The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250
23 October 1904, Berlin
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The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
14. Protokoll der Jahresversammlung der Deutschen Theosophischen Gesellschaft (DTG)
14. Minutes of the Annual Meeting of the German Theosophical Society (DTG)
[ 1 ] Die Jahresversammlung wurde zirka um halb vier Uhr von dem Ersten Vorsitzenden Herrn Dr. Rudolf Steiner eröffnet. Nach Verlesung des Protokolls der vorjährigen Jahresversammlung, gegen das Einwendungen nicht erhoben wurden, nahm Dr. Steiner wieder das Wort, um einen kurzen Rückblick auf die Ereignisse des Jahres zu werfen. Er führte in kurzer Wiedergabe etwa folgendes aus:
[ 1 ] The annual meeting was opened at approximately half past three by the First Chairman, Dr. Rudolf Steiner. After the minutes of the previous year’s annual meeting were read aloud—to which no objections were raised—Dr. Steiner took the floor again to offer a brief review of the year’s events. He summarized the events as follows:
[ 2 ] Verlegung der Vorträge von Wilhelmstr. 118 nach dem Architektenhaus. Die Räume sind angenehmer und der theosophischen Sache würdiger. Trotzdem hat eine Erhöhung des Besuches nicht stattgefunden.
[ 2 ] The lectures were moved from Wilhelmstr. 118 to the Architektenhaus. The rooms are more pleasant and more befitting the theosophical cause. Nevertheless, there was no increase in attendance.
[ 3 ] Mitgliederabende des Montags: Die Montagszusammenkünfte möchten sich zu rechten Mitgliederabenden ausbilden, bei welchen eine rege Diskussion und richtiges Aussprechen der Mitglieder untereinander stattfinden sollten.
[ 3 ] Monday Member Evenings: The Monday gatherings are intended to become true member evenings, during which lively discussion and open dialogue among members should take place.
[ 4 ] Besuch und Vortrag von Mrs Annie Besant: «Das hierüber Gesagte ist als eine Art Geschäftsbericht aufzufassen, denn der Theosoph kann nicht von Erfolg oder Nichterfolg sprechen, nicht bloß die Vergrößerung der Mitgliederzahl im Auge haben. Das Berliner Publikum hat sich in verschiedener Weise zu dieser bedeutungsvollen Kundgebung verhalten. Nur über ein Faktum möchte ich referieren, das in blitzartiger Beleuchtung zeigen wird, wie man in vielen bedeutungsvollen Stellen Berlins über die theosophische Bewegung denkt. Der Vorsitzende des Giordano-Bruno-Bundes, Herr Wolfgang Kirchbach, hat in seinem den Winter 1904/5 einleitenden Vortrag Stellung gegen Theosophie genommen, die in den Mitteilungen des Bundes mit folgenden Worten gekennzeichnet ist: [Lücke in der Mitschrift]
[ 4 ] Visit and Lecture by Mrs. Annie Besant: “What has been said here should be understood as a kind of annual report, for the Theosophist cannot speak of success or failure, nor can he focus solely on increasing membership.” The Berlin public has reacted in various ways to this significant event. I would like to mention just one fact that will shed light, as if by a flash of lightning, on how the Theosophical Movement is viewed in many prominent circles in Berlin. The chairman of the Giordano Bruno Society, Mr. Wolfgang Kirchbach, took a stand against Theosophy in his lecture inaugurating the winter of 1904–05; this stance is characterized in the Society’s newsletter with the following words: [gap in the transcript]
[ 5 ] Diese Worte zeigen so recht deutlich, wie wenig man Theosophie kennt und wie man sich sträubt, sich mit den Lehren derselben zu befassen. Man geht aber wohl nicht irre, wenn man annimmt, dass diese Äußerung fast ausnahmslos die Stellung der Führer kennzeichnet, nicht aber die der Mitglieder.» Sodann berichtete Fräulein von Sivers über die Mitgliederbewegung. Trotz großer Tätigkeit ist die Mitgliederzahl des Zweiges verhältnismäßig wenig gewachsen. Der Berliner Zweig zählte im letzten Jahre 58 Mitglieder. Heute ist die Mitgliederzahl 88, sodass eine Zunahme von 30 Mitgliedern zu verzeichnen ist (14 Damen, 16 Herren).
[ 5 ] These words show quite clearly how little people know about Theosophy and how reluctant they are to engage with its teachings. However, one is probably not mistaken in assuming that this statement characterizes, almost without exception, the position of the leaders, but not that of the members.” Miss von Sivers then reported on membership trends. Despite a high level of activity, the branch’s membership has grown relatively little. Last year, the Berlin branch had 58 members. Today, the membership stands at 88, representing an increase of 30 members (14 women, 16 men).
[ 6 ] Hierauf folgte der Kassenbericht durch Fräulein von Rosen. Die Kasse des Zweiges Berlin wies am [Lücke in der Mitschrift] 1903 einen Bestand von 576,67 Mark auf. Der Kassenbestand am 20. Oktober 1904 beträgt 653 Mark, mithin 76,33 Mark mehr.
[ 6 ] This was followed by the treasury report presented by Miss von Rosen. The Berlin branch’s cash balance as of [gap in the minutes] 1903 was 576.67 marks. The cash balance as of October 20, 1904, was 653 marks, an increase of 76.33 marks.
Die Einnahmen bestehen aus:
Kassenbestand 1903: 576,67 Mark
Mitgliederbeiträgen: 626,45 Mark
[Lücke in der Mitschrift): 691,56 Mark
Summe: 1894,68 MarkDie Ausgaben betragen 1241,68 Mark
Mithin Kassenbestand 20. Oktober 1904: 653 Mark.
Revenue consists of:
Cash on hand in 1903: 576.67 marks
Membership dues: 626.45 marks
[Gap in the minutes]: 691.56 marks
Total: 1,894.68 marksExpenses total 1,241.68 marks
Therefore, cash on hand as of October 20, 1904: 653 marks.
[ 7 ] Die Bibliothekskasse hatte im vorigen Jahre einen Kassenbestand von Mark ...
[ 7 ] Last year, the library's cash on hand totaled ... marks
eingegangen sind an Leihgebühren Mark ...
eingegangen sind an Abonnements Mark ...
zusammen
[Zahlen fehlen in der Mitschrift]Ausgegeben wurden:
1. für Miete des Zimmers 300 Mark
2. Bücheranschaffungen 218,66 Mark
[zusammen also Mark 518,66]
Rental fees received: ... marks
Subscription fees received: ... marks
Total
[Numbers missing from the transcript]The following expenditures were made:
1. Rent for the room: 300 marks
2. Book purchases: 218.66 marks
[Total: 518.66 marks]
[ 8 ] Daher in diesem Jahre eine Unterbilanz von 124,15 Mark.
[ 8 ] Consequently, there was a deficit of 124.15 marks this year.
[ 9 ] Zu bemerken ist dabei, dass die Miete bis Mai 1905 bezahlt ist, bei deren Abrechnung per 1. Oktober der Fehlbetrag nur 24,14 Mark wäre.
[ 9 ] It should be noted that the rent has been paid through May 1905; if the account were settled as of October 1, the shortfall would be only 24.14 marks.
[ 10 ] Abrechnung über den Vortrag von Mrs Annie Besant. Als Fräulein von Sivers die Abrechnung geben wollte, bemerkt der Vorsitzende Dr. Steiner, dass dies Sektions-Angelegenheit sei, weil Mrs Annie Besant den Ertrag zugunsten der Sektions-Kasse gestiftet habe.
[ 10 ] Report on Mrs. Annie Besant’s lecture. When Miss von Sivers was about to present the report, the chair, Dr. Steiner, noted that this was a matter for the section, since Mrs. Annie Besant had donated the proceeds to the section’s fund.
[ 11 ] Damit waren die Berichte zu Ende.
[ 11 ] That concluded the reports.
[ 12 ] Auf die Frage Dr. Steiners, ob Bemerkungen zu den Berichten zu machen oder Fragen zu stellen seien, erbat das Wort Herr Krojanker und stellte bezüglich der Bibliothek die Frage: «Wem gehört die Bibliothek? Dem Zweig Berlin, der Deutschen Sektion oder wem sonst?» Worauf Herr Dr. Steiner antwortete: «Die Bibliothek ist eine Sache für sich und wurde seinerzeit als eine Art Annex zur «Deutschen Theosophischen Gesellschaft» gegründet. Dann ist aus freiwilligen Stiftungen und aus den Überschüssen aus einem Vortrag von Emanuel Reicher ein Bibliotheksfonds gebildet und gleichzeitig die Bibliothek der DTG emanzipiert worden. Aufsicht, Verwaltung und Eigentumsrecht sei einem Komitee übertragen. Der Berliner Zweig hat durch die Bibliothek weder Einkünfte zu verzeichnen noch Lasten zu tragen. Die Bibliothek wurde uns im Privatwege übergeben. Ich hätte schon Ordnung in die Sache gebracht, aber es war mir nicht möglich, einen Weg zu finden und eine Behörde ‚oder Stelle, mit der ich mich auseinandersetzen kann.»
[ 12 ] In response to Dr. Steiner’s question as to whether there were any comments on the reports or questions to be asked, Mr. Krojanker asked to speak and posed the following question regarding the library: “Who owns the library? The Berlin branch, the German Section, or someone else?” To which Dr. Steiner replied: “The library is a separate entity and was originally founded as a sort of annex to the ‘German Theosophical Society.’ Later, a library fund was established from voluntary donations and the proceeds from a lecture by Emanuel Reicher, and at the same time, the library was made independent of the DTG. Supervision, administration, and ownership rights were entrusted to a committee. The Berlin branch neither receives any income from the library nor bears any expenses related to it. The library was handed over to us privately. I would have already put the matter in order, but I was unable to find a way to deal with an authority or agency.”
[ 13 ] Julius Engel ergänzte diesen Bericht noch wie folgt: «Ursprünglich gehörte die Bibliothek der DTG; dann kam Emanuel Reicher, aus dessen Vortrag der Bibliothek ein großer Betrag zufloss. Da Reicher der theosophischen Bewegung nicht beitreten wollte und zugunsten der Bibliothek unter dem Namen einer theosophischen Bibliothek keine Vorträge halten wolle, so wurde der Name der Bibliothek in: «Bibliothek für vergleichende Religionswissenschafb abgeändert und das Eigentumsrecht und die Verwaltung einer Kommission übertragen, welche damals aus Graf und Gräfin Brockdorff, Krecke, Reicher, Hübbe-Schleiden bestand.»
[ 13 ] Julius Engel added the following to this report: “Originally, the library belonged to the DTG; then Emanuel Reicher came along, and a large sum was donated to the library from his lecture. Since Reicher did not wish to join the Theosophical Movement and did not want to give lectures on behalf of the library under the name of a Theosophical library, the library’s name was changed to ‘Library for Comparative Religious Studies,’ and ownership and administration were transferred to a commission consisting at that time of Count and Countess Brockdorff, Krecke, Reicher, and Hübbe-Schleiden.”
[ 14 ] Fräulein Motzkus bemerkte noch, dass das Zimmer für die Bibliothek gemietet worden sei, um ein eigenes Heim zu haben. Fräulein von Sivers erwiderte: «Ja, wenn wir ein eigenes Hauptquartier haben, so ließe sich das machen, nicht aber, wenn wir uns in Privaträumen befinden.»
[ 14 ] Miss Motzkus also noted that the room had been rented for the library so that they could have a home of their own. Miss von Sivers replied, “Yes, if we had our own headquarters, that would be possible, but not if we are in private rooms.”
[ 15 ] Schließlich einigte sich die Versammlung dahin, zur Prüfung der Sachlage und Dokumente eine Kommission zu ernennen, nach deren Bericht dann weitere Schritte unternommen werden sollen.
[ 15 ] Finally, the assembly agreed to appoint a commission to examine the facts and documents; further steps will then be taken based on the commission’s report.
[ 16 ] In diese Prüfungskommission wurden gewählt: Herr Krojanker, Herr Engel, Herr [Quaas.
[ 16 ] The following were elected to this examination committee: Mr. Krojanker, Mr. Engel, Mr. [Quaas.
[ 17 ] Des Weiteren stellte Herr Krojanker den Antrag: Herrn Dr. Rudolf Steiner für die im verflossenen Jahre (1903) gehaltenen Vorträge einen Betrag von 300 Mark auszusetzen. Nachdem Dr. Steiner den Vorsitz an den zweiten Vorsitzenden, Fräulein von Sivers, abgetreten hatte, da es sich um eine persönliche Sache für ihn handelte, ergriff er das Wort, um zu diesem Antrage Folgendes zu sprechen: «Es würde mehr im Sinne theosophischer Denkweise gehandelt sein, wenn Sie den Betrag nicht als Honorar für Vorträge, sondern vielleicht zu dem Zwecke zur Verfügung stellten, eine wirksamere Propaganda für Theosophie machen zu können, sodass ich, wenn manchmal etwas getan werden sollte, 40 bis 50 Mark zur Verfügung habe, ohne mir dafür besondere Indemnität geben lassen zu müssen. Außerdem habe ich auch prinzipielle Bedenken. Es ist allgemein Usus in der Theosophischen Gesellschaft, dass die hauptsächlichsten Beamten, ganz besonders aber diejenigen, welche für den Inhalt der Bewegung tätig sind (Redner, Generalsekretäre) nicht eigentlich von der Gesellschaft oder den Zweigen honoriert werden. Aus diesen Gründen kann ich eine Honorierung der Vorträge nicht annehmen.»
[ 17 ] Furthermore, Mr. Krojanker moved that Dr. Rudolf Steiner be awarded 300 marks for the lectures he had given in the past year (1903). After Dr. Steiner had ceded the chair to the vice-chair, Miss von Sivers—since this was a personal matter for him—he took the floor to say the following regarding this motion: “It would be more in keeping with theosophical thinking if you were to make this sum available not as a fee for lectures, but perhaps for the purpose of conducting more effective propaganda for theosophy, so that, should something need to be done at times, I would have 40 to 50 marks at my disposal without having to receive special compensation for it. Furthermore, I also have reservations of principle. It is common practice in the Theosophical Society that the principal officers—and especially those who are active in the substance of the movement (speakers, general secretaries)—are not actually remunerated by the Society or its branches. For these reasons, I cannot accept remuneration for the lectures.”
[ 18 ] Hlerr] Werner: «Von unserer Gesellschaft weiß man wenig, es müsste eine viel umfangreichere Propaganda betrieben werden. Wenn Sie dem Vorsitzenden nur mit gutem Rate entgegenkommen wollen, so ist das kleinlich. Die Tätigkeit des Herrn Doktor Steiner ist überhaupt nicht zu besolden. [unleserlich] Sie dürfen ihm die Flügel in keiner Weise beschneiden, und deshalb beantrage ich, dem Vorsitzenden freie Hand zu lassen in Bezug auf Propaganda und Kassensachen.»
[ 18 ] Herr Werner: “Little is known about our society; we need to carry out a much more extensive publicity campaign. If you merely want to accommodate the chairman with good advice, that is petty. Dr. Steiner’s work is not to be paid for at all. [illegible] You must not clip his wings in any way, and therefore I move that the chairman be given a free hand with regard to publicity and financial matters.”
[ 19 ] Herr Krojanker antwortete, dass hier eine irrige Auffassung vorliege. Es wolle niemand Dr. Steiner Fesseln anlegen, sondern ihn lediglich von der Last untergeordneter Arbeit möglichst befreien und ihm eine freiere Disposition über beschränkte Geldbeträge ermöglichen.
[ 19 ] Mr. Krojanker replied that this was a misconception. No one intended to shackle Dr. Steiner, but merely to relieve him as much as possible of the burden of menial work and allow him greater freedom in managing limited funds.
[ 20 ] Wahlen:
[ 20 ] Elections:
[ 21 ] Vorstand: Anstelle des bisherigen Schatzmeisters, Fräulein von Rosen, wird Herr Kiem einstimmig in den Vorstand gewählt; anstelle des erkrankten Baron von Reisner Fräulein Schwiebs als Vertrauensperson.
[ 21 ] Board of Directors: Mr. Kiem was unanimously elected to the Board of Directors to replace the previous treasurer, Miss von Rosen; Miss Schwiebs was elected as a representative to replace Baron von Reisner, who is ill.
[ 22 ] Exekutiv-Komitee: Anstelle von Baron von Reisner Fräulein Frölich. Vorsitzender und Schriftführer sind vom Komitee selbst zu wählen. Herr Krojanker wird die erste Versammlung einberufen.
[ 22 ] Executive Committee: Miss Frölich replaces Baron von Reisner. The chairperson and secretary are to be elected by the committee itself. Mr. Krojanker will convene the first meeting.
[ 23 ] Revisoren: Als Revisoren wurden ernannt: Herr Rechnungsrat Tessmar und Herr Georgi. Als Delegierte zur Generalversammlung der Deutschen Sektion wurden gewählt die Herren Kiem, Krojanker und Seiler, wozu noch der Erste Vorsitzende Dr. Steiner und der Zweite Vorsitzende Fräulein von Sivers kommen.
[ 23 ] Auditors: The following were appointed as auditors: Mr. Tessmar, Member of the Board of Auditors, and Mr. Georgi. Messrs. Kiem, Krojanker, and Seiler were elected as delegates to the General Assembly of the German Section, along with the First Chairman, Dr. Steiner, and the Second Chairman, Miss von Sivers.
[ 24 ] Bücherverkauf: Es erklärten sich zur Beihilfe bereit die Damen: Frölich, Mücke, [Voigt].
[ 24 ] Book sale: The following ladies agreed to help: Frölich, Mücke, [Voigt].
[ 25 ] Antrag für Generalversammlung der Sektion:
[ 25 ] Motion for the Section's General Assembly:
[ 26 ] Da Frau von Holten ihr Amt als Schatzmeister niedergelegt hat, so muss ein neuer Kassier gewählt werden. Der Zweig Berlin schlägt vor: Fräulein von Sivers als Kassenstelle, Herrn Seiler zur Führung der Bücher.
[ 26 ] Since Ms. von Holten has resigned from her position as treasurer, a new treasurer must be elected. The Berlin chapter proposes: Miss von Sivers as treasurer and Mr. Seiler to keep the books.
[ 27 ] Dr. Steiner nahm dann nochmals das Wort, um seinen Standpunkt eingehender zu begründen: «Die Theosophische Gesellschaft ist», so fährt er weiter fort, «in Bezug auf solche Dinge nicht in derselben Lage wie irgendeine andere Gesellschaft. Eine andere Gesellschaft würde den Antrag Krojanker annehmen können. Bei der Theosophischen Gesellschaft ist aber notwendig, das Folgende festzuhalten: Wir haben es mit zwei verschiedenen Dingen zu tun; wir haben zu unterscheiden zwischen der Theosophischen Gesellschaft und der okkulten Bewegung, der wir angehören. Für mich ist das Verhältnis so, dass ich einerseits dem Berliner Zweig der Theosophischen Gesellschaft angehöre, für Mitglieder des Berliner Zweiges rede, andererseits aber in allen Maßnahmen in einer okkulten Bewegung stehe und als Okkultist rede. Es gibt da keine Möglichkeit, irgendwie über dasjenige im Voraus Bestimmungen von Vereins wegen zu treffen, was ich an dieser Stelle tue.
[ 27 ] Dr. Steiner then spoke again to explain his position in greater detail: “The Theosophical Society,” he continued, “is not in the same position as any other society when it comes to such matters. Another society could accept Krojanker’s proposal. In the case of the Theosophical Society, however, it is necessary to note the following: We are dealing with two distinct matters; we must distinguish between the Theosophical Society and the occult movement to which we belong. For me, the relationship is such that, on the one hand, I belong to the Berlin branch of the Theosophical Society and speak on behalf of the members of the Berlin branch; on the other hand, however, in all my actions I am part of an occult movement and speak as an occultist. There is no way to make any prior decisions on behalf of the Society regarding what I am doing here.
[ 28 ] Die Theosophische Gesellschaft lässt sich nicht ohne Weiteres verquicken mit der okkulten Bewegung. Es könnte der Fall eintreten, dass die Gesellschaft einen Vortragszyklus beschließt, den ich als Okkultist aus irgendwelchen Gründen, die oft nicht einmal zu sagen sind, nicht halten kann. Es ist zwar bei den Beziehungen der Theosophischen Gesellschaft zu der ihr zugrunde liegenden okkulten Bewegung nicht wahrscheinlich, dass Hindernisse eintreten, aber es ist dieser Umstand doch stets zu berücksichtigen. Andererseits ist es aber auch erwünscht, dass die Mitglieder des Berliner Zweiges sich propagandistisch betätigen.»
[ 28 ] The Theosophical Society cannot simply be conflated with the occult movement. It could happen that the Society decides to hold a series of lectures that I, as an occultist, am unable to deliver for various reasons—reasons that often cannot even be stated. Although it is unlikely that obstacles will arise in the relationship between the Theosophical Society and the occult movement on which it is based, this possibility must nevertheless always be taken into account. On the other hand, it is also desirable that the members of the Berlin branch engage in promotional activities.”
[ 29 ] Herr Werner bittet, über seinen Antrag zuerst abstimmen zu lassen, da er der weitergehende sei. Derselbe lautet: Dem Vorstand respektive Herrn Dr. Steiner vollkommene Verfügungsfreiheit einzuräumen. Die Versammlung betrachtet indessen den Antrag Krojanker als den weitergehenden und nimmt denselben ohne weiteren Widerspruch an. Der Wortlaut war: Herrn Dr. Steiner außer der Verfügungsfreiheit noch 300 Mark zur freien persönlichen Verfügung zu übergeben.
[ 29 ] Mr. Werner requested that his motion be voted on first, as it was the more far-reaching one. It read as follows: To grant the Executive Board, or rather Dr. Steiner, complete freedom of disposition. The assembly, however, considered Krojanker’s motion to be the more far-reaching one and adopted it without further objection. The wording was: In addition to full discretion, to grant Dr. Steiner 300 marks for his free personal use.
[ 30 ] Vorträge:
[ 30 ] Presentations:
[ 31 ] Krojanker: «Es ist notwendig zu unterscheiden, welche Vorträge für den Zweig Berlin gehalten werden und welche von Herrn Doktor Steiner selbst veranstaltet werden. Nur die Ersteren können hier in Betracht kommen. Wenn die Resultate nicht sehr günstige waren, so liegt das wohl in der Hauptsache daran, dass das Arrangement nicht sehr glücklich gehandhabt wurde. Es scheint mir besser, dass dem Berliner Zweig in dieser Beziehung mehr Selbstverwaltung eingeräumt wird, das heißt bei Arrangements zu Vorträgen der Vorstand respektive das ExekutivKomitee herangezogen werden, die dann die Propaganda für die Vorträge durchführen. Eintrittskarten könnten umgesetzt sein, lange bevor die Sache losgeht; es könnte beim Vertrieb der Karten geschäftsmäßiger verfahren werden. Dann würde man nicht mehr so sehr davon abhängig sein, wie viele von der Straße zufällig heraufkommen. Die einzelnen Maßnahmen sollten von dem Vorstand respektive Exekutiv-Komitee vorher beraten und beschlossen werden, um dann mithilfe aller zur Verfügung stehenden Kräfte die Propaganda zu betreiben. Die Mitglieder müssten sich dann mit Karten versehen und sie unterzubringen suchen.»
[ 31 ] Krojanker: “It is necessary to distinguish between the lectures given for the Berlin branch and those organized by Dr. Steiner himself. Only the former can be considered here. If the results were not very favorable, this is likely due mainly to the fact that the arrangements were not handled very well. It seems to me better that the Berlin branch be granted more autonomy in this regard—that is, that the board or the executive committee be consulted regarding arrangements for lectures, and that they then handle the promotion of the lectures. Tickets could be sold well in advance of the event; the distribution of tickets could be handled in a more professional manner. Then we would no longer be so dependent on how many people happen to walk in off the street. The individual measures should be discussed and decided upon in advance by the Board or the Executive Committee, so that publicity can then be carried out with the help of all available resources. Members would then have to obtain tickets and try to distribute them.”
[ 32 ] Private Studien-Zirkel:
[ 32 ] Private study groups:
[ 33 ] Dr. Steiner ist durchaus damit einverstanden, dass sich unter den Mitgliedern Gruppen und Studienkurse bilden, an denen dann manchmal erfahrenere Theosophen teilnehmen können.
[ 33 ] Dr. Steiner fully agrees that groups and study courses should form among the members, in which more experienced theosophists can sometimes participate.
[ 34 ] Kongress:
[ 34 ] Congress:
[ 35 ] Fräulein von Sivers macht darauf aufmerksam, dass eventuell der Allgemeine theosophische Kongress nach Berlin verlegt werden könnte, dass dann viel Geld nötig sei und es vielleicht gut wäre, rechtzeitig mit einer Kollekte anzufangen.
[ 35 ] Miss von Sivers points out that the General Theosophical Congress might be moved to Berlin, that this would require a great deal of money, and that it might be a good idea to start a fundraising campaign in good time.
[ 36 ] Dr. Steiner erwiderte: «Solange wir noch nicht 700 Mitglieder haben, können wir den Kongress nicht übernehmen. Außerdem muss es dann auch ein theosophischer Kongress sein. Es darf infolge der Darbietungen den Teilnehmern kein Mühlrad im Kopf herumgehen; es muss eine Form gefunden werden, die solchen Missstand nicht enthält.»
[ 36 ] Dr. Steiner replied: “As long as we do not yet have 700 members, we cannot take over the congress. Furthermore, it must then also be a Theosophical Congress. The presentations must not leave the participants with any nagging doubts; a format must be found that does not allow for such shortcomings.”
[ 37 ] Anwesend waren zirka 50 Personen, darunter Herr Julius Engel als Gast. Schluss der Sitzung: halb sieben Uhr.
[ 37 ] Approximately 50 people were present, including Mr. Julius Engel as a guest. The meeting adjourned at half past six.
