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The Rudolf Steiner Archive

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The Occult Movement
in the Nineteenth Century
and its Relationship to World Culture
GA 254

7 November 1915, Stuttgart

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Dreizehnter Vortrag

Thirteenth Lecture

[ 1 ] Da es möglich ist, daß wir heute noch hier miteinander sprechen, so will ich einige Punkte berühren, welche da oder dort zusammenhängen mit dem, was wir im Laufe der Zeit betrachtet haben. Ich möchte zuerst Ihren Blick darauf lenken, daß die Stimmung, von der ich das letzte Mal gesprochen habe, die Stimmung einer gewissen Abweisung der geistigen Welten, der wirklich konkreten geistigen Welten, eigentlich etwas ziemlich allgemeines ist in der heutigen äußeren Welt, während im Grunde genommen die Stimmung: heranzutreten an die geistigen Welten, um aus den geistigen Welten etwas aufzunehmen zur Bereicherung und Erkraftung des Lebens, nur bei einem kleinen Häuflein von Menschen vorhanden ist. Ich meine, das können wir ja sehen.

[ 1 ] Since it is possible that we are still speaking with one another here today, I would like to touch on a few points that are related in one way or another to what we have been considering over the course of time. First, I would like to draw your attention to the fact that the attitude I spoke of last time—an attitude of a certain rejection of the spiritual worlds, the truly concrete spiritual worlds—is actually quite common in today’s outer world, whereas, fundamentally, the attitude of to approach the spiritual worlds in order to draw something from them to enrich and strengthen life is present only among a small handful of people. I think we can see that.

[ 2 ] Man wird mit diesen Dingen in seinem Verständnis nur dann zurechtkommen, wenn man sich klar ist darüber, daß heute noch nicht viele Menschen dasjenige kennen, was immer verbreiteter und verbreiteter werden wird in der Welt: das tragische Ringen mit der Erkenntnis. Die Empfindung, daß man die Erkenntnisse der geistigen Welten braucht, daß man sie aber nur erlangen kann in einem geduldigen Hingeben der Seele an die geistigen Welten, diese Empfindung, dieses innere Ringen mit der Erkenntnis, dies konnte in den alten Zeiten, wo gewissermaßen die Erkenntnis an die Menschen durch atavistisches Hellsehen herangekommen ist, noch nicht da sein.

[ 2 ] One can only come to terms with these things intellectually if one realizes that, even today, not many people are familiar with what will become increasingly widespread throughout the world: the tragic struggle with knowledge. The feeling that one needs the insights of the spiritual worlds, but that one can attain them only through a patient surrender of the soul to the spiritual worlds—this feeling, this inner struggle with knowledge—could not yet exist in ancient times, when knowledge reached people, so to speak, through atavistic clairvoyance.

[ 3 ] Gerade aus denjenigen Tatsachen heraus, die ich in den letzten Wochen hier auseinandergesetzt habe, kann sich in unserer Zeit erst dieses Ringen mit der Erkenntnis bilden. Und so kommt es denn, daß in unserer Zeit, da wo es sich um Erkenntnis, um Erkenntnisstreben handelt, die Menschen nur zu sehr geneigt sind, sich irgend etwas vorzumachen. Auf der einen Seite möchten die Menschen heute frei sein von jeglichem Autoritätsglauben, auf der anderen Seite sind die Menschen gerade heute dem schlimmsten Autoritätsglauben verfallen. Denn wenn einer irgend etwas bringt — ich habe das oft in anderem Zusammenhange erörtert -, was das Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit trägt, dann ist der Glaube an so etwas Wissenschaftliches ganz allgemein. Die Menschen wollen nicht zu dem sich heraufringen, was wirklich individuelles Erkenntnisstreben ist. Sie sind in Wahrheit, ohne daß sie es merken, zu bequem, zu träge, um diejenigen Kräfte der Seele in Tätigkeit zu versetzen, die eben in Tätigkeit kommen, wenn man mit der Erkenntnis ringt. Und so wollen sich die Menschen mit dem, was allgemein als autoritativ-wissenschaftlich anerkannt ist, wie durch ein seelisch-geistiges Narkotikum beruhigen. Sie wollen dasjenige, was so allgemein anerkannt ist, fertig übernehmen, damit sie nicht das individuelle Erkenntnisstreben in Tätigkeit zu versetzen brauchen. Im Grunde genommen ist das Aufbäumen gegen die geisteswissenschaftliche Weltanschauung wesentlich darauf zurückzuführen, daß diese geisteswissenschaftliche Weltanschauung an die einzelnen Seelen die Anforderung stellt, die individuellen Kräfte in Tätigkeit zu versetzen, mitzudenken, mitzufühlen. Das wollen aber die Menschen nicht. Sie wollen sich ein gewisses autoritatives Wissen fertig übergeben lassen.

[ 3 ] It is precisely from the facts I have discussed here in recent weeks that this struggle with knowledge can take shape in our time. And so it happens that in our time, whenever knowledge or the pursuit of knowledge is at stake, people are all too inclined to delude themselves. On the one hand, people today want to be free from any belief in authority; on the other hand, people today have fallen prey to the worst kind of belief in authority. For when someone presents something—I have often discussed this in other contexts—that is cloaked in the guise of scientific rigor, belief in such “scientific” claims becomes widespread. People do not want to bring themselves to engage in what is truly an individual quest for knowledge. In truth, without realizing it, they are too comfortable, too sluggish, to activate those powers of the soul that come into play precisely when one wrestles with knowledge. And so people seek to lull themselves into a state of calm—as if with a spiritual anesthetic—through what is generally recognized as authoritative and scientific. They want to simply accept what is so widely accepted, so that they do not have to set their individual quest for knowledge in motion. Fundamentally, the resistance to the worldview of Spiritual Science stems largely from the fact that this worldview demands of individual souls that they activate their own powers—that they think for themselves and feel deeply. But people do not want that. They want to be handed a certain body of authoritative knowledge on a silver platter.

[ 4 ] Allerdings, Seelen, welche durch ihre ganze Konstitution in dem Ringen unserer Zeit darinnenstehen — und «unserer Zeit» bedeutet, wie wir es in diesem Zusammenhang hier immer gezeigt haben, die drei bis vier letzten Jahrhunderte -, also diejenigen Seelen, die so in dem Ringen dieser Jahrhunderte darinnenstehen, die fühlen im Ahnen, wie sie nötig haben, alles heraufzurufen, was in den Tiefen der Seele ist, um an die geistigen Welten heranzukommen, um die eigenen Seelen zu verbinden mit dem, was geistig durch die Welt webt und wallt. An solchen Seelen können wir es dann studieren, wie sie in dem Ringen der Zeit sich darinnen fühlen.

[ 4 ] However, souls who, by their very constitution, are deeply immersed in the struggles of our time—and “our time” means, as we have always shown in this context, the last three to four centuries—that is, those souls who are so deeply immersed in the struggles of these centuries, sense intuitively how necessary it is for them to to summon up everything that lies in the depths of the soul in order to reach the spiritual worlds, to connect their own souls with that which weaves and surges spiritually through the world. We can then study such souls to see how they feel immersed in the struggle of the times.

[ 5 ] Wir haben das letzte Mal auf solche Seelen aufmerksam gemacht. Ich habe bedeutende Werke aus der Literatur angeführt, aus denen wir ein solches Ringen der Seele innerhalb der Impulse der Zeit ersehen können. Jene Seelen aber, die sich wie durch ein geistig-seelisches Narkotikum betäuben wollten, leben sich ein in eine gewisse Weltanschauungsströmung, in die sie hinein geboren oder hinein erzogen waren. Das sind gewiß eine große Anzahl von Seelen in unserer Zeit, welche durch ihr Karma und durch das, was mit ihm zusammenhängt, mehr nach dem Materialismus hinneigen. Sie übernehmen das, was der Materialismus als Weltanschauung hervorgebracht hat. Andere sind spiritueller gerichtete Seelen, sie übernehmen das, was der Spiritualismus oder der Idealismus zur Welt gebracht hat, und sie betäuben sich an dem, was sie übernehmen, ohne den Willen zu entwickeln, sich hineinzustellen in jenes Ringen, in das die Seele kommt, wenn sie wirklich in die geistigen Welten hineintreten soll.

[ 5 ] We drew attention to such souls last time. I cited significant works of literature from which we can perceive such a struggle of the soul within the impulses of the times. But those souls who sought to numb themselves, as it were, with a spiritual-psychic narcotic, immerse themselves in a certain worldview into which they were born or raised. There are certainly a great many such souls in our time who, through their karma and what is connected with it, are more inclined toward materialism. They adopt what materialism has produced as a worldview. Others are more spiritually oriented souls; they adopt what spiritualism or idealism has brought into the world, and they numb themselves with what they adopt, without developing the will to engage in that struggle into which the soul enters when it is truly to enter the spiritual worlds.

[ 6 ] Ein Beispiel aber einer ringenden Seele, ich möchte sagen, einer, trotz ihrer Bedeutung bescheidenen, ringenden Seele, möchte ich heute besprechen, einer Seele, die voll mitgelebt hat das geistige Ringen des 19. Jahrhunderts. Damals, als die große philosophische Welle durch die Zeit gegangen ist, da war dieser Mann, von dem ich sprechen möchte, jung. Er hat mitgemacht alle jene großen Gedanken, welche die idealistischen Philosophen im Beginne des 19. Jahrhunderts heraufgetragen haben, die idealistischen Philosophen und Naturphilosophen, die, wie Fichte, Schelling, Hegel, geglaubt haben, durch intensive Anstrengung des Denkens, des individuellen Denkens, hineinzukommen in die Sphäre, wo die Weltenrätsel sich enthüllen. Jene philosophische Welle hat der Betreffende durchgemacht, welche vorzugsweise aus einer gewissen starren Einseitigkeit des Denkens heraus, man möchte sagen, die ganze Welt konstruieren wollte. Dann hat er mitgemacht den Übergang zu der Zeit, wo man geglaubt hat, daß es mit diesem Denken ganz und gar nichts ist, daß man auf diese Weise gar nicht zu irgendwelcher Enthüllung der Welträtsel kommen könnte. Er wächst deshalb da hinein, wo man sich gesagt hat: Das Denken kann überhaupt nichts, man muß den Blick richten auf das weite Feld der äußeren, sinnlichen Erfahrung, man muß die sinnlichen Erfahrungen messen, wiegen, sie miteinander vergleichen, muß sie auf äußere Weise ableiten. - Man muß hinzufügen: ihm sind noch gegenwärtig die, welche an die Stärke des Denkens noch glauben, während in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein gewisses Mißtrauen zum Denken vorherrschte und die Ansicht bestand, nur das äußerliche, sinnliche Beobachten sei dasjenige, woran man als Mensch glauben dürfe. Dann hat derselbe Mann sehr bedeutungsvolle Entdeckungen gemacht auf diesem äußeren sinnlichen Gebiete, gerade in einer Sphäre, die erkenntnistheoretisch außerordentlich aufklärend ist.

[ 6 ] Today, however, I would like to discuss an example of a struggling soul—I would say, a struggling soul who, despite his significance, remained humble—a soul who fully shared in the spiritual struggles of the 19th century. Back then, when the great philosophical wave swept through the era, the man I wish to speak of was young. He engaged with all those great ideas that the idealist philosophers put forward at the beginning of the 19th century—the idealist philosophers and natural philosophers who, like Fichte, Schelling, and Hegel, believed that through intense intellectual effort—individual thought—they could enter the sphere where the mysteries of the world are revealed. This individual went through that philosophical wave, which—arising primarily from a certain rigid one-sidedness of thought—sought, one might say, to construct the entire world. Then he experienced the transition to the era when it was believed that this kind of thinking was utterly worthless, that one could not possibly arrive at any revelation of the world’s mysteries in this way. He therefore grew up during a time when people said: Thinking is of no use at all; one must turn one’s gaze to the vast field of external, sensory experience; one must measure and weigh sensory experiences, compare them with one another, and derive them in an external manner. - It must be added: he is still influenced by those who still believe in the power of thought, whereas in the second half of the 19th century a certain distrust of thought prevailed, and the view held that only external, sensory observation was what one, as a human being, could believe in. Then this same man made very significant discoveries in this external, sensory realm—precisely in a sphere that is extraordinarily illuminating from an epistemological perspective.

[ 7 ] Aber dadurch, daß er herüberlebt, ich möchte sagen, aus der denkerisch gerichteten Zeit in die sinnlich gerichtete Zeit, hat sich in ihm aufgerührt und aufgerüttelt alles, was die Seele an inneren Kräften hat, an solchen Kräften, die mit der Frage ringen: Wie kann der Mensch überhaupt die Anknüpfung finden an die wirkliche Realität, an das Wahre im Weltall? Da kommen dann über die menschliche Seele eigentümliche Augenblicke, Augenblicke, wo die menschliche Seele sich wie an einem finsteren Abhang stehend fühlt, wo sie sich sagt: Was man auch versucht an Gedankenschöpfungen und an allem möglichen innerlich zu entwickeln, wo hat man denn eine Sicherheit, wo hat man ein Kriterium dafür, daß dies doch nicht auch aus der Seele hervorgeholt ist, daß es nicht menschlich-subjektiv ist, eventuell sogar mit dem Tode seine volle Bedeutung verliert, also im Grunde genommen nicht hineinführen würde in das ganze Getriebe der Welt?

[ 7 ] But by living through this transition—I would say, from a time oriented toward thought to a time oriented toward the senses—everything within him that constitutes the soul’s inner forces has been stirred and shaken, those forces that grapple with the question: How can human beings even find a connection to true reality, to the truth in the universe? Then peculiar moments come over the human soul—moments when the human soul feels as if standing on a dark precipice, when it says to itself: No matter what one tries to develop internally in the form of intellectual constructs and all manner of ideas, where is the certainty, where is the criterion to ensure that this, too, has not simply been drawn from the soul, that it is not humanly subjective, that it might not even lose its full meaning with death—and thus, in essence, fail to lead one into the very workings of the world?

[ 8 ] Dann wiederum kommen die Augenblicke über die Seele, wo sie sich sagt: Warum soll man das überhaupt versuchen, aus der Seele selbst etwas hervorzuholen? Da gibt es doch keine Sicherheit! Wenn man chemisch, physikalisch forscht, wenn man sich auf die äußere, physische Welt verläßt, kann man wenigstens am Faden der äußeren Welt fortgeführt sich fühlen.

[ 8 ] Then again, there are moments when the soul asks itself: Why should one even try to draw something out of the soul itself? After all, there is no certainty there! When one conducts chemical or physical research, when one relies on the external, physical world, one can at least feel oneself being guided along the thread of the external world.

[ 9 ] Man muß solche Stimmungen der Seele eben als Stimmungen nehmen, so als Stimmungen nehmen, daß sie die Seele hin und her werfen zwischen dem Suchen und dem Abweisen eines jeden Suchens. Wenn man eine solche Seele betrachtet, so ist sie gewöhnlich gerade eine von denen, die echte, wahre Erkenntnistriebe haben, die aber in unserer Zeit in eigentümlicher Art hineingestellt sind in das Weltgetriebe, namentlich da, wo dieses Weltgetriebe nach Erkenntnis strebt, weil solch eine Seele sich leicht sagen kann, wenn sie die Menschen ringsherum sich ansieht: Wie leicht, wie leicht machen es sich diese Menschen, an dieses oder jenes wie an etwas nicht zu Widerlegendes zu glauben! Man braucht nur ein wenig die geistigen Augen aufzumachen und man sieht, wie brüchig solch ein Glaube ist.

[ 9 ] One must simply regard such states of mind as moods—moods that toss the soul back and forth between seeking and rejecting every form of seeking. When one observes such a soul, it is usually precisely one of those that possess genuine, true drives for knowledge, but which in our time are placed in a peculiar way within the workings of the world—namely, where these worldly workings themselves strive for knowledge—because such a soul can easily say to itself, when looking at the people around it: How easily, how easily these people convince themselves to believe in this or that as something that cannot be refuted! One need only open one’s spiritual eyes a little to see how fragile such a belief is.

[ 10 ] Da könnte zum Beispiel die Seele, die ich meine, finden, daß die Menschen, auch diejenigen, die für gewisse Dinge in der Welt die Verantwortung tragen, heraufkommen sehen diese oder jene scheinbar wichtige Erfindung oder Entdeckung, die wie etwas Großes und Gewaltiges ausposaunt wird, und sie für wichtig halten, und dann ist es wieder für ein paar Jahre nichts damit. Insbesondere ging es jener Seele, die ich gerade meine, nahe, wie es mit den verschiedenen Heilmitteln ist, wie da oder dort ein Heilmittel entdeckt wird, das dann in die Welt hinein ausposaunt wird, als diese oder jene Krankheit sicher heilend.

[ 10 ] For example, the soul I am referring to might find that people—including those who bear responsibility for certain things in the world—see this or that seemingly important invention or discovery being touted as something grand and mighty, and they consider it important, and then for a few years nothing comes of it. In particular, the soul I am referring to was deeply moved by the way things are with various remedies—how here and there a remedy is discovered, which is then trumpeted to the world as a sure cure for this or that disease.

[ 11 ] Die Menschen, die es sich bequem machen im Leben, nehmen so etwas als großartig auf; aber jene, die etwas wissen, die wissen auch, daß solche Dinge heraufkommen und wieder hinuntersinken. So hatte gegen die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts hin eine solche Seele gefunden, wie ein Heilmittel, man könnte sagen, Karriere gemacht hat: die Jodine. Aber der Mann konnte nicht so ohne weiteres sich sagen: Ich mache den ganzen Jodinerummel mit -, denn er war zu bekannt mit der Leichtigkeit, mit der sich die Menschen zumeist aus ihrer Bequemlichkeit heraus Erkenntnisse erwerben. Und da stand er denn da, es war im Jahre 1821, die Jodine hatte ihre Karriere gemacht, und schreibt in der zweiten Auflage eines kleinen Schriftchens — die zweite Auflage erschien 1832 — daß der Mond aus Jodine bestehe und man deshalb auch durch den Mond heilen könne.

[ 11 ] People who take the easy way out in life think such things are wonderful; but those who know better also know that such things rise and fall again. Thus, toward the 1830s, a certain soul had found—one might say, as a remedy—a cause that had taken off: the Jodine. But the man could not simply say to himself, “I’ll go along with all this Jodine hype”—for he was all too familiar with the ease with which people, for the most part, acquire insights out of sheer convenience. And so there he stood—it was the year 1821, iodine had made its name—and wrote in the second edition of a small pamphlet—the second edition was published in 1832—that the moon consists of iodine and that one can therefore also heal through the moon.

[ 12 ] «Die erste Auflage dieses Schriftchens erschien im Jahre 1821, zu der Zeit, wo die Jodine anfing, als Heilmittel Aufsehen zu machen. Es war so nach eigentlich für ein temporäres und zum Teil lokales Interesse berechnet; ich lasse es dahin gestellt sein, inwieweit sich jetzt noch jemand dafür interessieren kann.»

[ 12 ] “The first edition of this little book was published in 1821, at a time when iodine was beginning to attract attention as a remedy. It was actually intended to address a temporary and, in part, local interest; I will leave it open as to what extent anyone might still be interested in it today.”

[ 13 ] «Die Jodine ist ein Heilmittel von außerordentlicher Wirksamkeit. Sehr natürlich. Es ist noch kein Jahr, daß sie angefangen hat, gegen den Kropf wirksam zu sein, und somit hat sie durch das Alter noch nichts von ihrer ersten Kraft verloren. Denn wir finden bei jedem Heilmittel, daß es zu Anfange seines Gebrauchs unübertreffliche Wirkungen zeigt und alle früher gegen dieselbe Krankheit angewandte Mittel ganz und gar entbehrlich macht; sobald es aber eine Zeitlang im Medizinkasten der Materia medica gelegen hat, zur verlegenen und kraftlosen Ware wird, geradeso wie Kinder, an denen man in ihren frühern Jahren einen ausgezeichneten Verstand bemerkte, im spätern Alter gewöhnlich Dummköpfe werden. Wir haben an der Ratanhiawurzel vor einigen Jahren ein auffallendes Beispiel dieser Art gesehen. Drohte sie nicht in ihrem Übermute, alle unsere Tonica und Adstringentia aus den Apothekerkasten zu werfen, und beschämte sie nicht selbst die China, die sich doch sonst immer in Respekt zu erhalten weiß, durch die Wunderkuren, die sie von sich erzählte? Jetzt möchte die Ratanhia sich selber mit Ratanhia kurieren, da sie, wie es den Ärzten zu gehen pflegt, die von den Krankheiten, die sie am häufigsten heilen, am öftersten angesteckt werden, an einer so chronischen Schwäche leidet, daß sie alle Prahlereien vergißt und sich ganz ruhig zur Tormentille und Columbo hinsetzt, über die sie sonst mit einer so vornehmen Miene hinwegsah; und wenn sonst kein Schleim- und Blutfluß war, der nicht vor dem bloßen Namen Ratanhia gezittert hätte, so sehen wir jetzt diese ungezogenen Krankheiten häufig der großen Meisterin geradezu ins Gesicht lachen und eine Widerspenstigkeit zeigen, von der sie zu Anfange ihrer Praxis laut allen Nachrichten nie eine Spur erfahren hatte. Man kann nach diesem Allen den Ärzten nicht genug raten, die Jodine jetzt, da sie noch in ihrer ersten Jugendkraft ist, so oft als möglich zu benutzen, ehe auch sie der Marasmus senilis unbrauchbar macht.

[ 13 ] “Iodine is a remedy of extraordinary efficacy. Very natural. It has not yet been a year since it began to be effective against goiter, and thus it has not yet lost any of its initial potency due to age. For we find with every remedy that it exhibits unsurpassed effects at the beginning of its use and renders all remedies previously applied against the same disease completely superfluous; but as soon as it has lain for a while in the cabinet of the Materia Medica, it becomes a useless and powerless commodity, just as children in whom one observed an excellent intellect in their early years usually become fools in later life. We saw a striking example of this kind with ratanhia root a few years ago. Did it not, in its arrogance, threaten to drive all our tonics and astringents out of the apothecary’s cabinet, and did it not even put China—which otherwise always knows how to command respect—to shame with the miracle cures it boasted of? Now Ratanhia would like to cure itself with Ratanhia, since—as is often the case with doctors—it is most frequently afflicted by the very diseases it cures most often, is most often infected by them, suffers from such a chronic weakness that she forgets all her boasting and calmly sits down next to Tormentil and Columbo, whom she otherwise looked down upon with such an air of superiority; and while there was formerly no phlegm or blood discharge that did not tremble at the mere mention of Ratanhia, we now frequently see these unruly diseases laughing right in the face of the great master and displaying a defiance of which, according to all reports, she had never experienced a trace at the beginning of her practice. In light of all this, one cannot advise physicians strongly enough to use iodine as often as possible now, while it is still in the prime of its youthful vigor, before senile marasmus renders it useless as well.

[ 14 ] Jetzt in der Tat dürfte es wohl kaum einen Kropf geben, den die Jodine nicht von Grund aus heilte; und dies nicht allein. Ein neues Mittel greift den Menschen erst bei einem schwachen Punkte an; aber es frißt um sich wie ein Krebs; und so hat denn die Jodine auch schon die Skropheln und Krankheiten des Uterus angegriffen; und kein Zweifel, daß sie von da aus sich noch weiter umsehen wird. Es geht den Mitteln wie gescheiten Leuten: Lange Jahre können verfließen, ehe Jemand daran denkt, sie zu brauchen; man weiß kaum, daß sie da sind; haben sie aber erst Geschick in einer Sache gezeigt, so häuft man nach und nach so viel Funktionen, Ehren und Würden, mögen sie dazu taugen oder auch nicht taugen, auf sie, daß sie, weil sie doch nicht alles zugleich leisten können, nun gar nichts mehr leisten und bloß von ihrem alten Rufe zehren. Die Jodine hat es allerdings noch nicht so weit gebracht; sie muß noch rüstig sein und sich rühren, ehe sie sich ihrerseits wird zur Ruhe setzen können. Unterstütze man sie darin; man wird desto eher das Vergnügen haben, zu einem andern Mittel übergehen zu können. Indes ist es unnötig, hierzu noch besonders zu ermahnen, da ohnehin in neuerer Zeit schon das Mögliche geschieht, ein Mittel durch alleKrankheiten hindurch zu jagen, bis es zuletzttodmüde absteht; man hat überdies jetzt den Vorteil, doppelt so schnell als früher zustande zu kommen, weil, während ein Mittel gegen die eine Hälfte der Krankheiten von der Allopathie verordnet wird, es stets zugleich gegen alle Krankheiten von direkt entgegengesetzter Natur von der Homöopathie gebraucht wird, so daß ihr keine Krankheit so leicht entgehen kann. So werden wir gewiß nächstens erleben, daß die Einen die Jodine gegen die Fettsucht empfehlen, weil sie die Leute mager macht, und die Andern gegen die Schwindsucht, auch, weil sie die Leute mager macht: und da mithin die Jodine vermöge dieses Grundes zwei geradezu entgegengesetzte Wirkungen zu leisten vermag, so wüßte ich nicht, was im Himmel und auf Erden die Jodine nicht sollte zu bewirken vermögen, bloß aus dem Grunde, weil sie die Leute mager macht.

[ 14 ] In fact, there is probably hardly a goiter that iodine has not cured completely; and that is not all. A new remedy first attacks a person at a weak point; but it spreads like a cancer; and so iodine has already attacked scrofula and diseases of the uterus; and there is no doubt that it will continue to spread from there. Remedies are like intelligent people: Many years can pass before anyone thinks to use them; one is barely aware that they exist; but once they have shown skill in one matter, one gradually piles so many functions, honors, and dignities upon them—whether they are suited to them or not—that, since they cannot accomplish everything at once, they now accomplish nothing at all and merely live off their old reputation. The iodine, however, has not yet reached that point; it must still be vigorous and active before it, for its part, can retire. Support it in this; one will all the sooner have the pleasure of being able to move on to another remedy. However, there is no need to issue a special exhortation on this matter, since in recent times it has already become possible to chase a remedy through all diseases until it finally gives up, exhausted; Moreover, we now have the advantage of achieving results twice as quickly as before, because while a remedy for half of all diseases is prescribed by allopathy, it is always used at the same time by homeopathy against all diseases of a directly opposite nature, so that no disease can so easily escape its grasp. Thus, we will surely soon see that some will recommend iodine for obesity, because it makes people thin, and others for consumption, also because it makes people thin: and since, for this reason, iodine is capable of producing two directly opposite effects, I do not know what in heaven or on earth iodine could not be capable of effecting, simply because it makes people thin.

[ 15 ] Übrigens sollte es mich freuen, wenn sich die Jodine nun zunächst gegen die Schwindsucht wendete. Es ist wirklich schon zu lange her, daß Herz in Hufeland’s Journal dem Phellandrium aquaticum an den Rezepttafeln am Krankenbette seinen Platz als Symptom der Schwindsucht anwies, die man manchmal daran erkennen kann, auch wenn die übrigen Symptome derselben fehlen (in welchem Falle besonders glückliche Kuren damit vorkommen); es mag der Jodine immerhin nun seinen Platz abtreten; und diese wird ihm gern eine andere Krankheit dafür ablassen. Gewiß, es bedarf nur dieser Anregung, einen Arzt zu vermögen, die Sache zu veranstalten.

[ 15 ] Incidentally, I would be pleased if iodine were now first used to treat consumption. It has indeed been far too long since Herz, in Hufeland’s Journal, assigned Phellandrium aquaticum its place in the prescription tables at the patient’s bedside as a symptom of consumption—a condition that can sometimes be recognized by this alone, even when the other symptoms are absent (in which case particularly successful cures have been achieved with it); it may now, at any rate, cede its place to iodine; and iodine will gladly concede another disease to it in return. Certainly, all it takes is this suggestion to enable a physician to set the matter in order.

[ 16 ] Freilich aber bleiben diese und ähnliche Vorschläge nur pia vota, wenn wir nicht einen Weg aufzufinden wissen, die Jodine in reichlicherem Maße zu gewinnen, als dieses bisher möglich war. Bei der Homöopathie zwar besteht die Verlegenheit nicht sowohl darin wie sie recht viel Jodine, sondern, wie sie recht wenig bekommen soll, da, wenn wir allen Homöopathen zusammen einen Gran schenken, sie darum wie die Ameisen um den Chimborasso, in Verzweiflung, ihn je abtragen und klein machen zu können, herumlaufen werden, allein die Allopathen, die minder genügsam sind, wollen doch auch kurieren. Für diese wäre in der Tat sehr zu wünschen, daß nun auch ein Bergwerk von Jodine entdeckt würde, welches die nötige Quantität von Zentnern lieferte, die die jährliche Konsumation erfordern dürfte. Denn schon jetzt wollen alle Fucusarten des Weltmeeres nicht mehr zureichen, den nötigen Bedarf von Jodine zu verschaffen, da man doch von derselben noch weiter nichts hat, als die Tinktur. Wie soll es dann werden, wenn sie erst eine ganze Nachkommenschaft von Salben, Pflastern, Pillen und andern Kompositionen in der Polygamiemitandern Mitteln wird erzeugthaben, die einem so kräftigen Heilmittel gar nicht fehlen kann. Ich tue daher, da sich bis jetzt von einer solchen Fundgrube noch keine Spur gezeigt hat, folgenden Vorschlag zur Auffindung derselben. Man lasse künftig bloß mit Kröpfen und Skropheln behaftete Bergleute, und Weiber, die an Unordnung der Katamenien leiden, in den Gruben arbeiten. Findet man nun, daß hier ein Kropf einsinkt, dort eine angelaufene Drüse verschwindet, oder bei einer Frau die Katamenien wieder eintreten: so hat man eo ipso den Beweis, daß diese Grube Jodine enthalten müsse, und kann nun keck die Erde aus derselben als jodinehaltig in schicklichen Verbindungen gegen die genannten Krankheiten anwenden. Auf ähnliche Weise wurde ja auch die Wirksamkeit des Braunsteins gegen die Krätze entdeckt, nur daß ich hier den Schluß umdrehe, wobei ich indessen hoffe, nicht gegen die logischen Regeln verstoßen zu haben.

[ 16 ] Of course, these and similar proposals remain nothing more than wishful thinking unless we can find a way to obtain iodine in greater quantities than has been possible thus far. In homeopathy, the dilemma lies not so much in how to obtain a great deal of iodine, but rather in how to obtain very little of it; for if we were to give all homeopaths combined a single grain, they would scurry about it like ants around Chimborazo, in despair at ever being able to carry it away and reduce it to nothing—yet the allopaths, who are less frugal, still wish to cure. For them, it would indeed be highly desirable if a mine of iodine were now discovered that could supply the necessary quantity of hundredweights required for annual consumption. For even now, all the species of Fucus in the world’s oceans are no longer sufficient to meet the necessary demand for iodine, since we still have nothing more of it than the tincture. What will become of the situation, then, once they have produced a whole array of ointments, plasters, pills, and other preparations—in the polygyny of other remedies—that such a potent remedy simply cannot do without? Since no trace of such a treasure trove has yet appeared, I therefore make the following proposal for its discovery. In the future, let only miners afflicted with goiters and scrofula, and women suffering from menstrual irregularities, work in the mines. If it is then found that a goiter shrinks here, a swollen gland disappears there, or a woman’s menstrual cycle resumes, this provides proof per se that this mine must contain iodine, and one can now confidently use the earth from it—in appropriate compounds—as an iodine-containing remedy against the aforementioned diseases. In a similar manner, the effectiveness of brownstone against scabies was also discovered; only here I am reversing the conclusion, though I hope I have not violated the rules of logic.

[ 17 ] Ich bahne mir nun den Weg zu der Hauptaufgabe dieses Büchleins dadurch, daß ich die gewöhnlichen Wege, auf denen man bisher die Gegenwart der Jodine auszuforschen und zu erweisen pflegte, kürzlich beleuchte und zugleich zeige, in wie fern sie brauchbare Resultate geben konnten, oder nicht.

[ 17 ] I will now move on to the main topic of this booklet by briefly examining the conventional methods that have been used to date to investigate and demonstrate the presence of iodides, and at the same time showing to what extent these methods have yielded useful results—or not.

[ 18 ] Ein Apotheker Courtois entdeckte die Jodine zuerst in der Asche des Tangs, eines Meergewächses. Sogleich faßte man den Verdacht gen alle Meerbewohner, daß sie dies Heilmittel verheimlichten; durch das ganze Meer wurde sogleich die strengste Haussuchung angestellt, und die gelddurstigen Spanier können den armen Indianern nicht ärger mitgespielt haben, als wir es den Seegeschöpfen taten: denn welche Marter, welche Wasser- oder Feuerprobe wurde wohl in unsern chemischen Laboratorien unversucht gelassen, um den armen Meerprodukten das Geständnis auszupressen, daß sie Jodine versteckt hielten; und als solches sah man denn allgemein einen roten Dampf an, den man durch siedende Schwefelsäure von ihnen zu erzwingen pflegte. Ein solcher roter Dampf war hinreichend, gerade wie sonst die roten Augen einer Hexe, alle Individuen der Art zum Scheiterhaufen zu verdammen, die man nun mit unerbittlicher Strenge aus ihren Schlupfwinkeln hervorzog, um aus ihrer Asche die Jodine zu gewinnen. Dies ist auch jetzt noch die gewöhnlichste Art, die Jodine aufzusuchen und darzustellen, und jedes Meerprodukt kann daher Gott danken, das sich von dieser gefährlichen Ware frei weiß. Freilich bemerkte man bald, daß man auf diesem Wege nur eine sehr spärliche Ausbeute erhielt, und voll Unmut darüber, daß den Kindern des Ozeans so wenig abzugewinnen war, packte man nun sogar den alten Oceanus selber an, schüttete ihn in eine Destillierblase (in der Tat untersuchte man das Meerwasser auf Jodine) und suchte durch Sieden und Schmoren ihn zum Geständnisse seiner Reichtümer zu zwingen; aber bis jetzt hat er standhaft die Folter ausgehalten.

[ 18 ] A pharmacist named Courtois was the first to discover iodine in the ashes of kelp, a marine plant. Immediately, suspicion fell upon all sea creatures, that they were concealing this remedy; the strictest search was immediately conducted throughout the entire sea, and the money-hungry Spaniards could not have treated the poor Indians any worse than we treated the sea creatures: for what torture, what trial by water or fire was left untried in our chemical laboratories to extract a confession from the poor sea creatures that they were hiding iodine; and as such, a red vapor—which was usually forced from them by boiling sulfuric acid—was generally regarded as evidence. Such a red vapor was sufficient—just as the red eyes of a witch are usually enough—to condemn all individuals of the species to the pyre, which were now dragged from their hiding places with relentless severity so that iodine could be extracted from their ashes. This is still the most common method of seeking out and producing iodides, and every marine creature can therefore thank God that it is free from this dangerous substance. Of course, it was soon noticed that this method yielded only a very meager yield, and, frustrated that so little could be extracted from the children of the ocean, people even turned on old Oceanus himself, poured him into a distillation flask (in fact, they tested seawater for iodine), and sought to force him, through boiling and simmering, to confess his riches; but so far he has steadfastly endured the torture.

[ 19 ] Was nun zu tun? Jodine mußten die Ärzte haben, und die Apotheker schafften keine. Sie gerieten also auf eine weit sinnreichere Art, die Gegenwart der Jodine auszuforschen, als bisher Statt gefunden hatte, und waren auch wirklich so glücklich, auf solche Weise dieselbe in Substanzen zu finden, in denen der Chemiker mit seinen Reagentien freilich keine Spur entdecken konnte. Und wie fingen die Leute denn dieses an? Je nun, sie dankten die Chemie ab und machten die Logik zum Hüttenknechte. Diese warf die ganzen Retorten und Blasen der _ Chemie zum Fenster hinaus, setzte sich an den Blasebalg, heizte eine Weile mit Syllogismen und Soriten ein, und siehe da, in kurzem lag aus einer Menge Substanzen ein schönes braunes Jodinekorn da, wie man es sich nicht schöner hätte wünschen können...»

[ 19 ] What to do now? The doctors needed iodine, and the pharmacists couldn’t get any. So they devised a far more ingenious way of detecting the presence of iodine than had been attempted before, and were indeed fortunate enough to find it in this manner in substances in which the chemist, with all his reagents, could detect not a trace. And how did these people go about it? Well, they dismissed chemistry and made logic their servant. Logic threw all of chemistry’s retorts and flasks out the window, sat down at the bellows, stoked the fire for a while with syllogisms and sorites, and lo and behold, in no time at all, a beautiful brown grain of iodine lay there among a multitude of substances—one could not have wished for a more beautiful one...”

[ 20 ] «Da wir den Grundsatz zur Basis unsrer Untersuchungen aufgestellt haben, daß jede Substanz Jodine enthalte, die den Kropf heile: so wollen wir jetzt die Mittel aufzählen, die dieses Vermögen in vorzüglichem Grade besitzen sollen. Dies sind folgende: Gebrannter Schwamm, von dem schon oben die Rede gewesen ist, Extractum Cicutz, Digitalis, Antimonium crudum, Mercurius dulcis, gebrannte Eierschalen, Juchten und Tuchlappen. Nun ist gar kein Zweifel, daß alle diese Mittel wirklich Jodine enthalten, die sich auch nach unsrer Zerlegungsmethode sehr leicht würde daraus darstellen lassen; und selbst das Messer, welches die Exstirpation des Kropfes verrichtet, kann dies nicht anders, als durch seinen Gehalt an Jodine bewirken, indes steht doch zu befürchten, daß bei unserm immer skrophulöser werdenden Zeitalter am Ende alle diese Mittel nicht mehr ausreichen werden, und ich habe daher, um diesem Mangel im Voraus vorzubeugen, darüber nachgedacht, ob sich nicht ein andrer Körper entdecken ließe, der die Jodine in noch reichlicherem Maße enthielte, und siehe, da bin ich auf eine herrliche Entdeckung geraten, von der sich nie ein Arzt, nie ein Chemiker noch Physiker je etwas hat träumen lassen, und die, ich kann es mit Stolz sagen, als ein glänzendes Meteor in den Jahrbüchern der Wissenschaft dastehen wird. Hört es und staunt! Der Mond, ja der Mond ist nichts weiter, als ein großer Klumpen Jodine. Als echtes Meeresprodukt schwimmt er dort im blauen Himmelsozean herum, um, wie selbst jedem alten Weibe bekannt ist, die Kröpfe auf dieser Erde zu vertreiben, und beurkundet hierdurch so schön, daß nichts ohne Nutzen und Zweck an seinen Ort gestellt ist. Man könnte zwar dann fragen, wozu die kleinen Jodinekleckse, die Sterne, da wären? Je nun, doch wohl um die Warzen zu kurieren, als kleinere Verkröpfungen der Hände und des Gesichts, deren Vertreibung man sonst fälschlich mit auf Rechnung des Mondes setzte. Welche reichhaltige Quelle von Jodine ist uns durch diese Ansicht auf einmal geöffnet, wie schön lassen sich alle Erscheinungen an und im Monde damit in Übereinstimmung bringen, und zu welchen glänzenden Resultaten wird sie uns noch weiter führen, so daß ich behaupten kann, das ganze Jahrhundert habe keine folgenreichere und für die Wissenschaft wichtigere Entdeckung aufzuweisen.

[ 20 ] “Since we have established as the foundation of our investigations the principle that every substance containing iodine cures goiter, let us now list the remedies that are said to possess this property to a remarkable degree. These are as follows: burnt sponge, which has already been mentioned above; Extractum Cicutz; Digitalis; Antimonium crudum; Mercurius dulcis; burnt eggshells; birch bark; and rags. Now there is no doubt whatsoever that all these remedies truly contain iodine, which could also be very easily isolated from them using our method of decomposition; and even the scalpel used to excise the goiter can accomplish this only through its iodine content; however, it is to be feared that, in our increasingly scrofulous age, all these remedies will ultimately prove insufficient, and I have therefore, in order to prevent this shortage in advance, I have considered whether another substance might be discovered that contains iodine in even greater abundance, and lo and behold, I have stumbled upon a magnificent discovery that no physician, no chemist, and no physicist has ever even dreamed of—and which, I can proudly say, will stand out like a brilliant meteor in the annals of science. Hear this and be amazed! The moon—yes, the moon—is nothing more than a large lump of iodine. As a true product of the sea, it floats there in the blue ocean of the sky to banish goiters from this earth—as even every old woman knows—and thereby so beautifully attests that nothing is placed in its place without purpose or benefit. One might then ask, of course, what purpose the little specks of iodine—the stars—serve. Well, surely to cure warts, those smaller deformities of the hands and face, the removal of which was otherwise mistakenly attributed to the moon. What a rich source of iodine this view suddenly opens up to us! How beautifully it brings all phenomena on and in the moon into harmony, and to what brilliant results it will lead us still further—so that I can assert that the entire century has produced no discovery more far-reaching or more important for science.

[ 21 ] Ich hätte übrigens nun nicht nötig, noch weitere Beweise für die Jodinität des Mondes anzuführen, da, wenn man den Mond auf den Probierstein unsers oben angeführten Grundsatzes legt, er die Probe so schön aushält; aber ich will der Welt zeigen, daß ich auch eine nähere Beleuchtung meines Fundes nicht zu scheuen brauche, und zugleich mit auf die wichtigen sich daraus ergebenden Folgerungen aufmerksam machen.

[ 21 ] Incidentally, I would not need to cite any further evidence for the moon’s iodine nature, since, when the moon is tested against the touchstone of our principle cited above, it passes the test so admirably; but I wish to show the world that I need not shy away from a closer examination of my discovery, and at the same time draw attention to the important conclusions that follow from it.

[ 22 ] Jetzt erst sind wir im Stande, auf eine ganz genügende Weise das periodische Abnehmen des Mondes zu erklären: denn da wir finden, daß der Mond bloß, wenn er im Abnehmen begriffen ist, den Kropf heilt, folgt daraus nicht sehr natürlich, daß eben diese große Konsumtion für Kropfkranke den Substanzverlust am Monde hervorbringt, der sich alle Monate auf eine uns noch unbekannte Weise wieder reproduziert, was wir allerdings eben so wenig erklären können, als warum der Krebs seine Scheren wiederbekommt.

[ 22 ] Only now are we able to explain the periodic waning of the moon in a completely satisfactory manner: for since we find that the moon cures goiter only when it is waning, it follows quite naturally that this very high consumption by goiter patients causes the moon to lose substance, which is replenished every month in a manner still unknown to us—a phenomenon we are, however, just as unable to explain as why the crab regains its claws.

[ 23 ] Durch diese unsre Ansicht gewinnt auch die schon alte Meinung wieder sehr an Wahrscheinlichkeit, daß der Mond ein Exkrement und quasi sputum der Erde sei, das sie, wahrscheinlich nach einer Überladung, ausvomiert habe. Wenigstens erklärt sich daraus sehr genüglich, warum jetzt nur noch so wenig Jodine auf der Erde angetroffen wird, denn wenn man viel Galle weggebrochen hat, wird der Magen rein.

[ 23 ] This view of ours also lends new credibility to the long-held belief that the Moon is an excretion—or, so to speak, sputum—of the Earth, which it has vomited up, likely after becoming overloaded. At the very least, this explains quite satisfactorily why so little iodine is now found on Earth, for when a great deal of bile has been expelled, the stomach becomes clean.

[ 24 ] Ferner kommen wir nun endlich auch aufs Reine über den Ursprung der sogenannten Mondsteine. Man hat sie bisher häufig für eine Art Deserteurs und Überläufer von dem Monde zur Erde gehalten. Allein, wenn sie wirklich von dem Fleisch und Bein des Mondes entstanden wären, so müßte sich notwendig Jodine in ihnen nachweisen lassen, oder vielmehr, sie müßten ganz aus Jodine bestehen. Da nun beides von den Verteidigern ihres selenitischen Ursprungs noch nicht dargetan worden ist: so ist mir allerdings eine von den folgenden beiden Meinungen viel wahrscheinlicher: entweder, daß sie als eine Art Gichtkonkremente zu betrachten seien, die sich in der Atmosphäre, dem Gelenkwasser zwischen zwei Weltkörpern, die man nicht übel mit Knochen des Weltalls vergleicht, erzeugen; oder daß sie ein käseartiges Gerinnsel des Äthers seien, der, wie die Milch, durch elektrische und galvanische Prozesse zusammenschlickert .. .»

[ 24 ] Furthermore, we are now finally getting to the bottom of the origin of the so-called moonstones. Until now, they have often been regarded as a kind of deserters and defectors from the moon to Earth. However, if they had truly originated from the very flesh and bone of the Moon, iodine would necessarily have to be detectable in them—or rather, they would have to consist entirely of iodine. Since neither of these points has yet been demonstrated by the defenders of their selenitic origin: I certainly find one of the following two opinions much more plausible: either that they should be regarded as a kind of gouty concretion formed in the atmosphere—the synovial fluid between two celestial bodies, which one might well compare to the bones of the universe—or that they are a cheese-like coagulation of the ether, which, like milk, curdles through electrical and galvanic processes .. .”

[ 25 ] «Wenn aber der Mondschein kein wahres Licht ist, was ist er denn? — Nun natürlich weiter nichts, als ein Ausfluß von Jodine. — Aber er sieht ja gelb aus? — Je nun, das rührt bloß von der verschiedenen Potenzierung her, die die Jodine hier erlitten hat, antworte ich, und hoffe, einem Naturphilosophen klar und verständlich geantwortet zu haben; und da ich bloß für gescheite Leute schreibe: so wird jeder Naturphilosoph sogleich wissen, daß ich schon zufrieden bin, wenn er es nur verstanden hat. Hieraus läßt sich übrigens auch erklären, warum im Mondschein Kälte entsteht, die ja allemal eintritt, wo eine Substanz sich verflüchtigt, also auch bei dieser Verflüchtigung der Jodine.

[ 25 ] “But if moonlight isn’t true light, what is it? — Well, of course, nothing more than an effusion of iodine. — But it looks yellow, doesn’t it? — Well, that’s simply due to the different potentization that the iodines have undergone here, I reply, and I hope to have answered a natural philosopher clearly and comprehensibly; and since I write only for intelligent people, every natural philosopher will immediately know that I am satisfied as long as he has understood it. Incidentally, this also explains why cold arises in moonlight—a phenomenon that always occurs when a substance volatilizes, and thus also during this volatilization of iodine.

[ 26 ] Ich würde nun nach allem diesem recht sehr raten, daß ein Chemiker den Mondschein in einer Schüssel auffinge und einer chemischen Analyse unterwürfe.. .»

[ 26 ] "After all this, I would strongly advise that a chemist collect the moonlight in a bowl and subject it to chemical analysis...»

[ 27 ] «Ich füge nun bloß noch der Charakteristik des Mondes, als Jodinekloß, Folgendes bei: der gelbsüchtige Teint des Mondes rührt auf jeden Fall von der Eigenschaft der Jodine her, die Haut gelb zu färben, die sie an ihrem eignen Felle zuerst versucht hat; und das Abend- und Morgenrot am Himmel lassen sich sehr füglich daraus erklären, daß der Mond wahrscheinlich Abends und Morgens mehr als zu andern Tageszeiten schwitzt; was vielleicht auf einem hektischen Zustande desselben beruht, da er oft so auffallend dabei abnimmt; und daß die Jodine schön rot oder violett schwitzt, ist ja bekannt.

[ 27 ] “I will now simply add the following to the description of the Moon as a lump of iodine: the jaundiced complexion of the Moon is in any case due to the property of iodine to turn the skin yellow—a property it first tested on its own surface; and the evening and morning glow in the sky can be very plausibly explained by the fact that the Moon probably sweats more in the evening and morning than at other times of the day; which may be due to a feverish state on its part, since it often loses mass so noticeably in the process; and it is well known that iodine sweats a beautiful red or violet color.

[ 28 ] Durch diese beiden letztern Ansichten hoffe ich auch die gewöhnlichen Chemiker, die manchmal in dem Verlaufe dieser Schrift nicht ganz mit mir zufrieden gewesen sein dürften, wieder mit mir versöhnt zu haben, da die Schlüsse, worauf die Beweise beruhen, alle Spekulation verschmähend, bloß auf reinen Tatsachen beruhen.

[ 28 ] Through these last two views, I hope to have reconciled myself with ordinary chemists, who may not have been entirely satisfied with me throughout the course of this treatise, since the conclusions on which the proofs are based, rejecting all speculation, rest solely on pure facts.

[ 29 ] So scheide ich denn von allen hiermit in Ruhe und Frieden und wünsche nur noch schließlich der Jodine eine längere Jugend, als ich ihr in meinem Prognostikon habe prophezeien können.»

[ 29 ] And so I take my leave of everyone here in peace and tranquility, and my only remaining wish is that Jodine may enjoy a longer youth than I was able to predict for her in my *Prognostikon*.»

[ 30 ] Es ist das etwas, was scheinbar jeder aufgeklärte Mensch mit ganzem Recht absurd nennen würde. Aber das hindert ihn nicht, diesen aufgeklärten Menschen, jede Stunde einmal einen ähnlichen Fehler zu machen. Nur bemerkt er es nicht, wenn es sich um etwas handelt, was er in die Gegenstände seines Glaubens eingeschlossen hat. Der Mann, der das geschrieben hat, im Jahre 1821 — er nannte sich dazumal Dr. Mises -, das ist derselbe, den Sie aus der wissenschaftlichen Literatur kennen als Professor Gustav Theodor Fechner, derselbe, der in den fünfziger Jahren versuchte, eine Ästhetik von unten herauf zu begründen auf Grundlage von sinnlich-anschaulichen Experimenten, nicht von oben herunter, das heißt aus dem Gedanken- und Empfindungsmaterial der Seele heraus. Das war ein Mann, der, man kann wirklich sagen, alle Qualen des Erkenntnisringens des 19. Jahrhunderts durchgemacht hat. Es war derselbe Mann, der den Streit hatte mit dem Botaniker Schleiden über die Einwirkung des Mondes auf verschiedene Vorgänge der Erde. Ich habe Ihnen erzählt, wie dann durch Frau Professor Schleiden und Frau Professor Fechner hat entschieden werden sollen, wer von beiden recht hatte. Das ist auch derselbe Mann, der versucht hat, aus seinem Ringen heraus eine Art idealistisch-spirituelle Weltanschauung zu gewinnen. Sie können sehen, wie er das versucht hat, aus der Darstellung, die ich über Gustav Theodor Fechner gegeben habe in meinen «Rätseln der Philosophie».

[ 30 ] It is something that seemingly every enlightened person would quite rightly call absurd. But that does not prevent this enlightened person from making a similar mistake once every hour. He simply does not notice it when it concerns something he has included among the objects of his faith. The man who wrote this in 1821—he called himself Dr. Mises at the time—is the same man you know from the scientific literature as Professor Gustav Theodor Fechner, the same man who, in the 1850s, attempted to establish an aesthetics from the bottom up, based on sensory and intuitive experiments, rather than from the top down, that is, from the material of thought and feeling within the soul. This was a man who, one can truly say, went through all the torments of the 19th-century struggle for knowledge. He was the same man who had a dispute with the botanist Schleiden over the moon’s influence on various processes on Earth. I have told you how Professor Schleiden’s wife and Professor Fechner’s wife were then to decide which of the two was right. This is also the same man who attempted, out of his intellectual struggles, to arrive at a kind of idealistic-spiritual worldview. You can see how he attempted this from the account I gave of Gustav Theodor Fechner in my *Riddles of Philosophy*.

[ 31 ] Man möchte sagen: an einer solchen Seele sieht man so recht die Realität, als welche der Mensch empfinden kann dasjenige, in dem er mit seinem Erkenntnisstreben darinnen lebt, wenn er dieses Erkenntnisstreben in allem Ernste hat. Nun ist aber die Geisteswissenschaft wohl wirklich erst dasjenige, was uns den ganzen Ernst und die ganze Bedeutung der Sache klarmachen kann. Wenn solch ein Mensch wie Gustav Theodor Fechner so etwas ausspricht, wie es in dem kleinen Schriftchen steht: «Beweis, daß der Mond aus Jodine bestehe», dann will er damit gleichsam zeigen, wie leichtgeschürzt das Denken der Menschen ist, und wie leicht das menschliche Denken gar nicht herankommt an die Realität, ganz fern steht der Realität. Es wird eben von den Menschen nicht der ganze Ernst und die ganze Bedeutung und die ganze Schwere der menschlichen Entwickelung empfunden. Die Geisteswissenschaft will uns deshalb den Horizont, den wir überblicken in bezug auf das Menschenwesen, etwas größer machen, als man es mit der heute anerkannten Wissenschaft kann. Sie will uns hinweisen auf weit zurückliegende Epochen der Menschheitsentwickelung, zum Beispiel auf die atlantischen Zeiten, will uns zeigen, wie der Mensch in der Atlantis war, und will uns dann hinweisen darauf, in welcher Entwickelungsumwandlung eigentlich dieser Mensch begriffen ist.

[ 31 ] One might say: in such a soul one truly sees reality as that which a human being can perceive—the reality in which he lives through his quest for knowledge, provided he pursues this quest with the utmost seriousness. But Spiritual Science is, in fact, the very thing that can make clear to us the full seriousness and significance of the matter. When a person like Gustav Theodor Fechner says something like what is written in that little pamphlet—“Proof that the Moon Consists of Iodine”—he intends, as it were, to show how superficial human thinking is, and how easily human thinking fails to come close to reality—indeed, stands far removed from it. People simply do not perceive the full gravity, significance, and weight of human evolution. Spiritual Science therefore seeks to broaden the horizon we survey with regard to the human being, beyond what is possible with today’s accepted science. It seeks to point us toward distant epochs of human development—for example, the Atlantean era—to show us what human beings were like in Atlantis, and then to reveal the transformative process of development in which these human beings are actually engaged.

[ 32 ] Machen wir uns dann nur das eine klar, wenn wir das, was wir gelernt haben über die alte Atlantis, einmal an unserer Seele vorüberziehen lassen: wie ist es denn, wenn wir den Blick werfen auf das, was heute als Tierwelt, als Menschenwelt um uns herum lebt? Das alles war noch zur Zeit der alten Atlantis ganz anders! Vergegenwärtigen wir uns, was wir in dieser Beziehung wissen. Wir wissen, daß erst während der alten Atlantis die Menschen als Seelen herunterkamen von der Wanderung, die sie durchgemacht hatten in der Sternenwelt. Sie suchten sich erst wieder menschliche Leiber aus, die aus dem Materiale, der Substanz des Irdischen heraus ihnen zugeformt waren. Und wir wissen aus der Darstellung, die gegeben worden ist, wie anders in der atlantischen Zeit diese menschlichen Leiber waren. Ich habe wiederholt darauf aufmerksam gemacht — und Sie können es auch in meinen Schriften lesen —, daß der Menschenleib dazumal noch weich, biegsam, bildsam war, so war, daß die aus den Himmelswelten herunterkommenden Seelen die Leiber noch formen konnten.

[ 32 ] Let us then simply keep one thing in mind as we allow what we have learned about ancient Atlantis to pass through our souls: what is it like when we cast our gaze upon the animal and human worlds that live around us today? All of this was quite different in the time of ancient Atlantis! Let us bring to mind what we know in this regard. We know that it was only during the time of ancient Atlantis that human beings, as souls, descended from the journey they had undergone in the world of the stars. Only then did they once again choose human bodies that had been formed for them from the material, the substance of the earthly realm. And we know from the description that has been given how different these human bodies were in the Atlantean era. I have repeatedly pointed this out—and you can also read about it in my writings—that the human body at that time was still soft, supple, and malleable, such that the souls descending from the heavenly worlds were still able to shape the bodies.

[ 33 ] Nehmen Sie einmal an, eine Frau — oder damit wir nicht einseitig sind —, ein Mann wird heute zornig, richtig böse, und macht sich mit bösen Gedanken über einen anderen Menschen her. Nicht wahr, gar so stark kommt das nicht in der Umformung des Gesichtes zum Ausdruck, ein bißchen schon, aber nicht so stark. Die Menschen können heute schon sehr böse sein, und es kommt nicht so stark in ihrer Physiognomie zum Ausdruck. Das war früher in der alten atlantischen Zeit anders. Da wurde das Gesicht, wenn der Mensch etwas Böses im Sinne hatte, ganz Ausdruck seines Inneren, da wandelte es sich ganz um, so daß es dazumal nicht unrichtig gewesen wäre, wenn man gesagt hätte: Der schaut aus wie eine Katze. — Es schaute dann wirklich der Mensch wie eine Katze aus oder wie eine Hyäne, wenn er ganz falsch wurde. Das Äußere des Menschen war dazumal noch ganz und gar Ausdruck des Inneren. Also verwandlungsfähig war dazumal der Mensch in hohem Grade.

[ 33 ] Suppose a woman—or, so as not to be one-sided—a man becomes angry today, truly angry, and harbors malicious thoughts toward another person. Isn’t it true that this isn’t expressed all that strongly in the changes to the face? A little, yes, but not that strongly. People today can be very evil, and it isn’t expressed that strongly in their physiognomy. It used to be different in the ancient Atlantean era. Back then, when a person had something evil in mind, the face became a complete expression of their inner being; it transformed entirely, so that in those days it wouldn’t have been inaccurate to say, “He looks like a cat.” — A person really did look like a cat or a hyena when they became completely corrupt. Back then, a person’s outward appearance was still a complete expression of their inner self. So, in those days, human beings were highly capable of transformation.

[ 34 ] Bei den Tieren war diese Verwandlungsfähigkeit schon geringer, aber sie war auch vorhanden; ihr physischer Leib war schon viel mehr verfestigt als der des Menschen, und eine Verwandlung fand nur ganz allmählich statt. Namentlich waren die Tiere gattungsmäßig verwandelbar, nicht so, daß sie die Eigenschaften so stereotyp vererbten wie heute. Alles hat sich also für den physischen Menschenleib immer mehr verfestigt, möchte ich sagen, in feste Formen gegossen seit der atlantischen Zeit. Der Mensch hat heute zwar noch die Möglichkeit, seine Hand zu bewegen, auch ein gewisses Mienenspiel des Gesichts zu entfalten; aber in gewissem Sinne ist die Form seines Leibes doch fest geworden. Und völlig verfestigt sind die Tierformen, die daher Starrheit in ihrer Physiognomie uns zeigen. Das war auch bei den Tieren in dem Maße noch nicht der Fall in der alten atlantischen Zeit.

[ 34 ] In animals, this capacity for transformation was already less pronounced, but it was still present; their physical bodies were already much more solidified than those of humans, and any transformation took place only very gradually. Specifically, animals were capable of transformation within their species, not in the sense that they inherited characteristics in such a rigid, stereotypical manner as they do today. Everything has thus become increasingly solidified in the physical human body—I would say, cast into fixed forms since the Atlantean era. Although humans today still have the ability to move their hands and to display a certain range of facial expressions, in a certain sense the form of their body has nevertheless become fixed. And the forms of animals are completely solidified, which is why they display rigidity in their physiognomy. This was not yet the case to the same extent with animals in the ancient Atlantean era.

[ 35 ] Wir können, wenn wir den Menschen charakterisieren wollen, im allgemeinen sagen: Heute ist sein physischer Leib in hohem Maße starr, sein Ätherleib, der ist noch leicht beweglich. Der Ätherleib formt sich daher auch noch nach dem, wie der Mensch innerlich ist. So hat es schon eine größere Bedeutung, sogar eine gewisse Realität, wenn zum Beispiel jemand böse wird, daß sich äußerlich sein Gesicht ein wenig zur Hyänenähnlichkeit formt, sein Ätherleib schon hyänenähnlicher wird. Der Ätherleib ist schon noch metamorphosierbar, der Ätherleib hat noch etwas, was ihn verwandelbar sein läßt. Aber er ist ebenso auf dem Wege zur Starrheit wie der physische Leib. Wie der physische Leib von der atlantischen Zeit bis in unseren fünften nachatlantischen Zeitraum hinein feste Formen bekommen hat, so wird von dem fünften in den sechsten nachatlantischen Zeitraum hinüber auch der Ätherleib starrere, festere Formen erhalten, und die Folge davon wird sein — ich habe das in verschiedenen Vorträgen angedeutet —, daß dieser Ätherleib, der mit seinen Formen wieder in den physischen Leib hineingeht, sich sehr stark geltend machen wird. Wir sind im fünften Zeitraum der ersten nachatlantischen Zeitepoche, dann kommt der sechste und dann der siebente Zeitraum; also im sechsten und siebenten Zeitraum wird dieser Ätherleib in seiner Starrheit einen großen Einfluß haben auf den physischen Leib, er wird den physischen Leib zu seinem getreuen Abbilde machen.

[ 35 ] When we want to characterize a person, we can generally say: Today, his physical body is highly rigid, while his etheric body is still quite flexible. The etheric body therefore still takes shape according to the person’s inner nature. Thus, it has greater significance—even a certain reality—when, for example, someone becomes evil, in that outwardly their face takes on a slightly hyena-like appearance, and their etheric body becomes more hyena-like. The etheric body is still capable of metamorphosis; it still possesses something that allows it to be transformed. But it is just as much on the path toward rigidity as the physical body. Just as the physical body has taken on fixed forms from the Atlantean epoch into our fifth post-Atlantean epoch, so too will the etheric body, moving from the fifth into the sixth post-Atlantean epoch, take on stiffer, more fixed forms, and the consequence of this will be—as I have hinted at in various lectures—that this etheric body, which, with its forms, re-enters the physical body, will assert itself very strongly. We are in the fifth period of the first post-Atlantean epoch; next comes the sixth, and then the seventh period. Thus, in the sixth and seventh periods, this etheric body, in its rigidity, will exert a great influence on the physical body; it will make the physical body its faithful image.

[ 36 ] Das hat Wichtiges im Gefolge. Das hat im Gefolge, daß in diesem sechsten Zeitraume unserer nachatlantischen Erdenentwickelung die Menschen mit ganz bestimmten, ihre inneren moralischen Qualitäten ausdrückenden Leibern geboren werden. Man wird den Menschen begegnen und wird aus der Art, wie sie aussehen, wissen: sie sind moralisch so oder so geartet. Die moralische Physiognomie wird dann besonders stark ausgeprägt sein, während dasjenige, was jetzt mehr die Physiognomie ausmacht, mehr zurückgetreten sein wird. Jetzt wird der Mensch in seiner Physiognomie sehr durch die Vererbung bestimmt: er sieht seinen Eltern, seinen Voreltern, er sieht seinem Volke und so weiter ähnlich. Das wird im sechsten Zeitraume ganz und gar keine Bedeutung mehr haben. Da wird der Mensch durch seine Inkarnationsfolge sich das Gepräge seines Aussehens geben. Die Menschen werden sehr verschieden sein, aber sie werden ein scharfes Gepräge haben. Man wird genau wissen: Du begegnest jetzt einem wohlwollenden oder einem übelwollenden Menschen. So wie man heute weiß: Du begegnest jetzt einem Italiener oder einem Franzosen -, so wird man dann wissen: Du begegnest jetzt einem mißwollenden oder einem wohlwollenden Menschen, mit den verschiedenen Abstufungen. — Das wird also immer mehr und mehr sein, daß das Moralische sich im Gesicht ausdrückt. Auch die äußere Physiognomie der Umgebung wird sich mannigfaltig ändern in diesem sechsten Zeitraume. Namentlich werden diejenigen Tiere ausgestorben sein, welche die Menschen heute ganz besonders zu ihrer Fleischnahrung wählen. Dann werden die Menschen ein großes Loblied auf die fleischlose Kost singen, denn es wird dann eine alte Erinnerung sein, daß die Väter in alten Zeiten sogar Fleisch gegessen haben. Nicht etwa so ist es, daß alle Tiere aussterben, sondern nurgewisse Tierformen; besonders die, welche die starrsten Formen angenommen haben, werden von der Erde verschwunden sein. Also auch die äußere Physiognomie der Erde wird sich etwas geändert haben.

[ 36 ] This has important implications. It implies that in this sixth period of our post-Atlantean earthly evolution, human beings will be born with bodies that very specifically express their inner moral qualities. One will encounter people and, from the way they look, know that they are of one moral disposition or another. Moral physiognomy will then be particularly pronounced, while the factors that currently define physiognomy will recede into the background. At present, a person’s physiognomy is largely determined by heredity: they resemble their parents, their ancestors, their people, and so on. This will no longer have any significance whatsoever in the sixth period. Then, through their succession of incarnations, human beings will shape the character of their appearance themselves. People will be very different, but they will have a distinct character. One will know exactly: You are now encountering a benevolent or a malevolent person. Just as one knows today: You are now encountering an Italian or a Frenchman—so one will then know: ‘You are now encountering a malevolent or a benevolent person,’ with all the various nuances in between. — Thus, it will become increasingly common for moral qualities to be expressed in the face. The external physiognomy of the environment will also undergo manifold changes during this sixth period. In particular, those animals that people today specifically choose for their meat diet will have become extinct. Then people will sing the praises of a meatless diet, for it will be a distant memory that their ancestors in ancient times even ate meat. It is not the case that all animals will become extinct, but only certain species; particularly those that have taken on the most rigid forms will have disappeared from the earth. Thus, the outward appearance of the earth will also have changed somewhat.

[ 37 ] Sehen Sie, dieses Darinnenstehen in einer so festen moralischen Physiognomie, wie es später kommen wird, das wird dem Menschen infolgedessen wie ein Fatum sein, wie ein richtiges Fatum, wie ein Schicksal, ein seinem ganzen Wesen aufgedrücktes Schicksal. In sich wird er dann nicht die Möglichkeit finden können, irgend etwas zu tun gegen dieses Fatum, gegen dieses Schicksal. Nun denken Sie sich diese Tragik! Der Mensch wird dann tatsächlich sich sagen müssen: Im fünften nachatlantischen Zeitraume, da gab es einzelne Materialisten, die glaubten, wenn der Hinterhauptlappen nicht genau über das Kleinhirn geht, dann müßten die Menschen Verbrecher werden. Für diese Menschen war es damals Theorie, aber jetzt ist es wirklich so geworden, jetzt ist dasjenige fest geformt, wovon sie gesagt haben, daß es nicht formbar ist, nämlich der Ätherleib. Wir gehen wirklich der Tendenz entgegen, die Theorien der materialistischen Weltanschauung gewissermaßen zu verwirklichen. Jetzt sind sie noch nicht eine Wirklichkeit, aber wir gehen der Tendenz entgegen. Da sind wir an einem eigentümlichen Punkte der Weltanschauungsgeheimnisse. Diejenigen, welche sich ganz und gar dagegen wehren würden, Propheten zu sein, sind die wahren Propheten, sind die, welche heute erzählen: Man ist deshalb ein Verbrecher, weil der Hinterhauptlappen das Kleinhirn nicht bedeckt. Diese werden sich als Vorverkünder einer Wahrheit erweisen; das wird schon so sein! Die Materialisten von heute sind die ärgsten Propheten, sie wollen es nur nicht sein. Heute besteht noch die Möglichkeit, daß durch Erziehung eine solche eigenartige Bildung des physischen Leibes, wie ein zu kurzer Hinterhauptlappen, durch ein Gegengewicht paralysiert werden kann; in der sechsten nachatlantischen Zeitepoche wird das nicht mehr der Fall sein können, die Ätherleiber werden dann nicht mehr verwandelbar sein. Da braucht es stärkere Mittel, ganz andere, stärkere Mittel, um dem vorzubeugen.

[ 37 ] You see, this being caught up in such a rigid moral framework—as will come to pass later—will consequently be like a fate to human beings, like a true fate, like a destiny imposed upon their very being. Within himself, he will then be unable to find the possibility of doing anything against this fate, against this destiny. Now imagine the tragedy of it! Humanity will then actually have to say to itself: In the fifth post-Atlantean epoch, there were individual materialists who believed that if the parietal lobe did not extend precisely over the cerebellum, then people would inevitably become criminals. For these people, it was merely a theory back then, but now it has actually come to pass; now that which they said could not be formed—namely, the etheric body—has become firmly established. We are truly moving toward the tendency to, so to speak, bring the theories of the materialistic worldview to life. They are not yet a reality, but we are moving in that direction. Here we find ourselves at a peculiar point in the mysteries of worldview. Those who would vehemently resist being called prophets are the true prophets; they are the ones who say today: “One is a criminal because the occipital lobe does not cover the cerebellum.” These will prove to be the forerunners of a truth; that is certainly how it will be! Today’s materialists are the worst prophets; they just do not want to be. Today there is still the possibility that, through education, such a peculiar formation of the physical body—such as an occipital lobe that is too short—can be counteracted by a balancing force; in the sixth post-Atlantean epoch, this will no longer be possible, for the etheric bodies will then no longer be malleable. Stronger means will be needed then—entirely different, stronger means—to prevent this.

[ 38 ] Wenn dem nicht vorgebeugt wird, so kommt eben der Zustand, den die Materialisten beschreiben und der dann eine Wirklichkeit ist: dann kommt der Zustand, den Sie in einer solch schmerzdurchwühlten Weise geschildert finden in den Gedichten der Marie Eugenie delle Grazie, die heute vorgelesen wurden. Diese Gedichte können Sie auf eine Zeit beziehen, welche schon vorgeahnt wird, die wirklich in der sechsten nachatlantischen Zeitperiode eintreten wird. Man kann in den Gedichten leicht fühlen: das ist eine Seele, die durch das, was sie als heutige Erkenntnis gewinnen kann, sich fühlt wie ins Nichts getaucht. Sie will weitergehen, hat aber noch nichts, was als Gegenmittel da ist, und da kommt ihr ein Bild, wie es sein wird, wenn es in der nächsten Zeit so fortginge mit dem Materialismus! Und um nichts anderes könnten die Menschen sich bekümmern in der sechsten nachatlantischen Zeit, als um solches, was die delle Grazie heute schon zum Ausdruck bringt, wenn kein Gegenmittel geschaffen würde gegen die Entwickelungsrichtung, die der Mensch einmal nimmt aus den Kräften heraus, die er nun einmal hat.

[ 38 ] If this is not prevented, then the very state described by the materialists will come to pass and become a reality: then the state that you find depicted in such a pain-racked manner in the poems of Marie Eugenie delle Grazie, which were read aloud today, will come to pass. You can relate these poems to a time that is already foreshadowed, a time that will truly come to pass in the sixth post-Atlantean epoch. One can easily sense in the poems: this is a soul who, through what she can gain as present-day insight, feels as if plunged into nothingness. She wants to move forward, but has nothing yet that serves as an antidote, and then an image comes to her of what it will be like if materialism were to continue in this way in the near future! And in the sixth post-Atlantean epoch, people could worry about nothing else but what Delle Grazie is already expressing today, if no antidote were created against the direction of development that humanity will one day take out of the forces it simply possesses.

[ 39 ] Alle bisherigen Religionssysteme der Welt könnten das nicht hindern, daß der Mensch im sechsten nachatlantischen Zeitraume einem furchtbaren Fatum unterworfen wäre, dem Fatum, daß in seinem Gesichte, in seiner ganzen Körperphysiognomie — wogegen er nichts unternehmen könnte, wenn er alles so ließe, wie die heute geltende Weltanschauung von der Welt es will —, seine moralischen Qualitäten ausgedrückt wären.

[ 39 ] None of the world’s religious systems to date could prevent humanity, in the sixth post-Atlantean epoch, from being subjected to a terrible fate—the fate that, in its face and in its entire physical physiognomy—against which it could do nothing if it left everything as the currently prevailing worldview dictates— his moral qualities would be expressed.

[ 40 ] Das sind ernste Betrachtungen, ungeheuer ernste Betrachtungen. Es gäbe ein gutes Mittel, die Träume der Materialisten in Realität umzusetzen, und dieses Mittel bestünde darinnen, daß diejenigen Leute den Sieg davontrügen in bezug auf die Weltanschauung, die da sagen: Da träumt die Geisteswissenschaft davon, daß die Menschheit in der Zukunft Äthergestalten sehen wird, zuerst den Christus in ätherischer Form und danach dann noch andere Äthergestalten sehen wird; davon träumt die Geisteswissenschaft! Diejenigen aber, die das sagen, sind Narren, die sperren wir ins Irrenhaus. — Gescheite Leute sind dies, die so etwas für Wahngebilde halten. Wenn diese Weltanschauung siegen würde, dann käme das, was ich geschildert habe. Aber diese Weltanschauung darf nicht siegen, das muß unsere unverwüstliche Überzeugung sein. Wissen müssen wir: wenn unsere Ätherleiber so stark sein sollen, daß sie die Fehler unseres physischen Leibes korrigieren können, so muß diese Stärke dadurch herauskommen, daß die Menschen lernen werden für Ernst und Wahrheit zu nehmen, was ihnen aus der ätherischen Welt heraus entgegentreten wird. Dann wird das gegen die Zukunft immer mehr und mehr heilend wirken. Dazu müssen wir vor allen Dingen Geisteswissenschaft aufnehmen, damit wir uns vorbereiten, wenn es an uns herantritt, die ätherische Gestalt des Christus zu sehen, damit wir das im richtigen Ernste zu nehmen wissen.

[ 40 ] These are serious reflections—incredibly serious reflections. There would be a good way to turn the materialists’ dreams into reality, and that way would be for those people to prevail in terms of worldview—the ones who say: “Spiritual Science dreams that humanity will one day see etheric forms—first Christ in etheric form, and then other etheric forms as well; that is what Spiritual Science dreams of!” But those who say this are fools; we’ll lock them up in the madhouse. — These are the sensible people who regard such things as delusions. If this worldview were to prevail, then what I have described would come to pass. But this worldview must not prevail; that must be our unshakable conviction. We must realize: if our etheric bodies are to be strong enough to correct the errors of our physical bodies, this strength must arise from people learning to take seriously and as truth what comes to meet them from the etheric world. Then this will have an increasingly healing effect on the future. To this end, we must above all embrace Spiritual Science so that we may prepare ourselves when the time comes for us to see the etheric form of Christ, so that we may know how to take it with the proper seriousness.

[ 41 ] Einen großen Strich könnten wir ziehen in der Menschheitsentwikkelung. Vorher hat das Ätherische im Menschen gewirkt und noch das Physische geformt; aber auf der anderen Seite wird die Zeit kommen, wo das Physische und das Ätherische fest sein werden. Der Mensch muß sich daran gewöhnen, das Ätherische außerhalb zu sehen, in allerlei Formen und Gestalten, und es wird das Ätherische sein, nach dem wir uns so richten müssen, wie die sinnlichen Wahrnehmungen uns entgegentreten. Einer Zeit müssen wir entgegengehen, wo wir zunächst den Christus finden, und in seinem Gefolge immer mehr Ätherisches. Dieses Ätherische wird die Stärke haben, dann noch individuelle Menschen aus uns zu machen. Viele Geheimnisse sind es, die hinter dem Weltenwerden liegen, und erschütternd sind viele Geheimnisse. Es hat einstmals einen Homer gegeben. Lesen Sie nach mit Verstand dasjenige, was ich gesagt habe in verschiedenen Zyklen und auch in dem Büchelchen: «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», so werden Sie sich sagen müssen: Wodurch ist Homer Homer geworden? Dadurch, daß noch ein höherer Geist ihn leitete. -— Homer wußte das wohl. Seine Gesänge beginnen daher nicht mit den Worten: Ich singe -, sondern sie beginnen mit den Worten: «Singe, o Muse... .» Das ist ganz ernst zu nehmen. Er wußte, daß ein höherer Geist ihn inspirierte. Nur unsere jetzige Zeit nimmt das als Phrase, wie sie als Phrase nimmt die Goetheschen Sätze:

[ 41 ] We could draw a major dividing line in the development of humanity. Previously, the etheric aspect was at work within human beings and was still shaping the physical; but on the other hand, the time will come when the physical and the etheric will be firmly established. Humanity must grow accustomed to seeing the etheric realm outside itself, in all manner of forms and shapes, and it will be the etheric realm that we must orient ourselves toward as sensory perceptions present themselves to us. We must move toward a time when we will first find Christ, and in his wake, more and more of the etheric. This etheric realm will then have the power to make us into individual human beings. There are many mysteries lying behind the becoming of the world, and many of these mysteries are profound. There was once a Homer. If you read with understanding what I have said in various cycles and also in the little book *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity*, you will have to ask yourself: How did Homer become Homer? It was because a higher spirit guided him. — Homer surely knew this. That is why his poems do not begin with the words “I sing,” but rather with the words: “Sing, O Muse... .” This is to be taken quite seriously. He knew that a higher spirit inspired him. Only our present age regards this as a mere phrase, just as it regards Goethe’s words as mere phrases:

«Die Sonne tönt nach alter Weise,
in Brudersphären Wettgesang,
und ihre vorgeschrieb’ne Reise
vollendet sie mit Donnergang»

“The sun resounds in the ancient way,
a contest of song in the spheres of the brotherhood,
and its prescribed journey
it completes with a thunderous roar”

[ 42 ] und so weiter. Insofern nun Homer sich wieder inkarniert, wird sich der «Mensch» inkarnieren, nicht aber der Geist, der ihn dazumal leitete. Aber man wird dieser Gestalt im Ätherischen begegnen, die damals Homer inspirierte, oder dem Geist, der den Sokrates, Plato inspirierte, insofern sie eben inspiriert waren. Anfangen müssen wir, die geistige Welt durch die Geisteswissenschaft zu verstehen. Das andere kommt dann von selbst. Aber wenn wir nicht anfangen mit der Geisteswissenschaft, dann gehen wir der Zeit entgegen, die der Menschheit ein furchtbares Fatum aufdrängt.

[ 42 ] and so on. Insofar as Homer is now reincarnating, it is the “human being” who will reincarnate, but not the spirit that guided him back then. But one will encounter in the etheric realm the figure who inspired Homer at that time, or the spirit who inspired Socrates and Plato, insofar as they were indeed inspired. We must begin by understanding the spiritual world through Spiritual Science. The rest will then follow naturally. But if we do not begin with Spiritual Science, then we are heading toward a time that will impose a terrible fate upon humanity.

[ 43 ] Die materialistische Weltanschauung braucht nicht wahr zu sein, aber sie hat eine innere Wahrheit. Sagen kann man von der inneren Wahrheit dieses: Was die materialistische Weltanschauung von den Menschen schildert, das würde werden, wenn diese materialistische Weltanschauung siegte. Und es ist in die Hände der Menschen gegeben, durch eine andere Weltanschauung diesen Materialismus nicht zum Siege kommen zu lassen. Nicht so einfach liegt die Sache, daß man sagen könnte, die materialistische Weltanschauung sei falsch; sondern so liegt sie, daß es in des Menschen Hand gegeben ist, sie nicht durch den lahmen Gedanken der Widerlegung, sondern durch die Tat zu besiegen. Und je mehr Menschen sich finden, welche ihre Augen öffnen gegenüber dem Geistigen, desto mehr Menschen werden sich finden, die einsehen, daß die Verwirklichung des Materialismus in Bann gehalten werden kann, und desto mehr ergibt sich auch die Möglichkeit, daß der Materialismus im Banne gehalten wird.

[ 43 ] The materialist worldview need not be true, but it possesses an inner truth. This can be said about that inner truth: What the materialist worldview depicts about human beings is what would come to pass if this materialist worldview were to prevail. And it is in the hands of human beings to prevent this materialism from prevailing through a different worldview. The matter is not so simple that one could say the materialist worldview is false; rather, it is such that it is in the hands of human beings to defeat it—not through the feeble act of refutation, but through action. And the more people there are who open their eyes to the spiritual, the more people there will be who realize that the realization of materialism can be kept at bay, and the greater the possibility that materialism will indeed be kept at bay.

[ 44 ] Jetzt noch sitzt der Mensch und ahnt dieses oder jenes — er ist vielleicht ein Dichter, ein Künstler — und sagt: Ich fühle mein Genie in mir! - Gewiß, das wird noch eine Zeitlang dauern. Aber verschwinden wird diese Stimmung, total verschwinden wird diese Stimmung. Denn jene Stimmung wird heraufkommen, wo die Menschen sagen werden: Ich hatte eine bestimmte Stunde, da erschien mir ein ätherisches Wesen, das teilte mir dieses oder jenes mit. Ich bin das Instrument, durch welches dieses geistige Wesen hereinwirkt in diese Welt! — Immer mehr und mehr muß die geistige Welt bewußte Realität werden.

[ 44 ] For now, people still sit and sense this or that—perhaps they are poets or artists—and say: “I feel my genius within me!”—Certainly, this will continue for a while. But this mood will disappear; it will disappear completely. For there will come a time when people will say: “There was a specific moment when an ethereal being appeared to me and communicated this or that to me. I am the instrument through which this spiritual being works into this world!” — The spiritual world must increasingly become a conscious reality.

[ 45 ] Gewiß, die geistige Welt ist da; aber die Menschen können sich von ihr abwenden. Und die materialistische Weltanschauung kann genannt werden: die große Verschwörung gegen den Geist. Diese materialistische Weltanschauung ist nicht bloß ein Irrtum, sie ist eine Verschwörung, die Verschwörung gegen den Geist.

[ 45 ] Certainly, the spiritual world exists; but people can turn away from it. And the materialistic worldview can be called: the great conspiracy against the spirit. This materialistic worldview is not merely an error; it is a conspiracy—the conspiracy against the spirit.

[ 46 ] Ich hoffe, daß dies trotz der wenigen einzelnen Striche, mit denen ich das andeuten konnte, Ihre Seelen ergreifen wird, so daß Ihre Seelen in diesen Gedanken arbeiten. Gerade die Bekenner der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung sollen etwas wissen von den Impulsen der Weltentwickelung, in denen die Menschheit darinnen lebt. Und möglich ist ja, daß noch viele Menschen kommen und sagen: Das ist nicht so, das ist nicht so, das ist nicht christlich, christlich ist anders und so weiter. Wenn diese kommen, dann werden wir, wenn wir mit Tiefe und im Ernste und mit Würde aus der Geisteswissenschaft heraus erfaßt haben, was die Welt bewegt, in unserem meditativen Leben ewige Grundgesetze ahnen können. Mögen Menschen behaupten, daß wir Phantasten oder sonst irgend etwas seien, wir wissen, wie es mit der Menschheits- und Weltentwickelung ist. Und derjenige, der um ihretwillen durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der sieht auch das, was sich in unserer Seele als der Ausdruck der Weltentwickelung ergibt. «Christus sieht uns», daran wollen wir festhalten.

[ 46 ] I hope that, despite the few brief strokes with which I was able to hint at this, it will touch your souls, so that your souls may engage with these thoughts. It is precisely those who profess the Spiritual Science worldview who should have some understanding of the impulses of world development in which humanity lives. And it is, of course, possible that many people will come and say: “That is not so, that is not so, that is not Christian; Christianity is different,” and so on. When such people come, if we have grasped—with depth, seriousness, and dignity—what moves the world through Spiritual Science, we will be able to sense eternal fundamental laws in our meditative life. Let people claim that we are dreamers or whatever else they may say; we know the reality of human and world development. And the One who, for our sake, passed through the Mystery of Golgotha—He also sees what arises in our soul as the expression of world development. “Christ sees us”—let us hold fast to this.