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The History and Circumstances
of the Anthroposophical Movement
in relation to the Anthroposophical Society
An Impulse Towards Self-reflection
GA 258

12 June 1923, Dornach

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Dritter Vortrag

Dritter Vortrag

[ 1 ] Indem ich den Hergang der gesellschaftlichen Vereinigungen schildern wollte, mit denen in einem gewissen, allerdings heute vielfach mißverstandenen Zusammenhang die Anthroposophische Gesellschaft steht, mußte ich gestern auf die Erscheinung der A. P. Blavatsky hinweisen. Ich habe schon versucht anzudeuten, wie sich diese Persönlichkeit in das Geistesleben vom Ende des 19. Jahrhunderts hineinstellte. Ich mußte auf diese Persönlichkeit aus dem Grunde zurückgreifen, weil immerhin zur Vereinigung von Menschen, die ich vorgestern unter dem Namen von heimatlosen Seelen zusammengefaßt habe, am Ende des 19. Jahrhunderts die Werke, die von Blavatsky herrühren, den Anstoß gegeben haben.

[ 1 ] Indem ich den Hergang der gesellschaftlichen Vereinigungen schildern wollte, mit denen in einem gewissen, allerdings heute vielfach mißverstandenen Zusammenhang die Anthroposophische Gesellschaft steht, mußte ich gestern auf die Erscheinung der A. P. Blavatsky hinweisen. Ich habe schon versucht anzudeuten, wie sich diese Persönlichkeit in das Geistesleben vom Ende des 19. Jahrhunderts hineinstellte. Ich mußte auf diese Persönlichkeit aus dem Grunde zurückgreifen, weil immerhin zur Vereinigung von Menschen, die ich vorgestern unter dem Namen von heimatlosen Seelen zusammengefaßt habe, am Ende des 19. Jahrhunderts die Werke, die von Blavatsky herrühren, den Anstoß gegeben haben.

[ 2 ] Wenn auch mit dem, was als Anthroposophie auftrat, die Werke der Blavatsky wirklich kaum etwas zu tun haben, so möchte ich doch nicht bloß in diesen Vorträgen das Geschichtliche der anthroposophischen Bewegung schildern, sondern auch das Gesellschaftsmäßige, das uns in der anthroposophischen Bewegung heute vorliegt, charakterisieren. Und dazu sind eben solche Ausgangspunkte nötig, wie ich sie in diesen zwei Tagen gewählt habe.

[ 2 ] Wenn auch mit dem, was als Anthroposophie auftrat, die Werke der Blavatsky wirklich kaum etwas zu tun haben, so möchte ich doch nicht bloß in diesen Vorträgen das Geschichtliche der anthroposophischen Bewegung schildern, sondern auch das Gesellschaftsmäßige, das uns in der anthroposophischen Bewegung heute vorliegt, charakterisieren. Und dazu sind eben solche Ausgangspunkte nötig, wie ich sie in diesen zwei Tagen gewählt habe.

[ 3 ] Nun wird man ja selbstverständlich alles dasjenige, was über Blavatsky gesagt werden kann, heute sehr leicht - wenn man solches geistiges Streben, wie es, sagen wir, in der Theosophical Society hervorgetreten ist, abkritisieren will - abtun können; man wird ja sehr leicht solch eine Erscheinung wie die Blavatsky abkanzeln können, indem man darauf hinweist, wie problematisch manches ist, was in der Biographie dieser Persönlichkeit anzutreffen ist.

[ 3 ] Nun wird man ja selbstverständlich alles dasjenige, was über Blavatsky gesagt werden kann, heute sehr leicht - wenn man solches geistiges Streben, wie es, sagen wir, in der Theosophical Society hervorgetreten ist, abkritisieren will - abtun können; man wird ja sehr leicht solch eine Erscheinung wie die Blavatsky abkanzeln können, indem man darauf hinweist, wie problematisch manches ist, was in der Biographie dieser Persönlichkeit anzutreffen ist.

[ 4 ] Ich könnte da sehr vieles aufzählen. Ich brauche nur darauf hinzuweisen, wie innerhalb der Gesellschaft, die sich an Blavatskys Geistesleben angeschlossen hat, die Anschauungen entstanden , daß gewisse Erkenntnisse über die geistige Welt dadurch zustande gekommen seien, daß physische Briefe, physische Kundgebungen, also auf Papier Aufgeschriebenes, von einer Seite hergekommen sei, die nicht innerhalb der physischen Welt liegt. Man nannte solche Dokumente «Meisterbriefe»; man wies sie auf, sagte, sie seien nicht auf gewöhnliche Weise geschrieben, oder seien wenigstens an den Ort, an dem sie produziert wurden, nicht auf gewöhnliche Weise gelangt. Es war dann eine ziemlich aufsehenerregende Geschichte, als in jenem Hause, in dem unter der Führung von H.P. Blavatsky solche Briefe vorgewiesen worden waren, allerlei schwindelhaft zustande gekommene Schiebetüren aufgezeigt werden konnten, wo durch solche Türen eben einfach auf gewöhnliche physische, aber schwindelhafte Weise diese Briefe hereingeschoben werden konnten in das Zimmer, in dem sie dann als Zauberbriefe aufgefunden wurden, und dergleichen mehr.

[ 4 ] Ich könnte da sehr vieles aufzählen. Ich brauche nur darauf hinzuweisen, wie innerhalb der Gesellschaft, die sich an Blavatskys Geistesleben angeschlossen hat, die Anschauungen entstanden , daß gewisse Erkenntnisse über die geistige Welt dadurch zustande gekommen seien, daß physische Briefe, physische Kundgebungen, also auf Papier Aufgeschriebenes, von einer Seite hergekommen sei, die nicht innerhalb der physischen Welt liegt. Man nannte solche Dokumente «Meisterbriefe»; man wies sie auf, sagte, sie seien nicht auf gewöhnliche Weise geschrieben, oder seien wenigstens an den Ort, an dem sie produziert wurden, nicht auf gewöhnliche Weise gelangt. Es war dann eine ziemlich aufsehenerregende Geschichte, als in jenem Hause, in dem unter der Führung von H.P. Blavatsky solche Briefe vorgewiesen worden waren, allerlei schwindelhaft zustande gekommene Schiebetüren aufgezeigt werden konnten, wo durch solche Türen eben einfach auf gewöhnliche physische, aber schwindelhafte Weise diese Briefe hereingeschoben werden konnten in das Zimmer, in dem sie dann als Zauberbriefe aufgefunden wurden, und dergleichen mehr.

[ 5 ] Es wird selbstverständlich den Zeitgenossen außerordentlich leicht, auf diese Dinge hinzuweisen und dann bewahrheitet zu finden, daß eine solche Persönlichkeit wie die Blavatsky einfach abzutun ist mit den Worten, daß sie eben eine Schwindlerin war. Nun, wir werden über diese Seite der Erscheinungen, die sich um Blavatsky herum abspielten, auch noch einiges zu sprechen haben. Aber man kann sich zunächst auch noch auf einen anderen Standpunkt stellen, auf den Standpunkt, daß man sich zunächst um all dasjenige nicht kümmert, was sich da äußerlich zugetragen hat.

[ 5 ] Es wird selbstverständlich den Zeitgenossen außerordentlich leicht, auf diese Dinge hinzuweisen und dann bewahrheitet zu finden, daß eine solche Persönlichkeit wie die Blavatsky einfach abzutun ist mit den Worten, daß sie eben eine Schwindlerin war. Nun, wir werden über diese Seite der Erscheinungen, die sich um Blavatsky herum abspielten, auch noch einiges zu sprechen haben. Aber man kann sich zunächst auch noch auf einen anderen Standpunkt stellen, auf den Standpunkt, daß man sich zunächst um all dasjenige nicht kümmert, was sich da äußerlich zugetragen hat.

[ 6 ] Gewiß werden auch Einwände gemacht. Aber sehen wir jetzt einmal von diesen Einwänden ab. Man kümmert sich um all dasjenige nicht, was sich äußerlich zugetragen hat, und sieht einfach auf die Werke hin. Dann wird man zu jenem Urteil kommen, das ich in diesen Tagen Ihnen geschildert habe, zu dem Urteil, daß es sich in den Werken der Blavatsky vielfach um dilettantisches, chaotisches Zeug handelt, das in sie hineingeschrieben worden ist, daß aber bei alldem Dinge drinnen stecken, die, wenn sie mit den rechten Mitteln nachgeprüft werden, durchaus aufzufassen sind als auf irgendeine Art zustande gekommene Wiedergaben von weitgehenden Erkenntnissen über die geistige Welt oder aus der geistigen Welt heraus. Das ist eben nicht zu leugnen, trotz aller Einwände, die gemacht werden.

[ 6 ] Gewiß werden auch Einwände gemacht. Aber sehen wir jetzt einmal von diesen Einwänden ab. Man kümmert sich um all dasjenige nicht, was sich äußerlich zugetragen hat, und sieht einfach auf die Werke hin. Dann wird man zu jenem Urteil kommen, das ich in diesen Tagen Ihnen geschildert habe, zu dem Urteil, daß es sich in den Werken der Blavatsky vielfach um dilettantisches, chaotisches Zeug handelt, das in sie hineingeschrieben worden ist, daß aber bei alldem Dinge drinnen stecken, die, wenn sie mit den rechten Mitteln nachgeprüft werden, durchaus aufzufassen sind als auf irgendeine Art zustande gekommene Wiedergaben von weitgehenden Erkenntnissen über die geistige Welt oder aus der geistigen Welt heraus. Das ist eben nicht zu leugnen, trotz aller Einwände, die gemacht werden.

[ 7 ] Da entsteht denn die außerordentlich wichtige, bedeutungsvolle, wie ich glaube, innerlich kulturhistorische Frage: Was liegt dem zugrunde, daß am Ende des 19. Jahrhunderts, sagen wir, zunächst von einer problematischen Seite her eben Kundgebungen aus einer geistigen Welt, Offenbarungen über eine geistige Welt kommen konnten, welche mindestens dann, wenn sie als Anregungen benützt werden, um nachzuschauen, wie es sich mit ihnen verhält, auch vor einer objektiven geisteswissenschaftlichen Betrachtung durchaus die eingehendste Aufmerksamkeit verdienen; Offenbarungen, die über die Grundgesetze der Welt, über die Grundkräfte der Welt mehr aussagen als alles dasjenige, was durch Philosophie oder durch andere Weltanschauungsströmungen in der neueren Zeit über die Geheimnisse der Welt zutage gefördert worden ist. Als eine bedeutungsvolle Frage muß einem das doch erscheinen.

[ 7 ] Da entsteht denn die außerordentlich wichtige, bedeutungsvolle, wie ich glaube, innerlich kulturhistorische Frage: Was liegt dem zugrunde, daß am Ende des 19. Jahrhunderts, sagen wir, zunächst von einer problematischen Seite her eben Kundgebungen aus einer geistigen Welt, Offenbarungen über eine geistige Welt kommen konnten, welche mindestens dann, wenn sie als Anregungen benützt werden, um nachzuschauen, wie es sich mit ihnen verhält, auch vor einer objektiven geisteswissenschaftlichen Betrachtung durchaus die eingehendste Aufmerksamkeit verdienen; Offenbarungen, die über die Grundgesetze der Welt, über die Grundkräfte der Welt mehr aussagen als alles dasjenige, was durch Philosophie oder durch andere Weltanschauungsströmungen in der neueren Zeit über die Geheimnisse der Welt zutage gefördert worden ist. Als eine bedeutungsvolle Frage muß einem das doch erscheinen.

[ 8 ] Dem steht gegenüber eine andere kulturhistorische Erscheinung, die man nicht vergessen darf, wenn man über die Lebensbedingungen von so etwas spricht, wie es die Anthroposophische Gesellschaft ist, im Zusammenhange überhaupt mit Bestrebungen, um zu Wegen nach der geistigen Welt zu kommen. Diese kulturhistorische Erscheinung ist die, daß die Urteilsfähigkeit, die Überzeugungskraft des Urteils in unserer Zeit überhaupt außerordentlich gelitten hat, zurückgegangen ist.

[ 8 ] Dem steht gegenüber eine andere kulturhistorische Erscheinung, die man nicht vergessen darf, wenn man über die Lebensbedingungen von so etwas spricht, wie es die Anthroposophische Gesellschaft ist, im Zusammenhange überhaupt mit Bestrebungen, um zu Wegen nach der geistigen Welt zu kommen. Diese kulturhistorische Erscheinung ist die, daß die Urteilsfähigkeit, die Überzeugungskraft des Urteils in unserer Zeit überhaupt außerordentlich gelitten hat, zurückgegangen ist.

[ 9 ] Man läßt sich in dieser Beziehung täuschen durch die großen Fortschritte, die gemacht worden sind. Aber gerade wenn man diese großen Fortschritte, die heute gemacht worden sind, im Zusammenhange betrachtet mit dem Gang des Geisteslebens, insofern sich die einzelnen menschlichen Persönlichkeiten als urteilsfähige Persönlichkeiten hineinstellen in diesen Gang des Geisteslebens, dann wird man, ich möchte sagen, einen Hintergrund bekommen für die Kapazität, mit der unser Zeitalter überhaupt Erscheinungen, die an das Urteilsvermögen der Menschen appellieren, gegenübertritt.

[ 9 ] Man läßt sich in dieser Beziehung täuschen durch die großen Fortschritte, die gemacht worden sind. Aber gerade wenn man diese großen Fortschritte, die heute gemacht worden sind, im Zusammenhange betrachtet mit dem Gang des Geisteslebens, insofern sich die einzelnen menschlichen Persönlichkeiten als urteilsfähige Persönlichkeiten hineinstellen in diesen Gang des Geisteslebens, dann wird man, ich möchte sagen, einen Hintergrund bekommen für die Kapazität, mit der unser Zeitalter überhaupt Erscheinungen, die an das Urteilsvermögen der Menschen appellieren, gegenübertritt.

[ 10 ] Man müßte wirklich außerordentlich vieles nennen. Ich möchte nur ein klein wenig herausgreifen. Ich frage zum Beispiel diejenigen, die heute sich fachmännisch oder nur dilettantisch, sagen wir, mit Elektrotechnik befaßt haben, was für die Elektrotechnik heute das sogenannte Ohmsche Gesetz bedeutet? Man wird natürlich darin zur Antwort bekommen: Das Ohmsche Gesetz bildet eine der Grundlagen für die Entwickelung der ganzen Elektrotechnik. -— Als Ohm die erste Arbeit geleistet hatte, die grundlegend war für sein später sogenanntes Ohmsches Gesetz, da wurde diese Arbeit von einer berühmten philosophischen Fakultät an einer Universität als unbrauchbar zurückgewiesen. Wäre es nach dieser philosophischen Fakultät gegangen, so könnte es heute gar keine Elektrotechnik geben.

[ 10 ] Man müßte wirklich außerordentlich vieles nennen. Ich möchte nur ein klein wenig herausgreifen. Ich frage zum Beispiel diejenigen, die heute sich fachmännisch oder nur dilettantisch, sagen wir, mit Elektrotechnik befaßt haben, was für die Elektrotechnik heute das sogenannte Ohmsche Gesetz bedeutet? Man wird natürlich darin zur Antwort bekommen: Das Ohmsche Gesetz bildet eine der Grundlagen für die Entwickelung der ganzen Elektrotechnik. -— Als Ohm die erste Arbeit geleistet hatte, die grundlegend war für sein später sogenanntes Ohmsches Gesetz, da wurde diese Arbeit von einer berühmten philosophischen Fakultät an einer Universität als unbrauchbar zurückgewiesen. Wäre es nach dieser philosophischen Fakultät gegangen, so könnte es heute gar keine Elektrotechnik geben.

[ 11 ] Dann etwas, was Ihnen vielleicht noch handgreiflicher ist: Sie wissen alle, was heute das Telephon in unserem ganzen Kulturleben bedeutet. Als der außerhalb der offiziellen Wissenschaft stehende Reis zum ersten Male die Idee des Telephons aufschrieb und das Manuskript einer der berühmtesten Zeitschriften der damaligen Zeit, den Poggendorffschen Annalen, überreichte, wurde die Arbeit als unbrauchbar zurückgewiesen. Sehen Sie, so groß ist die Schlagkraft des Urteiles, die eben in den Menschen ist, und man könnte diese Beispiele ins Unermeßliche vermehren. Ja, so groß ist die Schlagkraft des Urteils in unserer Zeit! Man muß diesen Dingen nur mit voller Objektivität eben gegenüberstehen.

[ 11 ] Dann etwas, was Ihnen vielleicht noch handgreiflicher ist: Sie wissen alle, was heute das Telephon in unserem ganzen Kulturleben bedeutet. Als der außerhalb der offiziellen Wissenschaft stehende Reis zum ersten Male die Idee des Telephons aufschrieb und das Manuskript einer der berühmtesten Zeitschriften der damaligen Zeit, den Poggendorffschen Annalen, überreichte, wurde die Arbeit als unbrauchbar zurückgewiesen. Sehen Sie, so groß ist die Schlagkraft des Urteiles, die eben in den Menschen ist, und man könnte diese Beispiele ins Unermeßliche vermehren. Ja, so groß ist die Schlagkraft des Urteils in unserer Zeit! Man muß diesen Dingen nur mit voller Objektivität eben gegenüberstehen.

[ 12 ] Man braucht ja nur irgend etwas, ich möchte sagen, auf dem Gipfelberge unserer Kultur aufzugreifen, man wird überall etwas ähnliches finden. Oder wenn man mehr in die verborgenen Ecken geht, da finden sich manchmal auch niedliche Erscheinungen zur Charakteristik der Urteilsfähigkeit desjenigen, was heute eben tonangebend ist mit Bezug auf, sagen wir, die Verwaltung des Geisteslebens. Und das Publikum wiederum, das große Publikum, das die breite Heerstraße geht - ich habe vorgestern davon gesprochen -, steht ganz unter dem Eindrucke desjenigen, was in dieser Weise heute anerkannt ist. Nun, die Kultur gehört zu allen Ländern; es ist in keinem Lande besser oder schlechter.

[ 12 ] Man braucht ja nur irgend etwas, ich möchte sagen, auf dem Gipfelberge unserer Kultur aufzugreifen, man wird überall etwas ähnliches finden. Oder wenn man mehr in die verborgenen Ecken geht, da finden sich manchmal auch niedliche Erscheinungen zur Charakteristik der Urteilsfähigkeit desjenigen, was heute eben tonangebend ist mit Bezug auf, sagen wir, die Verwaltung des Geisteslebens. Und das Publikum wiederum, das große Publikum, das die breite Heerstraße geht - ich habe vorgestern davon gesprochen -, steht ganz unter dem Eindrucke desjenigen, was in dieser Weise heute anerkannt ist. Nun, die Kultur gehört zu allen Ländern; es ist in keinem Lande besser oder schlechter.

[ 13 ] Nehmen Sie eine solche Erscheinung: Adalbert Stifter ist ein ganz bedeutender Dichter, aber ich will jetzt gar nicht auf seine Bedeutung als Dichter eingehen, sondern etwas aus seinem Leben erzählen. Er machte, ausgezeichnet sogar, seine Gymnasialstudien durch, studierte dann Naturwissenschaften und wollte es zum Gymnasiallehrer bringen. Allein, man fand ihn völlig ungeeignet zum Gymnasiallehrer, man fand ihn zu wenig begabt zum Gymnasiallehrer. Die Autoritäten fanden, er sei nicht genügend begabt zum Gymnasiallehrer. Nun trug sich das Eigentümliche zu, daß eine gewisse Baronin Mink, die gar nicht irgend etwas zu beurteilen hatte über die Fähigkeiten der Gymnasiallehrer, von dem Dichter Adalbert Stifter hörte, sich dasjenige, was er dazumal schon gedichtet hatte und was er selber gar nicht besonders schätzte, vorlesen ließ und ihn geradezu zwang, es zu veröffentlichen. Das machte sogleich großes Aufsehen. Die Autoritäten sagten jetzt: Wir können ja keinen Besseren zum Schulinspektor das ganzen Landes machen. Und so wurde denn derjenige, der noch kurz vorher unfähig geachtet wurde, Lehrer zu werden, zum Oberaufsichtsmann bestellt für alle diese Lehrer!

[ 13 ] Nehmen Sie eine solche Erscheinung: Adalbert Stifter ist ein ganz bedeutender Dichter, aber ich will jetzt gar nicht auf seine Bedeutung als Dichter eingehen, sondern etwas aus seinem Leben erzählen. Er machte, ausgezeichnet sogar, seine Gymnasialstudien durch, studierte dann Naturwissenschaften und wollte es zum Gymnasiallehrer bringen. Allein, man fand ihn völlig ungeeignet zum Gymnasiallehrer, man fand ihn zu wenig begabt zum Gymnasiallehrer. Die Autoritäten fanden, er sei nicht genügend begabt zum Gymnasiallehrer. Nun trug sich das Eigentümliche zu, daß eine gewisse Baronin Mink, die gar nicht irgend etwas zu beurteilen hatte über die Fähigkeiten der Gymnasiallehrer, von dem Dichter Adalbert Stifter hörte, sich dasjenige, was er dazumal schon gedichtet hatte und was er selber gar nicht besonders schätzte, vorlesen ließ und ihn geradezu zwang, es zu veröffentlichen. Das machte sogleich großes Aufsehen. Die Autoritäten sagten jetzt: Wir können ja keinen Besseren zum Schulinspektor das ganzen Landes machen. Und so wurde denn derjenige, der noch kurz vorher unfähig geachtet wurde, Lehrer zu werden, zum Oberaufsichtsmann bestellt für alle diese Lehrer!

[ 14 ] Es würde außerordentlich interessant sein, einmal auf den verschiedensten Gebieten des geistigen Lebens diese Dinge im Zusammenhange zu schildern, angefangen von einer solchen Erscheinung, wie ich sie eben bei Adalbert Stifter geschildert habe, bis, nun ja, etwa auch einer solchen Erscheinung, wie diejenige des Julius Robert Mayer. Sie wissen, ich muß sogar das Gesetz von der Erhaltung der Kraft, das an seinen Namen sich knüpft, auf gewissen Gebieten bekämpfen. Aber die gegenwärtige Physik bekämpft es nicht, sondern verteidigt es sogar in jedem Kapitel, ist ganz auf dieses Gesetz von der Erhaltung der Kraft aufgebaut. Julius Robert Mayer, der heute als ein Heros dasteht - ich habe Ihnen auch schon andere genannt, wie zum Beispiel Gregor Mendel, dem es in ähnlicher Weise gegangen ist —, Julius Robert Mayer, der zu Heilbronn am Neckar geboren ist, war immer der Letzte in seiner Klasse und bekam auch von der Universität, die er dann bezog - es war in Tübingen -,. eines schönen Tages wegen seiner Aufführung den Rat, von der Universität abzugehen. Es ist durchaus nicht das Verdienst der Universität, daß er zu seinen Entdeckungen gekommen ist, denn die wollte ihn abschieben, bevor er das Examen gemacht hatte und Arzt werden konnte. Von solchen Dingen angefangen bis zu der ungeheuren Tragik, die sich an den Namen Semmelweis knüpft, jene Persönlichkeit, die das ungeheure Verdienst hat, daß auf ein Minimum heute die Kindbettfieber reduziert sind, die vor dem Auftreten von Semmelweis eben die Menschen nur so dahinrafften, bis zu dieser ungeheuren Tragik von Semmelweis, die auch zuletzt dazu geführt hat, ähnlich wie bei Julius Robert Mayer, daß Semmelweis im Irrenhaus geendet hat, trotzdem er einer der größten Wohltäter der Menschheit ist, wäre es interessant, diese Dinge im Zusammenhang zu schildern. Wenn man das alles zusammenfassen würde, würde man eben ein außerordentlich wichtiges Element in der Kulturgeschichte der neuesten Zeit bekommen, aus dem man würde ersehen können, wie wenig Schlagkraft diese Zeit des äußeren Fortschrittes in der Beurteilungsfähigkeit von geistigen Erscheinungen hatte, wie wenig eigentlich Neigung vorhanden war, einzugehen auf dasjenige, was am Horizont des Geisteslebens erschien.

[ 14 ] Es würde außerordentlich interessant sein, einmal auf den verschiedensten Gebieten des geistigen Lebens diese Dinge im Zusammenhange zu schildern, angefangen von einer solchen Erscheinung, wie ich sie eben bei Adalbert Stifter geschildert habe, bis, nun ja, etwa auch einer solchen Erscheinung, wie diejenige des Julius Robert Mayer. Sie wissen, ich muß sogar das Gesetz von der Erhaltung der Kraft, das an seinen Namen sich knüpft, auf gewissen Gebieten bekämpfen. Aber die gegenwärtige Physik bekämpft es nicht, sondern verteidigt es sogar in jedem Kapitel, ist ganz auf dieses Gesetz von der Erhaltung der Kraft aufgebaut. Julius Robert Mayer, der heute als ein Heros dasteht - ich habe Ihnen auch schon andere genannt, wie zum Beispiel Gregor Mendel, dem es in ähnlicher Weise gegangen ist —, Julius Robert Mayer, der zu Heilbronn am Neckar geboren ist, war immer der Letzte in seiner Klasse und bekam auch von der Universität, die er dann bezog - es war in Tübingen -,. eines schönen Tages wegen seiner Aufführung den Rat, von der Universität abzugehen. Es ist durchaus nicht das Verdienst der Universität, daß er zu seinen Entdeckungen gekommen ist, denn die wollte ihn abschieben, bevor er das Examen gemacht hatte und Arzt werden konnte. Von solchen Dingen angefangen bis zu der ungeheuren Tragik, die sich an den Namen Semmelweis knüpft, jene Persönlichkeit, die das ungeheure Verdienst hat, daß auf ein Minimum heute die Kindbettfieber reduziert sind, die vor dem Auftreten von Semmelweis eben die Menschen nur so dahinrafften, bis zu dieser ungeheuren Tragik von Semmelweis, die auch zuletzt dazu geführt hat, ähnlich wie bei Julius Robert Mayer, daß Semmelweis im Irrenhaus geendet hat, trotzdem er einer der größten Wohltäter der Menschheit ist, wäre es interessant, diese Dinge im Zusammenhang zu schildern. Wenn man das alles zusammenfassen würde, würde man eben ein außerordentlich wichtiges Element in der Kulturgeschichte der neuesten Zeit bekommen, aus dem man würde ersehen können, wie wenig Schlagkraft diese Zeit des äußeren Fortschrittes in der Beurteilungsfähigkeit von geistigen Erscheinungen hatte, wie wenig eigentlich Neigung vorhanden war, einzugehen auf dasjenige, was am Horizont des Geisteslebens erschien.

[ 15 ] Solche Dinge müssen schon berücksichtigt werden, wenn man die dem Eingreifen einer geistigen Bewegung entgegengesetzten feindlichen Kräfte richtig ins Auge fassen will. Man wird dann wissen müssen, welche Urteilsfähigkeit überhaupt in unserer heutigen Zeit vorhanden ist, die so hochmütig gerade auf ihre nicht vorhandene Urteilsfähigkeit ist.

[ 15 ] Solche Dinge müssen schon berücksichtigt werden, wenn man die dem Eingreifen einer geistigen Bewegung entgegengesetzten feindlichen Kräfte richtig ins Auge fassen will. Man wird dann wissen müssen, welche Urteilsfähigkeit überhaupt in unserer heutigen Zeit vorhanden ist, die so hochmütig gerade auf ihre nicht vorhandene Urteilsfähigkeit ist.

[ 16 ] Es ist ja eine wirklich außerordentlich charakteristische Erscheinung, daß dasjenige, was sonst nur traditionell bewahrt worden ist in allerlei Geheimgesellschaften, die es durchaus nicht an die Öffentlichkeit gelangen lassen wollten, zu einem großen Teil plötzlich . erscheint, veröffentlicht in dem Buche einer Frau, der Blavatsky, in dem Buche, das «Die entschleierte Isis» sich betitelt. Natürlich erschraken alle diejenigen, die sich sagten: In diesem Buche steht eine ' ganze Summe von dem, was wir ja immer unter Schloß und Riegel gehalten haben. — Und diese Gesellschaften waren, ich möchte sagen, besser auf ihre Schlösser und Riegel bedacht als etwa unsere heutige Anthroposophische Gesellschaft.

[ 16 ] Es ist ja eine wirklich außerordentlich charakteristische Erscheinung, daß dasjenige, was sonst nur traditionell bewahrt worden ist in allerlei Geheimgesellschaften, die es durchaus nicht an die Öffentlichkeit gelangen lassen wollten, zu einem großen Teil plötzlich . erscheint, veröffentlicht in dem Buche einer Frau, der Blavatsky, in dem Buche, das «Die entschleierte Isis» sich betitelt. Natürlich erschraken alle diejenigen, die sich sagten: In diesem Buche steht eine ' ganze Summe von dem, was wir ja immer unter Schloß und Riegel gehalten haben. — Und diese Gesellschaften waren, ich möchte sagen, besser auf ihre Schlösser und Riegel bedacht als etwa unsere heutige Anthroposophische Gesellschaft.

[ 17 ] In der Anthroposophischen Gesellschaft war durchaus nicht die Absicht, dasjenige, was in den Zyklen steht, ganz und gar zu sekretieren, sondern es wurde in einer bestimmten Zeit die Anforderung an mich gestellt, daß diejenigen Dinge, die ich sonst mündlich bespreche, einem größeren Kreis zugänglich sein sollen. Und da keine Zeit vorhanden war, diese Dinge zu redigieren, so ließ man sie eben als Manuskript in der Gestalt drucken, wie man sie sonst nicht veröffentlichen würde, nicht aber deshalb, weil man den Stoff nicht veröffentlichen wollte, sondern weil man den Stoff nicht in dieser Gestalt veröffentlichen wollte, und weil man schließlich auch darauf sehen wollte, daß diese Dinge von denen gelesen werden sollen, die die Vorbereitung dazu haben, weil sie sonst mißverstanden werden müssen. Trotzdem kann man sich heute jeden Zyklus verschaffen, wenn man ihn zu irgendeiner Gegnerschaft haben will. Diejenigen Gesellschaften, von denen ich hier spreche, und die ein gewisses Geistesgut unter Schloß und Riegel gehalten haben, den Leuten Fide abnahmen, damit sie nichts davon verraten, wußten schon die Dinge besser zu hüten. Sie wußten, daß etwas ganz Besonderes dahinter sein müsse, wenn plötzlich ein Buch kommt, welches nun wirklich etwas brachte, was Bedeutung hatte in dem angedeuteten Sinne. Die Dinge, die keine Bedeutung haben - ja, da brauchen Sie nur in Paris in eine Nebenstraße zu gehen, da können Sie korbweise die Schriften der Geheimgesellschaften kaufen. Aber von der Veröffentlichung dieser Schriften wird sich kein Schreck ergeben für diejenigen, die das traditionelle Wissen in den Geheimgesellschaften bewahrt haben, denn das sind in der Regel sehr wertlose Dinge, die da veröffentlicht werden.

[ 17 ] In der Anthroposophischen Gesellschaft war durchaus nicht die Absicht, dasjenige, was in den Zyklen steht, ganz und gar zu sekretieren, sondern es wurde in einer bestimmten Zeit die Anforderung an mich gestellt, daß diejenigen Dinge, die ich sonst mündlich bespreche, einem größeren Kreis zugänglich sein sollen. Und da keine Zeit vorhanden war, diese Dinge zu redigieren, so ließ man sie eben als Manuskript in der Gestalt drucken, wie man sie sonst nicht veröffentlichen würde, nicht aber deshalb, weil man den Stoff nicht veröffentlichen wollte, sondern weil man den Stoff nicht in dieser Gestalt veröffentlichen wollte, und weil man schließlich auch darauf sehen wollte, daß diese Dinge von denen gelesen werden sollen, die die Vorbereitung dazu haben, weil sie sonst mißverstanden werden müssen. Trotzdem kann man sich heute jeden Zyklus verschaffen, wenn man ihn zu irgendeiner Gegnerschaft haben will. Diejenigen Gesellschaften, von denen ich hier spreche, und die ein gewisses Geistesgut unter Schloß und Riegel gehalten haben, den Leuten Fide abnahmen, damit sie nichts davon verraten, wußten schon die Dinge besser zu hüten. Sie wußten, daß etwas ganz Besonderes dahinter sein müsse, wenn plötzlich ein Buch kommt, welches nun wirklich etwas brachte, was Bedeutung hatte in dem angedeuteten Sinne. Die Dinge, die keine Bedeutung haben - ja, da brauchen Sie nur in Paris in eine Nebenstraße zu gehen, da können Sie korbweise die Schriften der Geheimgesellschaften kaufen. Aber von der Veröffentlichung dieser Schriften wird sich kein Schreck ergeben für diejenigen, die das traditionelle Wissen in den Geheimgesellschaften bewahrt haben, denn das sind in der Regel sehr wertlose Dinge, die da veröffentlicht werden.

[ 18 ] Aber «Die entschleierte Isis» war nichts Wertloses. «Die entschleierte Isis» brachte tatsächlich aus einem gewissen Substantiellen heraus, so daß das mitgeteilte Wissen wie ein Ursprüngliches erschien, dasjenige, was eben von alter Weisheit bis dahin sorgfältig behütet worden war.

[ 18 ] Aber «Die entschleierte Isis» war nichts Wertloses. «Die entschleierte Isis» brachte tatsächlich aus einem gewissen Substantiellen heraus, so daß das mitgeteilte Wissen wie ein Ursprüngliches erschien, dasjenige, was eben von alter Weisheit bis dahin sorgfältig behütet worden war.

[ 19 ] Wie gesagt, diejenigen, die da erschraken, mußten sich vorstellen, daß? da etwas Besonderes dahintersteckte, ein Verrat von irgendeiner Seite. Ich will jetzt in diesen Vorträgen nicht so stark die Innenseite der Sache betonen, was etwa an Tatsachen hinter den Kulissen dahintersteckt, das habe ich ja früher in anderen Vorträgen wiederholt einmal von diesem oder jenem Standpunkte aus besprochen, sondern ich möchte mehr die Außenseite berühren, mehr das Urteil der Welt charakterisieren, weil das gerade für die Geschichte der Bewegung wichtig ist. Das konnten ja die Leute wissen, daß da irgend jemand, der eingeweiht war in diese Dinge, der traditionelles Wissen überkommen hat, aus irgendeinem Grund, der nicht ein besonders guter zu sein brauchte, der Blavatsky Anregungen gegeben hat. Das konnte man sich ja sehr leicht sagen. Es würde das nicht weit von der Wahrheit abweichen, daß da irgendwo aus einer Geheimgesellschaft oder aus einer Summe von Geheimgesellschaften her ein Verrat geschehen ist, und dies dann gerade durch die Blavatsky veröffentlicht worden ist. Aber es hätte auch andere Wege gegeben, um solche Sachen an die Öffentlichkeit zu bringen, als sich einer Dame, wie die Blavatsky war, zu dieser Veröffentlichung zu bedienen.

[ 19 ] Wie gesagt, diejenigen, die da erschraken, mußten sich vorstellen, daß? da etwas Besonderes dahintersteckte, ein Verrat von irgendeiner Seite. Ich will jetzt in diesen Vorträgen nicht so stark die Innenseite der Sache betonen, was etwa an Tatsachen hinter den Kulissen dahintersteckt, das habe ich ja früher in anderen Vorträgen wiederholt einmal von diesem oder jenem Standpunkte aus besprochen, sondern ich möchte mehr die Außenseite berühren, mehr das Urteil der Welt charakterisieren, weil das gerade für die Geschichte der Bewegung wichtig ist. Das konnten ja die Leute wissen, daß da irgend jemand, der eingeweiht war in diese Dinge, der traditionelles Wissen überkommen hat, aus irgendeinem Grund, der nicht ein besonders guter zu sein brauchte, der Blavatsky Anregungen gegeben hat. Das konnte man sich ja sehr leicht sagen. Es würde das nicht weit von der Wahrheit abweichen, daß da irgendwo aus einer Geheimgesellschaft oder aus einer Summe von Geheimgesellschaften her ein Verrat geschehen ist, und dies dann gerade durch die Blavatsky veröffentlicht worden ist. Aber es hätte auch andere Wege gegeben, um solche Sachen an die Öffentlichkeit zu bringen, als sich einer Dame, wie die Blavatsky war, zu dieser Veröffentlichung zu bedienen.

[ 20 ] Nun gab es aber einen Grund, den ich auch nur nach seiner AuRenseite charakterisieren will, sich gerade dieser Dame zu bedienen. Und hier komme ich auf ein Kapitel in unserer Geistesgeschichte, das wirklich ein sehr merkwürdiges ist. Dazumal, als die Blavatsky mit ihren Büchern auftrat, sprach man sehr, sehr wenig von dem, was heute in so vieler Munde ist: von Psychoanalyse. Aber diejenigen, die urteilsfähig berührt wurden von der charakterisierten merkwürdigen Tatsache, haben wahrhaftig lebendig etwas durchgemacht, gerade durch die Erscheinung von Blavatsky, wogegen alles dasjenige, was da von den verschiedenen Koryphäen der Psychoanalyse bisher geschrieben worden ist, wie ich mich neulich einmal in anderem Zusammenhange ausdrückte, wirklich der Dilettantismus im Quadrat ist. Denn was will denn die Psychoanalyse zeigen?

[ 20 ] Nun gab es aber einen Grund, den ich auch nur nach seiner AuRenseite charakterisieren will, sich gerade dieser Dame zu bedienen. Und hier komme ich auf ein Kapitel in unserer Geistesgeschichte, das wirklich ein sehr merkwürdiges ist. Dazumal, als die Blavatsky mit ihren Büchern auftrat, sprach man sehr, sehr wenig von dem, was heute in so vieler Munde ist: von Psychoanalyse. Aber diejenigen, die urteilsfähig berührt wurden von der charakterisierten merkwürdigen Tatsache, haben wahrhaftig lebendig etwas durchgemacht, gerade durch die Erscheinung von Blavatsky, wogegen alles dasjenige, was da von den verschiedenen Koryphäen der Psychoanalyse bisher geschrieben worden ist, wie ich mich neulich einmal in anderem Zusammenhange ausdrückte, wirklich der Dilettantismus im Quadrat ist. Denn was will denn die Psychoanalyse zeigen?

[ 21 ] Dort, wo sie in gewissem Sinne im Rechte ist, zeigt sie, daß in den Untergründen des menschlichen Wesens erwas vorhanden ist, das, mag es nun da unten sein wie immer, ins Bewußtsein heraufgehoben werden kann und dann über dasjenige hinausgeht, was der Mensch zunächst in seinem Bewußtsein hat. So daß man also meinetwillen sagen kann: Im Körper steckt etwas, das, wenn es ins Bewußtsein heraufgehoben wird, sich als Geistiges ausnimmt. Der Körper wird durchrumort von Geistigem. Es ist natürlich das Primitivste, daß man als Psychiater irgendwelche Erlebnisreste auf diese Weise aus dem Untergrunde des menschlichen Wesens heraufholt, also Erlebnisreste, die nach den Emotionsbedürfnissen des betreffenden Menschen nicht ganz intensiv genug durchgemacht worden sind, die sich gewissermaßen hinuntergesetzt haben, Bodensatz gebildet haben im Menschen, ihn dadurch in ein labiles Gleichgewicht bringend, nicht in ein stabiles, und daß dasjenige, was während des Lebens eines Menschen sich zugetragen hat, dann, trotzdem es unten rumort im Unbewußten, heraufgehoben wird, und wenn es heraufgehoben wird ins Bewußtsein, sich als etwas Geistiges erweist, das eben nur sozusagen nicht recht hineinpaßt in dieses menschliche Wesen und daher unrichtig rumort, wenn es aber bewußt wird, abreagiert werden kann, und dadurch der Mensch von dem unrichtigen Rumoren gerade befreit wird.

[ 21 ] Dort, wo sie in gewissem Sinne im Rechte ist, zeigt sie, daß in den Untergründen des menschlichen Wesens erwas vorhanden ist, das, mag es nun da unten sein wie immer, ins Bewußtsein heraufgehoben werden kann und dann über dasjenige hinausgeht, was der Mensch zunächst in seinem Bewußtsein hat. So daß man also meinetwillen sagen kann: Im Körper steckt etwas, das, wenn es ins Bewußtsein heraufgehoben wird, sich als Geistiges ausnimmt. Der Körper wird durchrumort von Geistigem. Es ist natürlich das Primitivste, daß man als Psychiater irgendwelche Erlebnisreste auf diese Weise aus dem Untergrunde des menschlichen Wesens heraufholt, also Erlebnisreste, die nach den Emotionsbedürfnissen des betreffenden Menschen nicht ganz intensiv genug durchgemacht worden sind, die sich gewissermaßen hinuntergesetzt haben, Bodensatz gebildet haben im Menschen, ihn dadurch in ein labiles Gleichgewicht bringend, nicht in ein stabiles, und daß dasjenige, was während des Lebens eines Menschen sich zugetragen hat, dann, trotzdem es unten rumort im Unbewußten, heraufgehoben wird, und wenn es heraufgehoben wird ins Bewußtsein, sich als etwas Geistiges erweist, das eben nur sozusagen nicht recht hineinpaßt in dieses menschliche Wesen und daher unrichtig rumort, wenn es aber bewußt wird, abreagiert werden kann, und dadurch der Mensch von dem unrichtigen Rumoren gerade befreit wird.

[ 22 ] Aber nun ist es ja interessant, wozu solch eine psychoanalytische dilettantische Forschung heute doch schon gekommen ist. Gerade bei Jung ist das ja sehr interessant. Der kommt darauf, daß der Mensch da unten - natürlich kann man nicht recht bezeichnen dieses da unten, es ist halt irgendwo da unten, ein unbestimmtes Wesen —, irgendwo in seinem Wesen dasjenige hat, was er als unverarbeitete Erlebnisse seit seiner Geburt eben durchgemacht hat; daß er da unten in seinem Menschenwesen allerlei hat, was zurückweist zu den Urvätern, ja, ganz zurückweisen kann durch alle Erlebnisse der Rassen und noch weiter. So erscheint es heute dem Psychiater gar nicht mehr unmöglich, daß zum Beispiel das, was, sagen wir als das Ödipus-Problem in Griechenland erfahren worden ist, auf die Menschen einen Eindruck gemacht hat. Dann habe sich das weiter vererbt, immer weiter. Und heute kommt so ein Unglückswurm in die Klinik des Psychiaters, der psychoanalysiert ihn und kriegt da etwas heraus, was so tief sitzt in dem Betreffenden, daß es nicht aus seinem gegenwärtigen Leben stammt, sondern von dem Vater, Vorvater, Vorvorvater und so weiter bis hinauf zu den alten Griechen, die das Ödipus-Problem erlebt haben. So ist es durchgegangen durch alles Blut und kann heute herauspsychoanalysiert werden. Da rumoren die Ödipus-Empfindungen in dem Menschen und können herauspsychoanalysiert werden. Man glaubt dann, sogar auf sehr interessante Zusammenhänge zu kommen, indem man dasjenige, was rassengemäß weit zurückgehen kann, herauspsychoanalysieren kann.

[ 22 ] Aber nun ist es ja interessant, wozu solch eine psychoanalytische dilettantische Forschung heute doch schon gekommen ist. Gerade bei Jung ist das ja sehr interessant. Der kommt darauf, daß der Mensch da unten - natürlich kann man nicht recht bezeichnen dieses da unten, es ist halt irgendwo da unten, ein unbestimmtes Wesen —, irgendwo in seinem Wesen dasjenige hat, was er als unverarbeitete Erlebnisse seit seiner Geburt eben durchgemacht hat; daß er da unten in seinem Menschenwesen allerlei hat, was zurückweist zu den Urvätern, ja, ganz zurückweisen kann durch alle Erlebnisse der Rassen und noch weiter. So erscheint es heute dem Psychiater gar nicht mehr unmöglich, daß zum Beispiel das, was, sagen wir als das Ödipus-Problem in Griechenland erfahren worden ist, auf die Menschen einen Eindruck gemacht hat. Dann habe sich das weiter vererbt, immer weiter. Und heute kommt so ein Unglückswurm in die Klinik des Psychiaters, der psychoanalysiert ihn und kriegt da etwas heraus, was so tief sitzt in dem Betreffenden, daß es nicht aus seinem gegenwärtigen Leben stammt, sondern von dem Vater, Vorvater, Vorvorvater und so weiter bis hinauf zu den alten Griechen, die das Ödipus-Problem erlebt haben. So ist es durchgegangen durch alles Blut und kann heute herauspsychoanalysiert werden. Da rumoren die Ödipus-Empfindungen in dem Menschen und können herauspsychoanalysiert werden. Man glaubt dann, sogar auf sehr interessante Zusammenhänge zu kommen, indem man dasjenige, was rassengemäß weit zurückgehen kann, herauspsychoanalysieren kann.

[ 23 ] Nur, sehen Sie, sind das eben durchaus dilettantische Forschungsmethoden. Denn Sie brauchen nur ein wenig bewandert zu sein in der Anthroposophie, so wissen Sie, daß eben gar mancherlei aus den Untergründen des menschlichen Wesens herausgeholt werden kann: zunächst das vorgeburtliche Leben, das vorirdische Leben, dasjenige, was der Mensch durchgemacht hat, bevor er heruntergestiegen ist in die physische Welt, dann dasjenige, was er in früheren Erdenleben durchgemacht hat. Da kommt man vom Dilettantismus in die Wirklichkeit hinein!

[ 23 ] Nur, sehen Sie, sind das eben durchaus dilettantische Forschungsmethoden. Denn Sie brauchen nur ein wenig bewandert zu sein in der Anthroposophie, so wissen Sie, daß eben gar mancherlei aus den Untergründen des menschlichen Wesens herausgeholt werden kann: zunächst das vorgeburtliche Leben, das vorirdische Leben, dasjenige, was der Mensch durchgemacht hat, bevor er heruntergestiegen ist in die physische Welt, dann dasjenige, was er in früheren Erdenleben durchgemacht hat. Da kommt man vom Dilettantismus in die Wirklichkeit hinein!

[ 24 ] Aber da kommt man auch dazu, zu erkennen, wie im Menschen gewissermaßen involviert, zusammengerollt, das ganze Weltgeheimnis enthalten ist. Das war auch schließlich die Anschauung älterer Zeiten, daß das Weltengeheimnis sich entrollt, wenn der Mensch alles dasjenige, was in seinem Inneren verborgen ist, aus seinem Inneren heraufholt. Deshalb hat man den Menschen einen Mikrokosmos genannt, nicht etwa des Firlefanzes wegen, den man heute so oft gebraucht, sondern weil tatsächlich die Erfahrung vorlag: Da kann aus dem Untergrund des Menschen alles mögliche heraufgeholt werden, was in den Weiten des Kosmos als Geheimnis liegt.

[ 24 ] Aber da kommt man auch dazu, zu erkennen, wie im Menschen gewissermaßen involviert, zusammengerollt, das ganze Weltgeheimnis enthalten ist. Das war auch schließlich die Anschauung älterer Zeiten, daß das Weltengeheimnis sich entrollt, wenn der Mensch alles dasjenige, was in seinem Inneren verborgen ist, aus seinem Inneren heraufholt. Deshalb hat man den Menschen einen Mikrokosmos genannt, nicht etwa des Firlefanzes wegen, den man heute so oft gebraucht, sondern weil tatsächlich die Erfahrung vorlag: Da kann aus dem Untergrund des Menschen alles mögliche heraufgeholt werden, was in den Weiten des Kosmos als Geheimnis liegt.

[ 25 ] Es ist wirklich primitivster Dilettantismus, was man als Psychoanalyse heute antrifft. Denn es ist erstens psychologischer Dilettantismus: Man weiß nicht, daß in gewissen Untergründen physisches und geistiges Leben eins ist, sondern betrachtet in abstrakten Begriffen das an der Oberfläche schwimmende Seelenleben, kommt nicht bis zu jenen Untergründen, wo dieses Seelenleben schaffend, webend, wellend im Blut, in der Atmung lebt, also eins ist mit dem sogenannten materiellen Wirken. Man betrachtet das Seelenleben dilettantisch. Man betrachtet aber zweitens auch das physische Leben dilettantisch, indem man es bloß nach dem äußeren sinnlichen Anscheine betrachtet und nicht weiß, daß überall im sinnlichen Leben, vor allen Dingen in dem menschlichen Organismus, Geistiges steckt. Und wenn man zwei Dilettantismen so verwebt, daß der eine Dilettantismus den andern beleuchten soll, wie es die Psychoanalyse macht, dann addieren sich die Dilettantismen nicht bloß, sondern sie multiplizieren sich miteinander: es gibt einen Dilettantismus im Quadrat.

[ 25 ] Es ist wirklich primitivster Dilettantismus, was man als Psychoanalyse heute antrifft. Denn es ist erstens psychologischer Dilettantismus: Man weiß nicht, daß in gewissen Untergründen physisches und geistiges Leben eins ist, sondern betrachtet in abstrakten Begriffen das an der Oberfläche schwimmende Seelenleben, kommt nicht bis zu jenen Untergründen, wo dieses Seelenleben schaffend, webend, wellend im Blut, in der Atmung lebt, also eins ist mit dem sogenannten materiellen Wirken. Man betrachtet das Seelenleben dilettantisch. Man betrachtet aber zweitens auch das physische Leben dilettantisch, indem man es bloß nach dem äußeren sinnlichen Anscheine betrachtet und nicht weiß, daß überall im sinnlichen Leben, vor allen Dingen in dem menschlichen Organismus, Geistiges steckt. Und wenn man zwei Dilettantismen so verwebt, daß der eine Dilettantismus den andern beleuchten soll, wie es die Psychoanalyse macht, dann addieren sich die Dilettantismen nicht bloß, sondern sie multiplizieren sich miteinander: es gibt einen Dilettantismus im Quadrat.

[ 26 ] Nun, das, was eben als ein solcher Quadratdilettantismus zum Vorschein kommt, das konnte man gewissermaßen an dem psychologischen Problem Blavatsky sicher sehen. Da mag von irgendeiner Seite her durch irgendeinen Verrat eine Anregung gekommen sein. Diese Anregung hat wirklich so gewirkt, wie wenn — aber jetzt ein weiser, unsichtbarer Psychiater aus der Blavatsky, durch einen Anstoß nämlich, herausholte eine Unsumme von Wissen, das jetzt aus dem Menschen selber herausgekommen war, nicht aus alten Schriften, die traditionell überkommen waren von alten Zeiten. Da war aus dem Menschenwesen selber etwas zutage getreten, ich möchte sagen, durch den unsichtbaren Psychiater. Denn wenn es sich um einen Verräter gehandelt hat, so war der ja nicht der Psychiater, der hat nur den Anstoß gegeben. Aber es haben die Verhältnisse den Anstoß gegeben! Welche Verhältnisse?

[ 26 ] Nun, das, was eben als ein solcher Quadratdilettantismus zum Vorschein kommt, das konnte man gewissermaßen an dem psychologischen Problem Blavatsky sicher sehen. Da mag von irgendeiner Seite her durch irgendeinen Verrat eine Anregung gekommen sein. Diese Anregung hat wirklich so gewirkt, wie wenn — aber jetzt ein weiser, unsichtbarer Psychiater aus der Blavatsky, durch einen Anstoß nämlich, herausholte eine Unsumme von Wissen, das jetzt aus dem Menschen selber herausgekommen war, nicht aus alten Schriften, die traditionell überkommen waren von alten Zeiten. Da war aus dem Menschenwesen selber etwas zutage getreten, ich möchte sagen, durch den unsichtbaren Psychiater. Denn wenn es sich um einen Verräter gehandelt hat, so war der ja nicht der Psychiater, der hat nur den Anstoß gegeben. Aber es haben die Verhältnisse den Anstoß gegeben! Welche Verhältnisse?

[ 27 ] Wenn Sie die Zeitentwickelung betrachten bis etwa in das 15. Jahrhundert, so können Sie finden, daß es wahrhaftig noch öfter vorkam, daß den Menschen, wenn sie durch irgend etwas angeregt waren — es brauchte bloß eine besonders charakteristische äußere Erscheinung zu sein -, dann aus ihrem Innern eine Offenbarung über Weltengeheimnisse aufstieg. Später wird das schon zu etwas sagenhaft Mystischem. Das, was erzählt wird von Jakob Böhme, daß er beim Anblick einer zinnernen Schüssel eine Offenbarung großartiger Art gehabt hat, das wird bewundert, weil man eben nicht weiß, daß das in früheren Zeiten bis in das 15. Jahrhundert herein noch überhaupt so war, daß aus dem Menschen eine verhältnismäßig scheinbar geringfügige Anregung ungeheure Offenbarungen über die Weltengeheimnisse herausholen konnte, die dann von dem Menschen geschaut worden sind.

[ 27 ] Wenn Sie die Zeitentwickelung betrachten bis etwa in das 15. Jahrhundert, so können Sie finden, daß es wahrhaftig noch öfter vorkam, daß den Menschen, wenn sie durch irgend etwas angeregt waren — es brauchte bloß eine besonders charakteristische äußere Erscheinung zu sein -, dann aus ihrem Innern eine Offenbarung über Weltengeheimnisse aufstieg. Später wird das schon zu etwas sagenhaft Mystischem. Das, was erzählt wird von Jakob Böhme, daß er beim Anblick einer zinnernen Schüssel eine Offenbarung großartiger Art gehabt hat, das wird bewundert, weil man eben nicht weiß, daß das in früheren Zeiten bis in das 15. Jahrhundert herein noch überhaupt so war, daß aus dem Menschen eine verhältnismäßig scheinbar geringfügige Anregung ungeheure Offenbarungen über die Weltengeheimnisse herausholen konnte, die dann von dem Menschen geschaut worden sind.

[ 28 ] Aber das ist ja immer mehr und mehr zurückgegangen, daß die Menschen auf solche Anregungen hin innere Offenbarungen haben können. Das rührt von dem Überhandnehmen des Intellektualismus her. Der Intellektualismus ist ja zusammenhängend mit einer ganz bestimmten Gehirnausbildung. Das Gehirn wird - wenn man das auch natürlich nicht im Äußeren anatomisch-physiologisch nachweisen kann, so kann man es aber doch geistig nachweisen gewissermaßen verkalkter, steifer. Und tatsächlich ist das Gehirn der Zivilisationsmenschen seit dem 15. Jahrhundert wesentlich steifer geworden. Dieses steife Gehirn läßt eben nicht die inneren Offenbarungen des Menschen an die Bewußtseinsoberfläche kommen.

[ 28 ] Aber das ist ja immer mehr und mehr zurückgegangen, daß die Menschen auf solche Anregungen hin innere Offenbarungen haben können. Das rührt von dem Überhandnehmen des Intellektualismus her. Der Intellektualismus ist ja zusammenhängend mit einer ganz bestimmten Gehirnausbildung. Das Gehirn wird - wenn man das auch natürlich nicht im Äußeren anatomisch-physiologisch nachweisen kann, so kann man es aber doch geistig nachweisen gewissermaßen verkalkter, steifer. Und tatsächlich ist das Gehirn der Zivilisationsmenschen seit dem 15. Jahrhundert wesentlich steifer geworden. Dieses steife Gehirn läßt eben nicht die inneren Offenbarungen des Menschen an die Bewußtseinsoberfläche kommen.

[ 29 ] Nun muß ich jetzt etwas außerordentlich Paradoxes sagen, aber wahr ist es eben doch: Die größere Steifigkeit des Gehirnes, selbstverständlich Ausnahmen auf der einen und der anderen Seite immer abgerechnet, trat bei den Männern auf, wobei ich das gar nicht sage, damit sich dieses oder jenes weibliche Gehirn besonders freuen soll, denn als dann die letzte Hälfte des 19. Jahrhunderts herankam, wurden schon auch die Frauengehirne genügend steif. Aber den Vorsprung in bezug auf die Intellektualität und die Steifigkeit der Gehirne hatten eben doch die Männer. Und das hängt zusammen mit dem Zurückgehen des Urteiles.

[ 29 ] Nun muß ich jetzt etwas außerordentlich Paradoxes sagen, aber wahr ist es eben doch: Die größere Steifigkeit des Gehirnes, selbstverständlich Ausnahmen auf der einen und der anderen Seite immer abgerechnet, trat bei den Männern auf, wobei ich das gar nicht sage, damit sich dieses oder jenes weibliche Gehirn besonders freuen soll, denn als dann die letzte Hälfte des 19. Jahrhunderts herankam, wurden schon auch die Frauengehirne genügend steif. Aber den Vorsprung in bezug auf die Intellektualität und die Steifigkeit der Gehirne hatten eben doch die Männer. Und das hängt zusammen mit dem Zurückgehen des Urteiles.

[ 30 ] Nun, in der Zeit war es ja namentlich, wo Geheimhaltung von dem alten Wissen noch in starkem Maße gepflogen worden ist. Da stellte sich dann heraus: Den Männern tat dieses Wissen nicht viel an, denn sie lernten es auswendig, gradweise. Es tat ihnen nicht viel an, und sie hielten es ja unter Schloß und Riegel. Wenn aber einer in irgendeiner Weise dieses alte Wissen noch einmal zu einer besonderen Entfaltung bringen wollte, dann konnte er schon das besondere Experiment machen, dieses Wissen, das er vielleicht selber gar nicht einmal zu verstehen brauchte, nun in einer geringen Dosis einer Frau, deren Gehirn vielleicht noch gerade ganz besonders präpariert war — denn das Blavatsky-Gehirn war doch etwas anderes als andere Frauengehirne des 19. Jahrhunderts —, zu übergeben. Dann konnte das durch den Kontrast gegenüber alledem, was man sonst an Kultur hatte gerade in diesen Frauengehirnen, ich möchte sagen, Feuer fangen, was sonst vertrocknetes altes Wissen war, konnte, so wie der Psychiater durch diese oder jene Direktion den ganzen Menschen anregt, diese Persönlichkeit der Blavatsky anregen. Sie fand dann durch diese Anregung dasjenige aus sich heraus, was von der gesamten Menschheit, die nicht in Geheimgesellschaften war, überhaupt vergessen worden war, von den anderen, die in Geheimgesellschaften waren, sorgfältig unter Schloß und Riegel gehalten und zum großen Teil eben nicht verstanden worden ist. Das konnte auf diese Weise, ich möchte sagen, wie durch ein Kulturventil herauskommen.

[ 30 ] Nun, in der Zeit war es ja namentlich, wo Geheimhaltung von dem alten Wissen noch in starkem Maße gepflogen worden ist. Da stellte sich dann heraus: Den Männern tat dieses Wissen nicht viel an, denn sie lernten es auswendig, gradweise. Es tat ihnen nicht viel an, und sie hielten es ja unter Schloß und Riegel. Wenn aber einer in irgendeiner Weise dieses alte Wissen noch einmal zu einer besonderen Entfaltung bringen wollte, dann konnte er schon das besondere Experiment machen, dieses Wissen, das er vielleicht selber gar nicht einmal zu verstehen brauchte, nun in einer geringen Dosis einer Frau, deren Gehirn vielleicht noch gerade ganz besonders präpariert war — denn das Blavatsky-Gehirn war doch etwas anderes als andere Frauengehirne des 19. Jahrhunderts —, zu übergeben. Dann konnte das durch den Kontrast gegenüber alledem, was man sonst an Kultur hatte gerade in diesen Frauengehirnen, ich möchte sagen, Feuer fangen, was sonst vertrocknetes altes Wissen war, konnte, so wie der Psychiater durch diese oder jene Direktion den ganzen Menschen anregt, diese Persönlichkeit der Blavatsky anregen. Sie fand dann durch diese Anregung dasjenige aus sich heraus, was von der gesamten Menschheit, die nicht in Geheimgesellschaften war, überhaupt vergessen worden war, von den anderen, die in Geheimgesellschaften waren, sorgfältig unter Schloß und Riegel gehalten und zum großen Teil eben nicht verstanden worden ist. Das konnte auf diese Weise, ich möchte sagen, wie durch ein Kulturventil herauskommen.

[ 31 ] Aber gleichzeitig war eben gar keine Grundlage da, daß das in einer vernünftigen Weise hätte verarbeitet werden können. Denn eine Logikerin war Frau Blavatsky ganz gewiß nicht. In der Logik wat sie außerordentlich schwach. Während sie tatsächlich aus ihrem gesamten Menschenwesen heraus Weltengeheimnisse offenbaren konnte, war sie eben nicht imstande, diese Dinge auch in einer Form, die sich vor dem wissenschaftlichen Gewissen der neueren Zeit verantworten läßt, darzustellen.

[ 31 ] Aber gleichzeitig war eben gar keine Grundlage da, daß das in einer vernünftigen Weise hätte verarbeitet werden können. Denn eine Logikerin war Frau Blavatsky ganz gewiß nicht. In der Logik wat sie außerordentlich schwach. Während sie tatsächlich aus ihrem gesamten Menschenwesen heraus Weltengeheimnisse offenbaren konnte, war sie eben nicht imstande, diese Dinge auch in einer Form, die sich vor dem wissenschaftlichen Gewissen der neueren Zeit verantworten läßt, darzustellen.

[ 32 ] Jetzt denken Sie sich einmal: Wie sollte bei der Kurzmaschigkeit des Urteils, mit dem geistigen Erscheinungen da begegnet wurde, in richtiger Weise beachtet werden dasjenige, was ja erst, man möchte sagen, zwanzig Jahre danach ganz primitiv dilettantisch höchstens in der Psychoanalyse wieder hervorkam, aber auch nur auf einem außerordentlich kleinen Gebiete. Wie sollte in richtiger Weise beachtet werden das, was Erlebnis werden konnte von gigantischer Größe, zu dem sich einmal die Psychoanalyse, wenn sie geläutert, geklärt ist, wenn sie auf einen vernünftigen Boden gestellt ist, wirklich wissenschaftlich betrieben werden wird, erst erheben kann; wenn man nicht mehr aus dem Blut psychoanalysiert, das von Menschen, die das Ödipus-Problem miterlebt haben, herunterrinnt durch die Adern bis in unsere Generation herein, sondern wenn man die Weltenzusammenhänge wirklich versteht. Wie sollte man diesem Erlebnis, das einer heutigen entarteten psychoanalytischen Forschung, ich möchte sagen, ihr von aller Karikatur befreites großartiges, gigantisches Gegenbild zeigt, wie sollte man dem in einer Zeit, in der die Urteilsfähigkeit so beschaffen war, wie ich es Ihnen dargestellt habe, in genügendem Maße in weiteren Kreisen begegnen können? In dieser Beziehung konnte einem ja wirklich gar manches passieren mit Bezug auf die Auffassung, die einem dann entgegengebracht wurde in unserer Zeit, wenn man nur den Versuch machte, an ein etwas weitmaschigeres Urteil zu appellieren.

[ 32 ] Jetzt denken Sie sich einmal: Wie sollte bei der Kurzmaschigkeit des Urteils, mit dem geistigen Erscheinungen da begegnet wurde, in richtiger Weise beachtet werden dasjenige, was ja erst, man möchte sagen, zwanzig Jahre danach ganz primitiv dilettantisch höchstens in der Psychoanalyse wieder hervorkam, aber auch nur auf einem außerordentlich kleinen Gebiete. Wie sollte in richtiger Weise beachtet werden das, was Erlebnis werden konnte von gigantischer Größe, zu dem sich einmal die Psychoanalyse, wenn sie geläutert, geklärt ist, wenn sie auf einen vernünftigen Boden gestellt ist, wirklich wissenschaftlich betrieben werden wird, erst erheben kann; wenn man nicht mehr aus dem Blut psychoanalysiert, das von Menschen, die das Ödipus-Problem miterlebt haben, herunterrinnt durch die Adern bis in unsere Generation herein, sondern wenn man die Weltenzusammenhänge wirklich versteht. Wie sollte man diesem Erlebnis, das einer heutigen entarteten psychoanalytischen Forschung, ich möchte sagen, ihr von aller Karikatur befreites großartiges, gigantisches Gegenbild zeigt, wie sollte man dem in einer Zeit, in der die Urteilsfähigkeit so beschaffen war, wie ich es Ihnen dargestellt habe, in genügendem Maße in weiteren Kreisen begegnen können? In dieser Beziehung konnte einem ja wirklich gar manches passieren mit Bezug auf die Auffassung, die einem dann entgegengebracht wurde in unserer Zeit, wenn man nur den Versuch machte, an ein etwas weitmaschigeres Urteil zu appellieren.

[ 33 ] Ich möchte Ihnen da zur Illustration — diese Dinge sind notwendig, Sie werden schon sehen aus dem weiteren Verlauf der Vorträge, wie notwendig es ist, daß ich auch auf diese scheinbar ganz persönlichen Dinge eingehe - ein Beispiel erzählen, wie schwierig es in dieser neueren Zeit ist, sich überhaupt dann irgendwie verständlich zu machen, wenn man mit irgend etwas an ein weitmaschigeres, weitherzigeres Urteil appellieren will.

[ 33 ] Ich möchte Ihnen da zur Illustration — diese Dinge sind notwendig, Sie werden schon sehen aus dem weiteren Verlauf der Vorträge, wie notwendig es ist, daß ich auch auf diese scheinbar ganz persönlichen Dinge eingehe - ein Beispiel erzählen, wie schwierig es in dieser neueren Zeit ist, sich überhaupt dann irgendwie verständlich zu machen, wenn man mit irgend etwas an ein weitmaschigeres, weitherzigeres Urteil appellieren will.

[ 34 ] Es gab eine Zeit um die Jahrhundertwende, da wurden in Berlin, wo ich dazumal wohnte, Giordano Bruno-Vereinigungen begründet, unter anderem auch ein «Giordano Bruno-Bund». Es gab auch andere Giordano Bruno-Vereinigungen, aber es wurde ein «Giordano Bruno-Bund» begründet. Darinnen waren wirklich ausgezeichnete Menschen im Stil und Sinn der damaligen Zeit, Menschen, die schon ein gründliches Interesse hatten für dasjenige, für das man dazumal überhaupt Interesse aufbringen konnte, und für das man die ganze Richtung seiner Vorstellungs- und Empfindungs- und Willenswelt aufbringen konnte. Und sogar in jener abstrakten Weise, in der das auch in der neueren Zeit geschieht, wurde sogar in diesem Giordano Bruno-Bund auf den Geist hingewiesen. Eine bekannte Persönlichkeit dieses Giordano BrunoBundes leitete seine Begründung ein mit einem Vortrage: «Materie nie ohne Geist». — Aber das alles war so aussichtslos, denn dieser Geist und das, was da gepflegt worden ist, das war im Grunde genommen etwas ganz Abstraktes, was an eine Wirklichkeit der Welt gar nicht herankommen konnte. Die Denkweise war etwas furchtbar Abstraktes. Besonders aber kam es mir sehr ärgerlich vor, daß die Leute da alle Augenblicke, wo es nur irgendwie möglich war, das Wort Monismus anbrachten. Man müsse dem einzig vernünftgen, menschheitsgemäßen Monismus huldigen, und der Dualismus, der sei etwas Abgetanes. Dann wurde namentlich immer darauf hingewiesen, wie man sich in der neueren Zeit aus dem mittelalterlichen Dualismus herausgewunden habe.

[ 34 ] Es gab eine Zeit um die Jahrhundertwende, da wurden in Berlin, wo ich dazumal wohnte, Giordano Bruno-Vereinigungen begründet, unter anderem auch ein «Giordano Bruno-Bund». Es gab auch andere Giordano Bruno-Vereinigungen, aber es wurde ein «Giordano Bruno-Bund» begründet. Darinnen waren wirklich ausgezeichnete Menschen im Stil und Sinn der damaligen Zeit, Menschen, die schon ein gründliches Interesse hatten für dasjenige, für das man dazumal überhaupt Interesse aufbringen konnte, und für das man die ganze Richtung seiner Vorstellungs- und Empfindungs- und Willenswelt aufbringen konnte. Und sogar in jener abstrakten Weise, in der das auch in der neueren Zeit geschieht, wurde sogar in diesem Giordano Bruno-Bund auf den Geist hingewiesen. Eine bekannte Persönlichkeit dieses Giordano BrunoBundes leitete seine Begründung ein mit einem Vortrage: «Materie nie ohne Geist». — Aber das alles war so aussichtslos, denn dieser Geist und das, was da gepflegt worden ist, das war im Grunde genommen etwas ganz Abstraktes, was an eine Wirklichkeit der Welt gar nicht herankommen konnte. Die Denkweise war etwas furchtbar Abstraktes. Besonders aber kam es mir sehr ärgerlich vor, daß die Leute da alle Augenblicke, wo es nur irgendwie möglich war, das Wort Monismus anbrachten. Man müsse dem einzig vernünftgen, menschheitsgemäßen Monismus huldigen, und der Dualismus, der sei etwas Abgetanes. Dann wurde namentlich immer darauf hingewiesen, wie man sich in der neueren Zeit aus dem mittelalterlichen Dualismus herausgewunden habe.

[ 35 ] Das waren Dinge, die ich dazumal außerordentlich ärgerlich fand. Ich fand eben ärgerlich dieses Schwafeln über den Monismus und dieses dilettantische Ablehnen eines Dualismus, ich fand ärgerlich das Reden über den Geist so im allgemeinen, pantheistisch, daß, nun ja: daß halt überall auch Geist ist. Es blieb dann nichts zurück als das Wort vom Geiste. Das alles fand ich ziemlich ärgerlich. Eigentlich geriet ich schon, nachdem der erste Vortrag über «Materie nie ohne Geist» gehalten worden war, mit demjenigen, der den Vortrag gehalten hat, aneinander, was mir dazumal schon außerordentlich übelgenommen worden ist. Aber dann setzte sich dieses ganze monistische Treiben fort und wurde mir immer ärgerlicher, interessant, aber ärgerlich, und da beschloß ich denn einmal, die Leute an einem Zipfel anzufassen, wodurch ich wenigstens meinte, ihre Urteilskraft in einige Bewegung zu bringen. Und da schon durch eine ganze Serie von Vorträgen die Tiraden über das finstere Mittelalter, über die schreckliche dualistische Scholastik gegangen waren, so beschloß ich — es war in der Zeit, von der man jetzt gerade von mir erzählt, daß ich ein wütender Haeckelianer gewesen sein soll —, einmal etwas zu tun, wodurch das Urteil hätte etwas durcheinandergerüttelt sein sollen. Da hielt ich einen Vortrag über Thomas von Aquino und sagte, indem ich jetzt dasjenige, was ich dazumal ausführlich darlegte, in ein paar Sätze zusammenfasse, ungefähr das Folgende: Es habe gar keine Berechtigung, in bezug auf die Ideen des vergangenen Geisteslebens, von dem finsteren Mittelalter, namentlich von dem Dualismus der Thomistik und der Scholastik zu sprechen. Denn wenn man immerfort das Schlagwort Monismus gebraucht, so wolle ich beweisen, daß Thomas von Aquino ein richtiger Monist gewesen sei. Nur müsse man dann nicht bloß dasjenige, was in der Gegenwart als materialistischer Monismus aufgefaßt wird, allein Monismus nennen, sondern man müsse denjenigen einen Monisten nennen, der das Weltenprinzip in einem Monon, in einer Einheit sehe. So sagte ich: das habe ganz gewiß Thomas von Aquino getan, denn er habe selbstverständlich in dem einheitlichen Göttlichen das Monon gesehen, das zugrunde liegt allem, was in der Welt als Schöpfung vorhanden ist. Da liegt, sagte ich, der reinste Monismus zugrunde. Nur habe er, nach Maßgabe des damaligen Zeitalters, unterschieden, daß man die eine Hälfte durch gewöhnliche menschliche Sinneserkenntnis und Verstandeserkenntnis erfassen könne, die andere durch eine Art von Erkenntnis, die dazumal Glaube genannt worden ist. Aber was die Scholastik noch als Glaube verstand, verstehe die gegenwärtige Menschheit gar nicht. So müsse man, sagte ich, sich klar darüber sein, daß zwar Thomas von Aquino gewollt hat, auf der einen Seite durch Sinnesforschungen und Verstandeserkenntnis sich der Welt zu nähern, daß er aber auf der anderen Seite durch die Offenbarungswahrheiten diese Verstandeserkenntnis habe ergänzen wollen. Aber dadurch habe er gerade zu dem Monon der Welt vordringen wollen. Er habe nur auf zwei Wegen vorgehen wollen. Das Schlimme wäre für die Gegenwart, sagte ich, daß diese Gegenwart nicht genug weitherzige Begriffe habe, um sich etwas in der Geschichte auszukennen.

[ 35 ] Das waren Dinge, die ich dazumal außerordentlich ärgerlich fand. Ich fand eben ärgerlich dieses Schwafeln über den Monismus und dieses dilettantische Ablehnen eines Dualismus, ich fand ärgerlich das Reden über den Geist so im allgemeinen, pantheistisch, daß, nun ja: daß halt überall auch Geist ist. Es blieb dann nichts zurück als das Wort vom Geiste. Das alles fand ich ziemlich ärgerlich. Eigentlich geriet ich schon, nachdem der erste Vortrag über «Materie nie ohne Geist» gehalten worden war, mit demjenigen, der den Vortrag gehalten hat, aneinander, was mir dazumal schon außerordentlich übelgenommen worden ist. Aber dann setzte sich dieses ganze monistische Treiben fort und wurde mir immer ärgerlicher, interessant, aber ärgerlich, und da beschloß ich denn einmal, die Leute an einem Zipfel anzufassen, wodurch ich wenigstens meinte, ihre Urteilskraft in einige Bewegung zu bringen. Und da schon durch eine ganze Serie von Vorträgen die Tiraden über das finstere Mittelalter, über die schreckliche dualistische Scholastik gegangen waren, so beschloß ich — es war in der Zeit, von der man jetzt gerade von mir erzählt, daß ich ein wütender Haeckelianer gewesen sein soll —, einmal etwas zu tun, wodurch das Urteil hätte etwas durcheinandergerüttelt sein sollen. Da hielt ich einen Vortrag über Thomas von Aquino und sagte, indem ich jetzt dasjenige, was ich dazumal ausführlich darlegte, in ein paar Sätze zusammenfasse, ungefähr das Folgende: Es habe gar keine Berechtigung, in bezug auf die Ideen des vergangenen Geisteslebens, von dem finsteren Mittelalter, namentlich von dem Dualismus der Thomistik und der Scholastik zu sprechen. Denn wenn man immerfort das Schlagwort Monismus gebraucht, so wolle ich beweisen, daß Thomas von Aquino ein richtiger Monist gewesen sei. Nur müsse man dann nicht bloß dasjenige, was in der Gegenwart als materialistischer Monismus aufgefaßt wird, allein Monismus nennen, sondern man müsse denjenigen einen Monisten nennen, der das Weltenprinzip in einem Monon, in einer Einheit sehe. So sagte ich: das habe ganz gewiß Thomas von Aquino getan, denn er habe selbstverständlich in dem einheitlichen Göttlichen das Monon gesehen, das zugrunde liegt allem, was in der Welt als Schöpfung vorhanden ist. Da liegt, sagte ich, der reinste Monismus zugrunde. Nur habe er, nach Maßgabe des damaligen Zeitalters, unterschieden, daß man die eine Hälfte durch gewöhnliche menschliche Sinneserkenntnis und Verstandeserkenntnis erfassen könne, die andere durch eine Art von Erkenntnis, die dazumal Glaube genannt worden ist. Aber was die Scholastik noch als Glaube verstand, verstehe die gegenwärtige Menschheit gar nicht. So müsse man, sagte ich, sich klar darüber sein, daß zwar Thomas von Aquino gewollt hat, auf der einen Seite durch Sinnesforschungen und Verstandeserkenntnis sich der Welt zu nähern, daß er aber auf der anderen Seite durch die Offenbarungswahrheiten diese Verstandeserkenntnis habe ergänzen wollen. Aber dadurch habe er gerade zu dem Monon der Welt vordringen wollen. Er habe nur auf zwei Wegen vorgehen wollen. Das Schlimme wäre für die Gegenwart, sagte ich, daß diese Gegenwart nicht genug weitherzige Begriffe habe, um sich etwas in der Geschichte auszukennen.

[ 36 ] Kurz, ich wollte den vertrockneten Gehirnen zu einiger Feuchtigkeit verhelfen. Aber es war vergeblich. Denn es hatte eine ganz außerordentlich merkwürdige Wirkung. Die Leute wußten überhaupt zunächst nichts anzufangen mit der Sache. Es waren lauter evangelische Protestanten, und sie fanden: Jetzt soll der Katholizismus eingeschmuggelt werden! Sie fanden, es soll der Katholizismus in Schutz genommen werden mit seinem schrecklichen Dualismus. Es ist ja fürchterlich, sagten sie, wir geben uns alle Mühe, dem Katholizismus den letzten Schlag zu versetzen, und da kommt nun ein Mitglied dieses selben Giordano Bruno-Bundes und nimmt den Katholizismus in Schutz!

[ 36 ] Kurz, ich wollte den vertrockneten Gehirnen zu einiger Feuchtigkeit verhelfen. Aber es war vergeblich. Denn es hatte eine ganz außerordentlich merkwürdige Wirkung. Die Leute wußten überhaupt zunächst nichts anzufangen mit der Sache. Es waren lauter evangelische Protestanten, und sie fanden: Jetzt soll der Katholizismus eingeschmuggelt werden! Sie fanden, es soll der Katholizismus in Schutz genommen werden mit seinem schrecklichen Dualismus. Es ist ja fürchterlich, sagten sie, wir geben uns alle Mühe, dem Katholizismus den letzten Schlag zu versetzen, und da kommt nun ein Mitglied dieses selben Giordano Bruno-Bundes und nimmt den Katholizismus in Schutz!

[ 37 ] Wirklich, die Leute wußten dazumal nicht, ob ich nicht über Nacht verrückt geworden bin, als ich diesen Vortrag gehalten habe. Sie wußten gar nichts daraus zu machen. Und es waren eigentlich die erleuchtetsten Köpfe damals. Es fand sich eigentlich nur einer, der dann als eine Art Apologet aufgetreten ist. Das war der Dichter Wolfgang Kirchbach. Das war der einzige, der dann die Formel ersonnen hat, unter der der Vortrag im Giordano Bruno-Bund Heimatrecht haben könne. Und diese Formel hatte er in folgender Weise ersonnen. Er sagte: Ja, der Steiner hat ja nicht den Katholizismus einschmuggeln wollen, sondern er hat zeigen wollen, daß in jener alten scholastischen Weisheit des Katholizismus etwas viel Bedeutenderes noch steckt als dasjenige, was wir selber heute als unsere oberflächlichen Begriffe haben. Das hat er zeigen wollen. Er hat uns zeigen wollen, daß der Katholizismus deshalb ein so starker Feind ist, weil wir so schwache Gegner sind, daß wir stärkere Waffen uns anschaffen sollen. Das hat er zeigen wollen mit seinem Vortrag. — Das war die einzige Formel, unter der dann dieser Vortrag bei einem Drittel, bei der Minorität, so weit Heimatrecht gekriegt hat, daß ich wenigstens nicht ausgeschlossen wurde aus dem Giordano Bruno-Bund. Aber bei der Majorität galt ich als ein Mensch, der durch den Katholizismus verwirrt gemacht worden ist.

[ 37 ] Wirklich, die Leute wußten dazumal nicht, ob ich nicht über Nacht verrückt geworden bin, als ich diesen Vortrag gehalten habe. Sie wußten gar nichts daraus zu machen. Und es waren eigentlich die erleuchtetsten Köpfe damals. Es fand sich eigentlich nur einer, der dann als eine Art Apologet aufgetreten ist. Das war der Dichter Wolfgang Kirchbach. Das war der einzige, der dann die Formel ersonnen hat, unter der der Vortrag im Giordano Bruno-Bund Heimatrecht haben könne. Und diese Formel hatte er in folgender Weise ersonnen. Er sagte: Ja, der Steiner hat ja nicht den Katholizismus einschmuggeln wollen, sondern er hat zeigen wollen, daß in jener alten scholastischen Weisheit des Katholizismus etwas viel Bedeutenderes noch steckt als dasjenige, was wir selber heute als unsere oberflächlichen Begriffe haben. Das hat er zeigen wollen. Er hat uns zeigen wollen, daß der Katholizismus deshalb ein so starker Feind ist, weil wir so schwache Gegner sind, daß wir stärkere Waffen uns anschaffen sollen. Das hat er zeigen wollen mit seinem Vortrag. — Das war die einzige Formel, unter der dann dieser Vortrag bei einem Drittel, bei der Minorität, so weit Heimatrecht gekriegt hat, daß ich wenigstens nicht ausgeschlossen wurde aus dem Giordano Bruno-Bund. Aber bei der Majorität galt ich als ein Mensch, der durch den Katholizismus verwirrt gemacht worden ist.

[ 38 ] Nun sehen Sie, daß ist so eine Episode aus jener Zeit, von der man jetzt sagt, daß ich ein wütender Haeckelianer gewesen bin. Man machte aber durch solche Dinge die Erfahrung über die Urteilsfähigkeit, namentlich über die Weitherzigkeit des Urteils, die demjenigen entgegengebracht worden sind, was vor allen Dingen nicht auf theoretische Formeln ging, sondern was darauf ging, den Weg zum Geistigen wirklich anzutreten, wirklich hineinzukommen in die geistige Welt.

[ 38 ] Nun sehen Sie, daß ist so eine Episode aus jener Zeit, von der man jetzt sagt, daß ich ein wütender Haeckelianer gewesen bin. Man machte aber durch solche Dinge die Erfahrung über die Urteilsfähigkeit, namentlich über die Weitherzigkeit des Urteils, die demjenigen entgegengebracht worden sind, was vor allen Dingen nicht auf theoretische Formeln ging, sondern was darauf ging, den Weg zum Geistigen wirklich anzutreten, wirklich hineinzukommen in die geistige Welt.

[ 39 ] Denn dieses Hineinkommen in die geistige Welt hängt ja nicht davon ab, ob man diese oder jene Theorie über Geist oder Materie hat, sondern ob man ein wirkliches Erlebnis von der geistigen Welt herbeizuführen in der Lage ist. Ich habe es oftmals schon betont, die Spiritisten glauben ganz sicher, daß sie alles auf den Geist hin treiben, aber ihre Theorien sind doch so geistlos. Sie führen ganz gewiß den Menschen nicht zum Geiste hin. Man kann sogar Materialist sein und viel Geist haben. Das ist doch auch realer Geist, wenn er auch im Irrtum begriffen ist. Natürlich braucht man den sich verirrenden Geist nicht als irgend etwas Wertvolles hinzustellen, aber der sich verirrende Geist, der Geist, der sich betrügt dadurch, daß er die Materie für das Alleinwirkliche hält, kann noch immer geistvoller sein als jene Geistlosigkeit, welche auf materielle Weise den Geist sucht, weil sie gar keinen Geist überhaupt in sich selber finden kann.

[ 39 ] Denn dieses Hineinkommen in die geistige Welt hängt ja nicht davon ab, ob man diese oder jene Theorie über Geist oder Materie hat, sondern ob man ein wirkliches Erlebnis von der geistigen Welt herbeizuführen in der Lage ist. Ich habe es oftmals schon betont, die Spiritisten glauben ganz sicher, daß sie alles auf den Geist hin treiben, aber ihre Theorien sind doch so geistlos. Sie führen ganz gewiß den Menschen nicht zum Geiste hin. Man kann sogar Materialist sein und viel Geist haben. Das ist doch auch realer Geist, wenn er auch im Irrtum begriffen ist. Natürlich braucht man den sich verirrenden Geist nicht als irgend etwas Wertvolles hinzustellen, aber der sich verirrende Geist, der Geist, der sich betrügt dadurch, daß er die Materie für das Alleinwirkliche hält, kann noch immer geistvoller sein als jene Geistlosigkeit, welche auf materielle Weise den Geist sucht, weil sie gar keinen Geist überhaupt in sich selber finden kann.

[ 40 ] Man muß also, wenn man zu jenen Ausgangspunkten zurückblickt, die man richtig erfassen muß, wenn man den ganzen Sinn und die Lebensbedingungen der Bewegung verstehen will, auf der einen Seite wissen, wie zunächst außerordentlich problematisch, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Offenbarungen der geistigen Welt in die Erdenwelt hereintraten, und wie wenig reif das allgemeine Urteil war, diese geistigen Offenbarungen aufzunehmen, und wie groß vor allen Dingen der Wille ganz bestimmter Kreise war, nur ja nichts, was wirklich zum Geiste hinführt, unter die Leute kommen zu lassen. Es ist ganz zweifellos, daß für sehr viele durchaus ernstzunehmende Menschen die Erscheinung der Blavatsky anregend wirken mußte. Das hat sie ja auch zunächst getan. Die Leute haben so gestanden, die noch etwas Urteil sich bewahrt haben, daß sie sich gesagt haben: Da ist doch etwas, was durch sich selber eben spricht. Es ist merkwürdig, wie es gerade jetzt in die Welt gekommen ist, aber es ist etwas, was durch sich selber spricht. Man braucht nur gesunden Menschenverstand anzuwenden, dann spricht es durch sich selber. Aber es waren eben viele Menschen da, die ein Interesse daran hatten, gerade so etwas nun ja nicht als Anregungen in die Welt hineinfließen zu lassen.

[ 40 ] Man muß also, wenn man zu jenen Ausgangspunkten zurückblickt, die man richtig erfassen muß, wenn man den ganzen Sinn und die Lebensbedingungen der Bewegung verstehen will, auf der einen Seite wissen, wie zunächst außerordentlich problematisch, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Offenbarungen der geistigen Welt in die Erdenwelt hereintraten, und wie wenig reif das allgemeine Urteil war, diese geistigen Offenbarungen aufzunehmen, und wie groß vor allen Dingen der Wille ganz bestimmter Kreise war, nur ja nichts, was wirklich zum Geiste hinführt, unter die Leute kommen zu lassen. Es ist ganz zweifellos, daß für sehr viele durchaus ernstzunehmende Menschen die Erscheinung der Blavatsky anregend wirken mußte. Das hat sie ja auch zunächst getan. Die Leute haben so gestanden, die noch etwas Urteil sich bewahrt haben, daß sie sich gesagt haben: Da ist doch etwas, was durch sich selber eben spricht. Es ist merkwürdig, wie es gerade jetzt in die Welt gekommen ist, aber es ist etwas, was durch sich selber spricht. Man braucht nur gesunden Menschenverstand anzuwenden, dann spricht es durch sich selber. Aber es waren eben viele Menschen da, die ein Interesse daran hatten, gerade so etwas nun ja nicht als Anregungen in die Welt hineinfließen zu lassen.

[ 41 ] Nun war es da, war da in einer Persönlichkeit wie der Blavatsky, die in einem gewissen Sinne doch wieder naiv und hilflos ihrer eigenen inneren Offenbarung gegenüberstand. Das zeigt schon der Stil ihrer Werke. So war es da, so stand sie selbst dazu, naiv und hilflos in einer gewissen Weise, und hingegeben vielem, was in ihrer Umgebung auftrat. Ja, glauben Sie denn, daß es da besonders schwierig war — besonders bei H.P. Blavatsky war es nicht sehr schwierig -, daß sich Leute, die nun die Welt so präparieren wollten, daß sie nur ja nichts annehmen sollte von irgendwelcher Geistigkeit, sich an die Blavatsky heranmachten, ihre Umgebung bildeten? Weil sie so naiv und hilflos ihren eigenen inneren Offenbarungen gegenüberstand, war sie ja leichtgläubig in einer gewissen Weise. Es brauchte zum Beispiel die Sache mit der Schiebetüre, durch die scheinbare Meisterbriefe hereingeschoben worden waren — die aber draußen irgendeiner, wie der... oder sonst irgendeiner schrieb und hereingeschoben hat — durchaus nicht darauf zu beruhen, daß H.P. Blavatsky dem... . zuerst gesagt hat: Schiebe da solche Briefe herein -, sondern sie war in einer gewissen Weise doch wieder naiv, glaubte selbst an solche Briefe. Derjenige, der sie hereingeschoben hat, der täuschte die Blavatsky samt der Welt. Dann konnte man natürlich sehr leicht vor der Welt sagen: Das ist eine Schwindlerin. Aber verstehen Sie denn nicht, meine lieben Freunde, daß man die Blavatsky selber beschwindelt haben könnte? Denn eine gewisse außerordentliche Leichtgläubigkeit war gerade infolge ihrer besonderen, ich will sagen, Nichtverhärtetheit ihres Gehirnes in ihr vorhanden. Also das Problem liegt außerordentlich kompliziert und erfordert wie alles, was in unserer Zeit an wirklicher Geistigkeit in die Welt hereintritt, Urteilsfähigkeit, fordert schon gesunden Menschenverstand. Es ist nicht gerade gesunder Menschenverstand, wenn man Adalbert Stifter zunächst nicht einmal für fähig hält, Lehrer zu werden, und nachher - es ist in diesem Falle auch eine Frau gewesen, wahrscheinlich war es auch eine noch mit einem weicheren Gehirn, als alle jene Referenten in den Ministerien es hatten, oder in den Schulkommissionen -, als von dieser Seite her ein Wink kam: dann fand man ihn geeignet, alle diejenigen zu inspizieren, von denen er nicht einmal ein einzelner sein durfte.

[ 41 ] Nun war es da, war da in einer Persönlichkeit wie der Blavatsky, die in einem gewissen Sinne doch wieder naiv und hilflos ihrer eigenen inneren Offenbarung gegenüberstand. Das zeigt schon der Stil ihrer Werke. So war es da, so stand sie selbst dazu, naiv und hilflos in einer gewissen Weise, und hingegeben vielem, was in ihrer Umgebung auftrat. Ja, glauben Sie denn, daß es da besonders schwierig war — besonders bei H.P. Blavatsky war es nicht sehr schwierig -, daß sich Leute, die nun die Welt so präparieren wollten, daß sie nur ja nichts annehmen sollte von irgendwelcher Geistigkeit, sich an die Blavatsky heranmachten, ihre Umgebung bildeten? Weil sie so naiv und hilflos ihren eigenen inneren Offenbarungen gegenüberstand, war sie ja leichtgläubig in einer gewissen Weise. Es brauchte zum Beispiel die Sache mit der Schiebetüre, durch die scheinbare Meisterbriefe hereingeschoben worden waren — die aber draußen irgendeiner, wie der... oder sonst irgendeiner schrieb und hereingeschoben hat — durchaus nicht darauf zu beruhen, daß H.P. Blavatsky dem... . zuerst gesagt hat: Schiebe da solche Briefe herein -, sondern sie war in einer gewissen Weise doch wieder naiv, glaubte selbst an solche Briefe. Derjenige, der sie hereingeschoben hat, der täuschte die Blavatsky samt der Welt. Dann konnte man natürlich sehr leicht vor der Welt sagen: Das ist eine Schwindlerin. Aber verstehen Sie denn nicht, meine lieben Freunde, daß man die Blavatsky selber beschwindelt haben könnte? Denn eine gewisse außerordentliche Leichtgläubigkeit war gerade infolge ihrer besonderen, ich will sagen, Nichtverhärtetheit ihres Gehirnes in ihr vorhanden. Also das Problem liegt außerordentlich kompliziert und erfordert wie alles, was in unserer Zeit an wirklicher Geistigkeit in die Welt hereintritt, Urteilsfähigkeit, fordert schon gesunden Menschenverstand. Es ist nicht gerade gesunder Menschenverstand, wenn man Adalbert Stifter zunächst nicht einmal für fähig hält, Lehrer zu werden, und nachher - es ist in diesem Falle auch eine Frau gewesen, wahrscheinlich war es auch eine noch mit einem weicheren Gehirn, als alle jene Referenten in den Ministerien es hatten, oder in den Schulkommissionen -, als von dieser Seite her ein Wink kam: dann fand man ihn geeignet, alle diejenigen zu inspizieren, von denen er nicht einmal ein einzelner sein durfte.

[ 42 ] Um auch da das Richtige zu sehen, dazu gehört eben schon gesunder Menschenverstand. Aber über diesen gesunden Menschenverstand gibt es eigenartige Urteile. Ich habe, als ich einen größeren Vortragszyklus im vorigen Jahre in Deutschland hielt, öfter das Wort gebraucht vom gesunden Menschenverstand und habe gesagt: Dasjenige, was Anthroposophie aus der geistigen Welt heraus zu sagen hat, könne geprüft werden mit dem gesunden Menschenverstand. Einer der Kritiker, der nicht einmal der schlechteste war, hat sogar das aufgegriffen und folgendes gefunden. Er sagte fast wörtlich: Ja, das wäre so eine Art von Gimpelfang, vom gesunden Menschenverstand zu sprechen: denn jeder, der heute ein wissenschaftlich durchgebildeter Mensch ist, weiß ja, daß der Menschenverstand, der gesund ist, fast gar nichts erkennt, und derjenige, der glaubt, etwas zu erkennen, der ist nicht gesund. — Das war der Inhalt eines gar nicht einmal ungeistreich geschriebenen kritischen Urteiles.

[ 42 ] Um auch da das Richtige zu sehen, dazu gehört eben schon gesunder Menschenverstand. Aber über diesen gesunden Menschenverstand gibt es eigenartige Urteile. Ich habe, als ich einen größeren Vortragszyklus im vorigen Jahre in Deutschland hielt, öfter das Wort gebraucht vom gesunden Menschenverstand und habe gesagt: Dasjenige, was Anthroposophie aus der geistigen Welt heraus zu sagen hat, könne geprüft werden mit dem gesunden Menschenverstand. Einer der Kritiker, der nicht einmal der schlechteste war, hat sogar das aufgegriffen und folgendes gefunden. Er sagte fast wörtlich: Ja, das wäre so eine Art von Gimpelfang, vom gesunden Menschenverstand zu sprechen: denn jeder, der heute ein wissenschaftlich durchgebildeter Mensch ist, weiß ja, daß der Menschenverstand, der gesund ist, fast gar nichts erkennt, und derjenige, der glaubt, etwas zu erkennen, der ist nicht gesund. — Das war der Inhalt eines gar nicht einmal ungeistreich geschriebenen kritischen Urteiles.

[ 43 ] Also, übersetzt man es mehr ins Populäre, so heißt das: Wenn einer heute, nachdem entsprechend viele Fortschritte der Menschheit geschehen sind, gescheit ist, so weiß er, daß man nichts erkennt; wenn er glaubt, etwas zu erkennen, so ist er verrückt. Bei dieser Art Entgegennahme des Geistigen sind wir ja schon angekommen.

[ 43 ] Also, übersetzt man es mehr ins Populäre, so heißt das: Wenn einer heute, nachdem entsprechend viele Fortschritte der Menschheit geschehen sind, gescheit ist, so weiß er, daß man nichts erkennt; wenn er glaubt, etwas zu erkennen, so ist er verrückt. Bei dieser Art Entgegennahme des Geistigen sind wir ja schon angekommen.

[ 44 ] Indem ich Ihnen so einiges hingestellt habe aus der Zeit vor dem Beginn der anthroposophischen Bewegung in bezug auf die Auffassungsfähigkeit einer geistigen Offenbarung, und indem ich Ihnen jetzt hingestellt habe das Urteil eines immerhin maßgeblichen Kritikers aus dem vorigen Jahre erst, sehen Sie ungefähr, wie diese Zeitverfassung die ganze Bewegung verfolgt hat. Denn eigentlich mußte ja aus einer solchen Zeitatmosphäre heraus — namentlich da eine so schwer zu begreifende Persönlichkeit wie die Blavatsky doch noch da war, auf die man hinweisen konnte - einfach das Urteil entstehen, das heute im Grunde genommen nur in den verschiedensten Variationen wiederholt wird, nur daß der eine so, der andere anders sagt: Wer heute gescheit ist, gesunden Menschenverstand hat, der sagt «Ignorabimus», wer nicht sagt «Ignorabimus», der ist entweder verrückt oder ein Schwindler.

[ 44 ] Indem ich Ihnen so einiges hingestellt habe aus der Zeit vor dem Beginn der anthroposophischen Bewegung in bezug auf die Auffassungsfähigkeit einer geistigen Offenbarung, und indem ich Ihnen jetzt hingestellt habe das Urteil eines immerhin maßgeblichen Kritikers aus dem vorigen Jahre erst, sehen Sie ungefähr, wie diese Zeitverfassung die ganze Bewegung verfolgt hat. Denn eigentlich mußte ja aus einer solchen Zeitatmosphäre heraus — namentlich da eine so schwer zu begreifende Persönlichkeit wie die Blavatsky doch noch da war, auf die man hinweisen konnte - einfach das Urteil entstehen, das heute im Grunde genommen nur in den verschiedensten Variationen wiederholt wird, nur daß der eine so, der andere anders sagt: Wer heute gescheit ist, gesunden Menschenverstand hat, der sagt «Ignorabimus», wer nicht sagt «Ignorabimus», der ist entweder verrückt oder ein Schwindler.

[ 45 ] Das muß man nicht nur begreifen als irgend etwas Böswilliges. Damit man sich richtig in die Zeit hineinzustellen vermag, damit man einige der Lebensbedingungen der anthroposophischen Bewegung einsehen kann, muß man das nicht bloß als die Böswilligkeit einzelner erkennen, sondern man muß es als etwas ansehen, was zum Zeitkolorit gehört in allen Ländern, bei der ganzen gegenwärtigen Menschheit. Man muß es als solches durchschauen. Dann wird man allerdings in die ganze Stellung, die man sich gibt, die man sich aber kraft- und mutvoll geben sollte, auch das hineinmischen können, was, wenn man vom anthroposophischen Gesichtspunkte über die Zeit spricht, doch drinnen sein muß in allen wenn auch noch so scharfen, seelisch scharfen Zurückweisungen der Gegner: Mitleid. Man muß dennoch Mitleid haben, weil das Zeiturteil benebelt ist.

[ 45 ] Das muß man nicht nur begreifen als irgend etwas Böswilliges. Damit man sich richtig in die Zeit hineinzustellen vermag, damit man einige der Lebensbedingungen der anthroposophischen Bewegung einsehen kann, muß man das nicht bloß als die Böswilligkeit einzelner erkennen, sondern man muß es als etwas ansehen, was zum Zeitkolorit gehört in allen Ländern, bei der ganzen gegenwärtigen Menschheit. Man muß es als solches durchschauen. Dann wird man allerdings in die ganze Stellung, die man sich gibt, die man sich aber kraft- und mutvoll geben sollte, auch das hineinmischen können, was, wenn man vom anthroposophischen Gesichtspunkte über die Zeit spricht, doch drinnen sein muß in allen wenn auch noch so scharfen, seelisch scharfen Zurückweisungen der Gegner: Mitleid. Man muß dennoch Mitleid haben, weil das Zeiturteil benebelt ist.

[ 46 ] Wie es nun eben der anthroposophischen Bewegung ging und gehen mußte, weil die Dinge so liegen, davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.

[ 46 ] Wie es nun eben der anthroposophischen Bewegung ging und gehen mußte, weil die Dinge so liegen, davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.