Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge
Band II
GA 236
16 Mai 1924, Dornach
Zehnter Vortrag
[ 1 ] Wir haben das letzte Mal besprochen, wie sich gewissermaßen der Keim bildet zum Karma in derjenigen Zeit, die unmittelbar auf den Durchgang des Menschen durch die Todespforte folgt. Und ich habe versucht darzustellen, wie mit einer großen Lebendigkeit, mit einer starken inneren Kraft gerade die Erlebnisse, die der Mensch in dieser Zeit, die etwa ein Drittel der Lebenszeit umfaßt, durchmacht, wie diese Erlebnisse mit einer ungeheuren Stärke auf ihn wirken, und wie sie auf den Betrachter wirken, der das Leben des Menschen in dieser Zeit verfolgt. Nun müssen wir ja ins Auge fassen, wie die irdische Welt, innerhalb welcher sich eigentlich die Erfüllung und die Bildung des Karma abspielt, auf den Menschen wirkt, und wie anders die außerirdische Welt wirkt.
[ 2 ] Wenn wir sozusagen auf den Schauplatz unseres Karma hinblicken, der also die Erde ist, dann werden wir finden, daß das, was zur Erde gehört — alle die Wesen der verschiedenen Naturreiche —, einen realen Einfluß auf den Menschen hat, der da ist, der sich geltend macht im Leben des Menschen, und sich auch geltend macht dann, wenn der Mensch nicht seine Erkenntnis richtet auf das, was in seiner irdischen Umgebung ist. Der Mensch muß sich nähren, der Mensch muß wachsen; dazu muß er die Stoffe der Erde aufnehmen. Sie wirken durch ihre Qualitäten, sie wirken durch ihre inneren Kräfte auf ihn ein, und sie wirken ganz unabhängig von seiner Erkenntnis auf ihn ein. Und man kann sagen, wenn das auch etwas radikal gesprochen ist: Gleichgültig, wie sich der Mensch in seinem Seelenleben zu den verschiedenen Reichen, die im irdischen Dasein um ihn herum sind, verhält, er kommt in Beziehung, er kommt in ein Verhältnis zu diesen Tatsachen seiner physisch-irdischen Umgebung.
[ 3 ] Man muß das ja auf den verschiedensten Gebieten des Lebens bemerken. Man muß zum Beispiel sagen: Wie wäre es, wenn wir in der Aufnahme der Quantität unserer Nahrungsmittel abhängig wären von dem, was wir von der Wirkung der menschlichen Nahrungsmittel auf den Organismus wissen? Wir können gar nicht warten damit, irgend etwas darüber zu erfahren, sondern uns treibt ein Verhältnis zu der irdischen Umwelt, das von unserem Wissen ganz unabhängig ist, auch in gewissem Sinne von unserem Seelenleben ganz unabhängig ist. Aber denken Sie nur einmal den vollen Gegensatz schon zu der Sternenwelt. Von einem Einflusse der Sternenwelt kann ja innerhalb derselben instinktiven Grundlage, innerhalb welcher von dem Einfluß der irdischen Reiche die Rede ist, nicht die Rede sein. Der Mensch kann die Sternenwelt bewundern. Er kann mancherlei Anregungen empfangen von der Sternenwelt. Aber denken Sie nur einmal, wie sehr er schon in bezug auf alles das, was die Sternenwelt betrifft, auf sein Seelenleben angewiesen ist, wie diese Sternenwelt auf sein Seelenleben wirken muß. Nehmen Sie das nächste Gestirn, das im Außerirdischen mit dem Menschen in einem Verhältnis steht, nehmen Sie den Mond. Sie wissen ja aus dem trivialen Leben, daß der Mond einen gewissen Einfluß auf das Phantasieleben der Menschen hat. Und selbst diejenigen, die alles übrige ableugnen wollen von dem Einflusse der Gestirne auf den Menschen, sie werden nicht ableugnen das, was ganz unbewußt — ich zitiere ein berühmtes romantisches Wort — aus der «mondbeglänzten Zaubernacht» auf die menschliche Phantasieregsamkeit als Wirkung ausgeübt wird.
[ 4 ] Aber man kann sich nicht denken, daß selbst diese allernächste gröbste Wirkung, die auf den Menschen ausgeübt wird von seiten der Sternenwelt, mit Ausschluß des menschlichen Seelenlebens vor sich gehen, daß ein Verhältnis eintreten könnte, wie dasjenige des Menschen zu seiner irdischen Umgebung ist, wo es ja wirklich nicht stark davon abhängt, was der Mensch weiß von der Wirkung des Kohles auf seine verschiedenen Organe, ob er den Kohl bewundert oder nicht — er muß ihn eben essen. Und eigentlich kommt die ganze Erkenntnis hinzu als etwas, was ja gewiß das menschliche Seelenleben hinaushebt über das Naturleben; aber der Mensch lebt eben innerhalb der Natur sein eigenes Leben, und das geistige Leben kommt da bloß dazu. Hingegen mit Ausschluß des geistigen Lebens kann man sich nicht einmal einen Einfluß der Gestirnwelt auf den Menschen denken, geschweige denn derjenigen Welt, die hinter der Gestirnwelt steht als die Welt der Hierarchien, als die Welt der höheren geistigen Wesenheiten. Nun, sozusagen auf der untersten Stufenleiter der Hierarchien stehen diejenigen Wesenheiten, von denen ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, daß sie eigentlich die Erlebnisse des Menschen nach dem Tode, indem sie selbst darinnen leben, so intensiv, so kraftvoll gestalten, so stark machen. Würden nicht diese Mondenwesen, die einmal die großen Urlehrer der Menschheit auf Erden waren, sozusagen darinnenleben in dem, was der Mensch erfährt, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist, so würden die Erlebnisse nach dem Tode traumhafte Erlebnisse sein. Sie sind aber nichts weniger als traumhaft. Es sind Erlebnisse, die stärker sind als die sogenannten normalen Erlebnisse des Erdenlebens. Es bereitet sich an diesen Erlebnissen das Karma vor, weil wir da intensiv in all den anderen leben, nicht in uns, und es ausgleichen müssen. Wir erleben die Dinge so, wie sie der andere erlebt, dem wir sie zugefügt haben, und wir erleben sie mit einer ungeheuren Stärke. Wir bereiten also während dieser Erlebnisse unser Karma vor. In der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt findet dann der Übergang statt von dem Miterleben dieser Mondenwesenheiten zu dem, was nun Wesenheiten mit dem Menschen zusammen erleben, die nie auf der Erde gewesen sind. Die Mondenwesenheiten, von denen ich das letzte Mal gesprochen habe, sind ja innerhalb des Erdendaseins dagewesen. Das habe ich charakterisiert. Aber dann steigt der Mensch, in einer späteren Zeit zwischen dem Tode und neuer Geburt, zu Wesenheiten auf, die niemals auf Erden waren.
[ 5 ] Da haben wir zunächst eine Gruppe von Wesenheiten innerhalb der höheren Hierarchien, denen wir den Namen Angeloi gegeben haben. Diese Wesenheiten sind ja sozusagen unsere Führer von einem Erdenleben zu dem anderen. Sie geleiten uns von dem einen Erdenleben zu dem anderen. Sie sind diejenigen Wesenheiten, denen wir nach oben hin am nächsten stehen, denen wir eigentlich immer auch im Erdenleben sehr nahestehen. Es ist ja so: Wenn wir über äußere Verhältnisse nachdenken, wenn wir also nachdenken über das, was wir gesehen, was wir gehört haben, was wir etwa aus der Natur oder aus der Geschichte aufgenommen haben, oder was uns eben andere Menschen gesagt haben, wenn wir über diese Dinge nachdenken, die von außen während des Erdenlebens an uns herankommen, wenn wir uns nur diesen von außen eingegebenen Gedanken hingeben, dann hat das Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, zu dem wir gehören, nicht viel mit unseren Gedanken zu tun. Denn diese Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi waren ja selber niemals Erdenbewohner wie die Menschen oder wie diese Urlehrer, die allerdings nur im Ätherleib vorhanden waren, aber immerhin Erdenbewohner waren. Solche Erdenbewohner sind ja nicht die Wesenheiten, die wir mit dem Namen Angeloi bezeichnen, so daß unser Verhältnis zu ihnen eben schon ein anderes ist als zu den Mondenwesen, von denen ich eben gesprochen habe.
[ 6 ] Aber immerhin, indem wir nach dem Tode die Wege durchgehen, die in gewissem Sinne an den Planeten vorbeiführen, und wir in den Bereich der Mondenwesen kommen, sind wir zugleich innerhalb der Mondenregion in dem Bereich der Angeloi. So daß wir also tatsächlich in der Zeit schon, in der wir mit den zu Mondenbewohnern gewordenen Urlehrern der Menschheit zusammenleben, auch zusammenleben in einer bewußten Weise mit den Wesen, die wir als Angeloi bezeichnen. Dann schreiten wir weiter. Und indem wir weiterschreiten, kommen wir in den Bereich, der in aller Geisteswissenschaft, die es je gegeben hat, als der Bereich des Merkur bezeichnet wird. Da, in diesem Bereich, leben nicht mehr Wesen, die einmal auf Erden waren. Es leben nur Wesen da, die niemals auf Erden waren. Wir kommen dann, indem wir die Merkurregion betreten in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in den Bereich der Archangeloi herein, und, indem wir dann die Venusregion betreten, in den Bereich der Archai.
[ 7 ] Indem wir so durch diese Bereiche der dritten Hierarchie durchgehen, nähern wir uns also dem, was eigentlich die geistige Wesenheit der Sonne ist. Und die geistige Wesenheit der Sonne bei diesem Durchgang durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist eigentlich im höchsten Sinne der Wohnplatz derjenigen Wesenheiten, die wir in der Wesensreihe der höheren Hierarchien als Exusiai, Dynamis und Kyriotetes bezeichnet haben. Also es ist die zweite Hierarchie, die eigentlich die Seele, der Geist des Sonnenlebens ist. In diesen Bereich treten wir ein. In diesem Bereich verbringen wir ja den größten Teil der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Nun, diese Wesenheiten, sie können eigentlich nur dann verstanden werden, wenn wir ins Auge fassen, wie sie ganz und gar ihr Dasein abseits von alldem haben, was uns Menschen zu Erdenmenschen macht, was uns Menschen einspannt in den Umkreis der Naturgesetze. Naturgesetze, wie wir sie auf der Erde anerkennen, gibt es ja nicht im Bereich des wirklichen Sonnenlebens. Im Bereich des wirklichen Sonnenwirkens sind geistige Gesetze, also auch Willensgesetze zum Beispiel, und Naturgesetze einerlei, durchaus einerlei. Da widersprechen nicht Naturgesetze irgendwie den geistigen Gesetzen, sondern da sind Naturgesetz und geistiges Gesetz eine völlige Einheit.
[ 8 ] Und machen Sie sich nur, meine lieben Freunde, die Konsequenzen einer solchen Sache ganz klar. Wir leben hier im Erdenleben. Wir erleben im Erdenleben das eine und das andere. Wir erleben innerhalb des Erdenlebens, wie wir uns bemühen, das Gute zu vollbringen, wie wir uns bemühen vielleicht, nicht abzuirren von irgendeinem Pfade, den wir als den uns moralisch angemessenen betrachten. Wir vollbringen gewisse Taten aus solchen Intentionen heraus. Wir sehen jemanden anderen, bei dem wir nicht anders können, als ihm nicht solche Intentionen zuzuschreiben, sondern bei dem wir einfach genötigt sind, ihm böse Absichten zuzuschreiben. Wir warten ein paar Jahre, nachdem wir unsere guten Absichten, wie wir meinen, neben den bösen Absichten des anderen entwickelt haben. Wir sehen, daß wir mit unseren guten Absichten, wie wir sagen, nicht durchgedrungen sind, daß sie nicht nur keine Wirkung gehabt haben, sondern daß wir vielleicht in dasjenige, was wir irdisches Unglück nennen, hineingekommen sind, während der andere, von dem wir die Vorstellung haben, er habe gar nicht gute Absichten gehabt, neben uns in einem scheinbaren, zunächst äußeren Glücke lebt.
[ 9 ] Das ist ja etwas, was so viele Menschen, die das irdische Leben allein betrachten, darauf führt, mit diesem irdischen Leben zu hadern, zu sagen, im irdischen Leben offenbare sich nicht eine Macht, die das Gute und das Böse in entsprechendem Sinne behandelt. Und niemand, der das Leben schließlich unbefangen beobachtet, wird dem, der so sagt, absolut unrecht geben können. Denn wer wollte denn, wenn er real im Leben steht, sagen, daß alles das, was den Menschen im Leben trifft, irgendwie zusammenhängend sei nach Verdienst oder Schuld mit dem, was aus seinen Absichten in diesem Erdenleben herausgeflossen ist? Wir haben dieses Erdenleben und können eigentlich nicht anders sagen, wenn wir den Verlauf dieses Erdenlebens betrachten, als daß wir unmöglich irgendeinen Ausgleich in diesem Erdenleben für das, was geistig-moralisch aus unserer Seele fließt, finden können. Warum nicht?
[ 10 ] Ja, weil wir nicht in der Lage sind, unsere Intentionen, die innersten Kräfte, die unser moralisch-seelisches Leben beherrschen, von uns aus meinetwillen in ganz freiem Willen beherrschen, weil wir nicht imstande sind, diese in diejenige Wirklichkeit unmittelbar überzuführen, in der wir auf der Erde leben. Da draußen verfließen die Naturgesetze, da draußen verfließen jene Tatsachen, die unter dem Einflusse der verschiedenen Menschen vor sich gehen. Wir müssen ja doch uns klar sein, daß zunächst für das Erdenleben ein Abgrund ist, sagen wir von a zu b, zwischen dem, was in unserer Seele vorgeht als Willensimpulse, und demjenigen, was wir im äußeren Leben als unser Schicksal verwirklicht sehen.
[ 11 ] Sie brauchen nur einmal sich zu fragen: Wieviel in diesem äußeren Leben, wieviel von dem, was Schicksal ist, was also bedeutsam ist für das Menschenleben, geht unmittelbar aus den Intentionen, die Sie in der Seele tragen, als Verwirklichung hervor? — Diese Welt, diese irdische, ist eben nicht diejenige, in der die Geistesgesetze, nach denen der Mensch sich beherrschen läßt oder selbst beherrscht, unmittelbar auch Naturgesetze sind; sie sind nicht Naturgesetze, sie verlaufen bloß im Inneren des Menschen. Und man kann, wenn man unbefangen auf die Welt hinschaut, nur so sagen: Wenn irgend jemand gute Absichten, die ich habe, umdeutet in schlechte, wenn er meine guten Absichten kennt und, weil vielleicht mein Schicksal in ein paar Jahren ein unglückliches ist trotz meiner guten Absichten, er sie so deutet, daß er sie schlecht nennt und sich nun etwa darauf beruft: Das ist nun eingetreten, ich habe ja schon dazumal gesagt, daß deine Absichten schlecht sind! — dann würde dies eine unmögliche Art zu denken darstellen. Von Seele zu Seele muß das Geistige wirken. Aber in der äußeren Erdenwelt wirkt eben schicksalsmäßig zunächst noch nicht das Geistige.
[ 12 ] Und so müssen wir scharf diese Tatsache ins Auge fassen, daß ein Abgrund besteht für das irdische Leben zwischen dem Moralisch-Seelischen und dem Naturhaft-Physischen. Dieser Abgrund besteht, weil die Geistesgesetze mit den Naturgesetzen nicht zusammenkommen.
[ 13 ] Wenn Menschen ganz absehen von derjenigen Welt, die sich nun an die irdische anschließt, von b bis c, von dem Tod bis zu einer neuen Geburt — indem sie diese Welt nicht ins Auge fassen, indem sie denken, wir könnten wegen der Erkenntnisgrenzen von dieser Welt nichts wissen —, was können solche Menschen nun sagen? Sie können sagen: Ja, die Naturgesetze und das, was der Mensch deshalb tut und erlebt, weil er in Naturgesetzen drinnensteht, das ist eine Wirklichkeit, das ist real, darüber kann sich unsere Erkenntnis, unser Wissen erstrecken; was aber mit den Intentionen geschieht, die als seelisch-geistige Erlebnisse in unserem Inneren sind, das kann man nicht wissen. — Wenn man nicht hinschaut auf das «b bis c», so kann man darüber nichts wissen. Man kann also nur daran glauben, daß diese Dinge, die da in unserer Seele leben, sich auch irgendwie verwirklichen. In demselben Maße, in dem seit den alten Zeiten der Menschheitsentwickelung das Wissen von b bis c zurückgegangen ist, verglommen ist, in demselben Maße trat diese Scheidung ein zwischen Wissen und Glauben.
[ 14 ] Aber in demselben Maße, in dem man von Wissen und Glauben redet, kann man nicht mehr vom Karma sprechen. Denn Karma drückt eine Gesetzmäßigkeit aus, nicht etwas bloß Geglaubtes, ebenso wie irgendein Naturgeschehen eine Gesetzmäßigkeit ausdrückt.
[ 15 ] Wenn wir aber nun, sagen wir von der allerersten Zeit ab, die ich Ihnen charakterisiert habe, auf unseren Durchgang durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hinblicken, dann betreten wir damit in der Betrachtung eine Welt, in der nun die Wesen der zweiten Hierarchie, Exusiai, Dynamis, Kyriotetes leben, und statt des irdischen Daseins haben wir ein Sonnendasein (siehe Zeichnung Seite 188); denn auch wenn wir über die Sternenregion hinauskommen, die Sonne bleibt scheinend, nicht im physischen Sinne, aber sie bleibt scheinend, wenn wir da durchgehen durch die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Während hier auf Erden die Sonne auf uns herunterscheint mit ihren physischen Wirkungen, scheint dann in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt die Sonne sozusagen hinauf zu uns, das heißt, es tragen uns die Wesen der Sonne, die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Aber in der Welt, in der wir dann sind, haben die Naturgesetze, die im Erdenleben sind, gar keinen Sinn mehr, sondern da geschieht alles im Sinne von geistigen Gesetzen, im Sinne von Gesetzen, die durchaus geistig-seelisch sind. Dort braucht ja kein Gras zu wachsen, dort braucht auch keine Kuh Gras zu fressen, denn Kühe und Gräser gibt es dort nicht. Da ist alles geistig. Und innerhalb dieses Geistbereiches liegt die Möglichkeit, daß wir die Intentionen verwirklichen, die wir in der Seele haben und die sich hier im Erdenbereich nicht verwirklichen können, so wenig verwirklichen können, daß das Gute zum Unglück, das Böse im extremen Fall zum Glück sogar führen kann. Denn da alles das dort durchaus nach seinem inneren Wert und nach seinem inneren Wesen sich realisiert und auslebt, ist es nicht möglich, daß nicht jedes Gute die Wirkung hat nach dem Maß seiner Gutkraft und jedes Böse nach dem Maß seiner Bosheitkraft, und zwar auf eine ganz besondere Art, auf die besondere Art, sehen Sie, daß vom Sonnendasein — also von demjenigen Dasein, das eigentlich die zweite Hierarchie, die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes in sich birgt — ausgeht eine, ich möchte sagen, durch und durch wohlgefällige Aufnahme alles dessen, was wir an guten Intentionen hier auf Erden in unserem Seelenleben haben.
[ 16 ] Man könnte die Sache auch so ausdrücken, daß man sagt: Mit Wohlgefallen wird alles das in diesem Sonnendasein aufgenommen, was der Mensch mit der Nuance des Guten in seiner Seele erlebt, aber das Böse wird überhaupt zurückgewiesen. Es kann nicht hineingelangen in dieses Sonnendasein.
[ 17 ] Ich habe in jenem Kurs, den ich noch im abgebrannten Goetheanum drüben halten durfte, dem sogenannten «Französischen Kurs», darauf hingewiesen, wie der Mensch sein schlimmes Karma zurücklassen muß, bevor er in einen gewissen Zeitpunkt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eintritt. Das Böse kann nicht hinein ins Sonnendasein. Es gibt ein gewisses Sprichwort, das sich ja allerdings im Bewußtsein der heutigen Menschen nur auf die physischen Sonnenwirkungen bezieht. Dieses Sprichwort besagt, die Sonne scheine über Gute und Böse in gleichem Sinne. Das tut sie schon; aber sie nimmt das Böse nicht auf. Wenn Sie geistig dasjenige sehen, was im Menschen gut ist in der Seele, so ist das hell wie das Sonnenlicht, aber hell auf geistige Weise. Wenn Sie aber sehen, was im Menschen böse ist, so ist das finster wie ein Ort, an den kein Sonnenlicht hinkommt. Und so muß alles Böse vom Menschen zurückgelassen werden, wenn er das Sonnendasein betritt. Er kann es nicht mitnehmen.
[ 18 ] Denken Sie aber nur: Der Mensch in seinem irdischen Leben ist ja eine Einheit. Sein physisches und seelisch-geistiges Dasein sind miteinander verbunden, sind eine Einheit. In den Adern eines Menschen, der nur Böses im Schilde führt — wenn man das auch nicht mit groben Instrumenten nachweisen kann —, strömt das Blut nicht nur anders, sondern es ist sogar anders zusammengesetzt als bei einem Menschen, der Gutes in seiner Seele trägt!
[ 19 ] Nun denken Sie sich, ein recht böser Mensch kommt an vor dem Sonnendasein in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Er muß alles zurücklassen, was böse ist. Ja, damit bleibt aber ein gutes Stück von ihm selbst zurück, denn das Böse ist eben mit ihm verbunden. Es ist eine Einheit mit ihm. Wenigstens insofern es eine Einheit ist, muß er von sich selber dasjenige zurücklassen, was eben in ihm als Böses lebte.
[ 20 ] Nun also, wenn hier der Mensch an dieser Stelle von sich selbst, von seiner eigenen Wesenheit etwas zurücklassen muß, was ist denn die Folge davon? Daß er verkümmert, gewissermaßen als geistiger Krüppel in das Sonnendasein kommt. Und das Sonnendasein kann ja nur mit dem etwas anfangen, was der Mensch von sich in dieses Sonnendasein hereinbringt. Das andere muß er zurücklassen.
[ 21 ] Nun wird das Sonnendasein diejenigen Wesenheiten in seine Nähe führen, die mit ihm zusammenarbeiten können, die mit ihm zusammenwirken zwischen Tod und neuer Geburt.
[ 22 ] Aber nehmen Sie einen ganz extremen Fall, meine lieben Freunde, nehmen Sie den Fall, ein Mensch war so böse, so menschenunfreundlich, daß er allen Menschen Schlimmes in seinem Inneren gewünscht hat. Nehmen wir an, er war so böse, wie es diese Bosheit in Wirklichkeit gar nicht gibt, aber hypothetisch setzen wir voraus einen vollständigen Bösewicht. Was wird mit einem vollständigen Bösewicht, der sich ganz identifiziert hat mit dem Bösen, was wird mit dem sein, wenn er hier an diesen Punkt, sagen wir Alpha (siehe Zeichnung Seite 188), ankommt und zurücklassen muß von sich all das, was mit dem Bösen verbunden ist? Er wird sich selber zurücklassen müssen! Er wird also jene Zeit durchgemacht haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die ich Ihnen neulich beschrieben habe, er wird diese Welt im Bereiche der Mondenwesen durchgemacht haben, wird ja auch dasjenige Wesen aus der Hierarchie der Angeloi angetroffen haben, das besonders zu ihm gehört, auch andere Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, die wiederum mit diesem im Zusammenhang stehen. Aber nun kommt er an das Ende dieser Welt. Er nähert sich durch Merkur und Venus der Sonne, aber er muß zurücklassen, bevor er in das eigentliche Sonnendasein eintritt, sich selber, weil er im ganzen ein Bösewicht war. Was folgt daraus? Er tritt das Sonnendasein gar nicht an. Er muß, wenn er nicht überhaupt verschwinden will aus der Welt, sofort sich anschikken, wiederum verkörpert zu werden, wiederum ein Erdenleben anzutreten. So daß Sie also bei einem ausgepichten Bösewicht finden würden: Er tritt sehr rasch nach seinem Tode wiederum ein neues Erdenleben an.
[ 23 ] Nun, solche ausgepichte Bösewichte gibt es ja eigentlich nicht. Alle Menschen sind in einem gewissen Sinne wiederum ein bißchen gut. Daher kommen schon alle Menschen wenigstens eine gewisse Strecke weit in das Sonnendasein hinein. Aber je nachdem der Mensch sich selber verkümmert hat als geistig-seelisches Wesen, kommt er weit oder nicht weit in das Sonnendasein hinein, und je nachdem gewinnt er auch aus dem Sonnendasein die Kraft, sein folgendes Erdenleben zu zimmern, aufzurichten, denn das, was der Mensch in sich trägt, kann nur aus dem Sonnendasein heraus aufgerichtet werden.
[ 24 ] Sie kennen aus dem zweiten Teile des «Faust» jene Szene, in der Wagner in der Phiole den Homunkulus herstellt. Die Sache ist diese, daß Wagner, um wirklich etwas zu machen wie einen Homunkulus, die Kenntnis der Sonnenwesenheiten besitzen müßte. Nun, Goethe stellt ja nicht gerade den Wagner in seinem «Faust» so dar, als ob er die Kenntnis der Sonnenwesenheiten besäße, sonst wäre er nicht der «trockene Schleicher», nicht wahr, als den ihn Goethe darstellt. Wagner ist gewiß ein ganz gescheiter Mensch, aber die Kenntnis der Sonnenwesenheiten besitzt er nicht. Daher hilft ihm Mephistopheles, ein Geistwesen, das schon die Kenntnis der Sonnenwesenheiten besitzt; dadurch allein kommt etwas heraus. Das hat Goethe sehr gut empfunden, daß nur dadurch aus der Retorte etwas wie ein Homunkulus herauskommen kann, der dann auch irgend etwas entfalten kann.
[ 25 ] Man muß sich durchaus klar sein: Das Menschliche kommt nicht aus dem Irdischen, sondern nur aus dem Sonnenhaften zustande. Und das Irdische im Menschen ist in dem Sinne, wie es in den «Leitsätzen» dargestellt ist, nur Bild. Der Mensch trägt in sich das Sonnenhafte. Das Irdische ist nur Bild beim Menschen.
[ 26 ] Sie sehen also, wir werden gewissermaßen durch die Weltenordnung zwischen dem Tod und einer neuen Geburt den hohen Sonnenwesen übergeben. Und diese hohen Sonnenwesen behandeln mit uns zusammen dasjenige von uns, was wir überhaupt in das Sonnendasein hineinbringen können. Das andere bleibt zurück. Und so muß das, was da zurückbleibt, beim Rückgang des Menschen zum Erdenleben gewissermaßen wieder abgeholt werden.
[ 27 ] Der Mensch geht hinaus ins Weltendasein — ich werde übermorgen beschreiben, wie das Weitere geschieht —, aber er kommt wieder zurück. Beim Rückgang kommt er wiederum durch die Mondenregion. Da findet er das, was er zurückgelassen hat an Bösem. Das muß er sich wieder eingliedern. Er gliedert es sich in der Form ein, wie er es durchgemacht hat, unmittelbar nachdem er durch die Todespforte geschritten ist. Er gliedert es sich so ein, daß es nun verwirklicht wird im irdischen Dasein.
[ 28 ] Also bleiben wir bei dem etwas abstoßenden Beispiel, das ich neulich erwähnt habe: Habe ich einem eine Ohrfeige gegeben im Erdenleben, so spüre ich unmittelbar bei dem Rückwärtsgang nach dem Durchgang durch die Todespforte, wie ihn, den anderen, das geschmerzt hat. Das erscheint mir, das finde ich auch wiederum, wenn ich zurückkehre, für das strebe ich nach Verwirklichung. Soll also dasjenige mich treffen, was von dem, das der andere erlebt hat, ausgeht, so habe ich das selber angestrebt beim Hingehen; die Tendenz dazu trage ich wiederum ins irdische Leben herein, wenn ich zurückkehre. Aber sehen wir von dem zunächst ab; von dieser Erfüllung des Karma werde ich übermorgen sprechen. Doch Sie sehen ja ein: Was ich da wieder finde, das entbehrt des Durchganges durch das Sonnenleben, das ist nicht durch das Sonnenleben durchgegangen. Ich habe ja nur das, was mit dem Guten verbunden war, durch das Sonnenleben durchgebracht.
[ 29 ] Ich nehme jetzt, nachdem ich eigentlich einen verkümmerten Menschen innerhalb der Sonnenregion aufgebaut habe, das, was ich zurückgelassen habe, wieder in mich auf. Aber was ich jetzt aufnehme, das ist ja die Grundlage für meine irdisch-leibliche Organisation. Indem ich also nur einen Teil von mir, nämlich denjenigen Teil, der in die Sonnenregion eintreten konnte, in diese Sonnenregion gebracht habe, kann ich auch befruchtet durch die Sonnenregion, durchgeistigt von der Sonnenregion nur denjenigen Teil meines Menschen zurückbringen, den ich durch die Sonnenregion durchgeführt habe.
[ 30 ] Dieser Teil des Menschen, das ist der erste Teil. Sondern wir diese zwei Teile:
[ 31 ] 1. Ein Teil des Menschen erscheint auf der Erde, der durch die Sonnenregion durchgegangen ist.
[ 32 ] 2. Ein Teil des Menschen erscheint auf der Erde, der nicht durch die Sonnenregion durchgegangen ist.
[ 33 ] Das, sehen Sie, bezieht sich auf das Leben des Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und seine Nachwirkung für das Erdenleben. Aber die Sonne wirkt ja auch auf den Menschen, während er auf der Erde ist. Die Sonne wirkt durchaus auch auf den Menschen, während er auf der Erde ist. Und dasjenige Gebiet, vorzugsweise das Mondengebiet, wirkt ja auch auf den Menschen, insofern er auf der Erde ist. Wir haben eben immer zweierlei Wirkungen auf den Menschen: erstens die Wirkung des Sonnenlebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und zweitens die Wirkung des Sonnenlebens während des Erdenlebens des Menschen. Ebenso haben wir die Wirkung des Mondes, sagen wir, indem wir zusammenfassen Mond, Merkur und Venus, die Wirkung des Mondenlebens auf den Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und zweitens die Wirkung des Mondenlebens auf den Menschen, wenn der Mensch auf der Erde ist.
[ 34 ] Während des Erdenlebens brauchen wir die Sonne, damit unser Kopfleben als Erdenmensch überhaupt möglich ist. Dasjenige, was die Sonne auf ihren Strahlen uns zuträgt, das ruft eigentlich aus unserem Organismus unser Kopfleben hervor. Es ist das derselbe Teil des Menschen, der durch das Sonnendasein bedingt wird. Es ist dies der Teil des Menschen, der den Wirkungen des Kopfes verdankt ist. Ich schreibe: des Kopfes (siehe Zusammenstellung Seite 186). Ich fasse eigentlich alles, was Sinnesleben und Vorstellungsleben ist, unter dem Kopfleben zusammen.
[ 35 ] Der andere Teil, derjenige, der im irdischen Leben abhängt von Monden-, Merkur- und Venusdasein, das ist derjenige Teil im Menschen, der nicht mit dem Kopfleben, sondern, im weitesten Sinne natürlich, mit dem Fortpflanzungsleben zusammenhängt.
[ 36 ] Da haben Sie nun etwas Merkwürdiges. Sie haben das Sonnenleben wirksam auf den Menschen zwischen Tod und neuer Geburt, indem es ihn eigentlich zum Menschen macht, dasjenige an ihm ausarbeitet, was mit dem Guten zusammenhängt. Während des Erdenlebens aber vermag das nur auf alles das zu wirken, was mit dem Kopf zusammenhängt. Und im Grunde genommen hat es gar nicht viel zu tun mit dem Guten, dieses Kopfleben, denn man kann sein Kopfleben auch dazu verwenden, ein ausgepichter Schurke zu werden, Man kann sehr gescheit sein, um ein Bösewicht zu werden mit seiner Gescheitheit.
[ 37 ] Alles, was innerhalb des Erdenlebens sich entwickelt im Fortgange, beruht auf dem Fortpflanzungsleben. Dieses Fortpflanzungsleben, das unter dem Einflusse des Mondes steht, das ist der Teil des Menschen, der zusammenhängt in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit dem Teil, der am Menschen gar nicht mitwirkt im durchlaufenen Weltengange.
[ 38 ] Wenn Sie sich diesen Zusammenhang vor die Seele führen, dann werden Sie auch leicht verstehen können, wie nun das, was mit alldem zusammenhängt, im Menschen zum Vorscheine kommt, wenn der Mensch auf der Erde dasteht.
[ 39 ] Da haben wir zuerst den Teil des Menschen, der auf der Erde erscheint und der durch die Sonnenregion durchgegangen ist. Der Kopf allein ist es, auf den die Sonnenregion im Erdenleben einen Einfluß hat, aber es bleibt im ganzen Menschen dasjenige zurück, was mit dieser Sonnenregion zusammenhängt, und das bleibt zurück als seine Gesundheitsanlagen (siehe Zusammenstellung). Daher hängen diese Gesundheitsanlagen auch mit dem Kopfleben zusammen. Der Kopf wird nur krank, wenn das Verdauungsleben oder das rhythmische Leben die Krankheit in ihn hinaufschiebt.
[ 40 ] Dagegen hängt alles dasjenige, was den Teil ausmacht, der nicht durch das Sonnenleben durchgeht, mit des Menschen Krankheitsanlagen zusammen.
[ 41 ] Und so sehen Sie, daß das Kranksein gewoben wird unterhalb der Sonnenregion, und daß das Kranksein zusammenhängt unterhalb der Sonnenregion mit dem, was das Böse darstellt in seinen Wirkungen, sobald der Mensch in das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eintritt. Und die Sonnenregion selber hängt mit den Gesundungsanlagen zusammen. Und nur dann, wenn aus der Mondenregion in die Sonnenregion des Menschen Wirkungen eindringen, kann dasjenige, was auf Erden mit der Sonnenregion zusammenhängt, die Kopforganisation, irgendwelche Krankheitszustände erleben. Sie sehen, wie wir diese großen, karmischen Zusammenhänge nur durchschauen können, wenn wir den Menschen wirklich verfolgen in die Region, wo Geistesgesetze Naturgesetze sind, und Naturgesetze Geistesgesetze.
[ 42 ] 1. Ein Teil des Menschen erscheint auf der Erde, der durch die Sonnenregion durchgegangen ist } Es ist der Teil des Menschen, der den Wirkungen des Kopfes verdankt ist } Gesundheits anlagen
[ 43 ] 2. Ein Teil des Menschen erscheint auf der Erde, der nicht durch die Sonnenregion durchgegangen ist } Es ist der Teil des Menschen, der mit dem Fortpflanzungsleben zusammenhängt } Krankheits anlagen
[ 44 ] Gestatten Sie mir, daß ich mich, ich möchte sagen, alltäglich ausdrücke in einer Region, die gar nicht alltäglich ist, aber daß ich so spreche, wie man im Leben spricht. Es ist gar nicht unnatürlich für denjenigen, der in der geistigen Welt drinnensteht. Wenn man hier mit Menschen spricht, sehen Sie, dann erkennt man aus der Art, wie sie sprechen, daß sie innerhalb der Natur drinnenstehen. Ihre Sprache verrät das. Kommt man in die Region, die ich Ihnen namentlich im letzten Vortrage genau beschrieben habe, die da folgt auf den Durchgang des Menschen durch die Todespforte, und spricht man mit den Wesen, die einstmals Urlehrer der Menschen waren, spricht man dann mit den Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, dann gibt es etwas Fremdes in diesem Sprechen, denn da wird von diesen — wie soll ich sagen — Leuten also, da wird von diesen Leuten nur so geredet wie von Naturgesetzen, die aber in magischer Wirkung stehen, die zugleich vom Geiste beherrscht werden. Magie verstehen diese Wesen. Aber Naturgesetze, die kennen sie nur so, daß sie wissen: die Menschen haben Naturgesetze auf der Erde; sie selber gehen diese Naturgesetze nichts an.
[ 45 ] Aber es erscheint das, was da vor sich geht, doch noch in Bildern, die ähnlich den Vorgängen der Erde sind. Daher schauen die geistigen Wirkungen noch wie Naturwirkungen auf der Erde aus, sind sogar stärker, wie ich beschrieben habe.
[ 46 ] Wenn man aber aus dieser Region hinauskommt und hineinkommt in die Sonnenregion, da hört man überhaupt nichts mehr von Naturgesetzen der Erde. Da ist alles in der Sprache dieser Wesenheiten nur so, daß man von geistigen Wirkungen, von geistiger Ursache hört. Da gibt es nichts von Naturgesetzen.
[ 47 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, so etwas muß man schon auch einmal sagen. Denn wenn hier auf der Erde immerfort von der Allgültigkeit der Naturgesetze oder gar in alberner Weise von der Ewigkeit der Naturgesetze gesprochen wird, so möchte man immer erwidern: Ja, es gibt aber Bezirke in der Welt, die Bezirke, durch die der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hindurchgeht, wo man über die Naturgesetze überhaupt mit Lachen hinweggeht, weil sie für dort keine Bedeutung haben, weil sie da sozusagen höchstens als Nachrichten von der Erde existieren, nicht als etwas, innerhalb dessen man lebt. Und wenn dann der Mensch durchgeht durch diese Region zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und lang genug in einer Welt gelebt hat, wo es keine Naturgesetze gibt, sondern wo es bloß Geistesgesetze gibt, dann gewöhnt er sich eigentlich zunächst ab, von den Naturgesetzen als etwas Ernsthaftem zu denken. Das tut man auch nicht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Da lebt man eben in einer Region, wo sich das Geistige, das man intendiert hat, verwirklichen kann, wo es einer Verwirklichung entgegengeht.
[ 48 ] Aber, sehen Sie, gäbe es nur das, gäbe es nur diese zweite Hierarchie in der Sonnenregion, und erlebten wir in dieser Sonnenregion die Art von Verwirklichung, die wir dort erleben können, so kämen wir, nachdem wir dieses Leben durchschritten haben, wiederum da an vor dem Erdenleben (c), und wenn wir nun in das Erdenleben eintreten wollten, so stünden wir erst da, mit unserem Karma beladen. Wir wüßten, wir können überhaupt nur weiterkommen, wenn wir das jetzt auch ins Physische überführen können, was geistig ganz verwirklicht ist. Denn geistig ist unser Karma verwirklicht, wenn wir da heruntergehen. In dem Momente, wo wir da ankommen beim Erdendasein, da müssen die geistigen Gesetze und geistigen Aspekte wiederum zurückgewandelt werden ins Physische. Hier ist die Region, wo Seraphim, Cherubim und Throne das Geistige zurückverwandeln ins Physische.
[ 49 ] So daß im nächsten Erdenleben dasjenige, was geistig sich realisiert hat, sich auch physisch im Karma realisiert. Das ist der Fortgang im Karma.
