The Occult Movement
in the Nineteenth Century
and its Relationship to World Culture
GA 254
1 November 1915, Stuttgart
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The Occult Movement, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Gestern habe ich über das große polnische Drama «Comédie infernale» von Krasinski gesprochen und die besondere Bedeutung dieses Dramas hervorgehoben. Man möchte sagen, es ist wirklich bewußt in die Welt hineingebracht wie das Ergebnis eines Dialoges mit den Geistern der Menschheitsevolution, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit denen sprachen, die sie hören wollten.
[ 1 ] Yesterday I spoke about Krasinski’s great Polish drama *Comédie infernale* and emphasized the special significance of this play. One might say that it was truly brought into the world intentionally, as the result of a dialogue with the spirits of human evolution, who, in the mid-19th century, spoke to those who were willing to listen.
[ 2 ] Halten wir für eine Weile die Gedanken fest, die wir dadurch haben gewinnen können, daß wir sahen, wie sich in die äußere literarische Kultur herausdrängte, was im Innersten der Menschheitsevolution lebt. Wir müssen sagen: sowohl aus dem «Maha Guru» wie aus der «Comédie infernale» — wir könnten noch viele dergleichen Beispiele anführen, ich habe nur zwei sehr markante herausgewählt — sehen wir, daß gewissermaßen hinter den Kulissen des äußeren Weltgeschehens sich Bedeutungsvolles abspielt in der Kulturmenschheit. Und wir haben es aus so vielen Quellen immer und immer wieder herleiten müssen, was uns hinlenken soll die Empfindungen auf den großen Moment der Weltenentwickelung, in dem wir stehen, auf den Moment, der notwendig macht, darauf zu hören, was neu in die Menschheitsentwickelung hereinkommen muß, aber hereinkommen muß unter der Mitwirkung der Menschenseelen, die Verständnis dafür haben können. Man hat verschiedene Ausdrücke, um die Wichtigkeit des Augenblicks zu charakterisieren; man braucht vielleicht aber nur das eine zu sagen, und schon dieses eine genügt, um die Bedeutung des Augenblickes zu kennzeichnen.
[ 2 ] Let us pause for a moment to reflect on the insights we have gained by observing how what lives at the very core of human evolution has found its way into external literary culture. We must say: both in the *Maha Guru* and in the *Comédie infernale*—we could cite many more such examples; I have chosen only two very striking ones—we see that, in a sense, behind the scenes of external world events, something significant is taking place within human culture. And we have had to deduce it time and again from so many sources—what is meant to direct our feelings toward the great moment in world development in which we stand, toward the moment that makes it necessary to listen to what must enter into human development anew, but must enter with the cooperation of human souls capable of understanding it. There are various ways to describe the importance of this moment; but perhaps one need only say this one thing, and this one thing alone suffices to characterize the significance of the moment.
[ 3 ] In alten Zeiten haben die Menschen ein uraltes Erbgut von großen Weisheiten empfangen, das in atavistischem Hellsehen und in auf atavistische Art erworbenen Erkenntnissen besteht. Aber dieses Erbgut ist, ich möchte sagen, hinuntergedämmert worden, und herauf kam — besonders seit ungefähr drei Jahrhunderten und bis zu einem Höhepunkt sich entwickelnd im 19. Jahrhundert - die materialistische Flutwelle. Einen vollständigen Schleier breitete diese aus über alle die Möglichkeiten, um in die geistige Welt hineinzuschauen, und ein neuer Weg, eine neue Weise steigt jetzt wieder herauf in der GeisteswiSsenschaft. Ich habe öfter hervorgehoben, wie dann auf selbstverständliche Art diese Entwickelung in die Menschenseelen kommt. Heute ist es noch so, daß die Seelen lernen müssen, in ihrer übergroßen Mehrzahl lernen müssen, daß es wiederholte Erdenleben gibt. Aber das ist dasjenige, was öfter von mir zur Sprache gebracht worden ist, daß die Seelen, die jetzt leben, wenn sie wiederverkörpert werden, zum großen Teile nicht bloß auf Grundlage einer Theorie wissen werden, daß es wiederholte Erdenleben gibt, sondern daß diese Seelen in eine Zeit hineinleben werden, wo ein naturgemäßes Wissen sich ausbreiten wird dahingehend: es gibt wiederholte Erdenleben. Wie sich jetzt naturgemäß die Menschenseelen zurückerinnern bis. zu einem gewissen Momente ihrer Kindheit, wie immer wieder Gedanken aus der Kindheit heraufkommen, so wird es einstmals naturgemäß sein, daß die Menschenseelen aus ihrem Inneren aufsteigen haben werden den lebensvollen Eindruck: Wir sind oftmals dagewesen. — So, wie sich von den anderen, primitiven Stadien des menschlichen Lebens bis zum heutigen Stadium die Menschenseelen entwickelt haben, so werden sie sich auch dazu entwickeln. Dazu braucht nichts zu geschehen, das wird schon eintreten. Was aber zu geschehen hat, ist das Folgende.
[ 3 ] In ancient times, people received an age-old legacy of great wisdom, consisting of atavistic clairvoyance and insights acquired in an atavistic manner. But this heritage, I would say, has faded into the background, and in its place—especially over the past three centuries or so, reaching a climax in the 19th century—the materialistic tidal wave has risen. This wave cast a complete veil over all possibilities of glimpsing into the spiritual world, and a new path, a new way, is now emerging once more in Spiritual Science. I have often emphasized how this development then enters human souls in a natural way. Even today, the vast majority of souls still have to learn that there are repeated earthly lives. But this is precisely what I have often spoken of: that the souls living today, when they are reincarnated, will for the most part not merely know—on the basis of a theory—that there are repeated earthly lives, but that these souls will live into a time when a natural knowledge will spread to the effect that there are repeated earthly lives. Just as human souls now naturally recall events up to a certain point in their childhood—just as thoughts from childhood keep surfacing—so it will one day be natural for human souls to have the vivid impression welling up from within them: “We have been here many times before.” — Just as human souls have developed from the other, primitive stages of human life to the present stage, so too will they develop toward this. Nothing needs to happen for this; it will simply come to pass. But what must happen is the following.
[ 4 ] Es werden notwendigerweise die Seelen, die heute nichts gelernt haben aus der Geisteswissenschaft, sterben und in einern neuen Leben wiederkommen. Sie werden nichts gelernt haben aus der Geisteswissenschaft und dann mit dem Eindrucke, der von den wiederholten Erdenleben aus ihrem Inneren auftauchen wird, nichts anzufangen wissen, beziehungsweise sie werden durch das, was so aus dem Inneren wie heraufstößt, zur Verzweiflung gebracht werden können. Denn nur durch die Gedanken wird erfaßt werden können dasjenige, was als innerer Eindruck in der Seele aufsteigt; und die Gedanken, die notwendig sind, um zu verstehen, was nun naturgemäß heraufsteigt, das sind die Gedanken der Geisteswissenschaft. Denn diese Gedanken der Geisteswissenschaft sollen uns den ganzen Hergang des Ich verständlich machen und uns zeigen, wie dieses Ich im Menschen enthalten ist. Nur wenn man die Kraft dieser Gedanken hat, wird man den Eindruck verstehen, der von selbst kommen: wird, und von dem die Erinnerung gewissermaßen da sein wird.
[ 4 ] Those souls who have learned nothing from Spiritual Science today will inevitably die and return in a new life. They will have learned nothing from Spiritual Science and will then not know what to do with the impressions that will well up from within them as a result of their repeated earthly lives; or rather, they may be driven to despair by what surges up from within them in this way. For only through thoughts can one grasp what rises in the soul as an inner impression; and the thoughts necessary to understand what naturally wells up are the thoughts of Spiritual Science. For these thoughts of Spiritual Science are meant to make the entire process of the “I” understandable to us and to show us how this “I” is contained within the human being. Only when one possesses the power of these thoughts will one understand the impression that arises of its own accord—and of which a memory will, so to speak, remain.
[ 5 ] Aber das Verständnis für diese Erinnerung wird durch die Geisteswissenschaft von jetzt an begründet werden müssen; es wird erworben werden müssen die Erkenntnis von dem Zusammenhange des Ich. Und diejenigen, die sie sich nicht erworben haben, werden nur sagen können, wenn diese Erinnerungen in ihnen aufsteigen: Ich verstehe mich nicht! — und das wird ein Furchtbares sein in der Zukunft, wenn die Menschen in Verzweiflung werden ausrufen müssen: Ich verstehe mich nicht! — Also versuchen wir richtig zu begreifen: Was kommen muß, kann nur, damit die Menschenseele nicht verzweifle, in solcher Weise aufgeklärt werden, daß die Menschenseelen sich Erkenntnis darüber verschaffen. So daß, wenn das Ich, das von Inkarnation zu Inkarnation geht, sich bei den Menschen der Zukunft anmeldet — das heißt bei unserer Wiederverkörperung in der Zukunft -, sie dann auch die Möglichkeit haben, dieses Ich zu verstehen. Sie werden es verstehen, wenn sie an ihren Seelen gearbeitet haben durch die Gedanken der Geisteswissenschaft.
[ 5 ] But an understanding of these memories will have to be established from now on through Spiritual Science; we will have to acquire an understanding of the context of the “I.” And those who have not acquired this understanding will be able to say only, when these memories arise within them: I don’t understand myself! — and that will be a terrible thing in the future, when people will have to cry out in despair: I don’t understand myself! — So let us try to understand correctly: What must come can only be elucidated in such a way that human souls gain insight into it, so that the human soul does not despair. So that when the “I,” which passes from incarnation to incarnation, makes itself known to the people of the future—that is, upon our reincarnation in the future—they will then also have the opportunity to understand this “I.” They will understand it if they have worked on their souls through the thoughts of Spiritual Science.
[ 6 ] Das Ich, zu dessen völligem Verständnis sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat, das Ich kann nie verstanden werden dadurch, daß jemand in seiner Seele bewahrt — wie ich es gestern in dem polnischen Grafen charakterisiert habe — die heiligsten Gefühle, und sei es auch in Anknüpfung an die Ereignisse des Mysteriums von Golgatha: die Gefühle der Vergangenheit. Mit einer solchen Gesinnung kann man historisch die Ereignisse des Mysteriums von Golgatha aufnehmen, aber man kann das Mysterium von Golgatha dadurch nicht wirklich verstehen. Das Mysterium von Golgatha ist nur dann in seiner Wirklichkeit zu verstehen, wenn wahr wird der Ausspruch: «Nicht ich, sondern der Christus in mir!» Dann aber wird es möglich sein, daß der Christus in seinem lebendigen Fortwirken innerhalb der Erdenentwikkelung für die Menschen nicht unhörbar bleibt. Hörbar soll er gemacht werden durch dasjenige, was unter seiner Inspiration die Geisteswissenschaft zu sagen hat. Durch keine Empfindungen, die an Erinnerungen anknüpfen wollen, kann die Menschheit dem Heil der Zukunft entgegengeführt werden. Aber auch nicht durch den Gegenwartsmenschen, den Gewaltmenschen, den wir gestern charakterisiert haben, kann der Menschheit Zukunft gefördert werden, denn dieser Gewaltmensch macht zwar das Ich geltend, aber er macht nicht den Christus im Ich geltend. Das ist ein tiefes Rätsel, das uns in der polnischen Dichtung so klar entgegentritt.
[ 6 ] The “I,” for whose complete understanding the Mystery of Golgotha was fulfilled—that “I” can never be understood by someone who cherishes in their soul—as I characterized it yesterday in the Polish count—the most sacred feelings, even if they are connected to the events of the Mystery of Golgotha: the feelings of the past. With such an attitude, one can historically take in the events of the Mystery of Golgotha, but one cannot truly understand the Mystery of Golgotha in this way. The Mystery of Golgotha can only be understood in its reality when the saying becomes true: “Not I, but Christ in me!” Then, however, it will be possible for Christ, through his living, ongoing work within the course of Earth’s development, not to remain inaudible to humanity. He is to be made audible through what Spiritual Science has to say under his inspiration. Humanity cannot be led toward the salvation of the future through any feelings that seek to cling to memories. Nor, however, can humanity’s future be advanced by the modern human being—the “man of violence”—whom we characterized yesterday; for although this “man of violence” asserts the “I,” he does not assert the Christ within the “I.” This is a profound mystery that confronts us so clearly in Polish poetry.
[ 7 ] So stehen sich diese zwei Persönlichkeiten gegenüber, von denen der eine den Christus in der Tradition, in der Überlieferung, in der Geschichte hat, aber Gefahr läuft, daß er ihm entfällt. Und dasjenige, was sich um ihn herum auslebt in der Frau und in dem Kinde, fällt zurück in den atavistischen Zusammenhang mit der geistigen Welt. Eine große Gefahr ist damit ausgesprochen für unsere Zeit: daß diejenigen, die nicht in einer neueren Art die Erkenntnisse des Zusammenhanges der Menschheit mit der geistigen Welt aufnehmen wollen, wenn sie ihn nun dennoch in sich verspüren, aus dem rechten Zusammenhange mit der geistigen Welt herauskommen, in den ihre Menschheitsglieder gesetzt sind. Auseinanderfallen müßte die Menschheit in solche, die verzweifeln müssen und sterben müssen an der Vergangenheit, wie der Graf, und in solche, die in geistige Welten aufsteigen in atavistischer Weise, wie das Weib und das Kind, die, weil sie nicht in Wirklichkeit den Christus in ihr Inneres aufgenommen haben, in die geistigen Welten eintreten, ohne in sich den richtigen menschlichen Schwerpunkt zu finden. Was haben die Familienglieder des Grafen nicht voll entwikkelt? Nicht voll entwickelt haben sie das Ich. Sie sind im Grunde genommen noch Überbleibsel aus derjenigen Zeit, die im regelmäßigen Gange der Menschheitsentwickelung schon abgelaufen ist seit dem Mysterium von Golgatha, insbesondere aber in den letzten Jahrhunderten. Überbleibsel aus alter Zeit sind sie, in der das Ich den Menschen noch nicht voll ergriffen hatte; ichlose Menschen, die, weil sie den Christus nicht aufnehmen können in ihr Ich, das sie nicht mit der nötigen Intensität völlig haben entwickeln können, den Christus verlieren. Und entgegengestellt ist der Gewaltmensch, der das Ich ausgebildet hat, der es in aller Intensität in sich trägt, der ohne den Christus in das Ich aufzunehmen, die Welt beglücken will, aber es nicht kann. Schön, großartig erhebt sich vor dem Tode des Gewaltmenschen, aus der Vision heraus — die er nicht begreift, wie er auch nicht begreift, wie man sich dem Tode ergeben kann - der Ausspruch: «Galiläer, du hast gesiegt!» Das heißt, für diejenigen, die zwar ihr Ich erobert haben, aber in dieses Ich den Christus nicht aufgenommen haben, gibt es nur einen Augenblick, wo sie mit dem Christus in Beziehung kommen können: den Augenblick, wo sie aus dieser Welt in die andere Welt eintreten. Weil aber der Christus aus einer anderen Welt in diese gegangen ist, um in dieser Welt die Menschenherzen zu finden, müssen sie ihn sogleich verlieren, wenn sie nach dem Augenblicke des Todes in der anderen Welt ankommen. Alle tieferen Impulse unserer Zeit leben in einer solchen Sphäre, in der wirklich ein Großartiges intendiert, ich kann nur sagen, intendiert ist.
[ 7 ] Thus these two personalities stand in opposition to one another: one of them possesses Christ in tradition, in the handed-down teachings, and in history, but runs the risk of losing him. And that which manifests itself around him in the woman and the child falls back into the atavistic connection with the spiritual world. This poses a great danger for our time: that those who are unwilling to embrace, in a new way, the insights into humanity’s connection with the spiritual world—even if they nevertheless sense this connection within themselves—will lose their proper connection with the spiritual world, into which the members of humanity are placed. Humanity would have to split into those who must despair and die because of the past, like the count, and those who ascend into spiritual worlds in an atavistic manner, like the woman and the child, who—because they have not truly taken Christ into their inner being—enter the spiritual worlds without finding the proper human center within themselves. What have the Count’s family members failed to fully develop? They have failed to fully develop the “I.” They are, in essence, remnants from a time that has already passed in the regular course of human evolution since the Mystery of Golgotha, but especially in recent centuries. They are remnants from an ancient time when the “I” had not yet fully taken hold of human beings; selfless human beings who, because they cannot receive Christ into their “I”—which they have not been able to develop fully with the necessary intensity—lose Christ. And set in contrast to them is the man of violence, who has developed the “I,” who carries it within himself with all intensity, who, without receiving Christ into his “I,” wants to bring happiness to the world but cannot. Beautiful, magnificent—rising up before the violent man’s death, out of the vision—which he does not comprehend, just as he does not comprehend how one can surrender to death—comes the utterance: “Galilean, you have triumphed!” This means that for those who have conquered their “I” but have not received Christ into that “I,” there is only one moment when they can enter into a relationship with Christ: the moment when they pass from this world into the other world. But because Christ came from another world into this one to find human hearts in this world, they must lose him immediately upon arriving in the other world after the moment of death. All the deeper impulses of our time exist in such a sphere in which something truly magnificent is intended—I can only say, is intended.
[ 8 ] Nun aber müssen wir noch etwas weiter in die Dinge hineindringen, die uns zwar bekannt sind, die wir aber in einem gewissen Zusammenhange betrachten müssen, wenn wir sie ganz im Sinne unserer Zeit begreifen wollen. Wie wir wissen, haben wir die Erdenentwickelung zu teilen in eine Zeit vor dem Mysterium von Golgatha und in eine Zeit nach dem Mysterium von Golgatha. Wir wissen, daß vor dem Mysterium von Golgatha in die Menschenseele hinein auch diejenigen Geister gewirkt haben, welche als luziferische und ahrimanische Geister bezeichnet werden müssen. Gerade wenn wir die Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha ins Auge fassen, dann müssen wir uns ganz klar werden, daß man mit dem törichten Gerede: Wir wollen nichts mit Ahriman und Luzifer zu tun haben - nicht auskommt. Denn Ahriman und Luzifer wurden zugelassen von den regelmäßig sich fortentwikkelnden geistigen Wesenheiten, damit sie in entsprechender Weise in die menschliche Erdenentwickelung eingreifen.
[ 8 ] But now we must delve a little deeper into matters that, while familiar to us, must be considered within a certain context if we are to understand them fully in the spirit of our time. As we know, we must divide the evolution of the Earth into a time before the Mystery of Golgotha and a time after the Mystery of Golgotha. We know that before the Mystery of Golgotha, those spirits—which must be described as Luciferic and Ahrimanic spirits—also worked within the human soul. Precisely when we consider the times before the Mystery of Golgotha, we must realize quite clearly that the foolish talk of “We want nothing to do with Ahriman and Lucifer” is not sufficient. For Ahriman and Lucifer were permitted by the spiritual beings who are developing in an orderly manner, so that they might intervene in human earthly evolution in an appropriate way.
[ 9 ] Nun wissen wir, daß es geistige Wesen sind, die im Grunde genommen höher stehen als die Menschen, die nur während der Mondenentwickelung nicht jene Höhe erreicht haben, welche sie hätten erreichen können, aber trotzdem stehen sie höher als die Menschen. So daß wir nun, wenn wir den Zusammenhang von den ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten ins Auge fassen, auch besser werden begreifen können, was man die alte Weisheit der Erdenentwickelung nennt. Zum Beispiel die alte Weisheit, die in der lemurischen Zeit mißbraucht worden ist und mit den Lemuriern untergegangen ist; die dann mißbraucht worden ist in der atlantischen Zeit, deren Mißbrauch den Untergang der Atlantis herbeigeführt hat. Was hat da gelebt unter den Menschen? Was war eigentlich da? Man bezeichnet das, was da war, sehr abstrakt, wenn man nur sagt: Es war eine große Weisheit da, die in schwarzmagischer Weise mißbraucht worden ist —, aber zu einer bestimmten Vorstellung kommt es dabei nicht. Wir wollen uns zum Beispiel einmal anschauen, wie die Weisheit beschaffen war in den letzen Zeiten der lemurischen Zeit. Woher war diese Weisheit gekommen?
[ 9 ] We now know that these are spiritual beings who are, in essence, higher than human beings; they simply did not reach the level they could have attained during the lunar evolution, but they are nonetheless higher than human beings. So now, when we consider the connection between the Ahrimanic and Luciferic entities, we will also be better able to understand what is called the ancient wisdom of Earth’s evolution. For example, the ancient wisdom that was misused during the Lemurian epoch and perished along with the Lemurians; which was then misused during the Atlantean epoch, and whose misuse brought about the downfall of Atlantis. What was present among human beings at that time? What was actually there? We describe what was there in very abstract terms when we simply say: “There was a great wisdom that was misused in a black-magical way”—but this does not lead to a concrete mental image. Let us, for example, take a look at what this wisdom was like in the final days of the Lemurian era. Where had this wisdom come from?
[ 10 ] Mit der Erdenentwickelung des Menschen waren auch solche geistigen Wesenheiten verbunden, die während der Mondenzeit nicht voll sich entwickelt hatten, aber die doch höher standen als der Mensch. Nun war der Mensch da, aber, Sie können es sich denken, in seinen allerprimitivsten Zuständen. Alles, was die Menschen später in der atlantischen und nachatlantischen Zeit entwickelten, das war noch nicht da, das haben die Menschen erst später entwickelt. Der Mensch war dazumal in der lemurischen Zeit, wie er so auftrat als Mensch, ganz und gar so, daß er noch unintelligent war, denn die Intelligenz sollte sich erst nach und nach während der Erdenentwickelung entfalten. Er war primitiv in seinem Wollen und Handeln, primitiv in seiner Seelenentwickelung, völlig wie ein Kind. Wenn es nun so gewesen wäre, daß von den Menschen nur die Leiber dagewesen wären mit all ihren höheren Gliedern, die von den sich regelmäßig fortentwickelnden geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien entwickelt worden waren, dann hätten die Menschen nichts Besonderes in der damaligen Zeit an hervorragender Weisheit entwickeln können. Aber das ist nicht der Fall gewesen, sondern gerade in dieser lemurischen Zeit ist eine höhere Weisheit, eine ganz außerordentliche Weisheit entwickelt worden. So zum Beispiel ist dazumal unter diesen primitiven Erdenmenschen die Kenntnis ganz verbreitet gewesen, wie man ein Kind in der Zeit zwischen der Geburt und dem siebenten Jahr so recht behandelt, daß durch eine gewisse Umwandlung seines Atherleibes, die dann zurückwirkte auf das Gehirn, ein außerordentlich gescheiter Mensch hat entstehen können. Merken Sie wohl: Heute muß man gründliche pädagogische Mittel anwenden, wenn man ausdem Kinde einen gescheiten Menschen machen will, und in wie vielen Fällen es einem nicht gelingt, das wird jedermann wissen. Aber jedenfalls, diese Kunst ist heute ganz und gar verlorengegangen, durch einen gewissen Einfluß auf den Ätherleib des Gehirns, das Gehirn selber so zu präparieren, daß der Berreffende ein gescheiter Mensch wird. Diese Kunst, ich bemerke es gleich, ist heute auch nicht mehr zu gebrauchen, sie ist ganz und gar nicht zu gebrauchen, denn wenn sich auch nur der allerprimitivste Grad dieser Kunst verbreiten würde, so würden furchtbare Mißbräuche damit getrieben werden.
[ 10 ] The evolution of humankind on Earth was also linked to spiritual beings who had not fully developed during the Lunar Age but who were nevertheless on a higher plane than humankind. Now humankind was there, but—as you can imagine—in its most primitive state. Everything that humans later developed during the Atlantean and post-Atlantean eras did not yet exist; humans developed those things only later. Back then, during the Lemurian epoch, humanity—as it appeared in human form—was entirely such that it was still unintelligent, for intelligence was to unfold only gradually during Earth’s evolution. Humanity was primitive in its will and actions, primitive in its soul development—completely like a child. If it had been the case that only the bodies of human beings had existed—with all their higher members, which had been developed by the steadily evolving spiritual beings of the higher hierarchies—then human beings would not have been able to develop anything special in the way of outstanding wisdom at that time. But that was not the case; rather, it was precisely during this Lemurian epoch that a higher wisdom—a truly extraordinary wisdom—was developed. For example, knowledge was quite widespread among these primitive Earth humans at that time regarding how to properly care for a child between birth and the age of seven in such a way that, through a certain transformation of its etheric body—which then had a retroactive effect on the brain—an exceptionally intelligent human being could emerge. Take note: Today, one must employ thorough pedagogical methods if one wishes to turn a child into an intelligent person, and everyone knows how often one fails to do so. But in any case, this art has been completely lost today—the ability to prepare the brain itself, through a certain influence on the brain’s etheric body, so that the person in question becomes an intelligent individual. This art, I should note right away, is no longer of any use today; it is completely useless, for even if only the most primitive form of this art were to spread, it would lead to terrible abuses.
[ 11 ] Wodurch war denn nun eine solche Kunst in der lemurischen Zeit vorhanden? Sie war dadurch vorhanden, daß solche Wesen, die auf dem Monde nicht die volle Höhe ihrer Entwickelung erreicht hatten, sondern von ihren sieben Gliedern nur die ersten sechs entwickelt hatten, ihr siebentes Glied noch nicht, sich in Menschen verkörperten, die sonst ganz primitiv gewesen wären. Sie nahmen solche Menschenleiber an, diese geistigen Wesenheiten, die auf dem Monde zwar höher als die Menschen entwickelt waren, die sich aber nicht zur vollen Höhe ihrer Entwickelung haben erheben können. Diese Wesen nahmen also Menschenleiber an und gingen mit ihrer über alles menschliche Erdenwissen erhabenen Kunst an das Werk. Und nun können Sie sich denken, was solch ein Wesen in einem Menschenleibe vermochte; solch ein Wesen, das auf eine Art, die dazu noch höher war als die menschliche Art, das sechste Glied, den Lebensgeist, entwickelt hatte und nun in diese primitiven Menschenleiber, die biegsam und weich waren, sich hineinbegab. Es waren furchtbare Zauberer, ganz furchtbare Zauberer!
[ 11 ] How, then, did such an art come to exist during the Lemurian period? It existed because certain beings—who had not reached the full height of their development on the Moon, but had developed only the first six of their seven limbs, not yet their seventh—incarnated as human beings who would otherwise have been quite primitive. These spiritual beings—who, although more highly developed than humans on the Moon, had not been able to rise to the full height of their development—assumed such human bodies. These beings thus took on human bodies and set to work with their art, which was far superior to all human earthly knowledge. And now you can imagine what such a being was capable of in a human body—such a being who had developed the sixth member, the Life-Spirit, in a way that was even higher than the human way, and who now entered these primitive human bodies, which were supple and soft. They were terrible sorcerers, utterly terrible sorcerers!
[ 12 ] Und wiederum, in der atlantischen Zeit, was waren denn da für Künste verbreitet? Da war vor allen Dingen die Weisheit verbreitet, die man anzuwenden hat, um solche Talente, die bei den Vorfahren da sind, rein durch Vererbung auf die Nachkommen zu übertragen und sie noch bei den Nachkommen zu vermehren. Diese Kunst verstanden ebenfalls wieder die auf dem Monde nicht vollentwickelten, aber über den Erdenmenschen hinaus entwickelten Wesen der Mondenzeit. Diese Kunst verstanden sie ganz bedeutsam. Ich will sagen, wie wenn man ein Genie hätte und die Eigenschaften dieses Genies unter gewissen Verhältnissen, die mit allerlei Sternkonstellationen und dergleichen zusammenhängen, auf die Nachkommenschaft veranlagte, so daß sich die geistigen Genieeigenschaften nicht nur vererbten, sondern sogar vergrößerten. Man muß sagen: Ungeheures vermochten damals diese höheren Wesen in Menschengestalt. Das alles ist hinweggefegt. Nun hängt unendlich vieles mit diesen besonderen Künsten zusammen. Unendlich vieles hängt damit zusammen! Es hängt zusammen mit alledem die Möglichkeit, den Gang der geistigen Entwickelung zu beobachten, die Möglichkeit, gleichsam den Strom des Geistigen hineinleiten zu können in die physische Vererbungsströmung.
[ 12 ] And again, during the Atlantean era, what kinds of arts were prevalent there? Above all, there was the wisdom that must be applied to transmit the talents present in the ancestors to their descendants purely through heredity—and to further multiply them in the descendants. This art was also understood by the beings of the Lunar Age, who were not yet fully developed on the Moon but had evolved beyond earthly humans. They understood this art quite profoundly. Let me put it this way: it was as if one possessed a genius and, under certain conditions related to various star constellations and the like, imbued one’s descendants with the qualities of that genius, so that the spiritual qualities of genius were not only inherited but even enhanced. It must be said: These higher beings in human form were capable of tremendous feats back then. All of that has been swept away. Now, an infinite number of things are connected to these special arts. An infinite number of things are connected to them! Connected to all of this is the possibility of observing the course of spiritual development, the possibility, as it were, of directing the stream of the spiritual into the physical stream of heredity.
[ 13 ] So gab es dazumal in der atlantischen Zeit Gemeinschaften, deren Vorsteher solche Wesen in Menschengestalt waren, von denen ich gesprochen habe, und die einer gewissen Individualität, von der sie haben wollten, daß sie aufs neue auf die Erde komme, zu einer menschlichen Verkörperung dadurch verhalfen, daß sie gewisse Eigenschaften durch Vererbung hervorriefen und dann immer wieder Nachkommen suchten. Das heißt die Sache war so: Nehmen wir an, ein solches Wesen hätte irgendeine Individualität zu einem Menschenleib auf der Erde hingeleitet, so daß sie in diesem Menschenleibe darinnen gewesen wäre. Nun stirbt dieser Menschenleib. Die Individualität ist mittlerweile in der geistigen Welt, und nun handelte es sich darum, innerhalb des Menschengeschlechts durch allerlei Vererbungsbeherrschungen einen solchen Menschenleib zu schaffen, in dem wieder diese Individualität sein konnte. Dieser Menschenleib mußte geschaffen werden, man gab gewissermaßen jener selben Individualität einen Leib. Dieselbe Individualität wurde also nacheinander auf der Erde erhalten.
[ 13 ] Thus, back in the Atlantean era, there were communities whose leaders were the human-like beings I have spoken of, and who helped a certain individuality—which they wished to see return to Earth—to achieve a human incarnation by inducing certain characteristics through heredity and then repeatedly seeking out descendants. That is to say, the situation was as follows: Let us suppose that such a being had guided a certain individuality into a human body on Earth, so that it was present within that human body. Now this human body dies. The individuality is now in the spiritual world, and the task at hand was to create, within the human race through various means of influencing heredity, a human body in which this individuality could once again reside. This human body had to be created; in a sense, that same individuality was given a body. Thus, the same individuality was preserved on Earth from one incarnation to the next.


[ 14 ] Das alles ist verlorengegangen, mußte verlorengehen, weil die Menschheit sich in der oft angedeuteten Weise entwickeln mußte. Aber Ahriman hat ein großes Interesse daran, dasjenige, was sich entwickeln soll, das, was anderem Platz machen soll, zu halten, richtig darinnen zu halten in der Welt.
[ 14 ] All of this has been lost—it had to be lost—because humanity had to develop in the way that has often been described. But Ahriman has a great interest in preserving that which is meant to develop, that which is meant to make way for something else, and in keeping it firmly in the world.
[ 15 ] Und so haben wir in unserer Menschheitsentwickelung unendlich vieles - schon die oberflächliche Betrachtung kann es Ihnen zeigen —, was in früherer Zeit seine Berechtigung hatte, was aber in der Art, wie es ist, konserviert wird. Im Kleinen und im Großen ist das so.
[ 15 ] And so, in the course of human development, there are countless things—even a cursory glance will show you—that were justified in earlier times but are now preserved just as they are. This is true on both a small and a large scale.
[ 16 ] Nun wollte Gutzkow an einem Beispiele im Großen, in seinem Roman «Maha Guru» einmal so etwas zeigen. Er wollte zeigen: Wie nimmt sich das aus, was einmal eine Bedeutung hatte in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung — in der alten atlantischen Zeit, als die Menschen noch die Möglichkeit hatten, die Vererbung zu regeln -, wie nimmt sich das aus, wenn man das in eine Zeit und in eine Gemeinschaft verlegt, die zwar die Traditionen bewahrt hatte, aber von dem Früheren nichts mehr kannte als eine untergeordnete Kunst, die man im Okkultismus okkulte Chemie nennt? Und da zeigte er, daß so etwas in Tibet vorhanden war. Diese Priesterschaft in Tibet hatte natürlich nicht mehr eine Kenntnis davon, wie sie durch Vererbungsverhältnisse der Individualität einen Leib schaffen konnte, von der sie glaubte, daß sie von Leib zu Leib gehen sollte, aber die alten Gepflogenheiten bewahrte sie auf. Wir haben also da ein Beispiel, wo dasjenige, was in der äußeren Wirklichkeit da ist, im allerstärksten Maße dem widerspricht, was es nach den Verhältnissen, die nun einmal in der Menschheitsentwickelung vorliegen, sein kann. Wie kann doch die Wirklichkeit gegenüber ihren Bedingungen eine Maja sein! — so fühlt man sich versucht auszurufen beim Lesen des «Maha Guru».
[ 16 ] Gutzkow wanted to illustrate something like this on a grand scale in his novel *Maha Guru*. He wanted to show: What does it look like when something that once had significance in the ancient times of human development—in the ancient Atlantean era, when people still had the ability to regulate heredity—what does it look like when this is transposed into a time and a community that, while it had preserved the traditions, but knew nothing more of the past than a subordinate art known in occultism as occult chemistry? And there he showed that something of this kind existed in Tibet. This priesthood in Tibet, of course, no longer had any knowledge of how, through the hereditary relationships of the individual, it could create a body—a body it believed was meant to pass from one incarnation to the next—but it preserved the old customs. So here we have an example where what exists in outer reality contradicts, to the very highest degree, what it can be according to the conditions that simply exist in human evolution. How reality can be a maya in relation to its own conditions! — one feels tempted to exclaim this while reading *Maha Guru*.
[ 17 ] Oder ein anderes, meine lieben Freunde. Sie können sich ja auch denken, daß die Menschen der lemurischen, der atlantischen Zeit noch nicht so ausgesehen haben wie die heutigen Menschen, denn dasjenige, was sich dazumal innerlich seelisch entwickelt hat, formte auch die äußere Gestalt. Die ganze äußere Gestalt war anders, war weich, biegsam. Nun war zwar diese Gestalt der Menschen der lemurischen und der atlantischen Zeit nicht etwa affenhaft; die Vorfahren der Menschen, die wirklichen Vorfahren der Menschen, haben nicht eine affenhafte Gestalt gehabt. Ich habe das öfter betont. Es müßte denn sein, es wäre von der Weltenentwickelung gerade eine Ausnahme gemacht worden bei denjenigen Menschen, die selbst von sich geschrieben haben, daß sie sich erinnern können, daß sie vom Affen abstammen! Allein, das brauchen wir jetzt nicht zu untersuchen. Also affenhaft haben die Menschen nicht ausgesehen, doch wenn Sie sich unsere Kinder vorstellen, noch viel mehr ins Kindliche gezogen, viel, viel mehr ins Kindliche gezogen, und ein natürliches, elementarisches Element über den ganzen Leib ausgegossen, so werden Sie vielleicht eine Vorstellung bekommen können, wie der Menschenleib damals beschaffen war. Aber dadurch - lesen Sie nach die Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» -, daß sich in diesen weicheren Leibern solche Wesen, wie ich sie geschildert habe, verkörperten, die vom Mond her zurückgeblieben sind, dadurch wurden die weichen Leiber eher tierähnlich als menschenähnlich. Es entstanden verzerrte Gestalten, sogar eigentümliche Verrenkungen der Glieder: Und da haben Sie den Ursprung der Göttergestalten, die bei den einzelnen Völkern zu finden sind. Diese sonderbaren Gestalten, die unmenschliche Gesichter haben und ungeheure Gliedmaßen, die rühren davon her, daß man dieses Zusammenwirken der sich verkörpernden Mondwesen mit dem Menschenleibe ins Auge fassen mußte.
[ 17 ] Or another example, my dear friends. You can surely imagine that the people of the Lemurian and Atlantean eras did not yet look like people do today, for what developed inwardly and spiritually at that time also shaped their outward form. Their entire physical form was different—it was soft and supple. Now, the physical form of the people of the Lemurian and Atlantean eras was by no means ape-like; the ancestors of humankind—the true ancestors of humankind—did not have an ape-like form. I have emphasized this many times. Unless, of course, an exception had been made in the course of world evolution precisely for those people who have written themselves that they can remember descending from apes! However, we need not examine that now. So humans did not look ape-like, but if you imagine our children—even more childlike, much, much more childlike—with a natural, elemental quality radiating throughout their entire bodies—then you might be able to form a mental image of what the human body was like back then. But as a result—read the essays “From the Akashic Records”—because beings such as I have described, who had remained behind from the Moon, incarnated in these softer bodies, the soft bodies became more animal-like than human-like. Distorted forms arose, even peculiar contortions of the limbs: And there you have the origin of the divine figures found among the various peoples. These strange figures, with inhuman faces and enormous limbs, stem from the fact that one had to take into account this interaction between the incarnating lunar beings and the human body.
[ 18 ] Wenn es in der atlantischen Zeit Maler und Bildhauer gegeben hätte, würden sie diese Gestalten, die da im Menschenleibe gelebt haben als verkörperte Mondwesen, haben nachbilden oder nachmalen können. Aber in Tibet gab es das nicht mehr. Deshalb mußte man sich nach dem Kanon richten, sonst hätten die Künstler alles beliebig gemacht. Wenn sich nun einer nicht nach dem Kanon richten, sondern nach seiner Phantasie schaffen wollte, da war er des Todes schuldig. Selbstverständlich kann man fragen: Hat es denn nur einen Sinn, daß jemand, der nur ein klein wenig an der Gestalt eines Gottes etwas ändert — wie ich das gestern angedeutet habe -, gleich mit dem Tode bestraft wird? Hat das denn einen Sinn? — Ja, in Tibet hatte es keinen Sinn mehr. Aber einmal hatte es seinen Sinn, denn einmal waren, wie Sie gehört haben, diese Gestalten da, und wenn man sie nicht so nachbildete, wie sie da waren, so wich man ab von dem, was da war, so gestaltete man eine Lüge. Eine Lüge aber war in jenen alten Zeiten etwas, was eine viel größere Macht hatte als in der Gegenwart. Wenn in der Gegenwart jeder an einer Lüge ersticken würde, der sie ausspricht, dann — nein, ich will mich darüber lieber nicht aussprechen, denn ich glaube, daß die Furcht vor dem Ersticken zu groß wäre, um die Leute lügen zu lassen! Ich nehme nicht an, daß jetzt die Leute an der Lüge ersticken werden, dazumal aber wären sie wirklich erstickt: Denn der Gedanke, der in Worte gefaßt wurde, hatte eine Kraft, um die Luft im Kehlkopf zu gestalten, und erstickte dann den Menschen. Und wer ein solches Wesen, das auf dem Monde sich nicht voll entwickelt hatte, auf der Erde unrichtig abgebildet hätte, der wäre erstickt daran: das heißt, er ging durch ein Naturereignis in den Tod.
[ 18 ] If there had been painters and sculptors during the Atlantean era, they would have been able to recreate or paint these beings—who lived in human form as incarnated lunar beings. But in Tibet, that was no longer the case. Therefore, one had to adhere to the canon; otherwise, the artists would have done whatever they pleased. If someone chose not to follow the canon but to create according to his own imagination, he was guilty of a capital offense. Of course, one might ask: Does it really make sense that someone who alters the form of a god even just a little bit—as I hinted at yesterday—should be punished with death? Does that make any sense? — Yes, in Tibet it no longer made sense. But at one time it did make sense, because, as you have heard, these figures once existed, and if one did not reproduce them exactly as they were, one deviated from what was there—one created a lie. But in those ancient times, a lie was something that held far greater power than it does today. If, in the present day, everyone who uttered a lie were to suffocate from it, then—no, I’d rather not speak on that subject, for I believe the fear of suffocation would be too great to let people lie! I don’t suppose people would suffocate from a lie now, but back then they really would have suffocated: For the thought, once put into words, had the power to reshape the air in the larynx, and thus suffocated the person. And anyone who had inaccurately depicted on Earth such a being—one that had not fully developed on the Moon—would have suffocated as a result: that is, he would have died as a result of a natural phenomenon.
[ 19 ] So hängen die Dinge zusammen. Das heißt, die Entwickelung der Menschheit ist doch eine recht komplizierte, und man muß schon eindringen in die Geisteswissenschaft, wenn man dasjenige verstehen will, was da ist. Nun aber ist eben notwendig, daß man, um den Dingen richtig gegenüberzustehen, die in der Weltentwickelung an unsere Seele herantreten, wirklich furchtlos sich einläßt auf dasjenige, was die Geisteswissenschaft aus den geistigen Welten zu verkündigen hat. Denn diese Geisteswissenschaft ist gewissermaßen ein erster Impuls, zu dem immer mehr und mehr andere Impulse hinzukommen müssen, damit die Menschheit in der Zukunft der ihr angemessenen Entwickelung entgegengehen kann. Sie haben aus dem, was ich auseinandergesetzt habe, gesehen, daß zwischen einer Skylla und Charybdis durchzusteuern ist, daß ein ganz bestimmter Weg einzuschlagen ist in unserer Geisteswissenschaft, und das muß tief, tief ernst genommen werden. Wir haben jetzt, nicht wahr, eine Naturwissenschaft mit materialistischen Methoden betrieben. Ich habe ihre Eigentümlichkeiten gerade in den letzten Wochen vor Ihnen auseinanderzusetzen und zu charakterisieren versucht. Ich habe Ihnen das in den letzten Wochen in dem Sinne gesagt, daß eine materialistische Methode der Naturwissenschaft wirklich voll zu rechtfertigen sei. Aber warum muß denn diese materialistische Methode da sein? Wir können ja diese materialistische Methode geradezu dadurch charakterisieren, daß wir sagen — wir haben das in den letzten Wochen gehört -: Sie ist geeignet zu verschleiern, zu verhüllen das eigentlich Geistige, das dahintersteckt. - Warum muß denn diese materialistische Methode da sein? Warum ist sie heute, gerade in unserer Zeit, da?
[ 19 ] This is how things are connected. In other words, the evolution of humanity is quite complicated after all, and one really must delve into Spiritual Science if one wants to understand what is actually there. But now it is precisely necessary that, in order to face correctly the things that approach our soul in the course of world development, we truly engage fearlessly with what Spiritual Science has to proclaim from the spiritual worlds. For this Spiritual Science is, so to speak, an initial impulse to which more and more other impulses must be added so that humanity may move toward its appropriate development in the future. You have seen from what I have explained that we must navigate between Scylla and Charybdis, that we must take a very specific path in our Spiritual Science, and this must be taken very, very seriously. We have, after all, been practicing natural science using materialistic methods. I have tried, especially in recent weeks, to analyze and characterize its peculiarities for you. I have told you this in recent weeks in the sense that a materialistic method in natural science is indeed fully justifiable. But why must this materialistic method exist at all? We can characterize this materialistic method precisely by saying—as we have heard in recent weeks—that it is suited to obscuring and concealing what is actually spiritual and lies behind it. — Why, then, must this materialistic method exist? Why is it present today, especially in our time?
[ 20 ] Sehen Sie, es sollte in unserer Zeit ein früheres Naturwissen abgelöst werden durch ein neues Naturwissen. Ein früheres Naturwissen sollte durch ein neues Naturwissen abgelöst werden. Ich habe Ihnen etwas von diesem früheren Naturwissen angedeutet. Denken Sie, was es für ein Naturwissen war! Durch ganz bestimmte Maßnahmen, die im alten Sinne wissenschaftlich geregelt waren, einen Menschenkopf genial zu formen, daß er ein Werkzeug sein konnte für eine geniale Seele, das bedeutet ein ungeheures Wissen, oder wiederum, die Vererbung so zu regeln, daß geniale Eigenschaften übergehen auf die Nachkommen. Ja sogar noch intensiver ist solch ein Wissen. Es übertraf in Tausenden von Fällen das, was jetzt wiederum heraufkommt an Entwickelungslehren, Physik, Chemie und so weiter.
[ 20 ] You see, in our time, an earlier understanding of nature was to be replaced by a new one. An earlier understanding of nature was to be replaced by a new one. I have hinted at something of this earlier understanding of nature. Just think what kind of knowledge of nature that was! To shape a human head in a brilliant way through very specific measures—measures that were scientifically regulated in the old sense—so that it could serve as a vessel for a brilliant soul—that requires immense knowledge; or, conversely, to regulate heredity in such a way that brilliant qualities are passed on to one’s descendants. Indeed, such knowledge is even more profound. In thousands of cases, it surpassed what is now once again emerging in the fields of evolutionary theory, physics, chemistry, and so on.
[ 21 ] Aber gerade jenes alte Wissen sollte überdeckt, verhüllt werden durch die heutige materialistische Methode, die voll berechtigt ist und die stehenbleiben kann im rein physischen Felde. Denn der Mensch war in der Zeit, wo jenes hohe Naturwissen da war, das ich charakterisiert habe, kein freies Wesen, sondern er war erst auf dem Wege, die Freiheit allmählich zu entwickeln. Er wurde geleitet und gelenkt. Er war kein willensfreies Wesen, und der größte Teil dessen, was so geschah, um die Menschen zu leiten, wurde von den höheren Hierarchien bewirkt. Und nur einzelne, die abirrten von der Bahn, die auf dem Wege der Freiheit zu weit getrieben wurden, bewirkten das Sinken in den Abgrund, bewirkten, daß die Atlantis hinweggeschwemmt werden mußte. Aber indem der Wille immer freier und freier wurde, würde es der Mensch nicht haben aushalten können, ein solches Wissen zu haben.
[ 21 ] But it is precisely that ancient knowledge that was to be obscured and veiled by today’s materialistic method, which is fully justified and can remain within the purely physical realm. For in the time when that lofty knowledge of nature—which I have described—existed, human beings were not free beings; rather, they were only on the path to gradually developing freedom. They were guided and directed. They were not beings with free will, and the greater part of what took place to guide humanity was brought about by the higher hierarchies. And only a few individuals—those who strayed from the path, who were driven too far along the path of freedom—brought about the descent into the abyss and caused Atlantis to be swept away. But as the will became freer and freer, humanity would not have been able to bear possessing such knowledge.
[ 22 ] Heute ist es undenkbar, ein solches Wissen zu haben, wie es einmal auf der Erde war, weil die Menschen jenes Maß von freiem Willen haben, daß sie es selbstverständlich heute noch mißbrauchen könnten. Wodurch wird dieser freie Wille, den die Menschen haben, in die richtigen Bahnen gelenkt? Schon aus gewissen Andeutungen, die ich in den letzten Wochen gemacht habe, können Sie entnehmen, daß der freie Wille dadurch auf die richtige Bahn gelenkt wird, daß der Mensch sich auf die naturwissenschaftliche Methode einläßt, auf die naturwissenschaftliche Methode mit ihrer Strenge und Genauigkeit; sie ist auf der anderen Seite eine wunderbare pädagogische Maßnahme für die Entwickelung des freien Willens.
[ 22 ] Today, it is unthinkable to possess the kind of knowledge that once existed on Earth, because human beings possess such a degree of free will that they could, of course, still abuse it today. How is this free will that human beings possess guided onto the right path? You can already gather from certain hints I have made in recent weeks that free will is steered in the right direction when people embrace the scientific method—the scientific method with its rigor and precision; on the other hand, it is a wonderful educational tool for the development of free will.
[ 23 ] Wir haben also gar keine Veranlassung, die naturwissenschaftliche Methode von heute, die wir in ihrer Berechtigung für die Zeit voll anerkennen, irgendwie zu bekämpfen. Und wenn Sie alles, was in unseren Zyklen und Büchern steht, durchgehen, so werden Sie in Wahrheit alles das widerlegt finden, was die einzelnen Verleumder behaupten, so zum Beispiel, daß wir uns gegen die Naturwissenschaft wenden. Gegen die Prätentionen mancher Forscher und Naturgelehrter muß man sich manchmal wenden; aber gegen die Errungenschaften der Naturwissenschaft wird niemals etwas gefunden werden können in unseren Schriften. Es würde eine völlige Verleumdung sein, wenn behauptet wird, daß sich irgend etwas in unseren Schriften gegen die Naturwissenschaft wendet, und es kann für uns auch gar nicht die Rede davon sein, daß man irgendwie sich wider die Naturwissenschaft wendet. Nur muß man sich klar sein darüber, daß man von sogenannter naturwissenschaftlicher Seite her angegriffen werden kann. Dann muß man sich gegen den Angriff wenden, wenn es nötig ist. Aber das muß immer mehr und mehr ins Bewußtsein der eigentlichen Bekenner der Geisteswissenschaft hineingehen, daß wir gerade die Notwendigkeit der naturwissenschaftlichen Methode voll verstehen müssen, und daß wir sie gerade reinhalten sollen, diese naturwissenschaftliche Methode, von allen möglichen nichtnaturwissenschaftlichen Begriffen, zum Beispiel vom Atom und von der Atombewegung, von denen ich in der letzten Zeit gesprochen habe. Das sind Phantasien in der Naturwissenschaft. Da muß man den Unterschied merken.
[ 23 ] We therefore have absolutely no reason to oppose in any way today’s scientific method, the validity of which we fully acknowledge for the present time. And if you go through everything in our lectures and books, you will in fact find that everything the individual slanderers claim—such as that we are opposed to the natural sciences—is refuted. One must sometimes take a stand against the pretensions of certain researchers and natural scientists; but nothing in our writings will ever be found that is directed against the achievements of the natural sciences. It would be a complete slander to claim that anything in our writings opposes natural science, and for us there can be no question whatsoever of turning against natural science in any way. One must simply be aware that one can be attacked from the so-called natural-scientific side. Then one must defend oneself against the attack when necessary. But it must become increasingly clear to the true adherents of Spiritual Science that we must fully understand the necessity of the scientific method, and that we must keep this scientific method free from all possible non-scientific concepts—for example, the atom and atomic motion, which I have spoken about recently. These are fantasies within natural science. One must recognize the difference.
[ 24 ] Man muß sich bemühen, sich so recht klarzumachen, wo wirkliche Naturwissenschaft vorhanden ist, und wo bloß naturwissenschaftliche Phantasien vorhanden sind. Wie oft hört man heute nicht, dieses oder jenes sei in der Wissenschaft festgesetzt, wo gar nichts festgesetzt ist, weil man nur dem bloßen Worte folgt. Niemals war die blinde Anerkennung der Autorität größer als gegenwärtig auf wissenschaftlichem Gebiete, wo jeder eigentlich demjenigen, dem er glaubt, die Sache zu entscheiden überläßt. Dies ist der Sinn des Mysteriums von Golgatha, daß in gewisser Weise allmählich wieder korrigiert wird — symbolisch ist es auch in der Bibel angedeutet —, was durch Luzifer in die Welt gekommen ist: Eure Augen werden aufgetan werden, und ihr werdet unterscheiden das Gute vom Bösen -, das heißt, von außen unterscheiden das Gute und Böse. Aber wenn man nach außen wahrnimmt in der Welt der Wahrnehmungen, so ist es unmöglich, von der Welt der Wahrnehmung etwas anderes als die Wahrnehmungen zu empfangen.
[ 24 ] One must strive to understand clearly where true natural science exists, and where there are merely scientific fantasies. How often do we hear today that this or that has been established by science, when in fact nothing has been established at all, simply because people are following mere words. Never has blind acceptance of authority been greater than it is today in the scientific realm, where everyone essentially leaves it up to the person they trust to decide the matter. This is the meaning of the Mystery of Golgotha: that, in a certain way, what came into the world through Lucifer is gradually being corrected again—as is also symbolically hinted at in the Bible—: “Your eyes will be opened, and you will distinguish good from evil”—that is, distinguish good and evil from the outside. But when one perceives outwardly in the world of perceptions, it is impossible to receive anything from the world of perception other than perceptions themselves.


[ 25 ] Sobald man anfängt, über die Wahrnehmungen nachzudenken, zu spekulieren und allerlei Ideen aus den Wahrnehmungen herauszunehmen, ist man auf dem Pfade, wirklich dasjenige darin zu finden, was durch Ahriman und Luzifer hineingelegt ist. Die Ideen müssen aus der geistigen Welt kommen, und wir müssen sie erst verbinden mit den Wahrnehmungen: dann sind diese Ideen göttlich. Dann sind sie göttlich, diese Ideen! Im menschlichen Leben muß erst die Ehe eingegangen werden zwischen den Ideen, die aus dem Geistigen heraus dem Menschen gegeben sind, und dem, was er draußen durch seine Sinne sieht. Das muß sich erst zusammenbinden im menschlichen Leben.
[ 25 ] As soon as one begins to reflect on perceptions, to speculate, and to derive all sorts of ideas from them, one is on the path to truly finding within them what has been instilled there by Ahriman and Lucifer. The ideas must come from the spiritual world, and we must first connect them with our perceptions: then these ideas are divine. Then these ideas are divine! In human life, a union must first be formed between the ideas given to the human being from the spiritual realm and what the human being sees outwardly through the senses. This must first be brought together in human life.
[ 26 ] Wie es wissenschaftlich gemeint ist, können Sie nachsehen in meiner Schrift «Wahrheit und Wissenschaft». Daß man auch von außen, aus den Wahrnehmungen herein, Ideen, Gedanken wissenschaftlich finden könnte, das ist etwas, was auf Täuschung beruht, auf Täuschung von Ahriman und Luzifer. Aber solange in einer gewissen berechtigten Weise die Mächte zugelassen wurden des: Eure Augen werden geöffnet sein und unterscheiden werdet ihr das Gute und das Böse -, das heißt, in der Außenwelt die Ideen suchen, solange das berechtigt war, also bis zum Mysterium von Golgatha, solange Luzifer und Ahriman berechtigt zugelassen waren, konnte man nichts einwenden. Aber jetzt ist es anders; jetzt sind sie noch unberechtigter innerhalb des äußeren Durchdringens der Wahrnehmung.
[ 26 ] You can look up the scientific meaning of this in my treatise “Truth and Science.” The idea that one could also discover ideas and thoughts scientifically from the outside—through perceptions—is based on deception, on the deception of Ahriman and Lucifer. But as long as, in a certain justified way, the powers were permitted to say: “Your eyes will be opened, and you will distinguish between good and evil”—that is, to seek ideas in the external world—as long as that was justified, that is, up to the Mystery of Golgotha, as long as Lucifer and Ahriman were justifiably permitted, there was nothing to object to. But now it is different; now they are even more unjustified within the outer realm of perception.
[ 27 ] Auch das kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch eine besondere Krisis heraus. Diese Krisis meldete sich durch große, eigentlich durch ganz besondere Leistungen an: daß zum Beispiel die Spektralanalyse heraufkam und in der naturwissenschaftlichen Methode gründlich aufräumte mit der Anschauung, man habe es mit geistigen Wesenheiten zu tun, wenn man nach den Sternen hinaufsieht, und zeigte, daß überall sich Materien ausbreiten, die auch auf der Erde sind. Da ist nicht mehr zu machen die alte Vermischung der Ideen mit der Wahrnehmung, denn solche Entdeckungen machen es notwendig, daß die Ideen wieder den Geistesweg in unsere Seelen finden. Ebenso ist es mit dem Darwinismus. Wenn man bloß kombiniert das, was man in der äußeren Wahrnehmung finder, das heißt, die Ideen in der Außenwelt sucht, so kommt man zu einer bloß materialistischen Ausdeutung der Welt. Kurz, überall kündet sich die Krisis an, überall ist sie da, und überall ist die Auflehnung auch da gegen die Tatsache, daß aus dem Geistgebiete in die Menschenseele herein die Ideen wachsen müssen, wenn die Menschheit weiterkommen soll. Das heißt, wir müssen das Wesen von Ahriman und Luzifer erkennen, damit wir fortan sie beobachten, wenn sie uns dasjenige fortsetzen wollen, was in den Worten liegt: Eure Augen werden aufgeschlossen werden und ihr werdet das Gute und das Böse unterscheiden können. — Wir müssen sie beobachten lernen, sowohl Ahriman wie Luzifer. Wir werden es können, wenn wir das Ich, wie es sich entwickelt hat, durchdringen mit dem Christus, richtig durchdringen mit dem Christus.
[ 27 ] This, too, emerged in the mid-19th century as a result of a particular crisis. This crisis manifested itself through great—indeed, quite extraordinary—achievements: for example, the emergence of spectral analysis, which thoroughly dispelled the notion within the scientific method that one was dealing with spiritual entities when looking up at the stars, and demonstrated that matter—the same kind found on Earth—extends everywhere. It is no longer possible to maintain the old conflation of ideas with perception, for such discoveries make it necessary for ideas to find their way back into our souls through the spiritual path. The same is true of Darwinism. If one merely combines what one finds in external perception—that is, if one seeks ideas in the external world—one arrives at a purely materialistic interpretation of the world. In short, the crisis is heralded everywhere, it is present everywhere, and everywhere there is also resistance to the fact that ideas must grow from the spiritual realm into the human soul if humanity is to progress. This means we must recognize the nature of Ahriman and Lucifer so that we may henceforth observe them when they seek to continue what is expressed in these words: “Your eyes will be opened, and you will be able to distinguish between good and evil.” — We must learn to observe them, both Ahriman and Lucifer. We will be able to do so when we truly permeate the “I,” as it has developed, with Christ, truly permeate it with Christ.
[ 28 ] Aber auch noch etwas anderes ertönte in uralten Zeiten durch die Welt, und dieses kam von einer anderen Seite heran, nachdem der Mensch die Möglichkeit erlangt hatte, das Gute und das Böse zu unterscheiden, nachdem er die Möglichkeit erlangt hatte, seine Augen nach außen zu richten, daß heißt, seine Sinne anzuwenden und durch sie sinnliche Ideen zu bekommen. Da hat er auch das Wort gehört: Der Mensch muß aus dem Gebiete des Geistes, in dem er bisher drinnen lebte, heraus, damit er nicht auch noch esse von dem Baume des Lebens. — Aber fortwährend wird dem Menschen der Christus zu essen geben von dem Baume des Lebens, und erlebt müssen werden die Ideen, die aus dem Geistgebiete in die Menschenseelen unmittelbar hereindringen. Sie können aber nur erlebt werden, wenn die Menschenseele den Christus in sich aufnimmt. Und dann haben wir etwas ganz anderes als den Erkenntnisbegriff, da bekommen wir den Lebensbegriff. Während wir Luzifer und Ahriman sozusagen auf die Finger schauen müssen, damit — wenn sie in der ferneren Zeit eine Erkenntnis von außen in uns eindringen lassen — wir beobachten, daß dies von Ahriman und Luzifer kommt, so müssen wir uns darüber klar sein, daß durch das Mysterium von Golgatha in dem Menschensein bewirkt worden ist, daß die Menschen Ideen in sich bekommen zum Leben, nicht zum bloßen Erkennen, sondern zum Leben. Und wenn wir von diesem Lebensstandpunkte aus die einzelnen Religionen der Welt betrachten, dann werden wir weit, weit entfernt sein davon, diese Religionen zu untersuchen darauf, ob sie mit unserer Weltanschauung übereinstimmen oder nicht. Nur den Erkenntnisbegriff auf sie anzuwenden, ist gar nicht unsere Aufgabe, sondern den Lebensbegriff.
[ 28 ] But something else, too, resounded through the world in ancient times, and this came from another direction after humankind had gained the ability to distinguish between good and evil, after it had gained the ability to turn its eyes outward—that is, to use its senses and, through them, to receive sensory ideas. Then he also heard the word: “Humanity must leave the realm of the spirit in which it has lived until now, lest it also eat from the Tree of Life.” — But Christ will continually give humanity food from the Tree of Life, and the ideas that penetrate directly into human souls from the realm of the spirit must be experienced. But they can only be experienced if the human soul takes Christ into itself. And then we have something quite different from the concept of knowledge; we receive the concept of life. Whereas we must, so to speak, keep a close watch on Lucifer and Ahriman so that — when, in the distant future, knowledge from outside penetrates us — we observe that this comes from Ahriman and Lucifer; we must be clear that through the Mystery of Golgotha, it has been brought about in human existence that people receive ideas within themselves for life—not merely for knowledge, but for life. And when we view the various religions of the world from this perspective of life, we will be far, far removed from examining these religions to see whether or not they agree with our worldview. It is not at all our task to apply the concept of knowledge to them, but rather the concept of life.
[ 29 ] In der Menschheit gibt es bestimmte Religionsformen. Sehen sollten wir nicht darauf, ob wir sie für wahr halten, sondern ob sie geeignet sind, den Menschen durch das, was in ihrem Kultus lebt, Seelennahrung zu bringen und ihre Seelen zu beleben. Und so kann selbstverständlich, da es verschiedene Menschenseelen gibt, es auch verschiedene Nahrung geben, die ihnen zum Leben dient. Wenn wir das begreifen, dann werden wir einsehen, daß wir uns niemals einlassen können darauf, irgendeine religiöse Form zu bekämpfen, sondern wir müssen uns bemühen, sie zu verstehen, insofern sie die Lebensnahrung ist für Seelen, denen sie gegeben ist als Leben; nicht nur zur Erkenntnis, sondern als Leben. Dann werden wir auch merken, daß der Standpunkt ganz verschoben ist, wenn die Religion anfängt mit einer Wissenschaft zu streiten über ihren Inhalt. Dann werden wir auch wissen, wie es eigentlich selbstverständlich ist, daß die Religion sich stellt auf einen gegnerischen Standpunkt gegenüber der fortschreitenden Natur- oder Geisteswissenschaft. Denn diese Religionen wollen noch immer nicht loskommen von dem alten Versucher, sie wollen noch immer nicht nur an Gott appellieren, der dem Menschen gesagt hat: Er will ihnen das Leben geben, sie sollen nicht selber vom Baume des Lebens essen. — Die Religionsvertreter wollen nicht bloß an Gott appellieren, sondern sie wollen noch an den luziferischen und den ahrimanischen Geist appellieren, und durch die Religion wollen sie aufgeschlossen bekommen das Auge für die Unterscheidung des Guten und Bösen. «Erkenntnis» will die Religion sein. Aber das kann sie nicht sein, weil sie Lebenssubstanz ist. Und unter dieser Versuchung, die noch immer in den Ohren raunt den einzelnen Vertretern der Religionsgemeinschaften, glauben diese, in ihren Religionen Erkenntnisse mitzugeben und bekämpfen die fortschreitenden Erkenntnisse der Wissenschaft, während die Frage der Erkenntnis eigentlich gar nicht in Betracht kommen kann zwischen Religion und Wissenschaft. Wir haben nicht die geringste Veranlassung, irgendeine Religionsgemeinschaft zu bekämpfen, und wir können niemals eine Gegnerschaft haben gegenüber irgendeiner Religionsgemeinschaft aus dem Grunde, weil wir die Religionsgemeinschaften fragen nach ihrer Lebenssubstanz und nicht nach ihrem Erkenntnisinhalt. Aber die Religionsgemeinschaften werden immer versucht sein, die fortschreitende Wissenschaft zu fragen, ob sie mit dem, was sie für Erkenntnis ansehen, übereinstimmt. Da aber das Leben in Entwickelung begriffen ist, so wird die fortschreitende Wissenschaft niemals mit der nach dem Konservatismus hinneigenden Religion übereinstimmen können.
[ 29 ] There are certain forms of religion among humankind. We should not focus on whether we consider them to be true, but rather on whether they are capable of providing spiritual nourishment to people through what is alive in their worship and of enlivening their souls. And so, of course, since there are different human souls, there can also be different forms of nourishment that sustain them. If we grasp this, then we will realize that we can never bring ourselves to oppose any religious form, but must strive to understand it, insofar as it is the sustenance of life for souls to whom it is given as life—not merely as knowledge, but as life itself. Then we will also realize that the perspective shifts entirely when religion begins to argue with a science about its content. Then we will also know how it is, in fact, only natural that religion takes an opposing stance toward the advancing natural and Spiritual Science. For these religions still do not want to break free from the old tempter; they still do not want to appeal solely to God, who told humankind: He wants to give them life; they are not to eat of the tree of life themselves. — The representatives of religion do not wish to appeal merely to God; rather, they wish to appeal to the Luciferic and Ahrimanic spirits as well, and through religion they seek to open their eyes to the distinction between good and evil. Religion wants to be “knowledge.” But it cannot be that, because it is the substance of life. And under this temptation, which still whispers in the ears of the individual representatives of religious communities, they believe they are imparting knowledge through their religions and fight against the advancing insights of science, whereas the question of knowledge cannot actually even be considered in the context of religion and science. We have not the slightest reason to oppose any religious community, and we can never be opposed to any religious community on the grounds that we question religious communities about their very essence of life and not about the content of their knowledge. But religious communities will always be tempted to ask advancing science whether it agrees with what they regard as knowledge. However, since life is in a state of development, advancing science will never be able to agree with religion, which tends toward conservatism.
[ 30 ] Und jetzt sehen Sie den ganzen Konflikt, der sich natürlich immer und immer wieder abspielen wird. Ich möchte, daß Sie etwas hinsehen auf diesen Konflikt, in der richtigen Weise auf diesen Konflikt hinsehen und begreifen lernen, daß selbstverständlich die Vertreter der Religionsgemeinschaften, weil sie von der Versuchung befallen sind, von ihrem Gesichtspunkte aus immer die Geisteswissenschaft bekämpfen werden. So wie die Naturwissenschaft bekämpft worden ist, wird auch die Geisteswissenschaft bekämpft werden. Aber Sie müssen sich auch klar sein darüber: die Bekämpfer kämpfen aus Unverstand. Das gibt zwar keine Entschuldigung für sie, sie müssen selbstverständlich deshalb auch wiederum bekämpft werden; aber selbst muß man sich klar sein darüber: sie kämpfen aus Unverstand, sie können nicht auf den richtigen Standpunkt sich stellen.
[ 30 ] And now you can see the whole conflict, which, of course, will play out over and over again. I would like you to take a closer look at this conflict, to view it in the right way, and to learn to understand that, naturally, the representatives of religious communities—because they are overcome by temptation—will always oppose Spiritual Science from their own perspective. Just as natural science has been opposed, so too will Spiritual Science be opposed. But you must also be clear about this: those who oppose it do so out of ignorance. While this is no excuse for them—and they must, of course, be opposed in turn—one must nevertheless be clear about this: they fight out of ignorance; they are unable to adopt the correct point of view.
[ 31 ] Ich möchte wie ein Wahrzeichen ein Wort vor Ihre Seele hinstellen, das im 14. Jahrhundert ein Mann gesprochen hat, der heraufkommen gesehen hat die Zeit, in der die Naturwissenschaft, die naturwissenschaftliche Denkweise kommen mußte, der den heraufkommenden Humanismus gesehen hat, und der von seinem Freunde gehört hat: man sollte sich nicht befassen mit dem, was man wissen kann und was nicht in der Bibel steht oder von der kirchlichen Tradition bewahrt wird. Es ist anders geworden seit dem 14. Jahrhundert in dieser Beziehung. Dantes «Göttliche Komödie» ist ein großes, weltumfassendes Gedicht. Aber Dante lebte gerade in der Zeit, als die Epoche hinuntersank, in der man sich beschränkte auf das bloß historische Christentum. Für Dante war Virgil einfach der in die Hölle Verbannte. Dante wußte nicht viel von irgend etwas anderem als von dem Christentum, das ihm wie eine große Ordnung aufging. Anders war es für Petrarca. Ein Jahrhundert später, im 14. Jahrhundert, las Petrarca Virgil schon mehr mit Gläubigkeit. Er wendet sich zurück, nicht nur an das christliche, sondern auch an das heidnische Geistesleben. Als nun einer seiner Freunde dem Petrarca einmal schrieb, daß ihm im Traume ein geistiges Wesen erschienen sei, das ihm gesagt habe, er solle sich nicht mit irgend etwas von Literatur befassen, was nicht im Christentum lebte, da gab er eine bedeutungsvolle Antwort. Aber dazumal war das naturwissenschaftliche Zeitalter, jetzt ist das geisteswissenschaftliche Zeitalter. Ich will das hervorheben, weil sogar aus der geistigen Welt heraus der Freund - und dadurch Petrarca — gemahnt worden ist, sich nur mit dem, was das damalige Christentum als christlich ansah, zu befassen. Er schrieb die wunderschönen Worte, die dazumal für das heraufkommende Zeitalter galten. Heute gelten sie noch. Petrarca erwiderte seinem Freunde Boccaccio in ernsten, bedeutenden Worten und legte ihm seinen Standpunkt klar, warum er diese außerchristlichen Dinge lese und was sie ihm seien:
[ 31 ] I would like to place before your soul, like a landmark, a word spoken in the 14th century by a man who foresaw the coming of the age of natural science and scientific thinking, who foresaw the rise of humanism, and who heard from his friend: one should not concern oneself with what one can know that is not found in the Bible or preserved by church tradition. Things have changed in this regard since the 14th century. Dante’s *Divine Comedy* is a great, all-encompassing poem. But Dante lived precisely at the time when the era was drawing to a close in which people confined themselves to merely historical Christianity. For Dante, Virgil was simply the one banished to Hell. Dante knew little of anything other than the Christianity that appeared to him as a grand order. It was different for Petrarch. A century later, in the 14th century, Petrarch already read Virgil with greater faith. He turned back not only to the Christian but also to the pagan spiritual life. When one of Petrarch’s friends once wrote to him that a spiritual being had appeared to him in a dream and told him he should not concern himself with any literature that did not live within Christianity, he gave a meaningful reply. But that was the age of the natural sciences; now is the age of Spiritual Science. I want to emphasize this because even from the spiritual world, his friend—and through him, Petrarch—was admonished to concern himself only with what Christianity at that time regarded as Christian. He wrote those beautiful words, which at the time applied to the age that was dawning. They still apply today. Petrarch replied to his friend Boccaccio in serious, meaningful words and clearly explained his position to him—why he read these non-Christian works and what they meant to him:
[ 32 ] «Warum sollen wir denn die heidnischen Dichter und Schriftsteller fliehen, die den Namen Christi nur darum nicht nennen, weil sie ihn nie gehört haben? Sollten doch die Bücher der Ungläubigen viel gefährlicher erscheinen, die Christus nennen und doch bekämpfen - und dabei lesen die Verteidiger des wahren Glaubens sie mit größtem Eifer. Glaube mir: Vieles, was nur von der Trägheit und Feigheit bestimmt ist, wird einer bedachten Überlegung zugeschrieben. Die Menschen verachten oft, was sie nicht erreichen können; und gerade der Unwissenheit ist es eigentümlich, zu verurteilen, was sie nicht erfassen mag, und niemand will sie ein Streben verstatten, zu welchem sie selbst unfähig ist.
[ 32 ] “Why, then, should we shun the pagan poets and writers who do not mention the name of Christ simply because they have never heard it? Surely the books of the unbelievers who mention Christ yet oppose him should seem far more dangerous—and yet the defenders of the true faith read them with the greatest zeal. Believe me: Much of what is motivated solely by laziness and cowardice is attributed to careful deliberation. People often despise what they cannot attain; and it is precisely the nature of ignorance to condemn what it cannot comprehend, and no one is willing to grant it a pursuit of which it is itself incapable.
[ 33 ] Daher stammen die schiefen Urteile über unbekannte Dinge, wobei nicht so sehr die Blindheit der Urteilenden, als deren Bequemlichkeit ins Auge fällt. Wir aber dürfen uns nicht durch irgendwelche moralische Mahnung noch durch Hinweis auf die Nähe des Todes von den Wissenschaften abschrecken lassen. Werden die letzteren in ein gutes Gemüt aufgenommen, so erregen sie die Liebe zur Sittlichkeit, und nehmen die Todesfurcht von uns oder vermindern sie doch; geben wir sie auf, so möchte dies gerade den Verdacht des Unglaubens erwecken, der für das Wissen in Anspruch genommen wurde. Die Wissenschaften halten also den, der sie in der rechten Art besitzt, nicht von der Vervollkommnung zurück, sondern helfen ihm; sie ebnen ihm die Lebenspfade und hindern ihn nicht. Einem kranken und schwachen Magen mag manche Kost nicht zuträglich sein, welche ein Gesunder, der hungrig ist, ohne weiteres verdaut; so auch mag für einen heilen und kräftigen Geist segensreich sein, was einer schwächlichen Natur Verderben bringen würde...
[ 33 ] This is the source of biased judgments about unknown things, in which it is not so much the blindness of those who judge as their complacency that stands out. We, however, must not allow ourselves to be deterred from the sciences by any moral admonition or by references to the nearness of death. If the sciences are received with a good disposition, they inspire a love of virtue and remove the fear of death from us—or at least lessen it; if we abandon them, this would only arouse the suspicion of unbelief that has been attributed to knowledge. The sciences, therefore, do not hinder the one who possesses them in the right way from attaining perfection, but rather help him; they smooth the paths of life for him and do not hinder him. Just as certain foods may not agree with a sick and weak stomach, whereas a healthy person who is hungry can digest them without difficulty, so too what would be beneficial to a sound and vigorous mind might bring ruin to a weaker nature...
[ 34 ] Wohl weiß ich, daß manche zu erhabener Heiligkeit ohne Bildung gelangt sind, aber ich weiß auch, daß die Bildung keinen davon ausgeschlossen hat... Soll ich dir meine eigentliche Meinung sagen, so ist es die: Der Weg zur Tugend über die Unwissenheit ist vielleicht eben, aber feige. Nur ein Ziel haben alle Guten, aber vielerlei Wege führen dahin, und die gemeinsam Wandernden sind untereinander sehr verschieden: der eine geht langsamer, der andere schneller, hier einer im Verborgenen, ein anderer allen sichtbar, dieser demütig gebeugt, und jener erhoben. Alle Wanderschaft ist gesegnet; am herrlichsten aber ist eine solche, die frei und hoch sich vor aller Augen abspielt. Das Wissen, das zum Glauben sich durchgerungen hat, ist weit besser als die Einfalt, und sei sie noch so heilig, und keiner der Toren, die je ins Himmelreich eingegangen sind, steht so hoch, wie ein Wissender, der die Krone der Seligkeit erlangt.» |
[ 34 ] I am well aware that some have attained sublime holiness without an education, but I also know that education has not excluded any of them... If I am to tell you my true opinion, it is this: The path to virtue through ignorance may be straightforward, but it is cowardly. All good people have but one goal, yet many paths lead to it, and those who journey together are very different from one another: one walks more slowly, another more quickly; one in secret, another in full view of all; this one humbly bowed, that one held high. Every journey is blessed; but most glorious of all is one that unfolds freely and nobly before everyone’s eyes. Knowledge that has struggled its way to faith is far better than simplicity, no matter how holy it may be, and none of the fools who have ever entered the Kingdom of Heaven stands as high as a man of knowledge who has attained the crown of bliss.” |
[ 35 ] So ist es auch mit unserer Geisteswissenschaft! Und nicht nur dem Pfarrer Riggenbach, sondern allen anderen, die uns bekämpfen und sich uns entgegenstellen, könnte man die obigen Worte zurufen, die Petrarca seinem Freunde schreibt: «Einem kranken und schwachen Magen mag manche Kost nicht zuträglich sein, welche ein Gesunder, der hungrig ist, ohne weiteres verdaut; so auch mag für einen heilen und kräftigen Geist segensreich sein, was einer schwächlichen Natur Verderben bringen würde.»
[ 35 ] The same is true of our Spiritual Science! And one could address the words above—which Petrarch wrote to his friend—not only to Pastor Riggenbach, but to all others who fight against us and oppose us: “Just as certain foods may not agree with a sick and weak stomach, whereas a healthy person who is hungry can digest them without difficulty, so too may that which would bring ruin to a feeble nature be a blessing to a sound and vigorous mind.”
[ 36 ] Wenn man stehenbleiben will bei dem Widerspruch des ersten und dritten Evangeliums, und nicht sehen will, daß sich der Widerspruch löst, sobald man die zwei Jesusknaben in Betracht zieht, wenn man meint, man müsse bei dem Einfachen bleiben und brauche nicht das phantastische Zeug «derer da oben», wenn man nicht sehen will, daß alle die Formen des Lebens in unsere Bauformen hineingeflossen sind, sondern von «verzerrten, phantastischen Formen» redet, so muß man sagen: «Das Wissen, das zum Glauben sich durchgerungen hat, ist weit besser als die Einfalt, und sei sie noch so heilig, und keiner der Toren, die je ins Himmelreich eingegangen sind, steht so hoch, wie ein Wissender, der die Krone der Seligkeit erlangt.»
[ 36 ] If one wants to dwell on the contradiction between the first and third Gospels, and refuses to see that the contradiction resolves itself as soon as one considers the two young Jesus figures, if one believes one must stick to the simple things and has no need for the fanciful nonsense of “those up there,” if one refuses to see that all forms of life have flowed into our structures but instead speaks of “distorted, fanciful forms,” then one must say: “Knowledge that has struggled its way to faith is far better than simplicity, however holy it may be, and none of the fools who have ever entered the Kingdom of Heaven stands as high as a man of knowledge who attains the crown of bliss.”
[ 37 ] Solche Gedanken sind notwendig, damit wir uns wenigstens klar darüber sind, daß es niemals in unserem Prinzipe liegen kann, irgendeine Religionsgemeinschaft zu bekämpfen, und daß es nur eine Verleumdung sein kann, wenn jemand auftritt, der uns als Feind gegenüber den religiösen Strömungen hinstellt. Schon daß man das tut, bezeugt, daß man uns nicht verstehen will. Wir müssen das wenigstens wissen; und wir müssen uns entgegenstellen einer jeden aggressiven Tendenz gegen irgendeine Religionsgemeinschaft, wie wir uns auch jeder aggressiven Tendenz gegen die Naturwissenschaft enthalten müssen, aus dem Grunde, weil aus diesen von selbst herauskommen wird, wie sie sich begegnen werden mit der Geisteswissenschaft! Keine Religionsgemeinschaft brauchen wir zu bekämpfen. Kämpfe können in Wahrheit gar nicht von uns ausgehen, denn es liegt nicht in unserer Natur, anzugreifen. Anzugreifen liegt uns ganz fern. Und notwendig ist es geradezu, zu begreifen, daß es ein Axiom ist, daß, wenn wir nicht Frieden haben, es deswegen so ist, weil es dem bösen Nachbarn nicht gefällt; denn in unserer Natur liegt es nicht, zu kämpfen. Man probiere es einmal und lasse uns in Frieden, ob nicht der Friede erhalten bleibt. Man probiere es! Aber wir müssen selbstverständlich von dieser Gesinnung durchdrungen sein. Es wird zum Beispiel auch viel gesündigt, indem auch von unserer Seite diese oder jene Dogmen oder Kultusdinge angefochten werden, oftmals sogar ohne daß man sie versteht. Wir müssen sie verstehen; aber wenn wir sie richtig verstehen, dann gilt das, was angegeben worden ist, als unser Prinzip. Und so möchte ich ebenso appellieren an dieses Ihr Verständnis des Friedensprinzipes. So wie ich Sie ermahnen mußte, geduldig zu sein in der jetzigen Zeit, so muß ich Sie ermahnen, wachsam zu sein, damit wir dasjenige tun, was notwendig ist, um das uns anvertraute heilige Gut wirklich zu wahren. Denn wir werden immer mehr und mehr mit einer sicheren, inneren Kraft durch die Welt gehen müssen, um fest auf dem Boden stehen zu können, auf den uns die Geisteswissenschaft stellen will.
[ 37 ] Such reflections are necessary so that we are at least clear that it can never be our principle to oppose any religious community, and that it can only be slander when someone portrays us as enemies of religious movements. The very fact that someone does this proves that they do not want to understand us. We must at least be aware of this; and we must oppose any aggressive tendency directed against any religious community, just as we must refrain from any aggressive tendency directed against the natural sciences—for it will become clear of its own accord how these will interact with Spiritual Science! We have no need to fight any religious community. In truth, conflicts cannot originate from us at all, for it is not in our nature to attack. Attacking is entirely foreign to us. And it is absolutely necessary to understand that it is an axiom: if we do not have peace, it is because our malicious neighbor does not want it; for it is not in our nature to fight. Let them try it once and leave us in peace—let’s see if peace is not preserved. Let them try it! But we must, of course, be imbued with this spirit ourselves. For example, many sins are committed when, on our part as well, this or that dogma or matter of worship is challenged—often without even understanding them. We must understand them; but if we understand them correctly, then what has been stated applies as our principle. And so I would likewise appeal to your understanding of the principle of peace. Just as I had to urge you to be patient in the present time, so must I urge you to be vigilant, so that we may do what is necessary to truly preserve the sacred trust entrusted to us. For we will have to walk through the world with ever-increasing inner strength in order to stand firmly on the ground upon which Spiritual Science seeks to place us.
[ 38 ] Das Mysterium von Golgatha und das Christus-Prinzip hängen innig zusammen mit der Notwendigkeit, Geistiges in der Welt zu sehen. Niemals wird das bloße Anschauen genügen, wenn Sie auch nur die historische Wirklichkeit des Mysteriums von Golgatha verstehen lernen wollen. Geistig allein kann das Mysterium von Golgatha begriffen werden, und derjenige, der sich eben wird ergeben wollen einer Wissenschaft, die alles von außen bekommt, und der nicht auf die neuen Offenbarungen schauen will, die uns immer zufließen können gegenüber dem Mysterium von Golgatha, wird nicht begreifen das, was in der Mitte des 19. Jahrhunderts, 1838, gesungen worden ist durch einen anderen von dem, was, ewig wechselnd und doch ewig seiend, seit dem Mysterium von Golgatha durch die Erdenmenschheit waltet. Lassen Sie mich eine Stelle vorlesen, die uns schildern kann, wie sich dasjenige, was das Mysterium von Golgatha nicht begreifen kann, diesem Mysterium von Golgatha gegenüberstellt.
[ 38 ] The Mystery of Golgotha and the Christ Principle are intimately connected with the necessity of perceiving the spiritual in the world. Mere observation will never suffice, even if you wish only to come to understand the historical reality of the Mystery of Golgotha. The Mystery of Golgotha can be understood only spiritually, and anyone who wishes to devote themselves to a science that receives everything from the outside, and who does not wish to look to the new revelations that can always flow to us regarding the Mystery of Golgotha, will not comprehend what was sung in the mid-19th century, in 1838, by someone else—that which, ever-changing and yet eternally existing, has reigned over humanity on Earth since the Mystery of Golgotha. Let me read a passage that can illustrate how that which cannot comprehend the Mystery of Golgotha stands in opposition to this Mystery of Golgotha.
Der Bannspruch
Vierter Gesang
Zum grünen Osterfest mit jungen Palmen
War schon gerüstet ganz Jerusalem
Und schlug die Harfe an zu Jubelpsalmen.Ein einzig Haus, das letzte von der Reihe,
Die Türe Ahasvers, des grollenden,
Blieb ohne Festeszier und ohne Weihe.Und fremder Menschen tausende an tausend
Aus Näh’ und Ferne walleten einher
Gleich Meereswogen unterm Winde brausend.Da kam herab, das Letzte zu erfüllen,
Zu seiner Opferung der Gottessohn
In seiner Demut auf geringem Füllen;Und alles Volk stürzt jauchzend ihm entgegen
Und breitet die Gewänder vor ihm hin
Und streut ihm grüne Reiser auf den Wegen.Nur Einer gegen sich empört und wütend,
Nur Ahasver saß still in sich gekehrt,
Ein schwüler Tag Gewitter heimlich brütend.Und: «Hosianna!» hört er tausendstimmig.
Er aber fluchte heimlich in sich selbst,
Doch sprach er nicht, das Herz war ihm zu grimmig.Still waren nun des Judenvolkes Horden,
Und überall war’s Nacht, o eine Nacht
Voll bittrer Leiden, herber Qual geworden!Es gibt wohl Nächte, so geheimnisvolle,
Wo einem ist, als ob sie die Natur
In schmerzlichem Gebet verwachen wolle.Da kann sich keines Wesens Auge schließen,
Ob fromm, ob gottlos, keine Seele kann
Des Schlafes, des erquickenden, genießen.In solcher Nacht ward Gottes Sohn verraten
Der Bosheit und der Schlechtigkeit der Welt,
Und preisgegeben ihren Missetaten.In solcher Nacht fühlt’ Ahasver ein Schauern,
Ein Fieberfrösteln ging ihm durchs Gebein,
Und er begann zu sprechen und zu trauern:«Wo hat ein Volk so Gräßliches erduldet
Als du, o Israel, von Anbeginn?
Mit Gottesfurcht hast alles du verschuldet.Deshalb so machtlos, kraftlos, feig und nichtig;
Denn jedem dient stumpfsinnig wie das Tier,
Der Einem erst zum Sklavendienste pflichtig.So haben wir gefrönt auf allen Straßen,
So in Ägypten und in Babylon,
So einem Gott gedienet übermaßen!»Und wie die Sonne tief zu Nebelsee’n
Versank in sich jetzt wieder Ahasver
In endlos, unermeßlich tiefe Wehen;Doch wie von unterirdischen Gewalten
Zuweilen wird die Erde bis zum Kern,
Ihr zuckend rotes Herz entzweigespalten,So plötzlich sah er in sich selber drinnen
Des Übels Ursach, o ein ewig Leid!
Und weiter sprach er nun in tiefem Sinnen:«Die arme Erde! Kurze, sel’ge Stunden
Hielt sie in ihrem Arme einen Gott,
Verstoßen ist sie nun und Gott verschwunden.Die Erde, vom treulosen Gott betrogen,
Mit Liebe und mit Tränen hat sie treu
Ihr armes Kindlein redlich groß gezogen; —Ihr Kind, der Mensch, den freundlich sie ernähret,
Was drängt er sich dem stolzen Gotte nach?
Dem Bastard ist der Weg zu ihm verwehret.So von mir werfen will ich sein Gedächtnis,
Ausreißen aus der Brust den Drang zu ihm,
Das väterliche, ärmliche Vermächtnis!Aus Erde ist der Mensch und auf der Erde
Und von der Erde lebt er, daß er einst
Wie seine Mutter wieder Erde werde.»Jetzt schwieg er. Bleich und trauernd, wie die Blume,
Die in sich trägt die heil’ge Passion,
Blüht auf der Tag zum großen Martyrtume;Und alles Volk, gewickelt wie zum Knäule,
Hat sich zum Richthaus lärmend hingedrängt,
Wo oben stand der Heiland an der Säule.Auf seinem Haupt die blut’ge Dornenkrone,
Im Purpurmantel, in der Hand ein Rohr,
o königlich geschmückt zum Spott und Hohne.Und Ahasver hört ein unendlich Schreien:
«Ans Kreuz mit ihm! den König an das Kreuz!»
nd immer mehr den Mordruf sich erneuen.Und immer wütiger hört er es rufen:
«Er hat das Volk verführt! Hinweg mit ihm!»
Da tritt er vor zu seines Hauses Stufen.Es zog herauf das Volk, es schien, als quölle
Mit Hohngelächter an die Oberwelt
Der Teufel Pöbel aus der letzten Hölle,Um tödlich den verrat’nen Gott zu schlagen,
Der mitten unter ihnen wankt einher,
Der sich zur Qual das eigne Kreuz muß tragen.Ein Jubelruf schallt gräßlich, tausendtönig:
«Er hat das Volk verführt, hinweg mit ihm!
Ans Kreuz, ans Kreuz von Israel den König!»«Tod diesem Nazarener, Gott und Allen!»
Schrie Ahasver; da war es totenstill
Und vor ihm Christus unterm Kreuz gefallen.Und wie die Knechte ihn vom Kreuz entlasten,
Da flehet Christus auf zu Ahasver:
«Laß mich an deiner Schwelle wenig rasten!»Doch dieser warf ihm zu dies Wort des Spottes:
«Hilft dir dein Vater in dem Himmel nicht
Und nennst dich doch den Eingebornen Gottes?Ich stoße dich hinweg von meiner Schwelle,
Ob wahr dein Wort, ob du gelogen hast;
Dir keine Ruhe! keine an der Stelle!»«Dir keine Ruhe, keinen, keinen Frieden!»
Entgegnet ihm der Herr. «So lebe denn Das ew’gev
Leben ruhelos hienieden!»Kaum hat der Herr dies schwere Wort gesprochen,
So fielin jähem Schrecken Ahasver
Auf sein Gesicht; es war sein Geist gebrochen.Geheimnisreiche, schreckenvolle Kunde,
An Ahasver, an mir zieh jetzt vorbei!
Vorbei, vorbei, gewalt’ge Opferstunde!
The Spell
Fourth Song
For the green feast of Easter with young palm branches
All of Jerusalem was already prepared
And struck up the harp to sing psalms of joy.A single house, the last in the row,
The door of Ahasver, the grumbling one,
Remained without festive adornment and without consecration.And thousands upon thousands of strangers
From near and far streamed together
Like ocean waves roaring beneath the wind.Then came down, to fulfill the final act,
To offer himself as a sacrifice, the Son of God
In his humility, riding a lowly colt;And all the people rush toward him, cheering
And spread their robes before him
And scatter green branches upon his path.Only one, indignant and furious with himself,
Only Ahasver sat silently, lost in thought,
A sultry day, a thunderstorm brewing secretly.And: “Hosanna!” he hears in a thousand voices.
But he cursed secretly within himself,
Yet he spoke not—his heart was too fierce.Silent now were the hordes of the Jewish people,
And everywhere it was night—oh, a night
That had become full of bitter suffering, harsh torment!There are indeed nights so mysterious,
When it seems as though nature
Wishes to keep watch in painful prayer.On such a night, no creature’s eye can close,
Whether pious or godless, no soul can
Enjoy the refreshing sleep.On such a night, God’s Son was betrayed
To the wickedness and evil of the world,
And abandoned to its misdeeds.On such a night, Ahasver felt a shudder,
A feverish chill ran through his bones,
And he began to speak and to mourn:“Where has any people endured such horror
As you, O Israel, from the very beginning?
With your fear of God, you have brought all this upon yourself.That is why you are so powerless, feeble, cowardly, and worthless;
For everyone serves mindlessly like a beast,
Each one bound first to the service of a master.Thus have we indulged in every path,
Thus in Egypt and in Babylon,
Thus have we served a god to excess!”And just as the sun sinks deep into misty seas
So now Ahasver sank back into himself
Into endless, immeasurably deep anguish;Yet just as subterranean forces
At times split the earth to its very core,
Splitting its quivering red heart in two,So suddenly he saw within himself
The cause of evil—oh, an eternal sorrow!
And he continued, lost in deep thought:“Poor Earth! For brief, blissful hours
She held a god in her arms,
Now she is cast out, and God has vanished.The Earth, betrayed by the faithless God,
With love and tears she faithfully
Raised her poor little child with sincerity; —Her child, mankind, whom she kindly nurtured,
Why does he press himself upon the proud God?
The bastard’s path to Him is barred.So I will cast his memory from me,
Tear from my breast the longing for him,
That paternal, meager legacy!Man is of the earth and on the earth
And lives by the earth, so that one day
He may, like his mother, become earth again.”Now he fell silent. Pale and mournful, like the flower,
That bears within itself the holy Passion,
Blooms on the day of the great martyrdom;And all the people, huddled together like a ball,
Had crowded noisily toward the courthouse,
Where above stood the Savior at the column.Upon his head the bloody crown of thorns,
In a purple cloak, a reed in his hand,
O, royally adorned for mockery and scorn.And Ahasver hears an endless cry:
“Crucify him! Crucify the king!”
And the call for murder grows ever louder.And ever more furiously he hears them shout:
“He has led the people astray! Away with him!”
Then he steps forward to the steps of his house.The people surged forward; it seemed as if
With mocking laughter, from the upper world
The devilish mob from the deepest hellWas pouring forth to mortally strike the betrayed God,
Who staggers along in their midst,
Who must bear his own cross as a torment.A jubilant cry resounds, ghastly and a thousand-voiced:
“He has led the people astray—away with him!
To the cross, to the cross—the King of Israel!”“Death to this Nazarene, to God and to all!”
Ahasver shouted; then there was dead silence
And before him, Christ had fallen beneath the cross.And as the servants took him down from the cross,
Christ implored Ahasver:
“Let me rest a little at your threshold!”But he hurled these words of scorn at him:
“Does your Father in heaven not help you
And yet you call yourself the Only-Begotten Son of God?I cast you away from my threshold,
Whether your words are true or whether you have lied;
No rest for you! None in this place!”“No rest for you, no—no peace!”
The Lord replied to him. “Then may you live the eternal
life restlessly here on earth!”No sooner had the Lord spoken these heavy words,
than Ahasver, seized by sudden terror,
fell face down; his spirit was broken.Mysterious, terrifying news,
Pass now by Ahasver, pass by me!
Pass, pass, mighty hour of sacrifice!
Fünfter Gesang
Durch Erd’ und Himmel ging ein bittres Weinen;
Als Christus an dem Kreuze ward erhöht,
Zugleich hört’ auch die Sonne auf zu scheinen.Und als der Mittler nun im Todesleide Ausrief:
«Es ist vollbracht!» und so verschied,
Ging durch das Herz der Erde Schwertes Schneide.Da scholl durch die Natur ein Wehschrei gräßlich,
So mark- und beindurchdringend, unerhört,
So jammervoll, wildfremd und unermeßlich,Als wär’ ihr selbst durch ihre Seel’ gestochen
Der Todesspeer, ach! jäh und mörderisch
Durch ihre warme Mutterbrust gebrochen!Und eine Furcht, ein Schauern unbezwinglich,
Und eine schwere große Finsternis
Sank auf die weite Erde undurchdringlich.Und wieein Vöglein in des Geiers Krallen,
Begann der Boden jetzt vor inn’rer Angst
In sich zu beben und emporzuwallen.Da schienen aufgelöset alle Banden,
Es wankte innerlich der Erde Grund,
Aufwachten da die Toten und erstanden.«So war er dennoch Gott und mußte sterben?»
Sprach leise Ahasver. «Doch aber ich
Soll auf der Erde nicht den Tod erwerben?»Doch wie auf arg gefährlich schwanker Leiter
Trieb eine rätselhafte Macht ihn fort
Durch alle Schrecken vorwärts immer weiter,Bis er von Mauern eines weiten Raumes
Umfangen irrt und wankt von Gang zu Gang,
Wie ein Nachtwandler in dem Bann des Traumes.Nicht einen Ausweg kann er wiederfinden
In diesem öden, ungeheuren Grab,
Wohin er sich auch wenden mag und winden.Enträtseln kann er nicht, wie er hereinkam,
Und kann sich nicht besinnen, wo er ist
In solcher Schreckensstunde irr und einsam.Und wie er weiter tappet an den Wänden,
Da stößt er endlich jetzt auf einen Tisch;
Ein Opfermesser hält er in den Händen.Da ruft er aus fast zaghaft und beklommen:
«Wie bin ich zu Jehova’s Hause doch,
In Salomonis Tempel hergekommen?Hat er in Christus doch gelebt hienieden,
Den Tod erwählt in menschlicher Gestalt,
So ließ er gern den toten Gott in Frieden.Furchtbar Geheimnis, lösen wer es könnte!
Im Allerheiligsten hat er gethront, —
Wenn ich hinein mir einen Blick vergönnte?»In seines Herzens heftiger Erregung
Fand er dieStufen, die lebendig fast,
Wie auch der Boden waren in Bewegung.Doch als er mühsam so sich dort emporrang,
Zerriß von oben bis nach unten aus
Mit einem Donnerschlag des Tempels Vorhang;Und schrecklich, in gewalt’ger Blitzeshelle,
Der Engel Michael mit Flammenschwert
Stand hoch und herrlich auf der heilgen Stelle.Auf Feuerwolken seine Füße ruhten,
In Feuerflammen hob er seinen Arm,
Und also sprach er wie mit Wettergluten:«Wen suchst du hier? Der Dämon ist gerichtet,
Der zorngewalt’ge Dämon deines Volks;
Und seine Macht hat Gottessohn vernichtet!»«Jehova?» rief da Ahasver mit Schrecken.
Der Engel sprach: «Ein Abgott war auch Er!
Der Gott der Wahrheit muß ihn niederstrecken,So ihn, wie alle Götzen dieser Erde,
Damit aus allen Menschen nur ein Volk
Und Eins in ihm die ganze Schöpfung werde!Ans Erdenleben hast du dich verwettet,
Es werde dir zu Teil, was du begehrt,
So sei an dieses Leben angekettet!Vorüber spurlos sollen dir die Zeiten,
Vorüberschreiten machtlos an dir hin,
Vorüber, aber lang wie Ewigkeiten!Versagt sei dir des Todes süßer Frieden,
Versagt des Menschen letzter Trost, der Schlaf,
Versagt von nun an alle Ruh hienieden;Doch stets zur Gnade offen sind die Arme
Des Gottessohnes in dem Himmaelreich,
Damit er jeden Wesens sich erbarme.So will er dir zur Lösung wiedergeben
Das Rätsel deines eigenen Geschicks,
Dreimal auch deiner Kinder junges Leben,Bis du zum Heile deinen Weg gefunden
Mit ihnen hin zu Gottes Vaterbrust
Und so vom Erdendienst dich hast entbunden!Zum ersten Male kann es dir gelingen,
Zum andren Male fleh um Gottes Rat,
Zum dritten Male mußt du es vollbringen.Sonst wehe dir! Bis zu dem Weltgerichte
Mußt du dann wandern auf dem Erdenrund,
Bis an das Ende aller Weltgeschichte.»Da plötzlich löschten aus die Wunderflammen,
Und schrecklich, grausig, düster quoll die Nacht
Im wüsten Wirbel wiederum zusammen.
Canto V
A bitter wailing rang through earth and heaven;
As Christ was lifted up on the cross,
At that very moment, the sun ceased to shine.And when the Mediator, now in the throes of death, cried out:
“It is finished!” and thus passed away,
A sword’s edge pierced the heart of the earth.Then a dreadful cry of grief resounded through nature,
So piercing to the marrow and bones, unheard of,
So wretched, utterly strange, and immeasurable,As if she herself had been pierced through her soul
By the spear of death, alas! sudden and murderous
Shattering her warm mother’s breast!And a fear, an irresistible shudder,
And a heavy, great darkness
Sank upon the vast earth, impenetrable.And like a little bird in the vulture’s claws,
The ground now began, out of inner dread,
To tremble within itself and surge upward.Then all bonds seemed to dissolve,
The earth’s foundation wavered within,
And the dead awoke and rose again.“So he was still God and had to die?”
Ahasver spoke softly. “But I
Am I not to meet my death on earth?”Yet as if on a perilously wavering ladder
An enigmatic power drove him onward
Through all the horrors, ever farther,Until he found himself enclosed by the walls of a vast chamber
Wandering and staggering from one passage to the next,
Like a sleepwalker under the spell of a dream.He cannot find a single way out
In this desolate, immense tomb,
No matter where he may turn or wind his way.He cannot fathom how he entered,
Nor can he recall where he is
In such a moment of terror, lost and alone.And as he continues to grope along the walls,
He finally stumbles upon a table;
He holds a sacrificial knife in his hands.Then he cries out, almost timidly and anxiously:
“How did I come to be in Jehovah’s house,
Here in Solomon’s Temple?If he truly lived here on earth as Christ,
Choosing death in human form,
Then he gladly left the dead God in peace.A terrible mystery—if only someone could unravel it!
He has taken his seat in the Holy of Holies—
If only I could grant myself a glimpse inside?”In the violent agitation of his heart
He found the steps, which, almost as if alive,
Were moving, just like the floor itself.But as he laboriously struggled upward there,
The temple’s curtain was torn from top to bottom
With a clap of thunder;And terrifying, in the blinding light of a mighty flash of lightning,
The angel Michael, with a flaming sword,
Stood tall and glorious upon the holy spot.His feet rested upon clouds of fire,
In flames of fire he raised his arm,
And thus he spoke as if with the heat of a storm:“Whom do you seek here? The demon has been judged,
The wrathful demon of your people;
And the Son of God has destroyed his power!”“Jehovah?” cried Ahasver in terror.
The angel spoke: “He, too, was an idol!
The God of Truth must strike him down,Just as He has struck down all the idols of this earth,
So that from all people there may be but one people
And in Him, all creation may become one!You have staked your bet on earthly life,
May you receive what you desire,
So be chained to this life!May the ages pass you by without a trace,
Passing powerlessly by you,
Passing, yet as long as eternities!May the sweet peace of death be denied to you,
May man’s final comfort, sleep, be denied to you,
May all rest here below be denied to you from now on;Yet the arms of the Son of God in the Kingdom of Heaven
Are always open to grace,
So that He may have mercy on every being.Thus will He restore to you the solution
To the riddle of your own fate,
And three times over, the young lives of your children,Until you have found your path to salvation
With them to God’s fatherly bosom
And thus have been released from your earthly service!The first time, you may succeed,
The second time, implore God’s counsel,
The third time, you must accomplish it.Otherwise, woe to you! Until the Last Judgment
You must then wander the earth,
Until the end of all world history.”Suddenly the miraculous flames went out,
And the night, terrible, gruesome, and gloomy,
Swirls together once more in a wild vortex.
[ 39 ] Wiederum solch ein Beispiel, wie die Menschenseele sich gedrängt fühlt, sich auseinanderzusetzen mit dem, was in der Zeit herangekommen ist. Und jetzt, nachdem wir solche Bilder durch unsere Seelen haben durchgehen lassen, möchte ich Sie erinnern an das, was ich schon einmal gesagt habe von dieser Stelle aus: Wir müssen unsere Anschauungsweise ändern, wenn wir richtig in die geistige Welt hineinblicken wollen. Wir müssen nicht glauben, daß wir sie wie die sinnliche Welt anschauen können. Wir müssen uns sogar an andere Ausdrucksweisen gewöhnen. Die Bäume, Flüsse, Berge, das alles sehen wir, nehmen wir wahr, wenn wir in der physischen Welt sind. Die geistigen Wesenheiten aber erleben wir so, daß wir sagen müssen: sie sehen uns, sie nehmen uns wahr. Zum wahren Verständnisse des Mysteriums von Golgatha ist das aber notwendig zu wissen, weil das nur im Geistigen richtig verstanden werden kann. Aber so wollen wir das Mysterium von Golgatha verstehen.
[ 39 ] Here is yet another example of how the human soul feels compelled to grapple with what has come to pass over time. And now, after we have allowed such images to pass through our souls, I would like to remind you of what I have said before from this very place: We must change our way of looking at things if we want to truly glimpse into the spiritual world. We must not believe that we can perceive it in the same way as the physical world. We must even accustom ourselves to different modes of expression. We see and perceive the trees, rivers, and mountains when we are in the physical world. But we experience spiritual beings in such a way that we must say: they see us; they perceive us. To truly understand the Mystery of Golgotha, however, it is necessary to know this, because it can only be properly understood in the spiritual realm. But this is how we want to understand the Mystery of Golgotha.
[ 40 ] Zeiten müssen kommen, wo durch ein wirkliches Verständnis des Wortes: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», es möglich sein wird, sich in der richtigen Weise mit Wissen zu den geistigen Welten zu erheben. Im Jahre 1838 ist dieses epische Gedicht «Ahasver» von Julius Mosen erschienen, und es verrät uns das auch, da er diese Legende so schreiben konnte, daß Mosen wirklich ergriffen werden konnte von dem tragischen Geschick, das ihn ereilt hat. Er hat die größte Zeit, fast die ganze Zeit seines Lebens, im Bette gelegen, da sein physischer Leib fast ganz gelähmt war. Dadurch konnte er sich eben zu höheren Ideen erheben. Er erinnert uns darin an jenen Sünder, von dem ich gestern gesprochen habe, in dem Roman des «Maha Guru», der, als er schon wahnsinnig war, seine Kunst gefunden hat, und er erinnert uns an die Frau des Grafen aus dem polnischen Drama, die ebenfalls in krankhaften Zustand geraten mußte, um mit der geistigen Welt in Verbindung zu sein. Heute soll es eben die Aufgabe der Geisteswissenschaft sein, den Menschen im gesunden und normalen Zustande in die geistige Welt aufsteigen zu lassen. Das alles sind Zeichen für den Ernst und für die Würde, mit der wir die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Bewegung aufzufassen haben. Heute, wenn man in ein Wort, in ein Wahrwort zusammen sich denkt dasjenige, was einen als Kraft beseelen kann, so fassen wir es zusammen mit den Worten: Das Mysterium von Golgatha zeigt uns, daß ein geistiges Verständnis notwendig ist, daß wir den Christus als Geist suchen müssen. - Dann müssen wir auch sagen: Der Christus sieht uns, nimmt uns wahr.
[ 40 ] There must come a time when, through a true understanding of the words, “Not I, but Christ in me,” it will be possible to ascend to the spiritual worlds in the proper way through knowledge. In 1838, this epic poem, “Ahasver,” by Julius Mosen was published, and it reveals this to us as well, since he was able to write this legend in such a way that Mosen could truly be moved by the tragic fate that befell him. He spent most of his life—almost his entire life—confined to bed, as his physical body was almost completely paralyzed. This very circumstance enabled him to rise to higher ideas. In this, he reminds us of that sinner I spoke of yesterday in the novel *Maha Guru*, who, when he was already insane, found his art; and he reminds us of the count’s wife from the Polish drama, who likewise had to fall into a state of illness in order to be in contact with the spiritual world. Today, the task of Spiritual Science is precisely to enable people in a healthy and normal state to ascend into the spiritual world. All of this points to the seriousness and dignity with which we must approach the task of the Spiritual Science movement. Today, when we reflect on what can inspire us as a force and distill it into a single word—a word of truth—we summarize it with the following: The Mystery of Golgotha shows us that spiritual understanding is necessary, that we must seek Christ as Spirit. — Then we must also say: Christ sees us, perceives us.
[ 41 ] Dies wollen wir uns recht tief einprägen und immer vor Augen halten, und unser geistig-seelisches Gewissen muß es befriedigen können, wenn wir unsere geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse so vertreten, daß wir mit gutem Gewissen in der Seele die Worte tragen: Der Christus mag zusehen bei dem, was wir als unsere Geisteswissenschaft treiben. - Das ist unser Glaube, das kann uns aber auch so beseelen, wie einmal die Menschen beseelt worden sind durch das Wort des Bernhard von Clairvaux: «Gott will es!», das ein Wort geworden ist, welches sich in Taten umgesetzt hat. Möge es bei uns dasselbe sein, daß wir glauben dürfen, den Christus richtig zu verstehen, wenn wir unter dem Eindruck des Wortes leben: Der Christus kennt uns. —- Und wenn Sie es richtig verstehen, ich könnte Ihnen nichts Esoterischeres geben für die unsere Geisteswissenschaft im richtigen Licht erblickende Seele und für das im rechten Sinne die Geisteswissenschaft fühlende Herz, als das Wort: Der Christus sieht uns!
[ 41 ] Let us take this deeply to heart and always keep it in mind; and our spiritual and soulful conscience must be able to find satisfaction in it when we present our Spiritual Science insights in such a way that we can speak these words with a clear conscience: May Christ look upon what we do as our Spiritual Science. - That is our faith, but it can also inspire us just as people were once inspired by the words of Bernard of Clairvaux: “God wills it!”—words that became a reality through action. May it be the same for us, that we may believe we understand Christ correctly when we live under the impression of the words: “Christ knows us.” —- And if you understand it correctly, I could give you nothing more esoteric for the soul that perceives Spiritual Science in the right light and for the heart that feels Spiritual Science in the true sense than the words: “Christ sees us!”
[ 42 ] So lebe in unserer Seele das Wort: Der Christus sieht uns! — denn das dürfen wir glauben, wenn wir die Geisteswissenschaft richtig verstehen: Der Christus sieht uns!
[ 42 ] May these words live in our souls: Christ sees us! — for this is what we may believe if we understand Spiritual Science correctly: Christ sees us!
