The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250
2 November 1909, Berlin
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The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
42. Über den Siebenjährigen Bestand der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft
42. On the Seven-Year History of the German Section of the Theosophical Society
Meine lieben Freunde!
My dear friends!
[ 1 ] Gerade diejenigen Betrachtungen, welche für unsern Berliner Zweig mit dem heutigen Abend beginnen sollen, werden Anlass sein können, in einer kurzen Einleitung mancherlei vorauszuschicken, um dabei noch einmal anzuknüpfen an etwas, was ja wiederholt in den letzten Wochen und insbesondere in den Tagen unserer Generalversammlung erwähnt und scharf betont worden ist. Wir stehen ja im achten, also nach dem Abschlusse des siebenten Jahres unserer Deutschen Sektion, und es ist aufmerksam darauf gemacht worden, dass immerhin das, was man zyklische Bewegung der Ereignisse und Tatsachen in der Zeit nennen kann, nicht irgendeiner phantastischen Theorie entspringt, sondern durchaus auf Tatsachen der Wirklichkeit beruht, und dass derjenige nur eine solche Sache im tieferen Sinne versteht, der sie dann anwendet auch auf das Leben, in dem er unmittelbar selbst darinnen steht. Für jeden von Ihnen ist ja die theosophische Bewegung dadurch, dass er sich in sie hineingestellt hat, in einer gewissen Beziehung seine eigene Sache, und daher sollte ein jeder einen solchen zyklischen Ablauf dieser Sache für sich selbst in Betracht ziehen und zwar, man möchte sagen, praktisch in Betracht ziehen. Man kann an einer solchen Sache schr, sehr viel lernen. Es ist wiederholt betont worden, dass bei der Entwicklung des Menschen im individuellen Leben der Zeitraum um das siebente Jahr herum, wo der Zahnwechsel eintritt, in einer mannigfaltigen Beziehung wichtig und einschneidend ist. Wer das Leben innerhalb unserer Deutschen Sektion nur oberflächlich betrachtet hat - gar nicht zu sprechen davon, dass sich alles das, was darüber zu sagen ist, für eine tiefere Betrachtung umso schärfer und intimer zeigt -, der darf nun wirklich sagen: Dieser erste Zyklus unseres theosophischen Wirkens lässt sich ganz richtig vergleichen mit jener individuellen Entwicklung, welche das Kind durchmacht von der Geburt bis zum Zahnwechsel, bis es die zweiten, dann bleibenden Zähne erhält. Denn derjenige, der wirklich die Ereignisse betrachten will, wird nicht umhin können, sich zu sagen, dass gerade jener Überblick, den man halten konnte während der Tage unserer Generalversammlung, ergeben hat, dass wir es zu tun haben mit mancherlei Fiebererscheinungen, die dieser unser Zahnwechsel in den gegenwärtigen Wochen und Monaten bewirkt hat. Wir haben es sogar mit ganz kräftigen Fiebererscheinungen zu tun, und es ist durchaus nicht in Abrede zu stellen, dass gar mancher Zahn, der jetzt, nachdem die ersten Milchzähne ausgefallen waren, neu gewachsen ist, ganz kräftig zugebissen hat, und dass das noch durchaus nicht zu Ende ist. Die Sache, die ich jetzt sage mit dem Zubeißen und den mancherlei sonstigen Symptomen, hat eine tiefe und gründliche Bedeutung. Es sollte einem jeden zum Bewusstsein kommen, dass ja für die theosophische Bewegung weitere sieben Jahre bevorstehen werden, und dass diese sieben Jahre in gewisser Beziehung ein Hineinwachsen sind in dasjenige, was man dann, wenn es heranrückt, die Flegeljahre nennt. Alle diese Dinge können durch eine gute Erziehung beim einzelnen Menschen so oder so gestaltet werden. In der theosophischen Bewegung muss diese Erziehung zum großen Teil, wenn wir unsere Angelegenheit ernst und würdig auffassen, eine ernste Selbsterziehung sein, ein In-die-Hand-Nehmen der einzelnen Seelen vonseiten der Teilnehmer der theosophischen Bewegung. Und es wird notwendig sein, dass mancherlei in der Zukunft genauer angesehen wird, als es bisher angesehen wurde. Praktisch ist ja mancherlei in den verflossenen sieben Jahren nicht ganz berücksichtigt worden; Dinge, die zu einem gedeihlichen Fortentwickeln notwendig sind, sollten durchaus aber berücksichtigt werden.
[ 1 ] The very reflections that are to begin this evening for our Berlin branch may provide an opportunity to preface this with a brief introduction, in order to once again take up a point that has been repeatedly mentioned and strongly emphasized in recent weeks, and especially during our General Assembly. We are now in the eighth year—that is, following the conclusion of the seventh year—of our German Section, and it has been pointed out that what might be called the cyclical movement of events and facts over time does not stem from some fanciful theory, but is based entirely on facts of reality; and that one understands such a matter in a deeper sense only if one then applies it to the life in which one is directly immersed. For each of you, the Theosophical Movement—by virtue of your having joined it—is, in a certain sense, your own affair; and therefore each of you should consider such a cyclical course of this matter for yourselves—and, one might say, consider it in a practical way. One can learn a great deal from such a matter. It has been repeatedly emphasized that, in the development of the human being in individual life, the period around the age of seven—when the teeth begin to change—is important and decisive in many respects. Anyone who has viewed life within our German Section only superficially—not to mention that everything there is to say about it becomes all the more vivid and intimate upon deeper reflection—may now truly say: This first cycle of our theosophical work can quite rightly be compared to the individual development that a child undergoes from birth through the change of teeth, until it receives its second, permanent set of teeth. For anyone who truly wishes to observe the events will not be able to help but conclude that the very overview we were able to gain during the days of our General Assembly has revealed that we are dealing with various feverish symptoms caused by this “teething” process in the present weeks and months. We are even dealing with quite severe feverish symptoms, and there is absolutely no denying that quite a few teeth—which have now grown in after the first baby teeth fell out—have bitten down quite forcefully, and that this is by no means over yet. What I am now saying about the biting and the various other symptoms has a deep and profound significance. Everyone should realize that the Theosophical Movement has another seven years ahead of it, and that these seven years, in a certain sense, represent a growing into what, when the time comes, will be called the “rebellious years.” All these things can be shaped in one way or another through a good education in the individual. In the Theosophical Movement, if we take our cause seriously and with dignity, this education must, for the most part, be a serious process of self-education—a taking charge of the individual souls on the part of the participants in the Theosophical Movement. And it will be necessary to examine certain matters in the future more closely than they have been examined thus far. In practice, indeed, certain matters have not been fully taken into account over the past seven years; however, matters that are necessary for fruitful further development should certainly be taken into account.
[ 2 ] So zum Beispiel sollte bedacht werden, dass es in der theosophischen Weisheit zunächst die großen Richtlinien gibt, die man zuerst sich aneignen muss. Damit die Neueintretenden und frisch Nachkommenden sich immer diese Richtlinien aneignen können, und so für sich - vielleicht in kürzerer Zeit als die andern, die das ganze theosophische Leben seit sieben Jahren mitgemacht haben - sich gründlich diese Richtlinien aneignen können, darum wird immer darauf gesehen werden, dass ein Kursus mit diesen Richtlinien gehalten werde. Wenn man das Wesen der Aneignung dieser Richtlinien im echten, wahren Sinne des Wortes versteht, dann wird man auch auf der einen Seite verstehen, worin die spätere Vertiefung liegen soll, nachdem man sich diese Richtlinien angeeignet hat, für den, der ernst mitarbeiten will innerhalb der theosophischen Bewegung. Aber man wird auch das richtige Verhältnis finden zu den ersten Richtlinien sowohl wie auch zu dem, was später gegeben wird. Dies ist etwas, was man sich durch ein entsprechendes Gefühl aneignen soll. Das, was die ersten Richtlinien gibt, ist wirklich ein großer Plan der Weltenweisheit. Wenn Sie jene Konfiguration, jene planvolle Gliederung des Menschen in sich aufnehmen, wie dies in meiner «Theosophie» gegeben wird, so hängt es davon ab, wie der einzelne Leser oder Zuhörer sich selber dazu stellt, ob er in einer solchen Sache ein bloß abstraktes Wissen aufnimmt, ‚oder ob er eine warme, inhaltsvolle Weisheit aufnimmt. Das ganze Buch «Theosophie» enthält, wenn Sie wollen, ein abstraktes, kaltes, begriffliches Wissen, und es enthält ebenso, wenn Sie wollen, die wärmste, die tiefste, in die Seele gehende lebendigste Weisheit. Und Selbsterziehung und Selbsterkenntnis sind es einzig und allein, welche dazu führen müssen, einzusehen, dass es nur von dem Leser abhängt, ob es abstraktes, trockenes Wissen ist oder ob es warme, inhaltsvolle, tief ins Herz gehende, alles Leben ordnende, dem Leben Aufgaben setzende, den schwierigsten Lagen des Schicksals Trost bietende Weisheit ist.
[ 2 ] For example, one should bear in mind that in Theosophical wisdom there are, first and foremost, the major guidelines that one must master initially. To ensure that newcomers and recent arrivals can always assimilate these guiding principles—and thus thoroughly master them for themselves, perhaps in less time than others who have been participating in theosophic life for seven years—care will always be taken to ensure that a course covering these principles is offered. If one understands the essence of mastering these guidelines in the true, genuine sense of the word, then one will also understand, on the one hand, where the subsequent deepening should lie—after one has mastered these guidelines—for those who wish to work seriously within the Theosophical Movement. But one will also find the proper relationship to the first guidelines as well as to what is given later. This is something one should acquire through an appropriate sense of feeling. What the first guidelines provide is truly a grand plan of world wisdom. If you take in that configuration, that systematic structure of the human being as presented in my *Theosophy*, it depends on how the individual reader or listener relates to it—whether they receive merely abstract knowledge in such a matter, or whether they receive a warm, meaningful wisdom. The entire book *Theosophy* contains, if you will, abstract, cold, conceptual knowledge, and it also contains, if you will, the warmest, deepest, most soul-penetrating, and most vibrant wisdom. And self-education and self-knowledge are the only things that can lead one to realize that it depends entirely on the reader whether what is absorbed is abstract, dry knowledge or warm, meaningful wisdom that penetrates deep into the heart, brings order to all of life, sets tasks for life, and offers comfort in the most difficult situations of fate.
[ 3 ] Derjenige, der nicht zu bequem ist, kann aus einem solchen Buche für alle Lagen des Lebens sich selber Antwort holen. Oftmals kommt es vor, dass irgendjemand zu mir kommt, in der besten Absicht, und sagt: «Ach, sagen Sie mir, welches meine Fehler sind, ich möchte sie so gerne ablegen.» Dabei wird gar nicht bedacht, dass die Antwort gerade auf diese Frage jeder sich aus dem, was vorliegt in der geisteswissenschaftlichen Literatur, immer selber holen kann, und dass es für ihn weit größeren Wert hat, wenn er sich aus dem, was vorliegt, diese Antwort holt, als wenn er sie sich in einer äußerlichen Weise beantworten lässt. Es würde manchmal, statt eine solche Frage zu stellen, und sie persönlich beantwortet haben zu wollen, viel, viel besser sein, wenn der Betreffende sich die «Theosophie» hernehmen, eine halbe Seite darin lesen und die Sache dann mit seinen echten, eignen Gedanken durchdringen würde.
[ 3 ] Anyone who isn’t too lazy can find answers for themselves in such a book for every situation in life. It often happens that someone comes to me, with the best of intentions, and says, “Oh, tell me what my faults are; I’d so much like to get rid of them.” Yet they fail to consider that the answer to this very question is something everyone can always find for themselves in the available Spiritual Science literature, and that it is of far greater value for them to find this answer on their own than to have it answered for them by someone else. Sometimes, instead of asking such a question and wanting it answered personally, it would be much, much better if the person in question were to pick up *Theosophy*, read half a page of it, and then penetrate the matter with his own genuine thoughts.
[ 4 ] So dass es gar nicht zu viel ist, diese Richt- und Grundlinien der theosophischen Weltanschauung immer wieder und wiederum vorzunehmen, sich sie ganz zu eigen zu machen. Dann allein, wenn Sie das tun, werden Sie das richtige Verhältnis gewinnen können zu allem Späteren. Dann werden Sie verstehen können, dass es in einer gewissen Weise eben notwendig war, von den Richt- und Grundlinien vorzuschreiten zu dem, was im Verlaufe der letzten Jahre an den Zweigabenden gegeben worden ist: Es ist notwendig, da sich ganz hineinzufinden. Auf der anderen Seite aber ist es auch richtig, dass ich eigentlich in den letzten drei Jahren, nachdem die Grundlinien gelegt waren, in der Tat in Bezug auf die tieferen Wahrheiten nichts Neues mehr gesagt habe. So notwendig es war, intensiv alles das zu durchdringen, es waren dies gegenüber dem, was in den Grund- und Richtlinien gesagt war, weitere Ausführungen für das Leben, das wir allseitig betrachtet haben; es waren Lichter, welche auf die verschiedenen Gebiete des Lebens geworfen werden sollten. Vier Vorträge sind in den letzten Wochen im Architektenhaus gehalten worden: «Die Mission der Geisteswissenschaft einst und jetzt», «Die Mission des Zornes», «Die Mission der Wahrheit», «Die Mission der Andacht». Derjenige, der das Buch «Theosophie» wirklich studiert hat, der hätte finden können, dass alles, was da gesagt wurde, schon darinnen enthalten ist: Es sind dort vier Quadrate, die nun mit verschiedenen Farben ausgemalt worden sind. Diese Ausmalung in jeder einzelnen Seele vorzunehmen, ist durchaus notwendig; denn es wäre das Allerfalscheste und Unrichtigste, wenn man sich denken wollte, dass man deshalb, weil in der «Theosophie» alles enthalten ist, sein Leben lang bei der «Theosophie» wiederum stehen bleiben soll. Aber das richtige Verhältnis zu diesen weiteren Ausführungen im praktischen Leben findet man, wenn man sich das, was dort gesagt worden ist, ganz zu eigen gemacht hat. Dem, der das, was in der «Theosophie» gesagt ist, sich ganz zu eigen gemacht hat, kann es so gehen, dass er sich sagt: «Nun habe ich durch vier Jahre hindurch daran gearbeitet, mir jene Grundlinien der Theosophie ganz zu eigen zu machen. Und jetzt ist es so merkwürdig, was in mir vorgegangen ist! Hätte ich vor vier Jahren solch einen Vortrag gehört wie über «Die Mission des Zornes, so hätte ich ihn selbstverständlich auch verstehen können, aber ich sehe, es gibt verschiedene Arten des Verständnisses.» Das ist bei solchen Dingen, an denen wirklich etwas daran ist, der Fall. Es gibt ein Verständnis, das der haben könnte, der diese Vorträge vielleicht zum ersten Mal hört, aber gar nicht weiß, dass es eine «Theosophie» gibt. Dann gibt es ein zweites Verständnis, das der hat, der sich die Theosophie zu eigen gemacht hat, und der könnte dabei eine sonderbare Entdeckung machen. Der könnte sich sagen: «Vor vier Jahren wäre mir das schwierig erschienen; manche Dinge wären mir fremd gewesen, es hätte mir geschienen, dass manches, was da als Wendung gebraucht wurde, mir nicht recht einleuchten könnte. Und jetzt, nachdem ich diese Sache über Empfindungs-, Verstandes-, Bewusstseins-Seele und so weiter richtig aufgenommen habe, höre ich mir diese vier Vorträge etwa so an, wie ich vorher eine Novelle gelesen habe, die ganz leicht verständlich zu meiner Seele gesprochen hat.»
[ 4 ] So it is by no means excessive to revisit these guiding principles and foundations of the theosophical worldview time and again, and to make them your own. Only then, when you do this, will you be able to gain the proper perspective on everything that follows. Then you will be able to understand that, in a certain sense, it was indeed necessary to move from these guiding principles and foundations to what has been presented at the branch meetings over the course of the last few years: it is necessary to fully immerse oneself in it. On the other hand, however, it is also true that, in the last three years, after the foundational principles had been laid down, I have in fact said nothing new regarding the deeper truths. As necessary as it was to penetrate all of this intensively, these were—in contrast to what was said in the foundational principles and guidelines—further elaborations for life, which we have considered from every angle; they were lights meant to be shed on the various areas of life. Four lectures have been given at the Architektenhaus in recent weeks: “The Mission of Spiritual Science Then and Now,” “The Mission of Anger,” “The Mission of Truth,” and “The Mission of Devotion.” Anyone who has truly studied the book *Theosophy* would have found that everything said there is already contained within it: There are four squares there that have now been colored in with different hues. It is absolutely necessary to carry out this coloring within each individual soul; for it would be the most mistaken and incorrect thing to imagine that, simply because everything is contained in *Theosophy*, one should remain stuck with *Theosophy* for the rest of one’s life. But one finds the proper relationship to these further explanations in practical life when one has fully internalized what has been said there. For someone who has fully internalized what is said in *Theosophy*, it may be that they say to themselves: “Now I have worked for four years to fully internalize those fundamental principles of Theosophy.” And now it is so strange what has been going on within me! If I had heard a lecture four years ago like the one on ‘The Mission of Anger,’ I could of course have understood it as well, but I see that there are different kinds of understanding.” This is the case with such matters, which truly have substance. There is one level of understanding that might be held by someone hearing these lectures for the first time, who has no idea that “Theosophy” even exists. Then there is a second level of understanding held by someone who has made Theosophy their own, and that person might make a strange discovery in the process. They might say to themselves: “Four years ago, this would have seemed difficult to me; some things would have been foreign to me, and it would have seemed to me that some of the turns of phrase used here wouldn’t quite make sense to me. And now, after I have truly taken in this matter of the feeling soul, the intellectual soul, the conscious soul, and so on, I listen to these four lectures much as I previously read a novella that spoke to my soul in a way that was very easy to understand.”
[ 5 ] Dies sollte nur angegeben werden als das, was ein wirkliches Sich-zu-eigen-Machen der «Theosophie» bewirken kann und sicher tun wird, wenn es in der richtigen Weise durchgearbeitet wird. Wenn jemand freilich, nachdem er das Buch in die Hand genommen und ein- oder zweimal die Dinge durchgenommen hat, dann findet: «Das sind trockene Auseinandersetzungen, wie sie in jeder Wissenschaft vorkommen», dann hat er niemals die Unbequemlichkeit überwunden, sich zu fragen: «Liegt denn das wirklich nicht an mir, dass ich darin nichts anderes sehen kann als eine Wissenschaft? Dass ich nicht sehen kann dasjenige, was wie Feuerfunken aus ihm herauskommen kann?» - So müssen wir diese Dinge ansehen. Wir müssen nicht glauben, dass es für uns in späteren Lebensjahren in einer gewissen Beziehung erniedrigend ist, sich zu sagen: Ich soll an den Richt- und Grundlinien wirklich richtig lernen, und zwar so, wie sie da stehen. - Denn es ist ungeheuer wichtig, dass wir einsehen, dass die Dinge nicht deshalb gerade so oder so gesagt werden, weil es dem betreffenden Schreiber so eingefallen ist, sondern weil die Dinge mit einer inneren Notwendigkeit in jeder Einzelheit geschrieben sind. Von der großen Verantwortung, mit der das Buch geschrieben ist, hat die Gegenwart mit ihrer verlotterten Literatur überhaupt gar keinen Begriff. Es würde eine große Selbsterziehung sein, wenn man innerhalb der theosophischen Bewegung nach und nach dem Herzen angewöhnen würde, etwas zu fühlen von dieser Verantwortung. Glauben Sie [es mir], es ist nicht einerlei, wenn in einem solchen Buche, das mit der Verantwortung gegenüber den spirituellen Welten geschrieben ist, einmal ein Prädikat vor dem Subjekt steht oder anstatt «ist» «war» gewählt wird. Oder wenn in irgendeiner anderen Weise ein Satz so oder so geformt ist, so hat das seine guten Gründe. Und von jener ganz tief gehenden Verantwortung, die man diesen Dingen gegenüber haben muss, hat unsere gegenwärtige verlotterte Literatur, welche glaubt, man darf alles hinschreiben, was einem einfällt, und es wäre gleich, ob man dies oder jenes Wort gebraucht, gar nicht den Begriff. Heute wird alles so hingehudelt, wie es den Leuten einfällt. Es kommt darauf an, jeden Satz richtig zu prägen. Und wenn es in der Sprache für einen Begriff kein richtiges Wort gibt, dann muss man in einem solchen Buche wie in der «Theosophie» in der ersten halben Zeile ein Wort gebrauchen, welches annähernd den richtigen Sinn gibt, und damit der Begriff dann richtig herauskommt, in der zweiten halben Zeile ein entsprechendes Wort gebrauchen, damit die beiden Worte sich die Balance halten, und die Sache auf die Seele wirken kann.
[ 5 ] This should simply be stated as what a genuine internalization of “Theosophy” can and certainly will bring about if it is worked through in the proper way. If, however, after picking up the book and going through it once or twice, someone then concludes: “These are dry debates, the kind found in any science,” then they have never overcome the discomfort of asking themselves: “Is it really not my fault that I can see nothing in it but a science? That I cannot see what can emerge from it like sparks of fire?” - This is how we must view these things. We must not believe that it is, in a certain sense, humiliating for us in our later years to tell ourselves: I must truly learn the principles and fundamentals correctly, exactly as they are presented here. - For it is immensely important that we realize that things are not stated in a particular way simply because it occurred to the author in question, but because they are written with an inner necessity in every detail. The present age, with its shabby literature, has absolutely no concept of the great responsibility with which the book was written. It would be a great act of self-education if, within the Theosophical Movement, we were gradually to accustom our hearts to sensing something of this responsibility. Believe me, it is not a matter of indifference if, in such a book—written with a sense of responsibility toward the spiritual worlds—a predicate happens to precede the subject, or if “was” is chosen instead of “is.” Or if, in any other way, a sentence is constructed one way or another, there are good reasons for it. And our current shabby literature—which believes one can write down whatever comes to mind and that it makes no difference whether one uses this or that word—has absolutely no concept of that profound sense of responsibility one must have toward these matters. Today, everything is cobbled together however people see fit. It is essential to craft every sentence correctly. And if there is no exact word in the language for a concept, then in a book such as *Theosophy*, one must use a word in the first half-line that approximates the correct meaning, and—so that the concept comes across correctly—use a corresponding word in the second half-line, so that the two words balance each other out and the message can have an effect on the soul.
[ 6 ] Ein solches Buch, wie die «Theosophie» ist nicht annähernd zu vergleichen mit irgendeinem Buche der äußeren Literatur. Denn das wird die schönste, die höchste Frucht der theosophischen Bewegung sein, wenn von jener Selbsterziehung in der Seele ein Gefühl erwacht. Dann bekommt man auch ein Gefühl dafür, dass das allermeiste, was heute gedruckt wird - mit Ausnahme der bloßen Mitteilungen der Ereignisse, die gegeben werden über die sozialen Verhältnisse —, eigentlich am besten ungedruckt bliebe, weil es nicht ausgereift ist, weil es durchaus nicht reif ist, von einer Seele zur andern hinzufließen.
[ 6 ] A book such as *Theosophy* cannot be even remotely compared to any book in the external literature. For that will be the most beautiful, the highest fruit of the Theosophical Movement when a feeling awakens in the soul through that self-education. Then one also gains a sense that the vast majority of what is printed today—with the exception of mere reports of events concerning social conditions—would actually be better left unprinted, because it is not fully developed, because it is by no means ready to flow from one soul to another.
[ 7 ] Dafür sollen wir ein Gefühl bekommen und eine wirklich würdige und ernste Empfindung. Es wäre übel, wenn die Theosophen das, was in der «Theosophie» gegeben wird, mit genau derselben Gesinnung aufnehmen würden, wie sie irgendetwas anderes aus der außenstehenden Literatur aufnehmen. Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass von mir hier das System der Künste vor ein paar Tagen entwickelt worden ist in einem ganz besonderen Stil. Glauben Sie, dass das eine Schrulle war? Wenn Sie das glauben, würden Sie ganz fehl gehen. Es handelt sich gar nicht darum, diesen Vortrag gerade einmal in dieser Form zu halten, sondern darum, dass das, was dabei gesagt werden musste, notwendigerweise jeden einzelnen Satz und jede Wendung ganz von selbst ergab; und jede andere Art, darüber zu sprechen, hätte das niemals sagen können, was gerade in diesem Vortrag gesagt wurde. Es kam gerade dabei, wie überall übrigens, auf das «Wie» im höchsten Maße an. Und wenn Sie diese dort gegebenen Dinge umkleiden, dann sind sie nicht mehr dasselbe, dann sind sie etwas ganz anderes.
[ 7 ] We should develop a sense of this and a truly dignified and serious attitude toward it. It would be unfortunate if theosophists were to approach what is presented in *Theosophy* with exactly the same mindset as they use when approaching anything else in the external literature. Perhaps you recall that I elaborated on the system of the arts here a few days ago in a very particular style. Do you think that was just a whim? If you believe that, you would be completely mistaken. It is not at all a matter of delivering this lecture in this particular form, but rather that what had to be said necessarily arose of its own accord in every single sentence and every turn of phrase; and any other way of speaking about it could never have conveyed what was said in this very lecture. Here, as everywhere else, incidentally, the “how” was of the utmost importance. And if you rephrase the ideas presented there, they are no longer the same; they become something entirely different.
[ 8 ] So ist es für den ernsten Theosophen immer wieder notwendig, zurückzukehren zu den ersten Richt- und Grundlinien, und gerade durch das Sich-zu-eigen-Machen dieser Richt- und Grundlinien die Möglichkeit sich zu verschaffen, immer weiter und weiter aufzurücken. Wer diese Richt- und Grundlinien in den ersten vier Jahren unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung hier so in sich aufgenommen hätte, wie in den vier Jahren bei uns versucht worden ist, sie zu verarbeiten; wer sie so aufgenommen hätte, dass sie damals vor drei Jahren in ihm gelebt hätten, dass sie in ihm gegenwärtig gewesen wären, der hätte in den folgenden drei Jahren die Entdeckung gemacht, dass das, was weiter ausgeführt wurde, nicht mehr neu war, sondern [Ausbau] nach der Lebenspraxis hin auf allen Gebieten. Er hätte bemerkt, dass er das mit einer völligen Leichtigkeit aufnimmt, ohne Schwierigkeit des Verständnisses und ohne zu verkennen die Notwendigkeit, wie das eine oder andere aufzufassen ist. Er hätte aber noch ein merkwürdiges anderes Gefühl nach weiteren drei Jahren ... heute also. Er würde sich die Möglichkeit verschafft haben, heute zu sagen: «Ich bin ja unvermerkt in ein ganz neues Leben der Seele hineingekommen: Jetzt weiß ich, was geistiges Leben ist. Jetzt weiß ich, dass ich früher einem Missverständnis unterlegen bin, wenn ich mir vorgestellt habe, dass ich das geistige Leben auf andere Weise erreichen könnte, als dass ich es durch die Welten-Betrachtung gewinnen könnte und mir dadurch die schlummernden Kräfte, auf der ersten Stufe wenigstens, wecken lasse! Vier und drei sind innerhalb eines siebenjährigen Zyklus wieder eine wichtige Sache: Deshalb wurde innerhalb unserer Bewegung in den ersten vier Jahren an den Richtlinien und Grundrissen gearbeitet, und wurde in den letzten drei Jahren in das, was vorgesteckt war im allgemeinen Bauplan, nur hineingefügt, was dann in Bezug auf den realen Inhalt des Lebens wichtiger ist als die Grundlage. Aber um es zu erlangen, ist es notwendig, dass man die Grund- und Richtlinien sich zu eigen gemacht hat.
[ 8 ] Thus, it is always necessary for the serious theosophist to return to the original guiding principles and foundations, and it is precisely by making these guiding principles and foundations his own that he gains the opportunity to advance further and further. Anyone who had internalized these guiding principles and foundations during the first four years of our Spiritual Science movement here—in the way we have attempted to develop them over those four years— whoever had assimilated them in such a way that they were alive within him three years ago, that they were present within him, would have discovered in the three years that followed that what was further elaborated was no longer new, but rather [a development] toward practical application in all areas of life. He would have noticed that he absorbs this with complete ease, without difficulty in understanding and without misjudging the necessity of how one thing or another is to be understood. But he would have had another remarkable feeling after another three years… that is, today. He would have given himself the opportunity to say today: “I have, without even realizing it, entered into a completely new life of the soul: Now I know what spiritual life is. Now I know that I was previously under a misconception when I formed a mental image that I could attain spiritual life in any other way than by gaining it through the contemplation of the worlds and thereby allowing the slumbering powers—at least on the first level—to be awakened within me! Four and three are once again significant within a seven-year cycle: That is why, within our movement, the first four years were devoted to working on the guidelines and blueprints, and in the last three years, only what is more important in terms of the actual content of life than the foundation itself was incorporated into what had been laid out in the general blueprint. But in order to attain this, it is necessary to have made the foundations and guidelines one’s own.
[ 9 ] Und das sollte vor allen Dingen auch heute gesagt werden zu den lieben Mitgliedern unseres Berliner Zweiges, der ja als einer der ältesten Zweige in gewisser Weise Führer sein kann. Es sollte wieder insbesondere ans Herz gelegt werden allen denen, die da oder dort beteiligt sind an neuen Zweigbildungen; denn diese Dinge werden ja nicht aus einer Willkür heraus gemacht, sondern darum, weil sie vorbildlich sein sollen für neue Zweiggründungen: Es ist außerordentlich wichtig, dass man sich immer wieder vor die Seele schreibt, dass es nicht richtig ist, dasjenige, was Ausbau sein soll, den Leuten etwa zuerst zu bieten; sondern derjenige, der auf dem theosophischen Weg kommen soll in das geistige Leben, der muss es einfach dadurch können, dass er sich in einer gründlichen, ernsten und würdigen Weise die Richtlinien in der Seele aneignet.
[ 9 ] And this should be said above all today to the dear members of our Berlin branch, which, as one of the oldest branches, can in a certain sense serve as a leader. It should once again be particularly emphasized to all those who are involved here and there in the formation of new branches; for these matters are not undertaken arbitrarily, but rather because they are meant to serve as models for the establishment of new branches: It is extremely important to constantly remind oneself that it is not right to offer people, as it were, the very thing that is meant to be a further development; rather, those who are to enter spiritual life on the theosophical path must be able to do so simply by thoroughly, earnestly, and respectfully internalizing the guidelines in their souls.
[ 10 ] Wenn wir vor sieben Jahren zu arbeiten begonnen hätten mit einem kleinen oder größeren Häuflein von solchen Menschen, welche die tiefste Sehnsucht gehabt hätten nach der geistigen Welt, und diese Menschen — es hätten ja ebenso gut zehn wie eintausendfünfhundert sein können durch irgendein Ereignis zu gleicher Zeit von dieser Sehnsucht getrieben gewesen wären, wenn dieses Häuflein die Richtlinien mit Hingebung aufgenommen hätte, dann durch drei Jahre hindurch in diese Richtlinien das hineingepflanzt hätte, was in den letzten drei Jahren als Ausführung für die Lebenspraxis gegeben worden ist -, dann stünden wir jetzt, dadurch, dass wir, nachdem die meisten unserer lieben Freunde aus den Betrachtungen, die in Anlehnung an das Johannes-Evangelium gesprochen worden sind, etwas über die Begründung des Christentums und das Wesen des Christus gehört haben, nachdem die meisten, wenigstens in kurzer Wiederholung, die grundwesentlichen Tatsachen, die an das Lukas-Evangelium anknüpfen, noch dazugenommen hätten und aufgrund dessen, dass sie sich zu eigen gemacht hätten die Richt- und Grundlinien der «Theosophie», jetzt mit allem, was so erarbeitet worden ist, verbunden hätten das, was in Vorträgen, die die verschiedensten Kapitel des Lebens berührt haben, wie Erzichung, Krankheit, Moralprinzipien erwähnt worden ist, wenn das alles so wäre, und wenn wir nun gekrönt hätten das, was da war, durch die Tatsache, dass wir jetzt aufgenommen haben jene bedeutungsvollen Gesichtspunkte, die in Anlehnung an das Johannes- und Lukas-Evangelium gesagt worden sind, dann stünden wir jetzt davor, heranzugehen an die Betrachtung, die hinweist auf das MarkusEvangelium, und wir würden zuletzt aufsteigen können zur Betrachtung des Matthäus-Evangeliums. Dann würden wir anfangen, eine Ahnung zu haben von dem, was der Christus Jesus ist. Nun kann das natürlich in einer solchen Weise nicht der Fall sein, denn die Dinge können im Leben nicht so vollkommen sein. Da wir ja nicht ein solches Häuflein waren, das unter völligem Ausschluss aller störenden Umstände diese sieben Jahre gearbeitet hat, dadurch ist es immer wieder bei dem einen oder andern vorgekommen, dass er, nachdem er aufgenommen hatte das, was in den Vorträgen über die Christus-Wesenheit im Hinblick auf das Johannes-Evangelium gesagt worden ist, geglaubt hat, er wisse nun, was der Christus Jesus ist. Denn man könnte ja leicht glauben, dadurch dass über den Christus gesprochen worden ist, wisse man jetzt, um was es sich dabei handelt. Dann ist im Hinblick auf das Lukas-Evangelium gesprochen worden, und wiederum könnte jemand glauben: «Nun hat der Vortragende schon alles Mögliche gesagt, hat in den letzten drei Jahren so viel über den Christus gesprochen, im Anschluss an das JohannesEvangelium, hat auch über die dreißig ersten Jahre gesprochen in Anknüpfung an das Lukas-Evangelium - jetzt kann man sich doch ein Bild machen von den dreiunddreißig Wirkungsjahren des Christus Jesus auf der Erde ...» Wenn das so wäre, dann wäre es nicht notwendig gewesen, der Welt auch das Markus- und Matthäus-Evangelium zu geben.
[ 10 ] If seven years ago we had begun our work with a small or larger group of such people who had the deepest longing for the spiritual world—and if these people—whether ten or one thousand five hundred—had been driven by this longing at the same time due to some event, and if this group had embraced the guidelines with devotion, and then, over the course of three years, had instilled into those guidelines what has been given over the past three years as guidance for practical living—then we would now be in a position where, after most of our dear friends have heard, through the reflections based on the Gospel of John, something about the foundations of Christianity and the nature of Christ, after most of them had also taken in—at least in brief review—the fundamental facts connected to the Gospel of Luke, and because they had made their own the guiding principles and foundations of “Theosophy,” and had now integrated all that has been worked out with what was mentioned in lectures touching on the most diverse chapters of life—such as upbringing, illness, and moral principles—if all that were the case, and if we had now crowned what was already there with the fact that we have now taken in those significant perspectives that were expressed in reference to the Gospels of John and Luke, then we would now be poised to approach the contemplation that points to the Gospel of Mark, and we would ultimately be able to ascend to the contemplation of the Gospel of Matthew. Then we would begin to have a sense of who Christ Jesus is. Now, of course, this cannot be the case in such a way, for things in life cannot be so perfect. Since we were not, after all, a small group that worked for these seven years in complete isolation from all distracting circumstances, it has happened time and again that one person or another, after having taken in what was said in the lectures on the Christ-Essence with regard to the Gospel of John, believed that he now knew what Christ Jesus is. For one could easily believe that, simply because the Christ has been discussed, one now knows what it is all about. Then the Gospel of Luke was discussed, and again someone might think: “Now the lecturer has already said all sorts of things; over the past three years he has spoken so much about Christ in connection with the Gospel of John, and he has also spoken about the first thirty years in connection with the Gospel of Luke—now one can surely form a picture of the thirty-three years of Christ Jesus’ ministry on earth...” If that were the case, then it would not have been necessary to give the world the Gospels of Mark and Matthew as well.
[ 11 ] Wenn Sie vor allen Dingen auf die Gesinnung hinblicken wollen, von welcher aus die Betrachtungen gehalten worden sind in Anknüpfung an das Johannes- und Lukas-Evangelium, wenn Sie diese Gesinnungen ins Auge fassen wollen, so können sie nicht anders charakterisiert werden als so, dass diese Betrachtungen gesprochen worden sind von einem Gesichtspunkte, der etwa das Folgende sagt: «Das, was wir als die Christus-Jesus-Wesenheit bezeichnen, ist, soweit von ihr ein menschliches Verständnis überhaupt in unserer gegenwärtigen Zeit möglich ist, ein so Großes, so Umfassendes, Gewaltiges, dass eine Betrachtung nicht davon ausgehen kann, zu sagen in irgendeiner einseitigen Weise, wer der Christus-Jesus war, und welche Bedeutung seine Wesenheit für jeden einzelnen Menschengeist und für jede einzelne Seele hat; das würde geschienen haben in unsern Betrachtungen wie eine Unchrerbietung gegenüber dem größten Welten-Problem, das es gibt. Ehrerbietung und Ehrfurcht, das sind die Worte, welche jene Gesinnungen bezeichnen, von denen aus unsere Betrachtungen durchaus gegeben worden sind. Ehrfurcht und Ehrerbietung, die etwa sich ausdrücken könnten in der Stimmung: Versuche selber dasjenige, was menschliches Begreifen ist, gar nicht zu hoch zu stellen, wenn du dem größten Problem gegenübertrittst. Versuche selbst alles das, was dir eine noch so hohe Geisteswissenschaft geben kann, niemals zu hoch zu stellen, wenn es auch in die höchsten Regionen hinaufgeht, wenn es sich darum handelt, dem größten Problem des Lebens gegenüberzutreten. Und glaube nicht, dass ein menschliches Wort ausreichen würde, etwas anderes zunächst zu sagen als das, was dieses große und gewaltige Problem von einer Seite aus charakterisiert.
[ 11 ] If you wish, above all, to consider the mindset from which these reflections were made in connection with the Gospels of John and Luke—if you wish to take these mindsets into account—then they can only be characterized as follows: these reflections were spoken from a perspective that essentially states the following: “What we call the Christ-Jesus Being is—insofar as human understanding can even grasp it in our present time—so great, so all-encompassing, and so mighty that any reflection cannot presume to say, in any one-sided way, who Christ-Jesus was, and what significance his Being holds for every individual human spirit and for every individual soul; that would have appeared in our reflections as a lack of reverence toward the greatest problem in the world that exists. Respect and reverence—these are the words that describe the attitudes from which our reflections have been offered. Reverence and respect, which might be expressed in the following sentiment: Try not to place too high a value on human understanding itself when you face the greatest problem. Try never to overestimate anything that even the most advanced Spiritual Science can offer you, no matter how high it may ascend, when it comes to facing the greatest problem of life. And do not believe that a human word would suffice to say anything other than what characterizes this great and formidable problem from one perspective.
