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Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a

5 January 1924, Dornach

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Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Gestern begann ich zu Ihnen von den geisteswissenschaftlichen Bestrebungen vom 9., 10. nachchristlichen Jahrhundert zu sprechen, bis in die Zeit hinein, solange es im Ernste noch solche geisteswissenschaftlichen Bestrebungen gegeben hat: was eigentlich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19. Jahrhunderts dauerte, und ich versuchte gestern, einiges von dem Inhalte solcher Bestrebungen zu Ihnen zu sprechen. Heute möchte ich nun mehr das Historische berühren. Es handelt sich nämlich darum, daß ja durch das alte eigentliche Mysterienwesen in den Mysterienstätten in der Art, wie ich das während der Weihnachtstagung in den Abendvorträgen dargelegt habe, wirklich eine Begegnung der Menschen, der Initiierten und der zu Initiierenden, mit den Göttern stattfinden konnte, daß gewissermaßen in den Initiationsstätten die Möglichkeit vorhanden war, wenn ich den pedantischen Ausdruck gebrauchen darf, offizielle Orte zu finden, die eigens ihrer Lokalität nach dazu eingerichtet waren, eine solche Begegnung herbeizuführen.

[ 1 ] Gestern begann ich zu Ihnen von den geisteswissenschaftlichen Bestrebungen vom 9., 10. nachchristlichen Jahrhundert zu sprechen, bis in die Zeit hinein, solange es im Ernste noch solche geisteswissenschaftlichen Bestrebungen gegeben hat: was eigentlich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19. Jahrhunderts dauerte, und ich versuchte gestern, einiges von dem Inhalte solcher Bestrebungen zu Ihnen zu sprechen. Heute möchte ich nun mehr das Historische berühren. Es handelt sich nämlich darum, daß ja durch das alte eigentliche Mysterienwesen in den Mysterienstätten in der Art, wie ich das während der Weihnachtstagung in den Abendvorträgen dargelegt habe, wirklich eine Begegnung der Menschen, der Initiierten und der zu Initiierenden, mit den Göttern stattfinden konnte, daß gewissermaßen in den Initiationsstätten die Möglichkeit vorhanden war, wenn ich den pedantischen Ausdruck gebrauchen darf, offizielle Orte zu finden, die eigens ihrer Lokalität nach dazu eingerichtet waren, eine solche Begegnung herbeizuführen.

[ 2 ] Diese Einrichtungen, die zugrunde liegen als die eigentlichen Impulsgeber allen alten Zivilisationen, sind nach und nach hingeschwunden, und man kann sagen: In der alten Form fanden sie sich eigentlich nicht mehr seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert. Da und dort waren noch Nachzügler vorhanden, aber in dieser strengen alten Form fanden sie sich nicht mehr. Dagegen hat ja die Initiation im Grunde genommen niemals aufgehört; die Formen, in denen die zu Initiierenden ihren Weg fanden, die änderten sich. Und ich habe ja auch schon darauf hingewiesen, wie im Mittelalter die Sache so war, daß einzelne anspruchslose, in aller Bescheidenheit lebende Menschen da oder dort vorhanden waren, die nicht gerade offizielle Schülerkreise an bestimmten Orten um sich sammelten, sondern die so, wie es das Menschheits- und Volkskarma ergab, da oder dort ihre Schüler hatten. Ich habe ja einen solchen Fall bei der Besprechung des Johannes Tauler in meiner «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» charakterisiert. Über diesen brauche ich nicht zu sprechen. Dagegen möchte ich einen anderen Fall gerade heute besprechen als einen, ich möchte sagen, charakteristisch-typischen Fall, einen Fall, der von einem großen Einflusse war, der vom 12., 13. Jahrhundert an bis ins 15. Jahrhundert vieles bewirkt hat, was an spirituellen Strömungen bis ins 15. Jahrhundert vorhanden war. Ich möchte diesen Fall skizzenhaft charakterisieren.

[ 2 ] Diese Einrichtungen, die zugrunde liegen als die eigentlichen Impulsgeber allen alten Zivilisationen, sind nach und nach hingeschwunden, und man kann sagen: In der alten Form fanden sie sich eigentlich nicht mehr seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert. Da und dort waren noch Nachzügler vorhanden, aber in dieser strengen alten Form fanden sie sich nicht mehr. Dagegen hat ja die Initiation im Grunde genommen niemals aufgehört; die Formen, in denen die zu Initiierenden ihren Weg fanden, die änderten sich. Und ich habe ja auch schon darauf hingewiesen, wie im Mittelalter die Sache so war, daß einzelne anspruchslose, in aller Bescheidenheit lebende Menschen da oder dort vorhanden waren, die nicht gerade offizielle Schülerkreise an bestimmten Orten um sich sammelten, sondern die so, wie es das Menschheits- und Volkskarma ergab, da oder dort ihre Schüler hatten. Ich habe ja einen solchen Fall bei der Besprechung des Johannes Tauler in meiner «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» charakterisiert. Über diesen brauche ich nicht zu sprechen. Dagegen möchte ich einen anderen Fall gerade heute besprechen als einen, ich möchte sagen, charakteristisch-typischen Fall, einen Fall, der von einem großen Einflusse war, der vom 12., 13. Jahrhundert an bis ins 15. Jahrhundert vieles bewirkt hat, was an spirituellen Strömungen bis ins 15. Jahrhundert vorhanden war. Ich möchte diesen Fall skizzenhaft charakterisieren.

[ 3 ] Die Zeit, in der er stattgefunden hat, ist um das Jahr 1200 herum. Es gab in jener Zeit wirklich eine größere Anzahl von Menschen, jungen Menschen, die in sich den Drang nach höherem Wissen verspürten, nach einer Verbindung mit der geistigen Welt, man kann schon sagen, nach einer Begegnung mit den Göttern. Und es war ja eben durchaus nach der Lage der Zeitverhältnisse so, daß es oftmals fast wie zufällig aussah, wenn solch ein strebender Mensch seinen Lehrer fand, was ja damals nicht durch Bücher geschehen konnte, sondern was damals nur ganz persönlich geschehen konnte. Es war natürlich tiefe Schicksalsfügung darin und sah nur äußerlich wie ein Zufall aus. Von einem solchen Schüler möchte ich sprechen.

[ 3 ] Die Zeit, in der er stattgefunden hat, ist um das Jahr 1200 herum. Es gab in jener Zeit wirklich eine größere Anzahl von Menschen, jungen Menschen, die in sich den Drang nach höherem Wissen verspürten, nach einer Verbindung mit der geistigen Welt, man kann schon sagen, nach einer Begegnung mit den Göttern. Und es war ja eben durchaus nach der Lage der Zeitverhältnisse so, daß es oftmals fast wie zufällig aussah, wenn solch ein strebender Mensch seinen Lehrer fand, was ja damals nicht durch Bücher geschehen konnte, sondern was damals nur ganz persönlich geschehen konnte. Es war natürlich tiefe Schicksalsfügung darin und sah nur äußerlich wie ein Zufall aus. Von einem solchen Schüler möchte ich sprechen.

[ 4 ] Er fand durch einen solchen scheinbaren Zufall in einem Orte des mittleren Europa einen Lehrer. Er traf mit einem älteren Menschen zusammen, demgegenüber er alsbald das Gefühl entwickelte, der könne ihn weiterleiten in dem Streben, das den tiefsten Drang seiner Seele bildete. Und ich möchte Ihnen zunächst sozusagen ein Gespräch skizzieren. Natürlich hat nicht nur ein solches Gespräch zwischen dem Lehrer und dem Schüler stattgefunden, aber ich fasse verschiedene Gespräche in eines zusammen.

[ 4 ] Er fand durch einen solchen scheinbaren Zufall in einem Orte des mittleren Europa einen Lehrer. Er traf mit einem älteren Menschen zusammen, demgegenüber er alsbald das Gefühl entwickelte, der könne ihn weiterleiten in dem Streben, das den tiefsten Drang seiner Seele bildete. Und ich möchte Ihnen zunächst sozusagen ein Gespräch skizzieren. Natürlich hat nicht nur ein solches Gespräch zwischen dem Lehrer und dem Schüler stattgefunden, aber ich fasse verschiedene Gespräche in eines zusammen.

[ 5 ] Der Schüler sprach zu dem Lehrer, er strebe darnach, in die geistige Welt hinein Blicke tun zu können, aber es sei ihm so, als ob in der Tat die Menschennatur, so wie sie nun einmal in jener Zeit sei — im 12. Jahrhundert ist es ungefähr, wovon ich spreche —, als ob die Menschennatur nicht vordringen könne zu den geistigen Welten. Man müsse doch, sagte der Schüler, in der Natur etwas sehen, was Werk, Schöpfung der göttlich-geistigen Wesenheiten sei. Man müsse aus dem, wie die Naturdinge seien in ihrem tieferen Sinne, wie die Naturvorgänge verlaufen, erkennen können, wie hinter diesen Naturdingen und Naturschöpfungen das Wirken von göttlich-geistigen Wesenheiten stehe. Aber es sei so, als ob die Menschennatur in der Gegenwart nicht durchkönne. Und schon hatte es sich in dem Schüler, in dem jungen Menschen — ich meine, jungen Menschen von fünfundzwanzig oder achtundzwanzig Jahren — stark geformt zu Gefühlen: Das gegenwärtige Menschentum, der physische Leib in seiner besonderen Verbindung mit der Seele, könne nicht vordringen, habe in sich selber Hindernisse.

[ 5 ] Der Schüler sprach zu dem Lehrer, er strebe darnach, in die geistige Welt hinein Blicke tun zu können, aber es sei ihm so, als ob in der Tat die Menschennatur, so wie sie nun einmal in jener Zeit sei — im 12. Jahrhundert ist es ungefähr, wovon ich spreche —, als ob die Menschennatur nicht vordringen könne zu den geistigen Welten. Man müsse doch, sagte der Schüler, in der Natur etwas sehen, was Werk, Schöpfung der göttlich-geistigen Wesenheiten sei. Man müsse aus dem, wie die Naturdinge seien in ihrem tieferen Sinne, wie die Naturvorgänge verlaufen, erkennen können, wie hinter diesen Naturdingen und Naturschöpfungen das Wirken von göttlich-geistigen Wesenheiten stehe. Aber es sei so, als ob die Menschennatur in der Gegenwart nicht durchkönne. Und schon hatte es sich in dem Schüler, in dem jungen Menschen — ich meine, jungen Menschen von fünfundzwanzig oder achtundzwanzig Jahren — stark geformt zu Gefühlen: Das gegenwärtige Menschentum, der physische Leib in seiner besonderen Verbindung mit der Seele, könne nicht vordringen, habe in sich selber Hindernisse.

[ 6 ] Da sagte ihm zunächst der Lehrer, um ihn auf die Probe zu stellen: Nun ja, du hast doch deine Augen, du hast doch deine Ohren; sieh mit deinen Augen hin auf die Naturdinge, höre mit deinen Ohren dasjenige, was geschieht, und du wirst durch Farbe und Ton, in denen sich ja Geistiges offenbart, du wirst durch sie hindurch das Geistige sich offenbaren fühlen müssen. — Da sagte der Schüler: Ja, wenn ich meine Augen gebrauche, wenn ich hinausschaue in die Welt, die farbig ist, da ist es mir, als wenn mein Auge die Farbe aufhielte, als wenn die Farbe an meinen Augen erstarrte. Und wenn ich hinhorche mit meinen Ohren auf die Töne, ist es, als wenn die Töne in meinen Ohren verknöcherten und wie wenn die erstarrten Farben und die verknöcherten Töne durch meine Sinne den Geist der Natur nicht hindurchließen. — Da sagte der Lehrer: Sieh aber doch, es gibt doch auch eine Offenbarung; es gibt die Offenbarung des religiösen Lebens. Da wird dir erzählt, wie Götter die Welt gestaltet haben, wie in die Zeitentwickelung der Christus eingetreten ist, Mensch geworden ist. Es gibt also außer der Natur noch die Offenbarung. Was dir die Natur nicht geben kann, kann dir denn das nicht die Offenbarung geben? — Da sagte der Schüler: Die Offenbarung spricht ja sehr stark zu meinem Herzen, aber eigentlich kann ich sie nicht fassen, eigentlich ist es mir unmöglich, dasjenige, was draußen in der Natur ist, in Verbindung zu bringen mit dem, was mir die Offenbarung sagt. Und so, indem ich die Natur nicht verstehe, indem die Natur mir nichts offenbart, verstehe ich auch die religiöse Offenbarung nicht.

[ 6 ] Da sagte ihm zunächst der Lehrer, um ihn auf die Probe zu stellen: Nun ja, du hast doch deine Augen, du hast doch deine Ohren; sieh mit deinen Augen hin auf die Naturdinge, höre mit deinen Ohren dasjenige, was geschieht, und du wirst durch Farbe und Ton, in denen sich ja Geistiges offenbart, du wirst durch sie hindurch das Geistige sich offenbaren fühlen müssen. — Da sagte der Schüler: Ja, wenn ich meine Augen gebrauche, wenn ich hinausschaue in die Welt, die farbig ist, da ist es mir, als wenn mein Auge die Farbe aufhielte, als wenn die Farbe an meinen Augen erstarrte. Und wenn ich hinhorche mit meinen Ohren auf die Töne, ist es, als wenn die Töne in meinen Ohren verknöcherten und wie wenn die erstarrten Farben und die verknöcherten Töne durch meine Sinne den Geist der Natur nicht hindurchließen. — Da sagte der Lehrer: Sieh aber doch, es gibt doch auch eine Offenbarung; es gibt die Offenbarung des religiösen Lebens. Da wird dir erzählt, wie Götter die Welt gestaltet haben, wie in die Zeitentwickelung der Christus eingetreten ist, Mensch geworden ist. Es gibt also außer der Natur noch die Offenbarung. Was dir die Natur nicht geben kann, kann dir denn das nicht die Offenbarung geben? — Da sagte der Schüler: Die Offenbarung spricht ja sehr stark zu meinem Herzen, aber eigentlich kann ich sie nicht fassen, eigentlich ist es mir unmöglich, dasjenige, was draußen in der Natur ist, in Verbindung zu bringen mit dem, was mir die Offenbarung sagt. Und so, indem ich die Natur nicht verstehe, indem die Natur mir nichts offenbart, verstehe ich auch die religiöse Offenbarung nicht.

[ 7 ] Da sagte der Lehrer: Nun gut, so wie du jetzt in der Welt drinnenstehst, so wirst du allerdings — wenn du so sprechen mußt, wenn es dir so ums Herz und um die Seele ist, daß du so sprechen mußt weder Natur noch Offenbarung verstehen können. Denn du lebst eben in einem Menschenleibe, der von der Sünde befallen ist — so war ja die Redensart dazumal —, und dieser von der Sünde befallene Menschenleib, der paßt eigentlich nicht zu der irdischen Umgebung, in der du lebst. Die irdische Umgebung gibt dir nicht die Bedingungen dazu, so deine Sinne zu gebrauchen und dein Gemüt zu gebrauchen, daß du Natur und Offenbarung als Erleuchtung, die von den Göttern kommt, ansehen könntest. Ich werde, wenn du willst, dich aus der Natur deiner irdischen Umgebung, die einfach nicht angepaßt ist an dein Wesen, hinwegführen und werde dir Gelegenheit geben, Offenbarung und Natur besser zu verstehen.

[ 7 ] Da sagte der Lehrer: Nun gut, so wie du jetzt in der Welt drinnenstehst, so wirst du allerdings — wenn du so sprechen mußt, wenn es dir so ums Herz und um die Seele ist, daß du so sprechen mußt weder Natur noch Offenbarung verstehen können. Denn du lebst eben in einem Menschenleibe, der von der Sünde befallen ist — so war ja die Redensart dazumal —, und dieser von der Sünde befallene Menschenleib, der paßt eigentlich nicht zu der irdischen Umgebung, in der du lebst. Die irdische Umgebung gibt dir nicht die Bedingungen dazu, so deine Sinne zu gebrauchen und dein Gemüt zu gebrauchen, daß du Natur und Offenbarung als Erleuchtung, die von den Göttern kommt, ansehen könntest. Ich werde, wenn du willst, dich aus der Natur deiner irdischen Umgebung, die einfach nicht angepaßt ist an dein Wesen, hinwegführen und werde dir Gelegenheit geben, Offenbarung und Natur besser zu verstehen.

[ 8 ] Und es wurde verabredet, wann der Lehrer den Schüler führen sollte. Und er führte ihn zunächst eines Tages einen hohen Berg hinauf, einen sehr hohen Berg, einen Berg hinauf, von dem aus man die gewöhnliche Erdoberfläche mit ihren Bäumen, Fluren und so weiter nicht mehr sehen konnte; sondern als der Schüler mit seinem Lehrer oben stand, konnte man nur noch — wie Sie das ja wohl auch aus dem Gebirge kennen — unten etwas wie ein Nebelmeer sehen, welches die gewöhnliche Erde bedeckte, und oben war man, wenigstens andeutungsweise, wie symptomatisch entrückt dem irdischen Treiben. Man sah nur hinschauend den Weltenraum mit seinen Wolkengebilden und unten etwas wie ein Meer, wie ein wogendes Meer, das eben aus Wolken bestand; Morgennebel, Morgenstimmung. Der Lehrer sprach Verschiedenes. Er sprach von Weltenweiten, von kosmischen Fernen, sprach davon, wie die Weite, in die der Blick herausgerichtet ist, in der Nachtzeit die Sterne aus sich herausleuchten läßt, sprach Verschiedenes, wodurch das Gemüt des Schülers ganz hingegeben ward an die Eigentümlichkeit des Naturdaseins, gewissermaßen erdentrückt ward.

[ 8 ] Und es wurde verabredet, wann der Lehrer den Schüler führen sollte. Und er führte ihn zunächst eines Tages einen hohen Berg hinauf, einen sehr hohen Berg, einen Berg hinauf, von dem aus man die gewöhnliche Erdoberfläche mit ihren Bäumen, Fluren und so weiter nicht mehr sehen konnte; sondern als der Schüler mit seinem Lehrer oben stand, konnte man nur noch — wie Sie das ja wohl auch aus dem Gebirge kennen — unten etwas wie ein Nebelmeer sehen, welches die gewöhnliche Erde bedeckte, und oben war man, wenigstens andeutungsweise, wie symptomatisch entrückt dem irdischen Treiben. Man sah nur hinschauend den Weltenraum mit seinen Wolkengebilden und unten etwas wie ein Meer, wie ein wogendes Meer, das eben aus Wolken bestand; Morgennebel, Morgenstimmung. Der Lehrer sprach Verschiedenes. Er sprach von Weltenweiten, von kosmischen Fernen, sprach davon, wie die Weite, in die der Blick herausgerichtet ist, in der Nachtzeit die Sterne aus sich herausleuchten läßt, sprach Verschiedenes, wodurch das Gemüt des Schülers ganz hingegeben ward an die Eigentümlichkeit des Naturdaseins, gewissermaßen erdentrückt ward.

[ 9 ] Und so lange dauerte die Vorbereitung, bis in der Tat etwas von jener Seelenstimmung da war bei dem Schüler, die man damit vergleichen könnte, daß dem Schüler erschien — nicht für einen Augenblick, sondern für längere Zeit — alles das, was er jemals während seines irdischen Lebens in dieser Inkarnation auf Erden erlebt hatte, wie wenn er es geträumt hätte. Und so wenig mannigfaltig eigentlich dasjenige war, was er da überblickte — das wallende wogende Nebelmeer, Wolkenmeer, wenige in der Nähe befindliche Gipfel, die Weltenweiten, höchstens da und dort eben mit Wolkenbildungen auch besetzt, aber kaum, nur am Ende —, so arm an Inhalt gegenüber der Mannigfaltigkeit dessen, was er unten auf dem Erdboden immer hatte erleben können, dies alles war, so war ihm das doch wie der Inhalt seines tagwachen Bewußtseins. Und alles, was er jemals auf der Erde erlebt hatte, war ihm, wie wenn er es so in der Nacherinnerung eines Traumes hätte. Er kam sich wie erwacht vor. Und während er also immer mehr und mehr erwachte in dieser Situation, trat ihm aus einer Felsenspalte, die er vorher nicht bemerkt hatte, ein junger Knabe von etwa zehn, elf Jahren entgegen, der auf ihn einen merkwürdigen Eindruck machte; denn alsbald erkannte er in diesem Knaben sich selber in seinem zehnten, elften Jahre. Was ihm da erschienen war, es war der Geist seiner Jugend. Und Sie erraten wohl, meine lieben Freunde, daß in dieser Szene eine der Anregungen war, die mich veranlaßt haben, in dem einen Mysteriendrama die Gestalt von Johannes’ Jugend einzuführen. Das Motiv nur liegt da; Sie müssen nicht an Photographie denken. Die Mysterien sind auch kein okkulter Schlüsselroman.

[ 9 ] Und so lange dauerte die Vorbereitung, bis in der Tat etwas von jener Seelenstimmung da war bei dem Schüler, die man damit vergleichen könnte, daß dem Schüler erschien — nicht für einen Augenblick, sondern für längere Zeit — alles das, was er jemals während seines irdischen Lebens in dieser Inkarnation auf Erden erlebt hatte, wie wenn er es geträumt hätte. Und so wenig mannigfaltig eigentlich dasjenige war, was er da überblickte — das wallende wogende Nebelmeer, Wolkenmeer, wenige in der Nähe befindliche Gipfel, die Weltenweiten, höchstens da und dort eben mit Wolkenbildungen auch besetzt, aber kaum, nur am Ende —, so arm an Inhalt gegenüber der Mannigfaltigkeit dessen, was er unten auf dem Erdboden immer hatte erleben können, dies alles war, so war ihm das doch wie der Inhalt seines tagwachen Bewußtseins. Und alles, was er jemals auf der Erde erlebt hatte, war ihm, wie wenn er es so in der Nacherinnerung eines Traumes hätte. Er kam sich wie erwacht vor. Und während er also immer mehr und mehr erwachte in dieser Situation, trat ihm aus einer Felsenspalte, die er vorher nicht bemerkt hatte, ein junger Knabe von etwa zehn, elf Jahren entgegen, der auf ihn einen merkwürdigen Eindruck machte; denn alsbald erkannte er in diesem Knaben sich selber in seinem zehnten, elften Jahre. Was ihm da erschienen war, es war der Geist seiner Jugend. Und Sie erraten wohl, meine lieben Freunde, daß in dieser Szene eine der Anregungen war, die mich veranlaßt haben, in dem einen Mysteriendrama die Gestalt von Johannes’ Jugend einzuführen. Das Motiv nur liegt da; Sie müssen nicht an Photographie denken. Die Mysterien sind auch kein okkulter Schlüsselroman.

[ 10 ] Und er stand gegenüber dem Geiste seiner Knabenzeit, sich selber. Und er war auch da, mit seinen fünfundzwanzig bis achtundzwanzig Jahren war er da, neben dem Geiste seiner Jugend. Und ein Gespräch konnte stattfinden, das der Lehrer führte, das aber eigentlich stattfand zwischen dem Schüler und seinem eigenen jüngeren Selbst. Solch ein Gespräch verläuft — Sie können das aus dem Mysteriendrama, aus dem Stil, der dort beobachtet ist, ja ersehen —, solch ein Gespräch verläuft in einer recht eigenartigen Weise. Denn wenn man, was ja immer sein kann, dem Geiste seiner Jugend entgegentritt, dann gibt man etwas vom reifen Verstande den kindlichen Vorstellungen, die der Geist der Jugend hat, und der Geist der Jugend gibt etwas von seiner Frische, von seiner Kindlichkeit demjenigen, was man in älteren Jahren ist. Und gerade dadurch, daß solch ein Austausch stattfindet, wird ein solches Gespräch ganz besonders fruchtbar. Und dieses Gespräch, das führte dazu, daß der Schüler lernte, die Offenbarung, die religiöse Offenbarung zu verstehen.

[ 10 ] Und er stand gegenüber dem Geiste seiner Knabenzeit, sich selber. Und er war auch da, mit seinen fünfundzwanzig bis achtundzwanzig Jahren war er da, neben dem Geiste seiner Jugend. Und ein Gespräch konnte stattfinden, das der Lehrer führte, das aber eigentlich stattfand zwischen dem Schüler und seinem eigenen jüngeren Selbst. Solch ein Gespräch verläuft — Sie können das aus dem Mysteriendrama, aus dem Stil, der dort beobachtet ist, ja ersehen —, solch ein Gespräch verläuft in einer recht eigenartigen Weise. Denn wenn man, was ja immer sein kann, dem Geiste seiner Jugend entgegentritt, dann gibt man etwas vom reifen Verstande den kindlichen Vorstellungen, die der Geist der Jugend hat, und der Geist der Jugend gibt etwas von seiner Frische, von seiner Kindlichkeit demjenigen, was man in älteren Jahren ist. Und gerade dadurch, daß solch ein Austausch stattfindet, wird ein solches Gespräch ganz besonders fruchtbar. Und dieses Gespräch, das führte dazu, daß der Schüler lernte, die Offenbarung, die religiöse Offenbarung zu verstehen.

[ 11 ] Das Gespräch wurde vorzugsweise geführt über die Genesis, über den Anfang des Alten Testaments, und wurde geführt über die Menschwerdung Christi. Unter der Leitung des Lehrers und unter der besonderen Art der Fruchtbarkeit, die in diesem Gespräche waltete, endete eben dieses Gespräch für den Schüler damit, daß er sagte: Jetzt verstehe ich, welcher Geist in der Offenbarung waltet. Nur dann, wenn man in die Lage kommt, fern von dem Irdischen, wie in Ätherhöhen versetzt zu sein, um die Ätherhöhen ideell zu ergreifen mit der in die spätere Lebenszeit heraufragenden Kindheitskraft, nur dann versteht man recht die Offenbarung. Und jetzt verstehe ich, daß die Götter den Menschen die Offenbarung gegeben haben, weil die Menschen in der Lage, in der sie auf der Erde sind, durch die Werke der Natur hindurch nicht die Werke der Götter erforschen können. Und so gaben sie ihnen die Offenbarung, die ja natürlich gar nicht zu verstehen ist gerade im reifen Lebensalter, die aber verstanden werden kann, wenn real lebendig wird Kindheit im reifen Lebensalter. Also eigentlich ist es etwas Abnormes, die Offenbarung zu verstehen. — Das machte einen gewaltigen Eindruck auf den Schüler. Der Eindruck blieb. Er blieb ihm unvergeßlich. Der Geist der Jugend verschwand wiederum. Die erste Phase der Unterweisung war das.

[ 11 ] Das Gespräch wurde vorzugsweise geführt über die Genesis, über den Anfang des Alten Testaments, und wurde geführt über die Menschwerdung Christi. Unter der Leitung des Lehrers und unter der besonderen Art der Fruchtbarkeit, die in diesem Gespräche waltete, endete eben dieses Gespräch für den Schüler damit, daß er sagte: Jetzt verstehe ich, welcher Geist in der Offenbarung waltet. Nur dann, wenn man in die Lage kommt, fern von dem Irdischen, wie in Ätherhöhen versetzt zu sein, um die Ätherhöhen ideell zu ergreifen mit der in die spätere Lebenszeit heraufragenden Kindheitskraft, nur dann versteht man recht die Offenbarung. Und jetzt verstehe ich, daß die Götter den Menschen die Offenbarung gegeben haben, weil die Menschen in der Lage, in der sie auf der Erde sind, durch die Werke der Natur hindurch nicht die Werke der Götter erforschen können. Und so gaben sie ihnen die Offenbarung, die ja natürlich gar nicht zu verstehen ist gerade im reifen Lebensalter, die aber verstanden werden kann, wenn real lebendig wird Kindheit im reifen Lebensalter. Also eigentlich ist es etwas Abnormes, die Offenbarung zu verstehen. — Das machte einen gewaltigen Eindruck auf den Schüler. Der Eindruck blieb. Er blieb ihm unvergeßlich. Der Geist der Jugend verschwand wiederum. Die erste Phase der Unterweisung war das.

[ 12 ] Es sollte eine zweite folgen. Die zweite, die verlief in der folgenden Art. Wiederum führte der Lehrer den Schüler einen Weg. Jetzt führte er ihn nicht einen Berg hinauf, sondern jetzt führte er ihn an einen Berg, zu dem der Lehrer den Eingang durch ein Höhle wußte, in tiefe innere Bergesklüfte, weit hinunter bis in Bergwerksschächte, so daß der Schüler mit dem Lehrer in der Erdentiefe war, jetzt nicht in Ätherhöhen hoch oben über der Oberfläche der Erde, sondern in Erdentiefen, wie versenkt gegenüber der Oberfläche der Erde.

[ 12 ] Es sollte eine zweite folgen. Die zweite, die verlief in der folgenden Art. Wiederum führte der Lehrer den Schüler einen Weg. Jetzt führte er ihn nicht einen Berg hinauf, sondern jetzt führte er ihn an einen Berg, zu dem der Lehrer den Eingang durch ein Höhle wußte, in tiefe innere Bergesklüfte, weit hinunter bis in Bergwerksschächte, so daß der Schüler mit dem Lehrer in der Erdentiefe war, jetzt nicht in Ätherhöhen hoch oben über der Oberfläche der Erde, sondern in Erdentiefen, wie versenkt gegenüber der Oberfläche der Erde.

[ 13 ] Wiederum wurde es dem Bewußtsein des Schülers so, als ob ihm nachging alles dasjenige, was er auf der Erde jemals erlebt hatte, wie Träume. Denn er lebte unten in einer Umgebung, in der jetzt sein Bewußtsein besonders erwachte. Verwandt wurde er mit den Erdentiefen. Sehen Sie, es spielte sich da etwas ab, was dann zugrunde lag solchen Sagen wie etwa die von dem Leben des Kaisers Barbarossa im Kyffhäuser oder des Kaisers Karl des Großen im Untersberg bei Salzburg. So etwas spielte sich, wenn auch für kurze Zeit, wirklich ab, solch ein Leben in den Erdentiefen, fern von dem irdischen Leben des Menschen. Und wiederum konnte der Lehrer durch besondere Redeführung dieses Verbundensein mit den Erdentiefen ins Bewußtsein des Schülers hineinbringen. Aus einer Wand kam jetzt dem Schüler ein Greis entgegen, der ihm allerdings weniger bekannt war als der Geist seiner eigenen Jugend, den er aber fühlte als den, der er sein wird nach Jahrzehnten. Er fühlte sich selber im zukünftigen Greisenalter.

[ 13 ] Wiederum wurde es dem Bewußtsein des Schülers so, als ob ihm nachging alles dasjenige, was er auf der Erde jemals erlebt hatte, wie Träume. Denn er lebte unten in einer Umgebung, in der jetzt sein Bewußtsein besonders erwachte. Verwandt wurde er mit den Erdentiefen. Sehen Sie, es spielte sich da etwas ab, was dann zugrunde lag solchen Sagen wie etwa die von dem Leben des Kaisers Barbarossa im Kyffhäuser oder des Kaisers Karl des Großen im Untersberg bei Salzburg. So etwas spielte sich, wenn auch für kurze Zeit, wirklich ab, solch ein Leben in den Erdentiefen, fern von dem irdischen Leben des Menschen. Und wiederum konnte der Lehrer durch besondere Redeführung dieses Verbundensein mit den Erdentiefen ins Bewußtsein des Schülers hineinbringen. Aus einer Wand kam jetzt dem Schüler ein Greis entgegen, der ihm allerdings weniger bekannt war als der Geist seiner eigenen Jugend, den er aber fühlte als den, der er sein wird nach Jahrzehnten. Er fühlte sich selber im zukünftigen Greisenalter.

[ 14 ] Und nun entspann sich ein ähnliches Gespräch zwischen dem Schüler und seinem eigenen älteren Selbst, seinem greisenhaften Selbst, wiederum unter der Führung des Lehrers. Und nun kam aber aus diesem Gespräch etwas ganz anderes hervor als aus dem ersten Gespräche, denn jetzt fing an, in dem Schüler ein Bewußtsein aufzusteigen von seiner eigenen physischen Organisation. Er fühlte wie sein Blut in sich kreisen, jedes einzelne Blutteilchen, so war es ihm, fühlte er in sich kreisen, er begleitete die Blutäderchen, die Nervenstränge, und die einzelnen Organe des menschlichen Organismus fühlte er in ihrer sinnvollen Bedeutung für den gesamten Organismus. Und er fühlte in sich dasjenige hereinwirken, was draußen im Kosmos ist und verwandt mit dem Menschen ist. Er fühlte in sich hereinwirken das Blühende in den Pflanzen, das Wurzelhafte in den Pflanzen, das Mineralische in dem Erdboden in seinen Wirkungen im menschlichen Organismus. Er fühlte da in den Erdentiefen die Kräfte der Erde selber, in Organisation gebracht, in seinem eigenen Wesen zirkulierend, schaffen, sich umwandeln, Substanzen vernichten und gestalten. Er fühlte das Schaffen und Weben und Wesen der Erde in sich selber. Und das Ergebnis dieses Gespräches war, daß der Schüler, nachdem der alte Mann, der er selbst war, verschwunden war, sagen konnte: Jetzt hat wirklich die Erde, in der ich inkarniert bin, durch ihre Wesenhaftigkeit zu mir gesprochen, jetzt habe ich einen Moment gehabt, durch den ich hindurchgesehen habe durch die Naturdinge und Naturprozesse auf dasjenige, was Werk der Götter hinter diesen Erdendingen und hinter diesen Erdenprozessen ist.

[ 14 ] Und nun entspann sich ein ähnliches Gespräch zwischen dem Schüler und seinem eigenen älteren Selbst, seinem greisenhaften Selbst, wiederum unter der Führung des Lehrers. Und nun kam aber aus diesem Gespräch etwas ganz anderes hervor als aus dem ersten Gespräche, denn jetzt fing an, in dem Schüler ein Bewußtsein aufzusteigen von seiner eigenen physischen Organisation. Er fühlte wie sein Blut in sich kreisen, jedes einzelne Blutteilchen, so war es ihm, fühlte er in sich kreisen, er begleitete die Blutäderchen, die Nervenstränge, und die einzelnen Organe des menschlichen Organismus fühlte er in ihrer sinnvollen Bedeutung für den gesamten Organismus. Und er fühlte in sich dasjenige hereinwirken, was draußen im Kosmos ist und verwandt mit dem Menschen ist. Er fühlte in sich hereinwirken das Blühende in den Pflanzen, das Wurzelhafte in den Pflanzen, das Mineralische in dem Erdboden in seinen Wirkungen im menschlichen Organismus. Er fühlte da in den Erdentiefen die Kräfte der Erde selber, in Organisation gebracht, in seinem eigenen Wesen zirkulierend, schaffen, sich umwandeln, Substanzen vernichten und gestalten. Er fühlte das Schaffen und Weben und Wesen der Erde in sich selber. Und das Ergebnis dieses Gespräches war, daß der Schüler, nachdem der alte Mann, der er selbst war, verschwunden war, sagen konnte: Jetzt hat wirklich die Erde, in der ich inkarniert bin, durch ihre Wesenhaftigkeit zu mir gesprochen, jetzt habe ich einen Moment gehabt, durch den ich hindurchgesehen habe durch die Naturdinge und Naturprozesse auf dasjenige, was Werk der Götter hinter diesen Erdendingen und hinter diesen Erdenprozessen ist.

[ 15 ] Der Lehrer führte den Schüler wieder heraus, und ehe er ihn für diesmal verabschiedete, sagte er ihm: Sieh einmal, so wenig passen der heutige Mensch und die heutige Erde zusammen, daß du die Offenbarung der Religion empfangen mußt von dem Geiste deiner eigenen Jugend hoch auf dem Berge über der Erde und daß du die Offenbarung der Natur empfangen mußt tief unter der Erde, in den Klüften der Erde unter ihrer Oberfläche. Und wenn es dir gelingt, mit dem Lichte, das deine Seele vom Berge geholt hat, zu beleuchten dasjenige, was deine Seele empfunden hat in der Erde Höhlenklüften, dann wirst du zur Weisheit gelangen.

[ 15 ] Der Lehrer führte den Schüler wieder heraus, und ehe er ihn für diesmal verabschiedete, sagte er ihm: Sieh einmal, so wenig passen der heutige Mensch und die heutige Erde zusammen, daß du die Offenbarung der Religion empfangen mußt von dem Geiste deiner eigenen Jugend hoch auf dem Berge über der Erde und daß du die Offenbarung der Natur empfangen mußt tief unter der Erde, in den Klüften der Erde unter ihrer Oberfläche. Und wenn es dir gelingt, mit dem Lichte, das deine Seele vom Berge geholt hat, zu beleuchten dasjenige, was deine Seele empfunden hat in der Erde Höhlenklüften, dann wirst du zur Weisheit gelangen.

[ 16 ] Sehen Sie, in dieser Form wurde dazumal — um das Jahr 1200 war es, wovon ich spreche — die Vertiefung, die Weisheitserfüllung der menschlichen Seele bewirkt. Dieser Schüler war dadurch ja tatsächlich in die Einweihung, in die Initiation hineingestellt, und er wußte nun, welche Kraft er anwenden müsse in der Seele, um regsam zu machen das Licht der Höhen und das Gefühl der Tiefen. Und einige weitere Anleitungen gab ihm der Lehrer, die im wesentlichen darinnen bestanden, daß er dem Schüler sagte: Selbsterkennen besteht eigentlich immer darin, daß man im eigenen Menscheninnern dasjenige auf der einen Seite wahrnimmt, was hoch über demErdenmenschen liegt, und dasjenige, was tief unter dem Erdenmenschen liegt. Die müssen sich im Menscheninnern begegnen. Dann findet der Mensch in seinem eigenen Innern die Kraft des schaffenden Gottes.

[ 16 ] Sehen Sie, in dieser Form wurde dazumal — um das Jahr 1200 war es, wovon ich spreche — die Vertiefung, die Weisheitserfüllung der menschlichen Seele bewirkt. Dieser Schüler war dadurch ja tatsächlich in die Einweihung, in die Initiation hineingestellt, und er wußte nun, welche Kraft er anwenden müsse in der Seele, um regsam zu machen das Licht der Höhen und das Gefühl der Tiefen. Und einige weitere Anleitungen gab ihm der Lehrer, die im wesentlichen darinnen bestanden, daß er dem Schüler sagte: Selbsterkennen besteht eigentlich immer darin, daß man im eigenen Menscheninnern dasjenige auf der einen Seite wahrnimmt, was hoch über demErdenmenschen liegt, und dasjenige, was tief unter dem Erdenmenschen liegt. Die müssen sich im Menscheninnern begegnen. Dann findet der Mensch in seinem eigenen Innern die Kraft des schaffenden Gottes.

[ 17 ] Von solchen Einweihungen, wie die ist, die ich Ihnen hier als eine charakteristisch-typische erzählt habe, ging das Bestreben aus, das man dann mittelalterliche Mystik nennen kann in der späteren Zeit, das hintendierte nach Selbsterkenntnis, aber um im eigenen Selbst den Weg zum Göttlichen zu finden. Es ist nur diese Mystik dann in der späteren Zeit abstrakt geworden. Jene konkrete Verbindung mit der Außenwelt, wie sie gegeben war für diese Schüler in dem Entrücktsein in Ätherhöhen und in Erdentiefen, die wurde nicht mehr gesucht. Daher wurde auch die innere Erschütterung, die ganze Intensität des inneren Erlebnisses nicht mehr erreicht. Aber gesucht wurde dennoch unter solchen Anregungen, unter solchen Impulsen im Innern. Im Innern wurde der Gott, das göttliche Schaffen gesucht. Und im Grunde genommen ist alles das, was gesucht worden ist von dem Meister Eckhart, von Johannes Tauler und den späteren Mystikern, die ich dargestellt habe in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», impulsiert von solchen wirklichen mittelalterlichen Einweihungen. Aber diejenigen, die nun wahrhaftig im Sinne solcher mittelalterlichen Einweihungen gewirkt haben, die wurden vielfach verkannt. Und man gerät eigentlich nur sehr schwer an dasjenige heran, was diese Schüler der mittelalterlichen Eingeweihten in Wirklichkeit waren.

[ 17 ] Von solchen Einweihungen, wie die ist, die ich Ihnen hier als eine charakteristisch-typische erzählt habe, ging das Bestreben aus, das man dann mittelalterliche Mystik nennen kann in der späteren Zeit, das hintendierte nach Selbsterkenntnis, aber um im eigenen Selbst den Weg zum Göttlichen zu finden. Es ist nur diese Mystik dann in der späteren Zeit abstrakt geworden. Jene konkrete Verbindung mit der Außenwelt, wie sie gegeben war für diese Schüler in dem Entrücktsein in Ätherhöhen und in Erdentiefen, die wurde nicht mehr gesucht. Daher wurde auch die innere Erschütterung, die ganze Intensität des inneren Erlebnisses nicht mehr erreicht. Aber gesucht wurde dennoch unter solchen Anregungen, unter solchen Impulsen im Innern. Im Innern wurde der Gott, das göttliche Schaffen gesucht. Und im Grunde genommen ist alles das, was gesucht worden ist von dem Meister Eckhart, von Johannes Tauler und den späteren Mystikern, die ich dargestellt habe in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», impulsiert von solchen wirklichen mittelalterlichen Einweihungen. Aber diejenigen, die nun wahrhaftig im Sinne solcher mittelalterlichen Einweihungen gewirkt haben, die wurden vielfach verkannt. Und man gerät eigentlich nur sehr schwer an dasjenige heran, was diese Schüler der mittelalterlichen Eingeweihten in Wirklichkeit waren.

[ 18 ] Man kann ja wirklich ziemlich weit kommen in der Verfolgung der Wege in die geistige Welt hinein. Und diejenigen, welche solche Dinge wirklich ganz energisch befolgen, wie sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» stehen, die finden schon den Weg in die geistigen Welten hinein. Alles, was in der Vergangenheit physisch real war, ist ja natürlich heute nur durch die geistige Welt zu finden, also auch solche Szenen, wie ich sie eben geschildert habe, denn es gibt ja keine physischen Dokumente, die über solche Szenen berichten würden. Aber es gibt eben solche Gebiete, die schwer zugänglich sind auch für ein schon weit vorgeschrittenes geistiges Vermögen. Man muß wirklich, um diese Gebiete zu erforschen, dahin gekommen sein, mit den Wesenheiten der geistigen Welt in selbstverständlicher Weise Umgang zu haben wie mit Menschen. Dann ergibt sich aber auch der Zusammenhang zwischen diesen Eingeweihten, von denen ich Ihnen eben erzählt habe, und ihren Schülern, zum Beispiel einem solchen Schüler, der durch das, was historisch vermittelt ist, ja recht fragwürdig erscheint, Raimundus Lullus, der vom Jahre 1234 bis 1315 lebte.

[ 18 ] Man kann ja wirklich ziemlich weit kommen in der Verfolgung der Wege in die geistige Welt hinein. Und diejenigen, welche solche Dinge wirklich ganz energisch befolgen, wie sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» stehen, die finden schon den Weg in die geistigen Welten hinein. Alles, was in der Vergangenheit physisch real war, ist ja natürlich heute nur durch die geistige Welt zu finden, also auch solche Szenen, wie ich sie eben geschildert habe, denn es gibt ja keine physischen Dokumente, die über solche Szenen berichten würden. Aber es gibt eben solche Gebiete, die schwer zugänglich sind auch für ein schon weit vorgeschrittenes geistiges Vermögen. Man muß wirklich, um diese Gebiete zu erforschen, dahin gekommen sein, mit den Wesenheiten der geistigen Welt in selbstverständlicher Weise Umgang zu haben wie mit Menschen. Dann ergibt sich aber auch der Zusammenhang zwischen diesen Eingeweihten, von denen ich Ihnen eben erzählt habe, und ihren Schülern, zum Beispiel einem solchen Schüler, der durch das, was historisch vermittelt ist, ja recht fragwürdig erscheint, Raimundus Lullus, der vom Jahre 1234 bis 1315 lebte.

[ 19 ] Was Sie von Raimundus Lullus durch historische Dokumente kennenlernen können, ist ja herzlich wenig. Aber was man von ihm kennenlernen kann, wenn man — verzeihen Sie, daß ich den paradoxen Ausdruck gebrauche, aber Sie werden nach dem, was ich in den letzten Tagen und seit vierzehn Tagen hier dargestellt habe, den Ausdruck doch nicht mehr als paradox empfinden —, wenn man sozusagen ein persönliches Verhältnis gewinnt zu Raimundus Lullus, dann stellt er sich doch noch als etwas anderes dar, als das ist, was die historischen Dokumente aus ihm machen. Da stellt er sich in der folgenden Weise dar. Er ist im eminentesten Sinne eine Persönlichkeit, die unter Anregung gerade desjenigen Eingeweihten, von dem ich hier als dem Schüler des anderen gesprochen habe, dazu kam, mit aller Kraft wiederum so etwas in seiner Zeit erneuern zu wollen, wie es im Altertum die Mysterien des Wortes, des Logos waren. Er wollte die Mysterien des Logos wieder erneuern. Und er wollte sie wieder erneuern durch die Selbsterkenntnis, von der ich Ihnen ja gesagt habe, daß sie in einer so mächtigen Weise angeregt worden ist im 12., im 13. Jahrhundert. Und von diesem Gesichtspunkte aus ist die sogenannte «Ars magna» des Raimundus Lullus zu beurteilen. Er sagte sich: Wenn der Mensch spricht, so ist im Sprechen eigentlich auch ein Mikrokosmos gegeben. Dasjenige, was der Mensch spricht, ist eigentlich der ganze Mensch, konzentriert auf die Sprachorgane. Aber das Geheimnis jedes Wortes liegt im ganzen Menschen, und wiederum, weil es im ganzen Menschen liegt, liegt es eigentlich in der Welt.

[ 19 ] Was Sie von Raimundus Lullus durch historische Dokumente kennenlernen können, ist ja herzlich wenig. Aber was man von ihm kennenlernen kann, wenn man — verzeihen Sie, daß ich den paradoxen Ausdruck gebrauche, aber Sie werden nach dem, was ich in den letzten Tagen und seit vierzehn Tagen hier dargestellt habe, den Ausdruck doch nicht mehr als paradox empfinden —, wenn man sozusagen ein persönliches Verhältnis gewinnt zu Raimundus Lullus, dann stellt er sich doch noch als etwas anderes dar, als das ist, was die historischen Dokumente aus ihm machen. Da stellt er sich in der folgenden Weise dar. Er ist im eminentesten Sinne eine Persönlichkeit, die unter Anregung gerade desjenigen Eingeweihten, von dem ich hier als dem Schüler des anderen gesprochen habe, dazu kam, mit aller Kraft wiederum so etwas in seiner Zeit erneuern zu wollen, wie es im Altertum die Mysterien des Wortes, des Logos waren. Er wollte die Mysterien des Logos wieder erneuern. Und er wollte sie wieder erneuern durch die Selbsterkenntnis, von der ich Ihnen ja gesagt habe, daß sie in einer so mächtigen Weise angeregt worden ist im 12., im 13. Jahrhundert. Und von diesem Gesichtspunkte aus ist die sogenannte «Ars magna» des Raimundus Lullus zu beurteilen. Er sagte sich: Wenn der Mensch spricht, so ist im Sprechen eigentlich auch ein Mikrokosmos gegeben. Dasjenige, was der Mensch spricht, ist eigentlich der ganze Mensch, konzentriert auf die Sprachorgane. Aber das Geheimnis jedes Wortes liegt im ganzen Menschen, und wiederum, weil es im ganzen Menschen liegt, liegt es eigentlich in der Welt.

[ 20 ] Und so kam er darauf, daß man eigentlich das Geheimnis der Sprache erst im Menschen suchen müsse, indem man tief untertaucht von den bloßen Sprachorganen zu der Gesamtorganisation des Menschen, und dann im Kosmos, indem man wiederum die Gesamtorganisation des Menschen aus dem Kosmos heraus begreift. Zum Beispiel, sagen wir, jemand wolle den Laut A in seiner wirklichen Bedeutung begreifen. Da handelt es sich darum, daß der Mensch darauf kommt, daß der Laut A, der im geformten Aushauch zum Vorschein kommt, auf einer gewissen inneren Attitüde des Ätherleibes beruht, auf einer Attitüde des Ätherleibes, die Sie heute kennenlernen können. Durch die Eurythmie sehen wir, auf welcher Attitüde des Ätherleibes der Laut A beruht, denn diese Attitüde wird auf den physischen Leib übertragen und gilt dann als die eurythmische Geste für den A-Laut.

[ 20 ] Und so kam er darauf, daß man eigentlich das Geheimnis der Sprache erst im Menschen suchen müsse, indem man tief untertaucht von den bloßen Sprachorganen zu der Gesamtorganisation des Menschen, und dann im Kosmos, indem man wiederum die Gesamtorganisation des Menschen aus dem Kosmos heraus begreift. Zum Beispiel, sagen wir, jemand wolle den Laut A in seiner wirklichen Bedeutung begreifen. Da handelt es sich darum, daß der Mensch darauf kommt, daß der Laut A, der im geformten Aushauch zum Vorschein kommt, auf einer gewissen inneren Attitüde des Ätherleibes beruht, auf einer Attitüde des Ätherleibes, die Sie heute kennenlernen können. Durch die Eurythmie sehen wir, auf welcher Attitüde des Ätherleibes der Laut A beruht, denn diese Attitüde wird auf den physischen Leib übertragen und gilt dann als die eurythmische Geste für den A-Laut.

[ 21 ] Ganz klar wurde das dem Raimundus Lullus nicht, sondern alles blieb bei ihm Ahnung. Aber seine Ahnung kam so weit, daß er nun die innere Attitüde, die innere Geste des Menschen gewissermaßen hinausverfolgte in den Kosmos, zum Beispiel daß er sagte: Richtest du die Blickrichtung nach dem Löwen, nach dem Sternbilde des Löwen, und richtest du die Blickrichtung nach der Waage, dann gibt dir der Zusammenhang der beiden Blickrichtungen das A. Richtest du den Blick nach dem Saturn, so hält der Saturn deine Blickrichtung auf. Und wenn der Saturn zum Beispiel vor dem Widder steht, so mußt du mit dem Saturn dich um den Widder herumdrehen. Das gibt dir aus dem Kosmos heraus die Empfindung des O.

[ 21 ] Ganz klar wurde das dem Raimundus Lullus nicht, sondern alles blieb bei ihm Ahnung. Aber seine Ahnung kam so weit, daß er nun die innere Attitüde, die innere Geste des Menschen gewissermaßen hinausverfolgte in den Kosmos, zum Beispiel daß er sagte: Richtest du die Blickrichtung nach dem Löwen, nach dem Sternbilde des Löwen, und richtest du die Blickrichtung nach der Waage, dann gibt dir der Zusammenhang der beiden Blickrichtungen das A. Richtest du den Blick nach dem Saturn, so hält der Saturn deine Blickrichtung auf. Und wenn der Saturn zum Beispiel vor dem Widder steht, so mußt du mit dem Saturn dich um den Widder herumdrehen. Das gibt dir aus dem Kosmos heraus die Empfindung des O.

[ 22 ] Und aus solchen Ahnungen heraus fand Raimundus Lullus gewisse Figuren, an deren Ecken und Seiten er die Buchstaben schrieb. Und nun war er sich klar darüber: Wenn man aus seinen Empfindungen heraus Linien zieht in den Figuren, durch Diagonalen oder dergleichen meinetwegen in einem Fünfeck a b c d e irgendwie verbindet — das ist nur schematisch —, dann muß man darin Lautverbindungen sehen, und diese Lautverbindungen sprechen gewisse Geheimnisse des Weltenalls, des Kosmos aus.

[ 22 ] Und aus solchen Ahnungen heraus fand Raimundus Lullus gewisse Figuren, an deren Ecken und Seiten er die Buchstaben schrieb. Und nun war er sich klar darüber: Wenn man aus seinen Empfindungen heraus Linien zieht in den Figuren, durch Diagonalen oder dergleichen meinetwegen in einem Fünfeck a b c d e irgendwie verbindet — das ist nur schematisch —, dann muß man darin Lautverbindungen sehen, und diese Lautverbindungen sprechen gewisse Geheimnisse des Weltenalls, des Kosmos aus.

[ 23 ] Also Raimundus Lullus suchte eine Art Renaissance der Geheimnisse des Logos, wie sie üblich waren in den alten Mysterien. Diese Sache wird ja entstellt dargestellt in den historischen Dokumenten. Aber wenn man eben nach und nach sozusagen in ein persönliches Verhältnis zu Raimundus Lullus kommt, so kommt man darauf, daß Raimundus Lullus versuchte, durch solche Bestrebungen das Weltenwort wiederum zu enträtseln. Und in diesen Bestrebungen lebten eigentlich die Schüler der mittelalterlichen Eingeweihten noch einige Jahrhunderte fort. Es war ein ganz intensives Bemühen, erst in den Menschen unterzutauchen und dann durch das Untertauchen in den Menschen hinauszukommen über den Menschen in die Geheimnisse des Kosmos hinein.

[ 23 ] Also Raimundus Lullus suchte eine Art Renaissance der Geheimnisse des Logos, wie sie üblich waren in den alten Mysterien. Diese Sache wird ja entstellt dargestellt in den historischen Dokumenten. Aber wenn man eben nach und nach sozusagen in ein persönliches Verhältnis zu Raimundus Lullus kommt, so kommt man darauf, daß Raimundus Lullus versuchte, durch solche Bestrebungen das Weltenwort wiederum zu enträtseln. Und in diesen Bestrebungen lebten eigentlich die Schüler der mittelalterlichen Eingeweihten noch einige Jahrhunderte fort. Es war ein ganz intensives Bemühen, erst in den Menschen unterzutauchen und dann durch das Untertauchen in den Menschen hinauszukommen über den Menschen in die Geheimnisse des Kosmos hinein.

[ 24 ] In dieser Weise versuchten diese — man darf sie Weise nennen —, diese Weisen, zu verbinden die Offenbarung mit der Natur. Und sie glaubten, auf diese Weise — und vieles von ihrem Glauben war ja tief begründet —, sie glaubten, auf diese Weise hinter die Offenbarung des Religiösen und hinter die Offenbarung der Natur zu kommen. Denn sie waren sich klar darüber, daß eben der Mensch, so wie er nun einmal in ihrer Zeit auf der Erde lebte, eigentlich bestimmt war, die vierte Hierarchie zu werden, daß er aber einen Fall getan habe, durch den er unter sein eigentliches Wesen heruntergekommen ist und tiefer drinnen steckt in dem physischen Dasein, als er eigentlich sollte, daß er aber dennoch wiederum für dieses tiefe Drinnenstecken nicht die Kraft hat, sein Geistig-Seelisches entsprechend spirituell auszubilden. Und aus solchen Bestrebungen heraus entstand ja dann das Rosenkreuzer-Bestreben.

[ 24 ] In dieser Weise versuchten diese — man darf sie Weise nennen —, diese Weisen, zu verbinden die Offenbarung mit der Natur. Und sie glaubten, auf diese Weise — und vieles von ihrem Glauben war ja tief begründet —, sie glaubten, auf diese Weise hinter die Offenbarung des Religiösen und hinter die Offenbarung der Natur zu kommen. Denn sie waren sich klar darüber, daß eben der Mensch, so wie er nun einmal in ihrer Zeit auf der Erde lebte, eigentlich bestimmt war, die vierte Hierarchie zu werden, daß er aber einen Fall getan habe, durch den er unter sein eigentliches Wesen heruntergekommen ist und tiefer drinnen steckt in dem physischen Dasein, als er eigentlich sollte, daß er aber dennoch wiederum für dieses tiefe Drinnenstecken nicht die Kraft hat, sein Geistig-Seelisches entsprechend spirituell auszubilden. Und aus solchen Bestrebungen heraus entstand ja dann das Rosenkreuzer-Bestreben.

[ 25 ] An einer Lehrstätte der Rosenkreuzer, der ersten ursprünglichen Rosenkreuzer, war es, daß einmal gerade die Szenen, die ich Ihnen heute schilderte, die Szene hoch oben auf dem Berge zwischen dem Lehrer und dem Schüler und unten tief in den Erdenklüften, daß diese Szenen wie in einer Art zeitlicher Fata Morgana auftauchten, man möchte sagen, wie als Gespenst wiederkamen, sich spiegelten als Vision innerhalb einer Rosenkreuzer-Lehrstätte. Und daraus erkannte man, daß der Mensch durch innerliches Streben zweierlei erreichen müsse, um zur wirklichen Selbsterkenntnis zu kommen, um wiederum seine Anpassung an die Erde zu finden, um dahin zu gelangen, wirklich ein Angehöriger der vierten Hierarchie zu werden. Denn aus alledem, was nun innerhalb der Rosenkreuzer-Schule möglich war, erkannte man, was mit dem Schüler, als er den Geist seiner eigenen Jugend leibhaftig vor sich gesehen hat, vorgegangen war. Mit dem war vorgegangen eine Loslösung des astralischen Leibes, die stärker ist, als sie sonst irgendwie im menschlichen Leben ist. Und in dieser Loslösung des astralischen Leibes hat er den Sinn der Offenbarung erkannt. Und wiederum wurde in dieser Rosenkreuzer-Schule klar, was vorgegangen war mit dem Schüler in den Tiefen der Erde. Da war der astralische Leib ganz in das Innere zurückgezogen. Da war er völlig zusammengezogen, so daß der Schüler die Geheimnisse des eigenen Menscheninnern wahrnahm. Und jetzt wurden innerhalb der Rosenkreuzerei Exerzitien, Übungen gefunden, die verhältnismäßig einfach waren, die in symbolischen Figuren bestanden, denen man das Gemüt hingab, über die man meditierte. Und durch die Kraft, die in den menschlichen Seelenbesitz kam durch die Hingabe an solche Figuren, erreichte man, daß man auf der einen Seite den astralischen Leib loslöste und wurde wie der Schüler auf Bergeshöhe, in Ätherhöhen, daß man auf der andern Seite, indem sich der astralische Leib zusammenkrampfte, zusammenzog, wurde wie der Schüler in Erdenklüften. Und dann konnte man, indem man nicht die äußere Umgebung hatte, sondern eine starke innere Übung machte, in das menschliche Innere kommen.

[ 25 ] An einer Lehrstätte der Rosenkreuzer, der ersten ursprünglichen Rosenkreuzer, war es, daß einmal gerade die Szenen, die ich Ihnen heute schilderte, die Szene hoch oben auf dem Berge zwischen dem Lehrer und dem Schüler und unten tief in den Erdenklüften, daß diese Szenen wie in einer Art zeitlicher Fata Morgana auftauchten, man möchte sagen, wie als Gespenst wiederkamen, sich spiegelten als Vision innerhalb einer Rosenkreuzer-Lehrstätte. Und daraus erkannte man, daß der Mensch durch innerliches Streben zweierlei erreichen müsse, um zur wirklichen Selbsterkenntnis zu kommen, um wiederum seine Anpassung an die Erde zu finden, um dahin zu gelangen, wirklich ein Angehöriger der vierten Hierarchie zu werden. Denn aus alledem, was nun innerhalb der Rosenkreuzer-Schule möglich war, erkannte man, was mit dem Schüler, als er den Geist seiner eigenen Jugend leibhaftig vor sich gesehen hat, vorgegangen war. Mit dem war vorgegangen eine Loslösung des astralischen Leibes, die stärker ist, als sie sonst irgendwie im menschlichen Leben ist. Und in dieser Loslösung des astralischen Leibes hat er den Sinn der Offenbarung erkannt. Und wiederum wurde in dieser Rosenkreuzer-Schule klar, was vorgegangen war mit dem Schüler in den Tiefen der Erde. Da war der astralische Leib ganz in das Innere zurückgezogen. Da war er völlig zusammengezogen, so daß der Schüler die Geheimnisse des eigenen Menscheninnern wahrnahm. Und jetzt wurden innerhalb der Rosenkreuzerei Exerzitien, Übungen gefunden, die verhältnismäßig einfach waren, die in symbolischen Figuren bestanden, denen man das Gemüt hingab, über die man meditierte. Und durch die Kraft, die in den menschlichen Seelenbesitz kam durch die Hingabe an solche Figuren, erreichte man, daß man auf der einen Seite den astralischen Leib loslöste und wurde wie der Schüler auf Bergeshöhe, in Ätherhöhen, daß man auf der andern Seite, indem sich der astralische Leib zusammenkrampfte, zusammenzog, wurde wie der Schüler in Erdenklüften. Und dann konnte man, indem man nicht die äußere Umgebung hatte, sondern eine starke innere Übung machte, in das menschliche Innere kommen.

[ 26 ] Sehen Sie, ich schildere Ihnen damit etwas, was ich nur ganz leise angedeutet habe in dem neuen Vorwort zu der letzten Auflage meiner «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geistesleben». Da habe ich ja gesagt, daß dasjenige, was aufgetreten ist bei Meister Eckhart, Johannes Tauler, bei Nikolaus Cusanus, dem Kardinal, bei Valentin Weigel und den anderen, das Spätprodukt war eines kolossalen ursprünglichen Menschheitsstrebens, das vorangegangen ist. Und dieses ursprüngliche Menschheitsstreben, das dem Streben des Meister Eckhart, dem Streben des Johannes Tauler vorangegangen ist, dieses konkrete Streben im Geiste, dieses Suchen nach Selbsterkenntnis beim Menschen im Zusammenhange mit Offenbarung und Naturerleuchtung, dieses wollte ich Ihnen heute schildern als eine der Strömungen, die da liefen im sogenannten finsteren Mittelalter, wo es aber wirklich in der Finsternis, die der moderne Mensch heute hineinphantasiert, recht erleuchtete Geister gab, so erleuchtete Geister, daß die heute erleuchtetsten Geister das Licht dieser Erleuchteten eben nicht verstehen und daher finster bleiben. Aber das ist ja überhaupt vielfach das Charakteristikum der heutigen Zeit, daß man das Licht finster und die Finsternis hell findet.

[ 26 ] Sehen Sie, ich schildere Ihnen damit etwas, was ich nur ganz leise angedeutet habe in dem neuen Vorwort zu der letzten Auflage meiner «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geistesleben». Da habe ich ja gesagt, daß dasjenige, was aufgetreten ist bei Meister Eckhart, Johannes Tauler, bei Nikolaus Cusanus, dem Kardinal, bei Valentin Weigel und den anderen, das Spätprodukt war eines kolossalen ursprünglichen Menschheitsstrebens, das vorangegangen ist. Und dieses ursprüngliche Menschheitsstreben, das dem Streben des Meister Eckhart, dem Streben des Johannes Tauler vorangegangen ist, dieses konkrete Streben im Geiste, dieses Suchen nach Selbsterkenntnis beim Menschen im Zusammenhange mit Offenbarung und Naturerleuchtung, dieses wollte ich Ihnen heute schildern als eine der Strömungen, die da liefen im sogenannten finsteren Mittelalter, wo es aber wirklich in der Finsternis, die der moderne Mensch heute hineinphantasiert, recht erleuchtete Geister gab, so erleuchtete Geister, daß die heute erleuchtetsten Geister das Licht dieser Erleuchteten eben nicht verstehen und daher finster bleiben. Aber das ist ja überhaupt vielfach das Charakteristikum der heutigen Zeit, daß man das Licht finster und die Finsternis hell findet.

[ 27 ] Aber ein merkwürdiger, gewaltiger Eindruck bleibt zurück, wenn man in die Hintergründe desjenigen schaut, was in der Literatur wie in einem Abglanze dieser Zeit gelebt hat. Einiges von dem wollte ich Ihnen heute schildern; einiges von dem, was dann das Bild ergänzen, zu einem Ganzen abrunden wird, werde ich Ihnen morgen schildern.

[ 27 ] Aber ein merkwürdiger, gewaltiger Eindruck bleibt zurück, wenn man in die Hintergründe desjenigen schaut, was in der Literatur wie in einem Abglanze dieser Zeit gelebt hat. Einiges von dem wollte ich Ihnen heute schildern; einiges von dem, was dann das Bild ergänzen, zu einem Ganzen abrunden wird, werde ich Ihnen morgen schildern.