Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236
6 April 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Lassen Sie mich jetzt an dasjenige anknüpfen, was ich über das Karma in der letzten Zeit hier vorgetragen habe. Ich habe Ihnen gezeigt, wie durch die Geschichte hindurch die seelischen Impulse der Menschen von einem Erdenleben zu dem anderen sich hinüber fortpflanzen, so daß immer von einer früheren Epoche in die spätere Epoche dasjenige geleitet wird, was die Menschen selber hinübertragen.
[ 1 ] Let me now pick up where I left off regarding what I have been discussing here recently about karma. I have shown you how, throughout history, people’s spiritual impulses carry over from one earthly life to the next, so that what people themselves carry over is always transmitted from an earlier epoch to a later one.
[ 2 ] Ein solcher Gedanke soll nicht nur theoretisch an uns herantreten, ein solcher Gedanke soll unser Empfindungsleben, soll unsere ganze Seele, soll unser Herz ergreifen. Wir sollen fühlen, wie wir, die ja im Grunde genommen so, wie wir hier sind, viele Male innerhalb des Erdendaseins vorhanden waren, jedesmal, wenn wir da vorhanden waren, in unsere Seele aufgenommen haben, was im Umkreise der Zivilisation war. Wir haben das mit unserer Seele verbunden. Wir haben es immer herübergetragen in die nächste Inkarnation, nachdem wir es vom geistigen Gesichtspunkte aus durchgearbeitet hatten zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so daß, wenn wir so zurückblicken, wir eigentlich uns erst recht drinnenstehend fühlen in der Gesamtheit der Menschheit. Und damit wir dieses fühlen können, damit wir gewissermaßen mehr übergehen können in den nächsten Vorträgen zu dem, was, ich möchte sagen, uns ganz intim selber angeht und das Hineinstellen in den karmischen Zusammenhang uns nahebringt, damit das geschehen könne, sollten ja konkrete Beispiele vorgeführt werden. Und ich suchte an solchen konkreten Beispielen zu zeigen, wie das, was irgendeine Persönlichkeit in alten Zeiten erlebt, ausgearbeitet hat, bis in die Gegenwart herein wirksam geblieben ist, weil es eben innerhalb des Karmas stand.
[ 2 ] Such a thought should not merely approach us theoretically; such a thought should touch our emotional life, our entire soul, and our heart. We should feel how we—who, after all, have existed many times within earthly life just as we are here—have, each time we were present, taken into our soul whatever was part of the surrounding civilization. We have connected this with our soul. We have always carried it over into the next incarnation, after having worked through it from a spiritual perspective between death and a new birth, so that when we look back in this way, we actually feel all the more deeply immersed in the totality of humanity. And so that we can feel this—so that, in a sense, we can move more fully in the next lectures toward what, I would say, concerns us quite intimately and brings us closer to placing ourselves within the karmic context—so that this might happen, concrete examples should indeed be presented. And I sought to use such concrete examples to show how what a particular individual experienced and worked through in ancient times has remained effective right up to the present, precisely because it was part of karma.
[ 3 ] Ich habe zum Beispiel hingewiesen auf Harun al Raschid, habe hingewiesen darauf, wie Harun al Raschid, dieser merkwürdige Nachfolger Mohammeds im 8. und im 9. nachchristlichen Jahrhundert, im Mittelpunkte stand eines wunderbaren Kulturlebens, eines Kulturlebens, welches weit alles überflügelte, was gleichzeitig in Europa war. Denn das, was gleichzeitig in Europa war, war eigentlich eine primitive Kultur. Während der Zeit, als in Europa Karl der Große herrschte, floß dort am Hofe Harun al Raschids, im Orient drüben, alles das zusammen, was an asiatischem, von Europa befruchtetem Zivilisationsleben nur zusammenfließen konnte: die Blüte dessen, was die griechische Kultur, was die altorientalischen Kulturen auf allen Gebieten des Lebens hervorgebracht hatten. Architektur, Astronomie, wie sie damals getrieben wurde, Philosophie, Mystik, Künste, Geographie, Dichtung, sie blühten am Hofe Harun al Raschids.
[ 3 ] For example, I referred to Harun al-Rashid; I pointed out how Harun al-Rashid, this remarkable successor to Muhammad in the 8th and 9th centuries CE, was at the center of a marvelous cultural life—a cultural life that far surpassed anything that existed in Europe at the time. For what existed in Europe at the same time was, in fact, a primitive culture. While Charlemagne reigned in Europe, everything that could possibly converge in Asian civilization—enriched by European influences—came together at the court of Harun al-Rashid, over in the East: the flowering of what Greek culture and the ancient Eastern cultures had produced in all areas of life. Architecture, astronomy as it was practiced at the time, philosophy, mysticism, the arts, geography, and poetry—all flourished at the court of Harun al-Rashid.
[ 4 ] Und Harun al Raschid versammelte um sich eigentlich die besten derjenigen, die in Asien dazumal irgend etwas bedeuteten. Das waren ja zum großen Teile solche, die noch innerhalb der Eingeweihtenschulen, innerhalb der Initiationsschulen ihre Bildung fanden. Und Harun al Raschid hatte in seiner Umgebung eine Persönlichkeit — ich möchte nur diese eine Persönlichkeit erwähnen —, die in jener Zeit — wir stehen ja damit schon im Mittelalter auch für den Orient — zunächst in einer mehr intellektuellen Art aufnehmen konnte, was an wunderbarem Geistesgut von alten Zeiten her in die damals neueren überbracht wurde. Eine Persönlichkeit lebte da am Hofe Harun al Raschids, die in viel älteren Zeiten selbst durch die Initiation durchgegangen war.
[ 4 ] And Harun al-Rashid actually gathered around him the very best of those who were of any significance in Asia at that time. For the most part, these were people who had received their education within the schools of the initiated, within the schools of initiation. And Harun al-Rashid had in his circle a figure—I would like to mention just this one figure—who, at that time—we are, after all, already in the Middle Ages, even for the Orient—was initially able to assimilate, in a more intellectual manner, the marvelous spiritual heritage that had been passed down from ancient times into what were then more recent times. There lived at the court of Harun al-Rashid a figure who, in much earlier times, had himself undergone initiation.
[ 5 ] Sie haben ja gehört von mir, wie es sehr wohl sein kann, daß wenn irgendeine Persönlichkeit, die für ein Zeitalter als ein Initiierter dasteht, wiederkommt — weil sie den Leib benutzen muß, der ihr eben zur Verfügung stehen kann, benutzen muß die Erziehungsverhältnisse, die ihr dann zur Verfügung stehen —, daß eine solche Eingeweihten-Persönlichkeit dann nicht als ein Eingeweihter erscheint, trotzdem sie alle diejenigen Dinge in ihrer Seele trägt, die sie geschaut hat während ihres Initiationslebens.
[ 5 ] You have heard from me how it is quite possible that when a personality who is regarded as an initiate for a particular age returns—because she must use whatever body is available to her and must make use of the educational conditions available to her at that time—such an initiated personality may not appear as an initiate, even though they carry within their soul all the things they beheld during their life of initiation.
[ 6 ] So haben wir ja bei Garibaldi kennengelernt, wie er das, was er als einstmaliger irischer Initiierter war, ausgelebt hat als ein Visionär des Willens, hingegeben an die Verhältnisse seiner unmittelbaren Gegenwart. Aber erkennbar ist an ihm, wie er, indem er sich hineinstellt in diese Verhältnisse seiner Umgebung, dennoch in sich andere Impulse trägt, als diejenigen sind, die ein gewöhnlicher Mensch hätte aufnehmen können aus der Erziehung, der Umgebung. Es wirkte eben in Garibaldi der Impuls, der ihm kam von der irischen Einweihung her. Sie war nur verdeckt, und wahrscheinlich, wenn Garibaldi irgendeinen besonderen Schicksalsschlag oder sonst etwas erlebt hätte, das herausgefallen wäre aus dem, was in der damaligen Zeit erlebt werden konnte, dann wäre plötzlich aus seinem Inneren all das in Form von Imaginationen hervorgequollen, was er aus seiner irischen Einweihungszeit in sich trug.
[ 6 ] As we saw with Garibaldi, he lived out what he had experienced as a former Irish initiate as a visionary of the will, devoted to the circumstances of his immediate present. But what is evident in him is how, while immersing himself in the circumstances of his surroundings, he nevertheless carries within himself impulses different from those an ordinary person could have absorbed from their upbringing and environment. The impulse that came to Garibaldi from his Irish initiation was at work within him. It was merely concealed, and it is likely that if Garibaldi had experienced some particular stroke of fate or anything else that fell outside the scope of what could be experienced at that time, then all that he carried within him from his time of Irish initiation would suddenly have welled up from within him in the form of imaginations.
[ 7 ] Und so ist es immer gewesen bis heute. Es kann einer ein Eingeweihter sein in einer bestimmten Epoche, und weil er eben in einer späteren Epoche einen Leib benützen muß, der nicht aufnimmt, was die Seele in sich schließt, erscheint der Betreffende in diesem Zeitalter nicht als ein Eingeweihter, sondern es lebt der Einweihungsimpuls in seinen Taten oder in irgendwelchen anderen Verhältnissen. Und so war es auch, daß eine Persönlichkeit, die einmal ein höherer Eingeweihter war, am Hofe Harun al Raschids lebte. Diese Persönlichkeit, trotzdem sie nicht in einer äußerlich offenbaren Weise den Einweihungs-, den Initiationsinhalt in die spätere Zeit, in die Zeit Harun al Raschids hinübertragen konnte, war aber doch eine der glänzendsten Persönlichkeiten innerhalb der orientalischen Kultur im 8., 9. Jahrhundert. Sie war sozusagen der Organisator all desjenigen, was an Wissenschaften und Künsten am Hofe des Harun al Raschid vorhanden war.
[ 7 ] And that is how it has always been, right up to the present day. A person may be an initiate in a particular epoch, and because in a later epoch he must use a body that does not accommodate what the soul contains within itself, the person in question does not appear as an initiate in that age; rather, the impulse of initiation lives on in his actions or in some other circumstances. And so it was that a personality who had once been a higher initiate lived at the court of Harun al-Rashid. Although this individual could not carry the content of the initiation into the later era—the time of Harun al-Rashid—in an outwardly manifest way, he was nonetheless one of the most brilliant figures within Eastern culture in the 8th and 9th centuries. He was, so to speak, the organizer of all the sciences and arts that existed at the court of Harun al-Rashid.
[ 8 ] Nun haben wir ja schon besprochen, welchen Weg die Individualität des Harun al Raschid durch die Zeiten hindurch genommen hart. Als er durch die Pforte des Todes gegangen war, blieb in ihm der Drang, mehr nach dem Westen zu kommen, dasjenige, was sich an Arabismus nach dem Westen hin ausbreitete, mit eigener Seele nach dem Westen zu tragen. Dann hat ja Harun al Raschid, der hinüberblickte über die Gesamtheit der einzelnen orientalischen Wissens- und Kunstzweige, seine Wiederverkörperung gefunden als der berühmte Baco von Verulam, der Organisator und Reformator des neueren philosophischen und wissenschaftlichen Geisteslebens. Wir sehen das, was Harun al Raschid gewissermaßen um sich herum gesehen hat, aber übersetzt ins Abendländische, in Bacon wiederum auftreten.
[ 8 ] We have already discussed the path that Harun al-Rashid’s individuality has taken through the ages. When he had passed through the gates of death, the urge remained within him to venture further west—to carry, with his own soul, that aspect of Arab culture which was spreading westward. And so Harun al-Rashid, who surveyed the entirety of the various branches of Eastern knowledge and art, found his reincarnation in the famous Bacon of Verulam, the organizer and reformer of modern philosophical and scientific intellectual life. We see in Bacon the reappearance of what Harun al-Rashid, in a sense, observed around him—but translated into Western terms.
[ 9 ] Und nun nehmen Sie, meine lieben Freunde, diesen Weg, den von Bagdad aus, von der asiatischen Heimat, Harun al Raschid genommen hat nach England. Von England aus breitete sich ja dann in einer stärkeren, intensiveren Weise, als man gewöhnlich denkt, das, was Bacon gedacht hat in bezug auf die Organisierung der Wissenschaften, über Europa aus (siehe Zeichnung, rot).
[ 9 ] And now, my dear friends, take this path—the one that Harun al-Rashid took from Baghdad, from his Asian homeland, to England. From England, Bacon’s ideas regarding the organization of the sciences then spread throughout Europe in a more powerful and intense way than is generally thought (see illustration, red).


[ 10 ] Nun kann man etwa sagen: diese beiden Persönlichkeiten, Harun al Raschid und sein großer Ratgeber, die überragende Persönlichkeit, die in früheren Zeiten ein tiefer Eingeweihter war, sie trennten sich; aber sie trennten sich im Grunde genommen zu gemeinsamem Wirken, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen waren. Harun al Raschid selber, der in glanzvollem Fürstentum gelebt hatte, erwählte den Weg, den ich Ihnen gezeigt habe, bis nach England herein, um als Baco von Verulam in bezug auf die Wissenschaft zu wirken. Die andere Seele, die Seele seines Ratgebers, sie wählte den Weg herüber (grüner Pfeil), um sich innerhalb Mitteleuropas zu begegnen mit dem, was von Bacon ausging. Wenn auch die Zeitalter nicht ganz stimmen, so hat das nichts weiter zu sagen, denn das hat für dasjenige, für das die Zeit selber nicht die tiefe Bedeutung hat, auch nicht solch große Bedeutung; denn manches, was oftmals Jahrhunderte auseinanderliegt, das wirkt zusammen in der späteren Zivilisation.
[ 10 ] Now one might say, for example: these two figures, Harun al-Rashid and his great advisor—that outstanding personality who had once been a deeply initiated one—parted ways; but in essence, they parted in order to work together after they had passed through the gate of death. Harun al-Rashid himself, who had lived in splendid royalty, chose the path I have shown you, all the way to England, to work in the realm of science as Bacon of Verulam. The other soul, the soul of his advisor, chose the path across (green arrow) to encounter, within Central Europe, what emanated from Bacon. Even if the time periods do not quite match, this is of no great consequence, for it holds little significance for those for whom time itself lacks deep meaning; for many things, often separated by centuries, interact within later civilization.
[ 11 ] Der Ratgeber Harun al Raschids, er wählte den Weg durch den Osten Europas hindurch nach Mitteleuropa hinein während seines Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und er wurde wiedergeboren in Mitteleuropa, in mitteleuropäisches Geistesleben hinein, als Amos Comenius.
[ 11 ] Harun al-Rashid’s advisor chose the path through Eastern Europe into Central Europe during his life, between death and a new birth. And he was reborn in Central Europe, into Central European intellectual life, as Amos Comenius.
[ 12 ] Und so haben wir dieses merkwürdige, große, bedeutsame Schauspiel in dem geschichtlichen Werden, daß sich Harun al Raschid entwickelt, um vom Westen nach Osten eine Kulturströmung einzuleiten, die abstrakt, äußerlich-sinnlich ist; und von Osten herüber hat ja Amos Comenius in Siebenbürgen, in der heutigen Tschechoslowakei, bis nach Deutschland herein seine Tätigkeit entwickelt und ist dann in holländischer Verbannung gewesen. Amos Comenius hat — wer sein Leben verfolgt, wie er es darlebt als der Reformator der neueren Pädagogik für die damalige Zeit und als der Verfasser der sogenannten «Pansophia», kann es sehen —, er hat herübergetragen dasjenige, war er am Hofe Harun al Raschids aus älterer Einweihung heraus entwickelt hat. In der Zeit, als der Bund der «Mährischen Brüder» gegründet wurde, in der Zeit auch, als das Rosenkreuzertum schon einige Jahrhunderte hindurch gewirkt hatte, als die «Chymische Hochzeit» erschien, die «Reformation der ganzen Welt» von Valentin Andreae, da hat Amos Comenius, dieser große, bedeutende Geist des 17. Jahrhunderts, in all das, was da kam angeregt aus derselben Quelle heraus, seine bedeutsamen Anregungen hineingebracht.
[ 12 ] And so we witness this remarkable, grand, and significant spectacle in the course of history: Harun al-Rashid emerging to initiate a cultural movement from west to east that is abstract and outwardly sensory; and from the East, Amos Comenius carried out his work in Transylvania—in what is now Czechoslovakia—extending as far as Germany, before going into exile in the Netherlands. Amos Comenius—as anyone who traces his life can see, given how he lived as the reformer of modern pedagogy for his time and as the author of the so-called “Pansophia”—brought over what he had developed at the court of Harun al-Rashid through an earlier initiation. At the time when the “Moravian Brethren” were founded—a time when Rosicrucianism had already been active for several centuries, and when The Chemical Wedding and The Reformation of the Whole World by Valentin Andreae were published— it was then that Amos Comenius, that great and significant mind of the 17th century, infused his own significant insights into all that was emerging from the same source.
[ 13 ] Und so sehen Sie drei hintereinander liegende bedeutsame Erdenleben — und an bedeutsamen Erdenleben kann man eben die weniger bedeutenden dann studieren und sich selber hinaufranken zum Begreifen des eigenen Karma —, so sehen Sie diese drei bedeutsamen Inkarnationen hintereinander liegen: Zunächst tief drinnen in Asien dieselbe Individualität, die dann später erscheint als Amos Comenius, in alter Mysterienstätte aufnehmend alle Weisheit einer uralten Zeit Asiens. Sie trägt diese Weisheit hinüber bis zur nächsten Inkarnation, in der sie am Hofe Harun al Raschids lebt, hier sich entwickelnd zum großartigen Organisator dessen, was unter der Obhut und unter dem Fürsorgesinn des Harun al Raschid blüht und gedeiht. Dann erscheint sie wieder, um gewissermaßen dem Baco von Verulam, der der wiederverkörperte Harun al Raschid ist, entgegenzukommen und sich mit ihm im Hinblick auf dasjenige, was beide auszuströmen haben in die europäische Zivilisation, innerhalb dieser europäischen Zivilisation von neuem zu begegnen.
[ 13 ] And so you see three significant earthly lives in succession—and it is precisely through significant earthly lives that one can then study the less significant ones and work one’s way up to an understanding of one’s own karma—so you see these three significant incarnations in succession: First, deep within Asia, the same individual who later appears as Amos Comenius, absorbing all the wisdom of Asia’s ancient times at an ancient site of mystery. It carries this wisdom forward to the next incarnation, in which it lives at the court of Harun al-Rashid, developing there into the magnificent organizer of all that blossoms and flourishes under Harun al-Rashid’s care and benevolence. Then it appears again, as it were, to meet Baco of Verulam—who is the reincarnated Harun al-Rashid—and to encounter him anew within European civilization, with a view to what both have to contribute to that civilization.
[ 14 ] Was ich hier sage, das ist schon von einer großen Bedeutung. Denn verfolgen Sie nur die Briefe, die geschrieben wurden und die den Weg machten — natürlich auf ein kompliziertere Art, als das bei Briefen der Fall ist, die heute geschrieben werden — von Baconianern oder Leuten, die in irgendeiner Weise der Bacon-Kultur nahestanden, zu den Anhängern der Comenius-Schule, der Comenius-Weisheit. Da können Sie in Schreiben und Antwortschreiben verfolgen, was ich Ihnen hier mit ein paar Strichen (siehe Zeichnung) an die Tafel gezeichnet habe.
[ 14 ] What I am saying here is of great significance. For just follow the letters that were written and that made their way—of course in a more complicated way than is the case with letters written today—from Baconianists or people who were in some way close to Baconian culture, to the followers of the Comenius school, of Comenius’s wisdom. There, in the letters and replies, you can trace what I have sketched for you here on the board with a few strokes (see drawing).
[ 15 ] Dasjenige, was an Briefen von Westen nach Osten und von Osten nach Westen geschrieben wurde, das war das lebendige Zusammenströmen zweier Seelen, die auf diese Art sich begegneten, nachdem sie die Grundlage zu dieser Begegnung gelegt hatten, als sie gemeinsam im Orient drüben im 8. und 9. Jahrhundert wirkten und dann sich zu entgegengesetztem und doch harmonisch zusammenwirkendem Tun wiederum vereinten.
[ 15 ] The letters written from West to East and from East to West represented the vibrant convergence of two souls who met in this way, having laid the foundation for this encounter while working together in the Orient during the 8th and 9th centuries, and who then reunited in activities that were opposite yet harmoniously complementary.
[ 16 ] Sehen Sie, so kann Geschichte studiert werden, so sehen wir die lebendigen Menschenkräfte in die Geschichte hineinwirken!
[ 16 ] You see, this is how history can be studied; this is how we see the living forces of humanity at work in history!
[ 17 ] Oder nehmen wir einen anderen Fall. Es ergab sich mir aus ganz besonderen Verhältnissen heraus, daß sozusagen der Blick auf gewisse Ereignisse hingelenkt wurde, die, wir würden heute sagen, im Nordosten Frankreichs sich abspielten, aber sich abspielten auch im 8., 9. Jahrhundert, etwas später als die Zeit ist, von der ich jetzt gesprochen habe. Es spielten sich da besondere Ereignisse ab. Es war ja eine Zeit, in der noch nicht die großen Staatenbildungen da waren, in der deshalb dasjenige, was geschah, mehr innerhalb kleinerer Kreise der Menschheit geschah.
[ 17 ] Or let’s consider another case. Due to very special circumstances, my attention was drawn, so to speak, to certain events that—as we would say today—took place in northeastern France, but which also occurred in the 8th and 9th centuries, somewhat later than the period I have just been discussing. Special events took place there. It was, after all, a time when the great states had not yet emerged, and therefore what happened took place more within smaller circles of humanity.
[ 18 ] Da hatte denn eine Persönlichkeit von energischem Charakter einen gewissen großen Besitz eben in dem Gebiet, das wir heute den Nordosten Frankreichs nennen würden. Dieser Mann verwaltete den Besitz in einer außerordentlich geordneten Weise, in einer für die damalige Zeit außerordentlich systematischen Weise, möchte ich sagen. Er wußte, was er wollte, und war eine merkwürdige Mischung von einem zielbewußten Menschen und einer Abenteurernatur, so daß er mit mehr oder weniger Erfolg kleine Kriegszüge machte von seinem Eigentum aus, mit Leuten, die sich, wie das ja dazumal üblich war, als Krieger angezogen hatten. Es waren das kleine Heerhaufen, mit denen zog man aus und suchte das oder jenes zu erbeuten.
[ 18 ] There was a man of energetic character who owned a large estate in the very region we would today call northeastern France. This man managed the estate in an exceptionally orderly manner—in a way that was, I would say, remarkably systematic for that time. He knew what he wanted and was a curious mixture of a determined man and an adventurer, so that he undertook small military campaigns—with varying degrees of success—from his estate, with men who, as was customary in those days, had dressed as warriors. These were small bands of soldiers with whom he set out to capture this or that.
[ 19 ] Mit einer Schar solcher Krieger zog der Betreffende von dem Nordosten Frankreichs aus. Und die Sache machte sich so, daß eine andere Persönlichkeit, etwas weniger Abenteuer als er selber, aber energisch, während der Abwesenheit des Eigentümers des Landgutes — heute erscheint das paradox, dazumal konnte eben so etwas geschehen — sich des Landgutes und des ganzen Besitztums bemächtigte. Als der Betreffende nach Hause kam — er war alleinstehend —, fand er, daß ein anderer Besitzer sich seines Landgutes bemächtigt hatte. Und die Verhältnisse entwickelten sich so, daß in der Tat der Betreffende nicht aufkam gegen den jetzigen Besitzer. Der war der Mächtigere, hatte mehr Mannen, hatte mehr Krieger um sich. Er kam gegen ihn nicht auf.
[ 19 ] With a band of such warriors, the man in question set out from northeastern France. And it so happened that another individual—somewhat less adventurous than he himself, but energetic—seized the estate and the entire property during the owner’s absence; today this seems paradoxical, but back then such a thing could indeed happen. When the man in question returned home—he was unmarried—he found that another owner had taken possession of his estate. And events unfolded in such a way that, in fact, the man in question did not rise up against the current owner. The latter was the more powerful of the two, had more men, and had more warriors at his disposal. He did not rise up against him.
[ 20 ] Nun waren die Dinge damals nicht so, daß man etwa, wenn man in seiner Heimat nicht fortkam, gleich in fremde Gegenden zog. Gewiß, diese Persönlichkeit war ja ein Abenteurer; aber das ergab sich doch nicht wiederum so rasch, er hatte nicht die Möglichkeit dazu, so daß der Betreffende mit einer Schar von Anhängern sogar eine Art Leibeigener wurde an seinem eigenen früheren Besitzerhof. Er mußte nun wie ein Leibeigener arbeiten mit einer Schar von denen, die mit ihm auf Abenteuer ausgezogen waren, während ihm sein Eigentum entrissen worden war.
[ 20 ] Back then, things weren’t such that, if you couldn’t make a living in your homeland, you would immediately move to foreign lands. True, this man was an adventurer; but that didn’t happen so quickly after all—he didn’t have the means to do so—with the result that he, along with a band of followers, actually became a sort of serf on his own former master’s estate. He now had to work like a serf alongside the group of people who had set out on adventures with him, while his property had been taken from him.
[ 21 ] Da geschah es, daß bei all den Leuten, die da Leibeigene geworden waren, während sie früher die Herren waren, eine ganz besonders, ich möchte sagen, dem Herrschaftsprinzip abträgliche Gesinnung entstand. Und es brannten in diesen Gegenden, die bewaldet waren, in mancher Nacht die Feuer da, wo man zusammenkam und wo man allerlei Verschwörungen besprach gegen diejenigen, welche sich des Eigentums bemächtigt hatten.
[ 21 ] It so happened that among all the people who had become serfs—though they had once been lords—a mindset arose that was particularly, I would say, detrimental to the principle of lordship. And in those forested regions, fires blazed on many a night in the places where people gathered and discussed all manner of conspiracies against those who had seized their property.
[ 22 ] Es war einfach so, daß der Betreffende, der vom großen Besitzer mehr oder weniger zum Leibeigenen, zum Sklaven geworden war, sein übriges Leben nunmehr damit ausfüllte, abgesehen von dem, was er arbeiten mußte, Pläne zu schmieden, wie man etwa wiederum zu Besitz und Eigentum kommen könne. Man haßte denjenigen, der sich des Eigentums bemächtigt hatte.
[ 22 ] It was simply the case that the person in question, who had become more or less a serf or a slave to the large landowner, now spent the rest of his life—apart from the work he was required to do—devising plans for how he might once again acquire property and possessions. People hated the one who had seized the property.
[ 23 ] Nun, sehen Sie, diese beiden Persönlichkeiten von damals gingen in ihren Individualitäten durch die Pforte des Todes, machten in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt alles das mit, was seit jener Zeit eben mitgemacht werden konnte, und erschienen im 19. Jahrhundert wiederum. Derjenige, der Haus und Hof verloren hatte und zu einer Art von leibeigenem Sklaven geworden war, erschien als Karl Marx, der Begründer des neueren Sozialismus. Und der andere, der ihm dazumal seinen Gutshof abgenommen hatte, erschien als sein Freund Engels. Was sie dazumal miteinander auszumachen hatten, das prägte sich um während des langen Weges zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in den Drang, das, was sie einander zugefügt hatten, auszugleichen.
[ 23 ] Well, you see, these two figures from that time passed through the gate of death in their individual forms, experienced everything in the spiritual world between death and a new birth that could be experienced since that time, and reappeared in the 19th century. The one who had lost his house and farm and had become a kind of serf reappeared as Karl Marx, the founder of modern socialism. And the other, who had taken his estate from him back then, reappeared as his friend Engels. What they had to settle between themselves back then was transformed, during the long journey between death and a new birth, into an urge to make amends for what they had done to one another.
[ 24 ] Und lesen Sie, was sich zwischen Marx und Engels abgespielt hat, lesen Sie all das, was die besondere Geisteskonfiguration des Karl Marx ist, und halten Sie das damit zusammen, daß im 8., 9. Jahrhundert dieselben Individualitäten ja vorhanden waren, so wie ich es Ihnen erzählt habe. Dann wird Ihnen, ich möchte sagen, auf jeden Satz bei Marx und Engels ein neues Licht fallen, und Sie werden nicht in die Gefahr kommen, in abstrakter Art zu sagen, das eine ist durch dieses in der Geschichte verursacht, das andere ist durch jenes verursacht, sondern Sie sehen die Menschen, die etwas herübertragen in eine andere Zeit, das allerdings ganz anders erscheint, aber doch wiederum eine gewisse Ähnlichkeit mit dem früheren hat.
[ 24 ] And read about what transpired between Marx and Engels; read everything that constitutes Karl Marx’s unique intellectual makeup, and keep in mind that the same kinds of individuals existed in the 8th and 9th centuries, just as I have told you. Then, I would say, every sentence by Marx and Engels will be illuminated in a new light for you, and you will not run the risk of saying in an abstract way that one thing is caused by this in history, and another is caused by that; rather, you will see the people who carry something over into another era—something that certainly appears quite different, yet still bears a certain resemblance to what came before.
[ 25 ] Was glauben Sie: im 8., 9. Jahrhundert, da hat man sich an Waldfeuern zusammengesetzt, da hat man in anderer Weise gesprochen, als man im 19. Jahrhundert zu sprechen Veranlassung hatte, wo Hegel gewirkt hatte, wo alles mit Dialektik abgemacht wurde. Aber versuchen Sie einmal sich vorzustellen den Wald im Nordosten Frankreichs im 9. Jahrhundert: da sitzen die Verschwörer, die Flucher, die Schimpfer in ihrer damaligen Sprache. Und übersetzen Sie sich das ins Mathematisch-Dialektische des 19. Jahrhunderts, dann haben Sie dasjenige, was bei Marx und Engels steht.
[ 25 ] What do you think: in the 8th and 9th centuries, people gathered around forest fires and spoke differently than they had reason to speak in the 19th century—the era when Hegel was active, when everything was settled through dialectics. But try to imagine the forest in northeastern France in the 9th century: there sit the conspirators, the cursers, the railers, speaking in the language of their time. And translate that into the mathematical-dialectical language of the 19th century, and you’ll have what’s written by Marx and Engels.
[ 26 ] Das sind die Dinge, die von dem bloß Sensationellen, das man leicht verbinden kann mit Ideen über konkrete Reinkarnationsverhältnisse, herausführen und in das Verständnis des geschichtlichen Lebens hineinführen. Und man bewahrt sich am besten vor Irrtümern, wenn man nicht auf das Sensationelle ausgeht, wenn man nicht nur wissen will: Wie ist es mit der Wiederverkörperung? — sondern wenn man alles das, was im geschichtlichen Werden mit Wohl und Wehe, mit Leid und Freude der Menschheit zusammenhängt, aus den wiederkehrenden Erdenleben der einzelnen Menschen zu begreifen versucht.
[ 26 ] These are the things that lead us away from mere sensationalism—which can easily be associated with ideas about specific cases of reincarnation—and toward an understanding of historical life. And the best way to guard against error is not to focus on the sensational—not merely to ask, “What about reincarnation?”—but to try to understand, through the recurring earthly lives of individual human beings, everything connected with the historical unfolding of humanity’s joys and sorrows, suffering and happiness.
[ 27 ] So war mir immer in der Zeit, als ich noch in Österreich lebte, trotzdem ich in Österreich innerhalb des Deutschtums stand, eine Persönlichkeit besonders interessant, die ein polnischer Reichsratabgeordneter war. Ich glaube, viele von Ihnen werden sich erinnern, daß ich des öfteren von dem österreichisch-polnischen Reichsratsabgeordneten Otto Hausner, der in den siebziger Jahren ganz besonders wirkte, gesprochen habe. Diejenigen, die länger schon hier sind, werden sich erinnern. Und mir steht wirklich, seitdem ich im österreichischen Reichsrat Ende der siebziger Jahre, Anfang der achtziger Jahre immer wieder und wiederum Otto Hausner gehört und gesehen habe, mir steht dieser merkwürdige Mann immer vor Augen: Er hat in dem einen Auge ein Monokel; mit dem anderen Auge blickte er grundgescheit, aber so, daß er die Schwächen der Gegner mit dem anderen Auge, das durchs Monokel guckte, erlauerte. Während er redete, prüfte er dann, ob der Pfeil gesessen hat.
[ 27 ] Back when I was still living in Austria—even though I was part of the German-speaking community there—I was particularly fascinated by a certain figure who was a Polish member of the Imperial Council. I believe many of you will recall that I have often spoken of the Austrian-Polish Imperial Council member Otto Hausner, who was particularly active in the 1870s. Those of you who have been here longer will recall this. And ever since I repeatedly heard and saw Otto Hausner in the Austrian Imperial Council in the late 1870s and early 1880s, the image of this remarkable man has remained vivid in my mind: He wore a monocle in one eye; with his other eye he looked thoroughly shrewd, but in such a way that he lay in wait for his opponents’ weaknesses with the other eye, the one peering through the monocle. While he spoke, he would then check to see if the arrow had hit its mark.


[ 28 ] Dabei konnte er, der einen ganz merkwürdigen Schnurrbart hatte ich habe das in meiner Lebensbeschreibung nicht bis in diese Einzelheiten ausführen wollen —, mit diesem Schnurrbart in merkwürdiger Art das, was er sagte, begleiten, so daß dieser Schnurrbart eine ganz merkwürdig bewegliche Eurythmie dessen war, was er dem gegnerischen Abgeordneten auf die beschriebene Weise ins Gesicht schleuderte.
[ 28 ] span>He—who had a very peculiar mustache (I did not wish to go into such details in my autobiography)—was able to use this mustache in a remarkable way to accompany what he was saying, so that the mustache became a strangely animated eurythmy of the words he hurled in the face of the opposing representative in the manner described.


[ 29 ] Es war nun ein interessantes Bild. Stellen Sie sich vor: äußerste Linke, Linke, Mittelpartei, Tschechischer Klub, dann äußerste Rechte, Polenklub; hier stand Hausner, und hier waren alle seine Gegner auf der äußersten Linken. Da waren sie alle; und das Kurioseste war, daß, als Hausner gelegentlich der Frage der bosnischen Okkupation für Österreich war, er einen stürmischen Beifall von diesen Leuten da auf der Linken hatte. Als er später über den Bau der Arlbergbahn sprach, da hatte er einen absoluten Widerspruch bei denselben Leuten auf der äußersten Linken. Und dieser Widerspruch blieb dann bei alldem, was er später zum Ausdruck brachte.
[ 29 ] It was quite an interesting scene. Just imagine: the far left, the left, the centrist party, the Czech Club, then the far right, the Polish Club; Hausner stood here, and here were all his opponents on the far left. There they all were; and the most curious thing was that when Hausner, on the issue of the Bosnian occupation, spoke in favor of Austria, he received thunderous applause from those people over on the left. When he later spoke about the construction of the Arlberg Railway, he faced outright opposition from those very same people on the far left. And this opposition persisted with regard to everything he subsequently expressed.
[ 30 ] Aber gar manches von dem, was gerade Otto Hausner in den siebziger und achtziger Jahren als Warner, als Prophet gesagt hat, das hat sich bis in unsere Tage herein wörtlich erfüllt. Gerade heute hat man Veranlassung, oftmals zurückzudenken an das, was Otto Hausner damals geredet hat.
[ 30 ] But much of what Otto Hausner said in the 1970s and 1980s—as a warning, as a prophet—has come true to the letter right up to the present day. Today, in particular, we have reason to often look back on what Otto Hausner said back then.
[ 31 ] Nun, eines trat bei Otto Hausner fast bei jeder Rede hervor, und das wurde für mich, neben einigen anderen, wiederum nicht sehr bedeutenden Dingen des Hausner-Lebens, der Impuls, den karmischen Gang bei dieser Persönlichkeit zu verfolgen.
[ 31 ] Well, there was one thing that stood out in almost every one of Otto Hausner’s speeches, and that—along with a few other, less significant aspects of Hausner’s life—became the impetus for me to trace the karmic path of this individual.
[ 32 ] Otto Hausner konnte kaum eine Rede halten, ohne daß er so in Parenthesen eine Art Panegyrikus auf die Schweiz hielt. Immer stellte er die Schweiz Österreich als Muster hin. Weil in der Schweiz drei Nationalitäten sich gut vertragen, in Beziehung auf das Vertragen mustergültig sind, wollte er auch, daß sich die dreizehn österreichischen Nationalitäten die Schweiz zum Muster nehmen und diese dreizehn sich in ähnlicher Weise, föderalistischer Weise vertragen würden wie diese drei Nationalitäten in der Schweiz. Er kam immer wieder darauf zurück, es war merkwürdig. Die Hausnerschen Reden hatten Ironie, hatten Humor, auch innere Logik; nicht immer, aber oftmals wieder kam der Panegyrikus auf die Schweiz. Da konnte man immer sehen: das Entwickeln einer reinen Sympathie; es sticht ihn, er will das sagen. Dann wußte er seine Reden so auszurichten, daß eigentlich weiter niemand außer einer Gruppe von links, von liberalen Abgeordneten — aber diese schrecklich! — sich ärgerte. Es war sehr interessant zu sehen, wenn so irgendein linksliberaler Abgeordneter geredet hatte, wie dann Otto Hausner sich zur Gegenrede erhob und mit seinem bemonokelten Auge keinen Blick von ihm abwandte, aber die unglaublichsten Schnödigkeiten hinüberrollen ließ nach der Linken. Es waren bedeutende Männer da, aber vor keinem machte er halt. Und seine Gesichtspunkte waren im Grunde genommen immer große; er war einer der gebildesten Männer des österreichischen Reichsrats.
[ 32 ] Otto Hausner could hardly give a speech without inserting, as it were, a sort of panegyric on Switzerland. He always held up Switzerland as a model for Austria. Because three nationalities coexist harmoniously in Switzerland—and are exemplary in their coexistence—he also wanted the thirteen Austrian nationalities to take Switzerland as their model and for these thirteen to coexist in a similar, federalist manner as those three nationalities in Switzerland. He kept coming back to this point; it was remarkable. Hausner’s speeches were marked by irony, humor, and an inner logic; not always, but time and again, the panegyric on Switzerland would resurface. You could always see it there: the development of a genuine sympathy; it stung him, and he wanted to say it. Then he knew how to structure his speeches so that, in fact, no one else—except for a group of left-wing, liberal members of parliament—but they were terribly! — would be annoyed. It was very interesting to see how, whenever some left-liberal member of parliament had spoken, Otto Hausner would rise to respond, never taking his monocle-adorned eye off him, yet hurling the most unbelievable insults at the left. There were prominent men there, but he spared no one. And his perspectives were, at heart, always grand; he was one of the most educated men in the Austrian Imperial Council.
[ 33 ] Das Karma eines solchen Menschen kann einen schon interessieren. Ich ging nun davon aus, daß er so diese Nebenleidenschaft hatte, immer wiederum auf eine Lobrede auf die Schweiz zurückzukommen, und dann, daß er einmal in einer Rede über «Deutschtum und Deutsches Reich», die auch als Broschüre erschienen ist, mit einer großen Nichtsnutzigkeit, aber mit Genialität alles zusammengestellt hatte, was sich für das Deutschtum und gegen das Deutsche Reich von dazumal sagen ließ. Es ist wirklich auch da etwas grandios Prophetisches darinnen in dieser Rede, die im Beginn der achtziger Jahre gehalten worden ist, in der sozusagen das Deutsche Reich in den Grund gebohrt wird, ihm alles Schlechte nachgesagt wird, in der es der Ruinierer des deutschen Wesens genannt wird, Und bewiesen wurden diese Sätze. Das war das zweite, sein eigentümlicher, ich möchte sagen, liebender Haß und seine hassende Liebe für Deutschtum und Deutsches Reich.
[ 33 ] One might well be interested in the karma of such a person. I assumed that he had this sort of side passion—always returning to a eulogy of Switzerland—and then that, in a speech on “Germanness and the German Empire,” which was also published as a pamphlet, he had compiled—with great futility but with genius—everything that could be said in favor of Germanness and against the German Empire of that time. There really is something magnificently prophetic in this speech, delivered in the early 1880s, in which the German Empire is, so to speak, torn to shreds, accused of every evil, and called the ruiner of the German essence—and these assertions were substantiated. That was the second thing: his peculiar—I would say—loving hatred and his hating love for German identity and the German Empire.
[ 34 ] Und das dritte war, wie Otto Hausner wirklich mit einer ungeheuren Lebendigkeit damals sprach, als der Arlbergtunnel, die Arlbergbahn gebaut werden sollte, die Bahn, die von Österreich herüber nach der Schweiz geht und die also Mitteleuropa mit dem Westen verbinden sollte. Natürlich brachte er auch damals sein Loblied auf die Schweiz, denn die Bahn sollte ja in die Schweiz hineinführen. Aber man hatte, als er diese Rede hielt, die ja gesalzen und gepfeffert war, aber in einer wirklich delikaten Weise, man hatte da wirklich das Gefühl: der Mann, der weiß von Dingen auszugehen, die auf eine merkwürdige Weise in einem früheren Erdenleben in ihm veranlagt sein müssen.
[ 34 ] And the third thing was how Otto Hausner spoke with such tremendous vitality back then, when the Arlberg Tunnel and the Arlberg Railway were to be built—the railway that runs from Austria over to Switzerland and was thus intended to connect Central Europe with the West. Of course, he also sang Switzerland’s praises back then, since the railroad was, after all, supposed to lead into Switzerland. But when he gave this speech—which was certainly spiced up, yet in a truly delicate way—one really had the feeling: this is a man who knows how to draw upon things that, in a strange way, must have been instilled in him during a previous earthly life.
[ 35 ] Es war ja dazumal gerade überall die Rede von dem grandiosen Vorteil, den die europäische Zivilisation von dem deutsch-österreichischen Bündnis haben werde. Otto Hausner entwickelte damals im österreichischen Parlamente — worüber natürlich die anderen alle ihn furchtbar niederschmetterten — die Idee, die Arlbergbahn müsse gebaut werden, weil ein Staat, wie er sich Österreich vorstellte, nach dem Muster der Schweiz, dreizehn Nationen vereinigend, die Wahl haben müsse, sich seine Bundesgenossen zu suchen; und wenn es ihm paßt, hat er Deutschland zum Bundesgenossen, und wenn es ihm paßt, muß er einen strategischen Weg von Mitteleuropa nach dem Westen haben, um Frankreich zum Bundesgenossen haben zu können. Natürlich, als in dem damaligen Österreich das ausgesprochen wurde, da wurde er, wie man in Österreich sagte, schön niedergebügelt. Aber es war wirklich eine in herrlichster Weise mit allen Gewürzen durchsetzte Rede. Diese Rede, die gab die Direktion nach dem Westen hinüber.
[ 35 ] At the time, everyone was talking about the tremendous benefit that European civilization would derive from the German-Austrian alliance. Otto Hausner proposed in the Austrian Parliament at the time—for which, of course, everyone else tore him to shreds—that the Arlberg Railway must be built, because a state such as he envisioned for Austria, modeled after Switzerland and uniting thirteen nations, must have the freedom to choose its allies; and if it suited it, it would have Germany as an ally, and if it suited it, it would need a strategic route from Central Europe to the West in order to be able to have France as an ally. Of course, when that was voiced in Austria at the time, he was, as they said in Austria, thoroughly shot down. But it was truly a speech wonderfully seasoned with all manner of spice. The management passed this speech on to the West.
[ 36 ] Und indem ich diese Dinge zusammenhielt, fand ich dann, wie herüberwanderte von Westen nach Osten durch die Nordschweiz, in der Zeit, als Gallus, Columban auch herübergezogen sind, die Individualität des Otto Hausner. Das Christentum sollte er bringen. Er zog mit denjenigen Menschen, die von irischen Einweihungen angeregt worden waren, herüber. Er sollte mit ihnen das Christentum herüberverpflanzen. Auf dem Wege, ungefähr in der Gegend des heutigen Elsaß, wurde er ungeheuer angezogen von den Altertümern des germanischen Heidenwesens, angezogen von alledem, was im Elsaß, was in alemannischen Gegenden, was in der Schweiz hier an alten Göttererinnerungen, Götterverehrungen, Götterbildnissen, Götterstatuen vorhanden war. Das nahm er in tiefbedeutsamer Weise auf.
[ 36 ] And as I pieced these things together, I discovered how the individuality of Otto Hausner made its way from west to east through northern Switzerland—at the same time that Gallus and Columban also made their way there. He was to bring Christianity. He traveled over with those people who had been inspired by Irish initiations. He was to transplant Christianity there with them. Along the way, roughly in the region of present-day Alsace, he was immensely drawn to the antiquities of Germanic paganism—drawn to all that existed in Alsace, in Alemannic regions, and here in Switzerland in the form of ancient memories of the gods, worship of the gods, images of the gods, and statues of the gods. He absorbed all of this in a profoundly meaningful way.
[ 37 ] Und da entwickelte sich in ihm etwas, was man auf der einen Seite Hinneigung zum germanischen Wesen nennen kann, auf der anderen Seite aber wiederum entwickelte sich die Gegenkraft dazu: die Empfindung, daß er damals zu weit gegangen wäre. Und das, was er in einer gewaltigen inneren Umwandlung, in einer gewaltigen inneren Metamorphose erlebt hat, das erschien dann in diesen umfassenden Gesichtspunkten. Er konnte über Deutschtum und Deutsches Reich reden wie einer, der einmal bei all diesen Dingen intim dabeigewesen ist, der aber doch sie eigentlich aufgenommen hat, ohne daß er es sollte. Er hätte ja das Christentum verbreiten sollen. Er war sozusagen, ohne daß er es sollte, hineingekommen in die Gegenden — das hörte man selbst seinen Redewendungen an —, und er wollte wieder zurück, um diese Dinge gutzumachen. Daher seine Leidenschaft für die Schweiz, daher seine Leidenschaft für den Bau der Arlbergbahn. Man kann schon sagen, selbst in der äußeren Gestalt, wenn Sie sich dieses anschauen, drückte sich das aus — er sah eigentlich nicht polnisch aus. Und Hausner sagte auch bei jeder Gelegenheit, daß er ja nicht einmal der physischen Abstammung nach ein Pole sei, sondern nur der Zivilisation und Erziehung nach, daß «rätisch-alemannische» Blutkügelchen, wie er sich ausdrückte, in seinen Adern rollten. Er hatte aber aus einer früheren Inkarnation sich das hinübergenommen, daß er immer nach der Gegend schaute, wo er einmal gewesen war, in die er mit dem Columban und dem heiligen Gallus gezogen war, wo er das Christentum verbreiten wollte, aber eigentlich vom Germanentum festgehalten worden war. So machte er sozusagen den Versuch, in einer möglichst wenig polnischen Familie wiederum geboren zu werden, und fernzustehen, aber doch zu gleicher Zeit mit Sehnsucht gegenüberzustehen demjenigen, in dem er früher ganz drinnengestanden hatte.
[ 37 ] And something began to develop within him that, on the one hand, could be called an inclination toward the Germanic essence; on the other hand, however, a counterforce to this also developed: the feeling that he had gone too far at that time. And what he experienced in a tremendous inner transformation, in a tremendous inner metamorphosis, then manifested itself in these comprehensive perspectives. He could speak of German identity and the German Empire like someone who had once been intimately involved in all these matters, but who had actually absorbed them without intending to. After all, he was supposed to have spread Christianity. He had, so to speak, without intending to, found himself in those regions—you could hear it even in his turns of phrase—and he wanted to return to make amends for these things. Hence his passion for Switzerland, hence his passion for the construction of the Arlberg Railway. One could even say that this was expressed in his outward appearance—if you look at him, he didn’t really look Polish. And Hausner also said at every opportunity that he wasn’t even Polish by physical descent, but only by civilization and upbringing; that “Rhaetian-Alemannic” blood cells, as he put it, flowed through his veins. However, he had carried over from a previous incarnation the tendency to always look toward the region where he had once been—the place to which he had journeyed with Columban and Saint Gall, where he had intended to spread Christianity but had in fact been held back by Germanic culture. Thus, he made an attempt, so to speak, to be reborn into a family that was as un-Polish as possible, and to remain at a distance from—yet at the same time to regard with longing—that which he had once been completely immersed in.
[ 38 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, das sind Beispiele, die ich Ihnen zunächst einmal heute entwickeln wollte, um Sie darauf aufmerksam zu machen, wie merkwürdig der Gang der karmischen Entwickelung ist. Wir werden nun das nächste Mal mehr eingehen auf die Art und Weise, wie das Gute und das Böse sich entwickelt durch die Inkarnationen der Menschen hindurch und durch das geschichtliche Leben. Wir werden auf diese Weise aber in der Lage sein, gerade von den bedeutenderen Beispielen, die in der Geschichte uns entgegentreten, ein Licht verbreiten zu können über mehr alltägliche Verhältnisse.
[ 38 ] You see, my dear friends, these are examples I wanted to present to you first today to draw your attention to how remarkable the course of karmic development is. Next time, we will delve deeper into the way in which good and evil unfold through human incarnations and throughout historical life. In this way, however, we will be able to shed light on more everyday circumstances, drawing specifically on the more significant examples that we encounter in history.
