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Supplements to Member Lectures
GA 246

7 November 1923, Zurich

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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge

83. Menschenunverständnis und Menschenhass

83. Misunderstanding and Hatred of People

[ 1 ] Die Verankerung der moralischen Impulse in der geistigen Welt muss uns ebenso interessieren wie das Wirken der Naturkräfte. Das ist das Wichtigste, was uns Erdenmenschen zu einem moraldurchströmten Wesen machen kann. Moral begründen ist schwer, weil man hinweisen muss auf das im Menschen, was Moral bildet, kräftigt. Was der Mensch moralisch Gutes tun kann, muss aus zwei Quellen entspringen: erstens aus dem Verständnis des anderen Menschen, zweitens aus Menschenliebe. Wo kein Verständnis ist, kann auch keine Liebe walten. Aus diesen beiden Quellen geht das ganze moralische und ethische Verhalten hervor. Bevor man diese Erkenntnis hat, kann die soziale Frage nicht gelöst werden.

[ 1 ] We must be just as interested in the roots of moral impulses in the spiritual world as we are in the workings of natural forces. This is the most important thing that can make us, as earthly human beings, beings imbued with morality. It is difficult to justify morality because one must point to that within the human being which forms and strengthens morality. Whatever morally good a person can do must spring from two sources: first, from an understanding of other people; second, from love for humanity. Where there is no understanding, love cannot prevail. All moral and ethical behavior arises from these two sources. Until this insight is gained, the social question cannot be resolved.

[ 2 ] Wie leben sich im Übersinnlichen die moralischen Impulse von Menschenliebe und Menschenverständnis aus? Bei jedem Menschen sammelt sich im Unterbewussten ungeheuer viel Menschenhass und Menschenverachtung an. Nach dem Tode gehen diese Seeleneigenschaften, dem astralischen Leibe und dem Ich anklebend, weg. Man merkt dies wenig, solange der Mensch noch im physischen Leibe und im Ätherleibe ist. Aber nach dem Tode ist der Astralleib ganz. durchsetzt von bräunlich-grauen Flecken, von denen eine geistige Kälte ausströmt. Denkt man sich die physische Kälte ins Geistige übersetzt, so ist dies die Atmosphäre, welche den Menschen nach dem Tode umgibt. Die Wesenheiten der dritten Hierarchie (Angeloi, Archangeloi, Archai) haben die Aufgabe, dem Menschen diese furchtbaren Kräfte abzunehmen und tragen zu helfen. Diese Wesen müssen die Unordnung, die der Mensch durch diese Kälte in die geistige Welt bringt, wieder in Ordnung bringen.

[ 2 ] How do the moral impulses of love for humanity and understanding of humanity manifest themselves in the supersensible realm? In every human being, an immense amount of hatred and contempt for humanity accumulates in the subconscious. After death, these qualities of the soul, clinging to the astral body and the “I,” depart. One hardly notices this as long as the person is still in the physical body and the etheric body. But after death, the astral body is entirely permeated by brownish-gray spots from which a spiritual coldness radiates. If one imagines physical coldness translated into the spiritual realm, this is the atmosphere that surrounds a person after death. The beings of the third hierarchy (Angels, Archangels, Archai) have the task of relieving a person of these terrible forces and helping to carry them away. These beings must restore order to the disorder that a person brings into the spiritual world through this coldness.

[ 3 ] Was uns aber diese Wesen nicht abnehmen können, das ist der Menschenhass. Wenn der Astralleib schon frei ist von der Kälte des Menschenunverständnisses, so haftet ihm immer noch diese Kälte an, welche vom Menschenhass herrührt. Diese umzuwandeln, braucht er schon stärkere Kräfte, nämlich die Wesen der zweiten Hierarchie (Exusiai, Dynamis, Kyriotetes). Sie nehmen dem Menschen ab, was mit Menschenantipathie zu tun hat.

[ 3 ] But what these beings cannot take away from us is our hatred of humanity. Even if the astral body is already free from the coldness of human incomprehension, this coldness—which stems from hatred of humanity—still clings to it. To transform this, it requires even greater forces, namely the beings of the second hierarchy (Exusiai, Dynamis, Kyriotetes). They relieve the human being of whatever has to do with antipathy toward humanity.

[ 4 ] In der Weltenmitternacht muss der Mensch bestrahlt werden von dem Lichte der Wesen der ersten Hierarchie; diese Gnade muss ihm zuteilwerden. Wenn diese Bestrahlung beginnt, so kann die erste Anlage zu einem künftigen Leib zubereitet werden. Diese Welt der Seraphim, Cherubim und Throne kann nicht verglichen werden mit unserer Welt. Sie ist beides; der schaffende Geist wirkt in der physischen Welt und beide sind eines. Aber das Geistige erscheint nicht in der physischen Schwere. Es ist alles strahlend und durchdringlich, von ungeheurer Beweglichkeit, ein immerwährendes Leben und Weben.

[ 4 ] During the Midnight of the Worlds, human beings must be bathed in the light of the beings of the First Hierarchy; this grace must be bestowed upon them. When this bathing in light begins, the first foundation for a future body can be laid. This world of Seraphim, Cherubim, and Thrones cannot be compared to our world. It is both; the creative Spirit works in the physical world, and the two are one. But the spiritual does not appear in physical heaviness. It is all radiant and pervasive, of immense mobility, an everlasting life and weaving.

[ 5 ] Nach dem Tode schaut man den Menschen im Bild. Er ist aus Licht, Farben, Dunkelheit gewoben und melodiös. Er erinnerte in der ersten Hälfte zwischen Tod und neuer Geburt immer noch an das, was er in seinem irdischen Leben war. Durch Jahrhunderte trägt sein Bild seine Züge. Die Formen sind noch vorhanden, aber dahinter wirken die Formkräfte; diese bleiben am längsten. Zuallererst verschwindet der Kopf. Indem der Mensch sich in seinem geistigen Schattenbilde fortentwickelt, wird er immer kopfloser. Er ist aber auch ein Farbenbild, ein Tonbild und ein Wärmebild, und man weiß: Es ist dieser oder jener Mensch. Er sagt einem auch seinen geistigen Namen. Kommt er in die Sphäre der Cherubim, Seraphim und Throne, so erscheint alles an ihm als moralische Qualitäten. Der Hass ist in Liebe umgewandelt, die Kälte in Wärme, und dadurch kann der Mensch seinen weiteren Weg vollenden. Am Kopf ist wenig Moralisches zu sehen. Der Kopf ist ein Komödiant; er intellektualisiert alles. Wenn man das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem betrachtet, so hat man darin das ganze moralische Wesen. Dieses trägt sein Karma mit in die Sphäre der ersten Hierarchie. Eine merkwürdige Umwandlung geht nun vor. Es wandeln sich zum Beispiel die Beine um in das Kiefernsystem. Die Jochbeine entwickeln sich aus den Armen.

[ 5 ] After death, one sees the person in an image. It is woven from light, colors, and darkness, and is melodious. In the first half—between death and new birth—it still recalls what the person was during their earthly life. Through the centuries, this image bears their features. The forms are still present, but behind them the formative forces are at work; these are the ones that last the longest. First and foremost, the head disappears. As the person continues to develop within his or her spiritual shadow image, he or she becomes increasingly headless. Yet he or she is also an image of color, an image of sound, and an image of warmth, and one knows: it is this or that person. He or she also reveals his or her spiritual name. When he enters the sphere of the Cherubim, Seraphim, and Thrones, everything about him appears as moral qualities. Hatred is transformed into love, coldness into warmth, and through this the human being can complete his further path. There is little of a moral nature to be seen in the head. The head is a comedian; it intellectualizes everything. When one considers the metabolic system of the limbs, one finds within it the entire moral being. This being carries its karma into the sphere of the first hierarchy. A remarkable transformation now takes place. For example, the legs are transformed into the jaw system. The cheekbones develop from the arms.

[ 6 ] Die neuen Glieder kommen von der physischen Erde, und wenn sich diese zu bewegen beginnen, so können auch die Kopfteile zum Sprechen und Singen gebraucht werden. Wenn ein Mensch singen kann, so hat er dies durch seine vorherige Inkarnation erworben. In der zweiten Hälfte zwischen Tod und neuer Geburt erhält der Mensch wieder mitgeliefert, was er heraufgetragen hat an Menschenmissverständnis und Menschenhass. Die Wesen der zweiten und dritten Hierarchie geben es dem Menschen wieder zurück. Sie hatten es ihm nur abgenommen, damit er in der höchsten Sphäre beschützt ist. Nachdem er erkraftet ist durch Cherubim, Seraphim und Throne, kann er sein Karma wieder auf sich nehmen. Als Kopfwesen bildet er sich zuerst als ein Abbild der Weltensphäre. Dann bilden sich erst sein Brust- und Gliedmaßensystem, welche angesetzt werden und gebildet aus seinem Menschenhass und Menschenunverständnis. So wie sich die Gliedmaßen im Herzen ausgedrückt haben (?), so bilden sie in der nächsten Inkarnation Sehhügel, Zirbeldrüse und so weiter. Was sich aus den Gliedmaßen entwickelt, gibt die tieferen Teile des Kopforganismus. So lässt sich für jeden Menschen eine Biografie schreiben seiner kosmischen Erlebnisse nach dem Tode.

[ 6 ] The new limbs come from the physical earth, and when they begin to move, the head parts can also be used for speaking and singing. If a person can sing, it is because he acquired this ability in a previous incarnation. In the second half of the period between death and rebirth, a person is once again given back what they have carried up in the form of misunderstanding and hatred of humanity. The beings of the second and third hierarchies return it to the person. They had only taken it away so that the person might be protected in the highest sphere. After being strengthened by the Cherubim, Seraphim, and Thrones, the person can take on their karma once more. As a head being, they first form themselves as an image of the world sphere. Only then do their chest and limb systems take shape; these are attached and formed from their hatred of and misunderstanding toward humanity. Just as the limbs have expressed themselves in the heart (?), so in the next incarnation they form the optic mounds, the pineal gland, and so on. What develops from the limbs constitutes the deeper parts of the head organism. In this way, a biography can be written for every human being based on their cosmic experiences after death.

[ 7 ] Die Menschen haben eine Schwachheit erlitten, dasjenige durchzumachen nach der Weltenmitternachtstunde. Dadurch ist eine besondere Sphäre entstanden, aus welcher unverbrauchter Menschenhass und Menschenmissverständnis heruntergekommen sind auf uns. Vom Himmel ausgeworfener Hass und Kälte lebt in diesen drei Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts. Das hat eine besondere Folge für das Erdenleben. Es bewirkt, dass die Zivilisation des Menschen allmählich zu einem Parasiten geworden ist. Wir alle können heutzutage so vieles zum Beispiel schreiben, aber es kommt nicht aus der Vollmenschlichkeit heraus. Es ist etwas, was man in sich hineingezwängt hat. So kann im Menschen das spirituelle Leben zum Gift werden. Nicht die Zivilisation wird zum Gift, sondern im Menschen wird es dazu.

[ 7 ] Humanity has suffered a weakness: having to endure the world’s midnight hour. This has given rise to a special sphere from which unspent hatred and misunderstanding of humanity have rained down upon us. Hatred and coldness cast out of heaven have been alive in these three decades of the twentieth century. This has a particular consequence for life on Earth. It has caused human civilization to gradually become a parasite. We can all write so much these days, for example, but it does not spring from full humanity. It is something that has been forced into us. Thus, spiritual life can become poison within the human being. It is not civilization that becomes poison, but rather it becomes so within the human being.

[ 8 ] Diese parasitäre Zivilisation vergiftet den Äther, aus dem der Mensch wieder geschaffen werden muss. Das Gegenmittel ist geschaffen worden in der ätherischen Erscheinung des Christus. Dieses Ereignis, welches bevorsteht, setzt anstelle der Äthererkrankung die Äthergesundheit. Im letzten Drittel des [neunzehnten] Jahrhunderts war die Erscheinung des Michael der Vorbote.

[ 8 ] This parasitic civilization poisons the ether from which humanity must be recreated. The antidote has been created in the etheric manifestation of Christ. This event, which is imminent, will replace etheric disease with etheric health. In the last third of the [nineteenth] century, the appearance of Michael was the harbinger.

[ 9 ] Die Wirklichkeit schildert man, wenn man einerseits so schildert die Vergiftung des Äthers durch unsere Zivilisation und andererseits die ätherische Erscheinung des Christus. Es handelt sich nicht darum, nur eine neue Weltanschauung aufzunehmen; wir müssen einen geistigen Trunk aufnehmen aus der Anthroposophie, um den richtigen Weg zu wählen.

[ 9 ] Reality is described when, on the one hand, we describe the poisoning of the ether by our civilization and, on the other hand, the ethereal manifestation of Christ. It is not simply a matter of adopting a new worldview; we must take a spiritual drink from anthroposophy in order to choose the right path.