Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250

19 June 1904, Amsterdam

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
  1. Zur Geschichte der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft

9. Der theosophische Kongress in Amsterdam

9. The Theosophical Congress in Amsterdam

Bericht von Rudolf Steiner «Lucifer-Gnosis», Nr. 13/1904

Report by Rudolf Steiner, “Lucifer-Gnosis,” No. 13/1904

[ 1 ] Vom 19. bis zum 21. Juni hielt in Amsterdam die Föderation der europäischen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft ihren Kongress ab [...]. Die Mitglieder der holländischen Sektion hatten die Aufgabe, alle Arbeiten zu übernehmen, die am Versammlungsorte zu leisten sind. Und sie haben sich dieser wahrhaft nicht leichten Aufgabe in einer Art unterzogen, die ihnen die volle Anerkennung und den wärmsten Dank der europäischen Sektionen, die diesmal ihre Gäste waren, sichern muss. Sie verstanden es, die dreitägigen Verhandlungen in würdigster und inhaltreichster Weise anzuordnen; und zwischen die eigentlichen theosophischen Zusammenkünfte künstlerische Darbietungen einzuschieben, welche musikalische und deklamatorische Leistungen brachten. Diese Darbietungen wurden nicht mit fremden Künstlern, sondern von den Mitgliedern der holländischen Sektion selbst veranstaltet. Mit inniger Befriedigung nur kann man an das zurückdenken, was da geboten worden ist. Es hat Zeugnis abgelegt für die unermüdliche Arbeit, für die erfolgreiche Propaganda der großen spirituellen Bewegung in Holland. Diese zählt dort bereits fast 800 Mitglieder.

[ 1 ] From June 19 to 21, the Federation of European Sections of the Theosophical Society held its convention in Amsterdam [...]. The members of the Dutch Section were tasked with handling all the work required at the venue. And they undertook this truly challenging task in a manner that must earn them the full recognition and warmest thanks of the European Sections, who were their guests on this occasion. They knew how to organize the three-day proceedings in the most dignified and substantive manner; and to intersperse the actual theosophical meetings with artistic performances featuring musical and recitation acts. These performances were not staged with outside artists, but were organized by the members of the Dutch Section themselves. One can look back on what was offered there with nothing but deep satisfaction. It bore witness to the tireless work and the successful promotion of the great spiritual movement in the Netherlands. This movement already has nearly 800 members there.

[ 2 ] Es soll nun der Verlauf des Kongresses mit einigen Strichen gezeichnet werden. - Den Vorsitz führte Annie Besant. Sie ist vor wenigen Wochen von einem achtzehn Monate dauernden Aufenthalte in Indien wieder nach Europa zurückgekehrt. Schön war es, dass sie die Arbeiten der Versammlung führen konnte. Jeder, der den wahren Sinn der wichtigen spirituellen Bewegung begreift, die in der theosophischen Bewegung verkörpert ist, weiß das. Nach dem Tode von H. P. Blavatsky ging die geistige Führung der Gesellschaft auf Annie Besant über. Dies muss zum guten Karma der Gesellschaft gerechnet werden. In allem, was von dieser Frau ausgeht, lebt die Kraft, von der die Gesellschaft gelenkt sein muss, wenn sie ihre Mission erfüllen soll. Diese Mission besteht ja darin, die gegenwärtige Zivilisation zum spirituellen Leben zu erheben. Diese Zivilisation hat ja Unsägliches geleistet an intellektueller und materieller Kulturarbeit. Sie hat den Gesichtskreis und die äußere Arbeit der Menschheit ungeheuer erweitert und wird ihn noch immer mehr erweitern. Die geistige Vertiefung musste dabei notwendig zurückbleiben. Das neunzehnte Jahrhundert, entbehrte der Richtung auf das Geistige, es fehlte ihm das spirituelle Leben, das früheren großen Epochen der Menschheitsentwicklung die Impulse gab. Das war notwendiges Schicksal der Kulturentwicklung. Denn, wenn sich des Menschen Kraft nach einer Seite besonders auslebt, muss sie ihrer Tätigkeit nach der anderen etwas entziehen. Gegenwärtig aber ist wieder der Punkt eingetreten, wo spirituelles Leben unserer Kultur zugeführt werden muss, soll sich diese nicht ganz veräußerlichen, und die Menschheit nicht den Zusammenhang mit den Erlebnissen des Geistes verlieren. Diese Mission der Theosophischen Gesellschaft drückt sich nun ganz und gar aus in allem, was Annie Besant tut und spricht. Die höchste Aufgabe unserer Zeit ist der innerste Impuls ihrer eigenen Seele. Wissen und Wollen, Erkenntnis und Ideal unserer Zeit vereinigt sich in Annie Besant, um befruchtet durch ihr eigenes, hochentwickeltes spirituelles Leben als Kraft von ihr auszugehen und sich als solche ihren Mitmenschen mitzuteilen. Wo sie spricht, wird der Geist der Zuhörer zu den Höhen göttlicher Erkenntnis erhoben und deren Herz erfüllt von Begeisterung für die geistigen Strömungen der Menschheit. Und so war es, als sie ihre herrliche Eröffnungsrede auf dem Amsterdamer Kongresse hielt. Die Zeichen stellte sie hin, unter denen die Arbeit der Gesellschaft sich vollziehen muss. Die Frage nach dem «Warum» und «Wozu» der Versammlung wurde von ihr in großen Zügen beantwortet. Als einen Teil der großen geistigen Bewegung, welche heute die ganze Welt ergreift, bezeichnete sie die theosophische Bewegung. Die Spiritualisierung der ganzen Zivilisation muss erreicht werden. Ein Blick auf diese Zivilisation lehrt das. Im Materiellen lebt sich diese Zivilisation aus. In einer Wissenschaft, die das Materielle zu begreifen sucht, in einer Industrie und Technik, welche dem äußeren Leben dient, in einem Verkehr, welcher die materiellen Interessen der ganzen Erde immer mehr zu gemeinsamen macht. Aber all dem fehlt das Spirituelle. Unser Wissen ist ein Verstandeswissen, unsere kommerzielle Blüte fördert das äußere Wohlergehen. Aber diese Wissenschaft einerseits und der materielle Wohlstand andererseits sind nur eine äußere Form der Kultur, nicht deren inneres Leben. Zu allem, was wir erobert haben, muss das Herz, das Leben hinzukommen. Wir müssen wieder in unseren Willen das göttliche Ideal aufnehmen; dann wird alles Äußere nicht mehr Selbstzweck, sondern nur das äußere Kleid, nur die Form der Zivilisation sein. Der Geist muss den Körper unserer Kultur erfüllen, wenn diese bestehen soll. Und um diesen Körper mit dem Geiste zu erfüllen, ist die theosophische Bewegung ins Leben gerufen worden. Sie geht aus von den ältesten Gedanken der Menschheit, von jener Weisheit, welche in Urzeiten unser Geschlecht heraufgehoben haben auf die jetzige Stufe seines Bewusstseins, und welche immer wirksam, waren bei allen großen Fortschritten. Diese Gedanken, diese Weisheit sind ihrem Wesen nach so alt wie die Menschheit. Nur ihre Formen müssen sich ändern nach den verschiedenen Bedürfnissen der verschiedenen Zeiten. Nicht einer äußeren zufälligen Entwicklung schreibt die Theosophie den Ursprung der Weisheit zu. Sie leitet sie vielmehr ab von der Brüderschaft der großen Führer der Menschheit. Es sind das die Wesen, welche den hohen Grad von Vollkommenheit schon in der Vergangenheit erreicht haben, welchem der Durchschnittsmensch in der Zukunft zustrebt. Solche vorgeschrittenen Brüder des Menschengeschlechts verwenden ihren Grad von Vollkommenheit, um dem übrigen Geschlecht zum Fortschritte zu helfen. Ihre Arbeit geschieht im Verborgenen. Sie muss im Verborgenen geschehen, denn sie liegt zu hoch, um von der großen Masse verstanden zu werden. Sie sind die Lenker der göttlichen Ideale. Von Zeit zu Zeit schicken sie ihre Sendboten in die Welt, um dieser die großen Kulturimpulse zu geben. Solchen Impulsen verdanken die großen Weltreligionen ihren Ursprung; es verdanken ihnen alle Kulturerrungenschaften ihre Grundlagen. Ein solcher Impuls ist in die Welt gesandt worden in der letzten Zeit und hat zur Begründung der Theosophischen Gesellschaft durch H. P. Blavatsky und H. S. Olcott geführt. Sie will der Menschheit wieder zum Bewusstsein bringen, dass größer als der Ausdruck der Gedanke, größer als die äußere Form der Geist ist. Sie will zeigen, dass der Wissenschaft nicht bloß die Erkenntnis der sinnlichen, sondern auch diejenige der übersinnlichen Welten wieder erobert werden muss, dass das Herz sich nicht allein an die materiellen Güter hängen, sondern dass es sich dem göttlichen Ideale öffnen soll. Über allem Gewinn, den der Einzelne aus unseren gegenwärtigen Kulturmitteln ziehen kann, steht der allgemeine geistige Aufschwung der ganzen Menschheit. Alles, was die Menschheit an Wohlstand erstrebt, soll sie nur deshalb erstreben, um dem Geiste auf dieser Erde eine Wohnung zu bauen. Und diese Wohnung ist nur eine würdige, wenn sie von der Schönheit durchleuchtet wird. Schönheit ist aber nur möglich, wenn sie von dem Geiste ausströmt. Unsere materielle Kultur kann keine wahre Kunst haben, wenn sie nicht wieder einen wahren Glauben erobert. Aus der Kunst des Mittelalters leuchtet uns der Glaube der mittelalterlichen Menschheit entgegen. Seine Maler ließen sich begeistern von dem religiösen Empfinden, das in ihrem Herzen lebte. Der Inhalt des Glaubens verlieh den Linien und Farben der Künstler Sinn und Bedeutung. Einen neuen Gedankengehalt, angemessen dem Vorstellungsvermögen der gegenwärtigen Menschheit, will die Theosophie zur Geltung bringen. Und der neue Gedankengehalt wird der Schöpfer einer neuen Kunst sein. Das ist eine Aufgabe unserer Zeit. Alle edleren Geister fühlen das. Das Streben dahin ist überall bemerkbar. Die Theosophische Gesellschaft will Führer, Vortrab in dieser Bewegung sein. Sie will einzelne Männer und Frauen begeistern für dies Ziel, das gegenwärtig so deutlich empfunden wird. Und damit vereinigt sie das Streben nach Toleranz, nach allgemeiner Menschenliebe. Diese waren immer die Kräfte, aus denen die großen Fortschritte der Menschheit hervorgegangen sind. Was einzelne Kulturbewegungen anstreben, das will die theosophische Strömung zu einer großen Einheit bilden. Sie will die Engherzigkeit, die Unduldsamkeit überwinden. Denn nur im vereinten Streben kann die Menschheit heute erreichen, was ihr Ziel ist. Die Theosophische Gesellschaft besteht nicht zum egoistischen Streben ihrer Mitglieder. Es ist, ein Irrtum, wenn man sich ihr anschließt zum Zwecke der eigenen Förderung. Sie will für die Menschheit da sein, sie will in deren Dienst arbeiten. Man soll Mitglied der Gesellschaft werden nur, um ein Kanal zu sein, durch den ein Wissen strömt, das den Menschheitsfortschritt fördert. Die Gesellschaft wächst nicht, wenn sich ihre Mitgliederzahl täglich vermehrt, sondern wenn in diesen Mitgliedern mit jedem Tage das Vertrauen, die Einsicht in ihre erhabene Aufgabe zunimmt. Die Rechtfertigung der [Theosophischen] Gesellschaft liegt in der Änderung, die in der menschlichen Denkweise sich in den letzten dreißig Jahren vollzogen hat. Nicht mehr sieht man heute mit Hohn auf diejenigen, welche ihren Blick nicht mehr bloß auf die materielle Seite der Kultur lenken. Das Herz beginnt sich zu erweitern, und man hat wieder etwas übrig für diejenigen, die dem Geiste zustreben. Unser Materialismus wurde so mächtig, weil unsere Devotion so gering geworden war. Der Mensch aber, der nicht anbetend zu den geistigen Höhen aufzusehen vermag, verschließt sich. Die Devotion aber öffnet Herz und Sinn. Wir erheben uns zu dem, was wir in hingebender Liebe und Hochschätzung ansehen. Der Ruf nach solcher Vertiefung ist an die ergangen, die sich in der Theosophischen Gesellschaft vereinigt haben; sie sollen gute Steuerleute sein für den Weg, welcher der gegenwärtigen Zivilisation vorgezeichnet ist.

[ 2 ] Let us now briefly outline the proceedings of the congress. — Annie Besant presided. She had returned to Europe just a few weeks earlier from an eighteen-month stay in India. It was wonderful that she was able to lead the proceedings of the assembly. Anyone who understands the true meaning of the important spiritual movement embodied in the Theosophical Society knows this. After the death of H. P. Blavatsky, the spiritual leadership of the Society passed to Annie Besant. This must be counted as good karma for the Society. In everything that emanates from this woman lives the power by which the Society must be guided if it is to fulfill its mission. This mission consists, after all, in elevating the present civilization to spiritual life. This civilization has, indeed, accomplished the unspeakable in terms of intellectual and material cultural work. It has immensely expanded humanity’s horizons and outward activities and will continue to expand them even further. Spiritual deepening, however, was necessarily left behind in the process. The nineteenth century lacked a focus on the spiritual; it lacked the spiritual life that had provided the impetus for earlier great epochs of human development. This was the inevitable fate of cultural development. For when human energy is particularly directed toward one aspect, it must necessarily draw something away from its activity in another. At present, however, we have once again reached the point where spiritual life must be introduced into our culture, lest it become entirely externalized and humanity lose its connection with spiritual experiences. This mission of the Theosophical Society is now fully expressed in everything Annie Besant does and says. The highest task of our time is the innermost impulse of her own soul. The knowledge and will, the insight and ideal of our time are united in Annie Besant, so that, enriched by her own highly developed spiritual life, they radiate from her as a force and, as such, communicate themselves to her fellow human beings. Wherever she speaks, the spirit of her listeners is lifted to the heights of divine knowledge, and their hearts are filled with enthusiasm for the spiritual currents of humanity. And so it was when she delivered her magnificent opening address at the Amsterdam Congress. She set forth the principles under which the Society’s work must be carried out. She answered, in broad strokes, the questions of “why” and “for what purpose” the gathering had been convened. She described the Theosophical Movement as part of the great spiritual movement that is sweeping the entire world today. The spiritualization of the entire civilization must be achieved. A glance at this civilization teaches us that. This civilization expresses itself in the material realm—in a science that seeks to comprehend the material, in industry and technology that serve external life, and in commerce that increasingly unites the material interests of the entire world. But all of this lacks the spiritual. Our knowledge is intellectual knowledge; our commercial prosperity promotes external well-being. But this science, on the one hand, and material prosperity, on the other, are merely an external form of culture, not its inner life. To everything we have achieved, the heart and life must be added. We must once again incorporate the divine ideal into our will; then everything external will no longer be an end in itself, but merely the outer garment, merely the form of civilization. The spirit must fill the body of our culture if it is to endure. And to fill this body with the spirit, the Theosophical Movement was brought into being. It springs from the oldest thoughts of humanity, from that wisdom which in primeval times raised our race to its present level of consciousness, and which has always been at work in all great advances. These thoughts, this wisdom, are by their very nature as old as humanity itself. Only their forms must change according to the varying needs of different eras. Theosophy does not attribute the origin of this wisdom to some external, random development. Rather, it traces it back to the brotherhood of humanity’s great leaders. These are the beings who have already attained in the past the high degree of perfection toward which the average human being is striving in the future. Such advanced brothers of the human race use their degree of perfection to help the rest of humanity progress. Their work is done in secret. It must be done in secret, for it is too lofty to be understood by the masses. They are the guides of divine ideals. From time to time, they send their messengers into the world to impart great cultural impulses to it. The great world religions owe their origins to such impulses; all cultural achievements owe their foundations to them. One such impulse has been sent into the world in recent times and has led to the founding of the Theosophical Society by H. P. Blavatsky and H. S. Olcott. It seeks to restore humanity’s awareness that the Spirit is greater than the expression of thought, greater than the outer form. It seeks to show that science must reclaim not only knowledge of the sensory worlds but also that of the supersensory worlds; that the heart should not cling solely to material goods but should open itself to the divine ideal. Above any benefit that the individual may derive from our present cultural resources stands the general spiritual uplift of all humanity. Whatever prosperity humanity strives for, it should strive for it solely to build a dwelling for the spirit on this earth. And this dwelling is worthy only if it is illuminated by beauty. But beauty is possible only if it radiates from the spirit. Our material culture cannot have true art unless it regains true faith. The faith of medieval humanity shines out at us from the art of the Middle Ages. Its painters were inspired by the religious sentiment that lived in their hearts. The content of that faith imparted meaning and significance to the artists’ lines and colors. Theosophy seeks to bring to the fore a new body of thought, appropriate to the imagination of present-day humanity. And this new body of thought will be the creator of a new art. This is a task of our time. All noble spirits sense this. The striving toward it is evident everywhere. The Theosophical Society seeks to be a leader and a vanguard in this movement. It seeks to inspire individual men and women toward this goal, which is so clearly felt at present. And in doing so, it unites the pursuit of tolerance and universal love for humanity. These have always been the forces from which humanity’s great advances have emerged. What individual cultural movements strive for, the Theosophical movement seeks to unite into a great whole. It aims to overcome narrow-mindedness and intolerance. For only through united effort can humanity today achieve its goal. The Theosophical Society does not exist for the selfish pursuits of its members. It is a mistake to join it for the purpose of one’s own advancement. It seeks to serve humanity; it seeks to work in its service. One should become a member of the Society solely to be a channel through which knowledge flows that promotes the progress of humanity. The Society does not grow when its membership increases daily, but when, with each passing day, the members’ confidence and understanding of its noble mission deepen. The justification for the [Theosophical] Society lies in the change that has taken place in human thinking over the last thirty years. Today, people no longer look with scorn upon those who no longer direct their gaze solely toward the material aspect of culture. The heart is beginning to expand, and there is once again room in people’s hearts for those who strive toward the spirit. Our materialism became so powerful because our devotion had become so meager. But the person who is unable to look up adoringly toward the spiritual heights closes himself off. Devotion, however, opens the heart and mind. We rise to that which we regard with devoted love and high esteem. The call for such deepening has gone out to those who have united in the Theosophical Society; they are to be good helmsmen for the path that has been charted for our present civilization.

[ 3 ] Die einzelnen Sektionen waren durch ihre Generalsekretäre vertreten, die englische durch Bertram Keightley, die holländische durch W. B. Fricke, die französische durch Dr. Th. Pascal, die deutsche durch Dr. Rud. Steiner. Leider konnte der Generalsekretär der italienischen Sektion, Decio Calvari, nicht anwesend sein. - Die Geschäfte des Kongresses führte Johan van Manen, der auch in der Sitzung am 19. [Juni,) Vormittag seinen Bericht gab. Auf seine Tätigkeit muss besonders hingewiesen werden. Eine unermessliche Arbeitslast war ihm aufgebürdet während der Vorbereitungen zur Versammlung sowohl, wie während dieser selbst. Man konnte die Opferwilligkeit, Umsicht und Energie dieses Mitgliedes der Theosophischen Gesellschaft nur bewundern.

[ 3 ] The individual sections were represented by their general secretaries: the English section by Bertram Keightley, the Dutch section by W. B. Fricke, the French section by Dr. Th. Pascal, and the German section by Dr. Rud. Steiner. Unfortunately, the general secretary of the Italian section, Decio Calvari, was unable to attend. - Johan van Manen presided over the proceedings of the Congress and also presented his report during the morning session on the 19th [of June]. His efforts deserve special mention. An immense workload had been placed upon him both during the preparations for the meeting and during the meeting itself. One could not help but admire the self-sacrifice, prudence, and energy of this member of the Theosophical Society.

[ 4 ] Am 19. abends wurde ein öffentlicher Vortrag veranstaltet. Annie Besant sprach über die «Neue Psychologie». In großen Zügen legte sie den Umschwung dar, der sich in den letzten vierzig Jahren in den herrschenden Anschauungen über das Wesen des Geistes vollzogen hat.

[ 4 ] On the evening of the 19th, a public lecture was held. Annie Besant spoke about the “New Psychology.” She outlined, in broad strokes, the shift that had taken place over the past forty years in prevailing views regarding the nature of the mind.

[ 5 ] Vor vierzig Jahren konnte sich der Materialismus in Männern wie Büchner und Vogt zu der Behauptung versteigen, das Gehirn sondere Gedanken ab wie die Leber Galle. Seit dieser Zeit ist man von dem Glauben abgekommen, dass man das Wesen des Geistes durch das Studium des Gehirnmechanismus erkennen könne. Man weiß heute, dass ein solcher Vorgang dem gleichen würde, wenn man durch das Studium der Hämmer und Tasten eines Klaviers in die Geheimnisse einer Mozart’schen oder Beethoven’schen Tonschöpfung eindringen wollte. Man hat die Erscheinungen des Traumlebens studiert, hat sich vertieft in diejenigen Bewusstseinserscheinungen, die in abnormen Zuständen des physischen Körpers auftreten. Dadurch hat sich die Überzeugung ergeben, dass das Geistige eine selbstständige Wesenheit im Menschen ist, und dass die Art, wie dieses sich im gewöhnlichen Zustande betätigt, nur eine seiner Formen ist. Nur diese Form, diese Äußerungsart ist bedingt durch die physische Einrichtung der menschlichen Sinne und des menschlichen Gehirnes. Es muss dem Wesen des Geistes zukommen, sich durch andere Instrumente in anderer Weise zu betätigen. Die experimentierende Wissenschaft hat so die Grundwahrheit aller tieferen religiösen Weltauffassungen bestätigt, dass der Geist im menschlichen Tagesbewusstsein nur eine seiner Offenbarungen hat. Sie hat gezeigt, dass durch gewisse Vorgänge (im Trance und so weiter) im Menschen Bewusstseinsformen auftreten, in denen er ein ganz anderer als in seinem sogenannten Normalbewusstsein ist. Damit ist es auch wissenschaftlich gerechtfertigt, wenn die Wahrheit nicht einzig durch die Bewusstseinsform gesucht wird, die uns im Alltag zukommt, sondern wenn wir uns zu höheren Bewusstseinsformen erheben, um die höheren Welten kennenzulernen.

[ 5 ] Forty years ago, materialism, as embodied in men like Büchner and Vogt, went so far as to claim that the brain secretes thoughts just as the liver secretes bile. Since that time, people have abandoned the belief that the nature of the mind can be understood through the study of the brain’s mechanisms. We now know that such an approach would be akin to attempting to penetrate the secrets of a musical composition by Mozart or Beethoven through the study of a piano’s hammers and keys. People have studied the phenomena of dream life and have delved into those manifestations of consciousness that occur during abnormal states of the physical body. This has led to the conviction that the spiritual is an independent entity within the human being, and that the way it functions in the ordinary state is merely one of its forms. Only this form, this mode of expression, is conditioned by the physical structure of the human senses and the human brain. It must be inherent to the nature of the spirit to function in other ways through other instruments. Experimental science has thus confirmed the fundamental truth of all deeper religious worldviews: that the spirit has only one of its manifestations in human waking consciousness. It has shown that through certain processes (such as trance and so on), forms of consciousness arise in human beings in which they are entirely different from what they are in their so-called normal consciousness. This also provides scientific justification for not seeking the truth solely through the form of consciousness that is available to us in everyday life, but rather for elevating ourselves to higher forms of consciousness in order to come to know the higher worlds.

[ 6 ] Die übrigen Arbeiten des Kongresses wurden in der Form erledigt, dass nach sachlichen Gesichtspunkten Departements gebildet wurden, in denen entsprechende Vorträge gehalten wurden. Es zeigte sich dabei, wie die Theosophie ihre Arbeit bereits über alle Zweige des modernen Geisteslebens und auch über die sozialen Ideale ausgedehnt hat. Die Theosophen suchen eben in allen Zweigen der Kultur die Tauglichkeit ihrer Ziele zur Geltung zu bringen, und sie suchen andererseits überall die Quellen, um ihre Gedanken und Ideale den Bestrebungen der Gegenwart einzugliedern. Die einzelnen Departements waren die folgenden: 1. Wissenschaft; 2. Vergleichende Religion; 3. Philologie; 4. Menschenverbrüderung; 5. Okkultismus; 6. Philosophie; 7. Theosophische Arbeitsmethode; 8. Kunst.

[ 6 ] The remaining business of the congress was conducted by forming departments based on subject matter, in which relevant lectures were given. This demonstrated how Theosophy has already extended its work to all branches of modern intellectual life, as well as to social ideals. The Theosophists seek to demonstrate the validity of their goals in all branches of culture, and at the same time they seek sources everywhere to integrate their ideas and ideals into the aspirations of the present. The individual departments were as follows: 1. Science; 2. Comparative Religion; 3. Philology; 4. Fraternity of Man; 5. Occultism; 6. Philosophy; 7. Theosophical Method of Work; 8. Art.

[ 7 ] In der wissenschaftlichen Abteilung wurde zuerst eine Arbeit Dr. Pascals über das «Wesen des Bewusstseins» vorgelesen. Der Verfasser hat in feinsinniger Art die theosophischen Grundgedanken mit dem modernen Vorstellen zu durchdringen verstanden. Es schloss sich daran eine Anregung Ludwig Deinhards (München). Er wies auf die experimentell festgestellten verschiedenen Bewusstseinszustände (Multiplex Personality) hin, erläuterte sie lichtvoll und forderte diejenigen, welche höhere Bewusstseinszustände in sich entwickelt haben, auch ihre Erfahrungen in den Dienst der theosophischen Grundanschauungen (Reinkarnation und Karma) zu stellen. Darauf folgte eine anregende Auseinandersetzung über die «Entwicklung einer zweiten Persönlichkeit» durch Alfred R. Orage (Leeds). Die beiden Ausführungen schlossen sich schön an das im Vortrage über «die neue Psychologie» durch Annie Besant Vorgebrachte. Aus den Verhandlungen dieser Abteilung kann nur noch angeführt werden, dass Emilio Scalfaro (Bologna), Arturio Reghini (Italien) und Mrs Sarah Corbett (Manchester) Abhandlungen lieferten über wichtige Fragen des Raumes, der Materie und anderes. Die reiche Fülle des Dargebotenen kann in einem kurzen Referate umso weniger erschöpft werden, als Vorträge gleichzeitig in verschiedenen Sälen stattfanden und es dem Einzelnen nur möglich war, einen Teil anzuhören. Es werden ja auch die Arbeiten in einem ausführlichen Kongressbericht (Jahrbuch des Kongresses) veröffentlicht und dadurch jedem zugänglich werden. Nur über einiges soll deshalb hier noch berichtet werden. In der Abteilung über vergleichende Religion lag vor: «Die Religion der Zukunft - ein Ausblick des Vaishnavismus» von Purnendu Narayana Sinha (Indien).

[ 7 ] In the scientific section, a paper by Dr. Pascal on the “Nature of Consciousness” was first read aloud. The author skillfully integrated the fundamental ideas of theosophy with modern mental images. This was followed by a presentation by Ludwig Deinhard (Munich). He pointed to the various states of consciousness (multiple personality) that have been experimentally established, explained them with clarity, and called upon those who have developed higher states of consciousness within themselves to also place their experiences in the service of the fundamental theosophical principles (reincarnation and karma). This was followed by a stimulating discussion on the “Development of a Second Personality” by Alfred R. Orage (Leeds). Both presentations tied in beautifully with the points raised in Annie Besant’s lecture on “The New Psychology.” From the proceedings of this section, it can only be noted that Emilio Scalfaro (Bologna), Arturio Reghini (Italy), and Mrs. Sarah Corbett (Manchester) presented papers on important questions concerning space, matter, and other topics. The rich variety of what was presented cannot be fully covered in a brief report, especially since lectures took place simultaneously in different halls and it was only possible for individuals to attend a portion of them. The papers will, of course, be published in a detailed conference report (Yearbook of the Congress) and will thus be accessible to everyone. Therefore, only a few points will be reported here. In the section on comparative religion, the following paper was presented: “The Religion of the Future—A Vaishnavite Perspective” by Purnendu Narayana Sinha (India).

[ 8 ] In der Abteilung für «Menschenverbrüderung» lag eine Abhandlung über das Gemeinschaftsleben bei sogenannten Urvölkern vor von Mme Emma Weise (Paris). Arbeiten in dieser Art sind für den Theosophen aus dem Grunde wichtig, weil sie in Zustände zurückweisen, in denen das Prinzip der Verbrüderung als ein seelisches Naturgesetz in Menschenstämmen wirkte. Der Fortschritt musste notwendig zur Absonderung, zum Egoismus führen. Damit ist aber nur eine Durchgangsepoche gegeben. Die Absonderung muss durch selbstlose Hingabe, durch ethische Verbrüderung wieder, auf höherer Stufe, das erbringen, was einmal auf niedrigerer dem Menschen angeboren war. Mit dem sozialen Zusammenleben der Menschen beschäftigten sich die Ausführungen von D. A. Courmes (Paris) und $. Edgar Aldermann (Sacramento, Cal.).

[ 8 ] In the section on “Brotherhood of Man,” there was a treatise on communal life among so-called “primitive peoples” by Mme Emma Weise (Paris). Works of this kind are important to theosophists because they point back to conditions in which the principle of brotherhood operated as a spiritual law of nature among human tribes. Progress was bound to lead to separation and selfishness. However, this represents only a transitional epoch. Separation must, through selfless devotion and ethical brotherhood, once again bring about—on a higher level—what was once innate to humankind on a lower level. The presentations by D. A. Courmes (Paris) and $. Edgar Aldermann (Sacramento, Cal.) dealt with the social coexistence of human beings.

[ 9 ] In der Abteilung «Okkultismus» sprach Annie Besant über das «Wesen des Okkultismus». Sie wies auf den Ausspruch H. P. Blavatskys hin, dass Okkultismus das Studium des universellen Weltengeistes in aller Natur sei. Der Okkultist erkennt, dass allem, was man in der Welt wahrnehmen kann, ein universeller Geist zugrunde liegt; und dass die Welt der Erscheinungen nur die Formen, die Ausdrucksweisen dieses verborgenen (okkulten) Weltengeistes gibt. Diese Überzeugung finden wir in allen großen Weltreligionen ausgesprochen, und die Okkultisten finden die wirklichen Grundlagen der Religionen durch ihre eigene Erfahrung bestätigt. Die Verstandeswissenschaft kann nur die Außenseite der Welt erkennen. Sie spricht von Kräften und Gesetzen. Der Okkultist sieht hinter diese Kräfte und Gesetze. Und er nimmt dann wahr, dass diese nur die äußere Hülle darstellen für lebendige Wesenheiten, so wie des Menschen Körper seine Hülle für Seele und Geist darstellen. Von den niederen Bildnern, die sich hinter den Naturkräften verbergen, bis hinauf zu den erhabenen Weltengeistern, die er als Logoi anspricht, verfolgt der Okkultist, je nach seinem Vermögen, das geistige Reich. Aber damit er diese Welt als eine Wirklichkeit erkennen kann, muss er durch einen sorgfältigen Lehrgang gehen. Er muss zweierlei erreichen. Erstens eine solche Erweiterung seines Bewusstseins, dass dieses höhere Welten umfassen kann so, wie der gewöhnliche bewusste Verstand die physische Welt beherrscht. Zweitens muss er die höheren Sinne entwickeln, welche in diesen Welten wahrnehmen können, wie Augen und Ohren in der physischen Welt wahrnehmen. Das erste Ziel, die Erweiterung des Bewusstseins hängt davon ab, dass der Mensch seine Gedanken beherrschen lernt. Im gewöhnlichen Leben wird der Mensch von seinen Gedanken beherrscht. Sie kommen und gehen und schleppen das Bewusstsein dahin und dorthin. Der Okkultist muss Herr über den Verlauf seiner Gedanken sein. Er regelt ihren Verlauf. Er hat es in der Hand, welchen Gedanken er Einlass gewähren will, welche er abweisen will. Dieses Ziel kann nur durch die allersorgfältigste Selbsterziehung erreicht werden. Hat man sich auf diese Art vorbereitet, dann kann man daran gehen, die höheren Sinne auszubilden. Solange der Mensch noch unter dem Einfluss seiner Leidenschaften, Begierden und Triebe steht, kann ihm der Besitz höherer Sinne nur schädlich sein. Ein reines, selbstloses Leben ist beim Okkultisten selbstverständlich. Die persönlichen Wünsche, die er von sich aus hegt, gestalten sich zu Formen in den höheren Welten. Von diesen Formen ist der Mensch selbst der Urheber. Beginnt er diese Formen zu sehen, so ist er der Gefahr ausgesetzt, dass er seine eigenen persönlichen Wunsch- und Begierdenschöpfungen für objektive Wirklichkeiten hält. Dem Durchschnittsmenschen sind diese Erzeugnisse seines Wunsch- und Begierdenkörpers verborgen. Sollen sie den entwickelten höheren Sinnen nicht zur Quelle schwerer Irrtümer und Illusionen werden, so müssen sie aus dem Blickfeld weichen. Der Okkultist muss persönlich wunschlos sein. Eine weitere Gefahr besteht darinnen, dass der Mensch die Fragmente höherer Welten, die sich seinen geöffneten Augen bieten, für erschöpfende Wirklichkeiten hält. Alles das muss der Okkultist erkennen lernen. Was die Entwicklung der okkulten Fähigkeiten besonders stört, ist die Hast und Eile, mit der manche Schüler vorwärtsdringen wollen. Diese stammen aus der persönlichen Ungeduld und Unruhe. Der Okkultist aber muss eine vollständige innere Ruhe und Geduld entwickeln. Er muss warten können, bis der rechte Zeitpunkt der Inspiration gekommen ist. Er muss in Geduld harren, bis ihm gegeben wird, was er sich nicht in Begierde nehmen soll. Er muss alles tun, damit die Stimmen aus der geistigen Welt im rechten Augenblicke zu ihm sprechen können; er darf aber auch nicht den leisesten Glauben haben, dass er diese Simmen herbeizwingen könne. Wer sich im Stolze erhebt, weil er mehr zu wissen glaubt als andere, der kann nicht Okkultist werden. Deshalb sprechen die Okkultisten von der Häresie des Separatismus. Wenn der Mensch etwas für sich haben will, wenn er nicht alles in Gemeinschaft besitzen will, so ist er für den Okkultismus unreif. Jede Absonderung, alles Streben nach persönlichem Eigennutz, auch wenn dieser auf das höchste Geistige geht, tötet die okkulten Sinne. Die Gefahren des okkulten Pfades sind groß. Geduld und Selbstlosigkeit; Opferwilligkeit und wahre Liebe nur können den Okkultisten machen.

[ 9 ] In the “Occultism” section, Annie Besant spoke about the “Nature of Occultism.” She referred to H. P. Blavatsky’s statement that occultism is the study of the universal world spirit in all of nature. The occultist recognizes that everything perceptible in the world is underlaid by a universal spirit; and that the world of phenomena merely provides the forms and modes of expression of this hidden (occult) World Spirit. We find this conviction articulated in all the great world religions, and occultists find the true foundations of religions confirmed by their own experience. Rational science can perceive only the outer surface of the world. It speaks of forces and laws. The occultist looks beyond these forces and laws. And he then perceives that these are merely the outer shell for living entities, just as the human body serves as a shell for the soul and spirit. From the lower formers who lie hidden behind the forces of nature all the way up to the exalted world spirits, whom he addresses as Logoi, the occultist explores the spiritual realm to the extent of his ability. But in order to recognize this world as a reality, he must undergo a careful course of study. He must achieve two things. First, he must expand his consciousness to such an extent that it can encompass these higher worlds, just as the ordinary conscious mind governs the physical world. Second, he must develop the higher senses, which can perceive in these worlds just as eyes and ears perceive in the physical world. The first goal—the expansion of consciousness—depends on the individual learning to master his thoughts. In ordinary life, a person is controlled by his thoughts. They come and go, dragging consciousness this way and that. The occultist must be master of the course of his thoughts. He directs their course. It is up to him to decide which thoughts he will admit and which he will reject. This goal can be achieved only through the most meticulous self-discipline. Once one has prepared oneself in this way, one can proceed to develop the higher senses. As long as a person remains under the influence of his passions, desires, and instincts, the possession of higher senses can only be harmful to him. A pure, selfless life is a matter of course for the occultist. The personal desires one harbors of one’s own accord take shape as forms in the higher worlds. The individual himself is the creator of these forms. If he begins to see these forms, he runs the risk of mistaking his own personal creations of desire and craving for objective realities. These products of his body of desire and craving remain hidden from the average person. If they are not to become a source of serious errors and illusions for the developed higher senses, they must be removed from view. The occultist must personally be free of desire. Another danger lies in the fact that a person may mistake the fragments of higher worlds that present themselves to his open eyes for exhaustive realities. The occultist must learn to recognize all of this. What particularly hinders the development of occult abilities is the haste and rush with which some students seek to advance. These stem from personal impatience and restlessness. The occultist, however, must develop complete inner calm and patience. He must be able to wait until the right moment of inspiration has arrived. He must wait patiently until he is given what he must not take out of desire. He must do everything so that the voices from the spiritual world can speak to him at the right moment; yet he must not harbor even the slightest belief that he can force these voices to appear. Anyone who elevates himself in pride because he believes he knows more than others cannot become an occultist. That is why occultists speak of the heresy of separatism. If a person wants something for himself, if he does not wish to possess everything in community, then he is not ready for occultism. Any separation, any pursuit of personal self-interest—even if it is directed toward the highest spiritual realm—kills the occult senses. The dangers of the occult path are great. Only patience and selflessness; a willingness to sacrifice and true love can make one an occultist.

[ 10 ] Eine Zuschrift Leadbeaters, welche in dieser Abteilung vorgesehen worden ist, hatte unter anderem interessante Ausführungen über die Astralformen, welche durch die musikalischen Kunstwerke hervorgerufen werden. Man kann eine Sonate Beethovens, ein Klavierstück Mozarts charakterisieren durch die Architektur, die der Hellseher im Astralraum davon wahrnehmen kann.

[ 10 ] A letter from Leadbeater, which has been included in this section, contained, among other things, interesting remarks about the astral forms evoked by works of musical art. One can characterize a Beethoven sonata or a Mozart piano piece by the architecture that a clairvoyant can perceive of it in the astral realm.

[ 11 ] In der Abteilung «Philosophie» trug Dr. Rudolf Steiner über «Mathematik und Okkultismus» vor. Er ging davon aus, dass Platon von seinen Schülern eine mathematische Vorbildung verlangte, dass die Gnostiker ihre höhere Weisheit als Mathesis bezeichnet und die Pythagoreer in Zahl und Form die Grundlage alles Seins gesehen haben. Er erläuterte, dass sie alle nicht die abstrakte Mathematik im Sinne gehabt haben, sondern dass sie das intuitive Schauen des Okkultisten meinten, der in den höheren Welten die Gesetze mithilfe einer spirituellen Empfindung wahrnimmt, die im Geistigen das vorstellt, was die Musik für unsere gewöhnliche Sinnenwelt ist. Wie die Luft durch Schwingungen, welche sich in Zahlen ausdrücken lassen, die musikalischen Empfindungen erregt, so kann der Okkultist, wenn er sich durch die Erkenntnis der Zahlengeheimnisse dazu vorbereitet, in den höheren Welten eine spirituelle Musik wahrnehmen, die sich bei besonders hoher Entwicklung des Menschen bis zur Empfindung der Sphärenmusik steigert. Diese Sphärenmusik ist kein Phantasiegebilde; sie bildet für den Okkultisten wirkliches Erlebnis. Durch die Einverleibung der Mathesis in sein eigenes Wesen, durch die Durchdringung seines Astral- und Mentalkörpers mit dem intimen Sinne, der sich in den Zahlverhältnissen ausspricht, bereitet sich der Mensch vor, verborgene Welterscheinungen auf sich wirken zu lassen. - In den neueren Zeiten hat sich der okkulte Sinn aus den Wissenschaften zurückgezogen. Seit Kopernikus und Galilei ist die Wissenschaft auf die Eroberung der physischen Welt bedacht. Aber es ist im ewigen Plane der Menschheitsentwicklung gelegen, dass auch diese physische Wissenschaft den Zugang zur geistigen Welt finden kann. In dem Zeitalter der physischen Forschung ist die Mathematik bereichert worden durch Newtons und Leibnizens Analyse des Unendlichen, durch die Differential- und Integralrechnung. Wer nun nicht nur abstrakt zu verstehen, sondern innerlich zu erleben sucht, was ein Differential wirklich darstellt, der prägt sich ein sinnlichkeitfreies Anschauen ein. Denn im Differential wird die sinnliche Raumanschauung selbst im Symbol überwunden, das Erkennen des Menschen kann für Augenblicke rein mental werden. Dem Hellseher offenbart sich das dadurch, dass die Gedankenform des Differentials nach außen offen ist, im Gegensatze zu den Gedankenformen, die der Mensch durch sinnliches Anschauen erhält. Diese sind nach außen geschlossen. So wird durch die Analysis des Unendlichen einer der Wege eröffnet, durch die sich die höheren Sinne des Menschen nach außen öffnen. Dem Okkultisten ist bekannt, was für ein Vorgang mit demjenigen der Chakras sich vollzieht, das zwischen den Augenbrauen sitzt, wenn er den Geist des Differentials in sich entwickelt. Ist nun der Mathematiker ein selbstloser Mensch, so kann er das, was er auf diese Art erringt, auf dem allgemeinen Altare der Menschenverbrüderung niederlegen. Und aus der scheinbar trockensten Wissenschaft kann eine wichtige Quelle für den Okkultismus werden.

[ 11 ] In the “Philosophy” section, Dr. Rudolf Steiner gave a lecture on “Mathematics and Occultism.” He assumed that Plato required his students to have a background in mathematics, that the Gnostics referred to their higher wisdom as “mathesis,” and that the Pythagoreans saw numbers and forms as the foundation of all existence. He explained that none of them had abstract mathematics in mind, but rather the intuitive perception of the occultist, who perceives the laws of the higher worlds through a spiritual sensibility that creates a mental image in the spiritual realm of what music is to our ordinary sensory world. Just as the air, through vibrations that can be expressed in numbers, stirs musical sensations, so too can the occultist—when prepared through knowledge of the mysteries of numbers—perceive spiritual music in the higher worlds, which, in the case of a particularly highly developed human being, intensifies into the perception of the music of the spheres. This music of the spheres is not a figment of the imagination; for the occultist, it constitutes a real experience. By incorporating mathematics into his own being, by permeating his astral and mental bodies with the intimate sense that expresses itself in numerical relationships, the human being prepares himself to allow hidden world phenomena to take effect upon him. - In more recent times, the occult sense has withdrawn from the sciences. Since Copernicus and Galileo, science has been focused on conquering the physical world. But it is part of the eternal plan of human development that this physical science, too, may find access to the spiritual world. In the age of physical research, mathematics has been enriched by Newton’s and Leibniz’s analysis of the infinite, through differential and integral calculus. Anyone who seeks not only to understand abstractly but also to experience inwardly what a differential truly represents cultivates a perception free from sensory perception. For in the differential, the sensory perception of space is overcome even symbolically; human cognition can, for a moment, become purely mental. This is revealed to the clairvoyant by the fact that the thought-form of the differential is open to the outside, in contrast to the thought-forms that a person receives through sensory perception. These are closed off from the outside. Thus, through the analysis of the infinite, one of the paths is opened through which the higher senses of human beings open outward. The occultist knows what kind of process takes place in the chakra situated between the eyebrows when he develops the spirit of the differential within himself. If the mathematician is a selfless person, he can offer what he attains in this way upon the universal altar of human brotherhood. And even the seemingly driest of sciences can become an important source for occultism.

[ 12 ] In derselben Abteilung sprach Gaston Polak (Bruxelles) über Symmetrie und Rhythmus im Menschen. Es war interessant, diese Auseinandersetzungen zu hören über die Art, wie die menschliche Wesenheit sich einfügen lässt, in die allgemeinen großen Weltgesetze. Verlesen wurde eine Abhandlung von Bhagavän Däs (Benares) über die «Beziehung zwischen Selbst und Nicht-Selbst». Da diese Abhandlung bald in Buchform vorliegen wird, kann hier von einer Inhaltsangabe abgesehen werden, die auch durch die subtile Form der Gedankengänge recht schwierig sein würde.

[ 12 ] In the same session, Gaston Polak (Brussels) spoke about symmetry and rhythm in human beings. It was interesting to hear these discussions about how the human being can be integrated into the general, overarching laws of the world. A treatise by Bhagavän Däs (Benares) on the “Relationship Between Self and Non-Self” was read aloud. Since this treatise will soon be available in book form, we will refrain from providing a summary here, which would in any case be quite difficult due to the subtle nature of the line of reasoning.

[ 13 ] In der Abteilung über die «Methode des theosophischen Arbeitens» waren die Ausführungen von Mrs Ivy Hooper (London) von großer Wichtigkeit. Sie betonte, dass das Wesentliche für den Theosophen nicht die dogmatischen Formen seien, in denen der Geist, das spirituelle Leben zum Ausdruck gebracht werden, sondern dieser Geist, dieses Leben selbst. Es ist verdienstlich, dass dies mit solcher Klarheit einmal gesagt worden ist. Wir können ebenso mit christlichen wie mit orientalischen Symbolen den Geist zum Ausdrucke bringen, wenn wir nur diesen Geist bewahren. Wo die christliche Symbolik besser verstanden wird, mag sich der Theosoph dieser bedienen. Denn man kann ein guter Theosoph sein, ohne von den Dogmen etwas zu wissen, in denen notwendig im Anfange die spirituelle Weisheit gelehrt worden ist. Die Theosophische Gesellschaft soll Trägerin dieser Weisheit sein; aber sie soll die Formen wandeln je nach der Notwendigkeit. Buddhistische Formeln und orientalische Dogmen dürfen nicht mit theosophischer Gesinnung verwechselt werden. Die Theosophie hat keine Dogmatik. Sie will nur spirituelles Leben sein.

[ 13 ] In the section on the “Method of Theosophical Work,” the remarks by Mrs. Ivy Hooper (London) were of great importance. She emphasized that what is essential for the theosophist is not the dogmatic forms in which the Spirit and spiritual life are expressed, but rather this Spirit and this life itself. It is commendable that this has been stated with such clarity. We can express the Spirit through Christian symbols just as well as through Eastern ones, provided we preserve that Spirit. Where Christian symbolism is better understood, the Theosophist may make use of it. For one can be a good Theosophist without knowing anything of the dogmas through which spiritual wisdom was necessarily taught in the beginning. The Theosophical Society should be the bearer of this wisdom; but it should adapt its forms as necessity dictates. Buddhist formulas and Eastern dogmas must not be confused with the theosophical attitude. Theosophy has no dogma. It seeks only to be spiritual life.

[ 14 ] Eine Abteilung über «Kunst» hat gezeigt, wie auch in diesem Gebiete die theosophische Weltanschauung lichtbringend wirken kann. Jean Delville (Bruxelles) zum Beispiel entwickelte Geistvolles in seinem Vortrage über die «Mission der Kunst». Ludwig Deinhard (München) legte bei dieser Gelegenheit eine Abhandlung des deutschen Malers Fidus vor, in welcher sich dieser über seine theosophische Auffassung vom Kunstgeheimnisse ausspricht.

[ 14 ] A section on “Art” has shown how the Theosophical worldview can shed light on this field as well. Jean Delville (Brussels), for example, presented insightful ideas in his lecture on the “Mission of Art.” On this occasion, Ludwig Deinhard (Munich) presented a treatise by the German painter Fidus, in which the artist expounds on his theosophical view of the mysteries of art.

[ 15 ] Am Dienstagnachmittag schloss mit einer kurzen Ansprache Annie Besants und mit den Ausdrücken des Dankes an unsere holländischen Theosophen vonseiten der anwesenden Generalsekretäre der Kongress. Am Abend desselben Tages fand dann noch ein öffentlicher Vortrag Dr. Hallos statt über die menschliche Aura, der durch Lichtbilder erläutert wurde.

[ 15 ] On Tuesday afternoon, the Congress concluded with a brief address by Annie Besant and words of thanks to our Dutch Theosophists from the General Secretaries in attendance. That same evening, Dr. Hallo gave a public lecture on the human aura, illustrated with photographs.

[ 16 ] Eine Ausstellung von Kunstwerken, die für den Theosophen besonderes Interesse haben, war veranstaltet worden, und konnte während der ganzen Dauer des Kongresses besichtigt werden.

[ 16 ] An exhibition of works of art of particular interest to Theosophists had been organized and was open to the public throughout the entire duration of the congress.

[ 17 ] Als Ort für den Kongress im nächsten Jahre wurde London bestimmt.

[ 17 ] London was chosen as the venue for next year's convention.