Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a
20 April 1924, Dornach
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The Festival of Easter, tr. Collison
- The Festival of Easter, tr. Collison
- Easter as a Chapter in the Mystery Wisdom of Man, tr. Lockwood
- The Easter Festival in Relation to the Mysteries, tr. Adams
- The Easter Festival in the Evolution of the Mysteries, tr. Kelly
- Mystery Sites of the Middle Ages, tr. SOL
- Mysterienstätten Des Mittelalters
Das Osterfest als Stück Mysteriengeschichte der Menschheit II
Lecture II
[ 1 ] Man kann schon sagen, daß der ursprüngliche Festesgedanke der ist, den Menschen aufschauen zu machen von seiner Abhängigkeit irdischen Dingen gegenüber zu seiner Abhängigkeit außerirdischen Dingen gegenüber. Und insbesondere ist es das Osterfest, dessen Betrachtung diese Gedanken dem Menschen nahebringen kann. Wir haben ja im Laufe der letzten drei, vier, fünf Jahrhunderte der zivilisierten Welt eine seelisch-geistige Entwickelung durchgemacht, die immer mehr und mehr den Menschen davon abgeleitet hat, seinen Zusammenhang mit den kosmischen Kräften und Mächten ins Auge zu fassen. Der Mensch wurde immer mehr und mehr darauf beschränkt, nur diejenigen Verhältnisse zu betrachten, die zwischen ihm und den irdischen Kräften und Mächten herrschen. Es ist ja auch richtig, daß mit denjenigen Erkenntnismitteln, die man heute als berechtigt anerkennt, andere Verhältnisse gar nicht ins Auge gefaßt werden können. Würde irgend jemand, der in der vorchristlichen Zeit oder auch noch in den ersten Jahrhunderten des Christentums Mysterienstätten nahegestanden hat, unsere heutige Erkenntnis erfahren können, er würde, wenn er mit seiner damaligen Seelenverfassung an die Dinge heranträte, gar nicht verstehen können, wie der Mensch imstande ist, zu leben ohne ein Bewußtsein seines außerirdischen, seines kosmischen Zusammenhanges.
[ 1 ] One may say that the original idea of Festivals was to make people lift their eyes, turning them from dependence on earthly things to dependence on super-earthly ones. And it is consideration of the Easter Festival that can especially bring about such thoughts. In the course of the last four or five hundred years the civilization of the world has gone through a spiritual evolution which has inclined humanity to turn its attention more and more away from its connection with cosmic forces and cosmic powers. Human attention has been restricted increasingly to the study of those conditions prevailing between man and earthly forces and powers. It is also the case that with those means of knowledge which are considered legitimate to-day it is impossible to keep other connections in view. If anyone in pre-Christian times, or even in the first Christian centuries, who was closely associated with the Mysteries could have experienced our present-day knowledge, he would not in the least have understood—if he approached things with the thoughts and feelings of those days—how it was possible for people to live without a consciousness of their super-earthly, their cosmic connections.
[ 2 ] Ich möchte zunächst manches skizzieren, was Sie den genaueren Verhältnissen nach geschildert finden in diesem oder jenem Zyklus. Weil ja diese Vorträge dazu bestimmt sein sollen, gerade den Ostergedanken uns nahezubringen, kann ich natürlich nicht alle Einzelheiten ausführen, ich kann nur andeuten, wie die Dinge sind.
[ 2 ] I might here give an outline of many things which you find more fully described in different cycles of lectures; but as these present lectures are intended to give a more intimate understanding of the thought of Easter, I naturally cannot bring forward every particular but can only hint at how things are.
[ 3 ] Wenn wir uns zurückversetzen in verschiedene ältere Religionssysteme — wir können ja als Beispiel dasjenige nehmen, welches auch dem modernen Menschen noch am allernächsten liegt: das hebräischjüdische Religionssystem —, da werden wir in gewissen Religionssystemen des Altertums, wenn sie monotheistisch sind, die Verehrung, die Anbetung der einen Gottheit finden. Es ist das diejenige Gottheit, von der wir in christlicher Auffassung als der ersten Person der Gottheit, als dem Vatergotte sprechen.
[ 3 ] If we were to transfer ourselves in thought into the various ancient religious systems of the past, we might choose as an example that one most familiar to modern people, the ancient Hebrew-Jewish system; we would find, when these ancient systems are mono-theistic, the worship of the one Godhead. This is that Godhead of whom, in accordance with Christian acceptance, we call the Father.
[ 4 ] Nun ist in allen denjenigen Religionen, in denen der Gedanke dieses Vatergottes lebt, mehr oder weniger vorhanden gewesen, ganz vorhanden gewesen sogar bei den Mysterienpriestern, der Zusammenhang dieses Vatergottes mit den kosmischen Mondeskräften, mit alledem, was an Kräften vom Monde auf die Erde herunterstrahlt. Heute ist ja von diesem alten Bewußtsein des Zusammenhanges des Menschen mit den Mondenkräften kaum etwas anderes zurückgeblieben als die Anregung, die das dichterische Gemüt in seiner Phantasie empfindet durch die Mondenkräfte, und das Zählen der Embryonalmonate des Menschen nach zehn Mondenmonaten in der Medizin. Aber in älteren Weltanschauungen war ein deutliches Bewußtsein davon vorhanden, daß der Mensch, wenn er heruntersteigt aus der geistigen Welt, wo er im vorirdischen Dasein als geistig-seelisches Wesen war, zu seinem physischen Dasein, daß er dann durchströmt, durchkraftet wird von den Impulsen, die vom Monde ausgehen. Der Mensch, wenn er auf dasjenige sieht, was ihn lebensvoll gestaltet, was in ihm lebt als Ernährungs-, Atmungsprozeß und so weiter, überhaupt als allgemeine Wachstumskräfte, muß dann nicht auf die Erdenkräfte schauen, sondern er muß schauen auf außerirdische Kräfte. Wenn der Mensch auf die Erdenkräfte schaut, kann er ja gewahr werden, wie diese Erdenkräfte sich zu ihm verhalten. Würden wir unseren Leib nicht zusammenhalten durch äußerirdische Kräfte, würde unserem Leib nicht seine Gestalt gegeben werden eben durch außerirdische Kräfte, was könnten irdische Kräfte dem Zusammenhalt unseres Leibes geben? In dem Augenblicke, wo die außerirdischen Kräfte aus diesem Leib heraußen sind, ist ja dieser Leib ausgesetzt den irdischen Kräften: dann zerfällt er, dann löst er sich auf, dann wird er Leichnam. Die Erdenkräfte können aus dem Menschen nur den Leichnam machen, nicht den Menschen gestalten. Diejenigen Kräfte, die im Menschen leben, so daß sie ihn herausheben aus dem Irdischen, daß er zwischen Geburt und Tod eine in sich zusammenhängende Organisationsgestalt im Irdischen ist, nicht den Kräften verfällt, die mit dem Tode ihn ergreifen und ihn zerstören, daß der Mensch sein ganzes irdisches Leben hindurch Kräfte hat, die gegen diese Zerstörung kämpfen denn sie müssen kämpfen gegen diese Zerstörung —, verdankt er dem Einfluß der Mondgewalt.
[ 4 ] Now, in all those religions in which the thought of this Father-God lived, there has existed more or less, but especially among the priests of the Mysteries, a connection between this God and the cosmic moon-forces, a connection with everything streaming down to earth as force from the moon. Of this ancient consciousness of the connection between man and the moon forces, hardly anything has remained other than the stimulus given to the poetic fancy of the soul by the moon, and the number of months in the gestation period of man, in accordance with the ten lunar months as reckoned in medicine. But in the older ideas concerning such things a clear consciousness did exist, that when man came down from the spiritual world, where in pre-earthly times he had lived as a psycho-spiritual being, into physical life, he was filled with and strengthened by impulses that streamed to him from the moon. When a man considers what it is that has formed him as living being, what lives in him as the forces of nutrition and breathing, and as forces of growth generally, he must not look to the forces of the earth but to forces outside the earth. It is easy for him to see how, when looking to earthly forces, these are connected with him. But if our body were not held together by forces outside the earth, if it did not receive its form from forces beyond the earth, what could the mere earthly forces do towards its preservation and cohesion (Zusammengehalt)? The moment the non-earthly forces—those coming from beyond the earth—leave it, the body is exposed to the forces of the earth: it then perishes, disintegrates, and becomes a corpse. The forces of the earth can only make corpses of men, they cannot construct their human form. Those forces living in man, by which he is raised above what is earthly, so that between birth and death he can live on earth as a coherent organic form and not succumb to the forces of earth that lay hold of him at death and destroy him, against which he wages a life-long struggle here—for they must be struggled against—these forces he owes to the influences of the moon-world.
[ 5 ] Wenn wir auf der einen Seite theoretisch aussprechen können, die Mondenkräfte enthalten die Gestaltung des menschlichen Körpers, so müssen wir auf der anderen Seite sehen, wie alte Religionen diese Kräfte, die sozusagen den Menschen durch seine Geburt ins physische Dasein hereinführten, als die Vaterkräfte, als die Kräfte des göttlichen Vaters verehrten. Und bei den Eingeweihten des alten Hebraismus war ein deutliches Bewußtsein davon vorhanden, daß vom Monde ausstrahlen diejenigen Kräfte, die den Menschen ins Erdendasein hereinführen, die ihn im Erdendasein erhalten und denen er als physischer Mensch sich entreißt, wenn er durch die Pforte des Todes geht.
[ 5 ] If on the one hand we can state theoretically that the moon contains the forces by which the human body is formed, we must realize on the other hand that ancient religions reverenced these as the divine Father-forces which were the means of bringing man into physical existence at birth. The ancient Hebrew Initiate had a distinct consciousness of the fact that the forces leading man to earthly existence streamed to him from the moon, maintained him on earth, and were torn from him as physical man when he passed through the gates of death.
[ 6 ] Gemütvoll diese göttlichen Vaterkräfte liebend, so hinschauend auf diese Vaterkräfte, und das wiederum im Kultus, im Gebet und so weiter auslebend, das war der Inhalt gewisser alter monotheistischer Religionen. Aber konsequenter, als man denkt, waren diese alten monotheistischen Religionen. Diese Dinge werden ja in der Geschichte völlig falsch dargestellt, weil die Geschichte eben nur nach äußeren Dokumenten gehen kann, nicht nach dem, was im geistigen Schauen beobachtet werden kann.
[ 6 ] A kindly feeling of love for these Father-forces, a looking up to them in the practice of their cult by means of prayers, etc., was the content of certain ancient monotheistic religions. These ancient mono-theistic religions were more consistent than people think. Such matters are very incorrectly represented in history, because history can only go by external documents, not by what is observed with the help of spiritual vision.
[ 7 ] Solche Religionen, die hinschauten auf den Mond, auf dasjenige, was im Mond an geistigen Wesenheiten vorhanden ist, das sind ja eigentlich spätere Religionen. Die ganz ursprünglichen hatten neben dieser Anschauung vom Mond eine deutliche Anschauung von den Sonnenkräften, ja noch, was wir auch hier erwähnen müssen, von den Saturnkräften.
[ 7 ] Those religions which looked up to the moon, and to that which existed in the moon as spiritual Beings, belonged to a later period. Compared with the opinions held by them concerning the moon, those held by earlier religions concerning the Sun-forces, and even the Saturn forces, of which I shall have something to say later, were very clearly defined, but they concerned themselves principally with the Sun-forces.
[ 8 ] Da kommen wir allerdings in eine geschichtliche Betrachtung hinein, für die es keine äußeren Dokumente mehr gibt, die viele Jahrtausende vor der Begründung des Christentums zurückliegt, da kommen wir in jene Zeit hinein, die ich in meinem «Umriß einer Geheimwissenschaft» als die urindische bezeichnet habe, um eben ein Wort dafür zu haben, weil sie sich auf dem Boden des späteren Indien abspielte —, die spätere Zivilisation ist die urpersische. In diesen Zivilisationen entwickelte sich der Mensch noch ganz anders als später, und von dieser seiner Entwickelung hing dann eben sein religiöses Bekenntnis ab.
[ 8 ] With these early religions we enter an historical field of study for which external documents no longer exist, lying as they do many thousands of years earlier than the foundation of Christianity. In order to provide this age with a name I have called it in my book, “An Outline of Occult Science,” the “Old Indian,” which was followed by the “Old Persian,” age. In these civilizations human development was very different from what it became later, and religious beliefs depended upon this development.
[ 9 ] Wir Menschen entwickeln uns ja alle schon seit mehr als zwei Jahrtausenden so, daß eigentlich ein Riß in unserer irdischen Entwickelung von uns nicht bemerkt wird, wirklich nicht richtig bemerkt wird. Er ist auch kaum bemerkbar vorhanden. Was mit den Menschen so um das dreißigste Lebensjahr herum innerlich vorgeht, das bleibt ja für den heutigen Menschen zum großen Teil im Unterbewußten, im Unbewußten. Für eine Menschheit, die acht bis neun Jahrtausende vor der Begründung des Christentums lebte, war das ganz anders. Da entwickelte sich der Mensch bis etwa gegen das dreißigste Jahr hin so, daß seine Entwickelung kontinuierlich war. Aber im dreißigsten Lebensjahr trat eine mächtige Metamorphose mit dem Menschen ein. Ich möchte diese Metamorphose ganz radikal aussprechen. Es ist natürlich etwas radikal gesprochen, wie ich es jetzt tun werde; aber es bezeichnet dieses radikale Aussprechen dennoch die Tatsache, mit der man es zu tun hat.
[ 9 ] During the last two thousand years and more we have developed so that we are not aware that a split has occurred in our earthly evolution. This has hardly been noticed. What takes place in the greater part of present-day humanity, inwardly, at about their thirtieth year, has also hardly been noticed. It has remained to a great extent in the subconscious; it has not entered into man's consciousness. Conditions were very different in a humanity that lived eight or nine thousand years before the foundation of Christianity. The development of individuals was then more continuous up to about the age of thirty. With the thirtieth year a great change took place. What I have now to say about this change has naturally to be spoken of somewhat crudely, but these simple descriptions are in accordance with the facts that concern us at the moment.
[ 10 ] Es konnte in diesen älteren Zeiten das folgende passieren: Ein Mensch hatte Bekanntschaft geschlossen vor seinem dreißigsten Lebensjahr mit irgend jemandem, der viel jünger war als er, vielleicht drei, vier Jahre jünger war als er. Der machte die Metamorphose, die um das dreißigste Jahr herum lag, später durch. Es konnte geschehen, wenn sich diese Menschen längere Zeit nicht gesehen hatten, sich dann begegneten — ich spreche in heutigen Worten, dadurch nimmt es sich noch radikaler aus —, daß derjenige, der die Metamorphose im dreißigsten Lebensjahr durchgemacht hatte, von dem anderen Menschen angesprochen wurde und nicht wußte, wer das ist. So gründlich umgeändert hatte sich sein Gedächtnis.
[ 10 ] In those remote times the following might happen: A man might have contracted a friendship with someone (before his thirtieth year who was considerably younger than himself—perhaps three or four years younger. This man shortly afterwards experienced the change that took place about the age of thirty. It might happen, these two men not having seen each other for a long time, that the one who had experienced the change at his thirtieth year was spoken to by the other without his knowing who he was. His memory had been so completely changed.
[ 11 ] Und in diesen ältesten Zeiten standen Einrichtungen im Zusammenhange mit den Mysterienschulen, in denen in den kleinen Gemeinden, die damals waren, registriert wurde das Leben der jungen Leute, weil sie selber es vergaßen, weil sie selber einen mächtigen Umschwung in ihrem Leben durchmachten und lernen mußten, was sie im Erdenleben erlebt hatten bis gegen das dreißigste Jahr hin. Und dann, wenn diese Menschen gewahr wurden: ich bin ein ganz anderer geworden im dreißigsten Jahre, ich muß in die «Registratur» gehen — ein moderner Ausdruck natürlich —, um zu erfahren, was ich vorher erlebt habe — ja, es ist so! —, da wurden sie zu gleicher Zeit gewahr durch den Unterricht, den sie bekamen: vor dem dreißigsten Lebensjahr wirkten auf sie die Mondenkräfte ausschließlich; mit dem dreißigsten Lebensjahre traten die Sonnenkräfte in die Entwickelung ihres Erdenlebens ein; und die Sonnenkräfte wirken in ganz anderem Sinne auf den Menschen als die Mondenkräfte. Was kennt der heutige Mensch von den Sonnenkräften! Er kennt nur das äußerliche Physische. Er weiß, daß er — verzeihen Sie — durch die Sonnenkräfte schwitzt, daß es ihm warm wird, er weiß einiges andere, Sonnenbäder und dergleichen gibt es ja heute, er weiß also einiges Therapeutische und so weiter, aber in ganz äußerlicher Weise. Er kann gar nicht ermessen, was diejenigen Kräfte mit ihm tun, die mit der Sonne geistig verbunden sind.
[ 11 ] I have had to put this in the language of to-day, hence it may strike you as being somewhat crude. In olden times the control of certain arrangements (Einrichtungen) stood in close connection with the Mystery schools; and by these, in the small societies then existing, a register of the lives of the young people was kept, because they themselves forgot, owing to the great alteration (Umschwung) that had taken place in them, and had to be taught again what they had experienced in life before their thirtieth year. These men then knew: I have become a quite different being in my thirtieth year, I must go to “the registry” (a modern expression, of course) in order to learn what I had previously experienced. This is actually what happened! Through instructions they received, at the same time they were told: Before your thirtieth year the Moon-forces worked in you exclusively; after attaining this age the Sun-forces entered into the development of your earthly life. The Sun-forces work on man with an entirely different purport from the Moon-forces. What does present-day humanity know of the Sun-forces? Only the outer physical part. Man knows that they warm him, that they cause him to perspire; he knows besides this that people practise sun-bathing, that there is something therapeutic connected with the forces of the sun, but all this he learns in a merely external way. He has no idea what the forces that are spiritually connected with the Sun do to him.
[ 12 ] Julian der Apostat, der letzte der heidnischen Cäsaren, hatte in den Nachklängen der Mysterien noch einiges von diesen Kräften der Sonne erfahren. Und da er es wieder geltend machen wollte, wurde er auf dem Zuge nach Persien ermordet. So stark waren die Mächte, die in den ersten christlichen Jahrhunderten verschwinden machen wollten das Wissen von diesen Dingen. Es ist daher gar kein Wunder, daß eben heute ein Wissen von diesen Dingen nicht errungen werden kann. Während die Mondenkräfte dasjenige im Menschen sind, was den Menschen determiniert, was ihn mit einer inneren Notwendigkeit durchzieht, so daß er handeln muß, wie seine Instinkte, wie sein Temperament, wie seine Emotion, wie überhaupt sein ganzer physisch-ätherischer Leib ist, befreien die geistigen Sonnenkräfte den Menschen von dieser Notwendigkeit. Sie schmelzen sozusagen die Kräfte dieser Notwendigkeit in ihm, und der Mensch wird eigentlich ein freies Wesen durch die Sonnenkräfte. Das war in jenen alten Zeiten in der Entwickelung des Menschen streng voneinander geschieden. Da wurde man eben im dreißigsten Lebensjahr ein Sonnenmensch, ein freier Mensch. Man war bis zum dreißigsten Lebensjahr der Mondenmensch, der unfreie Mensch.
[ 12 ] Julian the Apostate, the last of the heathen Caesars, had experienced something of these forces in the last lingering note of the Mysteries, and just when he desired to make proof of these experiences he was murdered on his expedition into Persia; so powerful in the early Christian centuries were the forces which desired all knowledge of such things to be lost. It is therefore not to be wondered at that even to-day no knowledge concerning them can be acquired. While the Moon-forces are those which determine what man is, which permeate him with an inward necessity (Notwendigkeit), as to his actions, and determine his instincts, his temperament, his emotions and the nature of his physical-etheric body generally, the spiritual Sun-forces free him from this compulsion. They caused this necessity or compulsion to dissolve, as it were, and man became really a free being through the Sun-forces. In that ancient time to which I have referred, the difference between these two forces in human evolution was strictly defined. In his thirtieth year a man then became a Sun-man, a free man; up to his thirtieth year he was a Moon-man, and was not free.
[ 13 ] Heute schiebt sich das ineinander. Heute wirken die Sonnenkräfte schon neben den Mondenkräften im kindlichen Alter, und die Mondenkräfte wirken weiter im späteren Alter, so daß heute diese Dinge, Notwendigkeit und Freiheit, durcheinander wirken. Aber so war es ja nicht immer. In den vorgeschichtlichen Zeiten, von denen ich hier rede, war es so, daß die Mondenwirkungen und Sonnenwirkungen im Laufe des Lebens streng voneinander geschieden waren. Und daher sprach man in jenen älteren Zeiten den meisten Menschen gegenüber — denn es wurde als etwas Pathologisches, als etwas Abnormes betrachtet, wenn der Mensch diese Metamorphose, diesen Umschwung seines Lebens im dreißigsten Lebensjahr nicht erlebte —, man sprach davon, daß der Mensch nicht einmal, sondern zweimal geboren wird. Und als die menschliche Entwickelung so weiterschritt, daß diese zweite, die Sonnengeburt des Menschen — die erste nannte man die Mondengeburt — nicht mehr so bemerkbar war, da wendete man dann gewisse Übungen, gewisse Kultushandlungen, überhaupt gewisse Tatsachen auf diejenigen an, die eingeweiht wurden in den Mysterien. Die machten dann dasjenige durch, was für die allgemeine Menschheit nicht mehr da war. Und sie waren die Zweimal-Geborenen.
[ 13 ] To-day these two conditions slide one into the other. To-day the Sun-forces work along with the Moon-forces even in childhood, and the Moon-forces continue to work on into later years; so that to-day these two things, compulsion or necessity and freedom, work one into the other. This was not always the case. In the early pre-historic times of which we are speaking the action of the sun and that of the moon were absolutely distinct in the course of a man's life. This is why it was said at that time concerning the greater part of humanity: a man was born not once but twice. For it was held to be abnormal, something pathological, if a man did not experience this great change of life in his thirtieth year. It came about in the course of human evolution that the second of these births—they were spoken of as the Moon-birth and the Sun-birth—that the Sun-birth was no longer so noticeable in man, and certain ceremonies were carried out, certain exercises and actions were performed on those who desired initiation into the Mysteries. Such persons then experienced, in the Mysteries, what could be no longer experienced generally by men, and they became the “twice-born.”
[ 14 ] Wenn man heute den Ausdruck «Zweimal-Geborene» in orientalischen Schriften findet, so ist dieser Ausdruck eben schon ein abgeleiteter. Im Grunde genommen möchte ich wirklich jeden Orientalisten, jeden Sanskritisten fragen — ich glaube, es ist ja auch unser Freund Professor Beckh in unserer Mitte, Sie können ihn fragen, ob die Dinge so sind, auch nach seinen fachlichen Studien —, man kann jeden Sanskritisten fragen, ob aus der heutigen orientalischen Wissenschaft mit klipp und klaren Worten hervorgeholt werden kann, was der Ausdruck «Zweimal-Geborene» seiner Substanz nach bedeute. Gewiß, formale Erklärungen sind massenhaft da, aber was er seiner Substanz nach bedeutet, das weiß man nicht; das können nur diejenigen wissen, welche wissen, daß er auf eine Realität zurückgeht, die ich jetzt eben auseinandergesetzt habe. In diesen Dingen spricht schon einmal die geistige Beobachtung. Und wenn dann die geistige Beobachtung gesprochen hat, dann möchte ich jeden, der das, was nach den Dokumenten vorliegt, was man an äußerer Wissenschaft aufbringen kann, fragen, wenn er unbefangen mit der äußeren Wissenschaft zu Werke geht, ob diese äußere Wissenschaft nicht Stück für Stück dann die geisteswissenschaftlichen Forschungen bestätigt. Das wird sie tun, wenn die Dinge nur im rechten Lichte gesehen werden. Aber es muß auf gewisse Dinge aufmerksam gemacht werden, die jeder Dokumenten-Wissenschaft vorangehen. Denn mit Dokumenten-Wissenschaft versteht man das Leben des Menschen eben nicht.
[ 14 ] When this expression “twice-born” is found in Oriental literature to-day it is misleading. Any Oriental scholar, any Sanskrit expert, might be asked—I think Professor Beckh is present here and you can ask him—if it is not the case that, as a matter of fact, no Oriental science can clearly and distinctly put before you, in a few words, what the content of the expression “twice-born” really is. Formal explanations there certainly are in plenty, but what it means in substance no one knows. Only those who are aware that it reaches back to a reality know the reality I have just explained to you. In such things spiritual observation alone can speak. And when once it has spoken, I would like to ask all those who hold with what can be learned from documents, with everything external science can discover—I would like to ask, taking for granted that science has gone to work in an unprejudiced manner, if this science does not corroborate in every particular the investigations made by spiritual science? Your attention must, however, be directed to certain things which take precedence of all documentary science; for the understanding of life, of man, cannot be gained by a science of documents.
[ 15 ] So blicken wir auf eine ältere Zeit zurück, in der gesprochen wurde von der Mondengeburt des Menschen als der Menschenschöpfung durch den Vater. Bezüglich der Sonnengeburt war man sich klar darüber, daß in den geistigen Sonnenstrahlen wirkt die Kraft des Christus, des Sohnes, und diese Kraft ist die den Menschen befreiende. Denn denken Sie, was bewirkt diese Kraft, die Sonnenkraft? Die Sonnenkraft bewirkt, daß wir als Menschen überhaupt auf der Erde etwas aus uns machen können. Wir würden streng determiniert in eine unabänderliche, nicht Schicksalsnotwendigkeit, sondern Naturnotwendigkeit hineingestellt sein, wenn die befreienden Sonnenkräfte, die die Notwendigkeit zerschmelzenden Impulse, nicht an uns herantreten würden.
[ 15 ] Let us turn our gaze back to a very far-off age when people spoke of the Moon-birth of man as creation through the Father. With regard to the Sun-birth, people were quite clear that in the spiritual Sunlight the power of Christ, the Son, was active, and that this was the power that freed people. Consider for a moment what this force, this Sun-force, does. It is the force that enables us as men on earth to make something out of ourselves. We would have been strictly confined within an unchangeable, natural—not fateful—necessity, if the liberating Sun-forces had not by their influence dissolved this necessity.
[ 16 ] Das wußte der Mensch der älteren Weltanschauungen, wenn er zur Sonne hinaufschaute: Dieses Auge der Welt, aus dem die Kraft des Christus hervorstrahlt, dieses Auge der Welt macht, daß ich nicht jener ehernen Notwendigkeit unterworfen bleiben muß, mit der ich aus den Mondenkräften herausgeboren bin, mein ganzes Leben hindurch ein in Notwendigkeit sich entwickelnder Mensch. Diese Sonnenkräfte, diese Christus-Kräfte, welche durch das kosmische Sonnenauge herunterschauen, diese Christus-Kräfte machen es, daß ich während meines Erdenlebens durch meine innere Freiheit etwas aus mir machen kann, was ich nicht gewesen bin durch die Mondenkräfte, da ich ins Erdenleben hereingestellt worden bin.
[ 16 ] This fact was known to those who held the more ancient opinions concerning the world. They looked up to the sun and said: This eye of the world, from which the power of Christ streams forth, is the cause of my not having to remain always under that brazen necessity with which I was born from out of the forces of the moon, as a man whose whole life had to evolve under compulsion. It is the Christ-force looking down on me through that cosmic Sun-eye that enables me through my inner freedom to make something of myself during my life on earth, something I could not have been, through the Moon-forces which placed me here.
[ 17 ] Dieses Bewußtsein des Menschen, daß er sich umgestalten kann, daß er aus sich etwas machen kann, das ist es, was man in den Sonnenkräften sah.
[ 17 ] This consciousness that he could transform himself, could make something out of himself, is what men saw in the forces of the Sun.
[ 18 ] Ich möchte zur Ergänzung, gewissermaßen nur in Parenthese, anmerken, daß dann zum dritten hingeschaut wurde auf die Saturnkräfte. In den Saturnkräften wurde alles dasjenige gesehen, was den Menschen erhält, wenn er durch die Pforte des Todes geht, also die dritte irdische Metamorphose durchmacht.
[ 18 ] I would like to add here, but only by way of parenthesis, that Saturn was also looked up to as a third source of birth. In the Saturn forces these men saw all that preserved them when they passed through the gate of death: the third earthly metamorphosis.
Geburt: Mondengeburt,
zweite Geburt: Sonnengeburt,
dritte Geburt: Saturngeburt, Tod, irdischer Tod.
Birth on earth, meaning birth through the Moon; the second birth, meaning birth through the Sun; the third birth, meaning Saturn birth or earthly death.
[ 19 ] Da wird er erhalten durch die für damals am äußersten Ende des Planetensystems der Erde waltenden Saturnkräfte. Die halten ihn aufrecht, die tragen ihn hinaus in die geistige Welt, die machen aus seiner Wesenheit einen Zusammenhang, wenn die dritte Metamorphose eintritt. Das war durchaus in einer älteren Zeit Weltanschauung.
[ 19 ] Man was here upheld by the mighty forces of Saturn, forces then holding sway at the extreme limit of the planetary system of the earth. These forces preserved him, bore him out into the spiritual world, and provided a connecting link for his being, when the third metamorphosis took place. This was absolutely the mental outlook of the men of those ancient times.
[ 20 ] Aber die Menschheit entwickelt sich eben. So trat eine Zeit ein, in der nur noch in den Mysterien bekannt war, wie die Sonnenkräfte auf den Menschen wirken. Am längsten erhielten sich die Kenntnisse über die Sonnenkräfte in den medizinischen Abteilungen der Mysterien, weil gerade diejenigen Kräfte, die dem Menschen in seiner gewöhnlichen Entwickelung die Freiheit geben, die Möglichkeit geben, aus sich etwas zu machen, weil diese Sonnenkräfte, die Christus-Kräfte, zu gleicher Zeit in vieler Beziehung in gewissen Pflanzen auf der Erde wieder leben, auch in anderen Erdenwesenheiten, Erdendingen leben, und dann in diesen Erdendingen Heilmittel darstellen. Aber es ist im allgemeinen der Menschheit gerade der Zusammenhang mit der Sonne verlorengegangen. Während noch lange das Bewußtsein vorhanden geblieben ist: der Mensch hängt von den Monden-, von den Vaterkräften ab, ging viel früher das Bewußtsein der Abhängigkeit von den Sonnenkräften — eigentlich der Befreiung, müßte man sagen, durch die Sonnenkräfte verloren. Und was wir heute Naturkräfte nennen, wovon wir fast einzig und allein im Weltanschauungsleben sprechen, das sind ja nur die ganz und gar abstrakt gemachten Mondenkräfte.
[ 20 ] But human evolution goes on. A time arrived when it was no longer known in the Mysteries how the Sun-forces affected mankind. Knowledge concerning these forces was preserved longest among the medical workers in the Mysteries. For the forces which in his ordinary development give man freedom, and the possibility of making something out of himself—the Sun- or Christ-forces—live also under various conditions in certain plants and in other earthly beings and things, and reveal in these earthly things properties of healing. Generally speaking, all sense of their connection with the sun was lost to humanity; and while for a considerable time the consciousness still remained that man is dependent on the Moon-forces, or Father-forces, all consciousness of his dependence—or rather his liberation by means of the Sun-forces—had long been lost. What to-day we call Nature-forces, almost the only ones we do speak of when discussing our conceptions of the world, are but Moon-forces that have become entirely abstract.
[ 21 ] Aber die Sonnenkräfte, sie hat noch erkannt und sich darnach richten können eben der Träger des Christus, Jesus von Nazareth. Und er mußte sie kennen aus dem Grunde, weil er ja dazu bestimmt war, diese Sonnenkräfte, die man in den alten Mysterien nur durch die Aufschau zur Sonne erreichen konnte, in ihrem Herunterströmen auf die Erde in den eigenen Leib aufzunehmen. Das habe ich ja gestern auseinandergesetzt. Das Wesentliche der Christologie bei der Begründung des Christentums war eben dieses, daß in dem dreißigsten Lebensjahre in dem Leibe des Jesus von Nazareth sich eine Umwandlung vollzogen hat, jene Umwandlung, die in Urzeiten in allen Menschen sich vollzogen hat, nur daß sozusagen in alle Menschen damals der Schein der geistigen Sonne eingezogen ist, während jetzt das Urwesen der Sonne, der Christus selbst, heruntergestiegen ist in die menschliche Entwickelung und Wohnung genommen hat in dem Leibe des Jesus von Nazareth. Das ist eben dasjenige, was dem Mysterium von Golgatha als ein Urereignis des ganzen Erdenlebens zugrunde liegt.
[ 21 ] But the Sun-forces were still known to One, even Jesus of Nazareth, the bearer of the Christ, who lived His life in accordance with them. He knew them because he was ordained to receive these forces into his own body as they streamed to earth from the sun—forces which men had only been able to come in touch with in the Ancient Mysteries when they looked up to the sun. This I explained in the last lecture. What was of greatest importance was this, that in the thirtieth year of His life a change took place in the body of Jesus of Nazareth similar to that change which in primeval times took place in everyone, only it was but the reflection (Schein), as it were, of the Spiritual sun that shone into these men, while now the original Lord of the Sun, the Christ himself, came down into human evolution and took up His abode in the body of Jesus of Nazareth. This fact lies behind the Mystery of Golgotha as the supremest event (Urergebnis) affecting all earthly life.
[ 22 ] Den vollen Zusammenhang dieser Dinge wird man erblicken, wenn man jetzt hinschaut auf die Art, wie in älteren Mysterien, ich möchte sagen, das damals ganz menschlich vorhandene Osterfest denn es war ja das Osterfest die Initiation, die Einweihung — eigentlich vollzogen worden ist. Die Einweihung ging zunächst durch drei Stufen. Aber das erste Erfordernis, um zur wirklichen Erkenntnis, zur Initiation zu kommen, war ja das, daß der Mensch durch alles, was von seiten der Mysterien an ihn herangebracht wurde, so bescheiden gemacht worden ist, daß sich heute eigentlich niemand eine Vorstellung von dieser inneren Bescheidenheit machen kann. Heute glauben die Menschen schon, daß sie in bezug auf die Erkenntnisse ungeheuer bescheiden seien, während sie für den, der die Dinge durchschaut, noch von einem wahren Hochmut besessen sind.
[ 22 ] You will realise the full connection of these things when we now consider how the festival of Easter, which in those days was an entirely human concern, was actually carried out in the Ancient Mysteries—the Festival of Easter was, in fact, an initiation. The ceremony progressed through three stages. The first requirement, before the neophyte could attain true knowledge, before he could be initiated, was that through all that came to him from the side of the Mysteries he should be made so humble that people to-day can hardly form an idea of this deep, inner humility. People imagine to-day that they have the appearance, as regards knowledge, of being exceedingly modest, while for those who can see into the matter they are really possessed by pride.
[ 23 ] Vor allen Dingen mußte das über den Menschen beim Ausgangspunkte der Einweihung kommen, daß er sich gar nicht für einen Menschen hielt, daß er sagte: Ich muß erst ein Mensch werden! Heute kann man ja das dem Menschen nicht zumuten, daß er in irgendeinem Zeitpunkte seines Lebens sich für keinen Menschen hält.
[ 23 ] When about to enter upon initiation a man has, in the first place, to feel convinced that he cannot consider himself to be a man at all, but says rather: I have first to become a man! It cannot be said of people to-day that at any point in their lives they consider themselves not to be men.
[ 24 ] Aber das war die allererste Anforderung, sich wirklich für keinen Menschen zu halten und das folgende sich zu sagen: Gewiß, ich war ein Mensch, bevor ich in einen irdischen Leib heruntergestiegen bin; ich war im vorirdischen Dasein ein Mensch geistig-seelisch. — Da ist das Geistig-Seelische in den physischen Leib eingezogen, den es von der Mutter her, von den Eltern her bekommen hat. Da hat es sich nicht umkleidet, das ist ein falscher Ausdruck —, aber durchdrungen mit diesem physischen Leibe. Von der Art und Weise, wie das Geistig-Seelische nun im Laufe einer längeren Zeit durchsetzt das Physische, durchsetzt das Nerven-Sinnessystem, durchsetzt das rhythmische System, durchsetzt das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, von dem haben ja die Menschen kein Bewußtsein. Sie werden gewahr, sie sehen aus ihren Sinnen heraus, sehen die physische Umwelt. Aber was kann denn der Mensch, wenn er nun wirklich dazu gekommen ist, daß er mit seinem Geistig-Seelischen seinen physischen Leib so weit durchdrungen hat, daß er sich nun für einen ganz entwickelten, voll entwickelten erwachsenen Menschen hält? Was kann er dann? Er kann ja nur aus seinen Augen herausschauen, aus seinen Ohren heraushören, mit der Haut heraus wahrnehmen Wärme und Kälte, Rauheit und Glätte: er kann ja nur heraus wahrnehmen, er kann nicht herein wahrnehmen. Er kann durch die Augen nicht in sich hineinschauen, kann höchstens den physischen Leichnam schinden und dann glauben, daß er in sich hineinschaut. Aber da schaut er nicht in Wirklichkeit hinein. Es ist ja kindisch, das zu glauben.
[ 24 ] But this was the first demand made on them, that they should hold themselves not to be men and should address themselves as follows: I certainly was a man before I came down into an earthly body; in pre-earthly existence I was a man of soul and spirit. The Soul-Spirit then entered a physical body, which it had received from its parents. It, then, not clothed itself with the physical body—that would be to express it incorrectly—but it permeated itself with this physical body (durchdrungen mit diesem physischen Leibe). Men have really no idea of the manner and means by which the Soul-Spirit, in the course of long ages (das Geistig-Seelische durchsetzt das Physische), permeates the physical, permeates the nerves and sense-system, permeates the rhythmic-system, the digestive-system, and the limbs of man. They have no idea of this. They know very well that they are able to perceive the physical world by means of their senses. But what is a man capable of when he has reached the point where he has permeated his physical body so profoundly with his soul and spirit nature that he considers his development to be complete, when he is a fully evolved, fully developed man. ... What is he then capable of? At present he can certainly see external objects, he can hear external sounds, perceive through his skin things warm or cold, smooth or rough: he can perceive things outwardly; but he cannot perceive inwardly. He cannot look into himself with his eyes; he can at most remove the skin from a dead body and think that he sees into it, but he does not do so really.
[ 25 ] Wenn ich hier ein Haus vor mir habe: das hat Fenster, aber ich schaue nicht hinein, sonder ich nehme, wenn ich stark genug dazu bin, alle möglichen Instrumente und zerschlage das Haus — dann habe ich die einzelnen Ziegel vor mir liegen, und nur diesen Haufen schaue ich mir dann an. So macht man es ja heute. Man zerschindet, man zerstückelt den Menschen, um ihn kennenzulernen, aber da lernt man ihn nicht kennen. Es ist gar nicht der Mensch, den man da kennenlernt. Will man den Menschen kennenlernen, so muß man so, wie man heute aus den Augen herausschaut, nun wieder zurück durch die Augen hineinschauen können, durch die Ohren wiederum zurück hineinhören können. Das alles zusammen — Augen, Ohren, die ganze Haut als Tast- und Wärme-Organ, Geruchsorgan und so weiter —, das nannte man in den alten Mysterien das Tor zum Menschen, die Pforte zum Menschen. Und davon ging überhaupt die Initiation aus, daß irgend jemand klar wurde darüber: Er weiß ja gar nichts vom Menschen; also kann er, da er kein Selbstbewußtsein vom Menschen hat, auch kein Mensch sein. Er muß erst lernen, durch die Sinne hineinzuschauen, wie er sonst nur hinausschaut.
[ 25 ] It is childish to think, for instance, here before me is a house, it has windows but I cannot see through them, so I will take all kinds of instruments, and, if I am strong enough, smash the house down, but then I will have only a heap of broken bricks before me, and these ruins are all I see. This is what people do to-day. They flay, they dissect people, in order to learn about them; but by such means they learn nothing. It is not the man at all they learn to know by such methods. If it is desired really to know something of man, you must be able to turn your eyes inwards and view him exactly as we view him to-day when we direct our eyes to him outwardly, and in the same way you must hear inwardly with your ears. All these activities taken together—those of the eyes, the ears, the whole skin as organ of touch, the organs of smell, etc., all these were called in the Mysteries the door to man (das Tor zum Menschen). Initiation depended principally upon a person becoming aware that he knew nothing at all of human nature (vom Menschen); therefore, as he had no self-consciousness of human nature, he could not be a man. He had first to learn to look inward through his senses as ordinarily he looked outward.
[ 26 ] Das war die erste Stufe der Einweihung in älteren Mysterien. Und in dem Augenblicke, wo der Mensch lernte dieses Hineinschauen, in dem Augenblicke erlebte er sich auch im vorirdischen Dasein. Denn da wußte er: Ich bin in meinem Geistig-Seelischen.
[ 26 ] This was the first stage or degree of initiation in the ancient Mysteries. As soon as the pupil learnt to look thus inwards, in that same moment he became conscious of his pre-earthly existence. At that moment he knew: I am now “in my soul and spirit.”


[ 27 ] Schematisch gezeichnet: Der Mensch schaute also heraus (gelbe Striche nach außen). Statt dessen lernte er hineinschauen (roter Pfeil nach innen). Aber in diesem Hineinschauen wurde er gewahr desjenigen, was eingezogen ist in den Menschen als das vorirdische Dasein (grün), was hineingezogen ist durch Auge, Ohr, Haut und so weiter. Da wurde der Mensch dessen gewahr: Da hatte er sein vor irdisches Dasein. Und jetzt wurde ihm gesagt, nun erst würde er kennenlernen dasjenige, was wir heute Naturwissenschaft nennen würden. Wenn wir heute Naturwissenschaft lernen, wie tun wir das? Wir tun es so, daß wir dazu geführt werden, die Dinge der Natur anzuschauen, zu beschreiben und so weiter. Aber das ist ja so, wie wenn ich einen Menschen lange gekannt hätte, ich ihn wiedersehen soll, und jemand würde mir auferlegen: Du mußt aber alles vergessen, was du mit diesem Menschen gemeinschaftlich gehabt hast, wenn du ihn jetzt wiedersiehst; du darfst dich an gar nichts erinnern, was du mit ihm gemeinschaftlich gehabt hast. — Denken Sie — das ist gar nicht auszudenken —, wenn das zum Beispiel Eheleuten auferlegt würde, daß sie, wenn sie sich irgendeinmal nach längerer Zeit wiederum sehen, alles vergessen, was sie irgendwie miteinander durchgemacht haben! Ja, ich kann mir schon denken, daß es zuweilen auch angenehm sein dürfte; aber das Leben könnte unter solchen Voraussetzungen nicht bestehen. Das aber wird dem modernen Menschen einfach durch die Zivilisationsordnung auferlegt. Denn der Mensch hat die Reiche der Natur kennengelernt, kennengelernt von ihrer geistigen Seite, bevor er heruntergestiegen ist auf die Erde. Während man heute den Menschen dazu anleitet, all das zu vergessen, was er, bevor er heruntergestiegen ist, gelernt hat über Mineralien, über Pflanzen, über Tiere, machte man den alten Eingeweihten in dem sogenannten ersten Mysteriengrad darauf aufmerksam: Du siehst jetzt den Quarz. — Und nun tat man alles, damit er sich erinnere, was er, bevor er heruntergestiegen war, vom Quarz wußte oder was er von der Lilie oder von der Rose wußte. Wiedererkennen war dasjenige, was als Naturwissen beigebracht wurde. Und hatte jemand so Naturlehre gelernt als ein Wiedererkennen dessen, was er angeschaut hatte, bevor er ins irdische Leben heruntergestiegen war, dann wurde er aufgenommen in den zweiten Grad.
[ 27 ] The ordinary man looks outwards; instead of this the pupil of the Mysteries learnt to look inwards. In this inward gazing he became aware of what had entered into him in his pre-earthly existence, what had passed into him through his eyes, his ears, his skin, and so on. He was aware of these things, and through this was also aware of his pre-earthly existence. At this stage he was told that he would learn to know what we call natural science. When we study natural science to-day, how do we do it? We are led to observe the things of Nature, to describe them, and so on. But this is much the same as if I were to meet a man again whom I had known long ago, and someone were to insist: You have to forget everything you did in company with this man; on seeing him again you are not to recall the intercourse you had with him. It is unbelievable that responsible people would do such a thing as this! I can indeed believe that occasionally this might be agreeable.... but under such conditions life could not go on. But this is imposed on the man to-day simply through the laws of civilization. For he knew the kingdoms of Nature; he knew them from their spiritual side before he came down to earth. To-day he is told to forget all that he knew of the mineral, plant, and animal world before he came down to earth, whereas the ancient Initiates taught him about them in what was called the first stage of the Mysteries. The Initiate said: Look at this piece of quartz. ... And then he did everything he could that might enable the pupil to recall what he had known about quartz before he came down to earth, what he had known, say, of the lily, the rose, etc. What was thus imparted as knowledge of Nature was a remembrance, a re-cognition (wieder erkennen). And anyone who had learnt the teaching regarding Nature as a remembrance of what he had seen before he descended into earthly life was received into the second degree.
[ 28 ] Im zweiten Grad lernte man Musik, das, was dazumal Architektur war, was dazumal Geometrie war, Meßkunde und so weiter. Denn was enthielt dieser zweite Grad? Dieser zweite Grad enthielt alles das, was der Mensch dann wahrnimmt, wenn er nun nicht bloß durch die Augen hineinschaut in sich, durch die Ohren hineinhört, sondern wenn er wirklich nun in sich hineinsteigt. Dann sagte man dem Einzuweihenden: Du kommst in die menschliche Tempelgrotte. Diese menschliche Tempelgrotte lernte er kennen. Sie war dasjenige, was physisch durchdrungen wurde von den geistig-seelischen Kräften, aus denen der Mensch bestand, bevor er zum Erdenleben heruntergestiegen war. Da drang er in sich selber nun ein. Drei Kammern hat diese Tempelgrotte, sagte man ihm. Die eine Kammer war die Kammer des Denkens: da lernte man erkennen alles das — ja, wenn man es von außen anschaut, ist es der Kopf. Der ist klein. Wenn man hineinsteigt und ihn von innen anschaut, dann ist er so groß wie die Welt, und dann lernt man sein Geistiges kennen. Das war die erste Kammer, die zweite Kammer war diejenige, wo man das Fühlen kennenlernte. Die dritte Kammer war diejenige, wo man das Wollen kennenlernte. Und da lernte man erkennen, wie der Mensch organisiert ist seinen Denk-, Fühl- und Willensorganen nach, da lernte man erkennen das, was auf Erden Geltung hat.
[ 28 ] In the second degree the pupil learnt Music, which at that time was Architecture, Geometry, Surveying, etc. For in what did this second degree of initiation consist? It comprised all that a man perceived when he not only looked inwards into himself with his eyes, or listened inwardly with his ears, but when he actually entered into himself (in sich hineinsteigt). The neophyte seeking initiation then said to himself: Thou enterest now into the grotto of the human temple (Tempelgrotte). He now learnt to know this grotto of the human temple. This was that physical part of him which was permeated by the soul and spiritual forces which were man before he came down into earthly life. Into this he now entered. He was told that this hidden place had three chambers. The first was the chamber of Thought; there he learnt all that was connected with this. ... Verily seen from outside the head is small.... when a man enters and sees it from within it is as vast as the whole universe. Here he learnt to know his spiritual nature. This was the first chamber. The second chamber was that in which he learnt to know Feeling. The third chamber was where he learnt to know Will.
[ 29 ] Naturwissen hat nicht bloß auf Erden Geltung. Naturwissen erwirbt man schon, bevor man auf die Erde heruntersteigt. Hier soll man sich daran erinnern. Häuser werden nicht gebaut drüben in der geistigen Welt wie mit der Erdenarchitektur. Musik ist drüben, aber geistiges Melos. Was irdische Musik ist, das ist herunterprojiziert in die irdische Luft; sie ist eine Projektion der himmlischen Musik, aber wie sie der Mensch erlebt, ist sie irdisch. Ebenso ist es, wenn wir auf der Erde messen. Wir messen den Erdenraum; Meßkunst, Geometrie ist Erdenwissenschaft. Das war wichtig für den im zweiten Grad zu Initiierenden, überhaupt aufmerksam darauf gemacht zu werden, daß ja alles Reden von Erkennen mit bloßen Erdenmitteln, wenn es sich nicht auf die Geometrie, Architektur und Meßkunde bezieht, Unsinn ist. Daß eine wirkliche Naturkunde das wiedererinnerte vorirdische Wissen sein muß, das lernte er erkennen. Und daß für die Erde eben Geometrie, Architektur, Musik, Meßkunde die Wissenschaften sind, die hier gelernt werden können. Da also stieg der Mensch in sich selber hinunter, lernte den dreikammerigen Weltmenschen kennen gegenüber der einen Erdenorganisation, die man sonst kennt, wenn man, ohne in den Menschen hineinzusteigen, den Menschen von außen kennenlernt.
[ 29 ] He then learnt how a man is organised according to his instruments of thought, feeling, and will; he learnt what was of value on earth. Knowledge of Nature was not only of value on earth; man had already acquired knowledge of Nature before he came down to earth. But here we must remember that houses are not built above in the spiritual world as they are here with the help of earthly architecture. Over there, there is music, but it is spiritual Melos. Earthly music is something projected into earthly air; it is a projection of heavenly music, but as experienced by men it is earthly. It is the same when we measure things here on earth. We measure earthly space; the art of measuring, geometry, or surveying is an earthly science. It was important that those seeking initiation in the second degree should be made to realize that all talk of knowledge gained by mere earthly means, unless connected with geometry, architecture, or the art of surveying, is illusory; that true natural science is a recollection of pre-earthly knowledge; and that geometry, architecture, music, and the science of measuring are sciences that have to be learnt here on earth. Thus in the second degree of initiation a man descended into his own self and learnt to know the men of the three chambers in respect of the single earthly incarnation, as he would otherwise learn to know them from outside, without descending into their inner being.
[ 30 ] Und im dritten Grad lernte man den Menschen kennen, wenn er nun nicht bloß in sich untertaucht, sich als Geistiges erkennen lernt, sondern wenn dieses Geistige noch den Leib kennenlernt. Daher war dieser dritte Grad in allen alten Mysterien der, den man nennen mußte die Pforte des Todes. Da wurde der Mensch gewahr, wie man ist, wenn man den Erdenleib abgelegt hat. Nur besteht ein Unterschied zwischen diesem wirklichen Sterben und dem Eingeweihtensterben. Warum dieser Unterschied bestehen muß, werde ich noch in den nächsten Vorträgen auseinandersetzen; jetzt will ich nur die Tatsachen hervorheben.
[ 30 ] In the third degree the pupil learnt to know men, not simply by sinking down into himself (wenn er nun nicht bloss in sich untertaucht), by getting to know himself as spiritual being, but when this spiritual part of him learnt further to know the body. Therefore in all the Ancient Mysteries this degree was known as the gate of death. Here he learnt how it is with a man when he lays aside his earthly body; only there is a difference between actual death and that experienced during initiation. Why this must be I will explain in the next lecture; at present I only mentioned the fact.
[ 31 ] Wenn man wirklich stirbt, legt man seinen physischen Leib ab. Man ist nicht mehr an ihn gebunden und folgt nicht mehr den irdischen Kräften, man ist befreit von ihnen. Wenn man aber noch gebunden ist an seinen physischen Leib, wie es bei der Initiation in alten Zeiten der Fall war, dann muß man das, was man im Tode von selber hat, dieses Freisein vom Leibe, durch innere Kraft erringen, man muß sich für eine gewisse Zeit frei halten. Das war für die Initiation notwendig, diese starken inneren Seelenkräfte zu erringen, durch die man sich in der Seele frei halten konnte von dem physischen Leib. Und diese Kräfte, die einem also die Macht gaben, sich frei zu halten vom irdischen Leib, diese Kräfte, die gaben einem höhere Erkenntnis in bezug auf das, was man durch die Sinne niemals sehen kann, durch den Verstand niemals denken kann. Sie versetzen einen als Mensch in die geistige Welt, wie man durch seinen physischen Leib als Mensch in die physische Welt versetzt ist. Aber dann war man ja so weit, daß man sich als geistig-seelischer Mensch, als Initiierter, schon während des Erdendaseins erkannte. Von da ab war die Erde ein außer dem Menschen befindlicher Stern für den Initiierten, und er konnte vor allen Dingen in den älteren Mysterien mit der Sonne leben statt mit der Erde. Er wußte, was er von der Sonne hatte, wie die Sonnenkräfte in ihm wirkten.
[ 31 ] When man really dies he lays aside his physical body. He is no longer bound to it, nor does he follow any longer the forces of the earth, having been freed from them. But while still bound to his physical body, as was the case in olden times at initiation, he had to attain liberation from the body (which at death comes of itself), and had to maintain it for a certain time through his own inner power. The attainment of those strong powers by which a man is able to maintain his soul in freedom, apart from the body, was necessary to initiation. It is these that give him a higher knowledge concerning the things he can never perceive through his senses, never think through his understanding. They place him as man in the spiritual world as the physical body places him as man in the physical world. He had then advanced so far as to be able to realize what he was as man of soul and spirit, to know that he had been initiated while still in earthly life. From this time onwards the earth for the Initiate was as a star existing outside humanity (Von da ab war die Erde ein ausser dem Menschen befindlicher Stern für den Initiierten), and in the ancient Mysteries he had before all else to learn to live with the sun instead of with the earth. He knew what he had received from the sun, and how the Sun-forces worked in him.
[ 32 ] Aus diesem dritten Grad, den ich eben beschrieben habe, folgte dann der vierte. Dieser vierte Grad wirkte etwa in der folgenden Art auf die Einzuweihenden. Wenn man auf der Erde ißt, weiß man, man ißt Kohl, Wildbret, man trinkt alles mögliche: man weiß, das ist jetzt draußen, das ist dann drinnen. Man atmet Luft: die ist erst draußen, dann drinnen, dann wieder draußen. Man steht mit den Erdenkräften so in Verbindung, daß man die Erdenkräfte und Substanzen, die sonst draußen sind, in sich trägt. Du bist, ehe du eingeweiht bist — so machte man dem alten zu Initiierenden klar — ein Erdenträger, ein Kohlträger, ein Wildbretträger, ein Schweinefleischträger und so weiter. Wenn du aber im dritten Grad eingeweiht warst und nun dasjenige dir übermittelt wird, was dir übermittelt werden kann, wenn du frei geworden bist vom Leibe, dann wirst du nicht sein ein Kohlträger, ein Schweinefleischträger, ein Kalbfleischträger, sondern dann wirst du sein ein Träger dessen, was dir die Sonnenkräfte geben. — Und das, was geistig die Sonnenkräfte geben, das nannte man überall in den Mysterien Christos. Daher wurde derjenige, der über die drei Grade hinausgekommen war und sich nun ebenso, wie er sich auf der Erde fühlen konnte als Kohlträger, sich fühlen konnte als ein Träger der Sonnenkräfte, er wurde ein Christophor, ein Christophorus genannt. Das war in den meisten alten Mysterien die Bezeichnung für den, der nun im vierten Grade war.
[ 32 ] This third degree that I have just described was followed by a fourth. It affected the man seeking initiation in the following way: When on earth a person eats vegetables or game, when he drinks various things, he knows that such things were outside him and that now they are within him. He breathes the air; at first it is outside, then within him, then outside again. He is so closely bound up with the forces of the earth that he bears within him earthly substances and forces which otherwise were outside him. It was clearly explained to those seeking initiation in ancient times: Before initiation thou art a bearer of Earth, of vegetables, game, pork, etc. But when once initiated in the third degree, and when all those things have been imparted to thee that can be imparted to one who is free of the body, thou art no longer a bearer (träger) of cabbage, pork, or veal, but thou then dost become a bearer of those things which the Sun-forces give to thee. That which the Sun-forces give spiritually was called, in all the Mysteries, Christos. Therefore, he who had surmounted the first three degrees of initiation—though on earth he might feel himself to be a bearer of cabbages—knew that he was a bearer of the Sun-forces and that he was called a Christophoros. In nearly all the Ancient Mysteries this was the name for those who had entered the fourth degree.
[ 33 ] Im dritten Grade mußte man gewisse Dinge begreifen. Vor allen Dingen mußte man in diesem dritten Grade begreifen, daß die Begierde nach dem physischen Leib aufhören muß für die Momente der Erkenntnis, daß eine klare Anschauung darüber da sein muß, daß der Mensch seinem physischen Leibe nach der Erde angehört, aber eigentlich die Erde nur zum Zerstören dieses physischen Leibes hat, nicht zum Aufbauen. Jetzt lernte er erkennen die aufbauenden Kräfte, die aus dem Kosmos stammen. Nun aber lernte er noch etwas kennen. Er lernte kennen, gerade wenn er ein Christophor wurde, daß auch in den Stoffen der Erde geistige Kräfte wirken, die nur nicht sichtbar sind für das irdische Anschauen. Und hätte man in den heutigen Worten zu dem Menschen der damaligen Zeit gesprochen — dem Sinne nach wurde schon zu ihm so gesprochen, aber ich kann Ihnen die Dinge nur mit den heutigen Worten sagen, nicht mit den damaligen —, ihm wäre folgendes klargemacht: Willst du die Stoffeslehre kennen, wie sich die Stoffe verbinden und voneinander trennen, so mußt du auf die geistigen Kräfte, die vom Kosmischen die Stoffe durchdringen, hinschauen. Das kannst du gar nicht, wenn du uneingeweiht bist. Du mußt im vierten Grad eingeweiht sein. Du mußt mit den Kräften des Sonnenseins schauen können, dann kannst du Chemie studieren.
[ 33 ] In the third degree certain things had to be grasped; the Neophyte had principally to realize that, in moments of knowledge, desire according to the physical body must cease, that as regards his physical body he belonged to the earth, but that really the earth has only to do with the destruction of his physical body, not with its construction. If the man of those former ages had been addressed in the words of to-day, he would have had things explained somewhat as follows (the sense would certainly have been made clear to him, but to you I can only say these things in the language of to-day, not in that of those former times): If you would know the teaching concerning substances, how these unite and separate, you must look up to the spiritual forces that from out the cosmos permeate all substance. This you cannot do unless initiated. For this you must have been initiated in the fourth degree. You must be able to perceive with the forces appertaining to Sun-existence; you can then study chemistry.
[ 34 ] Nun denken Sie sich, wenn man heute einem Pharmazeuten oder einem Chemiker, der Doktor werden will, die Verpflichtung auferlegen würde, er solle erst sich den Kräften der Sonne gegenüber so fühlen, wie er sich dem Kohl der Erde gegenüber fühlt: denken Sie, wie wahnsinnig dies schiene! Aber das waren ja Realitäten. Und dies wurde den Menschen klar: Mit all den Kräften, die im Leibe leben und deren man sich im gewöhnlichen Erkennen bedient, kann man nur Geometrie, Meßkunde, Musik und Architektur studieren. Man kann nicht Chemie studieren mit diesen Kräften. Wenn man heute Chemie studiert, so redet man eben äußerlich. Aber so ist es: Alles Reden von Chemie von der Zeit ab, wo die alte Initiationsweisheit verlorengegangen ist, ist ja ganz äußerlich. Es ist für den, der wirklich erkennen will, sogar zum Verzweifeln, die heutige offizielle Chemie kennen zu müssen, denn sie beruht nur auf Angaben, nicht auf einem innerlichen Durchschauen der Sache. Würden die Menschen unbefangen sein, so würden sie eben sagen: Da ist doch noch etwas anderes notwendig, da muß man anders erkennen können, wenn man Chemie studieren will. Und es ist eben die heutige Feigheit des Erkennens, die den Menschen eingepflanzt wird, die sie nicht zu einem solchen Impuls kommen läßt.
[ 34 ] Supposing that someone to-day, wishing to take a degree in chemistry or in pharmacy, had first to submit to the necessity of feeling as a cabbage feels with regard to the forces of the sun, how absurd this would seem! But this was a fact. It was made absolutely clear that with such forces as people have in life, and which are generally employed during life, only geometry, surveying, music, and architecture can be studied ... not chemistry. If people speak of studying chemistry to-day, they speak in an entirely external way. All talk of chemistry has been entirely external ever since the time when the ancient initiation-wisdom was lost. This is a fact. It is enough to drive to desperation those who really wish “to know,” when they have to learn modern official chemistry, for it is founded only on assertion, not on any inward understanding of the matter. If men were only unprejudiced they would acknowledge that something else is needed, that people must be able to understand or realize differently if they wish to study chemistry. It is the modern timidity regarding knowledge or realization (erkennen) that has been implanted in people that holds them back from such an impulse.
[ 35 ] Dann, wenn der Mensch so weit reif war, war er reif, Astronomus zu werden, was ein noch höherer Grad war. Denn die Sterne von außen kennenlernen durch Rechnung und dergleichen, das galt als absolut wesenlos. In den Sternen leben geistige Wesen; die kann man nur erkennen, wenn man das leibliche Anschauen überwunden hat, wenn man aber auch die Geometrie überwunden hat, wenn man tatsächlich im Weltenall leben kann und das Geistige der Sterne kennenlernen kann. Dann aber war der Mensch ein Auferstandener. Dann konnte er wirklich sehen, wie hereinwirkten auch in den irdischen Menschen die Mondenkräfte und die Sonnenkräfte.
[ 35 ] After this a man was ripe. When sufficiently ripe to become Astronomos, which was a still higher grade (for to learn something of the stars externally, through calculations and the like, was considered absolutely unreal), he knew that in the stars spiritual beings dwelt who can only be known when physical perception has been overcome, when geometry has also been overcome, when man actually lives in the universe (Weltenall) and learns the spiritual nature of the stars—he was then a “Risen One.” He could then see how the Moon-forces and the Sun-forces actually work within earthly humanity.
[ 36 ] So mußte ich Ihnen heute von zwei Seiten her nahelegen, wie in den alten Mysterien — nicht zu einer bestimmten Jahreszeit, sondern in einem bestimmten Entwickelungsgrad des Menschen — innerlich Ostern erlebt wurde: Ostern als das Auferstehen des geistig-seelischen Menschen aus dem physischen Leibe im geistigen Weltenall. So haben diejenigen, die noch von Mysterienwissen etwas gewußt haben zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, dieses Mysterium von Golgatha angeschaut. Sie haben gesagt: Was wäre aus der Menschheit geworden, wenn das Mysterium von Golgatha nicht gekommen wäre? In alten Zeiten gab es die Möglichkeit, eingeweiht zu werden in die Geheimnisse des Kosmos, denn in ganz alten Zeiten erlebte der Mensch wie selbstverständlich seine zweite Geburt um das dreißigste Jahr herum. Dann wenigstens gab es noch Erinnerungen und eine Mysterienschulwissenschaft, die in der Tradition das erhalten hatte, was in älteren Zeiten erlebt wurde.
[ 36 ] I must therefore endeavour to-day to help you to understand from two sides how Easter was experienced inwardly in the ancient Mysteries—how this Festival did not take place at any fixed season of the year but when a man attained a certain degree of development. Easter was then experienced by him as a resurrection of his soul and spirit-nature out of the physical body, as a rising into the spiritual universe (Weltenall). It was thus that those who still knew something of the wisdom of the Mysteries at the time of the Mystery of Golgotha regarded this Mystery. They said: What would have happened to mankind if the Mystery of Golgotha had not taken place? In olden times it was possible for man to be initiated into the secrets of the cosmos, for in quite ancient times he experienced a second birth naturally, as one might say, when he was about thirty years old.
[ 37 ] In der Zeit, als das Mysterium von Golgatha auftrat, da war das alles verweht und vergessen. Da wäre die Menschheit völlig in die Dekadenz gekommen, wenn nicht die Macht, zu der sich die Mysterieneingeweihten erhoben hatten, wenn sie Christophor geworden sind, wenn nicht diese Macht in den Einen, Jesus von Nazareth, heruntergestiegen wäre, so daß sie seither auf der Erde da ist, und der Mensch durch den Christus Jesus mit dieser Kraft verbunden sein kann.
[ 37 ] At that time at least there were still memories of this, and there was a science of the Mysteries which preserved in its traditions what an earlier age had experienced. All this had faded and been forgotten by the time of the Mystery of Golgotha. Mankind would have become entirely decadent, if the Power to which Initiates of the Mysteries rose when they became Christophoroi had not entered into One Jesus of Nazareth—so that it has remained on the earth ever since—and men, through Jesus Christ, have been able to unite themselves with it.
[ 38 ] So hängt dasjenige, was heute im Osterfest uns vor Augen tritt, zusammen mit einem Stück Mysteriengeschichte. Man wird eigentlich nur den Inhalt des Osterfestes gewahr, wenn man dieses alte Stück Mysteriengeschichte wieder belebt. Und man wird nun wenigstens in die Nähe kommen — das soll dann der Gegenstand der weiteren Betrachtungen sein —, man wird, wie Sie einsehen können, wenigstens demjenigen nahe kommen, was noch ein alter zu Initiierender erlebt hat. Er konnte sich sagen: Wie Sonne und Mond in mir wirken in ihrem gegenseitigen himmlischen Verhältnisse, dessen bin ich mir durch die Einweihung klar geworden; denn nun weiß ich, daß ich in einer gewissen Weise gestaltet bin als physischer Mensch, daß ich soundso geartete Augen, eine so geartete Nase, eine so geartete ganze Körperform innen und außen habe, daß diese Körperform wachsen konnte, heute noch immer wächst in der Ernährung, das hängt von den Mondenkräften ab. Von ihnen hängt alle Notwendigkeit ab. Daß ich mich als freies inneres Wesen innerhalb meiner Körperlichkeit rühren kann, mich selber umbilden kann, mich in der Hand habe, das hängt von den Sonnenkräften, von den Christus-Kräften ab. Sie muß ich in mir rege machen, wenn ich auch wissentlich das, was sonst die Sonnenkräfte in mir wiederum durch eine Notwendigkeit bewirken müssen, in mir selber erarbeitend gestalten will.
[ 38 ] Thus what rises before our eyes to-day in the Festival of Easter had already formed a part of the history of the Mysteries. Men will only know the real meaning of Easter when they revive this ancient portion of the history of the Mysteries. They will only approach an understanding of the real meaning of Easter when they endeavour in some way at least to understand what men seeking initiation experienced in olden times. Such an Initiate said to himself: Through initiation I have become aware of how sun and moon work in me in their reciprocal relations to each other; I now know that I have been formed as physical man in a certain way; that I have eyes of a certain kind, a nose, a whole bodily form constructed within and without as it is; and the fact that this form is able to grow and continue to grow to-day through the nourishment it receives depends on the Moon-forces. All I require comes from them. That I am inwardly free, that I can be active as a free being within my bodily nature, that I can transform myself, take myself in hand, depends upon the Sun-forces, upon the Christ-forces. These I must stimulate, if I wish to achieve consciously by my labour what the Sun-forces accomplished in me under other conditions through a sort of natural necessity.
[ 39 ] So werden wir auch begreifen, wie heute noch der Mensch hinaufschaut zu Sonne und Mond und aus ihrer gegenseitigen Konstellation die Zeit des Osterfestes bestimmt. Das ist das, was noch übriggeblieben ist, daß man rechnet: Wann ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche? Auf den auf den ersten Vollmond folgenden Sonntag setzt man das Osterfest des Jahres fest, andeutend damit — ich will das morgen dann weiter ausführen —, daß man in der Gestaltung, in der Struktur des Osterfestes etwas sieht, was von oben, vom Kosmos aus bestimmt werden muß.
[ 39 ] From this we can understand how man still looks up to Sun and Moon to-day and from their reciprocal constellations fixes the time of the Easter Festival. This method of reckoning is something that has remained from former times. People ask: When is the first Sunday following the first full moon after the Spring equinox? And they fix the Easter Festival of the year on the first Sunday after the full moon; indicating thereby that people see something in the structure, in the form of the Easter Festival, that comes from the cosmos and must accord with it.
[ 40 ] Aber der Ostergedanke muß wieder erfaßt werden. Er kann nur erfaßt werden, wenn man schaut auf das alte Mysterienwesen, das zunächst den Menschen aufmerksam machte, wie es ist, wenn er in sich hineinschaut: die Pforte des Menschen! — wenn er in sich hineindringt, sich innerlich durchlebt: dreikammeriger Innenmensch! wenn er sich freimacht: Pforte des Todes! — wenn er frei sich in der geistigen Welt bewegt: er wird ein Christophor.
[ 40 ] The thought of Easter must be grasped once more. It can only be understood when people look back to the content of the Ancient Mysteries, where man was first made aware of what took place when he looked into himself: the door of humanity! When he entered into himself, living inwardly in himself: the three-chambered inner man! When he made himself free: the Gate of Death! When he moved freely in the spiritual world: when he was a Christophoros.
[ 41 ] Die Mysterien selbst sind ja zurückgegangen in der Zeit, in der die menschliche freie Entwickelung Platz greifen mußte. Nun ist die Zeit gekommen, in der die Mysterien wieder gefunden werden müssen. Sie müssen wieder gefunden werden. Dessen muß man sich voll bewußt sein, daß heute Anstalten dazu gemacht werden müssen, die Mysterien wieder zu finden.
[ 41 ] The Mysteries themselves went back to a time when free human development had to find a place. And the time is now come when the Mysteries have to be found once more. They must be found again. People must realize consciously that preparations have to begin now, by which they can be found again.
[ 42 ] Aus diesem Bewußtsein heraus ist die Weihnachtstagung gehalten worden, denn es ist eine dringende Notwendigkeit, daß auf der Erde eine Stätte ist, wo wiederum Mysterien begründet werden können. Die Anthroposophische Gesellschaft muß in ihrem weiteren Fortgange der Weg zu den erneuerten Mysterien werden. Das, meine lieben Freunde, wird mit Ihre Aufgabe sein: aus dem rechten Bewußtsein heraus dabei mitzuwirken. Dazu aber wird das Menschenleben betrachtet werden müssen nach seinen drei Etappen: nach derjenigen Etappe, wo man in den Menschen hineinschaut, nach derjenigen Etappe, wo man nach dem Innern des Menschen hineinstrebt, nach der Etappe, wo man im Bewußtsein so wird, wie sonst in äußerer Realität nur im Tode.
[ 42 ] Out of this consciousness the “Christmas Session” (Weihnachtstagung) was held, for it is an urgent necessity that a place should exist on the earth where Mysteries can once more be established. The Anthroposophical Society in its further development must provide the means for a renewal of the Mysteries. Your task, my dear friends, must be to co-operate towards this end, doing so out of the right consciousness. This demands that life be considered according to its three stages—according to the stage in which a man looks into the nature of men; according to the stage when he strives towards the inner being of men; according to the stage in which he is in that state of consciousness which otherwise he only experiences in the reality of external death.
[ 43 ] Und ich möchte sagen, als Merkzeichen wollen wir von dieser Stunde, die heute gehalten worden ist, die Worte mit hinwegtragen, in unserer Seele wirksam sein lassen:
[ 43 ] As a remembrance of the lesson that has been given here to-day, let us take with us the following words, allowing them to work powerfully in our souls:—
Steh’ vor des Menschen Lebenspforte:
Schau an ihrer Stirne Weltenworte.Leb’ in des Menschen Seeleninnern:
Fühl’ in seinem Kreise Weltbeginnen.Denk’ an des Menschen Erdenende:
Find’ bei ihm die Geisteswende.
Stand before the portals of the lives of men,
Behold on their lintels words of power.Live in the inward souls of men,
Feel in this realm the beginning of worlds.Ponder the earthly-end of man;
Find in it the Spirit's turning-point.
[ 44 ] (Der Spruch wurde an die Tafel geschrieben):
[ 44 ] Not translated
Steh’ vor des Menschen Lebenspforte:
Schau an ihrer Stirne Weltenworte.Leb’ in des Menschen Seeleninnern:
Fühl’ in seinem Kreise Weltbeginnen.
Not translated
[ 45 ] Man sieht sonst nicht immer das Weltbeginnen, sondern nur irgend etwas innerhalb der Welt
[ 45 ] —otherwise world-beginning is not always perceived, but only what is in the world—
Denk' an des Menschen Erdenende:
Find' bei ihm die Geisteswende.
Not translated
[ 46 ] Das sei der Extrakt der heutigen Stunde:
[ 46 ] In these words you have the essence of to-day's lesson—
Steh’ vor des Menschen Lebenspforte:
Schau an ihrer Stirne Weltenworte.Leb’ in des Menschen Seeleninnern:
Fühl’ in seinem Kreise Weltbeginnen.Denk an des Menschen Erdenende:
Find’ bei ihm die Geisteswende.
Not translated
