Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume IV
GA 238
21 September 1924, Dornach
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Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Die Vorträge, die ich jetzt gehalten habe unter dem Eindrucke, daß von allen Seiten her so viele Freunde hier anwesend sind, sie haben im wesentlichen den Zweck verfolgt, eine Darstellung zu geben aus dem Karma heraus, die wenigstens in einigen Linien zum Verständnisse des gegenwärtigen Geisteslebens in spiritueller Beziehung führen soll. Und ich möchte dasjenige, was in einer gewissen Beziehung eine Art von Einheit bildet, dann am nächsten Dienstag noch in dem letzten dieser Vorträge abschließen.
[ 1 ] Die Vorträge, die ich jetzt gehalten habe unter dem Eindrucke, daß von allen Seiten her so viele Freunde hier anwesend sind, sie haben im wesentlichen den Zweck verfolgt, eine Darstellung zu geben aus dem Karma heraus, die wenigstens in einigen Linien zum Verständnisse des gegenwärtigen Geisteslebens in spiritueller Beziehung führen soll. Und ich möchte dasjenige, was in einer gewissen Beziehung eine Art von Einheit bildet, dann am nächsten Dienstag noch in dem letzten dieser Vorträge abschließen.
[ 2 ] Heute möchte ich an einem Beispiele zeigen, wie schwierig es eigentlich werden kann, dasjenige in die Gegenwart hereinzutragen, was wirklich für die Gegenwart geeignete Geisteswissenschaft ist. Nicht aus äußerlichen Verhältnissen möchte ich diese Frage heute beantworten, sondern an einem karmischen Beispiele. Das Beispiel wird ja zunächst eine Individualität geben, die nicht gerade typisch ist, sondern die schon eine besondere Individualität darstellt; aber es kann dadurch gezeigt werden, wie schwierig es ist, in ein gegenwärtiges Erdenleben hineinzutragen, was ja natürlich jeder Mensch aus früheren Erdenleben mitbringt, mitbringt so, daß er — vielleicht mit Ausnahme seiner allerletzten Inkarnation — dennoch in gewissen ursprünglichen Beziehungen zur geistigen Welt entweder noch wirklich oder wenigstens der Tradition nach gestanden hat. Es kann uns zeigen, wie es trotzdem schwierig ist, gerade in die gegenwärtige Leiblichkeit des Menschen, in die gegenwärtigen Erziehungs- und Zivilisationsverhältnisse etwas früheres Spirituelles, auf spirituelle Art Aufgenommenes hereinzutragen.
[ 2 ] Heute möchte ich an einem Beispiele zeigen, wie schwierig es eigentlich werden kann, dasjenige in die Gegenwart hereinzutragen, was wirklich für die Gegenwart geeignete Geisteswissenschaft ist. Nicht aus äußerlichen Verhältnissen möchte ich diese Frage heute beantworten, sondern an einem karmischen Beispiele. Das Beispiel wird ja zunächst eine Individualität geben, die nicht gerade typisch ist, sondern die schon eine besondere Individualität darstellt; aber es kann dadurch gezeigt werden, wie schwierig es ist, in ein gegenwärtiges Erdenleben hineinzutragen, was ja natürlich jeder Mensch aus früheren Erdenleben mitbringt, mitbringt so, daß er — vielleicht mit Ausnahme seiner allerletzten Inkarnation — dennoch in gewissen ursprünglichen Beziehungen zur geistigen Welt entweder noch wirklich oder wenigstens der Tradition nach gestanden hat. Es kann uns zeigen, wie es trotzdem schwierig ist, gerade in die gegenwärtige Leiblichkeit des Menschen, in die gegenwärtigen Erziehungs- und Zivilisationsverhältnisse etwas früheres Spirituelles, auf spirituelle Art Aufgenommenes hereinzutragen.
[ 3 ] Und dazu möchte ich hier vor Ihnen eine Reihe aufeinanderfolgender Erdenleben einer Individualität entwickeln, die Ihnen gerade alle möglichen Hemmnisse zeigen sollen, die sich ergeben können gegen ein solches Hereintragen in die gegenwärtige Zeit, und die zeigen können, wie sich eigentlich diese Schwierigkeiten schon bei manchen in früheren Erdenleben vorbereitet haben.
[ 3 ] Und dazu möchte ich hier vor Ihnen eine Reihe aufeinanderfolgender Erdenleben einer Individualität entwickeln, die Ihnen gerade alle möglichen Hemmnisse zeigen sollen, die sich ergeben können gegen ein solches Hereintragen in die gegenwärtige Zeit, und die zeigen können, wie sich eigentlich diese Schwierigkeiten schon bei manchen in früheren Erdenleben vorbereitet haben.
[ 4 ] Betrachten wir da zunächst, meine lieben Freunde, eine menschliche Individualität in ihrer Inkarnation im sechsten vorchristlichen Jahrhundert, eigentlich in jener Zeit und etwas darnach, in welcher die Abführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft stattgefunden hat. Da stieß mir bei der Betrachtung dieser Zeit eine Individualität auf, eine Fraueninkarnation dazumal, die dem jüdischen Stamm angehörte, die aber bei jenem Abführen der Juden in die babylonische Gefangenschaft, das heißt eigentlich bevor die Juden in der babylonischen Gefangenschaft angekommen waren, entflohen ist und aufgenommen hat dann in Vorderasien in der folgenden Zeit — sie ist ziemlich alt geworden in jener Inkarnation — alle möglichen Lehren, die in Vorderasien dazumal aufzunehmen waren. Namentlich nahm sie dasjenige auf, was dazumal mit einer großen Intensität, mit starker Eindringlichkeit noch lebte in Vorderasien und was in der verschiedensten Weise jene Weltanschauung ausgestaltete, die man die Zarathustra-Weltanschauung nennen kann mit ihrem starken Dualismus, der ja auch geschildert ist in einem Kapitel meiner «Geheimwissenschaft»: jenem Dualismus, der auf der einen Seite Ahura Mazdao, den großen Lichtgeist, anerkannte, der seine Impulse in die Menschheitsentwickelung sendet, um Quell des Guten, des Großen, des Schönen zu sein, der seine dienenden Geister, die Amschaspands hat, die ihn umstellen, wie die Sonne umstellt wird in dem Scheine der Offenbarung des Himmelsantlitzes von den zwölf Zeichen des Tierkreises — da haben wir also die Lichtseite jenes im alten Persien urständenden Dualismus —, wir haben dann die ahrimanische Gegenmacht, die das Finstere, aber auch das Böse, das überall Hemmende, das überall Disharmonisch-Gestaltende in die Weltentwickelung der Menschheit hineinträgt.
[ 4 ] Betrachten wir da zunächst, meine lieben Freunde, eine menschliche Individualität in ihrer Inkarnation im sechsten vorchristlichen Jahrhundert, eigentlich in jener Zeit und etwas darnach, in welcher die Abführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft stattgefunden hat. Da stieß mir bei der Betrachtung dieser Zeit eine Individualität auf, eine Fraueninkarnation dazumal, die dem jüdischen Stamm angehörte, die aber bei jenem Abführen der Juden in die babylonische Gefangenschaft, das heißt eigentlich bevor die Juden in der babylonischen Gefangenschaft angekommen waren, entflohen ist und aufgenommen hat dann in Vorderasien in der folgenden Zeit — sie ist ziemlich alt geworden in jener Inkarnation — alle möglichen Lehren, die in Vorderasien dazumal aufzunehmen waren. Namentlich nahm sie dasjenige auf, was dazumal mit einer großen Intensität, mit starker Eindringlichkeit noch lebte in Vorderasien und was in der verschiedensten Weise jene Weltanschauung ausgestaltete, die man die Zarathustra-Weltanschauung nennen kann mit ihrem starken Dualismus, der ja auch geschildert ist in einem Kapitel meiner «Geheimwissenschaft»: jenem Dualismus, der auf der einen Seite Ahura Mazdao, den großen Lichtgeist, anerkannte, der seine Impulse in die Menschheitsentwickelung sendet, um Quell des Guten, des Großen, des Schönen zu sein, der seine dienenden Geister, die Amschaspands hat, die ihn umstellen, wie die Sonne umstellt wird in dem Scheine der Offenbarung des Himmelsantlitzes von den zwölf Zeichen des Tierkreises — da haben wir also die Lichtseite jenes im alten Persien urständenden Dualismus —, wir haben dann die ahrimanische Gegenmacht, die das Finstere, aber auch das Böse, das überall Hemmende, das überall Disharmonisch-Gestaltende in die Weltentwickelung der Menschheit hineinträgt.
[ 5 ] Diese Lehre war verknüpft mit einer eindringlichen Erkenntnis der Konstellation der Sterne in dem Sinne, wie man in den alten Zeiten Astrosophie oder Astrologie hatte. Das alles konnte jene Individualität eben dazumal in ihrer Fraueninkarnation dadurch aufnehmen, daß sie eine Art Lehrer und Freund in einer männlichen Persönlichkeit hatte, die in vieles dieser vorderasiatischen Lehren, namentlich auch in die chaldäische Sternkunde, eingeweiht war.
[ 5 ] Diese Lehre war verknüpft mit einer eindringlichen Erkenntnis der Konstellation der Sterne in dem Sinne, wie man in den alten Zeiten Astrosophie oder Astrologie hatte. Das alles konnte jene Individualität eben dazumal in ihrer Fraueninkarnation dadurch aufnehmen, daß sie eine Art Lehrer und Freund in einer männlichen Persönlichkeit hatte, die in vieles dieser vorderasiatischen Lehren, namentlich auch in die chaldäische Sternkunde, eingeweiht war.
[ 6 ] Und so haben wir zunächst einmal einen regen Gedankenaustausch zwischen diesen beiden Persönlichkeiten in der Zeit, nachdem die Juden in die babylonische Gefangenschaft abgeführt waren, und wir haben die merkwürdige Erscheinung, daß die weibliche Persönlichkeit durch die Gewalt der Eindrücke, die sie erhielt, durch all das, was sie in einer außerordentlich empfänglichen, interessierten Weise aufnahm, innerlich schauend wurde und in Visionen, die durchaus die kosmische Ordnung wiedergaben, die Welt überblicken konnte.
[ 6 ] Und so haben wir zunächst einmal einen regen Gedankenaustausch zwischen diesen beiden Persönlichkeiten in der Zeit, nachdem die Juden in die babylonische Gefangenschaft abgeführt waren, und wir haben die merkwürdige Erscheinung, daß die weibliche Persönlichkeit durch die Gewalt der Eindrücke, die sie erhielt, durch all das, was sie in einer außerordentlich empfänglichen, interessierten Weise aufnahm, innerlich schauend wurde und in Visionen, die durchaus die kosmische Ordnung wiedergaben, die Welt überblicken konnte.
[ 7 ] Wir haben es da wirklich mit einer merkwürdigen Individualität zu tun, in der sozusagen alles das auflebt, was besprochen, was durchgenommen worden ist gemeinsam mit diesem befreundeten Halb-Initiaten Vorderasiens. Und es bemächtigte sich jener weiblichen Persönlichkeit eine Stimmung, von der man sagen kann: Ach, was waren schließlich all die Ideen, die ich aufgenommen habe während des Lernens, gegen das mächtige Tableau der Imaginationen, die jetzt vor meiner Seele stehen! Wie ist doch die Welt innerlich reich und gewaltig! — Das merkte diese Persönlichkeit an den visionären Imaginationen.
[ 7 ] Wir haben es da wirklich mit einer merkwürdigen Individualität zu tun, in der sozusagen alles das auflebt, was besprochen, was durchgenommen worden ist gemeinsam mit diesem befreundeten Halb-Initiaten Vorderasiens. Und es bemächtigte sich jener weiblichen Persönlichkeit eine Stimmung, von der man sagen kann: Ach, was waren schließlich all die Ideen, die ich aufgenommen habe während des Lernens, gegen das mächtige Tableau der Imaginationen, die jetzt vor meiner Seele stehen! Wie ist doch die Welt innerlich reich und gewaltig! — Das merkte diese Persönlichkeit an den visionären Imaginationen.
[ 8 ] Und gerade diese Stimmung, die erzeugte nun eine gewisse Verstimmung zwischen den beiden Persönlichkeiten. Die männliche Persönlichkeit gab mehr auf das gedankliche Verfolgen der Weltanschauung, die weibliche Persönlichkeit ging immer mehr und mehr ins Bildhafte über. Und man kann sagen, daß beide Persönlichkeiten fast gleichzeitig durch die Pforte des Todes gingen, aber mit einer gewissen Verstimmung gegeneinander.
[ 8 ] Und gerade diese Stimmung, die erzeugte nun eine gewisse Verstimmung zwischen den beiden Persönlichkeiten. Die männliche Persönlichkeit gab mehr auf das gedankliche Verfolgen der Weltanschauung, die weibliche Persönlichkeit ging immer mehr und mehr ins Bildhafte über. Und man kann sagen, daß beide Persönlichkeiten fast gleichzeitig durch die Pforte des Todes gingen, aber mit einer gewissen Verstimmung gegeneinander.
[ 9 ] Nun war ja das Ergebnis dieser Erdenleben in einer eigentümlichen Weise, ich möchte sagen, zusammenverschmolzen, so daß ungeheuer Intensives von den beiden Individualitäten nach dem Tode erlebt wurde im rückschauenden, rückwärtsgehenden Leben und auch bei der Ausarbeitung des Karma zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Ein intensives Gemeinsamkeitsleben war das Ergebnis dieses sonderbaren Erdenzusammenseins. Wir finden insbesondere bei der weiblichen Persönlichkeit nach dem Tode die Stimmung, die zuletzt von der Präponderanz der visionären Imaginationen da war, nicht mehr in so starker Weise vorhanden. Wir finden vielmehr bei dieser weiblichen Persönlichkeit dann nach dem Tode für das nächste Erdenleben eine Art Sehnsucht aufsprießen, nun in diesem nächsten Erdenleben die Dinge in gedanklicher Form zu begreifen, während sie ja in diesem Erdenleben, das ich beschrieben habe, die Dinge mehr in sprachlicher Form begriffen hatte, so daß sie dann eigentlich aus dem sprachlichen Erleben in das visionäre Imaginieren hinübergegangen waren.
[ 9 ] Nun war ja das Ergebnis dieser Erdenleben in einer eigentümlichen Weise, ich möchte sagen, zusammenverschmolzen, so daß ungeheuer Intensives von den beiden Individualitäten nach dem Tode erlebt wurde im rückschauenden, rückwärtsgehenden Leben und auch bei der Ausarbeitung des Karma zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Ein intensives Gemeinsamkeitsleben war das Ergebnis dieses sonderbaren Erdenzusammenseins. Wir finden insbesondere bei der weiblichen Persönlichkeit nach dem Tode die Stimmung, die zuletzt von der Präponderanz der visionären Imaginationen da war, nicht mehr in so starker Weise vorhanden. Wir finden vielmehr bei dieser weiblichen Persönlichkeit dann nach dem Tode für das nächste Erdenleben eine Art Sehnsucht aufsprießen, nun in diesem nächsten Erdenleben die Dinge in gedanklicher Form zu begreifen, während sie ja in diesem Erdenleben, das ich beschrieben habe, die Dinge mehr in sprachlicher Form begriffen hatte, so daß sie dann eigentlich aus dem sprachlichen Erleben in das visionäre Imaginieren hinübergegangen waren.
[ 10 ] Nun wurden die beiden Persönlichkeiten, da sie so stark karmisch zusammenhingen, beide wiedergeboren in den ersten christlichen Jahrhunderten, wo sich die geistige Substanz des Christentums einbildete in ein gewisses wissenschaftliches Arbeiten. Und ich habe ja früher einmal hier erwähnt, wie gerade viele derjenigen Seelen, die dann in ehrlicher Weise zur Anthroposophie gekommen sind, in diesen ersten christlichen Jahrhunderten das Christentum miterlebt haben, aber in einer viel lebendigeren Form miterlebt haben, als es sich später gestaltet hat. Und so sehen wir denn jetzt eine sehr merkwürdige Erscheinung.
[ 10 ] Nun wurden die beiden Persönlichkeiten, da sie so stark karmisch zusammenhingen, beide wiedergeboren in den ersten christlichen Jahrhunderten, wo sich die geistige Substanz des Christentums einbildete in ein gewisses wissenschaftliches Arbeiten. Und ich habe ja früher einmal hier erwähnt, wie gerade viele derjenigen Seelen, die dann in ehrlicher Weise zur Anthroposophie gekommen sind, in diesen ersten christlichen Jahrhunderten das Christentum miterlebt haben, aber in einer viel lebendigeren Form miterlebt haben, als es sich später gestaltet hat. Und so sehen wir denn jetzt eine sehr merkwürdige Erscheinung.
[ 11 ] Wir sehen einen Mann auftreten, der jetzt in bezug auf das Karma nichts zu tun hat mit den beiden Persönlichkeiten, von denen ich spreche, mit ihren Individualitäten, aber der jetzt zeitgeschichtlich mit ihnen zu tun hat: Wir sehen eine maßgebende, eine tonangebende Persönlichkeit in Martianus Capella auftreten.
[ 11 ] Wir sehen einen Mann auftreten, der jetzt in bezug auf das Karma nichts zu tun hat mit den beiden Persönlichkeiten, von denen ich spreche, mit ihren Individualitäten, aber der jetzt zeitgeschichtlich mit ihnen zu tun hat: Wir sehen eine maßgebende, eine tonangebende Persönlichkeit in Martianus Capella auftreten.
[ 12 ] Das ist diejenige Persönlichkeit, die zuerst das maßgebende, grundlegende Buch schreibt über die sieben Freien Künste, die ja dann bei allem Unterrichten und Lehren durch das ganze Mittelalter hindurch eine große Rolle spielten: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik; die sieben Freien Künste, die dann zusammen in ihrem Wirken eben dasjenige gaben, was man dazumal Natur- und Welterkenntnis nannte.
[ 12 ] Das ist diejenige Persönlichkeit, die zuerst das maßgebende, grundlegende Buch schreibt über die sieben Freien Künste, die ja dann bei allem Unterrichten und Lehren durch das ganze Mittelalter hindurch eine große Rolle spielten: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik; die sieben Freien Künste, die dann zusammen in ihrem Wirken eben dasjenige gaben, was man dazumal Natur- und Welterkenntnis nannte.
[ 13 ] Das Buch von Martianus Capella erscheint zunächst etwas trocken, nüchtern. Allein, meine lieben Freunde, man muß wissen, daß solche Bücher namentlich in diesen ersten Zeiten des Mittelalters dennoch aus spirituellen Untergründen hervorgegangen sind; geradeso wie auch noch die späteren Darstellungen, die aus der Schule von Chartres hervorgegangen sind, einen ähnlich nüchternen, katalogisierenden Charakter haben. Und so muß man auch das, was in trockener, nüchterner Darstellungsweise bei Martianus Capella sich findet über die sieben Freien Künste und die hinter ihnen wirkende Natur, als den Ausfluß gewisser instinktiver, höherer Anschauungen betrachten können. Denn dasjenige, was die sieben Freien Künste waren, das wurde in der Tat als \Wesenhaftes vorgestellt, wie die Natur selber — das habe ich ja schon dargestellt in diesen Vorträgen — als Wesenhaftes dargestellt wurde. Und wenn auch solche Persönlichkeiten wie Martianus Capella und andere, die diese Dinge aufzeichneten, trocken sind, so waren sie doch durchaus kundig des Umstandes, daß das alles angeschaut werden kann, daß Dialektik, Rhetorik Lebewesen sind, Inspiratoren des menschlichen Könnens und des menschlichen geistigen Wirkens. Und daß die Göttin Natura ganz ähnlich vorgestellt wurde wie die alte Proserpina, das habe ich ja hier schon ausgeführt.
[ 13 ] Das Buch von Martianus Capella erscheint zunächst etwas trocken, nüchtern. Allein, meine lieben Freunde, man muß wissen, daß solche Bücher namentlich in diesen ersten Zeiten des Mittelalters dennoch aus spirituellen Untergründen hervorgegangen sind; geradeso wie auch noch die späteren Darstellungen, die aus der Schule von Chartres hervorgegangen sind, einen ähnlich nüchternen, katalogisierenden Charakter haben. Und so muß man auch das, was in trockener, nüchterner Darstellungsweise bei Martianus Capella sich findet über die sieben Freien Künste und die hinter ihnen wirkende Natur, als den Ausfluß gewisser instinktiver, höherer Anschauungen betrachten können. Denn dasjenige, was die sieben Freien Künste waren, das wurde in der Tat als \Wesenhaftes vorgestellt, wie die Natur selber — das habe ich ja schon dargestellt in diesen Vorträgen — als Wesenhaftes dargestellt wurde. Und wenn auch solche Persönlichkeiten wie Martianus Capella und andere, die diese Dinge aufzeichneten, trocken sind, so waren sie doch durchaus kundig des Umstandes, daß das alles angeschaut werden kann, daß Dialektik, Rhetorik Lebewesen sind, Inspiratoren des menschlichen Könnens und des menschlichen geistigen Wirkens. Und daß die Göttin Natura ganz ähnlich vorgestellt wurde wie die alte Proserpina, das habe ich ja hier schon ausgeführt.
[ 14 ] In dieser Strömung, in dem, was der Menschheit wird oder damals wurde unter dem Einflusse dessen, was in den sieben Freien Künsten und in der über ihnen waltenden Naturanschauung lag, in dieser ganzen Strömung stand nun drinnen wiederverkörpert die weibliche Persönlichkeit, von der ich gesprochen habe, aber jetzt in männlicher Inkarnation; so in männlicher Inkarnation, daß sie vom Anfange an im männlichen Leibe, im männlichen Verstande die Anlage dazu trug, nicht gerade in Gedanken die Dinge auszubilden, die ihre Erkenntnisse sein sollten, sondern sie auszubilden eben in visionären Anschauungen.
[ 14 ] In dieser Strömung, in dem, was der Menschheit wird oder damals wurde unter dem Einflusse dessen, was in den sieben Freien Künsten und in der über ihnen waltenden Naturanschauung lag, in dieser ganzen Strömung stand nun drinnen wiederverkörpert die weibliche Persönlichkeit, von der ich gesprochen habe, aber jetzt in männlicher Inkarnation; so in männlicher Inkarnation, daß sie vom Anfange an im männlichen Leibe, im männlichen Verstande die Anlage dazu trug, nicht gerade in Gedanken die Dinge auszubilden, die ihre Erkenntnisse sein sollten, sondern sie auszubilden eben in visionären Anschauungen.
[ 15 ] Man kann sagen: Vielleicht bei wenigen Persönlichkeiten der damaligen Zeit — im Beginne des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts, Ende des fünften nachchristlichen Jahrhunderts —, bei wenigen solchen Persönlichkeiten, die man als die Schüler des Martianus Capella bezeichnen kann, lebte in einer ganz anschaulich lebendigen Weise dasjenige, was dazumal geistiger Inhalt war. Die Persönlichkeit, die jetzt in ihrer männlichen Inkarnation war, konnte gerade sprechen von ihrem Umgang mit den inspirierenden Mächten, Dialektik, Rhetorik und so weiter, sie war ganz erfüllt von der Anschauung geistigen Wirkens.
[ 15 ] Man kann sagen: Vielleicht bei wenigen Persönlichkeiten der damaligen Zeit — im Beginne des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts, Ende des fünften nachchristlichen Jahrhunderts —, bei wenigen solchen Persönlichkeiten, die man als die Schüler des Martianus Capella bezeichnen kann, lebte in einer ganz anschaulich lebendigen Weise dasjenige, was dazumal geistiger Inhalt war. Die Persönlichkeit, die jetzt in ihrer männlichen Inkarnation war, konnte gerade sprechen von ihrem Umgang mit den inspirierenden Mächten, Dialektik, Rhetorik und so weiter, sie war ganz erfüllt von der Anschauung geistigen Wirkens.
[ 16 ] Und wiederum traf sie zusammen mit der anderen Persönlichkeit, die der männliche Geist in der vorigen Inkarnation war, die jetzt eine weibliche Individualität war. Und mit einer großen Intelligenz war diese weibliche Persönlichkeit in jener Inkarnation begabt. Und es entstand wiederum — man kann sich ja denken, wie das karmisch bedingt war, wir sehen da das Karma wirken —, es entstand wiederum ein intensiver geistiger — man kann nicht sagen Ideenaustausch, sondern Anschauungsaustausch, ein ganz lebendiges, geistiges, intensives Zusammenarbeiten.
[ 16 ] Und wiederum traf sie zusammen mit der anderen Persönlichkeit, die der männliche Geist in der vorigen Inkarnation war, die jetzt eine weibliche Individualität war. Und mit einer großen Intelligenz war diese weibliche Persönlichkeit in jener Inkarnation begabt. Und es entstand wiederum — man kann sich ja denken, wie das karmisch bedingt war, wir sehen da das Karma wirken —, es entstand wiederum ein intensiver geistiger — man kann nicht sagen Ideenaustausch, sondern Anschauungsaustausch, ein ganz lebendiges, geistiges, intensives Zusammenarbeiten.
[ 17 ] Aber etwas Merkwürdiges bildete sich bei derjenigen Persönlichkeit heraus, die in den vorchristlichen Jahrhunderten Frau, in dieser Zeit nun Mann war. Es bildete sich dies Merkwürdige heraus, daß, weil ja die Anschauungen so lebhaft waren, bei dieser Persönlichkeit ein starkes Wissen davon auftrat, wie mit der weiblichen Natur überhaupt zusammenhängt das visionäre Leben, das gerade diese Persönlichkeit hatte. Nicht daß man sage, das visionäre Leben hängt im allgemeinen mit der weiblichen Persönlichkeit zusammen; es war eben jetzt herübergekommen aus der früheren weiblichen Inkarnation der ganze Grundcharakter des visionären Lebens. Und dadurch gingen dieser Persönlichkeit unzählige Geheimnisse auf, die sich auf die Wechselwirkung von Erde und Mond beziehen, unzählige Geheimnisse zum Beispiel, die sich auf das Fortpflanzungsleben beziehen. Gerade auf diesen Gebieten wurde jetzt diese nunmehr männliche Persönlichkeit außerordentlich bewandert.
[ 17 ] Aber etwas Merkwürdiges bildete sich bei derjenigen Persönlichkeit heraus, die in den vorchristlichen Jahrhunderten Frau, in dieser Zeit nun Mann war. Es bildete sich dies Merkwürdige heraus, daß, weil ja die Anschauungen so lebhaft waren, bei dieser Persönlichkeit ein starkes Wissen davon auftrat, wie mit der weiblichen Natur überhaupt zusammenhängt das visionäre Leben, das gerade diese Persönlichkeit hatte. Nicht daß man sage, das visionäre Leben hängt im allgemeinen mit der weiblichen Persönlichkeit zusammen; es war eben jetzt herübergekommen aus der früheren weiblichen Inkarnation der ganze Grundcharakter des visionären Lebens. Und dadurch gingen dieser Persönlichkeit unzählige Geheimnisse auf, die sich auf die Wechselwirkung von Erde und Mond beziehen, unzählige Geheimnisse zum Beispiel, die sich auf das Fortpflanzungsleben beziehen. Gerade auf diesen Gebieten wurde jetzt diese nunmehr männliche Persönlichkeit außerordentlich bewandert.
[ 18 ] Nun sehen wir, wie die beiden Persönlichkeiten wiederum durch die Pforte des Todes gehen, das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachen, wie sie zunächst im übersinnlichen Gebiete dem Hereinbrechen des Bewußtseins-Zeitalters entgegenleben, den Anbruch des Bewußtseins-Zeitalters noch in übersinnlichen Welten erleben. Dann wird diejenige Persönlichkeit, die ich zuerst als weibliche Inkarnation, dann als männliche Inkarnation schildern mußte, wiederum als eine männliche Inkarnation geboren. Sehr interessant ist, daß beide Persönlichkeiten zusammen wiedergeboren werden. Aber die andere Persönlichkeit, die in der früheren Inkarnation, also in der zweiten, Frau war, wird wiederum jetzt als Mann geboren, so daß beide jetzt gleichzeitig in männlichen Inkarnationen geboren werden. Die eine, die uns vorzugsweise interessieren soll, die in den alten Zeiten weibliche Persönlichkeit war, dann in den ersten christlichen Jahrhunderten männliche Persönlichkeit war, das erste Mal durchaus aus jüdischem Stamme war, das zweite Mal der physischen Abstammung nach außerordentlich gemischtes Blut in sich trug, diese Persönlichkeit wurde dann im sechzehnten Jahrhundert als der italienische Utopist Thomas Campanella geboren. Eine recht merkwürdige Persönlichkeit.
[ 18 ] Nun sehen wir, wie die beiden Persönlichkeiten wiederum durch die Pforte des Todes gehen, das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachen, wie sie zunächst im übersinnlichen Gebiete dem Hereinbrechen des Bewußtseins-Zeitalters entgegenleben, den Anbruch des Bewußtseins-Zeitalters noch in übersinnlichen Welten erleben. Dann wird diejenige Persönlichkeit, die ich zuerst als weibliche Inkarnation, dann als männliche Inkarnation schildern mußte, wiederum als eine männliche Inkarnation geboren. Sehr interessant ist, daß beide Persönlichkeiten zusammen wiedergeboren werden. Aber die andere Persönlichkeit, die in der früheren Inkarnation, also in der zweiten, Frau war, wird wiederum jetzt als Mann geboren, so daß beide jetzt gleichzeitig in männlichen Inkarnationen geboren werden. Die eine, die uns vorzugsweise interessieren soll, die in den alten Zeiten weibliche Persönlichkeit war, dann in den ersten christlichen Jahrhunderten männliche Persönlichkeit war, das erste Mal durchaus aus jüdischem Stamme war, das zweite Mal der physischen Abstammung nach außerordentlich gemischtes Blut in sich trug, diese Persönlichkeit wurde dann im sechzehnten Jahrhundert als der italienische Utopist Thomas Campanella geboren. Eine recht merkwürdige Persönlichkeit.
[ 19 ] Schauen wir uns einmal, soweit es zum Verständnisse des Karma notwendig ist, das Leben des Thomas Campanella recht genau an. Er wird geboren mit einer außerordentlich starken Empfänglichkeit für seine christliche Erziehung, so daß er sich frühzeitig damit beschäftigt, die Summa des Thomas von Aquino zu studieren. Und aus den Stimmungen heraus, die er sich durch sein früheres visionäres Leben angeeignet hatte und die sich immer mehr da oder dort in die Gegenstimmungen verwandeln, die Dinge gedankenmäßig kennenzulernen, lebt er sich ein in das stark gedankliche Element, das in der Summa des Thomas von Aquino zu finden ist, studiert das eifrig und wird nun eben im sechzehnten Jahrhundert Dominikaner.
[ 19 ] Schauen wir uns einmal, soweit es zum Verständnisse des Karma notwendig ist, das Leben des Thomas Campanella recht genau an. Er wird geboren mit einer außerordentlich starken Empfänglichkeit für seine christliche Erziehung, so daß er sich frühzeitig damit beschäftigt, die Summa des Thomas von Aquino zu studieren. Und aus den Stimmungen heraus, die er sich durch sein früheres visionäres Leben angeeignet hatte und die sich immer mehr da oder dort in die Gegenstimmungen verwandeln, die Dinge gedankenmäßig kennenzulernen, lebt er sich ein in das stark gedankliche Element, das in der Summa des Thomas von Aquino zu finden ist, studiert das eifrig und wird nun eben im sechzehnten Jahrhundert Dominikaner.
[ 20 ] Fortwährend kommt herein in sein Denken, das er im strengsten Sinne in der Richtung halten will, in der eben das Denken in der Summa des Thomas von Aquino gehalten ist, eine gewisse Beunruhigung durch das spirituelle atavistisch-visionäre Leben, das früher in ihm vorhanden war.
[ 20 ] Fortwährend kommt herein in sein Denken, das er im strengsten Sinne in der Richtung halten will, in der eben das Denken in der Summa des Thomas von Aquino gehalten ist, eine gewisse Beunruhigung durch das spirituelle atavistisch-visionäre Leben, das früher in ihm vorhanden war.
[ 21 ] Und so ist es merkwürdig, daß er, Campanella, geradezu Stütze und Anhaltspunkt sucht, um in dasjenige, was er einmal beherrscht hat als ein Visionär im Anschauen der Welt, inneren Zusammenhang zu bringen. Und während er einerseits Dominikaner mit vollem innerem Enthusiasmus wird, macht er gerade im Kloster von Cosenza — und das ist das Merkwürdige — die Bekanntschaft eines sehr geachteten jüdischen Kabbalisten und verbindet nun das Studium jüdischer Kabbalistik mit dem, was als Nachwirkung seines alten visionären Lebens heraufkommt, und verbindet dies wiederum mit dem, was aus dem Thomismus innerhalb des Dominikanerordens geworden ist. Das alles lebt in ihm in einer, man könnte sagen, visionären Sehnsucht, es lebt sich zusammen in eine visionäre Sehnsucht. Er möchte etwas tun, was dieses ganze lichte innere Geistesleben äußerlich zum Vorscheine bringen könnte. Denn fortwährend ist es in seiner Seele so — das wird man aus den Biographien nicht finden, das stellt sich aber der geistigen Anschauung dar —, daß etwas in ihm sagt: Ja, da ist doch Geist hinter allen Dingen; da muß doch auch im Menschenleben der Geist drinnen sein, der im Weltenall ist!
[ 21 ] Und so ist es merkwürdig, daß er, Campanella, geradezu Stütze und Anhaltspunkt sucht, um in dasjenige, was er einmal beherrscht hat als ein Visionär im Anschauen der Welt, inneren Zusammenhang zu bringen. Und während er einerseits Dominikaner mit vollem innerem Enthusiasmus wird, macht er gerade im Kloster von Cosenza — und das ist das Merkwürdige — die Bekanntschaft eines sehr geachteten jüdischen Kabbalisten und verbindet nun das Studium jüdischer Kabbalistik mit dem, was als Nachwirkung seines alten visionären Lebens heraufkommt, und verbindet dies wiederum mit dem, was aus dem Thomismus innerhalb des Dominikanerordens geworden ist. Das alles lebt in ihm in einer, man könnte sagen, visionären Sehnsucht, es lebt sich zusammen in eine visionäre Sehnsucht. Er möchte etwas tun, was dieses ganze lichte innere Geistesleben äußerlich zum Vorscheine bringen könnte. Denn fortwährend ist es in seiner Seele so — das wird man aus den Biographien nicht finden, das stellt sich aber der geistigen Anschauung dar —, daß etwas in ihm sagt: Ja, da ist doch Geist hinter allen Dingen; da muß doch auch im Menschenleben der Geist drinnen sein, der im Weltenall ist!
[ 22 ] Das alles wirkt auch auf die Emotionssphäre ein. Er lebt in Unteritalien. Unteritalien ist geknechtet von den Spaniern. Er nimmt teil an einer Verschwörung zur Befreiung Unteritaliens, schmachtet dann vom Jahre 1599 bis zum Jahre 1626 im Kerker, weil er ob dieser Teilnahme an der Verschwörung gefangengenommen wird von den Spaniern, bringt also ein Leben zu, abgeschlossen von der Welt, ein Leben, das eigentlich auslöscht für siebenundzwanzig Jahre sein Erdendasein.
[ 22 ] Das alles wirkt auch auf die Emotionssphäre ein. Er lebt in Unteritalien. Unteritalien ist geknechtet von den Spaniern. Er nimmt teil an einer Verschwörung zur Befreiung Unteritaliens, schmachtet dann vom Jahre 1599 bis zum Jahre 1626 im Kerker, weil er ob dieser Teilnahme an der Verschwörung gefangengenommen wird von den Spaniern, bringt also ein Leben zu, abgeschlossen von der Welt, ein Leben, das eigentlich auslöscht für siebenundzwanzig Jahre sein Erdendasein.
[ 23 ] Nun stellen wir diese zwei Tatsachen zusammen: Thomas Campanella ist, als er eingekerkert wird, im Beginne der Dreißigerjahre, ganz im Anfange der Dreißigerjahre. Er verbringt die folgende Zeit im Kerker. Das ist das eine.
[ 23 ] Nun stellen wir diese zwei Tatsachen zusammen: Thomas Campanella ist, als er eingekerkert wird, im Beginne der Dreißigerjahre, ganz im Anfange der Dreißigerjahre. Er verbringt die folgende Zeit im Kerker. Das ist das eine.
[ 24 ] Aber was ist er überhaupt für ein Geist? Was ist er für eine Persönlichkeit? Er stellt auf die Idee des Sonnenstaates. Von früheren Inkarnationen scheint alles Astrologische, alles Anschauen der geistigen Welt in die Seele dieses Thomas Campanella hinein. Er denkt aus und beschreibt in seinem Werke über den Sonnenstaat eine soziale Utopie, in der er glaubt, daß durch eine vernünftige soziale Gestaltung, Konfiguration, alle Menschen glücklich werden können. Das, was er da als die Sonnenstadt, als den Sonnenstaat beschreibt, das hat in gewisser Beziehung eine klösterliche Strenge; es ist etwas von dem darinnen, was er aus dem Dominikanerorden aufgenommen hat. Es ist in der Art und Weise, wie er sich das Staatliche gestaltet denkt, etwas klösterlich Strenges darinnen, und anderseits kommt von der früheren Geistigkeit ungeheuer viel durch. An der Spitze dieses Staates, der der Idealstaat sein soll, soll ein oberster Lenker stehen, der eine Art Ober-Metaphysikus ist und so weiter, der vom Geiste aus die Richtlinien für die Konfiguration, für die Verwaltung des Staates finden soll. Ihm stehen andere Beamte zur Seite, wie zum Beispiel der höchste Minister, welche ausführen sollten, bis ins einzelnste hinein, all die Regeln, wie man sie eben in dieser Zeit noch innehatte, wenn sie durch das Karma aus früheren Erdenschauungen als Reminiszenzen aus der Seele aufstiegen. Das alles stieg bei ihm herauf. Und so wollte er nach astrologischen Grundsätzen diesen Sonnenstaat verwaltet wissen. Die Konstellationen der Sterne sollten sorgfältig beobachtet werden. Die Ehen sollten nach diesen Konstellationen geschlossen werden; die Konzeptionen sollten so stattfinden, daß die Geburten auf bestimmte Konstellationen fielen, die ausgerechnet wurden, so daß nach den Konstellationen am Himmel sozusagen das Menschengeschlecht auf Erden geboren werden sollte mit seinem Schicksal. Gewiß, der Mensch des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, der Neurologe oder Psychiater des neunzehnten oder zwanzigsten Jahrhunderts würde, wenn er an ein solches Werk käme, sagen, es sollte in die Bibliothek der Irrenhäuser eingereiht werden. Wir werden gleich nachher sehen, daß der Psychiater des zwanzigsten Jahrhunderts sogar ein ähnliches Urteil gefällt hat in einer bestimmten Richtung.
[ 24 ] Aber was ist er überhaupt für ein Geist? Was ist er für eine Persönlichkeit? Er stellt auf die Idee des Sonnenstaates. Von früheren Inkarnationen scheint alles Astrologische, alles Anschauen der geistigen Welt in die Seele dieses Thomas Campanella hinein. Er denkt aus und beschreibt in seinem Werke über den Sonnenstaat eine soziale Utopie, in der er glaubt, daß durch eine vernünftige soziale Gestaltung, Konfiguration, alle Menschen glücklich werden können. Das, was er da als die Sonnenstadt, als den Sonnenstaat beschreibt, das hat in gewisser Beziehung eine klösterliche Strenge; es ist etwas von dem darinnen, was er aus dem Dominikanerorden aufgenommen hat. Es ist in der Art und Weise, wie er sich das Staatliche gestaltet denkt, etwas klösterlich Strenges darinnen, und anderseits kommt von der früheren Geistigkeit ungeheuer viel durch. An der Spitze dieses Staates, der der Idealstaat sein soll, soll ein oberster Lenker stehen, der eine Art Ober-Metaphysikus ist und so weiter, der vom Geiste aus die Richtlinien für die Konfiguration, für die Verwaltung des Staates finden soll. Ihm stehen andere Beamte zur Seite, wie zum Beispiel der höchste Minister, welche ausführen sollten, bis ins einzelnste hinein, all die Regeln, wie man sie eben in dieser Zeit noch innehatte, wenn sie durch das Karma aus früheren Erdenschauungen als Reminiszenzen aus der Seele aufstiegen. Das alles stieg bei ihm herauf. Und so wollte er nach astrologischen Grundsätzen diesen Sonnenstaat verwaltet wissen. Die Konstellationen der Sterne sollten sorgfältig beobachtet werden. Die Ehen sollten nach diesen Konstellationen geschlossen werden; die Konzeptionen sollten so stattfinden, daß die Geburten auf bestimmte Konstellationen fielen, die ausgerechnet wurden, so daß nach den Konstellationen am Himmel sozusagen das Menschengeschlecht auf Erden geboren werden sollte mit seinem Schicksal. Gewiß, der Mensch des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, der Neurologe oder Psychiater des neunzehnten oder zwanzigsten Jahrhunderts würde, wenn er an ein solches Werk käme, sagen, es sollte in die Bibliothek der Irrenhäuser eingereiht werden. Wir werden gleich nachher sehen, daß der Psychiater des zwanzigsten Jahrhunderts sogar ein ähnliches Urteil gefällt hat in einer bestimmten Richtung.
[ 25 ] Aber stellen Sie sich diese zwei Dinge vor: Da ist eine Persönlichkeit, die diese Antezedenzien hat, diese Lebensvorbedingungen durch frühere Erdenleben, wie ich sie Ihnen beschrieben habe. Da ist jemand, der sozusagen aus der Kraft der Sonne und der Sterne herunter die Richtlinien für Staatsverwaltung auf der Erde finden will, ein Mensch, der Sonne in das Erdenleben hineinbringen will und der mehr als zwanzig Jahre in der Finsternis des Kerkers schmachtet und nur durch enge Luken hinausblicken kann in den natürlichen Sonnenschein; in dessen Seele in qualvollen Gefühlen und Empfindungen sich alles mögliche auslebte, was früher, in früheren Erdenleben in diese Seele eingezogen ist. — Dann wird Thomas Campanella durch den Papst Urban befreit aus dem Kerker, geht nach Paris, findet dort die Gunst Richelieus, bekommt eine Pension und lebt seine letzte Erdenzeit in Paris.
[ 25 ] Aber stellen Sie sich diese zwei Dinge vor: Da ist eine Persönlichkeit, die diese Antezedenzien hat, diese Lebensvorbedingungen durch frühere Erdenleben, wie ich sie Ihnen beschrieben habe. Da ist jemand, der sozusagen aus der Kraft der Sonne und der Sterne herunter die Richtlinien für Staatsverwaltung auf der Erde finden will, ein Mensch, der Sonne in das Erdenleben hineinbringen will und der mehr als zwanzig Jahre in der Finsternis des Kerkers schmachtet und nur durch enge Luken hinausblicken kann in den natürlichen Sonnenschein; in dessen Seele in qualvollen Gefühlen und Empfindungen sich alles mögliche auslebte, was früher, in früheren Erdenleben in diese Seele eingezogen ist. — Dann wird Thomas Campanella durch den Papst Urban befreit aus dem Kerker, geht nach Paris, findet dort die Gunst Richelieus, bekommt eine Pension und lebt seine letzte Erdenzeit in Paris.
[ 26 ] Das ist das Eigentümliche: Jener jüdische Rabbiner, mit dem er in Cosenza Bekanntschaft gemacht hat und durch den er auf kabbalistische Weise sein Denken koloriert bekommen hat, so daß viel mehr, als sonst hätte in ihm leben können, in ihm gelebt hat, jener jüdische Kabbalist ist der wiedergeborene Mann von der ersten Inkarnation, die Frau von der zweiten Inkarnation, die ich beschrieben habe.
[ 26 ] Das ist das Eigentümliche: Jener jüdische Rabbiner, mit dem er in Cosenza Bekanntschaft gemacht hat und durch den er auf kabbalistische Weise sein Denken koloriert bekommen hat, so daß viel mehr, als sonst hätte in ihm leben können, in ihm gelebt hat, jener jüdische Kabbalist ist der wiedergeborene Mann von der ersten Inkarnation, die Frau von der zweiten Inkarnation, die ich beschrieben habe.
[ 27 ] So sehen wir ein Zusammenwirken, und als beide wiederum durch die Pforte des Todes gegangen sind — Thomas Campanella und sein Freund, der jüdische Rabbiner —, da sehen wir, daß sich in der Individualität, die zuletzt Thomas Campanella war, eine merkwürdige Opposition ausbildet gegen dasjenige, was er in früheren Erdenleben aufgenommen hat. Und er empfindet jetzt so, daß er sich sagt: Was hätte aus alledem werden können, wenn ich die Jahre nicht im Kerker in Finsternis geschmachtet hätte, wo ich nur durch Luken in das natürliche Sonnenlicht hinausgesehen habe! — Er kommt aber allmählich hinein in eine Art Ablehnung, Antipathie gegen das, was er früher, in vorchristlichen Zeiten, in den ersten Jahrhunderten als Geistesanschauung gehabt hat. Und so sehen wir hier das Merkwürdige vorliegen, daß, während das Zeitalter der Bewußtseinsseele heranrückt, im Übersinnlichen eine Individualität sich weiter entwickelt, die eigentlich feindlich wird demjenigen, was frühere Spiritualität war.
[ 27 ] So sehen wir ein Zusammenwirken, und als beide wiederum durch die Pforte des Todes gegangen sind — Thomas Campanella und sein Freund, der jüdische Rabbiner —, da sehen wir, daß sich in der Individualität, die zuletzt Thomas Campanella war, eine merkwürdige Opposition ausbildet gegen dasjenige, was er in früheren Erdenleben aufgenommen hat. Und er empfindet jetzt so, daß er sich sagt: Was hätte aus alledem werden können, wenn ich die Jahre nicht im Kerker in Finsternis geschmachtet hätte, wo ich nur durch Luken in das natürliche Sonnenlicht hinausgesehen habe! — Er kommt aber allmählich hinein in eine Art Ablehnung, Antipathie gegen das, was er früher, in vorchristlichen Zeiten, in den ersten Jahrhunderten als Geistesanschauung gehabt hat. Und so sehen wir hier das Merkwürdige vorliegen, daß, während das Zeitalter der Bewußtseinsseele heranrückt, im Übersinnlichen eine Individualität sich weiter entwickelt, die eigentlich feindlich wird demjenigen, was frühere Spiritualität war.
[ 28 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, so ist es eigentlich vielen Seelen gegangen. Sie wurden schon vor ihrem Erdenleben, indem sie das übersinnliche Leben im Zeitalter der Bewußtseinsseele lebten, feindlich dem früheren spirituellen Erleben, weil es wirklich schwierig ist, in einen gegenwärtigen Erdenkörper dasjenige hineinzutragen, was früher spirituell erlebt worden ist. Der gegenwärtige Erdenkörper und die gegenwärtige Erdenerziehung leiten den Menschen nun einmal zum Rationalismus und zur Intellektualität hin.
[ 28 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, so ist es eigentlich vielen Seelen gegangen. Sie wurden schon vor ihrem Erdenleben, indem sie das übersinnliche Leben im Zeitalter der Bewußtseinsseele lebten, feindlich dem früheren spirituellen Erleben, weil es wirklich schwierig ist, in einen gegenwärtigen Erdenkörper dasjenige hineinzutragen, was früher spirituell erlebt worden ist. Der gegenwärtige Erdenkörper und die gegenwärtige Erdenerziehung leiten den Menschen nun einmal zum Rationalismus und zur Intellektualität hin.
[ 29 ] Und nun sah diese Individualität, die in der letzten Inkarnation Thomas Campanella gewesen ist, in jenem Leben, das da folgte auf das Campanella-Leben, die einzige Möglichkeit, einen Ausgleich zu schaffen in einem verhältnismäßig verfrühten neuen Erdenleben. Aber das ergab sich nicht so leicht aus den Bedingungen, die da waren. Denn auf der einen Seite wuchs diese Persönlichkeit im Übersinnlichen noch außerordentlich stark in das Bewußtseinselement der ersten Bewußtseinsseelenzeit, in Rationalismus und Intellektualismus hinein. Und gerade beim rückwärtigen Durchleben der Gefangenenzeit drängte sich immer wieder das frühere Visionäre, die spirituelle Anschauung durch.
[ 29 ] Und nun sah diese Individualität, die in der letzten Inkarnation Thomas Campanella gewesen ist, in jenem Leben, das da folgte auf das Campanella-Leben, die einzige Möglichkeit, einen Ausgleich zu schaffen in einem verhältnismäßig verfrühten neuen Erdenleben. Aber das ergab sich nicht so leicht aus den Bedingungen, die da waren. Denn auf der einen Seite wuchs diese Persönlichkeit im Übersinnlichen noch außerordentlich stark in das Bewußtseinselement der ersten Bewußtseinsseelenzeit, in Rationalismus und Intellektualismus hinein. Und gerade beim rückwärtigen Durchleben der Gefangenenzeit drängte sich immer wieder das frühere Visionäre, die spirituelle Anschauung durch.
[ 30 ] Sie hatte sozusagen auf die Seele geladen alles Hinneigen zur intelligenten Gescheitheit, diese Individualität, die ablehnte das Frühere und bei der sich merkwürdigerweise allmählich diese Abneigung gegen das Frühere in einer ganz persönlichen Weise formte, in einer ganz individuellen Weise. Es entwickelte sich eine Antipathie gegen jene vorchristliche Frauen-Inkarnation und damit eine Abneigung gegen die Frauen selber. Hier wirkte die Abneigung gegen die Frauen nämlich ins Persönlich-Individuelle hinein. Und wie es im Karma eben vor sich geht, statt daß etwas Theoretisches da ist, wird es persönliche Angelegenheit, persönliches Temperament, persönliche Sympathie oder Antipathie — hier Antipathie.
[ 30 ] Sie hatte sozusagen auf die Seele geladen alles Hinneigen zur intelligenten Gescheitheit, diese Individualität, die ablehnte das Frühere und bei der sich merkwürdigerweise allmählich diese Abneigung gegen das Frühere in einer ganz persönlichen Weise formte, in einer ganz individuellen Weise. Es entwickelte sich eine Antipathie gegen jene vorchristliche Frauen-Inkarnation und damit eine Abneigung gegen die Frauen selber. Hier wirkte die Abneigung gegen die Frauen nämlich ins Persönlich-Individuelle hinein. Und wie es im Karma eben vor sich geht, statt daß etwas Theoretisches da ist, wird es persönliche Angelegenheit, persönliches Temperament, persönliche Sympathie oder Antipathie — hier Antipathie.
[ 31 ] Nun bildete sich für diese Persönlichkeit die Möglichkeit heraus, noch einmal in freiem Umgange mit der Welt das Erdenleben zu leben, das sie in der letzten Verkörperung im Campanella-Leben, in der Gefangenschaft verlebt hatte.
[ 31 ] Nun bildete sich für diese Persönlichkeit die Möglichkeit heraus, noch einmal in freiem Umgange mit der Welt das Erdenleben zu leben, das sie in der letzten Verkörperung im Campanella-Leben, in der Gefangenschaft verlebt hatte.
[ 32 ] Also bitte, fassen Sie das richtig auf. Jetzt kam die andere Persönlichkeit nicht mit, denn für die lag diese Veranlassung nicht vor. Jetzt kam also diese Individualität, die durch drei Erdenleben gegangen war, in der die andere Persönlichkeit ihr immer etwas war, was das Leben mit stützte und führte, in die Möglichkeit, dasjenige in einem Erdenleben zu durchleben, was sie im Campanella-Leben durch die siebenundzwanzigjährige Gefangenschaft versäumt hatte. Das, was sie in der Finsternis der Gefangenschaft versäumt hatte, das ergab sich als Möglichkeit, in einem neuen Erdenleben durchlebt zu werden.
[ 32 ] Also bitte, fassen Sie das richtig auf. Jetzt kam die andere Persönlichkeit nicht mit, denn für die lag diese Veranlassung nicht vor. Jetzt kam also diese Individualität, die durch drei Erdenleben gegangen war, in der die andere Persönlichkeit ihr immer etwas war, was das Leben mit stützte und führte, in die Möglichkeit, dasjenige in einem Erdenleben zu durchleben, was sie im Campanella-Leben durch die siebenundzwanzigjährige Gefangenschaft versäumt hatte. Das, was sie in der Finsternis der Gefangenschaft versäumt hatte, das ergab sich als Möglichkeit, in einem neuen Erdenleben durchlebt zu werden.
[ 33 ] Was war die Folge, nachdem das andere alles vorangegangen war, meine lieben Freunde, was war die Folge’ Nun denken Sie sich: Als Campanella etwa dreißig Jahre alt war, kam diese Gefangenschaft über ihn. Stellen Sie sich den Reifezustand eines Menschen vor im Renaissance-Zeitalter in den Dreißigerjahren seines Lebens. Stellen Sie sich vor: Das wirkt jetzt, was dort versäumt worden ist, wo aber das andere alles, Spirituelles und Rationalistisches, hineinscheint, hineinstrahlt von außen. Überall sonst rings herum ist Licht, und nur diese Jahre der Gefangenschaft sind Finsternis. Da strahlt alles hinein, alles strahlt durcheinander. Durcheinander strahlt Hellsichtigkeit, Frauenhaß, entsprungen aus dem, was ich Ihnen geschildert habe, aber auch sehr starke Gescheitheit. Das alles spielt ineinander, spielt so ineinander, wie es als Ergebnis der Reifeentwickelung der Dreißigerjahre eines Renaissance-Menschen auftreten kann.
[ 33 ] Was war die Folge, nachdem das andere alles vorangegangen war, meine lieben Freunde, was war die Folge’ Nun denken Sie sich: Als Campanella etwa dreißig Jahre alt war, kam diese Gefangenschaft über ihn. Stellen Sie sich den Reifezustand eines Menschen vor im Renaissance-Zeitalter in den Dreißigerjahren seines Lebens. Stellen Sie sich vor: Das wirkt jetzt, was dort versäumt worden ist, wo aber das andere alles, Spirituelles und Rationalistisches, hineinscheint, hineinstrahlt von außen. Überall sonst rings herum ist Licht, und nur diese Jahre der Gefangenschaft sind Finsternis. Da strahlt alles hinein, alles strahlt durcheinander. Durcheinander strahlt Hellsichtigkeit, Frauenhaß, entsprungen aus dem, was ich Ihnen geschildert habe, aber auch sehr starke Gescheitheit. Das alles spielt ineinander, spielt so ineinander, wie es als Ergebnis der Reifeentwickelung der Dreißigerjahre eines Renaissance-Menschen auftreten kann.
[ 34 ] Das wird im zweitletzten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts, gegen das zweitletzte Jahrzehnt, wiedergeboren. In den kindlichen Körper wird dasjenige hineingeboren, was eigentlich für eine spätere Lebensepoche bestimmt ist. Jetzt wird er wieder in einer männlichen Inkarnation geboren. Es ist ja nur die Wiederholung der Gefangenschaftszeit: so spricht das Karma in diesem Falle. Kein Wunder, daß der Junge außerordentlich frühreif wiedergeboren wird. Selbstverständlich sind es ja nur die kindlichen Wachstumskräfte, aber mit dem, was da versäumt worden ist in der Gefangenschaft, mit der Reife der Dreißigerjahre: frühreif! So spielt das Karma.
[ 34 ] Das wird im zweitletzten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts, gegen das zweitletzte Jahrzehnt, wiedergeboren. In den kindlichen Körper wird dasjenige hineingeboren, was eigentlich für eine spätere Lebensepoche bestimmt ist. Jetzt wird er wieder in einer männlichen Inkarnation geboren. Es ist ja nur die Wiederholung der Gefangenschaftszeit: so spricht das Karma in diesem Falle. Kein Wunder, daß der Junge außerordentlich frühreif wiedergeboren wird. Selbstverständlich sind es ja nur die kindlichen Wachstumskräfte, aber mit dem, was da versäumt worden ist in der Gefangenschaft, mit der Reife der Dreißigerjahre: frühreif! So spielt das Karma.
[ 35 ] Eine merkwürdige Neigung stellt sich heraus in diesem — Lebensnachholen, möchte ich sagen. Es dämmern wieder die alten Anschauungen des Astrologischen herauf, die alten Anschauungen des Spirituellen in der ganzen Natur, die ja so großartig waren bei dieser Individualität in den ersten christlichen Jahrhunderten. Es kommt allerdings in einer kindlichen Weise herauf, aber es lebt so stark in ihm, daß er geradezu eine Antipathie hat gegen die mathematisch gestaltete Naturwissenschaft. Und als er dann in den neunziger Jahren das Gymnasium bezieht, lernt er glänzend das Sprachliche, alles das, was nicht Naturwissenschaft, nicht Mathematik ist. Aber das Kuriose für denjenigen, der karmische Zusammenhänge zu beurteilen vermag, ich möchte sagen das wirklich Beglückend-Bestürzende in der Anschauung, das ist, daß er im Handumdrehen außer den neueren Sprachen, Französisch und Italienisch, Spanisch schnell lernt, um in seine Mentalität — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — das hineinzubringen, was ihn früher empört hat gegen die spanische Herrschaft, um das wieder aufzufrischen.
[ 35 ] Eine merkwürdige Neigung stellt sich heraus in diesem — Lebensnachholen, möchte ich sagen. Es dämmern wieder die alten Anschauungen des Astrologischen herauf, die alten Anschauungen des Spirituellen in der ganzen Natur, die ja so großartig waren bei dieser Individualität in den ersten christlichen Jahrhunderten. Es kommt allerdings in einer kindlichen Weise herauf, aber es lebt so stark in ihm, daß er geradezu eine Antipathie hat gegen die mathematisch gestaltete Naturwissenschaft. Und als er dann in den neunziger Jahren das Gymnasium bezieht, lernt er glänzend das Sprachliche, alles das, was nicht Naturwissenschaft, nicht Mathematik ist. Aber das Kuriose für denjenigen, der karmische Zusammenhänge zu beurteilen vermag, ich möchte sagen das wirklich Beglückend-Bestürzende in der Anschauung, das ist, daß er im Handumdrehen außer den neueren Sprachen, Französisch und Italienisch, Spanisch schnell lernt, um in seine Mentalität — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — das hineinzubringen, was ihn früher empört hat gegen die spanische Herrschaft, um das wieder aufzufrischen.
[ 36 ] Sehen Sie da, wie Karma wirkt, wie es hereinwirkt in diese Individualität! Es fällt ja auf, daß dieser Knabe außerhalb der Schule, nur weil zufällig der Vater eine Vorliebe dafür hat — das ergibt das Karma wiederum — rasch Spanisch lernt, in so früher Jugend eine so entfernt liegende Sprache lernt. Das bedeutet eine vollständige Beeinflussung der ganzen Seelenverfassung. So daß dieser Grundton der Kerkerhaft, wo ihn doch die Empörung gegen die Spanier ausgefüllt hat, dadurch wiederum in seiner Seele heraufkommt, daß die spanische Sprache in ihm lebendig wird und seine Ideen, seine Gedanken durchdringt. Gerade was ihm das bitterste war während dieser Gefangenschaft, das kommt in dasjenige unterbewußte Gebiet hinein, wo die Sprache eben waltet. Erst als er zur Universität kommt, beschäftigt er sich etwas mit Naturwissenschaft, weil das die Zeit erfordert. Will man ein gebildeter Mensch in unserer Zeit sein, muß man eben erwas Naturwissenschaft kennen.
[ 36 ] Sehen Sie da, wie Karma wirkt, wie es hereinwirkt in diese Individualität! Es fällt ja auf, daß dieser Knabe außerhalb der Schule, nur weil zufällig der Vater eine Vorliebe dafür hat — das ergibt das Karma wiederum — rasch Spanisch lernt, in so früher Jugend eine so entfernt liegende Sprache lernt. Das bedeutet eine vollständige Beeinflussung der ganzen Seelenverfassung. So daß dieser Grundton der Kerkerhaft, wo ihn doch die Empörung gegen die Spanier ausgefüllt hat, dadurch wiederum in seiner Seele heraufkommt, daß die spanische Sprache in ihm lebendig wird und seine Ideen, seine Gedanken durchdringt. Gerade was ihm das bitterste war während dieser Gefangenschaft, das kommt in dasjenige unterbewußte Gebiet hinein, wo die Sprache eben waltet. Erst als er zur Universität kommt, beschäftigt er sich etwas mit Naturwissenschaft, weil das die Zeit erfordert. Will man ein gebildeter Mensch in unserer Zeit sein, muß man eben erwas Naturwissenschaft kennen.
[ 37 ] Jetzt muß ich Ihnen sagen, wer es ist, weil ich Ihnen weitererzählen muß: Es ist der unglückliche Otzo Weininger.
[ 37 ] Jetzt muß ich Ihnen sagen, wer es ist, weil ich Ihnen weitererzählen muß: Es ist der unglückliche Otzo Weininger.
[ 38 ] Und nun, nachdem Otto Weininger das Naturwissenschaftliche an der Universität nachgeholt hat, bringt er all das, was in ihm brodelt und was so brodelt, wie es nur ein Erdenleben geben kann, das die Wiederholung einer Lücke des vorigen ist, nun bringt er all das, als er den philosophischen Doktor an der Wiener Universität macht, in seiner Doktor-Dissertation, die er dann, nachdem er promoviert ist, ausarbeitet zu einem dicken Buch: «Geschlecht und Charakter».
[ 38 ] Und nun, nachdem Otto Weininger das Naturwissenschaftliche an der Universität nachgeholt hat, bringt er all das, was in ihm brodelt und was so brodelt, wie es nur ein Erdenleben geben kann, das die Wiederholung einer Lücke des vorigen ist, nun bringt er all das, als er den philosophischen Doktor an der Wiener Universität macht, in seiner Doktor-Dissertation, die er dann, nachdem er promoviert ist, ausarbeitet zu einem dicken Buch: «Geschlecht und Charakter».
[ 39 ] In diesem Buche «Geschlecht und Charakter» brodelt nun all dasjenige drinnen, was früher da war. Aufblitzen sieht man zuweilen Campanellaschen Utopismus mit uralten Anschauungen, die sich in einer wunderbaren Weise äußern. Was ist Sittlichkeit? Die Frage beantwortet Weininger so, daß er sagt: Das in der Natur erscheinende Licht ist die äußere Offenbarung der Sittlichkeit. Wer das Licht kennt, kennt die Sittlichkeit. Daher muß in der TiefseeFauna und -Flora, die ohne das Licht lebt, der Quell der Unsittlichkeit auf Erden zu suchen sein. — Und wunderbare Intuitionen finden Sie bei ihm, zum Beispiel diese: man soll den Hund anschauen mit seiner merkwürdigen Physiognomie. Was zeigt er? Daß ihm etwas fehlt, daß er etwas verloren hat: er hat die Freiheit verloren.
[ 39 ] In diesem Buche «Geschlecht und Charakter» brodelt nun all dasjenige drinnen, was früher da war. Aufblitzen sieht man zuweilen Campanellaschen Utopismus mit uralten Anschauungen, die sich in einer wunderbaren Weise äußern. Was ist Sittlichkeit? Die Frage beantwortet Weininger so, daß er sagt: Das in der Natur erscheinende Licht ist die äußere Offenbarung der Sittlichkeit. Wer das Licht kennt, kennt die Sittlichkeit. Daher muß in der TiefseeFauna und -Flora, die ohne das Licht lebt, der Quell der Unsittlichkeit auf Erden zu suchen sein. — Und wunderbare Intuitionen finden Sie bei ihm, zum Beispiel diese: man soll den Hund anschauen mit seiner merkwürdigen Physiognomie. Was zeigt er? Daß ihm etwas fehlt, daß er etwas verloren hat: er hat die Freiheit verloren.
[ 40 ] Und so können Sie bei diesem Weininger tatsächlich etwas finden von Schauen, gemischt mit äußerstem Rationalismus, und können auch finden den Haß auf dasjenige, was ihm ward in einer früheren Inkarnation, was sich jetzt aber nicht auslebt im Haß auf das, was er gewußt hat, sondern im Haß auf seine weibliche Inkarnation, der sich in seinem ja bis zur Albernheit gehenden Weiberhaß in dem Werke «Geschlecht und Charakter» auslebt. Das alles zeigt Ihnen, wieviel in einer Seele an Spiritualität vorhanden sein kann, wie das viele zusammengekommen sein kann in der übersinnlichen Welt gegen das Zeitalter der Bewußtseinsseele hin mit Intellektualismus, wie aber das nicht heraus kann im gegenwärtigen Zeitalter, aber heraus will, selbst wenn das Leben, das so dargelebt wird, sozusagen nur die Wiederholung verlorener Lebenszeit von früher ist.
[ 40 ] Und so können Sie bei diesem Weininger tatsächlich etwas finden von Schauen, gemischt mit äußerstem Rationalismus, und können auch finden den Haß auf dasjenige, was ihm ward in einer früheren Inkarnation, was sich jetzt aber nicht auslebt im Haß auf das, was er gewußt hat, sondern im Haß auf seine weibliche Inkarnation, der sich in seinem ja bis zur Albernheit gehenden Weiberhaß in dem Werke «Geschlecht und Charakter» auslebt. Das alles zeigt Ihnen, wieviel in einer Seele an Spiritualität vorhanden sein kann, wie das viele zusammengekommen sein kann in der übersinnlichen Welt gegen das Zeitalter der Bewußtseinsseele hin mit Intellektualismus, wie aber das nicht heraus kann im gegenwärtigen Zeitalter, aber heraus will, selbst wenn das Leben, das so dargelebt wird, sozusagen nur die Wiederholung verlorener Lebenszeit von früher ist.
[ 41 ] Merkwürdige Neigungen traten auf bei Weininger, wiederum außerordentlich bedeutsam für denjenigen, der karmische Zusammenhänge zu fassen vermag. Sein Biograph schildert, daß er sich gegen das Ende seines Lebens die Gewohnheit aneignete, durch ganz dünne Löcher, die er sich machte, aus einem finsteren Raum in eine beleuchtete Fläche hinauszuschauen und daß ihm das eine besondere Freude machte. Sie haben da die innersten, unmittelbarsten Lebensgewohnheiten, das ganze Leben des Kerkers, wiederum hineinscheinend.
[ 41 ] Merkwürdige Neigungen traten auf bei Weininger, wiederum außerordentlich bedeutsam für denjenigen, der karmische Zusammenhänge zu fassen vermag. Sein Biograph schildert, daß er sich gegen das Ende seines Lebens die Gewohnheit aneignete, durch ganz dünne Löcher, die er sich machte, aus einem finsteren Raum in eine beleuchtete Fläche hinauszuschauen und daß ihm das eine besondere Freude machte. Sie haben da die innersten, unmittelbarsten Lebensgewohnheiten, das ganze Leben des Kerkers, wiederum hineinscheinend.
[ 42 ] Nun denken Sie, wie mit diesem Leben Süditalien zusammenhing. Da spielte sich ja ab, was ihn nun in dieses Erdenleben hereinführte.
[ 42 ] Nun denken Sie, wie mit diesem Leben Süditalien zusammenhing. Da spielte sich ja ab, was ihn nun in dieses Erdenleben hereinführte.
[ 43 ] Eine kleine Sache muß ich nur noch erwähnen, die wiederum für den Karmabetrachter außerordentlich wichtig ist. Natürlich gehörte auch Weininger zu den Nietzsche-Lesern. Und denken Sie sich die ganze Stimmung, die da lebte in dieser Weininger-Seele, Nietzsche lesend: «Jenseits von Gut und Böse»! Wie eine Bombe schlug in die Seele Nietzsches Behauptung und Ausführung ein, die Wahrheit sei ein Weib. Da wurde schon ganz und gar von Frauenhaß dasjenige gefärbt, was ich Ihnen schon geschildert habe.
[ 43 ] Eine kleine Sache muß ich nur noch erwähnen, die wiederum für den Karmabetrachter außerordentlich wichtig ist. Natürlich gehörte auch Weininger zu den Nietzsche-Lesern. Und denken Sie sich die ganze Stimmung, die da lebte in dieser Weininger-Seele, Nietzsche lesend: «Jenseits von Gut und Böse»! Wie eine Bombe schlug in die Seele Nietzsches Behauptung und Ausführung ein, die Wahrheit sei ein Weib. Da wurde schon ganz und gar von Frauenhaß dasjenige gefärbt, was ich Ihnen schon geschildert habe.
[ 44 ] Nun ist er zweiundzwanzig Jahre alt, im dreiundzwanzigsten Lebensjahre. All das wirkte auf ihn. Merkwürdige Gewohnheiten bilden sich in seiner Seele aus. Ist es denn wunderbar, daß ein Leben, das ein Gefangenschaftsleben nachlebt, schmerzlich berührt wird vom Sonnenuntergang, der an die beginnende Finsternis erinnert? Deshalb ist Weininger so, daß er Sonnenuntergänge immer als etwas Unerträgliches empfindet. Aber er hat, meine lieben Freunde, in dem jugendlichen Körper die Reife der Dreißigerjahre. Gewiß, wenn weniger begabte Menschen hochnäsig sind, eitel, so ist das nicht schön; aber hier begreift man es aus dem ganzen Karma heraus, daß er sich für etwas Besonderes hielt.
[ 44 ] Nun ist er zweiundzwanzig Jahre alt, im dreiundzwanzigsten Lebensjahre. All das wirkte auf ihn. Merkwürdige Gewohnheiten bilden sich in seiner Seele aus. Ist es denn wunderbar, daß ein Leben, das ein Gefangenschaftsleben nachlebt, schmerzlich berührt wird vom Sonnenuntergang, der an die beginnende Finsternis erinnert? Deshalb ist Weininger so, daß er Sonnenuntergänge immer als etwas Unerträgliches empfindet. Aber er hat, meine lieben Freunde, in dem jugendlichen Körper die Reife der Dreißigerjahre. Gewiß, wenn weniger begabte Menschen hochnäsig sind, eitel, so ist das nicht schön; aber hier begreift man es aus dem ganzen Karma heraus, daß er sich für etwas Besonderes hielt.
[ 45 ] Er zeigte natürlich auch die verschiedensten Abnormitäten, denn dieses Leben war die Wiederholung eines Kerkerlebens. Da tut man nicht immer ganz gewöhnliche normale Dinge. Wenn die sich karmisch erfüllen, dann kann man auf einen gewöhnlichen Psychiater schon den Eindruck eines Epileptikers machen. Den machte auch Weininger. Aber diese Epilepsie war die Wiederholung des Kerkerlebens, waren die Abwehrhandlungen, die jetzt keinen Sinn hatten in einem freien Leben, sondern die eben die karmischen Wiederholungen des Kerkerlebens waren. Er war nicht ein gewöhnlicher Epileptiker. Und wundern wir uns nicht, daß er, als er im Anfang der Zwanzigerjahre ist, plötzlich den Drang verspürt, ganz allein aus dem ganz Unbestimmten heraus Hals über Kopf eine Reise nach Italien zu machen. Während dieser Reise schreibt er ein ganz wunderbares kleines Buch «Über die letzten Dinge», wo Schilderungen von elementarischer Natur drinnen sind, die einem so erscheinen, als wenn jemand die Schilderungen der Atlantis karikieren will, ganz großartig, aber natürlich vom psychiatrischen Standpunkt aus ganz verrückt. Doch man muß das karmisch betrachten. Er reist Hals über Kopf nach Italien und kommt zurück, verbringt einige Zeit in der Nähe von Wien in Brunn am Gebirge. Von Italien zurückgekehrt, schreibt er noch einige Gedanken auf, die ihm während der italienischen Reise gekommen sind, großartige Ideen über den Zusammenklang des Moralischen mit dem Natürlichen, mietet sich dann ein in Beethovens Sterbehaus, lebt da einige Tage in Beethovens Sterbezimmer und — er hat nun durchlebt die Gefangenschaft von früher — erschießt sich. Das Karma war erfüllt. Erschießt sich aus einem inneren Drang heraus, weil er die Vorstellung hat, er würde ein ganz schlechter Mensch werden, wenn er weiterleben würde. Es ergab sich ihm eben nicht mehr die Möglichkeit, weiterzuleben, weil das Karma erfüllt war.
[ 45 ] Er zeigte natürlich auch die verschiedensten Abnormitäten, denn dieses Leben war die Wiederholung eines Kerkerlebens. Da tut man nicht immer ganz gewöhnliche normale Dinge. Wenn die sich karmisch erfüllen, dann kann man auf einen gewöhnlichen Psychiater schon den Eindruck eines Epileptikers machen. Den machte auch Weininger. Aber diese Epilepsie war die Wiederholung des Kerkerlebens, waren die Abwehrhandlungen, die jetzt keinen Sinn hatten in einem freien Leben, sondern die eben die karmischen Wiederholungen des Kerkerlebens waren. Er war nicht ein gewöhnlicher Epileptiker. Und wundern wir uns nicht, daß er, als er im Anfang der Zwanzigerjahre ist, plötzlich den Drang verspürt, ganz allein aus dem ganz Unbestimmten heraus Hals über Kopf eine Reise nach Italien zu machen. Während dieser Reise schreibt er ein ganz wunderbares kleines Buch «Über die letzten Dinge», wo Schilderungen von elementarischer Natur drinnen sind, die einem so erscheinen, als wenn jemand die Schilderungen der Atlantis karikieren will, ganz großartig, aber natürlich vom psychiatrischen Standpunkt aus ganz verrückt. Doch man muß das karmisch betrachten. Er reist Hals über Kopf nach Italien und kommt zurück, verbringt einige Zeit in der Nähe von Wien in Brunn am Gebirge. Von Italien zurückgekehrt, schreibt er noch einige Gedanken auf, die ihm während der italienischen Reise gekommen sind, großartige Ideen über den Zusammenklang des Moralischen mit dem Natürlichen, mietet sich dann ein in Beethovens Sterbehaus, lebt da einige Tage in Beethovens Sterbezimmer und — er hat nun durchlebt die Gefangenschaft von früher — erschießt sich. Das Karma war erfüllt. Erschießt sich aus einem inneren Drang heraus, weil er die Vorstellung hat, er würde ein ganz schlechter Mensch werden, wenn er weiterleben würde. Es ergab sich ihm eben nicht mehr die Möglichkeit, weiterzuleben, weil das Karma erfüllt war.
[ 46 ] Sehen Sie sich, meine lieben Freunde, von diesem Gesichtspunkte aus Otto Weiningers Werke an. Sehen Sie all die Hemmnisse, die eine Seele hat, die selbst in so abnormer Weise aus dem Renaissance-Zeitalter in die Gegenwart hereingestellt ist; sehen Sie die Hemmnisse, die sie hat, Spirituelles zu finden, trotzdem sie soviel Spirituelles auf dem Grunde, in dem Unbewußten ihrer Seele hat, und ziehen Sie daraus den Schluß, was alles für Hindernisse es gibt in dem Michael-Zeitalter, um den Forderungen dieses MichaelZeitalters voll gerecht zu werden.
[ 46 ] Sehen Sie sich, meine lieben Freunde, von diesem Gesichtspunkte aus Otto Weiningers Werke an. Sehen Sie all die Hemmnisse, die eine Seele hat, die selbst in so abnormer Weise aus dem Renaissance-Zeitalter in die Gegenwart hereingestellt ist; sehen Sie die Hemmnisse, die sie hat, Spirituelles zu finden, trotzdem sie soviel Spirituelles auf dem Grunde, in dem Unbewußten ihrer Seele hat, und ziehen Sie daraus den Schluß, was alles für Hindernisse es gibt in dem Michael-Zeitalter, um den Forderungen dieses MichaelZeitalters voll gerecht zu werden.
[ 47 ] Denn natürlich wäre es auch denkbar gewesen, wenn die Weininger-Seele spirituelle Weltanschauungen hätte aufnehmen können, daß sie die Entwickelung trotzdem hätte fortsetzen können, nicht bloß durch Selbstmord hätte beschliessen müssen die Wiederholung des Gefangenenlebens.
[ 47 ] Denn natürlich wäre es auch denkbar gewesen, wenn die Weininger-Seele spirituelle Weltanschauungen hätte aufnehmen können, daß sie die Entwickelung trotzdem hätte fortsetzen können, nicht bloß durch Selbstmord hätte beschliessen müssen die Wiederholung des Gefangenenlebens.
[ 48 ] Aber es ist schon bedeutsam, so zu verfolgen, wie sich alte Spiritualität bis in die neueren Zeiten herein in den Menschenseelen entwickelt und dann stoppt; und es ist schon bedeutsam, gerade an solchen interessanten Erscheinungen zu sehen, wie gestoppt ist.
[ 48 ] Aber es ist schon bedeutsam, so zu verfolgen, wie sich alte Spiritualität bis in die neueren Zeiten herein in den Menschenseelen entwickelt und dann stoppt; und es ist schon bedeutsam, gerade an solchen interessanten Erscheinungen zu sehen, wie gestoppt ist.
[ 49 ] Ich denke, man konnte doch einen tiefen Blick in die karmischen Zusammenhänge hineintun, auch insofern es gewisse karmische Zusammenhänge des Geisteslebens der Gegenwart beleuchtet, indem man diese vier aufeinanderfolgenden Inkarnationen einer immerhin außerordentlich interessanten Individualität hinstellte, die ja umfassen das Leben vom sechsten Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha bis heute. Wir haben da die Spanne Zeit, in die alles dasjenige hineingehört, was wir betrachten müssen, wenn wir das Leben der Gegenwart verstehen wollen.
[ 49 ] Ich denke, man konnte doch einen tiefen Blick in die karmischen Zusammenhänge hineintun, auch insofern es gewisse karmische Zusammenhänge des Geisteslebens der Gegenwart beleuchtet, indem man diese vier aufeinanderfolgenden Inkarnationen einer immerhin außerordentlich interessanten Individualität hinstellte, die ja umfassen das Leben vom sechsten Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha bis heute. Wir haben da die Spanne Zeit, in die alles dasjenige hineingehört, was wir betrachten müssen, wenn wir das Leben der Gegenwart verstehen wollen.
[ 50 ] Wir haben heute einen Fall betrachtet, der uns lehrt, was alles eine Seele in diesem Zeitalter durchmachen kann. Ich will viel lieber solche Dinge nach den konkreten Erlebnissen der Seele schildern als durch abstrakte Erörterungen.
[ 50 ] Wir haben heute einen Fall betrachtet, der uns lehrt, was alles eine Seele in diesem Zeitalter durchmachen kann. Ich will viel lieber solche Dinge nach den konkreten Erlebnissen der Seele schildern als durch abstrakte Erörterungen.
[ 51 ] Damit habe ich zunächst diese Episode gegeben und werde diesen Vortragszyklus dann am Dienstag im Abendvortrag, dem letzten dieser Mitgliedervorträge, beschließen.
[ 51 ] Damit habe ich zunächst diese Episode gegeben und werde diesen Vortragszyklus dann am Dienstag im Abendvortrag, dem letzten dieser Mitgliedervorträge, beschließen.
