Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a
4 January 1924, Dornach
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Mystery Sites of the Middle Ages, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Im Anschluß an dasjenige, was ich Ihnen vorzubringen hatte in dem Kursverlauf während unserer Weihnachtstagung, möchte ich in diesen drei Vorträgen, die nun an den Abenden werden zu halten sein, einiges von dem sagen, was die auf die Erforschung des geistigen Lebens hingehende Entwickelung in der neueren Zeit betrifft. Es wird ja vielfach gerade unter dem Namen der Rosenkreuzerei und anderer okkulter Bezeichnungen von dieser neueren geisteswissenschaftlichen Entwickelung gesprochen, und ich möchte einmal das Innere dieser Erforschung des geistigen Lebens hier Ihnen schildern. Dazu wird notwendig sein, daß wir heute einleitend etwas über die ganze Art der Vorstellungen sagen, die sich etwa um das 9., 10., 11. nachchristliche Jahrhundert festsetzte und dann allmählich verschwand eigentlich erst am Ende des 18. Jahrhunderts, sich sogar noch erhalten hat bei einzelnen Nachzüglern im 19. Jahrhundert. Also ich möchte heute nicht historisch vorgehen, sondern ich möchte eine Summe von durch gewisse Persönlichkeiten innerlich erlebten Vorstellungen vor Ihre Seele hinstellen. Man denkt ja gewöhnlich gar nicht, wie anders die ganze Vorstellungswelt vor einer verhältnismäßig kurzen historischen Zeit war bei denjenigen, die sich zu den erkennenden Menschen gerechnet haben — wie ganz anders als heute. Heute spricht man von chemischen Stoffen, siebzig oder achtzig chemischen Stoffen, und wird sich gar nicht bewußt, daß eigentlich wirklich furchtbar wenig damit gesagt ist, wenn man einen Stoff als Sauerstoff, als Stickstoff und so weiter bezeichnet. Denn Sauerstoff ist ja nur etwas, was vorhanden ist unter bestimmten Voraussetzungen, unter bestimmten Voraussetzungen von Wärmezuständen, von anderen Zuständen gerade des irdischen Lebens. Es kann doch unmöglich eigentlich ein vernünftiger Mensch mit irgend etwas den Begriff der Realität verbinden, was bei Erhöhung einer Temperatur um soundso viele Grade nicht mehr in demselben Maße, in derselben Weise vorhanden ist, wie es gerade eben unter den Bedingungen vorhanden ist, in denen der Mensch als physischer Erdenmensch lebt. Und gerade solche Begriffe, solche Vorstellungen, die Tendenz, über das Relative des Daseins hinauszugehen zu einem wirklichen Dasein, dieses Ziel lag eben dem Forschungsleben der ersten Zeit des Mittelalters, der mittleren Zeit des Mittelalters durchaus zugrunde.
[ 1 ] Following on from what I had to share with you during the course of our Christmas conference, I would like to use these three lectures—which will now be held in the evenings—to discuss some aspects of recent developments in the study of spiritual life. After all, this recent development in spiritual science is often discussed specifically under the name of Rosicrucianism and other occult terms, and I would like to describe to you here the inner nature of this exploration of spiritual life. To do so, it will be necessary for us to begin today by saying a few words about the entire nature of the ideas that took hold around the 9th, 10th, and 11th centuries A.D., gradually faded away—not until the end of the 18th century, in fact—and even persisted among a few stragglers into the 19th century. So today I do not wish to take a historical approach, but rather to present to your soul a synthesis of ideas that were inwardly experienced by certain individuals. People usually do not even consider how different the entire world of ideas was—even within a relatively short historical period—among those who counted themselves among the people of knowledge—how completely different it was from today. Today we speak of chemical substances—seventy or eighty chemical substances—and we don’t even realize that, in reality, we’re saying terribly little when we designate a substance as oxygen, nitrogen, and so on. For oxygen is, after all, merely something that exists under certain conditions—under specific conditions of thermal states and other conditions peculiar to earthly life. It is, after all, impossible for any reasonable person to associate the concept of reality with anything that, when the temperature is raised by so many degrees, is no longer present to the same extent or in the same way as it is precisely under the conditions in which human beings live as physical beings on Earth. And it was precisely such concepts, such ideas—the tendency to go beyond the relativity of existence toward a true existence—that formed the very foundation of scholarly life in the early and middle periods of the Middle Ages.
[ 2 ] Ich setze deshalb einen Übergang vom 9. ins 10. nachchristliche Jahrhundert, weil vorher die ganzen Anschauungen der Menschen noch sehr geistig waren. Es würde zum Beispiel einem wirklich Wissenden des 9. Jahrhunderts gar noch nicht haben beikommen können, in der Annahme von Engeln oder Erzengeln oder Seraphim irgend etwas zu sehen, was an Realität nicht gleichgekommen wäre ich meine nur an Realität — den physischen Menschen, die man mit Augen sieht. Bei den Wissenden finden Sie, daß durchaus in dieser Zeit vor dem 10. Jahrhundert von den geistigen Wesenheiten, den sogenannten Intelligenzen des Kosmos, wie von Wesenheiten gesprochen wird, nun ja, denen man eben begegnet, wenn auch die Leute gewußt haben, sie sind schon längst aus dem Zeitalter hinaus, in dem das ein allgemeines Anschauungsgut der Menschen war. Sie haben aber gewußt, unter besonderen Verhältnissen ist die Wirkung da. Man darf zum Beispiel durchaus nicht übersehen, daß zahlreiche Priesternaturen, katholische Priesternaturen, bis ins 9., 10. Jahrhundert im Verlauf der Verrichtungen des Meßopfers sich ganz klar darüber waren, daß sie bei dieser oder jener Handlung des Meßopfers die Begegnung von geistigen Wesenheiten, von Intelligenzen des Kosmos gehabt haben.
[ 2 ] I therefore mark the transition from the 9th to the 10th century A.D. because, prior to that, people’s entire worldview was still very spiritual. For example, it would never have occurred to a truly knowledgeable person of the 9th century to see in the concept of angels, archangels, or seraphim anything that did not correspond in reality—and I mean only in reality—to the physical human being whom one sees with one’s eyes. Among the wise, you will find that even in this period before the 10th century, people spoke of spiritual beings—the so-called intelligences of the cosmos—as beings one simply encounters, even though people knew these beings had long since passed out of the era in which they were part of humanity’s common worldview. But they knew that under certain special circumstances, the effect is still present. For example, one must by no means overlook the fact that numerous priests—Catholic priests—well into the 9th and 10th centuries, in the course of performing the Mass, were quite clearly aware that during this or that act of the Mass, they had encountered spiritual beings, the intelligences of the cosmos.
[ 3 ] Aber mit dem 9., 10. Jahrhundert verschwand allmählich aus dem Bewußtsein der Menschen der unmittelbare Zusammenhang mit den eigentlichen Intelligenzen des Weltenalls, und immer mehr und mehr tauchte auf nur das Bewußtsein von den Elementen des Kosmos, von dem Erdigen, dem Flüssigen oder Wäßrigen, dem Luftartigen, dem Wärmeartigen, dem Feurigen. So daß, ebenso wie man früher von kosmischen Intelligenzen gesprochen hat, welche die Planetenbewegungen regeln, die Planeten vorbeiführen an den Fixsternen und so weiter, so sprach man nunmehr, ich möchte sagen, von der unmittelbaren Umgebung des Irdischen. Man sprach von den Elementen der Erde, des Wassers, der Luft, des Feuers. Chemische Stoffe im heutigen Sinne beachtete man nicht. Das kam erst viel später, daß man diese beachtete. Aber sehen Sie, Sie würden sich etwas ganz Falsches vorstellen, wenn Sie sich denken würden, daß die Wissenden selbst noch im 13., 14. Jahrhundert, ja sogar in einer gewissen Weise herein bis ins 18. Jahrhundert, sich unter Wärme, Luft, Wasser, Erde dasselbe vorgestellt hätten, was sich heute die Menschen darunter vorstellen. Heute reden die Menschen von der Wärme überhaupt nur noch als von einem Zustande, in dem die Körper sind. Von einem eigentlich Wärmeätherischen wird ja nicht mehr geredet. Aber Luft, Wasser, das ist ja für die Menschen heute, man möchte sagen, das Allerabstrakteste geworden, und es ist schon notwendig, daß man sich vertiefe in die Art, wie diese Vorstellungen einmal waren. Und so möchte ich Ihnen heute ein Bild geben, wie etwa die Redeweise bei den Wissenden in der bezeichneten Zeit war.
[ 3 ] But by the 9th and 10th centuries, the direct connection to the actual intelligences of the universe gradually faded from people’s consciousness, and more and more, only the awareness of the elements of the cosmos—the earthy, the liquid or watery, the airy, the warm, and the fiery—began to emerge. So that, just as people had previously spoken of cosmic intelligences that govern planetary movements, guide the planets past the fixed stars, and so on, they now spoke, I might say, of the immediate surroundings of the earthly realm. People spoke of the elements of earth, water, air, and fire. Chemical substances in the modern sense were not taken into account. It was not until much later that these came to be considered. But you see, you would be imagining something entirely wrong if you were to think that even in the 13th and 14th centuries—and indeed, in a certain sense, well into the 18th century—those in the know would have conceived of heat, air, water, and earth in the same way that people do today. Today, people speak of heat only as a state in which bodies exist. No one speaks anymore of an actual “heat-etheric” substance. But air and water—these have become, one might say, the most abstract concepts for people today, and it is indeed necessary to delve into the nature of how these concepts once were. And so today I would like to give you a picture of what the way of speaking among the “knowing ones” was like during the period in question.
[ 4 ] Ich war genötigt, als ich meine «Geheimwissenschaft» schrieb, die Entwickelung der Erde doch wenigstens ein wenig mit den gebräuchlichen Vorstellungen der Gegenwart in Einklang zu bringen. Im 13., 12. Jahrhundert würde man sie haben anders machen können. Da würde zum Beispiel in einem gewissen Kapitel dieser «Geheimwissenschaft» das Folgende zu finden gewesen sein. Da hätte man zunächst eine Vorstellung hervorzurufen gehabt von den Wesenheiten, die man als die Wesenheiten der ersten Hierarchie bezeichnen kann: Seraphim, Cherubim, Throne. Man würde die Seraphim charakterisiert haben als Wesenheiten, bei denen es nicht Subjekt und Objekt gibt, sondern bei denen Subjekt und Objekt zusammenfällt, die nicht sagen würden: Außer mir sind Gegenstände —, sondern: Die Welt ist, und ich bin die Welt, und die Welt ist Ich —; die eben nur von sich wissen, und zwar so, daß diese Wesenheiten, diese Seraphim, von sich wissen durch ein Erlebnis, von dem der Mensch einen schwachen Nachglanz hat, wenn er, nun, sagen wir, die Erfahrung macht, die ihn in eine glühende Begeisterung versetzt.
[ 4 ] When I was writing my *Secret Science*, I was compelled to bring the Earth’s evolution at least somewhat into line with the prevailing ideas of the present day. In the 13th or 12th century, one could have approached it differently. For example, in a certain chapter of this *Secret Science*, the following would have been found. One would first have had to evoke a conception of the beings that can be described as the beings of the first hierarchy: Seraphim, Cherubim, Thrones. One would have characterized the Seraphim as beings in whom there is no subject and object, but in whom subject and object coincide; beings who would not say: “There are objects apart from me”—but rather: “The world is, and I am the world, and the world is I”; who know only themselves, and indeed in such a way that these beings, these Seraphim, know themselves through an experience of which human beings have only a faint afterglow when they, well, let’s say, undergo an experience that fills them with fervent enthusiasm.
[ 5 ] Es ist sogar schwer manchmal, dem gegenwärtigen Menschen klar zu machen, was eine glühende Begeisterung ist, denn noch im Beginne des 19. Jahrhunderts wußte man besser, was glühende Begeisterung ist, als heute. Da kam es schon noch vor, daß das oder jenes Gedicht von diesem oder jenem Dichter vorgelesen worden ist, und die Leute benahmen sich vor Begeisterung so — verzeihen Sie, aber es war schon so —, daß der gegenwärtige Mensch sagen würde: Die sind ja alle wahnsinnig geworden! — So sind sie in Bewegung gekommen, so ist Wärme in sie eingezogen. Gegenwärtig erfriert man ja, gerade wenn man glaubt, die Leute sollten begeistert sein.
[ 5 ] It is even difficult at times to explain to people today what ardent enthusiasm is, because even at the beginning of the 19th century, people understood it better than they do today. Back then, it still happened that this or that poem by this or that poet would be read aloud, and people would react with such enthusiasm—forgive me, but that’s how it was—that people today would say: “They’ve all gone mad!”—That’s how they were stirred, that’s how warmth took hold of them. Nowadays, you feel a chill, precisely when you’d expect people to be enthusiastic.
[ 6 ] Und durch dieses Element der Begeisterung, das insbesondere in Mittel- und Osteuropa recht heimisch war, durch diese seelische Begeisterung, indem dieses Element zum Bewußtsein erhoben ist, einheitliches Bewußtseinselement ist, hat man sich das innere Leben der Seraphim vorzustellen. Und als ein völlig abgeklärtes Element im Bewußtsein, lichtvoll, so daß der Gedanke unmittelbar Licht wird, alles beleuchtet, hat man das Bewußtseinselement der Cherubim vorzustellen. Und als in Gnade tragend, weltentragend, das Element der Throne.
[ 6 ] And through this element of enthusiasm, which was particularly at home in Central and Eastern Europe—through this spiritual enthusiasm, as this element is raised to consciousness and becomes a unified element of consciousness—one must imagine the inner life of the Seraphim. And as a completely serene element in consciousness, radiant with light, such that thought immediately becomes light and illuminates everything—this is how one should imagine the element of consciousness of the Cherubim. And as the element that bears grace and sustains the world—the element of the Thrones.
[ 7 ] Nun, das ist solch eine Skizze. Ich könnte darüber lange noch fortsprechen. Ich wollte Ihnen nur zunächst sagen, daß man versucht hätte in jener Zeit zunächst Seraphim, Cherubim, Throne in ihren wesenhaften Eigenschaften zu charakterisieren. Dann würde man gesagt haben: Der Chor der Seraphim, Cherubim, Throne wirkt zusammen, und zwar so wirkt er zusammen, daß die Throne einen Kern begründen (siehe Zeichnung; Mitte rotlila); die Cherubim lassen von diesem Kern ausströmen ihr eigenes lichtvolles Wesen (gelber Ring). Die Seraphim hüllen das Ganze in einen Begeisterungsmantel, der weithin in den Weltenraum strahlt (rote Umhüllung).
[ 7 ] Well, that is just a rough sketch. I could go on talking about this for a long time. I just wanted to tell you, to begin with, that at that time people had attempted to characterize the Seraphim, Cherubim, and Thrones in terms of their essential qualities. Then one would have said: The choir of Seraphim, Cherubim, and Thrones works together, and it works together in such a way that the Thrones form a core (see drawing; center, reddish-purple); the Cherubim allow their own luminous essence to radiate from this core (yellow ring). The Seraphim envelop the whole in a mantle of inspiration that radiates far out into the cosmos (red envelope).


[ 8 ] Aber das sind alles Wesenheiten in dem, was ich zeichne, in der Mitte die Throne, im Umkreis die Cherubim, in dem, was im Äußersten hier ist, die Seraphim. Das sind Wesenheiten, die ineinanderschweben, -tun, -denken, -wollen, die ineinanderfühlen. Das sind Wesenhaftigkeiten. Und wenn ein Wesen, das die entsprechende Empfindungsfähigkeit gehabt hätte, nunmehr den Weg durch den Raum genommen hätte, wo in dieser Weise die Throne einen Kern begründet haben, die Cherubim eine Art von Umkreis, die Seraphim eine Art von Abschluß nach außen, wenn ein solches Wesen in den Bereich dieses Wirkens der ersten Hierarchie gekommen wäre, so hätte es Wärme in verschiedener Differenzierung, an verschiedenen Stellen Wärme gefühlt, da höhere Wärme, dort tiefere Wärme. Alles aber seelisch-geistig, aber so seelisch-geistig, daß das seelische Erlebnis auch zu gleicher Zeit in unseren Sinnen ein physisches Erlebnis ist, daß also, indem das Wesen sich seelisch warm fühlt, wirklich das da ist, was Sie fühlen, wenn Sie in einem geheizten Raume sind. Solch eine Zusammenbauung von Wesenheiten der ersten Hierarchie ist einmal im Weltenall entstanden, und das bildete das saturnische Dasein. Die Wärme ist bloß der Ausdruck dafür, daß diese Wesenheiten da sind. Die Wärme ist nichts, sie ist bloß der Ausdruck dafür, daß diese Wesenheiten da sind.
[ 8 ] But these are all beings in what I am drawing: in the center, the Thrones; surrounding them, the Cherubim; and in the outermost part here, the Seraphim. These are beings who float, act, think, and will within one another, who feel one another. These are essential beings. And if a being that possessed the corresponding capacity for sensation were now to travel through the space where, in this way, the Thrones have formed a core, the Cherubim a kind of outer circle, and the Seraphim a kind of outer boundary—if such a being were to enter the realm of this activity of the first hierarchy—it would have felt warmth in various degrees, warmth in different places, higher warmth here, deeper warmth there. All of this, however, is soul-spiritual—but so soul-spiritual that the soul experience is at the same time a physical experience in our senses; that is, when the being feels warmth in its soul, what you feel when you are in a heated room is truly present there. Such a combination of beings of the First Hierarchy once came into being in the universe, and this formed the Saturnian existence. The warmth is merely an expression of the fact that these beings are there. The warmth is nothing; it is merely an expression of the fact that these beings are there.
[ 9 ] Ich möchte dafür ein Bild gebrauchen, das hier vielleicht etwas aufklärend sein kann. Denken Sie sich, Sie haben einen Menschen gern. Sie empfinden seine Gegenwart als Sie wärmend. Denken Sie sich, es kommt einer, der ein furchtbarer Abstraktling ist und sagt: Ja, der Mensch interessiert mich eigentlich nicht, den denke ich mir weg, mich interessiert nur die Wärme, die er verbreitet. — Aber er sagt gar nicht: Mich interessiert nur die Wärme, die er verbreitet —, sondern: Mich interessiert überhaupt nur die Wärme. — Er redet natürlich Unsinn, das verstehen Sie, denn wenn der Mensch weg ist, der die Wärme verbreitet, dann ist die Wärme auch nicht mehr da. Die Wärme ist überhaupt nur etwas, was da ist, wenn der Mensch da ist. Sie ist an sich nichts. Der Mensch muß da sein, wenn die Wärme da ist. So müssen Seraphim, Cherubim, Throne da sein, sonst ist auch die Wärme nicht da. Die Wärme ist nur die Offenbarung der Seraphim, Cherubim, Throne.
[ 9 ] I’d like to use an image here that might help clarify things a bit. Imagine you care about someone. You find their presence comforting. Now imagine someone comes along who is a terribly abstract person and says: “Actually, I’m not interested in that person; I’ll just ignore them. I’m only interested in the warmth they radiate.” — But he doesn’t say, “I’m only interested in the warmth they radiate”—rather, “I’m only interested in the warmth itself.” — Of course, he’s talking nonsense, as you can see, because once the person who radiates the warmth is gone, the warmth is gone too. The warmth is, in fact, only something that exists when the person is there. It is nothing in and of itself. The person must be there for the warmth to be there. Thus, the Seraphim, Cherubim, and Thrones must be there; otherwise, the warmth is not there either. The warmth is merely the manifestation of the Seraphim, Cherubim, and Thrones.
[ 10 ] Sehen Sie, in jener Zeit, von der ich spreche, gab es ja in der Tat bis zu den kolorierten Zeichnungen herunter das, was ich Ihnen eben jetzt beschrieben habe. Man redete so, daß man, wenn man von Elementen redete, vom Elemente der Wärme, darunter eigentlich Cherubim, Seraphim, Throne verstand. Und das ist das saturnische Dasein.
[ 10 ] You see, in the time I am speaking of, there was in fact—right down to the colored drawings—what I have just described to you. People spoke in such a way that when they spoke of the elements—the element of heat, for example—they actually meant the Cherubim, Seraphim, and Thrones. And that is the Saturnian existence.
[ 11 ] Nun ging man weiter, und man sagte sich dann: Nur die Seraphim, Cherubim, Throne haben die Macht, so etwas hervorzubringen, so etwas hinzustellen in den Kosmos. Nur diese höchste Hierarchie hat die Fähigkeit, so etwas hinzustellen in den Kosmos. Aber indem diese höchste Hierarchie im Ausgangspunkte eines Weltenwerdens so etwas hingestellt hat, konnte die Entwickelung weitergehen. Es konnten gewissermaßen die Söhne der Seraphim, Cherubim und Throne die Entwickelung weiterleiten. — Und das geschah dann auf die Weise, daß wirklich die von den Seraphim, Cherubim und Thronen hervorgebrachten Wesenheiten der zweiten Hierarchie, die Kyriotetes, Dynamis, Exusiai, daß diese nun eindrangen in diesen Raum, sagen wir, der hier durch Seraphim, Cherubim und Throne saturnisch gestaltet worden war, saturnisch warm gebildet worden war. Da drangen dann die jüngeren, natürlich kosmisch jüngeren Wesenheiten ein. Diese kosmisch jüngeren Wesenheiten, wie wirkten sie? Während die Cherubim, Seraphim und Throne für sich im Elemente der Wärme sich offenbarten, so offenbarten sich die Wesenheiten der zweiten Hierarchie im Elemente des Lichtes. Hier (auf der Zeichnung, roter Hintergrund) das Saturnische ist dunkel, liefert Wärme. Und innerhalb der dunklen finsteren Welt des saturnischen Daseins ersteht dasjenige, was durch die Söhne der ersten Hierarchie, durch die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, entstehen kann.
[ 11 ] Then they went on, and they said to themselves: Only the Seraphim, Cherubim, and Thrones have the power to bring forth something like this, to place something like this in the cosmos. Only this highest hierarchy has the ability to place something like this into the cosmos. But because this highest hierarchy placed something like this into the cosmos at the very beginning of a world’s creation, evolution could continue. In a sense, the sons of the Seraphim, Cherubim, and Thrones were able to guide evolution forward. — And this then took place in such a way that the beings of the second hierarchy brought forth by the Seraphim, Cherubim, and Thrones—the Kyriotetes, Dynamis, and Exusiai—now entered this space, so to speak, which had been shaped here by the Seraphim, Cherubim, and Thrones in a Saturnian manner, formed with Saturnian warmth. Then the younger—cosmically younger, of course—beings entered. How did these cosmically younger beings act? While the Cherubim, Seraphim, and Thrones revealed themselves in the element of warmth, the beings of the second hierarchy revealed themselves in the element of light. Here (in the drawing, red background), the Saturnian aspect is dark and provides warmth. And within the dark, gloomy world of Saturnian existence arises that which can come into being through the Sons of the First Hierarchy—the Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes.
[ 12 ] Was da entsteht innerhalb dieses saturnisch Warmen, das entsteht dadurch, daß das Eindringen der zweiten Hierarchie bedeutet ein innerliches Durchleuchtetwerden. Dieses innerliche Durchleuchtetwerden ist verknüpft mit einer Verdichtung der Wärme. Es wird aus dem bloßen Wärmeelement Luft. Und wir haben auf der einen Seite eindringend in der Offenbarung des Lichtes die zweite Hierarchie. Aber Sie müssen sich jetzt klar vorstellen, in Wirklichkeit dringen Wesenheiten ein. Für ein Wesen mit entsprechender Wahrnehmungsfähigkeit dringt Licht ein. Licht ist dasjenige, was die Wege dieser Wesenheiten bezeichnet. Wenn irgendwo Licht hinkommt, so entsteht unter gewissen Bedingungen Schatten, Finsternis, finsterer Schatten. Durch das Eindringen der zweiten Hierarchie in Form des Lichtes entstand auch Schatten. Was war dieser Schatten? Die Luft. Und tatsächlich, bis ins 15., 16. Jahrhundert hat man gewußt, was die Luft ist. Heute weiß man nur, die Luft besteht aus Sauerstoff, Stickstoff und so weiter, womit nicht viel anderes gesagt ist, als wenn einer meinetwillen von einer Uhr weiß, sie besteht aus Glas und Silber, womit über die Uhr gar nichts gesagt ist. Es ist über die Luft gar nichts gesagt als kosmische Erscheinung, wenn man sagt, sie besteht aus Sauerstoff und Stickstoff, aber es ist viel über die Luft gesagt, wenn man weiß: Aus dem Kosmos heraus ist die Luft der Schatten des Lichtes. — So daß man also jetzt tatsächlich mit dem Eindringen der zweiten Hierarchie in das saturnisch Warme das Eindringen des Lichtes hat (weiße Strahlen) und den Schatten des Lichtes, die Luft (grüne Schlangenlinien). Und wo das entsteht, ist Sonne. So hätte man eigentlich müssen im 13., 12. Jahrhundert sprechen.
[ 12 ] What arises within this Saturnian warmth arises because the penetration of the second hierarchy signifies an inner illumination. This inner illumination is linked to a condensation of warmth. It transforms the mere element of warmth into air. And on the one hand, we have the second hierarchy penetrating into the revelation of light. But you must now clearly imagine that, in reality, beings are penetrating. For a being with the corresponding capacity for perception, light penetrates. Light is what marks the paths of these beings. When light reaches a place, under certain conditions, shadow, darkness, and deep shadow arise. Through the penetration of the second hierarchy in the form of light, shadow also arose. What was this shadow? Air. And in fact, up until the 15th and 16th centuries, people knew what air was. Today, people know only that air consists of oxygen, nitrogen, and so on—which says little more than if, for example, someone were to say that a watch consists of glass and silver, which says absolutely nothing about the watch itself. Saying that air consists of oxygen and nitrogen says nothing at all about air as a cosmic phenomenon, but much is said about air when one knows: From the cosmos, air is the shadow of light. — So that now, with the penetration of the second hierarchy into the Saturnian warmth, we actually have the penetration of light (white rays) and the shadow of light, which is air (green serpentine lines). And where this arises, there is the sun. This is how one should actually have spoken in the 13th and 12th centuries.
[ 13 ] Nun gehen wir weiter. Die weitere Entwickelung wird nun wiederum durch die Söhne der zweiten Hierarchie, durch Archai, Archangeloi, Angeloi, geleitet. Diese Wesenheiten bringen ein Neues in das leuchtende Element, das zunächst durch die zweite Hierarchie, eingezogen ist, das seinen Schatten, die luftige Finsternis nach sich gezogen hat — nicht die gleichgültige neutrale Finsternis, die saturnische, die einfach Abwesenheit des Lichtes war, sondern die, welche den Gegensatz des Lichtes herausgearbeitet hat. Zu dieser Entwickelung hinzu bringt die dritte Hierarchie, Archai, Archangeloi, Angeloi, durch ihre eigene Wesenheit ein Element hinein, das ähnlich ist unserem Begehren, unseren Trieben, etwas zu erlangen, nach etwas sich zu sehnen.
[ 13 ] Now let us move on. Further development is now guided once again by the Sons of the Second Hierarchy—the Archai, Archangeloi, and Angeloi. These beings introduce something new into the luminous element, which was initially drawn in by the second hierarchy and which has brought with it its shadow—the airy darkness—not the indifferent, neutral darkness, the Saturnian darkness that was simply the absence of light, but the darkness that has brought forth the opposite of light. In addition to this development, the third hierarchy—the Archai, Archangeloi, and Angeloi—introduces, through its own nature, an element similar to our desires and our drives to attain something, to yearn for something.
[ 14 ] Dadurch kam folgendes, dadurch kam zustande, daß, sagen wir, ein Archai- oder Angeloiwesen hier hereinkam (siehe Zeichnung 5.17, Punkt auf dem Lichtstrahl rechts) und auftraf auf ein Element des Lichtes, ich möchte sagen, auf einen Ort des Lichtes. In diesem Ort des Lichtes empfing es durch die Empfänglichkeit für dieses Licht den Drang, das Begehren für die Finsternis. Es trug das Angeloiwesen das Licht in die Finsternis herein, oder ein Angeloiwesen trug die Finsternis in das Licht herein. Diese Wesenheiten werden die Vermittler, die Boten zwischen Licht und Finsternis. Und die Folge davon war, daß dann dasjenige, was früher nur im Lichte erglänzte und seinen Schatten, die dunkle luftige Finsternis, nach sich gezogen hat, daß das anfing in allen Farben zu schillern, daß Licht in Finsternis, Finsternis in Licht erschien. Die dritte Hierarchie ist es, die die Farbe hervorgezaubert hat aus Licht und Finsternis.
[ 14 ] This led to the following: it resulted in, let us say, an Archai or Angeloi being entering here (see Figure 5.17, the dot on the beam of light on the right) and encountering an element of light—I would say, a place of light. In this place of light, through its receptivity to this light, it received the urge, the desire for darkness. The Angeloi being carried the light into the darkness, or an Angeloi being carried the darkness into the light. These beings become the mediators, the messengers between light and darkness. And the result of this was that what had previously shone only in the light—and had cast its shadow, that dark, ethereal darkness—began to shimmer in all colors; light appeared in darkness, and darkness appeared in light. It is the third hierarchy that conjured forth color from light and darkness.
[ 15 ] Sehen Sie, hier haben Sie auch sozusagen etwas historisch Dokumentarisches vor Ihre Seele hinzustellen. In der Aristoteles-Zeit hat man noch gewußt, wenn man, ich möchte sagen, innerhalb des Mysteriums sich gefragt hat, woher die Farben kommen, daß damit die Wesenheiten der dritten Hierarchie zu tun haben. Daher sprach es Aristoteles in seiner Farbenharmonie aus, daß die Farbe ein Zusammenwirken des Lichtes und der Finsternis bedeutet. Aber dieses geistige Element, daß man hinter der Wärme die Wesenheiten der ersten Hierarchie, hinter dem Lichte und seinem Schatten, der Finsternis, die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, hinter dem farbigen Aufglitzern in einem Weltenzusammenhange die Wesenheiten der dritten Hierarchie zu sehen hat, das ging verloren. Und es blieb nichts anderes übrig als die unglückselige Newtonsche Farbenlehre, über die bis ins 18. Jahrhundert herein die Eingeweihten gelächelt haben, und die dann das Glaubensbekenntnis derjenigen wurde, die eben physikalische Fachleute sind.
[ 15 ] You see, here, too, you have something—so to speak—of a historical and documentary nature to present to your soul. In Aristotle’s time, people still knew—when, I might say, they asked themselves within the context of the Mystery where colors came from—that the beings of the third hierarchy were involved. That is why Aristotle stated in his *Harmony of Colors* that color signifies an interplay of light and darkness. But this spiritual insight—that one must see behind warmth the beings of the first hierarchy, behind light and its shadow, darkness, the beings of the second hierarchy, and behind the colorful glimmer within a cosmic context the beings of the third hierarchy—was lost. And nothing remained but the unfortunate Newtonian theory of color, which the initiates had smiled at right up into the 18th century, and which then became the creed of those who are, after all, experts in physics.
[ 16 ] Man muß eben wirklich von der geistigen Welt gar nichts mehr wissen, wenn man im Sinne dieser Newtonschen Farbenlehre sprechen kann. Und wenn man noch innerlich aufgestachelt ist von der geistigen Welt, wie es bei Goethe der Fall war, da sträubt man sich dagegen. Man stellt, wie er es getan hat, das Richtige hin und schimpft furchtbar. Denn Goethe hat nie so geschimpft als bei der Gelegenheit, wo er über Newton zu schimpfen hatte; er schimpfte furchtbar über das unsinnige Zeug. Solche Dinge kann man ja heute nicht begreifen, aus dem einfachen Grunde, weil heute jemand vor den Physikern ein Narr ist, der nicht die Newtonsche Farbenlehre anerkennt. Aber die Dinge liegen doch nicht so, daß etwa in der Goethe-Zeit Goethe ganz allein dagestanden hätte. Unter denen, die nach außen diese Dinge aussprachen, stand er allein da, aber die Wissenden, auch noch am Ende des 18. Jahrhunderts, sie wußten eben durchaus auch, wie innerhalb des Geistigen die Farbe erquillt.
[ 16 ] One really must know absolutely nothing about the spiritual world to be able to speak in the sense of this Newtonian theory of colors. And if one is still inwardly stirred by the spiritual world, as was the case with Goethe, then one resists it. One sets forth the truth, as he did, and rails terribly. For Goethe never railed as fiercely as he did on the occasion when he had to rail against Newton; he railed terribly against that nonsensical stuff. Such things are impossible to comprehend today, for the simple reason that today, anyone who does not acknowledge Newtonian color theory is considered a fool by physicists. But the situation is not such that, for example, in Goethe’s time, Goethe stood there all alone. Among those who spoke these things openly, he stood alone; but those in the know—even at the end of the 18th century—knew full well how color springs forth within the spiritual realm.
[ 17 ] Aber sehen Sie, die Luft ist der Schatten des Lichtes. Und geradeso, wie, wenn das Licht ersteht, unter gewissen Bedingungen der finstere Schatten da ist, so ersteht, wenn Farbe da ist und diese Farbe als Realität wirkt — und das konnte sie, solange sie eindrang in das luftige Element —, so entsteht, wenn die Farbe hinsprüht im luftigen Elemente, wirkt im luftigen Elemente, also etwas ist, nicht bloß ein Abglanz ist, nicht bloß die Reflexfarbe ist, sondern eine Realität, die hinsprüht im luftigen Elemente: dann entsteht, wie durch Druck Gegendruck entsteht unter gewissen Bedingungen, aus dem realen Farbigen das flüssige, das wäßrige Element. Wie der Schatten des Lichtes Luft ist, kosmisch gedacht, so ist das Wasser der Abglanz, die Schöpfung des Farbigen im Kosmos.
[ 17 ] But you see, the air is the shadow of light. And just as, when light appears, a dark shadow is present under certain conditions, so too, when color is present and this color acts as a reality—and it could do so as long as it penetrated the airy element— so when color radiates into the airy element, acts within the airy element—that is, is something in itself, not merely a reflection, not merely the reflected color, but a reality that radiates into the airy element—then, just as pressure gives rise to counterpressure under certain conditions, the liquid, the watery element arises from the real color. Just as the shadow of light is air, in a cosmic sense, so is water the reflection, the creation of color in the cosmos.


[ 18 ] Sie werden sagen: Das verstehe ich nicht. — Aber versuchen Sie nur einmal, tatsächlich das Farbige zu fassen in seinem realen Sinne. Rot — nun ja, glauben Sie, daß das Rot wirklich in seiner Wesenheit nur die neutrale Fläche ist, als die man es gewöhnlich anschaut? Das Rot ist doch etwas, was eine Attacke auf einen macht. Ich habe es oftmals erwähnt. Man möchte davonlaufen vor dem Rot, es stößt einen zurück. Das Blauviolett, man möchte ihm nachlaufen, es läuft immer vor einem davon, es wird immer tiefer und tiefer. In den Farben lebt ja alles. Die Farben sind eine Welt, und das seelische Element fühlt sich in der Farbenwelt tatsächlich so, daß es gar nicht auskommen kann ohne Bewegung, wenn es den Farben mit dem seelischen Erleben folgt.
[ 18 ] You’ll say: I don’t understand that. — But just try, for once, to truly grasp color in its real sense. Red—well, do you believe that red, in its very essence, is really just the neutral surface as we usually perceive it? Red is, after all, something that assaults you. I’ve mentioned this many times. One wants to run away from red; it pushes one back. Blue-violet—one wants to chase after it, but it always runs away from you; it grows deeper and deeper. Everything lives in the colors. Colors are a world, and the soul feels so at home in the world of colors that it simply cannot do without movement when it follows the colors with its soul experience.
[ 19 ] Sehen Sie, der Mensch glotzt heute den Regenbogen an. Wenn man nur mit einiger Imagination nach dem Regenbogen hinschaut, da sieht man Elementarwesen, die am Regenbogen sehr tätig sind. Diese Elementarwesen zeigen sehr merkwürdige Erscheinungen. Hier (bei Rot und Gelb) sieht man fortwährend aus dem Regenbogen herauskommen gewisse Elementarwesen. Die bewegen sich dann so herüber. In dem Augenblicke, wo sie ankommen an dem unteren Ende des Grüns, werden sie angezogen. Man sieht sie hier verschwinden (bei Grün und Blau). Auf der anderen Seite kommen sie wieder heraus. Der ganze Regenbogen zeigt für den, der ihn mit Imagination anschaut, ein Herausströmen des Geistigen, ein Verschwinden des Geistigen. Er zeigt tatsächlich etwas wie eine geistige Walze, wunderbar. Und zu gleicher Zeit bemerkt man an diesen geistigen Wesenheiten, daß, indem sie da herauskommen, sie mit einer großen Furcht herauskommen, indem sie da hineingehen, gehen sie mit einem ganz unbesieglichen Mut hinein. Wenn man nach dem Rotgelb hinschaut, da strömt Furcht aus, wenn man nach dem Blauviolett hinschaut, bekommt man das Gefühl: Da lebt ja alles wie Mut, wie Courage.
[ 19 ] You see, people today stare at the rainbow. If you look at the rainbow with just a little imagination, you’ll see elemental beings that are very active there. These elemental beings exhibit very strange phenomena. Here (at red and yellow), you can constantly see certain elemental beings emerging from the rainbow. They then move over this way. The moment they reach the lower end of the green, they are drawn in. You can see them disappear here (at green and blue). On the other side, they emerge again. To those who gaze at it with imagination, the entire rainbow reveals a streaming forth of the spiritual and a vanishing of the spiritual. It actually resembles something like a spiritual roller—wonderful. And at the same time, one notices in these spiritual beings that, as they emerge, they do so with great fear; as they enter, they do so with utterly invincible courage. When one looks at the red-yellow, fear flows out; when one looks at the blue-violet, one gets the feeling: everything there is alive with courage.
[ 20 ] Nun stellen Sie sich vor, daß nicht bloß der Regenbogen da ist, sondern wenn ich jetzt hier einen Schnitt zeichne (siehe Zeichnung, oben) und der Regenbogen so steht (um 90° gedreht), so kommen die Wesenheiten da heraus, da verschwinden sie; hier Angst, hier Mut (siehe Zeichnung S. 22). Der Mut verschwindet wiederum. So wäre jetzt das Auge gerichtet, hier ist der Regenbogen, hier ist jetzt das Rot, Gelb und so weiter. Da bekommt der Regenbogen eine Dicke. Und da werden Sie sich schon vorstellen können, daß wäßriges Element daraus entsteht. Und in diesem wäßrigen Element leben nun geistige Wesenheiten, die wirklich auch eine Art von Abbild sind der Wesenheiten der dritten Hierarchie.
[ 20 ] Now imagine that it’s not just the rainbow that’s there, but if I draw a line here (see drawing, above) and the rainbow is positioned like this (rotated 90°), then the essences emerge from there and disappear there; here is fear, here is courage (see drawing on p. 22) . Courage, in turn, disappears. So now the eye would be focused: here is the rainbow; here are the red, yellow, and so on. The rainbow takes on a certain thickness. And you can already imagine that a watery element arises from it. And within this watery element live spiritual beings who are truly a kind of reflection of the beings of the third hierarchy.


[ 21 ] Man kann schon sagen: Kommt man an die Wissenden des 11., 12., 13. Jahrhunderts heran, so muß man solche Dinge verstehen. Sie können nicht einmal die Späteren mehr verstehen, Sie können nicht den Albertus Magnus verstehen, wenn Sie ihn lesen mit dem, was heute der Mensch weiß. Sie müssen ihn lesen mit einer Art von Wissen, daß solches Geistiges für ihn noch eine Realität war; dann verstehen Sie erst, wie er die Worte gebraucht, wie er sich ausdrückt.
[ 21 ] One could certainly say: If one is to approach the scholars of the 11th, 12th, and 13th centuries, one must understand such things. You can’t even understand the later thinkers anymore; you can’t understand Albertus Magnus if you read him with the knowledge people have today. You have to read him with a kind of knowledge that recognizes that such spiritual matters were still a reality for him; only then will you understand how he uses words and how he expresses himself.
[ 22 ] Und auf diese Weise treten auf wie ein Abglanz der Hierarchien Luft, Wasser. Indem die Hierarchien selber eindringen, dringt die zweite Hierarchie ein in Form des Lichtes, die dritte Hierarchie ein in Form des Farbigen. Damit aber, daß dieses sich bildet, ist das Mondendasein erreicht.
[ 22 ] And in this way, air and water emerge as a reflection of the hierarchies. As the hierarchies themselves penetrate, the second hierarchy penetrates in the form of light, and the third hierarchy in the form of color. But with the formation of this, lunar existence is attained.
[ 23 ] Und nun kommt die vierte Hierarchie. Ich erzähle jetzt so, wie man im 12., 13. Jahrhundert gedacht hat. Nun kommt die vierte Hierarchie. Wir sprechen gar nicht von ihr, aber im 12., 13. Jahrhundert hat man noch von dieser vierten Hierarchie sehr wohl gesprochen. Was ist diese vierte Hierarchie? Das ist der Mensch. Der Mensch selber ist die vierte Hierarchie. Aber beileibe nicht das hat man verstanden unter dieser vierten Hierarchie, was jetzt als zweibeiniges, alterndes, so höchst sonderbares Wesen herumgeht in der Welt, denn dem eigentlich Wissenden ist dazumal gerade der gegenwärtige Mensch als ein sonderbares Wesen vorgekommen. Sie haben gesprochen von dem ursprünglichen Menschen vor dem Sündenfall, der noch durchaus in einer solchen Form vorhanden war, daß er ebenso Macht über die Erde hatte, wie Angeloi, Archangeloi, Archai Macht über das Mondendasein, wie die zweite Hierarchie Macht über das Sonnendasein, die erste Hierarchie Macht über das Saturndasein hatte. Man sprach von dem Menschen in seinem ursprünglichen irdischen Dasein und konnte da von dem Menschen als der vierten Hierarchie sprechen. Und mit dieser vierten Hierarchie kam, allerdings als eine Gabe der oberen Hierarchien, aber wie etwas, was die oberen Hierarchien erst wie ein Besitztum gehabt haben, das sie gehütet haben, das sie nicht selber brauchten: es kam das Leben. Und in die farbenschillernde Welt, die ich Ihnen also in Andeutungen geschildert habe, kam das Leben hinein.
[ 23 ] And now comes the fourth hierarchy. I am explaining this as people thought in the 12th and 13th centuries. Now comes the fourth hierarchy. We don’t speak of it at all, but in the 12th and 13th centuries, people certainly did speak of this fourth hierarchy. What is this fourth hierarchy? It is the human being. The human being itself is the fourth hierarchy. But by no means was this fourth hierarchy understood to be what now walks about in the world as a two-legged, aging, most peculiar being; for to those who truly knew back then, the human being of today appeared precisely as a peculiar being. They spoke of the original human being before the Fall, who still existed in such a form that he had power over the Earth just as the Angeloi, Archangeloi, and Archai had power over the lunar realm, just as the second hierarchy had power over the solar realm, and the first hierarchy had power over the Saturnian realm. People spoke of human beings in their original earthly existence and could thus speak of humanity as the fourth hierarchy. And with this fourth hierarchy came—admittedly as a gift from the higher hierarchies, but as something that the higher hierarchies had first possessed as a treasure they guarded, something they did not need for themselves—life came. And life entered into the iridescent world that I have thus described to you in hints.
[ 24 ] Sie werden sagen: Haben denn die Dinge nicht früher gelebt? Meine lieben Freunde, wie das ist, können Sie am Menschen selber lernen. Ihr Ich und Ihr astralischer Leib haben nicht das Leben und wesen eben doch. Das Geistige, das Seelische braucht nicht das Leben. Erst bei Ihrem Ätherleib fängt das Leben an, und es ist das etwas äußerlich Hüllenhaftes. Und so kommt auch das Leben erst nach dem Mondendasein mit dem Erdendasein in den Bereich derjenigen Evolution hinein, der eben unsere Erde angehört. Die farbenschillernde Welt wurde durchlebt. Nicht nur, daß jetzt Angeloi, Archangeloi und so weiter Sehnsucht empfingen, Finsternis in Licht, Licht in Finsternis hineinzutragen und dadurch im Planeten das Farbenspiel hervorzurufen, sondern es trat dieses auf, innerlich zu erleben dieses Farbenspiel, es innerlich zu machen. Zu erleben, wenn Finsternis innerlich das Licht dominiert, Schwachheit zu fühlen, Lässigkeit zu fühlen; dagegen wenn Licht die Finsternis dominiert, Aktivität zu fühlen. Denn was ist es, wenn Sie laufen? Wenn Sie laufen, ist es eben so, daß Licht in Ihnen die Finsternis dominiert; wenn Sie sitzen und faul sind, dominiert die Finsternis das Licht. Es ist seelisches Farbenwirken, seelisches Farbenschillern. Von Leben durchsetztes, durchströmtes Farbenschillern trat auf, indem die vierte Hierarchie, der Mensch, kam. Und in diesem Augenblicke des kosmischen Werdens fingen die Kräfte, die da regsam wurden im Farbenschillern, an, Konturen zu bilden. Das Leben, das die Farben innerlich abrundete, abeckte, abkantete, rief das feste Kristallinische hervor. Und wir sind im Erdendasein drinnen.
[ 24 ] You will say: Did things not have life before? My dear friends, you can learn how this is from human beings themselves. Your “I” and your astral body do not possess life, yet they do have a nature. The spiritual and the soul do not require life. Life begins only with your etheric body, and it is something external, like a covering. And so, too, it is only after the lunar existence, with the earthly existence, that life enters the realm of the evolution to which our Earth belongs. The world of shimmering colors was lived through. Not only did the angels, archangels, and so on now feel a longing to carry darkness into light and light into darkness, thereby bringing about the play of colors on the planet, but they also began to experience this play of colors inwardly, to make it their own. To experience, when darkness dominates the light within, a feeling of weakness, a feeling of lethargy; conversely, when light dominates darkness, a feeling of activity. For what happens when you walk? When you walk, it is precisely the case that light dominates the darkness within you; when you sit and are idle, darkness dominates the light. It is a spiritual interplay of colors, a spiritual shimmering of colors. A shimmering of colors, permeated and infused with life, emerged with the arrival of the fourth hierarchy, the human being. And in this moment of cosmic becoming, the forces that were stirring within this shimmering of colors began to take shape. The life that internally rounded out, smoothed, and defined the edges of the colors brought forth the solid crystalline form. And we are within earthly existence.
[ 25 ] Solche Dinge, wie ich sie Ihnen jetzt dargestellt habe, die waren eigentlich die Ausgangswahrheiten jener mittelalterlichen Alchimisten, Okkultisten, Rosenkreuzer und so weiter, die, ohne daß heute die Geschichte viel von ihnen berichtet, namentlich geblüht haben vom 9., 10. bis ins 14., 15. Jahrhundert herein und die noch die letzten Nachzügler gehabt haben, die man aber immer dann als Sonderlinge angesehen hat, bis ins 18. Jahrhundert, ja bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts herein. Nur sind dann diese Dinge völlig zugedeckt worden. Nur hat es die moderne Weltanschauung dann dazu gebracht, folgendes zu vollführen. Denken Sie sich, hier habe ich einen Menschen. Ich höre auf, mich für diesen Menschen zu interessieren und nehme ihm nur die Kleider ab und hänge die Kleider an einen Kleiderstock, der oben einen kopfförmigen Knopf hat, und für den Menschen interessiere ich mich nicht weiter. Ich stelle mir weiter vor: Das ist der Mensch (siehe Zeichnung S. 25); was geht mich das an, daß in diesen Kleidern so etwas drinnenstecken kann? Das ist der Mensch (der Kleiderständer)! — Ja, sehen Sie, so kam es mit den Naturelementen. Es interessiert einen nicht weiter, daß hinter der Wärme oder dem Feuer die erste Hierarchie, hinter dem Licht und der Luft die zweite Hierarchie, hinter dem sogenannten chemischen Äther, Farbäther und so weiter und dem Wasser die dritte Hierarchie, hinter dem Lebenselemente und der Erde die vierte Hierarchie oder der Mensch ist. Bloß den Kleiderrechen her und darauf die Gewänder gehängt! Nun, das ist der erste Akt. Der zweite Akt, der beginnt aber dann auf Kantisch! Da beginnt der Kantianismus, da fängt man an, indem man nun den Kleiderstock hat — die Kleider hängen darauf —, nun zu philosophieren, was das Ding an sich dieser Kleider sein könnte. Und man kommt darauf, daß man eigentlich dieses Ding an sich der Kleider nicht erkennen kann. Sehr scharfsinnig! Natürlich, wenn man den Menschen zuerst weggenommen hat und dann den Kleiderstock mit den Kleidern hat, so kann man über die Kleider philosophieren, und dann kommt man darauf, daß man hübsche Spekulationen macht. Es ist ja eben der Kleiderstock da, nicht wahr, und da hängen die Gewänder daran, und da philosophiert man, entweder auf Kantisch: Das Ding an sich erkennt man nicht — oder auf Helmholtzisch, und da denkt man sich: Diese Kleider, die können doch nicht Formen haben; nun ja, da sind eben lauter kleine wirbelnde Staubkörnchen, Atome drinnen, die schlagen da an, und da werden die Kleider in ihrer Form erhalten.
[ 25 ] Such things, as I have just described them to you, were in fact the fundamental truths of those medieval alchemists, occultists, Rosicrucians, and so on, who—though history today tells us little about them—flourished from the 9th and 10th centuries through the 14th, 15th centuries, and who still had their last stragglers—though these were always regarded as eccentrics—well into the 18th century, indeed right up to the beginning of the 19th century. But then these things were completely suppressed. And the modern worldview led to the following happening. Imagine this: here I have a person. I stop taking an interest in this person, simply take off their clothes, and hang them on a coat rack that has a head-shaped knob at the top—and I no longer care about the person. I go on to imagine: This is the person (see drawing on p. 25); what business is it of mine that something like that might be inside these clothes? This is the person (the clothes rack)! — Yes, you see, that is what happened with the elements of nature. One doesn’t care any further that behind heat or fire lies the first hierarchy, behind light and air the second hierarchy, behind the so-called chemical ether, color ether, and so on, and water the third hierarchy, and behind the elements of life and the earth the fourth hierarchy—or the human being. Just bring the clothes rack and hang the garments on it! Well, that’s the first act. The second act, however, begins in the Kantian manner! That’s where Kantianism begins; that’s where one starts—now that one has the clothes rack—with the clothes hanging on it—to philosophize about what the thing-in-itself of these clothes might be. And one comes to the conclusion that one actually cannot recognize this thing-in-itself of the clothes. Very astute! Of course, once you’ve removed the person first and are left with the clothes rack bearing the garments, you can philosophize about the clothes—and then you realize you’re engaging in rather charming speculations. After all, the clothes rack is right there, isn’t it, with the garments hanging from it, and so you philosophize—either in the Kantian manner: “You cannot know the thing-in-itself”—or in the Helmholtzian way, and then you think to yourself: These clothes—they can’t possibly have forms; well, there are just a bunch of tiny swirling dust particles, atoms inside, colliding with one another, and that’s how the clothes retain their shape.
[ 26 ] Ja, so hat sich das Denken dann später entwickelt. Das aber ist abstrakt, schattenhaft. Aber in diesem Denken, in diesem Spekulieren leben wir ja heute; aus dem prägen wir uns heute unsere gesamte naturwissenschaftliche Anschauung. Und wenn wir nicht zugeben, daß wir atomistisch denken, so tun wir es erst recht. Denn das wird man noch lange nicht zugeben, daß es nicht notwendig ist, den Wirbeltanz der Atome da hineinzuträumen, sondern wieder den Menschen in die Kleider hineinzutun. Das aber muß eben versuchen die Wiederaufrichtung der Geisteswissenschaft.
[ 26 ] Yes, that is how thinking developed later on. But that is abstract, shadowy. Yet we live within this way of thinking, within this speculation, today; it is from this that we form our entire scientific worldview today. And even if we do not admit that we think atomistically, we are doing so all the more. For people will not be ready to admit for a long time yet that it is not necessary to imagine the whirling dance of atoms there, but rather to put the human being back into the picture. And that is precisely what the reestablishment of spiritual science must attempt to do.
[ 27 ] Ich wollte Ihnen heute in einer Anzahl von Bildern geben, wie dazumal noch gedacht worden ist und was schon eigentlich zu lesen ist in älteren Schriften, was aber verglommen ist. Aber weil es verglommen ist, kommen solche interessanten Tatsachen zutage: Da hat ein nordischer Chemiker von heute eine Stelle des Basilius Valentinus wieder abgedruckt und die Sache im heutigen Sinne chemisch genommen. Und da konnte er natürlich nichts anderes sagen — weil das so aussieht, wenn man es heute chemisch denkt, als wenn man im Laboratorium stünde, Retorten und andere Instrumente hätte und heutige Experimente ausführte —, da konnte er nichts anderes sagen, als daß das ein Unsinn sei, was da bei Basilius Valentinus steht. Was aber bei Basilius Valentinus steht, ist ein Stück Embryologie, eben in Bildform ausgedrückt. Ein Stück Embryologie ist das. Wenn man einfach die heutige Denkweise anwendet, so bekommt man scheinbar einen bloßen Laboratoriumsversuch, der aber dann ein Unsinn ist. Denn im Laboratorium wenn man nicht gerade der Wagner ist, der aber immerhin noch mehr auf dem Standpunkt der früheren Jahrhunderte steht — kann man eben nicht ein Stück Embryologie ausführen.
[ 27 ] Today I wanted to present you with a number of examples of how people thought back then and what can actually be read in older writings, but which has since been forgotten. But because it has been forgotten, such interesting facts come to light: A modern Nordic chemist has reprinted a passage by Basilius Valentinus and interpreted it chemically in today’s terms. And of course he could say nothing else—because that is how it appears when one thinks of it chemically today, as if one were standing in a laboratory, equipped with retorts and other instruments and conducting modern experiments—he could say nothing other than that what is written by Basilius Valentinus is nonsense. But what Basilius Valentinus wrote is a piece of embryology, expressed precisely in symbolic form. It is a piece of embryology. If one simply applies today’s way of thinking, it appears to be nothing more than a laboratory experiment—but then it becomes nonsense. For in the laboratory—unless one happens to be Wagner, who, after all, still stands more on the standpoint of earlier centuries—one simply cannot carry out a piece of embryology.
[ 28 ] Diese Dinge müssen heute wieder eingesehen werden. Und im Zusammenhange mit den großen Wahrheiten, die ich aussprechen durfte in den Tagen der Weihnachtstagung, möchte ich eben auch einiges noch sagen über die Schicksale des inneren Geisteslebens in den letzten Jahrhunderten der Weltentwickelung.
[ 28 ] These things must be recognized once again today. And in connection with the great truths I was able to express during the Christmas Conference, I would also like to say a few more words about the fate of inner spiritual life over the last few centuries of world development.
