Supplements to Member Lectures
GA 246
12 April 1923, St. Gallen
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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
81. Über Schicksalsbildung
81. On the Shaping of Destiny
Meine lieben Freunde!
My dear friends!
[ 1 ] Es ist mir sehr lieb, dass wir hier einiges besprechen können, was sich für den intimeren Kreis besser eignet. Wir wollen heute einiges besprechen, was auf die Schicksalsbildung des Menschen Bezug hat.
[ 1 ] I am very pleased that we can discuss here some matters that are better suited for a more intimate circle. Today we want to discuss some issues related to the shaping of a person’s destiny.
[ 2 ] Wir beginnen mit dem Anfang des menschlichen Lebens auf der Erde. Der Mensch muss seinen Körper zuerst aus sich herausbilden. Das Bewusstsein des Kindes ist traumhaft. Aus dem Dämmerdunkel des kindlich traumhaften Bewusstseins bilden sich heraus drei Dinge, welche für das Leben von besonderer Bedeutung sind. Das Kind lernt in dieser Zeit mehr als in späteren Jahren. Das Kind lernt in dieser Zeit: Gehen, Sprechen und Denken. Das Gehen aber zum Beispiel ist nur ein einseitiger Ausdruck für das, was das Kind da alles lernt. Es muss zuerst lernen, sich ins Gleichgewicht zu setzen. Aber es muss sich auch sonst anpassen lernen an die irdischen Verhältnisse. Es muss zum Beispiel zuerst lernen, dass heiße Gegenstände brennen und dergleichen.
[ 2 ] We begin with the start of human life on Earth. Human beings must first form their bodies from within themselves. A child’s consciousness is dreamlike. From the twilight of this dreamlike childhood consciousness, three things emerge that are of particular importance for life. The child learns more during this time than in later years. During this time, the child learns to walk, speak, and think. Walking, for example, is only a partial expression of everything the child is learning. First, the child must learn to find its balance. But it must also learn to adapt to earthly conditions in other ways. For example, it must first learn that hot objects burn and so on.
[ 3 ] Das Sprechenlernen beruht auf dem Nachahmungstrieb. Das Denken bildet sich aus dem Sprechen heraus. Das Denken wird am spätesten entwickelt. Wie ist das überhaupt mit dem Denken? Das Kind steigt hinunter aus dem vorirdischen Dasein. Ziemlich knapp, bevor es sich inkarniert, bildet es zuerst seinen Ätherleib. Das Ich und der Astralleib kommen herunter, ziehen aus allen Weltgegenden den Ätherleib heran, und dann findet die Inkarnation statt. Durch den Ätherleib lernt das Kind denken, der physische Leib ist nur der Boden. Zunächst ist dieser Ätherleib nur ganz dumpf tätig. Das Denken beruht aber auf einer mehr äußerlichen Handhabung des Ätherleibes. Was liegt diesen Vorgängen zugrunde? Die Gedanken sind eigentlich im Weltäther enthalten, sie bilden sich nicht etwa im Kopfe aus. Wer das sagen würde, der wäre ebenso gescheit, wie der, der sagt: Ich trinke Wasser, also entsteht das Wasser auf meiner Zunge.
[ 3 ] Learning to speak is based on the instinct to imitate. Thinking develops out of speech. Thinking is the last to develop. What exactly is the nature of thinking? The child descends from its pre-earthly existence. Shortly before incarnating, the child first forms its etheric body. The “I” and the astral body descend, drawing the etheric body from all corners of the world, and then incarnation takes place. Through the etheric body, the child learns to think; the physical body is merely the foundation. At first, this etheric body is only very dimly active. Thinking, however, is based on a more external manipulation of the etheric body. What underlies these processes? Thoughts are actually contained within the world ether; they do not arise in the head. Anyone who would say that would be just as clever as someone who says: “I drink water, therefore water arises on my tongue.”
[ 4 ] Beim ganz kleinen Kind arbeitet noch der Weltäther beim Denken mit, da ist er noch nicht abgegrenzt gegen den persönlichen Ätherleib. Erst wenn er abgegliedert ist, ist das persönliche Denken da. Wenn das nicht wäre, würde sich der Mensch stets als Glied des Kosmos fühlen.
[ 4 ] In very young children, the world ether still participates in thinking; it has not yet been separated from the personal etheric body. Only when it has been separated does personal thinking emerge. If this were not the case, human beings would always feel themselves to be part of the cosmos.
[ 5 ] Das Sprechen ist eine Funktion des Astralleibes. Dieser ist aber noch nicht ganz im Kinde drin. Den Astralleib bilden wir uns zwischen Tod und neuer Geburt allmählich aus im Laufe langer, langer Jahre. Dem Astralleib verdanken wir, dass wir unsere physische Organisation ausbilden können. Indem wir das äußere Sprechen lernen, dämpft sich ab die innere Weltenastralität. Im Worte, das wir nach außen sprechen, ist der Widerhall dessen, was zwischen Tod und neuer Geburt immerfort in uns spricht.
[ 5 ] Speech is a function of the astral body. However, this body is not yet fully developed in the child. We gradually develop the astral body between death and rebirth over the course of many, many years. It is thanks to the astral body that we are able to develop our physical organization. As we learn to speak outwardly, the inner astral nature of the world is subdued. In the words we speak outwardly lies the echo of what speaks within us continuously between death and rebirth.
[ 6 ] Das Ich, das zwischen Tod und neuer Geburt durch die ganze Welt hindurchging, das gliedert sich dem Menschen ein, wenn wir gehen und uns bewegen lernen. Daher ist das Gehenlernen etwas außerordentlich Bedeutungsvolles. Die ganze Art und Weise, wie sich das Kind benimmt beim Gehenlernen, ist außerordentlich charakteristisch für jede Individualität.
[ 6 ] The “I” that journeyed through the entire world between death and rebirth becomes part of the human being as we learn to walk and move. That is why learning to walk is something of extraordinary significance. The entire way a child behaves while learning to walk is extraordinarily characteristic of each individual.
[ 7 ] Während des Gehenlernens nimmt das Ich alles in Anspruch an dem Kinde. Mit dem Ich zugleich schlüpft nun in den Menschen hinein sein Karma. Das drückt sich auch aus in der Art und Weise, wie das Kind gehen und greifen lernt. Man sagt zum Beispiel: Ein Kind stellt sich stramm auf die Beine. Dann sagt man: Das Kind lernt auf cholerische Weise gehen. - Ein solches Kind war in seiner früheren Inkarnation ein Mensch, nach welchem sich sehr viele andere wie von selbst gerichtet haben. Das drückt sich dann aus in der Art und Weise, wie das Kind gehen lernt. Man sieht es in jeder Bewegung, wie das Kind das Köpfchen dreht und so weiter. Ein solches Kind, welches so auf cholerische Weise gehen lernt, wird sich auch in diesem Leben sein Schicksal auf cholerische Weise suchen. Unsere Freiheit wird dadurch ja nicht beeinflusst, so wenig wie unsere blonden Haare oder blauen Augen, die wir ja auch mitbekommen haben, unsere Freiheit beeinträchtigen.
[ 7 ] As the child learns to walk, the “I” takes full hold of the child. Along with the “I,” the person’s karma now slips into them. This is also expressed in the way the child learns to walk and grasp objects. For example, people say: A child stands up stiffly on its legs. Then they say: The child is learning to walk in a choleric manner. — Such a child was, in a previous incarnation, a person whom many others naturally looked up to. This is then expressed in the way the child learns to walk. You can see it in every movement, such as how the child turns its little head and so on. A child like this, who learns to walk in such a choleric manner, will also seek out its destiny in a choleric way in this life. This does not affect our freedom, any more than our blond hair or blue eyes—which we were also born with—impair our freedom.
[ 8 ] Wenn wir als Kind nur aufstehen, so geschieht schon vieles. Es ändert sich ja die Lage der Blutkörperchen in Bezug auf den Körper. Das macht innerlich sehr viel aus, wie die Blutkörperchen liegen (Zeichnung fehlt). Dasselbe gilt auch von den Nerven. Man muss sich klar sein: Wenn wir eine Blume anschauen, da ist nichts Moralisches darin. Ganz anders ist es, wenn ich gehen lerne. Da liegen darin die moralischen Impulse, welche ich von meinem vorigen Leben mitbringe. So merken Sie, dass in der physischen Organisation etwas liegen kann davon, wie sich der Mensch später im Leben verhalten wird. Auch kommt seine Gesundheitsanlage zum Vorschein.
[ 8 ] When we simply stand up as children, a great deal is already happening. The position of the blood cells in relation to the body changes. The way the blood cells are positioned makes a huge difference internally (illustration missing). The same applies to the nerves. We must be clear about this: When we look at a flower, there is nothing moral about it. It is quite different when I learn to walk. That is where the moral impulses lie that I bring with me from my previous life. So you see that the physical constitution can contain elements of how a person will behave later in life. Their predisposition to health also becomes apparent.
[ 9 ] Was aber in der späteren Inkarnation sein wird, das bereiten wir jetzt vor. Es ist also nicht alles von früher her bedingt, was wir jetzt tun. Das lernt der Mensch erst mühsam nach und nach unterscheiden, in was er eigentlich drin ist und in was nicht. Darum gibt cs keinen Fatalismus wie bei den Türken. Die Schicksalsfrage darf uns nicht nur theoretisch berühren, sondern wir müssen sie vom Gemüte aus auffassen.
[ 9 ] But what will be in the later incarnation, we are preparing now. So not everything we do now is determined by the past. Only gradually, and with great effort, does a person learn to distinguish between what is actually part of them and what is not. That is why there is no fatalism as there is among the Turks. The question of fate must not merely concern us in a theoretical sense; rather, we must grasp it from the depths of our hearts.
[ 10 ] Das Schicksal muss so empfunden werden, dass wir uns sagen können: Ausgleich ist da, [ganz gleich] ob das, was uns trifft, von früher ‚oder später ist. Ausgleich ist da. Dadurch wird Unglück und Leid keineswegs weniger stark empfunden. Aber die Empfindung: Ausgleich und Weltgerechtigkeit sind da - diese Empfindung ist das Wichtigste.
[ 10 ] Fate must be perceived in such a way that we can say to ourselves: There is balance, [regardless of] whether what befalls us happened in the past or later. There is balance. This does not in any way lessen the intensity with which we experience misfortune and suffering. But the feeling that balance and justice in the world exist—that feeling is what matters most.
[ 11 ] Wenn Sie das Kind so gehen und greifen lernen sehen, wenn Sie dieses Bild recht lebhaft vor sich haben, dann sehen Sie wirklich das vorige Erdenleben hineinreichen in dieses. Aus diesem dämmrigen Bewusstsein des Kindes heraus schießt die erste Karmaanlage in dieses Leben herein.
[ 11 ] When you see the child learning to walk and grasp objects, when you have this image vividly before your eyes, then you truly see the previous earthly life extending into this one. From this dim consciousness of the child, the first karmic predisposition shoots into this life.
[ 12 ] Nun kommt aber die Zeit, in welcher ein deutlicher Unterschied eintritt zwischen Schlafen und Wachen. Denn in den ersten Jahren wacht das Kind ja nie so ganz auf. Das Schlafen des Menschen ist nämlich ebenso wichtig wie das Wachen. Denn wenn wir in einer Biografie nur das Wachen beschreiben, dann beschreiben wir ja nur zwei Drittel des Lebenslaufes. Aber bei Nacht gehen ja viel bedeutungsvollere Dinge vor sich als im Wachen. Die seelischen Tagkräfte werden ja gewoben während des Schlafes. Wenn dann, während des späteren Alters, Wachen und Schlafen deutlich unterschieden sind, so weben das Ich und der Astralleib dahinein den Beginn des späteren Karmas, so wie es früher während des Gehenlernens geschah.
[ 12 ] But now comes the time when a clear distinction emerges between sleeping and waking. For in the early years, a child never really wakes up completely. Human sleep is, in fact, just as important as waking. For if we describe only waking in a biography, we are describing only two-thirds of a person’s life. But far more significant things take place at night than during waking hours. The soul’s daily forces are woven together during sleep. Then, when—in later life—waking and sleeping are clearly distinguished, the “I” and the astral body weave into them the beginnings of future karma, just as happened earlier during the process of learning to walk.
[ 13 ] Als Kinder sind wir am weisesten, nur wissen wir es nicht. Wir bauen an uns, an dem Inneren unseres Körpers mit Götterweisheit. Auch was wir an Weisheit haben müssen nur zum Verdauen, auch das müssen wir uns während des Schlafes erwerben. Eigentlich müssten wir mit größter Ehrfurcht hinblicken auf unsere Schlafenszeit.
[ 13 ] As children, we are at our wisest, though we do not realize it. We build ourselves—the innermost part of our bodies—with divine wisdom. Even the wisdom we need merely to digest, we must acquire while we sleep. In fact, we should regard our sleep with the utmost reverence.
[ 14 ] Wir weben an dem, was wir bei Tage brauchen zwischen dem Wachen und Schlafen. Vor allem weben wir dann an dem Karma.
[ 14 ] We weave what we need during the day, between waking and sleeping. Above all, we weave our karma.
[ 15 ] Aber da gibt es etwas, was uns so recht zeigt, wie wir zu lernen haben während des Erdenlebens. Wir müssen ja zwischen Tod und Geburt von den Göttern lernen, wie wir unseren Körper aufzubauen haben. Wir müssen da das ganze Leben voll und lebendig kennenlernen, keine tote Anatomie. Dazu brauchen wir lange Zeit zwischen Tod und Geburt. Aber wir lernen es kennen.
[ 15 ] But there is something that truly shows us what we must learn during our earthly life. Between death and birth, we must learn from the gods how to build up our bodies. We must come to know life in its fullness and vitality—not just dead anatomy. For this, we need a long period of time between death and birth. But we do come to know it.
[ 16 ] Aber das Karma, das wir nun hineinverweben müssen, das eignen wir uns ja hier an. Zwischen Tod und Geburt lernen wir kennen, wie man den physischen Leib baut. Dabei zeigt sich aber hier und da, wie ungeschickt wir sind mit dem Hineinweben des Karmas, zum Beispiel, wenn wir phantastische Träume haben. Der Traum ist umso phantastischer, je weniger wir geschickt sind, in den physischen Leib einzutauchen oder herauszukommen. Alles, was im Traum phantastisch ist, das muss hier noch im Erdenleben abgeschliffen werden. Der Traum ist der Ausdruck für die Ungeschicklichkeit, den Einklang zu finden zwischen Ich und Astralleib einerseits und Ätherleib und physischem Leib andererseits. So, wie man an dem ungeschickten Kind das Fortwirken des Karmas beobachten kann, so kann man an den Träumen sehen, wie ungeschickt der Mensch arbeitet an der Zubereitung seines Schicksals für das künftige Leben. Wenn zum Beispiel jemand Angstträume hat, so wird man daraus so ungefähr sehen können, wie der Mensch sich vorbereitet für ein Leben, in welchem er immerwährend sehr Obacht geben muss. Wenn jemand Flugträume hat, wenn er träumt fliegend zu stürmen, so wird man beobachten, dass er sich vorbereitet für ein Leben, in welchem er recht oberflächlich sein wird; etwa einer, der viel ins Kino geht.
[ 16 ] But the karma that we must now weave into our being—we acquire it right here. Between death and birth, we learn how to build the physical body. In the process, however, it becomes apparent here and there just how clumsy we are at weaving karma into our being—for example, when we have fantastical dreams. The less skilled we are at entering or emerging from the physical body, the more fantastical the dream becomes. Everything that is fantastical in the dream must still be refined here in earthly life. The dream is an expression of the clumsiness in finding harmony between the ego and the astral body on the one hand, and the etheric body and the physical body on the other. Just as one can observe the continuing effects of karma in a clumsy child, so too can one see in dreams how clumsily a person works at preparing their destiny for the future life. If, for example, someone has nightmares, one can roughly infer from them how that person is preparing for a life in which they will constantly have to be very careful. If someone has dreams of flying—if they dream of soaring through the air—one will observe that they are preparing for a life in which they will be quite superficial; for instance, someone who goes to the movies a lot.
[ 17 ] Im tiefen Schlafe machen wir ja gar keine Anstrengungen, in den physischen Leib hineinzukommen. Wenn wir vom traumlos tiefen Schlaf erwachen, dann reißt uns das Erdenleben wieder in den Leib hinein. Die Weisheit wird im Leben immer geringer. Ich weiß nicht, ob ich das hier sagen darf. Während des Erdenlebens wird man nach innen ein immer größerer Esel. Das ist mit dem menschlichen Kulturfortschritt merkwürdig: Früher waren die Menschen nach außen weniger gescheit als heute, aber dafür waren sie nach innen umso gescheiter. Nach außen hin haben die Menschen ungeheuer viel erworben, aber nach innen sind wir furchtbare Toren geworden. Da ist es an der Zeit einzusehen, dass die Kultur, dass die Zivilisation eine andere Richtung einnehmen muss. Anthroposophie ist eben dazu da, um den Menschen von innen her zu beleuchten. Der Mensch muss in sich aufnehmen die Kraft, wieder zur Weisheit zu kommen. Sonst könnten wir zwischen Tod und neuer Geburt unsere Weisheit gar nicht mehr erwerben. Wir würden dann in der Zukunft als Menschen geboren, welche nicht gehen lernen könnten. Wenn Sie herzlich Anthroposophie treiben, wenn Ihr ganzer Mensch diesen Gedanken ergreift, dann werden Sie sehen, wie bis in Ihre Träume hinein alles anders wird. Sie lernen durch die Anthroposophie sehr viel fürs Leben, aber noch mehr für den Schlaf.
[ 17 ] During deep sleep, we make no effort whatsoever to enter our physical body. When we awaken from dreamless, deep sleep, earthly life pulls us back into the body. Wisdom grows ever scarcer in life. I don’t know if I’m allowed to say this here. During our earthly life, we become more and more like donkeys on the inside. This is a curious aspect of human cultural progress: In the past, people were less clever outwardly than they are today, but inwardly they were all the wiser for it. Outwardly, people have achieved an immense amount, but inwardly we have become terribly foolish. It is time to realize that culture—that civilization—must take a different direction. Anthroposophy exists precisely to shed light on the human being from within. Human beings must draw upon the strength within themselves to return to wisdom. Otherwise, between death and a new birth, we would no longer be able to acquire our wisdom at all. We would then be born in the future as human beings who could not learn to walk. If you wholeheartedly practice anthroposophy, if your entire being embraces this idea, then you will see how everything changes, even in your dreams. Through anthroposophy, you learn a great deal for life, but even more for sleep.
[ 18 ] Darum ist es notwendig, dass heute das Michaelzeitalter herankommt. Michael ist eine Wesenheit, welche nun eine Art Zeitgeist werden will. Michael soll eingreifen in die Erdengeschicke; aber das kann er nur, wenn der Mensch lernt, seine Kräfte zu gebrauchen.
[ 18 ] That is why it is necessary for the Age of Michael to dawn today. Michael is a being who now wishes to become a kind of spirit of the age. Michael is to intervene in the destiny of the Earth; but he can do so only if human beings learn to use their own powers.
[ 19 ] Wie kann man den Michael verstehen? Das will ich Ihnen an einem Beispiel zeigen. Wenn ein Zeitalter einen gewissen Charakter hat, so gibt es am Ende dieses Zeitalters immer gewisse Extreme dieses Charakters. Als unser Zeitalter begann, da haben sich die Menschen Utopien ausgedacht. Sie dachten sich aus, wie die Menschen ohne ihr Zutun recht glücklich werden könnten. Es wird aber eine Zeit kommen, welche keine Utopien machen wird, sondern sie wird schildern Menschen, welche durch eigene Kraft und durch Erziehung zu etwas gekommen sind (siehe Artikel im «Goetheanum» über Erziehung und Moral).
[ 19 ] How can we understand Michael? I’d like to illustrate this with an example. When an era has a certain character, there are always certain extremes of that character at the end of that era. When our era began, people imagined utopias. They imagined how people could become quite happy without any effort on their part. But a time will come that will not create utopias; rather, it will portray people who have achieved something through their own efforts and through education (see the article in Goetheanum on education and morality).
[ 20 ] Es werden geschildert werden Menschen, welche die Verhältnisse wirklich selbst machen. Man muss künftig nicht ausmalen, wie ein Paradies sein kann, sondern die Dichter werden Gestalten schaffen. Die Dichter werden etwa schildern, wie ein Kind mit Schwierigkeiten belastet auf die Welt kommt, wie dann die Kräfte frei werden durch eine geschickte Erziehung. Dieses heißt hinschauen auf die Michaelskraft. Von den Utopien hinschauen auf die eigenen Menschenkräfte, das ist eines, wie die Michaelskraft wirken wird.
[ 20 ] The story will depict people who truly shape their own circumstances. In the future, we won’t have to imagine what paradise might be like; instead, poets will create characters. Poets will, for example, describe how a child is born burdened with difficulties, and how those forces are then set free through skillful upbringing. This means looking to the Michael force. Turning away from utopias to focus on our own human powers—that is one way the Michael force will work.
[ 21 ] In den religiösen Ideen wird sich diese Michaelskraft so auswirken, dass man nicht mehr nur auf die Evangelien hinsieht, sondern man wird sich erinnern an das Wort:
[ 21 ] In religious thought, this Michael force will have such an effect that people will no longer look only to the Gospels, but will remember the words:
[ 22 ] Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erde.
[ 22 ] Behold, I am with you always, even to the end of the earth.
[ 23 ] Der Mensch wird dann nicht mehr mechanisch schreiben lernen, sondern aus der Form heraus.
[ 23 ] People will then no longer learn to write mechanically, but rather by drawing on the form itself.
[ 24 ] Michael steigt nun herunter und hilft den Menschen, wenn sie ihm entgegenkommen. Die Jahresfeste würden wir richtiger begehen, wenn wir das Michaelfest Ende September begehen würden. Da würde man den Menschen begreiflich machen können das Absterben der äußeren Welt. Man wird von diesem Feste den Anlass finden können zur Erweckung der inneren Kräfte. Heute würden wir dort sogar am allerbesten wirken können.
[ 24 ] Michael now descends and helps people as they come toward him. We would celebrate the annual festivals more appropriately if we observed the Feast of St. Michael at the end of September. Then we could help people understand the withering away of the outer world. This festival would provide an opportunity to awaken our inner powers. Today, we would be able to have the greatest impact there of all.
