Initiate Consciousness
True and False Paths of Spiritual Research
GA 243
11 August 1924, Torquay
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Initiate Consciousness, tr. SOL
1. Die Natur ist die große Illusion «Erkenne dich selbst»
1. Nature Is the Great Illusion: “Know Thyself”
Warum forschen wir überhaupt nach einem Geistigen?
Why are we even searching for something spiritual?
[ 1 ] Es ist mir der Wunsch ausgedrückt worden, in diesen Vorträgen zu sprechen über die Wege in die übersinnliche Welt, in das geistige Leben hinein, die Wege, welche zu übersinnlichen Erkenntnissen führen und die sich vereinigen können mit den in so großer, schöner Weise in der neueren Zeit gegangenen Wegen zur Erkenntnis der sinnlichen, der physischen Welt. Denn nur derjenige Mensch kann die Wirklichkeit erkennen, der zu den großen, bewunderungswürdigen Erkenntnissen, welche die Naturwissenschaft, die historische Wissenschaft, welche anderes Erkennen in der neueren Zeit geleistet hat, hinzufügt dasjenige, was man in bezug auf die geistige Welt wissen kann.
[ 1 ] I have been asked to speak in these lectures about the paths into the supersensible world, into spiritual life—paths that lead to supersensible knowledge and that can be united with the paths toward knowledge of the sensory, physical world that have been taken in such a grand and beautiful way in recent times. For only those who add to the great, admirable insights achieved by the natural sciences, the historical sciences, and other fields of knowledge in recent times what can be known about the spiritual world can truly recognize reality.
[ 2 ] Überall, wo uns die Welt entgegentritt, ist sie in Wahrheit geistig und physisch, und es gibt nirgends ein Physisches, das nicht hinter sich in irgendeiner Weise als den eigentlichen Akteur ein Geistiges hätte. Und es gibt nicht irgendein Geistiges, das, nur um sich zu langweilen in der Welt, ein wesenloses, tatenloses Dasein führte, sondern jedes Geistige, das irgendwo gefunden werden kann, wird auch bis ins Physische hinein zu irgendeiner Zeit oder an irgendeinem Orte wirksam.
[ 2 ] Wherever the world confronts us, it is in truth both spiritual and physical, and there is nowhere anything physical that does not have, behind it in some way, a spiritual element as the actual agent. And there is no spiritual entity that, merely out of boredom with the world, leads an insubstantial, inactive existence; rather, every spiritual entity that can be found anywhere also exerts an influence into the physical realm at some time or in some place.
[ 3 ] Wie man innerhalb der physischen Tatsachen auf der einen Seite, wie man durch die Anschauung des Geistigen auf der anderen Seite die Welt, in der der Mensch lebt, in ihrer Totalität erkennen kann, darüber soll gesprochen werden, gesprochen werden so, daß die richtigen und die falschen Methoden dieser Erkenntnis hier in diesen Vorträgen zur Darstellung kommen.
[ 3 ] We will discuss how, on the one hand, through physical facts and, on the other hand, through the perception of the spiritual, one can come to know the world in which human beings live in its entirety—and we will do so in such a way that the correct and incorrect methods of this knowledge are presented here in these lectures.
[ 4 ] Heute möchte ich, bevor ich den eigentlichen Gegenstand, mit dem ich morgen anfangen werde, bespreche, eine Art Einleitung geben, damit Sie sehen, was eigentlich von diesen Vorträgen zu erwarten ist, was mit ihnen beabsichtigt ist. Es wird sich darum handeln, zunächst die Frage uns nahezulegen: Warum forschen wir denn überhaupt nach einem Geistigen? Warum befriedigen wir uns als Menschen, die in der Welt denken, in der Welt fühlen, die in der Welt etwas tun, warum befriedigen wir uns nicht damit, die sinnlich-physische Welt einfach aufzufassen, in ihr zu wirken? Warum streben wir nach der Erkenntnis eines Geistigen?
[ 4 ] Today, before I discuss the actual topic I will begin with tomorrow, I would like to offer a sort of introduction so that you can see what you can actually expect from these lectures and what their purpose is. The aim will be, first of all, to pose the following question to us: Why do we seek the spiritual at all? Why, as human beings who think in the world, feel in the world, and act in the world, are we not satisfied with simply perceiving the sensory-physical world and acting within it? Why do we strive for knowledge of the spiritual?
[ 5 ] Ich darf dabei auf eine alte Anschauung, ein altes Wort hinweisen, das aber eine immer erweiterte Wahrheit enthält, das herübertönt aus Urzeiten menschlichen Denkens und menschlichen Strebens, das wir aber auch finden, wenn wir heute forschen nach dem Wesen der Welt. Ohne daß hier auch nur das geringste gebaut werden soll auf fremde alte Anschauungen, möchte ich aber immer da, wo es am Platze ist, auf solche alten Anschauungen hinweisen.
[ 5 ] I would like to point out an ancient view, an ancient saying, which nevertheless contains a truth that is ever-expanding—one that echoes from the dawn of human thought and human striving, yet which we also find when we seek the essence of the world today. Without intending to base anything here—not even the slightest thing—on foreign, ancient views, I would nevertheless like to point to such ancient views whenever it is appropriate to do so.
[ 6 ] Da tönt uns mit einem Alter von Jahrtausenden aus dem Orient herüber das Wort: Die Welt, die wir mit den Sinnen sehen, ist Maja. Diese Welt, die wir mit den Sinnen sehen, ist die große Illusion, denn Maja ist ja die große Illusion. Und wenn — so fühlte man immer im Verlaufe der menschlichen Entwickelung — diese Welt die große Illusion ist, so muß der Mensch über diese große Illusion hinaus zur wahren Wirklichkeit kommen.
[ 6 ] From the Orient, across millennia, the words ring out to us: The world we perceive with our senses is Maya. This world we perceive with our senses is the great illusion, for Maya is, after all, the great illusion. And if—as has always been felt throughout the course of human development—this world is the great illusion, then human beings must go beyond this great illusion to reach true reality.
[ 7 ] Aber warum faßt denn der Mensch diese Welt, die er mit seinen Augen sieht, mit seinen Ohren hört, mit seinen übrigen Sinnen wahrnimmt, als die große Illusion auf? Warum taten sich denn auf, gerade in den ältesten Zeiten der Menschheit, wo der Mensch dem Geist nähergestanden hat als heute, Mysterienstätten, die zu gleicher Zeit zur Pflege der Wissenschaft, der Religion, der Kunst, des praktiischen Lebens da waren, und die auf die Realität, auf die Wahrheit hinweisen wollten gegenüber dem, was im nur äußeren Leben die große Illusion darstellt, in der der Mensch erkennt und in der er mit seinem gewöhnlichen Wirken zunächst auch lebt? Warum die überragenden Weisen, die ihre Schüler ausbildeten in den heiligen Mysterien der alten Zeiten, die zur Wahrheit führen wollten gegenüber der Illusion — warum das? Ja, diese Frage, sie beantwortet sich nur, wenn man etwas unbefangener, vorurteilsloser auf den Menschen selber hinsieht.
[ 7 ] But why does humanity perceive this world—which it sees with its eyes, hears with its ears, and perceives with its other senses—as the great illusion? Why did mystery sites emerge, precisely in the earliest times of humanity, when people were closer to the spirit than they are today, mystery schools—which served simultaneously to cultivate science, religion, art, and practical life, and which sought to point toward reality and truth in contrast to what, in mere external life, constitutes the great illusion in which human beings perceive and, through their ordinary activities, initially live? Why did the towering sages, who trained their disciples in the sacred mysteries of ancient times—which sought to lead to truth in contrast to illusion—why did they do that? Yes, this question can only be answered by looking at human beings themselves with a more open-minded and unprejudiced gaze.
[ 8 ] «Erkenne dich selbst», so tönt ja ein anderes altes Wort wiederum zu uns. Und, ich möchte sagen, aus dem Zusammenfügen dieser beiden Worte: «Die Welt ist Maja», aus dem Orient, «Erkenne dich selbst», aus dem alten griechischen Wort — erfloß der ganzen neueren Menschheit ihr Streben nach einer spirituellen Erkenntnis. Aber in allen alten Mysterien erfloß auch das Streben nach der wirklichen Wahrheit aus diesem Zusammenempfinden, daß die Welt eigentlich Illusion ist, daß der Mensch sich selbst erkennen müsse.
[ 8 ] “Know thyself”—so another ancient saying echoes to us once again. And, I would say, from the combination of these two sayings: “The world is Maya,” from the East, and “Know thyself,” from the ancient Greek—the entire modern human race’s quest for spiritual knowledge sprang forth. But in all the ancient mysteries, the quest for true truth also sprang from this shared sense that the world is, in fact, an illusion, and that human beings must come to know themselves.
[ 9 ] Aber erst im Leben kommt man zurecht mit dieser Frage; nicht im Denken, sondern im Wollen und im vollen Drinnenstehen in der uns Menschen zunächst zugänglichen Wirklichkeit. Nicht im vollen Bewußtsein, nicht in deutlicher Erkenntnis, aber in einem intensiven Fühlen sagt sich jeder Mensch innerhalb jeder Erdenlokalität: So wie die äußere Welt, die du siehst, die du hörst, kannst du selbst nicht sein.
[ 9 ] But it is only in life that one comes to terms with this question; not through thought, but through will and by being fully immersed in the reality that is initially accessible to us as human beings. Not through full consciousness, not through clear understanding, but through an intense feeling, every person in every place on Earth tells themselves: You cannot be like the outer world that you see and hear.
[ 10 ] Diese Empfindung ist eine tiefgehende, meine verehrten Anwesenden. Man muß nur einmal sich das ganz klar vor die Seele stellen, was das bedeutet, wenn der Mensch sich sagt: So wie die äußere Welt, die du siehst, die du hörst, mit deinen übrigen Sinnen wahrnimmst, kannst du selbst nicht sein. — Wir betrachten die Pflanzen, wir sehen sie im Frühling mit ihren grünen Blättern aus der Wurzel aufsprießen. Wir sehen sie im Laufe des Sommers zur Blüte, gegen den Herbst zu als Frucht sich entfalten. Wir sehen sie entstehen und vergehen. Wir sehen das Leben eingespannt in einen Jahreslauf. Wir sehen allerdings, wie manche Pflanzen aus dem Irdischen Härteres, wenn ich so sagen darf, aufnehmen, sich mit Härterem durchdringen, einen Baumstamm sich bilden. Und als wir im Auto hierher gefahren sind, um schnell noch hierherzukommen gestern abend, sahen wir unterwegs recht, recht alte Pflanzen, die viel von dem Irdischen aufgenommen haben, um nicht in einen Jahreslauf ihr Leben zu bannen, sondern um länger ihr Dasein zu führen und immer wieder neue und neue Sprossen an ihrem Stamme hervorzubringen. Aber der Mensch hat Gelegenheit, auch das Entstehen und Vergehen solcher Pflanzen zu beobachten.
[ 10 ] This is a profound realization, my esteemed audience. One need only clearly envision what it means when a person says to themselves: You cannot be like the external world that you see, hear, and perceive with your other senses. — We observe plants; we see them sprouting from their roots in the spring with their green leaves. We see them bloom over the course of the summer and develop into fruit as autumn approaches. We see them come into being and pass away. We see life bound up in the cycle of the year. We do, however, see how some plants take in something harder—if I may put it that way—from the earth, become permeated with this harder substance, and form a tree trunk. And as we drove here in the car yesterday evening to get here quickly, we saw some very, very old plants along the way that have absorbed much from the earth—not to confine their lives to an annual cycle, but to prolong their existence and continually produce new and new shoots from their trunks. But human beings also have the opportunity to observe the coming into being and passing away of such plants.
[ 11 ] Der Mensch betrachtet die Tiere. Er sieht sie entstehen, er sieht sie vergehen. Er tut es zuletzt auch mit den Mineralien. Er beobachtet dasjenige, was sich in der Erde abgelagert hat an Mineralien, an den mächtigen, grandiosen Gebirgszügen. Er ist in der neueren Wissenschaft darauf gekommen, daß auch diese grandiosen Gebirgszüge entstehen und vergehen. Und endlich wendet sich der Mensch zu irgendeiner Anschauung, sei sie ptolemäisch oder kopernikanisch, oder zu irgendeinem der alten oder der neueren Mysterien, und der Mensch kommt zu der Anschauung: Was du siehst in den majestätischen Sternen, was dir entgegenleuchtet aus Sonne und Mond mit all den wunderbaren, verwickelten Bahnen, all das entsteht und vergeht ja auch. — Und außer dem Entstehen und Vergehen trägt es Eigenschaften, die so sind, daß der Mensch, wenn er sich selbst erkennen soll, nicht annehmen darf, daß er gleich sei mit all dem, was da entsteht und vergeht, mit Pflanzen, Mineralien, mit Sonne, Mond und Sternen. Dann kommt der Mensch aber zu der Anschauung: Ich trage ja etwas in mir, was anders ist als das, was ich in meiner Umgebung sehe, was ich in meiner Umgebung höre. Ich muß auf die Wahrheit meines eigenen Wesens kommen. Das finde ich nicht in dem, was ich sehe und höre.
[ 11 ] Humans observe animals. He sees them come into being; he sees them pass away. Ultimately, he does the same with minerals. He observes the minerals that have been deposited in the earth, in the mighty, magnificent mountain ranges. Modern science has led him to realize that even these magnificent mountain ranges come into being and pass away. And finally, human beings turn to some system of belief—be it Ptolemaic or Copernican, or to any of the ancient or modern mysteries—and come to the realization: What you see in the majestic stars, what shines upon you from the sun and moon with all their wondrous, intricate orbits—all of that, too, comes into being and passes away. — And apart from coming into being and passing away, it possesses qualities such that, if human beings are to come to know themselves, they must not assume that they are the same as all that comes into being and passes away—plants, minerals, the sun, the moon, and the stars. But then the human being comes to the realization: I do indeed carry something within me that is different from what I see in my surroundings, from what I hear in my surroundings. I must arrive at the truth of my own being. I do not find that in what I see and hear.
[ 12 ] Und es war in allen alten Mysterien der Drang, nach der Wahrheit des Menschenwesens zu kommen. Dieser Wahrheit des Menschenwesens gegenüber, die man suchte, empfand man dasjenige, was draußen im Raume und in der Zeit entsteht und vergeht, als die große Illusion. Und so suchte man um der Erkenntnis des Menschenwesens willen ein anderes, als die äußeren Sinne geoffenbart haben. Und dieses andere empfand man als eine geistige Welt. Wie diese geistige Welt eben richtig gesucht werden kann, das wird der Gegenstand der Vorträge sein. Denn Sie können sich ja denken, zunächst wird der Mensch dasjenige, was er gewöhnt ist, als Weg zu haben, um in der Sinneswelt zu suchen, fortsetzen wollen. Er wird gerade so, wie er das Wesen der äußeren Sinneswelt sucht, sein Suchen auch in die geistige Welt hinein fortsetzen wollen. Wenn aber die Forschung über die Sinneswelt im gewöhnlichen Leben Illusionen gibt, dann steht ja zu erwarten, daß die Illusion nicht kleiner, sondern größer wird, wenn man dieselben Wege, die man zur Erkenntnis in die Sinneswelt wählt, auch in die geistige Welt zur Erkenntnis wählt. Und so ist es auch. Das wird sich uns zeigen. Forscht man in der geistigen Welt so, wie man forscht in der Sinneswelt, kann die Illusion nicht kleiner werden, sondern muß größer werden, und wir leben uns, indem wir die sinnliche Forschung fortsetzen in die geistige Welt hinein, nur in eine um so größere, stärkere Illusion hinein.
[ 12 ] And in all the ancient mysteries there was a drive to arrive at the truth of the human being. In contrast to this truth of the human being that one sought, one perceived that which arises and passes away out there in space and time as the great illusion. And so, for the sake of understanding the human being, people sought something other than what the external senses revealed. And this “other” was perceived as a spiritual world. How this spiritual world can be sought correctly will be the subject of these lectures. For you can imagine that, at first, people will want to continue using the methods they are accustomed to for seeking within the sensory world. Just as they seek the nature of the external sensory world, they will want to continue their search into the spiritual world as well. But if research into the sensory world in ordinary life leads to illusions, then it is to be expected that the illusion will not diminish but rather grow larger if one chooses the same paths for gaining knowledge in the spiritual world as one does in the sensory world. And so it is. This will become clear to us. If one investigates the spiritual world in the same way as one investigates the sensory world, the illusion cannot become smaller but must become greater; and by continuing our sensory investigation into the spiritual world, we are merely immersing ourselves in an even greater, stronger illusion.
[ 13 ] Und wiederum, wenn wir ahnen vom Geistigen, wenn wir unbestimmt in dunkler Mystik vom Geistigen ahnen, träumen vom Geistigen, ja, dann bleibt uns das Geistige eben unbekannt. Wir ahnen es nur. Wir glauben nur; wir wissen nichts davon. Wenn wir diese Mystik, diesen Glauben, dieses Ahnen gegenüber der geistigen Welt bloß fortsetzen wollen, dann wird sie uns nicht bekannter, sondern immer unbekannter, so daß der Mensch sozusagen zwei falsche Wege finden kann.
[ 13 ] And yet, when we sense the spiritual—when we vaguely sense the spiritual in dark mysticism, when we dream of the spiritual—yes, then the spiritual simply remains unknown to us. We merely sense it. We merely believe; we know nothing about it. If we merely wish to continue with this mysticism, this belief, this sense of the spiritual world, then it does not become more familiar to us, but rather increasingly unknown, so that human beings can, so to speak, find two wrong paths.
[ 14 ] Auf der einen Seite: er benimmt sich gegenüber der geistigen Welt so wie gegenüber der sinnlichen Welt. Da liefert ihm die sinnliche Welt zunächst die Illusion. Sucht er denselben Weg in die geistige Welt hinein fortzusetzen, wie es etwa die gewöhnlichen Spiritisten tun, so kommt er nicht etwa zu einer geringeren, sondern zu einer größeren Illusion.
[ 14 ] On the one hand: he behaves toward the spiritual world just as he does toward the physical world. There, the physical world initially provides him with an illusion. If he seeks to continue along the same path into the spiritual world, as ordinary spiritualists do, for example, he does not arrive at a lesser illusion, but rather at a greater one.
[ 15 ] Und es ergibt sich der andere Weg, nicht mit durchdringlicher, mit klarer Forschung in die geistige Welt eindringen zu wollen, sondern glauben zu wollen, mystisch ahnen zu wollen. Dann bleibt die geistige Welt unbekannt. Wenn man sich noch so anstrengt, um diesen Weg des Ahnens, des Mystizierens fortzusetzen, wird sie immer unbekannter und unbekannter. In beiden Fällen kommt man nicht in die geistige Welt hinein. In dem einen Fall wird die Illusion größer, in dem anderen Fall wird die Ignoranz größer. Gegenüber diesen beiden falschen Wegen ist eben der richtige zu suchen.
[ 15 ] And so another path emerges: not seeking to penetrate the spiritual world through penetrating, clear research, but rather seeking to believe, to intuit it mystically. Then the spiritual world remains unknown. No matter how hard one tries to continue down this path of intuition and mystification, it becomes ever more and more unknown. In both cases, one does not enter the spiritual world. In one case, the illusion grows; in the other, ignorance grows. In contrast to these two false paths, one must seek the right one.
[ 16 ] Die wahren Wege in das geistig wirkliche Erkennen
[ 16 ] The True Paths to Spiritual and Real Knowledge
[ 17 ] Man muß sich vor Augen halten, wie unmöglich es ist, von der Erkenntnis der Illusion in dem angegebenen Sinne zu der Erkenntnis des wahren Selbstes zukommen, und auch wiederum von dem Ahnen des wahren Selbstes, von dem mystischen Fühlen des wahren Selbstes zu dem Durchschauen der Wirklichkeit in der Illusion zu kommen, wenn man sich vorbereiten will, die wahren, die echten Wege in das geistig wirkliche Erkennen hinein zu finden.
[ 17 ] One must bear in mind how impossible it is to proceed from the realization of illusion in the sense indicated to the realization of the true self, and likewise to move from a sense of the true self—from the mystical feeling of the true self—to a clear understanding of reality within the illusion, if one wishes to prepare oneself to find the true, authentic paths leading to spiritual, real knowledge.
[ 18 ] Betrachten wir einmal ganz unbefangen, was da vorgeht. Man kann eigentlich mit materialistischem Sinn niemals ein so großer Verehrer sein von all den neueren naturwissenschaftlichen Forschern, Darwin, Huxley, Spencer und so weiter, wie man es sein kann als Erkenner der geistigen Welt, denn diese Menschen und viele andere seit der Giordano Bruno-Zeit haben wirklich Unendliches getan, um dasjenige zu erkennen, was man zu allen Zeiten in den Mysterien als die große Illusion durchschaute. Man braucht sich gar nicht bei Darwin, Huxley, Spencer, bei Kopernikus, Galilei und so weiter an die Theorien zu halten. Mögen die Menschen theoretisch über das Weltenall denken, was sie wollen, wir wollen uns darauf gar nicht einlassen; aber wir wollen uns einmal klarmachen, welche Anregung gegeben worden ist durch alle diese Menschen, um im einzelnen dieses oder jenes Organ im Menschen, in der Pflanze, im Tier, dieses oder jenes Geheimnis, das im Steine waltet, rein materiell zu durchschauen. Man soll sich nur vorstellen, was wir alles über Drüsen-, Nerven-, Herz-, Hirn-, Lunge-, Leberleben und so weiter in der neueren Zeit durch die Anregung dieser Forschung beobachtet haben. Man wird schon die nötige Hochschätzung bekommen. Allein der Mensch kommt mit allen diesen Erkenntnissen im ganzen wirklichen Leben nur bis zu einem Punkte. Das möchte ich Ihnen an drei Beispielen zeigen.
[ 18 ] Let’s take an unbiased look at what’s going on here. In fact, from a materialistic perspective, one can never be as great an admirer of all the modern scientists—Darwin, Huxley, Spencer, and so on—as one can be as someone who recognizes the spiritual world; for these people, and many others since the time of Giordano Bruno, have truly done an infinite amount to uncover what has always been seen through in the Mysteries as the great illusion. There is no need at all to adhere to the theories of Darwin, Huxley, Spencer, Copernicus, Galileo, and so on. People may think whatever they want, theoretically, about the universe; we do not wish to get involved in that at all; but let us first make it clear to ourselves what impetus has been provided by all these people to gain a purely material understanding of this or that organ in humans, plants, and animals, or this or that mystery that reigns within the stone. Just imagine all that we have observed in recent times regarding the functioning of the glands, nerves, heart, brain, lungs, liver, and so on, thanks to the impetus provided by this research. One cannot help but hold it in the highest regard. Yet, with all this knowledge, human beings can only go so far in the reality of everyday life. I would like to illustrate this with three examples.
[ 19 ] Man kann außerordentlich minuziös erkennen, wie der erste Eikeim des Menschen sich bildet, wie sich nach und nach in wunderbarer Weise dieser Keim zum menschlichen Embryo gestaltet, wie er Organe nach und nach ansetzt, wie aus peripherisch angeordneten kleinen Organen zuletzt das wunderbare Herz- und Zirkulationssystem sich aufbaut. Man kann das alles erkennen. Man kann erkennen, wie wunderbar sich in der Pflanze von der Wurzel auf bis zur Blüte und zum Samen alle die Dinge materiell entwickeln, und kann sich daraus eine Welt aufbauen nach den Anschauungen, die man sich gebildet hat, eine Welt, die bis zu den Sternen reicht. Es haben unsere astronomischen, unsere astrophysischen Theoretiker das getan. Man hat sich eine Welt aufgebaut aus einem Nebel-Sternsystem heraus, die zu immer deutlicherer und deutlicherer Struktur gekommen ist, Leben aus sich entwickeln konnte und so weiter.
[ 19 ] One can observe in extraordinary detail how the first human germ forms, how this germ gradually and miraculously develops into a human embryo, how it gradually forms organs, and how the marvelous heart and circulatory system ultimately develops from small organs arranged peripherally. One can observe all of this. One can observe how wonderfully all things in a plant develop materially, from the root up to the flower and the seed, and from this one can construct a world according to the views one has formed—a world that reaches up to the stars. Our astronomical and astrophysical theorists have done just that. They have constructed a world starting from a nebular star system that has evolved into an ever clearer and clearer structure, capable of developing life from within itself, and so on.
[ 20 ] Man kann sich das alles aufbauen. Aber zuletzt steht man da und frägt nun doch wiederum nach dem eigenen menschlichen Wesen, nach dem, was Antwort sein soll auf die Frage: «Erkenne dich selbst.» Und wenn man sich nur in demjenigen Selbst erkennt, das beschlossen ist in dem, was man erkennt an den Steinen, Pflanzen, Tieren, an den menschlichen Organen, am menschlichen Drüsen-, am menschlichen Zirkulationssystem — was erkennt man? Diejenige Welt erkennt man, die man bei der Geburt betritt, mit dem Tode verläßt. Nichts anderes.
[ 20 ] One can build all of this up. But in the end, one stands there and asks once again about one’s own human nature—about what is supposed to be the answer to the question: “Know thyself.” And if one recognizes oneself only in that self which is contained in what one perceives in stones, plants, animals, human organs, the human glandular system, and the human circulatory system—what does one perceive? One perceives the world one enters at birth and leaves at death. Nothing else.
[ 21 ] Das aber erfühlt der Mensch in der Tiefe seines eigenen Wesens, daß das nicht seine wahre, letzte Grenze ist. Und so muß der Mensch aus dem Innersten seines Wesens alldem entgegenrufen, was in so großer Vollendung, in so großer Majestät an äußerer Erkenntnis an ihn herantreten kann: Das alles nimmst du nur an zwischen der Geburt und dem Tode. Was bist du in deinem wahren Wesen? — In dem Augenblick, wo die Frage der Naturerkenntnis und der Menschenerkenntnis sich religiös wendet, in dem Augenblicke kommt der Mensch mit dem, was hineinschaut in die Welt der großen Illusion, nicht weiter. Die Frage: Erkenne dich selbst, so daß du weißt, woher du stammst im Innersten deines Wesens, wohin du gehst mit dem Innersten deines Wesens — diese Frage, die Erkenntnisfrage ins Religiöse gewendet, bleibt unbeantwortet.
[ 21 ] But deep within his own being, man senses that this is not his true, ultimate limit. And so, from the very depths of his being, man must cry out in response to all that may approach him in such great perfection, in such great majesty, in the form of external knowledge: You accept all of this only between birth and death. What are you in your true essence? — At the very moment when the question of knowledge of nature and knowledge of humanity takes a religious turn, at that very moment, humanity, with what looks into the world of the great illusion, can go no further. The question: Know yourself, so that you know where you come from in the innermost core of your being, and where you are going with the innermost core of your being—this question, the question of knowledge turned toward the religious, remains unanswered.
[ 22 ] Das war es, was die alten Mysterien ihren Schülern schon an den Pforten klarmachten: Du magst erkennen, was du willst mit deinen äußeren Sinnen, wendest du die Frage religiös, dann bleibt dir die große Menschheitsfrage, das große Menschenrätsel unbeantwortet. Und weiter. Wir mögen noch so genau hinschauen können auf die Art, wie ein menschliches Gesicht geformt ist, wir mögen noch so genau hinschauen können, wie ein Mensch seine Arme und Hände bewegt, wie er geht und steht, wir mögen uns ein noch so feines Gefühl aneignen für die Gestalt eines Tieres, die Gestalt der Pflanzen, so weit wir das mit den Sinnen erkennen können — in dem Augenblick, wo wir dieses unser Fühlen, wo wir dasjenige, was wir so auffassen, künstlerisch wenden wollen, bleibt uns wiederum eine Frage unbeantwortet. Denn wie haben die Menschen das, was sie von der Welt wußten, von jeher künstlerisch gewendet? Die Mysterien, sie haben in alten Zeiten dazu angeregt. Man wußte das oder jenes über die Natur nach den Erkenntniskräften, die da waren. Aber man vertiefte dasjenige, was man so wußte, in die Anschauung des Geistigen.
[ 22 ] This was what the ancient mysteries made clear to their students right at the gates: You may perceive whatever you wish with your external senses, but if you approach the question from a religious perspective, the great question of humanity—the great mystery of humankind—will remain unanswered. And further. No matter how closely we may observe the shape of a human face, no matter how closely we may observe how a person moves their arms and hands, how they walk and stand, we may develop however refined a sense for the form of an animal or the form of plants, as far as we can perceive this with our senses—the moment we wish to apply this sense of ours, the moment we wish to apply what we perceive in this way artistically, a question remains unanswered once again. For how have people, from time immemorial, applied what they knew of the world artistically? In ancient times, the mysteries served as inspiration for this. People knew this or that about nature according to the powers of cognition available to them. But they deepened what they knew in this way through contemplation of the spiritual.
[ 23 ] Man braucht nur ins alte Griechenland zurückzugehen. Wenn wir heute einen Bildhauer, einen Maler sehen, er greift — wenigstens war das vor kurzer Zeit noch ganz der Fall, heute ist es schon weniger der Fall —, er greift nach dem Modell. Er will etwas nachmachen. Er will etwas imitieren. Das hat der Grieche nicht getan. Man glaubt das nur, daß es der Grieche getan habe. Der Grieche hat den geistigen Menschen in sich gefühlt. Wollte er bildhauerisch einen Arm in seiner Bewegung modellieren, dann wußte er: In dem, was ich da außen am Modell anschaue, da steckt das Geistige darinnen. — Er wußte, daß alles Materielle nach dem Geistigen geschaffen ist, und er strebte danach, dieses Geistige nachzuschaften.
[ 23 ] One need only go back to ancient Greece. When we see a sculptor or a painter today—at least that was very much the case until recently, though it is less so today—he reaches for the model. He wants to reproduce something. He wants to imitate something. The Greeks did not do that. People merely believe that the Greeks did that. The Greeks sensed the spiritual human being within themselves. If they wanted to sculpt an arm in motion, they knew: Within what I see on the outside of the model, the spiritual is present. — He knew that everything material is created according to the spiritual, and he strove to recreate this spiritual aspect.
[ 24 ] Der Maler noch zur Renaissancezeit stellte sich nicht hin und schaute das Modell an; es war ihm nur Anregung. Dasjenige, was er von innen heraus wußte, daß esim Arm, in der Hand lebte, das brachte er in die Bewegung hinein. Wie der Mensch innerlich mit dem Geiste lebte, das brachte er hinein. Bloß das Äußere anschauen in der großen Illusion, in der Maja, bloßes Imitieren des Modelles läßt uns da stehenbleiben, wo wir stehen, nicht im Menschen, sondern vor dem Menschen. Künstlerisch die Frage gewendet, stehen wir, wenn wir bei der Illusion stehenbleiben, vor der großen Menschheitsfrage, vor den gewaltigen Menschenrätseln, die unbeantwortet bleiben.
[ 24 ] Even during the Renaissance, the painter did not simply stand and look at the model; the model served only as inspiration. What he knew from within—that it lived in his arm, in his hand—that is what he brought into the movement. How a person lived inwardly with the spirit—that is what he brought into it. Merely looking at the exterior in the great illusion, in Maya—merely imitating the model—leaves us standing where we are, not within the human being, but before the human being. To put it in artistic terms: if we stop at the illusion, we stand before the great question of humanity, before the immense mysteries of humanity that remain unanswered.
[ 25 ] Wiederum war es schon an der Pforte der alten Mysterien, wo man nun dem Schüler, der eingeweiht werden sollte, klarmachte: Willst du innerhalb der äußeren Welt der Illusion stehenbleiben, kannst du nicht in die menschliche Wesenheit, aber auch nicht in die Wesenheit eines anderen Naturreiches eindringen. Du kannst kein Künstler werden. Man war wiederum auch auf dem Wege der Kunst in die Notwendigkeit versetzt, an den Menschen das anschauliche «Erkenne dich selbst» heranzubringen. Da fühlte man die Notwendigkeit der spirituellen Erkenntnis.
[ 25 ] Once again, it was already at the threshold of the ancient mysteries that the student who was to be initiated was made to understand: If you wish to remain within the outer world of illusion, you cannot penetrate the human being, nor can you penetrate the being of any other kingdom of nature. You cannot become an artist. Through the path of art, too, one was compelled to convey to humanity the vivid message, “Know thyself.” There, one felt the necessity of spiritual knowledge.
[ 26 ] Sie werden sagen: Aber es gibt doch recht materialistische Bildhauer, materialistische Maler, die können doch auch etwas, die wissen ganz gut dem Modell die Geheimnisse abzulocken und es in die Gestalten, in die Stoffe hineinzulegen. — Gewiß, aber woher können sie das? Sie wissen das gar nicht von sich aus. Man durchschaut das nur nicht. Sie haben das gelernt von den älteren Malern; diese wieder von den [noch] älteren Malern. Tradition ist es. Man weiß, wie Ältere das gemacht haben. Man sagt sich das nicht immer, weil man doch selber tüchtig sein will. Aber man ist es nicht. Man weiß nur, wie die Älteren tüchtig waren und macht es ihnen nach. Aber die Ältesten von diesen Älteren, die haben eben das Geheimnis gerade aus den spirituellen Anschauungen der Mysterien heraus bekommen. Ältere Maler, ältere Bildhauer haben es von den Mysterien bekommen; Raffael, Michelangelo haben es von solchen bekommen, die es noch aus den Mysterien bekamen. Aber wirkliche Kunst muß aus dem Spirituellen geschöpft sein. Anders geht es nicht. Sobald man an den Menschen herankommt, läßt einem das Anschauen der großen Illusion, der Maya, unbeantwortet die Lebensrätsel, die Menschenrätsel. Wollen wir wiederum zum Ursprünglichen einer Kunst kommen, zum schaffenden Künstlerischen, brauchen wir wiederum einen Einblick in die spirituelle Welt.
[ 26 ] You will say: But there are certainly quite materialistic sculptors and painters; they are quite capable, after all—they know very well how to draw out the secrets from the model and imbue them into the figures and the materials. — Certainly, but where do they get that from? They don’t know it on their own. It’s just that people don’t see through it. They learned it from the older painters; those, in turn, from the [even] older painters. It is tradition. One knows how the older ones did it. One doesn’t always admit this to oneself, because one wants to be competent in one’s own right. But one isn’t. One only knows how the older artists were competent and imitates them. But the very earliest of these older artists derived the secret precisely from the spiritual insights of the Mysteries. Older painters and sculptors received it from the Mysteries; Raphael and Michelangelo received it from those who, in turn, had received it from the Mysteries. But true art must be drawn from the spiritual. There is no other way. As soon as one approaches humanity, the contemplation of the great illusion—Maya—leaves the mysteries of life and the mysteries of humanity unanswered. If we wish to return to the origins of art, to the creative artistic process, we need, once again, insight into the spiritual world.
[ 27 ] Ein drittes Beispiel: Man kann als Botaniker, als Zoologe wunderbar kennen jede Form der einem zugänglichen Pflanzen. Man kann in Chemie, Physiologie die Prozesse beschreiben, die in den Pflanzen vor sich gehen. Man kann die Prozesse kennenlernen, wie sich Nahrungsmittel verwandeln in den Verdauungsorganen und innerhalb des Blutes und weiter bis zu den Nerven hin. Man kann das alles kennenlernen. Man kann ein sehr kluger, gescheiter Anatom oder Physiologe oder Botaniker oder Zoologe werden, vieles erforschen in der Welt der großen Illusion — will man heilend, medizinisch an den Menschen mit all diesen Kenntnissen herankommen, will man wiederum den Weg finden von der Natur des Menschen, ja, von der Innennatur des Menschen zu seinem Wesen: man kann es nicht.
[ 27 ] A third example: As a botanist or zoologist, one can have a wonderful understanding of every form of plant available to one. In chemistry and physiology, one can describe the processes that take place within plants. One can learn about the processes by which food is transformed in the digestive organs, within the blood, and onward to the nerves. One can learn all of this. One can become a very clever, intelligent anatomist, physiologist, botanist, or zoologist, and explore much in the world of the great illusion—but if one wishes to approach human beings in a healing, medical way with all this knowledge, if one wishes, in turn, to find the path from human nature—indeed, from the inner nature of the human being—to their very essence: one cannot do so.
[ 28 ] Sie werden sagen: Es gibt aber genug materialistisch denkende Ärzte, die wollen nichts wissen von der geistigen Welt, die gehen nur nach dem, was man mit der Naturwissenschaft erforschen kann, und sie heilen doch. — Ja, warum heilen sie? Sie heilen, weil sie wiederum die Tradition aus einer alten Weltanschauung haben. Alte Heilmittel waren ja auch aus den Mysterien heraus entnommen; aber sie haben alle eine merkwürdige Eigentümlichkeit. Wenn Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, ein altes Rezept in die Hand nehmen: das ist ungeheuer kompliziert, das erfordert, um es darzustellen und zu dem anzuwenden, wovon einem gesagt wird nach der Tradition, daß es angewendet werden soll, außerordentlich viel.
[ 28 ] You might say: But there are plenty of materialistically minded doctors who want nothing to do with the spiritual world; they rely solely on what can be investigated through the natural sciences, and yet they still heal. — Yes, why do they heal? They heal because they, too, draw on the tradition of an ancient worldview. Ancient remedies were, after all, also derived from the mysteries; but they all share a remarkable characteristic. When you, my esteemed audience, pick up an old prescription: it is immensely complicated; preparing it and applying it to the condition for which tradition dictates it should be used requires an extraordinary amount of effort.
[ 29 ] Wenn Sie nun in die alten Mysterien gegangen wären und einen Mysterienarzt gefragt hätten, wie solch ein Rezept zustande kommt, der würde Ihnen nie geantwortet haben: Da mache ich chemische Versuche, da probiere ich zuerst einmal, ob die Stoffe miteinander sich so und so verhalten, und dann wende ich das bei den Kranken an und sehe, was sich da ergibt. — Das würde Ihnen der alte Mysterienarzt nie geantwortet haben, ihm wäre dies nicht eingefallen. Die Menschen wissen nur nicht, wie das in früheren Zeiten war. Der hätte Ihnen geantwortet: Ich lebe in dem Laboratorium — wenn wir es so nennen wollen —, das mir im Sinne des Mysteriums eingerichtet worden ist, und wenn ich zu einem Heilmittel komme, so haben mir das die Götter gesagt. — Denn er war sich klar darüber: Durch die ganze Stimmung, die in seinem Laboratorium erzeugt worden ist, kam er in lebendigen Verkehr mit der geistigen Welt. Da wurden geistige Wesen so gegenwärtig für ihn, wie es sonst die Menschen sind. Und da wurde er sich bewußt: Durch den Einfluß der geistigen Wesen in der geistigen Welt kann er mehr sein als ohne solchen Einfluß. Und er setzte seine komplizierten Rezepte zusammen. Nicht mit Naturerkenntnis, nach Götterart setzte er sie zusammen. Man wußte innerhalb dieser Mysterien selber: Will man an den Menschen herankommen, dann darf man nicht in der Illusion stehenbleiben, dann muß man zur Wahrheit der göttlichen Welt vordringen.
[ 29 ] If you had gone to the ancient mysteries and asked a mystery physician how such a prescription came about, he would never have answered you: “I conduct chemical experiments; first I test whether the substances interact with one another in such and such a way, and then I apply this to the patients and see what happens.” — The ancient mystery physician would never have answered you that way; it would never have occurred to him. People simply don’t know how things were in earlier times. He would have replied: “I live in the laboratory—if we want to call it that—which has been set up for me in accordance with the mystery, and when I discover a remedy, it is because the gods have told me so.” — For he was fully aware of this: Through the entire atmosphere that had been created in his laboratory, he entered into a living communion with the spiritual world. There, spiritual beings became as present to him as human beings otherwise are. And there he realized: Through the influence of the spiritual beings in the spiritual world, he could be more than he would be without such influence. And he formulated his complex prescriptions. He did not formulate them based on knowledge of nature; rather, he formulated them in the manner of the gods. Within these mysteries themselves, it was known: If one wishes to reach human beings, one must not remain in illusion; one must penetrate to the truth of the divine world.
[ 30 ] Die Menschen sind heute in ihrem äußeren Erkennen der Wahrheit der göttlichen Welt noch viel ferner, als die Alten es waren mit ihren Mysterien. Aber der Weg muß wieder zurückgefunden werden. Denn das ist das dritte, was ich Ihnen als Beispiel anführen kann: Wenn man mit der allerausgebreitetsten Erkenntnis der Natur, das heißt der großen Illusion, gerüstet ist und will heilen — man steht wiederum mit unbeantworteten Fragen vor dem Menschenleben, vor dem Menschenrätsel. Kommt man von der Illusion an den Menschen heran, von dem «Die Natur ist die große Illusion» zu dem «Erkenne dich selbst», wie es auch beim Heilen dargelegt werden muß: man kann keinen Schritt weitermachen.
[ 30 ] People today are even further removed from an outward understanding of the truth of the divine world than the ancients were with their mysteries. But the path must be rediscovered. For this is the third point I can cite as an example: When one is equipped with the most widespread understanding of nature—that is, the great illusion—and wishes to heal, one is once again confronted with unanswered questions regarding human life, regarding the mystery of humanity. If one approaches the human being from the perspective of illusion—from “Nature is the great illusion” to “Know thyself,” as must also be explained in the context of healing—one cannot take a single step further.
[ 31 ] Und so kann man aus diesen drei Beispielen sagen: Der Mensch, der die Brücke schlagen will zwischen der Welt der großen Illusion, der Maja, und dem «Frkenne dich selbst», der sieht, wie er vor dem Nichts steht, wenn er nur von der Illusion ausgehen will, sobald er an den Menschen religiös fühlend, künstlerisch schaffend und helfend als Heiler, als Arzt herankommen will. Er kann es nicht, wenn er nicht übergeht zu einer ganz anderen Erkenntnis, als die Erkenntnis der äußeren Natur, die Erkenntnis der großen Illusion, der Maja, ist.
[ 31 ] And so, based on these three examples, we can say: The person who wants to bridge the gap between the world of the great illusion, Maya, and the “Know Thyself” principle sees that he stands before nothingness if he seeks to proceed solely from the illusion, as soon as he attempts to approach humanity through religious feeling, artistic creation, and helping others as a healer or physician. They cannot do so unless they move on to a completely different kind of knowledge than that of external nature—the knowledge of the great illusion, Maya.
[ 32 ] Die Erkenntnis der Welt in ihrer Totalitat durch geistige Anschauung innerhalb der physischen Tatsachen
[ 32 ] The understanding of the world in its totality through spiritual intuition within the realm of physical facts
[ 33 ] Wir wollen nun noch einen Vergleich anstellen zwischen der Art, wie man in alten Zeiten aus dem Geiste der Mysterien heraus versucht hat, die Totalerkenntnis von der Welt zu erwerben, und wie man heute versucht, es zu tun, um daran uns zu orientieren in bezug auf die Wege zu einer solchen Totalerkenntnis von der Welt.
[ 33 ] We will now make a comparison between the way in which, in ancient times, people sought to attain a comprehensive understanding of the world in the spirit of the mysteries, and the way in which people seek to do so today, in order to use this as a guide regarding the paths to such a comprehensive understanding of the world.
[ 34 ] Ganz anders sprach man vor einigen Jahrtausenden über die Welt und ihr Wesen, als heute diejenigen Gelehrten sprechen, die auf Autorität Anspruch machen. Wollen wir uns einmal einige Jahrtausende zurückversetzen in die Zeit, wo eine glänzende, majestätische Erkenntnis in Vorderasien blühte, aus heiligen Mysterien heraus, wollen wir uns einmal mit einigen charakteristischen Strichen in die Art dieser Erkenntnis hinein vertiefen.
[ 34 ] A few millennia ago, people spoke of the world and its nature in a manner quite different from how those scholars who claim authority speak today. Let us transport ourselves back a few millennia to the time when a brilliant, majestic body of knowledge flourished in the Near East, springing from sacred mysteries; let us delve into the nature of this knowledge with a few characteristic strokes.
[ 35 ] Da wurde etwa im alten Chaldäa, sagen wir, folgendes gelehrt: Der Mensch erlebt die äußersten Grenzen des Daseins, bis zu denen er kommen kann mit seinen Seelenkräften, wenn er den geistigen, den Seelenblick auf den wunderbaren Gegensatz lenkt zwischen dem Leben, wenn er schläft — das Bewußtsein ist dumpf, der Mensch weiß nichts von seinem Leben —, und demjenigen Leben, das er verbringt, wenn er wach ist — es ist hell um den Menschen herum, der Mensch weiß von seinem Leben.
[ 35 ] In ancient Chaldea, for example, the following was taught: Human beings experience the outer limits of existence—the farthest they can reach with their soul forces—when they direct their spiritual, soul-eyes toward the wondrous contrast between life while they sleep—when consciousness is dull and they are unaware of their own existence— and the life one lives while awake—when everything is bright around the person, and the person is aware of their life.
[ 36 ] Anders wurden diese Wechselzustände zwischen Schlafen und Wachen vor Jahrtausenden empfunden. Der Schlaf war nicht so bewußtlos, das Wachen war nicht so bewußtvoll. Im Schlafe nahm man sich wandelnde, mächtige Bilder, webend-wellendes Weltenleben wahr; man war unter Wesenhaftem, wenn man schlief. Daß der Schlaf so bewußtlos geworden ist, ist erst mit der Entwickelung der Menschheit geschehen. Dafür aber war vor Jahrtausenden das Wachleben nicht so durchsonnt, nicht so durchleuchtet wie heute. Die Dinge hatten nicht feste Grenzen, waren verschwommen. Sie sprühten noch allerlei Geistiges aus. Es war kein so schroffer Übergang zwischen Schlafen und Wachen. Aber man konnte unterscheiden, und man nannte alles das, worinnen man lebte, im Wachen der damaligen Zeit, etwa «Apsu». Das war die Welt des Wachens.
[ 36 ] Thousands of years ago, these transitional states between sleep and wakefulness were experienced differently. Sleep was not as unconscious, and wakefulness was not as conscious. In sleep, people perceived shifting, powerful images—a weaving, undulating life of the worlds; when they slept, they were among beings of a higher order. The fact that sleep has become so unconscious is a development that occurred only with the evolution of humanity. In contrast, however, millennia ago, waking life was not as sun-drenched, not as brightly illuminated as it is today. Things did not have fixed boundaries; they were blurred. They still radiated all manner of spiritual qualities. There was no such abrupt transition between sleeping and waking. But one could distinguish between them, and everything in which one lived while awake in those days was called, for example, “Apsu.” That was the world of waking.
[ 37 ] Man nannte dasjenige, worin man war, wenn man schlief, das Webend-Wellende, das, wodurch man nicht so gut unterscheiden konnte, wie wenn man wach war, Mineralien, Tiere und Pflanzen, man nannte das «Tiamat».
[ 37 ] The state one was in while sleeping—that weaving, undulating state in which one could not distinguish minerals, animals, and plants as clearly as when awake—was called “Tiamat.”
[ 38 ] Nun wurde in den chaldäischen Mysterien gelehrt: Mehr ist der Mensch im Wahren, im Wirklichen drinnen, wenn er im Tiamat schlafend webt, als wenn er wachend unter den Mineralien, Pflanzen und Tieren lebt. Tiamat ist ursprünglicher, ist mehr der Welt des Menschlichen verbunden als Apsu; Apsu ist unbekannter; Tiamat stellt dasjenige dar, was dem Menschen naheliegt. Aber es traten Veränderungen ein im Tiamat im Laufe der Zeit. So sagte man und lehrte man den Schülern der Mysterien. Aus dem Weben und Leben entstanden Dämonengestalten, pferdeähnliche Gestalten mit Menschenköpfen, löwenähnliche Gestalten mit Engelsköpfen. Sie entstanden aus dem Gewebe des Tiamat. Das, was da lebte als dämonische Gestalten, wurde dem Menschen feindlich.
[ 38 ] Now, it was taught in the Chaldean mysteries: Man is more deeply immersed in the True, in the Real, when he weaves while asleep within Tiamat than when he lives awake among the minerals, plants, and animals. Tiamat is more primordial and more closely connected to the human world than Apsu; Apsu is more unknown; Tiamat represents that which is close to human beings. But changes occurred in Tiamat over the course of time. So it was said and taught to the students of the Mysteries. From the weaving and living emerged demonic figures—horse-like figures with human heads, lion-like figures with angelic heads. They arose from the fabric of Tiamat. That which lived there as demonic figures became hostile to humankind.
[ 39 ] Da aber trat in die Welt ein mächtiges Wesen ein: «Ea». Wer heute noch Laute fühlt, der fühlt in dem Zusammenklange von E und A den Hinweis auf jenes mächtige Wesen, das dem Menschen hilfreich im Sinne dieser alten Mysterienlehre zur Seite war, als die Dämonen aus Tiamat mächtig waren: Ea, la, was dann später, indem man die Seinspartikel «soph» voraussetzte, Soph Ea = Sophia wurde. Ea, ungefähr dasjenige, was wir mit dem abstrakten Worte: Weisheit, die in allen Dingen waltet, bezeichnen. Ia = die in allem waltende Weisheit, Sophia. Soph = eine Partikel, die ungefähr «seiend» bedeutet. Sophia, Sophea, Sopheia = die waltende Weisheit, die überall waltende Weisheit schickte dem Menschen einen Sohn, jenen Sohn, den man dazumal mit dem Namen bezeichnete: «Marduk», den wir gewohnt worden sind in einer etwas späteren Terminologie als Michael zu bezeichnen, als den aus der Hierarchie der Archangeloi heraus waltenden Michael. Das ist dieselbe Wesenheit wie Marduk, der Sohn von Ea, der Weisheit, Marduk-Michael.
[ 39 ] But then a powerful being entered the world: “Ea.” Anyone who still perceives sounds today can sense, in the harmony of E and A, a reference to that mighty being who stood by humanity in a helpful way, in the spirit of this ancient mystery teaching, when the demons of Tiamat were powerful: Ea, la—which later, by adding the particle of being “soph,” became Soph Ea = Sophia. Ea—roughly what we denote with the abstract term “wisdom that reigns in all things.” Ia = the wisdom reigning in all things, Sophia. Soph = a particle meaning roughly “being.” Sophia, Sophea, Sopheia—the prevailing wisdom, the wisdom that reigns everywhere—sent a son to humanity, that son whom they called at that time “Marduk,” whom we have come to refer to in somewhat later terminology as Michael, as the Michael who reigns from within the hierarchy of the Archangels. This is the same being as Marduk, the son of Ea, the Wisdom, Marduk-Michael.
[ 40 ] Und Marduk-Michael — so ist die Mysterienlehre — war mächtig, groß und gewaltig. Und alle jene Dämonenwesen, wie Pferde mit Menschenköpfen, Löwengestalten mit Engelsköpfen, alle diese webenden, wogenden Dämonen standen eben in ihrem Zusammenhange als die große Tiamat ihm gegenüber. Er war mächtig, Marduk-Michael, den Sturmwind, der durch die Welt wogt, zu beherrschen. Also Tiamat, alles das wurde wesenhaft vorgestellt, mit Recht, denn so sah man es, wesenhaft. Alle diese Dämonen zusammen bildeten einen mächtigen Drachen, der feuerwütig sich entgegensteilte als die Summe all der Dämonengewalten, die aus Tiamat, der Nacht, herausgeboren wurden. Als sein Wesen feuerwütig Marduk-Michael entgegentrat, da stieß er ihm erst seine anderen Waffen, dann die ganze Gewalt des Sturmwindes in die Eingeweide, und das Wesen Tiamat barst und rollte auseinander, zerbarst in alle Welt. Und Marduk-Michael konnte oben formen den Himmel und unten die Erde. Und so entstand das Oben und Unten.
[ 40 ] And Marduk-Michael—so goes the mystery teaching—was powerful, great, and mighty. And all those demonic beings—such as horses with human heads, lion-like figures with angelic heads—all these weaving, surging demons stood before him in their collective form as the great Tiamat. He was powerful enough, Marduk-Michael, to master the storm wind that surges through the world. Thus Tiamat—all of this was conceived as a living entity, and rightly so, for that is how it was seen: as a living entity. All these demons together formed a mighty dragon that stood in fiery defiance as the sum of all the demonic forces born from Tiamat, the Night. When this fiery being confronted Marduk-Michael, he first thrust his other weapons into it, then the full force of the stormwind into its bowels, and the being Tiamat burst and rolled apart, shattering across the entire world. And Marduk-Michael was able to form the heavens above and the earth below. And thus the Above and the Below came into being.
[ 41 ] Und so lehrte man in den Mysterien: Der große Sohn der Ea, der Weisheit, er hat Tiamat bezwungen und aus einem Teil des Tiamat das Obere, die Himmel gebildet, aus einem anderen Teil des Tiamat das Untere, die Erde gebildet. Siehst du hin in die Himmel zu den Sternen, o Mensch, dann siehst du einen Teil desjenigen, was aus den furchtbaren Abgründen der Tiamat Marduk-Michael oben geformt hat zum Heile der Menschen.
[ 41 ] And so it was taught in the Mysteries: The great son of Ea, the God of Wisdom, vanquished Tiamat and formed the Upper Realm—the heavens—from one part of Tiamat, and the Lower Realm—the earth—from another part of Tiamat. If you look up into the heavens at the stars, O human, you will see a part of that which Marduk-Michael formed from the dreadful abysses of Tiamat above for the salvation of humankind.
[ 42 ] Und siehst du nach unten, wo die Pflanzen aus dem mineraldurchsetzten Irdischen wachsen, wo die Tiere sich gestalten, dann findest du den anderen Teil, den der Sohn der Ea, der Weisheit, aus Tiamat zum Heile der Menschheit umgeformt hat.
[ 42 ] And if you look down, where the plants grow from the mineral-rich earth, where the animals take shape, you will find the other part that the son of Ea, the God of Wisdom, transformed from Tiamat for the salvation of humanity.
[ 43 ] Und so sah jene alte Menschheitszeit im alten Chaldäa zurück auf ein Gestalten in der Welt, sah hin auf Wesenhaftes. Alles das empfand man wesenhaft: diese Dämonengestalten, die die Nacht bevölkerten, all das, was aus diesen Nachtgestalten, aus den waltenden, webenden Wesenheiten in der Tiamat, die ich Ihnen geschildert habe, MardukMichael geformt hat als oben die Sterne, als unten die Erde — all das, was uns aus den Sternen entgegenglänzt: umgewandelte, durch Marduk-Michael umgewandelte Dämonen — all das, was uns aus der Erde selber herauswächst: durch Marduk-Michael umgewandelte Haut, umgewandeltes Gewebe von Tiamat, so sah man in alten Zeiten dasjenige an, was man durch die alten Seelenfähigkeiten sich vergegenwärtigen konnte. Das war Erkenntnis.
[ 43 ] And so, in ancient Chaldea, that early era of humanity looked back upon the forms in the world and gazed upon the essential nature of things. All of this was perceived as essential: these demonic figures that populated the night, everything that Marduk-Michael formed from these nocturnal figures—from the ruling, weaving beings within Tiamat that I have described to you—as the stars above and the Earth below—everything that shines down upon us from the stars: demons transformed—transformed by Marduk-Michael—all that which grows forth from the earth itself: skin transformed by Marduk-Michael, the transformed tissue of Tiamat—this is how, in ancient times, people perceived what they could bring to mind through the ancient faculties of the soul. That was knowledge.
[ 44 ] Und dann haben die Leiter eines Mysteriums ihre Schüler ganz im Geheimen vorbereitet, seelenkräftig vorbereitet. Und wenn die Schüler solche Seelenkräfte entwickelten, dann haben sie die ersten Elemente desjenigen erkennen können, was wir heute schon den Kindern in der Schule als Elementarlehre davon beibringen, daß die Sonne stillsteht, die Erde sich herumdreht, daß sich aus Nebeln Welten gebildet haben. Diese Naturlehre, die wir heute in der Schule den Kindern beibringen, die war das große Geheimnis. Dagegen das, was vor aller Welt entfaltet wurde, das war dasjenige, was ich Ihnen eben erzählt habe von den Taten des Marduk-Michael. Wir lernen heute in unseren Schulen — wenn sie auch nicht mehr mysterienhaft aussehen —, auf unseren Universitäten, aber auch schon in den niederen Schulen bis zur Volksschule hin dasjenige, was kopernikanische Weltanschauung als astrophysisches Weltenwissen ist, das die alten Weisen sich erst nach langer Vorbereitung erringen durften und erringen konnten. Was heute jedes Schulkind weiß, das konnte man in alten Zeiten nur wissen, wenn man eingeweiht wurde. Heute lernt man alles dieses in der Schule.
[ 44 ] And then the leaders of a mystery school prepared their students in complete secrecy, preparing them through the powers of the soul. And when the students developed such soul powers, they were able to recognize the first elements of what we already teach children in school today as elementary science—that the sun stands still, the Earth revolves, and that worlds were formed from nebulae. This natural science that we teach children in school today was the great secret. In contrast, what was revealed to the whole world was precisely what I have just told you about the deeds of Marduk-Michael. Today we learn in our schools—even if they no longer appear mysterious—at our universities, but also as early as in the lower grades right down to elementary school, what the Copernican worldview represents as astrophysical knowledge of the cosmos—knowledge that the ancient sages were only permitted to attain, and were able to attain, after long preparation. What every schoolchild knows today could only be known in ancient times if one was initiated. Today, we learn all of this in school.
[ 45 ] Es gab eine Zeit — sie liegt noch weiter zurück als die Weisheit des alten chaldäischen Mysterienwesens —, da redeten die Menschen nur von solchen Dingen, wie ich sie Ihnen geschildert habe, von Ea, von Marduk-Michael, von der Apsu und Tiamat, nur von diesen Dingen redeten diese Menschen. Da verabscheuten sie alles, was diese schrullenhaften Mysterienlehrer sagten von der Bewegung der Sterne, von der Bewegung der Sonne, und wollten nur das Äußere, Sichtbare erforschen, nicht das Unsichtbare, was sich eben, wenn auch in Form des alten Hellsehertums, vor die Menschheit hinstellte. Man verachtete dasjenige, was sich die alten Eingeweihtenlehrer und -schüler aneigneten.
[ 45 ] There was a time—even further back than the wisdom of the ancient Chaldean mystery traditions—when people spoke only of such things as I have described to you: of Ea, of Marduk-Michael, of Apsu and Tiamat; these people spoke only of these things. At that time, they despised everything those eccentric mystery teachers said about the movement of the stars and the movement of the sun, and sought only to explore the external, the visible—not the invisible, which, even in the form of ancient clairvoyance, stood before humanity. They despised what the ancient initiated teachers and students had made their own.
[ 46 ] Dann kam die Zeit, wo sich allmählich vorbereitete aus dem Orient das uralte Wissen. Da schätzte man beides. Man schätzte dasjenige, was man in dem Herausleben des Wesenhaften der geistigen Welt hatte, man schätzte zum Beispiel dasjenige, was die Taten des geistigen Wesens Marduk-Michael sind; man schätzte eben[so] das, was man auf die Tafel [etwa so] zeichnen könnte (es wird gezeichnet): in der Tafel i* Mitte die Sonne, ringsherum die Sterne, sich bewegend in Zyklen und Epizyklen. Man schätzte das alles.
[ 46 ] Then came the time when the ancient knowledge from the Orient was gradually being prepared. At that time, both were valued. People valued what they had experienced in the manifestation of the essence of the spiritual world; for example, they valued the deeds of the spiritual being Marduk-Michael; and one valued just as much what one could draw on a tablet [something like this] (it is drawn): in the center of the tablet, the sun, surrounded by the stars, moving in cycles and epicycles. All of this was valued.
[ 47 ] Dann kam die Zeit, in der man das Hineinschauen in geistige Welten, in Dämonen- und Götterwelten nicht mehr hatte, und in der sich besonders ausbildete das andere, das intellektuelle Wissen, jenes Wissen, auf das der heutige Mensch so stolz ist, das sich allmählich bis zur Kulmination gegen unser Zeitalter hin ausgebildet hat. Wir stehen nun ungefähr in der äußeren Welt in jenem Zeitalter, wo man so verachtet das Spirituelle, wie in alten Zeiten das Materielle von denjenigen verachtet wurde, denen das Spirituelle selbstverständlich war. Wir müssen uns hineinleben in die Zeiten, wo wir wieder imstande sein werden, neben dem, was Astronomen, Astrophysiker, was Zoologen und Biologen lehren, dasjenige aufzunehmen, was die spirituelle Erkenntnis an geistigen Wesensinhalten gibt. Diese Zeit ist gekommen. Dieser Zeit muß der Mensch entgegenleben, wenn er seine Aufgaben lösen will, wenn er wiederum zum Religiösen, zur Kunst, zur Heilkunde und so weiter kommen will.
[ 47 ] Then came the time when people no longer had the ability to look into spiritual worlds—into the worlds of demons and gods—and when the other kind of knowledge, intellectual knowledge, began to develop in particular—that knowledge of which modern people are so proud, which has gradually developed until reaching its culmination in our own age. We now find ourselves, in the outer world, in an age where the spiritual is despised just as the material was despised in ancient times by those for whom the spiritual was a matter of course. We must immerse ourselves in the times when we will once again be able to take in, alongside what astronomers, astrophysicists, zoologists, and biologists teach, that which spiritual knowledge provides in terms of spiritual essence. That time has come. Humanity must live toward this time if it wishes to fulfill its tasks, if it wishes to return to religion, art, medicine, and so on.
[ 48 ] So wie in alten Zeiten der Spiritualismus geleuchtet hat unter den Menschen, das Materielle aber verachtet worden ist, und dann ein Zeitalter gekommen ist, wo man die materielle Erkenntnis aufgenommen hat, die dann groß geworden ist und die Spiritualität verdrängt hat, so wie man also in einem Irrtum in alten Zeiten mit dem Spirituellen allein gelebt und die äußere Welt verachtet hat, und so, wie man in der Zeit, als man das Materielle schätzte, irrtümlicherweise den Spiritualismus verachtet hat, so muß jetzt eine Zeit kommen, wo man von der umfassenden und wunderbaren Erkenntnis der äußeren Welt wiederum zu einem neuen Mysterienwissen kommen muß.
[ 48 ] Just as in ancient times spiritualism shone among people, while the material world was despised, and then an age came when material knowledge was embraced, which subsequently grew in importance and supplanted spirituality—just as people in ancient times, in their error, lived solely by the spiritual and despised the external world, and just as, in the era when the material was valued, people mistakenly scorned spiritualism, so now a time must come when, from the comprehensive and wondrous knowledge of the external world, one must once again arrive at a new knowledge of the mysteries.
[ 49 ] Wir müssen, nachdem die materielle Erkenntnis, die so wunderbar geworden ist, von der alten Spiritualität Stück für Stück sich abgerissen hat, so daß wie von uralten Gebäuden nichts mehr vorhanden ist auf der Erde als höchstens jene Überreste, die man wie die alten materiellen Gebäude ausgräbt — wir müssen wiederum zu einer Spiritualität kommen, aber mit voller Erkenntnis dessen, was wir aufzeigen können, wenn wir, in alte Erdenzeiten zurückblickend, wie in der Historie graben. Wir müssen wiederum zu solcher Spiritualität kommen durch ein neues religiöses Vertiefen, durch ein neues künstlerisches Gestalten, durch ein neues, in das Menschenwesen eindringendes Geistwissen durch Heilpraxis und so weiter.
[ 49 ] Now that material knowledge—which has become so marvelous—has broken away, piece by piece, from the old spirituality, so that, just as with ancient buildings, nothing remains on Earth except, at most, those remnants that are excavated just as ancient material buildings are—we must return to a spirituality, but with a full understanding of what we can reveal when we look back to ancient earthly times, just as we delve into history. We must return to such spirituality through a new religious deepening, through a new artistic creation, through a new spiritual knowledge that penetrates the human being through healing practice, and so on.
[ 50 ] Das sind drei Beispiele, die ich heute vor Ihnen ausgeführt habe, um wiederum Mysterien zu erbauen, vor denen wir dann stehen werden wie vor etwas, das uns bringen kann Erkenntnis der Wesenstotalität der Welt und Handeln des Menschen zum Heile der Menschheit im Sinne der Totalität, nicht bloß der einseitigen materiellen Wirklichkeit.
[ 50 ] These are three examples I have presented to you today in order to once again construct mysteries before which we will then stand as before something that can bring us an understanding of the totality of the world’s being and human action for the salvation of humanity in the sense of that totality, not merely of one-sided material reality.

