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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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Initiate Consciousness
True and False Paths of Spiritual Research
GA 243

12 August 1924, Torquay

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2. Die drei Welten und ihre Spiegelbilder

2. The Three Worlds and Their Reflections

Bewußtseinsunterschiede der alten und der neuen Zeit

Differences in Consciousness Between the Old and New Eras

[ 1 ] Wenn man über geistige Forschung sich eine Anschauung bilden will, muß man vor allen Dingen zunächst einen Begriff bekommen von verschiedenen Bewußtseinszuständen, in denen die menschliche Seele sich befinden kann. Im gewöhnlichen Leben, das der Mensch heute in diesem Zeitalter auf der Erde führt, befindet er sich in einem ganz bestimmten Bewußtseinszustande. Dieser Bewußtseinszustand ist dadurch charakterisiert, daß der Mensch einen gewissen Unterschied zwischen dem Wachen und dem Schlafen erlebt, die ungefähr, wenn auch nicht der Zeit nach zusammenfallend, übereinstimmen mit dem Gang der Sonne um die Erde beziehungsweise der Erde um sich selbst. In unserer gegenwärtigen Zeit ist zwar die Ordnung, auf die ich hiermit deute, in einer gewissen Weise durchbrochen. Wenn wir aber in nicht sehr alte Zeiten mit dem regelmäßigen Leben zurückschauen, so finden wir ja, daß die Menschen damals von Sonnenaufgang ungefähr bis Sonnenuntergang gearbeitethaben und von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang geschlafen haben.

[ 1 ] If one wishes to form an understanding of spiritual research, one must first and foremost gain a concept of the various states of consciousness in which the human soul can find itself. In the ordinary life that people lead on Earth today, they find themselves in a very specific state of consciousness. This state of consciousness is characterized by the fact that people experience a certain distinction between waking and sleeping, which roughly—though not exactly in terms of time—corresponds to the course of the sun around the Earth and the Earth’s rotation on its axis, respectively. In our present time, the order to which I am referring here has, in a certain sense, been disrupted. But if we look back to times not too long ago, when life followed a regular rhythm, we find that people then worked from about sunrise to sunset and slept from sunset to sunrise.

[ 2 ] In unserer Zeit ist das etwas durchbrochen. Ich habe sogar schon Menschen kennengelernt, die die Sache umgekehrt haben, indem sie bei Tag geschlafen haben und in der Nacht wach gewesen sind. Ich habe oftmals nachgeforscht, warum das so sei. Da haben die betreffenden Menschen, die gerade in meiner Bekannschaft dann meistens Dichter oder Schriftsteller waren, gesagt, daß das eben so zum Dichten gehört. Aber ich habe die betreffenden Menschen dann niemals, wenn ich sie bei Nacht getroffen habe, beim Dichten angetroffen!

[ 2 ] In our time, this pattern has been somewhat disrupted. I’ve even met people who’ve reversed it, sleeping during the day and staying awake at night. I have often wondered why this is the case. The people in question—who, among my acquaintances, were mostly poets or writers—said that this is simply part of the process of writing poetry. But whenever I met them at night, I never found them actually writing poetry!

[ 3 ] Nun, ich möchte eben darauf hindeuten, meine sehr verehrten Anwesenden, daß für das heutige Bewußtsein das die allerwichtigste Tatsache ist, sozusagen während der Sonnenzeit sich wach zu befinden, oder eine Zeit, die so lang ist wie die Sonnenzeit, sich wach zu befinden, und eine Zeit, die so lang ist wie die Nachtzeit, sich schlafend zu befinden. Mit einem Bewußtsein, das solches erlebt, ist aber vieles, vieles andere verbunden. Es ist damit verbunden, daß man einen gewissen ganz bestimmten Wert auf die Sinneswahrnehmungen legt. Man sieht in den Sinneswahrnehmungen die hauptsächlichste Wirklichkeit. Und wenn man von den Sinneswahrnehmungen zu den Gedanken übergeht, sieht man in den Gedanken eben etwas bloß Gedachtes, etwas, was nicht so wirklich ist, wie die Sinneswahrnehmungen wirklich sind.

[ 3 ] Well, I would simply like to point out, my esteemed audience, that for modern consciousness, the most important fact is, so to speak, to be awake during daylight hours—or to be awake for a period as long as daylight hours—and to be asleep for a period as long as nighttime. But there is much, much more connected to a consciousness that experiences this. It is connected to the fact that one attaches a certain, very specific value to sensory perceptions. One sees sensory perceptions as the primary reality. And when one moves from sensory perceptions to thoughts, one sees thoughts as merely something conceived—something that is not as real as sensory perceptions actually are.

[ 4 ] Der Mensch sieht heute den Stuhl als etwas Wirkliches an. Er kann ihn auf den Boden aufstoßen. Er hört das auch. Er sieht das als etwas ganz Wirkliches an. Er weiß auch, daß er sich auf den Stuhl setzen kann. Allein den Gedanken des Stuhles sieht der Mensch nicht als etwas Wirkliches an. Wenn er den Gedanken, von dem er glaubt, daß er in seinem Kopfe ist, aufschlägt, dann hört er das nicht. Und der Mensch glaubt auch nicht — für die heutige Konstitution des Menschen natürlich mit Recht —, daß er sich auf den Gedanken des Stuhles niedersetzen kann. Und Sie wären wohl alle nicht zufrieden, wenn wir Ihnen bloß Gedanken von Stühlen in den Saal hereingestellt hätten!

[ 4 ] Today, people regard the chair as something real. They can push it against the floor. They hear that, too. They regard it as something entirely real. They also know that they can sit on the chair. Yet people do not regard the idea of the chair as something real. When they give voice to the thought they believe is in their head, they do not hear it. And people do not believe—rightly so, given the nature of human beings today—that they can sit down on the thought of a chair. And surely none of you would be satisfied if we had merely placed thoughts of chairs in this hall!

[ 5 ] Nun, vieles andere noch ist verbunden mit diesem Erleben des Bewußtseins, das sich nach der Sonne richtet. Das war nicht so der Fall bei denjenigen Menschen, die ihre Unterweisungen, die die Anregungen zu allen ihren Lebensverhältnissen von den Mysterien, zum Beispiel der Chaldäer, die ich gestern erwähnt habe, erhalten haben. Diese Menschen lebten auch in ihrem Bewußtsein ganz anders als heutige Menschen.

[ 5 ] Well, there are many other aspects connected with this experience of consciousness that is oriented toward the sun. This was not the case for those people who received their teachings—the inspiration for all aspects of their lives—from the mysteries, such as those of the Chaldeans, whom I mentioned yesterday. These people also lived quite differently in their consciousness than people do today.

[ 6 ] Zunächst, sehen Sie, kann ich eine Äußerlichkeit anführen, welche Ihnen zeigen kann, wie der Bewußtseinsunterschied der damaligen Zeit und der heutigen Zeit bei den Menschen ist. Wir kommen mit unserer Jahresberechnung, das Jahr zu dreihundertfünfundsechzig Tagen angenommen, nicht ordentlich zurecht. Wenn wir so fortzählen würden durch die Jahrhunderte, daß wir immer das Jahr zu dreihundertfünfundsechzig Tagen zählten, so würde zuletzt etwas herauskommen, das mit dem Sonnenstande nicht meht stimmte. Wir würden zurückbleiben hinter der Sonne und ihren Zuständen. Wir machen daher dieses, daß wir alle vier Jahre einen Tag einschalten. Dann kommen wir ungefähr im Laufe längerer Zeiträume mit dem Stand der Sonne zurecht.

[ 6 ] First of all, you see, I can cite an external example that illustrates the difference in people’s consciousness between that time and today. Our method of calculating the year—assuming it consists of three hundred sixty-five days—does not work properly. If we were to continue counting through the centuries, always assuming the year consists of three hundred sixty-five days, we would eventually end up with a result that no longer corresponds to the position of the sun. We would fall behind the sun and its phases. We therefore insert a day every four years. This allows us to keep pace with the sun’s position over the course of longer periods of time.

[ 7 ] Wie haben das die Chaldäer gemacht in ihren ältesten Zeiten? Nicht so wie wir. Sie haben für lange Zeiträume eine ähnliche Zählung gehabt wie wir, aber sie haben sie anders erreicht. Sie haben nötig gehabt, weil sie das Jahr zu dreihundertsechzig Tagen gerechnet haben, alle sechs Jahre einen ganzen Schaltmonat einzufügen, nicht wie wir ein Schaltjahr nach vier Jahren mit einem Schalttag, sondern nach sechs Jahren einen Schaltmonat einzufügen. So daß sie sechs Jahre mit zwölf Monaten gehabt haben, dann ein Jahr, das siebente, mit dreizehn Monaten, sechs Jahre mit zwölf Monaten, wiederum das siebente mit dreizehn Monaten und so fort.

[ 7 ] How did the Chaldeans do it in their earliest times? Not the way we do. For long periods, they used a counting system similar to ours, but they arrived at it differently. Because they calculated the year as three hundred sixty days, they needed to insert a full intercalary month every six years—not, as we do, a leap year with a leap day every four years, but an intercalary month every six years. So they had six years with twelve months, then a seventh year with thirteen months, followed by six years with twelve months, then another seventh year with thirteen months, and so on.

[ 8 ] Sehen Sie, solche Dinge registrieren die heutigen Gelehrten. Sie sagen, das war so. Aber daß das mit intensiven Änderungen des Bewußtseinszustandes der Menschen verbunden ist, das weiß man nicht. Diese Menschen, die nicht einen Schalttag nach vier Jahren, sondern einen Schaltmonat nach sechs Jahren eingeschaltet haben, schauten die Welt ganz anders an als wir. Warum? Weil sie diesen Unterschied zwischen Tag und Nacht gar nicht so empfanden wie wir heute. Sie empfanden, wie ich schon gestern angedeutet habe, bei Tag nicht eine solche Klarheit und Helligkeit wie wir heute. Wenn irgend jemand mit dem heutigen Bewußtsein sich hierher stellt und in den Saal hineinsieht, sieht er die Menschen so — nun, wie Sie das wissen mit scharfen Konturen. Bei dem einen sind sie weiter auseinandergetrieben, bei dem anderen schmäler und so weiter, aber man sieht die Menschen mit scharfen Konturen.

[ 8 ] You see, this is the kind of thing today’s scholars take note of. They say that’s how it was. But the fact that this is connected to profound changes in people’s states of consciousness—that is not known. These people, who inserted not a leap day every four years but a leap month every six years, viewed the world quite differently from us. Why? Because they did not perceive the difference between day and night in the same way we do today. As I hinted at yesterday, they did not experience the same clarity and brightness during the day as we do today. If anyone with today’s consciousness were to stand here and look into the hall, they would see the people—well, as you know—with sharp contours. In some cases, these contours are more widely spaced; in others, they are narrower, and so on, but one sees the people with sharp contours.

[ 9 ] Das war nicht so bei denjenigen, die aus den alten chaldäischen Mysterien ihre Anregungen bekommen haben. Es war ganz anders bei ihnen. Man sah dazumal die Menschen sitzen — wenn ich jetzt dieses Bild gebrauche — nicht so, wie wir jetzt sitzen, das war nicht üblich dazumal, aber man sah die Menschen sitzen mit einem aurischen Nebel umgeben, den man mit zum Menschen dazurechnete. Und während man jetzt so philiströs jeden Menschen mit scharfen Konturen auf seinem Stuhle sitzen sieht, und das Ganze sich so ausnimmt, daß man ganz bequem zählen kann, hätte man dazumal so gesehen, daß man die linke und die rechte Stuhlanordnung hier so in einer Art von aurischer Wolke, die sich hinzog wie ein Gas, gesehen hätte, hier eine Wolke, da eine Wolke, und dann dunklere Stellen, und diese dunklen Stellen hätten die Menschen angedeutet.

[ 9 ] That was not the case with those who drew their inspiration from the ancient Chaldean mysteries. It was quite different for them. Back then, people were seen sitting—if I may use this image—not the way we sit now; that was not customary back then, but people were seen sitting surrounded by an auric mist that was considered part of the human being. And while today we see each person sitting on their chair with sharp contours in such a philistine way—and the whole scene looks as though one could easily count them—back then one would have seen the left and right rows of chairs here as if enveloped in a kind of auric cloud that stretched out like a gas, a cloud here, a cloud there, and then darker spots, and these dark spots would have indicated the people.

[ 10 ] So hätte man, nicht im späteren, aber im ältesten Chaldäa noch dieses Bild gesehen. Bei Tag würde man nur die Stellen in diesem aurischen Nebelgebilde dunkel gesehen haben. Bei Nacht hätte man etwas ganz Ähnliches gesehen und auch im Schlafzustand, denn der war dazumal nicht so tief wie der heutige. Er war mehr träumerisch. Man hätte das nicht so gesehen, wie man heute das sehen würde. Wenn heute einer schliefe und Sie alle hier sitzen würden, so würde er gar nichts von Ihnen sehen, wenn Sie auch alle hier sitzen würden. Dieser Schlaf war dazumal gar nicht erreicht, sondern man sah auch im Schlafe die Traumgestalt der aurischen Wolke links und rechts, und darinnen die einzelnen Menschen als Lichtgestalt, bei Tag in der aurischen Wolke dunkel, bei Nacht in der aurischen Wolke als Lichtgestalt.

[ 10 ] Thus, one would have seen this image not in later times, but in the earliest days of Chaldea. By day, one would have seen only the dark areas within this auric mist-like formation. By night, one would have seen something quite similar, and also while asleep, for sleep at that time was not as deep as it is today. It was more dreamlike. One would not have seen it the way one would see it today. If someone were sleeping today and all of you were sitting here, he would not see any of you at all, even if you were all sitting here. That kind of sleep had not yet been attained back then; rather, even in sleep, one saw the dream-like form of the auric cloud to the left and right, and within it the individual human beings as figures of light—dark within the auric cloud by day, and as figures of light within the auric cloud by night.

[ 11 ] Also einen so großen Unterschied im Anschauen der täglichen und der nächtlichen Verhältnisse, wie das heute der Fall ist, gab es dazumal nicht. Und so hat man auch nicht den Unterschied zwischen der am Himmel stehenden Sonne und der in der Nacht abwesenden Sonne empfunden, sondern man hat die Sache so empfunden, daß man die Sonne bei Tag als eine Lichtkugel, als einen Lichtkreis gesehen hat, ringsherum aber eine wunderbare Sonnenaura, so etwa, daß ich das in der folgenden Weise zeichnen könnte. Man hat sich vorgestellt: da unten ist die Erde (dunkelblau), oben überall Wasser, ganz oben Schnee liegend. Von da oben, stellte man sich vor, kommt der Euphrat. Dann dachte man sicher über dem Ganzen die Luft (grün). Man sah da oben gehen die Sonne, umhüllt von einer wunderschönen Aura. So ging die Sonne von Osten nach Westen.

[ 11 ] Back then, there wasn’t such a great difference in the way people viewed daytime and nighttime conditions as there is today. And so people did not perceive a difference between the sun standing in the sky and the sun being absent at night; rather, they perceived it in such a way that during the day they saw the sun as a sphere of light, as a circle of light, surrounded by a wondrous solar aura—something like this, which I could draw as follows. People imagined: down below is the Earth (dark blue), water everywhere above, and snow lying at the very top. From up there, they imagined, comes the Euphrates. Then they certainly thought of the air (green) above it all. They saw the sun moving up there, enveloped in a beautiful aura. Thus the sun moved from east to west.

[ 12 ] Dann stellte man sich vor, daß es etwas gibt, wovon man etwa sagte, so, wie wenn man heute von einem Rohre sprechen würde: abends geht die Sonne in dieses Rohr hinein, morgens kommt sie aus diesem Rohre heraus (lila). Aber man sah die Sonne in diesem Rohre darinnen. Und man sah die Nachtsonne etwa so: in der Mitte einen grünblauen und ringsherum einen gelbroten Schein. $o stellt man sich die Sonne vor, morgens aus dem Rohre heraus, in der Mitte hell, ringsherum von einer Aura umgeben. Sie geht über das Himmelsgewölbe, schlüpft im Westen in den Himmel, in das Rohr hinein, wird dunkel, hat eine Aura, die aber über das Rohr herausragt, und so geht sie unten weiter. Man sprach von einem Rohre, von einem Hohlraum, weil man eben die Sonne dunkel, schwarz sah. Man sprach das aus, was man sah. Also auch, wenn man hinaufsah zum sonnenbesetzten Himmel, sah man den Unterschied nicht so stark zwischen Tag und Nacht wie heute.

[ 12 ] Then people imagined that there was something about which they might say, much as we might speak today of a tube: in the evening, the sun goes into this tube; in the morning, it comes out of this tube (purple). But people saw the sun inside this tube. And they saw the night sun something like this: a greenish-blue glow in the center and a yellowish-red glow all around it. That is how people imagined the sun—emerging from the tube in the morning, bright in the center, surrounded by an aura. It travels across the vault of heaven, slips into the sky in the west, into the tube, grows dark, has an aura that extends beyond the tube, and so it continues on below. People spoke of a tube, of a hollow space, precisely because they saw the sun as dark, black. They described what they saw. So even when they looked up at the sun-filled sky, they did not see the difference between day and night as clearly as we do today.

[ 13 ] Dagegen sah man etwas anderes in der damaligen Zeit sehr stark. Man sah hin auf seine Kindheit. Da hatte man die ersten sechs, sieben Jahre des Lebens zugebracht. Da sah man sich förmlich drinnenstekken noch in dem Göttlichen, in dem man darinnen war, bevor man auf die Erde herabgestiegen war. Dann sah man sich zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahre etwas herausschlüpfen aus dem aurischen geistigen Ei, weiter herausschlüpfen bis zu seinen Zwanzigerjahren; und erst wenn man in diesen Zwanzigerjahren war, fühlte man sich so recht auf der Erde. Da sah man dann etwas stärker den Unterschied zwischen Tag und Nacht.

[ 13 ] In contrast, people at that time focused very strongly on something else. They looked back on their childhood. That was where they had spent the first six or seven years of their lives. There, they saw themselves literally still immersed in the Divine, in which they had been before descending to Earth. Then, between the ages of seven and fourteen, one felt oneself gradually emerging from the auric, spiritual egg, continuing to emerge until one’s twenties; and only when one reached one’s twenties did one truly feel at home on Earth. It was then that one began to perceive the difference between day and night more clearly.

[ 14 ] Man sah am eigenen Menschenwesen eine Entwickelung heraufkommen, die in Zeiträumen von sechs, sieben Jahren verlief. Das stimmte einen zusammen mit dem Gang des Mondes, nicht der Sonne. Der Mond, der in achtundzwanzig Tagen voll und weniger beleuchtet erscheint, der stimmte einen zusammen mit dem, was man selbst erlebte durch die Zahl sechs, sieben, am eigenen Lebensgange. Und man empfand: Dasjenige, was da der Mond in einem Monat macht, das macht man in achtundzwanzig Jahren durch, in vier mal sieben Jahren. Und man drückte das in der äußeren Zeitrechnung aus; man schaltete alle sechs Jahre einen dreizehnten Monat ein. Man rechnete mit dem Monde, nicht mit der Sonne. Und man sah nicht hin auf die äußere Natur in der Weise wie heute. Heute sieht man, wenn man wacht, die äußere Natur in ihren scharfen Konturen ungeistig. Damals sah man bei Tag und Nacht die äußere Natur, nur nicht mit scharfen Konturen, aber man sah sie geistig aurisch. Heute sieht man bei Tag alles, bei Nacht nichts. Das alles drückt man dadurch aus, daß man der Sonne die Wichtigkeit beilegt, die Tag und Nacht bewirkt.

[ 14 ] One could see a process of development unfolding within one’s own being that took place over periods of six or seven years. This aligned one with the course of the moon, not the sun. The moon, which appears full and then less illuminated over the course of twenty-eight days, aligned one with what one experienced through the numbers six and seven in the course of one’s own life. And one sensed: What the moon accomplishes in a month, one goes through in twenty-eight years—in four times seven years. And this was expressed in the external calendar; every six years, a thirteenth month was inserted. People calculated according to the moon, not the sun. And they did not view external nature in the same way as we do today. Today, when one is awake, one sees external nature in its sharp contours, in a non-spiritual way. Back then, one saw external nature both day and night, though not with sharp contours; rather, one saw it spiritually, aurically. Today, one sees everything by day and nothing by night. All of this is expressed by the fact that one attaches importance to the sun, which brings about day and night.

[ 15 ] Diese Wichtigkeit hatte die Sonne für die alten Chaldäer in ihrer Mysterienweisheit nicht, sondern der Mond hatte diese Wichtigkeit, weil er in seinen Gestalten ein Abbild zeigte von dem, wie man selbst als Mensch heranwuchs. Man sah noch mehr auf den Menschen und seine Entwickelung hin. Man empfand sich ganz anders als Kind und als Jüngling und als erwachsener Mensch, während man heute das gar nicht empfindet. Es ist kein so großer Unterschied mehr zwischen den ersten sieben Jahren und den zweiten sieben Jahren, wenn man auf sie zurückblickt. Heute sind die Kinder schon gescheit, oh, so gescheit, daß man gar nicht mit ihnen auskommt. Man muß extra Erziehungsmethoden ersinnen, um mit den Kindern nur fertig zu werden. Sie sind so gescheit wie die Großen. Und alle Menschen sind gleich gescheit, wie alt sie auch sein mögen.

[ 15 ] The sun did not hold this significance for the ancient Chaldeans in their mystery wisdom; rather, the moon held this significance because its phases reflected the process of human growth. People focused even more on the human being and his development. One felt quite different as a child, as a youth, and as an adult, whereas today one does not feel that at all. There is no longer such a great difference between the first seven years and the second seven years when one looks back on them. Today, children are already so clever—oh, so clever—that one simply cannot cope with them. You have to come up with special parenting methods just to cope with them. They’re just as smart as the grown-ups. And everyone is equally smart, no matter how old they are.

[ 16 ] Das war im alten Chaldäa durchaus nicht der Fall. Da waren die Kleinen so, daß sie noch in dem Göttlich-Geistigen drinnensteckten, und man wußte später: als man klein war, da steckte man noch in dem Göttlich-Geistigen drinnen, und später wurde man erst irdisch, kroch aus dem aurischen Ei aus. Und man rechnete nicht mit dem, was die Sonne bewirkt, aber man zählte an dem Monde, an den Bildern, die der Mond nach der Siebenzahl angeordnet am Himmel darbietet; danach zählte man. Daher schaltete man im siebenten Jahre einen Monat ein — dasjenige, was sich auf den Mond bezog.

[ 16 ] That was by no means the case in ancient Chaldea. There, the little ones were still immersed in the divine-spiritual realm, and people later realized: when one was small, one was still immersed in the divine-spiritual realm, and only later did one become earthly, crawling out of the auric egg. And they did not take into account the effects of the sun, but rather calculated based on the moon—on the patterns the moon presents in the sky, arranged according to the number seven; they calculated according to that. Therefore, in the seventh year, they added a month—the one related to the moon.

[ 17 ] Aber diese äußere Kennzeichen der Zivilisationsentwickelung, daß wir heute mit Schalttagen, die Chaldäer mit Schaltmonaten gerechnet haben, das weist darauf hin in Wirklichkeit, daß der Bewußtseinsunterschied zwischen Tag und Nacht nicht vorhanden war bei den alten Chaldäern, dagegen mächtige Bewußtseinsunterschiede zwischen den einzelnen menschlichen Lebensaltern.

[ 17 ] But this outward sign of civilizational development—the fact that we today calculate with leap days, while the Chaldeans calculated with leap months—actually indicates that the ancient Chaldeans did not distinguish between day and night in their consciousness, whereas they did make a clear distinction between the various stages of human life.

[ 18 ] Wir sagen heute, wenn wir uns morgens den Schlaf aus den Augen wischen: Ich habe geschlafen. — Die alten Chaldäer wachten auf mit dem einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Lebensjahre, wurden hell in ihrem Anschauen der Welt und sagten: Ich habe geschlafen bis zum einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Lebensjahre. Sie glaubten dann, daß sie bis in die Fünfzigerjahre wach lebten, daß sie dann aber allerdings nicht einschliefen als Greise, sondern in ein viel heller bewußtes Leben kämen. Daher wurden die Greise angesehen als diejenigen, welche weise waren, welche mit dem, was sie sich als Bewußtsein seit dem zwanzigsten Jahre erworben hatten, nun hineingingen in die Schlafeswelt, aber da ungemein hellsichtig wurden.

[ 18 ] Today, when we wipe the sleep from our eyes in the morning, we say: “I have slept.” — The ancient Chaldeans awoke at the age of twenty-one or twenty-two, gained clarity in their view of the world, and said: “I have slept until my twenty-first or twenty-second year.” They believed then that they lived awake into their fifties, but that they did not fall asleep as old people; rather, they entered a much more lucid, conscious life. Therefore, the elderly were regarded as those who were wise, who, with the consciousness they had acquired since the age of twenty, now entered the world of sleep, but became extraordinarily clairvoyant there.

[ 19 ] So erlebte der alte Chaldäer drei Bewußtseinszustände. Wir erleben zwei, den dritten nur angedeutet als Traumzustand: Wachen, Schlafen, Träumen. Diese drei Zustände erlebte nicht so im Tageswechsel der alte Chaldäer, sondern er erlebte einen dumpfen, schlafenden Bewußtseinszustand bis in die Zwanzigerjahre hinein; dann einen Zustand, in dem er mit der Welt lebte, einen Wachzustand, wo er sagte, daß er aufgewacht sei, bis in die Fünfzigerjahre hinein. Und dann einen Zustand, wo die anderen von ihm sagten: Der nimmt sein irdisches Bewußtsein in die geistige Welt hinein. Der ist jetzt so, daß er viel mehr weiß als die anderen. — Man sah zu den Alten als zu den Wissenden hinauf. Heute tut man das nicht. Heute betrachtet man sie als alte Schöpse, die schwachsinnig geworden sind. Das ist eben der große Unterschied, der bis in die innerste Konstitution des Menschenlebens hineingeht.

[ 19 ] Thus, the ancient Chaldean experienced three states of consciousness. We experience two, with the third only hinted at as the dream state: waking, sleeping, dreaming. The ancient Chaldean did not experience these three states in the natural cycle of day and night, but rather experienced a dull, slumbering state of consciousness well into his twenties; then a state in which he lived with the world—a waking state in which he said he had awakened—well into his fifties. And then a state in which others said of him: “He carries his earthly consciousness into the spiritual world. He is now in a state where he knows much more than the others.” — People looked up to the elderly as to those who possessed knowledge. Today, people do not do that. Today, they regard them as old fools who have lost their minds. That is precisely the great difference that extends into the very innermost constitution of human life.

[ 20 ] Diesen Unterschied muß man sich klarmachen, denn er bedeutet ungeheuer viel für das Menschenwesen. Wir schauen eben einfach die Welt nicht nur durch einen Bewußstseinszustand an. Man lernt die Welt nur kennen, wenn man weiß, wie der Bewußtseinszustand ist der beim Kinde zum Beispiel im alten Chaldäa vorhanden war. Er gleicht, das heißt, er ist nicht gleich, sondern er ist nur ähnlich unserem Traumzustand. Aber er ist ein viel lebendigerer Traumzustand. Er ist ein Traumzustand, aus dem heraus gehandelt wird. Heute tritt das als Krankheitszustand auf. Was heute krank ist, war bei den Chaldäern ein Bewußtseinszustand des Kindes. Und der Tageszustand, den wir heute so philiströs empfinden, war noch nicht vorhanden. Ich sage philiströs, denn daß wir alle Menschen in ihren physischen Konturen haben, meine sehr verehrten Anwesenden, das ist ja philiströs; die Menschen in ihren scharfen Konturen wahrzunehmen und sie gar zu malen in diesen scharfen Konturen, ist philiströs. Gewiß, man wird das nicht zugeben, aber es ist so. Dieser Zustand, der war also im alten Chaldäa noch nicht vorhanden, sondern da sah man eben, wie ich es beschrieben habe, die Menschen physisch und aurisch. Und im Alter sah man durch den Menschen durch bis in die Seele hinein. Es war ein dritter Bewußtseinszustand, der heute ausgelöscht ist, denn es ist der Zustand, wo wir traumlos schlafen. Mit dem läßt er sich vergleichen.

[ 20 ] We must be clear about this difference, for it is of immense significance for human beings. We simply do not view the world through just one state of consciousness. One can only come to know the world if one understands what the state of consciousness was like—for example, in the child in ancient Chaldea. It resembles—that is to say, it is not identical, but merely similar to—our dream state. But it is a much more vivid dream state. It is a dream state from which one acts. Today, this manifests as a pathological condition. What is considered a disease today was, among the Chaldeans, a child’s state of consciousness. And the waking state, which we today perceive as so philistine, did not yet exist. I say “philistine” because the fact that we perceive all people in their physical contours, my esteemed audience, is indeed philistine; to perceive people in their sharp contours—and even to paint them in these sharp contours—is philistine. Certainly, people will not admit this, but it is so. This state, then, did not yet exist in ancient Chaldea; rather, as I have described, people there saw others both physically and aurically. And in ancient times, one could see right through a person into their soul. It was a third state of consciousness that has been extinguished today, for it is the state in which we sleep without dreams. It can be compared to that.

[ 21 ] Und so sehen wir, wenn wir die Sache historisch betrachten, daß wir beim Menschen, je weiter wir zurückgehen, auf verschiedene Bewußtseinszustände kommen, die sich immer mehr und mehr unterscheiden, während wirheute mit den Bewußtseinszuständen, die wir im gewöhnlichen Leben haben, gar nicht besonders Staat machen können. Darauf wird gar kein Wert gelegt, was der Mensch erlebt, wenn er ohne Träume schläft, denn davon weiß er in der Regel gar nicht viel zu erzählen. Es gibt ganz wenige Menschen, die wissen einem schon noch zu erzählen, was sie im traumlosen Schlafe auch heute noch erleben; aber es gibt eben ihrer wenig, sehr wenig. Träumen, sagt man, das ist eben Phantasie, und den Wachzustand betrachtet man als den respektablen, als denjenigen Zustand, worauf man etwas halten kann.

[ 21 ] And so, when we look at the matter historically, we see that the further back we go in human history, the more we encounter different states of consciousness that differ more and more from one another, whereas today we cannot make much of the states of consciousness we experience in ordinary life. No value is placed at all on what a person experiences when sleeping without dreams, for as a rule, they have very little to say about it. There are very few people who can still tell us what they experience even today during dreamless sleep; but there are very few of them, very few indeed. Dreaming, people say, is just imagination, and the waking state is regarded as the respectable one—the state that can be relied upon.

[ 22 ] So war es bei den alten Chaldäern nicht. Der kindliche Bewußtseinszustand mit dem lebendigen, auch zur Aktivität führenden Träumen galt als derjenige, wo die Kinder noch halb drinnensteckten im vorirdischen Leben, wo sie, wenn sie etwas sagten, einem etwas sagen konnten, das der göttlichen Welt angehörte. Man hörte den Kindern zu, weil man wußte: die haben sich verschiedenes heruntergebracht aus der göttlichen Welt. Man sah ganz anders hin auf die Kinder damals.

[ 22 ] This was not the case with the ancient Chaldeans. The childlike state of consciousness, with its vivid dreams that also led to activity, was regarded as a state in which children were still halfway immersed in their pre-earthly life—a state in which, when they spoke, they could convey something that belonged to the divine world. People listened to the children because they knew: the children had brought down various things from the divine world. People viewed children quite differently back then.

[ 23 ] Dann war der Bewußtseinszustand da, wo die Menschen schon irdisch waren, aber mit ihren Auren noch seelisch. Dann war der Bewußtseinszustand der Greise da. Wenn man ihnen zuhörte, war einem klar: da erfährt man etwas über die geistige Welt, da wird einem kundgegeben, was in der geistigen Welt vorgeht. Und von denen, die in den Mysterien immer höher und höher stiegen, von denen wurde gesagt: In den Fünfzigerjahren besiegen sie das bloß Sonnenhafte, treten ein in das eigentlich Geisteshafte, werden von Sonnenhelden zu Vätern — zu Vätern, die mit der geistigen Heimat der Menschen in Verbindung stehen.

[ 23 ] Then there was the state of consciousness in which people were already physical beings on Earth, but their auras were still spiritual. Then there was the state of consciousness of the elderly. When one listened to them, it was clear: here one learns something about the spiritual world; here one is told what is happening in the spiritual world. And of those who ascended higher and higher in the Mysteries, it was said: In their fifties, they overcome the purely solar aspect, enter into the truly spiritual realm, and transform from solar heroes into fathers—into fathers who are connected to humanity’s spiritual homeland.

[ 24 ] So wollte ich Ihnen aus dem Historischen heraus andeuten, wie verschiedene Bewußtseinszustände da sind im Menschen.

[ 24 ] In this way, I wanted to use historical examples to illustrate the various states of consciousness that exist within human beings.

Die naturhaft schaffende Phantasie des heutigen Traumes

The Naturally Creative Imagination of Today's Dreams

[ 25 ] Lassen wir zunächst, um die menschlichen Bewußtseinszustände zu betrachten, den traumlosen Schlaf des heutigen Menschen weg und betrachten wir dasjenige, was Sie ja alle kennen, den gewöhnlichen Wachzustand, den Sie eben dann haben, wenn Sie sagen: Ich bin wach, ich sehe die Gegenstände um mich her, ich sehe die anderen Menschen, ich höre sie zu mir sprechen, ich unterhalte mich mit ihnen und so weiter.

[ 25 ] To examine the states of human consciousness, let us first set aside the dreamless sleep of modern humans and consider what you are all familiar with: the ordinary waking state that you experience when you say: “I am awake; I see the objects around me; I see other people; I hear them speaking to me; I talk with them, and so on.”

[ 26 ] Und nehmen wir dann den zweiten Zustand, den Sie auch alle kennen, wo sie vermeinen, im Schlafe zu sein, wo aber aus dem Schlafe herauftauchen die oft so beängstigenden, oft so wunderbar befreienden Träume, denen gegenüber Sie, wenn Sie in gesunder Lebensverfassung sind, sagen müssen: Das sind Dinge, die nicht zum gewöhnlichen heutigen Leben gehören, die aus irgendeiner naturhaften Phantasie herauf sich leben und weben, die in der verschiedensten Weise an den Menschen herandringen. Der ganz philisterhafte Mensch wird nicht viel auf Träume hinschauen. Der abergläubische Mensch wird sie sich deuten lassen in einer äußerlichen Weise. Der poetische Mensch, der nicht philisterhafte, nicht abergläubische Mensch sieht aber noch auf dieses wunderbare Traumesweben und Traumesleben hin. Denn es dringt da aus naturhaften Tiefen des Menschen etwas herauf, was zwar nicht so seine Bedeutung hat, wie der Abergläubische es meint, was aber doch darauf hinweist, daß auch der im Schlaf befindliche Mensch aus dem Naturhaften herauf Erlebnisse hat, die aufsteigen wie Wolken, wie Nebel, wie schließlich auch Berge sich erheben, im Laufe von langen Zeiten wieder versinken. Nur daß das im Traumesleben schnell geht, während im Weltenall langsam die Gebilde auf- und niedersteigen.

[ 26 ] And let’s then consider the second state, which you are all familiar with, where you believe you are asleep, but from which emerge those dreams—often so frightening, often so wonderfully liberating—to which, if you are in good health, you must say: These are things that do not belong to ordinary everyday life; they arise and weave themselves from some natural imagination and approach people in the most varied ways. The thoroughly philistine person will not pay much attention to dreams. The superstitious person will have them interpreted in an external way. The poetic person—the one who is neither philistine nor superstitious—still pays attention to this wondrous weaving and life of dreams. For something rises up from the natural depths of the human being—something that, while not having the significance the superstitious person attributes to it, nevertheless indicates that even the person asleep experiences phenomena arising from the natural realm, which rise like clouds, like mist, and, just as mountains eventually rise, sink back down again over the course of long ages. The only difference is that this happens quickly in the life of dreams, whereas in the universe as a whole, these formations rise and fall slowly.

[ 27 ] Und noch eine zweite Eigentümlichkeit haben die Träume. Wir träumen von Schlangen, die um uns sind, auch wohl von Schlangen, die uns berühren an unserem Körper. Menschen, welche in unfugartiger Weise zum Beispiel Kokain genießen, können dieses Schlangenerlebnis traumhaft in besonders hohem Maße haben. Wer sich dem Laster des Kokaingenusses hingibt, bei dem kriechen die Traumschlangen aus allen Winkeln des Leibes heraus in seiner Traumwahrnehmung, auch wenn er nicht schläft.

[ 27 ] Dreams have a second peculiarity as well. We dream of snakes surrounding us, and indeed of snakes touching our bodies. People who abuse substances such as cocaine may experience this “snake” sensation in their dreams to a particularly high degree. For those who indulge in the vice of cocaine use, the dream snakes crawl out from every corner of their bodies in their dream perception, even when they are not asleep.

[ 28 ] Und so können wir sagen: Wir sehen auf Träume hin, die so geartet sind, wie die eben beschriebenen. — Wir werden immer, wenn wir achtgeben auf das Leben, sehen, daß das solche Träume sind, die uns anzeigen, daß in unserem eigenen Inneren etwas nicht in Ordnung ist. Wir merken eine Verdauungsstörung, wenn wir solche Schlangenträume haben. Die Windungen der Verdauungsorgane symbolisieren sich uns in der Traumanschauung in Windungen von Schlangen.

[ 28 ] And so we can say: We look for dreams that are of the kind just described. — Whenever we pay attention to life, we will see that it is such dreams that indicate to us that something is not right within ourselves. We notice an indigestion when we have such snake dreams. In our dream vision, the coils of the digestive organs are symbolized to us by the coils of snakes.

[ 29 ] Oder jemand träumt, er gehe spazieren und er komme plötzlich an eine Stelle, wo sich ein ganz weißer Pflock erhebt, der aber oben schadhaft ist — ein weißer Steinpflock, eine Steinsäule, die oben schadhaft ist. Er wird unruhig im Traume über diese schadhafte obere Spitze des Pflockes. Er wacht auf: Zahnschmerzen! Er fühlt sich unbewußt gedrängt, irgendeinen seiner Zähne anzugreifen, er fühlt ja den Zahn. Ich meine den heutigen, gewöhnlichen Menschen, nicht einen älteren Menschen, der über solche Dinge erhaben war. Ein richtiger heutiger Mensch sagt: Jetzt muß ich zum Zahnarzt gehen, da gehört ja eine kleine Plombe hinein, der Zahn ist schadhaft. Was ist denn da geschehen? Dieses ganze Zahnerleben, mit Schmerz verbunden, das eine Unordnung im ganzen Organismus darstellt, stellt sich im symbolischen Bilde dar. Der Zahn ist ein weißer Pflock, etwas schadhaft, etwas angefressen. Wir nehmen im Traumbilde etwas wahr, was eigentlich in unserem Inneren ist.

[ 29 ] Or someone dreams that he is going for a walk and suddenly comes to a spot where a completely white stake rises up, but its top is damaged—a white stone stake, a stone pillar with a damaged top. In his dream, he becomes restless because of this damaged top of the stake. He wakes up: a toothache! He feels an unconscious urge to touch one of his teeth—after all, he can feel the tooth. I’m referring to the average person of today, not an older person who was above such things. A typical person today would say: “Now I have to go to the dentist; that tooth needs a small filling—it’s damaged.” So what happened here? This entire dental experience, associated with pain and representing a disturbance in the entire organism, presents itself in a symbolic image. The tooth is a white peg, somewhat damaged, somewhat worn away. In the dream image, we perceive something that is actually within us.

[ 30 ] Oder aber wir träumen lebhaft, daß wir in einem Zimmer sind, in dem wir gar nicht atmen können. Wir geraten im Traume in innere Unruhe, was aber alles Traumerleben ist. Da — wir haben es früher nicht gesehen — steht in einer Ecke ein Ofen, der ganz heiß ist. Es ist zu stark eingeheizt. Ah, jetzt wissen wir im Traume, warum wir nicht atmen können: es ist heiß im Zimmer! Das alles im Traume. — Wir wachen auf. Wir haben ein heftiges Herzklopfen und einen stark laufenden Puls. Die Zirkulation, die ins Unregelmäßige geraten ist, symbolisiert sich in dieser Weise im Äußeren als Traum. Es ist etwas da, etwas, das in uns selber ist; wir nehmen es wahr, aber wir nehmen es nicht so wahr wie bei Tag. Wir nehmen es im symbolischen Bilde wahr. Oder aber wir träumen davon, daß da draußen irgendwo außerhalb des Fensters lebhaft die Sonne scheint. Aber das Sonnenlicht beunruhigt uns. Wir werden unruhig im Traum über diese scheinende Sonne, an der wir sonst Wohlgefallen haben. Wir wachen auf — das Haus des Nachbarn brennt. Ein äußeres Ereignis symbolisiert sich nicht so, wie es ist, sondern in einem ganz anderen Bilde. So sehen wir schon, es ist eine naturhaft schaffende Phantasie im Traume. Äußeres drückt sich aus im Traume.

[ 30 ] Or we might have a vivid dream in which we are in a room where we cannot breathe at all. In the dream, we become restless, though this is all part of the dream experience. There—we hadn’t noticed it before—is a stove in the corner that is very hot. It has been stoked too high. Ah, now we know in the dream why we can’t breathe: it’s hot in the room! All of this is in the dream. — We wake up. Our heart is pounding and our pulse is racing. Our circulation, which has become irregular, manifests itself externally in this way as a dream. There is something there, something within ourselves; we perceive it, but we do not perceive it as we do during the day. We perceive it in symbolic form. Or we dream that somewhere out there, beyond the window, the sun is shining brightly. But the sunlight unsettles us. In the dream, we become unsettled by this shining sun, which we otherwise take pleasure in. We wake up—the neighbor’s house is on fire. An external event is not symbolized as it is, but in an entirely different image. So we can already see that there is a naturally creative imagination at work in the dream. The external world expresses itself in the dream.

[ 31 ] Nun brauchte es nicht dabei zu bleiben. Der Traum kann sich sozusagen aufraffen, seine eigene innere Bedeutung und Wesenheit zu haben. Wir träumen irgend etwas, und der Traum, der sich uns allerdings im Bilde darstellt, kann nicht auf ein Äußeres bezogen werden. Wenn wir nach und nach darauf kommen, sagen wir, daß sich im Traume eine ganz andere Welt zum Ausdruck gebracht hat. Es sind andere Wesen handelnd, da begegnet uns ein dämonisches oder auch ein elfenartig schönes Wesen. Also nicht nur, daß unsere gewöhnliche physisch-sinnliche Welt, wie sie an uns und außer uns ist, im Traume sich bildhaft darstellt, es kann sich in den Traum auch eine ganz andere Welt hereindrängen, als unsere ist. Menschen können von der höheren übersinnlichen Welt in sinnlichen Traumesbildern träumen.

[ 31 ] But it didn’t have to stop there. The dream can, so to speak, take on a life of its own, possessing its own inner meaning and essence. We dream something, and the dream—which, admittedly, presents itself to us in images—cannot be reduced to anything external. As we gradually come to realize this, we say that a completely different world has found expression in the dream. Different beings are active there; we encounter a demonic being or even an elf-like, beautiful being. So it is not merely that our ordinary physical-sensory world, as it exists within and outside of us, is represented pictorially in the dream; a world entirely different from our own can also intrude into the dream. People can dream of the higher supersensible world in sensory dream images.

[ 32 ] So hat das heutige menschliche Bewußtsein den Traum neben dem gewöhnlichen Wachbewußtsein. Und man muß ja in der Tat sagen: Veranlagt sein zum Träumen macht uns eigentlich zu Poeten. — Die Menschen, die nicht träumen können, werden immer schlechte Poeten bleiben. Denn man muß sozusagen dasjenige, was naturhaft im Traume auftritt, übersetzen in die tagwachende Phantasie, um Poet, um überhaupt Künstler sein zu können, Künstler auf allen Gebieten.

[ 32 ] Thus, modern human consciousness possesses the dream alongside ordinary waking consciousness. And one must indeed say: The predisposition to dream is what actually makes us poets. — People who cannot dream will always remain poor poets. For one must, so to speak, translate what occurs naturally in dreams into waking imagination in order to be a poet—or indeed, an artist at all—an artist in all fields.

[ 33 ] Derjenige zum Beispiel, der mehr von der Art träumt, daß sich ihm äußere Gegenstände symbolisieren, wie das brennende Haus des Nachbarn durch die in das Zimmer hereinscheinende Sonne, der wird am nächsten Tag, nachdem er einen solchen Traum gehabt hat, sich angeregt fühlen zum Komponieren. Er ist ein Musiker. Derjenige, der, sagen wir, sein eigenes Herzklopfen als einen kochenden Ofen empfindet, der wird am nächsten Tag sich angeregt fühlen, zu modellieren, oder Architekturgebilde zu schaffen. Er ist Architekt oder Bildhauer oder auch Maler.

[ 33 ] For example, someone who dreams more of the kind in which external objects are symbolized—such as a neighbor’s burning house represented by the sun shining into the room—will feel inspired to compose the very next day after having such a dream. He is a musician. Someone who, let’s say, perceives his own heartbeat as a boiling stove will feel inspired the next day to sculpt or create architectural structures. He is an architect, a sculptor, or even a painter.

[ 34 ] Diese Dinge hängen so zusammen, wie ich sie geschildert habe. Es bleibt im gewöhnlichen Bewußtsein bei dem, was ich eben beschrieben habe. Aber man kann jetzt weitergehen. Man kann dieses gewöhnliche Bewußtsein so ausbilden, wie ich es in meinen Büchern beschrieben habe, in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das hier als «Initiation» übersetzt ist, oder in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», das hier übersetzt ist als «Occult Science». Man kann das gewöhnliche Bewußtsein dadurch ausbilden, daß man gewisse seelische Übungen macht — wir werden von ihnen noch zu sprechen haben —, man kann das ganze Gedankenleben, Gefühlsleben, Willensleben, das ganze Innenleben dadurch, daß man sich ganz bestimmten Vorstellungen und auch Sprachzusammenhängen hingibt, aktiver machen, so daß die Gedanken wie zum Greifen werden, daß die Gefühle wie lebendige Wesen werden. Ich werde das noch später zu beschreiben haben.

[ 34 ] These things are connected in the way I have described them. In ordinary consciousness, one remains at the level of what I have just described. But one can now go further. One can develop this ordinary consciousness as I have described in my books, in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?, which is translated here as Initiation, or in my Outline of Occult Science, which is translated here as Occult Science. One can develop ordinary consciousness by performing certain spiritual exercises—we will speak of them later—and one can make one’s entire life of thought, feeling, and will, one’s entire inner life, more active by devoting oneself to very specific mental images and linguistic contexts, so that thoughts become almost tangible and feelings become like living beings. I will describe this in more detail later.

[ 35 ] Dann tritt etwas ein, was der Anfang einer modernen Initiation ist. Dann tritt das ein, daß wir bei Tag fortträumen. Aber hier komme ich an einen Punkt, wo leicht Mißverständnisse möglich sind. Derjenige, der ganz naturhaft bei Tag ins Träumen hineinkommt, der ist mit seinem Träumen nicht besonders hoch zu schätzen. Allein derjenige, der trotz seines Tagträumens so wach ist wie ein anderer Mensch und dennoch fortträumen kann, deshalb, weil er Denken und Fühlen in sich viel aktiver gemacht hat als andere Menschen, der beginnt Initiat zu werden. Dann nämlich, wenn man dazu gelangt, dann tritt das Folgende ein. Dann sieht man wiederum — weil man doch ein vernünftiger Mensch ist, der während des Tages nicht unvernünftiger als die anderen ist, nicht allerlei tolle Streiche macht, weil man träumt, sondern weil man gerade so nüchtern ist am Tage wie die anderen vernünftigen Menschen —, dann sieht man auf der einen Seite den Menschen so, wie er ist für das gewöhnliche Bewußtsein: man sieht seine Nasenform, seine Augenfarbe, seine schöne oder häßliche Haaranordnung und so weiter. Man sieht alles, aber man fängt an, um den Menschen herum noch von etwas anderem zu träumen, aber jetzt die Wahrheit zu träumen, die Aura zu träumen, und den inneren geistigen Sinn der Handlungen, die zwischen Menschen vollbracht werden, geistig zu sehen. Man fängt an, im vollen Wachleben sinnvolle, wirklichkeitsgemäße Träume zu haben. Das Träumen hört morgens beim Aufwachen nicht auf, dauert bis zum Einschlafen, dann setzt es sich in Schlaf um. Aber es ist sinnvoll. Das, was man an dem Menschen sieht, ist wahrhaftig seelisch an ihm. Das, was man an Handlungen sieht, ist wahrhaftig geistig da. Man ist in einer wahrhaftigen Tätigkeit, wie sonst in bloßen Reminiszenzen oder im bloßen Traume. Aber man träumt geistige Realität.

[ 35 ] Then something occurs that marks the beginning of a modern initiation. Then we find ourselves daydreaming. But here I come to a point where misunderstandings can easily arise. The person who slips into daydreaming quite naturally is not to be held in particularly high regard for his daydreaming. Only the person who, despite daydreaming, is as alert as anyone else and yet can still drift off into daydreams—because they have made their thinking and feeling much more active within themselves than other people—begins to become an initiate. For when one reaches this point, the following occurs. Then one sees, once again—because one is, after all, a reasonable person who is no less reasonable during the day than others, who does not get up to all sorts of crazy antics because one is dreaming, but because one is just as sober during the day as other reasonable people—then one sees, on the one hand, the person as they appear to ordinary consciousness: you see the shape of their nose, the color of their eyes, their beautiful or unattractive hairstyle, and so on. You see everything, but you begin to dream of something else around the person—only now you are dreaming the truth, dreaming the aura, and spiritually perceiving the inner, spiritual meaning of the actions performed between people. One begins to have meaningful, realistic dreams in full wakefulness. The dreaming does not stop in the morning upon waking; it lasts until one falls asleep, then transforms into sleep. But it is meaningful. What one sees in a person is truly spiritual in that person. What one sees in actions is truly spiritual there. One is engaged in a genuine activity, as one otherwise is in mere reminiscences or in mere dreams. But one dreams spiritual reality.

[ 36 ] Ein zweiter Bewußtseinszustand tritt zu dem ersten hinzu. Das Tagträumen wird ein höheres Wirklichkeitswahrnehmen, als es das gewöhnliche Anschauen im philisterhaften Leben ist. Man sieht während des vollen wachen Bewußtseins etwas zu der gewöhnlichen Wirklichkeit hinzu, was eine höhere Wirklichkeit ist. Der gewöhnliche Traum nimmt uns etwas von der Wirklichkeit. Er gibt uns nur phantastische Fetzen. Das, was man in der jetzt geschilderten Weise bei Tag träumt, womit sich alles durchsetzt, die einzelne menschliche Gestalt durchsetzt, die Tiere, die Pflanzen sich durchsetzen, wo die Handlungen sinnvolle Wahrnehmungen werden, so daß geistiger Inhalt in den Handlungen darinnen liegt, das alles gibt einem zu der gewöhnlichen Wirklichkeit etwas hinzu, macht diese Wirklichkeit reicher.

[ 36 ] A second state of consciousness joins the first. Daydreaming becomes a higher perception of reality than ordinary observation in philistine life. While fully awake, one perceives something in addition to ordinary reality—something that is a higher reality. Ordinary dreaming takes something away from reality; it gives us only fantastical fragments. What one experiences in the manner just described—daydreaming—in which everything is permeated, the individual human form is permeated, the animals and plants are permeated, and actions become meaningful perceptions so that spiritual content lies within them—all of this adds something to ordinary reality and enriches it.

[ 37 ] Sehen Sie, da fügt sich tatsächlich zu dem, was man sonst im gewöhnlichen Bewußtsein wahrnimmt, ein Zweites hinzu, und man fängt jetzt an, die Welt ganz, ganz anders zu sehen. Am eklatantesten zeigt sich dieses Anderssehen, wenn man nun Tiere ansieht, die tierische Welt. Diese tierische Welt, sie erscheint einem jetzt so, daß man sagt: Ja, was habe ich denn vorher eigentlich gesehen? Nur einen Teil von dieser Welt habe ich ja gesehen. Das ist ja gar nicht alles, was ich früher von dem Tierischen gesehen habe. Ich habe ja nur das Äußere von den Tieren gesehen. Eine ganz neue Welt fügt sich hinzu zu den Tieren, so daß für jede Tiergattung, für alle Löwen, für alle Tiger, für alle verschiedenen Tiergattungen etwas da ist, was einem Menschen gleicht, was richtig einem Menschen gleicht. So eine Tierart wird wirklich etwas ganz Besonderes. Es läßt sich schwer am Bilde des Menschen veranschaulichen, aber ich bitte Sie, das in folgender Weise zu machen.

[ 37 ] You see, a second aspect is actually added to what one normally perceives in ordinary consciousness, and one now begins to see the world in a completely, completely different way. This different way of seeing is most strikingly evident when one now looks at animals, at the animal world. This animal world now appears to one in such a way that one says: “Yes, what did I actually see before? I had only seen a part of this world. That is not at all everything I used to see of the animal world. I had only seen the outer appearance of the animals.” A whole new world is added to the animals, so that for every animal species—for all lions, for all tigers, for all the various animal species—there is something that resembles a human being, that truly resembles a human being. Such an animal species really becomes something very special. It is difficult to illustrate this using the image of a human being, but I ask you to do so in the following way.

[ 38 ] Denken Sie sich einmal, Sie ergänzen gewissermaßen Ihren Leib. Binden Sie sich an jeden Finger Ihrer Hände einen Faden, also zehn Fäden an, und am Ende eines jeden Fadens eine Kugel in einer gewissen Ferne, die vielleicht sogar mit allerlei Figuren bemalt ist. Dann haben Sie also zehn solche Schnüre. Nun eignen Sie sich ein furchtbar behendes Spiel Ihrer Finger an, so daß sie alle möglichen Bewegungen machen. Und jetzt machen Sie das auch mit Ihren Zehen. An jede Zehe binden Sie sich einen Faden an, am Ende eines jeden Fadens eine Kugel mit Figuren. Und jetzt gewöhnen Sie sich, so geschickt zu springen und die Zehen so geschickt zu bewegen, daß etwas ganz Wunderbares entsteht aus dieser Form. Jeder Finger ist viel länger und hat am Ende solch eine Kugel, die Figuren hat, und jede Ihrer Zehen hat das auch.

[ 38 ] Just imagine, in a sense, that you are extending your body. Tie a string to each finger of your hands—that is, ten strings in all—and at the end of each string, attach a ball at a certain distance, perhaps even painted with all sorts of figures. So now you have ten such strings. Now learn to play with your fingers with incredible dexterity, so that they make all kinds of movements. And now do the same with your toes. Tie a string to each toe, with a ball featuring figures at the end of each string. And now get used to jumping so skillfully and moving your toes so deftly that something truly wonderful emerges from this arrangement. Each finger is much longer and has such a bead with figures on the end, and each of your toes has one too.

[ 39 ] Denken Sie sich, Sie sehen das nun mit Ihrer menschlichen Gestalt verbunden. Ihre Seele beherrscht das alles. Jede Kugel ist ein Einzelnes, aber in dem Augenblick, wo man das alles anschaut, glaubt man, das gehöre alles dazu. Sie sind nicht so verbunden mit allen diesen Kugeln und Schnüren wie mit Ihren Fingern und Zehen. Aber Sie beherrschen das alles. Das ist alles eine Einheit. Wenn Sie anfangen, das so zu beherrschen, wie ich es erzählt habe, so sehen Sie da oben die Löwenseele, und die einzelnen Löwen, die hängen so daran wie die Kugeln. Das ist eine Einheit. Vorher, wenn Sie die zwanzig Kugeln da liegen haben und schauen die zwanzig Kugeln an, dann ist das eine Welt für sich. Nun kommen Sie und fügen den Menschen dazu, fügen die ganze innere Beweglichkeit dazu — da wird es etwas ganz Neues. So ist es mit Ihrer Anschauung. Sie sehen da die Löwen einzeln herumgehen. Das ist so wie die Kugeln, die da herumgehen. Jetzt sehen Sie hin auf die selbstbewußte Löwenseele, die ja so wie ein Mensch ist in der geistigen Welt, und die einzelnen Löwen sehen Sie wie aufgefangen in den Kugeln, sehen da überall aus dem Selbstbewußtsein des Löwen die einzelnen Löwen herauskommen. Sie sind aufgestiegen zu einer ganz neuen Wesenheit.

[ 39 ] Imagine that you now see all of this connected to your human form. Your soul controls it all. Each sphere is an individual entity, but the moment you look at it all, you feel as though it all belongs together. You are not as connected to all these spheres and strings as you are to your fingers and toes. But you control it all. It’s all a single unity. When you begin to control it the way I’ve described, you’ll see the lion’s soul up there, and the individual lions hanging from it just like the balls. That is a unity. Before that, when you have the twenty balls lying there and look at them, that’s a world unto itself. Now you come and add the human being to it, add all that inner mobility—and it becomes something entirely new. That’s how it is with your perception. You see the lions walking around individually. It’s just like the spheres moving around there. Now you look at the self-aware lion soul—which is, after all, like a human being in the spiritual world—and you see the individual lions as if captured within the spheres; you see the individual lions emerging everywhere from the lion’s self-awareness. They have ascended to a completely new being.

[ 40 ] Und so steigen Sie für alles im Tierreich auf zu ganz neuen Wesenheiten. Die Tiere haben auch so etwas wie Menschen an sich, Seelenhaftes, aber das ist nicht in der Welt, in der der Mensch sein Seelenhaftes hat. Wenn Sie durch die Welt gehen, dann tragen Sie ganz aufdringlich auf der Erde Ihre Seele herum mit dem Selbstbewußstsein. Jedem Menschen können Sie Ihr Selbstbewußtsein an den Kopf werfen. Das kann der Löwe nicht. Aber da gibt es eine zweite Welt. Die grenzt an diese Welt, wo wir unser Selbstbewußtsein jedem Menschen an den Kopf werfen. Aber da droben, da tun das die Löwenseelen. Für die sind die einzelnen Löwen nur solche torkelnden Kugeln. So daß wir frappiert werden, besonders wenn wir das Tierreich in seiner wahren Wesenheit betrachten, durch ein Bewußtsein, das wir uns angeeignet haben. Da kommt eine zweite Welt dazu.

[ 40 ] And so, in the animal kingdom, you ascend to entirely new forms of being. Animals also have something human about them—something soulful—but it is not in the same world where humans have their soulfulness. When you walk through the world, you carry your soul around quite conspicuously on Earth, along with your self-awareness. You can throw your self-awareness in anyone’s face. The lion cannot do that. But there is a second world. It borders on this world, where we throw our self-awareness in everyone’s face. But up there, that is what the lion souls do. To them, the individual lions are merely stumbling balls. So we are struck—especially when we consider the animal kingdom in its true essence—by a consciousness that we have appropriated for ourselves. A second world comes into play.

[ 41 ] Und jetzt sagen wir uns: Ach, in dieser Welt sind wir als Menschen ja auch eigentlich drinnen. Aber wir schleppen diese Welt hier herunter in die gewöhnliche Erdenwelt. — Das Tier läßt etwas oben: seine Gattungsseele, seine Artseele, und geht nur mit demjenigen, was da auf vier Beinen herumgeht, auf der Erde herum. Wir schleppen das, was die Tiere oben lassen, auf die Erde herunter, bekommen dadurch auch einen anders gestalteten Körper als das Tier, aber wir schleppen es eben doch herunter. So daß wir sagen können: Dasjenige, was in uns ist, gehört auch dieser höheren Welt an, nur schleppen wir es hier in die Erdenwelt herein als Menschen. Und so, sehen Sie, machen wir also Bekanntschaft mit einer ganz anderen Welt, mit einer Welt, die wir zunächst an den Tieren wahrnehmen. Aber wir müssen ein anderes Bewußtsein noch haben. Wir müssen das Traumbewußtsein zum Erwachen bringen, dann können wir in dasjenige hineinschauen, was in der Tierwelt noch vorhanden ist. Derjenige, der das kann, der nennt dann diese zweite Welt die Seelenwelt gegenüber der physischen Welt, oder den Seelenplan, den Astralplan gegenüber dem physischen Plan. Das, was Astralplan, Astralwelt ist gegenüber der physischen Welt, das erreicht man durch ein anderes Bewußtsein. Man muß sich also bekanntmachen damit, daß andere Bewußtseine uns in Welten hineinschauen lassen, die nicht die Welt sind des gewöhnlichen Lebens.

[ 41 ] And now we say to ourselves: Oh, as human beings, we are actually part of this world, too. But we drag this world down here into the ordinary earthly realm. — The animal leaves something behind up there: its generic soul, its species soul, and walks around on Earth only with that which walks on four legs. We drag down to Earth what the animals leave behind up there; as a result, we also acquire a body shaped differently from that of the animal, but we do indeed drag it down. So that we can say: What is within us also belongs to this higher world; it is just that, as human beings, we bring it down here into the earthly world. And so, you see, we become acquainted with a completely different world—a world that we first perceive in the animals. But we must still develop a different kind of consciousness. We must awaken our dream consciousness; then we can look into what still exists in the animal world. Those who can do this then call this second world the soul world in contrast to the physical world, or the soul plane, the astral plane, in contrast to the physical plane. What is the astral plane, the astral world, in contrast to the physical world—this is attained through a different kind of consciousness. We must therefore come to terms with the fact that other states of consciousness allow us to glimpse into worlds that are not part of ordinary life.

Weitere Durchkraftung des Seelenlebens

Further Enrichment of Spiritual Life

[ 42 ] Man kann nun in der Durchkraftung und Verstärkung des Seelenlebens noch weitergehen. Man kann nicht nur, so wie ich es in den genannten Büchern beschrieben habe, meditieren, sich konzentrieren, sondern man kann anstreben, das, was man als starken Seeleninhalt in der Seele hat, wiederum fortzuschaffen. So daß man dazu kommt, nachdem man zuerst mit aller Gewalt das Seelenleben verstärkt hat, das Denken, das Fühlen stark gemacht hat, das alles wiederum abzuschwächen und sogar ins Nichts zurückzuführen. So daß dasjenige hergestellt ist, was man leeres Bewußtsein nennen kann.

[ 42 ] One can now go even further in strengthening and intensifying the life of the soul. One can not only meditate and concentrate, as I have described in the books mentioned, but one can also strive to eliminate what one holds within the soul as strong inner content. So that, after first strengthening the life of the soul with all one’s might—having made thinking and feeling strong—one arrives at the point of weakening all of that again and even reducing it to nothing. Thus, what one might call “empty consciousness” is brought about.

[ 43 ] Nun, wenn man im gewöhnlichen Bewußtsein dieses Bewußtsein leer macht, schläft man ein. Man kann das ja auch experimentell machen. Man hat einen Menschen. Man entzieht ihm zunächst die Augeneindrücke, so daß er im Dunklen ist. Man entzieht ihm alle Gehörseindrücke, so daß er im Stummen, Lautlosen ist. Dann versucht man auch die anderen Sinne abzustumpfen. Der Mensch schläft allmählich ein. So ist es nicht, wenn man zunächst Denken und Fühlen verstärkt. Da kann man ganz willkürlich das Bewußtsein leer machen, und man wacht. Man tut nichts als wachen durch seine Willkür. Man schläft nicht ein. Aber man hat nicht mehr die Sinneswelt vor sich. Man hat nicht mehr seine gewöhnlichen Gedanken und Erinnerungen in sich. Man hat leeres Bewußtsein. Da kommt aber nun sogleich eine wirkliche geistige Welt herein in dieses leere Bewußtsein. So wie im gewöhnlichen Tagesbewußtsein die Sinneswelt mit ihren Farben, mit ihren Tönen, mit ihrem Wärmereichtum hereinkommt, so kommt in dieses leere Bewußtsein eine geistige Welt herein. Wir sind umgeben, wenn wir erst das Bewußtsein wach und leer gemacht haben, von einer geistigen Welt.

[ 43 ] Well, if you empty this consciousness in ordinary consciousness, you fall asleep. You can actually test this experimentally. Take a person. First, you deprive them of visual impressions so that they are in the dark. You deprive them of all auditory impressions so that they are in silence, in a soundless state. Then you try to dull the other senses as well. The person gradually falls asleep. It is not like that, however, if you first intensify thinking and feeling. Then you can empty your consciousness entirely at will, and you remain awake. One does nothing but remain awake through one’s own volition. One does not fall asleep. But one no longer has the sensory world before one. One no longer has one’s usual thoughts and memories within oneself. One has an empty consciousness. But then, immediately, a real spiritual world enters this empty consciousness. Just as in ordinary daily consciousness the sensory world enters with its colors, its sounds, and its richness of warmth, so too does a spiritual world enter this empty consciousness. Once we have made our consciousness awake and empty, we are surrounded by a spiritual world.

[ 44 ] Wiederum können wir frappierend intensiv dieses neue Bewußtsein und diesen Zusammenhang mit einer geistigen Welt wahrnehmen an etwas in der äußeren Natur. Wie wir vorher gewissermaßen die nächste Schichte des Bewußtseins wahrgenommen haben an der anderen Art, wie wir die Tiere anschauen, so können wir jetzt das anders gewordene Bewußtsein, das Auftreten der neuen Schichte des Bewußtseins wahrnehmen an dem ganz Andersartigen, was wir an den Pflanzen sehen, an der Pflanzenwelt der Erde.

[ 44 ] Once again, we can perceive this new consciousness and this connection to a spiritual world with striking intensity in something in the external natural world. Just as we previously perceived, in a sense, the next layer of consciousness in the different way we view animals, so can we now perceive this transformed consciousness—the emergence of this new layer of consciousness—in the entirely different nature of what we see in plants, in the plant world of the Earth.

[ 45 ] Wie sehen wir die Pflanzenwelt der Erde im gewöhnlichen Bewußtsein? Wir gehen hin über die Erde, wir sehen herauswachsen aus der mineralischen Erde den Farbenreichtum und die Grünheit der Pflanzenwelt. Wir erfreuen uns an dem, was blau und gelb und rot und weiß blüht, was grün lebt. Wir nehmen diesen ganzen Teppich der Pflanzenwelt wahr, lassen ihn auf unser Gemüt wirken. Es wird innerlich lebendig. Es wird innerlich voller Freude. Es erhebt sich zu innerlichem Aufjauchzen, wenn wir diese wunderbar farbenglänzende Pflanzendecke über die Erde hingebreitet und aus der Erde herausragen sehen. Jetzt schauen wir auf. Wir erblicken oben die Sonne, die uns blendet. Wir schauen hinaus in das blaue Himmelszelt. Wir erblicken nichts Besonderes als das, was sich uns eben bei Tag darbietet, wenn wir einen wolkenfreien oder wolkenbedeckten Tag haben, was Sie ja alle kennen. Wir wissen zunächst nicht, was es für eine Beziehung hat, die Pflanzendecke, den Pflanzenteppich der Erde anzuschauen und hinaufzuschauen.

[ 45 ] How do we perceive the plant world of the Earth in our ordinary consciousness? We walk across the Earth; we see the rich colors and the greenness of the plant world sprouting from the mineral soil. We delight in what blooms in blue, yellow, red, and white, and in what lives in green. We take in this entire tapestry of the plant world and let it work its magic on our spirits. It comes alive within us. It fills us with joy. It rises to an inner exultation when we see this wonderfully colorful blanket of plants spread across the earth and rising up from it. Now we look up. We see the sun above, dazzling us. We look out into the blue canopy of the sky. We see nothing out of the ordinary—just what presents itself to us during the day, whether it’s a cloudless or cloudy day, as you all know. At first, we don’t know what connection there is between looking at the blanket of plants, the tapestry of vegetation on the earth, and looking up.

[ 46 ] Wir können aber auch noch weitergehen. Nehmen wir an, wir haben innerlich die tiefste Freude erlebt an dem Tagesteppich, der in der Pflanzenwelt die Erde bedeckt. Wir warten an einem schönen Tage bis zur hereinbrechenden Nacht. Wir blicken jetzt hinauf auf das Himmelsgezelt. Wir sehen die mannigfaltig angeordneten, in Figuren aufleuchtenden, über den ganzen Himmel hin sich breitenden Sterne funkeln, glänzen. Ein neues Aufjauchzen der Seele beginnt, etwas, was von oben wirkt, was von oben in unsere Seele freudig-innerliches Aufjauchzen hereinsender.

[ 46 ] But we can go even further. Let’s suppose we have experienced the deepest inner joy in the tapestry of the day that covers the earth in the plant world. On a beautiful day, we wait until night falls. We now look up at the canopy of the sky. We see the stars, arranged in manifold patterns, glowing in constellations, spreading across the entire sky, twinkling and shining. A new exultation of the soul begins—something that works from above, something that sends a joyful, inner exultation into our soul from above.

[ 47 ] So können wir bei Tag hindeuten auf dasjenige, was in der Erde wächst in dem farbenreichen Teppich der Erde, in der Pflanzenwelt: ein innerlich uns mit Freude, mit Jauchzen durchdringendes Wahrnehmen. Wir können dann hinaufblicken, können das uns bei Tag blau erscheinende Himmelsgewölbe nachts besät sehen mit den funkelnden, glänzenden Sternen. Wir können innerlich aufjauchzen über das, was sich von oben herunter in unserer Seele offenbart. Das gilt für das gewöhnliche Bewußtsein.

[ 47 ] Thus, during the day, we can turn our attention to what grows in the earth—in the earth’s colorful tapestry, in the plant world—a perception that fills us inwardly with joy and exultation. We can then look up and see the vault of the sky—which appears blue to us by day—studded at night with sparkling, shining stars. We can inwardly exult over what is revealed in our soul from above. This applies to ordinary consciousness.

[ 48 ] Haben wir jenes Bewußtsein ausgebildet, das leer, aber wach ist, in das die geistige Welt hereingebrochen ist, dann sagen wir uns, wenn wir während des Tages unseren Blick ausbreiten über die Pflanzendecke und des Nachts hinaufschauen auf die glänzenden, funkelnden Sterne: Ja, während des Tages hat uns angelockt, mit innerlichem Jauchzen durchdrungen dasjenige, was als Farbenteppich die Erde bedeckt. — Aber was haben wir denn da eigentlich bei Tag gesehen? Jetzt blicken wir hinauf während der Nacht zum sternenglänzenden Himmel. Die Sterne funkeln nicht mehr bloß vor diesem wachend leeren Bewußtsein, das heißt für die Erde leeren Bewußtsein. Die Sterne nehmen die mannigfaltigsten Gestalten an. Das bloße Funkeln der Sterne hat aufgehört, und da oben ist wunderbares Wesenhaftes. Da breitet sich aus wachsendes, webendes Leben, groß und gewaltig und erhaben. Und wir stehen erkennend in Anbetung, anbetend im Erkennen. Ja, wir haben eine mittlere Stufe der Initiation erreicht und sagen uns: Pflanzen, die sind ja erst da oben. Die wirklichen Pflanzenwesen, das ist dasjenige, was uns vorher nur in einzelnen Punkten in den Sternen entgegengestrahlt hat. — Es ist ja jetzt so, als ob da oben die wahre Pflanzenwelt erst wäre. Es ist, als ob das Veilchen uns nicht als Veilchen erschiene, sondern als ob von dem Veilchen des Morgens, wenn es voll Tau wäre, wir nicht das Veilchen, sondern nur die einzelne Tauperle erglänzen sehen würden. Wenn wir nur den einzelnen Stern sehen, da funkelt ja die einzelne Tauperle in dem Stern. In Wahrheit ist dahinter eine mächtige, wesenhafte, webende Welt. Zu der schauen wir hinauf. Jetzt wissen wir, was Pflanzenwelt ist. Die ist gar nicht auf der Erde, die ist draußen im Kosmos, ist mächtig und erhaben und gewaltig und groß. Und was ist das, was wir da unten gesehen haben bei Tag in der farbigen Pflanzendecke, was ist das? Das ist das Spiegelbild von da oben.

[ 48 ] Once we have developed that state of consciousness—which is empty yet alert, into which the spiritual world has broken through—then, when we cast our gaze over the carpet of plants during the day and look up at the shining, twinkling stars at night, we say to ourselves: Yes, during the day we were drawn to—and filled with an inner exultation by—that which covers the earth like a tapestry of colors. — But what did we actually see there during the day? Now, at night, we look up at the star-studded sky. The stars no longer merely twinkle before this alert, empty consciousness—that is, consciousness that is empty in relation to the earth. The stars take on the most varied forms. The mere twinkling of the stars has ceased, and up there is something wonderfully substantial. There, growing, weaving life spreads out, great, mighty, and sublime. And we stand in recognition and adoration, adoring in recognition. Yes, we have reached an intermediate stage of initiation and say to ourselves: Plants—they are, after all, only up there. The true plant beings—that is what previously shone toward us only in isolated points within the stars. — It is now as if the true plant world were only up there. It is as if the violet did not appear to us as a violet, but rather as if, from the violet in the morning when it were covered in dew, we saw not the violet but only the single dewdrop glistening. When we see only the individual star, the single dewdrop sparkles within that star. In truth, behind it lies a powerful, essential, weaving world. It is to this world that we look up. Now we know what the plant world is. It is not on Earth at all; it is out there in the cosmos—powerful, sublime, mighty, and vast. And what is that which we saw down below during the day in the colorful blanket of plants—what is that? It is the reflection of what lies above.

[ 49 ] Und wir wissen jetzt, der Kosmos mit seinem webenden Gestaltenleben, mit seinem wesenhaften Gestaltenleben, der spiegelt sich auf der Erde. Die ist ein Spiegel in ihrer Oberfläche. Wenn wir in einen Spiegel schauen, wissen wir, das ist nur Spiegelbild von uns. Wir stehen da. Wir spiegeln uns, so wie wir sind in der äußeren Form. Die Seele ist nicht darinnen. Der Himmel spiegelt sich nicht an der Erde in einer so ganz adäquaten Weise, sondern so, daß er in den Pflanzenfarben gelb, grün, blau, rot, weiß erglänzt. Das ist das Spiegelbild des Himmels, das schwache, schattenhafte Spiegelbild des Himmels. Und wir haben eine neue Welt kennengelernt. Da oben sind die Pflanzen Menschen, Wesen mit Selbstbewußtsein. Und zu der gewöhnlichen physischen Welt, zu der astralen Welt haben wir eine dritte, eine eigentlich geistige Welt hinzu. Die Sterne sind ja wie Tauperlen, die kosmischen Tauperlen aus dieser Welt. Die Pflanzen sind das Spiegelbild dieser Welt. Sie sind hier nicht alles, was an ihnen ist; ja sie sind in dem, als was sie uns auf der Erde hier erscheinen, nicht einmal eine Wesenheit, sie sind bloßes Spiegelbild gegenüber der unendlich mannigfaltig-reichen, intensiven Realität, die da oben in der eigentlich geistigen Welt ist, und aus der die einzelnen Sterne als die kosmischen Tauperlen herausglänzen. Wir haben eine dritte, die eigentlich geistige Welt, und wir wissen jetzt, all das herrliche Pflanzenwesen spiegelt ja nur diese Welt ab.

[ 49 ] And we now know that the cosmos, with its weaving, formative life—its essential, formative life—is reflected on Earth. The Earth’s surface acts as a mirror. When we look into a mirror, we know that what we see is only a reflection of ourselves. We stand there. We see ourselves reflected just as we are in our outer form. The soul is not contained within it. The heavens are not reflected on Earth in a completely adequate way, but rather in such a way that they shine forth in the colors of the plants—yellow, green, blue, red, and white. This is the reflection of the heavens, the faint, shadowy reflection of the heavens. And we have come to know a new world. Up there, the plants are human beings, beings with self-awareness. And to the ordinary physical world and the astral world, we have added a third, a truly spiritual world. The stars are, after all, like dewdrops—the cosmic dewdrops of this world. The plants are the reflection of this world. They are not everything that they are here; indeed, in the form in which they appear to us here on Earth, they are not even a being—they are merely a reflection in comparison to the infinitely diverse, rich, and intense reality that exists up there in the truly spiritual world, and from which the individual stars shine forth as cosmic dewdrops. We have a third, truly spiritual world, and we now know that all these magnificent plant beings merely reflect this world.

[ 50 ] Und jetzt lernen wir kennen, wie wir als Menschen auch dasjenige in uns tragen, was von den Pflanzen die eigentliche Wesenheit da oben ist. Wir bringen nur ins Spiegelleben der Erde herunter das, was die Pflanzen oben lassen. Die Pflanzen bleiben oben im Geisterland. Sie senden auf die Erde ihre Spiegelbilder. Die Erde füllt sie ihnen mit Materie, mit Erdenmaterie aus, diese Spiegelbilder. Wir Menschen tragen unser Seelenhaftes, das auch dieser Welt angehört, hier in diese Spiegelwelt herein, sind nicht bloße Spiegelbilder, sondern sind jetzt auf Erden auch seelische Realitäten. Wir leben auf Erden zunächst in drei Welten: in der Welt des Physischen, in der Welt, in der die Tiere mit ihrem Selbstbewußstsein nicht leben. Aber wir leben als Menschen zu gleicher Zeit in einer zweiten Welt, in der die Tiere mit ihrem Selbstbewußtsein leben, in der astralischen Welt. Nur tragen wir diese mit uns herunter in die physische Welt. Wir leben auch noch in der dritten Welt, in der Welt, in der die Wahrheit des Pflanzenwesens lebt, in der geistigen Welt. Nur senden die Pflanzen auf die Erde bloß ihre Spiegelbilder herunter, wir unsere Seelenrealitäten. Und jetzt können Sie sagen: Ein Wesen, das hier auf der Erde Leib, Seele und Geist hat, lebt mit Leib, Seele und Geist in der physischen Welt und ist Mensch.

[ 50 ] And now we come to understand how we, as human beings, also carry within us that which, in the plants, constitutes their true essence up above. We bring down into the Earth’s mirrored life only what the plants leave behind up above. The plants remain up above in the spirit realm. They send their mirror images down to Earth. Earth fills these mirror images with matter—with earthly matter. We humans bring our soul-aspects, which also belong to this world, into this mirror world; we are not mere mirror images, but are now also soul realities on Earth. We live on Earth initially in three worlds: in the physical world, in the world where animals do not live with their self-consciousness. But as human beings, we live at the same time in a second world, in which animals live with their self-consciousness—the astral world. Only we carry this with us down into the physical world. We also live in a third world—the world in which the truth of the plant kingdom lives, the spiritual world. The difference is that plants send down to Earth only their mirror images, whereas we send down our spiritual realities. And now you can say: A being that possesses body, soul, and spirit here on Earth lives with body, soul, and spirit in the physical world and is a human being.

[ 51 ] Ein Wesen, das auf der Erde Leib und Seele hat, aber in einer angrenzenden zweiten Welt den Geist hat, dadurch weniger wirklich ist in der physischen Welt, ist das Tier.

[ 51 ] An being that has a body and soul on Earth but has its spirit in a second, adjacent world—and is therefore less real in the physical world—is the animal.

[ 52 ] Ein Wesen, welches in der physischen Welt nur seinen Leib hat, in der zweiten Welt seine Seele, und in einer weiteren, dritten Welt seinen Geist, so daß der Leib nur noch das Spiegelbild des Geistes ist, nur von irdischer Materie ausgefüllt, das ist die Pflanze.

[ 52 ] A being that has only its body in the physical world, its soul in the second world, and its spirit in a further, third world—so that the body is now merely a reflection of the spirit, filled only with earthly matter—that is the plant.

[ 53 ] Sie erkennen an der Natur drei Welten. Sie erkennen, daß der Mensch diese drei Welten in sich trägt. Sie fühlen gewissermaßen die Pflanzen bis zu den Sternen hinaufwachsen. Sie sehen sich die Pflanzen an, sagen sich: Du bist ein Wesen, von dem ich ja auf Erden nur das Spiegelbild sehe, das wesenlose Spiegelbild. Je mehr ich den Blick hinaufwende, zu den Sternen des Nachts aufschaue, desto mehr sehe ich das wahre Wesen da oben. Natur, sie wird ganz, wenn ich von der Erde aufschaue bis zu den Sternen, wenn ich den Kosmos mit der Erde als eines anschaue. Dann schaue ich zurück auf mich als Mensch und sage mir: Was in der Pflanze bis danach oben reicht, ich habe es auf der Erde in mir zusammengeschoben. Ich trage in mir als Mensch die physische, die astralische, die geistige Welt.

[ 53 ] They recognize three worlds in nature. They recognize that human beings carry these three worlds within themselves. In a sense, they feel the plants growing all the way up to the stars. They look at the plants and say to themselves: You are a being of whom I see only the reflection here on Earth—the insubstantial reflection. The more I turn my gaze upward, looking up at the stars at night, the more I see the true essence up there. Nature becomes whole when I look up from the earth toward the stars, when I behold the cosmos and the earth as one. Then I look back at myself as a human being and say to myself: What in the plant reaches all the way up there—I have gathered it within myself here on earth. As a human being, I carry within me the physical, the astral, and the spiritual worlds.

[ 54 ] Das durchschauen, mit der Natur hinaufzuwachsen bis zu den Himmeln, in den Menschen hineinzuwachsen bis dahin, wo die Himmel sich in ihm eröffnen, das heißt, zum Geistesforschen aufsteigen.

[ 54 ] To see through this, to grow upward with nature all the way to the heavens, to grow inward within human beings to the point where the heavens open up within them—that is, to ascend to the exploration of the spirit.