The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250
7 October 1907, Berlin
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The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
36. Worte für Annie Besant nach der Präsidentenwahl
36. Words for Annie Besant After the Presidential Election
Meine lieben theosophischen Freunde,
My dear Theosophical friends,
[ 1 ] mit großer Befriedigung begrüße ich Sie wiederum, nach unserer längeren Pause, am heutigen Tage. Hoffentlich werden wir eine recht gute Winterkampagne mit dem heutigen Abend beginnen können.
[ 1 ] It is with great pleasure that I welcome you once again today, following our extended break. Hopefully, we will be able to kick off a very good winter campaign this evening.
[ 2 ] Es ist die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, dass wir durch die Vergrößerung unseres Zweiges auch diesen Raum vergrößern mussten. Und es ist vor allen Dingen die noch erfreulichere Tatsache, dass wir ihn vergrößern konnten. Wenn Ihnen, während dieser Winter-Logen-Abende dadurch, dass die Räume etwas luftiger und vielleicht etwas sympathischer gestaltet worden sind, diese Abende ebenfalls noch sympathischer sein werden, so wird dasjenige erreicht werden, was ja im Interesse unserer geistigen Bewegung recht sehr zu wünschen ist.
[ 2 ] It is a welcome development that, as our branch has grown, we have also had to expand this space. And it is, above all, an even more welcome development that we were able to expand it. If, during these winter lodge evenings, the fact that the rooms have become somewhat more airy and perhaps a little more inviting makes these evenings even more enjoyable for you, then we will have achieved what is indeed highly desirable in the interest of our spiritual movement.
[ 3 ] Unsere geistige Bewegung soll tatsächlich mit jedem Jahr tiefer und intensiver eindringen in das gesamte Geistesleben unserer Zeit. Und je gröRer unsere Häuflein werden, die wir so versammelt sind in den einzelnen deutschen Städten, umso mehr wird es uns auch gelingen, theosophische Ideen nicht nur in uns selbst aufzunehmen, sondern auch einströmen zu lassen in unserer Zeitgenossen Herzen. Umso mehr werden wir die Aufgabe lösen, die wir als unsere schönste innerhalb unserer geistigen Bewegung erkennen können.
[ 3 ] Our spiritual movement is indeed meant to penetrate more deeply and intensely into the entire spiritual life of our time with each passing year. And the larger our small groups become—as we gather in this way in the various German cities—the more we will succeed not only in absorbing theosophical ideas ourselves, but also in allowing them to flow into the hearts of our contemporaries. All the more will we fulfill the task that we recognize as the most beautiful within our spiritual movement.
[ 4 ] Heute brauche ich Ihnen nicht zu sprechen von diesen Aufgaben. Die kennen Sie alle. Nur ein uns allen gemeinsamer Wunsch ist es wohl, dem wir Ausdruck geben dürfen, dass es uns gelingen möge in diesem Winter wieder einiges in unserer Arbeit vorwärtszubringen.
[ 4 ] I don't need to talk to you today about these tasks. You are all familiar with them. There is, however, one wish we all share—and one we may express—which is that we may succeed in making some progress in our work again this winter.
[ 5 ] Bevor wir zum Gegenstand unserer Betrachtung übergehen, darf ich vielleicht einiges aus der Bewegung kurz berühren, und zwar die eine Tatsache, die mittlerweile Ihnen aus den «Mitteilungen» bekannt geworden sein wird, dass Misses Annie Besant tatsächlich zum Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft gewählt worden ist. Wir können wohl diese Mitteilung zu gleicher Zeit verknüpfen, die wir einem anderen, mit unserem gegenwärtigen Präsidenten, Misses Besant, zusammengehörigen Ereignis widmen wollen: Am 1. Oktober ist unserer gegenwärtiger Präsident sechzig Jahre alt geworden. Es darf wohl gesagt werden, dass dieses Fest des sechzigsten Geburtstages unseres verehrten Präsidenten, nach dem unsere Loge ihren Namen trägt, auch in gewissem Sinne ein Fest unserer Loge sein muss. Wir denken gerade bei diesem Anlass daran, dass Misses Besant übernommen hat in diesem Zeitpunkt die im Grunde genommen recht schwere Bürde der Präsidialgeschäfte der Theosophischen Gesellschaft und dass sie, die ja immer, wo es nur sein konnte, ihre ganze Kraft ohnedies schon eingesetzt hat, sozusagen zum Einsatz dieser ihrer ganzen Kraft noch etwas hinzugenommen hat, was in diesem Augenblicke nötig war, gerade von ihr übernommen zu werden und was eine ganze Menschenkraft eigentlich für sich erfordert.
[ 5 ] Before we turn to the subject of our discussion, perhaps I may briefly touch on a few points regarding the Movement—specifically, the fact that you will by now be aware from the “Bulletins” that Miss Annie Besant has indeed been elected President of the Theosophical Society. We might as well combine this announcement with another event connected to our current president, Miss Besant: On October 1, our current president turned sixty. It may well be said that this celebration of the sixtieth birthday of our esteemed President, after whom our lodge is named, must also, in a certain sense, be a celebration of our lodge. On this occasion in particular, we recall that Misses Besant has at this time taken on the essentially quite heavy burden of the presidential duties of the Theosophical Society and that she—who has, in any case, always devoted her full energy wherever possible—has, so to speak, added to the exertion of all her strength something that was necessary at this very moment, and which, in and of itself, requires the full strength of a human being.
[ 6 ] Dennoch müssen wir es mit aller Befriedigung begrüßen, dass es so gekommen ist im Sinne der Ausführungen, die ich Ihnen machen durfte vor der Wahl. Wir dürfen dabei denken an die Art und Weise, wie Misses Besant durch jetzt achtzehn Jahre hindurch ihre Kraft der Theosophischen Gesellschaft und Bewegung gewidmet hat. Wir verstehen diese Art des Wirkens am allerbesten, wenn wir uns erinnern daran, welches eigentlich die Fundamente dieser theosophischen Bewegung sind.
[ 6 ] Nevertheless, we must welcome with great satisfaction that things have turned out this way, in line with the remarks I was able to share with you before the election. In this context, we may reflect on the way in which Miss Besant has devoted her energies to the Theosophical Society and movement for the past eighteen years. We understand this way of working best when we remember what the actual foundations of this Theosophical movement are.
[ 7 ] Wenn wir von diesen Fundamenten der theosophischen Bewegung sprechen, so fallen natürlich den Mitgliedern zunächst die drei Grundsätze unserer theosophischen Bewegung ins Auge. Erstens den Kern einer allgemeinen Bruderschaft zu begründen; zweitens den Weisheitskern in den verschiedenen Religionsbekenntnissen zu suchen; und endlich drittens beizutragen zur Verbreitung jener Erkenntnisse, welche die höheren geistigen Welten betreffen.
[ 7 ] When we speak of these foundations of the Theosophical Movement, the three principles of our movement naturally come to mind first for members. First, to establish the core of a universal brotherhood; second, to seek the core of wisdom in the various religious denominations; and finally, third, to contribute to the dissemination of those insights that pertain to the higher spiritual worlds.
[ 8 ] Wenn wir uns nun fragen, ob unsere Gesellschaft mit der Pflege des ersten Satzes, mit der Pflege der allgemeinen Menschenbrüderschaft irgendetwas Auszeichnendes hat gegenüber den anderen Gesellschaften, so müssen wir sagen, wer unbefangenen Blickes sich umsieht in der Welt, der wird wissen, dass diese Pflege der Humanität, im weitesten Sinne des Wortes, einen Programmpunkt vieler Gegenwartsgesellschaften bildet und dass sozusagen heute in den allerweitesten Kreisen dieses Ideal als ein solches anerkannt wird, dass jeder edle Mensch anstreben muss. Und wenn man dieses Ideal auf seine Fahne schreibt als eine besondere Gesellschaft, dann werden viele sich in der Welt fragen: Warum sollen wir uns dieser Gesellschaft anschließen, da wir dieses Ideal in ganz anderer Weise und in anderen Gemeinschaften befriedigen können? Und der zweite Punkt, den Kern der Weisheitslehren in den verschiedenen Religionsbekenntnissen zu suchen, das ist ein Ideal, das heute schon von vielen Gelehrten-Kreisen und von vielen einzelnen Gelehrten gepflegt wird. Wenn wir vom rein gelehrtenhaften Standpunkte aus die Sache betrachten wollen, dann dürfen wir nicht anders sagen, als dass wenigstens in den Kreisen mit Gelehrtenbildung dieses Ideal auch angestrebt wird, und zwar mit den Mitteln der Gelehrten-Forschung, die der Natur der Sache nach, im Grunde genommen nicht der Pflege einer Gesellschaft eigen sein soll. Dennoch würden wir den eigentlichen Grundnerv unserer Gesellschaft verkennen, wenn wir nicht an diesen zwei großen Idealen festhalten wollten. Wenn wir uns nicht klar darüber wären, dass im Sinne dessen, was wir als esoterisches Christentum kennengelernt haben, gerade das allumfassende Brüderschaftsideal uns die Theosophische Gesellschaft vorschreibt und auf der anderen Seite, dass wir den großen, tiefen, eingreifenden Frieden, der wie ein Ausfluss dieser allgemeinen Brüderschaft die Welt als eine neue soziale Kraft umspinnen soll, wir diesen Frieden am besten erreichen, wenn wir Frieden stiften bis in den Kern der Seele hinein, bis in die Herzen der Menschen hinein. Solange aber wir nicht Frieden stiften können in Bezug auf die äußeren Einrichtungen, in Bezug auf die äußeren Taten, in Bezug auf Recht und Sittlichkeit, so lange werden wir niemals ernsthaft diesen allgemeinen Frieden in der Welt erreichen, denn was im tiefsten Grunde die Menschen auseinanderbringt, das sind ihre Gedanken, ihre Bekenntnisse und das, was wir allgemeine Brüderschaft nennen, werden Sie niemals erreichen, wenn wir nicht Frieden stiften in den Bekenntnissen? Und wie sollten wir Frieden stiften, wenn wir nicht einsehen könnten, welcher gemeinsame Wahrheitskern in den verschiedensten Religionsbekenntnissen ist. Dadurch, dass wir in unseren Bekenntnissen den Einklang finden, werden wir auch den großen Weltfrieden stiften. Daraus ist also ersichtlich, dass das unser großes Ideal sein muss.
[ 8 ] If we now ask ourselves whether our society, by upholding the first principle—the principle of universal brotherhood—has anything distinctive to offer compared to other societies, we must say that anyone who looks around the world with an unbiased eye will know that this commitment to humanity, in the broadest sense of the word, is a central tenet of many contemporary societies, and that today, in the widest possible circles, this ideal is recognized as one that every noble person must strive for. And if a particular society adopts this ideal as its banner, then many around the world will ask: Why should we join this society, since we can fulfill this ideal in a completely different way and within other communities? And the second point—seeking the core of the teachings of wisdom in the various religious denominations—is an ideal that is already being cultivated today by many scholarly circles and by many individual scholars. If we wish to view the matter from a purely scholarly standpoint, we must acknowledge that, at least in circles with scholarly training, this ideal is also pursued—namely, through scholarly research, which, by its very nature, is not fundamentally intended to be the province of a society. Nevertheless, we would fail to recognize the very essence of our Society if we did not hold fast to these two great ideals. If we were not clear that, in the spirit of what we have come to know as esoteric Christianity, it is precisely the all-encompassing ideal of brotherhood that the Theosophical Society prescribes for us—and, on the other hand, that we can best achieve the great, deep, and profound peace—which, as an outflow of this universal brotherhood, is meant to envelop the world as a new social force— we can best achieve this peace by fostering peace right down to the core of the soul, right into the hearts of human beings. But as long as we cannot foster peace in relation to external institutions, in relation to external deeds, in relation to justice and morality, we will never seriously achieve this universal peace in the world, for what fundamentally divides people are their thoughts and their beliefs, and we will never achieve what we call universal brotherhood unless we foster peace within these beliefs. And how could we establish peace if we were unable to recognize the common core of truth found in the most diverse religious creeds? By finding harmony in our creeds, we will also establish great world peace. It is therefore evident that this must be our great ideal.
[ 9 ] Aber diese Ideale werden auch außerhalb der Theosophischen Gesellschaft anerkannt. Sie werden anerkannt von allen denjenigen, welche einigermaßen das Leben unbefangen betrachten. Wenigstens der erste Grundsatz wird von allen heute mehr oder weniger edel denkenden Menschen anerkannt in seiner Fassung, wie er auch uns vorliegt. Und der zweite Grundsatz wird bei denen, die hinausgekommen sind über einen begrenzten Fanatismus, auch anerkannt. Was unterscheidet uns also von ihnen, und was berechtigt uns, eine besondere Gesellschaft zu sein, wenn diese Ideale nichts Besonderes sind? Das Folgende: Wahr ist, dass die allgemeine Brüderschaft das höchste Humanitätsideal ist; wahr ist es, dass man bis in die Bekenntnisse hinein Frieden und Einklang stiften soll. Aber es gibt nur ein Mittel zu diesem großen Ziel. Dieses Mittel, dieser Weg, diese Bahn ist dasjenige, was die Theosophische Gesellschaft als ihr Besonderes hat. Und nur weil sie der Meinung ist, dass man diese zwei großen Ideale mit diesem Wege allein erreichen kann, deshalb hat sie ihre Daseinsberechtigung. Und dieses Mittel ist, den Menschen die Geheimnisse der höheren geistigen Welt zugänglich zu machen.
[ 9 ] But these ideals are also recognized outside the Theosophical Society. They are recognized by all those who view life with a certain degree of objectivity. At least the first principle is recognized by all people today who think with any degree of nobility, in the form in which it is presented to us. And the second principle is also recognized by those who have transcended narrow-minded fanaticism. What, then, distinguishes us from them, and what entitles us to be a special society, if these ideals are nothing special? The following: It is true that universal brotherhood is the highest ideal of humanity; it is true that one should foster peace and harmony even within one’s own faiths. But there is only one means to this great end. This means, this path, this course is what makes the Theosophical Society unique. And it is only because it believes that these two great ideals can be achieved solely through this path that it has its raison d’être. And this means is to make the mysteries of the higher spiritual world accessible to humanity.
[ 10 ] Es mag jemand anerkennen das allgemeine Brüderschaftsideal. Aber er versucht es in die Welt einzuführen mit unzureichenden Mitteln, wenn er nicht auf dem Boden der Erforschung der geistigen Geheimnisse der Welt steht, und auch erforscht das Unzulängliche in den Religionsbekenntnissen, wenn er nicht das, was ihnen zugrunde liegt in den geistigen Welten, als Grund ansieht, sagen wir, des ganz Richtigen in der Aufstellung und Formulierung dieser Ideale. Ihr würdet euch aber überzeugen, wenn ihr nur der Zeiten Lauf verfolgen könntet, wie mit den Mitteln, die außerhalb der theosophischen Strömung verwendet werden, niemals dieses Ideal erreicht wird. Dagegen wird durch die Erforschung der geistigen Welt selbst, sich von selbst die Erfüllung der beiden ersten Ideale ergeben, als eine Selbstverständlichkeit.
[ 10 ] Someone may acknowledge the general ideal of brotherhood. But they are attempting to introduce it into the world with inadequate means if they do not stand on the foundation of an exploration of the spiritual mysteries of the world, and they also fail to recognize the inadequacies in religious creeds if they do not regard what underlies them in the spiritual worlds as the basis—let us say—for the complete correctness in the formulation and articulation of these ideals. You would, however, be convinced—if only you could follow the course of time—that this ideal will never be attained by the means employed outside the theosophical movement. In contrast, through the exploration of the spiritual world itself, the fulfillment of the first two ideals will arise of its own accord, as a matter of course.
[ 11 ] Daher hat auch die Geschichte unserer Bewegung seit dem Jahre 1875 gezeigt, dass die, welche zu ihr gekommen sind, im Wesentlichen immer dazu gekommen sind, weil sie gewusst haben, dass sie innerhalb dieser Gesellschaft etwas von den Tatsachen der geistigen Welten ihrer wahren Gestalt nach finden können. Diese Erforschung der okkulten Welt stand an der Wiege der Theosophischen Gesellschaft. Sie macht dasjenige, was die Mitglieder immer zusammenhalten wird. Würden wir diese Erforschung der übersinnlichen Welt aus unserem Gesichtskreis verlieren, dann hätten wir als theosophische Gesellschaft keine Daseinsberechtigung. Daher muss unsere Hauptaufgabe sein, die Pflege des Okkultismus. Eine große Summe von okkulten Wahrheiten ist durch die theosophische Bewegung in die Welt gekommen und kommt noch fortwährend in die Welt.
[ 11 ] Therefore, the history of our movement since 1875 has also shown that those who have joined it have, for the most part, always done so because they knew that within this society they could find some of the realities of the spiritual worlds in their true form. This exploration of the occult world was at the very foundation of the Theosophical Society. It is what will always bind the members together. If we were to lose sight of this exploration of the supersensible world, then we, as a Theosophical Society, would have no reason to exist. Therefore, our primary task must be the cultivation of occultism. A vast body of occult truths has been brought into the world through the Theosophical Movement and continues to be brought into the world.
[ 12 ] Der allein versteht richtig diese theosophische Bewegung, welcher in diesem Sinne arbeitet. Mag er im Einzelnen diesen oder jenen Weg, mit dieser oder jener Methode gehen, gleich geartet sind sich diejenigen, welche die Pflege des Okkultismus in der Gesellschaft als die Hauptsache ansehen. Das nur konnte der Gesichtspunkt sein, von dem aus die Präsidentschaft von Misses Besant gerechtfertigt war. Sie haben diesen Gesichtspunkt von Anfang an gehabt, und es wird sich darum handeln, innerhalb der Gesellschaft zu lernen, dass der Okkultismus selbst etwas ist, was uns verbindet. Dasjenige, was in der mannigfaltigsten Weise hat eingewendet werden können gegen Misses Besants Präsidentschaft, wurde im Grunde genommen hinweggefegt für den Okkult-Einsichtigen, wie es von mir schon gesagt worden ist, durch den einzigen Satz, den sie in den verschiedenen Schriftstücken finden, die sie vor der Wahl in die Öffentlichkeit geschickt hat. Dieser Satz war so echt im Sinne der okkultistischen Gesinnung gehalten, dass man sieht, - was man sonst auch von ihr halten mag - dieser Satz ist aus dem Herzen und aus der Gesinnung eines Okkultisten geschrieben. Und das war der Satz, der freilich heute nur von Leuten mit okkulter Gesinnung verstanden werden kann, dass sie sich berufen darf auf die Zustimmung ihres Meisters und dass sie diese einzige Zustimmung ihres Meisters zur Wahl vorziehe der gesamten Majorität, die sich etwa ergeben könnte aus der Abstimmung im demokratischen Sinne. Das ist okkultistische Gesinnung, das ist ein Stehen auf dem Boden der Wahrheit. Die Wahrheit wird erkannt und nicht dadurch gefunden, dass man darüber abstimmt.
[ 12 ] Only those who work in this spirit truly understand this Theosophical movement. Whether they follow this or that path, using this or that method, those who regard the cultivation of occultism within the Society as the main objective are of the same mind. That alone could have been the perspective from which Misses Besant’s presidency was justified. They have held this perspective from the very beginning, and the task will be to learn, within the Society, that occultism itself is something that unites us. Whatever objections might have been raised in the most varied ways against Misses Besant’s presidency were, in essence, swept aside for those versed in the occult—as I have already stated—by the single sentence found in the various documents she sent out to the public prior to the election. This sentence was so authentically expressed in the spirit of occultism that one can see—whatever else one may think of her—that this sentence was written from the heart and the spirit of an occultist. And that was the sentence—which, of course, can be understood today only by people with an occult mindset—that she may invoke the approval of her Master and that she prefers this single approval from her Master to the entire majority that might result from a vote in the democratic sense. That is an occult mindset; that is standing on the ground of truth. The truth is recognized—not discovered—through a vote.
[ 13 ] Während dies in unserer Zeit schwer wird der großen Masse draußen - die gerade den entgegengesetzten Weg gehen muss -, muss das gerade immer mehr die Gesinnung des Okkultisten werden. Was wir erkannt haben als Wahrheit, das haben wir erkannt, und wenn uns die ganze Welt entgegentritt. Deshalb muss es gelten, dass unser eigenes Urteil, durch die Berufung auf die spirituellen Gewalten, die über uns stehen, mehr uns gilt als jedes andere. Zu gleicher Zeit gehört gerade heute zur Bekennung dieser Gesinnung ein gewisser Mut, ein großer Mut. Auch innerhalb der Theosophischen Gesellschaft gehört Mut dazu. Wer diesen Mut nicht hätte, der könnte kein richtiger Okkultist sein. Wer allerdings diese Gesinnung im Hintergrunde hat, der weiß ganz klar, was sich auch für Hindernisse unserer Bewegung entgegenstellen mögen, was man uns auch immer tun möge, diese Bewegung muss ihren Weg finden und verfolgen.
[ 13 ] While this is becoming difficult in our time for the great masses out there—who must take precisely the opposite path—it must increasingly become the mindset of the occultist. What we have recognized as truth, we have recognized, even if the whole world stands against us. Therefore, it must be true that our own judgment—based on the spiritual Powers that stand above us—is more binding upon us than any other. At the same time, professing this mindset today requires a certain courage—great courage. Even within the Theosophical Society, courage is required. Anyone who lacks this courage could not be a true occultist. However, anyone who holds this conviction deep within knows quite clearly that no matter what obstacles may stand in the way of our movement, no matter what may be done to us, this movement must find and follow its path.
[ 14 ] Deshalb geziemt es uns am besten an unserer Strömung, die wir als die richtige erkennen, zu arbeiten, richtig zu arbeiten. Wichtiger, viel wichtiger ist für uns dasjenige, was wir vorzubringen vermögen, als das, was wir bekämpfen sollen, selbst das, was wir bekämpfen sollen innerhalb der Gesellschaft. Dass Misses Besant gerade auf diesem Boden steht, der sie als Okkultist charakterisiert, dafür ein kleines Beispiel, das immerhin doch symptomatisch sein dürfte. Gerade bei der letzten Jahrversammlung in London wurde Misses Besant, die den Vorsitz führte, von verschiedenen Seiten zusammen stark angegriffen.
[ 14 ] Therefore, it is best for us to work within our movement—which we recognize as the right one—and to work correctly. What we are able to put forward is more important, much more important to us than what we are supposed to fight against, even what we are supposed to fight against within society. That Misses Besant stands precisely on this ground—which characterizes her as an occultist—is illustrated by a small example that is, after all, likely symptomatic. Just at the last annual meeting in London, Misses Besant, who was presiding, came under heavy attack from various quarters.
[ 15 ] Es konnte merkwürdig erscheinen, dass bei dieser Versammlung nur ihre Gegner sprachen und niemand von den Freunden sich erhob, um eine Verteidigung zu versuchen. Das konnte etwas sonderbar erscheinen. Es erscheint nicht mehr sonderbar, wenn es einem klar wird, dass Misses Besant ihre Freunde gebeten hatte, bei dieser Versammlung, was auch immer kommen mag, nicht ihre Verteidigung zu betreiben. Das ist ein Symptom wiederum für eine Okkultisten-Versammlung. Kurz können wir uns zusammenfassen: Darin, dass wir uns klar sind, dass Misses Besant auf dem Boden stand bei ihrem Eintritt in die Gesellschaft, der der Gesellschaft eine feste Basis gegeben hat bei ihrer Begründung; dass sie diesen Boden niemals verlassen hat und dass sie deshalb eine Gewähr dafür sein wird, dass sie als führende Persönlichkeit diesen Boden nicht verlassen wird, das ist wichtig. Deshalb dürfen wir es mit großer Befriedigung begrüßen, dass Misses Besant, so nahe am sechzigsten Geburtstage, die Bürde der Präsidentschaft auf sich genommen hat zu all den übrigen Arbeiten. Wir wollen hoffen, dass die theosophische Bewegung in den Bahnen forterhalten wird, in denen sie erhalten werden muss, wenn sie beitragen soll zur weiteren Entwicklung des Geisteslebens der Menschheit.
[ 15 ] It might have seemed strange that at this gathering only her opponents spoke and none of her friends stood up to attempt a defense. That might have seemed a bit odd. It no longer seems strange once one realizes that Misses Besant had asked her friends not to defend her at this gathering, no matter what might happen. This, in turn, is symptomatic of an occultist gathering. To summarize briefly: What is important is that we are clear that Mrs. Besant stood on the same ground when she joined the Society—the ground that gave the Society a firm foundation at its inception—that she has never strayed from that ground, and that she will therefore be a guarantee that, as a leading figure, she will not stray from it. We may therefore welcome with great satisfaction the fact that Miss Besant, so close to her sixtieth birthday, has taken on the burden of the presidency in addition to all her other work. Let us hope that the Theosophical Movement will be kept on the course it must follow if it is to contribute to the further development of humanity’s spiritual life.
[ 16 ] In diesem Sinne lassen wir uns den sechzigsten Geburtstag von Misses Annie Besant ein Fest sein. Und wir sind uns in einem solchen Momente klar, dass der Okkultist weiß, dass Gedanken, Gefühle und Empfindungen nicht etwas Unwirkliches sind, sondern etwas Wirkliches, dass sie Kräfte sind und dass jeder von uns durch seine Gedanken, Empfindungen und Gefühle wirken kann. Nehmen Sie von einem solchen Momente, wie der jetzige es ist, den Vorsatz an, wenn Sie können, Gedanken und Empfindungen, die Sie als Gedanken der Liebe, der Hingabe und der Freundschaft für unseren Präsidenten empfinden, hinzurichten auf diesen Präsidenten, dann werden Sie, jeder an seinem Platze, ein Helfer sein können, wie sie dieser Präsident gebraucht. So feiern wir am besten das Fest, wenn wir die Gedanken, die bei solchen Festen sonst nur ausgesprochen werden, zur Grundlage unseres Handelns machen. Sagen wir uns: Wir wollen ihr Gedanken, Gefühle und Empfindungen der Hilfe senden. Das ist etwas, was wir uns in der Besant-Loge vor die Seele führen mussten.
[ 16 ] In this spirit, let us celebrate the sixtieth birthday of Miss Annie Besant. And at such a moment, we realize that the occultist knows that thoughts, feelings, and emotions are not something unreal, but something real; that they are forces; and that each of us can exert an influence through our thoughts, feelings, and emotions. Take this moment—such as the present one—as an opportunity, if you can, to direct toward our President the thoughts and feelings you experience as thoughts of love, devotion, and friendship; then, each in your own place, you will be able to be a helper just as this President needs. This is the best way for us to celebrate the occasion: by making the thoughts that are usually only spoken at such celebrations the foundation of our actions. Let us say to ourselves: We want to send him thoughts, feelings, and emotions of support. This is something we had to take to heart in the Besant Lodge.
