The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250
15 December 1911, Berlin
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The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
47. Ein Esoterisch-Sozialer Zukunftsimpuls versuch zur «Stiftung» einer Gesellschaft für Theosophische Art und Kunst
47. An Esoteric-Social Impulse for the Future: An Attempt to “Establish” a Society for Theosophical Art and Culture
Ansprache von Rudolf Steiner bei der Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft
Speech by Rudolf Steiner at the General Assembly of the German Section of the Theosophical Society
Vorwort von Marie Steiner zu der 1947 von ihr herausgegebenen, privaten Vervielfältigung mit dem Titel «Ein durch Rudolf Steiner gegebener Zukunftsimpuls und was zunächst daraus geworden ist»:
Es erscheint als eine dringende Pflicht im Hinblick auf die Schwere der Zeit und den geringen Rest des verfügbaren Lebens, von Dr. Steiners Impulsen und Worten das zu retten, was noch gerettet werden kann. Dazu gehört auch manches von dem, was er nur in intimem Kreise im ernsthaften Gespräch, bei gewissen Wendepunkten der Ereignisse über die weiteren Aufgaben und Arbeitsziele der von ihm inaugurierten Bewegung, gesprochen hat. Nachschriften liegen vor, doch nicht vollzählig und vollständig. Auch wenn sie Lücken aufweisen und vielleicht manche feinere Nuance nicht darin aufgefangen ist, so kann man trotzdem gut nachempfinden, wie mannigfaltig, der zugewiesenen Aufgabe entsprechend, die Ausdrucksweise jeweils ist plastisch konturiert und fest, oder sich auflösend, durch die Sprache hindurch ahnen lassend ein Licht, das sich noch halb verhüllen muss, weil Worte nicht ausreichen. Es legt sich darüber wie ein leiser Flor, durch den aber die Impulse wirken können, welche in die Zukunft weisen. Richtkräfte für ein späteres Wirken legte er immer wieder in unsere Seelen, Zukunftskeime, die nach überstandenem Seelenschlaf sich lebendig würden entfalten können; durch die Hetze des Alltags wurden sie nur zu oft verschüttet oder vom Wirbel der Ereignisse erfasst und weggefegt. Unter den Seelen, die solche Zukunftskeime hatten entgegennehmen dürfen, gab es gewiss manche, aus denen sie einst zu neuem Leben und Ringen würden erstehen können; aber auch solche, die dem steinigen Boden des Evangelium-Bildes gleich - ihnen zunächst keine Nahrung bieten würden. Nicht nur die Natur, auch die Seelen sind der organischen Gesetzmäßigkeit unterworfen. Einiges von dem, was geistig in sie hineinfällt, verhärtet oder verdirbt, anderes erweist sich keimkräftig und wandelt sich um zu neuen Daseinsformen. Der Durchgang durch den Tod und das Untertauchen in das Chaos mit seinen durcheinandergewirbelten, wühlenden Kräften gibt die Gewähr für ein späteres Wiederaufleben des geistigen Einschlags durch Metamorphosen hindurch zu höheren Daseinsstufen. Im Mikrokosmos wie im Makrokosmos, im irdischen wie im planetarischen Dasein herrscht das Gesetz der Wandlung zu neuen Daseinsformen. Diesen Weg mitmachend und ihn je nach Rasse und Volkstum bildlich darlebend und erläuternd, haben die Religionen immer höhere Erkenntnisstufen erklommen, weltumfassend und dem Zeitenlauf gemäß hineinleuchtend in die verborgenen Tiefen. Als ein gewisser Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht worden war und zugleich die Gefahr der philosophischen Abstraktion eingetreten war, die alten Bilder und Zeichen nicht mehr genügten, um das neu pulsierende Leben einzufangen, vollzog sich der christliche Einschlag, der den großen Wendepunkt brachte. Doch als dieser aus dem Dunkel der Katakomben in die äußere Welt trat, begann auch die Gefahr seiner Verfestigung zu Dogmen, und die treibenden lebendigen Kräfte suchten sich neue Wege. Sie fanden sie in den Geheimgesellschaften, die sich der Autorität der Kirchenfürsten und den Konzilien-Beschlüssen nicht beugen wollten; nun wurden sie als Häresie selbst verfolgt. Ihr vor der Außenwelt sich verhüllender Inhalt lebte sich wiederum dar in Zeichen und Symbolen. Sie gaben der Kunst einen neuen Einschlag, der zunächst durch die Werke der gotischen Baukunst in Erscheinung trat; organisches Wachstum der Pflanze - dem Steine eingegliedert. Auch in die Namen floss das neue Leben hinein; diese enthielten das, was die Seele als Richtkräfte aufnehmen soll, um sich gesund entwickeln zu können, bevor sie die Selbstständigkeit erreicht. Aber die Erziehung der Menschheit zur Selbstständigkeit, in welche die neu erweckte Ich-Kraft sich zu ergießen hatte, verlangte erst den Durchgang durch den abstrakten Intellektualismus, der die Seelen eine Zeit lang von ihrem geistigen Urquell trennte, damit sie, durch die Kälte der Isolierung hindurchgehend, das höhere Ich ergreifend, sich im Geiste würden wiederfinden können. Das Wissen von der Natur, losgelöst vom Geiste, gibt der Seele keine Aufrichtekräfte mehr. Damit dies erlebt und erkannt werde, mussten Geister Welten brechen. Inmitten zerschlagener Welten stehen wir nun; ein neues Suchen nach Lösung der Schicksalsrätsel hat begonnen. Diesem Suchen und Fragen kann das Lebenswerk Rudolf Steiners Antwort geben. Er beherrschte den Umfang der heutigen exakten Wissenschaft; er kann uns auch den Geist enthüllen, der hinter ihr verborgen kraftet und in die alten Namen einst hineingeheimnisst war. Durch ihn vermögen wir die impulsierenden Kräfte zu erahnen, die hinter den Namen liegen. Rettungsplanken für den unvermeidlich sich nahenden Schiffbruch waren uns so gereicht worden, die zu ergreifen und zu benutzen wir nicht reif genug waren. Die Seelen waren nicht wach genug, waren noch in den alten Vorstellungen befangen. Die in sozialer Hinsicht gemachten Versuche stießen auf die härtesten Widerstände vonseiten der äußeren Welt. Ein gewaltiger Schmerz kann uns ergreifen, wenn wir sehen, wie wenig wir in der Lage waren, das Gebotene fruchtbar zu machen und geeignete Werkzeuge zu sein für den Feuergeist des in der Not gesandten Helfers. Auf den Trümmern zerschlagener Welten stehend, müssen wir nun versuchen, das erhaltene und nicht genügend feurig ergriffene Wort uns aus überbliebenen Nachschriftresten zum Bewusstsein zu bringen; durch individuelle Arbeit es zum Menschheits-Ich emporhebend. Rudolf Steiner versuchte nicht nur auf den Wegen der Philosophie und Wissenschaft uns zur Freiheit zu führen, sondern auch durch Erziehung innerhalb des esoterischen Lebens, die das alte Abhängigkeitsverhältnis vom Lehrer allmählich umwandeln würde in den Impuls der Freiheit und der Verantwortung vor dem Geiste. Seelen, die sich im Geist verankert fühlen, müssen geprüft werden. Solche selbstersehnte Prüfung ruft immer ein beschleunigtes Karma hervor; es muss auch das ans Licht, was sich noch gern vor sich selbst verhüllen möchte. An solchen Prüfungen scheiterten oft die aus tiefen kosmischen Gründen geholten Versuche geistiger Mächte, die zum Ziel haben, die Menschheitsentwicklung auf eine höhere Stufe zu heben. So war es bei der Französischen Revolution, so auch vor den Weltkriegen unseres Jahrhunderts.
Zu einem ganz kleinen Kreis seiner Schüler hatte Rudolf Steiner zuerst von solchen Zukunftsaufgaben gesprochen und die Seelen hinzulenken versucht auf die Bedeutung jener fernen Aufgaben, die aus einem von der Selbstsucht frei gewordenen Menschen-Wollen erwachsen müssen. Er wiederholte diese Worte vor einem größeren Kreis, den er anlässlich der Generalversammlung am 15. Dezember 1911 berief. Es geschah dies nicht innerhalb der Verhandlungen der Generalversammlung selbst; er erklärte, dass dies außerhalb ihres Programmes geschähe. Er begann diese Ansprache in einer besonders feierlichen und eindrucksvollen Weise. Es ist dies vielleicht der Grund, dass der erste Teil der Ansprache nur notiert, aber nicht mit seinen Worten wiedergegeben ist. Er betonte, dass der Inhalt dieses Vortrages ganz unabhängig sei von allem bisher Gegebenen. Es handle sich sozusagen um eine direkte Mitteilung aus der geistigen Welt. Es sei wie ein Ruf, der an die Menschheit herangebracht werde, - dann wird abgewartet, welches Echo ihm entgegenkommi. Solch ein Ruf geschähe in der Regel drei Mal. Verhalle der Ruf auch das dritte Mal ungehört, so sei er für lange Zeiten wieder in die geistige Welt zurückgenommen. Einmal sei dieser Ruf bereits an die Menschheit herangebracht worden, leider fand er kein Echo. Dieses sei das zweite Mal. Es handelt sich um rein geistige Dinge. Mit jedem vergeblichen Male werden die Bedingungen und Verhältnisse schwieriger. Fortsetzend, was als Merkworte in der Nachschrift erhalten ist, sagte er:
Foreword by Marie Steiner to the private publication she edited in 1947, titled “An Impulse for the Future Given by Rudolf Steiner and What Has Become of It So Far”:
In view of the gravity of the times and the little time remaining in our lives, it seems an urgent duty to preserve whatever can still be preserved of Dr. Steiner’s impulses and words. This includes much of what he spoke only in intimate circles during serious conversations, at certain turning points in events, regarding the future tasks and goals of the movement he had inaugurated. Transcripts are available, though they are neither exhaustive nor complete. Even if they contain gaps and perhaps fail to capture some of the finer nuances, one can still clearly sense how varied the manner of expression is—in keeping with the task at hand—at times vividly defined and firm, at other times dissolving, allowing a light to be sensed through the language, a light that must still remain half-concealed because words are insufficient. It settles over them like a soft veil, through which, however, the impulses that point toward the future can still take effect. Time and again, he planted guiding forces for future action in our souls—seeds of the future that, once the slumber of the soul had passed, would be able to unfold vibrantly; all too often, however, they were buried by the hustle and bustle of daily life or swept away by the whirlwind of events. Among the souls that had been allowed to receive such seeds of the future, there were certainly some from which they might one day spring forth into new life and struggle; but there were also those that, like the stony ground in the parable of the Gospel, would initially offer them no nourishment. Not only nature, but souls as well are subject to organic laws. Some of what enters them spiritually hardens or corrupts them, while other elements prove to be germinative and transform into new forms of existence. The passage through death and the immersion into chaos, with its swirling, churning forces, guarantees a later resurgence of the spiritual influence through metamorphoses toward higher levels of existence. In the microcosm as in the macrocosm, in earthly as in planetary existence, the law of transformation into new forms of existence prevails. By participating in this path and illustrating and explaining it figuratively according to race and ethnicity, religions have ascended to ever higher levels of knowledge, shedding light on the hidden depths in a way that is universal and in keeping with the course of time. When a certain culmination of this development had been reached and, at the same time, the danger of philosophical abstraction had arisen—such that the old images and symbols were no longer sufficient to capture the newly pulsating life—the Christian influence took hold, bringing about the great turning point. But when Christianity emerged from the darkness of the catacombs into the outer world, the danger of its solidification into dogma also arose, and the driving, living forces sought new paths. They found them in the secret societies that refused to bow to the authority of the church leaders and the decisions of the councils; now they themselves were persecuted as heresy. Their essence, concealed from the outside world, found expression once again in signs and symbols. These gave art a new direction, which first manifested itself in the works of Gothic architecture: the organic growth of the plant—incorporated into stone. This new life also flowed into names; these contained what the soul must absorb as guiding forces in order to develop healthily before attaining independence. But the education of humanity toward independence—into which the newly awakened “I”-force had to pour itself—first required a passage through abstract intellectualism, which separated souls from their spiritual source for a time, so that, passing through the coldness of isolation and grasping the higher “I,” they might find themselves again in the spirit. Knowledge of nature, detached from the spirit, no longer provides the soul with uplifting forces. For this to be experienced and recognized, spirits had to shatter worlds. We now stand amid shattered worlds; a new search for the solution to the riddles of destiny has begun. Rudolf Steiner’s life’s work can provide an answer to this search and these questions. He mastered the scope of today’s exact sciences; he can also reveal to us the spirit that works hidden behind them and was once enshrined in the ancient names. Through him, we are able to glimpse the impelling forces that lie behind the names. Lifelines for the inevitably approaching shipwreck had thus been extended to us, but we were not mature enough to grasp and make use of them. Our souls were not awake enough; they were still entangled in the old mental images. The attempts made in the social sphere met with the fiercest resistance from the outside world. A profound sorrow can overcome us when we see how little we were able to make fruitful use of what was offered and to serve as suitable vessels for the fiery spirit of the helper sent in our hour of need. Standing upon the ruins of shattered worlds, we must now attempt to bring to consciousness the Word we have received—but which we did not embrace with sufficient fervor—from the remaining fragments of written records; raising it up to the I of humanity through individual work. Rudolf Steiner sought to lead us to freedom not only through the paths of philosophy and science, but also through education within the esoteric life, which would gradually transform the old relationship of dependence on the teacher into an impulse toward freedom and responsibility before the Spirit. Souls that feel anchored in the Spirit must be tested. Such a self-sought test always brings about accelerated karma; that which still wishes to conceal itself from itself must also come to light. Such trials often caused the failure of attempts by spiritual powers—brought about for deep cosmic reasons—aimed at raising human development to a higher level. This was the case during the French Revolution, and likewise before the world wars of our century.
Rudolf Steiner had first spoken of such future tasks to a very small circle of his students and had tried to direct their attention to the significance of those distant tasks that must arise from human will freed from selfishness. He repeated these words before a larger gathering, which he convened on the occasion of the General Assembly on December 15, 1911. This did not take place within the proceedings of the General Assembly itself; he explained that it was taking place outside the assembly’s official program. He began this address in a particularly solemn and impressive manner. This is perhaps the reason why the first part of the address was only noted down but not reproduced in his own words. He emphasized that the content of this lecture was entirely independent of everything that had come before. It was, so to speak, a direct message from the spiritual world. It was like a call being brought to humanity—and then one waits to see what echo comes in response. Such a call usually occurs three times. If the call goes unheard even the third time, it is withdrawn back into the spiritual world for a long time. This call had already been brought to humanity once before; unfortunately, it found no echo. This is the second time. These are purely spiritual matters. With each futile attempt, the conditions and circumstances become more difficult. Continuing with what is preserved as key phrases in the postscript, he said:
Meine lieben Freunde!
My dear friends!
[ 1 ] Es obliegt mir zunächst, in diesem Augenblicke eine Intention aus dem engeren Kreis derjenigen, die schon davon wissen, hinauszutragen in Ihren weiteren Kreis. Und bevor dies geschieht, lassen Sie mich einige Worte vorausschicken. Ausdrücklich soll aber hervorgehoben werden, dass dasjenige, was jetzt gesagt wird, in keinerlei Zusammenhang steht mit dem, was in dieser Generalversammlung vorausgegangen ist, oder was sonst irgendwie sich bezieht auf die bisherigen Verhandlungen - wodurch ja nicht ausgeschlossen ist, wenn Neigung dazu sich finden sollte, darauf in späteren Verhandlungen Rücksicht zu nehmen.
[ 1 ] It falls to me, at this moment, to share an intention with your wider circle—one that has so far been known only to a smaller group of those already in the know. And before I do so, let me preface this with a few words. However, it should be expressly emphasized that what is about to be said has absolutely no connection to what has preceded in this General Assembly, or to anything else that relates in any way to the negotiations thus far—which does not preclude, should there be a inclination to do so, taking this into account in later negotiations.
[ 2 ] Wenn wir heute in der Welt Umschau halten, so werden wir uns sagen müssen: Die gegenwärtige Welt ist eigentlich voller Ideale. Und wenn wir uns fragen: «Ist die Vertretung dieser Ideale vonseiten derjenigen, die an sie glauben und sich in den Dienst dieser Ideale stellen, eine aufrichtige und ehrliche?», so werden wir in sehr vielen Fällen zu antworten haben: «Ja, das ist der Fall! Es ist der Fall eben mit jenem Glauben und jener Hingabe, deren die einzelnen Menschen fähig sind.» Wenn wir nun fragen: «Wie viel wird gewöhnlich verlangt, wenn eine solche Vertretung von Idealen durch irgendjemanden - sei es ein Einzelner, sei es eine Gesellschaft - ins Leben gerufen wird?», so werden wir aus der Beobachtung des Lebens heraus uns die Antwort zu geben haben: «In den meisten Fällen wird sozusagen alles verlangt; vor allen Dingen aber wird verlangt, dass das aufgestellte Ideal eine absolute, unbedingte Anerkennung finde.» Und es liegt fast immer der Aufstellung eines solchen Ideales das zugrunde, dass man für ein solches Ideal eben verlangt die absoluteste Zustimmung. Und gewöhnlich bringt man das Nicht-Erfolgen einer solchen Zustimmung zum Ausdruck in irgendeiner abfälligen Kritik über den Nicht-Zustimmenden.
[ 2 ] When we look around the world today, we must admit: The world today is actually full of ideals. And if we ask ourselves, “Is the advocacy of these ideals by those who believe in them and dedicate themselves to serving them sincere and honest?” then in very many cases we will have to answer, “Yes, that is the case! It is precisely the case with that faith and that devotion of which individual human beings are capable.” If we now ask: “How much is usually demanded when such a championing of ideals is undertaken by anyone—be it an individual or a society?” then, based on our observation of life, we will have to answer: “In most cases, everything is demanded, so to speak; but above all, it is demanded that the ideal set forth receive absolute, unconditional acceptance.” And the establishment of such an ideal is almost always based on the very fact that one demands the most absolute agreement for it. And usually, the failure to obtain such agreement is expressed through some form of disparaging criticism directed at those who disagree.
[ 3 ] Mit diesen Worten sollte charakterisiert werden, wie das Prinzip einer Zusammengliederung von Menschen sich nun einmal auf ganz naturgemäße Weise im Laufe der Menschheitsentwicklung ergeben hat, und es soll an der Berechtigung eines solchen Prinzipes in diesem Augenblicke in keiner Weise ein Zweifel laut gemacht werden. Aber es soll hier nun eine Möglichkeit vor Sie hingestellt werden, um zu alledem, was innerhalb der Zusammengliederungen von Menschen, Gesellschaften, Vereinen und so weiter angestrebt worden ist in der Welt, etwas hinzuzufügen, was eigentlich nicht in Worten ausgedrückt werden kann, da dasjenige, was man sagen kann, niemals maßgebend sein kann für die Richtigkeit einer solchen Sache. Nach dem, was der Mensch zu denken vermag, kann er in dem Augenblick, wo er das Gedachte äußert, durch die Äußerung selbst gezwungen werden, in einen Widerspruch zu verfallen mit der Wirklichkeit. Es muss gerade in diesem Augenblicke manches gesagt werden, was nicht in Übereinstimmung steht mit vielem, was in der Welt Geltung hat. So muss gesagt werden: Es ist möglich, dass das Bekenntnis zu einer Sache nicht länger mehr wahr sein kann, wenn dieses Bekenntnis ausgesprochen wird. Ein einfaches Beispiel möchte ich angeben, aus dem Sie ersehen können, dass die Gefahr vorliegen kann, einfach durch das Aussprechen einer Sache unwahr zu werden. Und ich möchte, dass das simple, einfache Beispiel, das ich gebe, aufgefasst werde in Übereinstimmung mit den rosenkreuzerischen Prinzipien seit dem 13. Jahrhundert.
[ 3 ] These words were intended to describe how the principle of human organization has, in a completely natural way, emerged in the course of human development, and there should be no doubt whatsoever at this moment regarding the validity of such a principle. But a possibility is now to be presented to you here, in order to add something to all that has been strived for within the structures of people, societies, associations, and so on in the world—something that cannot actually be expressed in words, since what can be said can never be decisive for the correctness of such a matter. According to what a person is capable of thinking, at the very moment he expresses his thoughts, he may be compelled by the very act of expression to fall into contradiction with reality. It is precisely at this moment that many things must be said that are not in accord with much of what is accepted in the world. Thus, it must be said: It is possible that a commitment to a cause can no longer be true once that commitment is voiced. I would like to give a simple example from which you can see that there may be a danger of something becoming untrue simply by being spoken. And I would like the simple, straightforward example I give to be understood in accordance with the Rosicrucian principles dating back to the 13th century.
[ 4 ] Nehmen wir an, es drückt jemand seinen Zustand der unmittelbaren Gegenwart dadurch aus, dass er sagt: «Ich schweige», so ist das etwas, was unbedingt nicht wahr sein kann, dass er keine Wahrheit damit sagt. Dann aber bitte ich Sie, meine lieben Freunde, sich klarzumachen, dass die Möglichkeit vorliegt, durch das wörtliche Bekenntnis einer Sache diese Sache bereits selber zu negieren. Denn aus dem, was hier durch das einfache, simple Beispiel «Ich schweige» zum Ausdruck gebracht ist, können Sie schließen, dass es auf Unzähliges in der Welt anwendbar ist und immer wieder und wieder vorkommen kann.
[ 4 ] Suppose someone expresses his state of the immediate present by saying, “I am silent”; this is something that cannot possibly be true—he is not stating any truth by saying it. But then I ask you, my dear friends, to realize that it is possible to negate something simply by verbally affirming it. For from what is expressed here through the simple example “I am silent,” you can conclude that this applies to countless things in the world and can occur again and again.
[ 5 ] Was folgt nun aber aus einer solchen Tatsache? Es folgt daraus, dass die Menschen, wenn sie in irgendeiner Weise sich zusammenschließen wollen, um dieses oder jenes zu vertreten, in einer außerordentlich schwierigen Lage sind, dass die Menschen mit dem Teuersten, was sie haben, sich überhaupt nicht zusammenschließen können, ausgenommen wenn die Gründe, warum sie sich zusammenschließen, solche sind, welche nicht der Sinnenwelt, sondern der übersinnlichen Welt angehören. Und wenn wir verstehen, was wir in uns aufnehmen konnten im Laufe der Zeit aus alledem, was aus dem neueren Okkultismus hervorgeholt worden ist, so werden wir einsehen, dass es eine unbedingte Notwendigkeit ist für die nächste Zukunft, gewisse Dinge dieses Okkultismus zu vertreten, sie vor die Welt hinzutragen. Daher muss gegenüber allen Prinzipien von Gesellschaften, gegenüber allen Organisationen, die bisher möglich waren, der Versuch gemacht werden mit etwas völlig Neuem, mit etwas, was ganz und gar aus dem Geiste desjenigen Okkultismus heraus geboren ist, von dem in unserem Kreise so oft gesprochen wird. Dies aber kann nicht anders getan werden als dadurch, dass einmal der Blick gewendet werde einzig und allein auf etwas Positives, einzig und allein auf etwas, das schon als ein Reales in der Welt da ist und was als solches gepflegt werden kann. Realitäten aber sind ja in unserem Sinne nur diejenigen Dinge, die in erster Linie der übersinnlichen Welt angehören. Denn die ganze sinnliche Welt stellt sich uns dar als Abbild der übersinnlichen Welt. Daher wird einmal der Versuch gemacht werden, der ein solcher ist, wie sie gemacht werden müssen aus der übersinnlichen Welt heraus: der Versuch, eine Gemeinschaft von Menschen nicht zu begründen, sondern zu stiften.
[ 5 ] But what follows from such a fact? It follows that when people wish to unite in any way to advocate for this or that, they find themselves in an extraordinarily difficult situation; that people cannot unite at all with regard to the most precious thing they possess, unless the reasons for their union belong not to the sensory world but to the supersensory world. And if we understand what we have been able to take in over time from all that has been brought to light by modern occultism, we will realize that it is an absolute necessity for the near future to advocate certain aspects of this occultism and to present them to the world. Therefore, in contrast to all the principles of societies and all the organizations that have been possible up to now, an attempt must be made with something entirely new—something born entirely from the spirit of that occultism of which we speak so often in our circle. But this can be done only by turning our gaze once and for all to something positive, solely to something that already exists as a reality in the world and that can be cultivated as such. But realities, in our sense, are only those things that belong primarily to the supersensible world. For the entire sensory world presents itself to us as a reflection of the supersensible world. Therefore, an attempt will be made—one that must be made from within the supersensible world: the attempt not to establish, but to found, a community of people.
[ 6 ] Ich habe schon einmal bei einer anderen Gelegenheit den Unterschied zwischen Begründung und Stiftung hervorgehoben; es war vor vielen Jahren einmal. Es ist dazumal nicht verstanden worden und es hat seit jener Zeit kaum jemand über diesen Unterschied nachgedacht. Daher sahen auch diejenigen geistigen Mächte, welche vor Sie hingestellt werden unter dem Symbolum des Rosenkreuzes, bisher hinweg über das Hinaustragen dieses Unterschiedes in die Welt.
[ 6 ] I have already emphasized the difference between “begründung” and “Stiftung” on another occasion; that was many years ago. It was not understood at the time, and since then hardly anyone has given this distinction any thought. For this reason, even those spiritual powers that are presented to you under the symbol of the Rose Cross have, until now, overlooked the need to convey this distinction to the world.
[ 7 ] Es muss aber neuerdings - und diesmal in einer energischen Weise — der Versuch gemacht werden, ob es gelingt, auch bei einer Gemeinschaft, die nicht begründet, sondern gestiftet wird, einen Erfolg zu erzielen. Wird dieser Erfolg nicht erzielt, nun, so ist er wieder für eine Weile gescheitert. Daher soll Ihnen in diesem Augenblicke verkündet werden, dass unter denjenigen Menschen, die sich in entsprechender Weise dazu finden werden, gestiftet werden soll eine Arbeitsweise, welche durch die Art und Weise der Stiftung zum direkten Ausgangspunkt hat diejenige Individualität, die wir seit den abendländischen Vorzeiten mit dem Namen Christian Rosenkreutz belegen. Dasjenige, was heute schon über diese Stiftung gesagt werden kann, das bleibt präliminarisch. Denn was bisher gestiftet werden konnte, bezieht sich nur auf einen Teil dieser Stiftung, die in einem umfassenden Sinne, wenn die Möglichkeiten gegeben sind, in die Welt treten soll. Das, was bisher gestiftet werden konnte, bezieht sich auf die eine Abteilung, auf den einen Zweig dieser Stiftung, nämlich auf die künstlerische Vertretung des rosenkreuzerischen Okkultismus.
[ 7 ] However, a new attempt must now be made—and this time in a vigorous manner—to see whether success can be achieved even with a community that is not founded but rather established. If this success is not achieved, well, then it has failed once again for a while. Therefore, let it be announced to you at this very moment that, among those people who will come together in an appropriate manner, a way of working is to be established which, by the very nature of its establishment, takes as its direct starting point the individuality that we have, since ancient Western times, identified by the name Christian Rosenkreutz. What can already be said today about this foundation remains preliminary. For what has been established so far relates only to one part of this foundation, which, in a comprehensive sense, is to be brought into the world when the possibilities arise. What has been established so far relates to one department, to one branch of this foundation, namely, the artistic representation of Rosicrucian occultism.
[ 8 ] Der erste Punkt, den ich Ihnen mitzuteilen habe, ist der, dass unter dem unmittelbaren Protektorat jener Individualität, die wir bezeichnen mit dem Namen, den sie während zweier Inkarnationen für die Außenwelt hatte, dass unter dem Protektorat dieser Individualität Christian Rosenkreutz als Stiftung ins Leben treten soll eine Arbeitsweise, welche zunächst dadurch sich charakterisieren will, dass sie für einige Zeit, für die nächste Zeit, den provisorischen Namen tragen soll: «Gesellschaft für theosophische Art und Kunst». Dieser Name ist nicht der definitive, sondern es wird ein definitiver Name an die Stelle treten, wenn in entsprechender Weise die ersten Vorbereitungen für das Hinaustragen dieser Stiftung in die Welt haben gemacht werden können. Dasjenige, was umfassen soll die «theosophische Art», das ist aber noch völlig im Keimzustande, denn es wird sich erst darum handeln, dass noch die Vorbereitungen dazu getroffen werden, die zu einem Verständnis führen können dessen, was damit gemeint ist. Das aber, was unter dem Begriff der theosophischen Kunst gefasst werden kann, hat ja in mannigfaltiger Weise schon einen Anfang genommen durch unsere Versuche bei den Aufführungen in München, und vor allen Dingen einen bedeutungsvollen Anfang genommen durch den Versuch unserer Stätte in Stuttgart und einen weiteren bedeutungsvollen Anfang in Bezug auf das Verständnis einer solchen Sache gerade durch die Begründung des Johannes-Bauvereins. Das ist alles etwas, das einen Anfang genommen hat. In Bezug darauf ist etwas da, dem als in einer gewissen Weise Erprobtem die Sanktion erteilt werden darf.
[ 8 ] The first point I have to share with you is that under the direct patronage of that Individuality whom we designate by the name she bore to the outside world during two incarnations—that under the patronage of this Individuality, Christian Rosenkreutz is to establish a foundation whose mode of operation will initially be characterized by the fact that, for a time—for the immediate future—it will bear the provisional name: “Society for Theosophical Art and Culture.” This name is not the definitive one; rather, a definitive name will take its place once the initial preparations for bringing this foundation out into the world have been made in an appropriate manner. What “theosophical art” is intended to encompass is still entirely in its infancy, for the first task will be to make the necessary preparations that can lead to an understanding of what is meant by it. However, what can be encompassed by the term “theosophical art” has already begun in many ways through our experiments with the performances in Munich, and above all has made a significant start through the experiment at our site in Stuttgart, as well as another significant step toward understanding such a matter precisely through the founding of the Johannes Building Association. All of this represents a beginning. In this regard, there is something here that, having been tested in a certain sense, may be given approval.
[ 9 ] Es handelt sich darum, dass innerhalb des Arbeitskreises eine rein geistige Aufgabe erwachen soll, eine Aufgabe, welche sich erschöpfen wird in einer geistigen Arbeitsweise und in dem, was resultiert aus einer solchen geistigen Arbeitsweise. Und es handelt sich darum, dass niemand unter einem anderen Gesichtspunkte Mitglied werden kann dieses Arbeitskreises, als allein dadurch, dass er irgendwelchen Willen hat, für das Positive der Sache seine Kräfte einzusetzen. Sie werden vielleicht sagen: Ich spreche mannigfache Worte, die vielleicht nicht ganz verständlich sind. Das muss so sein bei einer solchen Sache wie die, um welche es sich dabei handelt, denn die Sache muss erfasst werden in ihrem unmittelbaren Leben.
[ 9 ] The point is that a purely spiritual task should arise within the working group—a task that will be fulfilled through a spiritual approach to work and in what results from such an approach. And the point is that no one can become a member of this working group from any other perspective than solely by having the will to devote their energies to the positive aspects of the cause. You may say: I am speaking in many different ways that may not be entirely understandable. This must be the case with a matter such as the one at hand, for the matter must be grasped in its immediate reality.
[ 10 ] Nun, dasjenige, was schon geschehen konnte innerhalb dieser Stiftung, besteht eigentlich darin, dass nach rein okkulten Grundsätzen ein zunächst ganz kleiner, winzig kleiner Kreis geschaffen wurde, welcher seine Verpflichtung darin sehen soll, mitzuwirken an dem, worum es sich dabei handelt. Dieser winzig kleine Kreis ist zunächst so beschaffen, dass mit ihm ein Anfang gemacht werden soll für diese Stiftung, um in einem gewissen Sinne dasjenige, was unsere geistige Strömung ist, von mir selber abzulösen und ihr einen eigenen, in sich selbst begründeten Bestand zu geben, einen in sich selbst begründeten Bestand!
[ 10 ] Well, what has already been accomplished within this foundation is, in fact, the creation—based on purely occult principles—of a circle that is, at first, quite small, indeed tiny, whose purpose is to contribute to the cause at hand. This tiny circle is initially designed to serve as a starting point for this foundation, so that, in a certain sense, what constitutes our spiritual movement may be separated from myself and given its own, self-sustaining existence—a self-sustaining existence!
[ 11 ] Sodass also zunächst dieser kleine Kreis mit der Sanktion vor Sie hintritt, dass er als solcher seine Aufgabe empfangen hat, vermöge seiner eigenen Anerkennung unserer geistigen Strömung, und dass er in einer gewissen Weise das Prinzip der Souveränität des geistigen Strebens, das Prinzip des Föderalismus und der Selbstständigkeit alles geistigen Strebens als die unbedingte Notwendigkeit für die geistige Zukunft sieht, und es in der Art, wie er es für angemessen hält, in die Menschheit hineintragen soll. Daher werde ich selbst innerhalb der Stiftung, um die es sich handelt, nur zu gelten haben als der Interpret zunächst der Grundsätze, die als solche nur in der geistigen Welt allein vorhanden sind, als Interpret desjenigen, was auf diese Weise zu sagen ist über die Intentionen, die der Sache zugrunde liegen.
[ 11 ] So, first of all, this small circle steps before you with the assurance that it has received its mission as such, by virtue of its own recognition of our spiritual movement, and that, in a certain sense, it views the principle of the sovereignty of spiritual striving—the principle of federalism and the autonomy of all spiritual striving—as an absolute necessity for the spiritual future, and is to carry this into humanity in the manner it deems appropriate. Therefore, even within the foundation in question, I myself will have to be regarded merely as the interpreter—first and foremost of the principles that, as such, exist only in the spiritual world—and as the interpreter of what must be said in this way about the intentions underlying the matter.
[ 12 ] Dagegen wird zunächst ein Kurator bestellt für die äußere Pflege dieser Stiftung. Und da mit den Ämtern, die zunächst kreiert werden, nichts anderes verbunden ist als Pflichten, keine Ehren, keine Würden, so ist es unmöglich, dass bei dem richtigen Verständnis der Sache irgendwelche Rivalitäten oder andere Missverständnisse sogleich auftreten können. Es wird sich also darum handeln, dass von der Stiftung selber Fräulein von Sivers als Kurator zunächst anerkannt wird. Diese Anerkennung ist keine
[ 12 ] To this end, a trustee will first be appointed to oversee the external administration of this foundation. And since the offices that are initially created entail nothing but duties—no honors, no titles—it is impossible that, given a proper understanding of the matter, any rivalries or other misunderstandings could arise immediately. The matter, therefore, will be that Miss von Sivers is initially recognized as curator by the foundation itself. This recognition is not
[ 13 ] andere als diese, welche aus der Stiftung selbst heraus interpretiert wird; es gibt keine Ernennungen, sondern nur Interpretationen: Fräulein von Sivers wird als Kurator der Stiftung interpretiert. Und es wird in der nächsten Zeit ihre Aufgabe sein, dasjenige zu tun, was getan werden kann im Sinne dieser Stiftung, um für dieselbe einen entsprechenden Kreis von Mitgliedern zu werben - nicht im äußerlichen Sinne, sondern nur so, dass sie herankommen lassen wird an sich diejenigen, welche den ernstlichen Willen haben, in dieser Arbeitsweise mitzutun.
[ 13 ] other than this one, which is interpreted based on the foundation itself; there are no appointments, only interpretations: Miss von Sivers is interpreted as the foundation’s curator. And in the near future, it will be her task to do whatever can be done in the spirit of this foundation to attract a suitable circle of members—not in a superficial sense, but only in such a way that she will allow those who have a sincere desire to participate in this way of working to come forward.
[ 14 ] Im weiteren Sinne werden kreiert innerhalb dieses einen Zweiges dieser unserer Stiftung eine Anzahl von Nebenzweigen. Und zu führenden Persönlichkeiten dieser Nebenzweige - insofern dieselben bisher bestehen - werden wiederum einzelne innerhalb unserer geistigen Bewegung erprobte Persönlichkeiten mit den entsprechenden zugehörigen Verpflichtungen hingestellt werden. Auch das ist zunächst eine Interpretierung, in der Weise, dass übertragen wird das Amt der Führung eines solchen einzelnen Nebenzweiges einer Persönlichkeit. Interpretiert werden für diese einzelnen Nebenzweige je ein Archidiakon. Wir werden haben einen Nebenzweig für allgemeine Kunst. Zum Archidiakon wurde im kleinen Kreis publiziert für allgemeine Kunst - und zwar geschah das in ausdrücklicher Anerkennung dessen, was diese Persönlichkeit im Laufe der letzten Jahre für diese allgemeine theosophische Kunst getan hat: Fräulein von Eckardtstein. Weiter wurde publiziert zum Archidiakon für Literatur provisorisch der Kurator Fräulein von Sivers. Weiter wurde publiziert, dass Archidiakon für Kunst der Architektur sein soll unser Freund Herr Doktor Felix Peipers; für Kunst der Musik unser Freund Herr Adolf Arenson; für Malerei unser Freund Herr Hermann Linde.
[ 14 ] In a broader sense, a number of sub-branches will be created within this one branch of our foundation. And as leaders of these sub-branches—insofar as they currently exist—individuals who have proven themselves within our spiritual movement will be appointed, along with the corresponding responsibilities. This, too, is initially an interpretation, in the sense that the office of leadership of such an individual sub-branch is entrusted to a specific individual. An archdeacon will be appointed for each of these individual sub-branches. We will have a sub-branch for general art. Miss von Eckardtstein was appointed Archdeacon for general art in a small gathering—and this was done in explicit recognition of what she has done for this general theosophical art over the past few years. Furthermore, the curator Miss von Sivers was provisionally appointed as Archdeacon for Literature. It was also announced that our friend Dr. Felix Peipers is to serve as Archdeacon for the art of architecture; our friend Mr. Adolf Arenson for the art of music; and our friend Mr. Hermann Linde for painting.
[ 15 ] Es ist ja die Arbeit, um die es sich da handeln soll, eine im Wesentlichen innere, und es wird zum ersten Mal dasjenige vor die Welt treten sollen, was in absoluter Freiheit gehaltene Arbeit besonders dieser einzelnen Persönlichkeiten ist. Es wird notwendig sein, dass in einer gewissen Weise ein Zusammenschluss derjenigen, die zu dieser Arbeitsweise gehören, erfolgen kann; dieser Zusammenschluss wird erfolgen müssen in einer ganz anderen Weise als das bisher der Fall war bei irgendwelchen Organisationen. Und wir werden brauchen einen Überwacher dieses Zusammenschlusses. Zum Überwachen dieses Zusammenschlusses wird kreiert die Stelle des Konservators, die als Amt zunächst übertragen wird Fräulein Sophie Stinde. In Verbindung stehen wird mit diesem Zusammenschluss selber die Art, wie der Zusammenschluss zu erfolgen hat. Das alles erfordert noch Arbeit in der nächsten Zeit; sie wird noch geleistet werden müssen. Damit aber die Art des Zusammenschlusses, mit anderen Worten das Prinzip der Organisation, wird erfolgen können, in die Welt treten können, haben wir notwendig einen Siegel-Konservator. Zum Siegel-Konservator wurde publiziert Fräulein Sprengel, während Sekretär sein wird Doktor Carl Unger.
[ 15 ] It is, after all, the work itself that is at issue here—work that is essentially inner—and for the first time, what constitutes the work of these individual personalities, carried out in absolute freedom, is to be revealed to the world. It will be necessary for those who adhere to this way of working to come together in some way; this association will have to take place in a completely different way than has been the case so far with any organizations. And we will need a supervisor for this association. To oversee this association, the position of Curator is being created, a role that will initially be entrusted to Miss Sophie Stinde. The very nature of how the association is to be formed will be connected to the association itself. All of this still requires work in the near future; it will still have to be done. However, in order for the nature of the merger—in other words, the principle of the organization—to be realized and come into being, we necessarily need a Seal Curator. Miss Sprengel has been appointed Seal Curator, while Dr. Carl Unger will serve as Secretary.
[ 16 ] Das ist zunächst der kleine, winzige Kreis, um den es sich handelt. Betrachten Sie ihn nicht als irgendetwas, was unbescheiden in die Welt treten will und sagt: «Da bin ich nun», sondern betrachten Sie ihn als etwas, was nichts anderes sein will als ein Keim, um den herum sich die Sache selbst gliedern kann. Sie wird sich zunächst so gliedern, dass bis zum kommenden Dreikönigstage eine Anzahl von Mitgliedern dieser Gemeinschaft interpretiert sein werden; das heißt, es werden bis dahin eine Anzahl von Mitgliedern die Verständigung bekommen haben, dass sie zunächst gebeten werden, ihren Anschluss besorgen zu wollen. Sodass für die allererste Zeit die allerweitestgehende Freiheit in dieser Beziehung gesichert werden soll dadurch, dass der Wille, Mitglied zu werden, von niemand anderem ausgehen kann als von dem Betreffenden selbst, der Mitglied werden will. Und die Tatsache, dass er Mitglied ist, wird dadurch herbeigeführt, dass er zunächst als solches Mitglied anerkannt wird. Das bezieht sich nur auf das Allernächste, nur für die Zeit bis zum nächsten Dreikönigstag, dem 6. Januar 1912.
[ 16 ] This, to begin with, is the small, tiny circle in question. Do not view it as something that wants to stride immodestly into the world and say, “Here I am,” but rather view it as something that wants to be nothing more than a seed around which the matter itself can take shape. It will initially take shape in such a way that, by the coming Feast of the Epiphany, a number of members of this community will have been identified; that is to say, by then a number of members will have been informed that they are initially being asked to arrange their own membership. Thus, for the very earliest period, the greatest possible freedom in this regard is to be ensured by the fact that the will to become a member can come from no one other than the person concerned who wishes to become a member. And the fact that he is a member is brought about by his first being recognized as such. This applies only to the immediate future, only for the period until the next Epiphany, January 6, 1912.
[ 17 ] So also haben wir in dieser Sache etwas vor uns, was ja durch seine Eigenart eben sich schon verrät als etwas, was aus der geistigen Welt herausfließt. Es wird weiter sich dadurch als aus der geistigen Welt fließend darstellen, dass die Mitgliedschaft lediglich immerzu nur beruhen wird auf der Vertretung und auf der Anerkennung geistiger Interessen und auf der Ausschließung alles, alles Persönlichen.
[ 17 ] So, in this matter, we are faced with something that, by its very nature, reveals itself to be something that flows from the spiritual world. It will further reveal itself as flowing from the spiritual world in that membership will always and exclusively be based on the representation and recognition of spiritual interests and on the exclusion of everything—absolutely everything—personal.
[ 18 ] Es besteht hier eine Abweichung von älteren okkulten Grundsätzen, die bei dieser Verkündigung gemacht wird, und diese Abweichung besteht gerade in der Tatsache dieser Verkündigung. Daher wird kein Gebrauch gemacht werden von jener Behauptung, die etwa vorläge bei einem Menschen, wenn er sagen würde, indem er dies auf die Gegenwart bezieht: «Ich schweige.» Die Sache wird ja verkündet; und im Vollbewusstsein, dass sie verkündet wird, soll dies geschehen. Aber in dem Augenblick, wo jemand zeigt, dass er in irgendeiner Weise kein Verständnis hat für diese heutige Verkündigung, wird ihm ja selbstverständlich durchaus nicht in irgendeiner Weise nahegelegt werden können, einer solchen Arbeitsweise - ich sage nicht einer Gesellschaft oder dergleichen - anzugehören. Denn es kann nichts anderes geben als den absolut freien Willen, einem solchen Kreis, einer solchen Arbeitsweise anzugehören. Sie werden aber sehen, dass, wenn so etwas zustande kommen sollte - wenn also unsere Zeit durch ihre Eigentümlichkeit schon zulässt, dass so etwas zustande kommt -, dass dann wirklich im Sinne der Anerkenntnis des geistigen Grundsatzes gearbeitet werden kann; des Grundsatzes, dass nicht nur aller Natur und aller Geschichte, sondern auch allem in die Welt tretenden menschlichen Tun die geistige, übersinnliche Welt zugrunde liegt. Und Sie werden sehen, dass es für jeden ordentlichen Menschen unmöglich sein wird, einer solchen Gemeinschaft anzugehören, wenn er nicht mit dieser Gemeinschaft als solcher einverstanden ist. Wenn Sie meinen, es sei etwas recht Merkwürdiges, was da gesagt worden ist, dann bitte ich, nehmen Sie es so, dass es mit dem vollen Bewusstsein geschehen
[ 18 ] There is a deviation here from older occult principles that is made in this proclamation, and this deviation consists precisely in the fact of this proclamation itself. Therefore, no use will be made of that assertion which might apply to a person if he were to say, referring to the present moment: “I remain silent.” The matter is, after all, being proclaimed; and this is to take place in full awareness that it is being proclaimed. But the moment someone shows that they have no understanding whatsoever of this present proclamation, it will of course be impossible to suggest to them in any way that they should belong to such a way of working—I am not speaking of a society or the like. For there can be nothing other than absolutely free will to belong to such a circle, to such a way of working. You will see, however, that if something like this were to come about—that is, if the nature of our times were to allow for such a thing to happen—then work could truly be carried out in the spirit of acknowledging the spiritual principle; the principle that the spiritual, supersensible world underlies not only all of nature and all of history, but also all human activity that enters the world. And you will see that it will be impossible for any decent person to belong to such a community unless they agree with this community as such. If you think what has been said here is rather strange, then I ask you to take it as having been said with full awareness
[ 19 ] ist, dass dabei alles eingehalten wird, was zu den Gesetzen, zu den ewigen Gesetzen des Daseins gehört. Und zu den ewigen Gesetzen des Daseins gehört auch, dass man die Prinzipien des Werdens in Betracht zieht. Man kann, meine lieben Freunde, schon in diesem Augenblick gegen den Geist dessen, was da geschehen soll, sündigen, wenn man jetzt in
[ 19 ] is that everything that pertains to the laws—the eternal laws of existence—is observed in the process. And part of the eternal laws of existence is also that one takes into account the principles of becoming. My dear friends, one can sin against the spirit of what is to happen even at this very moment if one now, in
[ 20 ] die Außenwelt hinausgeht und sagt: Da ist dies oder jenes gegründet worden. Nicht nur, dass überhaupt nichts gegründet worden ist, sondern es liegt die Tatsache vor, dass, eine Definition zu geben dessen, was getan werden soll, in keiner Stunde möglich sein wird, denn alles soll in fortwährendem Werden sein. Und was eigentlich durch das, was heute gesagt worden ist, geschehen soll, das kann man jetzt nicht beschreiben, davon kann man jetzt keine Definition, keine Schilderung geben und alles, was man darüber sagen würde, würde in dem Momente unwahr sein. Denn es beruht das, was geschehen soll, nicht auf Worten, sondern auf Menschen, und nicht einmal auf Menschen, sondern auf demjenigen, was diese Menschen tun werden. Es wird in einem lebendigen Flusse, einem lebendigen Werden sein. So wird denn auch heute als Grundsatz nichts anderes aufgestellt als der eine Grundsatz, der darin besteht: Anerkennung der geistigen Welt als der Grundwirklichkeit.
[ 20 ] goes out into the outside world and says: This or that has been established. Not only has nothing at all been established, but the fact is that it will never be possible to define what is to be done, because everything is to be in a state of constant becoming. And what is actually supposed to happen as a result of what has been said today—that cannot be described now; no definition or description of it can be given at this moment, and anything one might say about it would be untrue the very instant it was spoken. For what is to happen does not rest on words, but on people—and not even on people, but on what these people will do. It will be a living flow, a living process of becoming. Thus, the only principle established today is this one: the recognition of the spiritual world as the fundamental reality.
[ 21 ] Alle weiteren Grundsätze sollen im Werden der Sache erst geschaffen werden. Wie ein Baum im nächsten Augenblicke nicht mehr das ist, was er vorher war, sondern Neues angesetzt hat, so soll diese Sache wie ein lebendiger Baum sein. Niemals soll dasjenige, was diese Sache werden soll, durch dasjenige, was sie ist, in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden können. Wenn also irgendjemand das, was damit als ein Anfang bezeichnet worden ist, als diese oder jene Begründung, diese oder jene Sache draußen in der Welt definieren wollte, dann würde er unmittelbar unterliegen der gleichen Unwahrheit, die da liegt in dem Ausdruck «Ich schweige», wenn er ihn bezieht auf den Zustand, in dem er ist und die Worte gebraucht «Ich schweige». Der also, der in irgendeiner Weise diese oder jene Worte gebraucht, um die Sache zu charakterisieren, der sagt unter allen Umständen etwas nicht Richtiges. Sodass also zunächst es lediglich darauf ankommt - denn es wird alles im Werden sein -, dass die Persönlichkeiten sich zusammenfinden, die so etwas wollen. Lediglich darauf kommt es an, dass diejenigen Persönlichkeiten sich zusammenfinden, die so etwas wollen. Dann wird die Sache schon weitergehen! Aus alledem, was gesagt worden ist, können Sie entnehmen, dass die Sache dann schon weitergehen wird. Sie wird sich im tiefsten Prinzip unterscheiden auch von dem, was die Theosophische Gesellschaft ist. Denn kein Einziges der Merkmale, die heute ausgesprochen worden sind, können für die Theosophische Gesellschaft gelten.
[ 21 ] All other principles are to be created as the thing comes into being. Just as a tree, in the very next moment, is no longer what it was before but has begun something new, so this thing is to be like a living tree. What this thing is to become must never be compromised in any way by what it is. If, therefore, anyone were to attempt to define what has been designated as a beginning—as this or that justification, this or that thing out there in the world—he would immediately fall prey to the same untruth that lies in the expression “I am silent” when he applies it to the state in which he finds himself and uses the words “I am silent.” Therefore, anyone who uses these or those words in any way to characterize the matter is, under all circumstances, saying something that is not true. So, for the time being, the only thing that matters—since everything will be in the process of becoming—is that the personalities who desire such a thing come together. The only thing that matters is that those personalities who desire such a thing come together. Then the matter will take its course! From all that has been said, you can infer that the matter will then proceed on its own. It will differ, in its deepest essence, even from what the Theosophical Society is. For not a single one of the characteristics mentioned today can apply to the Theosophical Society.
[ 22 ] Ich musste über diese Sache sprechen aus dem einfachen Grunde, weil ja auch vor die Öffentlichkeit unserer Theosophischen Gesellschaft diejenigen Dinge schon hingetreten sind, welche mit dieser Stiftung in einem organischen Zusammenhange stehen und weil durch diese Stiftung - im Sinne von Intentionen, die wahrlich nicht in der physischen Welt liegen und die wahrlich nichts mit Ahriman zu tun haben - ein ideell-spirituelles Gegengewicht geschaffen werden muss gegen alles dasjenige, was nun schon einmal mit einer Gründung in der äußeren Welt verbunden ist. Lediglich also in dieser Beziehung kann eine Relation, ein Verhältnis gesehen werden mit dem, was schon da ist, dass dieser Zweig unserer Stiftung, der Zweig für theosophische Kunst, etwas leisten soll, was ein Gegengewicht ist für das, was auf dem physischen Plan mit Ahrimanischem verknüpft ist.
[ 22 ] I had to speak about this matter for the simple reason that matters organically connected to this foundation have already come to the attention of the public within our Theosophical Society, and because through this foundation —in the sense of intentions that truly do not lie in the physical world and that truly have nothing to do with Ahriman—an ideal-spiritual counterbalance must be created against everything that is already connected with an institution in the outer world. It is only in this respect, therefore, that a connection can be seen with what already exists: that this branch of our foundation—the branch for Theosophical Art—is to accomplish something that serves as a counterbalance to that which is linked to the Ahrimanic on the physical plane.
[ 23 ] Damit wird gehofft, dass ein vorzügliches Exempel geschaffen wird durch das Vorhandensein dieses Zweiges unserer Stiftung - und der andere Zweig wird in entsprechender Weise seine Dienste tun -, weil tatsächlich aus spirituellen Welten hereinfließen muss in unsere Kultur dasjenige, was als Kunst innerhalb der theosophischen Bewegung- wenn wir diesen Ausdruck heute gebrauchen - figurieren soll. Es muss so sein, dass überall das spirituelle Leben als die Grundlage dessen, was wir tun, ganz dasteht. Es wird unmöglich sein zu konfundieren, zu verwechseln mit dieser ideell-spirituellen Bewegung irgendwelche Bewegungen, die von der äußeren Welt herkommen und sich etwa auch als «Theosophische Bewegung» bezeichnen und mittun wollen. Es wird sich darum handeln, dass überall der Boden, auf dem wir stehen, das Spirituelle ist. Dies wurde ja versucht bei den Festspielen in München, beim Logenbau in Stuttgart - in den Grenzen zunächst, in denen es bei den jetzigen Verhältnissen möglich ist -, aber es wurde überall so versucht, dass das spirituelle Moment das Maßgebende war. Das ist die conditio sine qua non, die Bedingung, ohne welche nichts geschehen soll [Lücke in den Mitschriften).
[ 23 ] It is hoped that an excellent example will be set by the existence of this branch of our foundation—and the other branch will serve in a corresponding manner—because what is to figure as art within the Theosophical Movement—if we use that term today—must indeed flow into our culture from the spiritual worlds. It must be the case that spiritual life stands fully as the foundation of everything we do. It will be impossible to confuse or mix up this ideal-spiritual movement with any movements that come from the outer world and may also call themselves the “Theosophical Movement” and wish to participate. The point will be that, everywhere, the ground on which we stand is the spiritual. This was indeed attempted at the festival in Munich, at the lodge building in Stuttgart—within the limits that are possible under current circumstances—but it was attempted everywhere in such a way that the spiritual element was the determining factor. That is the conditio sine qua non, the condition without which nothing should happen [gap in the notes].
[ 24 ] Diejenigen, welche schon ein wenig eingedrungen sind in das, um was es sich handelt, werden mich in dieser Beziehung verstehen. Diese Worte sind gesagt weniger wegen des Inhaltes, als wegen der Richtlinien, die gegeben werden sollten.
[ 24 ] Those who have already gained some insight into the matter at hand will understand me in this regard. These words are spoken less for their content than for the guidelines they are intended to provide.
Nachwort von Marie Steiner zu der von ihr herausgegebenen Vervielfältigung:
Afterword by Marie Steiner to the reprint she edited:
[ 25 ] Als nach Ablauf des Jahres und dem nächsten Dreikönigstage keine weiteren Nominationen bekannt gegeben wurden, erging vonseiten eines Zuhörers die Anfrage an Rudolf Steiner, wann dies geschehen würde. Er erwiderte: Dass dieses nicht geschehen sei, wäre auch eine Antwort.
[ 25 ] When no further nominations had been announced by the end of the year and the following Epiphany, a member of the audience asked Rudolf Steiner when this would happen. He replied: “The fact that this has not happened is also an answer.”
[ 26 ] Das Jahr 1912/13 war überlastet von den Auseinandersetzungen mit Annie Besant, ihrer Verkündigung des neuen Messias und ihrem nun auch in Deutschland sich betätigenden «Stern des Ostens».
[ 26 ] The year 1912–13 was dominated by the disputes with Annie Besant, her proclamation of the new Messiah, and her “Star of the East” movement, which was now also active in Germany.
[ 27 ] Durch die Anhänger der von Rudolf Steiner inaugurierten abendländischen geistigen Bewegung wurde von der Präsidentin eine präzise Stellungnahme bei den stattfindenden Auseinandersetzungen, gemäß der in München und Budapest getroffenen Abmachungen, gefordert, statt ihres Ausweichens, ihres Versteckspiels und Hinter-dem-Rücken-Handelns. Träger dieser Forderung wurde der um 1912 mit Mitgliedern aus vielen Ländern gegründete «Bund», dem 1913 die Begründung der Anthroposophischen Gesellschaft folgte, nachdem der Ausschluss der deutschen Sektion durch die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft vollzogen war.
[ 27 ] The followers of the Western spiritual movement inaugurated by Rudolf Steiner demanded that the President issue a clear statement regarding the ongoing disputes, in accordance with the agreements reached in Munich and Budapest, rather than evading the issue, playing hide-and-seek, and acting behind their backs. This demand was championed by the “Bund,” founded around 1912 with members from many countries, which was followed in 1913 by the establishment of the Anthroposophical Society after the President of the Theosophical Society had carried out the expulsion of the German Section.
[ 28 ] Inzwischen war durch die Nominierung des intimen Kreises auf manchen Gebieten weitergearbeitet worden: Im Johannesbau-Verein, in der Fertigstellung des Stuttgarter Gesellschafts-Hauses, in den sogenannten Kunst- und Volkszimmern Münchens und Berlins, einer von Fräulein Sophie Stinde ausgegangenen Initiative. Die geistig hervorragendste Publikation war die des Seelenkalenders, entstanden aufgrund einer Zusammenarbeit Dr. Steiners mit Fräulein von Eckardtstein; die wunderbar durchsichtigen Nuancen der Sprache lassen hier wirklich Geist und Seele ineinanderfließen und mit der Natur eins werden. Manches andere suchte eine ruhige Entfaltung in die Zukunft hinein. Doch es kam der Weltkrieg und die damit verbundenen Erschütterungen, die tief hineingriffen in die äußeren Lebensumstände und die gegenseitigen Beziehungen der zu den verschiedensten Nationen gehörenden Mitglieder in Dornach.
[ 28 ] In the meantime, work had continued in various areas thanks to the efforts of the inner circle: in the Johannesbau Association, on the completion of the Stuttgart Society House, and on the so-called “Art and Folk Rooms” in Munich and Berlin—an initiative launched by Miss Sophie Stinde. The most intellectually outstanding publication was the *Seelenkalender* (*Calendar of the Soul*), created through a collaboration between Dr. Steiner and Miss von Eckardtstein; the wonderfully transparent nuances of the language truly allow spirit and soul to flow into one another and become one with nature. Many other projects were seeking to unfold quietly into the future. But then came the World War and the upheavals associated with it, which deeply affected the external living conditions and the mutual relationships among the members in Dornach, who belonged to a wide variety of nations.
[ 29 ] Man versuchte, das Wogen des Blutes nach Kräften zu überwinden, aber hin und wieder gab es Erschütterungen und Entgleisungen.
[ 29 ] They tried their best to overcome the surging blood, but every now and then there were tremors and derailments.
[ 30 ] Die für Dornach aufregendste Krise war die des Sommers 1915. Es trat ein Dr. Gösch in den Vordergrund, ein typischer Pathologe und Vertreter der Psychoanalyse. Er redete sich ein, dass ihm der Siegelbewahrer die Augen geöffnet habe über Versprechungen, die Dr. Steiner gäbe und nicht halte. Dies legte er nach psychoanalytischer Methode in einer Broschüre dar. Zugleich schrieb er Dr. Steiner einen Brief, in dem er seine Theorien aufgrund der ihm vom Siegelbewahrer gemachten «Enthüllungen» entwickelte. Der Siegelbewahrer hätte die ihr mit diesem Namen zugewiesene Aufgabe nicht anders verstehen können als in einem sehr persönlichen Sinn. Sie fühlte sich als die Inspiratorin des von Dr. Steiner der Menschheit gegebenen geistigen Lehrgutes. Da sie außerdem in München die Rolle der Theodora in den Mysterien-Dramen Rudolf Steiners gespielt hatte, zog sie daraus als Konsequenz den Beweis eines symbolisch gegebenen Ehe-Versprechens, auf dessen Erfüllung sie «sieben Jahre» gewartet habe. Ihre vielen, um diesen Punkt sich drehenden, anklagenden Briefe gaben dem Dr. Gösch Gelegenheit, eine psychoanalytische Abhandlung im Freud’schen Sinne zur Beleuchtung ihres Falles zusammenzustellen. Ihm selbst war ja längere Zeit wegen seines krankhaft nervösen Zustandes die Freud’sche Behandlung zuteil geworden und hatte sein Wesen tief infiziert. Sein offener Anklagebrief gab nun die Veranlassung zu zahlreichen, innerhalb der Gesellschaft streng und genau durchgeführten Verhandlungen, durch welche die Mitgliedschaft sich Klarheit über diesen Fall verschaffen sollte. Nachschriften darüber sind vorhanden und gaben auch die Grundlage für das als Sondernummer der Zeitschrift «Anthroposophie» in Stuttgart herausgegebene Buch: «Anthroposophie und Psychoanalyse».
[ 30 ] The most dramatic crisis in Dornach occurred in the summer of 1915. A certain Dr. Gösch came to the forefront—a typical pathologist and proponent of psychoanalysis. He convinced himself that the Keeper of the Seal had opened his eyes to promises that Dr. Steiner made but did not keep. He set this out in a pamphlet using psychoanalytic methods. At the same time, he wrote a letter to Dr. Steiner in which he developed his theories based on the “revelations” made to him by the Keeper of the Seal. The Keeper of the Seal could not have understood the task assigned to her by that name in any other way than in a very personal sense. She saw herself as the inspiration behind the spiritual teachings Dr. Steiner had given to humanity. Since she had also played the role of Theodora in Rudolf Steiner’s Mystery Dramas in Munich, she concluded that this constituted proof of a symbolically given marriage promise, the fulfillment of which she had waited “seven years” for. Her many accusatory letters, all revolving around this point, gave Dr. Gösch the opportunity to compile a psychoanalytic treatise in the Freudian sense to shed light on her case. He himself had, after all, undergone Freudian treatment for a long time due to his pathological nervous condition, and it had deeply influenced his nature. His open letter of accusation now gave rise to numerous discussions, conducted strictly and meticulously within the Society, through which the membership was to gain clarity on this case. Transcripts of these discussions are available and also formed the basis for the book *Anthroposophy and Psychoanalysis*, published as a special issue of the journal *Anthroposophy* in Stuttgart.
[ 31 ] Hier sei nur das erwähnt, was sich bezieht auf den Fall Sprengel - alias Proserpina - alias Theodora - alias Siegelbewahrer, und sich bei ihr in so mystisch-persönlicher Weise als Größenwahn darlebte. Freilich hatten sich bei ihr noch vor dem Kriege Symptome der Selbst-Überheblichkeit schon geltend gemacht. An diesem unglücklichen Größenwahn scheiterte die Möglichkeit der weiteren Nominierungen in den aus acht Persönlichkeiten bestehenden Kreis. Der eine Stein war herausgefallen durch egoistische Selbstüberhebung und dem Hineingeraten ins MystischAbwegige.
[ 31 ] Here, let us mention only what pertains to the case of Sprengel—alias Proserpina—alias Theodora—alias the Keeper of the Seal—and how this manifested itself in her as megalomania in such a mystical and personal way. Admittedly, symptoms of self-conceit had already become apparent in her even before the war. This unfortunate delusion of grandeur thwarted the possibility of further nominations to the circle consisting of eight individuals. One stone had fallen out due to selfish self-conceit and a descent into mystical aberration.
[ 32 ] Der Siegelbewahrer sprengte das Siegel im allergewöhnlichsten menschlichen Sinne. Die Notwendigkeit des Heranziehens der Frau als aktive Mitarbeiterin an den Kulturaufgaben der Zukunft ist unabweislich und wird erreicht werden müssen trotz des Scheiterns dieser Bemühungen in einzelnen Fällen. - So erging es uns mit dem Siegelbewahrer.
[ 32 ] The Keeper of the Seal broke the seal in the most ordinary human sense. The necessity of involving women as active participants in the cultural tasks of the future is undeniable and must be achieved despite the failure of these efforts in individual cases. - That is what happened to us with the Keeper of the Seal.
[ 33 ] Über diesen Fall drückt sich Dr. Steiner bei einer Ansprache während der sogenannten Krise des Jahres 1915 in folgender Weise aus:
[ 33 ] Dr. Steiner commented on this case in the following manner during a speech given during the so-called crisis of 1915:
[ 34 ] «Es ist einmal zur Herbsteszeit verkündigt worden, dass, weil gewisse unmögliche Symptome in unserer Gesellschaft sich zeigten, es notwendig geworden sei, eine gewisse engere Gesellschaft noch zu begründen, wobei ich zunächst versucht habe, einer Anzahl von nahestehenden und in der Gesellschaft längere Zeit lebenden Persönlichkeiten gewisse Titel zuzuschreiben, indem ich von ihnen voraussetzte, dass sie im Sinne dieser Titel selbstständig wirken würden. Ich habe dazumal gesagt: Wenn etwas geschehen soll, so werden die Mitglieder bis zum Dreikönigstage etwas hören. Es hat keines etwas zu hören bekommen, und es geht daraus hervor, dass die Gesellschaft für theosophische Art und Kunst überhaupt nicht besteht. Das ist eigentlich selbstverständlich, da niemandem eine Mitteilung gemacht worden ist. Wie es selbstverständlich ist, dass die Mitteilung ergangen wäre, wenn die Sache realisiert worden wäre. Die Art und Weise, wie die Sache in einem bestimmten Falle aufgefasst worden ist, machte sie unmöglich. Es war ein Versuch.»
[ 34 ] “It was once announced in the fall that, because certain untenable symptoms were manifesting themselves in our Society, it had become necessary to establish a smaller, more intimate group. In doing so, I initially attempted to assign certain titles to a number of close associates who had been members of the Society for a long time, assuming that they would act independently in accordance with the meaning of these titles. I said at the time: If anything is to happen, the members will hear something by Epiphany. None of them heard anything, and it follows from this that the Society for Theosophical Art and Culture does not exist at all. This is actually self-evident, since no announcement was made to anyone. Just as it is self-evident that an announcement would have been made if the matter had been realized. The way the matter was interpreted in a particular case made it impossible. It was an attempt.”
[ 35 ] Der Kreis der Nominierten, als innere esoterische Angelegenheit, war zersprengt; draußen tobte der Weltkrieg; in Dornach ging die praktische Arbeit trotz der äußeren Umstände nicht weniger intensiv weiter. Durch die Abberufung so vieler Künstler und Helfer an die Fronten fiel in starkem Maße die Last der Arbeit auf die Frauen. Nur wenige Männer hatten Zurückbleiben können, darunter Hermann Linde. Die Frauen aber standen ihren Mann. Vom frühen Morgen an erklang das Hämmern und Meißeln im Bau aus Edelholz, der aus dem Beton-Unterbau herauswuchs, empor zu den sich wölbenden Kuppeln. Den Außen- und Innenwänden entwuchsen die organisch bewegten Formen, durchwärmt und durchwellt von der sie durchfurchenden Menschenhand. Im Innenraum erhoben sich die Säulen mit ihren Sockeln und Kapitälen, ihren Architraven, an deren Abschluss sich die beiden Kuppeln ineinanderfügten, so die Symbolik des seelischen Erlebens von der des kosmischen zugleich trennend und verbindend.
[ 35 ] The circle of nominees, as an inner, esoteric matter, had been shattered; outside, the World War raged; in Dornach, practical work continued just as intensively despite the external circumstances. With so many artists and helpers called to the front lines, the burden of the work fell heavily on the women. Only a few men had been able to stay behind, including Hermann Linde. The women, however, held their own. From early morning onward, the sounds of hammering and chiseling rang out in the structure of precious wood, which rose from the concrete foundation up toward the vaulting domes. Organically flowing forms sprang from the exterior and interior walls, warmed and rippled by the human hand that shaped them. Inside, the columns rose with their bases and capitals, their architraves, at the top of which the two domes joined together, thus simultaneously separating and connecting the symbolism of the spiritual experience from that of the cosmic.
[ 36 ] Um Hermann Linde herum gruppierten sich die Maler und deren Helfer. Dr. Steiner hatte die Motive für die Bemalung der Kuppeln entworfen, deren Abbildungen uns erhalten sind in den Reproduktionen von Alinari. Mit Fleiß und Eifer wurden neue Grundierungsmöglichkeiten durchgeprobt, durch welche die Wirkung der Pflanzenfarben sich zu strahlender Leuchtkraft entfalten konnte; eifrig wurden von einer Gruppe von Helfern die Pflanzen gerieben, aus denen die neuen Farben für die Kuppelbemalung entstehen sollten. Die für die wöchentlichen Eurythmie-Vorführungen entworfenen Programme gaben Gelegenheit, persönliche Phantasie zu entwickeln und sich zu schulen an den von Dr. Steiner zu diesem Zweck entworfenen Vorlagen.
[ 36 ] The painters and their assistants gathered around Hermann Linde. Dr. Steiner had designed the motifs for the dome paintings, images of which have been preserved for us in Alinari’s reproductions. With diligence and enthusiasm, new priming techniques were tested, allowing the plant pigments to unfold their full radiance; a group of assistants eagerly ground the plants from which the new colors for the dome paintings were to be created. The programs designed for the weekly eurythmy performances provided an opportunity to develop personal imagination and to train using the templates designed by Dr. Steiner for this purpose.
[ 37 ] In Deutschland hatte das Arbeitsgebiet, welches dem den Kreis sprengenden Siegelbewahrer zugewiesen war, sehr bald einen mehr als vollgültigen Ersatz gefunden in der Person des Fräulein Bertha Meyer. Sie konnte in den Monaten, die wir während der Kriegsjahre in Deutschland zubrachten, des Öfteren aus Bremen nach Berlin kommen, um sich in der von ihr technisch beherrschten Kleinodienkunst durch die Ratschläge Dr. Steiners zu vervollkommnen. Eine glückliche Gelegenheit zu neuen Anregungen gab die reichhaltige Edelsteinsammlung eines aus dem Orient zurückgekehrten Mitglieds. Es wurden daraus Steine gewählt, deren Leuchtkraft und innere Substanz besonders hervorgehoben werden sollten durch eine ihrem Wesen und Material entsprechende Fassung. Es war ein eigentümliches Erleben, die Hand durch deren Fülle gleiten zu lassen und durch das kühle Rieseln der Steine das Eindringen ihrer Kräfte in den eigenen Ätherleib zu erfühlen. Dieser Griff in die Kühle des Steinreichs und die fast aufregend wirkende Glut des im Feuer schmelzenden Metalls, besonders des Goldes, brachten das Elementare der Naturkräfte eindringlich zum Bewusstsein.
[ 37 ] In Germany, the role assigned to the seal-keeper—who was based outside the district—was very soon more than adequately filled by Miss Bertha Meyer. During the months we spent in Germany during the war years, she was often able to travel from Bremen to Berlin to perfect her technical mastery of the art of jewelry-making through Dr. Steiner’s guidance. The extensive gemstone collection of a member who had returned from the Orient provided a fortunate opportunity for new inspiration. Stones were selected from this collection whose luminosity and inner substance were to be particularly highlighted by a setting appropriate to their nature and material. It was a unique experience to let one’s hand glide through their abundance and to feel, through the cool trickle of the stones, their forces penetrating one’s own etheric body. This contact with the coolness of the mineral kingdom and the almost exhilarating glow of metal melting in fire—especially gold—brought the elemental nature of the forces of nature vividly to consciousness.
[ 38 ] Die von Dr. Steiner für die Mysterienspiele gezeichneten Siegel ergaben die Grundlage für das geistige Studium dieser prädestinierten Siegelbewahrerin, die uns so viele vorbildliche Werke ihrer Kunst hinterlassen hat. Der Tod hat sie uns entrissen in dem Moment, da in Dornach eine Stätte für ihr Wirken, eine Kleinodienschule, hätte eingerichtet werden können. An diesen Siegeln erprobten sich auch die Formkräfte der von den ätherischen Impulsen getragenen und bewegten Eurythmie und der in Verbindung mit ihr neue Wege suchenden musikalischen Kunst, die nun über das innere Erleben des Dur und Moll hinaus, über die Quint hinüber, im Ton die Ursprungskräfte erhaschen wollte, denen sie ihr Dasein verdankt, so den Weg abtastend zum verlorenen Worte hin.
[ 38 ] The seals designed by Dr. Steiner for the Mystery Plays formed the basis for the spiritual study of this predestined keeper of the seals, who has left us so many exemplary works of her art. Death snatched her from us just as a place for her work—a school of treasures—could have been established in Dornach. These seals also served as a testing ground for the formative forces of eurythmy—carried and moved by ethereal impulses—and for the musical art that, in connection with it, sought new paths; this art now sought, beyond the inner experience of major and minor keys and beyond the fifth, to catch a glimpse in sound of the primal forces to which it owes its existence, thus feeling its way toward the lost Word.
[ 39 ] Der von Dr. Steiner geschaffene neue architektonische Stil, der die Bewegung des Pflanzenwesens in sich aufgenommen hatte, und sich nicht von der Außenwelt abschloss, sondern sich ihr weit öffnete, musste diesem Prinzip auch in der Behandlung seiner Glasfenster treu bleiben. Farbenfluten mussten in den Raum hineinströmen; ihr nach dem Regenbogen hin differenzierter, aber jeweilig einheitlich gehaltener Grundton brachte das Schweben und Weben der sich durchkreuzenden Lichtfärbungen in den Raum hinein. Die Zartheit der Nuancen wurde noch intensiviert durch die verschiedene Dichtigkeit des Glases, die sich während des Schleifens und Radierens der Motive in das Glasmaterial ergab; ihr geistiger Inhalt bezog sich auf den Einweihungsweg des Menschen bis in die Zukunft hinein. Während die Motive der großen und kleinen Kuppel den makrokosmischen und mikrokosmischen Entwicklungsweg der Menschheit bis zu seiner Icherfüllung hin verfolgten.
[ 39 ] The new architectural style created by Dr. Steiner, which had incorporated the movement of the plant kingdom and did not shut itself off from the outside world but opened itself widely to it, had to remain true to this principle in the treatment of its stained-glass windows as well. Flows of color had to pour into the space; their basic tones—differentiated according to the rainbow yet each maintained as a unified whole—brought the floating and weaving of the intersecting hues of light into the space. The delicacy of the nuances was further intensified by the varying densities of the glass, which arose during the grinding and etching of the motifs into the glass material; their spiritual content referred to humanity’s path of initiation extending into the future. While the motifs of the large and small domes traced humanity’s macrocosmic and microcosmic path of development up to the fulfillment of the self.
[ 40 ] Die Kunst des Schwarz-Weiß in einer von Dr. Steiner neu angegebenen Strichführung entwickelte sich neben der des Eindringens in die Welt der schöpferischen Farben. Und alle diese, aus den verschiedensten Elementen sich ergebenden künstlerischen Möglichkeiten, lebten auf in der Kunst des gesprochenen Wortes, der Sprachgestaltung, welche die Ursprungskräfte des verloren gegangenen «Wortes» erahnen und bis zu einem gewissen Grade ergreifen ließ. Durch das Geringe, was dabei in strenger Arbeit erreicht worden ist, konnte etwas von dem erfüllt werden, was Dr. Steiner als Aufgabe der von ihm inaugurierten geistigen Bewegung bezeichnet hatte; die um Goethe und Schiller sich rankende vergessene Geistesströmung neu lebendig in die Kultur wieder einfließen zu lassen.
[ 40 ] The art of black-and-white, with a new style of line drawing introduced by Dr. Steiner, developed alongside the art of delving into the world of creative colors. And all these artistic possibilities, arising from the most diverse elements, came to life in the art of the spoken word—Eurythmy—which allowed one to sense and, to a certain extent, grasp the primal forces of the lost “Word.” Through the modest achievements attained through rigorous work, it was possible to fulfill something of what Dr. Steiner had described as the task of the spiritual movement he had inaugurated: to allow the forgotten spiritual current that entwined itself around Goethe and Schiller to flow anew and vividly into culture.
[ 41 ] In der Fülle der von ihm empfangenen Impulse haben wir gelebt. Er selbst ist uns 1925 durch den Tod entrissen worden. Mit dem Tode hat er den unermesslichen Reichtum seiner Gaben bezahlen müssen. Von seiner anfeuernden geistigen Kraft sind wir belebt und getragen worden. Durch Leid und Prüfung, durch Betäubung und moralische Abdunklung hindurch müssen wir nun die Wege zur inneren Freiheit und Selbstständigkeit suchen, für die er ein Verständnis in uns hat erwecken wollen. Möge es uns vergönnt sein, sie zu finden.
[ 41 ] We lived in the abundance of the inspiration we received from him. He himself was taken from us by death in 1925. With his death, he had to pay the price for the immeasurable wealth of his gifts. We have been enlivened and sustained by his inspiring spiritual power. Through suffering and trials, through numbness and moral darkness, we must now seek the paths to inner freedom and independence, for which he sought to awaken an understanding within us. May we be granted the grace to find them.
