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Supplements to Member Lectures
GA 246

28 March 1915, Dornach

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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge

72. Der Sieg des Lebens über den Tod

72. The Victory of Life Over Death

Ansprache Zur Erinnerung An Christian Morgenstern

Speech in Memory of Christian Morgenstern

Meine lieben Freunde!

My dear friends!

[ 1 ] In dieser kommenden Osterwoche jährt sich die Zeit, seit welcher unser lieber Freund Christian Morgenstern von uns hier von dem physischen Plan gegangen ist in die geistigen Welten, in jene Welten, um deren Erkenntnis wir uns durch unsere Geisteswissenschaft bemühen. Bei anderen Gelegenheiten habe ich versucht darzustellen, was uns Christian Morgenstern war in der Zeit, in der wir ihn inmitten unserer geisteswissenschaftlichen Strömung mit seiner bedeutsamen dichterischen Begabung hatten, in der er, aus der reichen Fülle seines Geistes und seiner Seele heraus wirkend, unsere geistige Bewegung befruchtet hat. Und auch gesprochen habe ich schon von dem, was dem seherischen Vermögen Christian Morgenstern geworden ist seit der Zeit, seit seine Seele angetreten hat ein anderes Dasein: Wie er gerade zu denjenigen Individualitäten gehört, zu denen wir hinblicken als zu unseren im Geisterlande weilenden Helfern, bei denen wir ganz besonders ins Bewusstsein uns bringen können, was wir toten Freunden zu danken haben. Über alles das hätte ich auch am heutigen Tage vieles zu sagen, doch dafür wird sich in der nächsten Zeit noch ein anderer Zusammenhang finden. Worauf ich aber heute insbesondere hindeuten will, wenn auch nur mit ein paar Worten, das wird eingegeben von dem Sinn und der Bedeutung des kommenden Festes. Ist es doch das Fest, welches uns versinnbildlicht im höchstdenkbaren Sinne den Sieg des ewigen Geisteslebens über die sinnlichen Gleichnisse, über die materiellen Hüllen, die der Geist annimmt, um sich vorübergehend in diesen Gleichnissen, in diesen Hüllen darzustellen und in ihnen seine besondere Aufgabe zu vollenden. Ist doch das, was da kommt, das Fest, das uns immer erinnern soll daran, dass das Leben siegt, unaufhörlich und ewig siegt über den Tod.

[ 1 ] This coming Easter week marks the anniversary of the time when our dear friend Christian Morgenstern departed from us here on the physical plane to the spiritual worlds—those worlds we strive to understand through our Spiritual Science. On other occasions, I have attempted to describe what Christian Morgenstern meant to us during the time when we had him among us in our movement of Spiritual Science, with his remarkable poetic gift—a time when, drawing from the rich abundance of his spirit and soul, he enriched our spiritual movement. And I have also spoken before about what has become of Christian Morgenstern’s seeric faculty since the time his soul entered into a different existence: how he belongs precisely to those individualities whom we look to as our helpers dwelling in the spirit realm, through whom we can bring to our consciousness in a very special way what we owe to our deceased friends. I would have much to say about all of this even today, but another context will present itself in the near future. What I wish to point out in particular today, however, even if only in a few words, is inspired by the meaning and significance of the coming festival. For it is the festival that symbolizes for us, in the highest conceivable sense, the victory of eternal spiritual life over the sensory forms, over the material veils that the spirit assumes in order to manifest itself temporarily in these forms, in these veils, and to fulfill its special task within them. For what is coming is the festival that is meant to remind us always that life triumphs—ceaselessly and eternally—over death.

[ 2 ] Christian Morgenstern ist für uns der Sieg des Lebens über den Tod, Christian Morgenstern ist für uns der Repräsentant desjenigen Wesenhaften, das vor uns stehen soll besonders in dieser Festeszeit: dass da alles Tote aufersteht und lebendig lebt. Und von diesem lebendigen Leben der Seele, die in Christian Morgenstern verkörpert war, seien einleitungsweise heute einige Worte gesprochen.

[ 2 ] For us, Christian Morgenstern represents the triumph of life over death; for us, he embodies that essential truth which should stand before us, especially during this festive season: that all that is dead shall rise again and live an active life. And let us begin today by saying a few words about this living life of the soul, which was embodied in Christian Morgenstern.

[ 3 ] Man kann sagen, meine lieben Freunde, dass das Eintreten der Seele, die in Christian Morgenstern verkörpert war, in die geistigen Welten, ein Ereignis für diese geistigen Welten war, dass es in gewissem Sinne, wenn ich den prosaischen Ausdruck gebrauchen darf, Epoche machte in diesen geistigen Welten. Charakteristische Persönlichkeiten haben mit ihren Seelen im Laufe der letzten Jahrhunderte den Erdenplan verlassen. Die charakteristischsten Persönlichkeiten unter denen, die diesen Erdenplan verlassen haben, sie haben ihn verlassen mit einer Seele, die wohl bewandert war in all dem, was im Umkreis des Erdenhorizontes beobachtet werden kann, was im Umkreis der Erde Hervorragendes gedacht werden kann. Große Geister sind über die Erde geschritten, und intensiv hat sich das menschliche Erdendenken gestaltet. Mit diesem menschlichen Erdendenken hat man hineingeleuchtet in intime materielle Vorgänge des Lebens. Das ist gerade das Charakteristische der letzten Jahrhunderte, dass der Menschen Erdenverstand bloß intensiv hineinleuchten konnte in die materiellen Geheimnisse des Lebens. Und durch die Pforte des Todes gegangen sind Seelen mit ausgeprägtem intensivem Erdenwissen; sie haben hinaufgetragen in die geistigen Welten unendlich vieles von dem, was man auf der Erde wissend erringen kann. Aber wohl niemals ist hinaufgetragen worden, gerade von hervorragenden Seelen, durch die Pforte des Todes in die geistigen Welten so viel von dem, was der Erdenverstand sich erobern kann und was keine Bedeutung hat für die geistigen Welten, was da ist zur Erklärung der Sinnenwelten, was tiefe geistige Geheimnisse enthüllt der sinnlichen Welten, insofern ja auch diese sinnlichen Welten ihren Ursprung im Geistigen haben. Gerade den hervorragendsten Geistern war die Umgebung, in die sie eintraten durch die Pforte des Todes, ein Land, in dem für sie fremde Erscheinungen ihren geistigen Sinnen, ihrer geistigen Fassungskraft entgegenleuchteten. Und hinunterwenden mussten sie den inneren Blick zur Erde, um gewahr zu werden, dass sie überhaupt etwas sind. Man könnte aphoristisch sagen: Eine Versammlung von durch die Pforte des Todes gegangenen Seelen erblicken wir im Geisterlande, welche in hervorragendstem Maße das Erdendasein, die hervorragendsten Zyklen des Erdendaseins hinaufgetragen haben in die geistigen Welten. In ihren Kreis trat Christian Morgensterns Seele, jene Seele, die mit dem innersten Drange nach der geisteswissenschaftlichen oder, sagen wir direkt, Geistersprache ausgerüstet, in dem Irdischen schon dasjenige zu erleben trachtete, was überirdisch den Sinnen, was übersinnlich ist -, dasjenige zu erleben trachtete, was in der Kraft der Seele den Erdenmenschen zugleich belebt und befeuert, dasjenige, was diese Seele empfänglich macht im eminentesten Sinne für das, was der Seele entgegenleuchtet im Geisterlande, wenn sie durch die Pforte des Todes getreten ist. Und wie ein heller Stern, der aufgeht, ausgerüstet mit dem Leben, das auf der Erde angeeignet werden soll für die Geisterlande, trat Christian Morgensterns Seele in die Mitte derjenigen, deren Schauen für solche Sterne schon stumpf geworden war. Und so mancher könnte genannt werden von den hervorragendsten Geistern der vergangenen Jahrhunderte - Fichte, Schelling, Hegel -, die hinaufgestiegen sind durch die Pforte des Todes und sagten: Wir haben mit unserem Erdenverstehen der Erde Geheimnisse durchmessen, erkundet, aber leer blieb unser Verständnis für dasjenige, was uns jetzt umgibt; öde und leer blieb dasjenige, was Antwort gibt auf die große bedeutungsvolle Frage: «Was ist der Mensch, der lebendige Mensch im Geisterlande?» - Und Kunde brachte in ihren Kreis herauf von dem, was der Mensch eigentlich ist durch seine intime Verbindung mit der Geistersprache, der Geist, der in Christian Morgenstern hier auf Erden verkörpert war. Und Hegel und Fichte, sie konnten sagen: «Wir haben auf Erden zu ergründen versucht das, was der Erde Geheimnisse erklärt. Aber in all dem Umfange desjenigen, was wir an Begriffen aus dem Erdenverstand heraus, aus den tiefen Schächten der Erdenerkenntnis Gewisses herausholten, war nicht die Frage beantwortet, die hier vor uns sich hinstellt: «Was ist der Mensch? Was ist der Mensch in Wahrheit im ganzen kosmischen Zusammenhang? - Da tritt herauf und erklärt es uns durch das, was er ist, durch das, was er uns bringt, durch das, was er auf Erden schon für den Himmel vorbereitet hat, ein Mensch, ein Menschenstern!»

[ 3 ] One could say, my dear friends, that the entry of the soul embodied in Christian Morgenstern into the spiritual worlds was a significant event for those spiritual worlds; that, in a certain sense—if I may use this prosaic expression—it marked a new era in those spiritual worlds. Over the course of the last few centuries, distinctive personalities have left the earthly plane with their souls. The most distinctive personalities among those who have left this earthly plane—they left it with a soul that was well-versed in all that can be observed within the sphere of the earthly horizon, in all that can be conceived as outstanding within the sphere of the Earth. Great spirits have walked the Earth, and human earthly thinking has taken on an intense form. Through this human earthly thinking, light has been shed on the intimate material processes of life. This is precisely what has characterized the last few centuries: that human earthly understanding has been able to shed light intensely on the material mysteries of life. And souls with profound and intensive earthly knowledge have passed through the gate of death; they have carried up into the spiritual worlds an infinite amount of what can be attained through knowledge on Earth. But surely never has so much of what earthly intellect can attain—and which has no significance for the spiritual worlds, what serves to explain the sensory worlds, what reveals the deep spiritual mysteries of the sensory worlds—been carried up through the gate of death into the spiritual worlds, especially by outstanding souls, insofar as these sensory worlds, too, have their origin in the spiritual. Precisely for the most outstanding spirits, the environment into which they entered through the gate of death was a realm where phenomena foreign to them shone forth against their spiritual senses and their spiritual capacity for comprehension. And they had to turn their inner gaze downward toward the Earth to become aware that they are anything at all. One might say aphoristically: In the spirit realm, we behold an assembly of souls who have passed through the gate of death, souls who have carried earthly existence—and the most outstanding cycles of earthly existence—up into the spiritual worlds to the highest degree. Christian Morgenstern’s soul entered their circle—that soul which, endowed with the innermost urge toward Spiritual Science or, to put it bluntly, the language of the spirits, had already sought on Earth to experience that which is supernatural to the senses, that which is supersensible —that which, through the power of the soul, simultaneously enlivens and inspires earthly human beings; that which makes this soul receptive, in the most eminent sense, to what shines forth to meet the soul in the spirit realm once it has passed through the gate of death. And like a bright star rising, equipped with the life to be acquired on Earth for the spirit realms, Christian Morgenstern’s soul stepped into the midst of those whose vision for such stars had already grown dim. And many could be named among the most outstanding spirits of past centuries—Fichte, Schelling, Hegel—who have ascended through the gate of death and said: With our earthly understanding, we have traversed and explored the Earth’s mysteries, yet our understanding of what now surrounds us remained empty; barren and empty remained that which provides an answer to the great, meaningful question: ‘What is the human being, the living human being in the realm of the spirits?’—And the spirit who was incarnated here on Earth as Christian Morgenstern brought news into their circle of what the human being actually is through his intimate connection with the language of the spirits. And Hegel and Fichte were able to say: “We have sought on Earth to fathom that which explains the Earth’s mysteries. But within the entire scope of what we have drawn forth as certain concepts from earthly reason, from the deep shafts of earthly knowledge, the question standing before us here remained unanswered: ‘What is man?’ What is man, in truth, within the entire cosmic context?—Then a human being, a human star, steps forward and explains it to us through what he is, through what he brings us, through what he has already prepared on Earth for Heaven!”

[ 4 ] Das, was er ist, wie er lebt für die Geisterlande, das sollte sich hier vor die Seele stellen im Beginn der Woche, die die Auferstehung des Lebens uns versinnbildlichen soll festesartig. Was für Geisterlande die Seele unseres lieben Freundes Christian Morgenstern ist, es trete in dieser Woche in unsere Herzen herein, dass unsere Herzen ein dankbares Fest begehen im Hinsinnen zu dem, der Jahre hindurch inmitten unserer geisteswissenschaftlichen Strömung zu deren Befruchtung, zu deren Belebung war, und von dem wir wissen dürfen, dass sein Eintreten in Geisterlande gerade durch dasjenige, was er in den letzten Jahren in seiner Seele ausgebildet hatte, bedeutungsvoll, tief wirkungsvoll geworden ist. Nur das Bild möchte ich hingestellt wissen, das Bild von dem, was für Geisterlande - und deshalb auch für uns - die Seele ist, die in Christian Morgenstern verkörpert war. Möge dann dieses Bild in Ihrem Herzen leben durch die kommende Osterwoche, und möge das, was Christian Morgenstern war, in Ihrem Herzen die Auferstehung feiern.

[ 4 ] Who he is, how he lives for the spirit realms—this should stand before our souls at the beginning of this week, which is meant to symbolize the resurrection of life in a solemn manner. What kind of spirit realms the soul of our dear friend Christian Morgenstern is, let it enter our hearts this week, so that our hearts may celebrate a grateful feast in remembrance of the one who, for years, was at the heart of our Spiritual Science movement, enriching and enlivening it—and of whom we may know that his entry into the spirit realms has become meaningful and profoundly effective precisely through what he had cultivated in his soul in recent years. I would simply like to present this image—the image of what the soul embodied by Christian Morgenstern means for the spiritual realms—and therefore also for us. May this image then live in your hearts throughout the coming Easter week, and may what Christian Morgenstern was celebrate the Resurrection in your hearts.

[ 5 ] Zur Anfachung unserer Empfindungen und Gefühle, die wir in dankbar heiligem Hinsinnen für Christian Morgenstern gerade in dieser seiner Sterbewoche entfalten wollen, in dieser unserer Österwoche, möge er selbst zu uns sprechen mit einigem, was er geschaffen hat hier im Erdendasein.

[ 5 ] To deepen the sentiments and emotions we wish to express in grateful and reverent remembrance of Christian Morgenstern—especially during this week marking the anniversary of his death, which coincides with our Holy Week—may he himself speak to us through some of the works he created during his time on earth.