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Initiate Consciousness
True and False Paths of Spiritual Research
GA 243

14 August 1924, Torquay

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True and False Paths in Spiritual Investigation, tr. Parker
  1. Initiate Consciousness, tr. SOL
  2. Das Initiaten-Bewußtsein

4. Das Geheimnis des Erforschens anderer Welten durch die Metamorphose des Bewußtseins

4. The Secret of Investigation into Other Realms through the Metamorphosis of Consciousness

Der Zusammenhang der Metallität mit anderen Bewußtseinszuständen des Menschen

Not translated

[ 1 ] Von der Form und der Substantialität, der eigentlichen Metallität des Mineralischen habe ich gesprochen, insofern diese Dinge, wenn sie an den Menschen herantreten, Bezug haben auf seine Bewußtseinszustände. Bevor ich die Betrachtung, die sich auf einige Metallsubstanzen ausdehnen muß, werde fortsetzen können, muß ich eine bestimmte Bemerkung einflechten.

[ 1 ] I have spoken about the form, substantiality and metallity of the mineral kingdom in so far as they are related to the different levels of consciousness in man. Before extending my observations to include certain metallic substances, I must make my position perfectly clear.

[ 2 ] Man könnte nun leicht glauben, daß in dem, was ich gesagt habe, eine Empfehlung läge, Bewußtseinszustände, die abweichen von dem gewöhnlichen menschlichen Bewußtseinszustand des heutigen alltäglichen Lebens, dadurch hervorzurufen, daß man sozusagen wie eine Art Nahrungsmittel sich diese Substanzen körperlich beibringt. Und wenn von den Methoden gesprochen wird, durch die man den Weg in die geistige Welt findet, und da gesprochen wird davon, welche innerliche Schulung, Trainierung intimer Art man durchzumachen hat, dann kommen häufig die Menschen darauf, zu sagen: Ja, ich möchte sehr gerne etwas wissen von anderen Welten, von anderen Bewußtseinszuständen, aber das ist so schwierig, diese Übungen zu machen, die einem angeraten werden; das dauert so lange.

[ 2 ] From what I have said it might readily be inferred that I was recommending the ingestion of these substances in the form of nutriments as a means of inducing states of consciousness that differ from the normal. When discussing methods of achieving spiritual insight through inner training and discipline, one often hears the remark: I would be only too glad to know something of other worlds and other states of consciousness, but it is too difficult to carry out the exercises which are recommended; they take up so much time.

[ 3 ] Dann beginnen wohl die Leute mit solchen Übungen. Aber dann kommt das Leben, das so voller Gewohnheiten ist, aus denen man nicht heraus möchte. Dann werden die Übungen nach und nach etwas, was an innerlichem Enthusiasmus und innerlicher Intensität verliert. Die Sache verschwimmit so allmählich im seelischen Leben. Und dann kommen die Leute zu nichts, finden es ungeheuer unbequem, so seelisch üben zu sollen. Hören sie dann, daß bestimmte, sagen wir, Metallitäten mit anderen Bewußtseinszuständen zusammenhängen, dann sagen die Menschen leicht: Ja, das ist bequemer. Wenn ich zum Beispiel, um einen Menschen nach dem Tode zu begleiten, bloß notwendig hätte, ein wenig Kupfer einzunehmen, warum soll ich dann nicht Kupfer einnehmen, um mir denjenigen Bewußtseinzustand zu verschaffen, der es mir möglich macht, den Toten durch sein ganzes Seelenleben zu begleiten.

[ 3 ] A little later, perhaps, these people make a start. Then, after a time, the immediate demands of life intervene and they find they are unwilling to sacrifice their ingrained habits. By degrees they lose enthusiasm and the exercises are quietly dropped. Not surprisingly these people achieve nothing; they find the need to practise spiritual exercises excessively irksome. When they hear, for example, that the qualities of certain metals are associated with other levels of consciousness, they feel more reassured. If a small dosage of copper is all that is required in order to preserve a spiritual link with another after death, then why not take it, they conclude, if it enables one to develop a higher level of consciousness.

[ 4 ] Die Sache wird noch verfänglicher, wenn nun die Menschen vernehmen, daß in alten Mysterien die Sache wirklich in einer gar nicht unähnlichen Weise getrieben worden ist; daß in alten Mysterien, allerdings unter der strengen, unaufhörlichen Aufsicht derjenigen, die Initiaten waren, solche Dinge schon geübt worden sind. Wenn die Leute auch noch das hören, dann sagen sie: Warum sollten denn nicht diese alten Methoden wiederum erneuert werden? Aber man berücksichtigt dabei nicht, daß die Körper der Menschen bis ins Innerste hinein eben etwas ganz anderes in alten Zeiten waren, als sie heute sind. Was war denn in alten Zeiten, auch noch in jenen chaldäischen Zeiten, von denen ich gesprochen habe in diesen Tagen, bei den Menschen vor allen Dingen vorhanden, besser gesagt, nicht vorhanden?

[ 4 ] The idea becomes all the more attractive when they hear that the practice adopted in the ancient Mysteries was not so very dissimilar, though in those days, of course, it was only carried out under the continuous and closest supervision of the Initiates. And when people are told of this, they wonder why these old practices are not revived. But they overlook the fact that in ancient times the whole physical organization of man was differently constituted. In those days, and even as late as the Chaldean epoch, he lacked our present intellectuality.

[ 5 ] Sehen Sie, es war unsere heutige Intellektualität nicht vorhanden. Die Menschen dachten nicht so von sich aus, wie wir heute denken, sondern die Menschen empfingen ihre Gedanken als Inspiration. Wie wir uns heute bewußt sind, daß wir das Rot der Rose nicht machen, sondern daß die Rose auf uns einen Eindruck macht, so waren sich die alten Menschen darüber klar, daß auch die Gedanken von den Dingen hereinkommen, hereininspiriert sind. Und das war deshalb, weil die Körperlichkeit eine ganz andere war in jenen alten Zeiten. Bis in die Blutzusammensetzung hinein war die Körperlichkeit eine andere.

[ 5 ] Thoughts were not self-generated as today, but came to him through inspiration. Just as we realize today that we do not create the red of the rose, but receive the impression of the rose from without, so the men of ancient times were aware that thoughts were transmitted via external objects, they were “in-spired,” breathed into them. The reason for this was to be found in the different constitution of the physical organism, including even the composition of the blood.

[ 6 ] Und so konnte es kommen, daß in jenen alten Zeiten solche Metalle, wie diejenigen sind, von denen ich gesprochen habe, in einer außerordentlich feinen, wir würden heute sagen, homöopathischen Hochpotenz den Leuten verabreicht worden sind, um die Übungen der Seele zu unterstützen. Aber sehen Sie, der ganze Körper war dazumal ein anderer. Und nehmen wir nun an, solch ein Mensch in alten Zeiten, also in jenen chaldäischen Zeiten, von denen ich gesprochen habe, solch ein Mensch habe ganz hochpotenziertes Kupfer bekommen und dann die Anweisung empfangen, er solle, bevor er dieses Kupfer bekommt — das war immer so —, bestimmte Seelenübungen machen, solch ein Mensch mußte ja nicht tagelang, sondern er mußte sich jahrelang trainieren, bevor ihm das hochpotenzierte Kupfer verabreicht worden ist. Und dann, wenn ihm das verabreicht worden war, dann hatte er, weil seine Körperlichkeit eben eine ganz andere war, durch die Trainierung fühlen gelernt, wie dieses fein verteilte, dieses in ganz feiner, hochpotenzierter Substanz in ihm, in seinem Blute pulsierende Kupfer in den oberen Partien wirkte. Er hatte gefunden, daß, wenn er nach dieser sorgfältigen Trainierung das Kupfer bekam, er innerlich erlebte, daß seine Worte, die er aussprach, gewissermaßen wärmer wurden, wärmer wurden dadurch, daß er in seinem Kehlkopf und in den Nerven, die vom Kehlkopf nach dem Gehirn gehen, selber warm wurde.

[ 6 ] Therefore it was possible to administer highly potentized doses of those metals I have spoken of—homoeopathic doses as we call them today—in order to assist people in carrying out their spiritual exercises. A man of the Chaldean epoch, we will suppose, has been prescribed highly potentized doses of copper. Before taking it—this was the general practice of the time—he was directed to perform certain specific spiritual exercises. In such cases, years rather than days of training were demanded of him before the highly potentized copper could be administered. And because his physical constitution was different from ours, he learned, through his training, to retrace the reactions upon the upper part of the body, of this finely distributed, highly potentized copper that was circuating in his blood stream. When copper was administered after this careful training, he felt inwardly that his words took on added warmth, because he himself had generated warmth in his larynx and in the nerves leading from the larynx to the brain.

[ 7 ] Nun, das beruhte darauf, daß der Mensch in jenen alten Zeiten wegen seiner anderen Körperlichkeit eine feine Empfindlichkeit entwickeln konnte für das, was so in ihm vorging. Geben Sie in derselben Lage einem Menschen der Gegenwart hochpotenziertes Kupfer, dann wirkt das auch. Natürlich wirkt es. Aber es bewirkt, daß er kehlkoptkrank wird, und weiter zunächst nichts. Diesen Unterschied zwischen der alten Organisation und der neueren Organisation des Menschen muß man eben kennen, dann wird man nicht mehr die Begierde und Sehnsucht entwickeln, wie es in alten Zeiten noch üblich war, ja, im Mittelalter noch vielfach geübt worden ist, durch äußeres Einnehmen sich in andere Bewußtseinszustände zu versetzen.

[ 7 ] Now because his physical make-up was different, he was able to react with such extreme sensitivity to what was taking place within him. If one were to administer highly potentized copper in similar circumstances today, it would of course take effect, but it would provoke a laryngeal condition and nothing further. It is important, therefore, to understand the difference between the physical constitution of man in those times and that of today. Then one will no longer be tempted to induce other states of consciousness by administering medicaments, which was the normal practice in ancient times and was still frequently practised in the Middle Ages.

[ 8 ] Sehen Sie, heute ist der einzig richtige Weg der, daß der Mensch sich zunächst seelisch bekanntmacht, wie ich es gestern beschrieben habe, mit der Natur, mit der Wesenheit des Kupfers, daß er sich eine feine Empfindung verschafft von der Farbe des Kupfers, wie sie ist, wenn man das Kupfer irgendwie findet, von der Farbe des Kupfers, wie sie ist, wenn man es abschleift, daß er sich eine Empfindung verschafft, wie Kupfer in Kupfervitriol und der Säure drinnen wirkt und so weiter. Wenn sich der Mensch in dieser Weise ein Gefühl verschafft, dann wirkt dieses Gefühl, über das er nun meditiert, auf das er sich konzentriert, auf den neueren Menschen in der richtigen Weise.

[ 8 ] At the present time the only valid method is for man to have an inner perception of the nature, the essential being of copper as I indicated yesterday and thus develop a sensitive response to the colour of burnished copper, to the behaviour of copper in copper sulphate solution. By concentrating and meditating upon this response, he will ensure that he reacts in the right way.

[ 9 ] Nun können Sie sagen: Ja, du hast aber dein Buch geschrieben «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», und da steht gar nichts drinnen, daß man sich in dieser Weise ins Kupfer versetzen soll. — Schön, es steht nicht drinnen. Aber es stehen andere Dinge drinnen. Vor allen Dingen, prinzipiell steht das schon in meinem Buche, nur nicht gerade für das Kupfer, sondern für andere Dinge. Es wird da beschrieben, wie man sich in die Natur von Kristallen, von Pflanzen und so weiter versetzen soll. Diese elementaren Übungen werden angegeben. Dann wird allerdings nicht gesagt, man solle die Natur des Kupfers kennenlernen; denn da müßte man nicht ein Buch, sondern eine Bibliothek schreiben. Es ist das aber auch nicht notwendig; denn es werden da Übungen gegeben, zum Beispiel Übungen im Selbstvertrauen, Konzentrationsübungen in bezug auf ganz bestimmte Inhalte. Ja, die decken sich mit dem, was ich eben darstellte von der Natur des Kupfers. Man sagt nicht, man soll vor sich die Natur des Kupfers haben, sondern man sagt: Versuche einmal, irgendeinen einfachen Inhalt zu nehmen und konzentriere dich auf diesen jeden Morgen und jeden Abend. Das heißt nämlich, nur mit anderen Worten ausgesprochen, sich auf die Natur des Kupfers konzentrieren. Es wird nur als Seeleninhalt das gegeben, was man auch in Anlehnung an die Metallität geben könnte.

[ 9 ] But, you will object, in my book, Knowledge of the Higher Worlds, there is no indication of what preparatory steps should be undertaken in order to develop this response to copper. That is so. But in principle the directives are given in my book, though copper is not specifically mentioned. A description is given of how one should enter into the being of crystals, plants, etc. and the preparatory exercises are indicated. But of course no information is given of how to meditate on the nature of copper; a whole library (rather than a book) would be needed for that. Nor was it necessary, since directives have already been given—exercises to promote self-confidence, for example, and exercises in concentration upon some specific theme or object. Such exercises, in effect, are already covered by what I have just said about the nature of copper. There is no specific statement to the effect that one should meditate upon the nature of copper. It is suggested that some simple subject or theme should be selected for purposes of meditation morning and evening. That is tantamount to meditating upon the nature of copper. Only that is given as a subject for meditation which could refer to its metallic nature.

[ 10 ] Sage ich jemandem: Du sollst dich auf einen bestimmten Seeleninhalt, zum Beispiel «Im Lichte strahlt Weisheit» jeden Morgen und jeden Abend konzentrieren, dann wirkt es, wenn er das wirklich tut, in seiner Seele. Und es wirkt gerade so, als wenn ich ihm gesagt hätte: Lerne die Natur des Kupfers nach allen Seiten kennen und konzentriere dich auf das Kupfer. — Nur ist das eine Mal vom Moralischen, das andere Mal vom rein Physikalischen, Chemischen ausgegangen. Und es ist für denjenigen, der nicht gerade Chemiker ist, viel besser, wenn er auf dem moralischen Wege in die geistige Welt hineinkommt.

[ 10 ] A meditation upon some specific theme such as “wisdom radiates in the light” has a decisive influence upon the inner life, if carried out in earnest. The effect would be the same as if someone were to explore the nature of copper from all angles and to concentrate on its physical aspect. In the first instance, our approach is from the moral standpoint, in the second, from the physical and chemical standpoint. It is far better for the non-chemist to enter the spiritual world from the moral standpoint.

[ 11 ] So also sehen Sie, wie diese Dinge sich verhalten müssen, weil der Weg, den man gehen würde in die geistigen Welten in Anlehnung an die Wege, die in den alten Mysterien gemacht worden sind, für den heutigen modernen Menschen ganz falsch wäre. Der richtige Weg ist heute derjenige, der das äußere naturhaft Physikalische ersetzt auf eine mehr moralische, seelische Art. Denn alle Zusammenhänge des Menschen mit der Natur sind eben anders geworden unter dem Einflusse der Entwickelung der menschlichen Körperlichkeit. Blutzusammensetzung, Gewebeflüssigkeit, Konstitution, sie sind ja alle heute anders als beidem Menschen des alten Chaldäa. Unser Körper ist ein anderer.

[ 11 ] It is necessary, therefore, to see things in their proper relationship, because it would be a mistake for the man of today to follow uncritically the methods of the ancient Mysteries in order to gain insight into the spiritual world. The right course for today is to replace the external, physical approach by a more moral and spiritual approach. With the development of his physical organism man's whole relationship to nature has been transformed. Composition of the blood, tissue fluid and the whole physical constitution are different today from those of the ancient Chaldeans.

[ 12 ] Der Anatom kann das nicht nachweisen. Erstens arbeitet der Anatom heute zumeist mit Leichen. Und wenn auch jüngst bei einer Naturforscherversammlung gesagt worden ist, um eine Art Notschrei in bezug auf die Naturwissenschaft zu erlassen: Gebt uns Leichen! die Anatomen finden nämlich, daß sie zu wenig Leichen haben, um alle Geheimnisse zu untersuchen —, chaldäische Leichen wird es doch sehr schwer sein, sich zu verschaffen, um diese Dinge zu untersuchen! [Und zweitens würde der Anatom auch nichts mit seinen groben Mitteln finden.] Die Dinge müssen schon auf geistigem Wege erforscht werden.

[ 12 ] This cannot be proved by anatomical analysis. In the first place, the anatomist spends most of his time dissecting corpses. Recently a scientific congress raised a cry of alarm and clamoured for more corpses. Anatomists found there was a shortage of corpses for investigating the hidden secrets of life. But it would not be easy to procure Chaldean corpses in order to pursue these investigations! In the second place, with his crude technique, the anatomist would find no answer to the hidden secrets of life; these must be explored by spiritual means.

[ 13 ] Also wir haben eine andere Körperlichkeit als die Alten. Und aus dem Grunde muß man etwas ganz bestimmtes sagen. Wir können auch heute hochpotenzierte Substanzen, Metallität zum Beispiel herstellen. Aber warum tun wir das? Ja, sehen Sie, gerade die tiefere Einsicht in das Wesen der Natur, die gibt einem die nötige Orientierung, Richtung. Wenn man den menschlichen Körper wirklich kennt, so weiß man, daß er durch alle die Metalle, die ich angeführt habe, Zinn, Kupfer, Blei und so weiter, daß er durch alle diese Metalle verändert wird. Und ich habe Ihnen ja die Veränderung zunächst durch die Veränderung der Bewußtseinszustände angegeben.

[ 13 ] Since our physical body is differently constituted from that of the ancients, one point must be clearly established. It is still possible today to dispense highly potentized substances, metal potencies, for example. What is the reason for this? The explanation is that we have a deeper insight into the real being of nature. If we really understand the nature of the human body, we know that its functioning is modified by the metals I have mentioned—tin, copper, lead, and so forth. And I have shown how they modify, in the first instance, the conditions of consciousness.

[ 14 ] Nun treten aber im menschlichen Körper auch im normalen Leben, wenn ich den philiströsen Ausdruck eben gebrauchen darf, Veränderungen auf. Sagen wir zum Beispiel, wir haben eine Veränderung in der Gegend, von der ich gestern gesagt habe, daß von ihr die Kupferwirkung ausstrahlt (siehe Zeichnung S$. 76). Nun, solch eine Veränderung drückt sich aus in allerlei Störungen der Verdauungsorgane, in allerlei Störungen des Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen, Störungen desjenigen Teiles des Menschen, der vorzugsweise mit dem Stoffwechsel, mit der Verdauung, mit der Verteilung der Nahrungsmittel im Körper zusammenhängt. Jede solche Störung im menschlichen Organismus, die man eine Krankheit nennt, ist aber auch verbunden mit dem Hervorrufen eines anderen Bewußtseinszustandes. Sie müssen das nur in seiner vollen Tragweite ins Auge fassen.

[ 14 ] Today, however, we are aware that changes take place in the body, even in normal life, if I may use such a mundane expression. Let us assume, for example, that we experience a change in that region of the body which radiates the activity of copper as I pointed out yesterday. Any such change is reflected in disturbances of the digestive organs, in the metabolic-limb system—in disturbances of the organs predominantly associated with metabolism, digestion and assimilation of nutrients. Every such disturbance in the human organization which we call dis-ease is also associated with the evocation of a different state of consciousness. The full implication of this must be borne in mind.

[ 15 ] Wenn Sie irgendwo ein krankes Organ haben, was bedeutet das? Nun, ich habe ja gestern gesagt: In der Gegenwart hat der Mensch seinen wachen Bewußtseinszustand im gewöhnlichen Leben durch sein Herz; die anderen Glieder der menschlichen Organisation haben andere Zustände, die kommen nur nicht herauf ins Bewußtsein. — Die Gegend Ihres Kehlkopfes mit alledem, was vom Kehlkopf aus mit dem Gehirn zusammenhängt, hat den nächsten Bewußtseinszustand, den ich neben dem gewöhnlichen gestern beschrieben habe, fortwährend. — Die Gegend hier, die Gegend der Verdauungsorgane, hat fortwährend den Bewußtseinszustand, der einen führt längs der Zeit, die die Toten nach dem Tode durchlaufen (siehe Zeichnung S$. 76). Da geht der Mensch immer mit. Jeder Mensch erlebt das Leben derjenigen Menschen, die er kennengelernt hat, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind. Aber er erlebt sie unter seinem Herzen, nicht im Herzen. Daher weiß er nichts davon. Daher bleibt es im Unterbewußtsein, Unbewußten.

[ 15 ] Now what is the significance of organic disease? I said yesterday that for the man of today his normal condition of waking consciousness lies in the heart centre. Other states of consciousness are associated with other organs, but they always remain in the subconscious. The region of the larynx, including the area extending from the larynx to the brain, lives continuously in a state of consciousness sequential to the normal state which I described yesterday. The region in the neighbourhood of the digestive organs shares the same time-scale as the dead after death. Man always participates in this state of consciousness. Everyone shares the after-death experiences of those he knew personally in life. But he experiences them below the heart, not in the heart. Therefore he knows nothing of this experience; it remains in the subconscious, below the threshold of consciousness.

[ 16 ] Wenn nun in derselben Gegend, in der der Mensch fortwährend das Leben der Toten in den Jahren nach dem Tode erlebt, eine Störung eintritt, wenn also eine Verdauungsstörung als Krankheit auftritt, so wird der Bewußtseinszustand da unten geändert. Unter dem Herzen tritt ein zu starkes Bewußtsein auf. Was heißt zum Beispiel, eine bestimmte Art von Magenkrankheit zu haben? Im physischen Leben heißt es natürlich dasjenige, was der Arzt physisch beschreibt. Und das, was ich hier vertrete, wird durchaus nicht das geringste gegen die physische Medizin einwenden. Sie wird voll anerkannt und gewürdigt. Wir stehen in der Anthroposophie nicht auf dem Standpunkte des Dilettantismus und der Laienhaftigkeit, der Scharlatanhaftigkeit, welche die physische Medizin ablehnt, sie kritisiert oder abkanzelt und dergleichen. Wir erkennen sie voll an. Aber daneben, daß der Mensch das an sich hat, was man in der physischen Medizin beschreibt, wenn einer eine bestimmte Art von Magenkrankheit hat, wird der Mensch durch eine solche Magenkrankheit geeigneter, das Leben der Menschen nach dem Tode, unmittelbar nach dem Tode zu verfolgen. Was kann man also vom spirituellen Standpunkte aus sagen?

[ 16 ] When some disturbance occurs, such as dyspepsia, for example, in that region where man is spiritually in touch with the dead, the consciousness below the heart centre is modified; it begins to operate too actively. What then is the explanation of a certain kind of gastric disorder? From the physical angle it is simply a label for the practitioner's diagnosis. Now the point of view presented here is in no way directed against a purely physical approach to medicine. I recognize and appreciate its value. As Anthroposophists we do not adopt the attitude of the dilettante, the amateur or the charlatan who disparage or criticize orthodox medicine. We fully accept its findings. When a person suffers from a gastric disorder, the symptoms can be diagnosed physically; but as a result of his gastric condition he is more able to share in the life of the dead immediately after their death. Of course a physical diagnosis is made before therapeutic treatment can begin.

[ 17 ] Man beschreibt zunächst selbstverständlich, damit man die Therapie angeben kann und so weiter, die Krankheit im physischen Sinne. Aber vom spirituellen Sinne aus könnte man sagen: Der Mensch hat den Drang, mit den Toten, die er gekannt hat, mitzugehen nach dem Tode. Aber er hat nicht die Fähigkeit, in das Bewußtsein, das unter seinem Herzen liegt, hinunterzukommen. Er weiß nicht, daß er in die Region der Toten geht. Das ist die spirituelle Seite der Krankheit. Man ist magenkrank, weil man zuviel mit Toten zusammen ist. Aber indem Augenblicke, wo man zuviel mit Toten zusammen ist, wirken die Toten auch zu stark. Es kommt aus der Welt, von der ich gestern gesagt habe, daß sie realer ist als die physische Welt, sehr viel herein in uns. Und wenn Sie eine Waage haben, die hier unterstützt ist (es wird gezeichnet), hier die Waagschalen sind, und da die Waage zu stark heruntersinkt, und Sie wieder Gleichgewicht hervorrufen wollen, da müssen Sie auf die andere Seite ein größeres Gewicht legen. Wenn die Waage aus dem Gleichgewicht gekommen ist, müssen Sie auf die andere Waagschale ein größeres Gewicht legen.

[ 17 ] From the spiritual standpoint we would say that such a person feels impelled to preserve, after their death, his spiritual link with the souls he has known on Earth. But he is unable to enter into the consciousness that lies below the heart. He is unaware that he is in communion with the dead. That is the spiritual aspect of such a complaint. Gastric disorders arise because one is too much attached to the dead. Under such conditions one is dominated by the dead. We are strongly influenced by that world which, as I indicated yesterday, is so much more real than the physical world. Let us imagine we have a balance in front of us. If the pointer is deflected, the zero reading is restored by loading the other scale-pan.

[ 18 ] Nehmen wir nun an, ein Mensch hat unter seinem Herzen ein so empfindliches Bewußtsein ausgebildet — aber es bleibt ihm unbewußt —, daß er zuviel mit Toten mitgeht, dann ist das wie ein Herabsenken der einen Waagschale bei der Waage. Das wird zu stark. Da muß man ein Gewicht auf die andere Waagschale legen. Wie tut man das?

[ 18 ] The state of disbalance in a person who has developed such abnormal sensitivity in this consciousness below the heart that he is too attached to the dead—and he is quite unconscious of this—is analogous to the scale-pan that is loaded on the one side. Equilibrium is restored by adding an equivalent load to the other side.

[ 19 ] Wenn hier (es wird auf die Zeichnung S. 76 hingewiesen) ein zu starkes Bewußtsein ist, muß man das Bewußtsein hier (rot) schwächer machen, denn im Herzen ist die Mitte des Waagebalkens (orange). Sie müssen also hier das Bewußtsein schwächer machen in dieser Region. Wie tun Sie das? Sie geben dem Menschen Kupfer. Ich habe Ihnen ja gesagt, der moderne Mensch ist so organisiert in seinem Leib, daß das Kupfer auf die Kehlkopforgane wirkt. Aber Verdauungsorgane und Kehlkopforgane stehen in so naher Verbindung miteinander, wie der eine Waagebalken mit dem anderen. Man kann das eine durch das andere regulieren. Gibt man dem Menschen entsprechend dosiertes Kupfer, so geht er zu seinem Heile wieder mehr an der Region der Toten vorbei, während er sonst immer mehr in der Region der Toten bleibt. Das ist die spirituelle Seite der Heilung.

[ 19 ] Thus, if the consciousness below the heart is too active, the consciousness in the region of the larynx must be diminished; the heart lies between, it acts as a regulator and it is the knife edge on which the beam of the balance oscillates. Equilibrium is restored by administering copper. I have already pointed out that man's body today is constituted in such a way that the larynx reacts to copper. The metabolic and laryngeal systems are as closely related as the two sides of the balance. One may be adjusted by means of the other. If suitable doses of copper are administered, the patient is inclined to withdraw somewhat from the realm of the dead and thereby benefits in health, whereas otherwise he is increasingly identified with it. That is the spiritual aspect of healing.

[ 20 ] Daher muß man heute sagen: Alle Substanzen, alle Substantialitäten haben eine physische Seite und eine moralische Seite, wie ich es vorhin beschrieben habe. Die physische Seite konnte von den alten Initiaten für ihre Schüler nach langer Trainierung so benützt werden, wie ich es gesagt habe; sie darf heute nicht mehr so benützt werden. Heute gehört die moralische Substanz in das Gebiet der seelischen Entwickelung; die physische Substanz gehört dem Arzt. Und mit Bezug auf die moralische Seite handelt es sich nur darum, daß derjenige, der die physische Seite kennt, auch die Möglichkeiten hat, in die physische Seite der Substanzen tief einzudringen, daß der auch unterstützt wird von der Erkenntnis der moralischen Seite der Substanzen.

[ 20 ] Today we know, therefore, that all substances have both a physical and moral aspect. The old Initiates could make use of the physical aspect for the benefit of their pupils but only after their pupils had undergone extensive training. It should no longer be used in the same way today. Today the moral attributes are the province of psychic development, the physical attributes that of the doctor. It is important that the man who is familiar with the physical side of substances and has occasion to make a detailed study of this aspect should also supplement his information by a knowledge of the moral side.

[ 21 ] Aber das muß für das heutige Erkennen, für das praktische Erkennen auf dem Gebiet spiritueller Wege streng eingehalten werden. Die physische Seite der Substantialität gehört dem Arzt; die moralische Seite gehört dahin, wo seelische Entwickelung ist. Denn die menschlichen Organismen haben sich eben ganz prinzipiell geändert seit alten Zeiten. Und so intim einmal der Zusammenhang war zwischen der Erkenntnis der moralischen Seite der Substanzen und der physischen, so intiim muß er wieder werden, nachdem er verloren worden ist. Ich werde gleich nachher über diesen Verlust sprechen. Aber das Verhältnis, das besteht zum Beispiel zwischen physischer medizinischer Wissenschaft und moralischer Wissenschaft, das muß trotzdem ein anderes sein heute, als es im grauen Altertum war. In beiden Fällen muß dieses Verhältnis bestehen. Aber es ist ein anderes heute, als es im Altertum war. Und auf der Erkenntnis solcher Dinge beruht die Einsicht, welches wahre und welches falsche Wege sind in die spirituelle Welt hinein.

[ 21 ] This must be strictly adhered to for present day perception and for practical perception in the field of spiritual methods. The human organism has changed radically with the passage of time and the close relationship that used to exist between the knowledge of the moral and physical aspect of substances has been lost and must be restored again. I shall have more to say presently about the loss of this relationship. The relationship between medical science with its predominantly physical outlook and spiritual science must none the less be different today from that of the remote past. In both cases this relationship must continue, but it will assume a different form today. It is upon the knowledge of such things that our ability to distinguish between the true and false paths in spiritual investigation depends.

[ 22 ] Veränderungen in der Stellung des Menschen zur Erkenntnis im Laufe der Geschichte

[ 22 ] Not translated

[ 23 ] Nun, es wird uns etwas nützen, wenn wir, um das, was ich ausgeführt habe, etwas mehr zu beleuchten, einen Blick werfen auf Veränderungen, die seit langen Zeiten in der ganzen Stellung des Menschen zur Erkenntnis vor sich gegangen sind. Gehen wir von der Gegenwart aus und gehen wir ein wenig zurück in der Entwickelung der Menschheit, um zu sehen, wie verschieden man auf dem Gebiete der Erkenntnis, der Forschung, über die Dinge gesprochen hat. Wir reden heute, wenn wir unseren Blick auf jene großen, wunderbaren Fortschritte werfen, die in der Erkenntnis von Wärmekräften, von Elektrizitätskräften, aber auch von Kräften in lebendigen Organismen in der neueren Zeit heraufgekommen sind, wir reden von der Natur und reden von der Naturerkenntnis, von der Naturwissenschaft, in England von der Naturphilosophie.

[ 23 ] A brief review of man's whole attitude to knowledge over the centuries may help to throw further light upon what I have already discussed. Let us look at the evolution of mankind in retrospect, when the interpretation of knowledge and research was so very different. The enormous advances made in recent times in the knowledge of thermo- and electro-dynamics and of living organisms are c1assffied today under nature, natural history, natural science and, in England, natural philosophy. The way nature is presented in schools today is highly abstract. Nature is seen as a sum of “natural laws”—that is the expression used—which children are expected to memorize. And the abstract character of this study is carried over into life.

[ 24 ] Wenn wir dasjenige überschauen, was man in den Schulen, schon in den untersten Schulen heute, in den gewöhnlichen Primarschulen, als Natur bezeichnet, so ist das etwas außerordentlich Abstraktes. Es ist die Summe von Naturgesetzen, wie man sagt, die man lernen muß, etwas außerordentlich Abstraktes. Und die Abstraktheit der Sache drückt sich ja auch im Leben aus. Denken Sie nur, wie abstrakt fühlt und empfindet heute selbst der enthusiastischste Student der Naturwissenschaft. Er muß, sagen wir in der Botanik, viele Namen auswendig lernen von Pflanzen und Pflanzengattungen, in der Zoologie von Tieren und Tiergattungen. Er vergißt sie wieder, muß sie immer und immer wieder lernen, wenn er Examen machen will. Und nach dem Examen vergißt er sie erst recht. Dann schaut er sie nach, wenn er sie braucht, in den Handbüchern. Und man kann nicht gerade sagen, daß das Verhältnis eines Menschen, der heute Botanik oder Zoologie studiert, zu Botanik oder Zoologie etwa wie das Verhältnis eines Menschen zu einer geliebten Persönlichkeit ist. Das kann man nicht sagen. Das ist heute nicht so.

[ 24 ] Consider how cold and abstract even the most enthusiastic student finds natural science today. In botany he is obliged to learn by heart lists of botanical terms for plants and plant species, in zoology, the names and classifications of animals and animal species. He soon forgets them and has to go over the ground again and again for examination purposes. And after the examination he often forgets them completely; should he need them again, he looks them up in a book of reference. It could hardly be said that a student of today has the same relationship to botany and zoology as he has to some personality to whom he is devoted. That is out of the question.

[ 25 ] Natur ist etwas, was im Nebel verschwimmit. Es sind viele Gesetze: Gesetze über Schwerkraft, Gesetze über Wärme, Gesetze über Licht, Gesetze über Elektrizität, Gesetze über Magnetismus, Gesetze über Dampf und Wasser und Gleichgewicht und Verschiedenheit des Gleichgewichtes; Naturwissenschaft, Naturerkenntnis ist, was man weiß über Steine und Pflanzen. Naturwissenschaft ist auch dasjenige, von dem man sagt, daß man es nicht weiß, über das Leben der inneren Konstitution der Organe der Pflanzen, der Tiere, der Menschen, kurz, vieles, von dem man heute sagt, daß man es weiß, vieles, von dem man sagt, daß man es nicht weiß. Das ist heute Naturwissenschaft, ist Naturphilosophie.

[ 25 ] Nature today has become something vague and nebulous, a catalogue of laws of gravitation, heat, light, electricity, magnetism—the laws of mechanics. Natural science and natural history deal with the study of stones and plants. But natural science includes in addition the life and inner constitution of the organs of plants, animals and man of which we are admittedly ignorant. In brief, natural science and natural philosophy today include much that we claim to know and much of which we are totally ignorant.

[ 26 ] Aber es ist etwas, dem man nicht so recht einen warmen Händedruck geben kann, denn es ist alles verschwommen, es ist alles dünn und abstrakt gedacht. Wir strengen uns heute an, dieses Abstraktum «Natur» zu bezwingen. Manche sind, das können wir schon sagen, diesem Abstraktum der Natur gegenüber etwas gleichgültig geworden. Wir bewahren eine wohlwollende Neutralität, wenn wir nicht zur völligen Jugend gehören, die ja in Opposition heute stark aufmuckt gegen dasjenige, was als Naturwissenschaft in den Schulen getrieben wird; wir bekennen uns zu einer wohlwollenden Neutralität. So war es nicht immer. Und ich möchte jetzt zunächst die Erkenntnisstimmungen ein wenig nach älteren Jahrhunderten hin charakterisieren.

[ 26 ] Now this is a state of affairs that hardly inspires confidence; everything is so nebulous and confused, the thinking so superficial and abstract. Nowadays we strive manfully to master this abstraction we call “nature” and many, it must be admitted, have grown somewhat indifferent to this abstract approach. And if we do not belong to the younger generation which is in active revolt against what is being taught in our schools as natural science, we adopt an attitude of benevolent neutrality. This was not always the case. I should like now to characterize briefly the attitude to knowledge a few centuries ago.

[ 27 ] Wenn wir zum Beispiel zurückkommen so in das 9., 10., 11. Jahrhundert, auch ins 12., 13. Jahrhundert, aber da schon sehr wenig, da kommen wir zu Menschen, die wir, wenn wir heute das Wort anwenden würden, gelehrte Menschen, Wissenschafter nennen würden. Wir kommen da zurück zu jenen großartigen Gelehrten im Sinne der damaligen Zeit, die in der bedeutsamen Schule von Chartres im 11., 12. Jahrhundert gelehrt haben, kommen zurück zu Bernardus Silvestris, zu Bernardus von Chartres, zu Alanus ab Insulis. Wir kommen zurück dann zu solchen Persönlichkeiten, die in der damaligen Zeit noch, ich möchte sagen, mit dem Typus des Eingeweihten unter anderen Menschen herumgingen, mit dem Typus eines Menschen, der viel weiß um die Geheimnisse des Daseins, wie jener großartige, im Sinne des Mittelalters noch initiierte Joachim de Fiore, oder zu jener großartigen Persönlichkeit, die auch in jener Zeit gewirkt hat, die der Welt bekanntgeworden ist unter dem Namen Johannes von Auville. Ich erwähne diese Persönlichkeiten, zu denen ich auch viele andere hinzufügen könnte, deshalb, um in die Zeit hineinzukommen, um die Stimmung der Zeit in bezug auf die Erkenntnis zu charakterisieren.

[ 27 ] When we look back to the ninth, tenth, eleventh and even to the twelfth and thirteenth centuries we come across men—though they were considerably fewer at that time—whom we should describe today as savants, men adjudged to be the outstanding scholars of their day, who taught in the famous School of Chartres in the eleventh and twelfth centuries, such as Bernardus Silvestris, Bernard of Chartres, Alanus ab Insulis. These personalities were still fortunate enough at that time to be associated with Initiates, men who had profound insight into the mysteries of existence, such as the famous medieval Initiate Joachim of Fiore or that other illustrious personality known to the world as John of Hanville.1or Hauteville; in Latin, Altavilla. His work Architrenius (1184) is mentioned in one of Rudolf Steiner's notebooks. The work is a long epic describing the allegorical journey of a young man seeking the help and counsel of the Goddess Natura. I mention these names, to which many others could be added, in order to evoke the spirit of the age, in order to characterize the attitude towards knowledge that was prevalent at the time.

[ 28 ] Wenn man diesen Menschen mit der Seele gegenübersteht und sie reden von Natur, dann ist das eine ganz andere Sache, als wenn wir heute von Natur reden. Wenn man heute so einen Botaniker oder einen Pathologie-Anatomen oder einen Histologen trifft, ja, man hat so selten das Gefühl, daß seine Physiognomie, die er einem entgegenbringt, von den Geheimnissen der pathologischen Anatomie oder der Zoologie kommt. Man hat viel eher das Gefühl, wenn man heute solch einem Pathologie- Anatomen oder Histologen oder auch einem Therapeuten entgegentritt, daß die Physiognomie eher von dem Tänzchen kommt, das er am vorhergehenden Tag da oder dort getanzt hat. Man sieht durch diese Physiognomien eher in diese artigen Verhältnisse hinein, als auf dasjenige, was er erlebt aus den Geheimnissen der Natur heraus. So war es ganz gewiß nicht, wenn man einem Joachim de Fiore in die Augen geschaut hat oder einem Alanus ab Insulis oder einem Bernardus Silvestris, die in jenem Zeitalter gelebt haben, von dem ich eben gesprochen habe. Es ruhte auf dem Antlitz dieser Leute etwas von einem tragischen Zug, etwas von dem, was einem sagte: Wir leben in einem Zeitalter, das viel verloren hat. — Etwas Tragisch-Trauriges, möchte ich sagen, lebte aus der Vertiefung in die Erkenntnis auf dem Antlitze jener Leute.

[ 28 ] When we enter into the spiritual outlook of such personalities, we find that their conception of nature is wholly different from our own. In the case of the typical botanist, pathologist or histologist of today, the expression on his face belies any deep interest in the mysteries of pathology or anatomy; it reflects rather the memories of the dance he had attended the night before. We learn more about the festive occasion than about the mysteries of nature! It was a very different matter to look into the eyes of a Joachim of Fiore, an Alanus ab Insulis or a Bernardus Silvestris. Tragedy was written on their countenances. They felt they were living in an epoch which had suffered irreparable loss. And the growing realization of this loss filled their hearts with tragic sorrow.

[ 29 ] Daneben wiederum — wenn man gesehen haben würde die Finger dieser Leute, diese Finger, die der heutige dekadente Mensch nervöse Finger nennen würde, die aber in sich hatten das lebende Zeugnis davon, daß diese Leute wiederum schürfen und arbeiten wollten in den alten Geheimnissen, von denen ihr Antlitz ausdrückte, daß sie verloren worden sind, dann würde man bemerkt haben: in diesen Menschen arbeitet etwas, das wieder heraufbringen möchte dasjenige, was in alten Zeiten da war. Manchmal ist ihnen das gelungen. Manchmal ist es ihnen gelungen, wieder die alten Zeiten, wenn auch im Schattenbilde, heraufzuzaubern vor ihren Schülern.

[ 29 ] Or again, if we had looked at their fingers, fingers which the modern decadent world would describe as ‘nervous,’ sensitive fingers, which bore living witness to their desire to probe into those ancient mysteries, the loss of which was written on their faces, we should have perceived a yearning to revive the ancient wisdom of the past. There were brief moments when they were able to conjure up pictures of those ancient times for their pupils; but they were only phantom images.

[ 30 ] Man kann sich schon vorstellen — es ist nicht ein poetisches Bild, das ich vor Sie hinstelle, es ist eine Wirklichkeit, meine sehr verehrten Anwesenden —, man kann sich schon vorstellen die Schule von Chartres, wo heute noch die wunderschöne Kathedrale ist, lehrend Alanus ab Insulis, sprechend zu seinen Schülern von der Natur, etwa sagend: Die Natur — ein Wesen, das wir nicht mehr fassen können, das sich uns entzieht, wenn wir ihm nahen wollen. Die Menschheit hat Kräfte entwickelt, die sie zu anderen Dingen hinführen, die aber nicht mehr fähig sind, so die Natur zu erfassen, wie die Natur in alten Zeiten von den Erkennenden erfaßt worden ist. Denn die Natur war ein mächtig großes Geistwesen, das überall gewirkt hat, da, wo die Steine im Gebirge sich gebildet haben, da, wo die Pflanzen aus dem Erdboden herausgewachsen sind, da, wo die Sterne am Himmel funkelten. Überall webte ein unermeßlich großes Wesen, das sich in der Gestalt eines wunderbaren Weibes darstellt. Das sahen die Alten mit ihrem Schauen. Wir können uns nach den Angaben, welche die Alten gemacht haben, noch Vorstellungen davon bilden, was die Natur war, dieses überall Weben, Wirken, das in allem Umgebenden, in aller Wärme, in allen Lichterscheinungen, in allen Farbenerscheinungen, in allen Lebenserscheinungen lebt und webt. Aber es entschlüpft uns, wenn wir ihm nahen wollen. Denn lebend-webend ist die Göttin Natura in allem. Eine Göttin, ein göttlich-geistiges Wesen, von dem man wußte, man kann es in seiner Wesenheit nur erkennen, wenn man es anschauen kann.

[ 30 ] Now what I am about to depict to you is no poetic fantasy, but a reality. We can visualize Alanus ab Insulis of the School of Chartres, where the magnificent Cathedral still stands today, speaking to his pupils about nature and saying: Nature is a Being who eludes us when we draw near to her. Man now directs his energies to other ends; he no longer shares that intuitive understanding of nature which the sages of former times once possessed. Nature, in their eyes, was a majestic Being endowed with spirit, operating everywhere—where rock formations were created, where plants sprang out of the Earth, and jewelled stars sparkled in the heavens. Everywhere a Being of infinite grandeur was at work, who revealed herself in the wondrous form of a woman weaving nature's web. The ancients experienced this intuitively. From their descriptions we can still picture how nature appeared in their eyes, weaving and working in all around, in the manifestations of warmth, light, colour and life. They realized that the Goddess Natura was a divine-spiritual Being whose real essence could be known only through direct perception.

[ 31 ] Solche Vorstellungen machte im 12. Jahrhundert noch solch eine Persönlichkeit wie Alanus ab Insulis seinen Schülern in der Schule von Chartres klar. Aber weil man im Nebel sich auflösend diese Göttin Natura sah, mit der Lebendigkeit all dessen, was wir heute als abstrakte, tote Naturgesetze finden, weil sie einem gleich wieder entschlüpfte, deshalb war dieser tragische, traurige Zug auf den Antlitzen dieser Menschen.

[ 31 ] A personality such as Alanus ab Insulis was still able to present such conceptions to his pupils in the School of Chartres. But because the Initiates saw this old conception of the Goddess Natura gradually fade and die, saw replete with life and vitality the nature that we today regard as dead and abstract because we have lost touch with her, sorrow and tragedy were written on their faces.

[ 32 ] Und dann gab es etwa solche Menschen, wie der große Lehrer des Dante war, Brunetto Latini, der durch einen besonderen karmischen Fall, daß er eine Art von Sonnenstich bei einer Wanderung bekommen hat — was viel wichtiger war als der Schmerz, den er über die Vertreibung der Welfen aus seiner Vaterstadt bekommen hatte —, der dadurch, daß sein Bewußtseinszustand infolgedessen ein anderer geworden war, noch wahrnehmen konnte diese Göttin Natura, wie er es in seinem Buche «Tesoretto» beschreibt. Und er schildert ganz anschaulich, in lebendiger Imagination, wie er auf dem Heimweg nach seiner Vaterstadt Florenz durch einen öden Wald kommt, wie er in diesem öden Wald an einen Berg herantritt, auf diesem Berge wirkend sieht die Göttin Natura, wie die Göttin Natura nun ihn aufklärt, was die menschliche Seele im Denken, Fühlen und Wollen ist, wie sie ihn aber auch aufklärt, was die vier Temperamente des Menschen ihrem Wesen nach sind, wie sie ihn auch aufklärt, was die fünf Sinne des Menschen sind.

[ 32 ] Then, again, we hear of such men as Brunetto Latini, Dante's famous teacher. During his travels, through some strange karmic incident, he suffered a heat-stroke which produced a change of consciousness. This event was far more important for his development than the sufferings he endured when the last of the Guelphs were expelled from his native city. Because of this transformation of consciousness he was still able to perceive this Goddess Natura and described her in his book Tesoretto. He gives a graphic description, imaginatively inspired, of how, on his homeward journey to his native Florence, he came upon a hill in the midst of a desolate forest and on this hill he saw the Goddess Natura weaving at her loom. She revealed to him the significance of thinking, feeling and willing for the human soul the intrinsic nature of the four temperaments and the function of the five senses.

[ 33 ] Das war alles eine wirkliche geistig-seelische Unterweisung, eine Realität, die er durchmachte unter dem Einfluß eines pathologischen Zustandes, als er von Spanien wiederum zurückkehrte nach seiner Vaterstadt Florenz. Und als er das alles durchgemacht hatte, sah er das Weben und Wesen der vier Elemente, Feuer, Erde, Wasser, Luft, sah das Weben und Wesen der Planeten, das Hinausgehen der menschlichen Seele in den Sternenhimmel. Das alles sah er unter dem Einfluß einer Geistlehre, die ihm zukam von der Göttin Natura.

[ 33 ] And the eyes of his spirit and soul were opened. This experience on his homeward journey from Spain to his native Florence under the influence of a depressed, pathological condition was a spiritual reality. As a result of this inward transformation, he saw the weaving life of the four Elements, fire, earth, water and air, the flux and movement of the planets and the soul emerging from the body into the Cosmos. All this he experienced under the influence of a spiritual teaching at the hands of the Goddess Natura.

[ 34 ] Das alles schildert ein Mensch der damaligen Zeit so anschaulich, wie es der heutigen Sprache nur irgend noch möglich ist. Zugleich aber hat man das Gefühl, er empfindet: Die anderen, die Alten haben das noch ganz anders gewußt; es entschlüpft einem heute immer. Man muß sogar in einen herabgestimmten, pathologischen Zustand kommen, wenn man in diese Geheimnisse noch hineinschauen will.

[ 34 ] These experiences were described by the men of that epoch with a clarity and concreteness that could scarcely be bettered today. At the same time, they felt that the ancients had experienced this knowledge in a different way and that in the course of time it had gradually been lost. In order to revive the knowledge of these mysteries it was necessary to induce a pathological condition. And they felt an irresistible urge to keep alive the real image of Natura.

[ 35 ] Aber ein ungeheurer Drang war in diesen Menschen, wiederum heraufzuzaubern so etwas, wie es die wirkliche Gestalt der Natura ist. Und sehen Sie, wenn wir so diesen Gang zurückmachen im menschlichen Empfinden, im menschlichen Denken gegenüber der Erkenntnis, dann haben wir das Gefühl: Nun ja, wir stehen auch heute vor der Natur, aber wir bezeichnen sie mit einem Namen, der etwas ganz Abstraktes, eine Summe von Gesetzen ist. Wir sind stolz darauf, wenn wir diese Gesetze nur einigermaßen in einer Harmonie zusammenfassen. Wir gehen einige Jahrhunderte zurück. Wir schauen ein lebendiges Verhältnis, das der Mensch zu einem göttlichen Wesen hatte, das webte und lebte und all dasjenige wirkte, was an Erscheinungen auftrat: den Aufgang der Sonne, den Untergang der Sonne, die Erwärmung der Steine, die Erwärmung der Pflanzen, die all das im lebendigen Weben und Treiben wirkt. Denken Sie, was das für eine ganz andere Wissenschaft ist! Die Wissenschaft enthielt die Taten der Göttin Natura. Es war schon auch ein Unterschied zwischen der Stimmung, wenn die Studenten von Chartres herauskamen — Zisterziensermönche waren sie zumeist —, und derjenigen Stimmung, die heute Studenten haben, welche aus der Schule herauskommen; es war schon etwas anderes und etwas Lebendigeres, etwas Wesenhafteres. Und ganz lebendig Wesenhaftes wird es eben in solchen Schilderungen wie der des Brunetto Latini, des großen Lehrers des Dante.

[ 35 ] And when in retrospect we review man's whole attitude to nature knowledge, we feel that our approach to nature is abstract, that nature is a catalogue of laws. We are proud if we can see these laws even to some extent as a related whole. If we look back a few centuries we see that a living relationship existed between man and a divine Being who was living, weaving and working in natural phenomena—in the rising and setting of the Sun, in the transmission of warmth to the stones and plants, a warmth that is actively operating within all this life, growth and proliferation. How different was a science that took into account the activities of the Goddess Natura. The mood in which the students of the School of Chartres—the majority were of the Cistercian Order—came out of their lectures was vastly different from the mood of students leaving their lecture-rooms today! Their response was vitally alive and a deeper expression of their inner being. And the same living reality is reflected in the descriptions of such men as Brunetto Latini, the celebrated teacher of Dante.

[ 36 ] Daß das lebendig war, kann man sich ja vorstellen, denn all die herrlichen Bilder und Gestalten, die Dante in seiner «Commedia» hingemalt hat, sind ja hervorgegangen aus den lebendigen Schilderungen seines durch einen karmischen Fall eingeweihten Lehrers Brunetto Latini; wie ja auch viel von dem, was dann in solchen Schulen wie Chartres und anderen gelehrt worden ist, hervorgegangen ist aus solchen Eingeweihten wie Joachim de Fiore und anderen.

[ 36 ] The vigorous, creative spirit of the time can readily be imagined, for the characters and splendid pictorial descriptions of Dante's Commedia are inspired by the graphic descriptions of his teacher Brunetto Latini who owed his Initiation to a karmic incident. And the School of Chartres and other Schools were indebted to Initiates such as Joachim of Fiore and others for much of the instruction given at the time.

[ 37 ] Man hat dazumal den Ausdruck «Natura» gebraucht, aber nicht so abstrakt wie wir, sondern für etwas, was da ist, was in den äußeren Sinneserscheinungen wirkt, aber sich zurückzieht, einem entschlüpft. Und dann war noch etwas anderes. Nehmen Sie an — wiederum schildere ich nicht ein poetisches Bild, sondern etwas, was durchaus Realität war —, nehmen Sie an, man wäre schon als ein etwas bejahrter Student im Kolleg gesessen, so nennt man es ja wohl auch, des Alanus ab Insulis. Man hätte das mitgemacht, was da sich abgespielt hat. Die Studenten wären entlassen worden, und man wäre mit Alanus ab Insulis einsam auf einem Spaziergang weitergegangen, das besprechend, was vorgekommen war. Was hätte man da erfahren?

[ 37 ] The term Natura was not used in our abstract sense; it implied something operating creatively in external sensible phenomena, but which remained veiled and escaped one's gaze. Another factor must also be taken into consideration. Let us assume—and again I am describing a fundamental reality, not some poetic fantasy—that, as an elderly student, you had attended a course of lectures given by Alanus ab Insulis and had taken part in the discussions; the students had been dismissed and you were walking alone with Alanus ab Insulis discussing the problems at issue.

[ 38 ] Ja, solch ein Gespräch hätte eine besondere Form annehmen können. Man hätte sprechen können von dieser Göttin Natura, die einem sich offenbart in den Erscheinungen der äußeren physisch-sinnlichen Welt, die einem aber entschlüpft. Dann würde Alanus ab Insulis, wenn er nun auch warm geworden war in der seelischen Unterhaltung, einem auf die Schulter geklopft haben und gesagt haben: Ach, hätten wir noch jenen Schlafzustand, den die Alten hatten, dann würden wir die andere Seite, die verborgene Seite der Göttin Natura kennenlernen. Aber wir schlafen ja hinein in das Unbewußte, wo sich den Alten gerade die andere Seite der Natur geoffenbart hat. Könnten wir noch so schlafen, so hellsichtig schlafen wie die Alten, dann würden wir die Göttin Natura kennen. — So sprechend, hätte einem Alanus ab Insulis auf die Schulter geklopft.

[ 38 ] The conversation might have turned upon some particular point. You might have spoken of the Goddess Natura who manifests herself in the phenomenal world, but who is veiled from you. Then Alanus ab Insulis who had warmed to the discussion would have said: If we still shared in our life of sleep the condition formerly possessed by the ancients, we would be in touch with the hidden side of nature. Our sleep leads to oblivion; but it was precisely in the unconscious that the ancients were in contact with the hidden side of nature. Could we but experience again the clairvoyant sleep of the ancients, we should know the Goddess Natura.

[ 39 ] Und wäre man auch in einem solchen Falle in ein vertrauliches Gespräch mit Joachim de Fiore gekommen, dann hätte er nach einiger Zeit gesagt: Ja, es wird uns schwer, gegenüber unserem inhaltsarmen Schlafe, der das Bewußtsein ganz herabdämpft, die andere Seite der Natura, der großen Göttin kennenzulernen, die da schafft und webt in allem Schaffenden und Webenden. Die Alten haben sie gekannt nach ihren beiden Seiten. Und weißt du — würde er einem gesagt haben —, die Alten haben nicht das Wort «Natura» gebraucht. Sie haben nicht gesagt, von dem Wesen, das wir heute mehr ahnen, als daß wir viel von ihm wissen: es ist die Göttin Natura. Sie haben ein anderes Wort gebraucht. Sie haben das Wort «Proserpina» gebraucht. Das ist die Wahrheit.

[ 39 ] And if, in a similar situation, you had been engaged in intimate conversation with Joachim of Fiore, he would have replied: our sleep is devoid of content, our consciousness is obliterated. It would be difficult therefore to know the Goddess Natura weaving and working in all created things. The ancients were aware of her hidden and her visible aspects. They never used the term Natura. They never maintained that the Being whose presence we vaguely sense, but do not know, was the Goddess Natura. They gave her another name—Proserpina, or Persephone.

[ 40 ] Davon hat man auch in der damaligen Zeit noch gewußt. Unsere abstrakte Natur, die wir in den Ideen tragen, ist die Umwandlung dessen, was ich Ihnen eben beschrieben habe. Und was gelebt hat in den Seelen von Persönlichkeiten wie Bernardus Silvestris, Alanus ab Insulis, Johannes von Auville, und in solchen Persönlichkeiten vor allen Dingen wie Brunetto Latini, was in ihnen gelebt hat, ist die Umwandlung dessen, was die Alten in der Proserpina gesehen haben, der Tochter der Demeter. Demeter, das ganze Weltenall, Proserpina! Es ist schon ganz philiströs, wenn man nun das neuere Wort ausspricht, [für] Proserpina: die Natur. Die Natur, die nur die Hälfte ihrer Zeit auf der Oberweltbleiben kann, das heißt, ihre physisch-sinnliche Seite zuwendet dem Menschen, die andere Hälfte des Lebens hinuntersteigt in jene Regionen, die der Mensch mit dem Schlafe erreicht, die er aber, weil der Schlaf wesensinhaltslos geworden ist, in der neueren Zeit nicht mehr erreicht.

[ 40 ] This was common knowledge in those days. What I have just described has been transformed into our abstract conception of nature. And what lived in the souls of such men as Bernardus Silvestris, Alanus ab Insulis, John of Hanville, and above all in Brunetto Latini, was a transformation of the Goddess whom the ancients saw as Proserpina, the daughter of Demeter—the entire universe; Proserpina (the modern term sounds commonplace)—nature, nature who can live only half of her life in the upper world, who reveals only her physical and sensuous aspect to mankind, whilst the other half of her life is spent in those realms where man dwells in sleep, realms which man can no longer inhabit today because his sleep is emptied of true reality.

[ 41 ] Unsere Naturerkenntnis ist, ohne daß man ihr das heute in ihrer Abstraktheit ansehen könnte, eine Nachahmung desjenigen, was in dem Proserpina-Mythos im alten Griechenland lebte. Daß das empfunden wurde von den Persönlichkeiten mit dem tragischen Antlitz, deren Namen ich Ihnen angeführt habe, daß das in jener Zeit selbst noch empfunden werden konnte, das ruft schon eine Vorstellung davon hervor, wie die Wege der Erkenntnis sich geändert haben.

[ 41 ] Our knowledge of nature, though we are unable to realize it owing to our present abstract conception, is an echo of what once lived in the old Greek myth of Persephone. The fact that the men of sorrowful countenance were aware of this and that it could still be known in their day, shows how much the paths of knowledge have changed with the passage of time.

[ 42 ] Aber die richtige Färbung von so etwas, wie ich es auch heute wiederum im ersten Teil meiner Rede gesagt habe, die richtige Färbung dafür bekommt man doch nur, wenn man so zurückblickt auf die Art und Weise, wie einmal Erkenntnis war. Nicht um alte Erkenntnisse wiederum heraufzubeschwören, sondern um ein Gefühl hervorzurufen, was einmal Erkenntnis war, gebe ich solche Schilderungen.

[ 42 ] As I said in the earlier part of my lecture, we can only develop the right feeling for, and sense the subtle distinctions in these things, when we review in retrospect the nature of the knowledge that once existed. I have quoted these examples, not with the idea of reviving ancient forms of knowledge, but in order to call attention to the kind of knowledge that was prevalent in former times.

[ 43 ] Bilder aus alten Zeiten

[ 43 ] Not translated

[ 44 ] Wenn man in der Seele den Ausspruch festhalten will, den etwa Joachim de Fiore oder Johannes von Auville, einem auf die Schultern klopfend, im Mittelalter sagen konnte: Was wir heute als Natur ansehen, oder was auch entschwindet, weil wir es nicht erreichen können auf der anderen Seite des Lebens, das war einstmals Proserpina —, und wenn einem der Proserpina-Mythus — als Mythus ist er ja nur erhalten — in der Seele aufersteht, dann drängen sich heran an diese Eindrücke wiederum die Bilder noch älterer Verhältnisse. Es sind die Bilder aus jener Zeit, in der nicht die abstrakte Natur, nicht die in tragischer Stimmung empfundene Göttin Natura gelebt hat unter den Menschen, in den Seelen, sondern in der gelebt hat die hellstrahlende auf der einen Seite, die tragische Göttin auf der anderen Seite: Proserpina-Persephoneia.

[ 44 ] If we can hold fast to the words which might have been spoken perhaps by Joachim of Fiore or John of Hanville: “What we regard as nature today, or whatsoever is veiled from us because we cannot apprehend it spiritually, this was once known as Proserpina,” and if this myth of Proserpina (for it has survived only as a myth) is renewed within us, then the images evoked by this myth awaken images of still earlier relationships. They are images from the time when man knew neither the abstract nor the tragic aspect of the Goddess Natura, when he saw Proserpina-Persephoneia herself, in her aspect of radiant beauty and tragic gloom.

[ 45 ] Und wie lebte sie in gewissen Zeiten der Erkenntnis, in jenen alten Zeiten, in denen sie noch voll lebendig war? Es waren nicht die Zeiten, meine sehr verehrten Anwesenden, in denen Plato über Philosophie geschrieben hat, in denen Sokrates über Philosophie gesprochen hat, nein, es waren nicht diese Zeiten. Es waren noch viel ältere Zeiten, alte Zeiten, in denen Erkenntnis etwas ungeheuer viel Lebendigeres unter Menschen war, als sie später selbst in den erleuchteten Zeiten des Griechentums geworden ist.

[ 45 ] And in what aspect did she appear in those far-off days of her prime? These were not the days of Plato's philosophy, nor of Socrates' dialogues, but much earlier times, when knowledge was far more vitally alive than at the height of Greek culture.

[ 46 ] Versuchen wir, es im Bilde vor unsere Seele zu stellen, um in diesem Bilde wachzurufen, was einmal im Verlaufe der Menschheitsentwickelung Erkenntnis war, um das richtige Licht auf dasjenige zu werfen, was wir schon auseinandergesetzt haben vom gegenwärtigen Gesichtspunkt und noch weiter auseinandersetzen werden in diesen Vorträgen. Versuchen wir einmal, ein kleines, natürlich nur unvollkommen geschildertes Bild hervorzurufen von jener Art von Mysterien, in die noch der griechische Philosoph Heraklit eingeweiht war, der «der Dunkle», «der Finstere» genannt wird, weil schon dunkel geworden war in der späteren Zeit, seelisch dunkel, dasjenige, was er empfangen hatte aus jenen Mysterien heraus. Versuchen wir einmal ein Bild vor unsere Seele hinzumalen aus der Zeit der Mysterienentwickelung, aus der das Griechentum vor allen Dingen geschöpft hat, geschöpft hat in bezug auf seine Phantasie, geschöpft hat auch in bezug auf die Ausgestaltung seiner Mythen. Versuchen wir uns ein Bild vor die Seele zu stellen von den Ephesischen Mysterien, von den Mysterien von Ephesus, in denen ja auch noch Heraklit, der Dunkle, eingeweiht worden ist.

[ 46 ] Let us try to envisage the different forms knowledge has taken in the course of human evolution so that we may see in the right perspective what we have already discussed from the standpoint of the present and which will be discussed in further detail in the course of these lectures. Though of necessity our account will be brief and imperfect, let us try to envisage the nature of the Mysteries into which the Greek philosopher Heraklites was initiated, the ‘dark’ and ‘gloomy’ Heraklites as he was called, because, in later years, a psychic darkness had descended upon all that he had received at the hands of the Mysteries. Let us picture that period in the development of the Mysteries when the Greeks drew upon them for their imaginative vision and the creation of their myths. And let us picture to ourselves the Mysteries of Ephesus into which Heraklites had been initiated.

[ 47 ] Es waren allerdings in Ephesus uralte Erkenntnisse noch herrschend, aber sie waren auch bewahrt in Ephesus bis in jene Zeiten hinein, in denen Homer gewirkt hat, Ja, bis in die Zeiten hinein, wenn auch dann schwächer, in denen Heraklit eingeweiht worden ist. Es waren solche alten Mysterien in der allerstärksten Lebendigkeit vorhanden. Und es waren schon starke, mächtige Initiationsströmungen, die erflossen in jenem Tempel, der geschmückt war an seiner Ostseite mit jenem Bildnis, das ja auch der Welt bekanntgeworden ist, mit dem Bildnisse der Göttin Diana, der Göttin der Fruchtbarkeit, die in ihrer Bildhaftigkeit die in der Natur überall strotzende Fruchtbarkeit zum Ausdrucke bringt. Und es wurden schon große Geheimnisse des Daseins, tief spirituelle Geheimnisse in die menschlichen Worte hineingezogen, wenn die Gespräche geführt wurden, etwa unmittelbar nachdem die an den Mysterien Teilnehmenden ihre mächtigen Impulse empfangen hatten bei den Kulten und bei den Einzelheiten der Kulte im Tempel von Ephesus. Und es waren tiefe Gespräche, die das dann fortsetzten, wenn die am Kultus Teilnehmenden herausgetreten sind aus diesem Tempel und dann, etwa gerade dann, wenn die äußere Welt am fruchtbarsten ist für solche Dinge, in der Abenddämmerung, jenen Weg angetreten haben, der von der Tempelpforte hineinführte in eine Waldung, die wunderbare Gänge hatte, in jene Waldung, mit schwärzlich-grünen Bäumen bewachsen, wo sich die Wege in schöner Perspektive nach den verschiedenen Seiten von Ephesus verloren. Gespräche von solcher Art möchte ich in ein unvollkommenes Bild bringen.

[ 47 ] Knowledge from primeval times was still extant in Ephesus and persisted into Homer's time and even into the time of Heraklites' Initiation, though in an emasculated form. These ancient Mysteries were still actively flourishing. A strong and powerful spiritual atmosphere was present in that temple which was adorned on the Eastern side with the statue of the Goddess Diana, the Goddess of Fertility, who symbolizes the superabundant fertility of nature everywhere. When conversations were held, momentous secrets of existence, profound spiritual secrets were imparted to the pupils through the spoken word immediately after they had taken part in the Mysteries and had received the mighty impulses of the Mysteries from the ceremonies in the Temple of Ephesus. And these profound conversations were continued after the participants in the ceremonies had left the Temple. At the twilight hour, when nature invites to contemplation, they would follow the pathway leading from the Temple doorway into a grove with arboured walks, planted with dark-green trees in which paths fanning out from the Temple of Ephesus were gradually lost to view in the distance. I should like to offer you a somewhat inadequate picture of conversations of this kind.

[ 48 ] Da war es so, daß derjenige, der von der einen Seite initiiert war in die Geheimnisse von dazumal, dann wohl ins Gespräch kam mit einem Schüler oder einer Schülerin. Denn bemerkt werden muß, daß in jenen alten Zeiten die Gleichberechtigung des männlichen und weiblichen Geschlechtes, gerade in denjenigen Zeiten, nach denen sie sogleich abgenommen hat, viel lebendiger war, als sie etwa in unserer Zeit ist. So daß wir ebensogut von Schülerinnen in Ephesus sprechen können wie von Schülern, in gleicher Weise. Und gerade der Proserpina-, der Persephoneia-Mythus in seiner spirituellen Gestalt war in jenen Gesprächen ganz lebendig.

[ 48 ] It was not unknown for someone who had received a partial Initiation into the Mysteries of those times to enter into conversation with a pupil of either sex. Now you must realize that in those days equality of rights between the sexes, though forfeited immediately afterwards, was very much more a living reality than it is today. We can speak, therefore, both of male and female pupils at Ephesus. And in these conversations there was a lively interest in the spiritual aspect of the myth of Persephone. But how was such a conversation conducted?

[ 49 ] Aber wie wurde solch ein Gespräch über den Proserpina-Mythus geführt? Da war zunächst, sagen wir etwa der Lehrer, der eingweihte Priester, der da aus dem, was er an Impulsen empfangen hatte, reden konnte über die Geschehnisse in der Formenwelt, reden konnte über die Geschehnisse, die sich abspielen zwischen Wesenheiten, und etwa aus dieser Einweihung heraus das Folgende zu seinem Zögling sagen konnte: Sieh einmal, wir gehen durch die Dämmerung. Der Schlaf, der die göttliche Welt schaubar, sichtbar macht, er wird bald beginnen. Schaue dich an in deiner ganzen menschlichen Gestalt. Da drunten sind die Pflanzen; um uns herum ist der in der Dämmerung schattende, in seinem grünen Dämmerdunkel wunderbare Wald. Schon beginnen oben die ersten funkelnden Sterne sich zu zeigen. Schaue einmal das alles an. Schaue die Majestät, die Größe, aber auch das Sprießende, Sprossende des Lebens oben und unten. Und dann schaue dich selbst an. Bedenke, wie in dir lebt und webt ein ganzes Weltenall, wie in alledem, was in dir zirkuliert, in alledem, was in dir sein Dasein in Geschehnissen hat, eine Fülle von Tatsachen, eine Fülle von Wesensverwandlungen in jedem Augenblicke vorhanden ist. Fühle, wie du selber eine ganze Welt bist, die geheimnisvoller, großartiger, wenn auch dem Raume nach kleiner ist als das Universum, das du von der Erde bis zu den Sternen überschaust. Fühle das! Fühle dich als Mensch als eine Welt, als eine Welt, die eine größere Fülle hat als die Welt, die du mit deinen Augen schaust, mit deinen Gedanken umfängst. Fühle die Welt in dir innerhalb deiner Haut.

[ 49 ] First, there was the teacher, the Priest-Initiate, who, from the spiritual impulses he had received, was empowered to speak of the contingencies in the world of forms, of the inter-relationships of entities in that world. Speaking from his Initiate knowledge he would say something like the following to his pupil.—It is now twilight, and sleep which reveals the spiritual world will soon overtake us. Look upon your human form in its totality. Beneath our feet are the plants and around us are the lengthening shadows of twilight and the dim green light of the temple grove. The first stars are beginning to shine in the heavens. Behold the majesty and grandeur of life's inexhaustible vitality in the Heavens above and the Earth beneath. Then behold yourself and remember that a whole universe lives and stirs within you, that all organic activity, all the changes and chances of your inner life bear witness every moment of the day to a plenitude of facts and to endless transformations of your being. Realize that you are a microcosm which, though spatially delimited, is richer in mystery and wonder than the macrocosm which you apprehend visually and intellectually. Learn then to feel and know this world within you. Realize that you are now looking out from your microcosmic world into the larger world that reaches from the Earth to the stars.

[ 50 ] Und dann empfinde, wie du jetzt aus deiner Welt herausschaust in die Welt, die von der Erde bis zu den Sternen reicht. Du wirst dann vom Schlaf umfangen sein. Dann wirst du nicht in deinem Leib, nicht in deiner Welt sein, dann wirst du in der Welt sein, die du jetzt überschaust von der Erde bis zu den Sternen. Dann wirst du aus dir herausgegangen sein mit deinem seelisch-geistigen Teil. Dann wirst du in der Sternenstrahlung, in der Erdenausdünstung leben. Dann wirst du mit dem Winde gehen. Dann wirst du mit dem Sternenstrahl denken. Dann wirst du in deiner Außenwelt leben und wirst zurückschauen auf dasjenige, was du als eine Welt in dir bist.

[ 50 ] Then sleep will overtake you; you will no longer be a prisoner of your own body, of your own world, but will inhabit that other world you now behold, a world that embraces the Earth and the stars. Your soul and spirit will have relinquished the physical body and you will be sharing the radiance of the stars and the exhalations of the Earth. You will ride the winds and think with star-radiance. You will now be living in the spiritual world and will look back upon your microcosmic self.

[ 51 ] Und es konnte in jenen alten Zeiten noch so gesprochen werden von dem Lehrer zu dem Zögling, denn es war eben noch das äußere Anschauen während des Tagwachens nicht so konturiert, sondern so, wie ich es Ihnen beschrieben habe. Und es war das Schlafen noch nicht von völliger Finsternis durchdrungen. Es war das Schlafen noch von Erlebnissen über Erlebnissen durchdrungen, und man wies hin auf Erlebnisse, wenn man auf den schlafumfangenen Zustand hinwies: Um dich ist jetzt Proserpina oder Persephoneia, Kore. Kore lebt in den Sternen. Kore lebt in den Sonnenstrahlen und Mondenstrahlen. Kore lebt in den aufwachsenden Pflanzen. Überall ist es Persephoneias Wirksamkeit, die da lebt, denn sie hat das Kleid gewoben, aus dem alles das ist. Und hinter alledem ist Demeter, ihre Mutter, für die sie das Kleid gewoben hat, das du jetzt schaust als äußere Welt. Natura würde man nicht gesagt haben. Persephoneia oder Kore würde man gesagt haben — hat man gesagt.

[ 51 ] In ancient times it was possible for the teacher to speak to his pupil after this fashion, because the perception of the external world was not so sharply defined as now, and the life of sleep had not yet become a total blank. It was still crowded with experiences. When referring to this state of sleep, the teacher spoke of realities, saying: You are now in the presence of Proserpina, Persephone or Cora. Cora lives in the stars, in the rays of sunshine, in the moonbeams and the growing plants. Everywhere can be seen the activities of Persephone, for she has woven the garment of the universe. And behind it all is Demeter, her mother, for whom Persephone has woven this garment which you see as the external world.—The teacher did not use the term ‘nature;’ he preferred to speak of Persephone or Cora.

[ 52 ] Und sieh, wenn einer länger wach bleiben wird als du — so sagte der Lehrer zu seinem Zögling —, dann wird der, während du schläfst, dasjenige, was äußerlich als Gestalt der Proserpina in Pflanzen, in Bergen, in Wolken, in Sternen auftritt, ebenso sehen wie du. Denn das ist die Illusion, wie man das sieht. Nicht die Proserpina ist die Illusion, nicht dasjenige, was sie schafft in Bergen und Pflanzen und Wolken und Sternen ist Illusion, sondern so wie du schaust, das ist die Illusion. Und du wirst schlafen. Durch deine Augen, durch dieses wunderbare Daseinsrätsel Auge wird in dich einziehen Kore-Persephoneia.

[ 52 ] And continuing the dialogue with his pupil, the teacher went on: If someone were to remain awake for a longer period than yourself, then, whilst you were asleep, he would perceive the plants, mountains, clouds and stars—external manifestations of Persephone—exactly as you do now. Illusion lies in the manner of our seeing. It is not Persephone, not her creative activities in mountains, plants, clouds and stars that are illusory, but how you see them. And now the moment has come for sleep. Through your eyes, the organ of life's mysteries, Cora-Persephone will enter into you.—

[ 53 ] Und es wurde das so lebendig hingestellt, weil es so lebendig erlebt wurde, daß der Einschlafende nicht bloß fühlte: jetzt erlischt mein Sehvermögen, jetzt erlischt mein Hörvermögen — nicht bloß fühlte: jetzt höre ich auf, wahrzunehmen —, sondern daß der Einschlafende wahrnahm, wie untertauchte Persephoneia durch das Augenpaar in den Leib, in den physischen Leib, in den ätherischen Leib, die von dem Seelisch-Geistigen im Schlafe verlassen wurden.

[ 53 ] These things were described so vividly because they had been so vividly experienced; so that, whilst falling asleep, the sleeper not only felt that sight, hearing and perception were being extinguished, but he was aware of Persephone sinking down through the eyes into the physical and etheric bodies from which his soul and spirit had withdrawn whilst he slept.

[ 54 ] Die Oberwelt, man ist in ihr im Wachen; die Unterwelt, man ist in ihr im Schlafen. Persephoneia ist durch das Auge in den schlafenden physischen und Ätherleib eingezogen. Persephoneia ist bei Pluto, dem Herrscher über den Schlafzustand im physischen und ätherischen Leibe. Die Wirksamkeit des Pluto im Vereine mit Persephoneia, die untergetaucht ist in den physischen und Ätherleib während des Schlafes, die Tätigkeit des Pluto mit Persephoneaa erlebte der schlafende Zögling, der durch diese Direktion, die er bekommen hatte dadurch, daß ihm der Einzug der Kore durch die Tore der Augen klargemacht worden war, der das ins Lebendige umgesetzt hat und im Schlafe nun die Taten des Pluto und der Persephoneia erlebte. Der Zögling erlebte dies, während sein Lehrer anderes Entsprechendes erlebte, das mehr zusammenhing mit den Formdingen.

[ 54 ] In waking life we live in the upper world, in sleep we live in the lower world. Persephone entered through the eyes of the sleeper into the physical and etheric bodies. She dwelt with Pluto, the Lord of sleep within the physical and etheric bodies. The sleeping neophyte experienced the activity of Pluto and Persephone. Through the instruction he had received he became aware of the entry of Cora through the gateway of the eyes. This became a living reality to him, and now he experienced the deeds of Pluto and Persephone during sleep. And whilst the neophyte experienced this, his teacher had corresponding experiences that were related to the world of forms.

[ 55 ] Dann, wenn sie wieder zusammenkamen, dann hatten sie beide ihre Geheimnisse erlebt. Dann konnten sie sprechen über eine Pflanze, über einen Baum. Dann schilderte wohl der Lehrer, wie sich die Formen bilden, denn das hatte sich ihm gerade dargestellt während des Schlafes. Dann drang er ein in die Formen der Blätter, des Stammes, in die Figuration der Welt, in jene Figurationen, die sich sozusagen von oben nach unten senken. Und vielleicht hatte der Zögling das andere erlebt: Er konnte vielleicht dasjenige erlangen, wovon der Lehrer sprach, wenn er von den Geheimnissen des Chlorophylis, von den Geheimnissen der Pflanzensäfte, die von unten nach oben in der Pflanze sich ausbreiten, erzählte. So ergänzten sich wunderbar die Gespräche, indem im lebendigen Umfassen der Göttin Proserpina, die die andere Seite zeigte den Menschen während des Schlafens in der Unterwelt, diese Geheimnisse in die menschliche Seele herein sich offenbarten. Und so lernte in jenen alten Zeiten der Schüler von dem Lehrer, der Lehrer von dem Schüler. Denn auf der einen Seite waren die Offenbarungen geistig-seelisch, auf der anderen Seite seelischgeistig. Und ein Gespräch, das in dieser Weise unter Menschen sich abspielte, gab in Menschengemeinschaft, in gemeinschaftlichem menschlichem Erleben die höchsten Erkenntnisse.

[ 55 ] Then, when teacher and pupil met together again, each had experience of his own particular insights. And when they discussed plants and trees, the teacher would describe how the forms arose, for they had been revealed to him in sleep. Then he would discuss in detail the configuration of the leaves and stems, of the whole nature-kingdom and the formative forces which work down into the Earth from above. And though the pupil had perhaps experienced different insights, he could probably follow his teacher when he spoke of the mysteries of chlorophyll and osmosis. Thus the conversations supplemented each other: in this vivid picture of the Goddess Persephone in the underworld, revealing her other aspect to man whilst he slept, these secrets were revealed to the human soul and entered into it. Thus, in those far-off times, the pupil learned from the teacher and the teacher from the pupil. On the one hand, the teachings were of the spirit and soul, on the other hand, of soul and spirit. From this interchange of pooled experience they touched the highest flights of knowledge.

[ 56 ] Und man war, indem man diese höchsten Erkenntnisse erlebte, indem man des Morgens wiederum die Morgendämmerung herankommen sah, von Osten herüber erglänzend das Tagesgestirn erlebte, hineinerglänzend in den dunklen grünen Wald — mit seiner wunderbaren Perspektive verlaufend —, man war ein Stündchen über das eine oder andere in dem Reiche, das wir heute das Reich der Natur nennen, aufgelebt; alles das floß im Gespräche zusammen. Und man war sich klar darüber, daß das alles der Umgang mit Persephoneia war. Man war sich klar darüber, daß dasjenige, was dann sich eingegliedert hat in den Persephoneia-Mythus, daß das das Geheimnis der menschlichen Naturerkenntnis ist. Und es waltete ein Zauber, den ich Ihnen nur unvollkommen andeuten konnte, über den Gesprächen, die geführt wurden in Anlehnung an die Mysterien von Ephesus; es waltete dieser Zauber in den Gesprächen. Und in jenen Gesprächen lebten die Persephone-Erkenntnisse, lebten darin in aller Lebendigkeit, die dann abgeschattet wurde zu dem, was wir heute als das Abstraktum «Natur» haben, und worüber tragische Trauer auf dem Antlitz trugen Menschen wie Joachim de Fiore.

[ 56 ] When they shared these deepest insights, when next they saw the approach of dawn and the morning star shining in the East, sending shafts of light into the dark green grove whose avenues of majestic trees were gradually lost to view in the distant vista, their hearts were gladdened. They had dwelt for a brief hour in that realm we now call the realm of nature. And when they had talked of these things amongst themselves, they knew for certain they had held converse with Persephone. And they knew also that all that was later incorporated into the myth of Persephone was, in reality, the hidden source of man's knowledge of nature. I can only indicate imperfectly the fascination of these conversations that were related to the Mysteries of Ephesus and were imbued with a vital, living knowledge of Persephone. But in the course of time this knowledge was toned down to the abstraction we know as nature today and men such as Joachim of Fiore were saddened by this tragic loss.

[ 57 ] Die Wege in die menschliche Spiritualität und in die Spiritualität des Kosmos hinein, wir verstehen sie nur, wenn wir nicht nur auf die einzelnen Bewußtseine, die der Mensch erreichen kann, charakterisierend hindeuten, sondern wenn wir darauf hinschauen, wie im Laufe der Menschheitsentwickelung die Bewußtseine sich nach und nach metamorphosiert haben, wie andersartig die Erkenntnisse waren, welche lebten in den Gesprächen, die da führten diejenigen, die herausgingen aus dem Tempel von Ephesus — die wunderbaren Gespräche; und wie anders geartet die Gespräche waren, die da führten die Menschen mit Persönlichkeiten wie Joachim de Fiore, wie Alanus ab Insulis; und wie anders die Erkenntnisse heute sind, die wir wieder suchen müssen, um aus dem Äußeren in das Innere zurückzukommen, aus dem Oberen in das Untere, zurück aus dem Inneren in das Äußere, zurück aus dem Unteren in das Obere zu kommen auf geistige, spirituelle Art.

[ 57 ] We can only understand the path leading to an understanding of the spiritual nature of man and the Cosmos when we draw attention to, and characterize, not only the separate states of consciousness within man's reach, but also show how these states have been transformed in the course of the evolution of mankind; when we realize how very different from our own was the knowledge ,that informed the conversations of those who had participated in the Mysteries in the Temple of Ephesus, and how different was the nature of the converse held with such personalities as Joachim of Fiore and Alanus ab Insulis; and how different today is the knowledge that we must strive to attain once more, in order through spiritual training to seek forms of knowledge which lead back from the Outer to the Inner, from the Above to the Below and then from the Inner to the Outer and the Below to the Above.