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Difficulties of Living Together
in the Anthroposophical Society
The Dornach Crisis in the Summer of 1915
GA 253

13 September 1915, Dornach

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4. Gedankengänge und Methoden der Freudschen Psychoanalyse

4. Gedankengänge und Methoden der Freudschen Psychoanalyse

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich muß annehmen, daß innerhalb der Verhandlungen, die jetzt gepflogen werden, die Köpfe augenblicklich weniger bereit sein könnten, einen Vortrag entgegenzunchmen, der sich mit dem Thema befaßt, das als Fortsetzung des gestern angeschlagenen zu gelten hat. Ich werde darum für diejenigen, die daran teilnehmen wollen, diesen Vortrag morgen halten und möchte heute über etwas sprechen, was in der einen oder anderen Weise in Zusammenhang stehen wird mit den Angelegenheiten, die die Gemüter jetzt unmittelbar ja beschäftigen und beschäftigen müssen.1Siehe im Anhang.

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich muß annehmen, daß innerhalb der Verhandlungen, die jetzt gepflogen werden, die Köpfe augenblicklich weniger bereit sein könnten, einen Vortrag entgegenzunchmen, der sich mit dem Thema befaßt, das als Fortsetzung des gestern angeschlagenen zu gelten hat. Ich werde darum für diejenigen, die daran teilnehmen wollen, diesen Vortrag morgen halten und möchte heute über etwas sprechen, was in der einen oder anderen Weise in Zusammenhang stehen wird mit den Angelegenheiten, die die Gemüter jetzt unmittelbar ja beschäftigen und beschäftigen müssen.1Siehe im Anhang.

[ 2 ] Zunächst möchte ich in ganz bestimmter Weise die Frage aufwerfen: Was liegt uns denn eigentlich in dem Falle Goesch-Sprengel in Wirklichkeit vor? Wie kann sich uns dasjenige ergeben, von dem ich gerade in den Vorträgen der letzten Wochen öfter gesprochen habe, nämlich daß es wichtig ist, einer Sache gegenüber den richtigen Gesichtspunkt zu finden. Also die Frage möchte ich aufwerfen: Wie kann man allmählich durch ein ganz objektives Studium dieses Falles zu einem richtigen Gesichtspunkt darüber kommen?

[ 2 ] Zunächst möchte ich in ganz bestimmter Weise die Frage aufwerfen: Was liegt uns denn eigentlich in dem Falle Goesch-Sprengel in Wirklichkeit vor? Wie kann sich uns dasjenige ergeben, von dem ich gerade in den Vorträgen der letzten Wochen öfter gesprochen habe, nämlich daß es wichtig ist, einer Sache gegenüber den richtigen Gesichtspunkt zu finden. Also die Frage möchte ich aufwerfen: Wie kann man allmählich durch ein ganz objektives Studium dieses Falles zu einem richtigen Gesichtspunkt darüber kommen?

[ 3 ] Wenn man einen solchen Fall objektiv behandeln will, dann muß man ihn erstens aus seinem persönlichen Zusammenhang herauslösen und zweitens ihn in einen etwas größeren Zusammenhang hineinstellen. Und wenn sich dann, wie ich glaube, ergibt, daß gerade dieser größere Zusammenhang das Wichtigste für uns ist, insofern wir von uns als unserer Bewegung sprechen, dann obliegt es uns geradezu, ich möchte sagen, zu unserer Belehrung, um der Geisteswissenschaft selber willen, einen solchen Fall zu studieren. Nun steht der ganze Fall allerdings in einem größeren Zusammenhang darinnen; inwiefern, das kann sich ergeben, wenn man den Brief, den Herr Dr. Goesch am 19. August 1915 geschrieben hat, in bezug auf seine Hauptbeweggründe, in bezug auf seine Hauptargumente einmal ins Auge faßt.

[ 3 ] Wenn man einen solchen Fall objektiv behandeln will, dann muß man ihn erstens aus seinem persönlichen Zusammenhang herauslösen und zweitens ihn in einen etwas größeren Zusammenhang hineinstellen. Und wenn sich dann, wie ich glaube, ergibt, daß gerade dieser größere Zusammenhang das Wichtigste für uns ist, insofern wir von uns als unserer Bewegung sprechen, dann obliegt es uns geradezu, ich möchte sagen, zu unserer Belehrung, um der Geisteswissenschaft selber willen, einen solchen Fall zu studieren. Nun steht der ganze Fall allerdings in einem größeren Zusammenhang darinnen; inwiefern, das kann sich ergeben, wenn man den Brief, den Herr Dr. Goesch am 19. August 1915 geschrieben hat, in bezug auf seine Hauptbeweggründe, in bezug auf seine Hauptargumente einmal ins Auge faßt.

[ 4 ] Nun möchte ich Sie, da Sie vor wichtigen Verhandlungen stehen, nicht allzulange aufhalten und zunächst nur einige wesentliche Hauptpunkte herausheben. Ein solcher Hauptpunkt ist erstens der Vorwurf des Nichthaltens von Versprechen. Wenn Sie den Brief aufmerksam angehört haben, werden Sie bemerkt haben, daß das Schwergewicht nicht in dem bloßen Vorwurf des Versprechengebens und -Nichthaltens liegt, sondern daß der Hauptvorwurf der ist, daß von mir geradezu eine Methode gesucht werde und darin geradezu systematisch vorgegangen würde, den Mitgliedern Versprechungen zu geben und diese nicht zu halten; und daß die Mitglieder wenn sie merken, daß die Versprechungen nicht gehalten werden dann in einen gewissen Geisteszustand versetzt würden, der ihnen auferlegt, sich zu demjenigen, der das Versprechen gegeben und nicht gehalten hat, in ein gewisses Verhältnis zu setzen, und dadurch eine Akkumulation von Kräften entstehe, welche, indem sie sich in der Seele anhäufen, nach und nach zur Verblödung der Mitglieder führen müsse.

[ 4 ] Nun möchte ich Sie, da Sie vor wichtigen Verhandlungen stehen, nicht allzulange aufhalten und zunächst nur einige wesentliche Hauptpunkte herausheben. Ein solcher Hauptpunkt ist erstens der Vorwurf des Nichthaltens von Versprechen. Wenn Sie den Brief aufmerksam angehört haben, werden Sie bemerkt haben, daß das Schwergewicht nicht in dem bloßen Vorwurf des Versprechengebens und -Nichthaltens liegt, sondern daß der Hauptvorwurf der ist, daß von mir geradezu eine Methode gesucht werde und darin geradezu systematisch vorgegangen würde, den Mitgliedern Versprechungen zu geben und diese nicht zu halten; und daß die Mitglieder wenn sie merken, daß die Versprechungen nicht gehalten werden dann in einen gewissen Geisteszustand versetzt würden, der ihnen auferlegt, sich zu demjenigen, der das Versprechen gegeben und nicht gehalten hat, in ein gewisses Verhältnis zu setzen, und dadurch eine Akkumulation von Kräften entstehe, welche, indem sie sich in der Seele anhäufen, nach und nach zur Verblödung der Mitglieder führen müsse.

[ 5 ] Das ist die erste Hypothese, die aufgestellt wird. Wir haben es also mit der Behauptung zu tun, daß systematisch versucht wird, die Verblödung, das heißt die Umdüsterung der Mitglieder herbeizuführen, daß das absichtliche Geben und Nichthalten von Versprechungen ein Mittel sei, um den normalen Bewußtseinszustand der Mitglieder abzudämpfen, so daß sie in eine Art von Verblödung und Vertrottelung hineingeführt würden. Das ist in dem Briefe als erstes ausgesprochen.

[ 5 ] Das ist die erste Hypothese, die aufgestellt wird. Wir haben es also mit der Behauptung zu tun, daß systematisch versucht wird, die Verblödung, das heißt die Umdüsterung der Mitglieder herbeizuführen, daß das absichtliche Geben und Nichthalten von Versprechungen ein Mittel sei, um den normalen Bewußtseinszustand der Mitglieder abzudämpfen, so daß sie in eine Art von Verblödung und Vertrottelung hineingeführt würden. Das ist in dem Briefe als erstes ausgesprochen.

[ 6 ] Als zweites ist darin ausgesprochen, daß eines der Mittel, mit dem operiert werde, das sei: Händedrücke zu geben, freundliche Gespräche zu führen und dergleichen, kurz, eine gewisse Art von Berührung mit den Mitgliedern herbeizuführen, welche wiederum durch ihre besondere Artung und durch die Einflüsse, die auf die Mitglieder damit ausgeübt werden, geeignet ist, in den Seelen der Mitglieder etwas hervorzurufen, was eben beabsichtigt sei und was auf dem Wege der Berührung hervorgerufen werden soll, sei es durch Händedrücken, sei es durch das Gespräch.

[ 6 ] Als zweites ist darin ausgesprochen, daß eines der Mittel, mit dem operiert werde, das sei: Händedrücke zu geben, freundliche Gespräche zu führen und dergleichen, kurz, eine gewisse Art von Berührung mit den Mitgliedern herbeizuführen, welche wiederum durch ihre besondere Artung und durch die Einflüsse, die auf die Mitglieder damit ausgeübt werden, geeignet ist, in den Seelen der Mitglieder etwas hervorzurufen, was eben beabsichtigt sei und was auf dem Wege der Berührung hervorgerufen werden soll, sei es durch Händedrücken, sei es durch das Gespräch.

[ 7 ] Als drittes, das ins Auge zu fassen ist - und das ist das tragende Gerüst in dem ganzen Briefe des Herrn Dr. Goesch, das ihn so ganz durchzieht -, das ist die Art des Verhältnisses von Fräulein Sprengel zu Herrn Dr. Goesch.

[ 7 ] Als drittes, das ins Auge zu fassen ist - und das ist das tragende Gerüst in dem ganzen Briefe des Herrn Dr. Goesch, das ihn so ganz durchzieht -, das ist die Art des Verhältnisses von Fräulein Sprengel zu Herrn Dr. Goesch.

[ 8 ] Diese drei Punkte, die vermehrt werden könnten, seien zuerst herausgehoben.

[ 8 ] Diese drei Punkte, die vermehrt werden könnten, seien zuerst herausgehoben.

[ 9 ] Nun fragt es sich in erster Linie: Wie kommt Dr. Goesch dazu, auf Grundlage der zwei ersten Punkte eine so systematische Theorie aufzubauen über die Art, wie Mittel verwendet werden, um die Mitglieder in ihrem Bewußtseinszustand zu schädigen? Dem muß man nachgehen und zu erfahren suchen: Woher kommt so etwas? Und da wird man bei Herrn Dr. Goesch geführt auf sein jahrelanges Darinnenstehen in der sogenannten Freudschen psychoanalytischen Theorie. Und wenn man sich mit dieser Theorie studierend beschäftigt, dann wird man bemerken, daß diese innig zusammenhängt mit der ganzen Art und Weise, wie sich das pathologische Bild in dem Briefe darlebt; daß man gewisse Fäden ziehen muß von diesem pathologischen Bilde in bezug auf die zwei ersten Punkte zu dem Darinnenstehen des Herrn Dr. Goesch in der Freudschen psychoanalytischen Weltanschauung.

[ 9 ] Nun fragt es sich in erster Linie: Wie kommt Dr. Goesch dazu, auf Grundlage der zwei ersten Punkte eine so systematische Theorie aufzubauen über die Art, wie Mittel verwendet werden, um die Mitglieder in ihrem Bewußtseinszustand zu schädigen? Dem muß man nachgehen und zu erfahren suchen: Woher kommt so etwas? Und da wird man bei Herrn Dr. Goesch geführt auf sein jahrelanges Darinnenstehen in der sogenannten Freudschen psychoanalytischen Theorie. Und wenn man sich mit dieser Theorie studierend beschäftigt, dann wird man bemerken, daß diese innig zusammenhängt mit der ganzen Art und Weise, wie sich das pathologische Bild in dem Briefe darlebt; daß man gewisse Fäden ziehen muß von diesem pathologischen Bilde in bezug auf die zwei ersten Punkte zu dem Darinnenstehen des Herrn Dr. Goesch in der Freudschen psychoanalytischen Weltanschauung.

[ 10 ] Nun bin ich selbstverständlich nicht in der Lage, Ihnen in Kürze ein umfassendes Bild der Freudschen psychoanalytischen Theorie geben zu können. Ich will nur einiges ausführen, was zur Aufklärung des Falles Goesch-Sprengel dienen kann. Aber ich darf sagen, daß ich mich in gewisser Beziehung berechtigt fühle, auch über die Psychoanalyse zu sprechen, da einer derjenigen medizinischen Gelehrten, der an deren Ausgangspunkt, an deren Begründung beteiligt war, der aber später, nachdem die Entartung der Psychoanalyse im späteren Leben des Dr. Freud stattgefunden hatte, die psychoanalytische Theorie wieder verlassen hat, in früheren Jahren in freundschaftlicher Beziehung zu mir gestanden hat.

[ 10 ] Nun bin ich selbstverständlich nicht in der Lage, Ihnen in Kürze ein umfassendes Bild der Freudschen psychoanalytischen Theorie geben zu können. Ich will nur einiges ausführen, was zur Aufklärung des Falles Goesch-Sprengel dienen kann. Aber ich darf sagen, daß ich mich in gewisser Beziehung berechtigt fühle, auch über die Psychoanalyse zu sprechen, da einer derjenigen medizinischen Gelehrten, der an deren Ausgangspunkt, an deren Begründung beteiligt war, der aber später, nachdem die Entartung der Psychoanalyse im späteren Leben des Dr. Freud stattgefunden hatte, die psychoanalytische Theorie wieder verlassen hat, in früheren Jahren in freundschaftlicher Beziehung zu mir gestanden hat.

[ 11 ] Fassen Sie also das, was ich nun sagen werde, nicht als vollständige Charakterisierung der Freudschen psychoanalytischen Theorie auf, sondern nur als ein Herausheben einiger Punkte.

[ 11 ] Fassen Sie also das, was ich nun sagen werde, nicht als vollständige Charakterisierung der Freudschen psychoanalytischen Theorie auf, sondern nur als ein Herausheben einiger Punkte.

[ 12 ] Zunächst geht der Psychoanalytiker Freudscher Art davon aus, daß neben dem bewußten noch ein unbewußtes Seelenleben vorhanden ist, das heißt, daß außer dem Seelenleben des Menschen, das bewußt abläuft, noch ein unbewußtes Seelenleben vorhanden ist, mit einem Inhalt, über den sich der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein nicht klar ist. Nun bildet einen wichtigen Teil der Psychoanalyse die Lehre, daß gewisse Erlebnisse, die ein Mensch im Laufe seines Lebens haben kann, auf ihn einen Eindruck machen können, aber so, daß der Eindruck aus dem Bewußtsein in das Unterbewußtsein verschwindet und dort fortlebt. So daß also nach der Anschauung des Psychoanalytikers nicht voll zum gegenwärtigen Bewußtsein zu kommen braucht, was in das Unbewußte hinuntergeht; daß zum Beispiel der Mensch während seiner Kindheit irgendeinen Eindruck gehabt haben kann, der ihm nicht voll zum Bewußtsein kommt, aber doch so stark auf seine Seele wirkte, daß er ins Unbewußte hinunterging und da weiterwirkt. Die Wirkung bleibt vorhanden. So daß man also vor den Fall gestellt sein kann - ich will gleich, indem ich viele Mittelglieder auslasse, das Ergebnis der ganzen Sache kurz vor Augen führen -, daß die Wirkung später zu einem gestörten Seelenleben geführt hat und man sagen kann: Da muß im Unterbewußtsein so etwas wie eine Art Seeleninsel drunten sein, das als Erlebnis in früherer Zeit, meist in der Jugend, vorhanden war, was dann fortwuchert. Wenn man in der geschilderten psychoanalytischen, katechisierenden Weise den Dingen nachgeht, so kann man solche Seeleninseln, die im Unterbewußtsein wuchern, ins Bewußtsein heraufheben. Und dadurch, daß man dieses Unterbewußte in den Bewußtseinskomplex heraufhebt, zum Bewußtsein bringt, heilt man den Menschen in der Richtung, in der er einen solchen Seelendefekt hat.

[ 12 ] Zunächst geht der Psychoanalytiker Freudscher Art davon aus, daß neben dem bewußten noch ein unbewußtes Seelenleben vorhanden ist, das heißt, daß außer dem Seelenleben des Menschen, das bewußt abläuft, noch ein unbewußtes Seelenleben vorhanden ist, mit einem Inhalt, über den sich der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein nicht klar ist. Nun bildet einen wichtigen Teil der Psychoanalyse die Lehre, daß gewisse Erlebnisse, die ein Mensch im Laufe seines Lebens haben kann, auf ihn einen Eindruck machen können, aber so, daß der Eindruck aus dem Bewußtsein in das Unterbewußtsein verschwindet und dort fortlebt. So daß also nach der Anschauung des Psychoanalytikers nicht voll zum gegenwärtigen Bewußtsein zu kommen braucht, was in das Unbewußte hinuntergeht; daß zum Beispiel der Mensch während seiner Kindheit irgendeinen Eindruck gehabt haben kann, der ihm nicht voll zum Bewußtsein kommt, aber doch so stark auf seine Seele wirkte, daß er ins Unbewußte hinunterging und da weiterwirkt. Die Wirkung bleibt vorhanden. So daß man also vor den Fall gestellt sein kann - ich will gleich, indem ich viele Mittelglieder auslasse, das Ergebnis der ganzen Sache kurz vor Augen führen -, daß die Wirkung später zu einem gestörten Seelenleben geführt hat und man sagen kann: Da muß im Unterbewußtsein so etwas wie eine Art Seeleninsel drunten sein, das als Erlebnis in früherer Zeit, meist in der Jugend, vorhanden war, was dann fortwuchert. Wenn man in der geschilderten psychoanalytischen, katechisierenden Weise den Dingen nachgeht, so kann man solche Seeleninseln, die im Unterbewußtsein wuchern, ins Bewußtsein heraufheben. Und dadurch, daß man dieses Unterbewußte in den Bewußtseinskomplex heraufhebt, zum Bewußtsein bringt, heilt man den Menschen in der Richtung, in der er einen solchen Seelendefekt hat.

[ 13 ] Am Ausgangspunkte der psychoanalytischen Bestrebung war, namentlich von Dr. Breuer, die Praxis befolgt worden, diese Katechisierung in der Hypnose vorzunehmen. Davon war aber abgegangen worden; die Freudsche Schule macht diese katechisierende Analyse jetzt beim Wachbewußtsein. Es sind also fortwuchernde Seeleninseln vorhanden, die aber nicht im Bewußtsein sind.

[ 13 ] Am Ausgangspunkte der psychoanalytischen Bestrebung war, namentlich von Dr. Breuer, die Praxis befolgt worden, diese Katechisierung in der Hypnose vorzunehmen. Davon war aber abgegangen worden; die Freudsche Schule macht diese katechisierende Analyse jetzt beim Wachbewußtsein. Es sind also fortwuchernde Seeleninseln vorhanden, die aber nicht im Bewußtsein sind.

[ 14 ] Nun hat sich diese psychoanalytische Weltanschauung nach und nach über alle möglichen Lebenserscheinungen verbreitet, und sie versucht, dafür Erklärungen zu geben vor allem auch in bezug auf die Traumerscheinungen des Menschen. Und da - ich habe das schon einmal in einem Vortrage vor unseren Freunden an irgendeinem Orte ausgeführt - ergeht sich die Freudsche Schule schon in den allergewagtesten Vorstellungen. Sie sagt, daß im Traume vorzugsweise unerfüllte Wünsche des Menschen eine Rolle spielen. Es sei ein sehr häufiger typischer Fall, daß der Mensch im Traume oftmals etwas aus dem Grunde erlebt, weil es ein unerfüllter Wunsch ist, ein Wunsch, der im äußeren Leben nicht erfüllt werden kann.

[ 14 ] Nun hat sich diese psychoanalytische Weltanschauung nach und nach über alle möglichen Lebenserscheinungen verbreitet, und sie versucht, dafür Erklärungen zu geben vor allem auch in bezug auf die Traumerscheinungen des Menschen. Und da - ich habe das schon einmal in einem Vortrage vor unseren Freunden an irgendeinem Orte ausgeführt - ergeht sich die Freudsche Schule schon in den allergewagtesten Vorstellungen. Sie sagt, daß im Traume vorzugsweise unerfüllte Wünsche des Menschen eine Rolle spielen. Es sei ein sehr häufiger typischer Fall, daß der Mensch im Traume oftmals etwas aus dem Grunde erlebt, weil es ein unerfüllter Wunsch ist, ein Wunsch, der im äußeren Leben nicht erfüllt werden kann.

[ 15 ] Nun kann es vorkommen - und das würde vom Standpunkte der psychoanalytischen Theoretiker das Bedeutsame sein -, daß ein solcher Wunsch, der in einer also unbewußten Seeleninsel vorhanden ist, vom Traum heraufgehoben wird und eine Umkleidung sein kann von einem Impuls, der schon in früher Jugend auf den Menschen ausgeübt worden ist.

[ 15 ] Nun kann es vorkommen - und das würde vom Standpunkte der psychoanalytischen Theoretiker das Bedeutsame sein -, daß ein solcher Wunsch, der in einer also unbewußten Seeleninsel vorhanden ist, vom Traum heraufgehoben wird und eine Umkleidung sein kann von einem Impuls, der schon in früher Jugend auf den Menschen ausgeübt worden ist.

[ 16 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, daß gerade in diesen Gedankengängen etwas höchst Eigentümliches liegt, nämlich daß vorausgesetzt wird, daß der Mensch zum Beispiel als junger Bursche oder als junges Mädchen ein Erlebnis gehabt hat, das ins Unterbewußte hinuntergegangen ist und sich dann als Trübung des Bewußtseins, als Phantasie-Erlebnis auslebt.

[ 16 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, daß gerade in diesen Gedankengängen etwas höchst Eigentümliches liegt, nämlich daß vorausgesetzt wird, daß der Mensch zum Beispiel als junger Bursche oder als junges Mädchen ein Erlebnis gehabt hat, das ins Unterbewußte hinuntergegangen ist und sich dann als Trübung des Bewußtseins, als Phantasie-Erlebnis auslebt.

[ 17 ] Nehmen Sie jetzt das Schema: Tageserlebnisse werden hinuntergedrückt in das Unterbewußte, sie leben da weiter und führen zu einem geschwächten Bewußtsein - dann haben Sie genau das Schema, das Dr. Goesch aufbaut in bezug auf das Versprechengeben und deren Nichthalten, das Weiterwirken im Unterbewußtsein, und daß damit beabsichtigt werde, im Unterbewußtsein etwas zu bewirken wie die Inseln der Freudschen psychoanalytischen Theorie, und daß jetzt in raffiniert-systematischer Weise operiert werde und ein Zustand der Verblödung hervorgebracht werde, wie sonst ihn in der Seele der Traum hervorbringt durch das, was durch die in das Unterbewußte hinuntergesunkenen Tageserlebnisse hervorgebracht wird.

[ 17 ] Nehmen Sie jetzt das Schema: Tageserlebnisse werden hinuntergedrückt in das Unterbewußte, sie leben da weiter und führen zu einem geschwächten Bewußtsein - dann haben Sie genau das Schema, das Dr. Goesch aufbaut in bezug auf das Versprechengeben und deren Nichthalten, das Weiterwirken im Unterbewußtsein, und daß damit beabsichtigt werde, im Unterbewußtsein etwas zu bewirken wie die Inseln der Freudschen psychoanalytischen Theorie, und daß jetzt in raffiniert-systematischer Weise operiert werde und ein Zustand der Verblödung hervorgebracht werde, wie sonst ihn in der Seele der Traum hervorbringt durch das, was durch die in das Unterbewußte hinuntergesunkenen Tageserlebnisse hervorgebracht wird.

[ 18 ] Eine vertrackte Theorie, die, wenn man in ihr lebt, gewisse Gedankenformen auslöst, die sich dann auf das ganze Denken übertragen. Mit dieser Theorie hängt es zusammen, warum bei Dr. Goesch, wie Sie finden können, ein so waghalsiger Gedanke überhaupt auftreten kann.

[ 18 ] Eine vertrackte Theorie, die, wenn man in ihr lebt, gewisse Gedankenformen auslöst, die sich dann auf das ganze Denken übertragen. Mit dieser Theorie hängt es zusammen, warum bei Dr. Goesch, wie Sie finden können, ein so waghalsiger Gedanke überhaupt auftreten kann.

[ 19 ] Weiter habe ich gesagt: Die Berührungsvorstellung spielt eine große Rolle. Meine lieben Freunde, ich will Ihnen nun einige Stellen aus einem der Bücher des Prof. Sigmund Freud vorlesen, bei denen ich Sie bitte, auf einiges achtzugeben. Ich muß aber, bevor ich diese Stellen vorlese - sie sind aus einem Buche, in dem Freudsche Aufsätze aus der Freudschen Zeitschrift «Imago» gesammelt sind -, etwas anderes vorausschicken, weil es mit dem Fall Goesch-Sprengel zu tun hat.

[ 19 ] Weiter habe ich gesagt: Die Berührungsvorstellung spielt eine große Rolle. Meine lieben Freunde, ich will Ihnen nun einige Stellen aus einem der Bücher des Prof. Sigmund Freud vorlesen, bei denen ich Sie bitte, auf einiges achtzugeben. Ich muß aber, bevor ich diese Stellen vorlese - sie sind aus einem Buche, in dem Freudsche Aufsätze aus der Freudschen Zeitschrift «Imago» gesammelt sind -, etwas anderes vorausschicken, weil es mit dem Fall Goesch-Sprengel zu tun hat.

[ 20 ] Erinnern Sie sich - diejenigen, die Fräulein Sprengel längere Zeit kennen, werden es wissen -, daß bei ihr eine große Rolle die Tatsache spielt, daß sie ihr Äußeres bewahrt haben will vor Leuten, die einen Einfluß auf die Aura haben, daß sie einen Horror hatte, einem die Hand zu geben und dergleichen. Die Vorstellung, daß das Händegeben ein Kapitalverbrechen sei in unserer Esoterik, das ist eine Vorstellung, die sie sich bildete schon zu einer Zeit, als Dr. Goesch noch nicht hier war. Zur Charakteristik der Sache will ich einen Vorgang schildern. Ich hatte in dem Laboratorium von Dr. Schmiedel etwas zu tun und traf darin auch Fräulein Sprengel. Ich gab ihr die Hand, und dies gab ihr die Veranlassung, zu sagen: So ist es immer bei ihm; er tut einem alles mögliche an, gibt einem dann die Hand, und dadurch wird alles vergessen gemacht. - Da haben Sie den Urkeim von der Theorie mit dem Handgeben.

[ 20 ] Erinnern Sie sich - diejenigen, die Fräulein Sprengel längere Zeit kennen, werden es wissen -, daß bei ihr eine große Rolle die Tatsache spielt, daß sie ihr Äußeres bewahrt haben will vor Leuten, die einen Einfluß auf die Aura haben, daß sie einen Horror hatte, einem die Hand zu geben und dergleichen. Die Vorstellung, daß das Händegeben ein Kapitalverbrechen sei in unserer Esoterik, das ist eine Vorstellung, die sie sich bildete schon zu einer Zeit, als Dr. Goesch noch nicht hier war. Zur Charakteristik der Sache will ich einen Vorgang schildern. Ich hatte in dem Laboratorium von Dr. Schmiedel etwas zu tun und traf darin auch Fräulein Sprengel. Ich gab ihr die Hand, und dies gab ihr die Veranlassung, zu sagen: So ist es immer bei ihm; er tut einem alles mögliche an, gibt einem dann die Hand, und dadurch wird alles vergessen gemacht. - Da haben Sie den Urkeim von der Theorie mit dem Handgeben.

[ 21 ] Gestern wurde Ihnen vorgelesen, was in Fräulein Sprengel, in ihrer vertrackten Seelenkonstitution, aus dieser Theorie mit Hilfe von Dr. Goesch geworden ist: Er brachte ihr die Freudschen Theorien entgegen und konnte die Dinge systematisch mit den Freudschen Gedankenformen verbinden. Auf Seite 27 des genannten Buches von Freud befindet sich nun folgende Stelle:

[ 21 ] Gestern wurde Ihnen vorgelesen, was in Fräulein Sprengel, in ihrer vertrackten Seelenkonstitution, aus dieser Theorie mit Hilfe von Dr. Goesch geworden ist: Er brachte ihr die Freudschen Theorien entgegen und konnte die Dinge systematisch mit den Freudschen Gedankenformen verbinden. Auf Seite 27 des genannten Buches von Freud befindet sich nun folgende Stelle:

Der Hauptcharakter der psychologischen Konstellation, die so fixiert worden ist, liegt in dem, was man das ambivalente Verhalten des Individuums gegen das Objekt, vielmehr die eine Handlung an ihm, heißen könnte. (Nach einem trefflichen Ausdruck von Bleuler.) Es will diese Handlung - die Berührung - immer wieder ausführen, es sieht in ihr den höchsten Genuß, aber es darf sie nicht ausführen, es verabscheut sie auch. Der Gegensatz der beiden Strömungen ist auf kurzem Wege nicht ausgleichbar, weil sie - wir können nur sagen - im Seelenleben so lokalisiert sind, daß sie nicht zusammenstoßen können. Das Verbot wird laut bewußt, die fortdauernde Berührungslust ist unbewußt, die Person weiß nichts von ihr. Bestünde dieses psychologische Moment nicht, so könnte eine Ambivalenz weder sich so lange erhalten, noch könnte sie zu solchen Folgeerscheinungen führen.»

Der Hauptcharakter der psychologischen Konstellation, die so fixiert worden ist, liegt in dem, was man das ambivalente Verhalten des Individuums gegen das Objekt, vielmehr die eine Handlung an ihm, heißen könnte. (Nach einem trefflichen Ausdruck von Bleuler.) Es will diese Handlung - die Berührung - immer wieder ausführen, es sieht in ihr den höchsten Genuß, aber es darf sie nicht ausführen, es verabscheut sie auch. Der Gegensatz der beiden Strömungen ist auf kurzem Wege nicht ausgleichbar, weil sie - wir können nur sagen - im Seelenleben so lokalisiert sind, daß sie nicht zusammenstoßen können. Das Verbot wird laut bewußt, die fortdauernde Berührungslust ist unbewußt, die Person weiß nichts von ihr. Bestünde dieses psychologische Moment nicht, so könnte eine Ambivalenz weder sich so lange erhalten, noch könnte sie zu solchen Folgeerscheinungen führen.»

[ 22 ] - Hier ist sehr viel geredet darüber, wie die Berührungsangst eine gewisse Rolle spielt bei den Neurotikern.—

[ 22 ] - Hier ist sehr viel geredet darüber, wie die Berührungsangst eine gewisse Rolle spielt bei den Neurotikern.—

«In der klinischen Geschichte des Falles haben wir das Eindringen des Verbotes in so frühem Kindesalter als das maßgebende hervorgehoben; für die weitere Gestaltung fällt diese Rolle dem Mechanismus der Verdrängung auf dieser Altersstufe zu. Infolge der stattgehabten Verdrängung, die mit einem Vergessen - Amnesie - verbunden ist, bleibt die Motivierung des bewußt gewordenen Verbotes unbekannt und müssen alle Versuche scheitern, es intellektuell zu zersetzen, da diese den Punkt nicht finden, an dem sie angreifen könnten. Das Verbot verdankt seine Stärke seinen Zwangscharakter - gerade der Beziehung zu seinem unbewußten Gegenpart, der im Verborgenen ungedämpften Lust, also einer inneren Notwendigkeit, in welche die bewußte Einsicht fehlt. Die Übertragbarkeit und Fortpflanzungsfähigkeit des Verbots spiegelt einen Vorgang wider, der sich mit der unbewußten Lust zuträgt und unter den psychologischen Bedingungen des Unbewußten besonders erleichtert ist. Die Trieblust verschiebt sich beständig, um der Absperrung, in der sie sich befindet, zu entgehen, und sucht Surrogate für das Verbotene - Ersatzobjekte und Ersatzhandlungen - zu gewinnen. Darum wandert auch das Verbot und dehnt sich auf die neuen Ziele der verpönten Regung aus. Jeden neuen Vorstoß der verdrängten Libido beantwortet das Verbot mit einer neuen Verschärfung. Die gegenseitige Hemmung der beiden ringenden Mächte erzeugt ein Bedürfnis nach Abfuhr, nach Verringerung der herrschenden Spannung, in welchem man die Motivierung der Zwangshandlungen erkennen darf. Diese sind bei der Neurose deutliche Kompromißaktionen, in der einen Ansicht Bezeugungen von Reue, Bemühungen zur Sühne und dergleichen, in der anderen aber gleichzeitig Ersatzhandlungen, welche den Trieb für das Verbotene entschädigen. Es ist ein Gesetz der neurotischen Erkrankung, daß diese Zwangshandlungen immer mehr in den Dienst des Triebes treten und immer näher an die ursprünglich verbotene Handlung herankommen.»

«In der klinischen Geschichte des Falles haben wir das Eindringen des Verbotes in so frühem Kindesalter als das maßgebende hervorgehoben; für die weitere Gestaltung fällt diese Rolle dem Mechanismus der Verdrängung auf dieser Altersstufe zu. Infolge der stattgehabten Verdrängung, die mit einem Vergessen - Amnesie - verbunden ist, bleibt die Motivierung des bewußt gewordenen Verbotes unbekannt und müssen alle Versuche scheitern, es intellektuell zu zersetzen, da diese den Punkt nicht finden, an dem sie angreifen könnten. Das Verbot verdankt seine Stärke seinen Zwangscharakter - gerade der Beziehung zu seinem unbewußten Gegenpart, der im Verborgenen ungedämpften Lust, also einer inneren Notwendigkeit, in welche die bewußte Einsicht fehlt. Die Übertragbarkeit und Fortpflanzungsfähigkeit des Verbots spiegelt einen Vorgang wider, der sich mit der unbewußten Lust zuträgt und unter den psychologischen Bedingungen des Unbewußten besonders erleichtert ist. Die Trieblust verschiebt sich beständig, um der Absperrung, in der sie sich befindet, zu entgehen, und sucht Surrogate für das Verbotene - Ersatzobjekte und Ersatzhandlungen - zu gewinnen. Darum wandert auch das Verbot und dehnt sich auf die neuen Ziele der verpönten Regung aus. Jeden neuen Vorstoß der verdrängten Libido beantwortet das Verbot mit einer neuen Verschärfung. Die gegenseitige Hemmung der beiden ringenden Mächte erzeugt ein Bedürfnis nach Abfuhr, nach Verringerung der herrschenden Spannung, in welchem man die Motivierung der Zwangshandlungen erkennen darf. Diese sind bei der Neurose deutliche Kompromißaktionen, in der einen Ansicht Bezeugungen von Reue, Bemühungen zur Sühne und dergleichen, in der anderen aber gleichzeitig Ersatzhandlungen, welche den Trieb für das Verbotene entschädigen. Es ist ein Gesetz der neurotischen Erkrankung, daß diese Zwangshandlungen immer mehr in den Dienst des Triebes treten und immer näher an die ursprünglich verbotene Handlung herankommen.»

[ 23 ] Nehmen Sie diesen ganzen Zwangsvorstellungsprozeß der Berührungsangst, und denken Sie sich, Fräulein Sprengel wäre als solches Objekt der Berührungsangst einem Psychoanalytiker gegenübergestellt worden und dieser hätte seine gewöhnliche psychoanalytische Praxis ausgeübt, hätte sie katechisiert wegen der Berührungsangst und hätte zu finden gesucht die Voraussetzung, die zu ihrer Berührungsangst geführt hat.

[ 23 ] Nehmen Sie diesen ganzen Zwangsvorstellungsprozeß der Berührungsangst, und denken Sie sich, Fräulein Sprengel wäre als solches Objekt der Berührungsangst einem Psychoanalytiker gegenübergestellt worden und dieser hätte seine gewöhnliche psychoanalytische Praxis ausgeübt, hätte sie katechisiert wegen der Berührungsangst und hätte zu finden gesucht die Voraussetzung, die zu ihrer Berührungsangst geführt hat.

[ 24 ] Ein drittes Moment, das ich herausheben wollte, ist das Verhältnis von Fräulein Sprengel zu Herrn Goesch. Dieses Verhältnis müßte — nach psychoanalytischer Theorie - selbstverständlich so gekennzeichnet werden, daß da maskierte erotische Vorstellungen spielen. Ich meine das ganz objektiv. (...) 1Bei der folgenden Ausführung wurde offensichtlich die Verbindung vom Fall GoeschSprengel zur Psychoanalyse aufgezeigt. Der Stenograph konnte jedoch nur die Worte festhalten: «Nun handelt es sich darum, wie wird eine Verbindung geschaffen ... indern solche maskierten Triebe vorhanden... gerade zwischen zwei Persönlichkeiten dieser Art ...»

[ 24 ] Ein drittes Moment, das ich herausheben wollte, ist das Verhältnis von Fräulein Sprengel zu Herrn Goesch. Dieses Verhältnis müßte — nach psychoanalytischer Theorie - selbstverständlich so gekennzeichnet werden, daß da maskierte erotische Vorstellungen spielen. Ich meine das ganz objektiv. (...) 1Bei der folgenden Ausführung wurde offensichtlich die Verbindung vom Fall GoeschSprengel zur Psychoanalyse aufgezeigt. Der Stenograph konnte jedoch nur die Worte festhalten: «Nun handelt es sich darum, wie wird eine Verbindung geschaffen ... indern solche maskierten Triebe vorhanden... gerade zwischen zwei Persönlichkeiten dieser Art ...»

[ 25 ] Meine lieben Freunde, da müssen wir noch ein bißchen weiter in das ganze Gefüge der psychoanalytischen Weltanschauung hineinschauen. Nach dem, wie ich sie Ihnen jetzt analysiert habe, werden also gewisse Seeleninseln aus dem Unterbewußtsein heraufgeholt, und es wird vorausgesetzt, daß alle diese Seeleninseln in weitaus überwiegendem Maße sexueller Natur sind, so daß die Aufgabe des Psychoanalytikers darin besteht, auf solche während der ersten Zeit des Lebens geschehene und dann in das Unterbewußtsein hinuntergegangene Erlebnisse zu kommen und sie zum Zwecke der Heilung wieder heraufzuholen. Die Heilung wird nach Freudscher Theorie gerade dadurch bewirkt, daß man verborgene sexuelle Komplexe aus den unterbewußten Gründen des Seelenlebens ins Bewußtsein heraufholt. Wie viele Erfolge diese Methode, um Patienten zu heilen, gehabt hat, das wird in den darauf bezüglichen Büchern viel erörtert.

[ 25 ] Meine lieben Freunde, da müssen wir noch ein bißchen weiter in das ganze Gefüge der psychoanalytischen Weltanschauung hineinschauen. Nach dem, wie ich sie Ihnen jetzt analysiert habe, werden also gewisse Seeleninseln aus dem Unterbewußtsein heraufgeholt, und es wird vorausgesetzt, daß alle diese Seeleninseln in weitaus überwiegendem Maße sexueller Natur sind, so daß die Aufgabe des Psychoanalytikers darin besteht, auf solche während der ersten Zeit des Lebens geschehene und dann in das Unterbewußtsein hinuntergegangene Erlebnisse zu kommen und sie zum Zwecke der Heilung wieder heraufzuholen. Die Heilung wird nach Freudscher Theorie gerade dadurch bewirkt, daß man verborgene sexuelle Komplexe aus den unterbewußten Gründen des Seelenlebens ins Bewußtsein heraufholt. Wie viele Erfolge diese Methode, um Patienten zu heilen, gehabt hat, das wird in den darauf bezüglichen Büchern viel erörtert.

[ 26 ] Sie sehen, wie die Grundnuance des ganzen Denkens der Psychoanalytiker vielfach ein von psychischer Sexualität durchdrungenes ist. Das geht so weit, meine lieben Freunde, daß die PsychoanaIyse auf alle möglichen anderen Erscheinungen des Lebens angewandt wird. Das geht so weit, daß zum Beispiel die Mythologie, die Sagenkunde, von Anhängern Freuds und von Freud selber im psychoanalytischen Sinne so gedeutet wird, daß immer - das ist in dem weitaus größten Maße der Fall - auf verborgene psychische Sexualität geschlossen wird. Sie wollen zum Beispiel die Ödipussage, das Ödipusproblem erklären. Der Inhalt der Ödipussage ist ja kurz gesagt der, daß Ödipus dazu geführt wird, seinen Vater zu töten und seine Mutter zu heiraten. Nun fragt der Psychoanalytiker: Worauf beruht so etwas? - Und er sagt: Solche Dinge beruhen immer auf den in das unbewußte Seelenleben hinuntergedrängten sexuellen Komplexen, bei denen es sich gewöhnlich um ein sexuelles Erlebnis handelt, das in der allerersten Kindheit stattgefunden hat. Und da das Verhältnis des Kindes zum Vater und zu der Mutter schon von der Geburt an ein sexuelles ist - es ist dies eine feststehende Freudsche Anschauung -, so ist das Kind, wenn es ein Knabe ist, unbewußt verliebt in seine Mutter und daher unbewußt, unterbewußt, eifersüchtig auf den Vater.

[ 26 ] Sie sehen, wie die Grundnuance des ganzen Denkens der Psychoanalytiker vielfach ein von psychischer Sexualität durchdrungenes ist. Das geht so weit, meine lieben Freunde, daß die PsychoanaIyse auf alle möglichen anderen Erscheinungen des Lebens angewandt wird. Das geht so weit, daß zum Beispiel die Mythologie, die Sagenkunde, von Anhängern Freuds und von Freud selber im psychoanalytischen Sinne so gedeutet wird, daß immer - das ist in dem weitaus größten Maße der Fall - auf verborgene psychische Sexualität geschlossen wird. Sie wollen zum Beispiel die Ödipussage, das Ödipusproblem erklären. Der Inhalt der Ödipussage ist ja kurz gesagt der, daß Ödipus dazu geführt wird, seinen Vater zu töten und seine Mutter zu heiraten. Nun fragt der Psychoanalytiker: Worauf beruht so etwas? - Und er sagt: Solche Dinge beruhen immer auf den in das unbewußte Seelenleben hinuntergedrängten sexuellen Komplexen, bei denen es sich gewöhnlich um ein sexuelles Erlebnis handelt, das in der allerersten Kindheit stattgefunden hat. Und da das Verhältnis des Kindes zum Vater und zu der Mutter schon von der Geburt an ein sexuelles ist - es ist dies eine feststehende Freudsche Anschauung -, so ist das Kind, wenn es ein Knabe ist, unbewußt verliebt in seine Mutter und daher unbewußt, unterbewußt, eifersüchtig auf den Vater.

[ 27 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, hier beginnt die Theorie dasjenige zu werden, was einen dazu verleiten kann zu sagen, diese Psychoanalytiker sollten ihre Theorie, wenn sie an sie glauben, vor allen Dingen auf sich selber anwenden; sie sollten sie darauf anwenden, daß ihr Schicksal, ihre Anschauung davon herrührt, daß sie in der Kindheit zu viele sexuelle Prozesse gehabt haben, die ins Seelenleben hinuntergesenkt worden sind. Diese Theorie muß vor allen Dingen auf Freud und seine Bekenner selber angewendet werden.

[ 27 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, hier beginnt die Theorie dasjenige zu werden, was einen dazu verleiten kann zu sagen, diese Psychoanalytiker sollten ihre Theorie, wenn sie an sie glauben, vor allen Dingen auf sich selber anwenden; sie sollten sie darauf anwenden, daß ihr Schicksal, ihre Anschauung davon herrührt, daß sie in der Kindheit zu viele sexuelle Prozesse gehabt haben, die ins Seelenleben hinuntergesenkt worden sind. Diese Theorie muß vor allen Dingen auf Freud und seine Bekenner selber angewendet werden.

[ 28 ] Die Entstehung von so etwas wie die Ödipussage wird also, wie gesagt, darauf zurückgeführt, daß im Grunde genommen die meisten Knaben, bei ihrer Geburt beginnend, ein unerlaubtes Verhältnis zu ihrer Mutter hätten und daher auf ihren Vater eifersüchtig seien. Der Vater wird ihr Feind, und die Folge davon ist, daß in der trüben Phantasie der Knaben der Vater in irgendeiner Weise als Feind fortwuchert. Weil aber später durch den Verstand bewirkt wird, daß man kein Verhältnis zu der Mutter haben darf, so wird dieses Verhältnis hinuntergedrückt in das Unterbewußte. Der Knabe geht dann durch das Leben mit etwas, was nie zu seinem Bewußtsein kommt, das aber ist etwas wie ein unerlaubtes Verhältnis zu seiner Mutter und wie ein konträres Verhältnis zu seinem Vater, weil er ihn als Nebenbuhler empfindet.

[ 28 ] Die Entstehung von so etwas wie die Ödipussage wird also, wie gesagt, darauf zurückgeführt, daß im Grunde genommen die meisten Knaben, bei ihrer Geburt beginnend, ein unerlaubtes Verhältnis zu ihrer Mutter hätten und daher auf ihren Vater eifersüchtig seien. Der Vater wird ihr Feind, und die Folge davon ist, daß in der trüben Phantasie der Knaben der Vater in irgendeiner Weise als Feind fortwuchert. Weil aber später durch den Verstand bewirkt wird, daß man kein Verhältnis zu der Mutter haben darf, so wird dieses Verhältnis hinuntergedrückt in das Unterbewußte. Der Knabe geht dann durch das Leben mit etwas, was nie zu seinem Bewußtsein kommt, das aber ist etwas wie ein unerlaubtes Verhältnis zu seiner Mutter und wie ein konträres Verhältnis zu seinem Vater, weil er ihn als Nebenbuhler empfindet.

[ 29 ] Also nach psychoanalytischer Theorie muß man bei defekten Seelen nach Seelenkomplexen suchen, und dann wird man finden, wenn sie ins Bewußtsein heraufgehoben werden, daß eine Heilung eintreten kann. Es ist schade, daß ich die Dinge nicht weiter ausführen kann, aber ich will versuchen, sie so genau als möglich anzudeuten. In der Schrift, von der ich eben gesprochen habe, finden Sie zum Beispiel auf Seite 16 das Folgende:

[ 29 ] Also nach psychoanalytischer Theorie muß man bei defekten Seelen nach Seelenkomplexen suchen, und dann wird man finden, wenn sie ins Bewußtsein heraufgehoben werden, daß eine Heilung eintreten kann. Es ist schade, daß ich die Dinge nicht weiter ausführen kann, aber ich will versuchen, sie so genau als möglich anzudeuten. In der Schrift, von der ich eben gesprochen habe, finden Sie zum Beispiel auf Seite 16 das Folgende:

«Wir haben in den vorstehenden Ausführungen wenig Gelegenheit gehabt, zu zeigen, daß die Tatsachen der Völkerpsychologie, durch die Anwendung der psychoanalytischen Betrachtungen, in neuem Verständnis gesehen werden können, denn die Inzestscheu der Wilden ist längst als solche erkannt worden und bedarf keiner weiteren Deutung.»

«Wir haben in den vorstehenden Ausführungen wenig Gelegenheit gehabt, zu zeigen, daß die Tatsachen der Völkerpsychologie, durch die Anwendung der psychoanalytischen Betrachtungen, in neuem Verständnis gesehen werden können, denn die Inzestscheu der Wilden ist längst als solche erkannt worden und bedarf keiner weiteren Deutung.»

[ 30 ] In diesem Aufsatz wird nämlich ausgeführt, warum der Wilde das Verbot der Ehe mit Mutter und Schwester so strikt durchführt, warum unerlaubte Verhältnisse zu Mutter und Schwester bestraft werden. «Inzest» ist die Liebe zu Blutsverwandten, und einer der ersten Aufsätze in diesem Buche heißt «Die Inzestscheu». Diese wird auf die Weise begründet, daß eigentlich ein Inzesthang, namentlich bei jedem männlichen Individuum, vorhanden sei, weil ein gewisses, unerlaubtes Verhältnis zur Mutter vorhanden sei.

[ 30 ] In diesem Aufsatz wird nämlich ausgeführt, warum der Wilde das Verbot der Ehe mit Mutter und Schwester so strikt durchführt, warum unerlaubte Verhältnisse zu Mutter und Schwester bestraft werden. «Inzest» ist die Liebe zu Blutsverwandten, und einer der ersten Aufsätze in diesem Buche heißt «Die Inzestscheu». Diese wird auf die Weise begründet, daß eigentlich ein Inzesthang, namentlich bei jedem männlichen Individuum, vorhanden sei, weil ein gewisses, unerlaubtes Verhältnis zur Mutter vorhanden sei.

«Was wir zu ihrer Würdigung hinzufügen können, ist die Aussage, sie sei ein exquisit infantiler Zug

«Was wir zu ihrer Würdigung hinzufügen können, ist die Aussage, sie sei ein exquisit infantiler Zug

[ 31 ] - das heißt, der Wilde behält ihn das ganze Leben, beim Kinde ist er ins Unterbewußte hinuntergedrückt—

[ 31 ] - das heißt, der Wilde behält ihn das ganze Leben, beim Kinde ist er ins Unterbewußte hinuntergedrückt—

und eine auffällige Übereinstimmung mit dem seelischen Leben des Neurotikers. Die Psychoanalyse hat uns gelehrt, daß die erste sexuelle Objektwahl des Knaben eine inzestuöse ist, den verpönten Objekten, Mutter und Schwester, gilt, und hat uns auch die Wege kennen gelehrt, auf denen sich der Heranwachsende von der Anziehung des Inzests frei macht. Der Neurotiker repräsentiert uns aber regelmäßig ein Stück des psychischen Infantilismus, er hat es entweder nicht vermocht, sich von den kindlichen Verhältnissen der Psychosexualität zu befreien, oder er ist zu ihnen zurückgekehrt. (Entwicklungshemmung und Regression.) In seinem unbewußten Seelenleben spielen darum noch immer oder wiederum die inzestuösen Fixierungen der Libido eine Hauptrolle. Wir sind dahin gekommen, das vom Inzestverlangen beherrschte Verhältnis zu den Eltern für den Kernkomplex der Neurose zu erklären.

und eine auffällige Übereinstimmung mit dem seelischen Leben des Neurotikers. Die Psychoanalyse hat uns gelehrt, daß die erste sexuelle Objektwahl des Knaben eine inzestuöse ist, den verpönten Objekten, Mutter und Schwester, gilt, und hat uns auch die Wege kennen gelehrt, auf denen sich der Heranwachsende von der Anziehung des Inzests frei macht. Der Neurotiker repräsentiert uns aber regelmäßig ein Stück des psychischen Infantilismus, er hat es entweder nicht vermocht, sich von den kindlichen Verhältnissen der Psychosexualität zu befreien, oder er ist zu ihnen zurückgekehrt. (Entwicklungshemmung und Regression.) In seinem unbewußten Seelenleben spielen darum noch immer oder wiederum die inzestuösen Fixierungen der Libido eine Hauptrolle. Wir sind dahin gekommen, das vom Inzestverlangen beherrschte Verhältnis zu den Eltern für den Kernkomplex der Neurose zu erklären.

[ 32 ] -Der Kernkomplex der Neurose ist nach psychoanalytischer Theorie der unerlaubte Sexualhang des Knaben zu Mutter und Schwester.—

[ 32 ] -Der Kernkomplex der Neurose ist nach psychoanalytischer Theorie der unerlaubte Sexualhang des Knaben zu Mutter und Schwester.—

Die Aufdeckung dieser Bedeutung des Inzests für die Neurose stößt natürlich auf den allgemeinsten Unglauben der Erwachsenen und Normalen; dieselbe Ablehnung wird z.B. auch den Arbeiten von Otto Rank entgegentreten, die in immer größerem Ausmaß dartun, wie sehr das Inzestthema im Mittelpunkte des dichterischen Interesses steht und in ungezählten Variationen und Entstellungen der Poesie den Stoff liefert. Wir sind genötigt zu glauben, daß solche Ablehnung vor allem ein Produkt der tiefen Abneigung des Menschen gegen seine einstigen, seither der Verdrängung verfallenen Inzestwünsche ist. Es ist uns darum nicht unwichtig, an den wilden Völkern zeigen zu können, daß sie die zur späteren Unbewußtheit bestimmten Inzestwünsche des Menschen noch als bedrohlich empfinden und der schärfsten Abwehrmaßregeln für würdig halten.»

Die Aufdeckung dieser Bedeutung des Inzests für die Neurose stößt natürlich auf den allgemeinsten Unglauben der Erwachsenen und Normalen; dieselbe Ablehnung wird z.B. auch den Arbeiten von Otto Rank entgegentreten, die in immer größerem Ausmaß dartun, wie sehr das Inzestthema im Mittelpunkte des dichterischen Interesses steht und in ungezählten Variationen und Entstellungen der Poesie den Stoff liefert. Wir sind genötigt zu glauben, daß solche Ablehnung vor allem ein Produkt der tiefen Abneigung des Menschen gegen seine einstigen, seither der Verdrängung verfallenen Inzestwünsche ist. Es ist uns darum nicht unwichtig, an den wilden Völkern zeigen zu können, daß sie die zur späteren Unbewußtheit bestimmten Inzestwünsche des Menschen noch als bedrohlich empfinden und der schärfsten Abwehrmaßregeln für würdig halten.»

[ 33 ] Von diesem ausgehend, meine lieben Freunde, verbreitet sich eine Atmosphäre von sexuellen Vorstellungen über das ganze Gebiet der Psychoanalytiker. Sie leben und weben gleichsam in Sexualvorstellungen. Daher hat nichts mehr als die Psychoanalyse dazu beigetragen, daß die unglaublichste Verhöhnung des Natürlichen im Menschenleben wirklich sich nach und nach, ich möchte sagen, ohne daß es die Leute bemerken, in das Leben einschleicht. Und ich muß sagen, tief kann ich es nachfühlen einem alten Herrn, der sein Leben lang sich bemüht hat, auch etwas beizutragen zum Hereinbringen von Moral in die Medizin, Moritz Benedikt, wenn er sagt: Wenn man Umschau hält, kann man bemerken, daß wir Ärzte vor 30 Jahren von gewissen sexuellen Abnormalitäten weniger gewußt haben als die heutigen achtzehnjährigen Pensionatsmädchen. Nachfühlen kann man dies diesem Manne, denn es entspricht der Wahrheit. Ich möchte dies insbesondere darum erwähnen, weil es außerordentlich wichtig ist, gewisse Vorgänge des Kindeslebens auf naturgemäße Weise anzuschauen und sie nicht unnötig sogleich unter dem Aspekte der Sexualität zu sehen.

[ 33 ] Von diesem ausgehend, meine lieben Freunde, verbreitet sich eine Atmosphäre von sexuellen Vorstellungen über das ganze Gebiet der Psychoanalytiker. Sie leben und weben gleichsam in Sexualvorstellungen. Daher hat nichts mehr als die Psychoanalyse dazu beigetragen, daß die unglaublichste Verhöhnung des Natürlichen im Menschenleben wirklich sich nach und nach, ich möchte sagen, ohne daß es die Leute bemerken, in das Leben einschleicht. Und ich muß sagen, tief kann ich es nachfühlen einem alten Herrn, der sein Leben lang sich bemüht hat, auch etwas beizutragen zum Hereinbringen von Moral in die Medizin, Moritz Benedikt, wenn er sagt: Wenn man Umschau hält, kann man bemerken, daß wir Ärzte vor 30 Jahren von gewissen sexuellen Abnormalitäten weniger gewußt haben als die heutigen achtzehnjährigen Pensionatsmädchen. Nachfühlen kann man dies diesem Manne, denn es entspricht der Wahrheit. Ich möchte dies insbesondere darum erwähnen, weil es außerordentlich wichtig ist, gewisse Vorgänge des Kindeslebens auf naturgemäße Weise anzuschauen und sie nicht unnötig sogleich unter dem Aspekte der Sexualität zu sehen.

[ 34 ] Bei Kindern ist lange etwas eine unschuldige Handlung, was heute, aus vertrackten Theorien heraus, irgendwie als sexuelle Verirrung angesehen wird. Und weiter braucht man in den meisten Fällen nicht zu gehen, als die Dinge als nichts anderes denn als kindlichen Unfug anzusehen. Ein paar Klapse auf eine gewisse Stelle des Körpers genügen als hinreichende Kur. Die schlechteste Kur aber ist diese, wenn man viel redet über diese Dinge oder gar viel redet mit den Kindern selber und ihnen allerlei Theorien beibringt. Es ist schwierig, selbst mit Erwachsenen, über diese Dinge ganz deutlich zu sprechen. Aber dem, der oftmals Ratschläge in mannigfaltigster Beziehung zu geben hat, kommt es leider oft vor, daß Eltern mit Klagen kommen, mitunter ganz dummen Klagen, unter anderem auch mit der Klage, daß Kinder unter sexueller Verirrung leiden. Und was lag dem zu Grunde? Nur das lag dahinter, daß das Kind sich kratzte. Es war kein anderer Anlaß, als daß das Kind sich kratzte. Und ebensowenig, wie das Kratzen am Arme ein sexueller Akt ist, ebensowenig ist das Kratzen an einer anderen Stelle ein sexueller Akt. Dr. Freud allerdings vertritt die Idee, daß jedes Kratzen, jede Berührung, die Berührung des Mundes mit dem Schnuller ein sexueller Akt ist. Dr. Freud gießt über das ganze Leben des Menschen die Aura der Sexualität aus. Es wäre wirklich gut, sich ein wenig mit diesen Dingen zu beschäftigen, um so die Auswüchse der materialistischen Wissenschaft kennenzulernen, sich also etwas zu beschäftigen mit dem, was man die Freudsche Psychoanalyse nennt. So wird also alles in diese Atmosphäre hineingeführt, gleichsam sub spezie dieser Dinge gesehen.

[ 34 ] Bei Kindern ist lange etwas eine unschuldige Handlung, was heute, aus vertrackten Theorien heraus, irgendwie als sexuelle Verirrung angesehen wird. Und weiter braucht man in den meisten Fällen nicht zu gehen, als die Dinge als nichts anderes denn als kindlichen Unfug anzusehen. Ein paar Klapse auf eine gewisse Stelle des Körpers genügen als hinreichende Kur. Die schlechteste Kur aber ist diese, wenn man viel redet über diese Dinge oder gar viel redet mit den Kindern selber und ihnen allerlei Theorien beibringt. Es ist schwierig, selbst mit Erwachsenen, über diese Dinge ganz deutlich zu sprechen. Aber dem, der oftmals Ratschläge in mannigfaltigster Beziehung zu geben hat, kommt es leider oft vor, daß Eltern mit Klagen kommen, mitunter ganz dummen Klagen, unter anderem auch mit der Klage, daß Kinder unter sexueller Verirrung leiden. Und was lag dem zu Grunde? Nur das lag dahinter, daß das Kind sich kratzte. Es war kein anderer Anlaß, als daß das Kind sich kratzte. Und ebensowenig, wie das Kratzen am Arme ein sexueller Akt ist, ebensowenig ist das Kratzen an einer anderen Stelle ein sexueller Akt. Dr. Freud allerdings vertritt die Idee, daß jedes Kratzen, jede Berührung, die Berührung des Mundes mit dem Schnuller ein sexueller Akt ist. Dr. Freud gießt über das ganze Leben des Menschen die Aura der Sexualität aus. Es wäre wirklich gut, sich ein wenig mit diesen Dingen zu beschäftigen, um so die Auswüchse der materialistischen Wissenschaft kennenzulernen, sich also etwas zu beschäftigen mit dem, was man die Freudsche Psychoanalyse nennt. So wird also alles in diese Atmosphäre hineingeführt, gleichsam sub spezie dieser Dinge gesehen.

[ 35 ] Ein ungarischer Psychoanalytiker schreibt in einem Buche, das Dr. Freud anführt, über einen fünfjährigen Knaben namens Arpad, über dessen Quelle seines Interesses für das Treiben im Hühnerhof nach diesem ungarischen Psychoanalytiker Ferenczi kein Zweifel blieb: «Der rege Sexualverkehr zwischen Hahn und Henne, das Eierlegen und das Herauskriechen der jungen «Brut» befriedigten seine sexuelle Wißbegierde, die eigentlich dem menschlichen Familienleben galt. Nach dem Vorbild des Hühnerlebens hatte er seine Objektwünsche geformt, wenn er einmal der Nachbarin sagte: «Ich werde Sie heiraten und Ihre Schwester und meine drei Cousinen und die Köchin, nein, statt der Köchin lieber die Mutter.»

[ 35 ] Ein ungarischer Psychoanalytiker schreibt in einem Buche, das Dr. Freud anführt, über einen fünfjährigen Knaben namens Arpad, über dessen Quelle seines Interesses für das Treiben im Hühnerhof nach diesem ungarischen Psychoanalytiker Ferenczi kein Zweifel blieb: «Der rege Sexualverkehr zwischen Hahn und Henne, das Eierlegen und das Herauskriechen der jungen «Brut» befriedigten seine sexuelle Wißbegierde, die eigentlich dem menschlichen Familienleben galt. Nach dem Vorbild des Hühnerlebens hatte er seine Objektwünsche geformt, wenn er einmal der Nachbarin sagte: «Ich werde Sie heiraten und Ihre Schwester und meine drei Cousinen und die Köchin, nein, statt der Köchin lieber die Mutter.»

[ 36 ] Man möchte lieber die Zeiten zurücksehnen, wo man solche Dinge bei den Kindern anhören konnte, ohne daß man zu sexuellen Theorien so vertrackter Art seine Zuflucht nehmen mußte. Ich möchte, meine lieben Freunde, dieses Thema nur andeuten, aber es wird in der nächsten Zeit gerade über diesen Punkt zur Beruhigung von Vätern und Müttern einmal gesprochen werden können. Denn ganz unvermerkt verbreitet sich stark und ohne daß die Leute es immer merken, die Freudsche Theorie, die allerdings nur ein Symptom dafür ist, daß ein solcher Trieb durch die Welt geht. Wenn Eltern mit der Klage kommen, daß ihre vier- bis fünfjährigen Söhne oder Töchter unter sexuellen Verirrungen leiden, so muß man zumeist die Antwort geben: Die Verirrungen bestehen in der Hauptsache in der Art und Weise, wie Ihr über den Fall denkt. - Das ist zumeist die größte Verirrung.

[ 36 ] Man möchte lieber die Zeiten zurücksehnen, wo man solche Dinge bei den Kindern anhören konnte, ohne daß man zu sexuellen Theorien so vertrackter Art seine Zuflucht nehmen mußte. Ich möchte, meine lieben Freunde, dieses Thema nur andeuten, aber es wird in der nächsten Zeit gerade über diesen Punkt zur Beruhigung von Vätern und Müttern einmal gesprochen werden können. Denn ganz unvermerkt verbreitet sich stark und ohne daß die Leute es immer merken, die Freudsche Theorie, die allerdings nur ein Symptom dafür ist, daß ein solcher Trieb durch die Welt geht. Wenn Eltern mit der Klage kommen, daß ihre vier- bis fünfjährigen Söhne oder Töchter unter sexuellen Verirrungen leiden, so muß man zumeist die Antwort geben: Die Verirrungen bestehen in der Hauptsache in der Art und Weise, wie Ihr über den Fall denkt. - Das ist zumeist die größte Verirrung.

[ 37 ] Da haben Sie die Atmosphäre, in der die Freudsche Psychoanalyse plätschert. Ich weiß selbstverständlich, daß Freudianer etwas hiergegen sagen können, wenn man so etwas in Kürze darstellt. Aber der Ausdruck ist voll berechtigt, daß in diesen psychosexuellen Dingen die ganze Psychoanalyse plätschert, ja sie trieft nur so davon, wie dies in ihren Abhandlungen zutage tritt.

[ 37 ] Da haben Sie die Atmosphäre, in der die Freudsche Psychoanalyse plätschert. Ich weiß selbstverständlich, daß Freudianer etwas hiergegen sagen können, wenn man so etwas in Kürze darstellt. Aber der Ausdruck ist voll berechtigt, daß in diesen psychosexuellen Dingen die ganze Psychoanalyse plätschert, ja sie trieft nur so davon, wie dies in ihren Abhandlungen zutage tritt.

[ 38 ] Nun denken Sie sich aber einmal, meine lieben Freunde, daß bei jemandem die Voraussetzung, daß im menschlichen Unterbewußtsein psychosexuelle Inseln seien, wirklich zutrifft. Was kann da eintreten? Es kann das eintreten, daß der betreffende Freudsche Theoretiker sich den Betreffenden, bei dem er das voraussetzt, vornimmt und ihn katechisiert und dadurch ein neues Kapitel oder einen neuen Fall zu der Freudschen psychoanalytischen Theorie hinzubringt. Es hätte in dem uns beschäftigenden Fall eintreten können, daß Herr Dr. Goesch sich gesagt hätte, das werde ich einmal katechisieren, dann werde ich manches finden in diesen psychosexuellen Inseln, was mir dienlich ist, die Freudschen Theorien zu belegen. - Dazu hätte aber etwas gehört, was man nur so bezeichnen könnte, daß man sagte: Die Seele des Herrn Dr. Goesch hätte stärker sein müssen. Sie erlag aber einer gewissen Art des Verhältnisses zu seiner neu gewählten Freundin, und für das ganze Verhältnis ist das Material, das vorliegt, das ausgezeichnetste. Wer dieses in der richtigen Weise verwendet, findet die Möglichkeit, das ganze Verhältnis in der allerausgezeichnetsten Weise mit objektiv-klinischer Genauigkeit zu bezeichnen. Und da es bei vielem nicht so sehr darauf ankommt, ob man es mit einem wichtigen oder mit einem unwichtigen Fall zu tun hat, sondern auf das, was man aus dem Fall lernen kann, so muß ich sagen, daß schließlich der Fall etwa zu einer solchen Betrachtung führen kann, wie ich sie geliefert habe im Jahre 1900 in einem Aufsatz in der «Wiener klinischen Rundschau» über «Die Philosophie Friedrich Nietzsches als psychopathologisches Problem». Denn man mußte neben alledem, was die Genialität Nietzsches der Welt gegeben hat, auch die Verpflichtung fühlen, zu zeigen, wie die Welt sich falsch zu Friedrich Nietzsche stellt, wenn sie das Psychopathologische bei ihm nicht berücksichtigt. Für unser Gesellschaftsleben ist es wichtig, daß das Psychopathologische nicht überhand nimmt, daß es in den Gemütern ausgemerzt wird und im richtigen Lichte geschaut werden kann und daß nicht der Psychopath als Wesen höherer Art angesehen wird. Daher ist es wichtig, auch solche Fälle in richtiger Weise ins Auge zu fassen und von einem richtigen Standpunkte aus zu beurteilen, um was es sich dabei handelt.

[ 38 ] Nun denken Sie sich aber einmal, meine lieben Freunde, daß bei jemandem die Voraussetzung, daß im menschlichen Unterbewußtsein psychosexuelle Inseln seien, wirklich zutrifft. Was kann da eintreten? Es kann das eintreten, daß der betreffende Freudsche Theoretiker sich den Betreffenden, bei dem er das voraussetzt, vornimmt und ihn katechisiert und dadurch ein neues Kapitel oder einen neuen Fall zu der Freudschen psychoanalytischen Theorie hinzubringt. Es hätte in dem uns beschäftigenden Fall eintreten können, daß Herr Dr. Goesch sich gesagt hätte, das werde ich einmal katechisieren, dann werde ich manches finden in diesen psychosexuellen Inseln, was mir dienlich ist, die Freudschen Theorien zu belegen. - Dazu hätte aber etwas gehört, was man nur so bezeichnen könnte, daß man sagte: Die Seele des Herrn Dr. Goesch hätte stärker sein müssen. Sie erlag aber einer gewissen Art des Verhältnisses zu seiner neu gewählten Freundin, und für das ganze Verhältnis ist das Material, das vorliegt, das ausgezeichnetste. Wer dieses in der richtigen Weise verwendet, findet die Möglichkeit, das ganze Verhältnis in der allerausgezeichnetsten Weise mit objektiv-klinischer Genauigkeit zu bezeichnen. Und da es bei vielem nicht so sehr darauf ankommt, ob man es mit einem wichtigen oder mit einem unwichtigen Fall zu tun hat, sondern auf das, was man aus dem Fall lernen kann, so muß ich sagen, daß schließlich der Fall etwa zu einer solchen Betrachtung führen kann, wie ich sie geliefert habe im Jahre 1900 in einem Aufsatz in der «Wiener klinischen Rundschau» über «Die Philosophie Friedrich Nietzsches als psychopathologisches Problem». Denn man mußte neben alledem, was die Genialität Nietzsches der Welt gegeben hat, auch die Verpflichtung fühlen, zu zeigen, wie die Welt sich falsch zu Friedrich Nietzsche stellt, wenn sie das Psychopathologische bei ihm nicht berücksichtigt. Für unser Gesellschaftsleben ist es wichtig, daß das Psychopathologische nicht überhand nimmt, daß es in den Gemütern ausgemerzt wird und im richtigen Lichte geschaut werden kann und daß nicht der Psychopath als Wesen höherer Art angesehen wird. Daher ist es wichtig, auch solche Fälle in richtiger Weise ins Auge zu fassen und von einem richtigen Standpunkte aus zu beurteilen, um was es sich dabei handelt.

[ 39 ] Die Zeit ist schon zu weit vorgeschritten, als daß ich ausführen könnte, wie das Unwetter nach und nach heraufgezogen ist. Als ich im Mai dieses Jahres in Wien, in Österreich war, da schrieb mir eines unserer Mitglieder einen Brief, den ich, weil man jetzt Briefe nicht über die Grenze tragen kann, beim Zurückkehren hierher zerreißen mußte, in dem aber ungefähr dieselben Vorwürfe erhoben worden sind, auch unter der Mitwirkung der Freudschen Psychoanalyse, so wie sie sich bei Dr. Goesch unter dem Einfluß von Fräulein Sprengel ergeben haben. Die Vorwürfe in jenem Brief kamen aus derselben Ecke; es ist sozusagen derselbe Wind. Manche Sätze würden sogar, wenn ich sie Ihnen vorlesen könnte, wunderbar übereinstimmen mit dem, was Fräulein Sprengel in Dr. Goesch hineininspiriert hat.

[ 39 ] Die Zeit ist schon zu weit vorgeschritten, als daß ich ausführen könnte, wie das Unwetter nach und nach heraufgezogen ist. Als ich im Mai dieses Jahres in Wien, in Österreich war, da schrieb mir eines unserer Mitglieder einen Brief, den ich, weil man jetzt Briefe nicht über die Grenze tragen kann, beim Zurückkehren hierher zerreißen mußte, in dem aber ungefähr dieselben Vorwürfe erhoben worden sind, auch unter der Mitwirkung der Freudschen Psychoanalyse, so wie sie sich bei Dr. Goesch unter dem Einfluß von Fräulein Sprengel ergeben haben. Die Vorwürfe in jenem Brief kamen aus derselben Ecke; es ist sozusagen derselbe Wind. Manche Sätze würden sogar, wenn ich sie Ihnen vorlesen könnte, wunderbar übereinstimmen mit dem, was Fräulein Sprengel in Dr. Goesch hineininspiriert hat.

[ 40 ] Was liegt nun aber eigentlich in dem Fall Goesch-Sprengel vor? Es liegt nicht nur das vor, daß Dr. Goesch nicht der richtige Psychoanalytiker gewesen ist, denn dazu hätte er ein objektives Verhältnis, wie dasjenige eines Arztes zu dem Patienten, zu Fräulein Sprengel gebraucht. Sie wirkte aber zu überwältigend auf ihn, und daher wurde nicht nur das Oberbewußtsein von Herrn Goesch zum Examinator. Nach der Freudschen Theorie kam also alles das heraus, was in der Seele der Freundin, der «Siegelbewahrerin», lebte. Weil es aber ins Unbewußte hineinging, wurde es kaschiert durch eine ganze Theorie, die in dem Briefe von Dr. Goesch vorliegt.

[ 40 ] Was liegt nun aber eigentlich in dem Fall Goesch-Sprengel vor? Es liegt nicht nur das vor, daß Dr. Goesch nicht der richtige Psychoanalytiker gewesen ist, denn dazu hätte er ein objektives Verhältnis, wie dasjenige eines Arztes zu dem Patienten, zu Fräulein Sprengel gebraucht. Sie wirkte aber zu überwältigend auf ihn, und daher wurde nicht nur das Oberbewußtsein von Herrn Goesch zum Examinator. Nach der Freudschen Theorie kam also alles das heraus, was in der Seele der Freundin, der «Siegelbewahrerin», lebte. Weil es aber ins Unbewußte hineinging, wurde es kaschiert durch eine ganze Theorie, die in dem Briefe von Dr. Goesch vorliegt.

[ 41 ] Mit dem Fall Goesch-Sprengel, der aus einem der größten Irrtümer, der aus einer der schlimmsten materialistischen Theorien unserer Zeit entstanden ist, kommt man nur zurecht durch die Erkenntnis, daß beide Persönlichkeiten über ihre menschlich-allzumenschlichen Verhältnisse ein mystisches Mäntelchen geworfen haben, das im Wesentlichen - und diese Seite ist durch ausgezeichnete Dokumente ja genugsam bezeugt - die Ummantelung eines menschlichallzumenschlichen Verhältnisses mit psychoanalytischen Theorien Freudscher Art ist.

[ 41 ] Mit dem Fall Goesch-Sprengel, der aus einem der größten Irrtümer, der aus einer der schlimmsten materialistischen Theorien unserer Zeit entstanden ist, kommt man nur zurecht durch die Erkenntnis, daß beide Persönlichkeiten über ihre menschlich-allzumenschlichen Verhältnisse ein mystisches Mäntelchen geworfen haben, das im Wesentlichen - und diese Seite ist durch ausgezeichnete Dokumente ja genugsam bezeugt - die Ummantelung eines menschlichallzumenschlichen Verhältnisses mit psychoanalytischen Theorien Freudscher Art ist.

[ 42 ] Wenn wir dann das Bestreben haben, solchen Menschen, die mit solchen vertrackten Seelenkonstitutionen zu uns kommen, zu helfen, dann, meine lieben Freunde, tritt sehr häufig das auf, daß diese Menschen, die zuerst ziemlich wedelnde Anhänger waren, ihre Anhängerschaft später in Feindschaft verwandeln. Das ist sogar auch etwas, was ganz psychoanalytisch erklärt werden kann. Uns aber ist es dringend nötig, uns um die Welt zu kümmern. Denn geradeso, wie von dieser Seite, von Seite der von sexuellen Vorstellungen überschwemmten psychoanalytischen Strömung, jeden Tag neue Feindschaften uns erwachsen können, so kann uns von allen möglichen anderen Verirrungen in der Zeit, in die sich Menschliches-Allzumenschliches hinein verrannt hat, Feindschaft entgegenkommen.

[ 42 ] Wenn wir dann das Bestreben haben, solchen Menschen, die mit solchen vertrackten Seelenkonstitutionen zu uns kommen, zu helfen, dann, meine lieben Freunde, tritt sehr häufig das auf, daß diese Menschen, die zuerst ziemlich wedelnde Anhänger waren, ihre Anhängerschaft später in Feindschaft verwandeln. Das ist sogar auch etwas, was ganz psychoanalytisch erklärt werden kann. Uns aber ist es dringend nötig, uns um die Welt zu kümmern. Denn geradeso, wie von dieser Seite, von Seite der von sexuellen Vorstellungen überschwemmten psychoanalytischen Strömung, jeden Tag neue Feindschaften uns erwachsen können, so kann uns von allen möglichen anderen Verirrungen in der Zeit, in die sich Menschliches-Allzumenschliches hinein verrannt hat, Feindschaft entgegenkommen.

[ 43 ] Sie sehen, hier haben Sie auch ein Beispiel, wie wir es gar sehr nötig haben, solche Fälle zu studieren, die uns, weil unsere Gesellschaft schon einmal eine geistige Bewegung darstellt, voll interessieren müssen.

[ 43 ] Sie sehen, hier haben Sie auch ein Beispiel, wie wir es gar sehr nötig haben, solche Fälle zu studieren, die uns, weil unsere Gesellschaft schon einmal eine geistige Bewegung darstellt, voll interessieren müssen.

[ 44 ] Ich könnte noch lange fortreden, ich will und kann es aber heute nicht tun, weil Sie verhandeln müssen. Aber ich wollte die ersten tappenden Schritte des Weges andeuten, auf dem gesucht werden muß, wenn man sehen will, wo die Gefahren für unsere Bewegung liegen, und wie dringend notwendig es ist, daß wir - jeder so viel wie er kann - arbeiten gegenüber der Welt, damit die Welt draußen weiß, daß sie keine furchtsamen Hasen vor sich hat, sondern Leute, die wissen, ihren Mann und - verzeihen Sie - auch die Frau zu stellen. Wenn sich Dinge ergeben, die sich aufspielen in der Maske, wie es hier in diesem Briefe geschieht, so obliegt es uns, diesen Dingen die Maske herunterzureißen und zu zeigen, wo die Ursprünge liegen. Sie liegen viel tiefer, als man sie gewöhnlich sucht; sie liegen in jener materialistischen Richtung unserer Zeit, die nicht nur wissenschaftliche Richtung geworden ist, sondern unser ganzes Leben verpestet und zu deren Bekämpfung unsere Bewegung eigentlich da ist, zu deren Bekämpfung wir uns aber auch bereit machen müssen und nicht fortdösen dürfen in der Art, daß wir nur die allernotwendigsten Begriffe aufnehmen, sondern daß wir die Augen aufmachen und sehen, was in der Welt vorgeht, was die Leute, die zu uns kommen, in der Welt gelernt haben und was sie von dem Gelernten zu uns hereintragen, wenn sie zu uns kommen.

[ 44 ] Ich könnte noch lange fortreden, ich will und kann es aber heute nicht tun, weil Sie verhandeln müssen. Aber ich wollte die ersten tappenden Schritte des Weges andeuten, auf dem gesucht werden muß, wenn man sehen will, wo die Gefahren für unsere Bewegung liegen, und wie dringend notwendig es ist, daß wir - jeder so viel wie er kann - arbeiten gegenüber der Welt, damit die Welt draußen weiß, daß sie keine furchtsamen Hasen vor sich hat, sondern Leute, die wissen, ihren Mann und - verzeihen Sie - auch die Frau zu stellen. Wenn sich Dinge ergeben, die sich aufspielen in der Maske, wie es hier in diesem Briefe geschieht, so obliegt es uns, diesen Dingen die Maske herunterzureißen und zu zeigen, wo die Ursprünge liegen. Sie liegen viel tiefer, als man sie gewöhnlich sucht; sie liegen in jener materialistischen Richtung unserer Zeit, die nicht nur wissenschaftliche Richtung geworden ist, sondern unser ganzes Leben verpestet und zu deren Bekämpfung unsere Bewegung eigentlich da ist, zu deren Bekämpfung wir uns aber auch bereit machen müssen und nicht fortdösen dürfen in der Art, daß wir nur die allernotwendigsten Begriffe aufnehmen, sondern daß wir die Augen aufmachen und sehen, was in der Welt vorgeht, was die Leute, die zu uns kommen, in der Welt gelernt haben und was sie von dem Gelernten zu uns hereintragen, wenn sie zu uns kommen.