Initiate Consciousness
True and False Paths of Spiritual Research
GA 243
11 August 1924, Torquay
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True and False Paths in Spiritual Investigation, tr. Parker
1. Die Natur ist die große Illusion «Erkenne dich selbst»
1. Nature is the Great Illusion; Know Thyself
Warum forschen wir überhaupt nach einem Geistigen?
Not translated
[ 1 ] Es ist mir der Wunsch ausgedrückt worden, in diesen Vorträgen zu sprechen über die Wege in die übersinnliche Welt, in das geistige Leben hinein, die Wege, welche zu übersinnlichen Erkenntnissen führen und die sich vereinigen können mit den in so großer, schöner Weise in der neueren Zeit gegangenen Wegen zur Erkenntnis der sinnlichen, der physischen Welt. Denn nur derjenige Mensch kann die Wirklichkeit erkennen, der zu den großen, bewunderungswürdigen Erkenntnissen, welche die Naturwissenschaft, die historische Wissenschaft, welche anderes Erkennen in der neueren Zeit geleistet hat, hinzufügt dasjenige, was man in bezug auf die geistige Welt wissen kann.
[ 1 ] I have been asked to speak in these lectures about paths leading to a knowledge of the super-sensible world. This knowledge, and our knowledge of the phenomenal world, the fruit of years of patient and diligent study, to which we owe the magnificent achievements of modern times, are complementary. For reality can be apprehended only by the person who is able to reinforce the remarkable discoveries which the natural and historical sciences have added to our stock of knowledge in recent times with insight derived from the spiritual world.
[ 2 ] Überall, wo uns die Welt entgegentritt, ist sie in Wahrheit geistig und physisch, und es gibt nirgends ein Physisches, das nicht hinter sich in irgendeiner Weise als den eigentlichen Akteur ein Geistiges hätte. Und es gibt nicht irgendein Geistiges, das, nur um sich zu langweilen in der Welt, ein wesenloses, tatenloses Dasein führte, sondern jedes Geistige, das irgendwo gefunden werden kann, wird auch bis ins Physische hinein zu irgendeiner Zeit oder an irgendeinem Orte wirksam.
[ 2 ] Wherever the external world confronts us we are in no doubt that it is both spiritual and physical; behind every physical phenomenon will be found in some form or other a spiritual agent which is the real protagonist. The spiritual cannot exist in a vacuum for the spiritual is operative at all times and actively permeates the physical at some undefined time or place.
[ 3 ] Wie man innerhalb der physischen Tatsachen auf der einen Seite, wie man durch die Anschauung des Geistigen auf der anderen Seite die Welt, in der der Mensch lebt, in ihrer Totalität erkennen kann, darüber soll gesprochen werden, gesprochen werden so, daß die richtigen und die falschen Methoden dieser Erkenntnis hier in diesen Vorträgen zur Darstellung kommen.
[ 3 ] I propose to discuss in these lectures how the world in which man lives may be known in its totality, on the one hand through a consideration of his physical environment and, on the other hand, through the perception of the spiritual. In this way I hope to indicate the true and false methods of attaining such knowledge.
[ 4 ] Heute möchte ich, bevor ich den eigentlichen Gegenstand, mit dem ich morgen anfangen werde, bespreche, eine Art Einleitung geben, damit Sie sehen, was eigentlich von diesen Vorträgen zu erwarten ist, was mit ihnen beabsichtigt ist. Es wird sich darum handeln, zunächst die Frage uns nahezulegen: Warum forschen wir denn überhaupt nach einem Geistigen? Warum befriedigen wir uns als Menschen, die in der Welt denken, in der Welt fühlen, die in der Welt etwas tun, warum befriedigen wir uns nicht damit, die sinnlich-physische Welt einfach aufzufassen, in ihr zu wirken? Warum streben wir nach der Erkenntnis eines Geistigen?
[ 4 ] Before touching upon the actual subject matter of these lectures tomorrow I should like to offer a brief introduction so that you may have some idea of what to expect from them and what purpose I have in view. They are concerned in the first place to bring home to us the question: why do we undertake spiritual investigation at all? Why, as thinking, feeling, practical persons, are we not prepared to accept the phenomenal world as it is and take an active part in it? Why do we strive at all to attain knowledge of a spiritual world?
[ 5 ] Ich darf dabei auf eine alte Anschauung, ein altes Wort hinweisen, das aber eine immer erweiterte Wahrheit enthält, das herübertönt aus Urzeiten menschlichen Denkens und menschlichen Strebens, das wir aber auch finden, wenn wir heute forschen nach dem Wesen der Welt. Ohne daß hier auch nur das geringste gebaut werden soll auf fremde alte Anschauungen, möchte ich aber immer da, wo es am Platze ist, auf solche alten Anschauungen hinweisen.
[ 5 ] In this context I should like to refer to an ancient conception, an old saying that embraces a truth ever more widely accepted and which, inherited from the earliest days of human thinking and aspiration, is still found today when we inquire into the Ground of the world. Without in any way using these ancient, outmoded conceptions as a basis, I would like, none the less, to call attention to them whenever the occasion arises.
[ 6 ] Da tönt uns mit einem Alter von Jahrtausenden aus dem Orient herüber das Wort: Die Welt, die wir mit den Sinnen sehen, ist Maja. Diese Welt, die wir mit den Sinnen sehen, ist die große Illusion, denn Maja ist ja die große Illusion. Und wenn — so fühlte man immer im Verlaufe der menschlichen Entwickelung — diese Welt die große Illusion ist, so muß der Mensch über diese große Illusion hinaus zur wahren Wirklichkeit kommen.
[ 6 ] From the East there echoes across thousands of years the saying: the world that we perceive with our senses is Maya, the Great Illusion. And if, as man has always felt during the course of his development, the world is Maya, then he must transcend the ‘Great Illusion’ to find ultimate truth.
[ 7 ] Aber warum faßt denn der Mensch diese Welt, die er mit seinen Augen sieht, mit seinen Ohren hört, mit seinen übrigen Sinnen wahrnimmt, als die große Illusion auf? Warum taten sich denn auf, gerade in den ältesten Zeiten der Menschheit, wo der Mensch dem Geist nähergestanden hat als heute, Mysterienstätten, die zu gleicher Zeit zur Pflege der Wissenschaft, der Religion, der Kunst, des praktiischen Lebens da waren, und die auf die Realität, auf die Wahrheit hinweisen wollten gegenüber dem, was im nur äußeren Leben die große Illusion darstellt, in der der Mensch erkennt und in der er mit seinem gewöhnlichen Wirken zunächst auch lebt? Warum die überragenden Weisen, die ihre Schüler ausbildeten in den heiligen Mysterien der alten Zeiten, die zur Wahrheit führen wollten gegenüber der Illusion — warum das? Ja, diese Frage, sie beantwortet sich nur, wenn man etwas unbefangener, vorurteilsloser auf den Menschen selber hinsieht.
[ 7 ] But why did man look upon this world of sense-impressions as Maya? Why, precisely in the earliest times when men were nearer to the spirit than they are today, did the Mystery Centres arise, Centres that were dedicated to the cultivation of science, religion, art and practical living, whose aim was to point the way to truth and reality, in contradistinction to that which, purely in the external world, was the Great Illusion, the source of man's knowledge and activity? How is one to account for those illustrious sages who trained their neophytes in the ancient, holy Mysteries and sought to lead them from illusion to truth? This question can only be answered if one reviews man more dispassionately, from a more detached angle.
[ 8 ] «Erkenne dich selbst», so tönt ja ein anderes altes Wort wiederum zu uns. Und, ich möchte sagen, aus dem Zusammenfügen dieser beiden Worte: «Die Welt ist Maja», aus dem Orient, «Erkenne dich selbst», aus dem alten griechischen Wort — erfloß der ganzen neueren Menschheit ihr Streben nach einer spirituellen Erkenntnis. Aber in allen alten Mysterien erfloß auch das Streben nach der wirklichen Wahrheit aus diesem Zusammenempfinden, daß die Welt eigentlich Illusion ist, daß der Mensch sich selbst erkennen müsse.
[ 8 ] “Know thyself!”—such is another ancient saying that comes down to us from the past. From the fusion of these two sayings—‘the world is Maya,’ from the East, and ‘know thyself!’, from ancient Greece—there first arose the quest for spiritual knowledge amongst later humanity. But in the ancient Mysteries, too, the quest for truth and reality had its origin in this twofold perception that, in the final analysis, the world is illusion and that man must attain to self-knowledge.
[ 9 ] Aber erst im Leben kommt man zurecht mit dieser Frage; nicht im Denken, sondern im Wollen und im vollen Drinnenstehen in der uns Menschen zunächst zugänglichen Wirklichkeit. Nicht im vollen Bewußtsein, nicht in deutlicher Erkenntnis, aber in einem intensiven Fühlen sagt sich jeder Mensch innerhalb jeder Erdenlokalität: So wie die äußere Welt, die du siehst, die du hörst, kannst du selbst nicht sein.
[ 9 ] It is, however, only through life itself that man can come to terms with this question, not through thinking alone, but through the will, and through full participation in the reality immediately accessible to us as human beings. Neither in full consciousness, nor in clear understanding, but with deep emotion, every man the world over can say to himself: ‘Such as is the outer world that you see and hear, that you cannot be.’
[ 10 ] Diese Empfindung ist eine tiefgehende, meine verehrten Anwesenden. Man muß nur einmal sich das ganz klar vor die Seele stellen, was das bedeutet, wenn der Mensch sich sagt: So wie die äußere Welt, die du siehst, die du hörst, mit deinen übrigen Sinnen wahrnimmst, kannst du selbst nicht sein. — Wir betrachten die Pflanzen, wir sehen sie im Frühling mit ihren grünen Blättern aus der Wurzel aufsprießen. Wir sehen sie im Laufe des Sommers zur Blüte, gegen den Herbst zu als Frucht sich entfalten. Wir sehen sie entstehen und vergehen. Wir sehen das Leben eingespannt in einen Jahreslauf. Wir sehen allerdings, wie manche Pflanzen aus dem Irdischen Härteres, wenn ich so sagen darf, aufnehmen, sich mit Härterem durchdringen, einen Baumstamm sich bilden. Und als wir im Auto hierher gefahren sind, um schnell noch hierherzukommen gestern abend, sahen wir unterwegs recht, recht alte Pflanzen, die viel von dem Irdischen aufgenommen haben, um nicht in einen Jahreslauf ihr Leben zu bannen, sondern um länger ihr Dasein zu führen und immer wieder neue und neue Sprossen an ihrem Stamme hervorzubringen. Aber der Mensch hat Gelegenheit, auch das Entstehen und Vergehen solcher Pflanzen zu beobachten.
[ 10 ] This feeling goes deep. One must reflect upon the implication of these words: ‘Such as is the external world that you perceive with your five senses, that you cannot be.’ When we look at the plants we see the first green shoots emerge in springtime; they blossom in summer and towards autumn they ripen and bear fruit. We see them grow, fade and die: the duration of their life-cycle is a single year. We see, too, how many plants absorb from the soil certain substances which build up the main stem. On the way here yesterday evening by road we saw many extremely old plants which had absorbed quantities of these hardening substances in order that their life-cycle should not be limited to a single year, but should be extended over a longer period of time and thus would bear new growing-points on their stems. And it is given to man to observe how these plants grow, fade and die.
[ 11 ] Der Mensch betrachtet die Tiere. Er sieht sie entstehen, er sieht sie vergehen. Er tut es zuletzt auch mit den Mineralien. Er beobachtet dasjenige, was sich in der Erde abgelagert hat an Mineralien, an den mächtigen, grandiosen Gebirgszügen. Er ist in der neueren Wissenschaft darauf gekommen, daß auch diese grandiosen Gebirgszüge entstehen und vergehen. Und endlich wendet sich der Mensch zu irgendeiner Anschauung, sei sie ptolemäisch oder kopernikanisch, oder zu irgendeinem der alten oder der neueren Mysterien, und der Mensch kommt zu der Anschauung: Was du siehst in den majestätischen Sternen, was dir entgegenleuchtet aus Sonne und Mond mit all den wunderbaren, verwickelten Bahnen, all das entsteht und vergeht ja auch. — Und außer dem Entstehen und Vergehen trägt es Eigenschaften, die so sind, daß der Mensch, wenn er sich selbst erkennen soll, nicht annehmen darf, daß er gleich sei mit all dem, was da entsteht und vergeht, mit Pflanzen, Mineralien, mit Sonne, Mond und Sternen. Dann kommt der Mensch aber zu der Anschauung: Ich trage ja etwas in mir, was anders ist als das, was ich in meiner Umgebung sehe, was ich in meiner Umgebung höre. Ich muß auf die Wahrheit meines eigenen Wesens kommen. Das finde ich nicht in dem, was ich sehe und höre.
[ 11 ] And when he observes the animals, he realizes their impermanence; so too with the mineral kingdom. He observes the mineral deposits in the majestic mountain ranges. And armed with his scientific knowledge, he realizes that they too are impermanent. And finally he turns to some conception such as the Ptolemaic or Copernican system, for example, or some conception borrowed from the ancient or later Mysteries—and he concludes as follows: all that I see in the splendour of the stars, all that irradiates me from sun and moon with their wondrous and complex orbits—all this, too, is impermanent. But apart from impermanence, the kingdom of nature has other attributes. These are of such a kind that man, if he is to know himself, should not assume that he and all that is impermanent—the plants, minerals, sun, moon and stars—are similarly constituted. Man then comes to the conclusion: I bear within me some quality that is different from anything I see and hear around me. I must arrive at an understanding of my own being, for I cannot find it in anything that I see and hear.
[ 12 ] Und es war in allen alten Mysterien der Drang, nach der Wahrheit des Menschenwesens zu kommen. Dieser Wahrheit des Menschenwesens gegenüber, die man suchte, empfand man dasjenige, was draußen im Raume und in der Zeit entsteht und vergeht, als die große Illusion. Und so suchte man um der Erkenntnis des Menschenwesens willen ein anderes, als die äußeren Sinne geoffenbart haben. Und dieses andere empfand man als eine geistige Welt. Wie diese geistige Welt eben richtig gesucht werden kann, das wird der Gegenstand der Vorträge sein. Denn Sie können sich ja denken, zunächst wird der Mensch dasjenige, was er gewöhnt ist, als Weg zu haben, um in der Sinneswelt zu suchen, fortsetzen wollen. Er wird gerade so, wie er das Wesen der äußeren Sinneswelt sucht, sein Suchen auch in die geistige Welt hinein fortsetzen wollen. Wenn aber die Forschung über die Sinneswelt im gewöhnlichen Leben Illusionen gibt, dann steht ja zu erwarten, daß die Illusion nicht kleiner, sondern größer wird, wenn man dieselben Wege, die man zur Erkenntnis in die Sinneswelt wählt, auch in die geistige Welt zur Erkenntnis wählt. Und so ist es auch. Das wird sich uns zeigen. Forscht man in der geistigen Welt so, wie man forscht in der Sinneswelt, kann die Illusion nicht kleiner werden, sondern muß größer werden, und wir leben uns, indem wir die sinnliche Forschung fortsetzen in die geistige Welt hinein, nur in eine um so größere, stärkere Illusion hinein.
[ 12 ] In all the ancient Mysteries men felt this urge to discover the reality of their inner being, whereas all the transient phenomena of space and time were felt to be an expression of the Great Illusion. And so, in order to arrive at an understanding of man's inner being, they looked beyond the findings of sense-perception. And here they experienced a spiritual world. How to find the right path to the spiritual world will be the subject of these lectures. You can readily imagine that man's first impulse will be to follow the same procedure he adopted in exploring the phenomenal world. He will simply transfer the method of sense-perception to his exploration of the spiritual world. If, however, investigation into the phenomenal world is usually fraught with illusion, then it is probable that the possibilities of illusion will be increased rather than diminished if the methods for investigating the phenomenal world are also applied to the spiritual world. And, in effect, this is what happens. In consequence we merely become the victims of an illusion all the more compelling.
[ 13 ] Und wiederum, wenn wir ahnen vom Geistigen, wenn wir unbestimmt in dunkler Mystik vom Geistigen ahnen, träumen vom Geistigen, ja, dann bleibt uns das Geistige eben unbekannt. Wir ahnen es nur. Wir glauben nur; wir wissen nichts davon. Wenn wir diese Mystik, diesen Glauben, dieses Ahnen gegenüber der geistigen Welt bloß fortsetzen wollen, dann wird sie uns nicht bekannter, sondern immer unbekannter, so daß der Mensch sozusagen zwei falsche Wege finden kann.
[ 13 ] And again, if we harbour vague anticipations, nebulous enthusiasms, unaccountable presentiments from dark corners of the soul, dream-fantasies about the spiritual, it will remain forever unknown to us. We remain in the world of conjecture; we share a belief, but have no real knowledge. If we are content simply to adopt this course, the spiritual will become not better known to us, but progressively more unknown. Thus man may go doubly astray.
[ 14 ] Auf der einen Seite: er benimmt sich gegenüber der geistigen Welt so wie gegenüber der sinnlichen Welt. Da liefert ihm die sinnliche Welt zunächst die Illusion. Sucht er denselben Weg in die geistige Welt hinein fortzusetzen, wie es etwa die gewöhnlichen Spiritisten tun, so kommt er nicht etwa zu einer geringeren, sondern zu einer größeren Illusion.
[ 14 ] On the one hand, he pursues the same line of enquiry in relation to the spiritual and phenomenal world. And the phenomenal world is found to be illusion. If he pursues the same approach to the spiritual world, as the ordinary spiritualists sometimes do, then he is subject to even greater illusions.
[ 15 ] Und es ergibt sich der andere Weg, nicht mit durchdringlicher, mit klarer Forschung in die geistige Welt eindringen zu wollen, sondern glauben zu wollen, mystisch ahnen zu wollen. Dann bleibt die geistige Welt unbekannt. Wenn man sich noch so anstrengt, um diesen Weg des Ahnens, des Mystizierens fortzusetzen, wird sie immer unbekannter und unbekannter. In beiden Fällen kommt man nicht in die geistige Welt hinein. In dem einen Fall wird die Illusion größer, in dem anderen Fall wird die Ignoranz größer. Gegenüber diesen beiden falschen Wegen ist eben der richtige zu suchen.
[ 15 ] On the other hand he can follow the other way of approach. In this case no attempt is made to investigate the spiritual world along clear-cut, intelligible lines, but through self-induced belief and nebulous enthusiasm. Consequently the spiritual world remains a closed book. No matter how urgently we pursue the path of vague conjecture and emotional enthusiasm we shall know progressively less about the spiritual world. In the first instance the illusion is magnified, in the second, our ignorance. As against these two false paths we must find the right path.
[ 16 ] Die wahren Wege in das geistig wirkliche Erkennen
[ 16 ] Not translated
[ 17 ] Man muß sich vor Augen halten, wie unmöglich es ist, von der Erkenntnis der Illusion in dem angegebenen Sinne zu der Erkenntnis des wahren Selbstes zukommen, und auch wiederum von dem Ahnen des wahren Selbstes, von dem mystischen Fühlen des wahren Selbstes zu dem Durchschauen der Wirklichkeit in der Illusion zu kommen, wenn man sich vorbereiten will, die wahren, die echten Wege in das geistig wirkliche Erkennen hinein zu finden.
[ 17 ] We must bear in mind how impossibly difficult it is to substitute a knowledge of the true self for a knowledge of the Great Illusion in the sense I have indicated; and furthermore, if one intends to prepare oneself for a true, authentic approach to spiritual understanding, how impossible it is, in a state of illusion, to overcome all these nebulous feelings about the true self and come to a clear perception of reality.
[ 18 ] Betrachten wir einmal ganz unbefangen, was da vorgeht. Man kann eigentlich mit materialistischem Sinn niemals ein so großer Verehrer sein von all den neueren naturwissenschaftlichen Forschern, Darwin, Huxley, Spencer und so weiter, wie man es sein kann als Erkenner der geistigen Welt, denn diese Menschen und viele andere seit der Giordano Bruno-Zeit haben wirklich Unendliches getan, um dasjenige zu erkennen, was man zu allen Zeiten in den Mysterien als die große Illusion durchschaute. Man braucht sich gar nicht bei Darwin, Huxley, Spencer, bei Kopernikus, Galilei und so weiter an die Theorien zu halten. Mögen die Menschen theoretisch über das Weltenall denken, was sie wollen, wir wollen uns darauf gar nicht einlassen; aber wir wollen uns einmal klarmachen, welche Anregung gegeben worden ist durch alle diese Menschen, um im einzelnen dieses oder jenes Organ im Menschen, in der Pflanze, im Tier, dieses oder jenes Geheimnis, das im Steine waltet, rein materiell zu durchschauen. Man soll sich nur vorstellen, was wir alles über Drüsen-, Nerven-, Herz-, Hirn-, Lunge-, Leberleben und so weiter in der neueren Zeit durch die Anregung dieser Forschung beobachtet haben. Man wird schon die nötige Hochschätzung bekommen. Allein der Mensch kommt mit allen diesen Erkenntnissen im ganzen wirklichen Leben nur bis zu einem Punkte. Das möchte ich Ihnen an drei Beispielen zeigen.
[ 18 ] Let us look quite impartially at what is here involved. A materialist can never feel such deep admiration and respect for the recent scientific discoveries of Darwin, Huxley, Spencer and others as the man who has insight into the spiritual world. For these men, and many others since the time of Giordano Bruno, spared no effort in order to gain insight into what the ancient Mysteries considered to be the world of Maya. There is no need to accept the theories advanced by Darwin, Huxley, Spencer, Copernicus, Galileo and the rest. Let others theorize about the universe as they will; we have no intention of being drawn into their arguments. But we must recognize the tremendous impetus given by these men to the detailed, factual study of specific organs in man, animals and plants, or of some particular problem relating to the mineral kingdom. Just imagine how much we have learned in recent times about the functions of the glands, nerves, heart, brain, lungs, liver, etc. as a result of their stimulating researches. They deserve our greatest respect and admiration. But in real life this knowledge can take us only to a certain point. Let me give you three examples to illustrate my point.
[ 19 ] Man kann außerordentlich minuziös erkennen, wie der erste Eikeim des Menschen sich bildet, wie sich nach und nach in wunderbarer Weise dieser Keim zum menschlichen Embryo gestaltet, wie er Organe nach und nach ansetzt, wie aus peripherisch angeordneten kleinen Organen zuletzt das wunderbare Herz- und Zirkulationssystem sich aufbaut. Man kann das alles erkennen. Man kann erkennen, wie wunderbar sich in der Pflanze von der Wurzel auf bis zur Blüte und zum Samen alle die Dinge materiell entwickeln, und kann sich daraus eine Welt aufbauen nach den Anschauungen, die man sich gebildet hat, eine Welt, die bis zu den Sternen reicht. Es haben unsere astronomischen, unsere astrophysischen Theoretiker das getan. Man hat sich eine Welt aufgebaut aus einem Nebel-Sternsystem heraus, die zu immer deutlicherer und deutlicherer Struktur gekommen ist, Leben aus sich entwickeln konnte und so weiter.
[ 19 ] We can follow in great detail the first human egg-cell; how it gradually develops into a human embryo, how the various organs evolve step by step and how, from the tiny peripheral organs the complex heart and circulatory system are built up. All this can be demonstrated. We can follow the organic growth of the plant from root to blossom and seed and from this factual information we can construct a theory of the universe that embraces the Cosmos. Our astronomers and astro-physicists have already done this. They set up a theory of the Cosmos showing how the world emerges from a stellar-nebular system which assumed a progressively more definite form and was capable of spontaneous generation.
[ 20 ] Man kann sich das alles aufbauen. Aber zuletzt steht man da und frägt nun doch wiederum nach dem eigenen menschlichen Wesen, nach dem, was Antwort sein soll auf die Frage: «Erkenne dich selbst.» Und wenn man sich nur in demjenigen Selbst erkennt, das beschlossen ist in dem, was man erkennt an den Steinen, Pflanzen, Tieren, an den menschlichen Organen, am menschlichen Drüsen-, am menschlichen Zirkulationssystem — was erkennt man? Diejenige Welt erkennt man, die man bei der Geburt betritt, mit dem Tode verläßt. Nichts anderes.
[ 20 ] But despite all this theorizing, we come ultimately face to face once again with the essential being of man, the problem of how to respond to the injunction, ‘Know thyself!’ If we know only the self that is limited to a knowledge of the minerals, plants, animals, human glandular and circulatory systems, we know only the world man enters at birth and leaves at death.
[ 21 ] Das aber erfühlt der Mensch in der Tiefe seines eigenen Wesens, daß das nicht seine wahre, letzte Grenze ist. Und so muß der Mensch aus dem Innersten seines Wesens alldem entgegenrufen, was in so großer Vollendung, in so großer Majestät an äußerer Erkenntnis an ihn herantreten kann: Das alles nimmst du nur an zwischen der Geburt und dem Tode. Was bist du in deinem wahren Wesen? — In dem Augenblick, wo die Frage der Naturerkenntnis und der Menschenerkenntnis sich religiös wendet, in dem Augenblicke kommt der Mensch mit dem, was hineinschaut in die Welt der großen Illusion, nicht weiter. Die Frage: Erkenne dich selbst, so daß du weißt, woher du stammst im Innersten deines Wesens, wohin du gehst mit dem Innersten deines Wesens — diese Frage, die Erkenntnisfrage ins Religiöse gewendet, bleibt unbeantwortet.
[ 21 ] But, in the final analysis, man feels that he is not limited to the temporal world. Therefore, in face of all that knowledge of the external world yields in such grandeur and perfection, he must answer from the depths of his being: all this you affirm only between birth and death. But do you know your essential self, your true essence? The moment that the knowledge of man and nature has moral and religious implications, the human being whose organs can only apprehend the world of the Great Illusion is reduced to silence. The injunction, “Know thyself, so that thou mayest know in thine innermost being whence thou comest and whither thou art going,” this problem of cognition, the moment religious issues are raised, cannot be answered at this limited level of understanding.
[ 22 ] Das war es, was die alten Mysterien ihren Schülern schon an den Pforten klarmachten: Du magst erkennen, was du willst mit deinen äußeren Sinnen, wendest du die Frage religiös, dann bleibt dir die große Menschheitsfrage, das große Menschenrätsel unbeantwortet. Und weiter. Wir mögen noch so genau hinschauen können auf die Art, wie ein menschliches Gesicht geformt ist, wir mögen noch so genau hinschauen können, wie ein Mensch seine Arme und Hände bewegt, wie er geht und steht, wir mögen uns ein noch so feines Gefühl aneignen für die Gestalt eines Tieres, die Gestalt der Pflanzen, so weit wir das mit den Sinnen erkennen können — in dem Augenblick, wo wir dieses unser Fühlen, wo wir dasjenige, was wir so auffassen, künstlerisch wenden wollen, bleibt uns wiederum eine Frage unbeantwortet. Denn wie haben die Menschen das, was sie von der Welt wußten, von jeher künstlerisch gewendet? Die Mysterien, sie haben in alten Zeiten dazu angeregt. Man wußte das oder jenes über die Natur nach den Erkenntniskräften, die da waren. Aber man vertiefte dasjenige, was man so wußte, in die Anschauung des Geistigen.
[ 22 ] On entering the Mystery Schools the neophyte was left in no doubt that however much he may have learned through sense-observation, this information could offer no answer to the great riddle of human nature when religious issues were involved. Furthermore, though we may have the most precise knowledge of the structure of the human head, of the characteristic movements of man's arms and hands, of his gait and stance, though we may respond never so sensitively to the forms of animals and plants in so far as we can know them through sense-observation, directly we try to give artistic expression to this information we are again faced with an unanswerable problem. For how have men hitherto expressed through art their knowledge of the world? They owed their inspiration to the Mystery teachings. Their knowledge of nature and its various aspects was related to the existing level of understanding, but at the same time it was enriched by spiritual insight.
[ 23 ] Man braucht nur ins alte Griechenland zurückzugehen. Wenn wir heute einen Bildhauer, einen Maler sehen, er greift — wenigstens war das vor kurzer Zeit noch ganz der Fall, heute ist es schon weniger der Fall —, er greift nach dem Modell. Er will etwas nachmachen. Er will etwas imitieren. Das hat der Grieche nicht getan. Man glaubt das nur, daß es der Grieche getan habe. Der Grieche hat den geistigen Menschen in sich gefühlt. Wollte er bildhauerisch einen Arm in seiner Bewegung modellieren, dann wußte er: In dem, was ich da außen am Modell anschaue, da steckt das Geistige darinnen. — Er wußte, daß alles Materielle nach dem Geistigen geschaffen ist, und er strebte danach, dieses Geistige nachzuschaften.
[ 23 ] One need only look back to ancient Greece. Today a sculptor or painter works from the model—at least this was the practice until recently. He sets out to copy and imitate. The Greek artist did not work in this way, although he is alleged to have done so; rather did he sense the spiritual human form within himself In sculpture, if he wished to portray an arm in movement, he was aware that the external world was informed by a spiritual content, that every material object has been created out of the spirit and in his work he strove to recreate the spirit.
[ 24 ] Der Maler noch zur Renaissancezeit stellte sich nicht hin und schaute das Modell an; es war ihm nur Anregung. Dasjenige, was er von innen heraus wußte, daß esim Arm, in der Hand lebte, das brachte er in die Bewegung hinein. Wie der Mensch innerlich mit dem Geiste lebte, das brachte er hinein. Bloß das Äußere anschauen in der großen Illusion, in der Maja, bloßes Imitieren des Modelles läßt uns da stehenbleiben, wo wir stehen, nicht im Menschen, sondern vor dem Menschen. Künstlerisch die Frage gewendet, stehen wir, wenn wir bei der Illusion stehenbleiben, vor der großen Menschheitsfrage, vor den gewaltigen Menschenrätseln, die unbeantwortet bleiben.
[ 24 ] Even as late as the Renaissance a painter did not use a model; it served only as a stimulus. He knew intuitively what activated hand or arm and expressed this information in his rendering of movement. Merely to portray the external and superficial aspects of the world of Maya, merely to copy the model, does not advance our understanding; we do not see thereby more deeply into man, but are concerned only with externals and so remain a spectator outside him. From the standpoint of art, if we fail to transcend the world of Maya we are faced with the formidable problem of human nature and no answer is vouchsafed us.
[ 25 ] Wiederum war es schon an der Pforte der alten Mysterien, wo man nun dem Schüler, der eingeweiht werden sollte, klarmachte: Willst du innerhalb der äußeren Welt der Illusion stehenbleiben, kannst du nicht in die menschliche Wesenheit, aber auch nicht in die Wesenheit eines anderen Naturreiches eindringen. Du kannst kein Künstler werden. Man war wiederum auch auf dem Wege der Kunst in die Notwendigkeit versetzt, an den Menschen das anschauliche «Erkenne dich selbst» heranzubringen. Da fühlte man die Notwendigkeit der spirituellen Erkenntnis.
[ 25 ] And again, on entering the old Mysteries, it was made clear to the neophyte who was about to be initiated: if you remain within the world of Maya, you will be unable to penetrate the essential being of man or of any other kingdom of Nature. You cannot become an artist. In the sphere of art it was found necessary to remind the neophyte of the clear injunction, “Know thyself,” and then he began to feel the need for spiritual knowledge.
[ 26 ] Sie werden sagen: Aber es gibt doch recht materialistische Bildhauer, materialistische Maler, die können doch auch etwas, die wissen ganz gut dem Modell die Geheimnisse abzulocken und es in die Gestalten, in die Stoffe hineinzulegen. — Gewiß, aber woher können sie das? Sie wissen das gar nicht von sich aus. Man durchschaut das nur nicht. Sie haben das gelernt von den älteren Malern; diese wieder von den [noch] älteren Malern. Tradition ist es. Man weiß, wie Ältere das gemacht haben. Man sagt sich das nicht immer, weil man doch selber tüchtig sein will. Aber man ist es nicht. Man weiß nur, wie die Älteren tüchtig waren und macht es ihnen nach. Aber die Ältesten von diesen Älteren, die haben eben das Geheimnis gerade aus den spirituellen Anschauungen der Mysterien heraus bekommen. Ältere Maler, ältere Bildhauer haben es von den Mysterien bekommen; Raffael, Michelangelo haben es von solchen bekommen, die es noch aus den Mysterien bekamen. Aber wirkliche Kunst muß aus dem Spirituellen geschöpft sein. Anders geht es nicht. Sobald man an den Menschen herankommt, läßt einem das Anschauen der großen Illusion, der Maya, unbeantwortet die Lebensrätsel, die Menschenrätsel. Wollen wir wiederum zum Ursprünglichen einer Kunst kommen, zum schaffenden Künstlerischen, brauchen wir wiederum einen Einblick in die spirituelle Welt.
[ 26 ] But, you will object, there are thoroughly materialistic sculptors. After all they were no mere amateurs and knew what they were about. They too knew how to draw forth the secrets from their model and invest their figures and motifs with these secrets. That is indeed so, but whence did they derive their knowledge? People fail to realize that this ability did not come from the artists themselves. They owed it to earlier artists who in their turn had it from their predecessors. They worked from a tradition. But they were unwilling to admit this because they claimed they owed everything to themselves. They knew how the old masters worked and imitated them. But the earliest of the old masters learned their secret from the spiritual insights of the Mysteries. Raphae1 and Michelangelo learned it from those who still drew on the Mysteries. But true art must be created out of the spiritual. There is no other solution. As soon as we touch upon the problem of man, any perception of the Great Illusion has no answer to life's problems, to the problem of man's destiny. If we are to return to the fountain-head of art and artistic creativity we must recover insight into the spiritual world.
[ 27 ] Ein drittes Beispiel: Man kann als Botaniker, als Zoologe wunderbar kennen jede Form der einem zugänglichen Pflanzen. Man kann in Chemie, Physiologie die Prozesse beschreiben, die in den Pflanzen vor sich gehen. Man kann die Prozesse kennenlernen, wie sich Nahrungsmittel verwandeln in den Verdauungsorganen und innerhalb des Blutes und weiter bis zu den Nerven hin. Man kann das alles kennenlernen. Man kann ein sehr kluger, gescheiter Anatom oder Physiologe oder Botaniker oder Zoologe werden, vieles erforschen in der Welt der großen Illusion — will man heilend, medizinisch an den Menschen mit all diesen Kenntnissen herankommen, will man wiederum den Weg finden von der Natur des Menschen, ja, von der Innennatur des Menschen zu seinem Wesen: man kann es nicht.
[ 27 ] Now a third example. The botanist or zoologist can gain wonderfully detailed knowledge of the form of every available plant. The bio-chemist can describe the processes that take place in plant life. He can also tell how foodstuffs are assimilated in the metabolic system, are absorbed by the blood vessels in the walls of the alimentary canal and are carried in the blood to the nervous system. A gifted anatomist, physiologist, botanist or geologist can cover a wide field of the world of Maya, but if he intends to use this knowledge for purposes of healing or medical treatment, if he wishes to press forward from the outer, or even the inner constitution of man to his essential being, he cannot do it.
[ 28 ] Sie werden sagen: Es gibt aber genug materialistisch denkende Ärzte, die wollen nichts wissen von der geistigen Welt, die gehen nur nach dem, was man mit der Naturwissenschaft erforschen kann, und sie heilen doch. — Ja, warum heilen sie? Sie heilen, weil sie wiederum die Tradition aus einer alten Weltanschauung haben. Alte Heilmittel waren ja auch aus den Mysterien heraus entnommen; aber sie haben alle eine merkwürdige Eigentümlichkeit. Wenn Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, ein altes Rezept in die Hand nehmen: das ist ungeheuer kompliziert, das erfordert, um es darzustellen und zu dem anzuwenden, wovon einem gesagt wird nach der Tradition, daß es angewendet werden soll, außerordentlich viel.
[ 28 ] You will reply: but there are doctors in plenty who are materialists and have no interest in the spiritual world. They treat patients in accordance with the methods of natural science and yet they achieve results. That is so. But they are able to affect cures because they too have behind them a tradition based upon an old world-conception. Old remedies were derived from the Mysteries, but they all shared a remarkable characteristic. If you look at an old prescription, you will find that it is highly complicated. It makes considerable demands upon those who prepare it and who apply it to the particular purpose laid down by tradition.
[ 29 ] Wenn Sie nun in die alten Mysterien gegangen wären und einen Mysterienarzt gefragt hätten, wie solch ein Rezept zustande kommt, der würde Ihnen nie geantwortet haben: Da mache ich chemische Versuche, da probiere ich zuerst einmal, ob die Stoffe miteinander sich so und so verhalten, und dann wende ich das bei den Kranken an und sehe, was sich da ergibt. — Das würde Ihnen der alte Mysterienarzt nie geantwortet haben, ihm wäre dies nicht eingefallen. Die Menschen wissen nur nicht, wie das in früheren Zeiten war. Der hätte Ihnen geantwortet: Ich lebe in dem Laboratorium — wenn wir es so nennen wollen —, das mir im Sinne des Mysteriums eingerichtet worden ist, und wenn ich zu einem Heilmittel komme, so haben mir das die Götter gesagt. — Denn er war sich klar darüber: Durch die ganze Stimmung, die in seinem Laboratorium erzeugt worden ist, kam er in lebendigen Verkehr mit der geistigen Welt. Da wurden geistige Wesen so gegenwärtig für ihn, wie es sonst die Menschen sind. Und da wurde er sich bewußt: Durch den Einfluß der geistigen Wesen in der geistigen Welt kann er mehr sein als ohne solchen Einfluß. Und er setzte seine komplizierten Rezepte zusammen. Nicht mit Naturerkenntnis, nach Götterart setzte er sie zusammen. Man wußte innerhalb dieser Mysterien selber: Will man an den Menschen herankommen, dann darf man nicht in der Illusion stehenbleiben, dann muß man zur Wahrheit der göttlichen Welt vordringen.
[ 29 ] If you had gone to an old physician and had asked how such a prescription was made up he would never have replied: first I make chemical experiments and ascertain whether the materials behave in such and such a way; then I try it out on the patients and note the results. Such an idea would never have occurred to him. People have no idea of the circumstances prevalent in earlier epochs. He would have replied: I live in a laboratory (if I may call it that) that was equipped on the basis of the Mystery teaching and when I light upon a remedy I owe it to the Gods. He was quite clear on this point, that he was in close communication with the spiritual world through the whole atmosphere engendered in his laboratory. Spiritual beings were as unmistakably present to him as human beings are to us. He was aware that through the influence of spiritual beings he had attained a higher dimension of being and was able to achieve more than would otherwise have been possible. And he proceeded to make up his complicated prescriptions, not from natural knowledge, but as the Gods dictated. It was known within the Mysteries that, in order to understand man, one should not be identified with the world of Maya, but press on to the truth of the divine world.
[ 30 ] Die Menschen sind heute in ihrem äußeren Erkennen der Wahrheit der göttlichen Welt noch viel ferner, als die Alten es waren mit ihren Mysterien. Aber der Weg muß wieder zurückgefunden werden. Denn das ist das dritte, was ich Ihnen als Beispiel anführen kann: Wenn man mit der allerausgebreitetsten Erkenntnis der Natur, das heißt der großen Illusion, gerüstet ist und will heilen — man steht wiederum mit unbeantworteten Fragen vor dem Menschenleben, vor dem Menschenrätsel. Kommt man von der Illusion an den Menschen heran, von dem «Die Natur ist die große Illusion» zu dem «Erkenne dich selbst», wie es auch beim Heilen dargelegt werden muß: man kann keinen Schritt weitermachen.
[ 30 ] With all their knowledge of the external world men are further today from the truth of the divine world than were the ancients with their knowledge derived from the Mysteries. But the way back must be found again. From the third example it is evident that if we seek to heal, even though equipped with the widest possible knowledge of nature (that is, of the world of Maya), then we are faced again with the unsolved problems of human life and destiny. If we wish to understand man from the standpoint of Maya, the “Great Illusion,” from the standpoint of the “Know thyself” which is demanded for the purposes of healing, then we shall be unable to advance a single step further in our understanding.
[ 31 ] Und so kann man aus diesen drei Beispielen sagen: Der Mensch, der die Brücke schlagen will zwischen der Welt der großen Illusion, der Maja, und dem «Frkenne dich selbst», der sieht, wie er vor dem Nichts steht, wenn er nur von der Illusion ausgehen will, sobald er an den Menschen religiös fühlend, künstlerisch schaffend und helfend als Heiler, als Arzt herankommen will. Er kann es nicht, wenn er nicht übergeht zu einer ganz anderen Erkenntnis, als die Erkenntnis der äußeren Natur, die Erkenntnis der großen Illusion, der Maja, ist.
[ 31 ] And so, in the light of these examples, we can say: he who wishes to bridge the gap between the world of Maya and the “Know thyself” will realize, the moment he approaches the human being with religious feeling, as a creative artist, as healer or doctor, that he stands before a void if his sole starting-point is the world of illusion. He is powerless unless he finds a form of knowledge that transcends the knowledge of external nature, which is knowledge of Maya, the Great Illusion.
[ 32 ] Die Erkenntnis der Welt in ihrer Totalitat durch geistige Anschauung innerhalb der physischen Tatsachen
[ 32 ] Not translated
[ 33 ] Wir wollen nun noch einen Vergleich anstellen zwischen der Art, wie man in alten Zeiten aus dem Geiste der Mysterien heraus versucht hat, die Totalerkenntnis von der Welt zu erwerben, und wie man heute versucht, es zu tun, um daran uns zu orientieren in bezug auf die Wege zu einer solchen Totalerkenntnis von der Welt.
[ 33 ] Let us now draw a comparison between the way in which men sought, out of the spirit of the Mysteries, to reach a comprehensive knowledge of the world and the way in which this is attempted today. We shall then be in a position to find our bearings in relation to the paths leading to this comprehensive knowledge
[ 34 ] Ganz anders sprach man vor einigen Jahrtausenden über die Welt und ihr Wesen, als heute diejenigen Gelehrten sprechen, die auf Autorität Anspruch machen. Wollen wir uns einmal einige Jahrtausende zurückversetzen in die Zeit, wo eine glänzende, majestätische Erkenntnis in Vorderasien blühte, aus heiligen Mysterien heraus, wollen wir uns einmal mit einigen charakteristischen Strichen in die Art dieser Erkenntnis hinein vertiefen.
[ 34 ] A few thousand years ago the world and its divine Ground or essence were spoken of very differently from the way in which authorities speak to-day. Let us look back to that epoch a few thousand years ago, when a sublime and majestic knowledge flourished in the Mysteries of the Near East. We will attempt to look more closely into the nature of this knowledge by giving a brief description of its characteristics.
[ 35 ] Da wurde etwa im alten Chaldäa, sagen wir, folgendes gelehrt: Der Mensch erlebt die äußersten Grenzen des Daseins, bis zu denen er kommen kann mit seinen Seelenkräften, wenn er den geistigen, den Seelenblick auf den wunderbaren Gegensatz lenkt zwischen dem Leben, wenn er schläft — das Bewußtsein ist dumpf, der Mensch weiß nichts von seinem Leben —, und demjenigen Leben, das er verbringt, wenn er wach ist — es ist hell um den Menschen herum, der Mensch weiß von seinem Leben.
[ 35 ] In ancient Chaldea, the following was taught: man's soul forces reach their maximum potentiality when he directs the eye of the spirit to the wonderful contrast between the life of sleep (his consciousness is dimmed, he is oblivious of his environment) and his waking life (he is clear-sighted, he is aware of the world around).
[ 36 ] Anders wurden diese Wechselzustände zwischen Schlafen und Wachen vor Jahrtausenden empfunden. Der Schlaf war nicht so bewußtlos, das Wachen war nicht so bewußtvoll. Im Schlafe nahm man sich wandelnde, mächtige Bilder, webend-wellendes Weltenleben wahr; man war unter Wesenhaftem, wenn man schlief. Daß der Schlaf so bewußtlos geworden ist, ist erst mit der Entwickelung der Menschheit geschehen. Dafür aber war vor Jahrtausenden das Wachleben nicht so durchsonnt, nicht so durchleuchtet wie heute. Die Dinge hatten nicht feste Grenzen, waren verschwommen. Sie sprühten noch allerlei Geistiges aus. Es war kein so schroffer Übergang zwischen Schlafen und Wachen. Aber man konnte unterscheiden, und man nannte alles das, worinnen man lebte, im Wachen der damaligen Zeit, etwa «Apsu». Das war die Welt des Wachens.
[ 36 ] These alternating conditions of sleep and waking were experienced differently thousands of years ago. Sleep was less unconscious, waking life not so fully conscious. In sleep man was aware of powerful, ever changing images, of the flux and movement of the life of worlds. He was in touch with the divine Ground, the essence, of the universe. The dimming of consciousness during sleep is a consequence of human evolution. A few thousand years ago waking life was not so clear and lucid as today. Objects had no clearly defined contours, they were blurred. They radiated spiritual qualities in various forms. There was not the same abrupt transition from sleep to waking life. The men of that epoch were still able to distinguish these two states, and the environment of their waking life was called ‘Apsu.’
[ 37 ] Man nannte dasjenige, worin man war, wenn man schlief, das Webend-Wellende, das, wodurch man nicht so gut unterscheiden konnte, wie wenn man wach war, Mineralien, Tiere und Pflanzen, man nannte das «Tiamat».
[ 37 ] This life of flux and movement experienced in sleep, this realm that blurred the clear distinction between the minerals, plants and animals of waking life, was called ‘Tiamat.’
[ 38 ] Nun wurde in den chaldäischen Mysterien gelehrt: Mehr ist der Mensch im Wahren, im Wirklichen drinnen, wenn er im Tiamat schlafend webt, als wenn er wachend unter den Mineralien, Pflanzen und Tieren lebt. Tiamat ist ursprünglicher, ist mehr der Welt des Menschlichen verbunden als Apsu; Apsu ist unbekannter; Tiamat stellt dasjenige dar, was dem Menschen naheliegt. Aber es traten Veränderungen ein im Tiamat im Laufe der Zeit. So sagte man und lehrte man den Schülern der Mysterien. Aus dem Weben und Leben entstanden Dämonengestalten, pferdeähnliche Gestalten mit Menschenköpfen, löwenähnliche Gestalten mit Engelsköpfen. Sie entstanden aus dem Gewebe des Tiamat. Das, was da lebte als dämonische Gestalten, wurde dem Menschen feindlich.
[ 38 ] Now the teaching in the Chaldean Mystery Schools was that when man, in a state of sleep, shared the flux and movement of Tiamat, he was closer to truth and reality than when he lived his conscious life amongst minerals, plants and animals. Tiamat was nearer to the Ground of the world, more closely related to the world of man than Apsu. Apsu was more remote. Tiamat represented something that lay nearer to man. But in the course of time Tiamat underwent changes and this was brought to the notice of the neophytes in the Mystery Schools. From the life of flux and movement of Tiamat emerged demoniacal forms, equine shapes with human heads, leonine forms with the heads of angels. They arose out of the warp and woof of Tiamat and these demoniacal forms became hostile to man.
[ 39 ] Da aber trat in die Welt ein mächtiges Wesen ein: «Ea». Wer heute noch Laute fühlt, der fühlt in dem Zusammenklange von E und A den Hinweis auf jenes mächtige Wesen, das dem Menschen hilfreich im Sinne dieser alten Mysterienlehre zur Seite war, als die Dämonen aus Tiamat mächtig waren: Ea, la, was dann später, indem man die Seinspartikel «soph» voraussetzte, Soph Ea = Sophia wurde. Ea, ungefähr dasjenige, was wir mit dem abstrakten Worte: Weisheit, die in allen Dingen waltet, bezeichnen. Ia = die in allem waltende Weisheit, Sophia. Soph = eine Partikel, die ungefähr «seiend» bedeutet. Sophia, Sophea, Sopheia = die waltende Weisheit, die überall waltende Weisheit schickte dem Menschen einen Sohn, jenen Sohn, den man dazumal mit dem Namen bezeichnete: «Marduk», den wir gewohnt worden sind in einer etwas späteren Terminologie als Michael zu bezeichnen, als den aus der Hierarchie der Archangeloi heraus waltenden Michael. Das ist dieselbe Wesenheit wie Marduk, der Sohn von Ea, der Weisheit, Marduk-Michael.
[ 39 ] Then there appeared in the world a powerful Being, Ea. Anyone today who has an ear for sounds can feel how the conjunction of these two vowels points to that powerful Being who, according to these old Mystery teachings, stood at man's side to help him when the demons of Tiamat grew strong. Ea or Ia, became later—if one anticipates the particle ‘Soph’—Soph-Ea, Sophia. Ea implies approximately abstract wisdom, wisdom that permeates all things. Soph is a particle that suggests (approximately) a state of being. Sophia, Sophea, Sopheia, the all-pervading, omnipresent wisdom sent to mankind her son, then known as Marduk, later called Micha-el, the Micha-el who is invested with authority from the hierarchy of the Angels. He is the same Being as Marduk, the son of Ea, wisdom—Marduk-Micha-el.
[ 40 ] Und Marduk-Michael — so ist die Mysterienlehre — war mächtig, groß und gewaltig. Und alle jene Dämonenwesen, wie Pferde mit Menschenköpfen, Löwengestalten mit Engelsköpfen, alle diese webenden, wogenden Dämonen standen eben in ihrem Zusammenhange als die große Tiamat ihm gegenüber. Er war mächtig, Marduk-Michael, den Sturmwind, der durch die Welt wogt, zu beherrschen. Also Tiamat, alles das wurde wesenhaft vorgestellt, mit Recht, denn so sah man es, wesenhaft. Alle diese Dämonen zusammen bildeten einen mächtigen Drachen, der feuerwütig sich entgegensteilte als die Summe all der Dämonengewalten, die aus Tiamat, der Nacht, herausgeboren wurden. Als sein Wesen feuerwütig Marduk-Michael entgegentrat, da stieß er ihm erst seine anderen Waffen, dann die ganze Gewalt des Sturmwindes in die Eingeweide, und das Wesen Tiamat barst und rollte auseinander, zerbarst in alle Welt. Und Marduk-Michael konnte oben formen den Himmel und unten die Erde. Und so entstand das Oben und Unten.
[ 40 ] According to the Mystery teachings Marduk-Micha-el was great and powerful and all the demoniacal beings such as horses with human heads and leonine forms with angels' heads—all these surging, mobile, demoniacal forms, conjoined as the mighty Tiamat, were arrayed against him. Marduk-Micha-el was powerful enough to command the storm wind that sweeps through the world. All that Tiamat embodied was seen as a living reality, and rightly so, for that is how they experienced it. All these demons together were envisaged as the adversary, a powerful dragon which embodied all the demoniacal powers born out of Tiamat, the night. And this dragon-being, breathing fire and fury, advanced upon Marduk. Micha-el first smote him with various weapons and then drove the whole force of his storm-wind into the dragon's entrails so that Tiamat burst asunder and was scattered abroad. [>The “Poem of Creation” says: “The North Wind bore (it) to places undisclosed.”] And so Marduk-Micha-el was able to create out of him the Heavens above and the Earth beneath. Thus arose the Above and the Below.
[ 41 ] Und so lehrte man in den Mysterien: Der große Sohn der Ea, der Weisheit, er hat Tiamat bezwungen und aus einem Teil des Tiamat das Obere, die Himmel gebildet, aus einem anderen Teil des Tiamat das Untere, die Erde gebildet. Siehst du hin in die Himmel zu den Sternen, o Mensch, dann siehst du einen Teil desjenigen, was aus den furchtbaren Abgründen der Tiamat Marduk-Michael oben geformt hat zum Heile der Menschen.
[ 41 ] Such was the teaching of the Mysteries. The eldest son of Ea, wisdom, has vanquished Tiamat and has fashioned from one part of him the Heavens above and from the other the Earth below. And if, O man, you lift your eyes to the stars, you will see one part of that which Marduk-Micha-el formed in the Heavens out of the fearful abyss of Tiamat for the benefit of mankind.
[ 42 ] Und siehst du nach unten, wo die Pflanzen aus dem mineraldurchsetzten Irdischen wachsen, wo die Tiere sich gestalten, dann findest du den anderen Teil, den der Sohn der Ea, der Weisheit, aus Tiamat zum Heile der Menschheit umgeformt hat.
[ 42 ] And if you look below, where the plants grow out of the mineralized Earth, where minerals begin to take form, you will find the other part which the son of Ea, wisdom, has recreated for the benefit of mankind.
[ 43 ] Und so sah jene alte Menschheitszeit im alten Chaldäa zurück auf ein Gestalten in der Welt, sah hin auf Wesenhaftes. Alles das empfand man wesenhaft: diese Dämonengestalten, die die Nacht bevölkerten, all das, was aus diesen Nachtgestalten, aus den waltenden, webenden Wesenheiten in der Tiamat, die ich Ihnen geschildert habe, MardukMichael geformt hat als oben die Sterne, als unten die Erde — all das, was uns aus den Sternen entgegenglänzt: umgewandelte, durch Marduk-Michael umgewandelte Dämonen — all das, was uns aus der Erde selber herauswächst: durch Marduk-Michael umgewandelte Haut, umgewandeltes Gewebe von Tiamat, so sah man in alten Zeiten dasjenige an, was man durch die alten Seelenfähigkeiten sich vergegenwärtigen konnte. Das war Erkenntnis.
[ 43 ] Thus the ancient Chaldeans looked back to the formative period of the world, to the forming from the formless; they saw into the workshop of creation and perceived a living reality. These demon forms of the night, all these nocturnal monsters, the weaving, surging beings of Tiamat had been transformed by Marduk-Micha-el into the stars above and the Earth beneath. All the demons transformed by Marduk-Micha-el into shining stars, all that grows out of the Earth, the transformed skin and tissue of Tiamat—this is the form in which the men of ancient times pictured whatsoever came to them through the old attributes of the soul. That information they accounted as knowledge.
[ 44 ] Und dann haben die Leiter eines Mysteriums ihre Schüler ganz im Geheimen vorbereitet, seelenkräftig vorbereitet. Und wenn die Schüler solche Seelenkräfte entwickelten, dann haben sie die ersten Elemente desjenigen erkennen können, was wir heute schon den Kindern in der Schule als Elementarlehre davon beibringen, daß die Sonne stillsteht, die Erde sich herumdreht, daß sich aus Nebeln Welten gebildet haben. Diese Naturlehre, die wir heute in der Schule den Kindern beibringen, die war das große Geheimnis. Dagegen das, was vor aller Welt entfaltet wurde, das war dasjenige, was ich Ihnen eben erzählt habe von den Taten des Marduk-Michael. Wir lernen heute in unseren Schulen — wenn sie auch nicht mehr mysterienhaft aussehen —, auf unseren Universitäten, aber auch schon in den niederen Schulen bis zur Volksschule hin dasjenige, was kopernikanische Weltanschauung als astrophysisches Weltenwissen ist, das die alten Weisen sich erst nach langer Vorbereitung erringen durften und erringen konnten. Was heute jedes Schulkind weiß, das konnte man in alten Zeiten nur wissen, wenn man eingeweiht wurde. Heute lernt man alles dieses in der Schule.
[ 44 ] Then the priests of the Mysteries anticipated the future by studying the psychic powers of their pupils. And when the neophytes had developed adequate strength of soul they were in a position to understand the first elementary lessons that children are taught in school today—that the Earth revolves round the Sun and that worlds are formed from nebulae. This knowledge was a well-guarded secret in those days. The teaching given openly was concerned, on the other hand, with the deeds of Marduk-Micha-el which I have just described to you. In our schools and universities today—and they lay no claim to secrecy—and even in our primary schools the Copernican system and astro-physics are taught, subjects which, in ancient times, only the sages dared undertake or were permitted to undertake and then only after long preparation. What every schoolboy knows could, in those days, be learned only by Initiates. Today all this is part of the school curriculum.
[ 45 ] Es gab eine Zeit — sie liegt noch weiter zurück als die Weisheit des alten chaldäischen Mysterienwesens —, da redeten die Menschen nur von solchen Dingen, wie ich sie Ihnen geschildert habe, von Ea, von Marduk-Michael, von der Apsu und Tiamat, nur von diesen Dingen redeten diese Menschen. Da verabscheuten sie alles, was diese schrullenhaften Mysterienlehrer sagten von der Bewegung der Sterne, von der Bewegung der Sonne, und wollten nur das Äußere, Sichtbare erforschen, nicht das Unsichtbare, was sich eben, wenn auch in Form des alten Hellsehertums, vor die Menschheit hinstellte. Man verachtete dasjenige, was sich die alten Eingeweihtenlehrer und -schüler aneigneten.
[ 45 ] There was an epoch dating further back still than the epoch of the old Chaldean Mysteries, when people spoke only of such things as I have described—of Ea, of Marduk-Micha-el, of Apsu and Tiamat. They abhorred everything taught by these ‘eccentric’ Mystery teachers about the movements of the stars or of the sun; they wished to study, not the invisible, but solely the visible and tangible, though in the personified or symbolic forms revealed through old clairvoyance. They rejected the knowledge which the old Initiate-teachers and their pupils had acquired.
[ 46 ] Dann kam die Zeit, wo sich allmählich vorbereitete aus dem Orient das uralte Wissen. Da schätzte man beides. Man schätzte dasjenige, was man in dem Herausleben des Wesenhaften der geistigen Welt hatte, man schätzte zum Beispiel dasjenige, was die Taten des geistigen Wesens Marduk-Michael sind; man schätzte eben[so] das, was man auf die Tafel [etwa so] zeichnen könnte (es wird gezeichnet): in der Tafel i* Mitte die Sonne, ringsherum die Sterne, sich bewegend in Zyklen und Epizyklen. Man schätzte das alles.
[ 46 ] Then came the time when the primeval wisdom was gradually diffused from the East, and both forms of knowledge were treasured. Men set great store on the manifestations of the Beings of the spiritual worlds, the deeds of Marduk-Micha-el, for example; and equally they treasured what could be illustrated diagrammatically—the sun in the centre and the planetary bodies revolving round it in cycles and epicycles.
[ 47 ] Dann kam die Zeit, in der man das Hineinschauen in geistige Welten, in Dämonen- und Götterwelten nicht mehr hatte, und in der sich besonders ausbildete das andere, das intellektuelle Wissen, jenes Wissen, auf das der heutige Mensch so stolz ist, das sich allmählich bis zur Kulmination gegen unser Zeitalter hin ausgebildet hat. Wir stehen nun ungefähr in der äußeren Welt in jenem Zeitalter, wo man so verachtet das Spirituelle, wie in alten Zeiten das Materielle von denjenigen verachtet wurde, denen das Spirituelle selbstverständlich war. Wir müssen uns hineinleben in die Zeiten, wo wir wieder imstande sein werden, neben dem, was Astronomen, Astrophysiker, was Zoologen und Biologen lehren, dasjenige aufzunehmen, was die spirituelle Erkenntnis an geistigen Wesensinhalten gibt. Diese Zeit ist gekommen. Dieser Zeit muß der Mensch entgegenleben, wenn er seine Aufgaben lösen will, wenn er wiederum zum Religiösen, zur Kunst, zur Heilkunde und so weiter kommen will.
[ 47 ] Then, in the course of time, insight into the spiritual worlds, the worlds of demons and gods, was lost and intellectual knowledge was fostered, the knowledge which we prize so highly today and which reached its zenith in the early years of our epoch. We are now living in an epoch that ignores the spiritual, even as the phenomenal world was ignored by those to whom the spiritual was self-evident. We have to anticipate the time when we shall again be in a position to accept side by side with the teachings of astronomers, astrophysicists, zoologists and botanists a knowledge of spiritual realities derived from spiritual insights. This epoch is now imminent and we must be ready to meet it if we are to accomplish our task and rediscover amongst other things the religious source of art and the art of healing.
[ 48 ] So wie in alten Zeiten der Spiritualismus geleuchtet hat unter den Menschen, das Materielle aber verachtet worden ist, und dann ein Zeitalter gekommen ist, wo man die materielle Erkenntnis aufgenommen hat, die dann groß geworden ist und die Spiritualität verdrängt hat, so wie man also in einem Irrtum in alten Zeiten mit dem Spirituellen allein gelebt und die äußere Welt verachtet hat, und so, wie man in der Zeit, als man das Materielle schätzte, irrtümlicherweise den Spiritualismus verachtet hat, so muß jetzt eine Zeit kommen, wo man von der umfassenden und wunderbaren Erkenntnis der äußeren Welt wiederum zu einem neuen Mysterienwissen kommen muß.
[ 48 ] Just as in ancient times the spiritual dwelt amongst men whilst the material world was contemned, to be followed by an epoch when material knowledge was fostered and the spiritual suppressed, so now the time must come when we must transform our vast, comprehensive knowledge of the external world, so deserving of admiration, into a renewed knowledge of the Mystery teachings.
[ 49 ] Wir müssen, nachdem die materielle Erkenntnis, die so wunderbar geworden ist, von der alten Spiritualität Stück für Stück sich abgerissen hat, so daß wie von uralten Gebäuden nichts mehr vorhanden ist auf der Erde als höchstens jene Überreste, die man wie die alten materiellen Gebäude ausgräbt — wir müssen wiederum zu einer Spiritualität kommen, aber mit voller Erkenntnis dessen, was wir aufzeigen können, wenn wir, in alte Erdenzeiten zurückblickend, wie in der Historie graben. Wir müssen wiederum zu solcher Spiritualität kommen durch ein neues religiöses Vertiefen, durch ein neues künstlerisches Gestalten, durch ein neues, in das Menschenwesen eindringendes Geistwissen durch Heilpraxis und so weiter.
[ 49 ] Since the material science of today has torn down the edifice of the old spirituality, so that nothing survives of the ancient structure save, at most, those fragments that we unearth, we must once again recover the spiritual; but there must be a full and clear understanding of everything we bring to light when we delve into the history of past epochs. We must find our way back to the spiritual through a new creative art imbued with religious feeling, through a new art of healing and through a new knowledge of the spirit that permeates the being of man.
[ 50 ] Das sind drei Beispiele, die ich heute vor Ihnen ausgeführt habe, um wiederum Mysterien zu erbauen, vor denen wir dann stehen werden wie vor etwas, das uns bringen kann Erkenntnis der Wesenstotalität der Welt und Handeln des Menschen zum Heile der Menschheit im Sinne der Totalität, nicht bloß der einseitigen materiellen Wirklichkeit.
[ 50 ] These are three examples which I have given you today in the hope that we may strive to renew the Mysteries which shall give us an understanding of the Ground and principle of the world in its entirety and an understanding of man who shall work as a fully integrated person rather than as a narrow materialist to promote the welfare and enlightenment of his fellow men.

