Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume I
GA 235
24 February 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Heute möchte ich zunächst einige umfassendere Gesichtspunkte in bezug auf die Entwickelung des Karmas bringen, um dann allmählich immer mehr und mehr auf diejenigen Dinge eingehen zu können, die eigentlich nur durch die, wenn ich so sagen soll, speziellen Ausführungen wenigstens veranschaulicht werden können, Wir müssen uns, wenn wir in den Gang des Karmas Einsicht gewinnen wollen, vorstellen können, wie eigentlich der Mensch beim Heruntersteigen aus der geistigen Welt in die physische Welt seine ganze Organisation zusammensetzt.
[ 1 ] Today I would like to begin by presenting some broader perspectives regarding the development of karma, so that I can then gradually delve deeper and deeper into those matters that can really only be illustrated—if I may put it that way—through specific explanations, If we wish to gain insight into the workings of karma, we must be able to imagine how a human being actually assembles their entire constitution as they descend from the spiritual world into the physical world.
[ 2 ] Sie werden ja begreifen, daß es in der gegenwärtigen Sprache nicht eigentlich geeignete Ausdrücke gibt für Vorgänge, die in der gegenwärtigen Zivilisation ziemlich unbekannt sind, und daß daher die Ausdrücke für das, was da geschieht, eigentlich nur ungenau sein können. Wir haben, wenn wir aus der geistigen in die physische Welt heruntersteigen zu einem Erdenleben, zunächst unseren physischen Leib durch die Vererbungsströmung vorbereitet. Dieser physische Leib, wir werden sehen, wie er dennoch in einer gewissen Beziehung mit dem zusammenhängt, was der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt erlebt. Für heute kann es uns genügen, wenn wir uns eben darüber klar sind, daß dieser physische Leib uns eigentlich von der Erde aus gegeben wird. Diejenigen Glieder der menschlichen Wesenheit dagegen, welche als höhere Glieder angesprochen werden können, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich, die kommen ja herunter aus der geistigen Welt.
[ 2 ] You will understand, of course, that in our current language there are no truly appropriate terms for processes that are largely unknown in our present-day civilization, and that therefore the terms used to describe what is happening there can only be imprecise. When we descend from the spiritual world into the physical world to live an earthly life, we have first prepared our physical body through the current of heredity. We shall see how this physical body is nevertheless connected, in a certain sense, to what a human being experiences between death and a new birth. For today, it is enough for us to be clear that this physical body is actually given to us from the Earth. The members of the human being, on the other hand, that can be referred to as higher members—the etheric body, the astral body, and the I—come down from the spiritual world.
[ 3 ] Den ätherischen Leib zieht der Mensch gewissermaßen aus dem ganzen Weltenäther heran, bevor er sich mit dem physischen Leib, der ihm durch die Abstammung gegeben wird, vereinigt. Es kann eine Vereinigung des seelisch-geistigen Menschen nach Ich, astralischem Leib und ätherischem Leib mit dem physischen Menschenembryo nur dadurch erfolgen, daß sich der ätherische Leib des mütterlichen Organismus allmählich von dem physischen Menschenkeim zurückzieht.
[ 3 ] In a sense, the human being draws the etheric body from the entire world ether before uniting it with the physical body given to him through heredity. The union of the soul-spiritual human being—comprising the I, the astral body, and the etheric body—with the physical human embryo can only take place as the etheric body of the mother’s organism gradually withdraws from the physical human embryo.
[ 4 ] Der Mensch also vereinigt sich mit dem physischen Menschenkeim, nachdem er seinen ätherischen Leib aus dem allgemeinen Weltenäther herangezogen hat. Die genaueren Beschreibungen dieser Vorgänge sollen uns später beschäftigen. Jetzt soll uns vorzugsweise interessieren, woher die einzelnen Glieder der menschlichen Wesenheit kommen, die der Mensch während seines Erdenlebens zwischen Geburt und Tod hat.
[ 4 ] The human being thus unites with the physical human germ after having drawn its etheric body from the universal world ether. We will examine these processes in greater detail later. For now, we should focus primarily on the origin of the individual members of the human being that a person possesses during their earthly life, between birth and death.
[ 5 ] Der physische Organismus also kommt aus der Abstammungsströmung, der ätherische Organismus aus dem Weltenäther, aus dem er herangezogen wird. Der astralische Organismus — er bleibt ja, man möchte sagen, in jeder Beziehung während des Erdenlebens dem Menschen unbewußt oder unterbewußt —, er enthält alles dasjenige, was Ergebnisse des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sind.
[ 5 ] The physical organism, then, originates from the stream of descent, while the etheric organism originates from the world ether, from which it is drawn. The astral organism—which, one might say, remains in every respect unconscious or subconscious to the human being during earthly life—contains everything that results from life between death and a new birth.
[ 6 ] Und zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist es ja so, daß der Mensch nach Maßgabe dessen, was er geworden ist durch die vorigen Erdenleben, in der mannigfaltigsten Weise zu anderen Menschenseelen in Beziehung kommt, die sich auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt befinden, oder zu anderen geistigen Wesenheiten höherer Weltenordnung, die nicht in einem Menschenleibe zur Erde herabsteigen, sondern in der geistigen Welt ihr Dasein haben.
[ 6 ] And between death and a new birth, it is indeed the case that, depending on what a person has become through their previous earthly lives, they come into contact in the most diverse ways with other human souls who are also between death and a new birth, or to other spiritual beings of a higher world order, who do not descend to Earth in a human body but exist in the spiritual world.
[ 7 ] Alles das, was der Mensch herüberbringt aus früheren Erdenleben, nach dem, wie er war, nach dem, was er getan hat, das findet die Sympathie oder Antipathie der Wesenheiten, die er kennenlernt, indem er durchgeht durch die Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Da ist für das Karma nicht nur von einer großen Bedeutung, welche Sympathien und Antipathien bei höheren Wesenheiten der Mensch findet durch das, was er getan hat im vorigen Erdenleben, sondern da ist vor allen Dingen von einer großen Bedeutung, daß der Mensch in Beziehung kommt zu denjenigen Menschenseelen, mit denen er auf Erden in Beziehung war, und daß eine eigentümliche Spiegelung stattfindet zwischen seinem Wesen und dem Wesen derjenigen Seelen, mit denen er auf Erden in Beziehung war. Nehmen wir an, irgend jemand hat zu einer Seele, die er nun wieder trifft zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, eine gute Beziehung gehabt. In ihm hat gelebt während früherer Erdenleben alles das, was eine gute Beziehung begleitet. Dann spiegelt sich diese gute Beziehung in der Seele, wenn diese Seele zwischen dem Tode und einer neuen Geburt getroffen wird. Und es ist wirklich so, daß der Mensch bei diesem Durchgange durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in den Seelen, mit denen er nun zusammenlebt, weil er mit ihnen auf Erden zusammengelebt hat, überall sich selbst gespiegelt sieht. Hat man einem Menschen etwas Gutes zugefügt, es spiegelt sich etwas von der Seele herüber; hat man ihm etwas Böses zugefügt, es spiegelt sich etwas von der Seele herüber. Und man hat das Gefühl — wenn ich mich da des Ausdruckes «Gefühl» mit der Einschränkung, die ich im Beginne meiner Auseinandersetzungen gemacht habe, bedienen darf —: du hast diese Menschenseele gefördert. Was du da erlebt hast durch die Förderung, was du da empfunden hast für diese Menschenseele, was aus Empfindungen heraus zu deinem Verhalten geführt hat, deine eigenen inneren Erlebnisse während der Tat dieser Förderung, sie kommen zurück von dieser Seele. Sie spiegeln sich von dieser Seele aus. Eine andere Seele — man hat sie geschädigt; dasjenige, was in einem gelebt hat während dieser Schädigung, es spiegelt sich.
[ 7 ] Everything that a person brings with them from previous earthly lives—based on who they were and what they did—meets with the sympathy or antipathy of the beings they encounter as they pass through the world between death and a new birth. For karma, it is not only of great significance which sympathies and antipathies a person encounters among higher beings as a result of what they did in their previous earthly life; above all, it is of great significance that the person comes into contact with those human souls with whom they were connected on Earth, and that a peculiar reflection takes place between his being and the being of those souls with whom he was connected on Earth. Let us suppose that someone had a good relationship with a soul whom he now meets again between death and a new birth. Everything that accompanies a good relationship has lived within him during earlier earthly lives. Then this good relationship is reflected in that soul when it is encountered between death and a new birth. And it is truly the case that during this passage through life between death and a new birth, a person sees himself reflected everywhere in the souls with whom he now lives, because he lived with them on Earth. If you have done something good for a person, something is reflected back from the soul; if you have done something bad to them, something is reflected back from the soul. And you have the feeling—if I may use the term “feeling” here with the qualification I made at the beginning of my remarks—that you have supported this human soul. What you experienced through that fostering, what you felt for that human soul, what led to your behavior out of those feelings, your own inner experiences during the act of fostering—these come back from that soul. They are reflected from that soul. Another soul—you have harmed it; whatever lived within you during that harm is reflected.
[ 8 ] Und man hat eigentlich wie in einem mächtigen, ausgebreiteten Spiegelungsapparat seine vorigen Erdenleben, namentlich das letzte, aus den Seelen, mit denen man zusammen war, gespiegelt vor sich. Und man bekommt gerade bezüglich seines Tatenlebens den Eindruck: das alles geht von einem fort. Man verliert, oder hat eigentlich längst verloren, zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, das Ich-Gefühl, das man auf Erden im Leibe gehabt hat; man bekommt aber das IchGefühl von dieser ganzen Spiegelung. Man lebt in all den Seelen mit den Spiegelungen seiner Taten auf, mit denen man im Erdenleben zusammen war.
[ 8 ] And, just as in a powerful, vast reflecting apparatus, one’s previous earthly lives—especially the last one—are reflected before one’s eyes through the souls with whom one was associated. And one gets the impression, particularly with regard to one’s life of deeds, that all of this is moving away from one. Between death and a new birth, one loses—or has, in fact, long since lost—the sense of self that one had in the body on Earth; but one gains a sense of self from this entire reflection. One lives on in all those souls through the reflections of one’s deeds, with whom one was associated during one’s earthly life.
[ 9 ] Auf Erden war das Ich als ein Punkt gewissermaßen. Hier zwischen dem Tode und einer neuen Geburt spiegelt es sich überall aus dem Umkreise. Es ist ein inniges Zusammensein mit den anderen Seelen, aber ein Zusammensein nach Maßgabe der Beziehungen, die man mit ihnen angeknüpft hat.
[ 9 ] On Earth, the self was, in a sense, a single point. Here, between death and a new birth, it is reflected everywhere in the surrounding space. It is an intimate communion with the other souls, but a communion determined by the relationships one has formed with them.
[ 10 ] Und das ist alles in der geistigen Welt eine Realität. Wenn wir durch irgendeinen Raum gehen, der viele Spiegel hat, sehen wir uns in jedem Spiegel gespiegelt. Aber wir wissen auch: das ist — der gewöhnlichen Menschensprache nach — nicht da; wenn wir weggehen, bleibt es nicht, spiegeln wir uns nicht mehr. Aber das, was sich da in den Menschenseelen spiegelt, das bleibt, das bleibt vorhanden. Und es kommt eine Zeit im letzten Drittel zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, da bilden wir uns aus diesen Spiegelbildern unseren astralischen Leib. Da ziehen wir das zusammen zu unserem astralischen Leib, so daß wir durchaus in unserem astralischen Leib, wenn wir von der geistigen Welt in die physische heruntersteigen, dasjenige tragen, was wir in uns wieder aufgenommen haben nach der Spiegelung, die unsere Taten im vorigen Erdenleben in anderen Seelen gefunden haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 10 ] And all of this is a reality in the spiritual world. When we walk through a room with many mirrors, we see ourselves reflected in each one. But we also know that—in ordinary human terms—it isn’t really there; when we walk away, it doesn’t remain, and we are no longer reflected. But what is reflected in human souls—that remains; it continues to exist. And there comes a time in the final third of the period between death and a new birth when we form our astral body from these mirror images. There we bring these together to form our astral body, so that when we descend from the spiritual world into the physical world, we carry within our astral body what we have taken back into ourselves following the reflection that our deeds in our previous earthly life found in other souls between death and a new birth.
[ 11 ] Das aber gibt uns die Impulse, die uns drängen zu den Menschenseelen, oder abdrängen von den Menschenseelen, mit denen wir dann im physischen Leib zugleich wiederum geboren werden. "
[ 11 ] But this gives us the impulses that draw us toward human souls—or push us away from them—and with which we are then reborn at the same time in a physical body. "
[ 12 ] Und auf diese Art — ich werde demnächst noch ausführlicher den Vorgang zu beschreiben haben, indem ich später auch auf das Ich Rücksicht zu nehmen haben werde —, aber auf diese Art bildet sich zwischen dem Tod und einer neuen Geburt der Impuls zum Karma im neuen Erdenleben aus.
[ 12 ] And in this way—I will have to describe the process in greater detail shortly, as I will also have to take the “I” into account later on—but in this way, the impulse toward karma in the new earthly life takes shape between death and a new birth.
[ 13 ] Und da läßt sich verfolgen, wie ein Impuls des einen Lebens in die anderen Leben hinüberwirkt. Nehmen wir zum Beispiel den Impuls der Liebe. Wir können unsere Taten den anderen Menschen gegenüber aus dem heraus verrichten, was wir Liebe nennen. Es ist ein Unterschied, ob wir unsere Taten aus bloßem Pflichtgefühl heraus verrichten, aus Konvention, aus Anstand und so weiter, oder ob wir sie aus einer größeren oder geringeren Liebe heraus verrichten.
[ 13 ] And there we can see how an impulse from one life extends into other lives. Take, for example, the impulse of love. We can perform our actions toward other people out of what we call love. There is a difference between performing our actions out of a mere sense of duty, convention, propriety, and so on, and performing them out of a greater or lesser degree of love.
[ 14 ] Nehmen wir an, ein Mensch bringt es dazu, Handlungen zu verrichten in einem Erdenleben, die von der Liebe getragen sind, die durchwärmt sind von der Liebe. Ja, das bleibt als Kraft in seiner Seele vorhanden. Und was er nun mitnimmt als Ergebnis seiner Taten, und was sich da spiegelt in den Seelen, das kommt auf ihn zurück eben als Spiegelbild. Und indem der Mensch sich seinen astralischen Leib daraus bildet, mit dem er herunterkommt zur Erde, wandelt sich die Liebe des vorigen Erdenlebens, die von dem Menschen ausgeströmt ist, rückkommend von anderen Menschen, in Freude. So daß also, indem der Mensch seinen Mitmenschen gegenüber in einem Erdenleben irgend etwas tut, was von Liebe getragen ist, wobei also die Liebe von ihm ausströmt, mit den Taten mitgeht, die den anderen Menschen fördern, dann die Metamorphose beim Durchgang durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt so ist, daß sich, was ausströmende Liebe in einem Erdenleben ist, im nächsten Erdenleben metamorphosiert, verwandelt in an den Menschen heranströmende Freude.
[ 14 ] Let us suppose that a person manages to perform actions in an earthly life that are sustained by love, that are warmed by love. Yes, that remains as a force within their soul. And what they now take with them as the result of their deeds—and what is reflected in the souls of others—returns to them precisely as a reflection. And as the person forms their astral body from this—with which they descend to Earth—the love from their previous earthly life, which flowed out from them and returns from other people, is transformed into joy. So that when a person does something toward their fellow human beings in an earthly life that is sustained by love—whereby love flows out from them and accompanies the actions that benefit others— then the metamorphosis that occurs during the passage through life between death and a new birth is such that what was radiating love in one earthly life is metamorphosed in the next earthly life, transformed into joy flowing toward the person.




[ 15 ] Erleben Sie durch einen Menschen Freude, meine lieben Freunde, in einem Erdenleben, so können Sie sicher sein, daß diese Freude das Ergebnis der Liebe ist, die Sie ihm gegenüber in einem vorigen Erdenleben entfaltet haben. Diese Freude strömt nun wiederum in Ihre Seele zurück während des Erdenlebens. Sie kennen jenes innerlich Erwärmende der Freude. Sie wissen, was Freude im Leben für eine Bedeutung hat, Freude insbesondere, die von Menschen kommt. Sie wärmt das Leben, sie trägt das Leben, sie gibt dem Leben, können wir sagen, Schwingen. Sie ist karmisch das Ergebnis aufgewendeter Liebe.
[ 15 ] If you experience joy through another person, my dear friends, during an earthly life, you can be certain that this joy is the result of the love you showed toward that person in a previous earthly life. This joy now flows back into your soul during your earthly life. You know that inner warmth of joy. You know what joy means in life—especially joy that comes from other people. It warms life, it sustains life, and, we might say, it gives life its vibrancy. Karmically, it is the result of love that has been given.
[ 16 ] Aber wir erleben ja wiederum an der Freude eine Beziehung zu dem anderen Menschen, der uns Freude macht. So daß wir in den früheren Erdenleben innerlich etwas gehabt haben, was ausströmen machte die Liebe; in den folgenden Erdenleben haben wir schon als Ergebnis innerlich erlebend die Wärme der Freude. Das ist wiederum etwas, was von uns ausströmt. Ein Mensch, der im Leben Freude erleben darf, ist auch wiederum etwas für die anderen Menschen, was erwärmende Bedeutung hat. Ein Mensch, der Gründe dafür hat, freudelos durchs Leben zu gehen, ist anders zu den anderen Menschen als ein Mensch, der in Freuden darf durch das Leben gehen.
[ 16 ] But through joy, we in turn experience a connection with the other person who brings us joy. Thus, in our earlier earthly lives, we possessed something within us that caused love to radiate outward; in our subsequent earthly lives, as a result of this inner experience, we already feel the warmth of joy. This, in turn, is something that radiates outward from us. A person who is able to experience joy in life is, in turn, a source of warmth and meaning for others. A person who has reasons to go through life without joy is different to others than a person who is able to go through life with joy.
[ 17 ] Das aber, was da erlebt wird in der Freude zwischen der Geburt und dem Tode, das wiederum spiegelt sich in den verschiedensten Seelen, mit denen man auf Erden zusammen war, und die jetzt auch in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sind. Und dieses Spiegelbild, das in vielfacher Weise dann von den Seelen der uns bekannten Menschen kommt, das wirkt wiederum zurück. Wir tragen es wiederum in unserem astralischen Leib, wenn wir zum nächsten — also jetzt sind wir beim dritten Erdenleben —, zum nächsten Erdenleben heruntersteigen. Und wiederum ist es eingeschaltet, eingeprägt unserem astralischen Leibe. Und jetzt wird es in seinem Ergebnis zur Grundlage, zum Impuls des leichten Verstehens von Menschen und Welt. Es wird zur Grundlage derjenigen Seelenverfassung, die uns trägt dadurch, daß wir die Welt verstehen. Wenn wir Freude haben können an dem interessanten Verhalten der Menschen, verstehen das interessante Verhalten der Menschen in einer Erdeninkarnation, so weist uns das zurück auf die Freude der vorhergehenden, auf die Liebe der weiter vorangehenden Erdeninkarnation. Menschen, die mit freiem, offenem Sinn so durch die Welt gehen können, daß der freie, offene Sinn die Welt in sie hereinströmen läßt, so daß sie für die Welt Verständnis haben, das sind Menschen, die diese Stellung zur Welt sich durch Liebe und Freude errungen haben.
[ 17 ] But what is experienced in joy between birth and death is, in turn, reflected in the most diverse souls with whom one was together on Earth, and who are now also in the life between death and a new birth. And this reflection, which comes in many ways from the souls of people we have known, in turn has a reciprocal effect. We carry it with us in our astral body when we descend into the next—that is, we are now in our third earthly life—into the next earthly life. And once again, it is integrated into and imprinted upon our astral body. And now, in its effect, it becomes the foundation, the impulse for an easy understanding of people and the world. It becomes the foundation of that state of soul that sustains us through our understanding of the world. When we can take joy in the fascinating behavior of human beings and understand that behavior in an earthly incarnation, this points us back to the joy of the previous incarnation and to the love of the one that preceded it. People who can go through the world with a free, open mind—allowing the world to flow into them so that they have an understanding of the world—are people who have attained this relationship to the world through love and joy.
[ 18 ] Das ist etwas ganz anderes, was wir in den Taten aus der Liebe heraus tun, als dasjenige, was wir aus starrem, trockenem Pflichtgefühl heraus tun. Sie wissen ja, wie ich in meinen Schriften immer darauf gesehen habe, die Taten, die aus der Liebe kommen, als die eigentlich ethischen, als die eigentlich moralischen aufzufassen.
[ 18 ] The deeds we do out of love are something entirely different from those we do out of a rigid, dry sense of duty. As you know, I have always emphasized in my writings that deeds that come from love should be regarded as the truly ethical and truly moral ones.
[ 19 ] Ich habe oftmals auf den großen Gegensatz hinweisen müssen, der in dieser Beziehung zwischen Kant und Schiller besteht. Kant hat ja eigentlich im Leben und in der Erkenntnis alles verkantet. Es ist alles eckig und kantig in der Erkenntnis durch Kant geworden, und so auch das menschliche Handeln: «Pflicht, du erhabener, großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest...» und so weiter. Ich habe die Stelle in meiner «Philosophie der Freiheit» zum geheuchelten Ärger vieler Gegner — nicht zum wirklichen, zum geheuchelten Ärger vieler Gegner — zitiert und habe dasjenige dagegengestellt, was ich selber als meine Anschauung anerkennen muß: Liebe, du warm zur Seele sprechender Impuls — und so weiter.
[ 19 ] I have often had to point out the great contrast that exists in this regard between Kant and Schiller. Kant, after all, has essentially distorted everything in life and in knowledge. Everything has become angular and jagged in Kant’s conception of knowledge, and so too has human action: “Duty, you sublime, great name, which encompasses nothing beloved, nothing that carries flattery within it...” and so on. I quoted this passage in my Philosophy of Freedom—much to the feigned annoyance of many opponents—not to their real annoyance, but to their feigned annoyance—and contrasted it with what I myself must acknowledge as my own view: Love, you impulse that speaks warmly to the soul—and so on.
[ 20 ] Schiller, gegenüber dem starren, trockenen Pflichtbegriffe Kants, hat ja die Worte geprägt: «Gerne dien’ ich den Freunden, doch tu’ ich es leider mit Neigung, und so wurmt es mich oft, daß ich nicht tugendhaft bin.» Denn nach Kantscher Ethik ist dasjenige, was man aus Neigung tut, nicht tugendhaft, sondern dasjenige, was man aus dem starren Pflichtbegriff heraus tut.
[ 20 ] Schiller, in contrast to Kant’s rigid, dry concept of duty, coined the following words: “I gladly serve my friends, but unfortunately I do so out of inclination, and so it often gnaws at me that I am not virtuous.” For according to Kant’s ethics, what one does out of inclination is not virtuous; rather, what one does is virtuous only when it stems from the rigid concept of duty.
[ 21 ] Nun, es gibt eben Menschen — die kommen nicht zum Lieben zunächst. Aber weil sie dem anderen Menschen nicht aus Liebe die Wahrheit sagen können — man sagt zu dem anderen Menschen, wenn man Liebe für ihn hat, die Wahrheit und nicht die Lüge —, aber weil sie nicht lieben können, sagen sie die Wahrheit aus Pflichtgefühl; weil sie nicht lieben können, vermeiden sie es aus Pflichtgefühl, den anderen gleich zu prügeln oder ihn mit Ohrfeigen zu traktieren, anzustoßen und dergleichen, wenn er irgend etwas tut, was ihnen nicht gefällt. Es ist eben ein Unterschied zwischen dem Handeln aus starrem Pflichtbegriff, das aber durchaus im sozialen Leben notwendig ist, für viele Dinge notwendig ist, und zwischen den Taten der Liebe.
[ 21 ] Well, there are simply some people—who don’t start out by loving. But because they cannot tell the truth to another person out of love—when you love someone, you tell them the truth and not a lie— but because they cannot love, they tell the truth out of a sense of duty; because they cannot love, they refrain—out of a sense of duty—from immediately beating the other person or slapping them, shoving them, and the like, when they do something that displeases them. There is simply a difference between acting out of a rigid sense of duty—which is, however, absolutely necessary in social life and necessary for many things—and between acts of love.
[ 22 ] Nun, die Taten, die in starrem Pflichtbegriff oder in Konvention, «weil sich’s so schickt», getan werden, die rufen im nächsten Erdenleben nicht Freude hervor, sondern, indem sie eben so wie ich es geschildert habe, durch jene Spiegelung durch die Seelen gehen, rufen sie im nächsten Erdenleben etwas hervor, was man nennen könnte: Man spürt, man ist den Menschen mehr oder weniger gleichgültig. Und das, was mancher durchs Leben trägt, daß er den Menschen gleichgültig ist und daran leidet — man leidet mit Recht daran, wenn man den anderen Menschen gleichgültig ist, denn die Menschen sind füreinander da, und der Mensch ist darauf angewiesen, daß er den anderen Menschen nicht gleichgültig ist —, das, was man da erleidet, das ist eben das Ergebnis des Mangels an Liebe in einem vorigen Erdenleben, wo man sich als anständiger Mensch deshalb betragen hat, weil die starre Pflicht über einem hing wie ein Damoklesschwert, ich will nicht sagen wie ein stählernes, denn das würde beunruhigend sein für die meisten Pflichtmenschen, sondern eben wie ein hölzernes.
[ 22 ] Well, the deeds that are done out of a rigid sense of duty or out of convention—“because that’s the way it’s done”—do not bring joy in the next earthly life; rather, as I have just described, by passing through the souls as a reflection, they bring about in the next earthly life something that one might call: One senses that one is more or less indifferent to others. And what some people carry through life—the fact that they are indifferent to others and suffer because of it—one suffers rightly from this if one is indifferent to others, for people are there for one another, and a person depends on not being a source of indifference to others—what one suffers in this regard is precisely the result of a lack of love in a previous earthly life, where one behaved as a decent person only because rigid duty hung over one like the Sword of Damocles, I won’t say like a steel one, for that would be unsettling for most duty-bound people, but rather like a wooden one.
[ 23 ] Nun aber sind wir beim zweiten Erdenleben. Was als Freude von der Liebe kommt, das wird im dritten Erdenleben, wie wir gesehen haben, ein offenes, freies Herz, das uns die Welt nahebringt, das uns für alles Schöne, Wahre, Gute den freien, einsichtsvollen Sinn gibt. Das, was als Gleichgültigkeit von seiten anderer Menschen zu uns strömt, und was wir dadurch erleben in einem Erdenleben, das macht uns für das dritte, also für das nächste Erdenleben, zu einem Menschen, der nichts Rechtes mit sich anzufangen weiß. Wenn er in die Schule kommt, weiß er nicht, was er mit dem anfangen soll, was die Lehrer mit ihm tun. Wenn er etwas älter wird, weiß er nicht, ob er Schlosser oder Hofrat werden soll. Er weiß nichts mit sich im Leben zu machen. Er geht eigentlich ohne Richtung, direktionslos im Leben dahin. In bezug auf die Anschauung der äußeren Welt ist er nicht gerade stumpf. Er kann zum Beispiel Musik schon verstehen, aber er hat keine Freude dran. Es ist ihm schließlich gleichgültig, ob es mehr oder weniger gute oder mehr oder weniger schlechte Musik ist. Er empfindet schon die Schönheit irgendeines malerischen oder sonstigen Werkes, aber immer kratzt es ihn in der Seele: Wozu eigentlich das alles? und so weiter. Das sind Dinge, die wiederum im dritten Erdenleben im karmischen Zusammenhange sich einstellen.
[ 23 ] But now we come to the second earthly life. As we have seen, what comes from love as joy becomes, in the third earthly life, an open, free heart that brings us closer to the world and gives us a free, discerning mind for all that is beautiful, true, and good. What flows toward us as indifference from other people—and what we experience as a result in one earthly life—turns us, in the third, that is, the next earthly life, into a person who doesn’t know what to do with himself. When he starts school, he doesn’t know what to make of what the teachers are doing with him. As they get a little older, they don’t know whether to become a locksmith or a court councilor. They don’t know what to do with themselves in life. They actually go through life without direction, adrift. When it comes to perceiving the external world, they aren’t exactly dull. They can, for example, already understand music, but they take no pleasure in it. Ultimately, he is indifferent to whether the music is more or less good or more or less bad. He does perceive the beauty of a painting or some other work of art, but it always gnaws at his soul: “What’s the point of all this, anyway?” and so on. These are things that, in turn, arise in the third earthly life within the karmic context.
[ 24 ] Nehmen wir aber an, der Mensch begeht gewisse Schädigungen seiner Mitmenschen aus dem Haß oder aus einer Neigung zur Antipathie heraus. Man kann da an alle Stufen denken, welche dabei vorkommen können. Es kann einer, sagen wir, mit verbrecherischem Haßgefühl seine Mitmenschen schädigen. Er kann aber auch, ich lasse die Zwischenstufen aus, er kann aber auch ein Kritiker sein. Man muß, um Kritiker zu sein, immer ein bißchen hassen, wenn man nicht ein lobender Kritiker ist, und die sind ja heute selten, denn das ist nicht interessant, die Dinge anzuerkennen. Interessant wird es ja nur, wenn man Witze macht über die Dinge. Nun gibt es ja alle möglichen Zwischenstufen. Aber es handelt sich hier um dasjenige an Menschentaten, das aus kalter Antipathie, aus einer gewissen Antipathie, über die man sich oftmals gar nicht klar wird, bis zum Haß hin hervorgeht. Alles das, was in dieser Weise von Menschen bewirkt wird gegenüber anderen Menschen oder selbst gegenüber untermenschlichen Wesenheiten, all das lädt sich wiederum in Seelenzuständen ab, die sich nun auch spiegeln in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Und da kommt dann im nächsten Erdenleben aus dem Haß dasjenige heraus, was uns zuströmt von der Welt als leidvolles Wesen, als Unlust, die von außen verursacht wird, als das Gegenteil der Freude.
[ 24 ] But let us assume that a person inflicts certain harms on his fellow human beings out of hatred or a tendency toward antipathy. One can consider all the degrees that may occur in this context. Someone might, let’s say, harm others out of a criminal sense of hatred. But they might also—I’ll skip the intermediate stages—be a critic. To be a critic, one must always harbor a bit of hatred, unless one is a laudatory critic, and those are rare today, since it’s not interesting to acknowledge things. It only becomes interesting when one makes jokes about things. Now, there are all sorts of intermediate stages. But what we’re dealing with here are those human actions that arise from cold antipathy—from a certain antipathy that one often isn’t even aware of—all the way up to hatred. Everything that is brought about in this way by human beings toward other human beings—or even toward subhuman entities—all of this, in turn, is deposited in states of the soul that are then reflected in the life between death and a new birth. And then, in the next earthly life, what emerges from this hatred is what flows toward us from the world as a painful existence, as external distress, as the opposite of joy.
[ 25 ] Sie werden sagen: Ja, wir erleben doch so viel Leid, soll das wirklich alles von größerem oder geringerem Haß im vorigen Erdenleben herrühren? Ich kann doch von mir unmöglich denken, daß ich ein so schlechter Kerl gewesen bin — so wird der Mensch leicht sagen —, daß ich so viel Unlust erleben kann, weil ich so viel gehaßt habe! Ja, wenn man auf diesem Gebiete vorurteilslos denken will, dann muß man sich schon klarmachen, wie groß die Illusion ist, die einem wohltut und der man daher sehr leicht sich hingibt, wenn es sich darum handelt, irgendwelche Antipathiegefühle gegen andere Menschen sich abzusuggerieren. Die Menschen gehen mit viel mehr Haß, als sie denken, eigentlich durch die Welt, wenigstens mit viel mehr Antipathie. Und es ist nun schon einmal so: Haß, er wird zunächst, weil er der Seele ja Befriedigung gibt, gewöhnlich gar nicht erlebt. Er wird zugedeckt durch die Befriedigung. Wenn er zurückkommit als Leid, das uns von außen zuströmt, dann wird eben das Leid bemerkt.
[ 25 ] You will say: Yes, but we experience so much suffering—can all of this really stem from greater or lesser hatred in our previous earthly life? I simply cannot believe that I was such a bad person—as people are quick to say—that I could be experiencing so much misery just because I hated so much! Yes, if one wants to think without prejudice in this area, then one must realize just how great the illusion is—an illusion that is comforting and to which one therefore very easily succumbs when it comes to convincing oneself of feelings of antipathy toward other people. People actually go through life with far more hatred than they realize—or at least with far more antipathy. And the fact is this: hatred, because it gives the soul satisfaction, is usually not even experienced at first. It is masked by that satisfaction. When it returns as suffering that flows toward us from the outside, then it is the suffering that is noticed.
[ 26 ] Aber denken Sie nur einmal daran, meine lieben Freunde, um, ich möchte sagen, in einer ganz trivialen Art sich vorzustellen, was da als Möglichkeit vorliegt, denken Sie nur einmal an einen Kaffeeklatsch, an einen so richtigen Kaffeeklatsch, wo ein Halbdutzend — es genügt schon! — irgendwelcher Tanten oder Onkels — es können auch Onkels sein — beisammensitzen und über ihre Mitmenschen sich ergehen! Denken Sie, wieviel da an Antipathien in anderthalb Stunden — manchmal dauert es länger — abgeladen wird auf die Menschen! Indem das ausströmt, bemerken es die Leute nicht; aber wenn es im nächsten Erdenleben zurückkommt, da wird es sehr wohl bemerkt. Und es kommt unweigerlich zurück.
[ 26 ] But just think for a moment, my dear friends, to—I’d say—imagine in a very trivial way what possibilities exist here; just think for a moment of a coffee party, a real coffee party, where half a dozen—that’s enough! — of aunts or uncles—it could just as well be uncles—are sitting together and letting loose on their fellow human beings! Just think how much antipathy is unloaded onto people in an hour and a half—sometimes it takes longer! As it flows out, people don’t notice it; but when it comes back in the next earthly life, it will certainly be noticed. And it inevitably comes back.
[ 27 ] So daß tatsächlich ein Teil — nicht alles, wir werden noch andere karmische Zusammenhänge kennenlernen —, so daß ein Teil dessen, was wir in einem Erdenleben an von außen zugefügtem Leid empfinden, tatsächlich von Antipathiegefühlen in früheren Erdenleben herrühren kann.
[ 27 ] So that, in fact, a part—not all of it; we will learn about other karmic connections later—so that a part of what we experience as suffering inflicted from outside during an earthly life may indeed stem from feelings of antipathy in previous earthly lives.
[ 28 ] Bei alledem muß man sich natürlich stets klar sein, daß ja das Karma, daß irgendeine karmische Strömung irgendwo einmal anfangen muß. So daß, wenn Sie zum Beispiel hier hintereinanderliegende Erdenleben haben
[ 28 ] In all of this, of course, one must always be aware that karma—that some karmic current—must begin somewhere. So that, for example, if you have successive earthly lives here
[ 29 ] a b c (d) e f g h
[ 29 ] a b c (d) e f g h
[ 30 ] und dieses d das gegenwärtige Erdenleben ist, so muß natürlich nicht aller Schmerz, der uns von außen zukommt, im früheren Erdenleben begründet sein. Es kann auch ein ursprünglicher Schmerz sein, der dann im nächsten Erdenleben sich erst karmisch auslebt. Aber deshalb sage ich: Ein großer Teil jenes Leides, das uns von außen zuströmt, ist die Folge von Haß, der in früheren Erdenleben aufgebracht worden ist.
[ 30 ] And since this “d” refers to the present earthly life, it naturally follows that not all suffering that comes to us from outside must have its roots in a previous earthly life. It may also be an original suffering that will only be karmically worked through in the next earthly life. But that is why I say: A large part of the suffering that comes to us from outside is the result of hatred that was harbored in previous earthly lives.
[ 31 ] Wenn wir nun zum dritten Erdenleben wieder übergehen, dann ist das Ergebnis dessen, was da als Leid uns zuströmt — aber nur das Ergebnis desjenigen Leides, das uns aus sozusagen aufgespeichertem Haß zukommt —, dann ist das Ergebnis dieses Leides, das sich dann in der Seele ablädt, zunächst eine Art Stumpfheit des Geistes, eine Art Stumpfheit der Einsicht gegenüber der Welt. Und wer gleichgültig und phlegmatisch der Welt gegenübersteht, nicht mit offenem Herzen den Dingen oder den Menschen gegenübersteht, bei dem liegt oftmals eben das vor, daß er sich diese Stumpfheit erworben hat durch das in seinem eigenen Karma verursachte Leid eines vorigen Erdenlebens, das aber zurückgehen muß, wenn es in dieser Weise in einer stumpfen Seelenverfassung sich ausdrückt, auf Haßgefühle mindestens im drittletzten Erdenleben. Man kann nämlich immer sicher sein: Töricht in irgendeinem Erdenleben zu sein, ist immer die Folge von Haß in einem bestimmten früheren Erdenleben.
[ 31 ] span>When we now return to our third earthly life, the result of what comes to us as suffering—but only the result of that suffering which comes to us, so to speak, from stored-up hatred—the result of this suffering, which then unloads itself into the soul, is initially a kind of dullness of the spirit, a kind of dullness of insight toward the world. And those who face the world with indifference and apathy, who do not approach things or people with an open heart, have often acquired this dullness through the suffering caused by their own karma in a previous earthly life; yet this suffering must recede if it expresses itself in this way as a dull state of soul, to feelings of hatred, at least in the third-to-last earthly life. For one can always be certain: being foolish in any earthly life is always the consequence of hatred in a specific earlier earthly life.
[ 32 ] Aber sehen Sie, meine lieben Freunde, das Verständnis für das Karma soll nicht nur darauf beruhen, daß wir das Karma zum Begreifen des Lebens auffassen, sondern daß wir es auch als Impuls des Lebens auffassen können, daß wir uns eben bewußt sind, daß es mit dem Leben nicht bloß ein «a, b, c, d» gibt (siehe Schema), sondern auch ein «e, f, g, h», daß auch kommende Erdenleben da sind, und daß dasjenige, was wir in einem gegenwärtigen Erdenleben an Inhalt in unserer Seele entwickeln, Wirkungen, Ergebnisse im nächsten Erdenleben haben wird. Wenn einer in dem drittnächsten Erdenleben besonders töricht sein will, braucht er im gegenwärtigen Erdenleben ja nur sehr viel zu hassen. Wenn einer aber im drittnächsten Erdenleben einen freien, offenen Sinn haben will, braucht er ja nur in diesem Erdenleben besonders viel zu lieben. Und erst dadurch gewinnt die Einsicht, die Erkenntnis des Karmas ihren Wert, daß sie in unseren Willen für die Zukunft einströmt, in diesem Willen für die Zukunft eine Rolle spielt. Es ist durchaus so, daß gegenwärtig derjenige Zeitpunkt für die Menschheitsentwickelung vorhanden ist, wo nicht mehr in derselben Art, wie das früher der Fall war, während unsere Seelen durch frühere Erdenleben gegangen sind, das Unbewußte weiterwirken kann, sondern die Menschen werden immer freier und bewußter. Seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts haben wir das Zeitalter, in dem die Menschen immer freier und bewußter werden. Und so wird für diejenigen Menschen, welche Menschen der Gegenwart sind, ein nächstes Erdenleben schon ein dunkles Gefühl der vorigen Erdenleben haben. Und so wie der heutige Mensch, wenn er an sich bemerkt, daß er nicht besonders klug ist, das nicht sich selber, sondern eben seiner Anlage zuschreibt, gewöhnlich es in seiner physischen Natur sucht nach der Ansicht des heutigen Materialismus, so werden die Menschen, die diejenigen sein werden, welche wiederkommen aus den Gegenwartsmenschen, wenigstens schon ein dunkles Gefühl haben, das sie beunruhigen wird: Wenn sie nicht besonders klug sind, so muß da irgend etwas gewesen sein, das mit Haß- und Antipathiegefühlen zusammenhing.
[ 32 ] But you see, my dear friends, our understanding of karma should not be based solely on viewing it as a means of comprehending life, but also on recognizing it as a driving force of life—so that we are aware that life is not merely an “a, b, c, d” (see diagram), but also an “e, f, g, h”—that future earthly lives also exist, and that what we develop in our soul in the present earthly life will have effects and consequences in the next earthly life. If someone wants to be particularly foolish in the third-next earthly life, all they need to do is hate a great deal in the present earthly life. But if someone wants to have a free, open mind in the third-next earthly life, they need only love a great deal in this earthly life. And it is only through this that the insight into karma—the understanding of karma—gains its value: by flowing into our will for the future and playing a role in that will. It is certainly true that we have now reached a point in human development where the unconscious can no longer continue to exert its influence in the same way it did in the past, as our souls passed through earlier earthly lives; rather, human beings are becoming ever freer and more conscious. Since the first third of the 15th century, we have been in an age in which people are becoming increasingly free and conscious. And so, for people living in the present, a future earthly life will already carry a vague sense of their past earthly lives. And just as people today, when they realize that they are not particularly intelligent, attribute this not to themselves but to their disposition—usually seeking the cause in their physical nature according to the view of contemporary materialism—so too will the people who are destined to return from among those living today have at least a vague sense that will trouble them: If they are not particularly intelligent, then there must have been something connected with feelings of hatred and antipathy.
[ 33 ] Und wenn wir heute reden von einer Waldorfschul-Pädagogik, so müssen wir natürlich der gegenwärtigen Erdenzivilisation Rechnung tragen. Da können wir noch nicht mit voller Offenheit so erziehen, daß wir sozusagen für das Bewußtsein in wiederholten Erdenleben erziehen, denn die Menschen haben heute auch noch nicht einmal ein dunkles Gefühl für die wiederholten Erdenleben. Aber die Ansätze, die gerade in der Waldorfschul-Pädagogik gemacht werden, sie werden sich, wenn sie aufgenommen werden, in den nächsten Jahrhunderten dahin weiter entwickeln, daß man in die ethische, in die moralische Erziehung das hineinbeziehen wird: Ein wenig begabtes Kind geht zurück auf frühere Erdenleben, in denen es viel gehaßt hat, und man wird dann an der Hand der Geisteswissenschaft aufsuchen, wen es gehaßt haben könnte. Denn die müssen sich in irgendwelcher Umgebung wiederfinden, die Menschen, die gehaßt worden sind und denen gegenüber Taten begangen worden sind aus dem Haß. Und man wird die Erziehung nach und nach in den kommenden Jahrhunderten viel mehr ins Menschenleben hineinstellen müssen. Man wird bei einem Kinde sehen müssen, woher sich spiegelt oder spiegelte in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dasjenige, was da in einer Metamorphose des Unverstandes sich auslebt im Erdenleben. Und dann wird man etwas tun können, damit im kindlichen Alter zu denjenigen Menschen besondere Liebe entwickelt wird, zu denen in früheren Erdenleben ein besonderer Haß vorhanden war. Und man wird sehen, daß durch eine solche konkret aufgewendete Liebe der Verstand, überhaupt die ganze Seelenverfassung sich aufhellen wird. Nicht in allgemeinen Theorien über das Karma wird dasjenige liegen, was der Erziehung helfen kann, sondern in dem konkreten Hineinschauen in das Leben, um zu bemerken, wie die karmischen Zusammenhänge sind. Man wird schon bemerken: daß schließlich Kinder in einer Klasse zusammengetragen werden vom Schicksal, das ist doch nicht ganz gleichgültig. Und wenn man hinauskommen wird über jene scheußliche Sorglosigkeit, die in bezug auf solche Dinge heute herrscht, wo man ja das, was an «Menschenmaterial» — man nennt es ja oftmals so — zusammengewürfelt ist in einer Klasse, wirklich so auffaßt, als ob es zusammengewürfelt wäre vom Zufall, nicht zusammengetragen wäre vom Schicksal, wenn man hinauskommen wird über diese scheußliche Sorglosigkeit, dann wird man gerade als Erzieher in Aussicht nehmen können, was da für merkwürdige karmische Fäden von dem einen zu dem anderen gesponnen sind durch frühere Leben. Und dann wird man in die Entwickelung der Kinder dasjenige hineinnehmen, was da ausgleichend wirken kann. Denn Karma ist in einer gewissen Beziehung etwas, was einer ehernen Notwendigkeit unterliegt. Wir können aus einer ehernen Notwendigkeit heraus unbedingt aufstellen die Reihe:
[ 33 ] And when we speak today of Waldorf education, we must, of course, take the current civilization on Earth into account. We cannot yet educate with complete openness in such a way that we, so to speak, prepare students for consciousness in repeated earthly lives, because people today do not even have a vague sense of repeated earthly lives. But the approaches currently being developed in Waldorf education—if they are embraced—will evolve over the coming centuries to the point where they will be incorporated into ethical and moral education: A child with limited abilities traces back to previous earthly lives in which he or she hated intensely, and one will then, with the help of spiritual science, seek out whom the child might have hated. For those who have been hated—and against whom acts of hatred have been committed—must be found again in some environment. And in the coming centuries, education will gradually have to be integrated much more deeply into human life. One will have to observe in a child where, in the life between death and a new birth, the source lies—or lay—of that which manifests itself in earthly life as a metamorphosis of the lack of understanding. And then one will be able to take steps to ensure that, during childhood, a special love develops toward those people toward whom a particular hatred existed in earlier earthly lives. And we will see that through such concretely applied love, the intellect—indeed, the entire state of the soul—will be brightened. What can help education will not lie in general theories about karma, but in concretely looking into life to discern how karmic connections work. One will surely notice: the fact that children are ultimately brought together in a class by fate is, after all, not entirely insignificant. And when one overcomes that appalling carelessness that prevails today regarding such matters—where what is often referred to as “human material”—as it is so frequently called — has been thrown together in a class is truly viewed as if it were thrown together by chance, rather than brought together by fate; if one can rise above this appalling carelessness, then one will be able, precisely as an educator, to perceive what remarkable karmic threads have been spun from one child to another through past lives. And then one will incorporate into the children’s development whatever can have a balancing effect. For karma is, in a certain sense, something subject to an ironclad necessity. Out of this ironclad necessity, we can unequivocally establish the sequence:
Liebe — Freude — offenes Herz.
Antipathie oder Haß — Leid — Torheit.
Love — Joy — An Open Heart.
Antipathy or Hate — Suffering — Folly.
[ 34 ] Das sind unbedingte Zusammenhänge. Aber es ist auch so, daß geradeso wie man einer unbedingten Notwendigkeit gegenübersteht, wenn ein Fluß läuft und dennoch man schon Flüsse reguliert hat, ihnen einen anderen Lauf gegeben hat, es auch möglich ist, die karmische Strömung, ich möchte sagen, zu regulieren, in sie hineinzuwirken. Das ist möglich.
[ 34 ] These are absolute connections. But it is also true that just as one is faced with an absolute necessity when a river flows—and yet rivers have already been regulated, their course altered—it is also possible to, so to speak, regulate the karmic current, to influence it. That is possible.
[ 35 ] Wenn Sie also bemerken, im kindlichen Alter ist Anlage zur Torheit, und Sie kommen darauf, das Kind anzuleiten, besonders in seinem Herzen Liebe zu entwickeln, und wenn Sie — und das würde für Menschen, die eine feine Lebensbeobachtung haben, schon heute möglich sein —, wenn Sie entdecken, mit welchen anderen Kindern das Kind karmisch verwandt ist, und das Kind dazu bringen, gerade diese Kinder zu lieben, ihnen gegenüber Taten der Liebe zu tun, dann werden Sie sehen, daß Sie der Antipathie ein Gegengewicht in der Liebe geben können, und in einer nächsten Inkarnation, in einem nächsten Erdenleben damit die Torheit verbessern können.
[ 35 ] So if you notice that in childhood there is a predisposition toward folly, and you set out to guide the child to develop love especially in his or her heart, and if you—and this would already be possible today for people who are keen observers of life—discover which other children the child is karmically related to, and encourage the child to love precisely those children and to perform acts of love toward them, then you will see that you can counterbalance antipathy with love, and thereby correct that folly in a future incarnation, in a future earthly life.
[ 36 ] Es gibt ja wirklich, ich möchte sagen, instinktgeschulte Erzieher, die oftmals so etwas aus ihrem Instinkte heraus tun, die schlecht veranlagte Kinder dazu bringen, lieben zu können, und sie dadurch zu auffassungsfähigeren Menschenwesen allmählich heranerziehen. Diese Dinge, sie machen eigentlich erst die Einsicht in die karmischen Zusammenhänge zu einem Lebensdienlichen.
[ 36 ] There really are—I would say—educators guided by instinct who often act on instinct to help children with difficult dispositions learn to love, thereby gradually nurturing them into more receptive human beings. It is these things that actually make an understanding of karmic connections truly beneficial to life.
[ 37 ] Nun, bevor wir weitergehen in der Betrachtung von Einzelheiten des Karmas, muß sich ja noch eine Frage vor unsere Seele stellen. Fragen wir uns: Was ist denn der Mensch, demgegenüber man sich, im allgemeinen wenigstens, in einem karmischen Zusammenhange wissen kann? Ich muß einen Ausdruck gebrauchen, der heute oftmals in einem etwas spöttischen Sinne gebraucht wird: Ein solcher Mensch ist ein Zeitgenosse. Er ist eben zu gleicher Zeit mit uns auf der Erde. Und wenn Sie dies bedenken, so werden Sie sich sagen: Wenn Sie in einem Erdenleben mit gewissen Menschen zusammen sind, so waren Sie auch in einem früheren Erdenleben — wenigstens im allgemeinen, die Dinge können sich auch etwas verschieben — mit den Menschen zusammen, und ebenso wiederum in einem früheren Erdenleben.
[ 37 ] Well, before we proceed to examine the details of karma, there is still one question that must be posed to our soul. Let us ask ourselves: What kind of person is it with whom one can, at least generally speaking, recognize a karmic connection? I must use a term that is often employed today in a somewhat derisive sense: such a person is a contemporary. He or she is simply on Earth at the same time as we are. And when you consider this, you will say to yourself: If you are together with certain people in one earthly life, then you were also together with them in a previous earthly life—at least generally speaking, though things can shift somewhat—and likewise again in an earlier earthly life.


[ 38 ] Ja, aber nun diejenigen, die fünfzig Jahre später leben als Sie, die waren im früheren Erdenleben wiederum zusammen mit Menschen! Im allgemeinen werden die Menschen, ich will sagen der B-Reihe, mit den Menschen der A-Reihe, nach diesem Gedanken, den wir hier entwickelt haben, nicht zusammenkommen. Das ist ein bedrückender Gedanke, aber ein wahrer Gedanke.
[ 38 ] Yes, but those who live fifty years after you—they, in turn, were together with people in their previous earthly lives! In general, according to the idea we have developed here, people—I mean those of the B series—will not be reunited with those of the A series. That is a distressing thought, but a true one.
[ 39 ] Über andere Zweifelsfragen, die sich ergeben dadurch, daß die Menschen oftmals sagen: die Menschheit vermehrt sich auf der Erde und so weiter, werde ich ja später sprechen. Aber ich möchte Ihnen jetzt diesen Gedanken nahelegen; er ist ein vielleicht bedrückender Gedanke, aber er ist ein wahrer Gedanke: Es ist tatsächlich so, daß das fortlaufende Leben der Menschen auf der Erde in Rhythmen sich vollzieht. Ich möchte sagen, ein Menschenschub geht im allgemeinen fort von einem Erdenleben zum anderen, ein anderer Menschenschub geht fort von einem Erdenleben zum anderen, und die sind in einer gewissen Weise voneinander getrennt, finden sich nicht im Erdenleben zusammen. In dem langen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, da findet man sich schon zusammen; aber im Erdenleben ist es in der Tat so, daß man immer wiederum mit einem beschränkten Kreis von Leuten auf die Erde herunterkommt. Gerade für die wiederholten Erdenleben hat die Zeitgenossenschaft eine innere Bedeutung, eine innere Wichtigkeit.
[ 39 ] I will speak later about other questions of doubt that arise from the fact that people often say: “Humanity is multiplying on Earth,” and so on. But I would like to suggest this thought to you now; it may be a distressing thought, but it is a true one: It is indeed the case that the continuous life of human beings on Earth unfolds in rhythms. I would say that one wave of human beings generally moves from one earthly life to another, while another wave moves from one earthly life to another, and these are, in a certain sense, separated from one another; they do not come together in earthly life. In the long life between death and a new birth, people do come together; but in earthly life, it is indeed the case that one always returns to Earth with a limited circle of people. It is precisely for these repeated earthly lives that contemporaneity has an inner meaning, an inner importance.
[ 40 ] Und warum das? Ich kann Ihnen sagen, diese Frage, die einen zunächst verstandesmäßig beschäftigen kann, diese Frage hat mir wirklich auf geisteswissenschaftlichem Boden die denkbar größten Schmerzen gemacht, weil es ja nötig ist, über diese Frage die Wahrheit herauszubringen, den inneren Sachverhalt herauszubringen. Und da kann man sich fragen — verzeihen Sie, daß ich ein Beispiel gebrauche, das wirklich, ich möchte sagen, eine Rolle für mich spielt, nur in bezug auf die Untersuchung -: Warum warst du nicht ein Zeitgenosse von Goethe? Dadurch, daß du nicht ein Zeitgenosse von Goethe bist, kannst du ungefähr schließen im allgemeinen nach dieser Wahrheit, daß du niemals mit Goethe zusammen auf der Erde gelebt hast. Er gehört zu einem anderen Schub von Menschen.
[ 40 ] And why is that? I can tell you that this question—which at first might seem like a purely intellectual concern—has actually caused me the greatest possible anguish from a spiritual-scientific perspective, because it is indeed necessary to uncover the truth behind this question, to bring the inner reality to light. And so one might ask—forgive me for using an example that, I would say, is truly significant to me, though only in relation to this investigation—: Why weren’t you a contemporary of Goethe? Since you are not a contemporary of Goethe, you can generally infer from this that you have never lived on Earth together with Goethe. He belongs to a different wave of humanity.
[ 41 ] Was liegt da eigentlich dahinter? Da muß man die Frage umkehren. Aber um eine solche Frage umzukehren, muß man einen offenen, freien Sinn haben für menschliches Zusammenleben. Man muß sich fragen können, und über diese Frage werde ich nun in der nächsten Zeit sehr viel zu reden haben hier: Wie ist es denn eigentlich, Zeitgenosse eines Menschen zu sein, und wie ist es, von einem Menschen nur aus der Geschichte wissen zu können für das Erdenleben? Wie ist denn das?
[ 41 ] What is actually behind this? One must turn the question around. But to turn such a question around, one must have an open, free sense of human coexistence. One must be able to ask oneself—and I will have a great deal to say about this question here in the near future: What is it actually like to be a contemporary of another person, and what is it like to know about a person’s earthly life only through history? What is that like?
[ 42 ] Nun, sehen Sie, da muß man eben einen freien, offenen Sinn haben für die Beantwortung der intimen Frage: Wie ist es mit allen inneren Begleiterscheinungen der Seele, wenn ein Zeitgenosse mit dir spricht, Handlungen verrichtet, die an dich herankommen -, wie ist das? Und man muß das dann vergleichen können, nachdem man sich die nötige Erkenntnis erworben hat, wie das wäre, wenn man mit einer Persönlichkeit zusammenkäme, die nicht ein Zeitgenosse ist, vielleicht in gar keinem Erdenleben ein Zeitgenosse war — die man deshalb doch aufs höchste verehren kann, viel mehr als alle Zeitgenossen —, wie es wäre, wenn man mit ihr als Zeitgenosse zusammenträfe? Also, wie wäre es, wenn — verzeihen Sie das Persönliche - ich ein Zeitgenosse von Goethe gewesen wäre? Ja, wenn man kein gleichgültiger Mensch ist — selbstverständlich, wenn man ein gleichgültiger Mensch ist und eben nicht Verständnis hat für dasjenige, was ein Zeitgenosse sein kann, dann kann man sich auch nicht gut die Antwort darauf geben -, dann kann man fragen: Wie wäre es, wenn ich nun in der Schillergasse von Weimar hinuntergegangen wäre gegen den Frauenplan und mir «der dicke Geheimrat» entgegengekommen wäre, meinetwillen im Jahre 1826, 1827? - Nun, man weiß ganz gut, das hätte man nicht vertragen! Den «Zeitgenossen» verträgt man. Denjenigen, mit dem man nicht Zeitgenosse sein kann, verträgt man nicht; er würde in einer gewissen Weise wie vergiftend auf das Seelenleben wirken. Man verträgt ihn, weil man nicht Zeitgenosse ist, sondern Nachfolger oder Vorgänger. Gewiß, wenn man für diese Dinge kein Empfinden hat, so bleiben sie im Unterbewußten. Man kann sich vorstellen, daß einer eine feine Empfindung für Geistiges hat und weiß: Wenn er die Schillerstraße in Weimar hinunterginge gegen den Frauenplan und würde als Zeitgenosse dem dicken Geheimrat Goethe mit dem Doppelkinn etwa begegnet sein, er würde sich wie innerlich unmöglich gefühlt haben. Derjenige aber, der keine Empfindung dafür hat, nun, er hätte vielleicht gegrüßt.
[ 42 ] Well, you see, one simply has to have an open, free mind to answer this intimate question: What happens to all the inner experiences of the soul when a contemporary speaks to you or performs actions that affect you—what is that like? And one must then be able to compare that—after having acquired the necessary insight—with what it would be like to encounter a personality who is not a contemporary, who perhaps was never a contemporary in any earthly life at all—a personality whom one can nevertheless revere to the highest degree, far more than any contemporary—what it would be like to meet that person as a contemporary? So, what would it be like if—forgive me for getting personal—I had been a contemporary of Goethe? Yes, if one is not an indifferent person—of course, if one is an indifferent person and simply lacks an understanding of what it means to be a contemporary, then one cannot really answer that question—then one might ask: What would it be like if I had walked down Schillergasse in Weimar toward Frauenplan and “the fat Privy Councilor” had come toward me—let’s say in 1826 or 1827?—Well, we know full well that we wouldn’t have been able to tolerate that! One can tolerate the “contemporary.” One cannot tolerate the one with whom one cannot be a contemporary; he would, in a certain way, have a poisonous effect on one’s inner life. One tolerates him because one is not a contemporary, but rather a successor or a predecessor. Certainly, if one has no sensitivity to these things, they remain in the subconscious. One can imagine that someone with a keen sensitivity to spiritual matters knows: If he were to walk down Schillerstraße in Weimar toward the Frauenplan and were to encounter, as a contemporary, the portly Privy Councilor Goethe with his double chin, he would have felt as if something were fundamentally wrong within himself. But the one who has no sensitivity to such things—well, he might have simply said hello.
[ 43 ] Ja, sehen Sie, diese Dinge sind eben nicht aus dem Erdenleben, weil die Gründe, warum wir nicht Zeitgenossen irgendeines Menschen sein können, eben nicht innerhalb des Erdenlebens sind, weil man da schon hineinschauen muß in geistige Zusammenhänge; deshalb nehmen sie sich für das Erdenleben zuweilen paradox aus. Aber es ist so, es ist durchaus so.
[ 43 ] Yes, you see, these things simply do not stem from earthly life, because the reasons why we cannot be contemporaries of any particular person do not lie within earthly life—one must look into spiritual contexts; that is why they sometimes seem paradoxical in the context of earthly life. But that is how it is; that is absolutely how it is.
[ 44 ] Ich kann Ihnen die Versicherung geben, ich habe in wahrer Liebe eine Einleitung zu Jean Paul geschrieben, die in der Cottaschen «Bibliothek der Weltliteratur» erschienen ist. Hätte ich jemals in Bayreuth mit Jean Paul selber zusammensitzen müssen — Magenkrämpfe hätte ich ganz bestimmt bekommen. Das hindert nicht, daß man die höchste Verehrung hat. Aber das ist für jeden Menschen der Fall, nur bleibt es eben bei den meisten Menschen im Unterbewußten, bleibt im astralischen oder im ätherischen Leib, greift auch nicht den physischen Leib an. Denn das seelische Erlebnis, das den physischen Leib angreifen muß, muß eben zum Bewußtsein kommen. Aber Sie müssen auch darüber sich klar sein, meine lieben Freunde: Ohne das geht es nicht ab, wenn man Erkenntnisse über die geistige Welt gewinnen will, daß man Dinge zu hören bekommt, die einem grotesk, paradox erscheinen, eben weil die geistige Welt anders ist als die physische Welt.
[ 44 ] I can assure you that I wrote an introduction to Jean Paul out of genuine love, which was published in Cottas’s “Library of World Literature.” If I had ever had to sit with Jean Paul himself in Bayreuth—I would most certainly have gotten stomach cramps. That does not prevent one from having the highest reverence. But this is the case for every human being; it’s just that for most people, it remains in the subconscious, in the astral or etheric body, and does not affect the physical body. For the soul experience that must affect the physical body must first come into consciousness. But you must also be clear about this, my dear friends: If you want to gain insights into the spiritual world, there’s no way around it—you will hear things that seem grotesque or paradoxical to you, precisely because the spiritual world is different from the physical world.
[ 45 ] Natürlich kann jemand leicht spotten, wenn irgendwie behauptet wird: Wäre ich Zeitgenosse von Jean Paul gewesen, dann würde ich Magenkrämpfe bekommen haben, wenn ich mit ihm zusammengesessen hätte. — Das ist natürlich für die gewöhnliche, banale, philiströse Welt des irdischen Lebens, ganz selbstverständlich, durchaus wahr; aber die Gesetze der banal-philiströsen Welt gelten nicht für die geistigen Zusammenhänge. Man muß sich daran gewöhnen, in anderen Denkformen denken zu können, wenn man die geistige Welt verstehen will. Man muß sich daran gewöhnen, schon durchaus das Überraschende zu erleben. Wenn das gewöhnliche Bewußtsein über Goethe liest, so kann es sich natürlich gedrängt fühlen, zu sagen: Den hätte ich gern auch persönlich gekannt, ihm die Hand gedrückt und dergleichen. Das ist eine Gedankenlosigkeit, denn es gibt Gesetze, nach denen wir eben für ein bestimmtes Erdenzeitalter vorbestimmt sind und in diesem Zeitalter leben können. Geradeso wie wir für einen bestimmten Luftdruck für unseren physischen Leib vorbestimmt sind, und uns nicht erheben können über die Erde bis zu einem Luftdruck, der uns nicht genehm ist, ebensowenig kann ein Mensch, der für das 20. Jahrhundert bestimmt ist, im Zeitalter Goethes leben.
[ 45 ] Of course, it’s easy for someone to scoff at any claim along the lines of: “If I had been a contemporary of Jean Paul, I would have gotten stomach cramps just sitting with him.” — That is, of course, entirely true for the ordinary, banal, philistine world of earthly life; but the laws of that banal, philistine world do not apply to spiritual contexts. One must get used to thinking in different ways if one wants to understand the spiritual world. One must get used to experiencing the truly surprising. When ordinary consciousness reads about Goethe, it may naturally feel compelled to say: “I would have liked to have known him personally, to have shaken his hand, and so on.” That is thoughtlessness, for there are laws according to which we are predestined for a specific earthly age and can live only in that age. Just as we are predestined for a certain atmospheric pressure for our physical bodies, and cannot rise above the Earth to an atmospheric pressure that is not suitable for us, so too can a person who is destined for the 20th century not live in Goethe’s era.
[ 46 ] Das ist dasjenige, was ich zunächst über das Karma habe vorbringen wollen.
[ 46 ] That is what I wanted to say first about karma.
