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Supplements to Member Lectures
GA 246

4 March 1911, Hanover

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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge

39. Die Urschuld des Menschen. «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben». Das Belebende der Kindheitskräfte

39. Man's Original Sin. “I am the Way, the Truth, and the Life.” The Vitalizing Force of Childhood Energies

[ 1 ] Wenn wir in der Theosophie beginnen, uns bekannt zu machen mit dem Wesen des Menschen und seinen verschiedenen Teilen, dann machen wir damit nur einen Anfang, und es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wenn der Glaube Verbreitung fände, dass man mit der Kenntnis der elementaren Lehren der Theosophie schon alles das wisse, was man für die Zukunft und den Fortschritt der Menschheit wissen muss aus der geistigen Welt. Man muss die elementaren Dinge zwar erst wissen, aber man muss auch wissen, dass Theosophie Lebenspraxis werden muss; das aber können nicht die abstrakten Ideen und Begriffe vermitteln, sondern nur ein tieferes Eingehen auf die Art und Weise, wie diese Wahrheiten von der Wesenheit des Menschen zusammenhängen und wie die verschiedenen Glieder zusammenwirken und aufeinander wirken. Es ergibt sich da Folgendes:

[ 1 ] When we begin, in Theosophy, to familiarize ourselves with the nature of the human being and its various parts, we are only making a start; and it would be a fatal mistake if the belief were to spread that knowledge of the elementary teachings of Theosophy alone is sufficient to know everything one needs to know from the spiritual world for the future and progress of humanity. It is true that one must first know the basic principles, but one must also realize that Theosophy must become a way of life; this, however, cannot be conveyed by abstract ideas and concepts, but only through a deeper exploration of how these truths relate to the nature of the human being and how the various aspects interact and influence one another. The following conclusion arises from this:

[ 2 ] Dieses Zusammenwirken der Glieder verändert sich in den verschiedenen Kultur-Epochen; in dem alten ägyptischen Leben würden die Glieder ganz anders aufeinander gewirkt haben als heute; der Mensch hat sich seit jener Zeit geändert; darum müssen wir heute etwas anderes sagen, als dem Schüler damals gesagt wurde. Weiter müssen wir uns klarmachen, dass das nicht nur gilt für die verschiedenen Leibeszusammensetzungen in den einzelnen Kulturepochen, sondern es ändert sich auch während des einzelnen Lebens in den verschiedenen Altersstufen.

[ 2 ] This interaction among the limbs changes across different cultural epochs; in ancient Egyptian life, the limbs would have interacted with one another quite differently than they do today; human beings have changed since that time; therefore, we must say something different today than what was told to students back then. Furthermore, we must realize that this applies not only to the different physical constitutions in the various cultural epochs, but also changes during the course of an individual’s life at different stages of development.

[ 3 ] Sie wissen, dass das Bewusstsein des Kindes sich von dem späteren Bewusstsein [schon allein dadurch] unterscheidet, als das Kind die Andersartigkeit seines Bewusstseins schon dadurch zum Ausdruck bringt, dass es nicht «Ich» zu sich sagt. Es gibt zwar Philologen, die das verwischen wollen; doch an solche heutige Weisheit zu glauben, muss der Mensch sich abgewöhnen. Man kann in derartigen Büchern noch andere tolle Dinge lesen, zum Beispiel, dass das Denken erst gelernt wird und dann das Sprechen, und es ist gerade umgekehrt, der Mensch lernt an der Sprache das Denken. Wenden wir jetzt den Blick auf die andere Bewusstseinsseite des Kindes. Bis zu einem gewissen Alter ist der Mensch in einem besonderen Bewusstseinszustand, der sich dadurch markiert, dass an diesem bestimmten Punkte der Faden der Erinnerung abreißt. Vorher war ja wohl das Bewusstsein vorhanden, aber es umfasste nicht das «Ich». Dieses verhält sich vor diesem Zeitpunkt ganz anders als später. Das «Ich» ist in den ersten Jahren wie eine Außenaura; je mehr diese Außen-Ich-Aura sich hineinzieht in den kindlichen Körper, desto mehr empfindet sich das Kind als «Ich».

[ 3 ] You know that a child’s consciousness differs from later consciousness [simply because] the child expresses the distinctiveness of its consciousness by not saying “I” to itself. There are, admittedly, philologists who wish to obscure this; yet people must break the habit of believing in such modern “wisdom.” One can read other absurd things in such books, for example, that thinking is learned first and then speaking, when in fact it is precisely the opposite: people learn to think through language. Let us now turn our attention to the other aspect of the child’s consciousness. Up to a certain age, a person is in a special state of consciousness characterized by the fact that, at this particular point, the thread of memory breaks off. Consciousness was certainly present before that, but it did not encompass the “I.” Before this point, the “I” behaves quite differently than it does later. In the early years, the “I” is like an outer aura; the more this outer “I” aura draws inward into the child’s body, the more the child perceives itself as an “I.”

[ 4 ] Das Gehirn ist noch unvollkommen, wenn der Mensch ins Dasein tritt; das Ich vervollkommnet den Organismus. Man könnte sagen: So gescheit sind wir doch noch nicht, dass wir an dem Gehirn arbeiten können, doch das wird aus der Weisheit ganz anderer Kräfte heraus geleitet. Das kindliche Ich kann so weise arbeiten, weil es zusammenhängt mit der geistigen Welt, solange es Außen-Aura ist; es ist eingeschaltet in das, was wir als höhere Welten kennengelernt haben. Es ist im tiefsten Sinne wahr, was früher gesagt [worden] ist, dass der weiseste Mensch von dem Kinde sehr viel lernen kann; [die Seele des Kindes] ist, wie ein Telefonanschluss nach der geistigen Welt, diese kindliche Aura; die Taten der geistigen Hierarchien weben hinein. Sobald der Mensch der Illusion verfällt, sein Ich sei in diesen Körper eingeschlossen, ist der Zusammenhang mit der geistigen Welt scheinbar durchschnitten. Solange das Ich den Zusammenhang hat mit den schaffenden Weltmächten, ist es produktiv; später benimmt es sich der schaffenden Kraft, es unterdrückt die geistig belebenden Kräfte, tötet sie ab. In dem kindlichen Ich lebt und wirkt alles lebendig. Es gibt im menschlichen Leben zweierlei Arten von Tätigkeit, die eine Art wirkt noch belebend auf diese ersten Kräfte, die noch unser Gehirn formten, ein anderer Teil aber wirkt mehr, als es notwendig wäre, abtötend, vordrängend auf diese.

[ 4 ] The brain is still imperfect when a human being comes into existence; the “I” perfects the organism. One might say: We are not yet wise enough to be able to work on the brain, but this process is guided by the wisdom of entirely different forces. The child’s “I” can work so wisely because it is connected to the spiritual world as long as it is an outer aura; it is integrated into what we have come to know as the higher worlds. It is true in the deepest sense, as has been said before, that the wisest person can learn a great deal from a child; [the child’s soul] is, like a telephone line to the spiritual world, this childlike aura; the actions of the spiritual hierarchies weave their way into it. As soon as a person falls prey to the illusion that his ego is confined within this body, the connection to the spiritual world appears to be severed. As long as the ego maintains this connection with the creative world forces, it is productive; later it usurps the creative power, suppressing the spiritually enlivening forces and killing them off. In the childlike “I,” everything lives and works with vitality. There are two kinds of activity in human life: one kind still has an enlivening effect on these primal forces that once shaped our brain, while another part acts more than is necessary to stifle and suppress them.

[ 5 ] Wir unterscheiden im Leben Handlungen aus idealistischer Gesinnung (schon die Gefühle des Mitleides sorgen dafür, dass wir solche Dinge tun, die über dem Horizont des Egoismus liegen) und solche, die nur in den Instinkten begründet liegen. Diese zweierlei [Handlungen] finden sich in jedem Menschen auf unserer Kulturstufe. Es kann allerdings angestrebt werden, dass selbst die untergeordnetsten Handlungen sich spiritualisieren, zum Beispiel: Der Mensch lernt die Pflanze als Geistwesen kennen und verschlingt sie nicht mehr wie ein Tier, sondern er sieht in ihr eine Verbindung mit dem Sonnenwesen; er wird dann fühlen, wie in jedem materiellen Vorgang ein Geistiges lebt.

[ 5 ] In life, we distinguish between actions motivated by an idealistic mindset (even feelings of compassion ensure that we do things that transcend the horizons of selfishness) and those rooted solely in instinct. These two kinds of [actions] are found in every human being at our current stage of cultural development. It is, however, possible to strive for even the most basic actions to become spiritualized; for example: A person comes to recognize the plant as a spiritual being and no longer devours it like an animal, but rather sees in it a connection to the Sun Being; he will then sense how a spiritual element lives within every material process.

[ 6 ] Was ist nun das, was uns in Bezug auf die idealistischen Handlungen am meisten auffällt? Die Handlung nimmt sich immer recht klein aus gegenüber dem Ideal. Man braucht nicht mal wie Tolstoj zu sagen «Das Ideal ist daran zu erkennen, dass man es nicht im Leben verwirklichen kann», aber dass unser Denken, Fühlen und Empfinden umfassender sind als unsere Handlungen, das wird uns klar; die Handlung ist nur ein kleiner, das Ideal ein großer Kreis.

[ 6 ] So what is it that strikes us most about idealistic actions? The action always seems quite small compared to the ideal. One need not even say, as Tolstoy did, “The ideal can be recognized by the fact that it cannot be realized in life,” but it becomes clear to us that our thoughts, feelings, and perceptions are more comprehensive than our actions; the action is only a small circle, the ideal a large one.

[ 7 ] Bei Handlungen aus bloßem Trieb ist es umgekehrt; der Gedanke ist da klein, die Handlungen umfassend. Wenn die Handlungen größer sind als die Idee, so sind sie ertötend für das, was im Geist belebend wirkte; sie sind eigentlich das, was dem Menschen den Tod bringt. Umgekehrt, wo die Idee größer ist, wirkt sie belebend auf das Ich.

[ 7 ] With actions driven purely by instinct, the opposite is true; the thought is small, while the actions are all-encompassing. When the actions are greater than the idea, they kill what once enlivened the spirit; they are, in fact, what brings death to a person. Conversely, where the idea is greater, it has a life-giving effect on the self.

[ 8 ] Diese Kraft zu suchen, haben wir nötig. In alten Zeiten sind [die Ideale] heruntergeflossen aus höheren Welten. Im heutigen materialistischen Zeitalter verschwinden immer mehr und mehr die Ideale, die die Menschen von selbst ohne ihr eigenes Zutun früher hatten. Wenn die Menschheit nicht aus eigenem Antrieb versucht, sie neu zu beleben, so wird sie ausdörren. Die Entwicklung geht wie ein Feuerbrand über die Ideale hin. Durch die Theosophie erfährt der Mensch, wie er wieder bewusst hineintreten kann in die geistige Welt. Diese zwei Strömungen werden sich in Zukunft begegnen. Ein kleines Häuflein erst hat den Drang, heranzukommen zur Theosophie; aber bei der Mehrzahl herrscht Antipathie, die bis zur Verachtung geht.

[ 8 ] We need to seek this power. In ancient times, [these ideals] flowed down from higher worlds. In today’s materialistic age, the ideals that people once possessed naturally, without any effort on their part, are disappearing more and more. If humanity does not attempt to revive them of its own accord, they will wither away. This development is sweeping over the ideals like a wildfire. Through theosophy, people learn how to consciously re-enter the spiritual world. These two currents will converge in the future. Only a small handful currently feel the urge to approach Theosophy; but among the majority, antipathy prevails, extending even to contempt.

[ 9 ] Es gibt gar keine Möglichkeit, den Idealismus für die Zukunft zu retten, wenn die Menschen vergessen, was die Religionen und alten Weltanschauungen ihnen gegeben haben. Die Mission der Theosophie ist damit gezeichnet. Es ist eine leere Phrase, dass die Ideale auch ohne die Theosophie nicht verloren gehen würden.

[ 9 ] There is absolutely no way to preserve idealism for the future if people forget what religions and ancient worldviews have given them. This defines the mission of Theosophy. It is an empty phrase to say that ideals would not be lost even without Theosophy.

[ 10 ] Es besteht eine gewisse Anziehung zwischen der ersten Kindheit und dem Drang zum Idealen. In der menschlichen Natur wirkt also das, was man die belebenden Kräfte der Welt nennen kann; aber nur drei Jahre unseres Lebens haben wir das drinnen, was der Träger des Ich-Bewusstseins erst erlangen wird, wenn das eigentliche Ich schon seine Kraft verliert.

[ 10 ] There is a certain attraction between early childhood and the drive toward the ideal. Thus, what might be called the vital forces of the world are at work in human nature; but for only three years of our lives do we possess within us what the bearer of self-consciousness will not attain until the actual self has already begun to lose its power.

[ 11 ] Erinnern wir uns: Der physische Leib kommt in den ersten sieben Jahren zur Ausbildung; das spätere Wachstum geschieht aufgrund der Formen, die sich in den ersten sieben Jahren gebildet haben. In den nächsten sieben Jahren bis zur Geschlechtsreife entwickelt der Ätherleib eine freie Tätigkeit. Während der Geschlechtsreife bis zum zwanzigsten Jahre wird der Astralleib frei, dann die Empfindungsseele; was wir Verstandes- oder Gemütsseele nennen, wird erst mit dem 28. Jahre entwickelt; das eigentliche Ich haben wir da schon in gewisser Weise abgetötet. Es könnte uns scheinen, als wenn es also besser sei, wenn man gar nicht vor dem 28. Jahre seine Körperkräfte so frei entwickeln könnte, wenn vielmehr die Kräfte beiderseits ganz ungeschwächt aufeinander wirken könnten. Wären Luzifer und Ahriman nicht aufgetreten, würde der Mensch ganz, ganz anders dastehen in der Welt; der Mensch würde ausreifen lassen sein Gehirn; er würde dann noch die Fähigkeit haben, dieses Gehirn mit vollem Bewusstsein zu einem Instrument des menschlichen Lebens zu machen.

[ 11 ] Let us remember: The physical body develops during the first seven years; subsequent growth occurs on the basis of the forms that were established during those first seven years. In the next seven years, up to sexual maturity, the etheric body develops its own independent activity. During sexual maturity, up to the age of twenty, the astral body becomes free, followed by the sensory soul; what we call the intellectual or emotional soul does not develop until the age of 28; by then, we have already, in a certain sense, suppressed our true “I.” It might seem to us, then, that it would be better if one could not develop one’s physical powers so freely before the age of 28, but rather if the forces on both sides could interact with one another without any weakening. Had Lucifer and Ahriman not appeared, human beings would stand quite, quite differently in the world; human beings would allow their brains to mature; they would then still have the ability to make this brain, with full consciousness, an instrument of human life.

[ 12 ] Was aber Luzifer und Ahriman bewirkt haben, das muss wieder korrigiert werden. Die Menschen müssen am Schluss der Erdenentwicklung so weit sein, dass sie bewusst solchen hohen Idealismus zu entwickeln vermögen, wie er früher durch das göttliche Ich unbewusst in ihnen lebte. Nach und nach natürlich wird der Mensch diesen Idealismus entwickeln, auf einmal wird er es nicht können. Dieses Ideal, das vom Menschen am Ende der Erdenentwicklung erreicht werden soll, musste einmal vor die Menschheit hingestellt werden. Drei Jahre verträgt der Mensch das kindliche Ich, darum vertrug auch der vom Jesus-Ich verlassene Leib nur drei Jahre das neue, in ihn hineingeborene Ich des Christus. Von den vorsorglichen weisen Weltkräften musste also ein Leib hingestellt werden, der ebenso war wie der Leib, der ein kindliches Ich aufnehmen kann, und zwar um das dreißigste Jahr musste es in den menschlichen Leib gesenkt werden, in der Zeit, wo das menschliche Ich die geringste Fühlung mit der geistigen Welt hat, wo es diese geistigen Kräfte so ziemlich ganz abgetötet hat; und zugleich in der Zeit, wo die ganze Menschheit am meisten abgeschnitten war von der geistigen Welt, und das ist gerade die Mitte der Menschheitsentwicklung.

[ 12 ] But what Lucifer and Ahriman have brought about must be corrected. By the end of Earth’s evolution, human beings must have reached a stage where they are able to consciously develop the kind of high idealism that once lived unconsciously within them through the divine I. Of course, human beings will develop this idealism gradually; they will not be able to do so all at once. This ideal, which human beings are to attain at the end of Earth’s evolution, had to be set before humanity at some point. Human beings can sustain the childlike “I” for three years; that is why the body abandoned by the Jesus-I could sustain the new “I” of Christ—born into it—for only three years. The provident, wise world forces therefore had to provide a body that was just like the body capable of receiving a childlike ego; and it had to be lowered into the human body around the age of thirty—at the time when the human ego has the least connection with the spiritual world, when it has all but completely stifled these spiritual forces; and at the same time, during the period when all of humanity was most cut off from the spiritual world—which is precisely the midpoint of human development.

[ 13 ] Und es ist vor die Menschen hingestellt worden, dieses Ideal: Es ist der Christus-Jesus. Sie haben dieses Ideal begriffen, sodass Sie verstehen, dass die Johannes-Taufe im Jordan darstellt das Heraustreten des Ich des Jesus und das Hineindringen des Christus-Ich. In ähnlicher Weise kann der Mensch im Verlauf seiner späteren Inkarnationen die Verbindung zwischen den zwei Welten herstellen. Nur in dem Zeitalter, als der Christus auftrat, ist die Verstandesseele so entwickelt worden in der Menschheit, dass sie sich ganz frei gemacht hatte von den höheren Kräften. Jetzt müssen wir mit unserm Vollbewusstsein unterzutauchen verstehen in alle die lebendigen Kräfte, die wir in den Kindheitsjahren unbewusst haben. («So ihr nicht werdet wie die Kindlein»). Bewusst muss später in uns das geschehen, was in den Kindheitsjahren uns unbewusst hereinströmt.

[ 13 ] And this ideal has been set before humanity: it is Christ Jesus. You have grasped this ideal, so that you understand that John’s baptism in the Jordan represents the emergence of Jesus’s “I” and the entry of the Christ “I.” In a similar way, human beings can establish the connection between the two worlds in the course of their later incarnations. Only in the age when the Christ appeared had the intellectual soul developed to such an extent in humanity that it had completely freed itself from the higher forces. Now we must learn to immerse ourselves, with full consciousness, in all the living forces that we possessed unconsciously during our childhood. (“Unless you become like little children”). What flows into us unconsciously during childhood must later take place within us consciously.

[ 14 ] Das Tier wächst hinein in die Stellung, die es im Leben einnimmt durch die angeborene Gleichgewichtslage; beim Menschen ist das nicht der Fall; er muss sich erst den aufrechten Gang erarbeiten, und das ist eine Arbeit des Ich; dieses kristallisiert die Gleichgewichtslage erst heraus. Das Tier ist nicht fähig, sich Erkenntnisse anzueignen; was man Wahrheit nennt, lebt nicht im Tier. Aber das Ich gibt dem Menschen in den ersten drei Jahren seines Lebens «den Weg, die Wahrheit und das Leben». Das unbewusste Ich bringt das zustande. Was muss also der Mensch sagen, wenn dies für seinen Geist vollzogen wird? «Ich» bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; und so Ihr nicht werdet im Geist vollbewusst so, wie unbewusst in den drei ersten Lebensjahren, könnt Ihr nicht kommen in die Reiche der Himmel. - Denken wir uns das kindliche Ich vergeistigt, so muss es wirken durch alle folgenden Inkarnationen, und es ist das Christus-Ich.

[ 14 ] Animals grow into the posture they assume in life through their innate state of balance; this is not the case with humans; they must first work to achieve an upright gait, and this is a task of the “I”; it is the “I” that first crystallizes this state of balance. The animal is not capable of acquiring knowledge; what is called truth does not exist in the animal. But the “I” gives human beings “the way, the truth, and the life” during the first three years of their lives. The unconscious “I” brings this about. What, then, must a human being say when this is accomplished for their spirit? “I” am the way, the truth, and the life; and unless you become fully conscious in the spirit, just as you were unconsciously in the first three years of life, you cannot enter the kingdoms of heaven. — If we imagine the childlike “I” spiritualized, it must be at work through all subsequent incarnations, and it is the Christ-I.

[ 15 ] Den Menschen ist also durch das, was im Mittelpunkte der Erdenentwicklung geschah, der Weg vorgezeichnet für die folgenden Inkarnationen. Zum innersten Menschenerleben muss das werden.

[ 15 ] Thus, through what took place at the center of Earth’s evolution, the path for humanity’s subsequent incarnations has been laid out. This must become the innermost human experience.

[ 16 ] Was geschieht denn in jedem Menschen gegenüber den ersten Kräften? Wir töten die Kräfte des dreijährigen Kindesalters. Wenn die Menschen nicht mitbekommen hätten einen genügend großen Fonds von Weisheit und spiritueller Kraft, so würden sie bei dem systematischen Abtöten schon vertrocknet sein.

[ 16 ] What happens within each person with regard to these early forces? We kill off the forces of the three-year-old child. If people had not acquired a sufficiently large reserve of wisdom and spiritual strength, they would have withered away long ago as a result of this systematic destruction.

[ 17 ] Nur die einzige Individualität, die nicht mit eingetreten war in den allgemeinen Gang der Entwicklung, nur die konnte das Opfer auf Golgatha bringen. Wer hat den Christus Jesus auf Golgatha getötet? Die Menschen! - Alle! Indem sie eine solche Natur angenommen haben, wie die Menschennatur ist. Dies ist das tiefste christliche Bewusstsein, zu wissen, dass der Mensch schuldig ist an dem Mysterium auf Golgatha und dass dies Ereignis eintreten musste wegen der menschlichen Natur. Getötet haben die Menschen den Christus! Wir alle haben es getan! Das hat eine Wirkung ausgeübt, die nicht beseitigt werden kann! Aber die Erkenntnis wird dazu führen, den Christus aufzunehmen in die menschliche Seele, damit der Christus mit den Menschen, die er gerettet hat, hinübergeht auf den Jupiter. Entweder der eine Teil der Menschen wird herrschen, der das Bewusstsein hat von dieser Urschuld, oder aber der andere Teil, der diese Schuld nicht anerkennen wird.

[ 17 ] Only the one individual who had not joined the general course of development—only that one could make the sacrifice on Golgotha. Who killed Christ Jesus on Golgotha? Human beings!—All of them! By assuming a nature such as human nature is. This is the deepest Christian awareness: to know that humanity is guilty of the Mystery on Golgotha and that this event had to occur because of human nature. It was human beings who killed Christ! We have all done it! This has had an effect that cannot be undone! But this realization will lead to the Christ being received into the human soul, so that the Christ may pass over to Jupiter with the people He has saved. Either the portion of humanity that is conscious of this original sin will reign, or the other portion that will not acknowledge this guilt.

[ 18 ] Evangelien lesen macht nicht allein den Christen, sondern das Gefühl: Du hast Christus getötet, du musst ihm eine Stätte bereiten. Ein Christ kann man werden dadurch, dass man die Menschennatur kennenlernt. Dann kann man erkennen, dass der Christus schon dagewesen ist, durch das untrügliche Mittel, dass der Mensch seine eigenen Gedanken wieder zu vergeistigen fähig wird.

[ 18 ] Reading the Gospels does not alone make one a Christian, but rather the realization: “You have killed Christ; you must prepare a place for him.” One can become a Christian by getting to know human nature. Then one can recognize that Christ has already been here, through the infallible means by which a person becomes capable of spiritualizing their own thoughts again.

[ 19] Die Gedanken sind ganz unschöpferisch geworden. Gerade jetzt, wo alles ausgetrocknet ist von der befruchtenden Weisheit der höheren Welten. In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gab es noch Persönlichkeiten, die eine Ahnung hatten von dem Zusammenhang mit der geistigen Welt. Immanuel Hermann Fichte hat alle Beweise aufgebracht, die er hat finden können für den geistigen Ursprung des Menschen. An einer Stelle findet sich bei ihm aber auch eine Ahnung von der menschlichen Urschuld. Nicht so weit ging er, dass er sagte: Alle Menschen haben den Christus getötet, aber er sprach es aus, dass die Menschen in Finsternis leben. Er sagt: Es muss die Zeit kommen, wo in ganz anderer Art die Menschheit gewiesen werden muss auf die geistige Welt.

[ 19] Thoughts have become entirely uncreative. Especially now, when everything has been drained of the life-giving wisdom of the higher worlds. In the first half of the nineteenth century, there were still individuals who had a sense of the connection to the spiritual world. Immanuel Hermann Fichte gathered all the evidence he could find for the spiritual origin of humankind. In one passage, however, he also expresses a sense of original human guilt. He did not go so far as to say, “All people have killed the Christ,” but he did state that people live in darkness. He says: “The time must come when humanity must be guided toward the spiritual world in an entirely different way.”

[ 20 ] Wir fragen uns bestürzt: Sind wir denn dazu berufen, diese Ahnung zu erfüllen? Wenn wir die rechte Demut entfalten, können wir dies Gefühl der Bestürzung überwinden. Wir sehen ein: Einmal musste der Christus kommen, damit die Menschheit den Antrieb hat; aber nur einmal war es möglich; nicht mehrere Christusse sind über die Erde gegangen oder werden über sie gehen, das ist nicht wahr! Versuchen Sie einmal, die Waage an zwei Punkten aufzuhängen! An einer Stelle muss sie gestützt werden, und zwar in der Mitte, sonst wiegt sie nicht. So sagt jeder Okkultist: Einmal musste der Christus kommen, und zwar in der Mitte der Erdenentwicklung! Die Menschen werden sich immer mehr und mehr zur Erkenntnis der Bedeutung dieses Christus-Impulses durchringen. Sie werden zuerst im Herzen und dann auch äußerlich das Damaskus-Ereignis bei sich wiederholen. Das wird die Wiederkunft des Christus sein, die nicht eine Wiederkehr im physischen Leibe [...] ist. So bewahrheitet sich durch die Theosophie einer der Aussprüche, gegen den fortwährend diejenigen sündigen, die da sagen, Theosophie sei etwas unchristliches, denn sie widerstreite den Evangelien.

[ 20 ] We ask ourselves in dismay: Are we truly called to fulfill this premonition? If we cultivate true humility, we can overcome this feeling of dismay. We realize: Christ had to come once so that humanity would have the impetus; but it was possible only once; not multiple Christs have walked the earth or will walk it—that is not true! Try hanging a scale from two points! It must be supported at one point—namely, in the middle—otherwise it will not balance. Thus every occultist says: The Christ had to come once, and specifically in the middle of Earth’s evolution! People will increasingly bring themselves to recognize the significance of this Christ impulse. They will first experience the Damascus event within their hearts and then also outwardly. This will be the Second Coming of Christ, which is not a return in a physical body [...]. Thus, through Theosophy, one of the sayings is fulfilled—a saying against which those who claim that Theosophy is unchristian continually sin, for they assert that it contradicts the Gospels.

[ 21 ] Fortwährend lässt uns der Christus seine neuen Evangelien zukommen, denn er sagt: «Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen.» Die Evangelien, die in den vieren nicht stehen, werden immer mehr und mehr einströmen; die Verkündigung wird nie enden, um gerade das den Menschen zu geben, was sie damals noch nicht tragen konnten; denn der Christus hat es der Menschheit zu sagen, und er wird es ihr sagen. Wohl ihr, wenn sie cs entgegennimmt!

[ 21 ] Christ continually sends us his new gospels, for he says: “I have much more to tell you, but you cannot bear it yet.” The gospels not found in the four canonical gospels will continue to pour in more and more; the proclamation will never end, precisely to give people what they were not yet able to bear at that time; for Christ has this to say to humanity, and He will say it to them. Blessed are they who receive it!