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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236

12 April 1924, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Es ist etwas schwierig, die Fortsetzung desjenigen, was in den letzten anthroposophischen Vorträgen hier gegeben worden ist, heute zu gestalten, da so viele Freunde erschienen sind, die eben die vorangehenden Betrachtungen nicht mitgemacht haben. Aber auf der anderen Seite ist es nicht gut möglich, gerade heute, wo manches zu ergänzen ist zu den früheren Vorträgen, mit etwas Neuem anzufangen, so daß also die jetzt angekommenen Freunde schon es werden hinnehmen müssen, daß mancherlei von den Betrachtungen, die an Voriges innerlich, nicht äußerlich, anknüpfen, vielleicht dem Verständnis Schwierigkeiten bereiten werde. Der geschlossene Vortragszyklus soll ja eben zu Ostern abgehalten werden, und der wird aus sich selber dann verständlich sein. Heute aber muß ich die Fortsetzung desjenigen geben, was vorangegangen ist. Es ist ja auch durchaus nicht vorauszusehen gewesen, daß so viele Freunde schon heute erscheinen, was auf der anderen Seite ja durchaus befriedigend ist.

[ 1 ] It is somewhat difficult to continue today where the recent anthroposophical lectures here left off, since so many friends have come who did not participate in the previous sessions. On the other hand, however, it is not really feasible—especially today, when there is much to add to the earlier lectures—to begin with something entirely new; so the friends who have just arrived will simply have to accept that some of the reflections, which are linked to what came before in an inner, rather than an outer, sense, may present difficulties for their understanding. The complete lecture series is, after all, to be held at Easter, and it will then be understandable in its own right. Today, however, I must continue where we left off. It was certainly not foreseeable that so many friends would be here today, which, on the other hand, is quite gratifying.

[ 2 ] Es handelte sich nämlich in unseren letzten Betrachtungen hier um die Besprechung konkreter karmischer Zusammenhänge, die immer angestellt worden sind, nicht um irgend etwas Sensationelles in bezug auf aufeinanderfolgende Erdenleben zu sagen, sondern um nach und nach zu einem wirklichen konkreten Verständnis der Schicksalszusammenhänge im Menschenleben zu kommen. Und ich habe aufeinanderfolgende Erdenleben geschildert, einfach so geschildert, wie sie zunächst an mehr historischen Persönlichkeiten beobachtet werden können, um einen Begriff davon hervorzurufen — was ja nicht besonders leicht ist —, wie das eine Erdenleben in das andere hineinwirkt. Man muß dabei immer wiederum im Auge behalten, daß ja seit der Dornacher Weihnachtstagung ein neuer Zug in die anthroposophische Bewegung hineingekommen ist. Und über diesen Zug möchte ich nur ganz kurz einleitend ein paar Worte sagen.

[ 2 ] In fact, our most recent reflections here have focused on discussing specific karmic connections—not to make any sensational claims regarding successive earthly lives, but to gradually arrive at a genuine, concrete understanding of the interconnections of destiny in human life. And I have described successive earthly lives—simply as they can initially be observed in the lives of historical figures—in order to evoke an understanding—which is, of course, not particularly easy—of how one earthly life influences the next. In doing so, one must always bear in mind that, since the Dornach Christmas Conference, a new trend has entered the anthroposophical movement. And I would like to say just a few brief introductory words about this trend.

[ 3 ] Sie wissen ja, meine lieben Freunde, es gab nach dem Jahre 1918 allerlei Bestrebungen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Diese Bestrebungen hatten einen ganz bestimmten Ursprung. Als die Anthroposophische Gesellschaft 1913 begründet worden ist, hat es sich darum gehandelt, einmal wirklich aus einem okkulten Grundimpuls heraus die Frage zu stellen: Wird diese Anthroposophische Gesellschaft sich weiter entwickeln durch die Kraft, die sie bis dahin in ihren Mitgliedern gewonnen hatte? Und das konnte nur dadurch auserprobt werden, daß ich selber, der ich ja bis dahin als Generalsekretär die Leitung der Deutschen Sektion hatte, als welche die anthroposophische Bewegung in der Theosophischen Gesellschaft drinnen war, daß ich selber dazumal nicht weiter die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft in die Hand nahm; sondern ich wollte zusehen, wie diese Anthroposophische Gesellschaft sich nun aus ihrer eigenen Kraft entwickelt.

[ 3 ] As you know, my dear friends, there were all sorts of efforts within the Anthroposophical Society after 1918. These efforts had a very specific origin. When the Anthroposophical Society was founded in 1913, the aim was to ask the question—truly arising from an occult impulse—whether this Anthroposophical Society would continue to develop through the strength it had gained from its members up to that point. And this could only be put to the test by my own decision—I, who until then had served as General Secretary in charge of the German Section, through which the anthroposophical movement was represented within the Theosophical Society—not to continue leading the Anthroposophical Society at that time; rather, I wanted to observe how this Anthroposophical Society would now develop through its own power.

[ 4 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, das ist etwas anderes, als es gewesen wäre, wenn ich etwa dazumal geradeso wie bei der Weihnachtstagung gesagt hätte, ich wolle selbst die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft übernehmen. Denn natürlich muß ja die Anthroposophische Gesellschaft etwas ganz anderes sein, wenn sie von mir geleitet wird, oder wenn sie von jemandem anderen geleitet wird. Und aus gewissen Untergründen heraus hätte die Anthroposophische Gesellschaft, ohne daß ich selber sozusagen die Verwaltungsleitung gehabt hätte, um so besser geleitet werden können. Es hätten, wenn die Herzen gesprochen hätten, manche Dinge geschehen können, die eben dann unterblieben sind in Wirklichkeit, die nicht getan worden sind, ja, die sogar, unter dem Widerstand der Anthroposophen, von auswärts getan worden sind.

[ 4 ] You see, my dear friends, this is different from what it would have been if, back then, I had simply said—just as I did at the Christmas Conference—that I wanted to take over the leadership of the Anthroposophical Society myself. For, of course, the Anthroposophical Society must be something entirely different if it is led by me than if it is led by someone else. And for certain underlying reasons, the Anthroposophical Society could have been led all the better without my having, so to speak, been in charge of its administration. If hearts had spoken, many things could have happened that in reality did not take place, that were not done—indeed, that were even carried out from outside, in the face of resistance from the anthroposophists.

[ 5 ] Und so ist es denn gekommen, daß — während des Krieges war ja natürlich nicht sehr viel Möglichkeit vorhanden, nach allen Seiten die Kräfte zu entfalten —, so ist es denn gekommen, daß nach dem Jahre 1918, ich möchte fast sagen, der Zustand, der da war, benützt worden ist von allen möglichen Seiten, um das oder jenes zu tun. Hätte ich dazumal gesagt, das soll nicht geschehen, dann würde heute natürlich die Rede dahin gehen, daß man sagt: Nun, hätte man das geschehen lassen, so hätte man heute florierende Unternehmungen nach allen Seiten.

[ 5 ] And so it came to pass that—since, of course, during the war there wasn’t much opportunity to deploy one’s resources in all directions—it came to pass that after 1918, I would almost say, the situation that existed at the time was exploited by all sorts of parties to do this or that. If I had said back then that this should not happen, then of course the argument today would be that if we had allowed it to happen, we would now have thriving enterprises in all areas.

[ 6 ] Deshalb war es ja auch immer zu allen Zeiten Sitte, möchte ich sagen, daß die Leiter einer okkulten Bewegung sozusagen von denen, die etwas tun wollten, erproben ließen, wie das wird, damit durch die Tatsachen Überzeugungen hervorgerufen werden können. Das ist ja die einzig mögliche Art, Überzeugungen hervorzurufen. Und das mußte denn auch schon in diesem Falle geschehen.

[ 6 ] That is why, I would say, it has always been the custom throughout history for the leaders of an occult movement to have those who wanted to take action test things out, so to speak, to see how they would turn out, so that convictions could be brought about through the facts. That is, after all, the only possible way to inspire conviction. And that is precisely what had to happen in this case as well.

[ 7 ] Und das alles hat ja dazu geführt, daß dann gerade seit dem Jahre 1918 die Gegnerschaft in der Weise herangewachsen ist, wie sie nun einmal geworden ist, wie sie heute dasteht. Denn im Jahre 1918 hatten wir ja diese Gegnerschaft noch nicht. Wir hatten selbstverständlich einzelne Gegner. Um die kümmerte man sich nicht und brauchte sich nicht zu kümmern. Aber eigentlich sind die Gegner erst seit dem Jahre 1918 ins Kraut geschossen. Und das hat jenen heutigen Zustand hervorgerufen, unter dessen Einfluß es mir zum Beispiel unmöglich ist, öffentliche Vorträge innerhalb des Gebietes von Deutschland zu halten.

[ 7 ] And all of this has, of course, led to the fact that, especially since 1918, opposition has grown in the way that it has, to the state it is in today. After all, in 1918 we did not yet have this opposition. Of course, we had individual opponents. No one paid any attention to them, and there was no need to. But in reality, the opposition has only really taken root since 1918. And that has brought about the current situation, under the influence of which it is impossible for me, for example, to give public lectures within Germany.

[ 8 ] Das alles sollte gerade in der Gegenwart der anthroposophischen Bewegung nicht verhehlt werden. Darauf sollte man mit aller Klarheit schauen, denn wir kommen nicht vorwärts, wenn wir mit Unklarheiten arbeiten.

[ 8 ] All of this should not be concealed, especially in the context of the anthroposophical movement. We should look at this with complete clarity, for we will not make progress if we operate in a state of ambiguity.

[ 9 ] Nun ist aber auch verschiedenes experimentiert worden. Denken Sie nur einmal, was alles für Experimente gemacht worden sind, um immerzu, sagen wir, «wissenschaftlich» zu sein, ganz begreiflicherweise gewiß aus den Charakteren der Menschen heraus. Warum sollte es denn nicht dazu kommen, daß Wissenschafter, die ja auch teilnehmen an unserer Gesellschaft, wissenschaftlich sein wollen? Aber das ärgert die Gegner gerade. Denn dann, wenn man ihnen sagt, das oder jenes kann man beweisen als wissenschaftlich, dann treten sie mit ihren Aspirationen auf, die sie wissenschaftlich nennen, und dann werden sie natürlich wütend. Darüber muß man sich ja ganz klar sein. Nichts hat die Gegner mehr geärgert, als daß man über dieselben Themen, über die sie selber reden, in derselben Weise reden wollte, nur, wie man immer sagte, mit etwas «Einströmenlassen» von Anthroposophie. Dieses Einströmenlassen, das ist ja gerade das, was die Gegner in so großen Scharen herbeigerufen hat.

[ 9 ] But various experiments have also been conducted. Just think of all the experiments that have been carried out in the constant pursuit of, let’s say, “scientific” rigor—understandably, of course, stemming from people’s very nature. Why shouldn’t it be the case that scientists, who are, after all, part of our society, want to be scientific? But that is precisely what annoys their opponents. For when you tell them that this or that can be proven scientifically, they come forward with their own aspirations—which they call scientific—and then, naturally, they become furious. One must be perfectly clear about this. Nothing has annoyed the opponents more than the fact that people wanted to discuss the very same topics they themselves talk about in the same way—only, as has always been said, by “allowing” a bit of anthroposophy to flow in. This “allowing to flow in” is precisely what has drawn the opponents in such large numbers.

[ 10 ] Und wenn man erst der Illusion sich hingibt, daß man etwa, sagen wir, die Menschen verschiedener Religionsgesellschaften dadurch irgendwie für Anthroposophie gewinnen könne, daß man dasselbe oder ähnliches sagt, was sie sagen, nur indem man wiederum Anthroposophie «einströmen» läßt, wenn man sich dieser Illusion hingibt, dann sündigt man ganz stark gegen die Lebensbedingungen der Anthroposophie.

[ 10 ] And once one succumbs to the illusion that one can somehow win over people from various religious communities to anthroposophy—for example, by saying the same or similar things they say, while at the same time allowing anthroposophy to “flow in”—once one succumbs to this illusion, one is committing a grave transgression against the very conditions of anthroposophy’s existence.

[ 11 ] Nun, in all das, was auf anthroposophischem Felde geschehen ist, muß eben seit der Weihnachtstagung ein ganz neuer Zug kommen. Und diejenigen, die bemerkt haben die Art, wie jetzt Anthroposophie hier vertreten wird, wie sie in Prag vertreten worden ist, wie sie jetzt wiederum in Stuttgart vertreten worden ist, die werden ja gesehen haben, daß nunmehr Impulse da sind, die auch in bezug auf die Gegner etwas ganz Neues hervorrufen. Denn wenn man wissenschaftlich sein will im gewöhnlichen Sinne des Wortes, wie es leider viele haben sein wollen, dann setzt man sozusagen voraus, es ließe sich mit den Gegnern diskutieren. Aber wenn Sie nun die Vorträge nehmen, die hier gehalten worden sind, die Vorträge, die in Prag gehalten worden sind, den Vortrag, der in Stuttgart gehalten worden ist: Können Sie da einen Augenblick noch glauben, daß es sich nur darum handeln kann, mit dem Gegner zu diskutieren? Selbstverständlich kann man nicht mit Gegnern diskutieren, wenn man von diesen Dingen spricht, denn wie soll man mit irgend jemandem von der heutigen Zivilisation darüber diskutieren, daß die Seele des Muawija in der Seele des Woodrow Wilson wiedererschienen ist!

[ 11 ] Well, ever since the Christmas Conference, a whole new trend has had to emerge in everything that has taken place in the field of anthroposophy. And those who have noticed the way anthroposophy is now being presented here—as it was presented in Prague, and as it has now been presented again in Stuttgart—will have seen that there are now impulses at work that are bringing about something entirely new, even in relation to our opponents. For if one wants to be scientific in the ordinary sense of the word—as, unfortunately, many have wanted to be—then one assumes, so to speak, that it is possible to discuss these matters with one’s opponents. But if you now consider the lectures that have been given here, the lectures that were given in Prague, and the lecture that was given in Stuttgart: Can you still believe for a moment that this can be merely a matter of discussing with opponents? Of course, one cannot discuss with opponents when speaking of these things, for how is one to discuss with anyone from today’s civilization the fact that the soul of Muawiya has reappeared in the soul of Woodrow Wilson!

[ 12 ] Also es lebt jetzt in der ganzen anthroposophischen Bewegung ein Zug, der gar nicht auf etwas anderes hinausgehen kann als darauf, daß nun endlich einmal Ernst gemacht werde mit diesem Nichtdiskutieren mit den Gegnern. Wenn es sich um Argumente handelt, da kommt man ja ohnedies nicht zurecht. Und es wird doch endlich einmal eingesehen werden, daß es sich in bezug auf die Gegner nur handeln kann um das Zurückweisen von Verleumdungen und Unwahrheiten und Lügen. Man wird sich nicht der Illusion hingeben dürfen, daß man über solche Sachen diskutieren kann. Die müssen sich durch ihre eigene Macht und Gewalt verbreiten. Die lassen sich nicht durch Dialektik entscheiden.

[ 12 ] So there is now a trend throughout the entire anthroposophical movement that can lead to nothing other than finally taking seriously this refusal to engage in debate with our opponents. When it comes to arguments, we can’t make head or tail of them anyway. And it will finally be recognized that, with regard to opponents, the only option is to refute slander, falsehoods, and lies. We must not succumb to the illusion that such matters can be discussed. They must be allowed to spread through their own power and force. They cannot be resolved through dialectics.

[ 13 ] Das ist dasjenige, was vielleicht jetzt gerade durch die Haltung der anthroposophischen Bewegung, wie sie seit Weihnachten ist, immer mehr und mehr auch in unserer Mitgliedschaft eingesehen werden wird. Und deshalb ist es schon so, daß nunmehr die anthroposophische Bewegung so gestaltet wird, daß sie auf nichts mehr Rücksicht nimmt als auf das, was die geistige Welt von ihr haben will.

[ 13 ] This is precisely what will perhaps now be increasingly recognized by our members as well, given the stance the anthroposophical movement has taken since Christmas. And that is why the anthroposophical movement is now being shaped in such a way that it takes nothing else into consideration but what the spiritual world wants from it.

[ 14 ] Sehen Sie, ich habe nun von diesem Gesichtspunkte aus verschiedene Karmabetrachtungen angestellt, und diejenigen, die hier dabeigewesen sind, oder die das letzte Mal bei meinem Vortrag in Stuttgart waren, die werden sich erinnern, daß ich zu zeigen versuchte, wie diejenigen Individualitäten, die im 8. und 9. nachchristlichen Jahrhundert am Hofe des Harun al Raschid in Asien drüben vorhanden waren, nach verschiedenen Richtungen hin sich weiterentwickelt haben nach dem Tode und dann in ihren Wiederverkörperungen eine gewisse Rolle gespielt haben. In der Zeit, die wir auch das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges nennen können, etwas vorher, da haben wir auf der einen Seite die Individualität des Harun al Raschid, wiederverkörpert in dem Engländer Baco von Verulam, und haben den großen Organisator am Hofe von Harun al Raschid, der dort gelebt hat, allerdings nicht als Eingeweihter, aber als die Wiederverkörperung eines Eingeweihten, haben seine Individualität gefunden in Amos Comenius. Sie hat dann mehr in Mitteleuropa gewirkt. Aber aus diesen beiden Strömungen ist eigentlich vieles in dem geistigen Teil der neueren Zivilisation zusammengeflossen. So daß in dem geistigen Teil der neueren Zivilisation der Vordere Orient aus der Nach-Mohammed-Zeit gelebt hat, auf der einen Seite durch den wiederverkörperten Harun al Raschid in Baco von Verulam, auf der anderen Seite durch Amos Comenius, seinen großen Ratgeber.

[ 14 ] You see, I have now made various observations on karma from this perspective, and those who were present here, or who attended my last lecture in Stuttgart, will recall that I tried to show how those individualities who were present in the 8th and 9th centuries A.D. at the court of Harun al-Rashid over in Asia, developed in various directions after death and then played a certain role in their reincarnations. In the period we might also call the Age of the Thirty Years’ War, and somewhat earlier, we find, on the one hand, the individuality of Harun al-Rashid, reincarnated in the Englishman Bacon of Verulam; and we find the great organizer at the court of Harun al-Rashid—who lived there, not as an initiate, but as the reincarnation of an initiate—whose individuality we recognize in Amos Comenius. This influence then had a greater impact in Central Europe. But much of what constitutes the spiritual aspect of modern civilization has actually converged from these two currents. Thus, in the spiritual aspect of modern civilization, the Near East of the post-Muhammad era has lived on—on the one hand through Harun al-Rashid, reincarnated as Baco of Verulam, and on the other hand through Amos Comenius, his great advisor.

[ 15 ] Nun wollen wir heute einmal das betonen, daß ja die Entwickelung des Menschen nicht bloß stattfindet, wenn er hier auf Erden ist, sondern daß im wesentlichen auch die Entwickelung stattfindet, wenn die Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sind. So daß man sagen kann: Sowohl Bacon wie Amos Comenius, nachdem sie sozusagen den Arabismus von zwei verschiedenen Seiten her in der europäischen Zivilisation befestigt hatten, sind ja nach ihrem Tode eingetreten in das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Da sind sie, sowohl Bacon wie Amos Comenius, mit verschiedenen Seelen zusammengewesen, welche später auf der Erde waren als sie, welche im 17. Jahrhundert starben und dann weiterlebten in der geistigen Welt. Dann sind ja Seelen im 19. Jahrhundert auf die Erde gekommen; die sind vom 17. bis 19. Jahrhundert mit den Seelen von Bacon und Amos Comenius in der geistigen Welt zusammen gewesen.

[ 15 ] Today, let us emphasize that human development does not take place solely while a person is here on earth, but that, in essence, it also occurs when people are between death and a new birth. So one can say: Both Bacon and Amos Comenius, after they had, so to speak, established Arabism in European civilization from two different perspectives, entered after their deaths into the life between death and a new birth. There, both Bacon and Amos Comenius were together with various souls who were on Earth later than they were—souls who died in the 17th century and then continued to live in the spiritual world. Then, in the 19th century, souls came to Earth; from the 17th to the 19th century, they were together with the souls of Bacon and Amos Comenius in the spiritual world.

[ 16 ] Nun gab es solche Seelen, die sich vorzugsweise versammelten um die Seele des ja tonangebenden Bacon, und solche Seelen, die sich sammelten um Amos Comesius. Und wenn das auch mehr bildlich ist, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß, natürlich unter ganz anderen Verhältnissen, auch in der geistigen Welt, die die Menschen durchmachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, sozusagen Führerschaft und Anhängerschaft vorhanden ist. Und es wirkten solche Individualitäten nicht bloß durch das, was sie auf der Erde hier bewirkten, etwa durch die Schriften von Bacon oder durch die Schriften von Amos Comenius, oder durch das, was in der Tradition hier auf der Erde fortlebte, sondern diese führenden Geister wirkten ja dadurch auch, daß sie in den Seelen, die sie herunterschickten, oder mit denen sie zusammen waren und die heruntergeschickt wurden, etwas ganz Besonderes auch noch in der geistigen Welt aufkeimen ließen. Und so sind nun auch in den Menschen des 19. Jahrhunderts Seelen, welche in ihrer Entwickelung schon im vorirdischen Dasein abhängig geworden sind von einem der beiden Geister, dem entkörperten Amos Comenius, dem entkörperten Bacon.

[ 16 ] Now there were souls who tended to gather around the soul of Bacon, who certainly set the tone, and souls who gathered around Amos Comesius. And even if this is more figurative, we must not forget that—albeit under entirely different circumstances—there are also leaders and followers, so to speak, in the spiritual world that people pass through between death and a new birth. And such individuals did not act merely through what they accomplished here on Earth, such as through the writings of Bacon or those of Amos Comenius, or through what lived on in tradition here on Earth, but these leading spirits also worked by causing something quite special to take root in the spiritual world within the souls they sent down, or with whom they were associated and who were sent down. And so there are now, among the people of the 19th century, souls who, in their development, had already become dependent in their pre-earthly existence on one of these two spirits: the disembodied Amos Comenius or the disembodied Bacon.

[ 17 ] Und da möchte ich denn — wie gesagt, weil ich immer mehr und mehr hineinführen will in die Art und Weise, wie konkret Karma wirkt — aufmerksam machen auf zwei Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, deren Namen den meisten bekannt sein werden, wovon der eine ganz besonders im vorirdischen Leben beeinflußt war von Bacon, der andere beeinflußt war von Amos Comenius.

[ 17 ] And here I would like—as I said, because I want to delve deeper and deeper into the specific ways in which karma works—to draw attention to two figures from the 19th century whose names will be familiar to most people; one of them was particularly influenced by Bacon in his pre-earthly life, while the other was influenced by Amos Comenius.

[ 18 ] Wenn wir uns Bacon anschauen, wie er innerhalb der Erdenzivilisation in seinem irdischen Leben als Lordkanzler in England gestanden hat, so müssen wir sagen: Er wirkte ja so, daß zu spüren ist, wie hinter seinem Wirken ein Eingeweihter stand. Der ganze Streit um Bacon und Shakespeare ist ja so, wie er äußerlich von Literaturhistorikern getrieben wird, etwas außerordentlich Odes, denn es werden allerlei schöne Argumente vorgeführt, die da zeigen sollen zum Beispiel, daß eigentlich der Schauspieler Shakespeare überhaupt nicht seine Dramen geschrieben hat, sondern daß sie der Philosoph und Staatskanzler Bacon geschrieben haben soll, und dergleichen.

[ 18 ] When we look at Bacon and his position within earthly civilization during his earthly life as Lord Chancellor of England, we must say: He acted in such a way that one can sense an initiate standing behind his work. The whole controversy surrounding Bacon and Shakespeare—as it is outwardly driven by literary historians—is, in fact, something quite extraordinary, for all sorts of elegant arguments are presented that are meant to show, for example, that the actor Shakespeare did not actually write his plays at all, but that they were supposedly written by the philosopher and Lord Chancellor Bacon, and so on.

[ 19 ] Alle diese Dinge, die mit äußeren Mitteln arbeiten, Ähnlichkeiten aufsuchen in der Denkweise der Shakespearschen Dramen und der Baconschen philosophischen Werke, alle diese äußeren Dinge sind ja eigentlich öde, weil sie an die Sache gar nicht herankommen, da ja die Wahrheit so liegt, daß in der Zeit, als Bacon, Shakespeare, Jakob Böhme und noch ein anderer gewirkt haben, ein Eingeweihter da war, der eigentlich durch alle vier gesprochen hat. Daher ihre Verwandtschaft, weil tatsächlich das auf einen Quell zurückgeht. Aber natürlich disputieren die Leute, die mit äußeren Argumenten disputieren, nicht über einen Eingeweihten, der dahintergestanden hat, sintemalen dieser Eingeweihte in der Geschichte geschildert wird, wie ja mancher moderne Eingeweihte, als ein ziemlich lästiger Patron. Aber er war nicht bloß das. In seinen äußeren Handlungen war er es schon auch, aber er war nicht bloß das, sondern er war eben ein Individualität, von der ungeheure Kräfte ausgingen und auf die eigentlich zurückgingen sowohl die Baconschen philosophischen Werke wie auch die Shakespearschen Dramen, wie die Jakob Böhmeschen Werke und wie noch die Werke des Jesuiten Jakob Balde. Wenn man dies ins Auge faßt, so muß man schon in Bacon auf philosophischem Gebiete den Anreger einer ungeheuren, breiten Zeitströmung sehen.

[ 19 ] All these things that rely on external means, seeking similarities in the way of thinking found in Shakespeare’s plays and Bacon’s philosophical works—all these external things are, in fact, barren, because they do not come close to the heart of the matter at all, since the truth is that at the time when Bacon, Shakespeare, Jacob Böhme, and yet another were active, there was an initiate who actually spoke through all four of them. Hence their kinship, because it actually traces back to a single source. But of course, people who argue using external arguments do not debate an initiate who stood behind all this, since this initiate is portrayed in history—like many a modern initiate—as a rather troublesome figure. But he was not merely that. In his outward actions, he certainly was that, but he was not merely that; rather, he was an individual from whom immense powers emanated and to whom both Bacon’s philosophical works and Shakespeare’s plays, as well as the works of Jakob Böhme and those of the Jesuit Jakob Balde, actually trace their origins. When one considers this, one must indeed regard Bacon, in the realm of philosophy, as the catalyst for a vast and broad historical current.

[ 20 ] Will man sich nun vergegenwärtigen, was aus einer Seele werden kann, die durch zwei Jahrhunderte im überirdischen Leben ganz unter dem Einflusse des gestorbenen Bacon steht — es ist eine sehr interessante Frage —, dann muß man hinschauen auf die Art und Weise, wie Bacon nach seinem Tode gelebt hat. Es wird schon einmal wichtig werden für Betrachtungen der Menschengeschichte, daß man die Menschen, die auf der Erde leben, nicht bloß bis zu ihrem Tode betrachtet, sondern auch in ihrem Wirken über den Tod hinaus, wo sie, namentlich wenn sie Bedeutsames auf geistigem Gebiet geleistet haben, weiter wirken für die Seelen, die dann heruntersteigen auf die Erde.

[ 20 ] If one wishes to consider what might become of a soul that, for two centuries in the spiritual life, has been entirely under the influence of the deceased Bacon—which is a very interesting question—then one must look at the way in which Bacon has lived on after his death. It will become increasingly important for reflections on human history to consider people living on Earth not merely until their death, but also in their influence beyond death—where, especially if they have achieved something significant in the spiritual realm, they continue to influence the souls who then descend to Earth.

[ 21 ] Diese Dinge sind ja natürlich zuweilen etwas schockierend für die Menschen der Gegenwart. So zum Beispiel erinnere ich mich — es sei nur ein kleines Intermezzo, das ich einschiebe —, daß ich einmal auf dem Bahnhof einer kleineren deutschen Universitätsstadt, am Bahnhofstor, mit einem Arzt stand, einem bekannten Arzt, der sich viel mit Okkultismus beschäftigt. Um uns herum standen viele andere Leute. Er wurde warm, und aus seinem Enthusiasmus heraus sagte er zu mir in einem etwas lauten Ton, so daß es viele Umstehende hören konnten: Ich werde Ihnen die Biographie von Robert Blum schenken, aber die fängt erst mit seinem Tode an. — Es war, weil das so laut gesprochen war, schon etwas von Schockiertsein bei den Umstehenden zu bemerken. Man kann heute nicht so ohne weiteres zu den Leuten sagen: Ich schenke Ihnen die Biographie eines Menschen, die aber erst mit dem Tode anfängt.

[ 21 ] Of course, these things can sometimes be a bit shocking to people today. For example—and let me just insert this as a brief interlude—I remember once standing at the station entrance of a small German university town with a doctor, a well-known doctor who was deeply involved in the occult. There were many other people standing around us. He got carried away, and in the heat of his enthusiasm he said to me in a somewhat loud voice, so that many bystanders could hear: “I’ll give you the biography of Robert Blum, but it doesn’t begin until after his death.” — Because it was said so loudly, you could already sense a certain shock among the bystanders. Today, you can’t just casually say to people: “I’ll give you the biography of a person, but it doesn’t begin until after his death.”

[ 22 ] Aber außer dieser zweibändigen Biographie von Robert Blum, die nicht mit der Geburt, sondern mit dem Tode anfängt, ist Ja noch wenig geschehen nach dieser Richtung hin, biographisch von den Menschen zu sprechen, nachdem sie gestorben sind. Man fängt gewöhnlich bei der Geburt an und endigt mit dem Tode. Es gibt noch nicht viele Werke, die mit dem Tode anfangen.

[ 22 ] But apart from this two-volume biography of Robert Blum—which begins not with his birth but with his death—little has yet been done in this vein: to speak biographically of people after they have died. One usually begins with birth and ends with death. There are not yet many works that begin with death.

[ 23 ] Nun liegt aber für das reale Geschehen ein ungeheuer Wichtiges gerade in dem, was der Mensch nach dem Tode tut, wenn er die Ergebnisse dessen, was er auf der Erde getan hat, umgesetzt in das Geistige, den Seelen vermittelt, die nach ihm herunterkommen. Und man versteht gar nicht die Folgezeit eines Zeitalters, wenn man nicht auch auf diese Seite des Lebens hinschaut.

[ 23 ] But what is of immense importance for real events lies precisely in what a person does after death, when he conveys the results of what he has done on Earth—transformed into the spiritual realm—to the souls who descend after him. And one cannot truly understand the aftermath of an era unless one also looks at this aspect of life.

[ 24 ] Es handelte sich für mich darum, einmal diejenigen Individualitäten anzusehen, die um Bacon nach seinem Tode herum waren. Und es waren herum um Bacon solche Individualitäten, die dann als Naturforscher geboren wurden in der Folgezeit, aber auch solche Individualitäten, die als Geschichtsschreiber geboren wurden. Und wenn man sich nun den Einfluß des gestorbenen Lord Bacon auf diese Seelen anschaut, so sieht man, wie das, was er auf der Erde begründet hat, der Materialismus, das bloße Forschen in der Sinneswelt — alles andere ist ja für ihn Idol —, wie das, hinaufgesetzt, übersetzt ins Geistige, in einen Radikalismus umschlägt. So daß in der Tat diese Seelen mitten in der geistigen Welt Impulse aufnehmen, die dahin gehen, nach ihrer Geburt, nachdem sie heruntergestiegen sind, auf der Erde nur auf dasjenige etwas zu geben, was eine Tatsache ist, die man mit den Sinnen sehen kann.

[ 24 ] For me, the point was to take a look at the individualities who were around Bacon after his death. And there were such individualities around Bacon who were subsequently born as natural scientists, but also those who were born as historians. And when one now considers the influence of the late Lord Bacon on these souls, one sees how what he established on earth—materialism, the mere investigation of the sensory world (for him, everything else is an idol)—how this, when elevated and translated into the spiritual realm, turns into a form of radicalism. So that, in fact, these souls absorb impulses in the midst of the spiritual world that lead them, after their birth and after they have descended, to value on Earth only that which is a fact that can be perceived by the senses.

[ 25 ] Nun möchte ich etwas populär sprechen, aber ich bitte Sie, das Populäre eben auch nicht ganz wörtlich zu verstehen, denn natürlich ist es dann furchtbar leicht zu sagen: Das ist grotesk. — Unter diesen Seelen waren auch solche, die nach ihren früheren Anlagen, nach den Anlagen ihrer früheren Erdenleben eben Historiker haben werden sollen. Einer unter ihnen war — ich meine, drüben noch im vorirdischen Leben — einer der Bedeutendsten. Alle diese Seelen haben eigentlich unter dem Eindruck der Impulse von Lord Bacon gesagt: Man darf jetzt nicht mehr Geschichte schreiben, wie die Früheren geschrieben haben, so daß man Ideen hat, daß man Zusammenhänge erforscht, sondern es müssen die realen Tatsachen erforscht werden.

[ 25 ] Now I would like to speak in somewhat popular terms, but I ask you not to take these popular expressions entirely literally, for of course it is then terribly easy to say: “That is grotesque.” — Among these souls were also those who, according to their earlier dispositions—according to the dispositions of their previous earthly lives—were simply meant to become historians. One of them was—I mean, back in their pre-earthly life—one of the most significant. All these souls, influenced by the impulses of Lord Bacon, essentially said: One must no longer write history as the ancients did, in a way that gives rise to ideas and explores connections; rather, one must investigate the actual facts.

[ 26 ] Nun frage ich Sie: Was heißt in der Geschichte, die reale Tatsache benützen? — Das Wichtigste in der Geschichte sind ja die Absichten der Menschen, die nicht reale Tatsachen sind. Aber das zu erforschen, haben sich diese Seelen dann gar nicht mehr gestattet, und am wenigsten hat es sich gestattet diejenige Seele, die dann als einer der größten Geschichtsschreiber des 19. Jahrhunderts wieder erschienen ist, Leopold von Ranke, ein vorirdischer Schüler Lord Bacons, der eben als Leopold von Ranke wieder erschienen ist.

[ 26 ] Now I ask you: What does it mean in history to use real facts? — After all, the most important thing in history is people’s intentions, which are not real facts. But these souls no longer allowed themselves to explore that at all, and least of all did the soul who later reappeared as one of the greatest historians of the 19th century—Leopold von Ranke, a pre-earthly disciple of Lord Bacon—who reappeared precisely as Leopold von Ranke.

[ 27 ] Verfolgt man nun den irdischen Historikerlauf des Leopold von Ranke, welches ist denn sein Grundsatz? Rankes Grundsatz als Geschichtsschreiber ist der: Nichts darf in der Geschichte geschrieben werden, als was man in Archiven liest; man muß die ganze Geschichte aus Archiven, aus den Verhandlungen der Diplomaten zusammenstellen.

[ 27 ] If we now trace Leopold von Ranke’s career as a historian, what, then, is his guiding principle? Ranke’s guiding principle as a historian is this: Nothing may be written in history except what can be found in archives; one must reconstruct the entire history from archives and from the correspondence of diplomats.

[ 28 ] Ranke, der ja ein deutscher Protestant ist, dem das aber gegenüber seinem Wirklichkeitssinn ganz gleichgültig ist, arbeitet mit Objektivität, das heißt, mit Archivobjektivität schreibt er die Geschichte der Päpste, die beste Geschichte der Päpste, die geschrieben worden ist vom reinen Archivstandpunkte aus. Wenn man Ranke liest, so ist man etwas irritiert, eigentlich im Grunde schrecklich irritiert. Denn es ist etwas Odes, den bis ins höchste Alter beweglichen und regsamen Herrn sich denken zu müssen bloß in Archiven sitzend und zusammenstellend, was diplomatische Verhandlungen waren. Es ist ja gar keine wirkliche Geschichte. Aber es ist eine Geschichte, die nur mit den Tatsachen der Sinneswelt rechnet, und die sind für die Geschichte eben die Archive.

[ 28 ] Ranke, who is, after all, a German Protestant—though this is of no consequence to his sense of reality—works with objectivity; that is to say, with archival objectivity, he writes the history of the popes—the best history of the popes ever written from a purely archival standpoint. When one reads Ranke, one is somewhat irritated—actually, deeply irritated. For it is somewhat strange to have to imagine this gentleman, who remained active and energetic well into old age, sitting merely in archives and compiling accounts of diplomatic negotiations. It is, after all, not real history at all. But it is a history that takes into account only the facts of the sensory world—and for history, those facts are precisely the archives.

[ 29 ] Und so haben wir gerade unter dem Gesichtspunkt der Berücksichtigung auch des außerirdischen Lebens die Möglichkeit, ein Verständnis dafür zu gewinnen: Warum ist Ranke so geworden?

[ 29 ] And so, precisely by taking extraterrestrial life into account, we have the opportunity to gain an understanding of why Ranke turned out the way he did.

[ 30 ] Aber man kann auch hinüberschauen, wenn man solche Betrachtungen anstellt, zu Amos Comenius, wie der gewirkt hat auf das vorirdische Wollen von Seelen, die nachher heruntergestiegen sind. Und ebenso wie Leopold von Ranke der bedeutendste nachtodliche Schüler Bacons geworden ist, so ist Schlosser der bedeutendste nachtodliche Schüler von Amos Comesius geworden.

[ 30 ] But when engaging in such reflections, one can also look to Amos Comenius and consider how he influenced the pre-earthly will of souls who subsequently descended. And just as Leopold von Ranke became Bacon’s most significant posthumous disciple, so Schlosser has become the most significant posthumous disciple of Amos Comenius.

[ 31 ] Und nun nehmen Sie bei Schlosser, wenn Sie seine Geschichte durchlesen, den ganzen Duktus, den ganzen Grundton: Überall spricht der Moralist, derjenige, der die menschlichen Seelen, die menschlichen Herzen ergreifen will, der zu den Herzen sprechen will. Manchmal gelingt es ihm ja schwer, weil er eben doch einen pedantischen Zug hat. Nun, er spricht halt auf pedantische Weise zu den Herzen, aber er spricht zu den Herzen, weil er ein vorirdischer Schüler des Amos Comenius ist, weil er von ihm etwas davon aufgenommen hat, was in diesem Amos Comenius steckte, der gerade durch seine besondere Geistesart so charakteristisch ist.

[ 31 ] And now, when you read through Schlosser’s story, take in the entire style, the entire underlying tone: Everywhere, the moralist speaks—the one who wants to move human souls and hearts, who wants to speak to the heart. Sometimes he finds it difficult to succeed, precisely because he does have a pedantic streak. Well, he speaks to the hearts in a pedantic way, but he speaks to the hearts because he is a pre-earthly disciple of Amos Comenius, because he has absorbed something from him—something that was inherent in Amos Comenius, who is so distinctive precisely because of his unique spirit.

[ 32 ] Denken Sie sich, er kommt ja doch vom Mohammedanismus herüber. Er ist etwas ganz anderes, als etwa die Geister sind, die sich an Lord Bacon angeschlossen haben; aber in die reale Außenwelt ging auch Amos Comenius in seiner Amos Comenius-Inkarnation. Überall forderte er Anschaulichkeit für den Unterricht, überall soll Bildliches zugrunde liegen. Anschauung fordert er, das Sinnliche wird betont, aber auf eine andere Art. Denn Amos Comenius ist zugleich einer derjenigen, die im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges in der allerlebendigsten Weise zum Beispiel an dem Eintritt des sogenannten «Tausendjährigen Reiches» festhalten; er ist der, der in seiner «Pansophia» große, weltumspannende Ideen geschrieben hat, der es also darauf abgesehen hatte, durch Stoßkraft auf die Erziehung der Menschen zu wirken. Das wirkte in Schlosser noch nach, das ist in Schlosser drinnen.

[ 32 ] Just think, he does, after all, come from the Muslim tradition. He is something entirely different from, say, the spirits who aligned themselves with Lord Bacon; but Amos Comenius, too, entered the real external world in his Amos Comenius incarnation. Everywhere he called for clarity in teaching; everywhere, the visual should form the foundation. He calls for clarity of perception; the sensory is emphasized, but in a different way. For Amos Comenius is also one of those who, during the age of the Thirty Years’ War, held fast in the most vivid way to the idea of the advent of the so-called “Millennial Kingdom”; he is the one who, in his Pansophia, wrote of grand, global ideas—one who thus sought to influence the education of humanity through a powerful impetus. This continued to resonate within Schlosser; it is within Schlosser.

[ 33 ] Ich erwähnte diese beiden Gestalten, Ranke und Schlosser, aus dem Grunde, um Ihnen zu zeigen, wie man das, was im Menschen als geistig produzierend auftritt, nur begreifen kann, wenn man das außerirdische Leben eben auch in Betracht zieht. Dann erst versteht man es, so wie wir manches verstanden haben dadurch, daß wir die wiederholten Erdenleben ins Auge gefaßt haben.

[ 33 ] I mentioned these two figures, Ranke and Schlosser, for the purpose of showing you that what manifests in human beings as a spiritual creative force can only be understood if one also takes extraterrestrial life into account. Only then can one understand it, just as we have come to understand many things by taking repeated earthly lives into account.

[ 34 ] Nun ist ja benerklich geworden in den Betrachtungen, die ich hier in den voranliegenden Stunden vor Ihnen angestellt habe, daß in einer merkwürdigen Weise von einer Inkarnation in die andere hinübergewirkt wird, und ich erwähne, wie ich schon sagte, diese Beispiele aus dem Grunde, damit dann eingegangen werden kann auf die Art und Weise, wie jemand über sein eigenes Karma denken kann. Man muß, bevor man eingeht auf die Art und Weise, wie Gut und Böse hinüberwirken von einer Inkarnation in die andere, wie Krankheiten und dergleichen hinüberwirken, erst eine Anschauung davon gewinnen, wie dasjenige hinüberwirkt, was dann im eigentlichen Geistesleben der Zivilisation zutage tritt.

[ 34 ] It has now become apparent in the reflections I have shared with you here over the past few hours that there is a remarkable carryover from one incarnation to the next, and, as I have already said, I mention these examples so that we can then discuss the way in which a person can reflect on their own karma. Before delving into how good and evil carry over from one incarnation to the next, and how illnesses and the like carry over, one must first gain an understanding of how that which then comes to light in the actual spiritual life of civilization carries over.

[ 35 ] Ich darf gestehen, meine lieben Freunde, daß eine der äußerst interessanten Persönlichkeiten mit Bezug auf ihr Karma aus dem neueren Geistesleben für mich Conrad Ferdinand Meyer war. Denn wer Conrad Ferdinand Meyer in seiner Gestalt, wie er gelebt hat als der Dichter Conrad Ferdinand Meyer, betrachtet, der sieht ja, daß die schönsten Leistungen Conrad Ferdinand Meyers darauf beruhen, daß immer und immer wieder in seiner gesamtmenschheitlichen Verfassung etwas da war wie ein Entfliehenwollen des Ich und des astralischen Leibes heraus aus dem physischen Leib und dem Ätherleib.

[ 35 ] I must confess, my dear friends, that one of the most fascinating figures in recent spiritual life—in terms of his karma—was, for me, Conrad Ferdinand Meyer. For anyone who considers Conrad Ferdinand Meyer in his own right—as he lived as the poet Conrad Ferdinand Meyer—can see that his finest achievements stem from the fact that, time and again, within his overall human constitution, there was something akin to a desire of the “I” and the astral body to escape from the physical body and the etheric body.

[ 36 ] Krankhafte Zustände treten bei Conrad Ferdinand Meyer auf, bis hart an die Grenze des Geistesgestörtseins kommend. Es sind Zustände, die nur in einer etwas extremeren Form das zustande bringen, was eigentlich im Entstehungsgrunde, im Status nascendi immer bei ihm vorhanden ist: heraus will das eigentliche Geistig-Seelische und hält nur mit leisem Band das Physisch-Ätherische.

[ 36 ] Conrad Ferdinand Meyer experiences pathological states that come very close to the threshold of insanity. These are states that, in a somewhat more extreme form, bring about what is actually always present in him at its very origin, in its status nascendi: the true spiritual-soul aspect wants to break free and is held back from the physical-etheric aspect only by a tenuous thread.

[ 37 ] Und in diesen Zuständen, wo das Geistig-Seelische mit leisem Bande das Physisch-Ätherische hält, entstehen bei Conrad Ferdinand Meyer die schönsten seiner Leistungen, sowohl die schönsten seiner größeren Dichtungen wie auch die schönsten seiner kleineren Gedichte. Man kann schon sagen, halb außerhab des Leibes sind die schönsten der Dichtungen von Conrad Ferdinand Meyer entstanden. Es war ein ganz eigentümliches Gefüge zwischen den vier Gliedern der Menschennatur bei diesem Conrad Ferdinand Meyer vorhanden. Es ist wirklich ein Unterschied zwischen einer solchen Persönlichkeit und einem Durchschnittsmenschen der Gegenwart. Bei einem Durchschnittsmenschen des materialistischen Zeitalters, da hat man es gewöhnlich mit einer sehr robusten Verbindung des Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Ätherischen zu tun. Da steckt das Geistig-Seelische tief im Physisch-Ätherischen drinnen, setzt sich ganz hinein. Bei Conrad Ferdinand Meyer war das nicht vorhanden. Da war ein zartes Verhältnis des Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Ätherischen. Und die Psyche dieses Menschen zu beschreiben, gehört wirklich zu dem Interessantesten, das man in bezug auf die neuere Geistesentwickelung machen kann. Es ist schon außerordentlich interessant zu sehen, wie manches, was bei Conrad Ferdinand Meyer heraufkommt, sich fast ausnimmt wie eine getrübte Erinnerung, die aber schön geworden ist durch die Trübung. Man hat immer das Gefühl: Wenn Conrad Ferdinand Meyer schreibt, so erinnert er sich an etwas, aber nicht genau. Er verändert es, aber er verändert es ins Schöne und ins Formvollendete. Das ist für einzelne seiner Dichtungen auch wiederum Stück für Stück in einer wunderbaren Weise zu beobachten.

[ 37 ] And it is in these states—where the spiritual-soul aspect is gently bound to the physical-etheric aspect—that Conrad Ferdinand Meyer produces his finest works, including both his most beautiful major poems and his most beautiful minor poems. One could even say that Conrad Ferdinand Meyer’s finest poems were created while he was, in a sense, half outside his body. There was a quite unique interplay between the four aspects of human nature in Conrad Ferdinand Meyer. There really is a difference between such a personality and the average person of the present day. In the case of an average person of the materialistic age, one is usually dealing with a very robust connection between the spiritual-soul aspect and the physical-etheric aspect. There, the spiritual-soul aspect is deeply embedded within the physical-etheric aspect, fully integrated into it. This was not the case with Conrad Ferdinand Meyer. There was a delicate relationship between the spiritual-soul aspect and the physical-etheric aspect. And describing this man’s psyche is truly one of the most interesting things one can do in relation to recent spiritual development. It is extraordinarily interesting to see how much of what emerges in Conrad Ferdinand Meyer’s work almost seems like a clouded memory—one that has, however, been beautified by that very cloudiness. One always has the feeling that when Conrad Ferdinand Meyer writes, he is recalling something, but not precisely. He transforms it, but he transforms it into something beautiful and perfectly formed. This can also be observed, piece by piece, in a wonderful way in some of his poems.

[ 38 ] Nun ist es ja das Charakteristische im inneren Karma eines Menschen, wenn ein ganz bestimmtes Verhältnis der vier Glieder der menschlichen Natur vorhanden ist, von physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich. Diese sonderbar intime Verbindung hat man nun zurückzuverfolgen. Da kommt man zunächst zurück in das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Das war mir zuerst bei dieser Persönlichkeit klar: da liegt etwas von einem vorigen Erdenleben in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Dann wiederum ein weiter vorangehendes Erdenleben, das geht zurück bis in die vorkarolingische Zeit und geht deutlich zurück in die italienische Geschichte.

[ 38 ] Now, what is characteristic of a person’s inner karma is the presence of a very specific relationship among the four members of human nature: the physical body, the etheric body, the astral body, and the ego. This strangely intimate connection must now be traced back. This leads us first back to the era of the Thirty Years’ War. That was the first thing that became clear to me regarding this individual: there is something from a previous earthly life dating to the time of the Thirty Years’ War. Then, in turn, there is an even earlier earthly life that goes back to the pre-Carolingian period and clearly extends into Italian history.

[ 39 ] Aber bei dem Verfolgen des Karma von Conrad Ferdinand Meyer überträgt sich, ich möchte sagen, das eigentümlich Verschwimmende seines Wesens, das aber doch wiederum in solcher Formvollendung auftritt, auf die Untersuchung, und man hat dann das Gefühl: du kommst in die Verwirrung hinein. Und es ist eigentlich nur etwas getan, wenn ich diese Dinge tatsächlich so schildere, wie sie sich ergeben. Man hat, wenn man da zurückgeht in die Zeit des 7., 8. Jahrhunderts in Italien, man hat das Gefühl: du kommst in etwas außerordentlich Unsicheres hinein. Man wird immer wieder zurückgestoßen, und man merkt erst nach und nach, daß das nicht an einem selber liegt, sondern daß es an der Sache liegt; daß da in der Seele, in der Individualität des Conrad Ferdinand Meyer etwas liegt, was einen selber in die Verwirrung bringt beim Untersuchen. Denn man muß ja, wenn man eine solche Sache untersucht, immer wieder zurückkommen in die gegenwärtige Inkarnation, respektive in die jüngst vergangene vorhergehende, in die weiter vorangehende, dann muß man wiederum, ich möchte sagen, Posto fassen und immer wieder zurückkommen.

[ 39 ] But when tracing the karma of Conrad Ferdinand Meyer, I would say that the peculiarly elusive nature of his being—which, however, manifests itself in such formal perfection—transfers itself to the investigation, and one then has the feeling: you are entering into confusion. And I’m really only doing the right thing if I describe these things exactly as they present themselves. When you go back to the time of the 7th and 8th centuries in Italy, you get the feeling that you’re entering into something extraordinarily uncertain. One is repeatedly pushed back, and one realizes only gradually that this is not one’s own fault, but that it lies in the matter itself; that there is something in the soul, in the individuality of Conrad Ferdinand Meyer, that throws one into confusion during the investigation. For when one investigates such a matter, one must repeatedly return to the present incarnation, or rather to the most recent one that has just passed, and to those that preceded it; then one must, I would say, regain one’s bearings and return again and again.

[ 40 ] Und nun ergab sich folgendes. Sie müssen denken: Alles, was in vorangehenden Inkarnationen in einer Menschenseele gelebt hat, kommt ja in den verschiedensten Formen, in für die äußere Betrachtung manchmal gar nicht konstatierbaren Ähnlichkeiten zutage. Das werden Sie schon an anderen Wiederverkörperungen gesehen haben, die ich in diesen Wochen hier entwickelt habe.

[ 40 ] And now the following became apparent. You must realize: Everything that has lived within a human soul in previous incarnations manifests itself in the most diverse forms, in similarities that are sometimes not even discernible to the outside observer. You will have already seen this in other reincarnations that I have discussed here over the past few weeks.

[ 41 ] Und so kommt man zu einer Inkarnation in Italien in den ersten christlichen Jahrhunderten, das heißt am Anfang der zweiten Hälfte des ersten christlichen Jahrtausends, wo die Seele, bei der man zunächst halt machen muß, gelebt hat — viel in Ravenna, viel am römischen Hofe. Aber nun kommt man dadurch in eine Verwirrung hinein, daß man sich doch fragen muß: Was lebte in der Seele? — In dem Augenblicke, wo man sich frägt, um die okkulte Forschung herauszufordern: Was lebte in der Seele? — da löscht sich einem das wieder aus. Man kommt auf die Erlebnisse, die diese Seele hat, die am Ravenna-Hofe, am römischen Hofe lebt; man kommt in diese Erlebnisse hinein, man glaubt sie zu haben: da löschen sie sich einem wieder aus. Und man wird dann zurückgetrieben zu dem in jüngster Zeit lebenden Conrad Ferdinand Meyer, bis man darauf kommt: Er löscht einem in diesem späteren Leben seinen eigenen Seeleninhalt des früheren Lebens aus. Und wirklich, erst nach langer Mühe kommt man darauf, wie sich die Sache verhält. Da kommt man darauf: Conrad Ferdinand Meyer, das heißt die Individualität, die in ihm lebte, lebte dazumal in Italien in einem gewissen Verhältnisse zu einem Papste, der diese Individualität mit anderen zusammen in einer katholischen christlichen Mission nach England schickte. So daß diese Individualität, die dann Conrad Ferdinand Meyer wurde, erst all jenen wunderbaren Formensinn aufgenommen hatte, den man gerade in jener Zeit in Italien aufnehmen konnte, von dem namentlich die Mosaikkünste in Italien sprechen, von dem die ältere italienische Malerei spricht, die zum größten Teile ja überhaupt ganz zugrunde gegangen ist — das hat ja aufgehört —, und er ging dann mit einer katholisch-christlichen Mission zu den Angelsachsen.

[ 41 ] And so we arrive at an incarnation in Italy during the early Christian centuries—that is, at the beginning of the second half of the first Christian millennium—where the soul, with whom we must first pause to consider, lived—largely in Ravenna and largely at the Roman court. But this leads to confusion, for one is compelled to ask: What lived within the soul? — The very moment one asks this question, challenging occult research: What lived within the soul? — that is when it vanishes from one’s consciousness again. One turns to the experiences of this soul living at the court of Ravenna and at the Roman court; one enters into these experiences, one believes one has them—and then they fade from one’s mind again. And one is then driven back to Conrad Ferdinand Meyer, who lived in recent times, until one realizes: In this later life, he erases from one’s mind the very essence of one’s soul from the earlier life. And indeed, only after much effort does one realize how things stand. Then one realizes: Conrad Ferdinand Meyer—that is, the individuality that lived within him—lived at that time in Italy in a certain relationship to a pope who, together with others, sent this individuality on a Catholic Christian mission to England. So that this individuality, which later became Conrad Ferdinand Meyer, had first absorbed all that wonderful sense of form that could be absorbed in Italy at that very time—a sense of form expressed particularly in the mosaic arts of Italy and in older Italian painting, most of which has, in fact, been completely lost—it has, after all, ceased to exist— and he then went to the Anglo-Saxons with a Catholic Christian mission.

[ 42 ] Ein Genosse von ihm begründete das Bistum Canterbury. Und dasjenige, was in Canterbury geschehen ist, das hat sich im wesentlichen an diese Begründung angeschlossen. Die Individualität, die dann als Conrad Ferdinand Meyer erschienen ist, war nur dabei, aber diese Individualität war eine sehr regsame und hat dadurch den Unwillen eines Angelsachsenhäuptlings hervorgerufen und ist auf das Anstiften dieses Angelsachsenhäuptlings ermordet worden. Das ist etwas, das man zunächst findet. Aber es war in der Seele des Conrad Ferdinand Meyer, während er in England verweilte, etwas, was sie ihres Lebens nicht froh werden ließ. Diese Seele wurzelte eigentlich in der damaligen italienischen Kunst, wenn man das so nennen will, in dem italienischen Geistesleben. Sie wurde nicht froh bei der Ausübung der Missionstätigkeit in England, widmete sich aber dieser Missionstätigkeit dennoch in einer intensiven Weise, so daß eben dann die Ermordung sogar die Reaktion darauf war.

[ 42 ] A comrade of his founded the Diocese of Canterbury. And what happened in Canterbury essentially followed on from that foundation. The individual who later appeared as Conrad Ferdinand Meyer was merely present, but this individual was very spirited and thereby aroused the displeasure of an Anglo-Saxon chieftain and was murdered at the instigation of this Anglo-Saxon chieftain. This is something one discovers at first. But there was something in Conrad Ferdinand Meyer’s soul, while he was staying in England, that prevented him from finding joy in his life. This soul was actually rooted in the Italian art of that time—if one wishes to call it that—in Italian intellectual life. It found no joy in carrying out missionary work in England, yet devoted itself to this work with such intensity that the murder was, in fact, a reaction to it.

[ 43 ] Dieses Nicht-froh-Werden, dieses eigentlich Abgestoßensein von etwas, das er aber wiederum aus einem anderen Trieb des Herzens heraus mit aller Kraft, mit aller Hingabe ausführte, das wirkte in einer gewissen Weise so, daß nun beim Durchgang durch das nächste Erdenleben eine kosmische Trübung des Gedächtnisses eintrat. Der Impuls war da, aber er deckte sich nicht mit irgendeinem Begriffe mehr.

[ 43 ] This failure to find joy—this actual aversion to something, which he nevertheless carried out with all his strength and devotion out of another impulse of the heart—had the effect, in a certain sense, that a cosmic clouding of memory set in as he passed through his next earthly life. The impulse was there, but it no longer corresponded to any concept.

[ 44 ] Und so wurde zustande gebracht, daß dann in der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation ein unbestimmter Impuls sich geltend machte: In England wirkte ich; etwas hängt zusammen mit Canterbury, ermordet worden bin ich wegen meines Zusammenhanges mit Canterbury.

[ 44 ] And so it came to pass that, in the incarnation of Conrad Ferdinand Meyer, a vague impulse made itself felt: I was active in England; there is a connection with Canterbury; I was murdered because of my connection with Canterbury.

[ 45 ] Darauf hin wirkt nun das äußere Leben der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation. Conrad Ferdinand Meyer studiert englische Geschichte, er studiert Canterbury, er studiert, was da im Zusammenhange mit der englischen Geschichte und Canterbury vor sich geht. Er stößt auf Thomas Becket, den Kanzler des Königs Heinrich II. im 12. Jahrhundert, auf dieses eigentümliche Schicksal des Thomas Becket, der zuerst ein allmächtiger Kanzler Heinrichs II. war, dann ermordet wurde auf Anstiften Heinrichs II. Dann erschien dem Conrad Ferdinand Meyer im Conrad Ferdinand Meyer-Leben in diesem Thomas Becket sein eigenes, halbvergessenes Schicksal — im Unterbewußten, meine ich, halbvergessen, denn ich rede natürlich von dem Unterbewußten, das da erscheint. Und da schildert er sein eigenes Schicksal aus uralter Zeit, indem er es schildert in der Geschichte, die sich abgespielt hat im 12. Jahrhundert zwischen dem König Heinrich II. und dem Thomas Becket von Canterbury, indem er dieses Schicksal schildert in seiner Dichtung «Der Heilige». Es ist gerade so — nur spielt sich das alles in dem Unterbewußten ab, das die aufeinanderfolgenden Erdenleben umfaßt —, es ist alles so, wie wenn etwa ein Mensch in einem Erdenleben in früher Jugend im Zusammenhange mit irgendeinem Orte etwas erlebt hätte, vielleicht im zweiten, dritten Lebensjahre etwas erlebt hat, das er dann vergessen hat, das nicht auftaucht. Dann taucht ein ähnliches anderes Schicksal auf, der Ort wird genannt: dieser Ort ruft hervor, daß der Betreffende eine besondere Sympathie hat für dieses andere Schicksal und dieses andere Schicksal anders empfindet als eben einer, der nicht mit diesem Orte irgendwie in eine Ideenassoziation tritt. So wie sich das in einem Erdenleben abspielen kann, so spielt es sich ab in diesem konkreten Falle, den ich Ihnen angebe: Das Wirken in Canterbury, die Ermordung einer an Canterbury gebundenen Persönlichkeit — denn Thomas Becket ist ja Erzbischof von Canterbury — durch den König von England. Indem also diese Motive zusammenwirken, schildert er das eigene Schicksal in demjenigen, was er darstellt.

[ 45 ] This is where the outer life of the Conrad Ferdinand Meyer incarnation comes into play. Conrad Ferdinand Meyer studies English history; he studies Canterbury; he studies what is happening there in connection with English history and Canterbury. He comes across Thomas Becket, the chancellor of King Henry II in the 12th century, and the peculiar fate of Thomas Becket, who was first an all-powerful chancellor to Henry II and was then murdered at Henry II’s instigation. Then, in Conrad Ferdinand Meyer’s own life, this Thomas Becket revealed to him his own, half-forgotten fate—in the subconscious, I mean, half-forgotten, for I am, of course, speaking of the subconscious that emerges there. And there he depicts his own destiny from time immemorial by portraying it in the story that unfolded in the 12th century between King Henry II and Thomas Becket of Canterbury, by depicting this destiny in his poem “The Saint.” It is exactly like that—only all of this takes place in the subconscious that encompasses successive earthly lives—it is all as if, for example, a person in an earthly life had experienced something in early youth in connection with a certain place, perhaps in the second or third year of life, something that he then forgot, something that does not surface. Then a similar but different fate emerges, and the place is named: this place evokes a special sympathy in the person concerned for this other fate, and they perceive this other fate differently than someone who has no such associative connection to this place. Just as this can unfold in an earthly life, so it unfolds in this specific case I am presenting to you: the events in Canterbury, the murder of a figure connected to Canterbury—for Thomas Becket is, after all, the Archbishop of Canterbury—by the King of England. Thus, as these motifs interact, he portrays his own destiny in what he depicts.

[ 46 ] Nun geht es aber fort bei Conrad Ferdinand Meyer — das ist das Interessante: Er wird wiedergeboren so im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges, als Frau wiedergeboren, als regsame, geistig interessenreiche Frau geboren in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, sieht manches Abenteuerliche. Diese Frau heiratet einen Mann, der zunächst an all den Wirren, die da waren im Dreißigjährigen Kriege, teilnahm, dem es dann aber zu dumm geworden ist und der nach der Schweiz auswanderte, nach Graubünden, und da als ein ziemlich philiströser Herr lebte. Aber seine Frau nahm alles das auf, was innerhalb des Graubündner Landes selber sich abspielte unter dem Einfluß der Verhältnisse des Dreißigjährigen Krieges.

[ 46 ] But now the story continues with Conrad Ferdinand Meyer—and this is the interesting part: He is reborn during the Thirty Years’ War, reborn as a woman—a lively, intellectually curious woman born during the Thirty Years’ War—and experiences many adventures. This woman marries a man who initially took part in all the turmoil of the Thirty Years’ War, but who eventually grew tired of it all and emigrated to Switzerland, to Graubünden, where he lived as a rather philistine gentleman. But his wife took in everything that was happening within the canton of Graubünden itself under the influence of the circumstances of the Thirty Years’ War.

[ 47 ] Das ist wiederum wie mit einer Schicht zugedeckt, weil schon einmal dasjenige, was in dieser Individualität ist, ich möchte sagen, sich kosmisch leicht vergißt und dennoch wiederum in Veränderung heraufgeholt wird und dann glorioser, intensiver wird. Und aus dem, was diese Frau erlebt hat in ihrer Anschauung, entsteht die wunderbare Charakteristik des «Jürg Jenatsch», des Mannes aus Graubünden. Und so hat man, wenn man nun diesen Conrad Ferdinand Meyer in seiner Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation ansieht, keine Erklärung für seine Eigentümlichkeit, wenn man nicht auf sein Karma eingehen kann. Denn eigentlich muß ich sagen — das ist cum grano salis gesprochen selbstverständlich, denn das Wort paßt nicht recht —, eigentlich beneide ich die Leute, die Conrad Ferdinand Meyer so leichten Herzens verstehen. Als ich seine frühere Verkörperung noch nicht gekannt habe, habe ich nur verstanden, daß ich ihn eigentlich nicht verstehe. Denn diese wunderbare Geschlossenheit der Form, diese innere Freude an der Form, dieses Reine der Form, diese Kraft, die Gewalt, die in «Jürg Jenatsch» lebt, dieses ungemein Persönlich-Lebendige, das in dem «Heiligen» lebt — man muß schon ein Stück Oberflächlichkeit haben, wenn man das ohne weiteres zu verstehen glaubt.

[ 47 ] This, in turn, is as if covered by a layer, because what is present in this individuality—I would say—is easily forgotten on a cosmic scale, yet is brought back to the surface through change and then becomes more glorious and intense. And from what this woman experienced in her vision arises the wonderful characterization of “Jürg Jenatsch,” the man from Graubünden. And so, when one looks at this Conrad Ferdinand Meyer in his Conrad Ferdinand Meyer incarnation, one has no explanation for his peculiarity unless one can take his karma into account. For actually, I must say—and this is, of course, spoken cum grano salis, since the word doesn’t quite fit—actually, I envy the people who understand Conrad Ferdinand Meyer so effortlessly. Before I knew of his earlier incarnation, I understood only that I did not really understand him. For this marvelous coherence of form, this inner joy in form, this purity of form, this power, this force that lives in Jürg Jenatsch, this extraordinarily personal vitality that lives in The Saint—one must be quite superficial to believe one can understand this without further thought.

[ 48 ] Wenn man aber merkt: in den schönen Formen, die zugleich etwas Linienhaftes, etwas Strenges haben, die gemalt und wieder nicht gemalt sind, leben die Mosaiken von Ravenna; in dem «Heiligen» lebt eine Geschichte, die einstmals von der Individualität selber durchgemacht worden ist, über die sich aber Seelendunst breitete, so daß aus dem Seelendunst eine andere Formung herauskam — und wenn man weiß: vom Frauengemüt ist dasjenige aufgenommen worden, was in der Graubündner Dichtung des «Jürg Jenatsch» lebt, und in manchem, was da ist an Stoßigem in dieser Graubündner Dichtung, da lebt wiederum der Haudegen aus dem Dreißigjährigen Kriege, der ein ziemlich philiströser Herr, aber dennoch ein Haudegen war; wenn man weiß: da lebt in der Seele in einer eigentümlichen Form dasjenige auf, was von früheren Erdenerlebnissen herüberkommt — dann beginnt man eigentlich erst zu begreifen. Und man sagt sich dann: In alten Zeiten der Menschheitsentwickelung haben die Menschen ungeniert gesprochen über die Art und Weise, wie überirdische Geister auf die Erde herabgestiegen sind, wie wiederum Menschen der Erde sich hinaufgelebt haben, um von der Geisteswelt aus weiterzuwirken, und das ist etwas, was wieder kommen muß, sonst bleibt der Mensch bei seinem Regenwurm-Materialismus. Denn was sich heute naturwissenschaftliche Weltanschauung nennt, ist ja eine Regenwurm-Weltanschauung.

[ 48 ] But when one realizes: in the beautiful forms—which possess at the same time something linear, something austere, that are both painted and yet not painted—the mosaics of Ravenna come to life; in the “sacred” lives a story that was once lived through by individuality itself, over which, however, a mist of the soul spread, so that a different form emerged from that mist—and when one realizes that it is the feminine spirit that has absorbed what lives in the Graubünden poetry of “Jürg Jenatsch,” and in much of what is jarring in this Graubünden poetry, there lives once again the veteran of the Thirty Years’ War, who was a rather philistine gentleman, yet nonetheless a veteran; when one knows that what comes over from earlier earthly experiences revives in the soul in a peculiar form—only then does one truly begin to understand. And one then says to oneself: In the early days of human evolution, people spoke openly about the way in which supernatural spirits descended to Earth, and how, in turn, people on Earth ascended to continue working from the spiritual world—and this is something that must return, otherwise humanity will remain stuck in its earthworm materialism. For what is called the scientific worldview today is, after all, an earthworm worldview.

[ 49 ] Die Menschen leben eigentlich so auf Erden, als wenn nur die Erde sie anginge und als wenn nicht der ganze Kosmos auf das Irdische wirkte und im Menschen lebte, und als wenn nicht frühere Zeiten fortlebten dadurch, daß wir dasjenige, was wir in ihnen aufgenommen haben, selber herübertragen in die späteren Zeiten. Und Karma verstehen, heißt nicht, irgendwie begrifflich reden zu können über aufeinanderfolgende Erdeninkarnationen, sondern Karma verstehen, heißt, in seinem Herzen das zu fühlen, was man fühlen kann, wenn man in spätere Epochen in Menschenseelen selbst dasjenige herüberfließen sieht, was vor Zeiten da war. Wenn man sieht, wie Karma wirkt, dann erhält das menschliche Leben ja einen ganz anderen Inhalt. Man fühlt sich selber ganz anders in dem menschlichen Leben drinnenstehend.

[ 49 ] People actually live on Earth as if only the Earth were of concern to them, as if the entire cosmos did not influence earthly life and dwell within human beings, and as if past times did not live on through the fact that we ourselves carry over into later times what we have absorbed from them. And to understand karma does not mean being able to speak in abstract terms about successive earthly incarnations; rather, to understand karma means to feel in one’s heart what one can feel when, in later epochs, one sees flowing into human souls that very thing which existed in times past. When one sees how karma works, human life takes on an entirely different meaning. One feels oneself standing within human life in a completely different way.

[ 50 ] Solch ein Geist wie Conrad Ferdinand Meyer tritt auf und fühlt die früheren Erdenleben wie einen Grundton in seinem Wesen darinnen, wie Untertöne, die da herübertönen. Man versteht erst das, was da ist, wenn man ein Verständnis für diese Grundtöne entwickelt. Und der Fortschritt der Menschheit im Geistesleben wird darauf beruhen, daß in dieser Weise das Leben wird betrachtet werden können, daß man wirklich wird eingehen können auf das, was durch Menschen selber aus früheren Epochen der Weltenentwickelung in spätere Epochen der Weltenentwickelung hinüberströmt, Das Eigentümliche von mancher Seele, etwa wie die Psychoanalytiker es tun, auf törichte Art aus «verborgenen Seelenprovinzen» heraus zu erklären — man kann ja dem Verborgenen alles zuschreiben —, das wird aufhören, und man wird die wirklichen Ursachen suchen. Denn das Treiben der Psychoanalytiker, die ja in gewisser Beziehung wirklich wiederum ganz Gutes leisten, das erinnert einen manchmal daran, wie wenn jemand sagen würde: Im Jahre 1749 ist in Frankfurt einem Patrizier ein später begabt auftretender Sohn geboren worden; man kann heute noch den Ort feststellen, wo in Frankfurt dieser später als Wolfgang Goethe auftretende Mensch geboren worden ist. Man grabe einmal nach in der Erde, durch welche Ausdünstung seine Anlagen zustande gekommen sind. — So kommen einem die Psychoanalytiker manchmal vor! Sie graben unten ins Erdreich der Seele hinein, in die «verborgenen Provinzen», die sie erst selber hypothetisch entdecken, während man in Wirklichkeit in den vorangegangenen Erdenleben und in den Leben, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sind, suchen muß. Dann eröffnet sich das Verständnis von Menschenseelen. Menschenseelen sind wahrhaft viel zu reich, als daß man ihren Inhalt aus einem einzigen Erdenleben heraus erkennen könnte.

[ 50 ] A spirit such as Conrad Ferdinand Meyer appears and senses his past earthly lives within his being as a fundamental tone, like undertones resonating from within. One can only understand what is there once one develops an understanding of these fundamental tones. And the progress of humanity in spiritual life will depend on being able to view life in this way—so that one can truly engage with what flows from people themselves, from earlier epochs of world development into later epochs of world development, The peculiar tendency of some to explain the nature of the soul—as psychoanalysts do, for example—in a foolish way as emerging from “hidden provinces of the soul”—since one can, after all, attribute everything to the hidden—will cease, and people will seek the real causes. For the activities of psychoanalysts—who, in a certain sense, do indeed accomplish quite a lot of good—sometimes remind one of someone saying: In 1749, a patrician in Frankfurt had a son who later showed exceptional talent; even today, one can still pinpoint the exact location in Frankfurt where this person, who later became known as Wolfgang Goethe, was born. Let’s dig into the earth to find out what vapors gave rise to his talents. — That’s how psychoanalysts sometimes strike me! They dig deep into the soil of the soul, into the “hidden provinces” that they themselves first discover hypothetically, whereas in reality one must search in previous earthly lives and in the lives that exist between death and a new birth. Then an understanding of human souls opens up. Human souls are truly far too rich for their contents to be understood on the basis of a single earthly life.