Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Supplements to Member Lectures
GA 246

2 December 1910, Kassel

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Supplements to Member Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge

33. Über Lektüre, Neid und Lügenhaftigkeit

33. On Reading, Envy, and Deceit

[ 1 ] Es wird sich das als richtig erweisen, wenn wir heute einiges besprechen über praktische Lebensfragen und Ausdrücke in der Entwicklung des Menschen. Was wir lernen über physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, sollte nicht eine bloße Theorie bleiben wie gesammelte Notizen, sondern sie sollte lebendig werden in unserer Seele. Da ist es am besten, wenn wir das, was wir zuerst lernen, nur als Plan, als Kohlezeichnung ansehen. Es hängen von dem Zusammenhang dieser vier Glieder ab Lebensfreudigkeit, Gesundheit, Glück im moralischen wie im physischen Sinne. - Hiergegen wird viel gesündigt in der heutigen Zeit.

[ 1 ] This will prove to be true as we discuss today some practical questions of life and aspects of human development. What we learn about the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I” should not remain a mere theory—like a collection of notes—but should come alive in our soul. It is best, therefore, to view what we first learn merely as a rough sketch, a charcoal drawing. Joy in life, health, and happiness—in both the moral and physical senses—depend on the harmony of these four members. —Yet there are many transgressions against this in the present day.

[ 2 ] Wir leben wirklich in einem Übergangszeitalter; das ist keine Phrase. Es ist noch nicht lange her, da wusste man noch etwas von dem Wirken des Astralleibes. In der Erziehung betrachtete man noch instinktiv das Wirken des Ätherleibes, des Astralleibes, instinktiv. Und was nun kommen muss, ist ein richtiges Wissen, um diese Instinkte zu ersetzen; dazu muss theosophisches Wissen verbreitet werden. Zur Zeit unserer Väter und Großväter wusste man noch instinktiv von dem Wirken des Astralleibes.

[ 2 ] We truly live in a time of transition; this is not just a cliché. It was not long ago that people still had some understanding of the workings of the astral body. In education, people still instinctively took into account the workings of the etheric body and the astral body. And what must now come is true knowledge to replace these instincts; to this end, theosophical knowledge must be disseminated. In the time of our fathers and grandfathers, people still knew instinctively about the workings of the astral body.

[ 3 ] Aristoteles hat das Wesen des Dramas damals charakterisiert. Lessing hat sich noch damit gequält, diese Erklärung des Dramas zu verstehen. Aristoteles sagt, wie die Geschehnisse in einer Tragödie sich abspielen, wie sie Furcht und Mitleid in uns erregen sollen, in uns auslösen sollen; Katharsis, das heißt Läuterung, soll diese Empfindung beim Zuhörer ergeben. Abgequält hat sich Lessing, um das Wort Katharsis zu verstehen. Eine ganze Bibliothek ist seitdem darüber geschrieben worden. Man setzte also bei den alten Griechen voraus, dass nicht nur zur Unterhaltung des Publikums die Dramen sich abspielten, sondern erleben sollte der Zuhörer die Furcht; zum Beispiel: Wie wird es uns ergehen, diesem oder jenem?

[ 3 ] Aristotle characterized the nature of drama back then. Lessing still struggled to understand this explanation of drama. Aristotle explains how the events in a tragedy unfold, how they are meant to arouse fear and pity in us, to evoke these emotions; catharsis—that is, purification—is supposed to result from these feelings in the audience. Lessing struggled to understand the word “catharsis.” An entire library has been written on the subject since then. It was thus assumed among the ancient Greeks that dramas were not performed merely for the entertainment of the audience, but that the audience was meant to experience fear; for example: What will become of us, of this one or that one?

[ 4 ] Zur Gesundung, als ein Heilmittel der Menschen war damals das Drama gedacht, dass die Seele gewissermaßen harmonisch gestimmt war gegenüber Furcht und Mitleid, dass die Menschen draußen im Leben auch der Furcht und dem Mitleid gegenüber das richtige Verhältnis bekämen. So war es gegeben im alten Griechenland, nicht wie heute Theaterstücke gegeben werden.

[ 4 ] At that time, drama was intended as a means of healing for people—so that the soul would, as it were, be harmoniously attuned to fear and compassion, and so that people would also develop the proper attitude toward fear and compassion in their everyday lives. That was how it was in ancient Greece; it was not presented as plays are today.

[ 5 ] Der «dumme August» war früher in den herumziehenden Zirkussen derjenige, der nur Dummes tut. Das ist ein letzter Abglanz jenes in der griechischen Tragödie Gewollten. Dies Dumme löste dann in der Seele aus, was der Mensch im Leben gebrauchen konnte: ein gesundes Lachen. In einem gewissen Lebensalter und auf einer gewissen Bildungsstufe wirkt es sehr gut, wenn zum Beispiel dem dummen August, der die Zeitung liest, von jemandem Mehl auf die Zeitung gestreut wird, und nun der dumme August niest und ihm das ganze Mehl ins Gesicht fliegt. Das wirkt außerordentlich gut. Auf das Astrale wirkt das. Alles, was wir erleben, übt seine Wirkung aus auf den Ätherleib und den Astralleib. Der hellsehende Beobachter kann betrachten - und das ist sehr interessant -, wie dieses oder jenes als Lieblingsbeschäftigung oder als Pflichtbeschäftigung wirkt. Man würde, wenn man das wüsste, manches ganz anders machen, zum Beispiel: Lektüre. Einer zum Beispiel liest möglichst schnell einen spannenden Roman; er liest so, dass er möglichst viel überschlägt. Dabei ist der Astralleib in fortwährender Beweglichkeit, während der Ätherleib ganz ruhig ist. Der Astralleib legt sich gleichsam über das Buch hin, während der Ätherleib ganz zurückbleibt.

[ 5 ] In the traveling circuses of old, the “foolish August” was the one who did nothing but foolish things. This is a final echo of what was intended in Greek tragedy. This foolishness then triggered in the soul what people needed in life: a healthy laugh. At a certain age and level of education, it works very well when, for example, someone sprinkles flour on the newspaper being read by the “foolish August,” causing him to sneeze and have all the flour fly into his face. This has an extraordinarily good effect. It affects the astral body. Everything we experience exerts an influence on the etheric body and the astral body. The clairvoyant observer can see—and this is very interesting—how this or that activity functions as a favorite pastime or as a necessary duty. If one knew this, one would do many things quite differently; for example: reading. One person, for example, reads a thrilling novel as quickly as possible; he reads in such a way that he skims over as much as possible. In doing so, the astral body is in constant motion, while the etheric body remains completely still. The astral body, as it were, lies down over the book, while the etheric body remains far behind.

[ 6 ] Ein anderer vertieft sich mit großer Liebe in die einzelnen Personen, denkt nach: Wie kenne ich solche Personen? Wie müsste sich das Schicksal gestalten? Wie würde ich das gestalten? Und so weiter. - Ebenso bei Lektüre, die nicht erzählend ist, sondern belehrend und so weiter. Hier ist der Astralleib weniger fluktuierend, während der Ätherleib sich den einzelnen Bewegungen des Astralleibes anschmiegt. Das hat ganz andere Wirkungen. Nicht vorübergehend ist diese Art, sondern sie wird zur Gewohnheit.

[ 6 ] Another person immerses himself with great love in the individual characters, reflecting: How do I know people like this? How would fate unfold? How would I shape it? And so on. - The same applies to reading material that is not narrative but instructive, and so on. Here, the astral body fluctuates less, while the etheric body adapts to the individual movements of the astral body. This has entirely different effects. This way of reading is not temporary; rather, it becomes a habit.

[ 7 ] Die meisten Menschen vergessen die Menschen; es ist heute schon so: Lebensbeobachtung ist etwas sehr Seltenes. Die Menschen sind sogar froh, wenn sie vergessen können. Theosophen sollten nicht so sein.

[ 7 ] Most people forget others; that is already the case today: observing life is a very rare thing. People are even glad when they can forget. Theosophists should not be like that.

[ 8 ] Schon in einem Leben kann man beobachten, wie Karma wirkt, man kann verfolgen, wie Karma wirkt in 15, 20, 50 Jahren.

[ 8 ] Even within a single lifetime, one can observe how karma works; one can see how karma unfolds over the course of 15, 20, or 50 years.

[ 9 ] Wir sehen einen Menschen, der nicht gerade geneigt ist, tiefere Empfindungen in sich aufzunehmen; es ist das die Folge von Karma. Aber solche Menschen finden sich nicht zurecht im Leben. Ein solches Lesen, obenhin, schnell, hat zur Folge, dass ein so gearteter Leser nicht geneigt ist, tiefere Ideen in sich aufzunehmen. Auch physische Wirkungen hat es. Ein solcher Mensch ist nie recht zufrieden, kränkelt oder ist nur eingebildet krank. Also man tut einem jungen Menschen eine große Wohltat, wenn man ihn dazu führt, an Einzelheiten hängen zu bleiben, sie liebevoll zu betrachten beim Lesen.

[ 9 ] We see a person who is not particularly inclined to absorb deeper feelings; this is the result of karma. But such people cannot find their way in life. Reading in this manner—superficially and quickly—means that a reader of this disposition is not inclined to absorb deeper ideas. It also has physical effects. Such a person is never truly satisfied, is frequently unwell, or merely imagines that they are sick. Therefore, one does a young person a great favor by guiding them to dwell on details and to contemplate them lovingly while reading.

[ 10 ] Man trifft im Leben Menschen, die eine gewisse Fertigkeit haben, hingegen andere, die nie recht wissen, was sie tun sollen. Wenn sie einen Brief geschrieben haben, wollen sie ihn wieder zerreißen; haben sie einen Hut gekauft, gefällt er ihnen gleich darauf nicht mehr.

[ 10 ] In life, you meet people who have a certain skill, while others never quite know what to do. When they’ve written a letter, they want to tear it up; when they’ve bought a hat, they immediately stop liking it.

[ 11 ] Ein Mensch, der für sich selbst und für andere sich im Leben zurechtfindet, bei einem solchen kann man betrachten, dass er schon als Schulkind ganz anders sich verhielt als die anderen Kinder. So ist es mir selbst passiert, wie Kinder in der Geschichtsstunde zugehört haben, zum Beispiel wenn von Cäsar die Rede war. Dann suchten sie alles zusammen, was von diesem Thema handelt, indem sie angliedern alles, was sie selbst dazu beitragen können.

[ 11 ] A person who finds their way in life—both for themselves and for others—is someone who, even as a schoolchild, behaved quite differently from the other children. That’s what happened to me, for example, when I observed how children listened in history class, such as when Caesar was discussed. Then they would gather everything related to that topic, incorporating everything they themselves could contribute to it.

[ 12 ] Solche, die alles an sich heranbringen lassen, nichts selbst suchen, die zerreißen später ihren Beruf, haben heute andere Vorsätze als morgen. Dies alles wird man später einmal wissen. Das ist viel wichtiger als Lehrplan und so weiter. Deshalb ist Theosophie so wichtig.

[ 12 ] Those who let everything come to them without seeking anything on their own will eventually ruin their careers; their resolutions today are different from those of tomorrow. All of this will become clear later on. That is far more important than the curriculum and so on. That is why Theosophy is so important.

[ 13 ] Man sollte lernen, über Lektüre bedeutsam zu denken. Was ist denn Lektüre? Der Theosoph hat die Pflicht, darüber zu denken, wie tief wichtig eine solche Frage ist für das Leben, und wie tief wichtig gerade so etwas ist wie das Lesen.

[ 13 ] One should learn to think deeply about reading. What, after all, is reading? The Theosophist has a duty to reflect on just how profoundly important such a question is for life, and how profoundly important something like reading itself is.

[ 14 ] Im Umlauf von vierundzwanzig Stunden kehren wir alle einmal dahin zurück, woher wir gekommen sind - ins Geistige. Ohne Schlafen könnten wir nicht leben. Waches Leben ist ein Zerstörungswerk, Schlafen ist ein Untertauchen in die Lebensquellen. Im Schlaf sind der Astralleib und das Ich weit, weit ausgebreitet in den Makrokosmos. Daraus allein könnte der Mensch lernen, dass er nicht nur das ist, was eben sein physischer Körper ist.

[ 14 ] In the cycle of twenty-four hours, we all return once to where we came from—to the spiritual realm. Without sleep, we could not live. Waking life is a work of destruction; sleep is a immersion in the sources of life. During sleep, the astral body and the “I” are spread far, far out into the macrocosm. From this alone, a person could learn that he is not merely what his physical body is.

[ 15 ] In der babylonischen Schule wurde Gewicht darauf gelegt, dass ein Mensch mit gesunder Konstitution, nicht zu schnell, nicht zu langsam gehend, in 365,5 Tagen um die Erde herumkäme. Wenn der Mensch gesund, normal lebte, dann würde er in demselben Maße, in derselben Schnelligkeit wie die Sonne gehen und leben. Bis zur Sonne reicht der Astralleib wirklich hinauf beim Schlafen.

[ 15 ] In the Babylonian school, emphasis was placed on the idea that a person of sound constitution, walking neither too fast nor too slow, would circle the Earth in 365.5 days. If a person lived a healthy, normal life, he would walk and live at the same pace as the sun. The astral body truly reaches up to the sun while sleeping.

[ 16 ] Seiner selbst vergessen, hingegeben sein an die geistige Welt, das ist Schlafen. Das Lesen, das Anhören eines Dramas, eines Musikwerkes, ist in kleiner Weise dasselbe wie das selbstvergessene Hingegebensein im Schlaf. So auch denkt man im Lesen nicht viel an sich. Würden wir im Schlafen an uns selber denken, dann ginge das Wirken des Geistigen verloren. Jedes Mal, wenn wir ein Musikwerk und so weiter gehört haben, bringen wir etwas in unsern Astralleib und damit in unseren Ätherleib hinein, und damit bleiben wir verbunden, sozusagen für das Leben damit verbunden. Eine ganze Welt liegt in jeder Menschenseele durch all die Eindrücke im Leben. Deshalb ist die Lektüre so ungeheuer wichtig.

[ 16 ] To forget oneself, to be absorbed in the spiritual world—that is sleep. Reading or listening to a play or a piece of music is, in a small way, the same as being self-forgetful and absorbed in sleep. Likewise, when reading, one does not think much of oneself. If we were to think of ourselves while sleeping, the effect of the spiritual would be lost. Every time we have listened to a piece of music or something similar, we bring something into our astral body and thus into our etheric body, and we remain connected to it—connected to it for life, so to speak. A whole world lies within every human soul through all the impressions of life. That is why reading is so immensely important.

[ 17 ] Angenommen, wir täten nichts dazu, unsere Anteilslosigkeit oder gar unsere Hassgefühle einem Menschen gegenüber zu überwinden. Lieblosigkeit, Anteilslosigkeit tritt im anderen Leben in der Form einer gewissen Ängstlichkeit, Furcht auf.

[ 17 ] Suppose we did nothing to overcome our indifference—or even our feelings of hatred—toward another person. Lack of love and indifference manifest in the afterlife as a certain anxiety or fear.

[ 18 ] Gern-hingegeben-Sein bedeutet ein sicheres Stehen im Leben und auch ein Hoffen, dass alles gut geht. Hoffnungslosigkeit wird der nicht haben, der in der Kindheit angeleitet worden ist, liebevoll zu sein.

[ 18 ] Being content means having a secure footing in life and also hoping that everything will turn out well. Those who were taught from childhood to be loving will never feel hopeless.

[ 19 ] Für Neid und Lügenhaftigkeit hat auch der einfachste Mensch ein Gefühl. An Neid und Lügenhaftigkeit können wir viel von Karma beobachten. Goethe sagt, Neid kenne er doch nicht, wenn er sich auch noch so sehr beobachte. Und Benvenuto Cellini sagt, verlogen sei er nie gewesen, wenn er auch sonst noch so viel getan habe.

[ 19 ] Even the simplest person has a sense of envy and deceitfulness. We can observe a great deal about karma in envy and deceitfulness. Goethe says that he does not know envy, no matter how closely he observes himself. And Benvenuto Cellini says that he has never been deceitful, no matter what else he may have done.

[ 20 ] Neid und Lügenhaftigkeit sind dasjenige, was durchbricht das Mitfühlen und Miterleben im ganzen menschlichen Geschlecht. Wenn wir einen Menschen beneiden, so stellen wir uns gegenüber, wir fühlen nicht mehr mit ihm. Und so ist es bei der Lügenhaftigkeit erst recht. Wenn Neid und Lügenhaftigkeit tief in der Seele sitzen, so ist es nicht leicht, sie zu überwinden.

[ 20 ] Envy and deceit are what undermine compassion and empathy throughout the human race. When we envy someone, we set ourselves apart from them; we no longer empathize with them. And this is even more true of deceit. When envy and deceit are deeply rooted in the soul, it is not easy to overcome them.

[ 21 ] Wir waren ehedem zum ersten Mal verkörpert, und dann - beim zweiten Male - haben Luzifer und Ahriman auf uns gewirkt. Neid — Luzifer; Ahriman - Lüge; Neid - Luzifer - Astralleib; Lügenhaftigkeit - Ahriman - Ätherleib.

[ 21 ] We were once incarnated for the first time, and then—the second time—Lucifer and Ahriman exerted their influence on us. Envy—Lucifer; Ahriman—falsehood; envy—Lucifer—astral body; falsehood—Ahriman—etheric body.

[ 22 ] Jede nicht ganz verdorbene Seele kämpft an gegen Neid und Lügenhaftigkeit. Untereinander sind Luzifer und Ahriman gute Freunde. Sie geben das Regiment einander ab. Wenn jemand den Neid bekämpft, dann sagt Luzifer: Der bekämpft den Neid, da kann ich nichts machen. Nimm du ihn, sagt er zu Ahriman. - Und dann verwandelt sich der Neid; unter einer Maske tritt der Neid dann auf. Dann sagt der Mensch, der da glaubt, den Neid überwunden zu haben: Der oder der hat diese schlechte Eigenschaft und so weiter. In der Maske der Tadelsucht tritt der Neid dann auf. Er meint, dass es richtig ist, dass er tadelt, aber er weiß nicht, dass es maskierter Neid ist, dass Eigenschaften gesehen und bekrittelt werden, die nicht so sind, wie sie sich diesem Menschen darstellen.

[ 22 ] Every soul that is not entirely corrupted struggles against envy and deceitfulness. Lucifer and Ahriman are good friends. They take turns ruling. When someone fights against envy, Lucifer says: “He is fighting against envy; there’s nothing I can do about that.” “You take him,” he says to Ahriman. — And then envy transforms; it appears under a mask. Then the person who believes they have overcome envy says: “So-and-so has this bad trait,” and so on. Envy then appears in the guise of a tendency to criticize. The person believes it is right to criticize, but does not realize that it is envy in disguise—that traits are being perceived and criticized that are not as they appear to this person.

[ 23 ] Einerlei, ob diese Eigenschaft als Neid oder als Tadelsucht auftritt, sie hat doch dieselbe karmische Folge. Diese Menschen werden dann so, dass sie kein Verhältnis gewinnen können zu anderen Menschen. Sie können nichts anfangen, aber auch nichts zu Ende bringen. - Und mit der Lügenhaftigkeit tritt eine gewisse Scheu ein, sie können den Menschen nicht gerade in die Augen sehen.

[ 23 ] Whether this trait manifests as envy or a tendency to criticize, it has the same karmic consequence. These people then become unable to form relationships with others. They cannot get anything started, nor can they bring anything to completion. - And along with their tendency to lie comes a certain shyness; they cannot look people straight in the eye.

[ 24 ] In einem Leben treten diese Wirkungen so auf, dass sie als seelische Wirkungen auftreten. Aber indem wir durch den Tod gegangen sind und zu einer neuen Geburt schreiten, zeigen sich jene Eigenschaften physisch. Das Seelische ist der Architekt des physischen Leibes. Ein seelisch schwacher, haltloser Mensch wird in der nächsten Inkarnation ein hilfloses Kind, das sich nicht helfen kann und so weiter.

[ 24 ] In one lifetime, these effects manifest as psychological effects. But as we pass through death and move toward a new birth, those qualities become physically apparent. The soul is the architect of the physical body. A person who is spiritually weak and unstable will become a helpless child in the next incarnation, unable to help themselves, and so on.

[ 25 ] Wer lügenhaft war, der ist später scheu, er würde in der nächsten Inkarnation sein ein Mensch, der keinen Anschluss finden kann. Das ist physisch begründet, er ist schwach schon seiner physischen Konstitution nach, wodurch er nicht mit anderen Menschen gut zusammenkommen kann.

[ 25 ] Those who have been deceitful become shy later in life; in their next incarnation, they will be people who cannot connect with others. This is due to physical reasons; they are already weak by virtue of their physical constitution, which prevents them from getting along well with other people.

[ 26 ] In eine ganz bestimmte Umgebung wird der Mensch hineingeboren; Edelweiß wächst nicht in der Ebene, sondern auf dem Berge. So ist es mit dem Menschen auch. Gerade die Menschen, die wir angelogen, beneidet, getadelt haben und so weiter, in deren Umgebung werden wir hineingeboren. Es handelt sich nicht [allein] darum, dass wir das wissen, sondern wir müssen dementsprechend leben.

[ 26 ] A person is born into a very specific environment; edelweiss does not grow on the plain, but on the mountain. The same is true of human beings. It is precisely into the environment of those people whom we have lied to, envied, criticized, and so on that we are born. It is not [merely] a matter of knowing this, but rather of living accordingly.

[ 27 ] Was ist da richtig im höheren moralischen Sinne, wenn man weiß: Jemand beneidet mich, klatscht über mich und so weiter? - Nicht rächen, sondern anderen helfen, das ist das Richtige. Man tut dem anderen das Beste, wenn man ihm verzeiht, wirklich verzeiht! Nicht sich anfechten lassen, nicht sagen: Ich will nicht verzeihen. Damit würde ich in des Betreffenden Karma eintreten. Nein, insofern wir helfen können, das Karma zum Guten zu wenden, sollten wir es tun. Das ist das Richtige, den anderen beschämen dadurch, dass wir besonders gut zu ihm sind. Das zeigt sich dadurch, dass wir ihm ungemein genützt haben. Er wird dann nicht hilflos im späteren Leben sein. Das können wir nur durch Verzeihen erreichen. Wird in unsere Mitte hineingeboren ein schwacher Mensch, dann versuchen wir, ihn mit dem positivem Gefühl des Verzeihens zu umgeben.

[ 27 ] What is the right thing to do, in a higher moral sense, when you know that someone envies you, gossips about you, and so on?—Not to seek revenge, but to help others; that is the right thing to do. You do the other person the greatest good when you forgive them—truly forgive them! Do not let yourself be provoked; do not say, “I will not forgive.” By doing so, I would become entangled in that person’s karma. No, to the extent that we can help turn that karma for the better, we should do so. That is the right thing to do: to put the other person to shame by being especially kind to them. This is evident in the fact that we have been of immense benefit to them. They will then not be helpless in their later life. We can achieve this only through forgiveness. If a weak person is born into our midst, then we try to surround them with the positive feeling of forgiveness.

[ 28 ] Nicht theoretisch sagen: Ja, ich verzeihe dir. - Sondern täglich das Gefühl auf das schwache Kind zum Beispiel hinlenken, dann werden wir sehen, dass das Kind gedeiht, dass die fahle Haut eine gesunde Haut wird und so weiter. Seinen physischen Zustand helfen wir ändern und fördern. - Erst wenn man so die Theosophie in die Praxis hineinlebt, wird sie eigentlich das, was sie sein soll. Wenn zum Beispiel in der Eisenbahn jemand eine bestimmte Äußerung tut, sollten wir darüber nachdenken, ob daraus nicht eine Pflicht für uns ersteht. Hinlenkung der seelischen Kräfte zu dem geistigen Ursprung - das ist die Aufgabe.

[ 28 ] Don’t just say theoretically, “Yes, I forgive you.” — Instead, direct your feelings daily toward the frail child, for example, and then we will see that the child flourishes, that the sallow skin becomes healthy, and so on. We help change and promote the child’s physical condition. - Only when we live out Theosophy in this way does it truly become what it is meant to be. If, for example, someone on a train makes a certain remark, we should consider whether this gives rise to a duty for us. Directing our spiritual powers toward the spiritual source—that is the task.

[ 29 ] Vor vier- bis fünftausend Jahren konnte man noch den Menschen sagen: Ihr stammt aus dem Geistigen! - Dieses Wissen, dieses Empfinden ging immer mehr verloren. Am wenigsten vorhanden war es in der Zeit Christi. Aber seitdem kann es auf die Zukunft gerichtet werden, auf das, was den Menschen ähnlich macht dem, was in dem Ereignis von Golgatha geschah. Früher ging man in das Geistige zurück; nach Christus heißt es: Du musst in jedem Leben mehr und mehr aufnehmen von der Christuswesenheit. Wenn die Erde abfallen wird von dem Geistigen, dann wirst du mitgehen mit dem Geistigen. Mit dem Christus-Impuls nehmen wir etwas auf, das uns befähigt, so zu wirken auf den, der uns mit Neid umgibt, so zu wirken auf ihn, dass der Christus-Impuls einziehen kann in den anderen. Damit ist Wahrheit geworden das Wort: «Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.» Das ist möglich durch den Christus-Jesus.

[ 29 ] Four to five thousand years ago, it was still possible to tell people: “You come from the spiritual realm!”—This knowledge, this sense of it, was increasingly lost. It was least present in the time of Christ. But since then, it can be directed toward the future—toward what makes human beings similar to what happened in the event at Golgotha. In the past, people turned back to the spiritual; after Christ, the message is: In every life, you must take in more and more of the Christ-being. When the Earth turns away from the spiritual, you will go along with the spiritual. Through the Christ impulse, we take in something that enables us to influence those who treat us with envy—to influence them in such a way that the Christ impulse can take root in them. Thus, the words “Whatever you did for one of the least of these brothers and sisters of mine, you did for me” have become truth. This is made possible through Christ Jesus.

[ 30 ] Buddha, 600 vor Christus, der wies noch hin zu dem alten geistigen Ursprung, wenn er sagt: Balken stürzen, Pfeiler krachen, der Tempel des Leibes stürzt ein, ich brauche nicht mehr in dieses irdische Leben zurück. - Christus dagegen sagt: «Zerstört diesen Tempel, so will ich ihn in drei Tagen wieder aufrichten.»

[ 30 ] Buddha, in 600 B.C., still pointed to the ancient spiritual origin when he said: “Beams are falling, pillars are cracking, the temple of the body is collapsing; I no longer need to return to this earthly life.” - Christ, on the other hand, says: “Destroy this temple, and I will raise it up again in three days.”

[ 31 ] Wir müssen immer ähnlicher und ähnlicher werden dem Christus, und dazu müssen wir immer wieder und wieder auf die Erde zurückkommen. So wirkt inspirierend der Christus-Impuls bis in die fernste Zukunft.

[ 31 ] We must become more and more like Christ, and to do so, we must return to Earth again and again. That is how the Christ impulse continues to inspire us far into the future.