The History and Circumstances
of the Anthroposophical Movement
in relation to the Anthroposophical Society
An Impulse Towards Self-reflection
GA 258
13 June 1923, Dornach
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Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Bewegung
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Wenn man eine solche Erscheinung wie A. P. Blavatsky betrachtet, und zwar betrachtet von dem Gesichtspunkte aus, der Ihnen schon aus den vorangehenden drei Betrachtungen klar geworden sein wird, so kommt auf der einen Seite natürlich zunächst diese Persönlichkeit als solche, gewissermaßen für sich hingestellt, in Betracht. Auf der anderen Seite kommt in Betracht das, wodurch auf eine große Anzahl von Menschen eine gewisse Wirkung ausgegangen ist. Nun ist ja allerdings diese Wirkung zum Teil eine recht negative gewesen. Man kann sagen: Diejenigen Menschen, welche etwas vernommen haben von den Veröffentlichungen der Blavatsky, insoferne sie, sagen wir, philosophisch, psychologisch, literarisch, naturforscherisch, man könnte auch im allgemeinen sagen, so wie das Wort heute gebraucht wird, gebildet gesinnt waren, sind froh gewesen, auf irgendeine Weise diese Erscheinung los zu werden, nicht genötigt zu sein, irgendein Urteil abzugeben. Sie konnten ja dieses ihr Ziel auch dadurch erreichen, daß unter Umständen, die ich gestern wenigstens angedeutet habe, man einfach sagen konnte: es seien unreelle Praktiken konstatiert worden, und man brauche sich nicht abzugeben mit etwas, von dem dergleichen, wie man sagt, nachgewiesen ist.
[ 1 ] Wenn man eine solche Erscheinung wie A. P. Blavatsky betrachtet, und zwar betrachtet von dem Gesichtspunkte aus, der Ihnen schon aus den vorangehenden drei Betrachtungen klar geworden sein wird, so kommt auf der einen Seite natürlich zunächst diese Persönlichkeit als solche, gewissermaßen für sich hingestellt, in Betracht. Auf der anderen Seite kommt in Betracht das, wodurch auf eine große Anzahl von Menschen eine gewisse Wirkung ausgegangen ist. Nun ist ja allerdings diese Wirkung zum Teil eine recht negative gewesen. Man kann sagen: Diejenigen Menschen, welche etwas vernommen haben von den Veröffentlichungen der Blavatsky, insoferne sie, sagen wir, philosophisch, psychologisch, literarisch, naturforscherisch, man könnte auch im allgemeinen sagen, so wie das Wort heute gebraucht wird, gebildet gesinnt waren, sind froh gewesen, auf irgendeine Weise diese Erscheinung los zu werden, nicht genötigt zu sein, irgendein Urteil abzugeben. Sie konnten ja dieses ihr Ziel auch dadurch erreichen, daß unter Umständen, die ich gestern wenigstens angedeutet habe, man einfach sagen konnte: es seien unreelle Praktiken konstatiert worden, und man brauche sich nicht abzugeben mit etwas, von dem dergleichen, wie man sagt, nachgewiesen ist.
[ 2 ] Dann waren natürlich gerade diejenigen, welche im Besitze alter traditioneller Weisheit sind — in einem Besitze, von dem ich Ihnen gesagt habe, wie wenig sie ihn eigentlich verstanden, die ihn aber in der einen oder in der anderen Hinsicht als ein Machtmittel benützten -, Mitglieder dieser oder jener Geheimgesellschaften. Man darf nie vergessen, daß sich zahllose Wirkungen in der Welt an dasjenige anschließen, was von solchen Geheimgesellschaften ausgeht. Die waren nicht nur froh, kein Urteil abgeben zu brauchen, sondern sie waren vor allen Dingen darauf bedacht, alle Mittel ausfindig zu machen, damit nicht eine breitere Wirkung von einer solchen Darstellung der geistigen Welt ausgehe. Denn die Dinge waren ja, wie wir gesehen haben, veröffentlicht worden, sie konnten von jedem gelesen, von jedem verbreitet werden. Und dadurch war ihnen ein gutes Stück wenigstens der Machtmittel, welche solche Gesellschaften sich bewahren wollten, genommen worden. Daher stecken hinter denjenigen Dingen natürlich, die ich gestern charakterisiert habe, schon Angehörige solcher Gesellschaften, namentlich an dem Aufbringen des Urteiles: Da liegen unreelle Praktiken vor.
[ 2 ] Dann waren natürlich gerade diejenigen, welche im Besitze alter traditioneller Weisheit sind — in einem Besitze, von dem ich Ihnen gesagt habe, wie wenig sie ihn eigentlich verstanden, die ihn aber in der einen oder in der anderen Hinsicht als ein Machtmittel benützten -, Mitglieder dieser oder jener Geheimgesellschaften. Man darf nie vergessen, daß sich zahllose Wirkungen in der Welt an dasjenige anschließen, was von solchen Geheimgesellschaften ausgeht. Die waren nicht nur froh, kein Urteil abgeben zu brauchen, sondern sie waren vor allen Dingen darauf bedacht, alle Mittel ausfindig zu machen, damit nicht eine breitere Wirkung von einer solchen Darstellung der geistigen Welt ausgehe. Denn die Dinge waren ja, wie wir gesehen haben, veröffentlicht worden, sie konnten von jedem gelesen, von jedem verbreitet werden. Und dadurch war ihnen ein gutes Stück wenigstens der Machtmittel, welche solche Gesellschaften sich bewahren wollten, genommen worden. Daher stecken hinter denjenigen Dingen natürlich, die ich gestern charakterisiert habe, schon Angehörige solcher Gesellschaften, namentlich an dem Aufbringen des Urteiles: Da liegen unreelle Praktiken vor.
[ 3 ] Aber wichtiger noch für unseren gegenwärtigen Zweck muß uns erscheinen, daß immerhin von Blavatskys Schriften und von alldem, was sonst sich an ihre Person angeschlossen hat, bei einer großen Anzahl von Menschen der Gegenwart ein gewisser Eindruck gemacht worden ist. Dadurch sind diejenigen Bewegungen entstanden, die in gewissem Sinne sich als theosophische bezeichnet haben.
[ 3 ] Aber wichtiger noch für unseren gegenwärtigen Zweck muß uns erscheinen, daß immerhin von Blavatskys Schriften und von alldem, was sonst sich an ihre Person angeschlossen hat, bei einer großen Anzahl von Menschen der Gegenwart ein gewisser Eindruck gemacht worden ist. Dadurch sind diejenigen Bewegungen entstanden, die in gewissem Sinne sich als theosophische bezeichnet haben.
[ 4 ] Ich möchte Sie bitten, bei all diesen Auseinandersetzungen zu beachten, daß ich immer versuche, die Charakteristiken möglichst so zu geben, daß sie den Tatsachen entsprechen. Das wird einem ja heute schon durch den Gebrauch der Worte unmöglich gemacht, in vielen Kreisen nämlich unmöglich gemacht. Es ist so heute, daß der Mensch sehr leicht, wenn er ein Wort bekommt, eigentlich zu diesem Worte sich zunächst, ich möchte sagen, in eine Art lexikale Beziehung bringt, daß er eine Art Worterklärung sucht, um auf diese Weise möglichst davor verschont zu bleiben, in die Sache selbst einzudringen. Wenn so ein Literat und auch mancher Mensch, der ernster genommen wird als ein Literat, von "Theosophie hören, dann schlagen sie -— was meinetwillen auch in ihrem Kopfe geschehen kann - im Lexikon auf und erkundigen sich da, was das ist. Oder sie gehen weiter; vielleicht sind sie viel gewissenhafter und studieren allerlei Schriften, worinnen solch ein Wort wie Theosophie vorkommt, und dann nehmen sie von daher die Grundlage zu ihrer Beurteilung. Sie müssen bei den Schriften, die über solche Dinge handeln, darauf achten, wieviel auf ein solches Vorgehen eigentlich zu stehen kommt.
[ 4 ] Ich möchte Sie bitten, bei all diesen Auseinandersetzungen zu beachten, daß ich immer versuche, die Charakteristiken möglichst so zu geben, daß sie den Tatsachen entsprechen. Das wird einem ja heute schon durch den Gebrauch der Worte unmöglich gemacht, in vielen Kreisen nämlich unmöglich gemacht. Es ist so heute, daß der Mensch sehr leicht, wenn er ein Wort bekommt, eigentlich zu diesem Worte sich zunächst, ich möchte sagen, in eine Art lexikale Beziehung bringt, daß er eine Art Worterklärung sucht, um auf diese Weise möglichst davor verschont zu bleiben, in die Sache selbst einzudringen. Wenn so ein Literat und auch mancher Mensch, der ernster genommen wird als ein Literat, von "Theosophie hören, dann schlagen sie -— was meinetwillen auch in ihrem Kopfe geschehen kann - im Lexikon auf und erkundigen sich da, was das ist. Oder sie gehen weiter; vielleicht sind sie viel gewissenhafter und studieren allerlei Schriften, worinnen solch ein Wort wie Theosophie vorkommt, und dann nehmen sie von daher die Grundlage zu ihrer Beurteilung. Sie müssen bei den Schriften, die über solche Dinge handeln, darauf achten, wieviel auf ein solches Vorgehen eigentlich zu stehen kommt.
[ 5 ] Dem muß immer gegenübergestellt werden: Wie ist diejenige Gesellschaft, oder wie sind die Gesellschaften, könnte man sagen, welche sich an die Erscheinung der Blavatsky angeschlossen haben, zu dem Namen «Theosophische Gesellschaft» gekommen? Man mag noch so viel haben gegen diese Theosophische Gesellschaft — und ich habe ja manches aufgezählt, was man gegen sie haben kann -, aber das lag ja gewiß bei Ihrem Entstehen am Ende des 19. Jahrhunderts nicht vor, daß man die lexikale Bedeutung des Wortes Theosophie nahm und nun eine Theosophische Gesellschaft begründete, weil man Theosophie, so wie man es lexikonhaft versteht, verbreiten wollte. Das war gar nicht der Fall. Sondern es war eine Summe von Mitteilungen aus der geistigen Welt durch die Blavatsky vorhanden, die zunächst als solche da war. Nun hat man aus Gründen, die ich auch noch erörtern will, eben sich bemüßigt gefunden, die Pflege dieser Mitteilungen auf gesellschaftlichem Wege zu vollführen, und da brauchte man einen Namen. Dann haben diejenigen, die da nun debattierten — debattiert wird ja heute über alles, debattiert ist auch schon dazumal über alles geworden -, welchen Namen man geben soll, sich gefragt: Soll das heißen NeuMystische Gesellschaft, soll das heißen Rosenkreuzerische Gesellschaft, soll das heißen Magische Gesellschaft? Und dann haben sie nachgesehen, was es noch für Worte gibt und sind auf das Wort Theosophie und theosophisch gekommen.
[ 5 ] Dem muß immer gegenübergestellt werden: Wie ist diejenige Gesellschaft, oder wie sind die Gesellschaften, könnte man sagen, welche sich an die Erscheinung der Blavatsky angeschlossen haben, zu dem Namen «Theosophische Gesellschaft» gekommen? Man mag noch so viel haben gegen diese Theosophische Gesellschaft — und ich habe ja manches aufgezählt, was man gegen sie haben kann -, aber das lag ja gewiß bei Ihrem Entstehen am Ende des 19. Jahrhunderts nicht vor, daß man die lexikale Bedeutung des Wortes Theosophie nahm und nun eine Theosophische Gesellschaft begründete, weil man Theosophie, so wie man es lexikonhaft versteht, verbreiten wollte. Das war gar nicht der Fall. Sondern es war eine Summe von Mitteilungen aus der geistigen Welt durch die Blavatsky vorhanden, die zunächst als solche da war. Nun hat man aus Gründen, die ich auch noch erörtern will, eben sich bemüßigt gefunden, die Pflege dieser Mitteilungen auf gesellschaftlichem Wege zu vollführen, und da brauchte man einen Namen. Dann haben diejenigen, die da nun debattierten — debattiert wird ja heute über alles, debattiert ist auch schon dazumal über alles geworden -, welchen Namen man geben soll, sich gefragt: Soll das heißen NeuMystische Gesellschaft, soll das heißen Rosenkreuzerische Gesellschaft, soll das heißen Magische Gesellschaft? Und dann haben sie nachgesehen, was es noch für Worte gibt und sind auf das Wort Theosophie und theosophisch gekommen.
[ 6 ] Also das Wort hat wirklich mit dem, was da sich verbreitet hat, nicht viel zu tun, insofern es ein historisch hergebrachtes Wort ist. Daher ist es ziemlich unsinnig, wenn man die Dinge von der Wortbedeutung aus bespricht, namentlich aber liebt oder haßt. Es handelt sich eben um die ganz bestimmten, konkreten Dinge, die durch die Schriften oder die sonstigen Mitteilungen der Blavatsky in die Welt hereingetreten sind. Und es ist, möchte man sagen, der reine Zufall, daß da die Gesellschaften, die sich angeschlossen haben, sich Theosophische Gesellschaft genannt haben. Es ist einfach keinem ein besseres Wort eingefallen. Das muß man durchaus bedenken, denn es existieren natürlich nicht nur historische Urteile, sondern historische Empfindungen. Bei denjenigen, die für diese oder jene Wissenschaft die geschichtliche Entwickelung gelernt haben, ist mannigfaltig der Ausdruck Theosophie aufgetaucht, aber das, was da bei ihnen aufgetaucht ist, hat eben gar nichts zu tun eigentlich mit dem, was sich wiederum Theosophische Gesellschaft nannte.
[ 6 ] Also das Wort hat wirklich mit dem, was da sich verbreitet hat, nicht viel zu tun, insofern es ein historisch hergebrachtes Wort ist. Daher ist es ziemlich unsinnig, wenn man die Dinge von der Wortbedeutung aus bespricht, namentlich aber liebt oder haßt. Es handelt sich eben um die ganz bestimmten, konkreten Dinge, die durch die Schriften oder die sonstigen Mitteilungen der Blavatsky in die Welt hereingetreten sind. Und es ist, möchte man sagen, der reine Zufall, daß da die Gesellschaften, die sich angeschlossen haben, sich Theosophische Gesellschaft genannt haben. Es ist einfach keinem ein besseres Wort eingefallen. Das muß man durchaus bedenken, denn es existieren natürlich nicht nur historische Urteile, sondern historische Empfindungen. Bei denjenigen, die für diese oder jene Wissenschaft die geschichtliche Entwickelung gelernt haben, ist mannigfaltig der Ausdruck Theosophie aufgetaucht, aber das, was da bei ihnen aufgetaucht ist, hat eben gar nichts zu tun eigentlich mit dem, was sich wiederum Theosophische Gesellschaft nannte.
[ 7 ] Solche Dinge müßten mindestens innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sehr ernst genommen werden, und es müßte da ein gewisser Trieb nach Genauigkeit herrschen, damit erst die richtige Empfindung entstehen kann für all das unsachliche Geschreibe, das sich an diese Dinge allmählich in der Welt angeknüpft hat.
[ 7 ] Solche Dinge müßten mindestens innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sehr ernst genommen werden, und es müßte da ein gewisser Trieb nach Genauigkeit herrschen, damit erst die richtige Empfindung entstehen kann für all das unsachliche Geschreibe, das sich an diese Dinge allmählich in der Welt angeknüpft hat.
[ 8 ] Diese Frage aber muß uns ganz besonders beschäftigen: Woher ist es gekommen, daß doch eine große Anzahl von Menschen in der neuesten Zeit den Trieb gehabt haben nach diesen Dingen, die da geoffenbart worden sind? Denn wir werden dann von da aus den Übergang finden auch zu dem, was doch wiederum ganz anders geartet ist: zur anthroposophischen Bewegung.
[ 8 ] Diese Frage aber muß uns ganz besonders beschäftigen: Woher ist es gekommen, daß doch eine große Anzahl von Menschen in der neuesten Zeit den Trieb gehabt haben nach diesen Dingen, die da geoffenbart worden sind? Denn wir werden dann von da aus den Übergang finden auch zu dem, was doch wiederum ganz anders geartet ist: zur anthroposophischen Bewegung.
[ 9 ] Nun muß man aber, wenn man die Erscheinung der Blavatsky ins Auge faßt, eine Eigenschaft dieser Persönlichkeit ganz besonders betonen, weil sie eine hervorragende Eigenschaft ist, das ist diese, daß H.P.Blavatsky ganz und gar, man kann schon sagen, antichristlich gesinnt war, ganz und gar antichristlich orientiert war. In ihrer «Geheimlehre» hat sie ja, man möchte sagen, in einem großen Wurf die verschiedenen Impulse mannigfaltiger Urreligionen und die Entwickelung der Religionen enthüllt. Zu objektiver Darstellung war sie eben nicht fähig. Sie hat überall, wo man auch objektive Darstellungen eigentlich erwarten mußte, ihr subjektives Urteil, ihr Empfindungsurteil in die Darstellung hineingemischt. Sie urteilte nicht bloß, sondern sie zeigte überall, daß sie eine tiefe Sympathie für alles das hat, was an Religionen in der Welt war außerhalb des Judentums und Christentums, dagegen eine tiefe Antipathie gegen Judentum und Christentum. Überall wird scharf dasjenige, was aus dem Judentum und Christentum kommt, als etwas Minderwertiges gegenüber den großen Offenbarungen der verschiedenen heidnischen Religionen durch die Blavatsky hingestellt: also eine ganz ausgesprochen antichristliche Orientierung, aber eine ganz ausgesprochen spirituelle Orientierung. Die Möglichkeit ist bei ihr vorhanden, von den geistigen Wesen und den geistigen Vorgängen so zu sprechen, wie man sonst von den Wesen und Vorgängen in der sinnlichen Welt spricht, und manches aus dieser geistigen Welt so zu besprechen, daß man schon sagen kann: Es ist die Fähigkeit vorhanden gewesen, unter geistigen Wirksamkeiten sich so zu bewegen, wie sich der Mensch der Gegenwart sonst unter physisch-sinnlichen Wirkungen bewegt. Es wird mit denselben Realitätsgefühlen von geistigen Erscheinungen von der Blavatsky gesprochen, wie sonst von Dingen der physischen Welt von den Menschen gesprochen wird. Also eine ausgesprochen geistige Orientierung, und eine ausgesprochen antichristliche Orientierung.
[ 9 ] Nun muß man aber, wenn man die Erscheinung der Blavatsky ins Auge faßt, eine Eigenschaft dieser Persönlichkeit ganz besonders betonen, weil sie eine hervorragende Eigenschaft ist, das ist diese, daß H.P.Blavatsky ganz und gar, man kann schon sagen, antichristlich gesinnt war, ganz und gar antichristlich orientiert war. In ihrer «Geheimlehre» hat sie ja, man möchte sagen, in einem großen Wurf die verschiedenen Impulse mannigfaltiger Urreligionen und die Entwickelung der Religionen enthüllt. Zu objektiver Darstellung war sie eben nicht fähig. Sie hat überall, wo man auch objektive Darstellungen eigentlich erwarten mußte, ihr subjektives Urteil, ihr Empfindungsurteil in die Darstellung hineingemischt. Sie urteilte nicht bloß, sondern sie zeigte überall, daß sie eine tiefe Sympathie für alles das hat, was an Religionen in der Welt war außerhalb des Judentums und Christentums, dagegen eine tiefe Antipathie gegen Judentum und Christentum. Überall wird scharf dasjenige, was aus dem Judentum und Christentum kommt, als etwas Minderwertiges gegenüber den großen Offenbarungen der verschiedenen heidnischen Religionen durch die Blavatsky hingestellt: also eine ganz ausgesprochen antichristliche Orientierung, aber eine ganz ausgesprochen spirituelle Orientierung. Die Möglichkeit ist bei ihr vorhanden, von den geistigen Wesen und den geistigen Vorgängen so zu sprechen, wie man sonst von den Wesen und Vorgängen in der sinnlichen Welt spricht, und manches aus dieser geistigen Welt so zu besprechen, daß man schon sagen kann: Es ist die Fähigkeit vorhanden gewesen, unter geistigen Wirksamkeiten sich so zu bewegen, wie sich der Mensch der Gegenwart sonst unter physisch-sinnlichen Wirkungen bewegt. Es wird mit denselben Realitätsgefühlen von geistigen Erscheinungen von der Blavatsky gesprochen, wie sonst von Dingen der physischen Welt von den Menschen gesprochen wird. Also eine ausgesprochen geistige Orientierung, und eine ausgesprochen antichristliche Orientierung.
[ 10 ] Dadurch ist aber die weitere Fähigkeit vorhanden, charakteristische Impulse der verschiedenen heidnischen Religionen, der verschiedenen Naturreligionen an die Oberfläche und zum Verständnis der Menschen zu bringen.
[ 10 ] Dadurch ist aber die weitere Fähigkeit vorhanden, charakteristische Impulse der verschiedenen heidnischen Religionen, der verschiedenen Naturreligionen an die Oberfläche und zum Verständnis der Menschen zu bringen.
[ 11 ] Nun könnte man sich über zweierlei wundern: erstens daß überhaupt eine Persönlichkeit heute auftritt — das «heute» meine ich natürlich in historischem Sinne -, die in einem so ausgesprochenen Maße antichristlich orientiert ist und das Heil der Menschen von dieser antichristlichen Orientierung erwartet. Und zum zweiten könnte man verwundert sein darüber, daß, da ja der Außenseite nach die wenigsten Menschen heidnisch orientiert sind, sondern der Außenseite nach die Menschen, wenigstens in unseren zivilisierten Gegenden, doch jüdisch oder christlich orientiert sind, daß trotzdem auf diese jüdisch und christlich Orientierten, namentlich auf die christlich Orientierten — auf die jüdisch Orientierten sogar weniger — ein mafßgebender, tiefdringender Einfluß immerhin ausgegangen ist. Das sind zwei Fragen, die sich uns vor die Seele stellen müssen, wenn wir über die Lebensbedingungen des neueren Geisteslebens mehr bei den breiten Massen überhaupt sprechen.
[ 11 ] Nun könnte man sich über zweierlei wundern: erstens daß überhaupt eine Persönlichkeit heute auftritt — das «heute» meine ich natürlich in historischem Sinne -, die in einem so ausgesprochenen Maße antichristlich orientiert ist und das Heil der Menschen von dieser antichristlichen Orientierung erwartet. Und zum zweiten könnte man verwundert sein darüber, daß, da ja der Außenseite nach die wenigsten Menschen heidnisch orientiert sind, sondern der Außenseite nach die Menschen, wenigstens in unseren zivilisierten Gegenden, doch jüdisch oder christlich orientiert sind, daß trotzdem auf diese jüdisch und christlich Orientierten, namentlich auf die christlich Orientierten — auf die jüdisch Orientierten sogar weniger — ein mafßgebender, tiefdringender Einfluß immerhin ausgegangen ist. Das sind zwei Fragen, die sich uns vor die Seele stellen müssen, wenn wir über die Lebensbedingungen des neueren Geisteslebens mehr bei den breiten Massen überhaupt sprechen.
[ 12 ] Nun, in bezug auf die antichnistliche Orientierung der Blavatsky selbst möchte ich nur daran erinnern, daß eine in Mitteleuropa viel mehr bekannt gewordene, oder wenigstens in gewissen Kreisen viel mehr bekannt gewordene Persönlichkeit zum mindesten ebenso antichristlich orientiert war wie die Blavatsky. Das ist Nietzsche. Man kann schon nicht mehr antichristlich orientiert sein, als es der Verfasser des «Antichrist» war. So unähnlich Nietzsche der Blavatsky ist - und schon dadurch, daß Blavatsky mehr oder weniger in bezug auf das, was man heute moderne Bildung nennt, eigentlich eine ungebildete Frau war, während Nietzsche auf den Höhen der Bildung stand -, so unähnlich sie sonst waren in der ganzen Haltung ihrer Seelen, darinnen zeigen sie eine merkwürdige Ähnlichkeit, daß sie eben eminent antichristlich orientiert sind. Es wäre durchaus eine Oberflächlichkeit, wenn man nach dem Grunde dieser antichristlichen Orientierung bei den beiden Persönlichkeiten gar nicht fragen wollte. Aber man bekommt darauf auch keine Antwort, wenn man nicht etwas tiefer in die Sache hineindringt.
[ 12 ] Nun, in bezug auf die antichnistliche Orientierung der Blavatsky selbst möchte ich nur daran erinnern, daß eine in Mitteleuropa viel mehr bekannt gewordene, oder wenigstens in gewissen Kreisen viel mehr bekannt gewordene Persönlichkeit zum mindesten ebenso antichristlich orientiert war wie die Blavatsky. Das ist Nietzsche. Man kann schon nicht mehr antichristlich orientiert sein, als es der Verfasser des «Antichrist» war. So unähnlich Nietzsche der Blavatsky ist - und schon dadurch, daß Blavatsky mehr oder weniger in bezug auf das, was man heute moderne Bildung nennt, eigentlich eine ungebildete Frau war, während Nietzsche auf den Höhen der Bildung stand -, so unähnlich sie sonst waren in der ganzen Haltung ihrer Seelen, darinnen zeigen sie eine merkwürdige Ähnlichkeit, daß sie eben eminent antichristlich orientiert sind. Es wäre durchaus eine Oberflächlichkeit, wenn man nach dem Grunde dieser antichristlichen Orientierung bei den beiden Persönlichkeiten gar nicht fragen wollte. Aber man bekommt darauf auch keine Antwort, wenn man nicht etwas tiefer in die Sache hineindringt.
[ 13 ] Man muß sich nämlich klar sein darüber, daß heute die Menschen, und zwar immer breitere Schichten der Menschen, mit Bezug auf ihr Seelenleben überhaupt in einen tiefen Zwiespalt kommen, den sich die Menschen nicht immer klarmachen, den sie durch den Verstand auszulöschen suchen, in einer gewissen intellektuellen Feigheit auszulöschen versuchen, der aber um so mehr in den unterbewußten Tiefen des Gemütes webt und west bei den Seelen.
[ 13 ] Man muß sich nämlich klar sein darüber, daß heute die Menschen, und zwar immer breitere Schichten der Menschen, mit Bezug auf ihr Seelenleben überhaupt in einen tiefen Zwiespalt kommen, den sich die Menschen nicht immer klarmachen, den sie durch den Verstand auszulöschen suchen, in einer gewissen intellektuellen Feigheit auszulöschen versuchen, der aber um so mehr in den unterbewußten Tiefen des Gemütes webt und west bei den Seelen.
[ 14 ] Man muß sich nur klar darüber sein, was aus der europäischen Menschheit, der gesamten europäischen Menschheit mit ihrem amerikanischen Anhange geworden ist unter dem Einflusse des Bildungsstrebens der letzten drei, vier, fünf Jahrhunderte. Man bedenke nur, wie groß sich in Wirklichkeit das unterscheidet, was heute den Inhalt der weltlichen Bildung ausmacht, von demjenigen, was der religiöse Impuls in den Menschen ist. Es ist ja wahr, die meisten Menschen geben sich in dieser Beziehung den furchtbarsten Illusionen hin. Sie werden schon von der Volksschule aus in diese moderne Bildung hineingeführt; alles Denken, alle Seelenrichtung wird in diese moderne Bildung hineingeführt. Dann wird ihnen auch übermittelt dasjenige, was ihre religiösen Sehnsuchten befriedigen soll. Da klafft zwischen beiden ein furchtbarer Abgrund. Aber die Menschen kommen nicht dazu, sich eigentlich diesen Abgrund richtig vor die Seele zu stellen, sie kommen nicht dazu, sie lieben es sogar, in dieser Beziehung sich den ärgsten Illusionen hinzugeben.
[ 14 ] Man muß sich nur klar darüber sein, was aus der europäischen Menschheit, der gesamten europäischen Menschheit mit ihrem amerikanischen Anhange geworden ist unter dem Einflusse des Bildungsstrebens der letzten drei, vier, fünf Jahrhunderte. Man bedenke nur, wie groß sich in Wirklichkeit das unterscheidet, was heute den Inhalt der weltlichen Bildung ausmacht, von demjenigen, was der religiöse Impuls in den Menschen ist. Es ist ja wahr, die meisten Menschen geben sich in dieser Beziehung den furchtbarsten Illusionen hin. Sie werden schon von der Volksschule aus in diese moderne Bildung hineingeführt; alles Denken, alle Seelenrichtung wird in diese moderne Bildung hineingeführt. Dann wird ihnen auch übermittelt dasjenige, was ihre religiösen Sehnsuchten befriedigen soll. Da klafft zwischen beiden ein furchtbarer Abgrund. Aber die Menschen kommen nicht dazu, sich eigentlich diesen Abgrund richtig vor die Seele zu stellen, sie kommen nicht dazu, sie lieben es sogar, in dieser Beziehung sich den ärgsten Illusionen hinzugeben.
[ 15 ] Nun muß man sich fragen: Wie steht es denn mit dem geschichtlichen Hergang bezüglich der Entstehung dieses klaffenden Abgrundes? Da müssen Sie zurückschauen in diejenigen Jahrhunderte, in denen noch nicht diese moderne Bildung da war, wo dasjenige, was gelehrtes Leben war, eben nur von einigen wenigen, die dazu gründlich vorbereitet waren, getrieben wurde. Seien Sie sich doch klar darüber, daß heute ein zwölfjähriges Schulmädchen in bezug auf äußere Bildung mehr in sich trägt als irgendein Gebildeter des 11. oder 12. oder 13. Jahrhunderts. Diese Dinge darf man nicht übersehen. Und diese Bildung ist so geworden, daß sie getragen wird von einem ganz außerordentlich intensiven Autoritätsgefühl, von einer schier unbezwinglichen Autoritätsempfindung. Es steht sozusagen dieser Bildung im Laufe der Jahrhunderte immer mehr und mehr etwas zu Gebote, was diesen Autoritätsglauben an die moderne Bildung immer größer und größer macht. Es ging im Laufe der Jahrhunderte diese moderne Bildung immer mehr und mehr über auf dasjenige, was nur die äußeren Sinne sagen, oder was die Rechnung sagt. Nun, je weniger der Mensch innerlich mit sich zu Rate geht, desto mehr leuchtet ihm ein, daß das wahr ist, was er, wie man sagt, mit seinen fünf Sinnen sieht, und was man so sieht, daß es errechnet ist, wie zwei mal zwei vier ist. Was du siehst mit deinen fünf Sinnen, was so ist, wie zwei mal zwei vier ist, das ist wahr. Indem man alles andere abgeleugnet hat und nur schließlich immer mehr und mehr das aufgenommen hat in die moderne Bildung, was so wahr ist, wie das, was man mit den fünf Sinnen sieht oder mit den fünf Fingern abzählen kann, so wurde eben — weil das eine so große Autorität ist, dieses «zwei mal zwei ist vier» und diese fünf Sinne — die moderne Bildung nach und nach mit der Autoritätsempfindung, die sie hat, ausgerüstet, weil man von ihr sagen kann, sie ist so gewiß wie das, daß zwei mal zwei vier ist, und wie dasjenige, was die fünf Sinne sagen.
[ 15 ] Nun muß man sich fragen: Wie steht es denn mit dem geschichtlichen Hergang bezüglich der Entstehung dieses klaffenden Abgrundes? Da müssen Sie zurückschauen in diejenigen Jahrhunderte, in denen noch nicht diese moderne Bildung da war, wo dasjenige, was gelehrtes Leben war, eben nur von einigen wenigen, die dazu gründlich vorbereitet waren, getrieben wurde. Seien Sie sich doch klar darüber, daß heute ein zwölfjähriges Schulmädchen in bezug auf äußere Bildung mehr in sich trägt als irgendein Gebildeter des 11. oder 12. oder 13. Jahrhunderts. Diese Dinge darf man nicht übersehen. Und diese Bildung ist so geworden, daß sie getragen wird von einem ganz außerordentlich intensiven Autoritätsgefühl, von einer schier unbezwinglichen Autoritätsempfindung. Es steht sozusagen dieser Bildung im Laufe der Jahrhunderte immer mehr und mehr etwas zu Gebote, was diesen Autoritätsglauben an die moderne Bildung immer größer und größer macht. Es ging im Laufe der Jahrhunderte diese moderne Bildung immer mehr und mehr über auf dasjenige, was nur die äußeren Sinne sagen, oder was die Rechnung sagt. Nun, je weniger der Mensch innerlich mit sich zu Rate geht, desto mehr leuchtet ihm ein, daß das wahr ist, was er, wie man sagt, mit seinen fünf Sinnen sieht, und was man so sieht, daß es errechnet ist, wie zwei mal zwei vier ist. Was du siehst mit deinen fünf Sinnen, was so ist, wie zwei mal zwei vier ist, das ist wahr. Indem man alles andere abgeleugnet hat und nur schließlich immer mehr und mehr das aufgenommen hat in die moderne Bildung, was so wahr ist, wie das, was man mit den fünf Sinnen sieht oder mit den fünf Fingern abzählen kann, so wurde eben — weil das eine so große Autorität ist, dieses «zwei mal zwei ist vier» und diese fünf Sinne — die moderne Bildung nach und nach mit der Autoritätsempfindung, die sie hat, ausgerüstet, weil man von ihr sagen kann, sie ist so gewiß wie das, daß zwei mal zwei vier ist, und wie dasjenige, was die fünf Sinne sagen.
[ 16 ] Dadurch aber entstand immer mehr und mehr auch das Gefühl: Alles, was der Mensch glaubt, was der Mensch für richtig hält, müsse sich rechtfertigen vor dieser ganz gewissen modernen Bildung. Und indem diese moderne Bildung immer mehr und mehr nur auf das Sinnliche und auf das Errechenbare gegangen ist, war es unmöglich, überhaupt irgend jemals eine Wahrheit aus denjenigen Reichen, wo die Mathematik nicht mehr gilt und wo die Sinne nicht mehr gelten, vor die Menschen noch in entsprechender Weise hinzustellen. Wie wurden denn solche Wahrheiten in früheren Jahrhunderten, wo es diese moderne Bildung noch nicht gegeben hat, vor die Menschen hingestellt?
[ 16 ] Dadurch aber entstand immer mehr und mehr auch das Gefühl: Alles, was der Mensch glaubt, was der Mensch für richtig hält, müsse sich rechtfertigen vor dieser ganz gewissen modernen Bildung. Und indem diese moderne Bildung immer mehr und mehr nur auf das Sinnliche und auf das Errechenbare gegangen ist, war es unmöglich, überhaupt irgend jemals eine Wahrheit aus denjenigen Reichen, wo die Mathematik nicht mehr gilt und wo die Sinne nicht mehr gelten, vor die Menschen noch in entsprechender Weise hinzustellen. Wie wurden denn solche Wahrheiten in früheren Jahrhunderten, wo es diese moderne Bildung noch nicht gegeben hat, vor die Menschen hingestellt?
[ 17 ] Hingestellt wurden sie in zeremoniellen Bildern. Es lag ja durch die Jahrhunderte in der Religionsverbreitung das Wesentliche nicht etwa in der Predigt, sondern in der Zeremonie, in den Ritualien. Man war sich klar: Man kann nicht durch den Intellekt sprechen, der noch gar nicht in der heutigen Weise entwickelt war, sondern man mußte durch das Bild sprechen. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie es noch im 14., 15. Jahrhundert zum Beispiel in christlichen Ländern war. Da war die Predigt nicht die Hauptsache, da war die Hauptsache die Zeremonie. Da war die Hauptsache, daß der Mensch sich einlebte in eine Welt, die ihm in mächtigen, grandiosen Bildern dargestellt war. Überall waren an den Wänden Fresken dargestellt, die ihm das geistige Leben nahebrachten: wie wenn ungefähr unser irdisches Leben bis an die höchsten Berge hinaufreichen könnte, da aber, wenn man nur noch ein wenig höhersteigen könnte, würde das geistige Leben beginnen. Bildhaft, zur Imagination gehend, oder in den hörbaren Harmonien des Musikalischen, oder aber, wenn gesprochen wurde, in der mantrischen, in der Gebetstorm, in der Formelform wurde eben von der geistigen Welt gesprochen. Diese Zeiten waren sich ganz klar darüber: Für die geistige Welt braucht man das Bild, nicht den Begriff, nicht dasjenige, worüber man diskutieren kann, sondern man braucht das Anschauliche, man braucht das Bildhafte. Man braucht dasjenige, was zu den Sinnen spricht, aber zu den Sinnen so spricht, daß durch das Sinnlich-Gegebene der Geist hindurchspricht.
[ 17 ] Hingestellt wurden sie in zeremoniellen Bildern. Es lag ja durch die Jahrhunderte in der Religionsverbreitung das Wesentliche nicht etwa in der Predigt, sondern in der Zeremonie, in den Ritualien. Man war sich klar: Man kann nicht durch den Intellekt sprechen, der noch gar nicht in der heutigen Weise entwickelt war, sondern man mußte durch das Bild sprechen. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie es noch im 14., 15. Jahrhundert zum Beispiel in christlichen Ländern war. Da war die Predigt nicht die Hauptsache, da war die Hauptsache die Zeremonie. Da war die Hauptsache, daß der Mensch sich einlebte in eine Welt, die ihm in mächtigen, grandiosen Bildern dargestellt war. Überall waren an den Wänden Fresken dargestellt, die ihm das geistige Leben nahebrachten: wie wenn ungefähr unser irdisches Leben bis an die höchsten Berge hinaufreichen könnte, da aber, wenn man nur noch ein wenig höhersteigen könnte, würde das geistige Leben beginnen. Bildhaft, zur Imagination gehend, oder in den hörbaren Harmonien des Musikalischen, oder aber, wenn gesprochen wurde, in der mantrischen, in der Gebetstorm, in der Formelform wurde eben von der geistigen Welt gesprochen. Diese Zeiten waren sich ganz klar darüber: Für die geistige Welt braucht man das Bild, nicht den Begriff, nicht dasjenige, worüber man diskutieren kann, sondern man braucht das Anschauliche, man braucht das Bildhafte. Man braucht dasjenige, was zu den Sinnen spricht, aber zu den Sinnen so spricht, daß durch das Sinnlich-Gegebene der Geist hindurchspricht.
[ 18 ] Nun kam die moderne Bildung herauf mit ihren intellektualistischen Ansprüchen, mit ihrem Anspruch, alles vor der Vernunft, wie man sagt, zu rechtfertigen. Auch über das Christentum, auch über die christlichen Geheimnisse, auch über das Mysterium von Golgatha und seine Träger wurde ja im wesentlichen in dieser Bildform gesprochen, auch in der Bildform, insofern das Wort gebraucht wurde, nämlich in der Erzählungsform. Und als die Dogmen aufkamen, so waren sie auch noch etwas bildhaft Erfaßtes. So kann man sagen: Es war bis zum 13., 14. Jahrhundert die christliche Verkündigung durchaus auf eine altertümliche Weise geschehen. Aber dieser christlichen Verkündigung wurde von keiner Seite her ihr Gebiet streitig gemacht, solange die intellektualistische Bildung noch nicht da war und solange man die Dinge nicht vor der Vernunft zu rechtfertigen hatte.
[ 18 ] Nun kam die moderne Bildung herauf mit ihren intellektualistischen Ansprüchen, mit ihrem Anspruch, alles vor der Vernunft, wie man sagt, zu rechtfertigen. Auch über das Christentum, auch über die christlichen Geheimnisse, auch über das Mysterium von Golgatha und seine Träger wurde ja im wesentlichen in dieser Bildform gesprochen, auch in der Bildform, insofern das Wort gebraucht wurde, nämlich in der Erzählungsform. Und als die Dogmen aufkamen, so waren sie auch noch etwas bildhaft Erfaßtes. So kann man sagen: Es war bis zum 13., 14. Jahrhundert die christliche Verkündigung durchaus auf eine altertümliche Weise geschehen. Aber dieser christlichen Verkündigung wurde von keiner Seite her ihr Gebiet streitig gemacht, solange die intellektualistische Bildung noch nicht da war und solange man die Dinge nicht vor der Vernunft zu rechtfertigen hatte.
[ 19 ] Nun studieren Sie doch einmal historisch, wie es da heraufkommt im 13., 14., 15., 16. Jahrhundert, wie es da anstürmt, daß die Menschen anfangen, alles intellektualistisch begreifen zu wollen! Welche welthistorische Kritik da einsetzt! Das macht man sich heute gewöhnlich gar nicht mehr klar, welche welthistorische Kritik da eingesetzt hat!
[ 19 ] Nun studieren Sie doch einmal historisch, wie es da heraufkommt im 13., 14., 15., 16. Jahrhundert, wie es da anstürmt, daß die Menschen anfangen, alles intellektualistisch begreifen zu wollen! Welche welthistorische Kritik da einsetzt! Das macht man sich heute gewöhnlich gar nicht mehr klar, welche welthistorische Kritik da eingesetzt hat!
[ 20 ] So kann man sagen: Der Mensch von heute — und es ist wirklich nicht etwa bloß der Mensch der oberen Zehntausend, sondern das sind die breitesten Schichten — wird in ein religiöses Leben eingeführt im Christentum, aber daneben auch in eine moderne Bildung. Nun leben die beiden, das Christentum und die moderne Bildung, in seiner Seele, und es stellt sich heraus, wenn es sich auch die Menschen nicht klarmachen, daß mit dem, was die intellektualistische Bildung gebracht hat, die christlichen Wahrheiten nicht bewiesen werden können. Es können die christlichen Wahrheiten damit nicht bewiesen werden. So lernt man von Kindheit auf heute das ganz Gewisse, daß zwei mal zwei vier ist, und daß man seine fünf Sinne nur darauf anwenden darf. Man lernt dieses ganz Gewisse, und man kommt darauf, wenn man sich an dieses ganz Gewisse halten will: dann geht es doch nicht, das Christentum an dieses ganz Gewisse heranzutragen.
[ 20 ] So kann man sagen: Der Mensch von heute — und es ist wirklich nicht etwa bloß der Mensch der oberen Zehntausend, sondern das sind die breitesten Schichten — wird in ein religiöses Leben eingeführt im Christentum, aber daneben auch in eine moderne Bildung. Nun leben die beiden, das Christentum und die moderne Bildung, in seiner Seele, und es stellt sich heraus, wenn es sich auch die Menschen nicht klarmachen, daß mit dem, was die intellektualistische Bildung gebracht hat, die christlichen Wahrheiten nicht bewiesen werden können. Es können die christlichen Wahrheiten damit nicht bewiesen werden. So lernt man von Kindheit auf heute das ganz Gewisse, daß zwei mal zwei vier ist, und daß man seine fünf Sinne nur darauf anwenden darf. Man lernt dieses ganz Gewisse, und man kommt darauf, wenn man sich an dieses ganz Gewisse halten will: dann geht es doch nicht, das Christentum an dieses ganz Gewisse heranzutragen.
[ 21 ] Diejenigen Theologen, die modernen Theologen, die es haben herantragen wollen, haben ja den Christus verloren, können zu den breiten Schichten nicht mehr von dem Christus sprechen; sie sprechen höchstens von der Persönlichkeit Jesu. So erhält sich in den letzten Jahrhunderten dieses Christentum eben nur in den alten Formen, die aber der neuere Mensch eben einfach in seiner Seele nicht mehr gelten läßt, aber es verliert, ich möchte sagen, an innerem Halt in der Seele. Warum denn?
[ 21 ] Diejenigen Theologen, die modernen Theologen, die es haben herantragen wollen, haben ja den Christus verloren, können zu den breiten Schichten nicht mehr von dem Christus sprechen; sie sprechen höchstens von der Persönlichkeit Jesu. So erhält sich in den letzten Jahrhunderten dieses Christentum eben nur in den alten Formen, die aber der neuere Mensch eben einfach in seiner Seele nicht mehr gelten läßt, aber es verliert, ich möchte sagen, an innerem Halt in der Seele. Warum denn?
[ 22 ] Nun, sehen Sie sich nur alles das an, was die Geschichte an Christentum heraufgebracht hat. Es ist die größte Unehrlichkeit, wenn heute die modernen Theologen dieses Christentum in irgendeiner Weise rationalistisch deuten wollen. Es ist unmöglich, dieses Christentum rationalistisch zu deuten. Man kann nicht dieses Christentum, dieses Mysterium von Golgatha und ihren Träger rationalistisch deuten, man muß von Spiritualität sprechen, wenn man von Christus sprechen will. Man muß von einer geistigen Welt sprechen, wenn man von Christus sprechen will. Man kann gar nicht an das ganz Gewisse, daß zwei mal zwei vier ist, und an seine fünf Sinne nur glauben und dann ehrlicherweise noch von Christus sprechen. Das kann man eben nicht, so daß es eben in dem tiefsten Seeleninnern der modernen Menschen so aussah, daß sie keine Möglichkeit hatten, aus dem, was nun einfach ihre Schulbildung ist, den Christus zu verstehen, zu begreifen. Denn der Rationalismus und Intellektualismus hat den Menschen die spirituelle Welt genommen. Es ist zwar der Christusname, die Christustradition geblieben, aber ohne ihre Atmosphäre, ohne daß der Christus erscheint als Geist unter Geistern, als eine geistige Wesenheit in einer geistigen Welt. Denn die Welt, die die moderne Astronomie, Biologie, Naturwissenschaft gebracht hat, ist eine ungeistige Welt.
[ 22 ] Nun, sehen Sie sich nur alles das an, was die Geschichte an Christentum heraufgebracht hat. Es ist die größte Unehrlichkeit, wenn heute die modernen Theologen dieses Christentum in irgendeiner Weise rationalistisch deuten wollen. Es ist unmöglich, dieses Christentum rationalistisch zu deuten. Man kann nicht dieses Christentum, dieses Mysterium von Golgatha und ihren Träger rationalistisch deuten, man muß von Spiritualität sprechen, wenn man von Christus sprechen will. Man muß von einer geistigen Welt sprechen, wenn man von Christus sprechen will. Man kann gar nicht an das ganz Gewisse, daß zwei mal zwei vier ist, und an seine fünf Sinne nur glauben und dann ehrlicherweise noch von Christus sprechen. Das kann man eben nicht, so daß es eben in dem tiefsten Seeleninnern der modernen Menschen so aussah, daß sie keine Möglichkeit hatten, aus dem, was nun einfach ihre Schulbildung ist, den Christus zu verstehen, zu begreifen. Denn der Rationalismus und Intellektualismus hat den Menschen die spirituelle Welt genommen. Es ist zwar der Christusname, die Christustradition geblieben, aber ohne ihre Atmosphäre, ohne daß der Christus erscheint als Geist unter Geistern, als eine geistige Wesenheit in einer geistigen Welt. Denn die Welt, die die moderne Astronomie, Biologie, Naturwissenschaft gebracht hat, ist eine ungeistige Welt.
[ 23 ] Und so kamen eben zahlreiche Seelen heran, die ein ganz bestimmtes Bedürfnis aus diesen Untergründen heraus hatten. Die Zeit schreitet wirklich weiter, und die Menschen von heute, ich habe das oftmals betont, sind nicht mehr die Menschen der früheren Zeiten. Sie müssen sich doch fragen: Da trete ich mit so und so vielen zusammen, um mich mit ihnen in einer Gesellschaft zur Pflege von geistigen Wahrheiten zu finden. Warum tue ich denn das? Warum tun Sie, jeder Einzelne das? Was treibt Sie dazu? Nun sitzt das, was die Menschen dazu treibt, zumeist so tief in den unbewußten Untergründen des Seelenlebens, daß eben nicht viel Klarheit darüber herrscht. Aber die Frage muß doch aufgeworfen werden hier, wo, wie ich gerade in der Einleitung gesagt habe, Selbstbesinnung der Anthroposophen geübt werden soll.
[ 23 ] Und so kamen eben zahlreiche Seelen heran, die ein ganz bestimmtes Bedürfnis aus diesen Untergründen heraus hatten. Die Zeit schreitet wirklich weiter, und die Menschen von heute, ich habe das oftmals betont, sind nicht mehr die Menschen der früheren Zeiten. Sie müssen sich doch fragen: Da trete ich mit so und so vielen zusammen, um mich mit ihnen in einer Gesellschaft zur Pflege von geistigen Wahrheiten zu finden. Warum tue ich denn das? Warum tun Sie, jeder Einzelne das? Was treibt Sie dazu? Nun sitzt das, was die Menschen dazu treibt, zumeist so tief in den unbewußten Untergründen des Seelenlebens, daß eben nicht viel Klarheit darüber herrscht. Aber die Frage muß doch aufgeworfen werden hier, wo, wie ich gerade in der Einleitung gesagt habe, Selbstbesinnung der Anthroposophen geübt werden soll.
[ 24 ] Wenn Sie zurückblicken in frühere Zeiten, da war es den Men sehen selbstverständlich, daß nicht bloß materielle Dinge und materielle Vorgänge da draußen sind, sondern daß überall Geister sind. Die Menschen fanden eine geistige Welt um sich herum in ihrer Umgebung. Und weil sie eine geistige Welt fanden, konnten sie den Christus begreifen.
[ 24 ] Wenn Sie zurückblicken in frühere Zeiten, da war es den Men sehen selbstverständlich, daß nicht bloß materielle Dinge und materielle Vorgänge da draußen sind, sondern daß überall Geister sind. Die Menschen fanden eine geistige Welt um sich herum in ihrer Umgebung. Und weil sie eine geistige Welt fanden, konnten sie den Christus begreifen.
[ 25 ] Mit dem modernen Intellektualismus findet man nirgends eine geistige Welt, wenn man ehrlich ist, folglich kann man auch den Christus nicht wirklich begreifen. Der moderne Gebildete begreift auch den Christus nicht, Die Menschen, die sich nun so sehnen, wieder ein Geistesleben zu finden, das sind nämlich ganz bestimmte Seelen. Das sind diejenigen Seelen, in denen zweierlei lebt. Wirklich, in den meisten Seelen derer, die sich in solchen Gesellschaften, von denen hier die Rede ist, zusammenfinden, in denen lebt heute ein Zweifaches: Erstens taucht ein ganz unbestimmtes Empfinden auf in der Seele, das die Menschen nicht beschreiben können, aber es ist da. Und untersucht man es mit den Mitteln, die man in der geistigen Welt hat, dann ist es das Empfinden, das aus früheren Erdenleben herrührt, in denen man aber noch eine geistige Umgebung hatte. Heute erstehen die Menschen, in denen innerlich seelisch etwas rumort von früheren Erdenleben. Wir hätten weder Theosophen noch Anthroposophen, wenn es nicht solche Menschen gäbe, in denen etwas rumort von früheren Erdenleben. Diese Menschen finden sich in allen Schichten unserer heutigen Bevölkerung. Sie wissen nicht, daß das von früheren Erdenleben kommt; aber es kommt von früheren Erdenleben. Dadurch entsteht das Streben nach einem ganz bestimmten Wege, nach einer ganz bestimmten Erkenntnis.
[ 25 ] Mit dem modernen Intellektualismus findet man nirgends eine geistige Welt, wenn man ehrlich ist, folglich kann man auch den Christus nicht wirklich begreifen. Der moderne Gebildete begreift auch den Christus nicht, Die Menschen, die sich nun so sehnen, wieder ein Geistesleben zu finden, das sind nämlich ganz bestimmte Seelen. Das sind diejenigen Seelen, in denen zweierlei lebt. Wirklich, in den meisten Seelen derer, die sich in solchen Gesellschaften, von denen hier die Rede ist, zusammenfinden, in denen lebt heute ein Zweifaches: Erstens taucht ein ganz unbestimmtes Empfinden auf in der Seele, das die Menschen nicht beschreiben können, aber es ist da. Und untersucht man es mit den Mitteln, die man in der geistigen Welt hat, dann ist es das Empfinden, das aus früheren Erdenleben herrührt, in denen man aber noch eine geistige Umgebung hatte. Heute erstehen die Menschen, in denen innerlich seelisch etwas rumort von früheren Erdenleben. Wir hätten weder Theosophen noch Anthroposophen, wenn es nicht solche Menschen gäbe, in denen etwas rumort von früheren Erdenleben. Diese Menschen finden sich in allen Schichten unserer heutigen Bevölkerung. Sie wissen nicht, daß das von früheren Erdenleben kommt; aber es kommt von früheren Erdenleben. Dadurch entsteht das Streben nach einem ganz bestimmten Wege, nach einer ganz bestimmten Erkenntnis.
[ 26 ] Ja, meine lieben Freunde, wie Sie die Bäume in früheren Erdenleben gesehen haben, wie Sie die äußeren materiellen Substanzen gesehen haben, das wirkt nicht nach in dieses jetzige Erdenleben, denn das haben Sie mit ihren Sinnen gesehen. Die Sinne sind zerstäubt im Kosmos. Dasjenige, was nachwirkt, ist der geistige Inhalt der früheren Erdenleben.
[ 26 ] Ja, meine lieben Freunde, wie Sie die Bäume in früheren Erdenleben gesehen haben, wie Sie die äußeren materiellen Substanzen gesehen haben, das wirkt nicht nach in dieses jetzige Erdenleben, denn das haben Sie mit ihren Sinnen gesehen. Die Sinne sind zerstäubt im Kosmos. Dasjenige, was nachwirkt, ist der geistige Inhalt der früheren Erdenleben.
[ 27 ] Nun kann der Mensch heute dastehen in zweifacher Weise. Er kann spüren: Da ist etwas in mir — er weiß es nicht, daß es aus früheren Erdenleben kommt, aber es kommt aus früheren Erdenleben -, da ist etwas in mir, es wirkt, es ist da. Aber wenn ich noch so viel von der Sinneswelt weiß, das kann nicht beschrieben werden, denn das hat nichts herübergetragen, was nicht geistig ist. Wenn mir nun in der Gegenwart alles genommen wird, was geistig ist, dann ist dieses, was aus früheren Erdenleben herüberkommt, unbefriedigt. Das ist das eine.
[ 27 ] Nun kann der Mensch heute dastehen in zweifacher Weise. Er kann spüren: Da ist etwas in mir — er weiß es nicht, daß es aus früheren Erdenleben kommt, aber es kommt aus früheren Erdenleben -, da ist etwas in mir, es wirkt, es ist da. Aber wenn ich noch so viel von der Sinneswelt weiß, das kann nicht beschrieben werden, denn das hat nichts herübergetragen, was nicht geistig ist. Wenn mir nun in der Gegenwart alles genommen wird, was geistig ist, dann ist dieses, was aus früheren Erdenleben herüberkommt, unbefriedigt. Das ist das eine.
[ 28 ] Das andere, was in den Menschen lebt, ist, daß sie ein unbestimmtes Gefühl haben: Mir müßten eigentlich die Träume mehr sagen als die Sinneswelt. — Es ist natürlich ein Irrtum, eine Illusion, wenn die Leute glauben, daß ihnen die Träume mehr sagen müßten als die Sinneswelt. Aber woher kommt denn diese Illusion, die wirklich in demselben Maße heraufkommt, in dem die moderne Bildung heraufgekommen ist? Denn mit dieser modernen Bildung hat es nämlich eine eigentümliche Bewandtnis. Wenn sich die Menschen, die modern gebildet sind, heute in ihren gebildeten Gesellschaften zusammenfinden, dann muß man eben gebildet sein, dann redet man so, wie es einem im heutigen Sinne geschulten Menschen entspricht. Fängt einer an, irgend etwas von geistigen Wirkungen in der Welt zu reden, dann muß man spöttisch die Mundwinkel ziehen, denn das ist gebildet. Innerhalb unserer Schulbildung gilt es nicht, von geistigen Wirkungen in der Welt zu reden. Da ist man ein abergläubischer, ein ungebildeter Mensch. Da muß man die Mundwinkel ziehen. Da muß man zeigen: So etwas ist nur für den abergläubischen Teil der Bevölkerung.
[ 28 ] Das andere, was in den Menschen lebt, ist, daß sie ein unbestimmtes Gefühl haben: Mir müßten eigentlich die Träume mehr sagen als die Sinneswelt. — Es ist natürlich ein Irrtum, eine Illusion, wenn die Leute glauben, daß ihnen die Träume mehr sagen müßten als die Sinneswelt. Aber woher kommt denn diese Illusion, die wirklich in demselben Maße heraufkommt, in dem die moderne Bildung heraufgekommen ist? Denn mit dieser modernen Bildung hat es nämlich eine eigentümliche Bewandtnis. Wenn sich die Menschen, die modern gebildet sind, heute in ihren gebildeten Gesellschaften zusammenfinden, dann muß man eben gebildet sein, dann redet man so, wie es einem im heutigen Sinne geschulten Menschen entspricht. Fängt einer an, irgend etwas von geistigen Wirkungen in der Welt zu reden, dann muß man spöttisch die Mundwinkel ziehen, denn das ist gebildet. Innerhalb unserer Schulbildung gilt es nicht, von geistigen Wirkungen in der Welt zu reden. Da ist man ein abergläubischer, ein ungebildeter Mensch. Da muß man die Mundwinkel ziehen. Da muß man zeigen: So etwas ist nur für den abergläubischen Teil der Bevölkerung.
[ 29 ] Nun, in solchen Gesellschaften bilden sich dann oftmals zwei Gruppen. Zumeist ist irgendwer da, der faßt so einen Viertelsmut, über solche geistigen Dinge zu reden. Da ziehen die Leute die Mundwinkel. Der größte Teil geht weg, geht zum Kartenspiel oder zu sonstigen menschenwürdigen Beschäftigungen. Einige aber werden neugierig. Da geht man in ein Nebenzimmer, und da beginnt man dann über diese Dinge lange zu reden, während die anderen Karten spielen oder irgend etwas anderes machen, was ich weniger beschreiben möchte. Da hören die Leute in dem Nebenzimmer dann mit offenem Mund zu, können gar nicht genug kriegen vom Zuhören; aber es muß im Nebenzimmer sein, denn sonst ist man nicht gebildet. In dem, wozu der moderne Mensch da kommen kann, ist doch nur mehr oder weniger Traumähnliches. Die Dinge, die da erzählt werden, sind ja meist so unzusammenhängend und chaotisch wie Träume, aber der Mensch liebt es doch. Warum liebt er es? Es würden nämlich die anderen es auch lieben, die zum Kartenspiel abgezogen sind. Es ist nur die Leidenschaft des Kartenspieles noch stärker als diese Liebe zum Zuhören; wenigstens reden sie es sich ein.
[ 29 ] Nun, in solchen Gesellschaften bilden sich dann oftmals zwei Gruppen. Zumeist ist irgendwer da, der faßt so einen Viertelsmut, über solche geistigen Dinge zu reden. Da ziehen die Leute die Mundwinkel. Der größte Teil geht weg, geht zum Kartenspiel oder zu sonstigen menschenwürdigen Beschäftigungen. Einige aber werden neugierig. Da geht man in ein Nebenzimmer, und da beginnt man dann über diese Dinge lange zu reden, während die anderen Karten spielen oder irgend etwas anderes machen, was ich weniger beschreiben möchte. Da hören die Leute in dem Nebenzimmer dann mit offenem Mund zu, können gar nicht genug kriegen vom Zuhören; aber es muß im Nebenzimmer sein, denn sonst ist man nicht gebildet. In dem, wozu der moderne Mensch da kommen kann, ist doch nur mehr oder weniger Traumähnliches. Die Dinge, die da erzählt werden, sind ja meist so unzusammenhängend und chaotisch wie Träume, aber der Mensch liebt es doch. Warum liebt er es? Es würden nämlich die anderen es auch lieben, die zum Kartenspiel abgezogen sind. Es ist nur die Leidenschaft des Kartenspieles noch stärker als diese Liebe zum Zuhören; wenigstens reden sie es sich ein.
[ 30 ] Warum hat denn der Mensch in dieser modernen Zeit den Drang, Träumen nachzugehen? Weil er fühlt, wiederum ganz instinktiv, ohne daß er das klar weiß: Was ich da in meinen Gedanken habe, und was mir die äußere physische Welt abbildet, das ist ganz schön, aber es gibt mir ja nichts für mein Seelenleben. Dahinter liegt doch etwas anderes, das fühle ich in mir. Ein geheimes Denken, Fühlen und Wollen lebt auch, wenn ich wache, so frei in mir, wie das Traumleben frei lebt, wenn ich schlafe. Es ist etwas in dem Hintergrunde der Seelen, das wird eigentlich geträumt auch beim Wachen. Das fühlt schon der moderne Mensch. Und das fühlt er, weil ihm gerade in der Außenwelt das Geistige fehlt. Er kann es nur noch im Traume erhaschen. In früheren Erdenleben hat er es in seiner Umgebung geschaut.
[ 30 ] Warum hat denn der Mensch in dieser modernen Zeit den Drang, Träumen nachzugehen? Weil er fühlt, wiederum ganz instinktiv, ohne daß er das klar weiß: Was ich da in meinen Gedanken habe, und was mir die äußere physische Welt abbildet, das ist ganz schön, aber es gibt mir ja nichts für mein Seelenleben. Dahinter liegt doch etwas anderes, das fühle ich in mir. Ein geheimes Denken, Fühlen und Wollen lebt auch, wenn ich wache, so frei in mir, wie das Traumleben frei lebt, wenn ich schlafe. Es ist etwas in dem Hintergrunde der Seelen, das wird eigentlich geträumt auch beim Wachen. Das fühlt schon der moderne Mensch. Und das fühlt er, weil ihm gerade in der Außenwelt das Geistige fehlt. Er kann es nur noch im Traume erhaschen. In früheren Erdenleben hat er es in seiner Umgebung geschaut.
[ 31 ] Jetzt werden eben die Seelen geboren, die neben diesen Impulsen, die aus früheren Erdenleben in ihnen rumoren, auch das in sich rumorend haben, was im vorirdischen Dasein in der geistigen Welt gespielt hat. Das ist verwandt mit diesem innerlichen Träumen. Das innerliche Träumen ist eben eine Nachwirkung von dem Lebendigen im vorirdischen Dasein.
[ 31 ] Jetzt werden eben die Seelen geboren, die neben diesen Impulsen, die aus früheren Erdenleben in ihnen rumoren, auch das in sich rumorend haben, was im vorirdischen Dasein in der geistigen Welt gespielt hat. Das ist verwandt mit diesem innerlichen Träumen. Das innerliche Träumen ist eben eine Nachwirkung von dem Lebendigen im vorirdischen Dasein.
[ 32 ] Denken Sie doch: Die Menschen früherer Zeiten wußten eben von geistiger Umgebung, ihr irdisches Dasein nahm ihnen gewissermaßen nicht den Geist. Die neueren Menschen fühlen das Geistige in sich. Aber nicht nur, daß ihnen die Seelenverfassung der Zeit den Geist nimmt, es ist auch eine Bildung aufgetreten, die geistfeindlich ist, die den Geist wegbeweist.
[ 32 ] Denken Sie doch: Die Menschen früherer Zeiten wußten eben von geistiger Umgebung, ihr irdisches Dasein nahm ihnen gewissermaßen nicht den Geist. Die neueren Menschen fühlen das Geistige in sich. Aber nicht nur, daß ihnen die Seelenverfassung der Zeit den Geist nimmt, es ist auch eine Bildung aufgetreten, die geistfeindlich ist, die den Geist wegbeweist.
[ 33 ] Frägt man, wodurch sich Menschen in solchen Gesellschaften, wie sie hier charakterisiert werden sollen, zusammenfinden, so ist es eben durch diese zwei Eigenschaften der Seele: dadurch, daß etwas in ihnen rumort aus früheren Erdenleben, und dadurch, daß etwas in ihnen rumort vom vorirdischen Dasein. Bei den meisten von Ihnen ist es so. Sie säßen gar nicht da, wenn nicht diese zwei Dinge in Ihnen rumorten.
[ 33 ] Frägt man, wodurch sich Menschen in solchen Gesellschaften, wie sie hier charakterisiert werden sollen, zusammenfinden, so ist es eben durch diese zwei Eigenschaften der Seele: dadurch, daß etwas in ihnen rumort aus früheren Erdenleben, und dadurch, daß etwas in ihnen rumort vom vorirdischen Dasein. Bei den meisten von Ihnen ist es so. Sie säßen gar nicht da, wenn nicht diese zwei Dinge in Ihnen rumorten.
[ 34 ] Und denken Sie an frühere soziale Zustände zurück. In ganz alten Zeiten kamen die sozialen Einrichtungen überhaupt aus den Mysterien, waren im Einklange mit demjenigen, was den Menschen geistig überliefert wurde. Der Mensch war hineinverwoben in ein, sagen wir, soziales Wesen, das zugleich eins war mit demjenigen, was seine Seele ersehnte.
[ 34 ] Und denken Sie an frühere soziale Zustände zurück. In ganz alten Zeiten kamen die sozialen Einrichtungen überhaupt aus den Mysterien, waren im Einklange mit demjenigen, was den Menschen geistig überliefert wurde. Der Mensch war hineinverwoben in ein, sagen wir, soziales Wesen, das zugleich eins war mit demjenigen, was seine Seele ersehnte.
[ 35 ] Nehmen Sie einen Athener. Er schaute zu der Göttin Athene auf. Er empfand in seiner Seele seine innere Verwandtschaft mit der Göttin Athene. Er stand in einem sozialen Gemeinwesen darinnen, von dem man wußte: das war nach den Intentionen der Göttin Athene eingerichtet. Die Olivenbäume um Athen herum hat die Göttin Athene gepflanzt. Die staatlichen Gesetze hat die Göttin Athene diktiert. Man war als Mensch in eine soziale Gemeinschaft hineingestellt, die mit dem innerlichen Glauben ganz stimmte. Da wurde einem nichts genommen, was einem sozusagen die Götter gegeben hatten.
[ 35 ] Nehmen Sie einen Athener. Er schaute zu der Göttin Athene auf. Er empfand in seiner Seele seine innere Verwandtschaft mit der Göttin Athene. Er stand in einem sozialen Gemeinwesen darinnen, von dem man wußte: das war nach den Intentionen der Göttin Athene eingerichtet. Die Olivenbäume um Athen herum hat die Göttin Athene gepflanzt. Die staatlichen Gesetze hat die Göttin Athene diktiert. Man war als Mensch in eine soziale Gemeinschaft hineingestellt, die mit dem innerlichen Glauben ganz stimmte. Da wurde einem nichts genommen, was einem sozusagen die Götter gegeben hatten.
[ 36 ] Vergleichen Sie damit den modernen Menschen. Er steht in seinen sozialen Verhältnissen so darinnen, daß eben der Abgrund klafft zwischen dem, was er innerlich erlebt, und dem, wie er äußerlich in diese sozialen Verhältnisse eingesponnen ist. Er kommt sich so vor - er macht es sich nur nicht klar, es sitzt im Unterbewußtsein —, wie wenn seiner Seele durch die äußeren Verhältnisse sein Körper fortwährend genommen werden sollte. Er fühlt sich durch diese Eigenschaften, durch diese Impulse aus früheren Erdenleben und dem vorirdischen Dasein, wovon ich Ihnen gesprochen habe, im Zusammenhange mit einer geistigen Welt. Sein Körper gehört den äußeren Institutionen an. Sein Körper muß sich so verhalten, daß er den äußeren Institutionen genügen kann. Das erzeugt im Unterbewußtsein eine fortwährende Angst im modernen Menschen, daß ihm eigentlich der physische Leib nicht mehr gehört. Nun, es gibt schon moderne Staaten, in denen man ja fühlen kann, wie einem eigentlich der Rock nicht mehr gehört, denn man ist ihn der Steuerbehörde schuldig! Aber nicht wahr, in einem weiteren Maßstab, meine lieben Freunde, gehört einem auch der physische Leib nicht. Der wird in Anspruch genommen von den äußeren Institutionen.
[ 36 ] Vergleichen Sie damit den modernen Menschen. Er steht in seinen sozialen Verhältnissen so darinnen, daß eben der Abgrund klafft zwischen dem, was er innerlich erlebt, und dem, wie er äußerlich in diese sozialen Verhältnisse eingesponnen ist. Er kommt sich so vor - er macht es sich nur nicht klar, es sitzt im Unterbewußtsein —, wie wenn seiner Seele durch die äußeren Verhältnisse sein Körper fortwährend genommen werden sollte. Er fühlt sich durch diese Eigenschaften, durch diese Impulse aus früheren Erdenleben und dem vorirdischen Dasein, wovon ich Ihnen gesprochen habe, im Zusammenhange mit einer geistigen Welt. Sein Körper gehört den äußeren Institutionen an. Sein Körper muß sich so verhalten, daß er den äußeren Institutionen genügen kann. Das erzeugt im Unterbewußtsein eine fortwährende Angst im modernen Menschen, daß ihm eigentlich der physische Leib nicht mehr gehört. Nun, es gibt schon moderne Staaten, in denen man ja fühlen kann, wie einem eigentlich der Rock nicht mehr gehört, denn man ist ihn der Steuerbehörde schuldig! Aber nicht wahr, in einem weiteren Maßstab, meine lieben Freunde, gehört einem auch der physische Leib nicht. Der wird in Anspruch genommen von den äußeren Institutionen.
[ 37 ] Diese Angst lebt in dem modernen Menschen, daß er eigentlich jeden Tag seinen Leib hingeben muß für irgend etwas, was nicht mit seinem Seelischen zusammenhängt. Und so wird der moderne Mensch ein Sucher nach dem, was ganz anderen Weltaltern angehört, was er im vorigen Erdenleben erlebt hat. So wird der moderne Mensch ein Sucher nach dem, was überhaupt der Erde nicht angehört, was der geistigen Welt angehört, und in dem er im vorirdischen Dasein war.
[ 37 ] Diese Angst lebt in dem modernen Menschen, daß er eigentlich jeden Tag seinen Leib hingeben muß für irgend etwas, was nicht mit seinem Seelischen zusammenhängt. Und so wird der moderne Mensch ein Sucher nach dem, was ganz anderen Weltaltern angehört, was er im vorigen Erdenleben erlebt hat. So wird der moderne Mensch ein Sucher nach dem, was überhaupt der Erde nicht angehört, was der geistigen Welt angehört, und in dem er im vorirdischen Dasein war.
[ 38 ] Das alles macht sich unbewußt, instinktiv geltend, aber es macht sich geltend. Und sagen muß man: Dasjenige, was unsere Anthroposophische Gesellschaft jetzt geworden ist, ist sie ja wirklich aus kleinen Anfängen heraus geworden. Sie mußte zuerst in der primitivsten Weise in ganz kleinen Zirkeln arbeiten. Man könnte viel erzählen von der Art und Weise, wie man aus kleinen Zirkeln heraus gearbeitet hat.
[ 38 ] Das alles macht sich unbewußt, instinktiv geltend, aber es macht sich geltend. Und sagen muß man: Dasjenige, was unsere Anthroposophische Gesellschaft jetzt geworden ist, ist sie ja wirklich aus kleinen Anfängen heraus geworden. Sie mußte zuerst in der primitivsten Weise in ganz kleinen Zirkeln arbeiten. Man könnte viel erzählen von der Art und Weise, wie man aus kleinen Zirkeln heraus gearbeitet hat.
[ 39 ] Ich habe zum Beispiel einmal in den ersten Jahren in Berlin vortragen müssen zunächst in einer Stube, in der hinten die Biergläser klirrten, weil es eine Schankstube war, die nach der Straße hinausging. Und als einmal diese nicht brauchbar war, wies man uns in etwas, was eine Art Stall war. Da kamen die Leute hin, die so beschaffen waren, so beschaffen sind, wie ich es Ihnen eben jetzt erzählt habe. In einer deutschen Stadt habe ich in einem Saal vorgetragen, in dem stückweise überhaupt kein Fußboden war, wo man immer achtgeben mußte, daß man nicht in ein Loch hineinplumpste und sich das Bein brach. Aber es versammelten sich da eben diejenigen Menschen, die diese Impulse hatten. Allerdings, diese Bewegung war von vornherein darauf angelegt, allgemein menschlich zu sein. Und so war die Befriedigung ebenso groß, wenn das einfachste Gemüt sich einfand in solchen Lokalitäten, wie ich sie eben beschrieben habe. Aber man fand das nicht zu unbehaglich, weil das eben auch zur Menschlichkeit gehörte, wenn sich, ich möchte sagen, die Menschen mehr so einfanden, daß sie dann die anthroposophische Bewegung auf aristokratische Art, wie es zum Beispiel in München war, aus der Taufe hoben. Man schloß nicht irgendeine menschliche Allüre aus.
[ 39 ] Ich habe zum Beispiel einmal in den ersten Jahren in Berlin vortragen müssen zunächst in einer Stube, in der hinten die Biergläser klirrten, weil es eine Schankstube war, die nach der Straße hinausging. Und als einmal diese nicht brauchbar war, wies man uns in etwas, was eine Art Stall war. Da kamen die Leute hin, die so beschaffen waren, so beschaffen sind, wie ich es Ihnen eben jetzt erzählt habe. In einer deutschen Stadt habe ich in einem Saal vorgetragen, in dem stückweise überhaupt kein Fußboden war, wo man immer achtgeben mußte, daß man nicht in ein Loch hineinplumpste und sich das Bein brach. Aber es versammelten sich da eben diejenigen Menschen, die diese Impulse hatten. Allerdings, diese Bewegung war von vornherein darauf angelegt, allgemein menschlich zu sein. Und so war die Befriedigung ebenso groß, wenn das einfachste Gemüt sich einfand in solchen Lokalitäten, wie ich sie eben beschrieben habe. Aber man fand das nicht zu unbehaglich, weil das eben auch zur Menschlichkeit gehörte, wenn sich, ich möchte sagen, die Menschen mehr so einfanden, daß sie dann die anthroposophische Bewegung auf aristokratische Art, wie es zum Beispiel in München war, aus der Taufe hoben. Man schloß nicht irgendeine menschliche Allüre aus.
[ 40 ] Aber das, meine lieben Freunde, worauf gesehen werden mußte, das war immer das, daß eben solche Seelen sich zusammenfanden, die so beschaffen waren, wie ich es geschildert habe. So daß wirklich die Menschen, die in solchen Gesellschaften zusammenkamen, schicksalsmäßig gezeichnet waren, auch heute noch schicksalsmäßig gezeichnet sind.
[ 40 ] Aber das, meine lieben Freunde, worauf gesehen werden mußte, das war immer das, daß eben solche Seelen sich zusammenfanden, die so beschaffen waren, wie ich es geschildert habe. So daß wirklich die Menschen, die in solchen Gesellschaften zusammenkamen, schicksalsmäßig gezeichnet waren, auch heute noch schicksalsmäßig gezeichnet sind.
[ 41 ] Wären nicht solche Menschen dagewesen, so hätte eine Persönlichkeit, wie die Blavatsky ist, kein Interesse finden können. Denn gerade nur bei solchen Persönlichkeiten hat sie ein Interesse gefunden. Was fühlten denn zunächst diese Menschen? Was war ihnen denn das Allerwichtigste und was kam denn sozusagen ihren Empfindungen entgegen?
[ 41 ] Wären nicht solche Menschen dagewesen, so hätte eine Persönlichkeit, wie die Blavatsky ist, kein Interesse finden können. Denn gerade nur bei solchen Persönlichkeiten hat sie ein Interesse gefunden. Was fühlten denn zunächst diese Menschen? Was war ihnen denn das Allerwichtigste und was kam denn sozusagen ihren Empfindungen entgegen?
[ 42 ] Nun, dem einen, was da in der Seele rumorte, kam die Lehre von den wiederholten Erdenleben entgegen. Man konnte sich jetzt sagen: Du lebst als Mensch in den Zeitaltern, du bist innerlich stärker als diejenigen Mächte, die dir jeden Tag etwa deinen Leib entreißen wollen. Da mußte man also diesem tief innerlichsten Fühlen, das eigentlich schon willensartig war im Menschen, mit der Lehre von den wiederholten Erdenleben entgegenkommen.
[ 42 ] Nun, dem einen, was da in der Seele rumorte, kam die Lehre von den wiederholten Erdenleben entgegen. Man konnte sich jetzt sagen: Du lebst als Mensch in den Zeitaltern, du bist innerlich stärker als diejenigen Mächte, die dir jeden Tag etwa deinen Leib entreißen wollen. Da mußte man also diesem tief innerlichsten Fühlen, das eigentlich schon willensartig war im Menschen, mit der Lehre von den wiederholten Erdenleben entgegenkommen.
[ 43 ] Und diesem, das Seelische eigentlich wie traumhaft empfinden, körperfrei empfinden — das tut selbst der einfachste Landmensch, das Seelische körperfrei empfinden —, dem konnte man nimmermehr entgegenkommen mit einem Erkennen, das nur auf die Materiie und ihre Vorgänge hin orientiert war. Denn innerhalb dieser Materie und ihrer Vorgänge gab es so etwas nicht wie das, was der Mensch an seinem Seelischen erlebte, was ein Nachklang war seines vorirdischen Daseins. Man konnte dem nur entgegenkommen, wenn man ihm klarmachte, wenn ich das schockierende Wort gebrauchen darf: Unser tiefstes menschliches Wesen ist wie aus Träumen gewoben, Dem, was in uns gewoben ist, wie die Träume gewoben sind, was nur ein stärkeres Sein, eine stärkere Existenz hat, dem sind die Dinge, die in der physischen Umgebung sind, nicht gleich. Man ist ja wie ein Fisch, der aus dem Wasser heraus muß und in der Luft leben soll, wenn man mit dem, was man in der Seele trägt, nur in der Welt leben soll, die die moderne Bildung vor den Menschen hinzaubert. Wie der Fisch anfängt, eben nicht atmen zu können in der Luft, wie der Fisch anfängt zu schnappen, wenn er nicht atmen kann, so leben eben solche Seelen in der modernen Atmosphäre, indem sie schnappen nach dem, was sie brauchen. Das finden sie nicht, weil es Geistiges ist. Denn es ist der Nachklang dessen, was sie erlebt haben im vorirdischen Dasein, in der geistigen Welt. Sie wollen von Geistigem hören, daß Geistiges da ist, daß mitten unter uns Geistiges ist.
[ 43 ] Und diesem, das Seelische eigentlich wie traumhaft empfinden, körperfrei empfinden — das tut selbst der einfachste Landmensch, das Seelische körperfrei empfinden —, dem konnte man nimmermehr entgegenkommen mit einem Erkennen, das nur auf die Materiie und ihre Vorgänge hin orientiert war. Denn innerhalb dieser Materie und ihrer Vorgänge gab es so etwas nicht wie das, was der Mensch an seinem Seelischen erlebte, was ein Nachklang war seines vorirdischen Daseins. Man konnte dem nur entgegenkommen, wenn man ihm klarmachte, wenn ich das schockierende Wort gebrauchen darf: Unser tiefstes menschliches Wesen ist wie aus Träumen gewoben, Dem, was in uns gewoben ist, wie die Träume gewoben sind, was nur ein stärkeres Sein, eine stärkere Existenz hat, dem sind die Dinge, die in der physischen Umgebung sind, nicht gleich. Man ist ja wie ein Fisch, der aus dem Wasser heraus muß und in der Luft leben soll, wenn man mit dem, was man in der Seele trägt, nur in der Welt leben soll, die die moderne Bildung vor den Menschen hinzaubert. Wie der Fisch anfängt, eben nicht atmen zu können in der Luft, wie der Fisch anfängt zu schnappen, wenn er nicht atmen kann, so leben eben solche Seelen in der modernen Atmosphäre, indem sie schnappen nach dem, was sie brauchen. Das finden sie nicht, weil es Geistiges ist. Denn es ist der Nachklang dessen, was sie erlebt haben im vorirdischen Dasein, in der geistigen Welt. Sie wollen von Geistigem hören, daß Geistiges da ist, daß mitten unter uns Geistiges ist.
[ 44 ] Begreifen Sie, meine lieben Freunde, daß das die zwei wichtigsten Angelegenheiten waren für einen gewissen Teil der Menschheit: Aufklärung darüber zu bekommen, daß der Mensch über das eine Erdenleben hinaus lebt, Aufklärung darüber zu bekommen, daß es solche Wesen überhaupt in der Welt gibt, wie er ist, daß es Geister gibt unter den natürlichen Dingen und Vorgängen. Das war zunächst durch die Blavatsky gebracht worden. Aber das mußte man zuerst haben, bevor man wiederum den Christus verstehen konnte.
[ 44 ] Begreifen Sie, meine lieben Freunde, daß das die zwei wichtigsten Angelegenheiten waren für einen gewissen Teil der Menschheit: Aufklärung darüber zu bekommen, daß der Mensch über das eine Erdenleben hinaus lebt, Aufklärung darüber zu bekommen, daß es solche Wesen überhaupt in der Welt gibt, wie er ist, daß es Geister gibt unter den natürlichen Dingen und Vorgängen. Das war zunächst durch die Blavatsky gebracht worden. Aber das mußte man zuerst haben, bevor man wiederum den Christus verstehen konnte.
[ 45 ] Nun liegt eben das Eigentümliche vor, daß, man möchte sagen, mit einer Betonung des Mitleides mit der Menschheit, bei der Blavatsky das auftrat, daß sie sich sagte: Diese Menschen schnappen ja nach Erkenntnissen aus der geistigen Welt. Wenn wir ihnen die alten heidnischen Religionen enthüllen, dann enthüllen wir ihnen etwas, was diesen ihren geistigen Bedürfnissen entgegenkommt. Das sollte zunächst getan werden.
[ 45 ] Nun liegt eben das Eigentümliche vor, daß, man möchte sagen, mit einer Betonung des Mitleides mit der Menschheit, bei der Blavatsky das auftrat, daß sie sich sagte: Diese Menschen schnappen ja nach Erkenntnissen aus der geistigen Welt. Wenn wir ihnen die alten heidnischen Religionen enthüllen, dann enthüllen wir ihnen etwas, was diesen ihren geistigen Bedürfnissen entgegenkommt. Das sollte zunächst getan werden.
[ 46 ] Daß dabei eine ungeheure Einseitigkeit, nämlich ein Antichristianismus entstand, das ist dann durchaus begreiflich, ebenso wie es begreiflich ist, daß von dem Hinschauen auf das gegenwärtige Christentum, aus dem er selber herausgewachsen war, bei Nietzsche ein so starker Antichristianismus entstanden ist.
[ 46 ] Daß dabei eine ungeheure Einseitigkeit, nämlich ein Antichristianismus entstand, das ist dann durchaus begreiflich, ebenso wie es begreiflich ist, daß von dem Hinschauen auf das gegenwärtige Christentum, aus dem er selber herausgewachsen war, bei Nietzsche ein so starker Antichristianismus entstanden ist.
[ 47 ] Von diesem Antichristianismus und seiner Heilung möchte ich Ihnen dann in den nächsten Vorträgen sprechen. Ich möchte nur noch betonen, daß dasjenige, was bei der Blavatsky als Antichristianismus aufgetreten ist, vom Anfange an in der anthroposophischen Bewegung nicht da war, denn der erste Vortragszyklus, der von mir gehalten worden ist, war der Vortragszyklus «Von Buddha zu Christus», wie ich schon erwähnt habe. Dadurch also steht die anthroposophische Bewegung als etwas Selbständiges in all diesen Geistesbewegungen drinnen, daß sie vom Anfange an den Weg von den heidnischen Religionen zum Christentum hin gegangen ist. Aber ebensogut muß man verstehen, warum die anderen diesen Weg nicht gegangen sind. Davon, wie gesagt, wollen wir dann morgen sprechen.
[ 47 ] Von diesem Antichristianismus und seiner Heilung möchte ich Ihnen dann in den nächsten Vorträgen sprechen. Ich möchte nur noch betonen, daß dasjenige, was bei der Blavatsky als Antichristianismus aufgetreten ist, vom Anfange an in der anthroposophischen Bewegung nicht da war, denn der erste Vortragszyklus, der von mir gehalten worden ist, war der Vortragszyklus «Von Buddha zu Christus», wie ich schon erwähnt habe. Dadurch also steht die anthroposophische Bewegung als etwas Selbständiges in all diesen Geistesbewegungen drinnen, daß sie vom Anfange an den Weg von den heidnischen Religionen zum Christentum hin gegangen ist. Aber ebensogut muß man verstehen, warum die anderen diesen Weg nicht gegangen sind. Davon, wie gesagt, wollen wir dann morgen sprechen.
