The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250
2 October 1905, Berlin
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The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
22. Theosophie und Helena Petrovna Blavatsky
22. Theosophy and Helena Petrovna Blavatsky
[ 1 ] Wie Sie aus der Ankündigung ersehen haben, werden wir jeden Montag eine Wochenversammlung haben. Die ist zu betrachten als eine Versammlung des Besant-Zweiges. Die Notizen auf der Einladung sind zu berücksichtigen. Bei der letztjährigen Arbeit ist das Lokal zu eng geworden. Es liegt durchaus nicht in unserer Absicht, exklusiv zu sein und diese Montage für den Zweig allein abzuhalten. Wir möchten die Sache ausdehnen, aber anderseits erscheint es als eine gewisse Härte gegen die Mitglieder, wenn ohne Entschuldigung Nichtmitglieder das ganze Jahr hindurch Zurritt haben, insbesondere in diesem Jahre, wo in diesen Montagsversammlungen vielleicht noch intimere Dinge besprochen werden könnten als im vergangenen Jahr. Wir kommen immer tiefer und tiefer hinein. Die anderen Versammlungen sind dann im Architektenhaus. Es wird in diesem Jahr vor allem darauf Bedacht genommen werden, die Bedeutung der Theosophie und die Wichtigkeit derselben für die Gegenwart aufzuzeigen. Über wichtige Fragen in ihrer Bezichung zu den Angelegenheiten der Gegenwart werde ich sprechen. Nächsten Donnerstag werde ich sprechen über Haeckels Welträtsel, dann über unsere Weltlage, dann über die Frage der inneren Entwicklung. Der Zyklus wird dann beschlossen mit einer Betrachtung über Weihnachten.
[ 1 ] As you saw in the announcement, we will hold a weekly meeting every Monday. This is to be considered a meeting of the Besant Branch. Please take note of the details on the invitation. Due to last year’s activities, the venue has become too small. It is by no means our intention to be exclusive or to hold these Monday meetings solely for the branch. We would like to expand the group, but on the other hand, it seems somewhat unfair to the members if non-members are allowed to attend throughout the year without prior permission—especially this year, when even more intimate matters might be discussed at these Monday meetings than last year. We are delving deeper and deeper into the subject. The other meetings will then be held at the Architektenhaus. This year, particular attention will be paid to highlighting the significance of theosophy and its importance for the present day. I will speak about important issues as they relate to current affairs. Next Thursday I will speak about Haeckel’s “Riddle of the World,” then about our global situation, and then about the question of inner development. The series will conclude with a reflection on Christmas.
[ 2 ] Ich habe eine größere Vortragstour hinter mir. Eine solche Tour ist nicht bloß lehrreich für denjenigen, der sie unternimmt, sondern sie kann auch in den weitesten Kreisen derer, die an der Theosophie interessiert sind, lehrreich sein. Ich war in St. Gallen, Freiburg, Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt am Main, Kassel, Weimar. An den meisten Orten konnte ich einen öffentlichen Vortrag halten, und darnach in den darauffolgenden Tagen mit denjenigen Zuhörern, die sich näher interessierten, eine Aussprache haben. Wir haben noch nicht an allen diesen Orten Zweige. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wir wollen nicht in stürmischer, agitatorischer Weise vorgehen. Derjenige, der zur Theosophischen Gesellschaft kommt, soll dazukommen, weil er den inneren Drang dazu hat. Deshalb wird es gut sein, möglichst die Theosophie zu pflegen und den Zuhörern zu sagen, um was es sich dabei handelt. Ich bin überzeugt, dass diejenigen, welche vorherbestimmt sind, mitzuwirken, schon kommen werden. Ich konnte die Wahrnehmung machen, dass eine große Sehnsucht herrscht nach dem, was die Theosophische Gesellschaft der Menschheit zu bieten hat. Die Theosophen in derselben sind im tiefsten Sinn entgegenkommend gegenüber dem, was die Menschen heute verlangen und brauchen. Auf der anderen Seite ist eine gewisse Mutlosigkeit vorhanden, eine gewisse Summe von Vorurteilen, mit denen die Menschen behaftet sind, und sie wieder abhalten, sich gleich mit der Theosophie zu befassen. Es muss vieles überwunden werden. Das zeigt eine solche Reise, auf der man die verschiedensten Stimmungen kennenlernt. Eine solche Reise hat bei aller Mutlosigkeit doch einen gewissen befriedigenden Eindruck. Man sieht in Herzen der Menschen dasjenige leben, was leben muss, wenn wir der Zukunft entgegengehen wollen, welche von der theosophischen Bewegung angestrebt werden will.
[ 2 ] I have just completed an extensive lecture tour. Such a tour is not only instructive for the person undertaking it, but it can also be instructive for the widest possible circle of those interested in theosophy. I visited St. Gallen, Freiburg, Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt am Main, Kassel, and Weimar. In most of these places, I was able to give a public lecture and, in the days that followed, have a discussion with those listeners who were particularly interested. We do not yet have branches in all of these places. But what does not yet exist may yet come to be. We do not wish to proceed in a stormy, agitational manner. Those who join the Theosophical Society should do so because they feel an inner urge to do so. Therefore, it will be good to promote Theosophy as much as possible and to explain to the audience what it is all about. I am convinced that those who are destined to participate will come. I have observed that there is a great longing for what the Theosophical Society has to offer humanity. The Theosophists within it are, in the deepest sense, responsive to what people today desire and need. On the other hand, there is a certain despondency, a certain set of prejudices that people harbor, which prevent them from engaging with Theosophy right away. Much must be overcome. This is evident on a journey such as this, where one encounters a wide variety of attitudes. Despite all the despondency, such a journey still leaves a certain sense of satisfaction. One sees living in people’s hearts that which must live if we are to move toward the future that the Theosophical Movement strives to achieve.
[ 3 ] So lassen Sie uns ohne Disposition einige Fragen berühren, die uns besonders interessieren können. Sie brauchen nur einen Umblick zu halten in der gegenwärtigen Weltlage, um sich in jedem Augenblick vor die Seele rufen zu können, wie notwendig die Theosophie und das theosophische Streben heute [sind]. Man kann in alle Weltteile blicken, überall sieht man die Völker und Stände in einem harten Daseinskampf. Rassen stehen gegeneinander im Kampf, Völker führen miteinander Krieg, einzelne Stände in den einzelnen Ländern stehen sich scharf gegenüber. Dagegen haben wir nicht viel anderes, als unseren ersten Grundsatz: Den Kern einer allgemeinen Brüderschaft zu begründen, ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Stand und Bekenntnis. Das ist ein mächtiger Grundsatz - sagen die Menschen. Viele berufen sich aber darauf, was schon Schopenhauer gesagt hat: Moral predigen ist leicht, Moral begründen aber ist schwer. Die theosophische Bewegung ist nicht eine Lehre, nicht eine Begründung. Sie unterscheidet sich von den anderen Bewegungen der neuen Zeit dadurch, dass sie wirkliches Leben ist. Und die Lehren, die wir verbreiten, sie sind nicht die Hauptsache. Nicht auf die Lehren kommt es bei uns an. Sie alle sind nur das Mittel zum Leben. Und was auch in den verschiedenen Zweigen, was auch bei den öffentlichen Veranstaltungen der Bewegung an Lehren verkündigt wird - ob wir diese Lehren glauben oder nicht glauben, ob wir sie wiederholen können oder nicht wiederholen können - nicht darauf kommt es an, sondern darauf, dass die Lehren etwas ganz anderes sind als andere Lehren der gegenwärtigen Wissenschaft oder als die Lehren selbst der hergebrachten Logosbegriffe. Solange sind die theosophischen Lehren nicht das, was sie sein sollen, solange sie dasselbe sind wie andere Dogmen, wie andere Lehren und Wissenschaften. Erst werden sie das, was sie sein sollen, wenn sie groß sind, wenn sie sich wie eine magnetische Kraft in die Seele hineinleben und in der Seele wirken. Das ist keine Loge, wo über Reinkarnation und Karma, über das Weltbild, über Menschenentstehung und Menschenziel bloß gelehrt wird und schöne Sätze geprägt werden, sondern das ist eine Loge, wo diese Gedanken lebendig durch den Raum schwirren und im tiefsten Herzen ergreifen, sodass der Mensch diese Lehren als im Innersten verwandt mit ihm empfindet, sodass es ist, als ob diese Lehren aus ihm hervorkommen. Wenn dann diese Dinge so kräftig werden, dass er nicht bloß weiser, sondern auch besser wird, so ist es das Richtige.
[ 3 ] So, without any set agenda, let us touch upon a few questions that may be of particular interest to us. One need only take a look at the current state of the world to realize at every moment just how necessary Theosophy and the Theosophical endeavor are today. One can look to all corners of the world; everywhere one sees peoples and social classes engaged in a fierce struggle for existence. Races are pitted against one another in conflict, nations are at war with one another, and different social classes within individual countries stand in sharp opposition to one another. In contrast, we have little else but our first principle: to establish the foundation of a universal brotherhood, without distinction of race, gender, social class, or creed. That is a powerful principle—so people say. Many, however, invoke what Schopenhauer already said: Preaching morality is easy, but establishing it is difficult. The Theosophical Movement is not a doctrine, nor is it a system of reasoning. It differs from other movements of the modern era in that it is real life. And the teachings we disseminate are not the main thing. For us, it is not the teachings that matter. They are all merely a means to life. And whatever teachings are proclaimed in the various branches or at the movement’s public events—whether we believe these teachings or not, whether we can repeat them or not—that is not what matters. What matters is that these teachings are something entirely different from other teachings of contemporary science or even from the teachings of traditional concepts of the Logos. As long as theosophical teachings are the same as other dogmas, other doctrines, and other sciences, they are not what they are meant to be. They become what they are meant to be only when they are profound, when they penetrate the soul like a magnetic force and work within it. This is not a lodge where one merely teaches about reincarnation and karma, about the worldview, about the origin of humanity and the human purpose, and where beautiful phrases are coined; rather, it is a lodge where these ideas flit vividly through the room and take hold in the deepest recesses of the heart, so that a person feels these teachings to be intimately connected with their innermost being, as if these teachings were emerging from within them. When these things become so powerful that a person becomes not only wiser but also a better person, then that is the right path.
[ 4 ] Dieser Unterschied wird nicht sogleich von vielen begriffen werden. Viele treten heute als Lehrer der Ethik, der Sittenlehre auf oder als Lehrer eines Glaubensbekenntnisses oder als Erzieher. Wir hören von monistischen Lehren sprechen, von einer Erneuerung dieser oder jener Lehre - alle diese Lehren treten in einer Weise auf, die sich tief unterscheidet von dem was der theosophische Lehrer will, was wir überhaupt wollen innerhalb der theosophischen Bewegung. Alle anderen predigen oder verkündigen ihre vermeintlichen Wahrheiten, sie treten hin und sagen, dies ist unser Bekenntnis, dies ist unsere Meinung, dies ist die Wahrheit, nach meiner Ansicht. Kein theosophischer Vortragender könnte so vor ein Publikum hintreten. Nicht um eine Meinung handelt es sich. Wir tragen das Bewusstsein in uns, dass die Wahrheit in uns selbst ist, dass sie in jeder Menschenbrust lebt, dass wir sie nicht hineinzubringen haben, sondern sie höchstens herauszuholen haben - dass wir unsere Mitmenschen anregen. So liegt in dem Gesagten dasjenige, was notwendig ist, in dem Band, das die theosophischen Mitglieder verbindet. Das, was im Zweige verhandelt wird, soll ein Anzünder des inneren Lebens in den Seelen sein. Wir holen die Gedanken heraus aus der geistigen Welt, aus dem übersinnlichen Dasein die großen Gesetze, welche die Welt gebildet haben, den Menschen hervorgebracht haben, die großen Gesetze, nach denen die weisen Lehrer und Meister vor Jahrtausenden unsere Vorfahren gelehrt haben, und uns heute noch lehren. Diese großen Gesetze holen wir heran, und sie sind zu gleicher Zeit dasjenige, was uns weiterträgt, was uns Sicherheit, Mut und Hoffnung gibt für das Leben. Diese Gesetze sollen die Räume durchschwirren, in denen wir leben. Und indem wir sie fühlen, diese Gesetze, erkennen wir die Welt und uns selbst. Dann sollen wir beim Alltäglichsten, was wir vollbringen, diese Gesetze in unseren täglichen Verrichtungen von Einfluss sein lassen. So werden dann die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft wie ein Sauerteig sein; sie werden überall draußen wie ein neuer Geist sein - wenn das so ist, werden wir wissen, dass der Geist etwas Wahrhaftes und Wirkliches ist.
[ 4 ] This difference will not be immediately understood by many. Many today present themselves as teachers of ethics, moral philosophy, or a creed, or as educators. We hear talk of monistic teachings, of a renewal of this or that doctrine—all these teachings present themselves in a way that differs profoundly from what the theosophical teacher intends, from what we in the theosophical movement intend at all. All others preach or proclaim their supposed truths; they step forward and say, “This is our creed, this is our opinion, this is the truth, in my view.” No theosophical lecturer could step before an audience in this manner. It is not a matter of opinion. We carry within us the awareness that the truth is within ourselves, that it lives in every human heart, that we do not have to bring it in, but at most have to bring it out—that we inspire our fellow human beings. Thus, what is said contains what is necessary for the bond that unites Theosophical members. What is discussed in the branch is meant to be a spark that kindles the inner life in our souls. We draw forth from the spiritual world, from the supersensible realm, the great laws that have shaped the world and brought forth humanity—the great laws according to which the wise teachers and masters instructed our ancestors millennia ago and continue to instruct us today. We bring these great laws to light, and they are at the same time what carries us forward, what gives us security, courage, and hope for life. These laws are meant to permeate the spaces in which we live. And as we feel these laws, we come to understand the world and ourselves. Then, in the most ordinary things we do, we should allow these laws to influence our daily activities. In this way, the members of the Theosophical Society will be like leaven; they will be like a new spirit everywhere out there—and when that is the case, we will know that the Spirit is something true and real.
[ 5 ] Jeder, der hierherkommt und nur Lehren hören will, kommt umsonst hierher, denn er hat nicht die richtige Gesinnung. Und auf diese kommt es an gegenüber dem Geist. Es kommt darauf an, dass der, welcher hierherkommt, weiß, dass der Geist eine Wirklichkeit ist, eine Wahrheit, dass ich nicht bloß von [einer] Arznei, nicht bloß von Wind und Wetter gesund und krank werde, sondern dass dasjenige, was unser Körper und unsere Wirklichkeit überhaupt ist, ebenso ausgeht von dem, was ich denke, fühle und will, dass Gesundheit nur von einem gesund wirkenden Geist kommen kann. Noch wichtiger, als dass unsere Gedanken wahr sind, ist es, dass unsere Gedanken gesund sind. Nicht morgen und nicht übermorgen werden Sie es bemerken können, dass von dem, was in der theosophischen Loge gemacht wird, ein Quell von Gesundheit ausgeht. Denken Sie falsch in der Welt, dann bringen Sie zu gleicher Zeit, nicht morgen oder übermorgen, aber sicher einmal Krankheit in die Welt. Alles Übel rührt her von einer Unwahrheit, von einem unrichtigen inneren Leben. Dieser Zusammenhang wird Ihnen klar werden in dem nächsten Montag-Vortrag. Der Menschheit eine neue Gesundheit zu geben, ein neues harmonisches Leben, das ist es, was unser hauptsächliches Ziel ist. Daher sind unsere Gedanken nicht bloß Lehren, sondern Kräfte, sie wirken nicht bloß aufklärend, sondern gesundend und harmonisierend, gesundend auf den Körper und gesundend auf das rechtliche und soziale menschliche Zusammenleben. Wer dies nun so tief fasst, der hat den Kern der theosophischen Bewegung. Wer bloß fragt, wie verhält sich dies oder jenes, der weiß nichts von Theosophie. Aber von Theosophie weiß derjenige, der voraussetzt, wenn er im Zweige zusammensitzt mit den anderen und für eine Stunde die großen Gedanken der Weltordnung durch seine Seele ziehen, dass er sich zum Resonanzboden eines neuen, gesunden und harmonischen Lebens macht. Nun, verehrte Anwesende, dass ein solches Leben doch in der theosophischen Bewegung quillt und vorhanden ist, das zeigt sich in einigen Erscheinungen. Wir gingen aus davon, dass wir sagten: Nicht predigen könne man Moral, begründen müsse man sie. Aber es scheint doch, als ob die Theosophische Gesellschaft doch schon so etwas zustande gebracht hätte, was dem Grundsatz der Völkerverbrüderung entspricht und dient. Es war ein schöner Moment bei der Eröffnung des diesjährigen Kongresses. Man hatte beschlossen, dass jeder Delegierte in seiner Muttersprache eine kurze Ansprache halte. Da standen Leute nebeneinander, die in den politischen äußeren Verhältnissen in hartem Kampf einander gegenüberstehen. Ein Vorspiel für das, was werden kann, wenn das geistige Leben die Seelen ergreift, spielte sich da ab bei der Eröffnung des Londoner Kongresses. In folgenden Sprachen konnte man sprechen hören, als ein Sinnbild unseres Grundsatzes: Holländisch, Englisch, Schwedisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Ungarisch, Finnisch, Russisch. Da haben Sie ein Sinnbild dafür, dass in den verschiedenen Sprachen der gleiche Wille und das gleiche Gefühl strömen. Das ist das Leben, zu dem es die theosophische Bewegung während der dreißig Jahre ihres Bestehens gebracht hat. Es gab auf diesem Kongress einen der schönsten, einen der wunderbarsten Momente - nicht im Kongresse selbst, sondern an einem Vorabende - für einige Mitglieder, die sich hier im Laufe des Sommers versammelten. Sie waren eingeladen, an einer Sitzung der Blavatsky-Loge teilzunehmen. Da hielt Annie Besant einen Vortrag über die Erfordernisse der Schülerschaft. Sie wissen, Schülerschaft ist schon etwas sehr Hohes. An jenem Abende handelte es sich weniger darum, im Allgemeinen die Erfordernisse der Schülerschaft zu besprechen, sondern darum, dass die größte der Schülerinnen von Helena Petrovna Blavatsky sich einmal ausspreche über die kritischen Geister. Lassen Sie mich da ein paar Worte dem eigentlichen Gegenstande vorausschicken. Ich brauche es hier nur zu erwähnen: Alles, was die Theosophische Gesellschaft ist, wird verdankt dem Grundwerke von Helena Petrovna Blavatsky. Ganz erfasst zu haben, was in Helena Petrovna Blavatsky lebte, das vermisst sich von den Jüngern wohl keiner zu sagen. Wer sich hineinvertieft in das, was von Helena Petrovna Blavatsky gekommen ist, der sieht immer mehr und mehr, dass er in unergründliche Tiefen kommt, und dass damals die Wahrheit durch diese einzigartige Persönlichkeit geflossen ist, wie sie nur durch die größten Religionsstifter und Führer der Menschheit geflossen ist. Ich kann es verstehen, dass man im Anfange, wenn man nun an Helena Petrovna Blavatskys Leistungen herantritt, glaubt, manches verstanden zu haben. So kann es jedem gehen. Dann aber kommt eine Zeit, wo man merkt, dass in dem Inhalt der «Secret Doctrine» Schriften des geistigen Lebens liegen, die überhaupt noch keiner, ausnahmslos keiner nach Helena Petrovna Blavatsky vollständig wiederum begriffen hat. Diese Worte würden Sie auch von Frau Annie Besant jederzeit hören können.
[ 5 ] Anyone who comes here just to hear teachings comes in vain, for he does not have the right attitude. And that is what matters in relation to the Spirit. What matters is that whoever comes here knows that the Spirit is a reality, a truth—that I do not become healthy or sick merely because of [a] medicine, or merely because of the weather, but that what our body and our very reality are stems just as much from what I think, feel, and will—that health can come only from a Spirit that has a healing effect. Even more important than our thoughts being true is that our thoughts be healthy. You will not be able to notice tomorrow or the day after tomorrow that what is done in the Theosophical Lodge is a source of health. If you think incorrectly in the world, then at the very same time—not tomorrow or the day after tomorrow, but certainly someday—you will bring illness into the world. All evil stems from untruth, from an incorrect inner life. This connection will become clear to you in next Monday’s lecture. To give humanity a new health, a new harmonious life—that is our primary goal. Therefore, our thoughts are not merely teachings but forces; they do not merely enlighten but also heal and harmonize—healing the body and fostering just and social human coexistence. Whoever grasps this so deeply has grasped the core of the Theosophical Movement. Anyone who merely asks how this or that works knows nothing of Theosophy. But the one who knows Theosophy is the one who, when sitting together with others in the branch and allowing the great ideas of the world order to flow through his soul for an hour, makes himself a sounding board for a new, healthy, and harmonious life. Now, esteemed attendees, the fact that such a life does indeed spring forth and exist within the Theosophical Movement is evident in certain manifestations. We began by stating: Morality cannot be preached; it must be justified. Yet it seems that the Theosophical Society has already achieved something that corresponds to and serves the principle of the brotherhood of nations. It was a beautiful moment at the opening of this year’s Congress. It had been decided that each delegate would give a short address in their native language. There stood people side by side who, in the external political sphere, are locked in fierce conflict with one another. A prelude to what can become reality when spiritual life takes hold of the souls unfolded there at the opening of the London Congress. Speeches could be heard in the following languages, as a symbol of our principle: Dutch, English, Swedish, French, German, Spanish, Italian, Hungarian, Finnish, and Russian. There you have a symbol of the fact that the same will and the same feeling flow through the various languages. This is the life to which the Theosophical Movement has brought us during its thirty years of existence. There was one of the most beautiful, one of the most wonderful moments at this convention—not during the convention itself, but on the evening before—for some members who had gathered here over the course of the summer. They were invited to attend a meeting of the Blavatsky Lodge. There, Annie Besant gave a lecture on the requirements of discipleship. As you know, discipleship is indeed something very lofty. That evening was less about discussing the requirements of discipleship in general than about allowing the greatest of Helena Petrovna Blavatsky’s disciples to speak out once and for all about the critical minds. Let me preface the actual subject with a few words. I need only mention here that everything the Theosophical Society is owes its existence to the foundational works of Helena Petrovna Blavatsky. None of the disciples would presume to claim to have fully grasped what lived within Helena Petrovna Blavatsky. Anyone who delves deeply into the teachings of Helena Petrovna Blavatsky will see more and more that they are entering unfathomable depths, and that at that time the truth flowed through this unique personality, just as it has flowed only through the greatest religious founders and leaders of humanity. I can understand that, at first, when one approaches Helena Petrovna Blavatsky’s works, one believes one has understood certain things. This can happen to anyone. But then there comes a time when one realizes that the content of *The Secret Doctrine* contains writings on spiritual life that no one—without exception—since Helena Petrovna Blavatsky has ever fully grasped again. You could hear these very words from Mrs. Annie Besant at any time.
[ 6 ] Es ist die Möglichkeit vorhanden, auch für die allergrößten führenden Geister der Menschheit, niemals stehen zu bleiben. Wenigstens hat noch keiner den Endpunkt gefunden. Immer tiefere Urgründe der Wahrheit werden gefunden, wenn man tiefer geht. Das ist es, was zuletzt für denjenigen, der den Willen hat einzudringen, in eine spirituelle Verbindung mit Helena Petrovna Blavatsky bringt. Helena Petrovna Blavatsky ist heute noch in Verbindung mit der theosophischen Bewegung. Sie ist noch heute eine der Hilfen für die Theosophische Gesellschaft. Wenn wir eine Berechtigung haben, uns an sie zu wenden, dann hilft sie. Man braucht nur geschichtlich zu betrachten, was sie getan hat. Sehen Sie sich ihre Schriften an. Da finden Sie Dinge darin, von denen mancher Gelehrte sagt: Das hat man zusammenstoppeln können aus allen Büchern der Welt. Ja, aber es hat niemals einer das an den verschiedenen Orten der Erde Vorhandene zusammengefunden. Manche Dinge stehen an den verborgensten Orten, an Orten, die keiner anderen Seele bis dahin zugänglich waren; genaue Zitate aus Schriften, auf denen seit Jahrhunderten kein menschliches Auge geruht hat, finden Sie in Blavatskys Schriften. Sie hat so viele in [Würzburg] geschrieben, während die Bücher [in Wahrheit] im Vatikan lagen.
[ 6 ] Even for the greatest minds of humanity, there is the possibility of never coming to a standstill. At least, no one has yet found the end point. The deeper one goes, the deeper the fundamental sources of truth are discovered. This is what ultimately brings those who have the will to penetrate into a spiritual connection with Helena Petrovna Blavatsky. Helena Petrovna Blavatsky is still connected to the Theosophical Movement today. She remains a source of support for the Theosophical Society to this day. If we have a legitimate reason to turn to her, she will help. One need only look back at what she has done historically. Take a look at her writings. There you will find things about which some scholars say: “This could have been cobbled together from all the books in the world.” Yes, but no one has ever gathered together what exists in various places around the globe. Some things are found in the most hidden places, in places that had never before been accessible to any other soul; exact quotations from writings that no human eye has seen for centuries can be found in Blavatsky’s writings. She wrote so many of them in [Würzburg], while the books [in reality] were in the Vatican.
[ 7 ] Gewiss hat sie auch Fehler gemacht. Aber wenn sie diesen nachgehen, so finden Sie, dass die Fehler auf etwas Bestimmtem beruhen, nämlich auf einer gewissen Unsicherheit des Lesens, die immer eintritt, wenn man tastend im Astrallicht zu lesen hat. Wir leben nicht bloß in der physischen Welt, wir leben auch in den höheren Welten. Wir sehen nicht bloß Physisches, sondern auch Geistiges. Wir sehen nicht bloß physisch, sondern auch geistig, und da kann man auch Bücher lesen, die im Vatikan in Rom liegen, man liest aber leicht verkehrt, man liest leicht 136 statt 631. Wo Fehler gemacht wurden, da zeigt es sich, dass sie immer in dieser Weise gemacht worden sind. Es wird jeder Einwand, der gemacht wird gegen das wahrhaft Wertvolle, gegen das Große und Bedeutungsvolle dieser Persönlichkeit, für den, der sich wirklich darauf einlässt, leicht zu widerlegen sein. Aber es scheinen nicht viele, trotz allem und allem sich auf diese Tiefen der Sache einzulassen, sonst wäre es doch nicht möglich gewesen, dass kleine Fehler von Helena Petrovna Blavatsky in der letzten Zeit, da und dort - selbst im englischen «Vâhan» - verspottet worden sind, dass Helena Petrovna Blavatsky manchmal leidenschaftlich erregt war, ein hartes, leidenschaftliches Wort gebraucht hat, Zigaretten geraucht hat. Es wurde gefragt, ob das wirklich ein großer Mensch sein könne, der Zigaretten raucht, manchmal erregt sein könne. Das gab die Veranlassung zu dem Vortrage von Frau Besant über Helena Petrovna Blavatsky. Nun sprach diese größte Schülerin von Helena Petrovna Blavatsky aus ihrem Persönlichen heraus. Jeder, der dabei war, wird gefunden haben, dass da etwas Gewaltiges aus dem Inneren hervorgetreten ist, jeder musste fühlen, dass da etwas Tiefes lebte. Sie hat auseinandergesetzt, dass es vielleicht Menschen gibt, die nicht verirrt sind - aber [sie hat auch] gefragt, ob sie auch die großen Eigenschaften Helena Petrovna Blavatskys haben. Gewiss, es gibt auch viele, die nicht Zigaretten rauchen, aber ob die die großen Eigenschaften der Helena Petrovna Blavatsky haben? Die Sonne habe auch Sonnenflecken, aber diese erleuchten nicht die Erde. Das Licht ist es, das wirkt erwärmend und befruchtend. Derjenige, der das haben will, welcher das erreichen will, was Helena Petrovna Blavatsky der Menschheit hat sein können, der muss auch das nachsehen können -und es sich genügen lassen an dem, was Großes und Gewaltiges dabei ist. Dann wird er immer tiefer und tiefer an den unpersönlichen Quell von Weisheit, Wahrheit und Leben herankommen.
[ 7 ] Certainly, she has made mistakes as well. But if you examine them, you will find that the mistakes stem from something specific, namely a certain uncertainty in reading that always arises when one has to read by feel in the astral light. We do not live solely in the physical world; we also live in the higher worlds. We see not only the physical but also the spiritual. We perceive not only physically but also spiritually, and in that realm one can even read books kept in the Vatican in Rome; yet one can easily misread them—one might easily read “136” instead of “631.” Where errors have been made, it becomes evident that they have always been made in this manner. Any objection raised against the true value, the greatness, and the significance of this personality will be easily refuted by anyone who truly engages with it. But it seems that, despite everything, not many are willing to delve into these depths of the matter; otherwise, it would not have been possible for minor errors by Helena Petrovna Blavatsky in recent times—here and there, even in the English “Vâhan”— —that Helena Petrovna Blavatsky was sometimes passionately agitated, used harsh, impassioned language, or smoked cigarettes. The question was raised as to whether someone who smokes cigarettes and can sometimes become agitated could truly be a great person. This prompted Mrs. Besant’s lecture on Helena Petrovna Blavatsky. Now this greatest disciple of Helena Petrovna Blavatsky spoke from her own personal experience. Everyone who was present will have sensed that something powerful emerged from within; everyone must have felt that something profound was alive there. She explained that there may be people who have not gone astray—but [she also] asked whether they possess the great qualities of Helena Petrovna Blavatsky. Certainly, there are also many who do not smoke cigarettes, but do they possess the great qualities of Helena Petrovna Blavatsky? The sun also has sunspots, but these do not illuminate the Earth. It is the light that has a warming and life-giving effect. Whoever desires this, whoever wishes to achieve what Helena Petrovna Blavatsky was able to be for humanity, must also be able to overlook this—and be content with the greatness and Powers that lie within it. Then he will draw ever deeper and deeper toward the impersonal source of wisdom, truth, and life.
[ 8 ] Dass das aus einer tiefernsten Erfahrung heraus gesprochen war, darauf kam es an, und gesprochen war von einer Persönlichkeit, die an jenem Abend selbst zugab, dass [Helena Petrovna Blavatsky] für sie die Lichtbringerin selbst war. Dann kamen die schönen, tiefen Worte, in denen Annie Besant sich, wie jeder fühlen konnte, ganz im Einklang befand mit allen Schülern der großen Lehrerin Helena Petrovna Blavatsky, an deren Spitze sie diejenigen stellte, die da besagten, dass man bedenken sollte, dass der Jünger, der Anfänger vor allen Dingen, bevor er die Größe der Großen begreifen kann, sich selbst schädigt, wenn er durch eine voreilige, unverständige Kritik sich den Weg zu diesen Großen verlegt. Eine solche Gesinnung zu haben, in eine solche Stimmung zu kommen, wirklich das Gefühl in sich zu tragen, was das Rechte ist gegenüber dem Großen, das ist Gewinn des Lebens, das ist der Anfang der höchsten spirituellen Erkenntnis. Keiner braucht jemand anderen zu verehren, ein jeglicher mag, so viel er will kritisieren in der Welt, aber am meisten schadet er dadurch sich selbst vor allen Dingen dann, wenn er zur Erkenntnis kommen will. Dann legt er sich selbst die größten Hindernisse in den Weg.
[ 8 ] What mattered was that these words sprang from a deeply sincere experience, and they came from a person who herself admitted that evening that [Helena Petrovna Blavatsky] was, for her, the Bringer of Light herself. Then came the beautiful, profound words in which Annie Besant—as everyone could sense— what in complete harmony with all the disciples of the great teacher Helena Petrovna Blavatsky, at the forefront of whom she placed those who said that one should bear in mind that the disciple—the beginner, above all—before he can comprehend the greatness of the Great Ones, harms himself if, through hasty, unwise criticism, he blocks his own path to these Great Ones. To have such a disposition, to enter into such a state of mind, to truly carry within oneself the sense of what is right in the face of the Great—that is the gain of life; that is the beginning of the highest spiritual knowledge. No one needs to revere anyone else; anyone may criticize the world as much as they want, but in doing so, they harm themselves most of all—especially when they seek to attain knowledge. Then they place the greatest obstacles in their own path.
[ 9 ] Hier ist ein Ding, das man nicht missverstehen darf. Oft wird in den theosophischen Schriften gesagt: Kritisiert nicht, sucht zuerst zu verstehen, bevor ihr das eigene Urteil anlegt. - Und das wird so aufgefasst, als wenn es eine Vorschrift für alle Welt wäre. Die Theosophische Gesellschaft verpflichtet nicht, eine solche Vorschrift zu befolgen. Aber etwas anderes ist notwendig zu wissen, und das ist, dass man in dieser Stimmung des unbefangenen Hinnehmens sein muss, wenn diese Wahrheiten in uns einfließen sollen. Man kann das eine nicht ohne das andere wollen, und wer das eine ohne das andere will, ist gleich einem der eine Glasstange hat und will, dass sie elektrisch wird. Will er, dass sie elektrisch wird, so muss er sie reiben. Will er sie nicht reiben, so wird sie nicht elektrisch. Wer Erkenntnis will, der soll und muss diese Stimmung haben. Es ist das eine nicht ohne das andere zu erreichen. Es ist ein Widerspruch in sich selbst, das eine ohne das andere erreichen zu wollen.
[ 9 ] Here is something that must not be misunderstood. Theosophical writings often state: “Do not criticize; seek first to understand before forming your own judgment.”—And this is taken to mean that it is a rule for everyone. The Theosophical Society does not require anyone to follow such a rule. But there is something else one must know, and that is that one must be in this state of open-minded acceptance if these truths are to flow into us. One cannot want one thing without the other, and whoever wants one thing without the other is like someone who has a glass rod and wants it to become electrified. If he wants it to become electrified, he must rub it. If he does not want to rub it, it will not become electrified. Whoever desires knowledge should and must be in this frame of mind. One cannot achieve one without the other. It is a contradiction in terms to want to achieve one without the other.
[ 10 ] Man muss die theosophische Anschauung nur recht verstehen. Sie ist nichts anderes als eine Erzählung. Niemals wird etwas gefordert von irgendwelchen Mitgliedern. Das ist etwas, wovon wir ganz weit entfernt sind, wovon namentlich diejenigen weit entfernt sind, welche wissen, worauf es ankommt, in der theosophischen Bewegung. Es wird nicht verlangt, dass wir irgendwelcher Autorität glauben, dass wir irgendwelchen Personenkult treiben. Je weniger wird Personenkult verlangt, je höher die Betreffenden stehen, denen er entgegengebracht wird. Alles Sprechen gegen Personenkult ist ein Sprechen gegen Dinge, die nicht da sind. Der große Moment, den ich charakterisieren wollte, war der, eine Persönlichkeit zu sehen, die hinaufschaut. Und der ganze Vortrag war ein Hinaufschauen. Das war das Bedeutungsvolle dabei.
[ 10 ] One simply has to understand the Theosophical view correctly. It is nothing more than a narrative. Nothing is ever demanded of any members. That is something we are very far removed from—especially those who know what really matters in the Theosophical Movement. We are not required to believe in any authority, nor are we expected to engage in any kind of personality cult. The higher the status of those to whom it is directed, the less a personality cult is expected. All talk against the cult of personality is talk against things that do not exist. The great moment I wanted to characterize was that of seeing a personality looking upward. And the entire lecture was a looking upward. That was what was significant about it.
[ 11 ] Diese zwei Momente habe ich Ihnen hervorheben wollen, weil sie sinnbildlich etwas von jenem Lebensgewinn zeigen, den man heute haben kann innerhalb der Theosophischen Gesellschaft. Zwei Dinge sind es, auf die es immer mehr und mehr ankommen wird. Das eine ist die Verwirklichung unseres ersten Grundsatzes: Den Kern einer Menschenbruderschaft zu begründen, den großen Humanitätskern hinzustellen, und das zweite ist, ohne Autoritätsglaube, ohne Personenkultus verehren lernen, verehren lernen aus Freiheit, aus Erkenntnis. Entgegenbringen die Verehrung als eine Gabe, die frei ist, ohne Zwang. Solches kann erreicht werden. Dazu haben wir es gebracht in den dreißig Jahren. Wenn wir das tun, dann ist es, wie wenn ein Geist anderer Art durch den Raum ginge und alle erfüllte. Nach und nach gelangt der Theosoph zu dem Bewusstsein, dass das etwas viel Wirklicheres ist als das, was man mit Händen greifen kann. Bei der Eingangspforte zur Theosophischen Gesellschaft müsste jedem Mitglied der Gedanke auftauchen: Hier trittst du in eine Gesellschaft ein, in der geglaubt wird an die Wahrheiten und Wirklichkeiten des Geistes, in der geglaubt wird, dass in dir selbst Geist lebt. Das hängt zusammen mit der Mittelpunktserscheinung unserer Gesellschaft.
[ 11 ] I wanted to highlight these two points because they symbolically illustrate some of the enrichment of life that one can experience today within the Theosophical Society. There are two things that will become increasingly important. The first is the realization of our first principle: to establish the core of a brotherhood of humanity, to lay the foundation for a great core of humanity; and the second is to learn to revere without blind faith in authority or a cult of personality—to learn to revere out of freedom and out of knowledge. To offer reverence as a gift that is free, without compulsion. This can be achieved. We have come this far in the past thirty years. When we do this, it is as if a spirit of a different kind were passing through the room and filling everyone. Little by little, the Theosophist comes to realize that this is something far more real than what can be grasped with the hands. At the entrance to the Theosophical Society, every member should be struck by the thought: Here you are entering a society that believes in the truths and realities of the spirit, a society that believes that spirit lives within you. This is connected to the phenomenon of the center of our society.
[ 12 ] Wir erkennen die großen Fortschritte des äußeren Lebens an, wir sind keine Reaktionäre, wir wissen, was es heißt, als Errungenschaft der äuReren Wissenschaft, dass im achtzehnten Jahrhundert in einer der großen Städte von 1000 Menschen 77 gestorben sind, während jetzt von 1000 nur noch 22 sterben. Wir wissen, was es heißt, dass unsere Industrie den Erdkreis errungen hat. Gegenüber allen diesen Errungenschaften gibt es eines innerhalb dieser modernen Wissenschaft, die Autorität in Anspruch nimmt, eines, was Ihnen immer wieder begegnen wird, und das ist eine Unsicherheit gegenüber den großen Fragen nach dem Göttlichen, gegenüber den großen Fragen nach den unsterblichen Mächten im Menschen. Und da hören Sie von denjenigen, welche am gelehrtesten am wissenschaftlichsten sind: Wir wissen nichts, wir können nichts wissen. Und das ist nur natürlich, denn das liegt in der gegenwärtigen Entwicklung. Aber, was für ein Wissen haben wir uns erworben? Um das so recht zu verstehen, was damit gesagt werden soll, müssen wir ein wenig zurückblicken in der Geschichte.
[ 12 ] We acknowledge the great advances in external life; we are not reactionaries; we know what it means—as an achievement of external science—that in the eighteenth century, in one of the major cities, 77 out of every 1,000 people died, whereas now only 22 out of every 1,000 die. We know what it means that our industry has conquered the globe. In contrast to all these achievements, there is one thing within this modern science that claims authority—something you will encounter time and again—and that is a sense of uncertainty regarding the great questions about the divine, regarding the great questions about the immortal powers within human beings. And there you hear from those who are the most learned, the most scientific: We know nothing; we cannot know anything. And that is only natural, for it is inherent in the current state of development. But what kind of knowledge have we acquired? To truly understand what is meant by this, we must look back a little into history.
[ 13 ] Demjenigen, der heute vom Standpunkte der Schule, geschichtlich die Kulturwissenschaft studiert, dem wird gesagt, es habe ursprünglich primitive, ungebildete, rohe Völkerschaften gegeben. Sie leben noch in einzelnen Teilen der Erde. Von denen stammen wir ab. Wir wollen nicht prüfen, ob sich das so verhält. Aber wenn wir die religiösen Vorstellungen, die Sagen und Mythen, diese Weltenschriften prüfen, dann stehen wir und wissen nicht wie uns geschieht, wenn wir in die tiefen Weisheiten hineinschauen, für welche diese Mythen, diese Sagen der Ausdruck sind. Bei den scheinbar wildesten Völkerschaften können wir im sagenhaften Bilde die tiefste Weisheit erblicken. Nicht wir tragen sie hinein. Wer sie betrachtet, wird finden, dass eine viel größere Kunst dazugehört, sie hineinzutragen als herauszuholen. Jene Völker haben nicht unsere Verstandesmittel und unsere Instrumente gekannt. Es ist wie ein Wunder, dass das Geheimnis des Stoffes in einer ähnlichen Weise dargelegt wird, wie es uns die Wissenschaft heute gibt. Lesen Sie jetzt aber einen bei der Naturforscherversammlung gehaltenen Vortrag über die Gehirnverhältnisse. Alles erscheint Ihnen chaotisch gegenüber der alten Weisheit. Es ist ein Unterschied darin, wie unsere Menschen denken und wie unsere Vorfahren dachten. Was sagt der heutige Mensch? Ich habe die Wahrheit ausgedacht. - Die Vorfahren würden Sie verwiesen haben auf ihre Lehrer, auf höhere und höhere Lehrer. Ein Zug tiefernster Bescheidenheit ging durch das Ganze, eine Bescheidenheit, die hinhören kann, die sich sagt, der Mensch ist in einer Entwicklung, auch das Wissen, die Weisheit ist in Entwicklung, und will ich dasjenige wissen, was ich nicht selbst wissen kann, so muss ich zu anderen Lehrern aufschauen. Nicht auf die Autorität hin sollen wir das Wissen annehmen, nein, wenn wir die Wahrheit, das Wissen gehört haben, können wir sie selbst auch finden.
[ 13 ] Anyone who studies cultural history today from an academic perspective is told that there were originally primitive, uneducated, and uncivilized peoples. They still live in certain parts of the world. We are descended from them. We will not examine whether this is actually the case. But when we examine the religious mental images, the legends and myths—these sacred texts—we stand there, bewildered, as we gaze into the profound wisdom of which these myths and legends are the expression. Even among the seemingly wildest peoples, we can glimpse the deepest wisdom in their legendary imagery. We do not bring this wisdom into them. Anyone who contemplates them will find that it takes far greater art to bring this wisdom into them than to extract it from them. Those peoples did not know our intellectual methods or our instruments. It is almost a miracle that the mystery of matter is presented in a manner similar to how science presents it to us today. But now read a lecture on the structure of the brain delivered at a meeting of natural scientists. Everything will seem chaotic to you compared to the ancient wisdom. There is a difference between how we think today and how our ancestors thought. What does modern man say? “I have devised the truth.”—Our ancestors would have referred you to your teachers, to ever higher and higher teachers. A spirit of the deepest humility pervaded everything—a humility that is willing to listen, that acknowledges that humanity is in a process of development, that knowledge and wisdom, too, are evolving, and that if I wish to know what I cannot know on my own, I must look to other teachers. We should not accept knowledge based on authority; no, once we have heard the truth and knowledge, we can find it for ourselves as well.
[ 14 ] Es ist richtig, dass das Persönliche nichts wissen kann, über die Dinge, die über das Handgreifliche hinausgehen. Wollen wir darüber etwas wissen, so müssen wir uns an solche Lehrer wenden, die das Licht in sich entzündet haben, um uns zeigen zu können, wie es aussieht in den Welten, die über die physische Welt hinausragen. Das Lehrerprinzip werden sie uns nahebringen.
[ 14 ] It is true that the individual cannot know anything about things that go beyond the tangible. If we wish to know anything about this, we must turn to teachers who have kindled the light within themselves so that they can show us what it is like in the worlds that extend beyond the physical world. They will introduce us to the principle of the teacher.
[ 15 ] Der Mensch der Gegenwart, mit aller seiner Wissenschaft, was hat er erreicht? Er hat vermocht das äußere Haus zu zimmern und in der äußeren Sinnenwelt es zu den denkbar größten Fortschritten zu bringen. Eines muss man aber bedenken. Denken Sie, alle Wissenschaft und Kultur brachte es dahin, unsere Erde zu einem wahren Prunkhause für die auf der Erde lebende Menschheit zu machen. Sie lehrt uns aber noch etwas anderes, nämlich dass diese physische Erde nicht mehr da sein wird, weil all das Große und Unendliche, was die materielle Kultur geleistet hat, verschwinden wird, zerstieben wird in seine Atome. Was lehrt uns diese physische Wissenschaft, was wird dann sein mit alledem, was der Mensch hier gewesen ist, und was er errungen hat? Ein «Ich weiß es nicht», muss diese Wissenschaft sagen, die sich nur auf diese Erde beschränkt. Über diese Frage können nur die etwas wissen, welche mehr erfahren haben als das, was mit der Erde zusammenhängt - und die sprechen nicht so darüber. Wir müssen uns hinwenden zu den großen Lehrern. Daher führt die theosophische Lehre zuletzt zu den großen Meistern und Lehrern des Menschengeschlechts. Dann kommt man auf den Standpunkt, sich zu sagen, ein gewisses Menschenwissen ist eitel. Aber es gibt Menschenwesen, die über den Standpunkt hinaus sind, und erreicht haben etwas, was noch sein wird, wenn die Erde längst zerstoben sein wird. Wir müssen den Weg finden zu den höheren Individualitäten, die da sprechen zu den Menschen, die sie hören wollen. Nicht zu Sich-Überhebenden spricht der Meister, nur zu dem, der wirklich im höchsten Sinne bescheiden ist, der sich zu einem Gefäße und Werkzeug des Meisters macht.
[ 15 ] Modern humanity, with all its science, what has it achieved? It has been able to build the outer house and bring about the greatest conceivable progress in the outer sensory world. But one thing must be borne in mind. Consider that all of science and culture have brought us to the point of making our Earth a veritable palace for humanity living on it. Yet they also teach us something else: namely, that this physical Earth will no longer exist, because all the greatness and infinity that material culture has achieved will vanish, will disintegrate into its atoms. What does this physical science teach us? What will become of all that humanity has been here and all that it has achieved? “I do not know,” this science—which is limited solely to this Earth—must say. Only those who have experienced more than what pertains to the Earth can know anything about this question—and they do not speak of it in such terms. We must turn to the great teachers. Therefore, theosophical teaching ultimately leads to the great Masters and teachers of the human race. Then one reaches the point of realizing that a certain kind of human knowledge is vain. But there are human beings who have transcended that perspective and have attained something that will still exist long after the Earth has crumbled to dust. We must find the path to the higher individualities who speak to those who are willing to listen. The Master does not speak to the arrogant, but only to those who are truly humble in the highest sense—those who make themselves vessels and instruments of the Master.
[ 16 ] Zu dem spricht der Meister im höchsten Sinne. Hatte diese Bescheidenheit auch die Begründerin der Theosophischen Gesellschaft, Helena Petrovna Blavatsky? Wie leicht hätte sie sagen können: Was in meinen Büchern steht, stammt aus meinem Wissen. — Aber stets hat sie sich auf die berufen, die hinter ihr standen, auf die erleuchteten Führer und Meister der Weisheit. So hat also Helena Petrovna Blavatsky jene große Bescheidenheit gehabt.
[ 16 ] The Master speaks of this in the highest sense. Did the founder of the Theosophical Society, Helena Petrovna Blavatsky, also possess this humility? How easily she could have said: “What is written in my books comes from my own knowledge.”—But she always referred to those who stood behind her, to the enlightened guides and Masters of Wisdom. Thus, Helena Petrovna Blavatsky possessed that great humility.
[ 17 ] Viele sind, die allerdings nicht hören wollen von den sogenannten höheren Welten, die die Theosophische Gesellschaft gerade deshalb meiden wollen, weil da gesprochen wird von einem Devachanplan und einem Astralplan. Aber nicht darauf kommt es an, ob man sich vor diesen Dingen scheut und fürchtet, sondern darauf, ob sie wahr sind. Die Meister haben uns mehr über diese Dinge mitgeteilt, weil wir sie im Leben brauchen. Gewiss, man kann durch äußere Beobachtung des Lebens viel erfahren, der Verstand kann uns viel sagen. Auch die Sittenlehre kann der Verstand begreifen. Über Neid, Feigheit, Lüge und so weiter kann mancher moralisiert werden von dem gewöhnlichen Standpunkte aus. Aber Neid, Feigheit, Lüge sind doch Dinge, die in Wahrheit in der höheren Welt beobachtet werden. In der physischen Welt ist die Lüge ein verhältnismäßig leichtes Vergehen. Aber nichts ist sie gegenüber dem, was sie schon auf dem Astralplan ist. In dem Augenblicke, wo Sie eine Lüge sagen, bewirken Sie etwas, was wie die Zerstörung eines lebendigen Wesens ist. Diese Tötung tragen Sie dann mit sich. Sie vermischt sich mit Ihrem eigenen Astralkörper. Was wir sonst von der Lüge nur als Außenwelt kennenlernen, das lernen wir dann in seiner Lebendigkeit kennen. Da wird das, was hier sinnlich ist, geistig. Heute haben wir es nötig, wieder in den Geist eingeführt zu werden, ihn wieder zuerst zu ahnen, um dann zum sicheren Wissen geführt zu werden. Das ist das Leben, das durch die theosophische Bewegung pulsieren muss. Wenn dieses Leben nicht durch die theosophische Bewegung geht, dann erreicht sie nicht das, wozu sie bestimmt ist. Diese führenden Meister, alle unsere schönen Lehren und unsere Theorien sind umsonst, wenn es nicht da und dort in der Welt eine Reihe von Menschen gibt, die sich zusammenfinden in der Stimmung, die wir geschildert haben, in der Stimmung, dass sie schon beim Toreingang sich sagen: Hier wird nur im Bewusstsein gelebt, dass der Geist eine Wirklichkeit ist. - Wenn jeden Zuhörer diese Stimmung erfüllt, dann hat unser Zweig einen Sinn, dann sind Sie selbst der Quell von etwas Lebendigem. Wenn wir in dem Bewusstsein der Wahrheit des Geistes zusammen sind, dann ist dieses Bewusstsein eine Kraft, und so viele da sind, die dieses Bewusstsein haben, bilden einen Auffänger, wie einen elektrischen Auffänger. Und wenn dann, sei es durch irgendjemanden, Gedanken ausgesprochen werden, die zusammenstimmen mit den harmonischen Weltgesetzen und von all den Seelen in uns erfasst und ein Mittelpunkt gebildet wird, dann gehen sie von da aus durch die ganze Stadt und beeinflussen die ganze Stadt, wenn wir das Bewusstsein des Geistes haben. Meine Worte haben keine Bedeutung, wenn sich nicht Leute finden, die sie so aufnehmen und sie hinausführen in die Welt. Deshalb kommen wir in der Gesellschaft zusammen. Wenn wir dieses Bewusstsein haben, dann erst sind wir wirklich eine theosophische Gesellschaft. Dass dieses Bewusstsein immer intensiver, immer stärker und kräftiger wird bei uns, dass wir wirklich durch den Glauben und durch das Wissen an den Geist und von dem Geist eine Kraft zeigen, das soll durch unsere Versammlungen bewirkt werden. Es kommt wirklich nicht darauf an, dass wir Bücher lesen, lehren hören, sondern dass wir dieses Bewusstsein vom Geist annehmen und aneignen und dann, wenn es möglichst viele der Zweige gibt, welche dieses Bewusstsein vom Geist haben, dann erst gibt es eine Theosophische Gesellschaft. So lange aber nicht. Nicht auf die Lehre, nicht auf das Dogma, sondern auf das Bewusstsein vom Geist kommt es an.
[ 17 ] There are many, however, who do not want to hear about the so-called higher worlds and who wish to avoid the Theosophical Society precisely because it speaks of a Devachan plane and an astral plane. But what matters is not whether one shies away from or fears these things, but whether they are true. The Masters have told us more about these things because we need them in life. Certainly, one can learn a great deal through external observation of life; the intellect can tell us a great deal. The intellect can also grasp moral teachings. From a conventional standpoint, one can moralize about envy, cowardice, lying, and so on. But envy, cowardice, and lying are, in truth, phenomena observed in the higher worlds. In the physical world, lying is a relatively minor offense. But it is nothing compared to what it is on the astral plane. The moment you tell a lie, you bring about something that is like the destruction of a living being. You then carry this killing with you. It mingles with your own astral body. What we otherwise come to know about the lie only as an external phenomenon, we then come to know in its living reality. There, what is sensory here becomes spiritual. Today we need to be reintroduced to the spirit, to first sense it, and then be led to certain knowledge. This is the life that must pulse through the Theosophical Movement. If this life does not flow through the Theosophical Movement, then it will not achieve what it is destined to do. These guiding Masters, all our beautiful teachings, and our theories are in vain if there are not, here and there in the world, a number of people who come together in the spirit we have described—in the spirit where, even as they step through the door, they say to themselves: “Here, life is lived solely in the awareness that the Spirit is a reality.” - If this spirit fills every listener, then our branch has a purpose; then you yourselves are the source of something alive. When we are together in the awareness of the truth of the Spirit, that awareness becomes a force, and as many as possess this awareness form a receptor, like an electrical receptor. And when, whether through anyone, thoughts are expressed that are in harmony with the harmonious laws of the universe and are grasped by all the souls within us, forming a focal point, then they radiate from there throughout the entire city and influence the entire city—if we possess the consciousness of the Spirit. My words have no meaning unless there are people who receive them in this way and carry them out into the world. That is why we come together in the Society. Only when we possess this consciousness are we truly a Theosophical Society. Our gatherings are meant to bring about this: that this consciousness becomes ever more intense, ever stronger, and more powerful within us; that through faith in and knowledge of the Spirit—and through the Spirit—we truly manifest a force. It really does not matter that we read books or listen to teachings; what matters is that we accept and internalize this awareness of the Spirit. And only when as many branches as possible possess this awareness of the Spirit will there truly be a Theosophical Society. Until then, there is not. It is not the doctrine, not the dogma, but the awareness of the Spirit that matters.
