Difficulties of Living Together
in the Anthroposophical Society
The Dornach Crisis in the Summer of 1915
GA 253
10 September 1915, Dornach
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Probleme des Zusammenlebens in der Anthroposophischen Gesellschaft
1. Voraussetzungen und Bedingungen des Zusammenlebens in der anthroposophischen Gesellschaft
1. Voraussetzungen und Bedingungen des Zusammenlebens in der anthroposophischen Gesellschaft
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Bewegungen wie unsere geisteswissenschaftliche wurden immer so gepflegt, daß versucht wurde, dasjenige, was der Geisteskultur oder der Kultur überhaupt einzuprägen war, zunächst auf dem Wege einer gesellschaftlichen Vereinigung, einer Gesellschaft zu pflegen. Und so wie eben einmal die Verhältnisse im menschlichen Zusammenleben, in der menschlichen Entwickelung von althergebracht auch heute noch sind, liegt ja eine gewisse Notwendigkeit vor, dasjenige, was wir als unsere geisteswissenschaftlichen Bestrebungen anerkennen, auf dem Wege einer Gesellschaft zu pflegen.
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Bewegungen wie unsere geisteswissenschaftliche wurden immer so gepflegt, daß versucht wurde, dasjenige, was der Geisteskultur oder der Kultur überhaupt einzuprägen war, zunächst auf dem Wege einer gesellschaftlichen Vereinigung, einer Gesellschaft zu pflegen. Und so wie eben einmal die Verhältnisse im menschlichen Zusammenleben, in der menschlichen Entwickelung von althergebracht auch heute noch sind, liegt ja eine gewisse Notwendigkeit vor, dasjenige, was wir als unsere geisteswissenschaftlichen Bestrebungen anerkennen, auf dem Wege einer Gesellschaft zu pflegen.
[ 2 ] Nun ist es eine Erfahrung, die im Grunde genommen alle solche Gesellschaften gemacht haben, daß der Begriff der Gesellschaft, wie er zur Pflege gerade einer solchen Geistesströmung notwendig ist, nicht leicht, wenigstens praktisch nicht leicht verstanden wird. Denn immer wieder und wiederum erhält man Beweise dafür, daß es sehr viele Menschen gibt - erst heute morgen erhielt ich zum Beispiel einen dahingehenden Brief -, die sagen: sie lieben es eigentlich nicht, sich einer solchen Gemeinschaft anzuschließen, sie möchten das entsprechende Geistesgut lieber auf dem Wege der Lektüre oder durch Anhören von freien, nicht an eine Gesellschaft gebundenen Vorträgen oder auf andere Weise entgegennehmen; es sei ihnen unbehaglich, sich einer solchen Gesellschaft anzuschließen.
[ 2 ] Nun ist es eine Erfahrung, die im Grunde genommen alle solche Gesellschaften gemacht haben, daß der Begriff der Gesellschaft, wie er zur Pflege gerade einer solchen Geistesströmung notwendig ist, nicht leicht, wenigstens praktisch nicht leicht verstanden wird. Denn immer wieder und wiederum erhält man Beweise dafür, daß es sehr viele Menschen gibt - erst heute morgen erhielt ich zum Beispiel einen dahingehenden Brief -, die sagen: sie lieben es eigentlich nicht, sich einer solchen Gemeinschaft anzuschließen, sie möchten das entsprechende Geistesgut lieber auf dem Wege der Lektüre oder durch Anhören von freien, nicht an eine Gesellschaft gebundenen Vorträgen oder auf andere Weise entgegennehmen; es sei ihnen unbehaglich, sich einer solchen Gesellschaft anzuschließen.
[ 3 ] Oftmals sind die Gründe, die diese Menschen vorbringen, so, daß man schon etwas auf sie geben kann. Aber man muß doch immer wieder sagen: Wenn eine solche geistige Bewegung - die sich notwendigerweise in ihren Impulsen, in ihrer ganzen Art des Denkens, Fühlens und Wollens stark unterscheidet von dem Denken, Fühlen und Wollen der Menschen der Umwelt - ohne eine solche Gesellschaft in die Menschheit gebracht werden sollte, so wäre dies unendlich viel schwieriger als durch eine Gesellschaft, in der sich die Mitglieder eben in einem entsprechenden Zusammenleben durch das fortwährende Entgegennehmen der geisteswissenschaftlichen Begriffe und Vorstellungen vorbereiten können, um eine Art Instrument, eine Art Werkzeug für die Verbreitung einer solchen Geisteswissenschaft, einer geistigen Strömung zu sein. Daraus aber folgt dann auch, daß der Begriff einer solchen Gesellschaft im höchsten Grade ernst zu nehmen ist, denn sie soll sich eben - und zwar praktisch als ein Instrument für die betreffende geistige Strömung erweisen.
[ 3 ] Oftmals sind die Gründe, die diese Menschen vorbringen, so, daß man schon etwas auf sie geben kann. Aber man muß doch immer wieder sagen: Wenn eine solche geistige Bewegung - die sich notwendigerweise in ihren Impulsen, in ihrer ganzen Art des Denkens, Fühlens und Wollens stark unterscheidet von dem Denken, Fühlen und Wollen der Menschen der Umwelt - ohne eine solche Gesellschaft in die Menschheit gebracht werden sollte, so wäre dies unendlich viel schwieriger als durch eine Gesellschaft, in der sich die Mitglieder eben in einem entsprechenden Zusammenleben durch das fortwährende Entgegennehmen der geisteswissenschaftlichen Begriffe und Vorstellungen vorbereiten können, um eine Art Instrument, eine Art Werkzeug für die Verbreitung einer solchen Geisteswissenschaft, einer geistigen Strömung zu sein. Daraus aber folgt dann auch, daß der Begriff einer solchen Gesellschaft im höchsten Grade ernst zu nehmen ist, denn sie soll sich eben - und zwar praktisch als ein Instrument für die betreffende geistige Strömung erweisen.
[ 4 ] Nun brauchen Sie, meine lieben Freunde, ja nur unsere Gesellschaft als solche ins Auge zu fassen, und Sie werden an unserer Gesellschaft studieren können, wie verschieden sie als Gesellschaft von anderen Gesellschaften oder Vereinen ist, die ins Leben gerufen werden. Sie werden diesen Unterschied bemerken, namentlich dann, wenn Sie einen bestimmten Gedanken ins Auge fassen.
[ 4 ] Nun brauchen Sie, meine lieben Freunde, ja nur unsere Gesellschaft als solche ins Auge zu fassen, und Sie werden an unserer Gesellschaft studieren können, wie verschieden sie als Gesellschaft von anderen Gesellschaften oder Vereinen ist, die ins Leben gerufen werden. Sie werden diesen Unterschied bemerken, namentlich dann, wenn Sie einen bestimmten Gedanken ins Auge fassen.
[ 5 ] Nehmen Sie einmal an, bestimmte Vorgänge, wie sie ja in der letzten Zeit an unsere Seelen herangetreten sind, könnten uns in irgendeiner Weise den Gedanken nahelegen, die Anthroposophische Gesellschaft als solche aufzulösen. Nehmen wir als Hypothese an, man wolle, weil sich Mißstände in der Gesellschaft ergeben haben, die Gesellschaft auflösen. Nun, wenn die Anthroposophische Gesellschaft ein Verein wie viele Vereine wäre, so könnte man sie selbstverständlich ohne weiteres auflösen und irgend etwas anderes an die Stelle setzen, worin diese Mißstände abgeschafft wären. Aber in etwas Gewichtigem unterscheidet sich eben unsere Anthroposophische Gesellschaft von anderen Vereinen oder Gesellschaften, die sehr häufig gegründet werden auf Grundlage eines Programms mit soundso vielen Programm- und Statutenpunkten. Eine solche Gesellschaft kann man in jedem Augenblick auflösen. Aber, meine lieben Freunde, wenn wir die Anthroposophische Gesellschaft auflösen würden, so wäre sie gar nicht aufgelöst. Wir haben gar nicht so wie andere Gesellschaften und Vereine die Möglichkeit, die Anthroposophische Gesellschaft so ohne weiteres aufzulösen. Denn wir unterscheiden uns als Anthroposophische Gesellschaft, die eine Gesellschaft für eine geisteswissenschaftliche Bewegung ist, von anderen Gesellschaften gerade dadurch, daß wir nicht auf Programmpunkte, das heißt nicht auf Irreales, bloß Gedachtes, sondern uns auf Reales begründen, auf einer wirklichen Basis stehen. Und nehmen Sie nur die äußerste reale Basis, die darinnen besteht, daß jedes Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft berechtigt ist, unsere Zyklen zu beziehen, während die anderen Menschen nicht dazu berechtigt sind, dann werden Sie sich sagen: In dem Augenblick, wo wir die Anthroposophische Gesellschaft nominell auflösen würden, hätten wir ja die Tatsache, daß soundso viele Menschen unsere Zyklen in Händen haben, nicht aus der Welt geschafft.
[ 5 ] Nehmen Sie einmal an, bestimmte Vorgänge, wie sie ja in der letzten Zeit an unsere Seelen herangetreten sind, könnten uns in irgendeiner Weise den Gedanken nahelegen, die Anthroposophische Gesellschaft als solche aufzulösen. Nehmen wir als Hypothese an, man wolle, weil sich Mißstände in der Gesellschaft ergeben haben, die Gesellschaft auflösen. Nun, wenn die Anthroposophische Gesellschaft ein Verein wie viele Vereine wäre, so könnte man sie selbstverständlich ohne weiteres auflösen und irgend etwas anderes an die Stelle setzen, worin diese Mißstände abgeschafft wären. Aber in etwas Gewichtigem unterscheidet sich eben unsere Anthroposophische Gesellschaft von anderen Vereinen oder Gesellschaften, die sehr häufig gegründet werden auf Grundlage eines Programms mit soundso vielen Programm- und Statutenpunkten. Eine solche Gesellschaft kann man in jedem Augenblick auflösen. Aber, meine lieben Freunde, wenn wir die Anthroposophische Gesellschaft auflösen würden, so wäre sie gar nicht aufgelöst. Wir haben gar nicht so wie andere Gesellschaften und Vereine die Möglichkeit, die Anthroposophische Gesellschaft so ohne weiteres aufzulösen. Denn wir unterscheiden uns als Anthroposophische Gesellschaft, die eine Gesellschaft für eine geisteswissenschaftliche Bewegung ist, von anderen Gesellschaften gerade dadurch, daß wir nicht auf Programmpunkte, das heißt nicht auf Irreales, bloß Gedachtes, sondern uns auf Reales begründen, auf einer wirklichen Basis stehen. Und nehmen Sie nur die äußerste reale Basis, die darinnen besteht, daß jedes Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft berechtigt ist, unsere Zyklen zu beziehen, während die anderen Menschen nicht dazu berechtigt sind, dann werden Sie sich sagen: In dem Augenblick, wo wir die Anthroposophische Gesellschaft nominell auflösen würden, hätten wir ja die Tatsache, daß soundso viele Menschen unsere Zyklen in Händen haben, nicht aus der Welt geschafft.
[ 6 ] Und ein weiteres Reales ist ja, daß soundso viele Menschen ein gewisses Weisheitsgut in ihren Köpfen haben. Ich weiß zwar nicht, wie hoch der Prozentsatz derjenigen ist, die die Dinge, die hier vorgetragen werden, in ihren Köpfen haben, zum Unterschied von denjenigen, die sie nur in «Visionen» haben; aber das ist ja für die Gesellschaft nicht das Wesentliche. Ein anderes Reales also ist das, daß ein gewisses Weisheitsgut, einfach eine Summe von Dingen realer Art in den Herzen, in den Köpfen, in den Seelen derjenigen Menschen sind, die bisher zur Anthroposophischen Gesellschaft gehört haben. Das kann ihnen durch eine Auflösung der Gesellschaft nicht weggenommen werden.
[ 6 ] Und ein weiteres Reales ist ja, daß soundso viele Menschen ein gewisses Weisheitsgut in ihren Köpfen haben. Ich weiß zwar nicht, wie hoch der Prozentsatz derjenigen ist, die die Dinge, die hier vorgetragen werden, in ihren Köpfen haben, zum Unterschied von denjenigen, die sie nur in «Visionen» haben; aber das ist ja für die Gesellschaft nicht das Wesentliche. Ein anderes Reales also ist das, daß ein gewisses Weisheitsgut, einfach eine Summe von Dingen realer Art in den Herzen, in den Köpfen, in den Seelen derjenigen Menschen sind, die bisher zur Anthroposophischen Gesellschaft gehört haben. Das kann ihnen durch eine Auflösung der Gesellschaft nicht weggenommen werden.
[ 7 ] Dadurch also unterscheidet sich die Anthroposophische Gesellschaft von anderen Gesellschaften, daß sie in ihrem Gefüge kein Phantastisches duldet, sondern auf einer realen Basis errichtet ist, so daß die Maßnahme der Auflösung an dem realen Bestand, der da ist, augenblicklich nicht das Allergeringste ändern würde. Das Schwerwiegende der Tatsache, daß sich unsere Gesellschaft zu anderen Gesellschaften und Vereinen verhält wie eine Realität zu einem bloß Gedachten, müssen wir uns vor Augen führen, wenn wir den Begriff unserer Gesellschaft in der richtigen Weise fassen wollen. Denn nur dadurch, meine lieben Freunde, daß eine große Anzahl von Mitgliedern gerechnet haben - sei es mehr oder weniger bewußt oder nur dem Gefühle nach — mit dieser soliden, realen, nicht bloß auf Programmpunkten begründeten Basis unserer Gesellschaft, ist dasjenige zustande gekommen, was wir hier auf diesem Hügel sich erheben sehen: der Bau einer geisteswissenschaftlichen Hochschule, durch den wir des weiteren als an ein Reales in einer gewissen Weise gebunden sind. Nicht wahr, wenn sich eine Anzahl Phantasten zusammenfinden und beschließen - ich will, damit niemand getroffen wird, ein Hypothetisches bloß annehmen -, keine Kragen und keine Schlipse zu tragen, vielleicht auch noch in einer anderen Weise das Leben zu vereinfachen, irgendwelche sonstigen sozialen Grundsätze oder — wie sie sie vielleicht nennen - «Vorurteile» nicht einzuhalten, nur in Sandalen zu gehen und dergleichen mehr, so könnte man ja jederzeit wieder auseinandergehen, ohne daß dadurch etwas Wesentliches geändert würde. Aber wir wollen uns von einer Anzahl von Phantasten ja gerade dadurch unterscheiden, daß wir das ganze Schwerwiegende unserer realen Grundlage ins Auge fassen.
[ 7 ] Dadurch also unterscheidet sich die Anthroposophische Gesellschaft von anderen Gesellschaften, daß sie in ihrem Gefüge kein Phantastisches duldet, sondern auf einer realen Basis errichtet ist, so daß die Maßnahme der Auflösung an dem realen Bestand, der da ist, augenblicklich nicht das Allergeringste ändern würde. Das Schwerwiegende der Tatsache, daß sich unsere Gesellschaft zu anderen Gesellschaften und Vereinen verhält wie eine Realität zu einem bloß Gedachten, müssen wir uns vor Augen führen, wenn wir den Begriff unserer Gesellschaft in der richtigen Weise fassen wollen. Denn nur dadurch, meine lieben Freunde, daß eine große Anzahl von Mitgliedern gerechnet haben - sei es mehr oder weniger bewußt oder nur dem Gefühle nach — mit dieser soliden, realen, nicht bloß auf Programmpunkten begründeten Basis unserer Gesellschaft, ist dasjenige zustande gekommen, was wir hier auf diesem Hügel sich erheben sehen: der Bau einer geisteswissenschaftlichen Hochschule, durch den wir des weiteren als an ein Reales in einer gewissen Weise gebunden sind. Nicht wahr, wenn sich eine Anzahl Phantasten zusammenfinden und beschließen - ich will, damit niemand getroffen wird, ein Hypothetisches bloß annehmen -, keine Kragen und keine Schlipse zu tragen, vielleicht auch noch in einer anderen Weise das Leben zu vereinfachen, irgendwelche sonstigen sozialen Grundsätze oder — wie sie sie vielleicht nennen - «Vorurteile» nicht einzuhalten, nur in Sandalen zu gehen und dergleichen mehr, so könnte man ja jederzeit wieder auseinandergehen, ohne daß dadurch etwas Wesentliches geändert würde. Aber wir wollen uns von einer Anzahl von Phantasten ja gerade dadurch unterscheiden, daß wir das ganze Schwerwiegende unserer realen Grundlage ins Auge fassen.
[ 8 ] Und noch ein weiteres, meine lieben Freunde, ist, daß wir — ohne dabei etwa in Wortklauberei zu verfallen - unterscheiden müssen den Begriff einer Gesellschaft, innerhalb welcher wir unser Geistesgut pflegen wollen, von einem Verein. Und da muß wirklich gesagt werden, daß manchem von uns, wenn er nur über die Bedingungen unseres gesellschaftlichen Daseins nachdenkt, sogleich der Gesellschaftsbegriff entschlüpft und der Vereinsbegriff vor seinem geistigen Auge steht. In einem Verein wird man in der Regel Paragraphen, Bedingungen usw. aufstellen, die beobachtet werden müssen. In einer Gesellschaft wie der unsrigen genügt das nicht. Sie kann sich nicht bloß dem Worte nach von einem Verein unterscheiden. In unserer Gesellschaft handelt es sich darum - und ich habe das schon einmal in den letzten Wochen auseinandergesetzt -, daß wirklich der Begriff der Gesellschaft ernst genommen wird. Das heißt, daß jeder sich bewußt ist, er gehört der Gesellschaft nicht nur insofern an, als er seine Mitgliedskarte erhalten hat und den Titel Mitglied der Gesellschaft führt, sondern daß er ein Glied der Gesellschaft ist. Das begründet aber wirklich durch den Begriff der Gesellschaft selber etwas, was wie ein Unbestimmtes und doch sehr Bestimmtes unter den Mitgliedern leben muß, so leben muß, daß der einzelne es bis zu einer bestimmten Verpflichtung fühlt, daß dieses Unbestimmte und doch Bestimmte lebt. Das heißt, daß der einzelne wirklich ein Auge hat für das nähere oder fernere Wohl der anderen Mitglieder der Gesellschaft und daß derjenige, der ein erfahrenes Mitglied der Gesellschaft ist - was er ja nicht immer zu verraten braucht, nicht wahr, man kann das ganz bei sich behalten, denn es kommt auf die Art und Weise an, wie man die Erfahrungen anwendet und auslebt -, daß derjenige, der ein erfahrenes Mitglied der Gesellschaft ist, mit seiner Erfahrung den weniger Erfahrenen wirklich zur Seite steht.
[ 8 ] Und noch ein weiteres, meine lieben Freunde, ist, daß wir — ohne dabei etwa in Wortklauberei zu verfallen - unterscheiden müssen den Begriff einer Gesellschaft, innerhalb welcher wir unser Geistesgut pflegen wollen, von einem Verein. Und da muß wirklich gesagt werden, daß manchem von uns, wenn er nur über die Bedingungen unseres gesellschaftlichen Daseins nachdenkt, sogleich der Gesellschaftsbegriff entschlüpft und der Vereinsbegriff vor seinem geistigen Auge steht. In einem Verein wird man in der Regel Paragraphen, Bedingungen usw. aufstellen, die beobachtet werden müssen. In einer Gesellschaft wie der unsrigen genügt das nicht. Sie kann sich nicht bloß dem Worte nach von einem Verein unterscheiden. In unserer Gesellschaft handelt es sich darum - und ich habe das schon einmal in den letzten Wochen auseinandergesetzt -, daß wirklich der Begriff der Gesellschaft ernst genommen wird. Das heißt, daß jeder sich bewußt ist, er gehört der Gesellschaft nicht nur insofern an, als er seine Mitgliedskarte erhalten hat und den Titel Mitglied der Gesellschaft führt, sondern daß er ein Glied der Gesellschaft ist. Das begründet aber wirklich durch den Begriff der Gesellschaft selber etwas, was wie ein Unbestimmtes und doch sehr Bestimmtes unter den Mitgliedern leben muß, so leben muß, daß der einzelne es bis zu einer bestimmten Verpflichtung fühlt, daß dieses Unbestimmte und doch Bestimmte lebt. Das heißt, daß der einzelne wirklich ein Auge hat für das nähere oder fernere Wohl der anderen Mitglieder der Gesellschaft und daß derjenige, der ein erfahrenes Mitglied der Gesellschaft ist - was er ja nicht immer zu verraten braucht, nicht wahr, man kann das ganz bei sich behalten, denn es kommt auf die Art und Weise an, wie man die Erfahrungen anwendet und auslebt -, daß derjenige, der ein erfahrenes Mitglied der Gesellschaft ist, mit seiner Erfahrung den weniger Erfahrenen wirklich zur Seite steht.
[ 9 ] Es wird so oftmals das Wort «Vertrauen» gebraucht. Ich habe ja in einer Betrachtung, die ich Ihnen in den letzten Wochen geliefert habe, ausgeführt, daß wir zur Lehre kein Vertrauen zu haben brauchen, denn die Lehre wird versuchen, das Vertrauen zu rechtfertigen durch alles einzelne, was sie unternimmt; daß wir aber versuchen müssen, Vertrauen untereinander zu haben und zu rechtfertigen. Wir müssen versuchen, daß wirklich ein reales Band von Mitglied zu Mitglied entsteht. Denken Sie nur, wenn ein erfahrenes Mitglied ohne aufdringlich zu sein, ohne in Detektivmanieren zu verfallen, ohne dabei Spionage zu treiben, also ohne dem anderen zu nahe zu treten — wirklich ein Auge hat für Wohl und Wehe von nur zehn anderen, denen er dabei nicht zu sagen braucht, daß er sie für unerfahrener hält als sich selbst, dann wird schon unendlich viel an einer, ich möchte sagen, «idealen Aura» gearbeitet werden können, die in einer solchen Gesellschaft wie der unsrigen notwendig ist. Vertrauen kann man gewiß niemals dekretieren. Vertrauen muß erworben werden. Und die erfahreneren Mitglieder müßten sich bestreben, solches Vertrauen sich zu erwerben bei denjenigen, die erst kürzere Zeit in unserer Gesellschaft sind.
[ 9 ] Es wird so oftmals das Wort «Vertrauen» gebraucht. Ich habe ja in einer Betrachtung, die ich Ihnen in den letzten Wochen geliefert habe, ausgeführt, daß wir zur Lehre kein Vertrauen zu haben brauchen, denn die Lehre wird versuchen, das Vertrauen zu rechtfertigen durch alles einzelne, was sie unternimmt; daß wir aber versuchen müssen, Vertrauen untereinander zu haben und zu rechtfertigen. Wir müssen versuchen, daß wirklich ein reales Band von Mitglied zu Mitglied entsteht. Denken Sie nur, wenn ein erfahrenes Mitglied ohne aufdringlich zu sein, ohne in Detektivmanieren zu verfallen, ohne dabei Spionage zu treiben, also ohne dem anderen zu nahe zu treten — wirklich ein Auge hat für Wohl und Wehe von nur zehn anderen, denen er dabei nicht zu sagen braucht, daß er sie für unerfahrener hält als sich selbst, dann wird schon unendlich viel an einer, ich möchte sagen, «idealen Aura» gearbeitet werden können, die in einer solchen Gesellschaft wie der unsrigen notwendig ist. Vertrauen kann man gewiß niemals dekretieren. Vertrauen muß erworben werden. Und die erfahreneren Mitglieder müßten sich bestreben, solches Vertrauen sich zu erwerben bei denjenigen, die erst kürzere Zeit in unserer Gesellschaft sind.
[ 10 ] Solche Dinge wurden ja im Laufe unserer jetzt schon wirklich vieljährigen Anstrengungen öfter ausgesprochen, aber sie waren nie so notwendig auszusprechen als hier an diesem Ort. Denn wenn wir als Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft in Städten verstreut sind unter der anderen Bevölkerung, so ist das etwas ganz anderes, als wenn wir hier auf einem Haufen beisammen leben und wie auf dem Präsentierteller der anderen Bevölkerung gegenüberstehen. Da ist es notwendig, daß wir die Grundbedingungen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens wirklich in eindringlichster und ernstester Weise ins Auge fassen.
[ 10 ] Solche Dinge wurden ja im Laufe unserer jetzt schon wirklich vieljährigen Anstrengungen öfter ausgesprochen, aber sie waren nie so notwendig auszusprechen als hier an diesem Ort. Denn wenn wir als Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft in Städten verstreut sind unter der anderen Bevölkerung, so ist das etwas ganz anderes, als wenn wir hier auf einem Haufen beisammen leben und wie auf dem Präsentierteller der anderen Bevölkerung gegenüberstehen. Da ist es notwendig, daß wir die Grundbedingungen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens wirklich in eindringlichster und ernstester Weise ins Auge fassen.
[ 11 ] Das, was ich sage, meine lieben Freunde, wird selbstverständlich ganz unabhängig sein müssen davon, daß eine solche Gesellschaft wie die unsere es den außerhalb der Gesellschaft lebenden Menschen niemals wird recht machen können, daß sie niemals wird vermeiden können, daß sich die außerhalb der Gesellschaft stehenden Menschen in allen möglichen Verleumdungen, Verhöhnungen, in ungerechten Angriffen und so weiter ergehen. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß die Mitglieder der Gesellschaft wirklich alles dasjenige tun, was in jedem einzelnen Falle die Angriffe von außen eben als ungerechtfertigt erscheinen läßt, was ihnen bereits den Boden unter den Füßen als einen berechtigten entzieht.
[ 11 ] Das, was ich sage, meine lieben Freunde, wird selbstverständlich ganz unabhängig sein müssen davon, daß eine solche Gesellschaft wie die unsere es den außerhalb der Gesellschaft lebenden Menschen niemals wird recht machen können, daß sie niemals wird vermeiden können, daß sich die außerhalb der Gesellschaft stehenden Menschen in allen möglichen Verleumdungen, Verhöhnungen, in ungerechten Angriffen und so weiter ergehen. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß die Mitglieder der Gesellschaft wirklich alles dasjenige tun, was in jedem einzelnen Falle die Angriffe von außen eben als ungerechtfertigt erscheinen läßt, was ihnen bereits den Boden unter den Füßen als einen berechtigten entzieht.
[ 12 ] Da müssen wir dann schon wirklich einzelnes ins Auge fassen, meine lieben Freunde. Es ist schon einmal notwendig, daß man im äußeren Leben nicht immer bloß auf die Großigkeiten, sondern auch auf die Kleinigkeiten Rücksicht nimmt. Wenn zum Beispiel eine Anzahl von unseren Mitgliedern sich abends zwischen andere Menschen in einen Wagen der elektrischen Bahn setzen und von hier nach Basel hineinfahren und sich laut unterhalten über die verschiedenen Stiche, Zwickungen und Zwackungen in ihrem Ätherleib, so ist das, meine lieben Freunde, gewiß kein moralisches Verbrechen. Jedem, der so etwas tadelt, kann selbstverständlich eingewendet werden: Ja, was ist denn schließlich viel dahinter? - Nun, es ist wirklich sehr viel dahinter, wenn es sich um den Ernst und um die Würde unserer Bewegung handelt, und es sollte, trotzdem es keine Großigkeit, sondern eine Kleinigkeit ist, vermieden werden. Wir sollten vor allen Dingen anfangen da an uns zu reformieren, wo diese Reform reale Wirkungen haben kann. Wir sollten vor allen Dingen uns klar darüber sein, daß wir in dem Augenblick, wo wir nur uns Verständliches unter uns erörtern, wenn andere zuhören können, sich die anderen notwendig törichte Vorstellungen machen müssen von dem, was wir erzählen. Denn nicht wahr, wenn wir vom Ätherleib sprechen - nun, nehmen wir an, wir wissen, von was wir reden, aber der, der zuhört, weiß nicht, wovon wir reden. Der ist manchmal in demselben Fall, meine lieben Freunde, wie ein Dienstmädchen, das einige mir Näherstehende gut kennen und das, weil es unter anthroposophischen Leuten war, ein gewisses Interesse daran hatte zu wissen, was denn da eigentlich getrieben wird. Und so ging es in einen Vorbereitungskurs, der von einem unserer Mitglieder gehalten wurde, und als es dann nach Hause kam, sagte es: Nun, jetzt habe ich gehört, daß ich nicht nur einen Leib habe, sondern daß ich vier Leiber habe. Aber ich habe ja nur ein so ganz schmales Kämmerchen und ein schmales Bett, und nun weiß ich gar nicht, wie ich diese Leiber alle in meinem Bett unterbringen soll! - Es ist eine wahre Geschichte, die in einem mir gar nicht so fernstehenden Hause passiert ist, meine lieben Freunde. Ja, sehen Sie, genauso muß ein Mensch, der Ihnen zuhört, wenn Sie von dem Zwicken und Zwacken des Ätherleibes sprechen, ganz notwendig denken, daß Sie von dem Ätherleib reden wie von einem physischen Leib, und so führen Sie ihn im Grunde genommen irre und verriegeln ihm dadurch die Möglichkeit, überhaupt irgendwie der Bewegung näherzukommen.
[ 12 ] Da müssen wir dann schon wirklich einzelnes ins Auge fassen, meine lieben Freunde. Es ist schon einmal notwendig, daß man im äußeren Leben nicht immer bloß auf die Großigkeiten, sondern auch auf die Kleinigkeiten Rücksicht nimmt. Wenn zum Beispiel eine Anzahl von unseren Mitgliedern sich abends zwischen andere Menschen in einen Wagen der elektrischen Bahn setzen und von hier nach Basel hineinfahren und sich laut unterhalten über die verschiedenen Stiche, Zwickungen und Zwackungen in ihrem Ätherleib, so ist das, meine lieben Freunde, gewiß kein moralisches Verbrechen. Jedem, der so etwas tadelt, kann selbstverständlich eingewendet werden: Ja, was ist denn schließlich viel dahinter? - Nun, es ist wirklich sehr viel dahinter, wenn es sich um den Ernst und um die Würde unserer Bewegung handelt, und es sollte, trotzdem es keine Großigkeit, sondern eine Kleinigkeit ist, vermieden werden. Wir sollten vor allen Dingen anfangen da an uns zu reformieren, wo diese Reform reale Wirkungen haben kann. Wir sollten vor allen Dingen uns klar darüber sein, daß wir in dem Augenblick, wo wir nur uns Verständliches unter uns erörtern, wenn andere zuhören können, sich die anderen notwendig törichte Vorstellungen machen müssen von dem, was wir erzählen. Denn nicht wahr, wenn wir vom Ätherleib sprechen - nun, nehmen wir an, wir wissen, von was wir reden, aber der, der zuhört, weiß nicht, wovon wir reden. Der ist manchmal in demselben Fall, meine lieben Freunde, wie ein Dienstmädchen, das einige mir Näherstehende gut kennen und das, weil es unter anthroposophischen Leuten war, ein gewisses Interesse daran hatte zu wissen, was denn da eigentlich getrieben wird. Und so ging es in einen Vorbereitungskurs, der von einem unserer Mitglieder gehalten wurde, und als es dann nach Hause kam, sagte es: Nun, jetzt habe ich gehört, daß ich nicht nur einen Leib habe, sondern daß ich vier Leiber habe. Aber ich habe ja nur ein so ganz schmales Kämmerchen und ein schmales Bett, und nun weiß ich gar nicht, wie ich diese Leiber alle in meinem Bett unterbringen soll! - Es ist eine wahre Geschichte, die in einem mir gar nicht so fernstehenden Hause passiert ist, meine lieben Freunde. Ja, sehen Sie, genauso muß ein Mensch, der Ihnen zuhört, wenn Sie von dem Zwicken und Zwacken des Ätherleibes sprechen, ganz notwendig denken, daß Sie von dem Ätherleib reden wie von einem physischen Leib, und so führen Sie ihn im Grunde genommen irre und verriegeln ihm dadurch die Möglichkeit, überhaupt irgendwie der Bewegung näherzukommen.
[ 13 ] Daher ist es wichtig, daß wir an uns selber lernen, die Dinge, von denen wir reden, ernsthaft und genau zu nehmen, denn wenn sie auch an sich wirklich keine Großigkeiten sind, so richten sie trotzdem etwas wie eine Mauer von Vorurteilen um uns herum auf, die vermieden werden könnten und auch sollten. Also, daß wir lernen, wirklich genau zu sprechen, das ist etwas, was ganz notwendig ist in einer solchen Gesellschaft, wenn nicht nach und nach die Unmöglichkeit sich ergeben soll, in der Gesellschaft das pflegen zu können, was in ihr gepflegt werden soll.
[ 13 ] Daher ist es wichtig, daß wir an uns selber lernen, die Dinge, von denen wir reden, ernsthaft und genau zu nehmen, denn wenn sie auch an sich wirklich keine Großigkeiten sind, so richten sie trotzdem etwas wie eine Mauer von Vorurteilen um uns herum auf, die vermieden werden könnten und auch sollten. Also, daß wir lernen, wirklich genau zu sprechen, das ist etwas, was ganz notwendig ist in einer solchen Gesellschaft, wenn nicht nach und nach die Unmöglichkeit sich ergeben soll, in der Gesellschaft das pflegen zu können, was in ihr gepflegt werden soll.
[ 14 ] Ich bin heute genötigt, eine ganze Anzahl von Dingen zu sagen, die wahrscheinlich den meisten von Ihnen als höchst überflüssig vorkommen werden, aus dem einfachen Grunde, weil jeder sagt: Na, was soll denn das jetzt heißen, man soll genau sprechen. - Aber, meine lieben Freunde, machen Sie nur einmal die Augen auf, wenn da oder dort irgend etwas geschieht, irgend etwas gesprochen wird und einer es dem anderen weitererzählt. Wenn Sie darauf achten würden, ob wirklich ganz genau geschildert worden ist, so würden Sie sehr leicht in unzähligen Fällen die Abweichung von der Genauigkeit bemerken können. Wenn nun gar das, was erzählt oder gesehen worden ist, einem weiteren und wieder einem weiteren gesagt worden ist, dann entsteht zuweilen ein richtiges Ungetüm von dem, was wirklich geschehen oder gesagt worden ist. Man kann wirklich gerade innerhalb unserer Gesellschaft darin Erfahrungen haben.
[ 14 ] Ich bin heute genötigt, eine ganze Anzahl von Dingen zu sagen, die wahrscheinlich den meisten von Ihnen als höchst überflüssig vorkommen werden, aus dem einfachen Grunde, weil jeder sagt: Na, was soll denn das jetzt heißen, man soll genau sprechen. - Aber, meine lieben Freunde, machen Sie nur einmal die Augen auf, wenn da oder dort irgend etwas geschieht, irgend etwas gesprochen wird und einer es dem anderen weitererzählt. Wenn Sie darauf achten würden, ob wirklich ganz genau geschildert worden ist, so würden Sie sehr leicht in unzähligen Fällen die Abweichung von der Genauigkeit bemerken können. Wenn nun gar das, was erzählt oder gesehen worden ist, einem weiteren und wieder einem weiteren gesagt worden ist, dann entsteht zuweilen ein richtiges Ungetüm von dem, was wirklich geschehen oder gesagt worden ist. Man kann wirklich gerade innerhalb unserer Gesellschaft darin Erfahrungen haben.
[ 15 ] Man muß bedenken, meine lieben Freunde, daß man gerade in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung fruchtbar doch nur wirken kann, wenn man sich Genauigkeit, ein reales genaues Erfassen der Dinge angewöhnt, denn die Geisteswissenschaft zwingt Sie ja dazu, Ihren Geistesblick auf Dinge zu richten, die mit der äußeren physischen Welt nichts zu tun haben. Und um das richtige Verhältnis dazu zu gewinnen, muß man ein Gegengewicht schaffen. Und das kann nur darin bestehen, daß man die Dinge auf dem physischen Plan so real als möglich nimmt, Genauigkeit ist eben ein Teil der Realität.
[ 15 ] Man muß bedenken, meine lieben Freunde, daß man gerade in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung fruchtbar doch nur wirken kann, wenn man sich Genauigkeit, ein reales genaues Erfassen der Dinge angewöhnt, denn die Geisteswissenschaft zwingt Sie ja dazu, Ihren Geistesblick auf Dinge zu richten, die mit der äußeren physischen Welt nichts zu tun haben. Und um das richtige Verhältnis dazu zu gewinnen, muß man ein Gegengewicht schaffen. Und das kann nur darin bestehen, daß man die Dinge auf dem physischen Plan so real als möglich nimmt, Genauigkeit ist eben ein Teil der Realität.
[ 16 ] Ich habe vor einiger Zeit in München einen öffentlichen Vortrag gehalten, über den einzelne Menschen außerordentlich erstaunt waren. Er handelte über das Wesen des Bösen. Ich habe da auseinandergesetzt, wie die Kräfte, die hier auf dem physischen Plan im Bösen walten, gewissermaßen nur von höheren Planen auf den physischen Plan herunterversetzte Kräfte sind; daß gewisse Kräfte, die da oben in der geistigen Welt uns dazu führen können, Geistiges zu erkennen, zu beherrschen, da unten in der physischen Welt zum Bösen werden können. Denn dieselbe Kraft, welche uns befähigt, Verständnis zu gewinnen für die geistige Welt, und von der wir wissen, daß wir in der geistigen Welt mit dieser Kraft des Verständnisses stehenbleiben müssen - dieselbe Kraft muß Unfug, richtigen Unfug hervorrufen, wenn sie gedankenlos unmittelbar auf den physischen Plan übertragen wird. Denn worin muß das Wesen dieser Kraft bestehen, meine lieben Freunde? Es muß darin bestehen, sich in seinem Denken unabhängig zu machen vom physischen Plan. Wendet man aber diese Kraft des Sich-unabhängig-Machens vom physischen Plan auf den physischen Plan selber an, so heißt das lügen und verlogen sein. Deshalb sahen diejenigen, welche Geisteswissenschaftliches zu verbreiten hatten, zu allen Zeiten solche Gefahren in der Verbreitung, weil das, was für das Verständnis der höheren Plane notwendig ist, wenn es unmittelbar übertragen wird in die physische Welt, zu Unfug führen wird. Daher muß gegen dieses ein Gegengewicht herrschen. Es ist also notwendig, um die Verständniskräfte für die geistige Welt rein und schön und tauglich zu haben, daß man für den physischen Plan sein Wahrheitsgefühl, das heißt auch sein Genauigkeitsgefühl, in der allerschärfsten Weise ausbildet. Denn bei allem, was nicht mit der Genauigkeit auf dem physischen Plan rechnet, vermischen sich innerhalb einer sogenannten okkulten Gesellschaft sogleich in ungehöriger Weise gewisse Anlagen, die sich durch die Geisteswissenschaft selber ausbilden, mit dem Niedrigsten, dem Allerniedrigsten des physischen Planes.
[ 16 ] Ich habe vor einiger Zeit in München einen öffentlichen Vortrag gehalten, über den einzelne Menschen außerordentlich erstaunt waren. Er handelte über das Wesen des Bösen. Ich habe da auseinandergesetzt, wie die Kräfte, die hier auf dem physischen Plan im Bösen walten, gewissermaßen nur von höheren Planen auf den physischen Plan herunterversetzte Kräfte sind; daß gewisse Kräfte, die da oben in der geistigen Welt uns dazu führen können, Geistiges zu erkennen, zu beherrschen, da unten in der physischen Welt zum Bösen werden können. Denn dieselbe Kraft, welche uns befähigt, Verständnis zu gewinnen für die geistige Welt, und von der wir wissen, daß wir in der geistigen Welt mit dieser Kraft des Verständnisses stehenbleiben müssen - dieselbe Kraft muß Unfug, richtigen Unfug hervorrufen, wenn sie gedankenlos unmittelbar auf den physischen Plan übertragen wird. Denn worin muß das Wesen dieser Kraft bestehen, meine lieben Freunde? Es muß darin bestehen, sich in seinem Denken unabhängig zu machen vom physischen Plan. Wendet man aber diese Kraft des Sich-unabhängig-Machens vom physischen Plan auf den physischen Plan selber an, so heißt das lügen und verlogen sein. Deshalb sahen diejenigen, welche Geisteswissenschaftliches zu verbreiten hatten, zu allen Zeiten solche Gefahren in der Verbreitung, weil das, was für das Verständnis der höheren Plane notwendig ist, wenn es unmittelbar übertragen wird in die physische Welt, zu Unfug führen wird. Daher muß gegen dieses ein Gegengewicht herrschen. Es ist also notwendig, um die Verständniskräfte für die geistige Welt rein und schön und tauglich zu haben, daß man für den physischen Plan sein Wahrheitsgefühl, das heißt auch sein Genauigkeitsgefühl, in der allerschärfsten Weise ausbildet. Denn bei allem, was nicht mit der Genauigkeit auf dem physischen Plan rechnet, vermischen sich innerhalb einer sogenannten okkulten Gesellschaft sogleich in ungehöriger Weise gewisse Anlagen, die sich durch die Geisteswissenschaft selber ausbilden, mit dem Niedrigsten, dem Allerniedrigsten des physischen Planes.
[ 17 ] Meine lieben Freunde, nehmen Sie eine im weiteren Sinne gewöhnliche materialistische Gesellschaft an. Wie Sie wissen oder vielleicht schon gehört haben, wenn Sie es nicht direkt wissen: Es gibt Gesellschaftskreise, in denen der sogenannte Klatsch oder Tratsch, oder wie man es nennt, herrscht. Wenigstens vom Hörensagen werden manche von Ihnen etwas vom Klatsch oder Tratsch wissen, nicht wahr. Also in einer gewöhnlichen materialistischen Philistergesellschaft herrscht der Tratsch und Klatsch. Er ist ja meistens nicht besonders gut, und es läßt sich manches dagegen einwenden, aber es mischen sich doch wenigstens nicht okkulte Inhalte hinein. Wenn aber in einer okkulten Gesellschaft Klatsch und Tratsch herrscht, dann mischen sich sogleich am liebsten gerade okkulte Inhalte hinein.
[ 17 ] Meine lieben Freunde, nehmen Sie eine im weiteren Sinne gewöhnliche materialistische Gesellschaft an. Wie Sie wissen oder vielleicht schon gehört haben, wenn Sie es nicht direkt wissen: Es gibt Gesellschaftskreise, in denen der sogenannte Klatsch oder Tratsch, oder wie man es nennt, herrscht. Wenigstens vom Hörensagen werden manche von Ihnen etwas vom Klatsch oder Tratsch wissen, nicht wahr. Also in einer gewöhnlichen materialistischen Philistergesellschaft herrscht der Tratsch und Klatsch. Er ist ja meistens nicht besonders gut, und es läßt sich manches dagegen einwenden, aber es mischen sich doch wenigstens nicht okkulte Inhalte hinein. Wenn aber in einer okkulten Gesellschaft Klatsch und Tratsch herrscht, dann mischen sich sogleich am liebsten gerade okkulte Inhalte hinein.
[ 18 ] Man sollte solche Dinge, wie ich hoffe, in unserem Kreise wirklich besprechen können, denn es sollte auch dieses zu unserer Gesellschaft gehören, daß man noch in der Lage ist, etwas zu sagen, was nicht gleich wieder aus der Gesellschaft hinausgetragen wird, um draußen mißverstanden zu werden. Auch darin haben wir ja hier keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn wir solche weiterhin machen müssen, dann muß das eben selbstverständlich zu einer Andersgestaltung unserer Gesellschaft führen. Das, was in der Gesellschaft gesagt wird, muß innerhalb der Gesellschaft im strengsten Sinne bleiben, denn man muß auch zuweilen irgendwelche Worte sagen können, die man nicht so ohne weiteres außerhalb der Gesellschaft sagen würde.
[ 18 ] Man sollte solche Dinge, wie ich hoffe, in unserem Kreise wirklich besprechen können, denn es sollte auch dieses zu unserer Gesellschaft gehören, daß man noch in der Lage ist, etwas zu sagen, was nicht gleich wieder aus der Gesellschaft hinausgetragen wird, um draußen mißverstanden zu werden. Auch darin haben wir ja hier keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn wir solche weiterhin machen müssen, dann muß das eben selbstverständlich zu einer Andersgestaltung unserer Gesellschaft führen. Das, was in der Gesellschaft gesagt wird, muß innerhalb der Gesellschaft im strengsten Sinne bleiben, denn man muß auch zuweilen irgendwelche Worte sagen können, die man nicht so ohne weiteres außerhalb der Gesellschaft sagen würde.
[ 19 ] Nun, in unserer Gesellschaft wird und muß selbstverständlich sehr viel von karmischen Zusammenhängen der Menschen gesprochen werden. Die können ja ganz gut bestehen, bestehen auch selbstverständlich, aber wenn sich ohne weiteres immer wieder und wieder die Anschauung über das Karma in die gewöhnlichen Lebensbeziehungen hineinmischen, dann treiben wir Unfug. Wir treiben deshalb wirklich Unfug, weil wir den Wahrheitsbegriff nicht streng genug nehmen, der im allerintensivsten Maße streng genommen werden muß.
[ 19 ] Nun, in unserer Gesellschaft wird und muß selbstverständlich sehr viel von karmischen Zusammenhängen der Menschen gesprochen werden. Die können ja ganz gut bestehen, bestehen auch selbstverständlich, aber wenn sich ohne weiteres immer wieder und wieder die Anschauung über das Karma in die gewöhnlichen Lebensbeziehungen hineinmischen, dann treiben wir Unfug. Wir treiben deshalb wirklich Unfug, weil wir den Wahrheitsbegriff nicht streng genug nehmen, der im allerintensivsten Maße streng genommen werden muß.
[ 20 ] Es gibt ja, ich kann schon sagen, zahlreiche Fälle, sowohl in wie auch außerhalb unserer Gesellschaft, in okkulten Kreisen, wo die subjektiven Dinge, die sich selbstverständlich auf dem physischen Plan zutragen, verbrämt, durchsetzt werden mit okkulten Wahrheiten. Ich will gleich einen radikalen Fall nehmen, der ja vielleicht in unserer Gesellschaft nicht sehr verbreitet ist, der aber wirklich eine und nur eine der Erfahrungen auf diesem Gebiet ist und unzählige Male vorgekommen ist. Es haben Leute im Verlaufe ihres Lebens gehört, daß es eine Wiederverkörperung gibt, und sie haben gehört, daß ein Christus gelebt hat. Nun, es ist mir wirklich selber nicht nur einmal vorgekommen, daß Frauen, die diese beiden Tatsachen der geistigen Welt - daß es eine Wiederverkörperung und daß es einen Christus gibt - in sich aufgenommen und nunmehr sich das sehr reale Ideal gebildet haben, sie müßten dazu ausersehen sein, den Christus zu gebären, und nun ihr Leben so eingerichtet haben, daß sie eben suchten, wie sie dazu kommen könnten, den Christus zu gebären. Ja, sehen Sie, solche Dinge beim Namen zu nennen, ist nicht schön; aber man muß es einmal tun, weil ja die Gesellschaft geschützt werden muß und sich nur dann selber schützt, wenn sie die Augen nicht verschließt vor dem Unfug, der mit okkulten Wahrheiten auf dem physischen Plan schr leicht getrieben werden kann. Wahrhaftig, es ist dies ein radikaler Fall, aber es kommt nicht etwa nur einmal, sondern immer wieder und wieder vor. Ich habe ihn radikal charakterisiert, weil er im Kleinen immer wieder vorkommt und es sich ja darum handelt, daß wir nicht immer bloß auf die GroBigkeit zu sehen haben. Dies ist ja zwar eine Großigkeit, weil es zu großem Unfug führt, wenn irgend jemand denkt, er müsse den Christus gebären; aber im Kleinen kommen diese Dinge eben immer wieder und wieder vor.
[ 20 ] Es gibt ja, ich kann schon sagen, zahlreiche Fälle, sowohl in wie auch außerhalb unserer Gesellschaft, in okkulten Kreisen, wo die subjektiven Dinge, die sich selbstverständlich auf dem physischen Plan zutragen, verbrämt, durchsetzt werden mit okkulten Wahrheiten. Ich will gleich einen radikalen Fall nehmen, der ja vielleicht in unserer Gesellschaft nicht sehr verbreitet ist, der aber wirklich eine und nur eine der Erfahrungen auf diesem Gebiet ist und unzählige Male vorgekommen ist. Es haben Leute im Verlaufe ihres Lebens gehört, daß es eine Wiederverkörperung gibt, und sie haben gehört, daß ein Christus gelebt hat. Nun, es ist mir wirklich selber nicht nur einmal vorgekommen, daß Frauen, die diese beiden Tatsachen der geistigen Welt - daß es eine Wiederverkörperung und daß es einen Christus gibt - in sich aufgenommen und nunmehr sich das sehr reale Ideal gebildet haben, sie müßten dazu ausersehen sein, den Christus zu gebären, und nun ihr Leben so eingerichtet haben, daß sie eben suchten, wie sie dazu kommen könnten, den Christus zu gebären. Ja, sehen Sie, solche Dinge beim Namen zu nennen, ist nicht schön; aber man muß es einmal tun, weil ja die Gesellschaft geschützt werden muß und sich nur dann selber schützt, wenn sie die Augen nicht verschließt vor dem Unfug, der mit okkulten Wahrheiten auf dem physischen Plan schr leicht getrieben werden kann. Wahrhaftig, es ist dies ein radikaler Fall, aber es kommt nicht etwa nur einmal, sondern immer wieder und wieder vor. Ich habe ihn radikal charakterisiert, weil er im Kleinen immer wieder vorkommt und es sich ja darum handelt, daß wir nicht immer bloß auf die GroBigkeit zu sehen haben. Dies ist ja zwar eine Großigkeit, weil es zu großem Unfug führt, wenn irgend jemand denkt, er müsse den Christus gebären; aber im Kleinen kommen diese Dinge eben immer wieder und wieder vor.
[ 21 ] Nicht wahr, im gewöhnlichen, philiströsen bürgerlichen Leben verlieben sich die Menschen, verliebt sich ein Mann in ein Mädchen. Man nennt’s «Sichverlieben» und man sagt die Wahrheit. In einer okkulten Gesellschaft soll es auch vorkommen, daß sich ein Mann in ein Mädchen verliebt. Es ist wirklich nicht ganz ausgeschlossen nach verschiedenen so möglichen Beobachtungen. Mancher von Ihnen wird doch schon einmal gehört haben, daß es auch vorgekommen ist. Aber man hört nicht immer in einer solchen Gesellschaft: der X hat sich in die Y verliebt. Bei den Bauern heißt es, er geht mit ihr oder sie geht mit ihm. Das ist für dasjenige, was sich dem äußeren Anblick darbietet, zumeist eine sehr genaue Darstellung der Sache. Aber innerhalb okkulter Gesellschaften kann man manchmal hören: Ich habe mein Karma durchforscht, und da ich mein Karma durchforscht habe, ist in dieses Karma hereingetreten eine andere Persönlichkeit; da haben wir dann erkannt, daß wir durch das Karma füreinander bestimmt sind, daß das Karma uns dazu bestimmt hat, in dieser oder jener Weise in das Schicksal der Welt einzugreifen.
[ 21 ] Nicht wahr, im gewöhnlichen, philiströsen bürgerlichen Leben verlieben sich die Menschen, verliebt sich ein Mann in ein Mädchen. Man nennt’s «Sichverlieben» und man sagt die Wahrheit. In einer okkulten Gesellschaft soll es auch vorkommen, daß sich ein Mann in ein Mädchen verliebt. Es ist wirklich nicht ganz ausgeschlossen nach verschiedenen so möglichen Beobachtungen. Mancher von Ihnen wird doch schon einmal gehört haben, daß es auch vorgekommen ist. Aber man hört nicht immer in einer solchen Gesellschaft: der X hat sich in die Y verliebt. Bei den Bauern heißt es, er geht mit ihr oder sie geht mit ihm. Das ist für dasjenige, was sich dem äußeren Anblick darbietet, zumeist eine sehr genaue Darstellung der Sache. Aber innerhalb okkulter Gesellschaften kann man manchmal hören: Ich habe mein Karma durchforscht, und da ich mein Karma durchforscht habe, ist in dieses Karma hereingetreten eine andere Persönlichkeit; da haben wir dann erkannt, daß wir durch das Karma füreinander bestimmt sind, daß das Karma uns dazu bestimmt hat, in dieser oder jener Weise in das Schicksal der Welt einzugreifen.
[ 22 ] Man merkt da nicht, meine lieben Freunde, wieviel an Verlogenheit, angefangen von der einfachen Tatsache des Sichverliebens bis zu dieser Behauptung hin, sich in die ganze Sache hineingemischt hat - an Verlogenheit, die der folgenden Tatsache entspricht. In einer materialistischen Philistergesellschaft gilt es als etwas ganz Normales, daß zwei Leute sich ineinander verlieben. In einer okkulten Gesellschaft gilt es oftmals nicht als etwas Normales, sondern als etwas, dem gegenüber man sich oft sogar ein bißchen schämt. Aber siehe da, das tut man nicht gern. Aus welchen Gründen heraus man keinen Willen zum Sichschämen hat, das braucht ja nicht untersucht zu werden, denn das können hunderterlei Gründe sein. Aber man schämt sich ja überhaupt nicht gern. Statt dessen sagt man: Das Karma hat gesprochen, und dem Karma muß man gehorchen. Selbstverständlich ist man weit davon entfernt, aus bloßem Egoismus, aus bloßen Emotionen heraus dieses oder jenes zu tun, aber dem Karma muß man gehorchen! Wahr wäre man, meine lieben Freunde, wenn man sich gestehen würde, man hat sich halt verliebt. Man würde dann nämlich, wenn man sich die Wahrheit gestehen würde, einen viel sichereren Weg durchs Leben finden, als wenn man die Wahrheit mit allerhand karmischem Unfug verquickt. Denn der Grundunfug, die Dinge des persönlichen Lebens mit okkulten Wahrheiten zu verbrämen, führt zu unzähligen anderen Unfugen; namentlich dadurch, daß man dann keinen innerlichen Gefühlsmaßstab mehr hat für das Einhalten der Grenzen, die uns auferlegt sind dadurch, daß wir uns einer geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung zuwenden.
[ 22 ] Man merkt da nicht, meine lieben Freunde, wieviel an Verlogenheit, angefangen von der einfachen Tatsache des Sichverliebens bis zu dieser Behauptung hin, sich in die ganze Sache hineingemischt hat - an Verlogenheit, die der folgenden Tatsache entspricht. In einer materialistischen Philistergesellschaft gilt es als etwas ganz Normales, daß zwei Leute sich ineinander verlieben. In einer okkulten Gesellschaft gilt es oftmals nicht als etwas Normales, sondern als etwas, dem gegenüber man sich oft sogar ein bißchen schämt. Aber siehe da, das tut man nicht gern. Aus welchen Gründen heraus man keinen Willen zum Sichschämen hat, das braucht ja nicht untersucht zu werden, denn das können hunderterlei Gründe sein. Aber man schämt sich ja überhaupt nicht gern. Statt dessen sagt man: Das Karma hat gesprochen, und dem Karma muß man gehorchen. Selbstverständlich ist man weit davon entfernt, aus bloßem Egoismus, aus bloßen Emotionen heraus dieses oder jenes zu tun, aber dem Karma muß man gehorchen! Wahr wäre man, meine lieben Freunde, wenn man sich gestehen würde, man hat sich halt verliebt. Man würde dann nämlich, wenn man sich die Wahrheit gestehen würde, einen viel sichereren Weg durchs Leben finden, als wenn man die Wahrheit mit allerhand karmischem Unfug verquickt. Denn der Grundunfug, die Dinge des persönlichen Lebens mit okkulten Wahrheiten zu verbrämen, führt zu unzähligen anderen Unfugen; namentlich dadurch, daß man dann keinen innerlichen Gefühlsmaßstab mehr hat für das Einhalten der Grenzen, die uns auferlegt sind dadurch, daß wir uns einer geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung zuwenden.
[ 23 ] Wir dürfen ja nicht eigentlich die schlechtesten Regeln der Philistergesellschaften in unsere Gesellschaft einführen. Es gibt ja gewisse Gesellschaftskreise, die sagen, der Mensch fängt erst mit dem Baron an. Nicht wahr, wir dürfen das nicht so verkehren, daß wir sagen, der Mensch fängt erst beim Geisteswissenschaftler oder beim Anthroposophen an; beim «Antilopen» sagen die andern jetzt. Das dürfen wir nicht, sondern wir müssen schon zugeben, daß wir, bevor wir Geisteswissenschaftler geworden sind, auch Menschen waren mit ganz bestimmten Anschauungen, die damals dies oder jenes getan und dies oder jenes unterlassen hätten.
[ 23 ] Wir dürfen ja nicht eigentlich die schlechtesten Regeln der Philistergesellschaften in unsere Gesellschaft einführen. Es gibt ja gewisse Gesellschaftskreise, die sagen, der Mensch fängt erst mit dem Baron an. Nicht wahr, wir dürfen das nicht so verkehren, daß wir sagen, der Mensch fängt erst beim Geisteswissenschaftler oder beim Anthroposophen an; beim «Antilopen» sagen die andern jetzt. Das dürfen wir nicht, sondern wir müssen schon zugeben, daß wir, bevor wir Geisteswissenschaftler geworden sind, auch Menschen waren mit ganz bestimmten Anschauungen, die damals dies oder jenes getan und dies oder jenes unterlassen hätten.
[ 24 ] Nun habe ich ja schon in sehr frühen Zeiten unserer Bewegung darauf aufmerksam gemacht, daß es notwendig ist, durch unsere geisteswissenschaftlichen Ansichten nicht unter das Niveau hinterzusinken, das wir vorher eingehalten haben, sondern daß wir über dieses Niveau hinaufsteigen müssen in jeder Beziehung. Daher sagte ich schon vor vielen Jahren: Wir sind mit einem gewissen Fonds von moralischen Anschauungen, von Lebensusancen ausgerüstet gewesen, bevor wir in die Gesellschaft hineingekommen sind, und diese Lebensusancen sollten wir solange unangetastet lassen, bis uns nun wirklich eine deutliche, kontrollierbare innere Notwendigkeit zwingt, sie zu ändern; und das wird in der Regel sehr spät sein. Es ist von großem Schaden, wenn wir, nachdem wir gerade ein bißchen etwas gelernt haben aus der Geisteswissenschaft, dieses bißchen Gelernte irgendwie zu stark zu einer Verbrämung des Lebens gebrauchen. Man muß sich schon über eines dabei klar sein, meine lieben Freunde: Die Einrichtung des äußeren Lebens ist wirklich auch durch eine Art von Karma entstanden. Und wie die Menschen in der Welt denken, wie sie sich aufführen, das entspricht einem Karma.
[ 24 ] Nun habe ich ja schon in sehr frühen Zeiten unserer Bewegung darauf aufmerksam gemacht, daß es notwendig ist, durch unsere geisteswissenschaftlichen Ansichten nicht unter das Niveau hinterzusinken, das wir vorher eingehalten haben, sondern daß wir über dieses Niveau hinaufsteigen müssen in jeder Beziehung. Daher sagte ich schon vor vielen Jahren: Wir sind mit einem gewissen Fonds von moralischen Anschauungen, von Lebensusancen ausgerüstet gewesen, bevor wir in die Gesellschaft hineingekommen sind, und diese Lebensusancen sollten wir solange unangetastet lassen, bis uns nun wirklich eine deutliche, kontrollierbare innere Notwendigkeit zwingt, sie zu ändern; und das wird in der Regel sehr spät sein. Es ist von großem Schaden, wenn wir, nachdem wir gerade ein bißchen etwas gelernt haben aus der Geisteswissenschaft, dieses bißchen Gelernte irgendwie zu stark zu einer Verbrämung des Lebens gebrauchen. Man muß sich schon über eines dabei klar sein, meine lieben Freunde: Die Einrichtung des äußeren Lebens ist wirklich auch durch eine Art von Karma entstanden. Und wie die Menschen in der Welt denken, wie sie sich aufführen, das entspricht einem Karma.
[ 25 ] Nun, ich rede ja am liebsten immer von konkreten Fällen, weil diese am allerklarsten sprechen. Sehen Sie, mir ist zum Beispiel einmal folgendes passiert. Ich saß vor einiger Zeit einmal in einem Friseurladen - verzeihen Sie die Besprechung solcher Dinge, aber schließlich gar so indiskret, gar so sehr das Intimste berührend ist das, was ich erzählen will, ja nicht. Ich saß vor dem Spiegel und konnte darin sehen, welche Leute hereinkamen. Da ging die Türe auf, und es kam ein Mann herein, welcher eine bloß aus weichem Leder bestehende, nur so zusammengebundene Fußbekleidung trug, dann trikotähnliche anliegende Beinkleider darüber und eine Art von kokett geworfenem mantelartigem Überwurf; außerdem noch etwas wie ein Stirnband, die Haare kühn rückwärts geschwungen. Der sogenannte Zufall wollte es, daß ich den Mann sehr gut kannte. Der Friseur hat mit seinem Rasiermesser, das er gerade an mich angesetzt hatte, eingehalten und dem Mann um fünf Pfennige etwas abgekauft. Es war ein von diesem Mann selbstverfaßtes Gedicht, das mir der Friseur, als der Mann wieder hinausgegangen war, gezeigt hat. Es war ein Scheusal von einem Gedicht, aber der Mann ging damit auf der Straße und in den Läden herum und verkaufte es. Er ging in diesem Aufzug herum und bildete sich ein, unendlich erhaben zu sein über alle anderen Menschen rings um ihn herum. Er bildete sich ein, einem großen Ideal nachzuhängen, aber in Wirklichkeit hängt er nur einer hochgesteigerten hysterischen Eitelkeit nach. Dasjenige, was bei den allerallereitelsten Damen, bei den auf die alleräußersten Äußerlichkeiten gehenden Damen, Prinzip ist, das ist bei diesem Mann aufs allerhöchste gesteigert, ist der Grundimpuls seines ganzen Auftretens, seiner ganzen Art.
[ 25 ] Nun, ich rede ja am liebsten immer von konkreten Fällen, weil diese am allerklarsten sprechen. Sehen Sie, mir ist zum Beispiel einmal folgendes passiert. Ich saß vor einiger Zeit einmal in einem Friseurladen - verzeihen Sie die Besprechung solcher Dinge, aber schließlich gar so indiskret, gar so sehr das Intimste berührend ist das, was ich erzählen will, ja nicht. Ich saß vor dem Spiegel und konnte darin sehen, welche Leute hereinkamen. Da ging die Türe auf, und es kam ein Mann herein, welcher eine bloß aus weichem Leder bestehende, nur so zusammengebundene Fußbekleidung trug, dann trikotähnliche anliegende Beinkleider darüber und eine Art von kokett geworfenem mantelartigem Überwurf; außerdem noch etwas wie ein Stirnband, die Haare kühn rückwärts geschwungen. Der sogenannte Zufall wollte es, daß ich den Mann sehr gut kannte. Der Friseur hat mit seinem Rasiermesser, das er gerade an mich angesetzt hatte, eingehalten und dem Mann um fünf Pfennige etwas abgekauft. Es war ein von diesem Mann selbstverfaßtes Gedicht, das mir der Friseur, als der Mann wieder hinausgegangen war, gezeigt hat. Es war ein Scheusal von einem Gedicht, aber der Mann ging damit auf der Straße und in den Läden herum und verkaufte es. Er ging in diesem Aufzug herum und bildete sich ein, unendlich erhaben zu sein über alle anderen Menschen rings um ihn herum. Er bildete sich ein, einem großen Ideal nachzuhängen, aber in Wirklichkeit hängt er nur einer hochgesteigerten hysterischen Eitelkeit nach. Dasjenige, was bei den allerallereitelsten Damen, bei den auf die alleräußersten Äußerlichkeiten gehenden Damen, Prinzip ist, das ist bei diesem Mann aufs allerhöchste gesteigert, ist der Grundimpuls seines ganzen Auftretens, seiner ganzen Art.
[ 26 ] Wie viele aber, meine lieben Freunde, sind selbst unter den in unserer Gesellschaft Lebenden vielleicht doch einmal ganz geneigt gewesen - ich will, um höflich zu sein, nicht sagen, daß sie es heute noch sind -, zu sagen: Ja nun, der Mann will in seiner Art doch auch das Richtige. - Das ist ja zwar richtig, aber es ist trotzdem ein kolossaler Unsinn, der das ganze Leben untergräbt, wenn man ihn zur Lebensmaxime machen würde. Man muß sich wirklich darüber klar werden, welche unendlichen Eitelkeitsmotive in einem Menschen sitzen können und wie schwer man diese bemerkt. Und wenn wir dasjenige, was wir aus der Geisteswissenschaft gewinnen können, ernst und würdig nehmen, so müssen wir doch verstehen, daß in einem solchen Manne wirklich starke Kräfte der Eitelkeit liegen. Wir machen dies oder jenes aus Eitelkeit - über andere Impulse will ich gar nicht sprechen -, und andere nehmen daran Anstoß, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Deshalb ist aber doch ein Zusammenhang zwischen uns und dem, was die anderen sagen. Und bei einer genauen Prüfung könnten wir den Zusammenhang sehr leicht finden. Aber wir kommen über diese Dinge wirklich nur hinaus, wenn wir uns als Gegengewicht ein Genauigkeitsgefühl, ein striktes Genauigkeitsgefühl aneignen. Und wir brauchen das zum Verständnis der okkultistischen Wahrheiten.
[ 26 ] Wie viele aber, meine lieben Freunde, sind selbst unter den in unserer Gesellschaft Lebenden vielleicht doch einmal ganz geneigt gewesen - ich will, um höflich zu sein, nicht sagen, daß sie es heute noch sind -, zu sagen: Ja nun, der Mann will in seiner Art doch auch das Richtige. - Das ist ja zwar richtig, aber es ist trotzdem ein kolossaler Unsinn, der das ganze Leben untergräbt, wenn man ihn zur Lebensmaxime machen würde. Man muß sich wirklich darüber klar werden, welche unendlichen Eitelkeitsmotive in einem Menschen sitzen können und wie schwer man diese bemerkt. Und wenn wir dasjenige, was wir aus der Geisteswissenschaft gewinnen können, ernst und würdig nehmen, so müssen wir doch verstehen, daß in einem solchen Manne wirklich starke Kräfte der Eitelkeit liegen. Wir machen dies oder jenes aus Eitelkeit - über andere Impulse will ich gar nicht sprechen -, und andere nehmen daran Anstoß, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Deshalb ist aber doch ein Zusammenhang zwischen uns und dem, was die anderen sagen. Und bei einer genauen Prüfung könnten wir den Zusammenhang sehr leicht finden. Aber wir kommen über diese Dinge wirklich nur hinaus, wenn wir uns als Gegengewicht ein Genauigkeitsgefühl, ein striktes Genauigkeitsgefühl aneignen. Und wir brauchen das zum Verständnis der okkultistischen Wahrheiten.
[ 27 ] Sehen Sie, es ist ja eine Kleinigkeit, keine Großigkeit, aber es ist gerade im Okkultismus ungeheuer wichtig, zu wissen und zu beachten: Wenn jemand etwas weitererzählt, so ist es notwendig, daß man aus der Erzählung immer genau erkennen kann, ob er die Sache selber beobachtet hat, ob er also ein Recht hat, von einer Tatsache zu sprechen, oder ob es sich um eine Erzählung handelt, die ihm ein anderer gegeben hat. Das muß man genau unterscheiden können. Nun kommt es aber in hunderten und hunderten von Fällen vor, daß sich eine Tatsache einfach so abspielt: Irgend jemand erzählt einem andern etwas, und der andere erzählt das wieder einem andern, aber so, daß der Dritte den Eindruck bekommt: Der hat es nicht erzählt bekommen, sondern hat es selber erlebt, also hat er die Berechtigung, darüber als von einer Tatsache zu sprechen. - Diese Ungenauigkeiten sind in einer materialistischen Philistergesellschaft von einer geringeren Wichtigkeit als in unserer Gesellschaft. In einer materialistischen Philistergesellschaft kann es eine Pedanterie sein, über die Dinge so genau zu reden; aber bei uns muß strikter und genauer beobachtet werden als irgendwo anders. Und vor allen Dingen handelt es sich darum, Genauigkeit gegen uns selber zu pflegen.
[ 27 ] Sehen Sie, es ist ja eine Kleinigkeit, keine Großigkeit, aber es ist gerade im Okkultismus ungeheuer wichtig, zu wissen und zu beachten: Wenn jemand etwas weitererzählt, so ist es notwendig, daß man aus der Erzählung immer genau erkennen kann, ob er die Sache selber beobachtet hat, ob er also ein Recht hat, von einer Tatsache zu sprechen, oder ob es sich um eine Erzählung handelt, die ihm ein anderer gegeben hat. Das muß man genau unterscheiden können. Nun kommt es aber in hunderten und hunderten von Fällen vor, daß sich eine Tatsache einfach so abspielt: Irgend jemand erzählt einem andern etwas, und der andere erzählt das wieder einem andern, aber so, daß der Dritte den Eindruck bekommt: Der hat es nicht erzählt bekommen, sondern hat es selber erlebt, also hat er die Berechtigung, darüber als von einer Tatsache zu sprechen. - Diese Ungenauigkeiten sind in einer materialistischen Philistergesellschaft von einer geringeren Wichtigkeit als in unserer Gesellschaft. In einer materialistischen Philistergesellschaft kann es eine Pedanterie sein, über die Dinge so genau zu reden; aber bei uns muß strikter und genauer beobachtet werden als irgendwo anders. Und vor allen Dingen handelt es sich darum, Genauigkeit gegen uns selber zu pflegen.
[ 28 ] Derjenige, der sich von der ganzen Tragweite dessen, was ich sagen will, eine richtige Überzeugung verschaffen will, könnte ja zur Probe einmal das Folgende unternehmen. Er könnte sich ein Thema wählen - nehmen wir zum Beispiel den Vegetarismus - und sich vornehmen, darauf zu achten, wie von gewissen Bekennern der Geisteswissenschaft gegenüber der Außenwelt dieses Thema behandelt wird. Er könnte sich eine Tabelle anlegen, und immer, wenn er hört, wie ein Geisteswissenschaftler von sich sagt, warum er Vegetarier ist, könnte er sich notieren, warum der nach seiner eigenen Anschauung zu den anderen Leuten sagt, daß er Vegetarier ist. Beim nächsten Fall wiederum, und so weiter. Da würde man sich überzeugen können, was für hanebüchene Dinge zum Beispiel in bezug auf den Vegetarismus von Bekennern der Geisteswissenschaft der Außenwelt oftmals dargelegt werden. Und wenn dann die Außenwelt zu dem Urteil kommt: Das ist eine Gesellschaft von Narren -, dann ist das nicht weiter verwunderlich.
[ 28 ] Derjenige, der sich von der ganzen Tragweite dessen, was ich sagen will, eine richtige Überzeugung verschaffen will, könnte ja zur Probe einmal das Folgende unternehmen. Er könnte sich ein Thema wählen - nehmen wir zum Beispiel den Vegetarismus - und sich vornehmen, darauf zu achten, wie von gewissen Bekennern der Geisteswissenschaft gegenüber der Außenwelt dieses Thema behandelt wird. Er könnte sich eine Tabelle anlegen, und immer, wenn er hört, wie ein Geisteswissenschaftler von sich sagt, warum er Vegetarier ist, könnte er sich notieren, warum der nach seiner eigenen Anschauung zu den anderen Leuten sagt, daß er Vegetarier ist. Beim nächsten Fall wiederum, und so weiter. Da würde man sich überzeugen können, was für hanebüchene Dinge zum Beispiel in bezug auf den Vegetarismus von Bekennern der Geisteswissenschaft der Außenwelt oftmals dargelegt werden. Und wenn dann die Außenwelt zu dem Urteil kommt: Das ist eine Gesellschaft von Narren -, dann ist das nicht weiter verwunderlich.
[ 29 ] Wie oft habe ich es in unseren Kreisen erwähnt, daß man über die Frage, warum man Vegetarier ist, eine ganz einfache Auskunft geben kann, wenn man mit seiner Umgebung zurechtkommen will. Nicht wahr, wenn man gefragt wird, aus welchem Grunde man Vegetarier ist, und weiß, daß man einem Menschen gegenübersteht, der sicherlich kein Pferdefleisch ißt, so stellt man ihm die Gegenfrage: Sieh einmal, warum ißt denn du kein Pferdefleisch? - Jetzt ist er gleich genötigt, sich nach und nach auf denselben Boden zu begeben, auf dem eine Verständigung möglich sein wird. Er wird nämlich, wenn er sagen soll, warum er kein Pferdefleisch ißt, gar nicht sehr theoretische Gründe angeben, sondern meist irgend etwas ähnliches sagen wie: Mir graust davor. - Er wird es ja in verschiedener Weise sagen, aber er wird dies oder etwas ähnliches sagen. Nun kann man ihm darauf erwidern: Sieh, dasselbe Gefühl, das du dem Pferdefleisch gegenüber hast, das habe ich allem Fleisch gegenüber. - Und wenn man das, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, nur in einer richtigen, konzilianten Form erörtert, wird man nach und nach schon verstanden. Vor allem darf der Außenstehende, der Fleisch ißt, ja nicht den Eindruck bekommen, daß man sich durch den Nichtgenuß des Fleisches als ein höherer Mensch fühlt. Man könnte noch dazufügen - aber man muß sich diese Wahrheit zuerst selber gestehen -, daß man für das Fleischessen zu schwach ist, daß man in bezug auf das Fleischessen eigentlich ein Krüppel ist. Es ist ja von mir öfter, wenn diese Frage aufgeworfen worden ist, gesagt worden: Wenn man kein Fleisch ißt, so hat man es für manches nur bequemer, man hält manches besser durch. Das Fleisch beschwert einen, und es ist namentlich dann, wenn man sein Gehirn in einer genauen Weise gebrauchen will, viel bequemer, kein Fleisch zu essen. Also es sind im Grunde genommen lauter Bequemlichkeitsgründe. Wie oft habe ich betont, daß man sich nicht in die höheren Welten hinaufessen kann, weder dadurch, daß man dies oder jenes ißt, noch dadurch, daß man dies oder jenes zu essen unterläßt. Das Hineinarbeiten in die geistigen Welten ist eine geistige Angelegenheit, das Essen ist eine physische Angelegenheit, also auch das Unterlassen des Essens. Sonst könnte ja jemand auf den grotesken Gedanken kommen: Wenn man gewisse Speisen nicht ißt, so trete das und das ein, und wenn man gewisse Speisen ißt, so trete dies und jenes ein. Und er könnte auf den grotesken Gedanken kommen, acht Tage lang Salz zu essen und an den darauffolgenden acht Tagen kein Salz zu essen, um in den acht Tagen, in denen er Salz ißt, in die Tiefen der Elementarwelt hinunterzusteigen und in den anderen acht Tagen, in denen er kein Salz ißt, hinaufzusteigen. Es könnte ja vorkommen, daß sich jemand solch eine Torheit in den Kopf setzt. Nun, zu solch großen Torheiten kann es ja selbstverständlich in unserer Gesellschaft nicht kommen, meine lieben Freunde, aber zu Dingen, die diesem ähnlich sind, könnte es doch kommen. Also wenn wir möglichst bescheiden sind in den Erörterungen des Vegetarismus der Außenwelt gegenüber, dann werden wir schon sehen, wie wenig uns nach und nach das übelgenommen werden wird, daß wir Vegetarier sind; wenn wir aber den Vegetarismus uns als ein Verdienst zuschreiben, dann wird uns das die Außenwelt nicht verzeihen. Und ein Verdienst ist es nicht, wenn man Vegetarier ist, sondern es ist ein Bequemlichkeitsmittel.
[ 29 ] Wie oft habe ich es in unseren Kreisen erwähnt, daß man über die Frage, warum man Vegetarier ist, eine ganz einfache Auskunft geben kann, wenn man mit seiner Umgebung zurechtkommen will. Nicht wahr, wenn man gefragt wird, aus welchem Grunde man Vegetarier ist, und weiß, daß man einem Menschen gegenübersteht, der sicherlich kein Pferdefleisch ißt, so stellt man ihm die Gegenfrage: Sieh einmal, warum ißt denn du kein Pferdefleisch? - Jetzt ist er gleich genötigt, sich nach und nach auf denselben Boden zu begeben, auf dem eine Verständigung möglich sein wird. Er wird nämlich, wenn er sagen soll, warum er kein Pferdefleisch ißt, gar nicht sehr theoretische Gründe angeben, sondern meist irgend etwas ähnliches sagen wie: Mir graust davor. - Er wird es ja in verschiedener Weise sagen, aber er wird dies oder etwas ähnliches sagen. Nun kann man ihm darauf erwidern: Sieh, dasselbe Gefühl, das du dem Pferdefleisch gegenüber hast, das habe ich allem Fleisch gegenüber. - Und wenn man das, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, nur in einer richtigen, konzilianten Form erörtert, wird man nach und nach schon verstanden. Vor allem darf der Außenstehende, der Fleisch ißt, ja nicht den Eindruck bekommen, daß man sich durch den Nichtgenuß des Fleisches als ein höherer Mensch fühlt. Man könnte noch dazufügen - aber man muß sich diese Wahrheit zuerst selber gestehen -, daß man für das Fleischessen zu schwach ist, daß man in bezug auf das Fleischessen eigentlich ein Krüppel ist. Es ist ja von mir öfter, wenn diese Frage aufgeworfen worden ist, gesagt worden: Wenn man kein Fleisch ißt, so hat man es für manches nur bequemer, man hält manches besser durch. Das Fleisch beschwert einen, und es ist namentlich dann, wenn man sein Gehirn in einer genauen Weise gebrauchen will, viel bequemer, kein Fleisch zu essen. Also es sind im Grunde genommen lauter Bequemlichkeitsgründe. Wie oft habe ich betont, daß man sich nicht in die höheren Welten hinaufessen kann, weder dadurch, daß man dies oder jenes ißt, noch dadurch, daß man dies oder jenes zu essen unterläßt. Das Hineinarbeiten in die geistigen Welten ist eine geistige Angelegenheit, das Essen ist eine physische Angelegenheit, also auch das Unterlassen des Essens. Sonst könnte ja jemand auf den grotesken Gedanken kommen: Wenn man gewisse Speisen nicht ißt, so trete das und das ein, und wenn man gewisse Speisen ißt, so trete dies und jenes ein. Und er könnte auf den grotesken Gedanken kommen, acht Tage lang Salz zu essen und an den darauffolgenden acht Tagen kein Salz zu essen, um in den acht Tagen, in denen er Salz ißt, in die Tiefen der Elementarwelt hinunterzusteigen und in den anderen acht Tagen, in denen er kein Salz ißt, hinaufzusteigen. Es könnte ja vorkommen, daß sich jemand solch eine Torheit in den Kopf setzt. Nun, zu solch großen Torheiten kann es ja selbstverständlich in unserer Gesellschaft nicht kommen, meine lieben Freunde, aber zu Dingen, die diesem ähnlich sind, könnte es doch kommen. Also wenn wir möglichst bescheiden sind in den Erörterungen des Vegetarismus der Außenwelt gegenüber, dann werden wir schon sehen, wie wenig uns nach und nach das übelgenommen werden wird, daß wir Vegetarier sind; wenn wir aber den Vegetarismus uns als ein Verdienst zuschreiben, dann wird uns das die Außenwelt nicht verzeihen. Und ein Verdienst ist es nicht, wenn man Vegetarier ist, sondern es ist ein Bequemlichkeitsmittel.
[ 30 ] Und so gibt es manches, meine lieben Freunde. Es ist wirklich notwendig, daß solche Dinge auch einmal besprochen werden, nicht um Moral zu predigen, sondern um gewisse Bedingungen eines Zusammenlebens in einer okkulten Gesellschaft gegenüber der Außenwelt darzulegen. Ja, meine lieben Freunde, alles läuft darauf hinaus, daß wir Überlegungen anstellen müssen über unseren Verkehr mit der Außenwelt, und diese Überlegungen müssen die Brücke, aber zu gleicher Zeit auch die schützende Mauer gegenüber der Außenwelt sein, gerade bei einer solchen Gesellschaft wie der unsrigen. Wenn es immer wieder und wieder vorkommt, daß man zu Leuten in der Außenwelt von mir zum Beispiel sagt: Der Doktor hat dies oder jenes gesagt -, ja, so versetze man sich einmal nicht in sein eigenes, sondern in das Gemüt des anderen, der da zuhört! Wenn jemand zum Beispiel sagt - solche Dinge kommen vor und das sind nun solche, von denen ich nicht einmal scherzweise voraussetzen kann, daß sie in unserer Gesellschaft nicht vorkommen -, also wenn jemand sagt: Der Doktor sorgt für die geistige Entwickelung dieses oder jenes Menschen -, ja was soll sich denn ein Mensch draußen anderes darunter vorstellen, als daß das eine Gesellschaft von närrischen Leuten ist, die sich einem einzigen Menschen unterstellen. Und bedenken Sie doch nur, was das bedeutet, berechtigterweise bedeutet in der Außenwelt! Wir müssen schon einmal über die Dinge von dem Gesichtspunkte aus sprechen, wie eine Gesellschaft beschaffen sein muß, in der eine solche geisteswissenschaftliche Bewegung herrschen soll, wie die unsrige es ist. Denn diese geisteswissenschaftliche Bewegung müssen wir vor allen Dingen ernst nehmen, der gegenüber wir nichts tun dürfen, was sie in der Welt schädigt.
[ 30 ] Und so gibt es manches, meine lieben Freunde. Es ist wirklich notwendig, daß solche Dinge auch einmal besprochen werden, nicht um Moral zu predigen, sondern um gewisse Bedingungen eines Zusammenlebens in einer okkulten Gesellschaft gegenüber der Außenwelt darzulegen. Ja, meine lieben Freunde, alles läuft darauf hinaus, daß wir Überlegungen anstellen müssen über unseren Verkehr mit der Außenwelt, und diese Überlegungen müssen die Brücke, aber zu gleicher Zeit auch die schützende Mauer gegenüber der Außenwelt sein, gerade bei einer solchen Gesellschaft wie der unsrigen. Wenn es immer wieder und wieder vorkommt, daß man zu Leuten in der Außenwelt von mir zum Beispiel sagt: Der Doktor hat dies oder jenes gesagt -, ja, so versetze man sich einmal nicht in sein eigenes, sondern in das Gemüt des anderen, der da zuhört! Wenn jemand zum Beispiel sagt - solche Dinge kommen vor und das sind nun solche, von denen ich nicht einmal scherzweise voraussetzen kann, daß sie in unserer Gesellschaft nicht vorkommen -, also wenn jemand sagt: Der Doktor sorgt für die geistige Entwickelung dieses oder jenes Menschen -, ja was soll sich denn ein Mensch draußen anderes darunter vorstellen, als daß das eine Gesellschaft von närrischen Leuten ist, die sich einem einzigen Menschen unterstellen. Und bedenken Sie doch nur, was das bedeutet, berechtigterweise bedeutet in der Außenwelt! Wir müssen schon einmal über die Dinge von dem Gesichtspunkte aus sprechen, wie eine Gesellschaft beschaffen sein muß, in der eine solche geisteswissenschaftliche Bewegung herrschen soll, wie die unsrige es ist. Denn diese geisteswissenschaftliche Bewegung müssen wir vor allen Dingen ernst nehmen, der gegenüber wir nichts tun dürfen, was sie in der Welt schädigt.
[ 31 ] Ich werde morgen noch etwas tiefer darauf eingehen, und Sie werden sehen, wie innig das alles wirklich mit gewissen geisteswissenschaftlichen Impulsen selber zusammenhängt. Ich will nicht bloße Moralpauken halten, sondern ich will den Zusammenhang mit den innersten Impulsen der Geisteswissenschaft gerade an diesen Dingen einmal erörtern.
[ 31 ] Ich werde morgen noch etwas tiefer darauf eingehen, und Sie werden sehen, wie innig das alles wirklich mit gewissen geisteswissenschaftlichen Impulsen selber zusammenhängt. Ich will nicht bloße Moralpauken halten, sondern ich will den Zusammenhang mit den innersten Impulsen der Geisteswissenschaft gerade an diesen Dingen einmal erörtern.
