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Die okkulte Bewegung
im 19. Jahrhundert
und ihre Beziehung zur Weltkultur
GA 254

17 Oktober 1915, Dornach

Vierter Vortrag

[ 1 ] Ich möchte heute noch einiges in Fortsetzung von dem sagen, was ich über die Entwickelung des geistigen Lebens im 19. Jahrhundert bemerkt habe. Es wird uns namentlich noch zu beschäftigen haben, welche Rolle auf der einen Seite die materialistische Weltanschauung spielt, und wie versucht worden ist, gegen das, wie ich schon sagte, notwendige Hereinströmen der materialistischen Weltanschauung die geistige Bewegung des 19. Jahrhunderts zu setzen, wie versucht worden ist von den verschiedenen Seiten der Okkultisten, den Menschen Rettung zu bringen vor dem Verfallen in den Materialismus. Auf der anderen Seite können wir damit gut verbinden eine Betrachtung über dasjenige, was uns selber in diesen Tagen vor Augen tritt: eine besondere Betrachtung, um etwas hinter das Eigentümliche jener Mächte und Kräfte zu kommen, die sich äußerlich auf dem physischen Plane in der Weise abspielen, daß sie uns ja so viele Sitzungen bereits gekostet haben, die Ihnen, wie ich wenigstens voraussetze, viel Kopfzerbrechen machten.

[ 2 ] Es wird sich eine Linie finden von gewissen größeren Gesichtspunkten in der Geistesentwickelung des 19. Jahrhunderts zu diesen Dingen, die uns jetzt selber treffen. Ich werde allerdings gerade heute gezwungen sein, weit auszuholen, und ich bitte Sie, die verschiedenen Mitteilungen, die ich zu machen habe, für sich selbst gleich von Anfang an mit einer gewissen Vorsicht zu behandeln, aus dem einfachen Grunde, weil die Dinge immerhin Mitteilungen betreffen, welche naturgemäß, wie Sie sehen werden, nur ganz wenigen Menschen in der Gegenwart bekanntwerden können. Später wird es sich schon ergeben, daß Sie die völligen Belege finden können.

[ 3 ] Vor allen Dingen gehen wir noch einmal von dem einen Punkte aus, daß im 19. Jahrhundert die Zeit war, wo der Materialismus als Weltanschauung im naturgemäßen Gange des Menschheitsfortschrittes heraufkam; daß um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Zeit war, wo die ganze Menschheit gewissermaßen geprüft werden sollte durch das Heraufkommen des Materialismus. Der Materialismus sollte wie eine Circe verführerisch an dem Horizont der Weltanschauung dastehen, und es sollten die menschlichen Neigungen, die menschlichen Gefühle und Empfindungen eine solche Gestalt annehmen, daß die Menschen gleichsam in den Materialismus verliebt wurden. Man kann wirklich sagen, die Menschen des 19. Jahrhunderts wurden in den Materialismus verliebt.

[ 4 ] Auf der anderen Seite haben wir gesehen, welche große Lobrede auf den Materialismus zu halten ist. Wir haben zeigen müssen, daß der Materialismus als Methode gerade die großen Errungenschaften der Naturwissenschaft gebracht hat. Diese großen Errungenschaften der Naturwissenschaft mit all ihren technischen, ökonomischen und sozialen Erfolgen hätten nicht eintreten können, wenn nicht die menschlichen Seelenfähigkeiten geschaffen worden wären für die materialistische Art der Weltbetrachtung. Es kamen zwei Dinge zusammen. Auf der einen Seite mußte der Gang der Menschheitsentwickelung ablaufen und bis zu dem Punkte hingehen, wo sich in der Naturbetrachtung eine materialistische Interpretation ergeben mußte, wenn man weiter ging. Gerade die ehrlichen Leute mußten auf den Materialismus kommen, wenn sie gewisse Forschungswege, die die Naturwissenschaft eingeschlagen hatte, fortsetzten. Denn der Materialismus war gut, gut als Forschungsmerhode für die Beobachtung der Geheimnisse der sinnlichen Welt. Das war das eine, das sich ergab. Das andere war, daß sozusagen das Herz, die Seele der Menschen so gestimmt wurde, daß man den Materialismus gern hatte, so daß nach ihm alles hindrängte. Alles kam also zusammen, um die Menschen gewissermaßen durch eine materialistische Weltanschauung zu prüfen.

[ 5 ] Nun habe ich Ihnen schon gesagt, daß diejenigen unter den Okkultisten, die gewissermaßen die Verantwortung haben dafür, daß die Menschheit nicht vollständig in den Materialismus versinkt, den Versuch machten mit dem Mediumismus, und ich habe Ihnen auch gezeigt, daß der Mediumismus auf Abwege geführt hat. Einen der wichtigsten Abwege habe ich schon angedeutet. Ich habe gesagt, es war so merkwürdig, daß die Medien überall vorgaben, Kunde, Offenbarungen geben zu können aus dem Reiche der Toten heraus, aus dem Reiche, in dem die Menschen leben nach dem Tode. Nun, das Merkwürdigste war ferner, neben alledem, was ich schon ausgesprochen habe, daß diese Bekundungen, welche durch Medien kamen und angeblich aus dem Reiche der Toten stammten, überall eine starke tendenziöse Färbung zeigten. Sie können all die Bekundungen durchgehen und Sie werden finden, daß überall eine stark tendenziöse Färbung in diesen Kundgebungen der Medien vorhanden ist, gerade was das Leben der Seele nach dem Tode betrifft.

[ 6 ] An wichtigen Orten, wo man sich der Medien bediente, kamen solche Kundgebungen, über welche die alten Esoteriker, also diejenigen, die gewisse okkulte Wahrheiten nicht an die Öffentlichkeit geben wollten, im höchsten Grade betroffen waren. Den Grund, warum sie betroffen sein konnten, kann ich Ihnen mit folgenden Worten auseinandersetzen.

[ 7 ] Lesen Sie nach, um sich die Sache ganz klarzumachen, den Vortragszyklus, den ich vor einiger Zeit in Wien gehalten habe: «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt.» Darinnen stehen sehr wichtige Dinge, die dann herauskommen, wenn man sich in regelmäßiger Weise dem Reiche der Toten nähert, wenn man sich gewissermaßen in die Lage versetzt, daß die Toten zu einem sprechen können.

[ 8 ] Aber an sehr vielen Orten, an denen man sich der Medien bediente, kamen ganz andere Offenbarungen. Und vor allen Dingen werden Sie, wenn Sie die Literatur verfolgen, die aufgehäuft worden ist aus den Kundgebungen der verschiedenen Medien, darauf kommen, daß durch die mannigfaltigsten Medien, namentlich dort, wo diese Medien von den Seelen der Lebendigen geleitet worden sind, die Sachen ganz tendenziös gefärbt worden sind. Es kamen da Beschreibungen über das Leben nach dem Tode, die, wenn Sie sie vergleichen mit dem, was in dem Vortragszyklus über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt steht, ganz falsch sind. Sie werden dann auch sehen, daß die Tendenz in den verschiedenen Medien war, nichts aufkommen zu lassen darüber, daß es wiederholte Erdenleben gibt. Die Medien schilderten überall, wo sie vorgaben, daß die Toten zu ihnen sprächen, das Leben nach dem Tode so, daß daraus hervorging: es könne nicht wiederholte Erdenleben geben. Die Tendenz liegt einmal in der Entwickelung des Mediumismus, gerade in seinen wichtigsten Punkten, falsche Angaben zu machen über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und zwar solche Angaben zu machen, welche geradezu die sogenannte Reinkarnation ausschließen. Man wollte also durch Medien so sprechen. Das heißt, gewisse Leute, welche eben diese Tendenz verfolgen vermöge ihrer Sonderrichtung, wollten durch die Medien solche Offenbarungen in die Öffentlichkeit kommen lassen, welche darauf hindeuten, daß es keine wiederholten Erdenleben gibt. Man wollte also die Lehre von den wiederholten Erdenleben durch die Medien bekämpfen. Das war eine sehr auffällige Tatsache, eine Tatsache, vor der die am weitesten nach rechts stehenden Okkultisten am allermeisten erschrecken konnten, da sie mit heraufbeschworen hatten den ganzen Mediumismus und dasjenige, was der Mediumismus anrichtete, der im Dienste einer Tendenz war und nicht im Dienste der unbefangenen Wahrheit.

[ 9 ] Alle diese Dinge konnten gemacht werden, weil die genugsam charakterisierte starke Tendenz nach dem Materialismus vorhanden war. Es war eben die starke Tendenz der Menschen nach dem Materialismus da. Nun ist mit keiner Art des Materialismus als Weltanschauung vereinbar dasjenige, was als geistige Forschungsmethode in dem Zyklus steht von dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Aber man kann in seiner Denkweise Materialist sein und das glauben, was die verschiedenen Medien über das Leben nach dem Tode gesagt haben. Denn das ist im Grunde genommen nur eine Art verbrämter Materialismus, der sich schämt, Materialismus zu sein und deshalb Medien gebraucht, um etwas von der geistigen Welt zu erfahren. Mit dem Materialismus also mußte gerechnet werden, und am besten kamen dabei diejenigen fort, die wirklich mit dem Materialismus rechneten.

[ 10 ] Nun kommt zu alledem etwas anderes hinzu. Im Laufe des 19. Jahrhunderts war eine große Verwirrung entstanden, selbst bei denen, die über die geistigen Welten etwas wußten, über eine gewisse Sache, über welche, wenn überhaupt eine spirituelle Bewegung weitergehen soll, es im höchsten Grade notwendig ist, daß Klarheit geschaffen werde. Die Verwirrung war die, daß man fortwährend zusammenwarf Ahriman und Luzifer. Unterscheiden konnte man sie nicht mehr. Man hatte ein böses Prinzip und den Repräsentanten des Bösen, aber in scharfer Weise unterscheiden wollte und konnte man nicht. Erinnern Sie sich nur an das, was ich zu Ostern auseinandergesetzt habe: wie Goethe selbst nicht mehr imstande war, eine Trennung zu machen zwischen Ahriman, den er Mephistopheles nannte, und Luzifer. Sie sind nicht zu unterscheiden, da Mephistopheles in der Goetheschen Darstellung ein Gemisch, ein Mittelding ist zwischen Ahriman und Luzifer. Die Menschen hatten im Laufe des 19. Jahrhunderts nicht die Anlage, zu unterscheiden zwischen den Repräsentanten der geistigen Strömungen, zwischen Ahriman und Luzifer. Ich werde heute nur mitteilungsweise einiges zu sagen haben, später werde ich es weiter ausführen können, und dann werden sich auch die Belege ergeben.

[ 11 ] Nun hängt vieles davon ab, wenn es sich darum handelt, Klarheit zu gewinnen über die geistige Welt, daß man richtig unterscheiden kann zwischen Ahriman und Luzifer. Deshalb muß diese strenge Unterscheidung gemacht werden, die selbst unserer figürlichen Darstellung zugrunde liegt, wo Sie die beiden Mächte dargestellt finden: sowohl Ahriman wie Luzifer. Davon hängt also sehr viel ab, daß man diese beiden Mächte, Ahriman und Luzifer, gut zu unterscheiden weiß. Weiß man sie nicht gut zu unterscheiden, so führt das eine eigentümliche Art der Verwirrung in der Geisteswissenschaft herbei. Diese ist so zu charakterisieren: fortwährend ist, wenn man sie so durcheinanderwirft, wie das Goethe in dem Kuddelmuddel mit Ahriman und Luzifer im Mephistopheles getan hat, die Gefahr vorhanden, daß einem Ahriman immerfort in der Form des Luzifer kommt. Man weiß da nicht recht, mit wem man es zu tun hat. Man weiß nicht, ob man es mit Ahriman zu tun hat oder mit Luzifer in der Form des Ahriman. Ahriman will uns anlügen, anlügen durch die materialistische Weltanschauung. Aber die materialistische Weltanschauung würde nicht so zu der gestern angeführten Konsequenz führen, wenn man nur weit genug ginge und sich am Faden des Denkens hielte. Ohne dieses weitgehende Denken kann man mit dem Materialismus nicht zu Rande kommen. Wenn man sie aber durcheinandermischt, Ahriman und Luzifer, zu einem Kuddelmuddel, dann geschieht es, daß man das, was einen als ahrimanisches Bild, als ahrimanische Welt anlügt, annimmt, weil Luzifer dem Ahriman zu Hilfe kommt, und man dann eine gewisse Sehnsucht bekommt, gewisse Irrtümer als Wahrheiten hinzunehmen.

[ 12 ] Diese merkwürdige Tatsache hat sich im höchsten Grade herausgebildet: Irrtümer, die eigentlich nur im Zeitalter des Materialismus blühen konnten — man könnte sagen, im Zeitalter der Verführung durch Ahriman -, dadurch hinzunehmen, daß Luzifer von innen heraus hilft. Ahriman mischt sich in die Auffassung der äußerlichen Erscheinungen und lügt einen darüber an. Aber man würde hinter seine Schliche kommen, wenn nicht im eigenen Inneren Luzifer gewisse Sehnsuchten erweckte, gerade solche materialistische Vorstellungen in der Weltanschauung aufzupeitschen.

[ 13 ] Nun, das war eine Situation, die einmal da war im Laufe des 19. Jahrhunderts. Die Menschen waren in dieser Lage, und derjenige, der es wollte, konnte diese Situation zu seinem Nutzen ausbeuten. Es konnte also irgend jemand, der die Sache durchschaute, kommen und irgendeine einseitige Tendenz entwickeln, also irgendeinen linken Pfad entwickeln. Er hätte es nicht so gut gekonnt, wenn nicht im 19. Jahrhundert die Menschheit in der Situation gewesen wäre, leicht durch den Kuddelmuddel von Ahriman und Luzifer verführt und versucht zu werden.

[ 14 ] So konnte es kommen, daß eigentlich ganz materialistisch angelegte Naturen in ihrer Weltanschauung gewissermaßen genug Luziferisches in sich hatten, um nun doch an den Materialismus nicht zu glauben, sondern innerhalb des Materialismus nach einer spirituellen Weltanschauung zu suchen. Denken Sie sich, es konnte der Typus eines Menschen im 19. Jahrhundert entstehen von der Art, daß der Kopf ganz materialistisch veranlagt ist, daß der Mensch gänzlich materialistisch denkt, daß aber das Herz sich sehnt nach dem Spirituellen. Wo das der Fall ist, da wird der Betreffende im Materiellen das Spirituelle suchen, und er wird dem Spirituellen selber eine materialistische Gestalt zu geben bemüht sein.

[ 15 ] Steht nun vielleicht hinter einer solchen Persönlichkeit irgendeine Individualität, die das Ganze durchschaut, so hat diese Individualität mit einer solchen Persönlichkeit ein ganz besonders leichtes Spiel. Denn diese Individualität kann dann, wenn sie ein Interesse daran hat, diesen Menschen so präparieren, daß er die anderen Menschen dazu verführt, das Spirituelle auf materielle Art zu sehen, und es gelingen dann solche Dinge, die darauf berechnet sind, die Menschen hinter das Licht zu führen. Das gelingt am besten, wenn es an der richtigen Stelle gemacht wird, wenn man Dinge, die richtig sind, den Menschen überliefert, ihnen die Pforte öffnet zu Dingen, nach denen sie sich sehnen. Man konnte so an die Menschheit heranbringen gewisse spirituelle Wahrheiten und man konnte eine einseitige Tendenz in einer gewissen Richtung erreichen, indem man auf der einen Seite eine gewisse Anzahl von Wahrheiten gab mit materialistischer Färbung, aber doch Wahrheiten gab und nun auf der anderen Seite an einer Stelle etwas hineinmischte, was ganz besonders in den Irrtum führen mußte, aber nicht so leicht bemerkt werden konnte, also ganz besonders in den Irrtum führen mußte.

[ 16 ] Sehen Sie, eine solche Sache ist geschehen bei der Abfassung des Sinnettschen «Geheimbuddhismus». Dieses Buch hat zum Verfasser $innett. Hinter ihm ist aber derjenige, den er seinen Inspirator nennt, und den wir kennen als die spätere Maske einer Mahatma-Individualiität. Sinnett war Journalist, war also in den materialistischen Tendenzen des 19. Jahrhunderts ganz darinnen, man hat es also mit einer Persönlichkeit zu tun, deren Kopf ganz materialistisch veranlagt war, aber die Sehnsucht nach einer geistigen Welt war auch in ihm. Er hatte also die beste Anlage, die geistige Welt in der Form des Materialismus zu suchen, und so konnte es kommen, daß diejenige Individualität, die ein Interesse hatte, gerade den Materialismus auf spirituelle Art zu benutzen, um Sonderzwecke zu erreichen, leichtes Spiel hatte, in dem Sinnettschen «Geheimbuddhismus» eine scheinbar spirituelle Lehre mit einer ganz eminent materialistischen Tendenz zu entfalten,

[ 17 ] Nun können Sie sagen: Aber der Sinnettsche «Geheimbuddhismus» ist doch nicht eine materialistische Lehre! - Daß man das nicht bemerkt, das ist es ja gerade, worauf es ankommt! Daß die Sache so verbrämt und so verborgen ist, das ist es eben, worauf es ankommt und was man nur verstehen kann, wenn man die Voraussetzungen macht, die ich soeben gemacht habe. Natürlich, die Gliederung des Menschen, die Lehre von Karma und Reinkarnation, das sind Dinge, die Wahrheiten sind. Aber nun ist eine innige Verbindung der materialistischen Sache mit all diesen Wahrheiten vorhanden. Eine Verbindung der wirklichen spirituellen Anschauung mit einer im eminentesten Sinne materialistischen Sache ist in dem Sinnettschen Buche «Der Geheimbuddhismus» vorhanden, die aber nicht leicht bemerkt werden konnte, weil kaum ein Mensch da war, der in der richtigen Weise sehen konnte, daß da mitten hinein in eine spirituelle Lehre etwas absolut Materialistisches geflossen war. Etwas, was materialistisch war, nicht bloß vor dem äußeren menschlichen Verstande, sondern was auch materialistisch ist gegenüber der spirituellen Weltanschauung, gegenüber dem, was von der spirituellen Anschauung als Spirituelles durchschaut werden kann: das ist die Lehre, die im «Geheimbuddhismus» über die achte Sphäre gegeben ist.

[ 18 ] Es sind also Lehren, die einen hohen Grad von Richtigkeit haben und in die hineinverwoben ist als ein eminent materialistischer Trug diese Lehre von der achten Sphäre. Und zwar gipfelt diese Lehre in der Behauptung, daß die achte Sphäre der Mond sei. Diese Behauptung findet sich im Sinnettschen «Geheimbuddhismus». Sie wissen, gerade durch die journalistischen Qualitäten, durch die gute Art, wie der Sinnettsche «Geheimbuddhismus» geschrieben ist, hat er ungeheuer weite Kreise gezogen und viele Herzen erobert. Die haben nun aufgenommen nicht die eigentliche Lehre von der achten Sphäre, sondern die sonderbare Behauptung, die Sinnett macht: daß der Mond die achte Sphäre sei.

[ 19 ] Nun lag dieser Sinnettsche «Geheimbuddhismus» vor. Wir wissen, daß er verfaßt worden ist in der Zeit, in der schon Blavatsky nach all den Vorgängen, die ich Ihnen beschrieben habe, in die einseitige Richtung der indischen Okkultisten getrieben war, jener linksstehenden Okkultisten, die ihre Sonderzwecke hatten. Daher tritt in dem «Geheimbuddhismus» die Gliederung des Menschen, die Lehre von Karma und Reinkarnation auf. Also er ist so verfaßt, im Gegensatz zu denjenigen, die die Lehre von der Reinkarnation wollten verschwinden lassen. Sie sehen daraus auch die Stärke des Kampfes.

[ 20 ] Sie, Blavatsky, stand in Verbindung mit amerikanischen Spiritualisten, welche die Lehre der Wiederverkörperung verschwinden lassen wollten. Der Mediumismus war das Mittel, und man nahm daher diese mediumistischen Formen an. Da sie rebellierte, wurde sie hinausgetrieben und kam immer mehr und mehr in die Hände der Inder. Sie wurde den Indern in die Hände getrieben. Von da versuchte man eine entgegengesetzte Strömung, und, man könnte sagen, es kam zu einem Kampf zwischen dem Amerikanismus und dem Indeanismus in bezug auf den Okkultismus. Auf der einen Seite hatte man die absolute Tendenz, die Lehre von den wiederholten Erdenleben verschwinden zu lassen und auf der anderen Seite hatte man die Tendenz, diese Lehre in die Welt zu bringen, aber so, daß man den materialistischen Neigungen des 19. Jahrhunderts Rechnung trug.

[ 21 ] Das konnte getan werden, wenn man die Lehre von der achten Sphäre so präparierte, wie sie in dem Sinnettschen «Geheimbuddhismus» präpariert ist. Andererseits gibt es eine gewisse Anzahl von Tatsachen, die vielleicht doch so wichtig sind, um sie wenigstens anzudeuten, weil ich Sie mit diesen Bemerkungen nicht erschrecken, sondern aufklären will über den geistigen Gesichtspunkt, auf dem wir stehen.

[ 22 ] Dadurch, daß der Sinnettsche «Geheimbuddhismus» so verfaßt war, daß die präparierte Lehre von der achten Sphäre in ihm enthalten war, waren zwei Schwierigkeiten entstanden. Die eine Schwierigkeit war die, welche H.P.Blavatsky selber geschaffen hat. Sie wußte, daß das falsch war, was Sinnett da geschrieben hatte. Auf der anderen Seite aber war sie in den Händen derjenigen, welche wollten, daß die falsche Lehre in die Menschheit kommen sollte. Daher hat sie versucht — Sie können das nachlesen in ihrer «Geheimlehre» -, gerade diese Anschauung über die achte Sphäre und was damit zusammenhängt, in einer gewissen Weise zu korrigieren. Aber sie hat es in einer Weise gemacht, daß sich die Menschen erst recht nicht auskannten, und so ist eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Siinnettschen «Geheimbuddhismus» und der Blavatskyschen «Geheimlehre» entstanden. Blavatsky hat in einer Weise korrigiert, die erst recht darauf ausging, die einseitige Tendenz der linksstehenden indischen Okkultisten zu unterstützen. Sie hat nämlich in einer ganz eigenartigen Weise versucht — wir werden das noch bemerken —, etwas mehr von der Wahrheit gegenüber dem Irrtum durchleuchten zu lassen. Sie mußte daher wieder ein Gegengewicht schaffen. Denn vom Standpunkte der indischen Okkultisten wäre es sehr gefährlich gewesen, die Wahrheit so an den Tag kommen zu lassen.

[ 23 ] Um dieses Gegengewicht zu schaffen - wir werden es nach und nach verstehen -, hat sie einen besonderen Weg eingeschlagen. Dadurch hat sie das Gegengewicht geschaffen, daß sie sich auf der einen Seite der Wahrheit der achten Sphäre mehr genähert hat als Sinnett. Aber auf der anderen Seite hat sie in der «Geheimlehre» ein wüstes Geschimpfe erhoben über alles, was Judentum und Christentum ist, und diese in eine gewisse Lehre über die Natur des Jahve getaucht. Dadurch versuchte sie das, was sie auf der einen Seite gutgemacht hat, auf der anderen Seite wieder auszugleichen, so daß der indischen Strömung des Okkultismus nicht zu viel Leid geschehen konnte. Sie wußte, daß solche Wahrheiten nicht theoretisch, nicht ohne Wirkung bleiben wie andere Theorien, die sich auf den physischen Plan beziehen. Diese Theorien gehen in das allgemeine Leben der Seele hinein und färben die Empfindungen und Gefühle. Darauf waren sie ja berechnet, die Seelen in eine gewisse Richtung zu bringen. Das ist so, wie wenn man eine unentwirrbare Irrtumsinsel da drinnen hätte.

[ 24 ] Selbstverständlich wußte H.P.Blavatsky nicht, daß die treibenden Kräfte, die hinter den beiden standen, ein Interesse daran hatten, einen Sonderzweck, diese besondere Art des Irrtums zu pflegen statt der Wahrheit; eine solche Art des Irrtums zu pflegen, die günstig war der materialistischen Strömung des 19. Jahrhunderts, einen Irrtum, der nur in der Hochflut des Materialismus heraufkommen konnte. Das ist auf der einen Seite.

[ 25 ] Auf der anderen Seite hat selbst diese Sache einen großen Eindruck gemacht. Der Sinnettsche «Geheimbuddhismus» und in gewisser Weise auch die «Geheimlehre» von Blavatsky haben einen großen Eindruck gemacht namentlich auf diejenigen, die wirklich nach der geistigen Welt suchen wollten. Und das erschreckte wiederum ganz selbstverständlich diejenigen, die Grund hatten, darüber zu erschrecken, daß jemals eine solche orientalisch gefärbte okkulte Strömung Glück haben sollte.

[ 26 ] Nun gibt es eine ganze Anzahl höchst unverständiger Polemiken gegen H.P.Blavatsky, gegen Sinnett, gegen die theosophische Bewegung und so weiter. Aber unter den verschiedenen Polemiken, die aufgetreten sind im Laufe der Zeit gegen die theosophische Bewegung, sind auch solche, die von Kennern der Sache herrühren, aber von einseitigen Kennern der Sache. Das anglikanische Geistesleben hatte die Tendenz, möglichst wenig aufkommen zu lassen von dem Orientalisierenden, und möglichst wenig die Lehre von den wiederholten Erdenleben unter die Leute kommen zu lassen.

[ 27 ] Nun gehören zweifellos zu denjenigen, die sich unter dem Gesichtspunkte, daß da eine Gefahr für die christliche Kultur in Europa vorliege, den orientalischen Lehren entgegenstellten: christliche Esoteriker. Von diesem Gesichtspunkte aus haben sich europäische Okkultisten, esoterische Christen, die der hochkirchlichen Partei nahestanden, dagegen gewendet. Und von dieser Seite fanden dann Kundgebungen statt, die geeignet waren, zurückzustoßen, was als orientalische Strömung von H.P.Blavatsky und Sinnett ausging, aber auf der anderen Seite einen solchen Esoterismus in der Außenwelt zu pflegen, der geeignet war, insbesondere die Lehre von den wiederholten Erdenleben zu verhüllen. An die Form des Christentums, die man in Europa gewohnt war, eine gewisse Strömung anzugliedern, das war das Interesse dieser Gruppe, die nicht rechnen wollte mit der Lehre von den wiederholten Erdenleben, welche aber gegeben werden mußte. Da schlug man einen Weg ein, der ähnlich dem Sinnettschen Wege war.

[ 28 ] Nun muß ich wieder ausdrücklich bemerken, daß diejenigen, welche die entsprechenden Präparationen machten, wahrscheinlich nicht voll wußten, daß sie Werkzeuge waren der Individualität, die hinter ihnen stand. Geradeso wie Sinnett nichts wußte von der eigentlichen Tendenz derjenigen, die hinter ihm standen, so wußten auch jene, die der Hochkirche nahestanden, nicht viel von dem, was dahinter war. Aber sie wußten, daß das, was sie taten, auf die Okkultisten einen großen Eindruck machen mußte, und das bestimmte sie, die andere Richtung hochzubringen, die auslöschen will die Lehre von den wiederholten Erdenleben.

[ 29 ] Wenn wir nach diesen vorläufigen Mitteilungen hinschauen auf dasjenige, was den besonderen, bei Sinnett befindlichen Irrtum zum Ausdruck bringen soll, so sehen wir: es ist die Lehre, daß sich im Monde vorzugsweise die achte Sphäre kundgibt, daß der Mond mit seinen Einflüssen und seinen Wirkungen auf den Menschen die achte Sphäre bedeutet. In dieser Form ausgesprochen, ist das ein Irrtum. Darauf kommt esan. Wenn man die Einflüsse des Mondes untersuchen soll und ausgeht von der Sinnettschen Voraussetzung, so steht man in einem schweren Irrtum, der aus der materialistischen Anschauung heraus kommt und den man nicht ohne weiteres durchschauen kann. Was war notwendig, wenn man die Wahrheit pflegen wollte? Es war notwendig, auf den wahren Tatbestand bezüglich des Mondes hinzuweisen gegenüber der irrtümlichen Darstellung, die man in dem Sinnettschen «Geheimbuddhismus» finder.

[ 30 ] Nun lesen Sie einmal meine «Geheimwissenschaft im Umriß» durch. Ich hatte die Aufgabe, zu schildern, wie der Mond herausgetrieben wird aus der Erde. Ich habe einen besonderen Wert darauf gelegt, dieses Herausgehen des Mondes ganz besonders deutlich zu schildern. Es mußte hier gegenüber dem Irrtume einmal auf die Wahrheit hingedeutet werden. Es war also gegenüber der indischen Strömung notwendig, die Funktion des Mondes in der Erdenentwickelung klar zu beschreiben. Das war das eine, was geschehen mußte in meiner «Geheimwissenschaft».

[ 31 ] Das andere, was geschehen mußte, wird sich Ihnen ergeben, wenn Sie ins Auge fassen, wie nun die zuletzt angedeuteten Menschen auftraten, die auch unter einer gewissen Führung standen, und die nicht wollten, daß die Lehre von den wiederholten Erdenleben, von der sie meinten, daß sie die Form des Christentums, wie sie sie gewohnt sind in Europa und Amerika, verändere, als eine Wahrheit unter die Menschen käme. Die haben einen besonderen Weg eingeschlagen. Diesen Weg können wir deutlich studieren, wenn wir uns vorstellen, wie diese Okkultisten ans Werk gegangen sind, ihrerseits den Sinnettschen «Geheimbuddhismus» zu widerlegen. Solche der Hochkirche nahestehenden Okkultisten haben sich vorgenommen, den Sinnettschen «Geheimbuddhismus» und die «Geheimlehre» von Blavatsky zu widerlegen.

[ 32 ] Gegenüber dem, was in dem Sinnettschen Buche über die achte Sphäre steht, ist eigentlich sehr viel Gutes geschehen, denn es ist scharf darauf hingewiesen worden von dieser Seite, daß die Andeutungen über die achte Sphäre und über den Mond bei Sinnett falsch sind. Gleichzeitig ist aber das verbunden worden mit einer anderen Lehre: Es ist nämlich von dieser Seite her gesagt worden, daß der Mensch nicht so verbunden sei mit dem Monde, wie Sinnett es sagte, sondern in einer anderen Weise. Diese andere Weise ist dort zwar nicht ausgesprochen worden, aber man sah, daß diese Leute etwas durchschaut hatten von der Art des Herausgehens des Mondes, wie ich es in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe. Aber nun betonten diese Leute besonders stark das Folgende. Sie sagten: Die Erde war niemals in Verbindung — namentlich der Mensch nicht — mit den anderen Planeten des Sonnensystems, so daß der Mensch niemals auf dem Merkur, der Venus, dem Mars oder Jupiter hätte leben können. — Von dieser Seite wurde also scharf betont, daß ein Zusammenhang zwischen dem Menschen und den anderen Planeten des Sonnensystems nicht besteht. Dies aber ist der beste Weg, wieder einen anderen Irrtum in die Welt zu setzen und die größte Finsternis auszubreiten über die Reinkarnationslehre. Der andere Irrtum, der Irrtum des Mr. Sinnett, fordert sogar in einer gewissen Weise die Reinkarnationslehre, aber in materialistischer Auffassung. Dieser Irrtum aber, der darin besteht, daß man sagt, der Mensch hätte nie etwas zu tun gehabt während seiner Erdenentwickelung mit Merkur, Venus, Mars, Jupiter und so weiter, dieser Irrtum war nicht von denen, die ihn publiziert haben, verbreitet worden, sondern von denen, die dahinterstanden. Die wirkten auf die Menschenseelen so ein, daß diese Menschenseelen niemals eigentlich an die Reinkarnation im Ernste glauben können. Daher wurde von dieser Seite scharf betont, der Mensch habe niemals mit etwas anderem als mit der Erde zu tun gehabt, und niemals etwas zu tun gehabt mit den Planeten unseres Sonnensystems.

[ 33 ] Wenn wir den Menschen nun nehmen, wie er ist zwischen der Geburt und dem Tode, so können Sie sich denken, daß der Mensch in bezug auf die Evolution unter der Wirkung der Geister der Form steht. Das ist auch in der «Geheimwissenschaft» dargestellt. Wenn Sie aber dann dazunehmen das Leben vom Tode bis zur nächsten Geburt, dann muß etwas Wesentliches in Betracht gezogen werden. Nämlich, daß die Wirkungssphäre dieser Geister der Form gewissermaßen in sieben Abteilungen zerfällt, und von diesen sieben Abteilungen ist eigentlich Jahve nur eine Abteilung zugeteilt, und die betrifft vorzugsweise das Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Die sechs anderen lenken das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

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[ 34 ] Das kann man nur finden, wenn man das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verfolgt. Ebenso wie Jahve es zu tun hat mit der Erde und sogar das Opfer gebracht hat, nach dem Monde zu gehen, um von da aus gewisse Dinge in der Erdenentwickelung zu paralysieren, ebenso haben die anderen Formgeister mit den anderen Planeten zu tun. Das aber muß verhüllt, verheimlicht werden, wenn man den Menschen die Anschauung von den wiederholten Erdenleben nicht beibringen will; und man muß dieses Verheimlichen in concreto tun, man muß es so tun, daß die Menschen nicht aufmerksam werden auf dieses Geheimnis, das ich eben angeführt habe. Denn, werden sie abgelenkt von einer wahren Betrachtung des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dann werden sie dahin gelangen, daß sie ohne dieses Geheimnis das Leben zwischen der Geburt und dem Tode nehmen und sich von Medien erzählen lassen, als ob da ein Wesen wäre, das nur dieses Erdenleben so fortsetzte.

[ 35 ] In all den Dingen, die auf diesem Feld geschehen, ist ungeheuer viel Berechnung. Denn selbstverständlich weiß der Okkultist, der so etwas unternimmt, wenn er dem linken Pfade angehört, in welche Richtung er die Gedanken bringen muß, um auch die Gefühle in diese Richtung zu bringen und die Menschen abzulenken von gewissen Geheimnissen, damit sie nicht herauskommen.

[ 36 ] Das geschah von dieser Seite aus, und Sie können das in der Literatur verfolgen. Sie werden da oft die Behauptung finden, daß der Mensch nichts zu tun habe mit den anderen Planeten unseres Sonnensystems, wohinter aber das steckt: nichts mit den leitenden Geistern dieser Planeten unseres Sonnensystems. Das war von dieser Seite scharf betont worden, damit man niemals solche Begriffe ausbilde, die einen auf das Plausible der Reinkarnationslehre führen. Und das, sehen Sie, war jetzt die andere Aufgabe: nach dieser Seite hin die Wahrheit gegenüber dem Irrtum darzustellen. Lesen Sie die «Geheimwissenschaft im Umriß» nach, so werden Sie finden, daß diese Sache auch wieder scharf herausgeholt ist: wie der Mensch von der Erde weggehen muß, um einen Teil seines Lebens auf anderen Planeten zuzubringen. In der «Geheimwissenschaft» ist das scharf herausgearbeitet: einerseits die Beziehung zum Monde und auf der anderen Seite die Beziehung zu den anderen Planeten.

[ 37 ] Man kann das, was diese Leute erreichen wollten, kurz so bezeichnen: Es wird wiederum die materialistische Zeitanschauung benützt, auch von diesen Leuten. Denn, denken Sie, wenn Sie die Sache so darstellen, wie ich es in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe, dann erteilen Sie in unserem Entwickelungsgange der Erde, dem Zusammenhang der anderen Planeten mit unserer Erde seine Aufgabe! Die anderen Planeten gehören auch zu der Entwickelung der Erde, sie gehören dazu. Für den Materialisten schwimmen die Planeten als bloße materielle Klötze im Raume herum. Auf ihre spirituelle Wesenheit mußte man zurückgehen, zurückgehen auf die Geister der Planeten, indem man die Funktionen, die sie für die spirituelle Menschheitsentwickelung haben, darstellt.

[ 38 ] So sehen Sie, wie man als spirituelle Bewegung gewissermaßen eingekeilt war zwischen zwei Richtungen, von denen die eine darauf ausging, die Wahrheit über den Mond zu entstellen, die andere darauf ausging, die Wahrheit über die Planeten zu entstellen. Das war die Situation. Diese Tatsachen lagen am Ende des 19. Jahrhunderts durchaus vor. H. P. Blavatsky mit Sinnett wollte die Wahrheit vom Monde entstellen, die anderen, die auch auf Entstellung ausgingen, wollten den Zusammenhang der Planeten mit der Erdenentwickelung entstellen. Glauben Sie nicht, daß es leicht ist, zwischen zwei solchen Strömungen eingekeilt zu sein; denn man hat es ja mit Okkultismus zu tun, und Okkultismus bedeutet, daß zum Erfassen seiner Wahrheiten eine größere Kraft notwendig ist als zum Erfassen der gewöhnlichen Wahrheiten des physischen Plans. Daher ist aber auch eine größere Kraft der Täuschung vorhanden, die zu durchschauen ist. Auf der einen Seite wird durch die Entstellung die Wahrheit über den Mond verdunkelt und auf der anderen Seite die Wahrheit über die Planeten. Das ist nicht leicht zu durchschauen, weil eine größere Gegenkraft notwendig ist, die man anwenden muß, um die Täuschung zu durchschauen. Man war also eingeklemmt zwischen zwei Irrtümern, die zugunsten des Materialismus gemacht worden sind. Einmal hatte man mit dem Materialismus, der von der orientalischen Seite ausging, zu rechnen, mit der Seite, die die Sache mit dem Mond gemacht hat, um die orientalische Lehre von der Wiederverkörperung hineinzubringen. Das mit der Wiederverkörperung war ja richtig; aber inwiefern man eine ganz starke Konzession an den Materialismus mit dem sogenannten «Geheimbuddhismus» gemacht hat, das werden wir noch sehen. Auf der anderen Seite wollte man eine besondere Form des katholischen Esoterizismus retten gegen den Ansturm der indischen Richtung, um dadurch erst recht im Materialismus all das Spirituelle verschwinden zu lassen, das sich auf die Entwickelung des ganzen Planetensystems bezieht. Dazwischen war eingekeilt dasjenige, was die Geisteswissenschaft zu tun hat. Dieser Situation stand man gegenüber. Überall waren starke Mächte im Spiel, die die eine oder die andere Strömung, wie ich sie charakterisiert habe, in Szene setzen wollten.

[ 39 ] Nun handelt es sich darum, zu zeigen, wie diese entstellende Lehre über den Mond eine ganz besondere Konzession ist an den Materialismus, und wie dann die Korrektur, welche H. P. Blavatsky anbrachte, die Sache förmlich noch schlimmer machte, weil sie auf der einen Seite mit einem großen okkultistischen Talent — was Sinnett nicht hatte — die Mitteilungen von Sinnett korrigierte, auf der anderen Seite sich aber besonderer Mittel bediente, die den Irrtum erst recht konservieren konnten.

[ 40 ] Zunächst handelt es sich darum, einzusehen, inwiefern die Sinnettsche Lehre von der achten Sphäre ein Irrtum ist. Da müssen Sie sich halten an die richtiggestellte Lehre von der Evolution der Erde in ihrer Ganzheit, also an die Lehre vom Durchgange durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung und dann durch die Erdenentwickelung. Da müssen Sie sich erinnern, daß der alte Mond in wesentlich anderer Weise zusammengesetzt war als die Erde. Das eigentliche mineralische Reich ist erst während der Erdenzeit hinzugekommen, und das, was die sinnliche Welt des physischen Planes ausmacht, ist ganz imprägniert von dem Mineralischen. Sie sehen nichts anderes in dem Pflanzen-, Tier- und Menschenreich als das, was in sie eingeprägt ist als Mineralisches. Ihr ganzer Körper ist vom Mineralischen durchsetzt. Das, was nicht mineralisch ist, das Mondhafte, das Sonnenhafte, das ist nur okkult darinnen. Man sieht nur das Mineralische, das Erdenhafte. Das ist festzuhalten, wenn man von dem, was der Mensch jetzt auf der Erde ist, ausgeht und die Frage beantworten wollte: Was ist im Menschen das Erbteil vom alten Monde?

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[ 41 ] Sie sehen, wir haben die ganze Betrachtung schon lange vorbereitet. Da müssen wir nun sagen: In diesem Menschen steckt schon der alte Mondenmensch, aber so, daß wir uns in ihm nichts Mineralisches vorstellen dürfen. Also, wenn Sie den Erdenmenschen ins Auge fassen, so daß Sie nur seinen mineralischen Einschlag sehen, so müssen Sie sich darinnen den Mondenmenschen vorstellen. Aber dieser Mondenmensch hat nichts Mineralisches, man kann ihn daher nicht mit physischen Augen sehen. Hinter ihn kann man nur kommen, wenn man ihn mit dem geistigen Auge sieht. Ich könnte es vielleicht besser so zeichnen, daß ich den Mondenmenschen noch hineinschraffierte. Gewissen Gliedern liegt eine Mondgestalt zugrunde. Die ist da drinnen, aber das wird nur einem hellseherischen Blicke klar. Selbstverständlich war dasjenige, was da drinnen ist, auf dem alten Monde da. Aber erinnern Sie sich doch nur, wie das gesehen wurde auf dem alten Monde: es wurde durch imaginative Erkenntnis gesehen. Es waren wogende, wallende Bilder. Die finden Sie auch heute noch; aber sie mußten — wenigstens dazumal — mit atavistischem Hellsehen angeschaut werden. Der alte Mondmensch konnte nur mit atavistischem Hellsehen erfaßt werden. Dazumal war dies das normale Schauen. Schließlich kann auch alles dasjenige, was mit dieser alten Mondenentwickelung zusammenhängt, nur in Imaginationen, im alten visionären Hellsehen angeschaut werden. Aus der mineralischen Erde kann der Mondmensch nimmermehr herausgebildet werden, er kann nur aus dem im imaginativen Hellsehen erfaßbaren Monde herausgebildet werden. So müssen wir uns auch für die alte Mondenzeit vorstellen, daß die ganze Umgebung — so wie unsere Umgebung, also Pflanzen, Tiere, Flüsse, Berge, für das physische Auge sichtbar ist — für das imaginative Hellsehen der Mondenmenschen sichtbar war.

[ 42 ] Nun wissen wir ja, daß die Kräfte, die in diesem alten Monde liegen, wieder auftreten, sich in der Erdenentwickelung wiederholen und wieder auftreten müssen. Die Erdenentwickelung hätte aber ersterben müssen, wie ich es gezeigt habe in der «Geheimwissenschaft», wenn nicht diese Mondenkräfte später herausentwickelt worden wären. Innerhalb der Erdenkräfte konnten sie sich nicht halten. Und warum nicht? Bedenken Sie doch, daß der ganze Erdenplanet das mineralische Reich aufnehmen mußte; der Erdenplanet mußte sich sozusagen mineralisieren. In der Zeit, in welcher der Mond auf der Erde war, da war die Mondkraft noch darinnen. Diese mußte aber heraus, und so mußte der Mond für sich sich absondern von der Erde. Das habe ich alles in der «Geheimwissenschaft» dargestellt. Er mußte heraus, weil er innerhalb der mineralisierten Erde nicht hätte bestehen können, das heißt, die Menschen hätten sich nicht so entwickeln können, wie sie sich entwickelt haben. Aber denken Sie genau: ich habe Ihnen gesagt, dieser Mond ist nur durch imaginatives Hellsehen erreichbar. Wenn Sie also sich den Menschen denken, wie er sich als Erdenmensch heranentwikkelte und dazu veranlagt wurde, mit physischen Sinnen wahrzunehmen, so werden Sie verstehen, daß er niemals das Hinausgehen des Mondes hätte sehen können. Das Herausgehen des Mondes und auch das Draußenstehen desselben würde nur hellseherisch erfaßbar gewesen sein. Es war die Veranlagung des Menschen so, daß man den ganzen Mond, so wie er sich herausbewegte, nur hellseherisch hätte sehen können, und daß die Wirkungen, die dann von ihm ausgegangen wären, nur solche hätten sein können, welche alte Mondenwirkungen waren, welche auf den Menschen so wirkten, daß sie unter anderem das imaginative Hellsehen in ihm hervorgerufen hätten.

[ 43 ] Denken Sie sich einmal, vor welcher Situation der Mensch damals stand! Er stand vor der Situation, daß der «Mensch» entstehen konnte, daß die Seele von den Planeten herunterkommen konnte und so weiter. Aber der Mond würde als Mond gewirkt haben, und er würde so gewirkt haben, daß die Kräfte, mit denen der Mensch hinunterstieg, dieselben Kräfte gewesen wären wie beim alten Monde, der der Erde vorangegangen ist. Niemals würde ein anderer Mensch diesen Mond gesehen haben als derjenige, der visionäres Hellsehen entwickelt hätte.

[ 44 ] Da ist dann als materielle Begleiterscheinung dieses Vorganges, dieses Herausgehens der Mondenkräfte, etwas anderes gekommen. Ich habe Ihnen die Beziehung, die Jahve zum Mond hat, schon auseinandergesetzt. Das ist geschehen, daß mit dieser Verbindung des Jahve mit dem Monde, der Mond auch materiell, mineralisch gemacht worden ist, aber mit einer viel derberen Materialität als die Erdenmaterialität ist. Es ist also das, was heute als physischer Mond gesehen werden kann und was voraussetzt, daß der Mond einen mineralischen Einschlag hat, auf die Tat des Jahve zurückzuführen; darauf zurückzuführen, daß zu dem alten Monde Stücke hinzugekommen sind, die von Jahve hineingetan wurden. Das ist das Jahve-Produkt.

[ 45 ] Dadurch aber sind auch die alten Mondkräfte paralysiert worden und wirken nun in einer ganz anderen Weise. Wäre der Mond unmineralisiert geblieben, dann hätten seine Kräfte so gewirkt, daß, wenn der Mond strahlte, er immer in den Menschen altes atavistisches Hellsehen hervorgerufen haben würde, oder daß er auf den Willen so gewirkt haben würde, daß die Menschen Schlafwandler in der ausgiebigsten Form geworden wären. Das ist paralysiert worden dadurch, daß der Mond auch mineralisiert worden ist. Jetzt können sich die alten Kräfte nicht mehr so entwickeln.

[ 46 ] Das ist eine sehr wichtige Wahrheit, eine ungeheuer wichtige Wahrheit, denn jetzt erkennen Sie, daß der Mond gerade mineralisiert werden mußte, damit er nicht mondhaft im alten Sinne wirkt. Wenn man also von dem Monde als Wiederholung des alten Mondes spricht, so muß man von einer Weltkugel sprechen, die nicht mit physischen Augen sichtbar ist, die die spirituelle Welt angeht, wenn auch nur die unterbewußte spirituelle Welt, die für das visionäre Hellsehen sichtbar ist. Man muß also von etwas Geistigem sprechen, wenn man von der Wiederholung des alten Mondes spricht. Und das, was im Monde mineralisch ist, das ist dem Geistigen hinzugefügt worden. Das gehört nicht dazu, wenn man vom Monde im alten Sinne spricht.

[ 47 ] Wie rechnete man nun mit dem Materialismus des 19. Jahrhunderts? Der glaubte einem ja nicht, daß hinter dem materiellen Monde gerade das wichtige Überbleibsel des alten, nicht mineralisierten Mondes noch steht. Das glaubte man einem ja nicht. Also machte man dem Materialismus eine Konzession. Man nahm nur den materialisierten physischen Mond. So hat Sinnett den Geist ausgelassen gerade beim Monde. Er hat nur gesagt — lesen Sie es nach im «Geheimbuddhismus»: Der Mond hat eine viel derbere Materialität als die Erde. - Die hat er auch, muß sie auch haben. Aber daß dahinter das Okkulte steht, das ich Ihnen andeutungsweise gesagt habe, hat er vollständig ausgelassen. Er hat also die Konzession gemacht, daß er nur von der Materialität des Mondes spricht. Da kommt aber nicht in Betracht das Geistige, das hinter dem Monde steht. Und das gehört nicht der Erde an, das steht dem alten Monde viel näher als der Erde.

[ 48 ] Dieser Tatbestand wurde vollständig verschleiert, und das ist von einer ganz enormen Konsequenz. Denn dadurch hat Sinnett eine richtige Sache — nämlich die, daß der Mond etwas zu tun hat mit der achten Sphäre - in ein ganz schiefes Licht gebracht und sie in einer ungeheuer schlauen Weise entstellt. Denn er hat ausgelassen den geistigen Teil des Mondes, das nämlich, daß die achte Sphäre, als deren Repräsentant der Mond hingestellt wird, dasjenige ist, was hinter dem Monde ist, und er hat das, was zur Korrektur gegeben worden ist, zur Paralysierung der achten Sphäre, als die achte Sphäre selbst angesprochen. Das Materielle ist da im Monde, um die achte Sphäre zu paralysieren, um sie unwirksam zu machen.

[ 49 ] Die Menschen übersehen, wie die achte Sphäre wirken würde, wenn man das Materielle herausnehmen würde aus dem Monde. Die ganze Natur der Menschenseele würde anders werden auf der Erde, und daß sie nicht anders ist, ist dem Umstande zu verdanken, daß eine gewisse derbere Materialität dem Monde einverleibt worden ist. Das, was die achte Sphäre unwirksam macht, die Materialität, nennt Sinnett die achte Sphäre, und das, was die achte Sphäre ist, die alten Mondenkräfte, das verdeckt er. Das ist ein im Okkultismus oft verwendeter Kniff: daß man etwas sagt, was im Grunde wahr ist, aber so sagt, daß es doch total falsch ist - verzeihen Sie den Widerspruch! Es ist falsch, zu sagen, das Materielle von dem Monde wäre die achte Sphäre, weil es gerade der Heiler ist der achten Sphäre. Aber es ist ganz richtig, daß der Mond die achte Sphäre ist, weil sie wirklich da oben im Monde ist, weil die achte Sphäre im Monde zentriert ist, weil sie darinnen lebt. Und jetzt sind wir so weit, daß wir in genauerer Weise als bisher sagen können, was die achte Sphäre wirklich ist, und was so innig zusammenhängt mit der geistigen Sphäre der Entwickelung des 19. Jahrhunderts.

[ 50 ] An diesem Punkte werde ich morgen fortfahren.