — This, after all, gives the entire history that followed the burning of Ephesus—I might also say, the birth of Alexander—its distinctive character. And part of the correct understanding of the Mystery of Golgotha is this: one must look upon a world filled with the envy of certain lineages of gods. — Yes, the spiritual atmosphere in Greece had in fact been filled with the effects of this envy of the gods since a time shortly after the Persian Wars. And what was then accomplished during the Macedonian period had to be done with the full awareness that the envy of the gods reigns over the earth’s surface in the spiritual atmosphere. But it was done courageously, boldly, defying the misunderstandings of both gods and humans.

[ 6 ] Und es senkte sich hinein in diese Atmosphäre, die erfüllt war von dem Neide der Götter, die Tat desjenigen Gottes, der fähig war der größten Liebe, die in der Welt existieren kann. Man sieht das Mysterium von Golgatha nur im rechten Lichte, wenn man zu allem übrigen auch noch hinzufügen kann das Bild der Wolken in der alten Welt, in Hellas, Makedonien, Vorderasien, Nordafrika, Südeuropa; das Bild der Wolken, die da der Ausdruck sind des Neides der Götter. Und wunderbar wärmend, mild strahlend fällt hinein in diese wolkenerfüllte Atmosphäre die Liebe, die da strömt durch das Mysterium von Golgatha.

[ 6 ] And into this atmosphere, filled with the envy of the gods, descended the deed of that God who was capable of the greatest love that can exist in the world. One can only see the Mystery of Golgotha in its true light if, in addition to everything else, one can also add the image of the clouds in the ancient world—in Hellas, Macedonia, the Near East, North Africa, and Southern Europe—the image of the clouds that are the expression of the gods’ envy. And wonderfully warming, gently radiant, the love that flows through the Mystery of Golgotha pours into this cloud-filled atmosphere.

[ 7 ] Das, was dazumal, wenn ich so sagen darf, eine Angelegenheit war, die sich zwischen Göttern und Menschen abspielte, sie muß sich ja in unserer Zeit, in der Zeitepoche der menschlichen Freiheit, mehr unten im physischen Menschenleben abspielen. Und man kann schon schildern, wie sie sich abspielt. In alten Zeiten, wenn man an die Mysterien dachte, sprach man davon auf Erden: Menschliche Erkenntnis, menschliche Weisheit hat in den Mysterien eine Heimstätte. — Wenn man unter den Göttern war, so sagte man: Wenn wir in die Mysterien hinunteisteigen, dann finden wir die Opfer der Menschen, und im opfernden Menschen werden wir verstanden.

[ 7 ] What was once, if I may put it that way, a matter that took place between gods and humans must, in our time—the age of human freedom—take place more down in the physical realm of human life. And one can indeed describe how it takes place. In ancient times, when people thought of the Mysteries, they spoke of them on earth: Human knowledge, human wisdom has a home in the Mysteries. — When they were among the gods, they said: When we descend into the Mysteries, we find the sacrifices of human beings, and in the human being who offers the sacrifice, we are understood.

[ 8 ] Im Grunde genommen war der Brand von Ephesus der Beginn derjenigen Epoche, in der das Mysterienwesen allmählich in seiner alten Form verschwand. Ich habe erzählt, wie es fortbestanden hat da und dort, grandios zum Beispiel in den Mysterien von Hybernia, wo im Kultus das Mysterium von Golgatha gleichzeitig gefeiert worden ist, während es physisch drüben in Palästina vor sich ging. Man hatte Kenntnis davon nur aus der geistigen Vermittelung zwischen Palästina und Hybernia, nicht dutch physische Vermittelung. Aber dennoch, das Mysterienwesen in der physischen Welt ging immer mehr und mehr zurück. Die äußeren Heimstätten, die Begegnungsstätten waren zwischen Göttern und Menschen, verloren immer mehr und mehr ihre Bedeutung. Sie hatten sie fast vollständig verloren im 13., 14. nachchristlichen Jahrhundert. Denn wer den Weg finden wollte zum Beispiel zum Heiligen Gral, der mußte geistige Wege zu gehen verstehen. Physische Wege war man gegangen in der alten Zeit, vor dem Brande von Ephesus. Geistige Wege mußte man gehen im Mittelalter.

[ 8 ] Essentially, the fire of Ephesus marked the beginning of the era in which the mystery cults gradually disappeared in their ancient form. I have described how it persisted here and there—in a magnificent way, for example, in the Mysteries of Hybernia, where the Mystery of Golgotha was celebrated in the cult at the very same time it was taking place physically over in Palestine. Knowledge of it came only through spiritual mediation between Palestine and Hybernia, not through physical mediation. Nevertheless, the mystery tradition in the physical world declined more and more. The outer sanctuaries—the meeting places between gods and humans—lost their significance more and more. They had lost it almost completely by the 13th and 14th centuries A.D. For anyone who wanted to find the way to the Holy Grail, for example, had to know how to travel spiritual paths. Physical paths had been taken in ancient times, before the burning of Ephesus. Spiritual paths had to be taken in the Middle Ages.

[ 9 ] Insbesondere aber mußte man geistige Wege gehen, wenn es sich darum handelte, vom 13., 14. Jahrhundert, namentlich aber vom 15. Jahrhundert ab eine wirkliche Rosenkreuzer-Unterweisung zu erlangen. Denn die Tempel der Rosenkreuzer waren tief verborgen für das äußere physische Erleben. Viele wirkliche Rosenkreuzer waren Besucher der Tempel, aber kein äußeres physisches Menschenauge konnte die Tempel finden. Schüler aber konnte es geben, die kamen zu diesen alten Rosenkreuzern, die da und dort wie Eremiten des Wissens und der heiligen Menschentat zu finden waren, zu finden waren für denjenigen, der aus mildem Augenglanz Göttersprache vernehmen kann. Ich sage damit nichts Uneigentliches. Ich will kein Bild aussprechen, ich will durchaus eine Wirklichkeit aussprechen, die in der Zeit, auf die ich deute, wirklich eine recht bedeutsame Wirklichkeit war. Den Rosenkreuzer-Meister fand man, wenn man sich erst die Fähigkeit erworben hatte, im physischen milden Augenglanz die Himmelssprache vernehmen zu können. Dann fand man in anspruchslosester Umgebung, in anspruchslosesten menschlichen Verhältnissen, gerade im 14., 15. Jahrhundert in Mitteleuropa diese merkwürdigen Persönlichkeiten, die in ihrem Inneren gotterfüllt waren, die in ihrem Inneren zusammenhingen mit den geistigen Tempeln, die vorhanden waren, zu welchen aber der Zugang wirklich so schwierig war wie derjenige, der als Zugang zum Heiligen Gral in der bekannten Legende geschildert wird.

[ 9 ] In particular, however, one had to follow spiritual paths if one wished to attain genuine Rosicrucian instruction from the 13th and 14th centuries onward, and especially from the 15th century onward. For the temples of the Rosicrucians were deeply hidden from outward, physical perception. Many true Rosicrucians were visitors to the temples, but no outward, physical human eye could find them. Yet there could be disciples who came to these ancient Rosicrucians, who could be found here and there like hermits of knowledge and sacred human action—found by those who can perceive the language of the gods in the gentle radiance of their eyes. I am not speaking in any figurative sense. I do not wish to describe a mere image; I wish to describe a reality that, in the era to which I am referring, was truly a very significant reality. One could find the Rosicrucian Master once one had acquired the ability to perceive the language of heaven in the gentle radiance of the physical gaze. Then, in the most unassuming of surroundings, in the most unassuming of human circumstances—precisely in the 14th, 15th centuries in Central Europe, these remarkable personalities who were filled with God within, who were inwardly connected to the spiritual temples that existed—but to which access was truly as difficult as that described in the well-known legend as the path to the Holy Grail.

[ 10 ] Dann, wenn man hinschaut auf dasjenige, was sich abspielte zwischen einem solchen Rosenkreuzer-Meister und seinem Schüler, dann kann man manches Gespräch belauschen, welches auch in der Form der neueren Zeit Götterweisheit auf Erden wandelnd darstellt. Die Unterweisungen waren durchaus tief konkret. Da wurde in seiner Einsamkeit ein Rosenkreuzer-Meister gefunden von einem Schüler, der es sich hat heiß werden lassen, ihn zu suchen und zu finden. Da schaute einer der Schüler in die mild blickenden Augen, aus denen Göttersprache spricht, und da bekam er anspruchslos etwa die folgende Unterweisung.

[ 10 ] Then, when one looks at what took place between such a Rosicrucian Master and his disciple, one can overhear many a conversation that, even in the context of modern times, embodies divine wisdom walking upon the earth. The teachings were thoroughly concrete. There, in his solitude, a Rosicrucian Master was found by a disciple who had set his heart on seeking and finding him. There, one of the disciples looked into the gentle eyes from which the language of the gods speaks, and there, without pretense, he received the following instruction.

[ 11 ] Schaue hin, mein Sohn, auf deine eigene Wesenheit. Du trägst an dir jenen Körper, den deine äußeren physischen Augen sehen. Der Mittelpunkt der Erde schickt diesem Körper die Kräfte, die ihn sichtbar machen. Das ist dein physischer Leib. Aber schaue dich um in der Umgebung deiner selbst auf der Erde. Du siehst die Steine, sie dürfen für sich auf der Erde sein, sie sind heimatlich auf der Erde. Sie können, wenn sie eine Gestalt angenommen haben, diese Gestalt behalten durch die Erdenkräfte. Sieh den Kristall: er trägt seine Form in sich, er behält diese Form seiner eigenen Wesenheit durch die Erde. Das kann dein physischer Leib nicht. Verläßt ihn deine Seele, dann zerstört ihn die Erde, dann löst sie ihn in Staub auf. Die Erde hat keine Macht über deinen physischen Leib. Sie hat die Macht, die durchsichtigen, wunderbar gestalteten Kristallgebilde zu bilden und zu erhalten; sie hat keine Macht, die Gestalt deines physischen Leibes zu erhalten, sie muß ihn in Staub auflösen. Nicht von der Erde ist dein physischer Leib. Dein physischer Leib ist von hoher Geistigkeit. Seraphim, Cherubim, Throne, ihnen gehört dasjenige, was Form und Gestalt deines physischen Leibes ist. Nicht der Erde gehört dieser physische Leib, den höchsten dir zunächst zugänglichen geistigen Mächten gehört dieser physische Leib. Die Erde kann ihn zerstören, niemals kann sie ihn aufbauen.

[ 11 ] Look, my son, at your own being. You carry within you that body which your outer physical eyes see. The center of the Earth sends this body the forces that make it visible. That is your physical body. But look around you at your surroundings here on Earth. You see the stones; they are allowed to be on the Earth in their own right; they belong on the Earth. Once they have taken on a form, they can retain that form through the Earth’s forces. Look at the crystal: it carries its form within itself; it retains this form of its own being through the Earth. Your physical body cannot do this. If your soul leaves it, the Earth destroys it; it dissolves it into dust. The Earth has no power over your physical body. It has the power to form and sustain the transparent, wonderfully shaped crystal structures; it has no power to sustain the form of your physical body—it must dissolve it into dust. Your physical body does not come from the Earth. Your physical body is of a high spiritual nature. Seraphim, Cherubim, Thrones—to them belongs that which is the form and shape of your physical body. This physical body does not belong to the earth; it belongs to the highest spiritual powers initially accessible to you. The earth can destroy it, but it can never build it up.

[ 12 ] Und innerhalb dieses deines physischen Leibes wohnt dein ätherischer Leib. Es wird der Tag kommen, da dein physischer Leib von der Erde zur Zerstörung angenommen wird. Dann wird dein ätherischer Leib in den Weiten des Kosmos sich auflösen. Die Weiten des Kosmos können diesen ätherischen Leib zwar auflösen, aber nicht aufbauen. Aufbauen können ihn nur jene göttlich-geistigen Wesenheiten, die der Hierarchie der Dynamis, Exusiai, Kyriotetes angehören. Ihnen verdankst du deinen ätherischen Leib. Du vereinigst mit deinem physischen Leib die physischen Stoffe der Erde. Was aber in dir ist, wandelt die physischen Stoffe der Erde so um, daß es in ihnen ungleich wird allem, was physisch in der Umgebung des physischen Leibes ist. Dein ätherischer Leib bewegt alles dasjenige in dir, was in dir Flüssigkeit, was in dir Wasser ist. Die Säfte, die da kreisen, die da zirkulieren, sie stehen unter dem Einflusse deines ätherischen Leibes. Aber sieh dein Blut: Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, sie sind es, die dieses Blut als Flüssigkeit durch deine Adern kreisen lassen. Du bist nur als physischer Körper Mensch. In deinem Ätherleib bist du noch Tier, aber ein Tier, das durchgeistigt wird von der zweiten Hierarchie.

[ 12 ] And within this physical body of yours dwells your etheric body. The day will come when your physical body will be taken from the earth to be destroyed. Then your etheric body will dissolve into the vastness of the cosmos. The vastness of the cosmos can indeed dissolve this etheric body, but it cannot build it up. Only those divine-spiritual beings who belong to the hierarchy of Dynamis, Exusiai, and Kyriotetes can build it up. It is to them that you owe your etheric body. You unite the physical substances of the earth with your physical body. But what is within you transforms the physical substances of the earth in such a way that they become unlike anything else that is physical in the environment surrounding the physical body. Your etheric body moves everything within you that is fluid, everything that is water. The juices that circulate there are under the influence of your etheric body. But look at your blood: Exusiai, Dynamis, Kyriotetes—it is they who cause this blood to circulate as a fluid through your veins. You are human only as a physical body. In your etheric body, you are still an animal, but an animal that is spiritualized by the second hierarchy.

[ 13 ] Dasjenige, was ich Ihnen hier, allerdings jetzt in wenigen Worten zusammenfasse, es war der Gegenstand eines langen Unterrichtes jenes Meisters, in dessen mildem Augen-Blick der Schüler die Sprache des Himmels vernahm. Dann wurde der Schüler hingewiesen auf das dritte Glied der menschlichen Wesenheit, das wir den astralischen Leib nennen. Dem Schüler wurde klargemacht, daß dieser astralische Leib die Impulse enthält zum Atmen, zu alledem, was Luft im menschlichen Organismus ist, zu alledem, was als Luft pulsiert im menschlichen Organismus. Aber obwohl das Irdische sich bemüht, durch eine lange Zeit, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, gewissermaßen zu rumoren im Luftartigen und für einen hellsichtigen Blick in den atmosphärischen Erscheinungen der Erde jahrelang wahrzunehmen ist das Poltern der astralischen Leiber der Verstorbenen, so kann auch die Erde mit ihrem Umkreis doch nichts anderes tun gegenüber den Impulsen des astralischen Leibes als sie auflösen. Denn bilden können sie nur die Wesenheiten der dritten Hierarchie: Archai, Archangeloi, Angeloi.

[ 13 ] What I am summarizing for you here—albeit in just a few words—was the subject of a long lesson given by that Master, in whose gentle gaze the student heard the language of heaven. The student was then directed to the third member of the human being, which we call the astral body. It was made clear to the student that this astral body contains the impulses for breathing, for everything that is air in the human organism, for everything that pulsates as air within the human organism. But although the earthly realm strives, over a long period of time, after a human being has passed through the gate of death, to stir, as it were, within the airy realm—and the rumbling of the astral bodies of the deceased can be perceived for years by a clairvoyant gaze in the atmospheric phenomena of the Earth—the Earth, with its surroundings, can do nothing else with regard to the impulses of the astral body but dissolve them. For only the beings of the third hierarchy—the Archai, Archangeloi, and Angeloi—can form them.

[ 14 ] Und so sagte, damit den Schüler tief ins Herz treffend, der Meister: Du gehörst deinem physischen Leibe nach, insofern du das Mineralreich in dich aufnimmst und es veränderst, insofern du das Menschenreich in dich aufnimmst und es verarbeitest, du gehörst den Seraphim, Cherubim, Thronen an. Insofern du ein ätherischer Leib bist, bist du im Ätherischen tierähnlich, aber du gehörst da den Geistern an, die da bezeichnet werden als die der zweiten Hierarchie: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai, und insofern du im flüssigen Elemente waltest, gehörst du nicht der Erde an, sondern dieser Hierarchie. Und indem du im luftförmigen Elemente waltest, gehörst du nicht der Erde an, sondern der Hierarchie der Angeloi, Archangeloi, Archai.

[ 14 ] And so, striking the student deep in the heart, the Master said: You belong to your physical body insofar as you absorb the mineral kingdom and transform it; insofar as you absorb the human kingdom and process it, you belong to the Seraphim, Cherubim, and Thrones. Insofar as you are an etheric body, you are animal-like in the etheric realm, but there you belong to the spirits designated as those of the second hierarchy: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai; and insofar as you reign in the liquid element, you do not belong to the earth, but to this hierarchy. And insofar as you reign in the airy element, you do not belong to the Earth, but to the hierarchy of the Angeloi, Archangeloi, and Archai.

[ 15 ] Und nachdem in genügender Weise der Schüler diese Unterweisung erhalten hatte, fühlte er sich nicht mehr als ein Angehöriger der Erde. Er fühlte gewissermaßen von seinem physischen, ätherischen, astralischen Leib ausgehend die Kräfte, die ihn durch die Mineralwelt verbinden mit der ersten Hierarchie, dutch die wässerige Erde verbinden mit der zweiten Hierarchie, durch den Luftkreis verbinden mit der dritten Hierarchie. Und klar war ihm: er lebt auf der Erde lediglich durch dasjenige, was er als Wärmeelement in sich trägt. Damit aber empfand der Rosenkreuzer-Schüler die Wärme, die er in sich trägt, die physische Wärme, die er in sich trägt, als das eigentliche Irdisch-Menschliche. Und immer mehr lernte er verwandt fühlen mit dieser physischen Wärme die Seelenwärme und die Geisteswärme. Und während der spätere Mensch immer mehr und mehr verkannt hat, wie mit dem Göttlichen zusammenhängen sein physischer Inhalt, sein ätherischer Inhalt, sein astralischer Inhalt durch Festes, Flüssiges, Luftförmiges, hat der Rosenkreuzer-Schüler dies recht gut gewußt und hat gewußt: das wahrhaft Irdisch-Menschliche ist das Wärmeelement. In dem Augenblicke, wo dem Schüler des Rosenkreuzer-Meisters dieses Geheimnis vom Zusammenhange des Wärmeelementes mit dem Menschlich-Irdischen aufgegangen war, in diesem Momente wußte er sein Menschliches an das Geistige anzuknüpfen.

[ 15 ] And after the student had received this instruction to a sufficient degree, he no longer felt himself to be a member of the Earth. In a sense, he felt—emanating from his physical, etheric, and astral bodies—the forces that connect him, through the mineral world, to the first hierarchy; through the watery earth, to the second hierarchy; and through the air realm, to the third hierarchy. And it was clear to him: he lives on Earth solely through that which he carries within himself as the element of warmth. Thus, the Rosicrucian disciple perceived the warmth he carries within himself—the physical warmth he carries—as the very essence of what is earthly and human. And more and more he learned to feel a kinship between this physical warmth and the warmth of the soul and the warmth of the spirit. And while later humanity has increasingly failed to recognize how its physical, etheric, and astral constitutions are connected to the Divine through the solid, liquid, and gaseous states, the Rosicrucian disciple knew this quite well and understood that the truly earthly-human essence is the element of warmth. The moment this secret—the connection between the element of warmth and the human-earthly—became clear to the student of the Rosicrucian Master, at that very moment he knew how to link his humanity to the spiritual.

[ 16 ] Und in jenen oftmals recht anspruchslosen Heimen, in denen solche Rosenkreuzer-Meister wohnten, da war es, daß vor dem Eintritt auf eine oftmals ungesuchte, ja wunderbar erscheinende Weise die Schüler vorbereitet wurden, indem sie aufmerksam gemacht wurden — der eine auf diese, der andere auf jene Art, es schien oftmals äußerlich ein Zufall zu sein —, indem sie aufmerksam darauf gemacht wurden: Du mußt suchen, wo sich dein Geistiges an das Kosmisch-Geistige anschließen kann. — Und wenn der Schüler jene Unterweisung, von der ich Ihnen eben gesprochen habe, erhalten hatte, dann, ja dann konnte er seinem Meister sagen: Ich gehe jetzt von dir mit dem größten Troste, der mir auf Erden hat werden können. Denn dadurch, daß du mir gezeigt hast, daß der irdische Mensch sein Element wahrhaftig in der Wärme hat, dadurch hast du mir die Möglichkeit gegeben, mit meinem Physischen anzuknüpfen an das Seelische und Geistige. In die festen Knochen, in das flüssige Blut, in die luftförmige Atmung bringe ich nicht hinein das Seelische. In das Wärmeelement bringe ich es hinein.

[ 16 ] And in those often quite modest homes where such Rosicrucian masters lived, it was there that, before entering, the disciples were prepared in a way that was often unsought and even seemed miraculous, by having their attention drawn—one in this way, another in that way; outwardly, it often appeared to be a coincidence—by having their attention drawn to the following: You must seek where your spiritual nature can connect with the cosmic-spiritual. — And when the student had received that instruction of which I have just spoken to you, then—yes, then—he could say to his master: I now leave you with the greatest comfort that could have been mine on earth. For by showing me that the earthly human being truly finds his element in warmth, you have given me the opportunity to connect my physical being with the soul and the spirit. I do not bring the soul into the solid bones, into the liquid blood, or into the air-like breath. I bring it into the element of warmth.

[ 17 ] Und eine ungeheure Ruhe war es, mit der die also Unterwiesenen in jenen Zeiten von ihren Meistern hinweggingen. Und aus der Ruhe des Antlitzes, die ausdrückte das Ergebnis des großen Trostes, aus der Ruhe des Antlitzes entwickelte sich allmählich jener milde Blick, aus dem die Sprache des Himmels sprechen kann. Und so war eine tief seelische Unterweisung im Grunde vorhanden bis in das erste Drittel des 15. Jahrhunderts herein, verborgen gegenüber jenen Vorgängen, von denen die äußere Geschichte berichtet. Aber eine Unterweisung fand da statt, welche den ganzen Menschen ergriffen hat, eine Unterweisung, welche die menschliche Seele an die Sphäre des Kosmisch-Geistigen hat anknüpfen lassen ihr eigenes Wesen.

[ 17 ] And it was with an immense sense of peace that those who had been thus instructed in those days departed from their masters. And from the serenity of their countenances—which expressed the result of great consolation—that gentle gaze gradually emerged, through which the language of heaven can speak. And so, a deeply spiritual teaching essentially persisted well into the first third of the 15th century, hidden from the events recorded by external history. But a form of instruction took place there that encompassed the whole human being—an instruction that enabled the human soul to connect its own being to the sphere of the cosmic-spiritual.

[ 18 ] Diese ganze geistige Stimmung, sie ist im Laufe der letzten Jahrhunderte dahingegangen. Sie ist nicht mehr in unserer Zivilisation enthalten. Und eine äußerliche, gottfremde Zivilisation hat sich über die Stätten ausgebreitet, die einstmals solches gesehen haben, wie ich es Ihnen jetzt eben geschildert habe. Man steht heute da mit der Erinnerung, die ja nur im Geiste, im Astrallichte herauferschaffen werden kann, an so manche Szene, die ähnlich derjenigen ist, die ich Ihnen eben geschildert habe. Das gibt die Grundstimmung, die man heute hat, wenn man zurückblickt in jene Zeiten, die oftmals als so finster geschildert werden, und dann blickt in unsere Zeit. Aber bei diesem Blick geht im Herzen auf aus den geistigen Offenbarungen, die seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts dem Menschen werden können, die tiefe Sehnsucht, in geistiger Art wiederum zu den Menschen zu sprechen. Und die geistige Art läßt sich nicht bloß sprechen durch abstrakte Worte, die geistige Art fordert mancherlei Zeichen, um in der umfassenden Weise zu sprechen. Und eine solche Sprache, die gefunden werden sollte für jene geistigen Wesenheiten, die zu der modernen Menschheit sprechen sollen, eine solche Sprachform waren die Formen unseres vor einem Jahre verbrannten Goetheanums. Wahrhaftig, in diesen Formen sollte weiter sprechen dasjenige, was vom Podium aus in Ideen zu den Zuhörern gesprochen worden ist. Und damit war in einer gewissen Weise mit dem Goetheanum etwas vorhanden, was wirklich an Altes in ganz neuer Form wieder erinnern konnte.

[ 18 ] This entire spiritual atmosphere has faded away over the course of the last few centuries. It is no longer present in our civilization. And an external civilization, alien to God, has spread across the very sites that once witnessed such things as I have just described to you. Today, one stands there with the memory—which can only be evoked in the spirit, in the astral light—of many a scene similar to the one I have just described to you. This sets the basic mood one feels today when looking back on those times, which are often portrayed as so dark, and then looking at our own time. But as we take this look, a deep longing arises in our hearts—born of the spiritual revelations that have become available to humanity since the last third of the 19th century—to speak to people once again in a spiritual way. And the spiritual way cannot be expressed merely through abstract words; the spiritual way demands various symbols in order to speak in a comprehensive manner. And such a language—one that was to be found for those spiritual beings who are to speak to modern humanity—such a form of expression was embodied in the forms of our Goetheanum, which burned down a year ago. Truly, it was through these forms that what had been spoken from the podium to the audience in the form of ideas was to continue speaking. And thus, in a certain sense, the Goetheanum embodied something that could truly evoke the past in an entirely new form.

[ 19 ] Wenn der Einzuweihende den Tempel von Ephesus betrat, dann wurde sein Blick gelenkt auf jene Statue, von der ich in diesen Tagen gesprochen habe, auf jene Statue, die ihm eigentlich die Worte in Herzenssprache zurief: Vereinige dich mit dem Weltenäther, und du schaust das Irdische aus Ätherhöhen. — So hat mancher Schüler von Ephesus das Irdische aus Ätherhöhen geschaut. Und ein gewisses Göttergeschlecht wurde neidisch. Aber gegen den Neid der Götter haben Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha dennoch mutvolle Menschen die Möglichkeit gefunden, fortzupflanzen wenn auch in Abschwächung, so doch nur in der Abschwächung, in der es fortwirken konnte — dasjenige, was aus uralt heiligen Menschheits-Entwickelungsjahren bis zum Brande von Ephesus gewirkt hat. Und wäre unser Goetheanum ganz fertig geworden, dann wäre auch vom Eintritte im Westen der Blick gefallen auf jene Statue, in der der Mensch die Aufforderung gefunden hätte, sich selber als kosmisches Wesen zu wissen, hineingestellt zwischen die Mächte des Luziferischen und die Mächte des Ahrimanischen, in innerer, gottgetragener Wesensausgleichung. Und blickte man auf die Formen der Säulen, der Architrave, so sprach das eine Sprache, eine Sprache, welche die Fortsetzung der vom Podium aus in Ideen Geistiges wie interpretierenden Sprache war. Die Worte klangen weiter entlang den Formen, die plastisch ausgestaltet waren. Und oben in der Kuppel waren zu sehen jene Szenen, welche die Menschheitsentwickelung dem geistigen Blicke nahebringen konnten. Es war schon in diesem Goetheanum für den, der empfinden konnte, eine Erinnerung an den Tempel von Ephesus zu sehen.

[ 19 ] When the initiate entered the temple of Ephesus, his gaze was drawn to that statue I have been speaking of these past few days—the statue that, in a sense, called out to him in the language of the heart: “Unite yourself with the world ether, and you will behold the earthly realm from the heights of the ether.” — Thus, many a disciple of Ephesus beheld the earthly realm from the heights of the ether. And a certain race of gods grew envious. But in the face of the gods’ envy, centuries before the Mystery of Golgotha, courageous human beings nevertheless found a way to carry forward—albeit in a weakened form, yet only to the extent that it could continue to work—that which had been at work from the ancient, sacred years of human development up to the burning of Ephesus. And had our Goetheanum been fully completed, then upon entering from the west, one’s gaze would have fallen upon that statue in which humanity would have found the call to recognize itself as a cosmic being, placed between the forces of the Luciferic and the forces of the Ahrimanic, in an inner, God-sustained balance of being. And when one looked at the forms of the columns and the architraves, they spoke a language—a language that was the continuation of the language that, as it were, interpreted the spiritual in ideas from the podium. The words continued to resonate along the sculpturally rendered forms. And high up in the dome, one could see those scenes that could bring the development of humanity to life before the spiritual gaze. Even in this Goetheanum, for those who were able to feel it, there was a reminder of the Temple of Ephesus to be seen.

[ 20 ] Aber die Erinnerung wurde furchtbar schmerzlich, als auf eine gar nicht unähnliche, der alten nicht unähnlichen Weise gerade in dem Punkte der Entwickelung, in dem das Goetheanum hätte übergehen sollen durch es selbst, der Träger der Erneuerung des spirituellen Lebens zu werden, in dem Zeitpunkte nun auch die Brandfackel in dieses Goetheanum geworfen wurde.

[ 20 ] But the memory became terribly painful when, in a manner not unlike the old one—precisely at the point in its development when the Goetheanum was supposed to have transformed itself into the bearer of the renewal of spiritual life—the torch was now also thrown into this Goetheanum.

[ 21 ] Meine lieben Freunde, unser Schmerz war tief. Unser Schmerz war unbeschreiblich. Aber wir faßten den Entschluß, ungehindert um das Traurigste, Tragischste, das uns hat passieren können, unsere Arbeit für die geistige Welt fortzusetzen. Denn man konnte sich in seinem Herzen sagen: Schaut man hin auf die Flammen, die aus Ephesus aufsteigen, so erscheint in die Flammen hineingeschrieben der Neid der Götter in einer Zeit, in der die Menschen noch unfrei mehr dem Willen guter und böser Götter folgen mußten.

[ 21 ] My dear friends, our grief was deep. Our grief was indescribable. But we resolved to continue our work for the spiritual world undeterred by the saddest, most tragic event that could have befallen us. For one could say to oneself in one’s heart: If one looks upon the flames rising from Ephesus, the envy of the gods appears written within the flames—in a time when people, still unfree, were compelled to follow the will of both good and evil gods.

[ 22 ] In unserer Zeit sind die Menschen organisiert zur Freiheit hin. Und vor einem Jahre, in der Silvesternacht, schauten wir hin auf die verzehrenden Flammen. Die rote Lohe ging gegen den Himmel. Dunkelbläuliche, rötlich-gelbe Flammenlinien züngelten durch das allgemeine Feuermeer, von den metallischen Instrumenten herrührend, die das Goetheanum barg, ein Riesenfeuermeer mit den mannigfaltigsten farbigen Inhalten. Und man mußte, wenn man in dieses Flammenmeer sah mit den farbigen Linien darinnen, sprechend zum Schmerze der Seele, lesen: der Neid der Menschen.

[ 22 ] In our time, people are organized toward freedom. And a year ago, on New Year’s Eve, we gazed upon the consuming flames. The red blaze reached toward the sky. Dark blue and reddish-yellow lines of flame flickered through the vast sea of fire, emanating from the metallic instruments housed in the Goetheanum—a gigantic sea of fire with the most varied colorful elements. And when one looked into this sea of flames with its colorful lines within—speaking to the pain of the soul—one could not help but read: the envy of humankind.

[ 23 ] So gliedert sich dasjenige, was von Epoche zu Epoche in der Menschheitsentwickelung spricht, zusammen, selbst im größten Unglücke. Es geht ein Faden von dem Worte, das da ausdrückt ein größtes Unglück aus der Zeit, wo die Menschen noch in Unfreiheit zu den Göttern aufsahen, aber sich freimachen sollten von der Unfreiheit, es geht ein Faden der geistigen Entwickelung von jenem Unglücke, da man eingeschrieben sah in die Flammen: der Neid der Götter — herüber zu unserem Unglücke, wo der Mensch in sich selber die Kraft der Freiheit finden soll und wo in die Flammen eingeschrieben war: der Neid der Menschen. In Ephesus die Götterstatue; hier im Goetheanum die Menschenstatue, die Statue des Menschheits-Repräsentanten, des Christus Jesus, in dem wir gedachten, uns mit ihm identifizierend, in aller Demut so in der Erkenntnis aufzugehen, wie einstmals in ihrer Art auf eine heute der Menschheit nicht mehr völlig verständliche Art die Schüler von Ephesus in der Diana von Ephesus aufgingen.

[ 23 ] This is how what speaks of the progression of human development from epoch to epoch comes together, even in the midst of the greatest misfortune. A thread runs from the word that expresses the greatest misfortune of the time when people, still in bondage, looked up to the gods but were meant to free themselves from that bondage; a thread of spiritual development runs from that misfortune, when one saw inscribed in the flames: the envy of the gods—all the way to our own misfortune, where human beings are to find the power of freedom within themselves and where the words inscribed in the flames were: the envy of human beings. In Ephesus, the statue of the god; here at the Goetheanum, the statue of the human being, the statue of the representative of humanity, Christ Jesus, in whom we sought, identifying with him, to merge in all humility with this knowledge—just as, in their own way—a way no longer fully comprehensible to humanity today—the disciples of Ephesus once merged with the Diana of Ephesus.

[ 24 ] Der Schmerz wird nicht geringer, wenn man im historischen Lichte schaut dasjenige, was uns der Silvesterabend im vorigen Jahre brachte. Es hat ja sollen, als ich zum letzten Mal auf dem Podium stehen durfte, das im Einklange mit dem ganzen Bau dort aufgerichtet war, es hat ja sollen der Blick der damaligen Zuhörer, der Seelenblick, hingelenkt werden auf den Aufstieg aus irdischen Gebieten in Sternengebiete, die ausdrücken den Willen und die Weisheit, das Licht des geistigen Kosmos. Ich weiß, Pate standen dazumal manche von den Geistern, die im Mittelalter also ihre Schüler lehrten, wie ich es Ihnen beschrieben habe. Und eine Stunde, nachdem das letzte Wort gesprochen war, wurde ich geholt zum Brande des Goetheanums. Und am Brande des Goetheanums verbrachten wir die Silvesternacht des vorigen Jahres.

[ 24 ] The pain does not lessen when we look back, in historical perspective, at what New Year’s Eve last year brought us. It was meant to be—when I was allowed to stand on the podium for the last time, which had been erected there in harmony with the entire structure—that the gaze of the audience at that time, the gaze of the soul, should be directed toward the ascent from earthly realms into stellar realms, which express the will and wisdom, the light of the spiritual cosmos. I know that some of the spirits who taught their students in the Middle Ages—as I have described to you—were the guiding forces behind that event. And one hour after the last word was spoken, I was summoned to the burning of the Goetheanum. And at the burning of the Goetheanum, we spent New Year’s Eve of last year.

[ 25 ] Man braucht ja diese Worte nur auszusprechen, und unsägliches geht vor in allen unseren Herzen, in allen unseren Seelen. Aber wenn so etwas über ein Heiliges in der Menschheitsentwickelung hinweggezogen ist, dann gab es immer einige, die gelobten, nach der Auflösung des Physischen weiterzuwirken in dem Geiste, dem das Physische gewidmet war. Und ich denke, da wir versammelt sind in dem Augenblicke, da sich jährt unser Goetheanum-Unglück, so dürfen wir gedenken, daß unsere Seelen die rechte Stimmung für dieses unser Zusammensein haben, wenn wir uns alle geloben, das im Geiste weiter durch die Fortschrittswelle der Menschheit zu tragen, was dutch physische Form, physisches Bild, physische Gestaltung mit dem Goetheanum hingestellt war auch vor das physische Auge und dem physischen Auge durch eine Herostratos-Tat entzogen worden ist. Am alten Goetheanum haftet unser Schmerz. Würdig werden wir nur durch dasjenige, das uns immerhin auferlegt ist dadurch, daß wir dieses Goetheanum bauen durften, wenn wir uns heute in der Erinnerung das Gelöbnis ablegen, jeder vor dem göttlich Besten, das er in der Seele trägt, treu zu bleiben den geistigen Impulsen, die ihre äußere Form in jenem Goetheanum gehabt haben. Dieses Goetheanum konnte uns genommen werden. Der Geist dieses Goetheanums kann uns, wenn wir wirklich ehrlich und aufrichtig wollen, nicht genommen werden. Und er wird uns am wenigsten genommen, wenn wit in dieser ernst-feierlichen Stunde, die uns nur noch kurze Zeit trennt von dem Zeitpunkte, da vor einem Jahre herausloderten die Flammen aus unserem geliebten Goetheanum, wenn wir in diesem Augenblicke nicht nur den Schmerz erneut empfinden, sondern aus diesem Schmerze heraus uns geloben, jenem Geiste treu zu bleiben, dem wir diese Stätte durch zehn Jahre hindurch aufbauen durften. Dann, meine lieben Freunde, wenn dieses innere Gelöbnis uns ehrlich, aufrichtig heute aus dem Herzen quillt, wenn wir den Schmerz, das Leiden verwandeln können in den Impuls der Tat, dann werden wir auch das traurige Ereignis verwandeln in Segen. Der Schmerz kann dadurch nicht geringer werden, aber es obliegt uns, gerade aus dem Schmerze heraus den Antrieb zur Tat, zur Tat im Geiste zu finden.

[ 25 ] One need only utter these words, and something indescribable stirs within all our hearts, within all our souls. But whenever something like this has swept away a sacred aspect of human development, there have always been some who vowed to continue working—after the dissolution of the physical—in the spirit to which the physical was dedicated. And I think that, since we are gathered at this moment, on the anniversary of our Goetheanum disaster, we may remember that our souls are in the right frame of mind for this gathering of ours if we all vow to carry forward in the spirit—through the wave of human progress—that which was presented through the physical form, physical image, and physical structure of the Goetheanum, even though it has been taken away from the physical eye by a Herostratos-like act. Our pain is bound up with the old Goetheanum. We will only become worthy of that which has, after all, been entrusted to us through the fact that we were allowed to build this Goetheanum if we make a vow today, in remembrance, to remain faithful—each one before the divine best that he or she carries in the soul—to the spiritual impulses that found their outer form in that Goetheanum. This Goetheanum could be taken from us. The spirit of this Goetheanum cannot be taken from us if we truly and sincerely desire it. And it will be least taken from us if, in this solemn solemn hour—which separates us only a short time from the moment a year ago when flames burst forth from our beloved Goetheanum—if at this very moment we not only feel the pain anew but, out of this pain, vow to remain faithful to that spirit to which we were permitted to build this place over the course of ten years. Then, my dear friends, if this inner vow springs honestly and sincerely from our hearts today, if we can transform the pain and suffering into an impulse for action, then we will also transform this sad event into a blessing. The pain cannot be lessened by this, but it is up to us to find, precisely out of this pain, the impetus for action—for action in the spirit.

[ 26 ] Und so, meine lieben Freunde, schauen wir zurück auf die furchtbaren Feuerflammen, die uns mit so unsäglicher Trauer erfüllten. Fühlen wir aber heute, den besten göttlichen Kräften in uns selbst uns angelobend, die heilige Flamme in unseren Herzen, die geistig leuchten und erwärmen soll dasjenige, was mit dem Goetheanum gewollt war, indem wir diesen Willen forttragen durch die Fortschrittswellen der Menschheit. So wiederholen wir in diesem Augenblicke vertieft die Worte, die ich vor einem Jahre drüben ungefähr in diesem selben Zeitpunkte sprechen durfte. Damals sprach ich ungefähr: Wir leben in einem Silvester, wir müssen entgegenleben einem neuen Weltenjahr. — Oh, stünde das Goetheanum noch unter uns, diese Aufforderung könnte in diesem Momente erneut werden! Es steht nicht mehr unter uns. Sie darf gerade, weil es nicht mehr unter uns steht, wie ich glaube, mit vielfach vermehrter Kraft am heutigen Silvesterabend ausgesprochen werden. Tragen wir die Seele des Goetheanums in das neue Weltenjahr hinüber, und versuchen wit, zu errichten in dem neuen Goetheanum dem Leibe des alten ein würdiges Monument, ein würdiges Denkmal. Das, meine lieben Freunde, knüpfe unsere Herzen an das alte Goetheanum, das wir den Elementen übergeben mußten. Das knüpfe aber unsere Herzen an den Geist, an die Seele dieses Goetheanums. Und mit diesem Angelöbnis an unser bestes Wesen in uns selber wollen wir hinüberleben nicht bloß in das neue Jahr, wollen hinüberleben, tatkräftig, geisttragend, seelenführend in das neue Weltenjahr.

[ 26 ] And so, my dear friends, let us look back on the terrible flames that filled us with such unspeakable sorrow. But today, as we dedicate ourselves to the highest divine forces within ourselves, let us feel the sacred flame in our hearts—a flame meant to spiritually illuminate and warm that which was intended for the Goetheanum—as we carry this intention forward through the waves of human progress. So let us now, in deep reflection, repeat the words I was allowed to speak over there about a year ago at roughly this same time. At that time I said something like this: We are living through a New Year’s Eve; we must look forward to a new world year. — Oh, if only the Goetheanum were still among us, this call could be renewed at this very moment! It is no longer among us. Precisely because it is no longer among us, I believe this call may be uttered with manifold increased strength on this New Year’s Eve. Let us carry the soul of the Goetheanum over into the new world year, and let us strive to erect in the new Goetheanum a worthy monument, a worthy memorial to the body of the old one. This, my dear friends, binds our hearts to the old Goetheanum, which we had to surrender to the elements. But let it also bind our hearts to the spirit, to the soul of this Goetheanum. And with this pledge to the very best within ourselves, let us carry on not merely into the new year, but let us carry on—energetic, spirit-bearing, soul-guiding—into the new world year.

[ 27 ] Meine lieben Freunde, Sie haben mich empfangen, indem Sie sich in der Erinnerung an das alte Goetheanum erhoben haben. Sie leben in der Erinnerung an dieses alte Goetheanum. Erheben wir uns jetzt zum Zeichen, daß wir uns angeloben, in dem Geiste des Goetheanum weiterzuwirken mit den besten Kräften, die wir im Bilde unseres Menschenwesens finden können. Ja, so sei es. Amen.

[ 27 ] My dear friends, you have welcomed me by rising up in remembrance of the old Goetheanum. You live in the memory of this old Goetheanum. Let us now rise as a sign that we pledge to continue working in the spirit of the Goetheanum with the best of our abilities, which we can find within the image of our human nature. Yes, so be it. Amen.

[ 28 ] Und so wollen wir es halten, meine lieben Freunde, so lange wir es können, nach dem Willen, der unsere Menschenseelen verbindet mit den Götterseelen, denen wir treu bleiben wollen in dem Geiste, aus dem heraus wir diese Treue zu ihnen suchten in einem bestimmten Zeitpunkte unseres Lebens, da wir die Geisteswissenschaft des Goetheanums suchten. Und verstehen wir, diese Treue zu halten.

[ 28 ] And so let us continue in this way, my dear friends, for as long as we can, in accordance with the will that unites our human souls with the souls of the gods, to whom we wish to remain faithful in the spirit from which we sought this fidelity to them at a certain point in our lives, when we sought the spiritual science of the Goetheanum. And may we understand how to uphold this loyalty.