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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume III
GA 237

1 July 1924, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Ich möchte heute für diejenigen, die eben da sein können, einiges ausführen, was eine Art Episode sein kann innerhalb der Betrachtungen, die wir hier nun schon seit einiger Zeit pflegen. Es soll, was ich sage, zur Illustration und Erklärung von manchem dienen, was aus dem bisher Behandelten wie eine Frage auftauchen kann, und es soll zu gleicher Zeit dadurch einiges Licht auf die Seelenverfassung der gegenwärtigen Zivilisation fallen.

[ 1 ] Today, for those who are able to be here, I would like to elaborate on a few points that may serve as a sort of interlude within the reflections we have been exploring here for some time now. What I have to say is intended to illustrate and explain certain points that may arise as questions from what we have discussed so far, and at the same time, it should shed some light on the state of mind of our present-day civilization.

[ 2 ] Wir haben ja durch Jahre hindurch schon immer auf einen ganz bestimmten Zeitpunkt der im wesentlichen europäischen Zivilisationsentwickelung aufmerksam machen müssen, der da liegt in der Mitte des Mittelalters, um das 14., 15. Jahrhundert. Wir weisen damit auf denjenigen Punkt in der Menschheitsentwickelung hin, wo der Intellektualismus beginnt, wo die Menschen damit beginnen, vorzugsweise auf das Denken, auf den Intellekt aufzupassen und ihn zum Richter zu machen über dasjenige, was unter Menschen gedacht und getan werden soll.

[ 2 ] For years now, we have had to draw attention to a very specific point in the development of European civilization, which lies in the middle of the Middle Ages, around the 14th and 15th centuries. We are thus pointing to that point in human development where intellectualism begins, where people start to focus primarily on thinking and on the intellect, and to make it the judge of what should be thought and done among human beings.

[ 3 ] Nun kann man sich ja, weil das Zeitalter des Intellektes heute da ist, durch das Miterleben der Gegenwart allenfalls eine rechte Vorstellung machen von dem, was Intellektualismus ist, was eben im 14. und 15. Jahrhundert an die Oberfläche der Zivilisation gekommen ist. Aber die Seelenverfassung, die vorangegangen ist, die fühlt man heute eigentlich nicht mehr in lebendiger Art. Wenn man Geschichte betrachtet, so projiziert man eigentlich dasjenige, was man in der Gegenwart zu sehen gewöhnt ist, auch weiter nach rückwärts im geschichtlichen Ablauf, und man bekommt nicht viel Vorstellung davon, wie ganz andersartig die Geister vor diesem Zeitraum waren. Und wenn man Urkunden sprechen läßt, so liest man eben in die Urkunden zum großen Teil schon dasjenige hinein, was heutige Denkungs- und Anschauungsart ist.

[ 3 ] Now, since we are living in the Age of the Intellect, we can, at best, gain a true understanding of what intellectualism is—that which came to the surface of civilization in the 14th and 15th centuries—by experiencing the present. But the state of mind that preceded it is something we no longer really sense in a living way today. When we look at history, we actually project what we are accustomed to seeing in the present further back into the course of history, and we don’t get much of a sense of how completely different the mindsets were before that period. And when one lets historical documents speak for themselves, one tends to read into them, to a large extent, the very ways of thinking and perspectives that are characteristic of our own time.

[ 4 ] Der geisteswissenschaftlichen Betrachtung stellt sich eben manches ganz und gar anders dar. Und wenn man zum Beispiel den Blick auf jene Persönlichkeiten hinwendet, die aus dem Arabismus, aus der Kultur Asiens heraus auf der einen Seite beeinflußt waren von dem, was im Mohammedanismus als Religion sich ausgelebt hat, auf der anderen Seite aber auch beeinflußt waren von dem Aristotelismus, wenn man auf diese Persönlichkeiten schaut, die dann den Weg herüber über Afrika nach Spanien gefunden haben, die dann tief beeinflußt haben die Geister Europas, bis zu Spinoza und über Spinoza hinaus wiederum weiter die Geister Europas beeinflußt haben, dann gewinnt man über sie keine Anschauung, wenn man sich ihre Seelenverfassung so vorstellt, wie wenn sie einfach Menschen der Gegenwart gewesen wären, nur daß sie so und so viele Dinge noch nicht gewußt haben, die später gefunden worden sind. Denn so ungefähr stellt man sie sich ja vor. Aber die Denk- und Anschauungsweise auch noch derjenigen Persönlichkeiten aus der angedeuteten Zivilisationsrichtung, die etwa im 12. Jahrhundert lebten, war ganz anders als die heutige.

[ 4 ] From a humanities perspective, however, many things appear quite differently. And if, for example, one turns one’s gaze to those figures who, emerging from Arab culture and the culture of Asia, were influenced on the one hand by what took shape as the religion of Islam, but on the other hand were also influenced by Aristotelianism—if one looks at these figures, who then found their way across Africa to Spain, who profoundly influenced the minds of Europe, and who—through Spinoza and beyond—continued to influence the minds of Europe, then one cannot gain any insight into them by imagining their state of mind as if they were simply people of the present, except that they did not yet know this or that, which was later discovered. For that is more or less how one imagines them. But the way of thinking and perceiving of even those figures from the aforementioned cultural tradition who lived around the 12th century was quite different from that of today.

[ 5 ] Heute fühlt sich der Mensch, wenn er so auf sich selbst zurückblickt, als der Besitzer von Gedanken, Gefühlen, Willensimpulsen, die dann zur Tat werden. Vor allen Dingen schreibt sich der Mensch eben zu das «ich denke», das «ich fühle», das «ich will». Bei diesen Geistern, bei diesen Persönlichkeiten, von denen ich jetzt rede, war das «ich denke» noch gar nicht von solcher Empfindung begleitet, mit der wir heute sagen: Ich denke —, sondern nur das «ich fühle» und «ich will». Diese Menschen haben ihrer eigenen Persönlichkeit nur ihr Fühlen und ihr Wollen zugeschrieben. Aus altzivilisatorischen Untergründen heraus lebten sie viel mehr in der Empfindung «es denkt in mir», als daß sie gedacht hätten «ich denke». Sie dachten wohl: «ich fühle, ich will», aber sie dachten durchaus nicht in demselben Maße: «ich denke», sondern sie sagten sich — und das ist eine ganz reale Anschauung gewesen, die ich Ihnen jetzt mitteilen will —: Gedanken sind in der sublunarischen Sphäre, da leben die Gedanken. — Überall sind diese Gedanken in derjenigen Sphäre, die gegeben ist dadurch, daß wir uns die Erde (siehe Zeichnung, blau) vorstellen an einem gewissen Punkt, den Mond hier an einem anderen, dann Merkur, Venus und so weiter. Sie dachten sich die Erde als dichte, feste Weltenmasse, aber sie dachten sich als zweites, was dazu gehört, die lunarische Sphäre bis zum Monde hinauf (gelb).

[ 5 ] Today, when people look back on themselves in this way, they feel themselves to be the possessors of thoughts, feelings, and impulses of will that then become actions. Above all, people attribute to themselves the “I think,” the “I feel,” and the “I will.” For these spirits, for these personalities of whom I am now speaking, the “I think” was not yet accompanied by the kind of feeling with which we say today: “I think—,” but only the “I feel” and “I will.” These people attributed only their feeling and their willing to their own personality. Rooted in the foundations of ancient civilization, they lived much more in the sense of “it thinks within me” than in the sense of “I think.” They certainly thought, “I feel, I will,” but they by no means thought to the same extent, “I think”; rather, they told themselves—and this was a very real perspective that I now wish to share with you—that thoughts are in the sublunar sphere; that is where thoughts live. — These thoughts are everywhere in that sphere, which is defined by our imagining the Earth (see drawing, blue) at a certain point, the Moon here at another, then Mercury, Venus, and so on. They conceived of the Earth as a dense, solid mass of matter, but they also conceived of the lunar sphere extending up to the Moon (yellow) as an integral part of it.

[ 6 ] Und so wie wir sagen, in der Luft, in der wir atmen, ist Sauerstoff, so sagten diese Leute — es ist eben ganz vergessen worden, daß das so war —: In dem Äther, der bis zum Mond hinaufreicht, sind Gedanken. — Und wie wir sagen, wir atmen den Sauerstoff der Luft ein, so sagten diese Menschen allerdings nicht: wir atmen die Gedanken ein, aber: wir perzipieren die Gedanken, wir nehmen die Gedanken auf. Und sie waren sich dessen bewußt, daß sie sie aufnehmen.

[ 6 ] And just as we say that the air we breathe contains oxygen, so these people said—it has simply been completely forgotten that this was the case—that the ether, which extends all the way to the moon, contains thoughts. — And just as we say that we inhale the oxygen in the air, these people did not, of course, say: “We inhale thoughts,” but rather: “We perceive thoughts; we take in thoughts.” And they were aware that they were taking them in.

[ 7 ] Sehen Sie, heute kann ein Mensch sich so etwas meinetwillen auch als Begriff zu eigen machen. Er kann vielleicht sogar aus der Anthroposophie heraus so etwas einsehen. Aber er vergißt es ja gleich wieder, wenn es aufs praktische Leben ankommt. Wenn es aufs praktische Leben ankommt, dann macht er sich gleich eine ganz merkwürdige Vorstellung, er macht sich die Vorstellung, daß die Gedanken in ihm entspringen, was ganz gleich wäre, wie wenn er meinte, daß der Sauerstoff, den er aufnimmt, nicht von außen aufgenommen würde, sondern aus ihm heraus entspränge. Für die Persönlichkeiten, von denen ich spreche, war eben ein tiefes Gefühl, ein unmittelbares Erlebnis: Ich habe nicht meine Gedanken als meinen Besitz, ich darf eigentlich nicht sagen, «ich» denke, sondern «Gedanken sind», und ich nehme sie auf, diese Gedanken.

[ 7 ] You see, today a person can, for my sake, take something like this on as a concept. He may even be able to understand something like this from the perspective of anthroposophy. But they forget it right away when it comes to practical life. When it comes to practical life, they immediately form a very strange notion—they imagine that thoughts arise within them, which would be just as if they thought that the oxygen they breathe in were not taken in from the outside but arose from within them. For the individuals I am speaking of, it was precisely a deep feeling, an immediate experience: I do not possess my thoughts as my own; I should not actually say, “I” think, but rather, “thoughts are,” and I take them in, these thoughts.

[ 8 ] Nun, vom Sauerstoff der Luft wissen wir, daß er in verhältnismäßig kurzer Zeit den Kreislauf durch unseren Organismus durchmacht. Wir zählen solche Kreisläufe nach den Pulsschlägen. Das geschieht schnell. Die Persönlichkeiten, von denen ich spreche, stellten sich schon das Aufnehmen der Gedanken wie eine Art von Atmen vor, aber ein sehr langsames Atmen, ein Atmen, das darin besteht, daß im Beginne des Erdenlebens der Mensch fähig wird, die Gedanken aufzunehmen. So wie wir den Atem eine gewisse Zeit zwischen der Einatmung und der Ausatmung in uns halten, so stellten sich diese Menschen auch einen Tatbestand vor, dahingehend, daß sie nun die Gedanken halten, aber eben nur so, wie wir den Sauerstoff, der der äußeren Luft angehört, halten. So stellten sie sich es vor: sie halten die Gedanken, und zwar während der Zeit ihres Erdenlebens, und sie atmen sie wieder aus, hinaus in die Weltenweiten, wenn sie durch die Pforte des Todes gehen. So daß man es also zu tun hatte mit einem Einatmen: Lebensbeginn; Atemhalten: Dauer des Erdenlebens; Ausatmen: Hinaussenden der Gedanken in die Welt. Menschen, die so innerlich erlebten, fühlten sich mit allen anderen, die gleich erlebten, in einer gemeinschaftlichen Gedankenatmosphäre, die nicht bloß einige Meilen über die Erde hinaufging, sondern die eben bis zum Mondenumkreis ging.

[ 8 ] Well, we know that the oxygen in the air completes a cycle through our organism in a relatively short time. We count these cycles based on our heartbeats. It happens quickly. The individuals I am speaking of already imagined the absorption of thoughts as a kind of breathing—but a very slow breathing, a breathing that consists in the fact that, at the beginning of earthly life, a person becomes capable of absorbing thoughts. Just as we hold our breath for a certain time between inhaling and exhaling, these people also imagined a process in which they now hold onto thoughts—but only in the same way that we hold onto the oxygen that belongs to the outside air. This is how they imagined it: they hold onto thoughts—specifically during the course of their earthly life—and they exhale them back out into the vastness of the world when they pass through the gate of death. Thus, the process consisted of inhalation: the beginning of life; holding one’s breath: the duration of earthly life; exhalation: sending thoughts out into the world. People who experienced this inwardly felt connected to all others who experienced it in the same way, within a shared atmosphere of thought that extended not merely a few miles above the Earth, but all the way to the Moon’s orbit.

[ 9 ] Man kann sich nun vorstellen, daß diese Anschauung, die damals um die europäische Zivilisation gekämpft hat, sich immer weiter und weiter ausbreiten wollte, namentlich von jenen Aristotelikern aus, die von Asien herüber nach Europa auf dem Wege gekommen sind, den ich angedeutet habe. Man könnte sich nun vorstellen, daß diese Anschauung sich wirklich ausgebreitet hätte. Was wäre geworden?

[ 9 ] One can now imagine that this view, which at that time was fighting for European civilization, sought to spread farther and farther, particularly through those Aristotelians who had made their way from Asia to Europe along the route I have indicated. One could now imagine that this view had indeed spread. What would have become of it?

[ 10 ] Ja, es wäre dann nicht dazu gekommen, daß im vollsten Sinne des Wortes sich das hätte ausleben können, was sich doch im Laufe der Erdenentwickelung hat ausleben müssen: nämlich die Bewußtseinsseele. Diejenigen Menschen, von denen ich da spreche, standen sozusagen im letzten Stadium der Entwickelung der Verstandes- oder Gemütsseele. Heraufkommen sollte im 14. und 15. Jahrhundert die Bewußtseinsseele, die eben alles in der Zivilisation in Intellektualismus überführte, wenn sie im Extrem sich auslebte.

[ 10 ] Yes, it would not have come to pass that, in the fullest sense of the word, what was bound to unfold in the course of Earth’s evolution could have unfolded: namely, the soul of consciousness. The people I am speaking of here were, so to speak, in the final stage of the development of the intellectual or emotional soul. The consciousness soul was to emerge in the 14th and 15th centuries, and when it played itself out to the extreme, it transformed everything in civilization into intellectualism.

[ 11 ] Die europäische Bevölkerung war in ihrer Totalität im 10., 11., 12. Jahrhundert keineswegs durchaus befähigt, eine solche Anschauung, wie die der Persönlichkeiten, die ich charakterisiert habe, einfach über sich ergehen zu lassen, denn die Entwickelung der Bewußtseinsseele wäre dann ausgeblieben. Wenn es auch sozusagen im Ratschluß der Götter bestimmt war, daß die Bewußtseinsseele sich entwickele, so war es doch so, daß diese Bewußtseinsseele sich nicht aus der Eigentätigkeit der europäischen Menschheit in ihrer Totalität heraus hat entwickeln können, sondern es mußte gewissermaßen ein Impuls kommen, der dahin ging, die Bewußtseinsseele besonders zu entwickeln.

[ 11 ] The European population as a whole in the 10th, 11th, and 12th centuries was by no means fully capable of simply accepting a view such as that held by the individuals I have described, for the development of the conscious soul would then not have taken place. Even if it was, so to speak, decreed by the gods that the conscious soul should develop, the fact remained that this conscious soul could not have developed out of the independent activity of European humanity as a whole; rather, an impulse had to come, as it were, that was directed toward the specific development of the conscious soul.

[ 12 ] So daß wir heraufkommen sehen von dem Zeitalter an, das ich jetzt charakterisiert habe, zwei Geistesströmungen. Die eine Geistesströmung war sozusagen bei den arabisierenden Philosophen vertreten, die vom Westen Europas herein die europäische Zivilisation stark beeinflußten, viel stärker, als man heute glaubt. Die andere Strömung war diejenige, welche in schärfster Weise diese Strömung, die ich charakterisierte, bekämpfte, welche in schärfster Strenge diese Anschauung als die ketzerischste für Europa hinstellte. Wie stark das noch lange gefühlt wurde, das, meine lieben Freunde, empfinden Sie, wenn Sie Bilder anschauen, wo etwa Dominikanermönche oder Thomas von Aquino selber im Triumphe dargestellt werden, im Triumphe einer ganz anderen Anschauung, einer Anschauung, die vor allen Dingen die Individualität, das Persönliche des Menschen betont, die dahin arbeitet, daß der Mensch sich seine Gedanken als sein Eigentum aneignet, und wo diese Dominikaner dargestellt werden, wie sie die Vertreter des Arabismus mit Füßen treten. Die sind unter ihren Füßen, die werden getreten. In solchem Gegensatz hat man eben die beiden Strömungen lange empfunden. Eine Gefühlsenergie, wie sie in einem solchen Bilde liegt, ist eigentlich in der heutigen, etwas apathischen Menschheit nicht mehr vorhanden. Wir brauchen sie allerdings nicht für jene Dinge, für die damals gekämpft worden ist, aber wir brauchen sie für andere Dinge wiederum gar sehr!

[ 12 ] Thus, from the era I have just described, we see two intellectual currents emerging. One intellectual current was represented, so to speak, by the Arabizing philosophers who, coming from Western Europe, exerted a powerful influence on European civilization—far more so than is generally believed today. The other current was the one that most vehemently opposed the current I have described, and which, with the utmost severity, denounced this view as the most heretical for Europe. Just how strongly this sentiment persisted for a long time, my dear friends, you can sense when you look at paintings in which, for example, Dominican monks or Thomas Aquinas himself are depicted in triumph, in the triumph of an entirely different worldview—one that emphasizes above all else the individuality and the personal nature of the human being, that works toward the human being appropriating his thoughts as his own property—and where these Dominicans are depicted trampling the representatives of Arabism underfoot. They lie beneath their feet; they are being trampled. It is precisely in such a contrast that the two currents were long perceived. The emotional energy embodied in such a painting is, in fact, no longer present in today’s somewhat apathetic humanity. We certainly do not need it for the causes that were fought for back then, but we do need it very much indeed for other causes!

[ 13 ] Bedenken wir einmal, was da vorgestellt wurde: Einatmung der Gedanken aus dem Weltenäther, aus der sublunarischen Sphäre: Lebensanfang; Atemhalten: Erdenleben; Ausatmung: wiederum Hinaustreten der Gedanken, aber mit der individuell menschlichen Färbung, in den Weltenäther, in die Impulse der Sphäre unter dem Monde, in die Impulse der sublunarischen Sphäre.

[ 13 ] Let us consider what was presented there: the inhalation of thoughts from the world ether, from the sublunar sphere: the beginning of life; holding one’s breath: earthly life; exhalation: once again, the outward flow of thoughts—but now imbued with an individual human character—into the world ether, into the impulses of the sphere beneath the moon, into the impulses of the sublunar sphere.

[ 14 ] Was ist denn dieses Ausatmen? Ganz genau dasselbe, meine lieben Freunde, wie das, von dem wir sagen: in den drei Tagen nach dem Tode vergrößert sich der Ätherleib des Menschen. Der Mensch sieht zurück auf den sich langsam vergrößernden Ätherleib, er sieht, wie sich seine Gedanken hinaus ausbreiten in den Kosmos. Es ist ja ganz dasselbe, was nur, ich möchte sagen, von einem subjektiveren Standpunkte aus dazumal dargestellt worden ist. Also es ist ja immer wiederum wahr, wie diese Leute dazumal empfanden und erlebten. Sie empfanden den Kreislauf des Lebens tiefer, als er heute empfunden werden kann.

[ 14 ] What, then, is this exhalation? Exactly the same thing, my dear friends, as what we say: in the three days following death, the human etheric body expands. The human being looks back at the etheric body as it slowly expands; he sees how his thoughts spread out into the cosmos. It is, in fact, exactly the same thing, only—I would say—it was described back then from a more subjective point of view. So it is always true, after all, how those people felt and experienced things back then. They felt the cycle of life more deeply than it can be felt today.

[ 15 ] Aber dennoch: wären ihre Anschauungen herrschend geworden in Europa in der Form, in der sie damals da waren, dann wäre nur ein schwaches Ich-Gefühl bei den Menschen der europäischen Zivilisation zur Entwickelung gekommen. Die Bewußtseinsseele hätte nicht heraustreten können, das Ich hätte sich in dem «ich denke» nicht erfaßt, der Unsterblichkeitsgedanke wäre immer verschwommener und verschwommener geworden. Die Menschen hätten immer mehr und mehr auf dasjenige hingeblickt, was so im allgemeinen in der sublunarischen Sphäre herumwellt und -webt, wenn es übriggeblieben ist von dem Menschen, der hier auf dieser Erde gelebt hat. Man hätte die Geistigkeit der Erde als ihre erweiterte Atmosphäre gefühlt, man hätte sich mit der Erde gefühlt, aber nicht als individueller Mensch, abgesondert von der Erde; denn die Menschen, die ich charakterisierte, die fühlten sich eigentlich durch dieses «es denkt in mir» mit der Erde innig zusammenhängend. Sie fühlten sich nicht in demselben Grade als Individualitäten, wie dies die Menschen im übrigen Europa anfingen zu fühlen, wenn auch in unklarer Weise.

[ 15 ] And yet: if their views had become dominant in Europe in the form they took at that time, then only a weak sense of self would have developed among the people of European civilization. The conscious soul would not have been able to emerge; the “I” would not have been grasped in the “I think”; and the idea of immortality would have become increasingly blurred. People would have looked more and more toward that which generally ripples and weaves about in the sublunar sphere—what remains of the human being who once lived here on Earth. People would have perceived the spirituality of the Earth as its extended atmosphere; they would have felt at one with the Earth, but not as individual human beings separate from it; for the people I described actually felt intimately connected to the Earth through this “it thinks within me.” They did not feel themselves to be individualities to the same degree that people in the rest of Europe were beginning to feel—albeit in an unclear way.

[ 16 ] Dann aber müssen wir doch auch das Folgende berücksichtigen: Nur diese geistige Strömung, von der ich sprach, wußte davon, daß, wenn der Mensch stirbt, die von ihm während des Erdenlebens aufgenommenen Gedanken im Weltenäther, der die Erde umgibt, wellen und weben. Und diese Anschauung wurde also von denjenigen Persönlichkeiten, die ja namentlich aus dem Dominikanerorden hervorgingen, scharf bekämpft, und scharf wurde geltend gemacht: Der Mensch ist eine Individualität, man hat vor allen Dingen auf dasjenige zu sehen, was vom Menschen als Individualität durch die Pforte des Todes geht, nicht auf das, was sich auflöst im allgemeinen Weltenäther. Das wurde eben vorzugsweise, obwohl nicht allein von den Dominikanern, aber ich möchte sagen, repräsentativ von den Dominikanern betont. Diese Anschauung von der Individualität des Menschen wurde scharf und energisch vertreten gegenüber der ersten Richtung, die ich charakterisiert habe. Aber gerade dies bewirkte einen ganz bestimmten Zustand.

[ 16 ] But then we must also take the following into account: Only this spiritual movement I spoke of knew that when a person dies, the thoughts they absorbed during their earthly life ripple and weave through the world ether that surrounds the Earth. And this view was thus fiercely opposed by those figures who emerged specifically from the Dominican Order, and it was strongly asserted: A human being is an individual; one must look above all to what passes through the gate of death as an individual, not to what dissolves into the general world ether. This was emphasized primarily—though not exclusively—by the Dominicans, but I would say it was representative of the Dominicans. This view of the individuality of the human being was sharply and vigorously defended against the first approach I have described. But it was precisely this that brought about a very specific situation.

[ 17 ] Denn sehen wir einmal hin auf die Vertreter, sagen wir also jetzt, des Individualismus. Es waren ja da diese individuell gefärbten Gedanken, die in den allgemeinen Weltenäther übergingen. Und diejenigen, die gegen diese Strömung kämpften, die wurden gerade dadurch, daß sie noch wußten, noch lebendig wußten: da wird das behauptet, diese Anschauung ist da — beunruhigt gerade von dem, was wirklich da war. Diese Beunruhigung durch die sich vergrößernden und auflösenden und die menschlichen Gedanken an den Weltenäther abgebenden Kräfte, diese Beunruhigung gerade der hervorragendsten Denker, die hörte ja erst im 16., 17. Jahrhundert auf.

[ 17 ] For let us take a look at the proponents—let us say, for now—of individualism. There were, after all, these individually colored thoughts that flowed into the general world ether. And those who fought against this current—precisely because they still knew, still knew vividly: “This is being asserted; this view exists”—were unsettled precisely by what was actually there. This unease caused by the forces that were growing and dissolving and releasing human thoughts into the world ether—this unease felt precisely by the most outstanding thinkers—did not cease until the 16th and 17th centuries.

[ 18 ] Man muß sich schon in die Seelenverfassung namentlich solcher Leute, die dem Dominikanerorden angehört haben, hineinversetzen können, um zu ermessen, wie gerade diese Leute beunruhigt wurden durch dasjenige, was vorhanden ist als Hinterlassenschaft von den verstorbenen Menschen, und an das sie nicht mehr mit ihrer Anschauung sozusagen glauben dürfen, glauben können. Man muß sich hineinversetzen in die Gemüter dieser Menschen. So trocken, so abstrakt, so eisig begrifflich, wie die Menschen heute denken, konnte ja ein hervorragender Geist im 13., 14. Jahrhundert nicht denken. Heute kommen einem ja die Menschen vor, wenn sie irgendwelche Anschauungen vertreten, als wenn es als eine Bedingung gälte für das Vertreten von Anschauungen, daß einem erst das Herz aus dem Leibe gerissen wird. Dazumal war es nicht so. Dazumal war Innigkeit, ich möchte sagen Herzlichkeit in all dem, was man als Ideen vertrat. Dadurch aber, daß diese Herzlichkeit vorhanden war, war auch in einem solchen Falle wie dem, den ich hier anführe, ein starker innerer Kampf vorhanden.

[ 18 ] One must be able to put oneself in the frame of mind of precisely those people who belonged to the Dominican Order in order to appreciate how deeply troubled these very people were by what remains as the legacy of the deceased—and in which, so to speak, they are no longer permitted or able to believe according to their own worldview. One must put oneself in the minds of these people. As dry, as abstract, as coldly conceptual as people think today, an outstanding mind in the 13th or 14th century could not have thought that way. Today, when people hold certain views, it seems as though a prerequisite for holding such views is that one’s heart must first be torn from one’s body. It wasn’t like that back then. Back then, there was sincerity—I would say warmth—in everything one advocated as an idea. But precisely because this warmth was present, there was also a strong inner struggle in a case such as the one I am citing here.

[ 19 ] Und unter den furchtbarsten inneren Kämpfen hat sich dasjenige ausgebildet, was zum Beispiel vom Dominikanerorden als eine gewisse Philosophie ausgegangen ist, die dann später das Leben, weil das ja noch viel mehr auf Autorität einzelner Menschen gebaut war, stark beeinflußte. Solch eine allgemeine Bildung gab es ja damals noch nicht; es strömte in alles, was Bildung war, was überhaupt die Leute wußten, dasjenige hinein, was wenige besaßen, die daher auch mehr hinaufragten zu dem, was philosophisches Leben und Streben war. In all dem, was da in die Zivilisation einfloß, war enthalten, was in solchen inneren Kämpfen durchlebt wurde. Heute liest man die Schriften der Scholastiker und empfindet nur trockene Gedanken. Aber trocken sind ja eigentlich bloß die Leser heute. Diejenigen Menschen, die sie geschrieben haben, waren schon nicht trocken in ihrem Gemüte. Die waren voll inneren Feuers gegenüber ihren Gedanken. Und dieses innere Feuer kam eben von dem Bestreben, abzuweisen den objektiven Gedankeneinfluß.

[ 19 ] And amid the most terrible internal struggles, what emerged—as exemplified by the Dominican Order—was a certain philosophy that later exerted a powerful influence on life, which at that time was still based much more on the authority of individual people. Such a general education did not yet exist at that time; everything that constituted education—and indeed, everything people knew—was infused with what only a few possessed, and it was these few who therefore aspired more highly toward what constituted philosophical life and striving. Everything that flowed into civilization at that time contained what had been lived through in such inner struggles. Today, when one reads the writings of the Scholastics, one perceives only dry thoughts. But in reality, it is only today’s readers who are dry. The people who wrote them were certainly not dry in their dispositions. They were filled with an inner fire toward their thoughts. And this inner fire stemmed precisely from the endeavor to reject the influence of objective thought.

[ 20 ] Wenn heute einer denkt über Weltanschauungsfragen, so beirrt ihn ja eigentlich nichts. Man kann heute den größten Unsinn denken, und man denkt ihn ganz ruhig, weil für die Menschheit, die schon so lange innerhalb der Bewußtseinsseele sich entwickelt hat, keine Beunruhigung von der Art eintritt, daß die einzelnen empfinden würden, wie nun die Gedanken der Menschen sich ausnehmen, wenn sie nach dem Tode hinausfließen in die Ätherumgebung der Erde. Heute sind ja ganz unbekannt solche Dinge, wie sie noch im 13., 14. Jahrhundert erlebt werden konnten, wo jüngere Priester zu älteren Priestern kamen und noch die inneren Qualen, die sie durchmachten im Beständigbleiben in ihrem Religionsbekenntnisse, dadurch ausdrückten, daß sie sagten: Mich quälen die Gespenster der Toten.

[ 20 ] When someone today reflects on questions of worldview, nothing really leads them astray. Today one can entertain the greatest nonsense, and one does so quite calmly, because for humanity—which has been developing within the soul of consciousness for so long—no unease of this kind arises that would cause individuals to sense what human thoughts are like as they flow out after death into the Earth’s etheric environment. Today, such things are completely unknown, unlike in the 13th and 14th centuries, when younger priests would go to older priests and express the inner torments they endured in remaining steadfast in their religious convictions by saying: “I am tormented by the ghosts of the dead.”

[ 21 ] Denn mit den Gespenstern der Toten war das eben gemeint, was ich jetzt charakterisiert habe. Da konnten die Menschen noch hineinwachsen in dasjenige, was sie eben lernten. Man lernte innerhalb einer gewissen Gemeinschaft, sagen wir einer Dominikanergemeinschaft, daß der Mensch individuell ist, auch seine individuelle Unsterblichkeit hat. Man lernte, daß es eine falsche, ketzerische Anschauung ist, wenn in bezug auf das Denken eine All-Erdenseele angeschaut wird, man lernte das scharf bekämpfen. Aber man empfand in gewissen Augenblicken, in denen man so recht mit sich selber zu Rate ging, das objektive Wirken der Gedanken von den Überresten der verstorbenen Menschen und sagte sich dann: Ist es denn ganz richtig, daß ich das tue, was ich tue? Da ist etwas Unbestimmtes, das in meine Seele hineinwirkt. Ich komme nicht auf dagegen. Ich werde festgehalten. Ja, die Intellekte der Menschen, oder wenigstens vieler Menschen, waren eben zu jener Zeit noch so geordnet, daß für sie die Toten wenigstens noch tagelang nach dem Tode recht allgemein sprachen. Und hatte der eine aufgehört zu sprechen, so fing ein anderer an. Man fühlte sich auch in bezug auf solche Dinge dann ganz darinnen im allgemeinen Geistigen des Weltenalls, wenigstens noch im Ätherischen.

[ 21 ] For that is precisely what was meant by the “ghosts of the dead”—what I have just described. Back then, people could still grow into what they were learning. Within a certain community—let’s say a Dominican community—one learned that the human being is an individual and possesses individual immortality. One learned that it is a false, heretical view to conceive of a universal earthly soul in relation to thought, and one learned to combat this view vigorously. But at certain moments, when one truly consulted within oneself, one sensed the objective influence of thoughts emanating from the remnants of the deceased and then asked oneself: Is it really quite right that I am doing what I am doing? There is something indefinable that is working its way into my soul. I cannot resist it. I am held fast. Yes, the intellects of people—or at least of many people—were still organized at that time in such a way that, for them, the dead continued to speak quite generally for days after their death. And when one had ceased to speak, another would begin. With regard to such things, one also felt completely immersed in the general spiritual realm of the universe—or at least still in the etheric realm.

[ 22 ] Dieses Miterleben mit dem Weltenall, das hat in unsere Zeiten herein eben ganz aufgehört. Und dafür haben wir das Leben in der Bewußtseinsseele errungen. Und all das, was uns als eine Realität ebenso umgibt wie Tische und Stühle, wie Bäume und Flüsse, was uns als eine geistige Realität umgibt, das wirkt nur noch auf die Tiefen des Unterbewußtseins der Menschen. Die Innerlichkeit des Lebens, die geistige Innerlichkeit des Lebens, die hat eben aufgehört. Die wird erst wiederum errungen in einer lebendig aufgenommenen geisteswissenschaftlichen Erkenntnis.

[ 22 ] This sense of being at one with the universe has now completely ceased in our time. And in its place, we have attained life in the conscious soul. And everything that surrounds us as a reality just as much as tables and chairs, just as much as trees and rivers—everything that surrounds us as a spiritual reality—now affects only the depths of people’s subconscious. The inner nature of life, the spiritual inner nature of life, has simply come to an end. It will only be regained through a living, actively embraced understanding of spiritual science.

[ 23 ] Und so lebendig müssen wir über eine geisteswissenschaftliche Erkenntnis denken, wie es sich uns ergibt, wenn wir solche Erscheinungen, die noch gar nicht so lange hinter uns liegen, anschauen. Man denke sich den scholastischen Denker oder Schriftsteller des 13. Jahrhunderts. Er schreibt seine Gedanken hin. Heute ist denken leicht, denn die Menschen haben sich schon gewöhnt, intellektualistisch zu denken. Dazumal fing es eben an, da war es noch schwer. Da war man sich noch bewußt einer ungeheuren inneren Anstrengung, da war man sich bewußt einer Ermüdung durch das Denken wie durch das Holzhacken, wenn ich mich trivial ausdrücken darf. Heute ist ja das Denken vieler Menschen schon ganz automatisch geworden. Und ist man denn heute etwa von der Sehnsucht befallen, jeden seiner Gedanken mit seiner menschlichen Persönlichkeit zu verfolgen? Man hört zu, wie die Menschen heute wie ein Automat einen Gedanken aus dem anderen hervorgehen lassen können, so daß man gar nicht nachkommt, daß man auch gar nicht weiß, warum; denn da ist nichts von einer Notwendigkeit vorhanden. Aber solange der Mensch im Leibe lebt, soll er mit seiner Persönlichkeit seine Gedanken verfolgen. Dann nehmen sie schon einen anderen Gang: sie breiten sich aus, wenn er gestorben ist.

[ 23 ] And we must think about insights from the humanities as vividly as they present themselves to us when we look at such phenomena, which are not so long past. Consider the scholastic thinker or writer of the 13th century. He writes down his thoughts. Today, thinking is easy, because people have already grown accustomed to thinking in an intellectualistic way. Back then, it was just beginning; it was still difficult. Back then, people were still aware of an immense inner effort; they were aware of the fatigue caused by thinking—much like chopping wood, if I may put it in trivial terms. Today, thinking has become quite automatic for many people. And is anyone today even seized by the longing to pursue each of their thoughts with their human personality? One hears how people today can let one thought flow out of another like an automaton, so that one cannot keep up at all, nor does one even know why; for there is no sense of necessity involved. But as long as a person lives in the body, they should follow their thoughts with their personality. Then they take a different course: they spread out once the person has died.

[ 24 ] Ja, so konnte man sitzen in der damaligen Zeit und die Lehre von dem individuellen Menschen zur Rettung der Lehre von der individuellen Unsterblichkeit mit allen scharf einschneidenden Gedanken verteidigen, polemisch werden gegen Averroes oder sonstige Leute von jener ersten Richtung, die ich heute charakterisiert habe. Dann war aber eine Möglichkeit vorhanden: es war die Möglichkeit vorhanden, daß dasjenige, was gerade von einer solchen hervorragenden Persönlichkeit wie Averroes nach dem Tode wie eine Art Gespenst in der sublunarischen Sphäre sich aufgelöst hat, wiederum am Ende der subJunarischen Sphäre — eben durch den Mond selber — gerade stark gesammelt worden und geblieben ist, nach der Vergrößerung sogar wieder verkleinert worden ist und ihm Gestalt gegeben worden ist, so daß es wiederum zu einem, ich möchte sagen, im Äther aufgebauten Wesen konsolidiert worden ist. Das konnte geschehen. Dann saß man und versuchte, den Individualismus zu begründen: Man polemisierte gegen Averroes — und Averroes erschien, erschien drohend und beirrte das Gemüt. Gegen den längst verstorbenen Averroes standen im 13. Jahrhundert die wichtigsten scholastischen Schriftsteller auf. Gegen den längst Gestorbenen polemisierte man, gegen dasjenige, was als Lehre geblieben ist: er bewies einem, daß seine Gedanken wiederum verdichtet, konsolidiert worden sind und weiterleben!

[ 24 ] Yes, back then one could sit there and defend the doctrine of the individual human being—in order to save the doctrine of individual immortality—with all one’s incisive thoughts, engaging in polemics against Averroes or others of that early school I have described today. But then there was a possibility: there was the possibility that what had just dissolved after death—like a kind of ghost in the sublunar sphere—from such an outstanding personality as Averroes, had in turn been strongly gathered at the end of the sublunar sphere — precisely through the Moon itself — had been strongly gathered and remained there, had even been reduced in size after its enlargement, and had been given form, so that it was once again consolidated into a being, I might say, built up in the ether. That could have happened. Then people sat and tried to justify individualism: they polemicized against Averroes—and Averroes appeared, appeared menacingly, and led the mind astray. In the 13th century, the most important Scholastic writers rose up against Averroes, who had long since passed away. They polemicized against the long-dead man, against what remained of his teachings: he proved to them that his thoughts had in turn been condensed, consolidated, and continued to live on!

[ 25 ] Diese inneren Kämpfe, die dem Anfang des Bewußtseinszeitalters vorangegangen sind, sind schon so, daß man heute auf ihre ganze Intensität, auf ihre Innigkeit hinschauen sollte. Worte sind schließlich Worte, und die späteren Menschen nehmen eben das, was hinter den Worten ist, mit denjenigen Begriffen, die sie haben. Aber solche Worte schlossen manchmal reiches Seelenleben ein, deuteten hin auf Seelenleben, wie ich sie eben jetzt charakterisiert habe.

[ 25 ] These inner struggles, which preceded the dawn of the age of consciousness, are such that today we should look closely at their full intensity and depth. Words are, after all, just words, and people in later times simply interpret what lies behind the words using the concepts they possess. But such words sometimes encompassed a rich inner life, pointing to an inner life such as I have just described.

[ 26 ] Und so haben wir zwei Strömungen, die im Grunde genommen bis zum heutigen Tage wirksam geblieben sind. Wir haben die eine Strömung, die gern — jetzt nur noch von der geistigen Welt, aber da um so stärker — dem Menschen klarmachen möchte, daß ein allgemeines Gedankenleben die Erde umgibt, daß man in Gedanken drinnen seelisch-geistig atmet, und die andere Strömung, die vor allem den Menschen hinweisen will darauf, daß er sich unabhängig machen sollte von solcher Allgemeinheit, daß er sich in seiner Individualität erleben sollte. Die eine Strömung, die erste, mehr wie ein unbestimmtes Raunen in der geistigen Erdenumgebung, ist heute für viele Menschen, die schon auch vorhanden sind, nur noch wahrnehmbar, wenn in besonders gestalteten Nächten die Leute auf ihrem Lager liegen und dem Unbestimmten zuhören, und wo aus diesem Unbestimmten heraus alle möglichen Zweifel geboren werden an dem, was die Leute heute aus ihrer Individualität heraus mit solcher Bestimmtheit behaupten. Wir haben bei anderen Leuten, die immer gut schlafen, weil sie mit sich selbst zufrieden sind, dann das strenge Betonen des individuellen Prinzips.

[ 26 ] And so we have two currents that, essentially, have remained active to this day. We have one current that seeks—now only from the spiritual world, but all the more strongly for that—to make it clear to people that a general life of thought surrounds the Earth, that in thought one breathes soulfully and spiritually; and the other current, which above all seeks to point out to people that they should become independent of such generality, that they should experience themselves in their individuality. The first current—more like an indistinct murmur in the spiritual atmosphere surrounding the Earth—is perceptible today to many people who are already attuned to it only when, on specially configured nights, they lie in bed and listen to the indistinct, and where, out of this indefiniteness, all manner of doubts are born regarding what people today assert with such certainty from their individuality. In other people, who always sleep well because they are content with themselves, we then see the strict emphasis on the individual principle.

[ 27 ] Und dieser Kampf lodert eigentlich auf dem Grunde der europäischen Zivilisation. Er lodert bis zum heutigen Tage. Und in den Dingen, die sich äußerlich an der Oberfläche unseres Lebens abspielen, haben wir im Grunde genommen kaum etwas anderes als eben oberflächliche Wellenschläge dessen, was in der Tiefe der Seelen schon einmal vorhanden ist als Überrest jenes tieferen, jenes intensiveren Seelenlebens der damaligen Zeit.

[ 27 ] And this struggle is actually raging at the very heart of European civilization. It rages to this very day. And in the events that unfold outwardly on the surface of our lives, we essentially see little more than superficial ripples of what already exists in the depths of our souls—as remnants of that deeper, more intense spiritual life of that bygone era.

[ 28 ] Nun sind ja so manche Seelen aus der damaligen Zeit wiederum im gegenwärtigen Erdenleben da. Sie haben in einer gewissen Weise besiegt, was sie dazumal in starkem Maße für das Oberbewußtsein beunruhigt hat, wenigstens für gewisse Augenblicke im Oberbewußtsein beunruhigt hat. Aber in der Tiefe lodert das in zahlreichen Gemütern heute um so mehr. Geisteswissenschaft ist eben wiederum dazu da, um auch auf solche historische Erscheinungen hinzuweisen.

[ 28 ] Now, indeed, quite a few souls from that time are once again present in the current earthly life. In a certain sense, they have overcome what once greatly troubled their higher consciousness—or at least troubled it for certain moments. But deep down, this burns all the more fiercely in many minds today. Spiritual science is, after all, there once again to draw attention to such historical phenomena.

[ 29 ] Nun aber dürfen wir das Folgende nicht vergessen. In demselben Maße, in dem die Menschen im Erdenleben unbewußt werden für dasjenige, was doch da ist: die Äthergedanken der nächsten Erdenumgebung, in demselben Maße, in dem sich daher die Menschen ihren Eigenbesitz, das «ich denke» aneignen, in demselben Maße engt sich die menschliche Seele ein, und der Mensch geht mit einer eingeengten Seele durch die Pforte des Todes. Diese eingeengte Seele hat dann unwahre, unvollständige, sich widersprechende irdische Gedanken in den Weltenäther hineingetragen. Die wirken nun auch wieder zurück auf die Gemüter der Menschen. Und daraus entstehen soziale Bewegungen, wie wir sie eben heute entstehen sehen. Die muß man ihrer inneren Entstehungsweise nach begreifen, dann wird man auch einsehen, daß es kein Heilmittel gibt gegen diese oftmals so zerstörerischen sozialen Anschauungen als die Verbreitung der Wahrheit über das geistige Leben und Wesen.

[ 29 ] But we must not forget the following. To the same extent that people in earthly life become unaware of what is actually there—the etheric thoughts of the immediate earthly environment—to the same extent that people thereby appropriate their own possession, the “I think,” to the same extent does the human soul constrict itself, and the human being passes through the gate of death with a constricted soul. This constricted soul has then carried false, incomplete, and contradictory earthly thoughts into the world ether. These, in turn, exert a retroactive influence on the minds of human beings. And from this arise social movements such as we are witnessing today. One must understand them in terms of their inner origins; then one will also realize that there is no remedy for these often so destructive social views other than the dissemination of the truth about spiritual life and being.

[ 30 ] Sie haben ja schon aus den Vorträgen gesehen, die hier gerade als historische Vorträge mit Berücksichtigung des Reinkarnationsgedankens gehalten worden sind und die zu ganz konkreten Beispielen geführt haben, wie unter der Oberfläche der äußeren Geschichte die Dinge wirken, wie dasjenige, was in einem Zeitalter lebt, in ein späteres Zeitalter durch die ins Leben wiederkommenden Menschen ins Leben hinübergetragen wird. Aber es wirkt ja alles, was an Geistigem vorhanden ist zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, mit an der Gestaltung dessen, was von einem Erdenleben ins andere durch Menschen getragen wird. Heute wäre es etwas Gutes, würden zahlreiche Seelen sich jene Objektivität erwerben, zu der man Verständnis erweckend sprechen kann, wenn man gerade diejenigen Menschen charakterisiert, die in der Abendröte des Verstandes- oder Gemütszeitalters gelebt haben.

[ 30 ] You have already seen from the lectures that have just been given here—historical lectures that took the concept of reincarnation into account and led to very concrete examples—how things operate beneath the surface of external history, and how what lives in one age is carried over into a later age through people who return to life. But everything that exists in the spiritual realm between death and a new birth also contributes to shaping what is carried from one earthly life into the next through human beings. Today it would be a good thing if numerous souls were to acquire that objectivity which one can speak of in a way that awakens understanding when characterizing precisely those people who lived in the twilight of the Age of Reason or the Age of Sentiment.

[ 31 ] Diese Menschen, die damals gelebt haben, zum Teil jetzt wieder da sind, die haben gerade diese Abendröte eines Zeitalters tief in ihrer Seele miterlebt: Sie haben durch ihre fortwährenden Anfechtungen von jenen Gespenstern, von denen ich gesprochen habe, im Grunde doch einen tiefen Zweifel aufgenommen an der einzigartigen Gültigkeit des Intellektualistischen. Dieser Zweifel ist zu begreifen. Denn so im 13. Jahrhundert hat es viele Menschen gegeben, die erkennende Menschen waren, die dazumal im ja fast durchaus theologisierenden Wissenschaftsbetrieb darinnen waren und die es als eine tiefe Gewissensfrage behandelten: Was wird denn nun eigentlich?

[ 31 ] These people, who lived back then—and some of whom are here again now—have experienced the twilight of that era deep within their souls: Through their constant trials at the hands of those spectres of which I have spoken, they have, in essence, come to harbor a deep doubt regarding the unique validity of intellectualism. This doubt must be understood. For in the 13th century, there were many people who were discerning thinkers, who were involved in the academic world—which at that time was almost entirely theological—and who treated it as a profound matter of conscience: What is actually going to happen now?

[ 32 ] Solche Seelen haben oftmals für die damalige Zeit Großes, Gewaltiges aus ihren früheren Inkarnationen in diese Zeit hineingetragen. Sie haben es schon in intellektualistische Färbung gebracht, aber sie empfanden das Ganze als eine Niedergangsströmung, und sie empfanden Gewissensbisse bei der aufgehenden Strömung, die nach Individualität hindrängte — bis dann diejenigen Philosophen kamen, die unter einem bestimmten Einfluß standen, der eigentlich allen Sinn totgeschlagen hat. Wenn man radikal spricht, kann man auch sagen: bis die kamen, die unter dem Einfluß von Descartes, von Cartesius standen; denn auch sehr viele von denen, die in der früheren Scholastik drinnengestanden hatten, waren ja der Denkweise des Cartesius sozusagen zum Opfer gefallen. Ich sage nicht, daß sie Philosophen geworden sind. — Diese Dinge verwandelten sich ja, und wenn die Menschen anfangen, in diesen Richtungen zu denken, dann werden Dinge zu Selbstverständlichkeiten, die merkwürdiger Unsinn sind; denn von Descartes kommt ja her der Satz: Cogito ergo sum — Ich denke, also bin ich.

[ 32 ] Such souls have often brought great and powerful things from their earlier incarnations into this era, by the standards of that time. They had already imbued it with an intellectualist hue, but they perceived the whole thing as a declining current, and they felt pangs of conscience in the face of the rising current that was pushing toward individuality—until those philosophers came along who were under a certain influence that actually stifled all meaning. To put it bluntly, one could also say: until those came along who were under the influence of Descartes, of Cartesius; for even many of those who had been immersed in earlier scholasticism had, so to speak, fallen victim to Cartesius’s way of thinking. I am not saying that they became philosophers. — These things did, of course, change, and when people begin to think in these directions, things that are strange nonsense become self-evident; for it is from Descartes that the statement comes: Cogito ergo sum — I think, therefore I am.

[ 33 ] Meine lieben Freunde, das galt unzähligen scharfsinnigen Denkern als eine Wahrheit: Ich denke, also bin ich. Die Folge davon ist, vom Morgen bis zum Abend: ich denke, also bin ich. Ich schlafe ein: ich denke nicht, also bin ich nicht. Ich wache wieder auf: ich denke, also bin ich. Ich schlafe ein, also, da ich nicht denke, bin ich nicht. — Und die notwendige Konsequenz ist: man schläft nicht nur ein, man hört auf zu sein, wenn man einschläft! Es gibt keinen weniger geeigneten Beweis für das Dasein des Geistes des Menschen als den Satz: Ich denke, also bin ich. Dennoch fing dieser Satz an, im Zeitalter der Bewußtseinsentwickelung als der maßgebende Satz zu gelten.

[ 33 ] My dear friends, countless astute thinkers have regarded this as a truth: I think, therefore I am. The consequence of this, from morning till night, is: I think, therefore I am. I fall asleep: I do not think, therefore I am not. I wake up again: I think, therefore I am. I fall asleep; therefore, since I do not think, I am not. — And the necessary consequence is: one does not merely fall asleep; one ceases to be when one falls asleep! There is no less suitable proof of the existence of the human mind than the statement: “I think, therefore I am.” Nevertheless, in the age of the development of consciousness, this statement began to be regarded as the definitive one.

[ 34 ] Man ist heute genötigt, wenn man auf solche Dinge aufmerksam macht, den Anschein eines Sakrilegs auf sich zu nehmen. Aber gegenüber dem allem möchte ich hinweisen auf eine Art Gespräch, das nicht historisch verzeichnet ist, das aber durch geistige Forschung heraus gefunden werden kann unter den Tatsachen, die geschehen sind, ein Gespräch, das stattgefunden hat zwischen einem älteren und einem jüngeren Dominikaner, und das etwa so gelautet hat.

[ 34 ] Today, when one draws attention to such matters, one is forced to appear to be committing sacrilege. But in light of all this, I would like to point out a kind of conversation that is not recorded in history but can be uncovered through spiritual research among the events that have taken place—a conversation that took place between an older and a younger Dominican, and which went something like this.

[ 35 ] Der Jüngere sagt: Denken ergreift die Menschen. Denken — der Schatten der Wirklichkeit — ergreift die Menschen. Denken war ja immer in alten Zeiten die letzte Offenbarung des lebendigen Geistes von oben. Jetzt ist es dasjenige, das vergessen hat diesen lebendigen Geist von oben, jetzt wird es als bloßer Schatten erlebt. Wahrlich sagte dieser Jüngere —, wenn man einen Schatten sieht, dann deutet dieser Schatten auf Realitäten hin: die Realitäten sind schon da! Also nicht das Denken als solches ist damit angefochten, aber daß man aus dem Denken den lebendigen Geist verloren hat.

[ 35 ] The Younger One says: Thought takes hold of people. Thought—the shadow of reality—takes hold of people. In ancient times, thought was always the ultimate revelation of the living spirit from above. Now it is that which has forgotten this living spirit from above; now it is experienced as a mere shadow. Truly, this younger man said—when one sees a shadow, that shadow points to realities: the realities are already there! So it is not thinking as such that is being challenged, but the fact that one has lost the living spirit through thinking.

[ 36 ] Der Ältere sagte: Es muß eben in dem Denken — dadurch, daß der Mensch seine Blicke liebevoll hinwendet auf die äußere Natur und Offenbarung als Offenbarung hinnimmt, nicht mit dem Denken an die Offenbarung herangeht —, es muß eben in dem Denken für die frühere himmlische Realität wiederum eine irdische Realität gefunden werden.

[ 36 ] The Elder said: It is precisely in thought—by turning one’s gaze lovingly toward external nature and accepting revelation as revelation, rather than approaching revelation with the mind—that an earthly reality must once again be found for the former heavenly reality.

[ 37 ] Was wird eintreten? — sagte der Jüngere. Wird die europäische Menschheit so stark sein, um diese irdische Realität des Denkens zu finden, oder wird sie nur so schwach sein, um die himmlische Realität des Denkens zu verlieren?

[ 37 ] “What will happen?” said the younger man. “Will the people of Europe be strong enough to discover this earthly reality of thought, or will they be so weak as to lose the heavenly reality of thought?”

[ 38 ] Darinnen, in diesem Zwiegespräch, liegt eigentlich alles, was in bezug auf die europäische Zivilisation heute noch gelten kann. Denn nach jener Zwischenzeit mit der Verdunkelung der Lebendigkeit im Denken, die nun da war, muß eben wiederum das Erringen des lebendigen Denkens eintreten, sonst wird die Menschheit schwach bleiben und die eigene Realität über der Realität des Denkens verlieren. Daher ist es schon notwendig, daß seit dem Eintreten unseres Weihnachtsimpulses in der anthroposophischen Bewegung rückhaltlos gesprochen werde in Form des lebendigen Denkens. Sonst kommen wir immer mehr und mehr dazu, daß auch dasjenige, was da oder dorther gewußt wird daß der Mensch physischen Leib, Ätherleib, Astralleib hat —, nur mit den Formen des toten Denkens erfaßt wird. Aber das darf nicht mit den Formen des toten Denkens erfaßt werden, denn dann ist es eigentlich eine entstellte Wahrheit, nicht die Wahrheit selber.

[ 38 ] In this dialogue, in fact, lies everything that can still be said today with regard to European civilization. For after that interim period marked by the dimming of vitality in thought—which has now passed—the reclaiming of living thought must once again take place; otherwise, humanity will remain weak and lose its own reality to the reality of thought. Therefore, it is essential that, since the advent of our Christmas impulse, there be unreserved speaking within the anthroposophical movement in the form of living thought. Otherwise, we will increasingly find that even what is known here and there—namely, that human beings have a physical body, an etheric body, and an astral body—is grasped solely through the forms of dead thinking. But this must not be grasped through the forms of dead thinking, for then it is actually a distorted truth, not the truth itself.

[ 39 ] Das ist, was ich heute charakterisieren wollte. Wir müssen dazu kommen, mit innerem Anteil über die gewöhnliche Geschichte hinaus Sehnsucht nach derjenigen Geschichte zu haben, die im Geiste gelesen werden muß und gelesen werden kann. Diese Geschichte, sie soll immer mehr und mehr in der anthroposophischen Bewegung gepflegt werden. Heute wollte ich, ich möchte sagen, mehr das Konkret-Programmatische nach dieser Richtung hin vor Ihre Seele stellen, meine lieben Freunde. Manches ist aphoristisch gesagt worden, aber der Zusammenhang in diesen Aphorismen, die ich heute gesprochen habe, wird Ihnen aufgehen, wenn Sie versuchen, das, was ausgesprochen werden wollte, weniger intellektualistisch zu verfolgen, als vielmehr es mit dem ganzen Menschen zu erfühlen — erkennend es erfühlen, fühlend es erkennen —, damit immer mehr und mehr wirklich von Spiritualität getragen werde nicht nur, was innerhalb unserer Kreise gesagt wird, sondern auch das, was innerhalb unserer Kreise gehört wird.

[ 39 ] That is what I wanted to describe today. We must come to feel, with inner participation that transcends ordinary history, a longing for that history which must be—and can be—read in the spirit. This history should be cultivated more and more within the anthroposophical movement. Today I wanted—I would say—to present to your souls, my dear friends, more of the concrete program in this direction. Some things have been expressed aphoristically, but the connection between these aphorisms I have spoken today will become clear to you if you try to follow what was meant to be expressed not so much intellectually as by feeling it with your whole being—recognizing it through feeling, feeling it through recognition— so that not only what is said within our circles, but also what is heard within our circles, may be increasingly and truly sustained by spirituality.

[ 40 ] Erziehung brauchen wir zum spirituellen Anhören, dann werden wir unter uns die Spiritualität entwickeln. Diese Empfindung wollte ich heute anregen, nicht einen systematischen Vortrag halten, sondern mehr oder weniger — allerdings mit Berufung auf allerlei geistige Tatsachen — zu Ihren Herzen sprechen.

[ 40 ] We need to be taught to listen spiritually; then we will develop spirituality among ourselves. That is the sentiment I wanted to inspire today—not to give a systematic lecture, but rather—while drawing on all sorts of spiritual truths—to speak to your hearts.