Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume V
GA 239
13 June 1924, Wrocław
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Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge V
Vierzehnter Vortrag
Vierzehnter Vortrag
[ 1 ] Wir nähern uns immer mehr und mehr dem Begreifen derjenigen Lebenselemente der einzelnen Persönlichkeiten, die eine Ahnung hervorrufen können von dem Wert des Karma im persönlichen Dasein. Heute wird es meine Aufgabe sein, um allmählich im Verlaufe dieser Vorträge dieses Ziel zu erreichen, auf der einen Seite darauf hinzuweisen, wie die Initiationswissenschaft selbst das Karma prüfen kann, zunächst ausgehend von dem Erleben des Karma, und wie der Mensch dann zunächst ohne Initiationswissenschaft, aber mit einem gewissen intimen Sinn, das Leben zu beobachten, eine Ahnung von dem Walten des Karma erhalten kann. Da erinnern wir uns an dasjenige, was ich gesagt habe über die Erinnerung und jene Gedankenmassen, die aus den Tiefen des Seelenwesens herauffluten, entweder gerufen von unserer Seele, oder auch nicht gerufen frei aufsteigend, und die uns ein zwar schattenhaftes, mehr oder weniger abstraktes, aber doch ein Bild geben von unserem bisherigen Erdendasein, das wir seit der letzten Geburt durchgemacht haben. Wir haben die Aufmerksamkeit in diesen Tagen darauf hinlenken können, was der Mensch verliert, wenn er diese Erinnerung verliert. Er kann dann noch immer ganz gescheit, ganz verständig handeln, aber er handelt nicht aus dem Zusammenhang seines ganzen Lebens heraus; er handelt so, wie wenn er gewissermaßen in dem Zeitpunkte, in dem er also zu handeln beginnt, ohne die Erinnerung an das bisherige Leben wäre; wie wenn er zwar wie ein fertiger, verständiger, vernünftiger Mensch zur Welt gekommen wäre, aber sein vorangehendes Leben gar nicht auf dieser Erde für ihn verflossen wäre, so handelt er. Daraus sehen wir, wie für das Erleben im gegenwärtigen gewöhnlichen Bewußtsein das Ich verankert, begründet ist in der Erinnerung. Auf diesem Erinnerungswege findet sich dann das Ich mit sich selber im Verlaufe dieses Erdenlebens nicht mehr zurecht.
[ 1 ] Wir nähern uns immer mehr und mehr dem Begreifen derjenigen Lebenselemente der einzelnen Persönlichkeiten, die eine Ahnung hervorrufen können von dem Wert des Karma im persönlichen Dasein. Heute wird es meine Aufgabe sein, um allmählich im Verlaufe dieser Vorträge dieses Ziel zu erreichen, auf der einen Seite darauf hinzuweisen, wie die Initiationswissenschaft selbst das Karma prüfen kann, zunächst ausgehend von dem Erleben des Karma, und wie der Mensch dann zunächst ohne Initiationswissenschaft, aber mit einem gewissen intimen Sinn, das Leben zu beobachten, eine Ahnung von dem Walten des Karma erhalten kann. Da erinnern wir uns an dasjenige, was ich gesagt habe über die Erinnerung und jene Gedankenmassen, die aus den Tiefen des Seelenwesens herauffluten, entweder gerufen von unserer Seele, oder auch nicht gerufen frei aufsteigend, und die uns ein zwar schattenhaftes, mehr oder weniger abstraktes, aber doch ein Bild geben von unserem bisherigen Erdendasein, das wir seit der letzten Geburt durchgemacht haben. Wir haben die Aufmerksamkeit in diesen Tagen darauf hinlenken können, was der Mensch verliert, wenn er diese Erinnerung verliert. Er kann dann noch immer ganz gescheit, ganz verständig handeln, aber er handelt nicht aus dem Zusammenhang seines ganzen Lebens heraus; er handelt so, wie wenn er gewissermaßen in dem Zeitpunkte, in dem er also zu handeln beginnt, ohne die Erinnerung an das bisherige Leben wäre; wie wenn er zwar wie ein fertiger, verständiger, vernünftiger Mensch zur Welt gekommen wäre, aber sein vorangehendes Leben gar nicht auf dieser Erde für ihn verflossen wäre, so handelt er. Daraus sehen wir, wie für das Erleben im gegenwärtigen gewöhnlichen Bewußtsein das Ich verankert, begründet ist in der Erinnerung. Auf diesem Erinnerungswege findet sich dann das Ich mit sich selber im Verlaufe dieses Erdenlebens nicht mehr zurecht.
[ 2 ] Aber wie haben wir denn diese Erinnerung? Vergleichen wir einmal diese Erinnerung mit der voll erlebten Wirklichkeit, aus der uns diese Erinnerung fließt. Wir stehen darin im Leben, machen es freudvoll und leidvoll durch, finden uns in unseren Erlebnissen mit unserem ganzen Sein verwoben. Aber man vergleiche nur einmal diese ganze intensive Art des Verwobenseins mit dem eigenen Sein, mit der schattenhaften Erinnerung, die wir bewahren in der Seele. Sie müssen nur einmal ein recht bedeutendes Lebensereignis nehmen, den Tod irgendeines Freundes, der Ihnen besonders wert war, oder den Tod vom Vater, von der Mutter, in einer Zeit, in der so etwas wegen unserer Seelenverfassung besonders tief erlebt wird. Vergleichen wir die ganze Intensität des Erlebens und den Moment, wo es erlebt wird, mit dem, was wir an den schattenhaften Erinnerungen, die uns zehn Jahre später kommen, erleben! Und dennoch, diese schattenhaften Erinnerungen müssen wir haben, um die Kontinuität, um die innere Gediegenheit, die Realität unseres Ich im Erdenleben zu erfühlen. Aber sehen Sie nicht daraus, wie das Ich, das gar nicht ohne die Erinnerung im Erdenleben drinnenstehen kann für das gewöhnliche Bewußtsein, wie das Ich eigentlich sich schattenhaft erlebt, wie dieses Ich verankert ist in dem, was im Grunde genommen jede Nacht in das Unbewußte hinuntersinkt? Wir erleben im Grunde genommen nicht sehr intensiv unser Ich im gewöhnlichen Erdenbewußtsein. Es wird immer gedanken- und gedankenhafter, dieses eigentliche Ich des nicht gegenwärtigen Lebens, von welchem wir allerdings wissen, daß es mit dem heutigen Ich zusammenhängt. Dieses gegenwärtige Erleben, das ist intensiv, aber nicht dasjenige, das bereits in die Form der Erinnerung übergegangen ist. So daß wir sagen können (siehe Zeichnung): Wenn dieses unsere auffassende Seele, unser Geist ist, die im lebendigen Verkehr stehen mit alledem, was außen, von der Außenwelt her auf uns einströmt, so erleben wir hinter diesem Ich schattenhaft in der Erinnerung dasjenige, was uns davon bleibt. Und gerade das ist das Charakteristische an dieser Erinnerung, daß immer mehr und mehr die Gefühle, daß auch die Willensimpulse von dieser Erinnerung ausgesiebt werden. Wir mögen mit einem noch so intensiven Gefühl bei dem, was ich charakterisiert habe, bei dem Tode einer uns außerordentlich wertvollen Person gestanden haben: das Erinnerungsbild, welches bleibt, diese Erinnerung wird abgedämpft, immer mehr und mehr abgedämpft im Gefühl. Und erst, wie wenig lebt das, was wir dazumal aus unserem Willensimpulse heraus unter dem äußeren Eindruck unternommen haben, in uns weiter! Gefühl und Wille dämmern ab; das ruhige Erinnerungsbild, ein Schatten des Erlebten, bleibt in der Regel. Und wir können ja nicht anders im Erdenlande sein, als daß dieser Schatten eines Erlebnisses uns bleibt. Anders stehen wir eben der Erinnerung, anders stehen wir dem gegenwärtigen Erlebnis gegenüber.
[ 2 ] Aber wie haben wir denn diese Erinnerung? Vergleichen wir einmal diese Erinnerung mit der voll erlebten Wirklichkeit, aus der uns diese Erinnerung fließt. Wir stehen darin im Leben, machen es freudvoll und leidvoll durch, finden uns in unseren Erlebnissen mit unserem ganzen Sein verwoben. Aber man vergleiche nur einmal diese ganze intensive Art des Verwobenseins mit dem eigenen Sein, mit der schattenhaften Erinnerung, die wir bewahren in der Seele. Sie müssen nur einmal ein recht bedeutendes Lebensereignis nehmen, den Tod irgendeines Freundes, der Ihnen besonders wert war, oder den Tod vom Vater, von der Mutter, in einer Zeit, in der so etwas wegen unserer Seelenverfassung besonders tief erlebt wird. Vergleichen wir die ganze Intensität des Erlebens und den Moment, wo es erlebt wird, mit dem, was wir an den schattenhaften Erinnerungen, die uns zehn Jahre später kommen, erleben! Und dennoch, diese schattenhaften Erinnerungen müssen wir haben, um die Kontinuität, um die innere Gediegenheit, die Realität unseres Ich im Erdenleben zu erfühlen. Aber sehen Sie nicht daraus, wie das Ich, das gar nicht ohne die Erinnerung im Erdenleben drinnenstehen kann für das gewöhnliche Bewußtsein, wie das Ich eigentlich sich schattenhaft erlebt, wie dieses Ich verankert ist in dem, was im Grunde genommen jede Nacht in das Unbewußte hinuntersinkt? Wir erleben im Grunde genommen nicht sehr intensiv unser Ich im gewöhnlichen Erdenbewußtsein. Es wird immer gedanken- und gedankenhafter, dieses eigentliche Ich des nicht gegenwärtigen Lebens, von welchem wir allerdings wissen, daß es mit dem heutigen Ich zusammenhängt. Dieses gegenwärtige Erleben, das ist intensiv, aber nicht dasjenige, das bereits in die Form der Erinnerung übergegangen ist. So daß wir sagen können (siehe Zeichnung): Wenn dieses unsere auffassende Seele, unser Geist ist, die im lebendigen Verkehr stehen mit alledem, was außen, von der Außenwelt her auf uns einströmt, so erleben wir hinter diesem Ich schattenhaft in der Erinnerung dasjenige, was uns davon bleibt. Und gerade das ist das Charakteristische an dieser Erinnerung, daß immer mehr und mehr die Gefühle, daß auch die Willensimpulse von dieser Erinnerung ausgesiebt werden. Wir mögen mit einem noch so intensiven Gefühl bei dem, was ich charakterisiert habe, bei dem Tode einer uns außerordentlich wertvollen Person gestanden haben: das Erinnerungsbild, welches bleibt, diese Erinnerung wird abgedämpft, immer mehr und mehr abgedämpft im Gefühl. Und erst, wie wenig lebt das, was wir dazumal aus unserem Willensimpulse heraus unter dem äußeren Eindruck unternommen haben, in uns weiter! Gefühl und Wille dämmern ab; das ruhige Erinnerungsbild, ein Schatten des Erlebten, bleibt in der Regel. Und wir können ja nicht anders im Erdenlande sein, als daß dieser Schatten eines Erlebnisses uns bleibt. Anders stehen wir eben der Erinnerung, anders stehen wir dem gegenwärtigen Erlebnis gegenüber.


[ 3 ] Aber wir können diesem gegenwärtigen Erlebnis auch in anderer Art gegenübertreten, als wir das im gewöhnlichen Leben gewöhnt sind. Wir können neue Fragen aufwerfen gegenüber unseren Erlebnissen. Da allerdings gewinnt das Leben — dann, wenn wir auf es zurückschauen — eine ganz merkwürdige Gestalt. Fragen wir uns einmal: Was sind wir denn eigentlich im gegenwärtigen Augenblicke, was sind wir mit unserem Wissen, mit der Qualität unseres Fühlens, mit der Energie unseres Wollens? — Und gehen wir mit diesen Fragen, mit diesen neu aufgeworfenen Fragen einmal an unsere Erlebnisse zurück, dann werden wir finden, wie wenig wir wären, wenn wir ein gewisses Lebensalter erreicht haben, wenn nicht die vorangehenden Erlebnisse dagewesen wären! Blicken wir zurück gerade auf manche Jugenderlebnisse, indem wir sie in der Weise dieser Erinnerung auf die Gegenwart beziehen: wie freudig waren diese! Da können wir uns, wenn wir im Leben öfter zurückschauen, etwas höchst Bedeutungsvolles für die Gegenwart sagen. Die Leichtigkeit, mit der wir unsere Seele, ja vielleicht unsere physische Leiblichkeit, mehr oder weniger geschickt dem Leben angepaßt, dutch das Dasein führen, wir verdanken sie eigentlich dem Umstande, daß wir in der Jugend nicht in Depressionen, sondern freudig haben leben dürfen, daß wir an manches mit Freude herangeführt worden sind. Diese seelischen Eindrücke der Freude sind es, die uns mit einer gewissen Freudigkeit, die aber in tiefere Regionen gezogen ist, im späteren Leben ausstatten. Fragen wir uns nun, wieviel von dem, was uns das Leben als Vertiefung bringt, was uns die Seele vertieft, unseren Leiden, unseren Schmerzen zuzuschreiben ist, und fragen wir uns: Was kann denn da eigentlich in der Seele eintreten, wenn wir mit diesen Fragen unser Leben ins Auge fassen? — Die Antwort auf diese Frage müssen wir uns nicht mit dem Verstande geben, die Antwort müssen wir uns mit dem Gefühle geben. Und das Gefühl antwortet: Ich muß alledem, was eingetreten ist im Leben, dankbar sein, weil ich eigentlich derjenige, der ich bin und mit dem ich mich doch mehr oder weniger identifiziere, nur dadurch geworden bin. Ich kann nicht wissen, ob ich sonst nicht noch weniger wäre; ich kann, weil ich durch die großen und kleinen Leiden und Freuden meines Lebens so geworden bin, diesem Leben nur dankbar sein.
[ 3 ] Aber wir können diesem gegenwärtigen Erlebnis auch in anderer Art gegenübertreten, als wir das im gewöhnlichen Leben gewöhnt sind. Wir können neue Fragen aufwerfen gegenüber unseren Erlebnissen. Da allerdings gewinnt das Leben — dann, wenn wir auf es zurückschauen — eine ganz merkwürdige Gestalt. Fragen wir uns einmal: Was sind wir denn eigentlich im gegenwärtigen Augenblicke, was sind wir mit unserem Wissen, mit der Qualität unseres Fühlens, mit der Energie unseres Wollens? — Und gehen wir mit diesen Fragen, mit diesen neu aufgeworfenen Fragen einmal an unsere Erlebnisse zurück, dann werden wir finden, wie wenig wir wären, wenn wir ein gewisses Lebensalter erreicht haben, wenn nicht die vorangehenden Erlebnisse dagewesen wären! Blicken wir zurück gerade auf manche Jugenderlebnisse, indem wir sie in der Weise dieser Erinnerung auf die Gegenwart beziehen: wie freudig waren diese! Da können wir uns, wenn wir im Leben öfter zurückschauen, etwas höchst Bedeutungsvolles für die Gegenwart sagen. Die Leichtigkeit, mit der wir unsere Seele, ja vielleicht unsere physische Leiblichkeit, mehr oder weniger geschickt dem Leben angepaßt, dutch das Dasein führen, wir verdanken sie eigentlich dem Umstande, daß wir in der Jugend nicht in Depressionen, sondern freudig haben leben dürfen, daß wir an manches mit Freude herangeführt worden sind. Diese seelischen Eindrücke der Freude sind es, die uns mit einer gewissen Freudigkeit, die aber in tiefere Regionen gezogen ist, im späteren Leben ausstatten. Fragen wir uns nun, wieviel von dem, was uns das Leben als Vertiefung bringt, was uns die Seele vertieft, unseren Leiden, unseren Schmerzen zuzuschreiben ist, und fragen wir uns: Was kann denn da eigentlich in der Seele eintreten, wenn wir mit diesen Fragen unser Leben ins Auge fassen? — Die Antwort auf diese Frage müssen wir uns nicht mit dem Verstande geben, die Antwort müssen wir uns mit dem Gefühle geben. Und das Gefühl antwortet: Ich muß alledem, was eingetreten ist im Leben, dankbar sein, weil ich eigentlich derjenige, der ich bin und mit dem ich mich doch mehr oder weniger identifiziere, nur dadurch geworden bin. Ich kann nicht wissen, ob ich sonst nicht noch weniger wäre; ich kann, weil ich durch die großen und kleinen Leiden und Freuden meines Lebens so geworden bin, diesem Leben nur dankbar sein.
[ 4 ] Mit einem Gefühl der Dankbarkeit an das Leben muß geantwortet werden auf die charakterisierte Frage. Und es ist viel für das Leben, wenn diese Dankbarkeit für das Erdendasein in die menschliche Seele einzieht. Diese Dankbarkeit tritt bei gewissen Seelenvertiefungen immer ein, wenn man nicht aus Emotion heraus, sondern aus der reinen Seele heraus das Leben beurteilt. Mag manches, was einem das Leben gebracht hat, bedauert werden, in vieler Beziehung ist dasjenige, was ein solches Bedauern ausdrückt, ein rechter Irrtum. Denn stünde dasjenige, was man bedauert, nicht im Leben darinnen, man wäre eben doch nicht das, was man ist. Zuletzt reduziert sich das Gefühl, das man gegenüber dem Leben haben kann, dennoch auf diese Dankbarkeit dem Leben gegenüber. Diese Dankbarkeit kann da sein auch dann, wenn man nicht ganz einverstanden ist mit dem Leben, wenn man gerne mehr vom Leben geschenkt gehabt hätte. Und man kann auch dankbar sein, wenn uns einer einen kleinen Kuchen gibt, von dem man eigentlich das Geschenk eines großen Kuchens erwartet hätte. Das darf durchaus nicht die Dankbarkeit beeinträchtigen, daß man den großen Kuchen erwartet hat. Und so kann schon gesagt werden: Was uns das Leben auch versagt hat nach unserer Meinung, nach unserer Ansicht, die ja nebenbei doch auch irren kann, das Leben hat uns unter allen Umständen etwas gebracht. Für dasjenige, was es uns gebracht hat, sollen wir das Gefühl der Dankbarkeit entwickeln. Aber wenn man in allem Ernst das Gefühl der Dankbarkeit entwickelt, so muß — man braucht sich nur zu besinnen, man wird es gleich durchschauen — die Dankbarkeit da sein gegenüber irgend etwas anderem. Wer jemals Dankbarkeit für das Leben entwickelt hat, der wird gerade durch die Dankbarkeit für das Leben zur Anerkennung und zur Umwandlung der Erinnerung in liebende Hingabe an die unsichtbaren geistigen Lebensgeber hingeführt.
[ 4 ] Mit einem Gefühl der Dankbarkeit an das Leben muß geantwortet werden auf die charakterisierte Frage. Und es ist viel für das Leben, wenn diese Dankbarkeit für das Erdendasein in die menschliche Seele einzieht. Diese Dankbarkeit tritt bei gewissen Seelenvertiefungen immer ein, wenn man nicht aus Emotion heraus, sondern aus der reinen Seele heraus das Leben beurteilt. Mag manches, was einem das Leben gebracht hat, bedauert werden, in vieler Beziehung ist dasjenige, was ein solches Bedauern ausdrückt, ein rechter Irrtum. Denn stünde dasjenige, was man bedauert, nicht im Leben darinnen, man wäre eben doch nicht das, was man ist. Zuletzt reduziert sich das Gefühl, das man gegenüber dem Leben haben kann, dennoch auf diese Dankbarkeit dem Leben gegenüber. Diese Dankbarkeit kann da sein auch dann, wenn man nicht ganz einverstanden ist mit dem Leben, wenn man gerne mehr vom Leben geschenkt gehabt hätte. Und man kann auch dankbar sein, wenn uns einer einen kleinen Kuchen gibt, von dem man eigentlich das Geschenk eines großen Kuchens erwartet hätte. Das darf durchaus nicht die Dankbarkeit beeinträchtigen, daß man den großen Kuchen erwartet hat. Und so kann schon gesagt werden: Was uns das Leben auch versagt hat nach unserer Meinung, nach unserer Ansicht, die ja nebenbei doch auch irren kann, das Leben hat uns unter allen Umständen etwas gebracht. Für dasjenige, was es uns gebracht hat, sollen wir das Gefühl der Dankbarkeit entwickeln. Aber wenn man in allem Ernst das Gefühl der Dankbarkeit entwickelt, so muß — man braucht sich nur zu besinnen, man wird es gleich durchschauen — die Dankbarkeit da sein gegenüber irgend etwas anderem. Wer jemals Dankbarkeit für das Leben entwickelt hat, der wird gerade durch die Dankbarkeit für das Leben zur Anerkennung und zur Umwandlung der Erinnerung in liebende Hingabe an die unsichtbaren geistigen Lebensgeber hingeführt.
[ 5 ] Und es ist die schönste Art, von seiner Persönlichkeit aus zum Übersinnlichen hingeführt zu werden, wenn diese Führung durch die Dankbarkeit geht, durch die Dankbarkeit gegenüber dem Leben. Diese Dankbarkeit, sie ist auch ein Weg ins Übersinnliche, und sie landet zuletzt bei der Verehrung und bei der Liebe zu dem lebenspendenden Geist des Menschen. Die Dankbarkeit gebiert die Liebe. Die Liebe gebiert dann, wenn sie aus der Dankbarkeit für das Leben geboren ist, das Aufschließen des Herzens für die das Leben durchdringenden Geistesmächte. Und da das Leben mit unserer Geburt begonnen hat und wir unmöglich mit diesem Danke bloß beginnen können bei der Geburt, da wir mit gewissen Eigenschaften augenscheinlich schon in das Leben hineingestellt sind, so ist es ja soweit ganz zweifellos, daß der Dank gegenüber dem Leben auch aus diesem Leben ins vorgeburtliche Dasein hinausführt. Um das, was ich jetzt sage, voll einzusehen, dazu gehört allerdings das Ausprüfen im Leben. Aber man prüfe einmal, wenn man die doch aus der unbefangenen Lebensbetrachtung hervorgehende Dankbarkeit entwickelt, man prüfe, ob nicht wirklich die geist-einsichtige Liebe aus dieser Dankbarkeit geboren wird, und man wird finden, daß es so ist. Die Frage, die hier aufgeworfen wird, kann eben nur durch das wirkliche Leben selbst beantwortet werden. Aber dieses wirkliche Leben antwortet so, wie ich jetzt auseinandergesetzt habe. Wenn wir aber in der Art herangehen an unsere Erlebnisse, so die Dankbarkeit entwickeln, die Liebe zu den lebenspendenden Geistmächten entwickeln, dann bekommen wir bei diesem Hinschauen gegenüber den Erlebnissen ein ganz anderes Gefühl als bei dem Hinschauen gegenüber der Erinnerung. Bei der Erinnerung müssen wir sagen: Lebendig, intensiv, real erleben wir; in der Erinnerung steht ein bloßer Schatten desjenigen da, was wir erleben, da wird das, was wir erleben, zu blassen Schatten. Die Erinnerung verdankt unseren Erlebnissen ihr Dasein; aber jetzt treten wir an etwas heran, was mächtiger ist als unser gewöhnliches Ich.
[ 5 ] Und es ist die schönste Art, von seiner Persönlichkeit aus zum Übersinnlichen hingeführt zu werden, wenn diese Führung durch die Dankbarkeit geht, durch die Dankbarkeit gegenüber dem Leben. Diese Dankbarkeit, sie ist auch ein Weg ins Übersinnliche, und sie landet zuletzt bei der Verehrung und bei der Liebe zu dem lebenspendenden Geist des Menschen. Die Dankbarkeit gebiert die Liebe. Die Liebe gebiert dann, wenn sie aus der Dankbarkeit für das Leben geboren ist, das Aufschließen des Herzens für die das Leben durchdringenden Geistesmächte. Und da das Leben mit unserer Geburt begonnen hat und wir unmöglich mit diesem Danke bloß beginnen können bei der Geburt, da wir mit gewissen Eigenschaften augenscheinlich schon in das Leben hineingestellt sind, so ist es ja soweit ganz zweifellos, daß der Dank gegenüber dem Leben auch aus diesem Leben ins vorgeburtliche Dasein hinausführt. Um das, was ich jetzt sage, voll einzusehen, dazu gehört allerdings das Ausprüfen im Leben. Aber man prüfe einmal, wenn man die doch aus der unbefangenen Lebensbetrachtung hervorgehende Dankbarkeit entwickelt, man prüfe, ob nicht wirklich die geist-einsichtige Liebe aus dieser Dankbarkeit geboren wird, und man wird finden, daß es so ist. Die Frage, die hier aufgeworfen wird, kann eben nur durch das wirkliche Leben selbst beantwortet werden. Aber dieses wirkliche Leben antwortet so, wie ich jetzt auseinandergesetzt habe. Wenn wir aber in der Art herangehen an unsere Erlebnisse, so die Dankbarkeit entwickeln, die Liebe zu den lebenspendenden Geistmächten entwickeln, dann bekommen wir bei diesem Hinschauen gegenüber den Erlebnissen ein ganz anderes Gefühl als bei dem Hinschauen gegenüber der Erinnerung. Bei der Erinnerung müssen wir sagen: Lebendig, intensiv, real erleben wir; in der Erinnerung steht ein bloßer Schatten desjenigen da, was wir erleben, da wird das, was wir erleben, zu blassen Schatten. Die Erinnerung verdankt unseren Erlebnissen ihr Dasein; aber jetzt treten wir an etwas heran, was mächtiger ist als unser gewöhnliches Ich.
[ 6 ] Denn nicht bloß unsere schattenhaften Erinnerungen haben wir im Auge, wenn wir hinschauen auf die Erlebnisse, die uns umgeben haben. Wir haben etwas Mächtiges im Auge: Wir haben dasjenige im Auge, das nicht ein Schatten unseres durch die Zeit hinflutenden Ich ist, sondern der Schöpfer dieses durch die Zeit hinflutenden ErdenIch. Da draußen sind überall die Ereignisse, denen wir unser Dasein verdanken, und wir müssen, wenn wir auf diese Ereignisse schauen, sie als mächtige Schöpfer unseres Erden-Ich hinstellen. So stehen wir mit unserem augenblicklichen, gegenwärtigen Ich mitten drinnen: da, rückwärts, wenn wir in unsere Seele schauen, schattenhafte Nachbilder des Erlebens; vor uns das webende Schicksal, die aufeinanderfolgenden Schicksalserlebnisse, die unser Ich erst mächtig geformt, gestaltet haben. Zu diesem mächtigen Fühlen der Schicksalsgestaltung gehört eben der Übergang vom Denken zum Fühlen, denn Dankbarkeit und Liebe kann man nur im Fühlen erleben. In diesem Liebegefühl offenbart sich zunächst die Ahnung gegenüber dem waltenden Schicksal. Und damit beginnt es, daß man das waltende Schicksal erahnt, daß man nach dem Durchgang durch Dankbarkeit und Liebe mächtig fühlt die dahinflutenden Ereignisse, die uns gemacht haben. Es kann irgend jemand mit dem vierzigsten Jahre im Leben drinnenstehen. Er ist etwas. Sagen wir, um ein ganz extremes Beispiel zu nehmen: Er ist ein berühmter Dichter geworden — es hat ja auch solche gegeben; ich könnte auch sagen, ein berühmter Physiologe, Physiker, da würde ich ein naheliegendes Beispiel haben, aber ich will ein ausgedachtes Beispiel anführen —, der blickte zurück bis in sein achtzehntes Lebensjahr. Er nimmt die Ereignisse von seinem vierzigsten bis zum achtzehnten Lebensjahr und stößt im achtzehnten Lebensjahr darauf, daß er im Abiturium durchgefallen ist. Es hat ihm dazumal großen Schmerz bereitet. Aber er hat sich das Leben anders einrichten müssen, da er nicht genug Geld hatte, das Jahr zu repetieren oder als durchgefallener Abiturient durch die weite Welt zu ziehen. Alles war schon vorbereitet: Wäre er beim Abiturium gut durchgekommen, er wäre ein gediegener Finanzinspektor geworden, hätte da außerordentlich viel geleistet, hätte keine Zeit gehabt, die im Untergrunde seiner Seele liegenden Fähigkeiten und Kräfte zu entwickeln. Gewiß, man kann sagen: Wenn diese Phantasiekräfte vorhanden sind, so sind sie so stark, daß sie sich unter allen Umständen dutch die finanzwirtschaftliche Tätigkeit durchdrücken. — Das kann man im Abstrakten sagen, sagt es auch immer; wahr ist es aber nicht. In Wirklichkeit verdankt mancher Dichter geradezu sein besonderes Temperament, dasjenige, was er geworden ist, dem Umstand, daß ihm so etwas, wie ich es angeführt habe, passiert ist. Er wird dankbar sein — wenn er irgendeinen Wert darauf legt, daß er der berühmte Dichter geworden ist — denjenigen, die ihn haben durchfallen lassen und die nicht verhindert haben seine Laufbahn dadurch, daß sie ihm «ausgezeichnet » in jedem einzelnen Fache gegeben haben. So können wir durchaus, wie auch das Leben war — wenn wir es real, nicht sentimental nehmen —, diese Dankbarkeit entwickeln und können sagen: Geschmiedet sind wir aus dem Schicksal heraus, das mit uns und gegen uns geht. — Aber wir müssen doch diese Gefühle durchgehen, um das Schicksal gewissermaßen vor uns weben und leben zu sehen.
[ 6 ] Denn nicht bloß unsere schattenhaften Erinnerungen haben wir im Auge, wenn wir hinschauen auf die Erlebnisse, die uns umgeben haben. Wir haben etwas Mächtiges im Auge: Wir haben dasjenige im Auge, das nicht ein Schatten unseres durch die Zeit hinflutenden Ich ist, sondern der Schöpfer dieses durch die Zeit hinflutenden ErdenIch. Da draußen sind überall die Ereignisse, denen wir unser Dasein verdanken, und wir müssen, wenn wir auf diese Ereignisse schauen, sie als mächtige Schöpfer unseres Erden-Ich hinstellen. So stehen wir mit unserem augenblicklichen, gegenwärtigen Ich mitten drinnen: da, rückwärts, wenn wir in unsere Seele schauen, schattenhafte Nachbilder des Erlebens; vor uns das webende Schicksal, die aufeinanderfolgenden Schicksalserlebnisse, die unser Ich erst mächtig geformt, gestaltet haben. Zu diesem mächtigen Fühlen der Schicksalsgestaltung gehört eben der Übergang vom Denken zum Fühlen, denn Dankbarkeit und Liebe kann man nur im Fühlen erleben. In diesem Liebegefühl offenbart sich zunächst die Ahnung gegenüber dem waltenden Schicksal. Und damit beginnt es, daß man das waltende Schicksal erahnt, daß man nach dem Durchgang durch Dankbarkeit und Liebe mächtig fühlt die dahinflutenden Ereignisse, die uns gemacht haben. Es kann irgend jemand mit dem vierzigsten Jahre im Leben drinnenstehen. Er ist etwas. Sagen wir, um ein ganz extremes Beispiel zu nehmen: Er ist ein berühmter Dichter geworden — es hat ja auch solche gegeben; ich könnte auch sagen, ein berühmter Physiologe, Physiker, da würde ich ein naheliegendes Beispiel haben, aber ich will ein ausgedachtes Beispiel anführen —, der blickte zurück bis in sein achtzehntes Lebensjahr. Er nimmt die Ereignisse von seinem vierzigsten bis zum achtzehnten Lebensjahr und stößt im achtzehnten Lebensjahr darauf, daß er im Abiturium durchgefallen ist. Es hat ihm dazumal großen Schmerz bereitet. Aber er hat sich das Leben anders einrichten müssen, da er nicht genug Geld hatte, das Jahr zu repetieren oder als durchgefallener Abiturient durch die weite Welt zu ziehen. Alles war schon vorbereitet: Wäre er beim Abiturium gut durchgekommen, er wäre ein gediegener Finanzinspektor geworden, hätte da außerordentlich viel geleistet, hätte keine Zeit gehabt, die im Untergrunde seiner Seele liegenden Fähigkeiten und Kräfte zu entwickeln. Gewiß, man kann sagen: Wenn diese Phantasiekräfte vorhanden sind, so sind sie so stark, daß sie sich unter allen Umständen dutch die finanzwirtschaftliche Tätigkeit durchdrücken. — Das kann man im Abstrakten sagen, sagt es auch immer; wahr ist es aber nicht. In Wirklichkeit verdankt mancher Dichter geradezu sein besonderes Temperament, dasjenige, was er geworden ist, dem Umstand, daß ihm so etwas, wie ich es angeführt habe, passiert ist. Er wird dankbar sein — wenn er irgendeinen Wert darauf legt, daß er der berühmte Dichter geworden ist — denjenigen, die ihn haben durchfallen lassen und die nicht verhindert haben seine Laufbahn dadurch, daß sie ihm «ausgezeichnet » in jedem einzelnen Fache gegeben haben. So können wir durchaus, wie auch das Leben war — wenn wir es real, nicht sentimental nehmen —, diese Dankbarkeit entwickeln und können sagen: Geschmiedet sind wir aus dem Schicksal heraus, das mit uns und gegen uns geht. — Aber wir müssen doch diese Gefühle durchgehen, um das Schicksal gewissermaßen vor uns weben und leben zu sehen.
[ 7 ] Da möchte ich einschalten, wie nun dieselben Erlebnisse derjenige vor sich hat, der im Besitz der Initiationswissenschaft ist, der also in die geistige Welt hineinschauen kann. Dem steht die Möglichkeit offen, in der folgenden Weise die Sache durchzuleben.
[ 7 ] Da möchte ich einschalten, wie nun dieselben Erlebnisse derjenige vor sich hat, der im Besitz der Initiationswissenschaft ist, der also in die geistige Welt hineinschauen kann. Dem steht die Möglichkeit offen, in der folgenden Weise die Sache durchzuleben.
[ 8 ] Er richtet den Blick, der nun schon geschärft ist dadurch, daß er eine imaginative, inspirierte Erkenntnis hat — was diese bedeuten, Sie können es nachlesen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, auf irgendein Erlebnis. Wer seine Erkenntnis verdichtet und erkraftet hat, der kann diese seine Erkenntnis mit einer besonderen Intensität auf irgendein Erleben, das er in der Gegenwart hat, hinrichten. Man wird ja, wenn man Initiationserkenntnisse hat, nicht etwa schwächer, sondern stärker von dem Erlebnis getroffen, als wenn man nicht diese Erkenntnis hat. Man darf nicht etwa aus dem Umstande, daß derjenige, der Initiationserkenntnis hat, scheinbar mit viel größerer Gelassenheit an den Erlebnissen vorbeigeht als jener, der sie nicht hat, man darf daraus nicht schließen, daß er weniger stark davon berührt wird. Er wird viel stärker berührt als der andere. Er hat sich nur auch gerade gegenüber den harten Ereignissen des Lebens die Kräfte errungen, sie nach außen hin in Gelassenheit zu betrachten; in der Tiefe fühlt er sie bedeutungsvoller als der andere sie fühlt. Daher schattieren sich die Erlebnisse, wenn der mit Imagination, Inspiration Begabte sie vor sich hat, intensiv und stark; und er kann, weil er sie ja erübt hat — er hat ja Übungen dafür in diesem und im vorigen Leben durchgemacht —, diese Ereignisse in voll-inhaltliche Bilder sich gestalten, selber in Imaginationen umwandeln.
[ 8 ] Er richtet den Blick, der nun schon geschärft ist dadurch, daß er eine imaginative, inspirierte Erkenntnis hat — was diese bedeuten, Sie können es nachlesen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, auf irgendein Erlebnis. Wer seine Erkenntnis verdichtet und erkraftet hat, der kann diese seine Erkenntnis mit einer besonderen Intensität auf irgendein Erleben, das er in der Gegenwart hat, hinrichten. Man wird ja, wenn man Initiationserkenntnisse hat, nicht etwa schwächer, sondern stärker von dem Erlebnis getroffen, als wenn man nicht diese Erkenntnis hat. Man darf nicht etwa aus dem Umstande, daß derjenige, der Initiationserkenntnis hat, scheinbar mit viel größerer Gelassenheit an den Erlebnissen vorbeigeht als jener, der sie nicht hat, man darf daraus nicht schließen, daß er weniger stark davon berührt wird. Er wird viel stärker berührt als der andere. Er hat sich nur auch gerade gegenüber den harten Ereignissen des Lebens die Kräfte errungen, sie nach außen hin in Gelassenheit zu betrachten; in der Tiefe fühlt er sie bedeutungsvoller als der andere sie fühlt. Daher schattieren sich die Erlebnisse, wenn der mit Imagination, Inspiration Begabte sie vor sich hat, intensiv und stark; und er kann, weil er sie ja erübt hat — er hat ja Übungen dafür in diesem und im vorigen Leben durchgemacht —, diese Ereignisse in voll-inhaltliche Bilder sich gestalten, selber in Imaginationen umwandeln.
[ 9 ] Worinnen besteht dieses Umwandeln? Es besteht eben darin, daß von den Ereignissen, den Erlebnissen nicht nur dasjenige, was man mit den Augen sieht, dasteht, sondern daß das tiefere Geistige, die geistigen Zusammenhänge dastehen, daß ein Bild da ist, welches man auch dann mit sich herumträgt, wenn das Erlebnis nicht mehr dasteht; aber das Bild steht alsdann gleich da. Das Erleben ist eben intensiv, und durch die Imagination spielen die geistigen Zusammenhänge hinein; die Seele wird intensiv berührt, und es ist dann möglich, in das Geistige hineinzuschauen und das Erlebnis zu behalten. Vergeht eine Nacht, so wird dann durch den Schlaf das Erlebnis, das dadurch intensiver erlebt worden ist, daß der astralische Leib und das Ich aus dem physischen Leibe herausgehen, in die geistige Welt hinausgetragen. Dasjenige, was man in der physischen Welt, mit physischem und Ätherleib zusammen erlebt hat, das kann allein erlebt werden mit dem Ich und dem astralischen Leib in der geistigen Welt; dann aber treibt man es beim Aufwachen wiederum zurück in den physischen Leib. Aber man trägt es jetzt nicht so zurück, wie das gewöhnliche Bewußtsein es zurückträgt, das dann auf die Erinnerung angewiesen ist, die sich allmählich abschattet; man trägt es so zurück, daß man wie mit einem Phantom sein ganzes Wesen nun durchdringt, daß man es mit sich trägt in voller Gegenständlichkeit, in aller Intensität, daß es einen aus einem Schein umtönt wie die wirkliche Realität einesanderen Menschen, der leibhaft vor einem steht. Und dann vergehen wiederum zwei oder drei Tage oder Nächte. Und was dann eintritt nach diesen zwei oder drei Tagen und Nächten, ist das Folgende: Was man zuerst hinaufgetragen hat mit dem Ich und dem astralischen Leib in die geistige Welt, was man wieder zurückgebracht hat, so daß es also im physischen Leibe kraftet und lebt und vibriert, das spricht — das stellt sich jetzt heraus — und steht hinter den Erlebnissen als das waltende Schicksal. Die Erlebnisse sind nicht allein da, sondern diese Erlebnisse sind jetzt durchströmt von dem, was sie hervorgebracht hat in früheren Erdenleben, von dem, wie sie weiter wirken werden in den folgenden Erdenleben. Wie wir die Erinnerung als ein schattenhaftes Nachbild hinter uns hinstellen, so stellt derjenige, der Initiationswissenschaft hat, die Erlebnisse vor sich hin, so daß die Erlebnisse unmittelbar vor ihm sind. Aber die werden durchsichtig wie Glas, und dahinter steht wie eine mächtige Welterinnerung das werdende Karma, die objektive Erinnerung. Und man wird gewahr, daß der Mensch nicht nur in sich drinnen hat die schattenhaften Erinnerungen an das Erdenleben, sondern daß eingegraben ist um ihn herum in den Weltenäther, in die Akasha-Chronik sein Karma. Da drinnen ist die schattenhafte Erinnerung; da draußen ist die kosmische Erinnerung unseres Schicksals durch die Erdenleben hindurch, wenn es auch für das gewöhnliche Bewußtsein unbewußt bleibt.
[ 9 ] Worinnen besteht dieses Umwandeln? Es besteht eben darin, daß von den Ereignissen, den Erlebnissen nicht nur dasjenige, was man mit den Augen sieht, dasteht, sondern daß das tiefere Geistige, die geistigen Zusammenhänge dastehen, daß ein Bild da ist, welches man auch dann mit sich herumträgt, wenn das Erlebnis nicht mehr dasteht; aber das Bild steht alsdann gleich da. Das Erleben ist eben intensiv, und durch die Imagination spielen die geistigen Zusammenhänge hinein; die Seele wird intensiv berührt, und es ist dann möglich, in das Geistige hineinzuschauen und das Erlebnis zu behalten. Vergeht eine Nacht, so wird dann durch den Schlaf das Erlebnis, das dadurch intensiver erlebt worden ist, daß der astralische Leib und das Ich aus dem physischen Leibe herausgehen, in die geistige Welt hinausgetragen. Dasjenige, was man in der physischen Welt, mit physischem und Ätherleib zusammen erlebt hat, das kann allein erlebt werden mit dem Ich und dem astralischen Leib in der geistigen Welt; dann aber treibt man es beim Aufwachen wiederum zurück in den physischen Leib. Aber man trägt es jetzt nicht so zurück, wie das gewöhnliche Bewußtsein es zurückträgt, das dann auf die Erinnerung angewiesen ist, die sich allmählich abschattet; man trägt es so zurück, daß man wie mit einem Phantom sein ganzes Wesen nun durchdringt, daß man es mit sich trägt in voller Gegenständlichkeit, in aller Intensität, daß es einen aus einem Schein umtönt wie die wirkliche Realität einesanderen Menschen, der leibhaft vor einem steht. Und dann vergehen wiederum zwei oder drei Tage oder Nächte. Und was dann eintritt nach diesen zwei oder drei Tagen und Nächten, ist das Folgende: Was man zuerst hinaufgetragen hat mit dem Ich und dem astralischen Leib in die geistige Welt, was man wieder zurückgebracht hat, so daß es also im physischen Leibe kraftet und lebt und vibriert, das spricht — das stellt sich jetzt heraus — und steht hinter den Erlebnissen als das waltende Schicksal. Die Erlebnisse sind nicht allein da, sondern diese Erlebnisse sind jetzt durchströmt von dem, was sie hervorgebracht hat in früheren Erdenleben, von dem, wie sie weiter wirken werden in den folgenden Erdenleben. Wie wir die Erinnerung als ein schattenhaftes Nachbild hinter uns hinstellen, so stellt derjenige, der Initiationswissenschaft hat, die Erlebnisse vor sich hin, so daß die Erlebnisse unmittelbar vor ihm sind. Aber die werden durchsichtig wie Glas, und dahinter steht wie eine mächtige Welterinnerung das werdende Karma, die objektive Erinnerung. Und man wird gewahr, daß der Mensch nicht nur in sich drinnen hat die schattenhaften Erinnerungen an das Erdenleben, sondern daß eingegraben ist um ihn herum in den Weltenäther, in die Akasha-Chronik sein Karma. Da drinnen ist die schattenhafte Erinnerung; da draußen ist die kosmische Erinnerung unseres Schicksals durch die Erdenleben hindurch, wenn es auch für das gewöhnliche Bewußtsein unbewußt bleibt.


[ 10 ] Wir gehen so durch die Welt, daß wir schematisch unseren Gang durch die Welt so zeichnen können (siehe Zeichnung S. 229). Wir gehen hin über den Erdboden, wir haben in uns die schattenhaften Erinnerungen. Würden wir uns einen Menschen vorstellen und diese schattenhaften Erinnerungen in ihm, wir müßten sie wie eine kleine Wolke in dem Gebiete seines Kopfes vorstellen — da, wo der Kopf allmählich übergeht in den Leib —, welche allmählich immer schattenhafter wird gegen den Leib hin. Indem der Mensch so durch die Welt schreitet, ist er umgeben wie von einem ätherischen Nebel, in dem eingeschrieben sind alle Erlebnisse, aber auch alles das, was vom vorigen Erdenleben in ihm eingeschrieben ist. Wir haben eine innere Erinnerung, und wir haben die Erinnerung der Welt außer uns. Jeder Mensch ist mit dieser Aura umgeben. Nicht nur in uns hinein ist erinnerungsgemäß eingegraben das gegenwärtige Erdenleben, sondern um uns herum sind die Erdenleben des Menschen eingegraben. Nicht immer ist es leicht, diese Erinnerung zu entziffern, aber sie ist da. Die Entzifferung ist schwierig, und diejenigen Fälle, in denen ich Ihnen von solcher Entzifferung gesprochen habe in den vergangenen Tagen, sie waren nicht leicht in die Erkenntnis hinaufzubringen. Aber da ist alles. Der Mensch hat nicht nur ein Gedächtnis in sich, der Mensch hat ein aurisches Gedächtnis um sich herum. Es ist nicht möglich, in einem einzigen Augenblick — da, wo man sich dem nähert, was man im Erdenleben durchgemacht hat — dieses Gedächtnis heranzuholen. Dieses “ Gedächtnis braucht immer Tage. Da muß mitarbeiten das Aufwachen und Einschlafen, wie ich es beschrieben habe. Es kann niemals gesagt werden, irgendein Erleben ist da, man soll sich erinnern, wie es gestaltet ist aus früheren Erdenleben heraus. Man muß dieses Erleben klar und imaginativ und mit seiner es durchdringenden Inspiration ins Auge fassen; dann muß man warten, bis es sich enthüllt. Der geistigen Welt gegenüber darf man mit den Forschungen niemals spekulieren, niemals etwas ausdenken, sondern nur die Vorbereitungen treffen, daß etwas aus der geistigen Welt heraus sich offenbaren kann. Wer da glaubt, die geistige Welt zwingen zu können, daß sie ihm dieses oder jenes offenbart, der wird sich gar sehr irren, der wird nur Irrtümer aus ihr herausbekommen. Man muß vorbereiten dasjenige, was man erhoffen kann, mehr oder weniger gnadevoll geoffenbart zu bekommen aus der geistigen Welt heraus.
[ 10 ] Wir gehen so durch die Welt, daß wir schematisch unseren Gang durch die Welt so zeichnen können (siehe Zeichnung S. 229). Wir gehen hin über den Erdboden, wir haben in uns die schattenhaften Erinnerungen. Würden wir uns einen Menschen vorstellen und diese schattenhaften Erinnerungen in ihm, wir müßten sie wie eine kleine Wolke in dem Gebiete seines Kopfes vorstellen — da, wo der Kopf allmählich übergeht in den Leib —, welche allmählich immer schattenhafter wird gegen den Leib hin. Indem der Mensch so durch die Welt schreitet, ist er umgeben wie von einem ätherischen Nebel, in dem eingeschrieben sind alle Erlebnisse, aber auch alles das, was vom vorigen Erdenleben in ihm eingeschrieben ist. Wir haben eine innere Erinnerung, und wir haben die Erinnerung der Welt außer uns. Jeder Mensch ist mit dieser Aura umgeben. Nicht nur in uns hinein ist erinnerungsgemäß eingegraben das gegenwärtige Erdenleben, sondern um uns herum sind die Erdenleben des Menschen eingegraben. Nicht immer ist es leicht, diese Erinnerung zu entziffern, aber sie ist da. Die Entzifferung ist schwierig, und diejenigen Fälle, in denen ich Ihnen von solcher Entzifferung gesprochen habe in den vergangenen Tagen, sie waren nicht leicht in die Erkenntnis hinaufzubringen. Aber da ist alles. Der Mensch hat nicht nur ein Gedächtnis in sich, der Mensch hat ein aurisches Gedächtnis um sich herum. Es ist nicht möglich, in einem einzigen Augenblick — da, wo man sich dem nähert, was man im Erdenleben durchgemacht hat — dieses Gedächtnis heranzuholen. Dieses “ Gedächtnis braucht immer Tage. Da muß mitarbeiten das Aufwachen und Einschlafen, wie ich es beschrieben habe. Es kann niemals gesagt werden, irgendein Erleben ist da, man soll sich erinnern, wie es gestaltet ist aus früheren Erdenleben heraus. Man muß dieses Erleben klar und imaginativ und mit seiner es durchdringenden Inspiration ins Auge fassen; dann muß man warten, bis es sich enthüllt. Der geistigen Welt gegenüber darf man mit den Forschungen niemals spekulieren, niemals etwas ausdenken, sondern nur die Vorbereitungen treffen, daß etwas aus der geistigen Welt heraus sich offenbaren kann. Wer da glaubt, die geistige Welt zwingen zu können, daß sie ihm dieses oder jenes offenbart, der wird sich gar sehr irren, der wird nur Irrtümer aus ihr herausbekommen. Man muß vorbereiten dasjenige, was man erhoffen kann, mehr oder weniger gnadevoll geoffenbart zu bekommen aus der geistigen Welt heraus.
[ 11 ] Sehen Sie, das ist der Erkenntnisweg, der mit der Initiationswissenschaft das Karma enthüllen kann. Durch ihn wird enthüllt, daß jeder Mensch das Karma wie eine Art Aura um sich trägt. Aber von dem, was der Mensch so an sich trägt, kann man auf diesem Wege der Dankbarkeit im Leben, wie ich sie geschildert habe, eine Ahnung bekommen. Man kann diese Ahnung von dem Eingeschlossensein in einen solchen karmisch-aurischen Mantel bekommen. Nur wird es nicht im Laufe von einigen Tagen gehen, wie bei der Initiations-Erkenntnis, sondern es wird sich bei einer intimeren Selbstbeobachtung des Menschen einstellen nach und nach oftmals für weit zurückliegende Ereignisse, auf die wir gerade den Blick wenden. Aber wenn ein gewisses Ereignis aus der Vergangenheit unseres Erdenlebens reif ist dazu, von uns so beurteilt zu werden, daß wir in es hereinspielen sehen die vorbereitenden Kräfte früherer Erdenleben, so bekommen wir schon eine Ahnung. Nur ist leider heute dasjenige im Seelenleben des Menschen ziemlich selten, was so tief in die eigene Seele hineinschürft, daß es bis zu dieser Auffassung des eigenen Erlebnisses kommt, an das man auch nur in diesem Dankbarkeitsgefühl herandringt. Das Leben wird heute von den Menschen viel zu äußerlich genommen. Man stürmt durch das Leben, hält nicht still an dem Erfühlen der einzelnen Erlebnisse. Es ist schon so: Wenn man mit einer gewissen Empfindung von der kosmischen Bedeutung des Menschenlebens aufgewachsen ist, dann könnte es einem in unserer Zeit manchmal ganz merkwürdig erscheinen, wie wenig die Menschen in Wirklichkeit eigentlich das sind, was sie vorstellen, wie stark die Menschen oftmals einfach mitgenommen werden vom Leben, ohne in diesem Leben individuell stark etwas zu sein.
[ 11 ] Sehen Sie, das ist der Erkenntnisweg, der mit der Initiationswissenschaft das Karma enthüllen kann. Durch ihn wird enthüllt, daß jeder Mensch das Karma wie eine Art Aura um sich trägt. Aber von dem, was der Mensch so an sich trägt, kann man auf diesem Wege der Dankbarkeit im Leben, wie ich sie geschildert habe, eine Ahnung bekommen. Man kann diese Ahnung von dem Eingeschlossensein in einen solchen karmisch-aurischen Mantel bekommen. Nur wird es nicht im Laufe von einigen Tagen gehen, wie bei der Initiations-Erkenntnis, sondern es wird sich bei einer intimeren Selbstbeobachtung des Menschen einstellen nach und nach oftmals für weit zurückliegende Ereignisse, auf die wir gerade den Blick wenden. Aber wenn ein gewisses Ereignis aus der Vergangenheit unseres Erdenlebens reif ist dazu, von uns so beurteilt zu werden, daß wir in es hereinspielen sehen die vorbereitenden Kräfte früherer Erdenleben, so bekommen wir schon eine Ahnung. Nur ist leider heute dasjenige im Seelenleben des Menschen ziemlich selten, was so tief in die eigene Seele hineinschürft, daß es bis zu dieser Auffassung des eigenen Erlebnisses kommt, an das man auch nur in diesem Dankbarkeitsgefühl herandringt. Das Leben wird heute von den Menschen viel zu äußerlich genommen. Man stürmt durch das Leben, hält nicht still an dem Erfühlen der einzelnen Erlebnisse. Es ist schon so: Wenn man mit einer gewissen Empfindung von der kosmischen Bedeutung des Menschenlebens aufgewachsen ist, dann könnte es einem in unserer Zeit manchmal ganz merkwürdig erscheinen, wie wenig die Menschen in Wirklichkeit eigentlich das sind, was sie vorstellen, wie stark die Menschen oftmals einfach mitgenommen werden vom Leben, ohne in diesem Leben individuell stark etwas zu sein.
[ 12 ] Ich möchte auch da an konkrete einzelne Fälle anknüpfen. sehen Sie, da fiel mir einmal im Leben ein Geschichtslehrer auf, ein Geschichtslehrer, der ein sehr gescheiter Mann war, auch auf seine Schüler den Eindruck eines sehr gescheiten Mannes machte, der, man konnte sagen, wenn er wollte, mit einer gewissen inneren Begeisterung, die er in die Betonung seiner Rede hineinlegte, die Geschichte seinen Schülern vortrug, so daß sich schon, wenn gerade der richtige Augenblick da war, Enthusiasmus für diesen Geschichtslehrer entwickeln konnte. Es war etwas Merkwürdiges mit diesem Geschichtslehrer. Ich sah ihn auftreten, wie er in der Tat unter seinen Schülern zunächst Enthusiasmus entwickeln konnte. Dann nahm ihn das Leben an dem Orte, wo er war, gefangen; er wurde nachlässig, er brachte nicht mehr die eigene Begeisterung auf, die er früher in seine Vorträge hineingelegt hatte. Er las vor aus Büchern, von denen er glaubte, daß die Schüler sie nicht kennen und auch nicht an sie herankommen würden. Nun ist einer der Schüler einmal dem nachgestiegen und hat nachgeschaut, aus welchem Buche das war, was er vorgelesen hatte. Da haben es sich alle Schüler gekauft und haben alles auswendig gelernt, und waren «ausgezeichnete Schüler». Er wurde endlich so oberflächlich, daß er gar nicht mehr dabei war bei dem, was er in seiner Klasse vor seinen Schülern vorbrachte. Nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit hatte sich diese Umwandlung vollzogen, und man mußte sich schon wundern, wie wenig er dabei war, nachdem er vor ganz kurzer Zeit noch Begeisterung hervorgerufen hatte. Wieder vergingen ein paar Jahre, und derselbe Geschichtslehrer, von dem ich eine ganze Anzahl von Schülern hatte sagen hören in ordentlicher Begeisterung der Jugend: Das ist einmal ein Mann, der für Geschichte schwärmt, bei dem kann man etwas lernen! —, endete ganz merkwürdig in der trivialsten Lebensversumpfung. In wenigen Jahren war er so stark im trivialen Leben versumpft, daß er außerhalb der Stadt wohnen mußte, in welcher er Lehrer war, weil er so wenig Ansehen hatte, daß er gar nicht in der Stadt wohnen konnte.
[ 12 ] Ich möchte auch da an konkrete einzelne Fälle anknüpfen. sehen Sie, da fiel mir einmal im Leben ein Geschichtslehrer auf, ein Geschichtslehrer, der ein sehr gescheiter Mann war, auch auf seine Schüler den Eindruck eines sehr gescheiten Mannes machte, der, man konnte sagen, wenn er wollte, mit einer gewissen inneren Begeisterung, die er in die Betonung seiner Rede hineinlegte, die Geschichte seinen Schülern vortrug, so daß sich schon, wenn gerade der richtige Augenblick da war, Enthusiasmus für diesen Geschichtslehrer entwickeln konnte. Es war etwas Merkwürdiges mit diesem Geschichtslehrer. Ich sah ihn auftreten, wie er in der Tat unter seinen Schülern zunächst Enthusiasmus entwickeln konnte. Dann nahm ihn das Leben an dem Orte, wo er war, gefangen; er wurde nachlässig, er brachte nicht mehr die eigene Begeisterung auf, die er früher in seine Vorträge hineingelegt hatte. Er las vor aus Büchern, von denen er glaubte, daß die Schüler sie nicht kennen und auch nicht an sie herankommen würden. Nun ist einer der Schüler einmal dem nachgestiegen und hat nachgeschaut, aus welchem Buche das war, was er vorgelesen hatte. Da haben es sich alle Schüler gekauft und haben alles auswendig gelernt, und waren «ausgezeichnete Schüler». Er wurde endlich so oberflächlich, daß er gar nicht mehr dabei war bei dem, was er in seiner Klasse vor seinen Schülern vorbrachte. Nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit hatte sich diese Umwandlung vollzogen, und man mußte sich schon wundern, wie wenig er dabei war, nachdem er vor ganz kurzer Zeit noch Begeisterung hervorgerufen hatte. Wieder vergingen ein paar Jahre, und derselbe Geschichtslehrer, von dem ich eine ganze Anzahl von Schülern hatte sagen hören in ordentlicher Begeisterung der Jugend: Das ist einmal ein Mann, der für Geschichte schwärmt, bei dem kann man etwas lernen! —, endete ganz merkwürdig in der trivialsten Lebensversumpfung. In wenigen Jahren war er so stark im trivialen Leben versumpft, daß er außerhalb der Stadt wohnen mußte, in welcher er Lehrer war, weil er so wenig Ansehen hatte, daß er gar nicht in der Stadt wohnen konnte.
[ 13 ] Eine solche Schicksalswendung, die erscheint einem doch als eine große Rätselfrage, und gerade an solchen Schicksalswendungen beginnt man, wenn man das Leben tief genug auffaßt, die karmischen Fragen zu stellen. Denn zahlreiche andere Menschen — wie soll ich sagen — wursteln halt so fort, indem sie so bleiben, wie sie sind, indem sie nicht solche radikalen Wendungen durchmachen. Lebt man dann in der wirklichen Geist-Erkenntnis drinnen, so werden solche Schicksale wie das, was ich Ihnen erzähle, eben zu großen Problemen. Wir werden auf der einen Seite durch Geist-Erkenntnis herangeführt zu den großen Problemen, die uns gestern am Ende einer Inkarnationenreihe Woodrow Wilson gezeigt haben, aber auf der anderen Seite werden wir in dem Leben, das uns unmittelbar umgibt, an die großen Schicksalsfragen des Menschen im Denken herangeführt. Man findet dann schon heraus, wenn man so etwas ganz unbefangen betrachtet: das kann doch nicht aus diesem Leben, in dem man gerade ist, herrühren! Und zahlreich werden in einem Erdenleben noch ganz andere Fälle sein, die nicht eine solche Schicksalswendung finden; da muß man dann mit seinem ganzen Menschenfotschen eingreifen in die Sehnsucht nach dem Verständnis solcher Schicksalsfragen. Und dann stellen sich neben solche Fälle andere hin. Ich will noch ein Beispiel anführen. Gerade diese Beispiele schienen mir immer so — um meiner Anschauung über das Karma die nötige Farbe zu geben — durch mein eigenes Karma mir auf den Weg hingestellt.
[ 13 ] Eine solche Schicksalswendung, die erscheint einem doch als eine große Rätselfrage, und gerade an solchen Schicksalswendungen beginnt man, wenn man das Leben tief genug auffaßt, die karmischen Fragen zu stellen. Denn zahlreiche andere Menschen — wie soll ich sagen — wursteln halt so fort, indem sie so bleiben, wie sie sind, indem sie nicht solche radikalen Wendungen durchmachen. Lebt man dann in der wirklichen Geist-Erkenntnis drinnen, so werden solche Schicksale wie das, was ich Ihnen erzähle, eben zu großen Problemen. Wir werden auf der einen Seite durch Geist-Erkenntnis herangeführt zu den großen Problemen, die uns gestern am Ende einer Inkarnationenreihe Woodrow Wilson gezeigt haben, aber auf der anderen Seite werden wir in dem Leben, das uns unmittelbar umgibt, an die großen Schicksalsfragen des Menschen im Denken herangeführt. Man findet dann schon heraus, wenn man so etwas ganz unbefangen betrachtet: das kann doch nicht aus diesem Leben, in dem man gerade ist, herrühren! Und zahlreich werden in einem Erdenleben noch ganz andere Fälle sein, die nicht eine solche Schicksalswendung finden; da muß man dann mit seinem ganzen Menschenfotschen eingreifen in die Sehnsucht nach dem Verständnis solcher Schicksalsfragen. Und dann stellen sich neben solche Fälle andere hin. Ich will noch ein Beispiel anführen. Gerade diese Beispiele schienen mir immer so — um meiner Anschauung über das Karma die nötige Farbe zu geben — durch mein eigenes Karma mir auf den Weg hingestellt.
[ 14 ] Ich habe eine andere Persönlichkeit, auch einen Lehrer, persönlich kennengelernt. Der war eigentlich noch mehr verehrt als dieser andere, von dem ich gesprochen habe, war ganz außerordentlich verehrt von den Schülern. Die Schüler hatten so die Vorstellung: Das ist der größte Weise, der überhaupt gegenwärtig in der Welt existiert. — Solchen Eindruck hat der Betreffende auf seine Schüler gemacht — nicht auf alle, zum Beispiel nicht auf mich selbst, aber das ist eine Privatsache, das ist nicht charakteristisch — aber auf zahlreiche Schüler. Nun trug sich etwas höchst Merkwürdiges zu. Während man hätte glauben können aus der Art und Weise, wie sich das Verhältnis dieses Herrn zu seinen Schülern begründete — er hatte ja mit allem Enthusiasmus, mit jeder Fiber seiner Seele drinnengesteckt, so daß der Unterricht ihn scheinbar befriedigte —, entdeckte man plötzlich an ihm, daß er außerordentlich froh war, nicht mehr unterrichten zu brauchen, weil er zum Direktor ernannt worden war einer viel minderwertigeren Schule, als die war, an der er früher unterrichtet hatte. Er war froh, die Direktorengeschäfte machen zu können, die ja viel trivialer waren als das eigentliche Unterrichten. Und das Allerauffälligste, das Allerfrappierendste war, daß dieser selbe Mann, der begeistert reden konnte von Homer und Äschylos, der in wunderbarer Weise die Geographie seinen Schülern auseinandersetzte, daß dieser selbe Mann im trivial-politischen Parteiwesen endete. Geradezu unbegreiflich!
[ 14 ] Ich habe eine andere Persönlichkeit, auch einen Lehrer, persönlich kennengelernt. Der war eigentlich noch mehr verehrt als dieser andere, von dem ich gesprochen habe, war ganz außerordentlich verehrt von den Schülern. Die Schüler hatten so die Vorstellung: Das ist der größte Weise, der überhaupt gegenwärtig in der Welt existiert. — Solchen Eindruck hat der Betreffende auf seine Schüler gemacht — nicht auf alle, zum Beispiel nicht auf mich selbst, aber das ist eine Privatsache, das ist nicht charakteristisch — aber auf zahlreiche Schüler. Nun trug sich etwas höchst Merkwürdiges zu. Während man hätte glauben können aus der Art und Weise, wie sich das Verhältnis dieses Herrn zu seinen Schülern begründete — er hatte ja mit allem Enthusiasmus, mit jeder Fiber seiner Seele drinnengesteckt, so daß der Unterricht ihn scheinbar befriedigte —, entdeckte man plötzlich an ihm, daß er außerordentlich froh war, nicht mehr unterrichten zu brauchen, weil er zum Direktor ernannt worden war einer viel minderwertigeren Schule, als die war, an der er früher unterrichtet hatte. Er war froh, die Direktorengeschäfte machen zu können, die ja viel trivialer waren als das eigentliche Unterrichten. Und das Allerauffälligste, das Allerfrappierendste war, daß dieser selbe Mann, der begeistert reden konnte von Homer und Äschylos, der in wunderbarer Weise die Geographie seinen Schülern auseinandersetzte, daß dieser selbe Mann im trivial-politischen Parteiwesen endete. Geradezu unbegreiflich!
[ 15 ] Ich führe dieses Beispiel eben nur als Beispiel an, denn ich könnte zu den beiden, die ich angeführt habe, noch eine ganze Anzahl hinzufügen. Es würden das solche Persönlichkeiten der weiter ausgebreiteten Gegenwart sein, bei denen man eigentlich das Gefühl hat: die sind wenig in ihrem Ich vom Leben ergriffen worden. Sie stehen als Persönlichkeiten da, die wenig vom Leben individuell ergriffen worden sind, sondern das Leben faßte sie von außen an. Faßt es sie einmal an, wenn sie noch nahestehen ihrer Seminarprüfung, ihrer Universitätsbildung, wo sie begeistert gehört haben, dann sind sie mit Begeisterung drinnen. Faßt das Leben sie mehr mit Trivialem an, dann finden sie sich ins Triviale hinein, dann sind sie auch zufrieden; nichts faßt ganz tief die Seele in ihnen. Wenn es nach der Gescheitheit ginge, nach der Verständigkeit — ja, wie viele Menschen wären heute Anthroposophen! Denn gescheit genug zur Anthroposophie sind heute Millionen und aber Millionen von Menschen. Dasjenige, was in unserer Zeit hindert, gerade an Anthroposophie heranzukommen, das ist dieses: das Leben oberflächlich nehmen mit seiner Seele, mit seiner Seele gar nicht hinkommen zu dem Leben, das Leben so vorüberfluten lassen in seinen Tiefen und in seinen Oberflächen und Banalitäten. Man geht in das eine Leben hinein wie in das andere, kann eine Zeitlang ein kleiner Schulreformer sein, nachher den ganzen Tag im Kaffeehaus sitzen und Billard spielen, den lieben langen Tag gar nicht eine Pause darin machen. Solche Dinge ereignen sich ja in unserem Leben.
[ 15 ] Ich führe dieses Beispiel eben nur als Beispiel an, denn ich könnte zu den beiden, die ich angeführt habe, noch eine ganze Anzahl hinzufügen. Es würden das solche Persönlichkeiten der weiter ausgebreiteten Gegenwart sein, bei denen man eigentlich das Gefühl hat: die sind wenig in ihrem Ich vom Leben ergriffen worden. Sie stehen als Persönlichkeiten da, die wenig vom Leben individuell ergriffen worden sind, sondern das Leben faßte sie von außen an. Faßt es sie einmal an, wenn sie noch nahestehen ihrer Seminarprüfung, ihrer Universitätsbildung, wo sie begeistert gehört haben, dann sind sie mit Begeisterung drinnen. Faßt das Leben sie mehr mit Trivialem an, dann finden sie sich ins Triviale hinein, dann sind sie auch zufrieden; nichts faßt ganz tief die Seele in ihnen. Wenn es nach der Gescheitheit ginge, nach der Verständigkeit — ja, wie viele Menschen wären heute Anthroposophen! Denn gescheit genug zur Anthroposophie sind heute Millionen und aber Millionen von Menschen. Dasjenige, was in unserer Zeit hindert, gerade an Anthroposophie heranzukommen, das ist dieses: das Leben oberflächlich nehmen mit seiner Seele, mit seiner Seele gar nicht hinkommen zu dem Leben, das Leben so vorüberfluten lassen in seinen Tiefen und in seinen Oberflächen und Banalitäten. Man geht in das eine Leben hinein wie in das andere, kann eine Zeitlang ein kleiner Schulreformer sein, nachher den ganzen Tag im Kaffeehaus sitzen und Billard spielen, den lieben langen Tag gar nicht eine Pause darin machen. Solche Dinge ereignen sich ja in unserem Leben.
[ 16 ] Sehen Sie, da entsteht die große Frage: Wie kommt das zustande? — Für zahlreiche Seelen zeigt es sich, auf welch merkwürdige Weise das zustande gekommen ist. Eine ganze Anzahl solcher Persönlichkeiten wie ich sie durch die beiden Exempel geschildert habe, führen einen zurück in die ersten christlichen Jahrhunderte, wo diese Persönlichkeiten ihre maßgebenden früheren Erdenleben hatten, in diejenigen christlichen Jahrhunderte, wo das Christentum im Süden und auch schon etwas in der Mitte von Europa die Gestalt angenommen hatte, die es später vielfach für den Menschen beibehalten hat; wo jene Mysterienweisheit verglommen war, von der ich gezeigt habe in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache », daß aus ihr das Christentum herausgewachsen ist, das kosmische Christus-Erlebnis, das Wissen davon, daß aus der Sonne, die ein Geistiges ist im Kosmos, der Christus ausgegangen ist und auf die Erde gekommen ist, um der Erde das zu sein, was es ihr geworden ist. Dieses Wissen, das von der Erde heraus sich weitet in kosmische Geistigkeit hinein, dieses Wissen war bei den maßgebenden christlichen Menschen im ersten Jahrhundert vorhanden und verglomm im vierten, fünften, sechsten, siebenten nachchristlichen Jahrhundert. Dann verglomm es so sehr, daß es ja heute so weit gekommen ist — aber dazumal hat es schon begonnen —, daß der größte Vorwurf für die Auffassung des Christus durch die Anthroposophie darin besteht: die Anthroposophie fasse den Christus als ein kosmisches Wesen, als ein Sonnenwesen auf. Sie sehen es überall bei den Gegnern: das wird der Anthroposophie zur größten Sünde gerechnet, daß sie den Christus kosmologisch auffaßt. Da wird gesagt: Das ist ein Aufwärmen dessen, was einmal als gnostisches Christentum da war. — Nun wissen die Leute ja nicht, was gnostisches Christentum überhaupt ist. Denn außer einigem Wenigen, aus dem wenig zu entnehmen ist, wie die Pistis Sophia, ist ja die Gnosis der Nachwelt nur durch die Gegnerschriften bekanntgeworden. Gnosis kennt man eigentlich nicht. Man weiß nur durch die Gegnerschriften davon. Denken Sie einmal über die Frage nach: Wenn von der Anthroposophie nichts bekannt bleiben würde als die Schriften meiner heutigen Gegner, wenn alles vernichtet würde außer den Schriften meiner Gegner, wie man da Anthroposophie in der Nachwelt schildern würde! — Das ist, was von manchen Leuten angestrebt wird und von manchen Kritikern: die anthroposophischen Bücher, die ja zahlreich vorhanden sind, so zu behandeln wie die gnostischen Schriften. Dann wären nur die Schriften der Gegner da; sie wären das erste, worauf man hinsehen würde: lauter Gegnerbücher! Das wäre höchst interessant. In bezug auf die Gnosis konnten die Menschen für die äußere Forschung nichts anderes bekommen als die Gegnerbücher. So daß der Satz ein einfacher Unsinn ist: «Die alte Gnosis wird aufgewärmt»; denn niemand kann es tun, der nicht die Gnosis selber kennt aus ihren Schriften, diese aber sind verlorengegangen! Aus Schriften, die zumeist von Gegnern geschrieben sind, kann man sie nicht kennenlernen; etwas anderes ist aber nicht auf die Nachwelt gekommen. Aber immerhin, auch das zeigt, daß es einem als die größte Sünde angerechnet wird, wenn man den Christus zusammenbringt mit dem Geiste des Kosmos. In einer wirklichen Auffassung der Evangelien muß jede Seite, jeder Satz der Evangelien auf das Kosmische im Christus hinweisen. Aber das ist allmählich vertilgt worden. Und in der Zeit, in der es am meisten vertilgt worden ist, sind zumeist diejenigen Menschen inkarniert gewesen, die, wenn sie heute wiederkommen, nicht den Anschluß an das Leben finden, weil sie in ihrer vorigen Inkarnation, wo sie auch schon klug und gescheit waren, unmöglich durch ihre Zeitbildung etwas wissen konnten über den Zusammenhang der Erde mit dem geistigen Leben im Kosmos. Weil sie gewissermaßen so hintaumelten durch das Leben, wie wenn die Erde nur ganz in sich selber abgeschlossen wäre und da draußen nichts zu sehen wäre als physische Sterne, wenden sie sich bei ihrer Wiederverkörperung gleichsam hintaumelnd an das auf sie wirkende reale Leben.
[ 16 ] Sehen Sie, da entsteht die große Frage: Wie kommt das zustande? — Für zahlreiche Seelen zeigt es sich, auf welch merkwürdige Weise das zustande gekommen ist. Eine ganze Anzahl solcher Persönlichkeiten wie ich sie durch die beiden Exempel geschildert habe, führen einen zurück in die ersten christlichen Jahrhunderte, wo diese Persönlichkeiten ihre maßgebenden früheren Erdenleben hatten, in diejenigen christlichen Jahrhunderte, wo das Christentum im Süden und auch schon etwas in der Mitte von Europa die Gestalt angenommen hatte, die es später vielfach für den Menschen beibehalten hat; wo jene Mysterienweisheit verglommen war, von der ich gezeigt habe in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache », daß aus ihr das Christentum herausgewachsen ist, das kosmische Christus-Erlebnis, das Wissen davon, daß aus der Sonne, die ein Geistiges ist im Kosmos, der Christus ausgegangen ist und auf die Erde gekommen ist, um der Erde das zu sein, was es ihr geworden ist. Dieses Wissen, das von der Erde heraus sich weitet in kosmische Geistigkeit hinein, dieses Wissen war bei den maßgebenden christlichen Menschen im ersten Jahrhundert vorhanden und verglomm im vierten, fünften, sechsten, siebenten nachchristlichen Jahrhundert. Dann verglomm es so sehr, daß es ja heute so weit gekommen ist — aber dazumal hat es schon begonnen —, daß der größte Vorwurf für die Auffassung des Christus durch die Anthroposophie darin besteht: die Anthroposophie fasse den Christus als ein kosmisches Wesen, als ein Sonnenwesen auf. Sie sehen es überall bei den Gegnern: das wird der Anthroposophie zur größten Sünde gerechnet, daß sie den Christus kosmologisch auffaßt. Da wird gesagt: Das ist ein Aufwärmen dessen, was einmal als gnostisches Christentum da war. — Nun wissen die Leute ja nicht, was gnostisches Christentum überhaupt ist. Denn außer einigem Wenigen, aus dem wenig zu entnehmen ist, wie die Pistis Sophia, ist ja die Gnosis der Nachwelt nur durch die Gegnerschriften bekanntgeworden. Gnosis kennt man eigentlich nicht. Man weiß nur durch die Gegnerschriften davon. Denken Sie einmal über die Frage nach: Wenn von der Anthroposophie nichts bekannt bleiben würde als die Schriften meiner heutigen Gegner, wenn alles vernichtet würde außer den Schriften meiner Gegner, wie man da Anthroposophie in der Nachwelt schildern würde! — Das ist, was von manchen Leuten angestrebt wird und von manchen Kritikern: die anthroposophischen Bücher, die ja zahlreich vorhanden sind, so zu behandeln wie die gnostischen Schriften. Dann wären nur die Schriften der Gegner da; sie wären das erste, worauf man hinsehen würde: lauter Gegnerbücher! Das wäre höchst interessant. In bezug auf die Gnosis konnten die Menschen für die äußere Forschung nichts anderes bekommen als die Gegnerbücher. So daß der Satz ein einfacher Unsinn ist: «Die alte Gnosis wird aufgewärmt»; denn niemand kann es tun, der nicht die Gnosis selber kennt aus ihren Schriften, diese aber sind verlorengegangen! Aus Schriften, die zumeist von Gegnern geschrieben sind, kann man sie nicht kennenlernen; etwas anderes ist aber nicht auf die Nachwelt gekommen. Aber immerhin, auch das zeigt, daß es einem als die größte Sünde angerechnet wird, wenn man den Christus zusammenbringt mit dem Geiste des Kosmos. In einer wirklichen Auffassung der Evangelien muß jede Seite, jeder Satz der Evangelien auf das Kosmische im Christus hinweisen. Aber das ist allmählich vertilgt worden. Und in der Zeit, in der es am meisten vertilgt worden ist, sind zumeist diejenigen Menschen inkarniert gewesen, die, wenn sie heute wiederkommen, nicht den Anschluß an das Leben finden, weil sie in ihrer vorigen Inkarnation, wo sie auch schon klug und gescheit waren, unmöglich durch ihre Zeitbildung etwas wissen konnten über den Zusammenhang der Erde mit dem geistigen Leben im Kosmos. Weil sie gewissermaßen so hintaumelten durch das Leben, wie wenn die Erde nur ganz in sich selber abgeschlossen wäre und da draußen nichts zu sehen wäre als physische Sterne, wenden sie sich bei ihrer Wiederverkörperung gleichsam hintaumelnd an das auf sie wirkende reale Leben.
[ 17 ] So schaut man in das Schicksal der Menschen hinein. Man kommt darauf, wie die Zeitbildung auf eine ganz große Menge von Menschen diesen Einfluß genommen hat, daß sie sie veroberflächlicht hat und sie schon mit der Anlage zur Veroberflächlichung in diesem Leben erscheinen, wie ich es Ihnen geschildert habe. Denn so erleben Sie diese Menschen, die einmal in einer früheren Inkarnation den Zusammenhang mit den Geistesmächten im Kosmos verloren haben: sie können in der nächsten Inkarnation, für welche die betreffende maßgebend war, den Zusammenhang mit dem irdischen Leben nicht finden. Alle kosmischen Gedanken sollen aber nicht bloß Betrachtungen in unser Leben hineinbringen, sondern Wille, Tat. Und da müssen wir denn doch bedenken: Wie wird es in der Zukunft gehen, wenn nun zu dem Nicht-Erfassen des Geistes im Kosmos auch noch das Nicht-Erfassen des irdischen Lebens kommt, das Hingehen durch die Trivialitäten in derselben Art wie durch die Tiefen des Lebens? — Da wird die Karmabetrachtung wirklich ernst. Sie kann nur in ernstester Weise unter uns leben. Ich wollte heute mehr von der Gefühlsseite aus eine Karmabetrachtung geben.
[ 17 ] So schaut man in das Schicksal der Menschen hinein. Man kommt darauf, wie die Zeitbildung auf eine ganz große Menge von Menschen diesen Einfluß genommen hat, daß sie sie veroberflächlicht hat und sie schon mit der Anlage zur Veroberflächlichung in diesem Leben erscheinen, wie ich es Ihnen geschildert habe. Denn so erleben Sie diese Menschen, die einmal in einer früheren Inkarnation den Zusammenhang mit den Geistesmächten im Kosmos verloren haben: sie können in der nächsten Inkarnation, für welche die betreffende maßgebend war, den Zusammenhang mit dem irdischen Leben nicht finden. Alle kosmischen Gedanken sollen aber nicht bloß Betrachtungen in unser Leben hineinbringen, sondern Wille, Tat. Und da müssen wir denn doch bedenken: Wie wird es in der Zukunft gehen, wenn nun zu dem Nicht-Erfassen des Geistes im Kosmos auch noch das Nicht-Erfassen des irdischen Lebens kommt, das Hingehen durch die Trivialitäten in derselben Art wie durch die Tiefen des Lebens? — Da wird die Karmabetrachtung wirklich ernst. Sie kann nur in ernstester Weise unter uns leben. Ich wollte heute mehr von der Gefühlsseite aus eine Karmabetrachtung geben.
