Supplements to Member Lectures
GA 246
17 November 1912, Hamburg
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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
52. Wille zum Verständnis anderer Seelen
52. The Will to Understand Other Souls
[ 1 ] Dass es in der Gegenwart möglich ist, über Tatsachen und Vorgänge der geistigen Welt zu reden, dass es eine gewisse Geistesströmung geben kann, die es möglich macht, hinzuweisen auf das, was zwischen Tod und neuer Geburt mit den Menschen vorgeht, müssen wir betrachten als eine wichtige, bedeutungsvolle Gabe, die uns aus den geistigen Welten heraus zuteilwird. Jedes Zeitalter - das eine mehr, das andere weniger - bekommt gewisse Offenbarungen aus der geistigen Welt heraus, und der Mensch sollte sich bemühen, ein Verhältnis zu gewinnen zu alle diesem, was ihm werden kann aus der geistigen Welt. Es ist ja begreiflich, dass vielen das unmöglich erscheint, denn die menschliche Seele neigt zur Bequemlichkeit, zum Stehenbleiben bei dem einmal Angenommenen. Solchen Menschen scheint es, dass es genügt zu wissen, was die Bibel geben kann, was ihnen durch Tradition überkommt. Die meisten werden heute noch so sprechen. Theosophie, wie wir sie hier treiben, ist aber doch das, was uns die Gottheit für unsere Zeit zugedacht hat, um unsere Seele richtig zu erkennen. Die wahre Lösung der Seelenrätsel kann uns nur durch die Erkenntnis der übersinnlichen Welt werden. Darum ist sorgfältig immer wieder nachzuprüfen das, was sich auf unser übersinnliches Sein bezieht.
[ 1 ] The fact that it is possible today to speak about facts and events in the spiritual world, and that there can be a certain spiritual current that makes it possible to point to what happens to people between death and rebirth, must be regarded as an important and meaningful gift bestowed upon us from the spiritual worlds. Every age—some more, some less—receives certain revelations from the spiritual world, and human beings should strive to develop a relationship with all that may come to them from the spiritual world. It is understandable, of course, that this seems impossible to many, for the human soul tends toward complacency, toward clinging to what has already been accepted. To such people, it seems sufficient to know what the Bible has to offer, what has been handed down to them through tradition. Most people still speak this way today. But Theosophy, as we practice it here, is precisely what the Deity has intended for us in our time, so that we may truly come to know our souls. The true solution to the mysteries of the soul can come to us only through knowledge of the supersensible world. That is why we must carefully examine, time and again, whatever pertains to our supersensible being.
[ 2 ] Gerade jetzt war es meine Aufgabe, das Leben zwischen Tod und neuer Geburt aufs Neue zu durchforschen. Man muss bedenken, wie viel besser man schon eine physische Gegend kennenlernt, wenn man sie zum zehnten oder zwölften Male bereist, als wenn man sie zum vierten oder fünften Mal sieht. Wir wollen bei dieser Betrachtung absehen von dem Kamalokaleben. Erst von dem Zeitpunkt wollen wir ausgehen, wo wir dazu kommen, alles abgestreift zu haben, was uns noch mit dem Erdendasein verbindet. Keine Seele kann sich in Bezug auf Moralität kennenlernen, die sich nicht über das Leben in der übersinnlichen Welt belehrt. Gerade wie wir im physischen Leben die äußere Welt wahrnehmen in Tönen, Gerüchen, Empfindungen, wie alles das unsere Welt ausmacht, so leben wir da, wo wir das Kamalokaleben überwunden haben, in einer Welt der Imaginationen, der Visionen, der Bilder.
[ 2 ] Right now, my task was to explore anew the life between death and rebirth. One must consider how much better one comes to know a physical region when visiting it for the tenth or twelfth time than when seeing it for the fourth or fifth time. In this consideration, let us set aside life in the physical world. Let us begin only from the point at which we have shed everything that still connects us to earthly existence. No soul can come to know itself in terms of morality unless it educates itself through life in the supersensible world. Just as in physical life we perceive the external world through sounds, smells, and sensations—all of which constitute our world—so, once we have transcended the kamaloka life, we live in a world of imaginations, visions, and images.
[ 3 ] Wir sind dann von solchen Visionen eingeschlossen. Bilderleben ist das, was wir zuerst erleben, wie eine mächtige Wolke, die sich in die spirituelle Welt hineinbegibt. Doch unterscheiden sich diese Visionen von denen, die der Mensch schon im physischen Leben haben kann. Hinter allen Visionen, die uns in der geistigen Welt umgeben, haben wir [Wesenheiten] zu sehen. Wir sind zusammen mit allen denen, die uns nahegestanden haben, aber so, dass wir zwischen ihrer realen Wirklichkeit und uns die Bilderwolken haben. Wir stehen zu unserer Umgebung in Beziehungen durch Bilder. Was nun weiter für die verschiedenen Menschen eintritt, hängt ab von ihrer moralischen Qualität im Erdenleben. Die Grundstimmung der Seele ist ein wichtiger Faktor. Bei einer wenig moralischen Seele nimmt sich das Bild des Verstorbenen aus, wie von einer Art Schale umgeben, die sie nicht durchdringen kann. Dagegen kommen wir durch diese Hülle durch, wenn wir mit einer selbstlosen Seele dem Bilde gegenüberstehen. Moralität macht uns zu geselligen Wesen im Leben nach dem Tode; selbstsüchtiges Wesen macht uns zu Einsiedlern. Unter der Einsamkeit aber leiden wir; es ist der ärgste Grad des Leidens, dass wir abgeschlossen sind von dem Schauen der Visionen. Im Erdenleben besteht Moralität darinnen, dass wir die Wege zu den anderen Seelen finden, dass wir uns nicht abschließen von den anderen in Härte und Kälte.
[ 3 ] We are then enveloped by such visions. Visual experiences are what we encounter first, like a powerful cloud entering the spiritual world. Yet these visions differ from those that a person can already have in physical life. Behind all the visions that surround us in the spiritual world, we must perceive [beings]. We are together with all those who were close to us, but in such a way that the clouds of images lie between their actual reality and us. We relate to our surroundings through images. What happens next for each individual depends on their moral character during their earthly life. The soul’s fundamental disposition is an important factor. To a soul of low moral character, the image of the deceased appears to be surrounded by a kind of shell that it cannot penetrate. In contrast, we are able to pass through this shell when we face the image with a selfless soul. Morality makes us sociable beings in the afterlife; selfishness turns us into hermits. But we suffer from loneliness; it is the worst form of suffering—to be cut off from the sight of visions. In earthly life, morality consists in finding the paths to other souls, in not shutting ourselves off from others with harshness and coldness.
[ 4 ] Was den Menschen immer wichtiger sein wird in der Zukunft, das ist Verständnis der einen Seele für die andere. Es fehlt heute nicht an dem Willen zu Wohltaten, als vielmehr an dem Willen zum Verständnis der anderen Seelen zu gelangen. Wenn Theosophie praktisch auch das äußere soziale Leben befruchten will, so muss aus ihren Lehren entstehen der Drang sich hineinzufinden in jede andere Seele. Damit ist nicht gemeint, dass wir die andere Seele einseitig nur loben müssten; das kann auch aus reinem Egoismus geschehen. Wenn es uns gerade sympathisch ist, mit diesem oder jenem zusammen zu sein, so treibt uns unser Interesse oft, ihn zu loben. Die wahre Moralität aber gründet sich darauf, dass man gerade imstande ist, sich unbefangen des Menschen Seele gegenüberzustellen.
[ 4 ] What will become increasingly important to people in the future is one soul’s understanding of another. Today, there is no lack of the will to do good deeds, but rather a lack of the will to understand other souls. If Theosophy is to have a practical, enriching effect on external social life, its teachings must give rise to the urge to empathize with every other soul. This does not mean that we must praise the other soul one-sidedly; that can also stem from pure selfishness. If we happen to enjoy being with this or that person, our interest often drives us to praise them. True morality, however, is based on the ability to approach another person’s soul with an open mind.
[ 5 ] Gesellige Wesen werden wir im Devachan durch eine moralische Seelenverfassung. Während der ganzen Zeit, die unsere Seele braucht, um durch eine bestimmte Sphäre des Devachan zu gehen, hat die mehr oder weniger moralische Seelenverfassung diese wichtige Bedeutung. Die Seele ist nicht eine Art Vogel, der sich in bestimmter Richtung aufwärtsschwingt, sondern es tritt vielmehr etwas wie ein Vergrößern, ein Sichausweiten ein. Man wächst mit seinen Wesen bis zu dem Kreis, den im alten Sinne der Planet Merkur (im neuen die Venus) beschreibt. Man nennt darum im Okkultismus diese Stufe des Devachan die Merkursphäre. Damit wir in ihr keine Einsiedler sind, müssen wir mit moralischer Seelenverfassung kommen.
[ 5 ] In Devachan, we become sociable beings through a moral state of mind. Throughout the entire time it takes our soul to pass through a particular sphere of Devachan, this more or less moral state of mind plays a crucial role. The soul is not a kind of bird that soars upward in a certain direction; rather, something like an enlargement, an expansion, takes place. One grows in one’s being up to the orbit described, in the old sense, by the planet Mercury (in the new sense, by Venus). That is why, in occultism, this stage of Devachan is called the Mercury sphere. In order not to be hermits there, we must arrive with a moral state of mind.
[ 6 ] Für die nächste Sphäre kommt dann in Betracht, was Religiosität genannt wird; das ist etwas Höheres als bloße Moral. Religion hängt zusammen mit der Fähigkeit, sich selbst in Beziehung zu bringen mit dem Ewigen. Der richtig gestimmte Mensch ist fähig, sich in dieser zweiten Sphäre, der Venussphäre (im alten Sinne) an alle dort existierenden Wesen anzuschließen. Dagegen wird der Nichtreligiöse dort einsam sein. Diese Einsamkeit ist der Quell von Leiden, durch die er allerdings nicht zwecklos gequält wird, sondern die dazu dienen, ihn zu bessern. Menschen, die wenig Gefühl haben für den Zusammenhang des Irdischen mit dem Göttlichen, sind die einsamsten, zum Beispiel werden die Anhänger des Monistenbundes gar keine Möglichkeit haben, diesen Bund auszudehnen in die Zeit ihres Venuszustandes, weil sie alle einsam sein werden.
[ 6 ] The next sphere involves what is called religiosity; this is something higher than mere morality. Religion is connected with the ability to relate oneself to the Eternal. A person of the right disposition is capable, in this second sphere—the sphere of Venus (in the ancient sense)—of joining with all the beings that exist there. In contrast, the non-religious person will be lonely there. This loneliness is the source of suffering; however, he is not tormented by it in vain, but rather it serves to improve him. People who have little sense of the connection between the earthly and the divine are the loneliest; for example, the followers of the Monist League will have no possibility at all of extending this league into the time of their Venusian state, because they will all be lonely.
[ 7 ] Dass man im Okkultismus von Merkur- und Venussphären spricht, ist darin begründet, dass sie so weit ausgedehnt sind, dass die Bewohner dieser Sphären mit den Wesen dieser Planeten zusammenleben. Wenn jemandes geistiger Blick geöffnet wird für das, was in der übersinnlichen Welt ist, dann sieht er Wesen, die auf dem Mars oder Jupiter sozusagen gestorben sind. Diese machen ähnliche Veränderungen durch wie die Menschenseelen nach dem Tode. Wir sind stets umgeben von solchen Wesen, die die anderen Planeten bewohnt haben. Bewusst können wir uns ihrer Nähe zwar nicht werden, wenn wir uns dafür nicht geschult haben. Aber mit den Wesen, mit denen wir hier gelebt haben, kommen wir zusammen, je nach Maßgabe unserer Seelenverfassung mehr oder weniger bewusst.
[ 7 ] The reason why occultism speaks of Mercury and Venus spheres is that these spheres are so vast that the inhabitants of these spheres live together with the beings of these planets. When a person’s spiritual vision is opened to what exists in the supersensible world, they see beings who have, so to speak, died on Mars or Jupiter. These beings undergo transformations similar to those of human souls after death. We are constantly surrounded by such beings who once inhabited the other planets. We cannot consciously perceive their presence unless we have been trained to do so. But we do come into contact with the beings with whom we lived here, more or less consciously depending on the state of our souls.
[ 8 ] Man kann zwar nicht davon sprechen, dass der Mensch Beziehungen zu allen Wesen anknüpfe, aber eins tritt als bedeutsames Erlebnis auf, und zwar als erschütternde Erfahrung. Wenn wir hier einem Menschen einen gewissen Grad von Sympathie oder Antipathie entgegenbrachten, so können wir später zu der Erkenntnis gekommen sein, dass wir ihn zu wenig geliebt haben, dass er es verdient hätte, von uns mehr geliebt zu werden. Treffen wir ihn nun drüben wieder mit dieser Erkenntnis, so können wir jetzt nicht den Wunsch ausführen, ihn mehr zu lieben. Durch die Natur der geistigen Welt sind wir gezwungen, bei dem Grad von Liebe stehen zu bleiben, die wir ihm schon auf Erden schenkten. Wir können unser Urteil korrigieren, so lange wir auf der Erde sind, nicht [aber] in der geistigen Welt, da bleibt das Verhältnis so, wie es hier war. Es ist geradezu nötig für unsere Entwicklung, dass wir lange Zeit hindurch sehen, wie wir zu anderen Menschen stehen. Wenn zum Beispiel ein Mensch den anderen verkannt hat, so kann er dies nach dem Tode wissen, aber er kann es nicht ändern, er muss in demselben Verhältnis zu ihm bleiben. Wenn man durch Forschen in der geistigen Welt solche Tatsachen in ihrer ganzen Wichtigkeit erfährt, so bekommt man so recht ein Gefühl dafür, wie viel Geistiges hineinragt in die Menschheits-Entwicklung. Gerade bei dem Wiederprüfen dieser Zustände ergab sich mir Folgendes.
[ 8 ] While one cannot say that human beings form relationships with all beings, one such relationship emerges as a significant experience—indeed, as a profoundly moving one. If we felt a certain degree of sympathy or antipathy toward a person here, we may later have come to realize that we did not love them enough, that they deserved to be loved more by us. If we now meet them again in the spirit world with this realization, we cannot fulfill the desire to love them more. Due to the nature of the spiritual world, we are compelled to remain at the level of love we already bestowed upon them while on Earth. We can correct our judgment as long as we are on Earth, but not in the spiritual world; there, the relationship remains as it was here. It is absolutely necessary for our development that we look back over a long period of time to see how we relate to other people. If, for example, one person has misjudged another, he may realize this after death, but he cannot change it; he must remain in the same relationship with that person. When one learns of such facts in all their significance through research into the spiritual world, one truly gains a sense of how much the spiritual realm influences human development. It was precisely while reexamining these conditions that the following occurred to me.
[ 9 ] (Mit Homer habe ich mich viel im Leben beschäftigt, da fiel mir ein Wort Homers ein:) «Der Mensch tritt ein in eine Welt, in der es keine Veränderung gibt». Und ich sagte mir: Das verstehst du erst jetzt. Dies ist ein Beweis dafür, was von solchen Menschen, die wie Homer in hohem Grade hellsichtig waren (die Griechen nannten ihn deshalb den blinden Homer), unendlich viel hineingeheimnist wird in die Weltgeschichte. An einem solchen Wort könnte man sonst vorübergehen.
[ 9 ] (I have spent a great deal of time studying Homer in my life, and a phrase of his came to mind:) “Man enters a world in which there is no change.” And I said to myself: You’re only understanding this now. This is proof of how much is mysteriously woven into world history by people like Homer, who possessed a high degree of clairvoyance (which is why the Greeks called him “blind Homer”). One might otherwise overlook such a statement.
[ 10 ] Noch etwas anderes drängte sich mir auf in den letzten Wochen, während meine Untersuchungen mich in die Nähe eines wichtigen Fleckes Erde, in die Nähe von Florenz, wo die Medici-Gräber wunderbar plastische Kunstwerke Michelangelos zeigen: Morgen- und Abenddämmerung, Tag und Nacht in vier allegorischen Figuren. Übrigens, was gewöhnlich als die Statue des Julius geschildert wird, ist der Lorenzo und umgekehrt; tatsächlich ist die eine Statue mal herübergestellt worden, die Beschreibungen passen absolut nicht auf die Figuren.
[ 10 ] Something else has been on my mind in recent weeks, as my research has taken me near an important place—near Florence, where the Medici tombs feature Michelangelo’s wonderfully sculptural works of art: Dawn and Dusk, Day and Night, depicted in four allegorical figures. Incidentally, what is usually described as the statue of Julius is actually Lorenzo, and vice versa; in fact, one of the statues was moved to the other side at some point, and the descriptions do not match the figures at all.
[ 11 ] Ich sträubte mich anfangs gegen das, was sich mir bei der Betrachtung der Allegorien aufdrängte. Wenn man diese Gestalten okkultistisch untersucht, zunächst die wunderbare Gestalt der Nacht, so kann man fragen: Wenn aus dem Gefüge des viergliedrigen Menschen der astralische Leib draußen ist und innerlich wirkt der Ätherleib, wie müsste man das ausdrücken in Gebärde und Gesten? - Und man muss antworten: So, wie Michelangelo die Nacht hingestellt hat. Und an demselben Grabmal auf der anderen Seite die Darstellung des Tages wird richtig erklärt, wenn man sich erinnert, dass beim Tagwachen Menschen alles, was sichtbar ist, beherrscht wird von dem Ich. Michelangelo braucht das nicht gewusst zu haben, aber in der Zeit, wo er den größten Schmerz seines Lebens durchmachte, da gestaltete sich aus seinem Seelenleben diese wunderbar sprechende Gestalt: der Tag.
[ 11 ] At first, I resisted what seemed to impose itself on me as I contemplated the allegories. If one examines these figures from an occult perspective—beginning with the marvelous figure of Night—one might ask: If, within the fourfold human being, the astral body is outside and the etheric body is active within, how would one express this in posture and gesture?—And one must answer: Just as Michelangelo depicted Night. And on the same tomb, on the other side, the depiction of Day is correctly explained when one recalls that, during waking hours, everything that is visible in human beings is governed by the ego. Michelangelo need not have known this, but at the time when he was enduring the greatest pain of his life, this wonderfully eloquent figure took shape from his inner life: Day.
[ 12 ] Bei der Morgendämmerung erkennt man, dass der Astralleib in seiner vorherrschenden Weise dargestellt werden soll. Bei der Abenddämmerung scheint der physische Leib wie sich selbst überlassen, schlapp hingegeben dem Einfluss des Schlafes.
[ 12 ] At dawn, one can see that the astral body is to be depicted in its dominant form. At dusk, the physical body seems to be left to its own devices, limp and surrendered to the influence of sleep.
[ 13 ] Da haben wir rundherum von einem Künstler hingestellt die vier Glieder der menschlichen Wesenheit. Da kann man sich vorstellen, wie die Legende entstehen konnte, dass Michelangelo seiner Figur des Tages bei Sonnenaufgang Leben hätte einflößen können. Das Rätsel dieser Figuren werden die Menschen erst lösen lernen, wenn sie wissen, dass der Mensch aus vier Gliedern besteht. Das Wichtigste ist zwar, dass sie erkennen das, was uns schon in jeder einzelnen Seele ebenso geheimnisvoll entgegentritt.
[ 13 ] There, arranged in a circle by an artist, are the four members of the human being. One can form a mental image of how the legend might have arisen that Michelangelo was able to breathe life into his sculpture of the day at sunrise. People will only learn to solve the mystery of these figures once they know that the human being consists of four parts. The most important thing, however, is that they recognize what already confronts us just as mysteriously in every single soul.
[ 14 ] Wir haben also gehört, wie der Zustand der Seele für die beiden genannten Stufen des Devachan beeinflusst wird vom Leben auf der Erde. Hat der Mensch hier gar nichts entwickelt von religiösem Gefühl, so ist er Einsiedler auf der Venussphäre. Hat er nun ein bestimmtes Bekenntnis gepflegt, so ist er gebunden an diese Sphäre, wo dieses zu finden ist. So wahr es ist, dass es bis heute dem Menschen natürlich war, in einem bestimmten Bekenntnis zu bleiben, so schreiten wir jetzt einer Zeit zu, wo diese Beschränkung überwunden werden muss.
[ 14 ] We have thus heard how life on Earth influences the state of the soul during the two stages of Devachan mentioned above. If a person has developed no religious feeling whatsoever here, he becomes a hermit on the Venus sphere. If, however, they have followed a particular religious denomination, they are bound to the sphere where that denomination is found. As true as it is that, until now, it has been natural for people to remain within a particular religious denomination, we are now moving toward a time when this limitation must be overcome.
[ 15 ] Schwierig ist es für alle, die eine Art von Suggestion empfangen haben, sich die nötige Unbefangenheit zu erringen. So ist es zwar schon einigen Abendländern gelungen, als Christen unbefangen den Buddhismus oder Mohammedanismus anzuerkennen. Ungeheuer schwierig aber ist es, dass ein Buddhist auch das Christentum anerkennt. Wenn er es auch versucht, so deutet er es doch gleich um. Er ist nicht unbefangen genug und merkt nicht, dass die Befangenheit an ihm liegt. Durch seine angestammte Religion ist er in Wirklichkeit nicht verhindert, die Christenlehre anzunehmen. Der Grund, dass diese nicht in seinen heiligen Büchern stehe, ist nicht von Belang. So wenig, wie es gegen den Buddhismus ist, wenn seine Bekenner zum Beispiel die kopernikanische Weltanschauung annehmen, die auch nicht in den heiligen Büchern steht, so wenig ist es gegen den Buddhismus, wenn man die Christenlehre anerkennt. Alles Persönliche, aller Autoritätsglaube sollte zurücktreten. Die Inder aber werden es sofort als Bevorzugung des Christentums ansehen, wenn ihnen von der Geistesforschung die Ergebnisse über das Christuswesen ebenso unbefangen gegeben werden wie über den Buddha.
[ 15 ] It is difficult for anyone who has been subjected to some form of suggestion to attain the necessary impartiality. Thus, while some Westerners have indeed succeeded in impartially acknowledging Buddhism or Islam as Christians, However, it is exceedingly difficult for a Buddhist to acknowledge Christianity as well. Even if he tries, he immediately reinterprets it. He is not impartial enough and does not realize that the bias lies with him. In reality, his traditional religion does not prevent him from accepting Christian doctrine. The fact that it is not found in his sacred texts is irrelevant. Just as it is not contrary to Buddhism when its adherents, for example, accept the Copernican worldview—which is also not found in the sacred texts—so too is it not contrary to Buddhism to acknowledge Christian doctrine. All personal biases and all belief in authority should take a back seat. The Indians, however, will immediately view it as favoritism toward Christianity if spiritual research presents them with the findings regarding the Christ being just as impartially as those regarding the Buddha.
[ 16 ] Wir verleben zwischen Tod und neuer Geburt eine Zeit, wo wir uns mit der Sonne ebenso verbunden fühlen wie heute mit der Erde. Wie uns jetzt die Sonne heute äußerlich fern ist, so durchleben wir dann eine Verbindung mit dem Wesen der Sonne, die nämlich in Wirklichkeit ganz anders ist, als die physische Astronomie sie beschreibt. Ob wir nun dort einsam oder gesellig sein werden, hängt davon ab, wie wir uns auf der Erde haben in Beziehung setzen können zu der Christus-Wesenheit. Es ist die Sonne für unser ganzes System das, was für unsere Erde der Christus ist. Wenn der Mensch während seines Sonnenseins nicht einsam sein will, so kann er das nur vermeiden, wenn er mit seiner Seele die Christus-Wesenheit erfasst. Wir haben gehört, dass wir schon während der Merkursphäre von einer Wolke von Visionen umgeben sind. Bei der Venussphäre ist diese Wolke nur innerlich bestimmt, aber wie beleuchtet von außen durch die Sonne. Wenn man dies beleuchtete Wolkengebilde untersucht, so erkennt man, dass die höheren Hierarchien Einfluss auf sein Wesen gewinnen, seine Schalen durchbrechen. Dieses Einflusses kann sich der Mensch nur dadurch bewusst werden, dass er sich etwas mitgebracht hat von dem Zusammenhang mit dem Christus aus dem Erdenleben. Aufgenommen wird er durch die Kraft des Christus in die Welt der geistigen Wesen. Wir sehen hier die ganze Intimität der Christus-Idee. Wir können nicht zur Klarheit kommen über die Christus-Wesenheit und nicht in das rechte Verhältnis zu Luzifer kommen, wenn wir nicht mitgebracht haben aus dem Erdenleben dieses Bewusstsein von unserer Zusammengehörigkeit mit dem Christus.
[ 16 ] Between death and rebirth, we experience a time when we feel just as connected to the sun as we do to the Earth today. Just as the sun is outwardly distant from us today, we will then experience a connection with the essence of the sun—which, in reality, is quite different from how physical astronomy describes it. Whether we will be lonely or in good company there depends on how we have been able to relate to the Christ-being while on Earth. The Sun is to our entire system what the Christ is to our Earth. If a human being does not wish to be lonely during their existence as a solar being, they can only avoid this by grasping the Christ-being with their soul. We have heard that even while in the Mercury sphere, we are surrounded by a cloud of visions. In the Venus sphere, this cloud is only inwardly defined, yet it is as if illuminated from the outside by the Sun. When one examines this illuminated cloud-like formation, one recognizes that the higher hierarchies are gaining influence over one’s being, breaking through its shells. A human being can become aware of this influence only by having brought with them something of their connection to the Christ from their earthly life. They are received into the world of spiritual beings through the power of the Christ. Here we see the full intimacy of the Christ idea. We cannot attain clarity regarding the Christ being, nor can we establish the proper relationship to Lucifer, unless we have brought with us from our earthly life this awareness of our connection to the Christ.
[ 17 ] Dann gehen wir über in die Marssphäre, da hat man die Sonne wie unter sich. Wie man von der Erde zur Sonne hinaufschaut, so schaut man jetzt hinunter auf sie. Innerhalb der Marssphäre lernt man erkennen, dass für den Mars der Buddha dasselbe geworden ist wie der Christus für die Erde. Eine Art Befreiung der Marswesen hat der Buddha zu vollbringen gehabt. Von einem Stern zum anderen haben solche Wesen ihre Mission.
[ 17 ] Then we move into the sphere of Mars, where the Sun is directly below us. Just as we look up at the Sun from Earth, we now look down upon it. Within the sphere of Mars, we come to realize that the Buddha has become for Mars what Christ is for Earth. The Buddha had to accomplish a kind of liberation for the Martian beings. Such beings carry out their mission from one star to another.
[ 18 ] Die Kräfte, ein richtiges Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen, hat der Mensch durch den Christus. Doch der Führer zum Verständnis des Weltgeschehens ist ihm Luzifer. Indem der Mensch in die Jupiter- und Saturnsphäre kommt, dämpft sich sein Bewusstsein ab. Bei Verbrechern kann es allerdings schon viel früher, sogar schon in der Merkursphäre, abgedämpft sein. Doch bei den meisten Menschen tritt dieser Zustand erst später ein. Ganz abgedämpft wird es bei jedem, wenn er über den Saturn hinausgelangt. Dann tritt der Mensch den Rückweg an. Dass er das Erlebte eingliedern kann dem neuen Leben - seinem Karma -, das verdankt er der Ausdehnung seiner Seele bis an diese weiten Grenzen. Wir nehmen zwischen Tod und neuer Geburt auf alles das, was den ganzen Kosmos durchdringt an moralischen, intellektuellen, geistigen Kräften; und weil wir ihn selber aufgenommen haben zwischen Tod und neuer Geburt, tragen wir den ganzen Kosmos in uns. Und es ist unsere Aufgabe im Leben, diesen Gott, den wir in der Seele mitbrachten aus dem Kosmos, nicht brach liegen zu lassen. Mancher, der über die Welt nur mangelhaft gedacht hat, kann doch schon ähnliche Empfindungen gehabt haben wie Kant, als er spricht von dem gestirnten Himmel über ihm und dem moralischen Gesetz in ihm und so weiter. Wenn man das liest, scheint es sich da um Zweierlei zu handeln; doch das sind gar nicht zwei Dinge. Das moralische Gesetz haben wir eingesogen aus dem Kosmos in der Zeit zwischen Tod und Geburt. In der Sphärenharmonie hat es aus allen Welten gesprochen, um uns innerlich so zu bilden, wie wir geworden sind. Je mehr Theosophie in jedem Augenblick gefühltes, unmittelbares Leben wird, umso mehr erfüllt sie ihre Aufgabe. Es kommt nicht so sehr auf theoretisches Wissen an als vielmehr darauf, dass in uns etwas Neues zu sprechen beginnt. Der spielt nur mit solcher Wahrheit, der sich nicht sagt: In jeder Seele tritt mir die ganze Welt entgegen. - Dies Gefühl regelt in neuer Weise das Verhältnis zu anderen Menschen und gibt die Möglichkeit, sich in richtiger Weise in das Leben hineinzustellen.
[ 18 ] Through Christ, human beings have the power to develop a proper relationship with Lucifer. Yet Lucifer is their guide to understanding world events. As human beings enter the Jupiter and Saturn spheres, their consciousness becomes subdued. In the case of criminals, however, it can be dulled much earlier—even as early as the Mercury sphere. But for most people, this state sets in only later. It becomes completely dulled in everyone once they pass beyond Saturn. Then the human being begins the return journey. The ability to integrate what they have experienced into their new life—their karma—is due to the expansion of their soul to these far-reaching boundaries. Between death and rebirth, we absorb all the moral, intellectual, and spiritual forces that permeate the entire cosmos; and because we have absorbed them ourselves between death and rebirth, we carry the entire cosmos within us. And it is our task in life not to let this God—whom we brought with us from the cosmos into our soul—lie fallow. Many who have given only superficial thought to the world may nevertheless have had feelings similar to those of Kant when he speaks of the starry heavens above him and the moral law within him, and so on. When one reads this, it seems to be about two distinct things; yet they are not two things at all. We have absorbed the moral law from the cosmos in the time between death and birth. In the harmony of the spheres, it has spoken from all worlds to shape us inwardly into what we have become. The more theosophy becomes a felt, immediate life in every moment, the more it fulfills its purpose. What matters is not so much theoretical knowledge as the fact that something new begins to speak within us. Only those who do not say to themselves, “In every soul, the whole world comes to meet me,” are merely playing with such truth. This feeling regulates our relationship with other people in a new way and makes it possible to position ourselves correctly within life.
