Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume V
GA 239
12 June 1924, Wrocław
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Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge V
Dreizehnter Vortrag
Dreizehnter Vortrag
[ 1 ] Wollen wir heute einmal auf Erscheinungen des Seelenlebens hinweisen, die uns in die Nähe einer solchen Selbstbeobachtung bringen können, daß sich darin das persönliche Karina, das persönliche Schicksal gewissermaßen wie eine Art Wetterleuchten des Lebens zeigt. Wir haben ja zunächst, wenn wir in einer mehr oder weniger oberflächlichen Selbsterkenntnis an unser Seelenleben herantreten, doch den Eindruck: es sind in diesem Seelenleben klar und deutlich, so daß wir dabei vollständig wach sind, nur die sinnlichen Eindrücke und noch die Gedanken, die wir uns über diese sinnlichen Eindrücke machen. In den sinnlichen Eindrücken und in den Gedanken, die wir uns darüber machen, erschöpft sich eigentlich dasjenige, worin wir mit dem gewöhnlichen Bewußtsein vollständig wach sind. Wir haben ja allerdings außer diesem Gedankenleben und Sinneseindrucks-, Sinneswahrnehmungsleben nun auch zunächst unser Gefühlsleben. Allein bedenken Sie, wie unbestimmt flutend dieses Gefühlsleben ist, wie wenig klar und ganz wachend wir uns eigentlich im Gefühlsleben haben. Und derjenige, der unbefangen die Dinge des Lebens miteinander vergleichen kann, der wird sich ja sagen müssen: wenn er an seine Gefühle herantritt, so ist gegenüber den Gedanken hier alles unbestimmt. Es liegt einem das Gefühlsleben allerdings näher, persönlich näher als das Gedankenleben, aber es ist sowohl in der Art, wie es abläuft, wie auch, ich möchte sagen, in den Ansprüchen, die man darauf macht, unbestimmt. Bei unseren Gedanken werden wir uns doch nicht so leicht gestatten, in beliebiger Weise von den Gedanken anderer Menschen abzuweichen, wenn es sich darum handeln soll, über irgend etwas sich Gedanken zu machen, die wahr sein sollen. Da werden wir die unbestimmte Empfindung in uns tragen: unsere Gedanken, unsere Sinneseindrücke müssen mit denjenigen anderer Menschen übereinstimmen. Bei unseren Gefühlen kommt es uns nicht so vor. Wir geben uns sogar durchaus das Recht, in einer gewissen intimeren, persönlichen Art zu fühlen. Und vergleichen wir unsere Gefühle mit unseren Träumen, dann können wir sagen: Die Träume kommen allerdings herauf aus dem nächtlichen Leben, während die Gefühle aus den Tiefen der Seele im Tagesleben kommen, aber wiederum so unbestimmt wie die Träume in ihren Bildern sind doch eigentlich auch unsere Gefühle. Und wer da wirklich gut ins Bewußtsein hereinkommende Träume damit vergleicht, der wird schon empfinden, wie diese Träume eigentlich gerade ebenso als etwas Unbestimmtes in uns auftauchen wie die Gefühle. So daß wir sagen können: Nur in unseren Sinneseindrücken, in unseren Gedanken wachen wir eigentlich, während wir in unseren Gefühlen auch dann, wenn wir wachen, Träumer sind. Gefühle machen uns auch im gewöhnlichen wachen Tagesleben zu Träumern.
[ 1 ] Wollen wir heute einmal auf Erscheinungen des Seelenlebens hinweisen, die uns in die Nähe einer solchen Selbstbeobachtung bringen können, daß sich darin das persönliche Karina, das persönliche Schicksal gewissermaßen wie eine Art Wetterleuchten des Lebens zeigt. Wir haben ja zunächst, wenn wir in einer mehr oder weniger oberflächlichen Selbsterkenntnis an unser Seelenleben herantreten, doch den Eindruck: es sind in diesem Seelenleben klar und deutlich, so daß wir dabei vollständig wach sind, nur die sinnlichen Eindrücke und noch die Gedanken, die wir uns über diese sinnlichen Eindrücke machen. In den sinnlichen Eindrücken und in den Gedanken, die wir uns darüber machen, erschöpft sich eigentlich dasjenige, worin wir mit dem gewöhnlichen Bewußtsein vollständig wach sind. Wir haben ja allerdings außer diesem Gedankenleben und Sinneseindrucks-, Sinneswahrnehmungsleben nun auch zunächst unser Gefühlsleben. Allein bedenken Sie, wie unbestimmt flutend dieses Gefühlsleben ist, wie wenig klar und ganz wachend wir uns eigentlich im Gefühlsleben haben. Und derjenige, der unbefangen die Dinge des Lebens miteinander vergleichen kann, der wird sich ja sagen müssen: wenn er an seine Gefühle herantritt, so ist gegenüber den Gedanken hier alles unbestimmt. Es liegt einem das Gefühlsleben allerdings näher, persönlich näher als das Gedankenleben, aber es ist sowohl in der Art, wie es abläuft, wie auch, ich möchte sagen, in den Ansprüchen, die man darauf macht, unbestimmt. Bei unseren Gedanken werden wir uns doch nicht so leicht gestatten, in beliebiger Weise von den Gedanken anderer Menschen abzuweichen, wenn es sich darum handeln soll, über irgend etwas sich Gedanken zu machen, die wahr sein sollen. Da werden wir die unbestimmte Empfindung in uns tragen: unsere Gedanken, unsere Sinneseindrücke müssen mit denjenigen anderer Menschen übereinstimmen. Bei unseren Gefühlen kommt es uns nicht so vor. Wir geben uns sogar durchaus das Recht, in einer gewissen intimeren, persönlichen Art zu fühlen. Und vergleichen wir unsere Gefühle mit unseren Träumen, dann können wir sagen: Die Träume kommen allerdings herauf aus dem nächtlichen Leben, während die Gefühle aus den Tiefen der Seele im Tagesleben kommen, aber wiederum so unbestimmt wie die Träume in ihren Bildern sind doch eigentlich auch unsere Gefühle. Und wer da wirklich gut ins Bewußtsein hereinkommende Träume damit vergleicht, der wird schon empfinden, wie diese Träume eigentlich gerade ebenso als etwas Unbestimmtes in uns auftauchen wie die Gefühle. So daß wir sagen können: Nur in unseren Sinneseindrücken, in unseren Gedanken wachen wir eigentlich, während wir in unseren Gefühlen auch dann, wenn wir wachen, Träumer sind. Gefühle machen uns auch im gewöhnlichen wachen Tagesleben zu Träumern.
[ 2 ] Und unser Wille erst! Ja, was haben wir denn von irgend etwas, von dem wir sagen: Jetzt will ich das! — im Bewußtsein? Wenn ich irgend etwas angreifen will, dann habe ich ja zuerst die Vorstellung: ich will das angreifen; dann geht diese Vorstellung ganz ins Unbestimmte hinunter, und ich weiß im gewöhnlichen Bewußtsein nichts darüber, wie in meine Nerven, in meine Muskeln, in meine Knochen selbst das hineingeht, was in dem «ich will» liegt. Wenn ich mir vorstelle: Ich will die Uhr ergreifen! — was weiß ich im gewöhnlichen Bewußtsein, wie das herankommt an meinen Arm und mein Arm dann dies erfaßt? Ich sehe erst wieder durch einen Sinneseindruck, durch eine Vorstellung, was da geschieht. Was zwischen diesen beiden Eindrücken liegt, das verschlafe ich bei gewöhnlichem Bewußtsein geradeso, wie ich in der Nacht dasjenige verschlafe, was ich in der geistigen Welt erlebe. Es kommt mir nicht zum Bewußtsein, nicht das eine und nicht das andere. So daß wir sagen können: Im wachen Leben haben wir eigentlich drei voneinander ganz verschiedene Bewußtseinszustände. Im Denken sind wir wach, richtig wach, im Fühlen träumen wir und im Wollen schlafen wir. Das eigentliche Wesen des Wollens verschlafen wir immer, denn das ruht ganz tief im Unterbewußtsein unten.
[ 2 ] Und unser Wille erst! Ja, was haben wir denn von irgend etwas, von dem wir sagen: Jetzt will ich das! — im Bewußtsein? Wenn ich irgend etwas angreifen will, dann habe ich ja zuerst die Vorstellung: ich will das angreifen; dann geht diese Vorstellung ganz ins Unbestimmte hinunter, und ich weiß im gewöhnlichen Bewußtsein nichts darüber, wie in meine Nerven, in meine Muskeln, in meine Knochen selbst das hineingeht, was in dem «ich will» liegt. Wenn ich mir vorstelle: Ich will die Uhr ergreifen! — was weiß ich im gewöhnlichen Bewußtsein, wie das herankommt an meinen Arm und mein Arm dann dies erfaßt? Ich sehe erst wieder durch einen Sinneseindruck, durch eine Vorstellung, was da geschieht. Was zwischen diesen beiden Eindrücken liegt, das verschlafe ich bei gewöhnlichem Bewußtsein geradeso, wie ich in der Nacht dasjenige verschlafe, was ich in der geistigen Welt erlebe. Es kommt mir nicht zum Bewußtsein, nicht das eine und nicht das andere. So daß wir sagen können: Im wachen Leben haben wir eigentlich drei voneinander ganz verschiedene Bewußtseinszustände. Im Denken sind wir wach, richtig wach, im Fühlen träumen wir und im Wollen schlafen wir. Das eigentliche Wesen des Wollens verschlafen wir immer, denn das ruht ganz tief im Unterbewußtsein unten.
[ 3 ] Nun gibt es allerdings etwas, was auch beim Wachen aus den Tiefen unserer Seele immer und immer wieder heraufkommt: das ist die Erinnerung. Wir haben Gedanken an das Gegenwärtige. Dieses Gegenwärtige macht einen bestimmten Eindruck auf uns. Aber in dieses Gegenwärtige tönt fortwährend hinein das in diesem Erdenleben Vergangene in der Form von Gedanken und Erinnerungen, von erinnerten Gedanken. Diese erinnerten Gedanken, Sie wissen ja, sie sind viel blasser, viel unbestimmter als die Eindrücke der Gegenwart. Aber sie kommen eben herauf, sie mischen sich hinein in dasjenige, was unser gewöhnliches Tagesleben ist. Und wenn wir die Erinnerung so walten lassen an alles dasjenige, was wir durchgemacht haben im Leben, dann sehen wir ja an diesem Walten der Erinnerung: es kommt unser Seelenleben, wie es in uns enthalten ist, wiederum herauf. Wir fühlen, wir sind in diesem Erdenleben in Wahrheit eigentlich dasjenige, an das wir uns erinnern können. Sie müssen sich nur vorstellen, was aus einem Menschen wird, wenn er sich an irgendeine Zeitepoche seines Lebens nicht erinnern kann, wenn die Erinnerung für eine Zeitepoche ausfällt. Man kann solche Menschen kennenlernen. Ich will ein einziges Beispiel anführen. Ein Mensch in einer verhältnismäßig recht angesehenen Stellung hatte zunächst, solange er sein normales Leben führte, die Erinnerung an alles dasjenige, was da war, die Erinnerung an das, was er getrieben hat, während er als Kind erzogen worden ist, die Erinnerung an alles das, was er erlebt hat in seiner Studienzeit, was er dann alles erlebt hat in seinem Berufe. Aber siche da, eines Tages erlöscht in ihm die Erinnerung. Er weiß nicht mehr, wer er war. Das Eigentümliche — ich erzähle Ihnen eine Wirklichkeit —, das Eigentümliche ist: es erlöscht in ihm nicht der Verstand, nicht das Vorstellen des Gegenwärtigen, aber die Erinnerung erlöscht. Er weiß nichts mehr von dem, was er als Knabe, als Jüngling, als Mann war, er kann sich nur dasjenige vorstellen, was gegenwärtig einen Eindruck auf ihn macht. Und weil er nicht weiß, was er als Knabe, als Jüngling, als Mann war, so kann er auch das gegenwärtige Leben nicht an sein vergangenes anknüpfen; das geht für ihn nicht in diesem Augenblicke, wo die Erinnerung verblaßt.
[ 3 ] Nun gibt es allerdings etwas, was auch beim Wachen aus den Tiefen unserer Seele immer und immer wieder heraufkommt: das ist die Erinnerung. Wir haben Gedanken an das Gegenwärtige. Dieses Gegenwärtige macht einen bestimmten Eindruck auf uns. Aber in dieses Gegenwärtige tönt fortwährend hinein das in diesem Erdenleben Vergangene in der Form von Gedanken und Erinnerungen, von erinnerten Gedanken. Diese erinnerten Gedanken, Sie wissen ja, sie sind viel blasser, viel unbestimmter als die Eindrücke der Gegenwart. Aber sie kommen eben herauf, sie mischen sich hinein in dasjenige, was unser gewöhnliches Tagesleben ist. Und wenn wir die Erinnerung so walten lassen an alles dasjenige, was wir durchgemacht haben im Leben, dann sehen wir ja an diesem Walten der Erinnerung: es kommt unser Seelenleben, wie es in uns enthalten ist, wiederum herauf. Wir fühlen, wir sind in diesem Erdenleben in Wahrheit eigentlich dasjenige, an das wir uns erinnern können. Sie müssen sich nur vorstellen, was aus einem Menschen wird, wenn er sich an irgendeine Zeitepoche seines Lebens nicht erinnern kann, wenn die Erinnerung für eine Zeitepoche ausfällt. Man kann solche Menschen kennenlernen. Ich will ein einziges Beispiel anführen. Ein Mensch in einer verhältnismäßig recht angesehenen Stellung hatte zunächst, solange er sein normales Leben führte, die Erinnerung an alles dasjenige, was da war, die Erinnerung an das, was er getrieben hat, während er als Kind erzogen worden ist, die Erinnerung an alles das, was er erlebt hat in seiner Studienzeit, was er dann alles erlebt hat in seinem Berufe. Aber siche da, eines Tages erlöscht in ihm die Erinnerung. Er weiß nicht mehr, wer er war. Das Eigentümliche — ich erzähle Ihnen eine Wirklichkeit —, das Eigentümliche ist: es erlöscht in ihm nicht der Verstand, nicht das Vorstellen des Gegenwärtigen, aber die Erinnerung erlöscht. Er weiß nichts mehr von dem, was er als Knabe, als Jüngling, als Mann war, er kann sich nur dasjenige vorstellen, was gegenwärtig einen Eindruck auf ihn macht. Und weil er nicht weiß, was er als Knabe, als Jüngling, als Mann war, so kann er auch das gegenwärtige Leben nicht an sein vergangenes anknüpfen; das geht für ihn nicht in diesem Augenblicke, wo die Erinnerung verblaßt.
[ 4 ] Gerade wenn man solch einen Fall ins Auge faßt, so ersieht man so leicht, warum man in irgendeinem Zeitpunkte etwas tut. Nicht etwa deshalb, weil einen die Gegenwart dazu drängt, sondern weil man dies und jenes in der zunächst irdischen Vergangenheit erlebt hat. Was glauben Sie, was Sie alles tun oder nicht tun würden, wenn Sie es nicht aus der Erinnerung heraus täten! Viel mehr als man glaubt ist der Mensch von dieser Erinnerung abhängig. Aber dieser Mann hatte eben eines Tages das Unglück, daß die Erinnerung erlosch, und jetzt richtete er sich nur nach dem, was ihm seine Impulse für die Gegenwart eingaben, nicht nach dem, was ihm die Erinnerung eingab. Er zog sich an, verließ seine Familie, denn mit seiner Familie war er auch nur durch die Erinnerung zusammen, die erlosch. Es kamen in ihm Impulse, die gar nichts zu tun hatten mit den Erinnerungen an seine Familie. Er hatte seinen gegenwärtigen Verstand; deshalb suchte er sich einen Augenblick heraus — weil es unverständig gewesen wäre, das alles zu machen, wenn die anderen da gewesen wären —, einen Augenblick, wo die gerade nicht da waren. Ganz schlau und verständig war er unter ihnen, nur hatte er keine Erinnerung. Er zog sich an, ging zur Eisenbahn, nahm sich ein Billett nach einer sehr fernen Eisenbahnstation. Das, was man ausdenken kann, das war ihm durchaus klar. Er stieg ein und fuhr fort. Aber immer erlosch die Erinnerung an dasjenige, was er erlebt hatte, erlosch ihm selbst die Erinnerung an das Eisenbahnbillett-Nehmen. Immer nur war die Gegenwart da, die Erinnerung war krankhafterweise ausgelöscht. Aber wiederum, er war so der Gegenwart hingegeben, daß er auch an der Endstation wußte: Jetzt ist er da; er konnte das vergleichen mit dem Kursbuch. Dasjenige, was schon in die Gewohnheit übergegangen war, was nicht mehr Erinnerung war, das Lesenkönnen, das war wieder geblieben; nur die Erinnerung war ausgelöscht. Er stieg aus. Für den nächsten Zug nahm er sich ein weiteres Billett nach einer weiteren Station. Und so fuhr er, ohne daß er es eigentlich selber gewesen ist, in der Welt herum. Und eines Tages kam ihm wiederum die ausgelöschte Erinnerung zurück; nur von dem, was er vom Lösen des ersten Bahnbilletts an gemacht hatte, davon wußte er nichts. Eines Tages kam die Erinnerung zurück. Da war er angelangt in einem Berliner Asyl für Obdachlose. Da fand er sich wieder. Da war nur ausgelöscht alles dasjenige, was in der Eisenbahn und an den Orten geschehen war, wo er gewesen war; das gehörte nicht der Gegenwart an. Nun denken Sie sich, wie ein Mensch da in Verwirrung kommt, wie ein Mensch da unsicher wird an sich selber! Schließen Sie daraus, wie eng verbunden dasjenige, was wir unser Ich nennen, mit dem Schatze unserer Erinnerung ist. Wir erkennen uns einfach selber nicht wieder, wenn wir den Schatz unserer Erinnerungen nicht haben.
[ 4 ] Gerade wenn man solch einen Fall ins Auge faßt, so ersieht man so leicht, warum man in irgendeinem Zeitpunkte etwas tut. Nicht etwa deshalb, weil einen die Gegenwart dazu drängt, sondern weil man dies und jenes in der zunächst irdischen Vergangenheit erlebt hat. Was glauben Sie, was Sie alles tun oder nicht tun würden, wenn Sie es nicht aus der Erinnerung heraus täten! Viel mehr als man glaubt ist der Mensch von dieser Erinnerung abhängig. Aber dieser Mann hatte eben eines Tages das Unglück, daß die Erinnerung erlosch, und jetzt richtete er sich nur nach dem, was ihm seine Impulse für die Gegenwart eingaben, nicht nach dem, was ihm die Erinnerung eingab. Er zog sich an, verließ seine Familie, denn mit seiner Familie war er auch nur durch die Erinnerung zusammen, die erlosch. Es kamen in ihm Impulse, die gar nichts zu tun hatten mit den Erinnerungen an seine Familie. Er hatte seinen gegenwärtigen Verstand; deshalb suchte er sich einen Augenblick heraus — weil es unverständig gewesen wäre, das alles zu machen, wenn die anderen da gewesen wären —, einen Augenblick, wo die gerade nicht da waren. Ganz schlau und verständig war er unter ihnen, nur hatte er keine Erinnerung. Er zog sich an, ging zur Eisenbahn, nahm sich ein Billett nach einer sehr fernen Eisenbahnstation. Das, was man ausdenken kann, das war ihm durchaus klar. Er stieg ein und fuhr fort. Aber immer erlosch die Erinnerung an dasjenige, was er erlebt hatte, erlosch ihm selbst die Erinnerung an das Eisenbahnbillett-Nehmen. Immer nur war die Gegenwart da, die Erinnerung war krankhafterweise ausgelöscht. Aber wiederum, er war so der Gegenwart hingegeben, daß er auch an der Endstation wußte: Jetzt ist er da; er konnte das vergleichen mit dem Kursbuch. Dasjenige, was schon in die Gewohnheit übergegangen war, was nicht mehr Erinnerung war, das Lesenkönnen, das war wieder geblieben; nur die Erinnerung war ausgelöscht. Er stieg aus. Für den nächsten Zug nahm er sich ein weiteres Billett nach einer weiteren Station. Und so fuhr er, ohne daß er es eigentlich selber gewesen ist, in der Welt herum. Und eines Tages kam ihm wiederum die ausgelöschte Erinnerung zurück; nur von dem, was er vom Lösen des ersten Bahnbilletts an gemacht hatte, davon wußte er nichts. Eines Tages kam die Erinnerung zurück. Da war er angelangt in einem Berliner Asyl für Obdachlose. Da fand er sich wieder. Da war nur ausgelöscht alles dasjenige, was in der Eisenbahn und an den Orten geschehen war, wo er gewesen war; das gehörte nicht der Gegenwart an. Nun denken Sie sich, wie ein Mensch da in Verwirrung kommt, wie ein Mensch da unsicher wird an sich selber! Schließen Sie daraus, wie eng verbunden dasjenige, was wir unser Ich nennen, mit dem Schatze unserer Erinnerung ist. Wir erkennen uns einfach selber nicht wieder, wenn wir den Schatz unserer Erinnerungen nicht haben.
[ 5 ] Nun, wie sind die Erinnerungen in uns? Sie sind seelisch. Seelisch sind diese Erinnerungen in uns; aber sie sind allerdings im gesamten Menschen nicht bloß seelisch, sondern sie sind auch noch auf eine andere Art da. Sie sind eigentlich bloß seelisch nur bei dem Menschen, der so das einundzwanzigste, zweiundzwanzigste Jahr erreicht hat und dann weiterlebt. Vorher wirken die Erinnerungen nicht bloß seelisch. Wir müssen uns durchaus stark bewußt sein dessen, was ich in diesen Tagen gesagt habe: daß wir eigentlich in den ersten sieben Jahren unseres Erdendaseins unsere substantielle physische Körperlichkeit von den Eltern ererbt haben. Es werden im Zahnwechsel dann ja nicht nur die ersten, die Milchzähne abgestoßen, sondern das ist nur der letzte Akt des Abstoßens; abgestoßen wird der gesamte erste Körper. Den zweiten Körper, den wir bis zur Geschlechtsreife haben, den bauen wir uns schon aus unserem Geistig-Seelischen auf, wie wir es mitgebracht haben, wenn wir heruntergestiegen sind aus der geistigen Welt zum physisch-irdischen Dasein. Aber wir haben ja eine ganze Menge an Eindrücken der Umgebung aufgenommen von der Geburt bis zum Zahnwechsel. Wir waren hingegeben an all das, was eingeflossen ist in uns dadurch, daß wir die Sprache gelernt haben. Denken Sie, welch ungeheuer Großartiges das ist, was da in uns einfließt mit der Sprache! Wer das unbefangen beobachtet, wird dem Jean Paul sicher recht geben, der da gesagt hat, er sei sich dessen ganz klar bewußt, daß er in den ersten drei Lebensjahren mehr gelernt hat als in den drei akademischen. Was das eigentlich bedeutet, das kann man sich ganz klar machen. Denn wenn auch jetzt die akademischen Jahre auf fünf, sechs erhöht sind — vermutlich nicht, weil man zu viel darin lernt, sondern weil man zu wenig darinnen lernt —, man lernt doch noch immer nur eine ganz verschwindende Kleinigkeit gegenüber dem, was man für das Menschliche in den ersten drei Lebensjahren in sich aufgenommen hat und in den Lebensjahren, die auf die ersten drei folgen bis zum Zahnwechsel. Das bleibt von einem gewissen Zeitpunkte an in einer Art unbestimmter Erinnerung. Aber denken Sie sich nur, wie verblaßt und unbestimmt diese Erinnerungen an die ersten sieben Jahre unseres Lebens gegenüber dem, was später ist, sind! Versuchen Sie nur einmal zu vergleichen: Manchmal sind es wie erratische Blöcke der Erinnerung, was da heraufkommt, aber sehr zusammenhängend ist das nicht. Warum denn nicht? Ja, dasjenige, was Sie aufnehmen in den ersten sieben Jahren, das hat noch etwas ganz anderes zu tun als das später Aufgenommene. Was Sie in den ersten sieben Lebensjahren aufnehmen, das arbeitet intensiv an der plastischen Ausgestaltung Ihres Gehirnes; das geht in Ihren Organismus hinein. Und es ist ein großer Unterschied zwischen dem verhältnismäßig unausgebildeten Gehirn, das wir besitzen, wenn wir ins Erdendasein eintreten, und dem schön ausgearbeiteten, das wir haben, wenn wir durch den Zahnwechsel gehen. Und vom Gehirn geht das in den ganzen übrigen Körper hinein. Es ist in der Tat etwas Großartiges, wie dieser innere Künstler, den wir da herunterbringen aus dem vorirdischen Dasein zu unserem physischen Körper hinzu, arbeitet in den ersten sieben Lebensjahren. Sehen Sie, wenn wir jetzt anfangen lesen zu lernen nicht bloß in bezug auf das, was in ein Kind einzieht, buchstabieren können —, so ist das ein wunderbares Phänomen, wie in ein Kind einzieht von dem ersten kindlichen Tage, wo alles so unbestimmt ist, der Gesichtsausdruck, der Blick, die Gesichtsgesten, die Bewegung der Arme und so weiter. Wenn wir sehen, wie da hineinkommt dasjenige, was das Kind an Eindrücken aufnimmt, wie das großartig sich durchgeistigt, was das Kind ist, so gehört es ja zum Größten, was man beobachten kann, dieses Sich-Durchgeistigen des Kindes in den ersten sieben Lebensjahren. Wenn wir dieses Werden der kindlichen Physiognomie oder der kindlichen Geste von der Geburt bis zum Zahnwechsel so lesend beobachten, daß wir es entziffern, wie wir irgend etwas in einem Buche aus den Buchstaben entziffern, wenn wir die aufeinanderfolgenden Formen der Geste, des Gesichtes so zu verbinden wissen, wie wir verbinden können die Buchstaben eines Wortes, daß wir das Wort lesen können, dann schauen wir auf das arbeitende Gehirn, das aber wiederum angeregt ist in seiner Arbeit durch die Eindrücke, die sich nur zu spärlichen Erinnerungen ausbilden, weil da plastisch an dem Gehirn und damit an der Physiognomie gearbeitet werden muß.
[ 5 ] Nun, wie sind die Erinnerungen in uns? Sie sind seelisch. Seelisch sind diese Erinnerungen in uns; aber sie sind allerdings im gesamten Menschen nicht bloß seelisch, sondern sie sind auch noch auf eine andere Art da. Sie sind eigentlich bloß seelisch nur bei dem Menschen, der so das einundzwanzigste, zweiundzwanzigste Jahr erreicht hat und dann weiterlebt. Vorher wirken die Erinnerungen nicht bloß seelisch. Wir müssen uns durchaus stark bewußt sein dessen, was ich in diesen Tagen gesagt habe: daß wir eigentlich in den ersten sieben Jahren unseres Erdendaseins unsere substantielle physische Körperlichkeit von den Eltern ererbt haben. Es werden im Zahnwechsel dann ja nicht nur die ersten, die Milchzähne abgestoßen, sondern das ist nur der letzte Akt des Abstoßens; abgestoßen wird der gesamte erste Körper. Den zweiten Körper, den wir bis zur Geschlechtsreife haben, den bauen wir uns schon aus unserem Geistig-Seelischen auf, wie wir es mitgebracht haben, wenn wir heruntergestiegen sind aus der geistigen Welt zum physisch-irdischen Dasein. Aber wir haben ja eine ganze Menge an Eindrücken der Umgebung aufgenommen von der Geburt bis zum Zahnwechsel. Wir waren hingegeben an all das, was eingeflossen ist in uns dadurch, daß wir die Sprache gelernt haben. Denken Sie, welch ungeheuer Großartiges das ist, was da in uns einfließt mit der Sprache! Wer das unbefangen beobachtet, wird dem Jean Paul sicher recht geben, der da gesagt hat, er sei sich dessen ganz klar bewußt, daß er in den ersten drei Lebensjahren mehr gelernt hat als in den drei akademischen. Was das eigentlich bedeutet, das kann man sich ganz klar machen. Denn wenn auch jetzt die akademischen Jahre auf fünf, sechs erhöht sind — vermutlich nicht, weil man zu viel darin lernt, sondern weil man zu wenig darinnen lernt —, man lernt doch noch immer nur eine ganz verschwindende Kleinigkeit gegenüber dem, was man für das Menschliche in den ersten drei Lebensjahren in sich aufgenommen hat und in den Lebensjahren, die auf die ersten drei folgen bis zum Zahnwechsel. Das bleibt von einem gewissen Zeitpunkte an in einer Art unbestimmter Erinnerung. Aber denken Sie sich nur, wie verblaßt und unbestimmt diese Erinnerungen an die ersten sieben Jahre unseres Lebens gegenüber dem, was später ist, sind! Versuchen Sie nur einmal zu vergleichen: Manchmal sind es wie erratische Blöcke der Erinnerung, was da heraufkommt, aber sehr zusammenhängend ist das nicht. Warum denn nicht? Ja, dasjenige, was Sie aufnehmen in den ersten sieben Jahren, das hat noch etwas ganz anderes zu tun als das später Aufgenommene. Was Sie in den ersten sieben Lebensjahren aufnehmen, das arbeitet intensiv an der plastischen Ausgestaltung Ihres Gehirnes; das geht in Ihren Organismus hinein. Und es ist ein großer Unterschied zwischen dem verhältnismäßig unausgebildeten Gehirn, das wir besitzen, wenn wir ins Erdendasein eintreten, und dem schön ausgearbeiteten, das wir haben, wenn wir durch den Zahnwechsel gehen. Und vom Gehirn geht das in den ganzen übrigen Körper hinein. Es ist in der Tat etwas Großartiges, wie dieser innere Künstler, den wir da herunterbringen aus dem vorirdischen Dasein zu unserem physischen Körper hinzu, arbeitet in den ersten sieben Lebensjahren. Sehen Sie, wenn wir jetzt anfangen lesen zu lernen nicht bloß in bezug auf das, was in ein Kind einzieht, buchstabieren können —, so ist das ein wunderbares Phänomen, wie in ein Kind einzieht von dem ersten kindlichen Tage, wo alles so unbestimmt ist, der Gesichtsausdruck, der Blick, die Gesichtsgesten, die Bewegung der Arme und so weiter. Wenn wir sehen, wie da hineinkommt dasjenige, was das Kind an Eindrücken aufnimmt, wie das großartig sich durchgeistigt, was das Kind ist, so gehört es ja zum Größten, was man beobachten kann, dieses Sich-Durchgeistigen des Kindes in den ersten sieben Lebensjahren. Wenn wir dieses Werden der kindlichen Physiognomie oder der kindlichen Geste von der Geburt bis zum Zahnwechsel so lesend beobachten, daß wir es entziffern, wie wir irgend etwas in einem Buche aus den Buchstaben entziffern, wenn wir die aufeinanderfolgenden Formen der Geste, des Gesichtes so zu verbinden wissen, wie wir verbinden können die Buchstaben eines Wortes, daß wir das Wort lesen können, dann schauen wir auf das arbeitende Gehirn, das aber wiederum angeregt ist in seiner Arbeit durch die Eindrücke, die sich nur zu spärlichen Erinnerungen ausbilden, weil da plastisch an dem Gehirn und damit an der Physiognomie gearbeitet werden muß.
[ 6 ] Und wenn nun das Leben weitergeht vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsteife, dann verbirgt sich mehr oder weniger dasjenige, was da arbeitet am Menschen. Es wird noch immer gearbeitet, es wird, wie gesagt, bis zum Anfang des einundzwanzigsten Jahres an der Ausprägung, an der Ausbildung, an der Plastizierung des Organismus gearbeitet; aber vom siebenten Jahre an wird eben weniger am Körperlichen des Menschen gearbeitet als vorher, und von der Geschlechtsreife bis zum Anfang des einundzwanzigsten Jahres wird noch weniger gearbeitet. Dafür aber kann etwas anderes kommen. Man kann, wenn man in seinem Gemüte überhaupt einen Sinn hat für solche Menschenbeobachtungen und diesen Sinn heranreifen läßt an dieser wunderbaren Erscheinung, wie die Physiognomie des Kindes sich enthüllt Monat für Monat, Jahr für Jahr, namentlich wenn man einen Blick hat für dasjenige, was in den Gesten des Kindes sich enthüllt, wie aus dem Zappeln das wunderbar durchgeistigte Bewegen der Glieder hervorgeht, — wenn man also ein feines Anschauen für alles das entwickelt, dann kann man diese Anschauung vertiefen, und man bekommt im Innern gewissermaßen einen feineren seelischen Sinnesorganismus. Man hat dann die Möglichkeit, bei einem Kinde, das zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife sich entwickelt, das nicht mehr in so schroffer Weise seine Physiognomie und seine Gesten entwickelt, sondern in einer noch verhüllteren Form diese Entwickelung zeigt —, man hat dann die Möglichkeit, wenn man dem Kinde gegenübertritt, durch ein inneres Gefühl, das so sicher wirkt wie ein seelisches Auge, zu sehen, wie es nun weiter in einer geheimeren Weise seinen Körper ausbildet. Und an dieser Körperausbildung zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre, wenn man sich einen intimen Blick dafür aneignet, läßt sich entwickeln der Sinn für das Hineinschauen in das Leben vor dem Erdendasein, das man zugebracht hat zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, bevor man heruntergestiegen ist zu diesem Erdendasein.
[ 6 ] Und wenn nun das Leben weitergeht vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsteife, dann verbirgt sich mehr oder weniger dasjenige, was da arbeitet am Menschen. Es wird noch immer gearbeitet, es wird, wie gesagt, bis zum Anfang des einundzwanzigsten Jahres an der Ausprägung, an der Ausbildung, an der Plastizierung des Organismus gearbeitet; aber vom siebenten Jahre an wird eben weniger am Körperlichen des Menschen gearbeitet als vorher, und von der Geschlechtsreife bis zum Anfang des einundzwanzigsten Jahres wird noch weniger gearbeitet. Dafür aber kann etwas anderes kommen. Man kann, wenn man in seinem Gemüte überhaupt einen Sinn hat für solche Menschenbeobachtungen und diesen Sinn heranreifen läßt an dieser wunderbaren Erscheinung, wie die Physiognomie des Kindes sich enthüllt Monat für Monat, Jahr für Jahr, namentlich wenn man einen Blick hat für dasjenige, was in den Gesten des Kindes sich enthüllt, wie aus dem Zappeln das wunderbar durchgeistigte Bewegen der Glieder hervorgeht, — wenn man also ein feines Anschauen für alles das entwickelt, dann kann man diese Anschauung vertiefen, und man bekommt im Innern gewissermaßen einen feineren seelischen Sinnesorganismus. Man hat dann die Möglichkeit, bei einem Kinde, das zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife sich entwickelt, das nicht mehr in so schroffer Weise seine Physiognomie und seine Gesten entwickelt, sondern in einer noch verhüllteren Form diese Entwickelung zeigt —, man hat dann die Möglichkeit, wenn man dem Kinde gegenübertritt, durch ein inneres Gefühl, das so sicher wirkt wie ein seelisches Auge, zu sehen, wie es nun weiter in einer geheimeren Weise seinen Körper ausbildet. Und an dieser Körperausbildung zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre, wenn man sich einen intimen Blick dafür aneignet, läßt sich entwickeln der Sinn für das Hineinschauen in das Leben vor dem Erdendasein, das man zugebracht hat zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, bevor man heruntergestiegen ist zu diesem Erdendasein.
[ 7 ] Sehen Sie, zu solchen Dingen müssen wir es wieder bringen. Wir müssen es dazu bringen, daß wir sagen können gegenüber dem Kinde in seinen ersten sieben Lebensjahren: Du Mensch, um dich herum ist nicht bloß die Natur, die sich in Sinnesoffenbarungen enthüllt. In alledem, was sich da den Sinneswahrnehmungen offenbart, in Farbe, in Formen, in alledem lebt der Geist. — Aber es ist wunderbar, in allem den Geist sprechend zu schauen, und dann ihn wie im Spiegelbild reflektiert wahrzunehmen in der Art und Weise, wie sich in einem Kinde immer geistiger und geistiger seine Physiognomie gestaltet. Wenn man das mit rechter innerlicher Vertiefung durchmacht und mit einer gewissen Andacht gegenüber dem Leben immer wieder in der Seele regsam machen kann, dann wird es einem, aus dieser Andacht gegenüber dem Leben, an dem Kinde zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre aufgehen, wie in den Menschen hineinwirkt, wenn er hier auf der Erde ist, sein vorirdisches Dasein zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und man wird seelisch erfühlen diese äußere körperliche Entwickelung des Menschen, fühlen, daß darinnen jetzt nicht mehr waltet dasjenige, was in der irdischen Umgebung ist, sondern daß jetzt waltet in der Bildung des Menschen der zweite physische Organismus, den wir uns selber gestalten nur nach dem Modell des ersten. Das kann etwas sehr Großes sein im Leben. Und das wird die Menschheit lernen müssen: den Menschen selber anzuschauen. Dann wird das Leben jene Vertiefung erfahren, ohne welche der weitere Fortschritt der Zivilisation einfach nicht mehr möglich ist. Denn sehen Sie, unsere Zivilisation ist ja ganz abstrakt geworden, total abstrakt geworden! Wir können in unserem gewöhnlichen Bewußtsein überhaupt nur mehr denken, und nur eigentlich dasjenige denken, was uns eingepfropft wird. Auf solche Feinheiten der Anschauung kommen wir ja gar nicht mehr, wie ich sie jetzt beschrieben habe. Daher gehen ja die Menschen heute aneinander vorbei. Der Mensch lernt manches über Tiere, Pflanzen, Mineralien, aber über die Feinheiten der menschlichen Entwickelung lernt er gar nichts. Dieses ganze Seelenleben muß mehr intim werden, muß innerlich feiner, zarter werden, dann werden wir wieder etwas sehen von diesem Leben. Und dann, dann werden wir aus der menschlichen Entwickelung selber heraus hinschauen auf das vorirdische Leben.
[ 7 ] Sehen Sie, zu solchen Dingen müssen wir es wieder bringen. Wir müssen es dazu bringen, daß wir sagen können gegenüber dem Kinde in seinen ersten sieben Lebensjahren: Du Mensch, um dich herum ist nicht bloß die Natur, die sich in Sinnesoffenbarungen enthüllt. In alledem, was sich da den Sinneswahrnehmungen offenbart, in Farbe, in Formen, in alledem lebt der Geist. — Aber es ist wunderbar, in allem den Geist sprechend zu schauen, und dann ihn wie im Spiegelbild reflektiert wahrzunehmen in der Art und Weise, wie sich in einem Kinde immer geistiger und geistiger seine Physiognomie gestaltet. Wenn man das mit rechter innerlicher Vertiefung durchmacht und mit einer gewissen Andacht gegenüber dem Leben immer wieder in der Seele regsam machen kann, dann wird es einem, aus dieser Andacht gegenüber dem Leben, an dem Kinde zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre aufgehen, wie in den Menschen hineinwirkt, wenn er hier auf der Erde ist, sein vorirdisches Dasein zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und man wird seelisch erfühlen diese äußere körperliche Entwickelung des Menschen, fühlen, daß darinnen jetzt nicht mehr waltet dasjenige, was in der irdischen Umgebung ist, sondern daß jetzt waltet in der Bildung des Menschen der zweite physische Organismus, den wir uns selber gestalten nur nach dem Modell des ersten. Das kann etwas sehr Großes sein im Leben. Und das wird die Menschheit lernen müssen: den Menschen selber anzuschauen. Dann wird das Leben jene Vertiefung erfahren, ohne welche der weitere Fortschritt der Zivilisation einfach nicht mehr möglich ist. Denn sehen Sie, unsere Zivilisation ist ja ganz abstrakt geworden, total abstrakt geworden! Wir können in unserem gewöhnlichen Bewußtsein überhaupt nur mehr denken, und nur eigentlich dasjenige denken, was uns eingepfropft wird. Auf solche Feinheiten der Anschauung kommen wir ja gar nicht mehr, wie ich sie jetzt beschrieben habe. Daher gehen ja die Menschen heute aneinander vorbei. Der Mensch lernt manches über Tiere, Pflanzen, Mineralien, aber über die Feinheiten der menschlichen Entwickelung lernt er gar nichts. Dieses ganze Seelenleben muß mehr intim werden, muß innerlich feiner, zarter werden, dann werden wir wieder etwas sehen von diesem Leben. Und dann, dann werden wir aus der menschlichen Entwickelung selber heraus hinschauen auf das vorirdische Leben.
[ 8 ] Und dann kommt dasjenige, was an die Geschlechtsreife sich anschließt, es kommen die Jahre zwischen der Geschlechtsreife und dem einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahre. Ja, was offenbart uns da der Mensch alles? Er offenbart uns für das gewöhnliche Bewußtsein eine ganze Umwandlung seines Lebens gegenüber früher, aber eigentlich auf eine grobe Art. Wir sprechen von Flegeljahren, Rüpeljahren, und deuten damit an, daß wir uns bewußt sind: eine Umänderung des Lebens geht vor sich. Der Mensch stellt mehr sein Inneres heraus. Aber wenn wir uns für die zwei ersten Lebensepochen ein feineres Empfinden aneignen, so wird dasjenige,was da der Mensch nach der Geschlechtsreife herausstellt, wie ein zweiter Mensch erscheinen, wirklich wie ein zweiter Mensch erscheinen. Es wird dann schon durch den physischen Menschen, wie er vor uns steht, sichtbar; und was in die Rüpeleien, aber auch in manches Schöne hineinschießt, das erscheint wie ein zweiter, ein wolkenartiger Mensch im Menschen. Wir brauchen dieses Anschauen jenes zweiten, wolkenartigen Menschen im Menschen. Es ist heute überall die Frage nach diesem zweiten Menschen. Aber unsere Zivilisation gibt darauf keine Antwort.
[ 8 ] Und dann kommt dasjenige, was an die Geschlechtsreife sich anschließt, es kommen die Jahre zwischen der Geschlechtsreife und dem einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahre. Ja, was offenbart uns da der Mensch alles? Er offenbart uns für das gewöhnliche Bewußtsein eine ganze Umwandlung seines Lebens gegenüber früher, aber eigentlich auf eine grobe Art. Wir sprechen von Flegeljahren, Rüpeljahren, und deuten damit an, daß wir uns bewußt sind: eine Umänderung des Lebens geht vor sich. Der Mensch stellt mehr sein Inneres heraus. Aber wenn wir uns für die zwei ersten Lebensepochen ein feineres Empfinden aneignen, so wird dasjenige,was da der Mensch nach der Geschlechtsreife herausstellt, wie ein zweiter Mensch erscheinen, wirklich wie ein zweiter Mensch erscheinen. Es wird dann schon durch den physischen Menschen, wie er vor uns steht, sichtbar; und was in die Rüpeleien, aber auch in manches Schöne hineinschießt, das erscheint wie ein zweiter, ein wolkenartiger Mensch im Menschen. Wir brauchen dieses Anschauen jenes zweiten, wolkenartigen Menschen im Menschen. Es ist heute überall die Frage nach diesem zweiten Menschen. Aber unsere Zivilisation gibt darauf keine Antwort.
[ 9 ] Es ist außerordentlich viel vorgegangen in der geistig-physischen Entwickelung der Erde mit der Wende des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Das haben schon die alten Orientalen geahnt, indem sie gesprochen haben davon, daß das Kali Yuga, das finstere Zeitalter, mit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts schließt und ein lichtes Zeitalter beginnt. Das hat auch begonnen, nur weiß man es nicht, weil die Menschen mit ihrem Gemüte noch im neunzehnten Jahrhundert drinnenstehen und die Vorstellungen in ihren Herzen und ihren Seelen so träge fortrollen. Aber um uns herum ist schon helle, lichte Klarheit. Und wir brauchen nur hinzuhorchen auf dasjenige, was sich aus der geistigen Welt offenbaren will; wir können es vernehmen. Und weil das jugendliche Gemüt besonders empfänglich ist, tritt auch in den jugendlichen Gemütern mit der Jahrhundertwende eine unbestimmte Sehnsucht auf, den Menschen genauer kennenzulernen, den Menschen intimer anzuschauen. Wer um dieses Zeitalter geboren wurde, so um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts, fühlt ganz instinktiv: Man muß viel mehr wissen vom Menschen, als einem die Menschen sagen können. — Man lebt und man wächst so heran, und man fühlt instinktiv: Viel mehr muß man vom Menschen wissen, aber kein Mensch sagt einem dasjenige, wonach man verlangt. — Man sucht nach dem Menschen, man tut alles mögliche, um den Menschen zu suchen. Es wurde einem ganz unbehaglich bei denjenigen, die alt waren, wenn man Kind war oder junger Mensch, denn man wollte von diesen etwas wissen, und die wußten nichts über den Menschen. Denn die moderne Zivilisation kann nichts aussprechen, weiß nichts zu sagen über den menschlichen Geist. Man vergleicht das nur nicht mit früheren Zeitaltern. Die wußten aus voller Herzhaftigkeit sehr vieles den Jungen zu sagen über den Menschen. Als die realen Vorstellungen noch lebendig waren, da wußten die Alten noch sehr viel zu sagen; jetzt wußte man nichts zu sagen. Und so wollte man laufen und laufen, irgendwohin, um etwas zu erfahren über den Menschen. Man wurde ein Wandervogel, man wurde ein Pfadfinder; man lief weg von den Menschen, die einem nichts zu sagen hatten, wollte irgendwo etwas suchen, was einem über den Menschen etwas sagen kann.
[ 9 ] Es ist außerordentlich viel vorgegangen in der geistig-physischen Entwickelung der Erde mit der Wende des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Das haben schon die alten Orientalen geahnt, indem sie gesprochen haben davon, daß das Kali Yuga, das finstere Zeitalter, mit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts schließt und ein lichtes Zeitalter beginnt. Das hat auch begonnen, nur weiß man es nicht, weil die Menschen mit ihrem Gemüte noch im neunzehnten Jahrhundert drinnenstehen und die Vorstellungen in ihren Herzen und ihren Seelen so träge fortrollen. Aber um uns herum ist schon helle, lichte Klarheit. Und wir brauchen nur hinzuhorchen auf dasjenige, was sich aus der geistigen Welt offenbaren will; wir können es vernehmen. Und weil das jugendliche Gemüt besonders empfänglich ist, tritt auch in den jugendlichen Gemütern mit der Jahrhundertwende eine unbestimmte Sehnsucht auf, den Menschen genauer kennenzulernen, den Menschen intimer anzuschauen. Wer um dieses Zeitalter geboren wurde, so um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts, fühlt ganz instinktiv: Man muß viel mehr wissen vom Menschen, als einem die Menschen sagen können. — Man lebt und man wächst so heran, und man fühlt instinktiv: Viel mehr muß man vom Menschen wissen, aber kein Mensch sagt einem dasjenige, wonach man verlangt. — Man sucht nach dem Menschen, man tut alles mögliche, um den Menschen zu suchen. Es wurde einem ganz unbehaglich bei denjenigen, die alt waren, wenn man Kind war oder junger Mensch, denn man wollte von diesen etwas wissen, und die wußten nichts über den Menschen. Denn die moderne Zivilisation kann nichts aussprechen, weiß nichts zu sagen über den menschlichen Geist. Man vergleicht das nur nicht mit früheren Zeitaltern. Die wußten aus voller Herzhaftigkeit sehr vieles den Jungen zu sagen über den Menschen. Als die realen Vorstellungen noch lebendig waren, da wußten die Alten noch sehr viel zu sagen; jetzt wußte man nichts zu sagen. Und so wollte man laufen und laufen, irgendwohin, um etwas zu erfahren über den Menschen. Man wurde ein Wandervogel, man wurde ein Pfadfinder; man lief weg von den Menschen, die einem nichts zu sagen hatten, wollte irgendwo etwas suchen, was einem über den Menschen etwas sagen kann.
[ 10 ] Die Jugendbewegung des zwanzigsten Jahrhunderts, sie hat da ihren Ursprung. Was will denn eigentlich diese Jugendbewegung letzten Endes? Ja, sie will diesen wolkenartigen Menschen, der da hervortritt nach der Geschlechtsreife, der im Menschen lebt, diesen Menschen möchte sie erfassen! Die Jugend möchte so erzogen werden, daß sie diesen Menschen erfaßt. Aber wer ist dieser Mensch? Was stellt er eigentlich vor? Was tritt gewissermaßen aus diesem menschlichen Leib hervor, den man gesehen hat in seiner Physiognomie, in seinen Gesten sich heranbilden, bei dem man auch fühlen kann, wie im zweiten Lebensalter vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife sich das ausgestaltet, was vorirdisches Dasein hatte? Was kommt jetzt als etwas ganz Fremdes zum Vorschein, was schießt da aus dem Menschen heraus, wenn er jetzt nach der Geschlechtsreife seiner Freiheit sich bewußt wird, hingeht zu anderen Menschen, Zusammenschlüsse sucht aus einem inneren Impuls heraus, der den ihm unerklärlichen, den anderen unerklärlichen Zug, diesen ganz bestimmten Zug im Inneren des Menschen begründet hat? Was ist dieser Mensch, dieser zweite Mensch, der da erscheint? Er ist derjenige, der im vorigen Erdenleben gelebt hat und der schattenhaft sich jetzt in das gegenwärtige Erdenleben hineinstellt. Die Menschheit wird nach und nach Karma berücksichtigen lernen in dem, was in eigentümlicher Weise hereinschießt in das menschliche Leben um die Zeit der Geschlechtsreife herum. In dem Augenblicke des Lebens, wo der Mensch fähig wird, ein Menschenwesen seinesgleichen hervorzubringen, da tritt in ihm auch dasjenige an Impulsen auf, was er in früheren Erdenleben dargestellt hat. Aber mancherlei muß eben im menschlichen Gemüte hervorkommen, damit ein deutliches Erlebnis von dem, was ich jetzt Ihnen beschrieben habe, auftreten kann.
[ 10 ] Die Jugendbewegung des zwanzigsten Jahrhunderts, sie hat da ihren Ursprung. Was will denn eigentlich diese Jugendbewegung letzten Endes? Ja, sie will diesen wolkenartigen Menschen, der da hervortritt nach der Geschlechtsreife, der im Menschen lebt, diesen Menschen möchte sie erfassen! Die Jugend möchte so erzogen werden, daß sie diesen Menschen erfaßt. Aber wer ist dieser Mensch? Was stellt er eigentlich vor? Was tritt gewissermaßen aus diesem menschlichen Leib hervor, den man gesehen hat in seiner Physiognomie, in seinen Gesten sich heranbilden, bei dem man auch fühlen kann, wie im zweiten Lebensalter vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife sich das ausgestaltet, was vorirdisches Dasein hatte? Was kommt jetzt als etwas ganz Fremdes zum Vorschein, was schießt da aus dem Menschen heraus, wenn er jetzt nach der Geschlechtsreife seiner Freiheit sich bewußt wird, hingeht zu anderen Menschen, Zusammenschlüsse sucht aus einem inneren Impuls heraus, der den ihm unerklärlichen, den anderen unerklärlichen Zug, diesen ganz bestimmten Zug im Inneren des Menschen begründet hat? Was ist dieser Mensch, dieser zweite Mensch, der da erscheint? Er ist derjenige, der im vorigen Erdenleben gelebt hat und der schattenhaft sich jetzt in das gegenwärtige Erdenleben hineinstellt. Die Menschheit wird nach und nach Karma berücksichtigen lernen in dem, was in eigentümlicher Weise hereinschießt in das menschliche Leben um die Zeit der Geschlechtsreife herum. In dem Augenblicke des Lebens, wo der Mensch fähig wird, ein Menschenwesen seinesgleichen hervorzubringen, da tritt in ihm auch dasjenige an Impulsen auf, was er in früheren Erdenleben dargestellt hat. Aber mancherlei muß eben im menschlichen Gemüte hervorkommen, damit ein deutliches Erlebnis von dem, was ich jetzt Ihnen beschrieben habe, auftreten kann.
[ 11 ] Nehmen Sie den gewaltigen Unterschied, der für das gewöhnliche Bewußtsein besteht zwischen Selbstliebe und Liebe zu den anderen. Nun, schon ziemlich gut verstehen alle Menschen die Selbstliebe, denn sie haben sich ja alle so gern! Das ist ja gar nicht zu bezweifeln. Auch diejenigen, die meinen, sie hätten sich nicht gern, haben sich eben gern. Ganz wenige Menschen, und bei diesen muß man erst ihr Karma genau untersuchen, ganz wenige Menschen sind, die da sagen, sie haben sich nicht gern. Mit der Liebe zu anderen, da ist es schon etwas schwieriger. Die kann ganz gewiß sehr echt sein, aber dennoch ist das sehr häufig getrübt durch die Beimischung von Selbstliebe. Man hat den anderen gern, weil er einem dies oder jenes tut, weil er bei einem ist — aus vielen Gründen, die mit der Selbstliebe innig zusammenhängen. Aber man kann lernen im Leben selbstlose Liebe. Die gibt es schon auch. Man kann lernen, allmählich die Eigenliebe hinauszutreiben aus der Liebe. Dann lernt man eben das Aufgehen in dem anderen kennen, die wirkliche Hingabe an den anderen. Nun, sehen Sie, an dieser Hingabe an den anderen, an dieser selbstlosen Liebe kann man wieder heranziehen dasjenige Gefühl, das man für sich selber haben muß, wenn man die vorangehenden Erdenleben ahnen will. Denn nehmen Sie an, Sie sind ein Mensch, der geboren worden ist meinetwillen 1881; Sie leben bis jetzt, Sie waren früher einmal in einem Menschen, in einem Erdenleben, sagen wir 737 geboren, 799 gestorben dazumal. Jetzt geht der Mensch, die Persönlichkeit B herum im neunzehnten, zwanzigsten Jahrhundert; damals ging die Persönlichkeit, die Sie aber selber waren, herum im achten Jahrhundert. Beides ist verbunden durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber wenn Sie eine Ahnung haben wollen von dem gerade damals im achten Jahrhundert Herumgegangenen, so dürfen Sie sich nur so lieben, wie Sie einen anderen lieben. Denn der, welcher im achten Jahrhundert herumgegangen ist, der ist in Ihnen, der ist Ihnen aber in gleichem Grade ein anderer, ist fremd geworden, wie Ihnen ein anderer, ein zweiter Mensch jetzt ist. Sie müssen sich stellen können zu Ihrer vorangehenden Inkarnation wie jetzt zu einem anderen Menschen, sonst kommen Sie zu keiner Ahnung von der vorhergehenden Inkarnation. Sie kommen auch nicht zu einer objektiven Auffassung desjenigen, was in einem Menschen auftritt als ein zweiter, wolkenartiger Mensch, wenn er geschlechtsreif wird. Aber wenn die selbstlose Liebe Erkenntniskraft wird, wenn wirklich die Selbstliebe so objektiv wird, daß man sich selber so beobachten kann wie den anderen, dann bietet sie den Weg, um in frühere Erdenleben wenigstens zunächst ahnungsvoll zurückzuschauen. Das muß sich wiederum verbinden mit einer solchen Menschenbeobachtung, wie ich sie charakterisiert habe, wodurch einem aufgeht die Eigentümlichkeit des Menschen. Es ist also im wesentlichen heute schon deutlich sichtbar der Drang der Menschheit seit dem Ablauf des Kali Yuga, Karma, die wiederholten Erdenleben zu begreifen. Man sagt das nur nicht so, weil man es nicht in dieser Deutlichkeit fühlt. Aber denken Sie, wenn zum Beispiel ein ganz ehrliches Mitglied der heutigen Jugendbewegung einmal so aufwachen würde am Morgen, daß ganz intensiv alles, was in der Nacht erlebt worden ist, eine Viertelstunde vor dem Bewußtsein stehen würde, und man würde während dieser Zeit dann ein solches Mitglied der Jugendbewegung fragen: Was ist eigentlich der Inhalt desjenigen, was du willst? —, dann würde dieses Mitglied sagen: Ich will nun endlich begreifen den ganzen Menschen, der durch wiederholte Erdenleben gegangen ist. Ich will wissen, was da innerlich lebt in mir selber aus früheren Daseinsstufen. Ihr wißt von alledem nichts. Ihr sagt mir nichts davon.
[ 11 ] Nehmen Sie den gewaltigen Unterschied, der für das gewöhnliche Bewußtsein besteht zwischen Selbstliebe und Liebe zu den anderen. Nun, schon ziemlich gut verstehen alle Menschen die Selbstliebe, denn sie haben sich ja alle so gern! Das ist ja gar nicht zu bezweifeln. Auch diejenigen, die meinen, sie hätten sich nicht gern, haben sich eben gern. Ganz wenige Menschen, und bei diesen muß man erst ihr Karma genau untersuchen, ganz wenige Menschen sind, die da sagen, sie haben sich nicht gern. Mit der Liebe zu anderen, da ist es schon etwas schwieriger. Die kann ganz gewiß sehr echt sein, aber dennoch ist das sehr häufig getrübt durch die Beimischung von Selbstliebe. Man hat den anderen gern, weil er einem dies oder jenes tut, weil er bei einem ist — aus vielen Gründen, die mit der Selbstliebe innig zusammenhängen. Aber man kann lernen im Leben selbstlose Liebe. Die gibt es schon auch. Man kann lernen, allmählich die Eigenliebe hinauszutreiben aus der Liebe. Dann lernt man eben das Aufgehen in dem anderen kennen, die wirkliche Hingabe an den anderen. Nun, sehen Sie, an dieser Hingabe an den anderen, an dieser selbstlosen Liebe kann man wieder heranziehen dasjenige Gefühl, das man für sich selber haben muß, wenn man die vorangehenden Erdenleben ahnen will. Denn nehmen Sie an, Sie sind ein Mensch, der geboren worden ist meinetwillen 1881; Sie leben bis jetzt, Sie waren früher einmal in einem Menschen, in einem Erdenleben, sagen wir 737 geboren, 799 gestorben dazumal. Jetzt geht der Mensch, die Persönlichkeit B herum im neunzehnten, zwanzigsten Jahrhundert; damals ging die Persönlichkeit, die Sie aber selber waren, herum im achten Jahrhundert. Beides ist verbunden durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber wenn Sie eine Ahnung haben wollen von dem gerade damals im achten Jahrhundert Herumgegangenen, so dürfen Sie sich nur so lieben, wie Sie einen anderen lieben. Denn der, welcher im achten Jahrhundert herumgegangen ist, der ist in Ihnen, der ist Ihnen aber in gleichem Grade ein anderer, ist fremd geworden, wie Ihnen ein anderer, ein zweiter Mensch jetzt ist. Sie müssen sich stellen können zu Ihrer vorangehenden Inkarnation wie jetzt zu einem anderen Menschen, sonst kommen Sie zu keiner Ahnung von der vorhergehenden Inkarnation. Sie kommen auch nicht zu einer objektiven Auffassung desjenigen, was in einem Menschen auftritt als ein zweiter, wolkenartiger Mensch, wenn er geschlechtsreif wird. Aber wenn die selbstlose Liebe Erkenntniskraft wird, wenn wirklich die Selbstliebe so objektiv wird, daß man sich selber so beobachten kann wie den anderen, dann bietet sie den Weg, um in frühere Erdenleben wenigstens zunächst ahnungsvoll zurückzuschauen. Das muß sich wiederum verbinden mit einer solchen Menschenbeobachtung, wie ich sie charakterisiert habe, wodurch einem aufgeht die Eigentümlichkeit des Menschen. Es ist also im wesentlichen heute schon deutlich sichtbar der Drang der Menschheit seit dem Ablauf des Kali Yuga, Karma, die wiederholten Erdenleben zu begreifen. Man sagt das nur nicht so, weil man es nicht in dieser Deutlichkeit fühlt. Aber denken Sie, wenn zum Beispiel ein ganz ehrliches Mitglied der heutigen Jugendbewegung einmal so aufwachen würde am Morgen, daß ganz intensiv alles, was in der Nacht erlebt worden ist, eine Viertelstunde vor dem Bewußtsein stehen würde, und man würde während dieser Zeit dann ein solches Mitglied der Jugendbewegung fragen: Was ist eigentlich der Inhalt desjenigen, was du willst? —, dann würde dieses Mitglied sagen: Ich will nun endlich begreifen den ganzen Menschen, der durch wiederholte Erdenleben gegangen ist. Ich will wissen, was da innerlich lebt in mir selber aus früheren Daseinsstufen. Ihr wißt von alledem nichts. Ihr sagt mir nichts davon.
[ 12 ] Es ist heute in den menschlichen Gemütern der Drang nach dem Durchschauen, nach der Erkenntnis des Karma. Daher ist heute auch die Zeit, in der angeregt werden muß eine Geschichtsbetrachtung, wie ich sie in einzelnen Beispielen vor Sie hingestellt habe, die wiederum, wenn man sie ganz ernst und intensiv verfolgt, dazu führt, dann auf das eigene Leben im Lichte der wiederholten Erdenleben und des Karma hinzuschauen. Deshalb verbinde ich in diesen Vorträgen solche geschichtlichen Betrachtungen mit der allmählichen Hinleitung zur Beobachtung des eigenen Karma eines jeden einzelnen Menschen. Das ist ja das Thema dieser Vorträge. Bis zum letzten Vortrage wollen wir dann so weit sein in unseren Betrachtungen, daß wir eine deutliche Vorstellung haben, wie man ahnen kann in sich selber sein Karma. Aber man kann das nicht anders, als wenn man zuerst an der großen Struktur der Weltgeschichte die Dinge sieht. Daher lassen Sie mich auch diese Betrachtung, die zuerst hineinleuchten wollte in das Innere des Menschen, hineinleuchtete in das Innere einer hoffnungsvollen Zeitbewegung, lassen Sie mich diese Betrachtung damit schließen, daß ich wieder ein weltgeschichtliches Bild vor Sie hinstelle. Geschichtliche Betrachtungen müssen in der Zukunft an den ganzen Menschen anknüpfen, müssen ersichtlich machen, wie aus einer Erdenepoche in die nächste der Mensch selber hineinträgt dasjenige, was an Impulsen in der Geschichte, im geschichtlichen Werden lebt. Betrachten wir die Zeit, in der in Europa Karl der Große gelebt hat, der regiert hat von 768 bis 814, rufen Sie sich für einen Augenblick alles dasjenige in die Seele, was Sie wissen über die geschichtliche Wirksamkeit Karls des Großen. Da man über Karl den Großen so viel in der Schule gelernt hat, so muß jetzt eine ganze Fülle von Vorstellungen in den Seelen der verehrten Zuhörer heraufkommen! Nun, gleichzeitig mit diesem Karl dem Großen und mit all den Dingen, die also jetzt in den Seelen der verehrten Zuhörer heraufkommen, lebte drüben im Orient eine sehr bedeutende Persönlichkeit: Harun al Raschid. Ganz herausgewachsen aus der vom Mohammedanismus aufgesammelten damaligen Bildung, begeisterte ihn der Wille, diese orientalische Bildung in einem Mittelpunkt, in einem Bildungszentrum ganz besonders zu pflegen. Und an diesem Hofe ist außerordentlich viel getrieben worden, denn er war sozusagen ein Zusammenfluß von all dem, was an physikalischen, astronomischen, alchemistischen, chemischen, geographischen Bestrebungen in der damaligen Zeit als Höchstes zu erreichen war. Künstlerische, literarische, geschichtliche, pädagogische Bestrebungen, alles floß zusammen an dem Hofe des Harun al Raschid. Viel bewunderungswürdiger, wenn man eben solches sehen kann, ist dasjenige, was man finden kann an diesem orientalischen Hofe, als alles dasjenige, was an Karls desGroßen Hofe, namentlich geistig, getrieben wurde. Und mancherlei in den Kriegszügen Karls des Großen ist ja auch nicht gerade etwas, was ein Herz der Gegenwart so ungeheuer entzücken kann. Gleichzeitig mit Harun al Raschid lebte am Hofe dieses Mannes eine andere Persönlichkeit, die damals nur ein umfassender Weiser war, aber in einer früheren Inkarnation, lange vorher, ein Eingeweihter gewesen war. Ich habe Ihnen ja gesagt, daß dasjenige, was eine Einweihung war in einer vorigen Inkarnation, zurücktreten kann in einem folgenden Leben. Es war wirklich eine grandiose Akademie, die da im Oriente drüben gestiftet worden ist. Aber diese andere Persönlichkeit war eine Art Organisator: Wissen, Kunst, Poesie, Architektur, Plastik in der damaligen Form, die Wissenschaften wurden organisiert von diesem Manne an dem Hofe Harun al Raschids.
[ 12 ] Es ist heute in den menschlichen Gemütern der Drang nach dem Durchschauen, nach der Erkenntnis des Karma. Daher ist heute auch die Zeit, in der angeregt werden muß eine Geschichtsbetrachtung, wie ich sie in einzelnen Beispielen vor Sie hingestellt habe, die wiederum, wenn man sie ganz ernst und intensiv verfolgt, dazu führt, dann auf das eigene Leben im Lichte der wiederholten Erdenleben und des Karma hinzuschauen. Deshalb verbinde ich in diesen Vorträgen solche geschichtlichen Betrachtungen mit der allmählichen Hinleitung zur Beobachtung des eigenen Karma eines jeden einzelnen Menschen. Das ist ja das Thema dieser Vorträge. Bis zum letzten Vortrage wollen wir dann so weit sein in unseren Betrachtungen, daß wir eine deutliche Vorstellung haben, wie man ahnen kann in sich selber sein Karma. Aber man kann das nicht anders, als wenn man zuerst an der großen Struktur der Weltgeschichte die Dinge sieht. Daher lassen Sie mich auch diese Betrachtung, die zuerst hineinleuchten wollte in das Innere des Menschen, hineinleuchtete in das Innere einer hoffnungsvollen Zeitbewegung, lassen Sie mich diese Betrachtung damit schließen, daß ich wieder ein weltgeschichtliches Bild vor Sie hinstelle. Geschichtliche Betrachtungen müssen in der Zukunft an den ganzen Menschen anknüpfen, müssen ersichtlich machen, wie aus einer Erdenepoche in die nächste der Mensch selber hineinträgt dasjenige, was an Impulsen in der Geschichte, im geschichtlichen Werden lebt. Betrachten wir die Zeit, in der in Europa Karl der Große gelebt hat, der regiert hat von 768 bis 814, rufen Sie sich für einen Augenblick alles dasjenige in die Seele, was Sie wissen über die geschichtliche Wirksamkeit Karls des Großen. Da man über Karl den Großen so viel in der Schule gelernt hat, so muß jetzt eine ganze Fülle von Vorstellungen in den Seelen der verehrten Zuhörer heraufkommen! Nun, gleichzeitig mit diesem Karl dem Großen und mit all den Dingen, die also jetzt in den Seelen der verehrten Zuhörer heraufkommen, lebte drüben im Orient eine sehr bedeutende Persönlichkeit: Harun al Raschid. Ganz herausgewachsen aus der vom Mohammedanismus aufgesammelten damaligen Bildung, begeisterte ihn der Wille, diese orientalische Bildung in einem Mittelpunkt, in einem Bildungszentrum ganz besonders zu pflegen. Und an diesem Hofe ist außerordentlich viel getrieben worden, denn er war sozusagen ein Zusammenfluß von all dem, was an physikalischen, astronomischen, alchemistischen, chemischen, geographischen Bestrebungen in der damaligen Zeit als Höchstes zu erreichen war. Künstlerische, literarische, geschichtliche, pädagogische Bestrebungen, alles floß zusammen an dem Hofe des Harun al Raschid. Viel bewunderungswürdiger, wenn man eben solches sehen kann, ist dasjenige, was man finden kann an diesem orientalischen Hofe, als alles dasjenige, was an Karls desGroßen Hofe, namentlich geistig, getrieben wurde. Und mancherlei in den Kriegszügen Karls des Großen ist ja auch nicht gerade etwas, was ein Herz der Gegenwart so ungeheuer entzücken kann. Gleichzeitig mit Harun al Raschid lebte am Hofe dieses Mannes eine andere Persönlichkeit, die damals nur ein umfassender Weiser war, aber in einer früheren Inkarnation, lange vorher, ein Eingeweihter gewesen war. Ich habe Ihnen ja gesagt, daß dasjenige, was eine Einweihung war in einer vorigen Inkarnation, zurücktreten kann in einem folgenden Leben. Es war wirklich eine grandiose Akademie, die da im Oriente drüben gestiftet worden ist. Aber diese andere Persönlichkeit war eine Art Organisator: Wissen, Kunst, Poesie, Architektur, Plastik in der damaligen Form, die Wissenschaften wurden organisiert von diesem Manne an dem Hofe Harun al Raschids.
[ 13 ] Beide Seelen, Harun al Raschid, wie dieser sein Weiser, gingen nun durch die Pforte des Todes, entwickelten sich weiter. Wir wissen, daß das die Zeit war, in der sich der Arabismus nach Europa ausbreitete. Diese Ausbreitung des Arabismus nahm ihr Ende. Aber bei ihren Werken blieben sowohl Harun al Raschid selber wie auch sein Weiser. Während Harun al Raschid vom Oriente herüber gewissermaßen dem Zuge des Arabismus folgte durch Nordafrika, herüber nach Spanien und weiter hinauf in den Westen Europas, sich so entwickelte in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß sein Blick hingerichtet war auf dieses Hinüberentwickeln des Arabismus, entwickelte sich der andere, sein weiser Ratgeber, so, daß er vom Orient herüber im Norden des Schwarzen Meeres bis nach Mitteleuropa herein sich die Dinge ansah. Es ist schon eine sehr eigentümliche Sache, daß man das Leben des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auch so verfolgen kann, daß man das verfolgt, was er besonders anschaut, wenn er herunterblickt. Allerdings sieht er da, wie ich Ihnen ausgeführt habe, die Wirkungen von Seraphim, Cherubim, Thronen, aber es ist dieses verbunden mit demjenigen, was noch auf der Erde vorgeht. Wie man hier zum Himmel hinaufschaut, schaut man da auf die Erde herunter, wenn man im Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt ist. Und als äußerlich das physische Leben längst vorüber war, da setzten die beiden noch immer ihr Werk fort. Sie nahmen äußerlich ganz andere Inhalte an. Aus Harun al Raschid wurde der Begründer der neueren Weltanschauung, Lord Baco von Verulam. Da erscheint demjenigen, der die Dinge unbefangen betrachten kann, in all dem, was Baco der Welt aufgenötigt hat, wirklich die Neuauflage dessen, was einstmals im Oriente getrieben worden ist. Im Osten war man fremd dem Christentum. Baco war äußerlich Christ, aber innerlich wieder in dem, was er wollte, unchristlich. Der andere, der sein weiser Ratgeber war, verfolgte den Weg nördlich vom Schwarzen Meere nach Mitteleuropa hinein. Das war derjenige, der in einer ganz anderen, viel innerlicheren Art als Baco den Arabismus herübergebracht hat, aber eben auch in die neuere Zeit in voller Umgestaltung den Arabismus gebracht hat: Amos Comenius.
[ 13 ] Beide Seelen, Harun al Raschid, wie dieser sein Weiser, gingen nun durch die Pforte des Todes, entwickelten sich weiter. Wir wissen, daß das die Zeit war, in der sich der Arabismus nach Europa ausbreitete. Diese Ausbreitung des Arabismus nahm ihr Ende. Aber bei ihren Werken blieben sowohl Harun al Raschid selber wie auch sein Weiser. Während Harun al Raschid vom Oriente herüber gewissermaßen dem Zuge des Arabismus folgte durch Nordafrika, herüber nach Spanien und weiter hinauf in den Westen Europas, sich so entwickelte in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß sein Blick hingerichtet war auf dieses Hinüberentwickeln des Arabismus, entwickelte sich der andere, sein weiser Ratgeber, so, daß er vom Orient herüber im Norden des Schwarzen Meeres bis nach Mitteleuropa herein sich die Dinge ansah. Es ist schon eine sehr eigentümliche Sache, daß man das Leben des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auch so verfolgen kann, daß man das verfolgt, was er besonders anschaut, wenn er herunterblickt. Allerdings sieht er da, wie ich Ihnen ausgeführt habe, die Wirkungen von Seraphim, Cherubim, Thronen, aber es ist dieses verbunden mit demjenigen, was noch auf der Erde vorgeht. Wie man hier zum Himmel hinaufschaut, schaut man da auf die Erde herunter, wenn man im Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt ist. Und als äußerlich das physische Leben längst vorüber war, da setzten die beiden noch immer ihr Werk fort. Sie nahmen äußerlich ganz andere Inhalte an. Aus Harun al Raschid wurde der Begründer der neueren Weltanschauung, Lord Baco von Verulam. Da erscheint demjenigen, der die Dinge unbefangen betrachten kann, in all dem, was Baco der Welt aufgenötigt hat, wirklich die Neuauflage dessen, was einstmals im Oriente getrieben worden ist. Im Osten war man fremd dem Christentum. Baco war äußerlich Christ, aber innerlich wieder in dem, was er wollte, unchristlich. Der andere, der sein weiser Ratgeber war, verfolgte den Weg nördlich vom Schwarzen Meere nach Mitteleuropa hinein. Das war derjenige, der in einer ganz anderen, viel innerlicheren Art als Baco den Arabismus herübergebracht hat, aber eben auch in die neuere Zeit in voller Umgestaltung den Arabismus gebracht hat: Amos Comenius.
[ 14 ] Sehen Sie, so wirkt so etwas in der Morgenröte des neuzeitlichen Geisteslebens zusammen. So begreift man erst dieses Geschichtswerden, wo auf der einen Seite bei dem einen das Christentum vergessen wird, wo die wissenschaftliche Bildung veräußerlicht wird, auf der anderen Seite aber bei dem anderen um so mehr verinnerlicht wird. Amos Comenius wirkt in seiner Inkarnation, in seiner Verkörperung, die vom Oriente herüberkommt und die gerade das vertiefte Leben Mitteleuropas annimmt, mit dem zusammen, was vom Westen herüberkommt. Da fließt in Mitteleuropa dasjenige zusammen, was von den beiden Seiten herkommt; aber es ist viel Morgenländisches darin. Nicht wenn man bloß das Geschichtswerden so ansieht, daß man ein Buch aufschlägt und just — ja, man nennt das in einem gewissen Dialekt «ochsen», ich weiß jetzt nicht ein anderes Wort —, und just ochst, was Lord Bacon ist, dann was Amos Comenius ist, nicht dadurch lernt man das innere Werden des Menschengeschlechts durchschauen, sondern dadurch, daß man hinschaut, wie die verschiedenen Epochen durch die Menschen selber entwickelt werden, wie die Impulse von früher in das Spätere hineingetragen werden. Versuchen Sie nur einmal sich klarzumachen, was da geschieht. Das Christentum hat sich ausgebreitet, das Christentum hat in einer gewissen Weise die Gegenden ergriffen von Mittel- und Nordeuropa. Aber da schiebt sich etwas hinein durch Menschen wie Baco von Verulam, den wiedergekommenen Harun al Raschid, wie Amos Comenius, den wiedergekommenen weisen Ratgeber, was nicht direkt Christentum ist, was sich aber mit alledem vermischt, was so wie die geistigen Ströme im Weltenwerden wirkt. Man begreift dadurch erst, was eigentlich geschieht, in welchem Weltzusammenhange der Mensch drinnensteht.
[ 14 ] Sehen Sie, so wirkt so etwas in der Morgenröte des neuzeitlichen Geisteslebens zusammen. So begreift man erst dieses Geschichtswerden, wo auf der einen Seite bei dem einen das Christentum vergessen wird, wo die wissenschaftliche Bildung veräußerlicht wird, auf der anderen Seite aber bei dem anderen um so mehr verinnerlicht wird. Amos Comenius wirkt in seiner Inkarnation, in seiner Verkörperung, die vom Oriente herüberkommt und die gerade das vertiefte Leben Mitteleuropas annimmt, mit dem zusammen, was vom Westen herüberkommt. Da fließt in Mitteleuropa dasjenige zusammen, was von den beiden Seiten herkommt; aber es ist viel Morgenländisches darin. Nicht wenn man bloß das Geschichtswerden so ansieht, daß man ein Buch aufschlägt und just — ja, man nennt das in einem gewissen Dialekt «ochsen», ich weiß jetzt nicht ein anderes Wort —, und just ochst, was Lord Bacon ist, dann was Amos Comenius ist, nicht dadurch lernt man das innere Werden des Menschengeschlechts durchschauen, sondern dadurch, daß man hinschaut, wie die verschiedenen Epochen durch die Menschen selber entwickelt werden, wie die Impulse von früher in das Spätere hineingetragen werden. Versuchen Sie nur einmal sich klarzumachen, was da geschieht. Das Christentum hat sich ausgebreitet, das Christentum hat in einer gewissen Weise die Gegenden ergriffen von Mittel- und Nordeuropa. Aber da schiebt sich etwas hinein durch Menschen wie Baco von Verulam, den wiedergekommenen Harun al Raschid, wie Amos Comenius, den wiedergekommenen weisen Ratgeber, was nicht direkt Christentum ist, was sich aber mit alledem vermischt, was so wie die geistigen Ströme im Weltenwerden wirkt. Man begreift dadurch erst, was eigentlich geschieht, in welchem Weltzusammenhange der Mensch drinnensteht.
[ 15 ] Wenn wir zurückgehen hinter Harun al Raschid zu einem unmittelbaren Nachfolger Mohammeds, da müssen wir uns klarmachen, was gerade durch den Mohammedanismus in das orientalische Geistesleben hineingekommen ist. Wenn wir das ursprüngliche Christentum verfolgen, so zeigt es, daß es einen tiefen Sinn verbindet mit der Trinität. Wenn wir das Geistige in allem Naturleben betrachten, jenes Geistige, das uns zunächst als physische Menschen eben in die Welt hineinstellt, jenes Geistige, das der Geist der Naturgesetze, das Vaterwesen ist, so können wir uns fragen: Was wären wir dann, wenn nur das Vaterwesen in uns wirkte? — Wir würden durch das ganze Leben gehen von der Geburt bis zum Tode mit derselben Notwendigkeit, wie sie in der Welt wirkt, die uns umgibt. Aber wir werden in einem bestimmten Lebensalter freie Menschen, verlieren dadurch nicht unsere Menschlichkeit, sondern erwachen zu einer höheren Formung des Menschen. Dasjenige, was in uns wirkt, indem wir freie Menschen werden, indem wir uns ganz und gar von der Natur losmachen: es ist das Sonnenwesen, der Christus, die zweite Form der Trinität. Dasjenige aber, was uns den Impuls gibt anzuerkennen, daß wir nicht nur im Leibe leben, sondern — wenn wir den Leib in seiner Entwickelung durchgegangen sind — wieder aufwachen, auferweckt werden als Geist, das lebt in uns als der Impuls des sogenannten Heiligen Geistes. Wir können das gesamte Menschenwesen nur im Zusammenwirken dieser Trinität erkennen; da betrachtet man es konkret. Gegen diese Konkretheit richtet der Mohammedanismus die Abstraktheit auf: Es gibt kein anderes göttliches Wesen als allein den Vatergott, den einen Gott. Alles ist der Vater. Es ist keine Dreigestaltung der Gottheit anzuerkennen. — Dieser unmittelbare Vatergott-Protest ist Mohammed selber, waren seine Nachfolger.
[ 15 ] Wenn wir zurückgehen hinter Harun al Raschid zu einem unmittelbaren Nachfolger Mohammeds, da müssen wir uns klarmachen, was gerade durch den Mohammedanismus in das orientalische Geistesleben hineingekommen ist. Wenn wir das ursprüngliche Christentum verfolgen, so zeigt es, daß es einen tiefen Sinn verbindet mit der Trinität. Wenn wir das Geistige in allem Naturleben betrachten, jenes Geistige, das uns zunächst als physische Menschen eben in die Welt hineinstellt, jenes Geistige, das der Geist der Naturgesetze, das Vaterwesen ist, so können wir uns fragen: Was wären wir dann, wenn nur das Vaterwesen in uns wirkte? — Wir würden durch das ganze Leben gehen von der Geburt bis zum Tode mit derselben Notwendigkeit, wie sie in der Welt wirkt, die uns umgibt. Aber wir werden in einem bestimmten Lebensalter freie Menschen, verlieren dadurch nicht unsere Menschlichkeit, sondern erwachen zu einer höheren Formung des Menschen. Dasjenige, was in uns wirkt, indem wir freie Menschen werden, indem wir uns ganz und gar von der Natur losmachen: es ist das Sonnenwesen, der Christus, die zweite Form der Trinität. Dasjenige aber, was uns den Impuls gibt anzuerkennen, daß wir nicht nur im Leibe leben, sondern — wenn wir den Leib in seiner Entwickelung durchgegangen sind — wieder aufwachen, auferweckt werden als Geist, das lebt in uns als der Impuls des sogenannten Heiligen Geistes. Wir können das gesamte Menschenwesen nur im Zusammenwirken dieser Trinität erkennen; da betrachtet man es konkret. Gegen diese Konkretheit richtet der Mohammedanismus die Abstraktheit auf: Es gibt kein anderes göttliches Wesen als allein den Vatergott, den einen Gott. Alles ist der Vater. Es ist keine Dreigestaltung der Gottheit anzuerkennen. — Dieser unmittelbare Vatergott-Protest ist Mohammed selber, waren seine Nachfolger.
[ 16 ] In einem Zeitalter, wo sich als die höchste menschliche Fähigkeit nur das Abstrakte, rein Gedankenhafte ausbilden kann, das Trockene, Nüchterne, in einem solchen Zeitalter identifizierte man allmählich immer mehr und mehr, weil man nur den einen abstrakten Gott kannte, diesen mit dem Denken, vergötterte der Mensch sein Gedankenleben; vergötterte, als man vergessen hatte, daß das Denken einen altruistischen Anflug hat, noch immer dieses menschliche Denken, diesen menschlichen Intellekt. Das war in den Nachfolgern des Mohammed in originaler Weise großartig veranlagt, dieses Abstrakte im Weltdurchdenken. Einer dieser Nachfolger war Muawija. Ich wünschte, Sie könnten die Geschichte nachlesen. Sie würden eine eigentümliche Geisteskonfiguration in ihm finden, sozusagen richtig den Anfang einer Menschenart haben, die man als rechte Abstraktlinge bezeichnen kann, Menschen, die alles in der Welt von gewissen einfachen Sätzen aus gestalten wollen. Muawija, einer der Nachfolger Mohammeds, kam in unserem Zeitalter wieder, wurde Woodrow Wilson. Die Abstraktheit des Mohammedanismus lebte in ihm auf, die Meinung entstand, aus vierzehn kalten, abstrakten, inhaltlosen Sätzen könne man eine Welt gestalten. In Wahrheit war keine welthistorische Illusion größer als diese, und in Wahrheit ist man auf keine welthistorische Illusion so hineingefallen, fast die ganze Menschheit, wie auf diese. Und nicht verstehen wollte man, als ich schon vor dem Kriege in meinen Helsingforser Vorträgen auf die Unzulänglichkeit von Woodrow Wilson hinwies — denn dazumal war er im Aufgange seines Ruhmes —, nicht verstehen wollte man, wenn ich immer wieder und wieder überall, wo ich reden konnte, hinwies darauf, wie das Unglück, das heraufdämmert, zusammenhängt mit der Abgötterei, welche die Welt betreibt mit Woodrow Wilson.
[ 16 ] In einem Zeitalter, wo sich als die höchste menschliche Fähigkeit nur das Abstrakte, rein Gedankenhafte ausbilden kann, das Trockene, Nüchterne, in einem solchen Zeitalter identifizierte man allmählich immer mehr und mehr, weil man nur den einen abstrakten Gott kannte, diesen mit dem Denken, vergötterte der Mensch sein Gedankenleben; vergötterte, als man vergessen hatte, daß das Denken einen altruistischen Anflug hat, noch immer dieses menschliche Denken, diesen menschlichen Intellekt. Das war in den Nachfolgern des Mohammed in originaler Weise großartig veranlagt, dieses Abstrakte im Weltdurchdenken. Einer dieser Nachfolger war Muawija. Ich wünschte, Sie könnten die Geschichte nachlesen. Sie würden eine eigentümliche Geisteskonfiguration in ihm finden, sozusagen richtig den Anfang einer Menschenart haben, die man als rechte Abstraktlinge bezeichnen kann, Menschen, die alles in der Welt von gewissen einfachen Sätzen aus gestalten wollen. Muawija, einer der Nachfolger Mohammeds, kam in unserem Zeitalter wieder, wurde Woodrow Wilson. Die Abstraktheit des Mohammedanismus lebte in ihm auf, die Meinung entstand, aus vierzehn kalten, abstrakten, inhaltlosen Sätzen könne man eine Welt gestalten. In Wahrheit war keine welthistorische Illusion größer als diese, und in Wahrheit ist man auf keine welthistorische Illusion so hineingefallen, fast die ganze Menschheit, wie auf diese. Und nicht verstehen wollte man, als ich schon vor dem Kriege in meinen Helsingforser Vorträgen auf die Unzulänglichkeit von Woodrow Wilson hinwies — denn dazumal war er im Aufgange seines Ruhmes —, nicht verstehen wollte man, wenn ich immer wieder und wieder überall, wo ich reden konnte, hinwies darauf, wie das Unglück, das heraufdämmert, zusammenhängt mit der Abgötterei, welche die Welt betreibt mit Woodrow Wilson.
[ 17 ] Nun, jetzt nach unserem Weihnachtsimpuls ist die Zeit gekommen, wo über diese Dinge unbefangen gesprochen werden wird; wo auch über solche Dinge, welche unmittelbar wirksame Impulse sind, die Geschichtsbetrachtungen so angestellt werden sollen. Denn Esoterik soll durchziehen unsere ganze anthroposophische Bewegung, so daß sich enthüllt dasjenige, was unter dem Schleier des äußeren physischen Werdens verborgen ist. Gewachsen den Welterscheinungen, gewachsen dem, was zu tun ist, wird die Menschheit erst wieder werden, wenn sie in die Betrachtung des Karma eintritt und der einzelne Mensch sich selber wie auch die Weltgeschichte im Lichte des Karma schaut.
[ 17 ] Nun, jetzt nach unserem Weihnachtsimpuls ist die Zeit gekommen, wo über diese Dinge unbefangen gesprochen werden wird; wo auch über solche Dinge, welche unmittelbar wirksame Impulse sind, die Geschichtsbetrachtungen so angestellt werden sollen. Denn Esoterik soll durchziehen unsere ganze anthroposophische Bewegung, so daß sich enthüllt dasjenige, was unter dem Schleier des äußeren physischen Werdens verborgen ist. Gewachsen den Welterscheinungen, gewachsen dem, was zu tun ist, wird die Menschheit erst wieder werden, wenn sie in die Betrachtung des Karma eintritt und der einzelne Mensch sich selber wie auch die Weltgeschichte im Lichte des Karma schaut.
