The History and Circumstances
of the Anthroposophical Movement
in relation to the Anthroposophical Society
An Impulse Towards Self-reflection
GA 258
14 June 1923, Dornach
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Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Bewegung
Fünfter Vortrag
Fünfter Vortrag
[ 1 ] Es ist schon von Bedeutung, darauf hinzusehen, wie gewissermaßen innerhalb der anthroposophischen Bewegung gerade bei denjenigen, die zuerst gewöhnliche Zuhörer, könnte man sagen, waren, das Christentum erobert werden mußte. Denn die theosophische Bewegung ist in Anlehnung an die Persönlichkeit der H. P. Blavatsky durchaus ausgegangen von einer antichristlichen Orientierung. Und diese antichristliche Orientierung, die ich auch in Zusammenhang gebracht habe mit derselben Orientierung bei einer anderen Persönlichkeit, bei Friedrich Nietzsche, diese antichristliche Orientierung möchte ich zunächst noch ein wenig beleuchten.
[ 1 ] Es ist schon von Bedeutung, darauf hinzusehen, wie gewissermaßen innerhalb der anthroposophischen Bewegung gerade bei denjenigen, die zuerst gewöhnliche Zuhörer, könnte man sagen, waren, das Christentum erobert werden mußte. Denn die theosophische Bewegung ist in Anlehnung an die Persönlichkeit der H. P. Blavatsky durchaus ausgegangen von einer antichristlichen Orientierung. Und diese antichristliche Orientierung, die ich auch in Zusammenhang gebracht habe mit derselben Orientierung bei einer anderen Persönlichkeit, bei Friedrich Nietzsche, diese antichristliche Orientierung möchte ich zunächst noch ein wenig beleuchten.
[ 2 ] Man muß sich darüber klar sein, und das geht ja aus den verschiedensten Betrachtungen hervor, die gerade innerhalb unserer Kreise angestellt worden sind über das Mysterium von Golgatha, daß das Mysterium von Golgatha zunächst als eine Tatsache in die Entwickelung der Menschheit auf Erden sich hineingestellt hat. Als Tatsache ist es zunächst zu nehmen. Wenn Sie zurückgehen auf die Darstellung in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», dann werden Sie finden, daß dort der Versuch gemacht ist, das gesamte Mysterienwesen der alten Zeiten nach seinen Impulsen zu erkennen und dann zu zeigen, wie die verschiedenen Kräfte, die in den einzelnen Mysterien gespielt haben, sich vereinigt, harmonisiert und dadurch möglich gemacht haben, daß dasjenige, was zunächst in den Mysterien, man möchte sagen, auf eine verborgene Weise den Menschen entgegengetreten ist, in offener Weise als eine historische Tatsache vor die Menschen hingestellt worden ist. So daß in dem Mysterium von Golgatha in einer äußeren Tatsache die Krönung des gesamten alten Mysterienwesens vorliegt. Wie dann die ganze Entwickelung der Menschheit eine andere werden mußte unter den Einflüssen des Mysteriums von Golgatha, das habe ich gerade in jenem Buche ja zu zeigen versucht.
[ 2 ] Man muß sich darüber klar sein, und das geht ja aus den verschiedensten Betrachtungen hervor, die gerade innerhalb unserer Kreise angestellt worden sind über das Mysterium von Golgatha, daß das Mysterium von Golgatha zunächst als eine Tatsache in die Entwickelung der Menschheit auf Erden sich hineingestellt hat. Als Tatsache ist es zunächst zu nehmen. Wenn Sie zurückgehen auf die Darstellung in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», dann werden Sie finden, daß dort der Versuch gemacht ist, das gesamte Mysterienwesen der alten Zeiten nach seinen Impulsen zu erkennen und dann zu zeigen, wie die verschiedenen Kräfte, die in den einzelnen Mysterien gespielt haben, sich vereinigt, harmonisiert und dadurch möglich gemacht haben, daß dasjenige, was zunächst in den Mysterien, man möchte sagen, auf eine verborgene Weise den Menschen entgegengetreten ist, in offener Weise als eine historische Tatsache vor die Menschen hingestellt worden ist. So daß in dem Mysterium von Golgatha in einer äußeren Tatsache die Krönung des gesamten alten Mysterienwesens vorliegt. Wie dann die ganze Entwickelung der Menschheit eine andere werden mußte unter den Einflüssen des Mysteriums von Golgatha, das habe ich gerade in jenem Buche ja zu zeigen versucht.
[ 3 ] Nun waren, wie ich auch schon öfter betont habe, zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich als eine Tatsache abspielte, Reste der alten Mysterienweisheit vorhanden. Man konnte mit Hilfe dieser Reste der alten Mysterienweisheit, die so in die Evangelien übergegangen sind, wie ich es in jenem Buche dargestellt habe, an dieses Ereignis, das eigentlich der Erdenentwickelung erst ihren Sinn gibt, herantreten. Die Erkenntnismittel zum Verstehen des Mysteriums von Golgatha konnte man aus den alten Mysterien nehmen. Aber zu gleicher Zeit muß ja verzeichnet werden, daß das Mysterienwesen in jenem Sinne, in dem es in alten Zeiten da war, verschwindet und in dem Mysterium von Golgatha seine Krönung gefunden hat.
[ 3 ] Nun waren, wie ich auch schon öfter betont habe, zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich als eine Tatsache abspielte, Reste der alten Mysterienweisheit vorhanden. Man konnte mit Hilfe dieser Reste der alten Mysterienweisheit, die so in die Evangelien übergegangen sind, wie ich es in jenem Buche dargestellt habe, an dieses Ereignis, das eigentlich der Erdenentwickelung erst ihren Sinn gibt, herantreten. Die Erkenntnismittel zum Verstehen des Mysteriums von Golgatha konnte man aus den alten Mysterien nehmen. Aber zu gleicher Zeit muß ja verzeichnet werden, daß das Mysterienwesen in jenem Sinne, in dem es in alten Zeiten da war, verschwindet und in dem Mysterium von Golgatha seine Krönung gefunden hat.
[ 4 ] Auch das habe ich ja erwähnt, wie im 4. nachchristlichen Jahrhundert eigentlich die unmittelbar noch vom Menschen ergriffenen Impulse der alten Erkenntnis schwinden, und von dieser alten Erkenntnis nur mehr oder weniger Traditionelles vorhanden bleibt, so daß da oder dort möglich ist, daß durch besondere Menschen, durch besondere Persönlichkeiten diese Traditionen wiederum belebt werden. Aber eine so fortlaufende Mysterienentwickelung, wie sie im Altertum vorhanden war, findet nicht mehr statt. So ist eigentlich verlorengegangen das Mittel, um das Mysterium von Golgatha zu verstehen.
[ 4 ] Auch das habe ich ja erwähnt, wie im 4. nachchristlichen Jahrhundert eigentlich die unmittelbar noch vom Menschen ergriffenen Impulse der alten Erkenntnis schwinden, und von dieser alten Erkenntnis nur mehr oder weniger Traditionelles vorhanden bleibt, so daß da oder dort möglich ist, daß durch besondere Menschen, durch besondere Persönlichkeiten diese Traditionen wiederum belebt werden. Aber eine so fortlaufende Mysterienentwickelung, wie sie im Altertum vorhanden war, findet nicht mehr statt. So ist eigentlich verlorengegangen das Mittel, um das Mysterium von Golgatha zu verstehen.
[ 5 ] Die Tradition hat sich forterhalten. Die Evangelien waren da, zunächst geheimgehalten von der kirchlichen Gemeinschaft, dann für die einzelnen Völker veröffentlicht. Die Kulte waren da. Es war möglich, in der fortlaufenden Geschichte der abendländischen Menschheit das Mysterium von Golgatha gewissermaßen wie in der Erinnerung lebendig zu erhalten. Aber die Möglichkeit dieser Lebendighaltung hörte auf in dem Momente, als im fünften nachatlantischen Zeitraum der Intellektualismus mit dem, was ich gestern moderne Bildung genannt habe, auftrat. Da trat in die Menschheit herein eine Wissenschaft über die natürlichen Dinge, eine Wissenschaft, aus der nimmermehr, wenn sie ihre Methoden nur in der Weise entwickelt, wie sie es bisher getan hat, ein Begreifen der geistigen Welt hervorgehen konnte. Da mußten diese Methoden eben in der Weise erweitert werden, wie es durch die Anthroposophie geschieht. Aber wenn man bei den von Kopernikus, Galilei und so weiter nur eingeleiteten naturwissenschaftlichen Methoden stehenblieb, dann hatte innerhalb einer solchen Naturbetrachtung das Mysterium von Golgatha keinen Platz.
[ 5 ] Die Tradition hat sich forterhalten. Die Evangelien waren da, zunächst geheimgehalten von der kirchlichen Gemeinschaft, dann für die einzelnen Völker veröffentlicht. Die Kulte waren da. Es war möglich, in der fortlaufenden Geschichte der abendländischen Menschheit das Mysterium von Golgatha gewissermaßen wie in der Erinnerung lebendig zu erhalten. Aber die Möglichkeit dieser Lebendighaltung hörte auf in dem Momente, als im fünften nachatlantischen Zeitraum der Intellektualismus mit dem, was ich gestern moderne Bildung genannt habe, auftrat. Da trat in die Menschheit herein eine Wissenschaft über die natürlichen Dinge, eine Wissenschaft, aus der nimmermehr, wenn sie ihre Methoden nur in der Weise entwickelt, wie sie es bisher getan hat, ein Begreifen der geistigen Welt hervorgehen konnte. Da mußten diese Methoden eben in der Weise erweitert werden, wie es durch die Anthroposophie geschieht. Aber wenn man bei den von Kopernikus, Galilei und so weiter nur eingeleiteten naturwissenschaftlichen Methoden stehenblieb, dann hatte innerhalb einer solchen Naturbetrachtung das Mysterium von Golgatha keinen Platz.
[ 6 ] Nun bedenken Sie doch nur folgendes: In allen alten Religionen gab es keinen Zwiespalt zwischen der Welterkenntnis und, sagen wir, der Gotteserkenntnis. In einer ganz naturgemäßen Weise mündete die weltliche, die profane Wissenschaft in die Theologie hinein. Alle heidnischen Religionen haben das, daß eine Einheit bei ihnen bildet die Art, wie sie die Natur erklären, und wie sie dann in ihrer Naturerklärung aufsteigen zu einem Begreifen des Göttlichen, des mannigfaltigen Göttlichen, das eben durch die Natur wirkt.
[ 6 ] Nun bedenken Sie doch nur folgendes: In allen alten Religionen gab es keinen Zwiespalt zwischen der Welterkenntnis und, sagen wir, der Gotteserkenntnis. In einer ganz naturgemäßen Weise mündete die weltliche, die profane Wissenschaft in die Theologie hinein. Alle heidnischen Religionen haben das, daß eine Einheit bei ihnen bildet die Art, wie sie die Natur erklären, und wie sie dann in ihrer Naturerklärung aufsteigen zu einem Begreifen des Göttlichen, des mannigfaltigen Göttlichen, das eben durch die Natur wirkt.
[ 7 ] Solche Naturkräfte abstrakter Art, wie wir sie heute haben, wie sie unter zwingender Autorität anerkannt werden, hatte man nicht. Man hatte Naturwesen, welche die Natur in ihren verschiedenen Erscheinungen lenkten, leiteten, zu denen man eine Brücke hinüberbauen konnte von dem aus, was in der Menschenseele selber ist. So daß nirgends jener Riß war in den alten Religionen, der da besteht zwischen dem, was neuere Naturwissenschaft ist und demjenigen, was Erfassen des Göttlich-Geistigen sein soll.
[ 7 ] Solche Naturkräfte abstrakter Art, wie wir sie heute haben, wie sie unter zwingender Autorität anerkannt werden, hatte man nicht. Man hatte Naturwesen, welche die Natur in ihren verschiedenen Erscheinungen lenkten, leiteten, zu denen man eine Brücke hinüberbauen konnte von dem aus, was in der Menschenseele selber ist. So daß nirgends jener Riß war in den alten Religionen, der da besteht zwischen dem, was neuere Naturwissenschaft ist und demjenigen, was Erfassen des Göttlich-Geistigen sein soll.
[ 8 ] Nun wird Anthroposophie niemals behaupten, daß sie irgendwie selbst Religion-begründend auftreten will. Aber auf der anderen Seite ist es einfach eine menschliche Forderung, daß, wenn auch Religion immer etwas Selbständiges, eine selbständige geistige Strömung in der Menschheit sein muß, doch ein Einklang bestehen muß zwischen dem, was Erkenntnis ist, und dem, was Religion ist. Man muß, ohne über einen Abgrund zu springen, hinüberkommen können in das Religiöse vom Erkennen aus, und man muß wieder vom Religiösen in das Erkennen herüberkommen können, ohne über einen Abgrund springen zu müssen. Das ist bei der ganzen Konstitution, die die neuere Erkenntnis angenommen hat, nicht möglich. Und diese Erkenntnis ist durchaus populär geworden und bezwingt die Menschen mit einer ungeheuren Autorität. In dieser Art ist eine Brücke zwischen dieser Erkenntnis und dem religiösen Leben nicht möglich, vor allen Dingen ist es nicht möglich, vom Wissenschaftlichen aus das Wesen des Christus zu finden. Indem immer mehr und mehr die neuere Wissenschaft an das Wesen des Christus herangetreten ist, hat sie es zerstäubt, hat sie es verloren.
[ 8 ] Nun wird Anthroposophie niemals behaupten, daß sie irgendwie selbst Religion-begründend auftreten will. Aber auf der anderen Seite ist es einfach eine menschliche Forderung, daß, wenn auch Religion immer etwas Selbständiges, eine selbständige geistige Strömung in der Menschheit sein muß, doch ein Einklang bestehen muß zwischen dem, was Erkenntnis ist, und dem, was Religion ist. Man muß, ohne über einen Abgrund zu springen, hinüberkommen können in das Religiöse vom Erkennen aus, und man muß wieder vom Religiösen in das Erkennen herüberkommen können, ohne über einen Abgrund springen zu müssen. Das ist bei der ganzen Konstitution, die die neuere Erkenntnis angenommen hat, nicht möglich. Und diese Erkenntnis ist durchaus populär geworden und bezwingt die Menschen mit einer ungeheuren Autorität. In dieser Art ist eine Brücke zwischen dieser Erkenntnis und dem religiösen Leben nicht möglich, vor allen Dingen ist es nicht möglich, vom Wissenschaftlichen aus das Wesen des Christus zu finden. Indem immer mehr und mehr die neuere Wissenschaft an das Wesen des Christus herangetreten ist, hat sie es zerstäubt, hat sie es verloren.
[ 9 ] Wenn Sie dies bedenken, dann werden Sie das folgende begreifen können. Ich will zunächst von dem der Blavatsky fernstehenden Nietzsche sprechen. Da ist in Nietzsche ein Mensch, der herausgewachsen ist aus einem mitteleuropäischen protestantischen Pfarrhause, der Sohn nicht nur frommer Leute in dem modernen Sinn, sondern der Sohn eines praktizierenden Pastors. Er macht die moderne Bildung durch, macht sie zunächst als Gymnasiast durch. Da er aber nicht dasjenige ist, was Schiller den Brotgelehrten nennt, sondern ein philosophischer Kopf — Sie wissen ja, Schiller hat in seiner Antrittsrede scharf den Unterschied hervorgehoben zwischen dem Philosophenkopf und dem Brotgelehrten -, so verbreitert sich sein Interesse über alles dasjenige, was aus den Methoden der Gegenwart heraus Erkenntnis werden kann. Nun kommt er - aber auf eine radikale Weise — bewußt in jenen Zwiespalt hinein, in den eigentlich alle modernen gebildeten Gemüter hineinkommen, aber unbewußt, weil sie sich Illusionen darüber machen, weil sie einen Nebel darüber breiten. Er kommt zu einer Stimmung, die ich etwa im folgenden charakterisieren möchte.
[ 9 ] Wenn Sie dies bedenken, dann werden Sie das folgende begreifen können. Ich will zunächst von dem der Blavatsky fernstehenden Nietzsche sprechen. Da ist in Nietzsche ein Mensch, der herausgewachsen ist aus einem mitteleuropäischen protestantischen Pfarrhause, der Sohn nicht nur frommer Leute in dem modernen Sinn, sondern der Sohn eines praktizierenden Pastors. Er macht die moderne Bildung durch, macht sie zunächst als Gymnasiast durch. Da er aber nicht dasjenige ist, was Schiller den Brotgelehrten nennt, sondern ein philosophischer Kopf — Sie wissen ja, Schiller hat in seiner Antrittsrede scharf den Unterschied hervorgehoben zwischen dem Philosophenkopf und dem Brotgelehrten -, so verbreitert sich sein Interesse über alles dasjenige, was aus den Methoden der Gegenwart heraus Erkenntnis werden kann. Nun kommt er - aber auf eine radikale Weise — bewußt in jenen Zwiespalt hinein, in den eigentlich alle modernen gebildeten Gemüter hineinkommen, aber unbewußt, weil sie sich Illusionen darüber machen, weil sie einen Nebel darüber breiten. Er kommt zu einer Stimmung, die ich etwa im folgenden charakterisieren möchte.
[ 10 ] Er sagt: Da haben wir nun eine moderne Bildung. Diese moderne Bildung arbeitet nirgends in gerader Linie, ohne einen Abgrund zu überspringen, zu einer Charakteristik des Christus Jesus hinüber. Nun stellt sich hinein in das, was die moderne Bildung geworden ist, das, was als Christentum geblieben ist, das in Worten spricht, die gar kein Verhältnis mehr haben zu den verschiedenen Formulierungen, Charakterisierungen, welche von der modernen Wissenschaft herkommen. Fr sagt sich zunächst scharf: Soll man irgendwie ein Verhältnis gewinnen zur modernen Wissenschaft und dann noch in irgendeiner Weise innerlich nachfühlen dasjenige, was traditionell über den Christus gesagt wird, dann muß man lügen. So sagt er sich. Und nun entscheidet er sich. Er entscheidet sich für die moderne Bildung und kommt dadurch zu einer ganz radikalen Anklage dessen, was er nun vom Christentum kennt.
[ 10 ] Er sagt: Da haben wir nun eine moderne Bildung. Diese moderne Bildung arbeitet nirgends in gerader Linie, ohne einen Abgrund zu überspringen, zu einer Charakteristik des Christus Jesus hinüber. Nun stellt sich hinein in das, was die moderne Bildung geworden ist, das, was als Christentum geblieben ist, das in Worten spricht, die gar kein Verhältnis mehr haben zu den verschiedenen Formulierungen, Charakterisierungen, welche von der modernen Wissenschaft herkommen. Fr sagt sich zunächst scharf: Soll man irgendwie ein Verhältnis gewinnen zur modernen Wissenschaft und dann noch in irgendeiner Weise innerlich nachfühlen dasjenige, was traditionell über den Christus gesagt wird, dann muß man lügen. So sagt er sich. Und nun entscheidet er sich. Er entscheidet sich für die moderne Bildung und kommt dadurch zu einer ganz radikalen Anklage dessen, was er nun vom Christentum kennt.
[ 11 ] Schärfere Worte sind ja niemals über das Christentum gesprochen worden, als sie Nietzsche gesprochen hat, der Pastorssohn. Und er empfindet das, ich möchte sagen, wirklich mit seinem ganzen Menschen. Man braucht nur ein solches Wort von ihm zu nehmen - ich zitiere nur, ich vertrete selbstverständlich nicht dasjenige, was Nietzsche gesagt hat, sondern ich zitiere es —, wo er sagt: Dasjenige, was ein moderner Theologe für wahr hält, ist sicher falsch. Ja, man kann geradezu ein Kriterrum der Wahrheit daraus machen: Man erkennt, im Sinne von Nietzsche, was falsch ist, wenn ein moderner Theologe das wahr nennt. Das ist ungefähr seine Definition, eine seiner Definitionen über Wahrheit. Und er findet, daß die ganze moderne Philosophie zu viel Theologenblut im Leibe hat. Er formuliert dann diese ungeheure Anklage gegen das Christentum, die natürlich eine Blasphemie ist, aber die eben eine ehrliche Blasphemie ist, und die deshalb immerhin berücksichtigenswerter ist als die Verlogenheiten, die auf diesem Gebiete heute so vielfach getrieben werden. Das muß man nur festhalten, daß es sich darum handelt, daß eine solche Persönlichkeit wie Nietzsche, die einmal mit dem Begreifenwollen des Mysteriums von Golgatha Ernst machte, das eben mit den Mitteln, die vorhanden sind, auch mit den Evangelien, so wie sie da sind, nicht konnte.
[ 11 ] Schärfere Worte sind ja niemals über das Christentum gesprochen worden, als sie Nietzsche gesprochen hat, der Pastorssohn. Und er empfindet das, ich möchte sagen, wirklich mit seinem ganzen Menschen. Man braucht nur ein solches Wort von ihm zu nehmen - ich zitiere nur, ich vertrete selbstverständlich nicht dasjenige, was Nietzsche gesagt hat, sondern ich zitiere es —, wo er sagt: Dasjenige, was ein moderner Theologe für wahr hält, ist sicher falsch. Ja, man kann geradezu ein Kriterrum der Wahrheit daraus machen: Man erkennt, im Sinne von Nietzsche, was falsch ist, wenn ein moderner Theologe das wahr nennt. Das ist ungefähr seine Definition, eine seiner Definitionen über Wahrheit. Und er findet, daß die ganze moderne Philosophie zu viel Theologenblut im Leibe hat. Er formuliert dann diese ungeheure Anklage gegen das Christentum, die natürlich eine Blasphemie ist, aber die eben eine ehrliche Blasphemie ist, und die deshalb immerhin berücksichtigenswerter ist als die Verlogenheiten, die auf diesem Gebiete heute so vielfach getrieben werden. Das muß man nur festhalten, daß es sich darum handelt, daß eine solche Persönlichkeit wie Nietzsche, die einmal mit dem Begreifenwollen des Mysteriums von Golgatha Ernst machte, das eben mit den Mitteln, die vorhanden sind, auch mit den Evangelien, so wie sie da sind, nicht konnte.
[ 12 ] Wir haben innerhalb unserer Anthroposophie nun über alle vier Evangelien Interpretationen. Was durch diese Interpretationen die Evangelien werden, das lehnen die Theologen aller Bekenntnisse ganz entschieden ab. Das hatte aber Nietzsche nocht nicht. Es ist das Allerschwierigste für einen wissenschaftlichen Geist — und fast sind alle Menschen heute schon, wenn auch in primitiver Weise, in diesem Sinne wissenschaftliche Geister —-, das Mysterium von Golgatha zu erobern. Denn was ist dazu notwendig? Gerade um das Mysterium von Golgatha zu erobern, ist notwendig nicht eine Erneuerung des alten Mysterienwesens, sondern das Auffinden eines ganz neuen Mysterienwesens. Das Auffinden der geistigen Welt in völlig neuer Form, das ist nötig. Denn mit den alten Mysterien, einschließlich der Gnosis, konnte man eben über das Mysterium von Golgatha nur noch stammeln. Man begriff es stammelnd. Und man muß dieses Stammeln heute zum Sprechen bringen.
[ 12 ] Wir haben innerhalb unserer Anthroposophie nun über alle vier Evangelien Interpretationen. Was durch diese Interpretationen die Evangelien werden, das lehnen die Theologen aller Bekenntnisse ganz entschieden ab. Das hatte aber Nietzsche nocht nicht. Es ist das Allerschwierigste für einen wissenschaftlichen Geist — und fast sind alle Menschen heute schon, wenn auch in primitiver Weise, in diesem Sinne wissenschaftliche Geister —-, das Mysterium von Golgatha zu erobern. Denn was ist dazu notwendig? Gerade um das Mysterium von Golgatha zu erobern, ist notwendig nicht eine Erneuerung des alten Mysterienwesens, sondern das Auffinden eines ganz neuen Mysterienwesens. Das Auffinden der geistigen Welt in völlig neuer Form, das ist nötig. Denn mit den alten Mysterien, einschließlich der Gnosis, konnte man eben über das Mysterium von Golgatha nur noch stammeln. Man begriff es stammelnd. Und man muß dieses Stammeln heute zum Sprechen bringen.
[ 13 ] Diesen Drang, das alte Stammeln zum Sprechen zu bringen, das hatten eben die vielen heimatlosen Seelen, von denen ich in diesen Betrachtungen spreche. Nietzsche brachte es eben zu einer radikal formulierten, nicht nur Absage, sondern furchtbaren Anklage des Christentums. Blavatsky bekam ja ihre Anregung im Grunde genommen auch von dem alten Mysterienwesen. Wenn man die ganze «Geheimlehre» der Blavatsky nimmt, muß man darinnen eigentlich etwas wie eine Auferstehung der alten Mysterien sehen, im Grunde nichts Neues. Das Wichtigste, was bei Blavatsky in ihren Werken zutage tritt, ist eben Auferstehung der alten Mysterien, Auferstehung jener Erkenntnisse, durch die in den alten Mysterien das Göttlich-Geistige erkannt worden ist.
[ 13 ] Diesen Drang, das alte Stammeln zum Sprechen zu bringen, das hatten eben die vielen heimatlosen Seelen, von denen ich in diesen Betrachtungen spreche. Nietzsche brachte es eben zu einer radikal formulierten, nicht nur Absage, sondern furchtbaren Anklage des Christentums. Blavatsky bekam ja ihre Anregung im Grunde genommen auch von dem alten Mysterienwesen. Wenn man die ganze «Geheimlehre» der Blavatsky nimmt, muß man darinnen eigentlich etwas wie eine Auferstehung der alten Mysterien sehen, im Grunde nichts Neues. Das Wichtigste, was bei Blavatsky in ihren Werken zutage tritt, ist eben Auferstehung der alten Mysterien, Auferstehung jener Erkenntnisse, durch die in den alten Mysterien das Göttlich-Geistige erkannt worden ist.
[ 14 ] Aber alle diese Mysterien können nur das begreifen, was Vorbereitung für den Christus ist. Diejenigen, die noch zur Zeit der Entstehung des Christentums in einer gewissen Weise mit den Impulsen der alten Mysterien vertraut waren, konnten sich positiv dem Ereignis von Golgatha gegenüberstellen. So daß bis ins 4. Jahrhundert eben Leute sich noch positiv dem Ereignis von Golgatha gegenüberstellen konnten. Man begriff im wirklichen Sinne die griechischen Kirchenväter noch, wie sie überall Zusammenhänge haben mit den alten Mysterien, wie sie, richtig verstanden, aus einem ganz anderen Ton heraus reden als die späteren lateinischen Kirchenväter.
[ 14 ] Aber alle diese Mysterien können nur das begreifen, was Vorbereitung für den Christus ist. Diejenigen, die noch zur Zeit der Entstehung des Christentums in einer gewissen Weise mit den Impulsen der alten Mysterien vertraut waren, konnten sich positiv dem Ereignis von Golgatha gegenüberstellen. So daß bis ins 4. Jahrhundert eben Leute sich noch positiv dem Ereignis von Golgatha gegenüberstellen konnten. Man begriff im wirklichen Sinne die griechischen Kirchenväter noch, wie sie überall Zusammenhänge haben mit den alten Mysterien, wie sie, richtig verstanden, aus einem ganz anderen Ton heraus reden als die späteren lateinischen Kirchenväter.
[ 15 ] Innerhalb desjenigen, was der Blavatsky aufging, war eben jene alte Weisheit enthalten, die Natur und Geist in einem schaute. Und so wie, ich möchte sagen, eine Seele vor dem Mysterium von Golgatha Natur und Geist geschaut hat, so schaute auch wiederum Blavatsky. Da, sagte sie sich, kommt man zum Göttlich-Geistigen, da eröffnet sich dem Menschen der Ausblick in das Göttlich-Geistige. Von da aus wendete sie dann den Blick auf dasjenige, was die moderne Tradition und die modernen Bekenntnisse von dem Christus Jesus sagen. Natürlich, die Evangelien, die konnte sie nicht so verstehen, wie sie in der Anthroposophie verstanden werden, und dasjenige Verständnis, das von woanders herkam, war nicht geeignet, heranzureichen an das, was Blavatsky an Geist-Erkenntnis bringen konnte. Daher ihre Verachtung für dasjenige, was in der Welt draußen über das Mysterium von Golgatha gesagt wurde. Sie sagte sich etwa: Was die Leute alle über das Mysterium von Golgatha sagen, das steht auf einem viel niedrigeren Niveau als all die majestätische Weisheit, welche die alten Mysterien gebracht haben. Also der Christengott steht auf einem niedrigeren Niveau als dasjenige, was alte Mysterien gehabt haben.
[ 15 ] Innerhalb desjenigen, was der Blavatsky aufging, war eben jene alte Weisheit enthalten, die Natur und Geist in einem schaute. Und so wie, ich möchte sagen, eine Seele vor dem Mysterium von Golgatha Natur und Geist geschaut hat, so schaute auch wiederum Blavatsky. Da, sagte sie sich, kommt man zum Göttlich-Geistigen, da eröffnet sich dem Menschen der Ausblick in das Göttlich-Geistige. Von da aus wendete sie dann den Blick auf dasjenige, was die moderne Tradition und die modernen Bekenntnisse von dem Christus Jesus sagen. Natürlich, die Evangelien, die konnte sie nicht so verstehen, wie sie in der Anthroposophie verstanden werden, und dasjenige Verständnis, das von woanders herkam, war nicht geeignet, heranzureichen an das, was Blavatsky an Geist-Erkenntnis bringen konnte. Daher ihre Verachtung für dasjenige, was in der Welt draußen über das Mysterium von Golgatha gesagt wurde. Sie sagte sich etwa: Was die Leute alle über das Mysterium von Golgatha sagen, das steht auf einem viel niedrigeren Niveau als all die majestätische Weisheit, welche die alten Mysterien gebracht haben. Also der Christengott steht auf einem niedrigeren Niveau als dasjenige, was alte Mysterien gehabt haben.
[ 16 ] Es war nicht die Schuld des Christengottes, es war aber die Schuld der Interpretierungen des Christengottes. Blavatsky kannte eben das Wesen des Mysteriums von Golgatha nicht, sondern konnte es auch nur beurteilen nach dem, was man darüber sagen konnte. Auf diese Dinge muß man durchaus mit aller Objektivität hinschauen. Denn est ist ja, nachdem im 4. nachchristlichen Jahrhundert eigentlich das alte Mysterienwesen mit den letzten Resten des Griechentums seiner Abendröte zuneigte, das Christentum von dem Römertum aufgenommen worden. Das Römertum war außerstande, aus seiner äußerlichen Bildung heraus einen wirklichen Weg zum Geiste zu eröffnen. Das Römertum zwang dem Christentum eben ein äußerliches Moment auf. Und das romanisierte Christentum, das ist dasjenige, das im Grunde genommen Nietzsche und Blavatsky allein kannten.
[ 16 ] Es war nicht die Schuld des Christengottes, es war aber die Schuld der Interpretierungen des Christengottes. Blavatsky kannte eben das Wesen des Mysteriums von Golgatha nicht, sondern konnte es auch nur beurteilen nach dem, was man darüber sagen konnte. Auf diese Dinge muß man durchaus mit aller Objektivität hinschauen. Denn est ist ja, nachdem im 4. nachchristlichen Jahrhundert eigentlich das alte Mysterienwesen mit den letzten Resten des Griechentums seiner Abendröte zuneigte, das Christentum von dem Römertum aufgenommen worden. Das Römertum war außerstande, aus seiner äußerlichen Bildung heraus einen wirklichen Weg zum Geiste zu eröffnen. Das Römertum zwang dem Christentum eben ein äußerliches Moment auf. Und das romanisierte Christentum, das ist dasjenige, das im Grunde genommen Nietzsche und Blavatsky allein kannten.
[ 17 ] So muß man verstehen, daß, weil es den Seelen, die ich als heimatlose Seelen bezeichnete, in denen frühere Erdenleben aufleuchten, vorzugsweise darum zu tun war, einen Weg in die geistige Welt hinein wiederzufinden, sie zunächst dasjenige nahmen, was sich ihnen gab. Sie wollten nur in die geistige Welt hinein, selbst auf die Gefahr hin, daß ihnen damit kein Christentum gegeben war. Einen Zusammenhang der Seele mit dem Geiste wollten die Menschen. So traf man diejenigen Menschen, die zunächst ihren Weg in die Theosophische Gesellschaft suchten.
[ 17 ] So muß man verstehen, daß, weil es den Seelen, die ich als heimatlose Seelen bezeichnete, in denen frühere Erdenleben aufleuchten, vorzugsweise darum zu tun war, einen Weg in die geistige Welt hinein wiederzufinden, sie zunächst dasjenige nahmen, was sich ihnen gab. Sie wollten nur in die geistige Welt hinein, selbst auf die Gefahr hin, daß ihnen damit kein Christentum gegeben war. Einen Zusammenhang der Seele mit dem Geiste wollten die Menschen. So traf man diejenigen Menschen, die zunächst ihren Weg in die Theosophische Gesellschaft suchten.
[ 18 ] Nun muß man sich nur klar darüber sein, welche Stellung die auftretende Anthroposophie diesen Menschen, diesen heimatlosen Seelen gegenüber hatte. Nicht wahr, das waren suchende Seelen, das waren fragende Seelen. Und zunächst handelte es sich darum, zu erkennen: Was fragen diese Seelen, welche Fragen leben ihnen in ihrem tiefsten Inneren? — Und wenn nun von anthroposophischer Seite aus zu diesen Seelen gesprochen worden ist, so war es deshalb, weil diese Seelen Fragen hatten über die Dinge, auf welche Anthroposophie glaubte antworten zu können. Die anderen Menschen der Gegenwart haben ja keine Fragen, ihnen fehlen die Fragen.
[ 18 ] Nun muß man sich nur klar darüber sein, welche Stellung die auftretende Anthroposophie diesen Menschen, diesen heimatlosen Seelen gegenüber hatte. Nicht wahr, das waren suchende Seelen, das waren fragende Seelen. Und zunächst handelte es sich darum, zu erkennen: Was fragen diese Seelen, welche Fragen leben ihnen in ihrem tiefsten Inneren? — Und wenn nun von anthroposophischer Seite aus zu diesen Seelen gesprochen worden ist, so war es deshalb, weil diese Seelen Fragen hatten über die Dinge, auf welche Anthroposophie glaubte antworten zu können. Die anderen Menschen der Gegenwart haben ja keine Fragen, ihnen fehlen die Fragen.
[ 19 ] Anthroposophie hatte also gar nicht die Aufgabe, unter den Theosophen Erkenntnis zu suchen. Für sie war es zunächst eine " wichtige Tatsache, was mit der Erscheinung der Blavatsky in die Welt getreten ist. Aber dasjenige, was sie zu beobachten hatte, war nicht die Erkenntnis, die von jener Seite kam, sondern es war im wesentlichen die Notwendigkeit, die Fragen, die Rätselfragen kennenzulernen, die in einer Anzahl von Seelen waren.
[ 19 ] Anthroposophie hatte also gar nicht die Aufgabe, unter den Theosophen Erkenntnis zu suchen. Für sie war es zunächst eine " wichtige Tatsache, was mit der Erscheinung der Blavatsky in die Welt getreten ist. Aber dasjenige, was sie zu beobachten hatte, war nicht die Erkenntnis, die von jener Seite kam, sondern es war im wesentlichen die Notwendigkeit, die Fragen, die Rätselfragen kennenzulernen, die in einer Anzahl von Seelen waren.
[ 20 ] Man hätte, wenn man dazumal überhaupt die Möglichkeit gehabt hätte, die Sache klar auszudrücken, sagen können: Um dasjenige, was von den Führern der Theosophischen Gesellschaft den Menschen gegeben worden ist, braucht man sich gar nicht zu kümmern, aber um das muß man sich kümmern, was die Seelen fragen, was sie wissen wollen. Deshalb waren dennoch diese Menschen eben zunächst die richtigen Menschen für die Anthroposophie.
[ 20 ] Man hätte, wenn man dazumal überhaupt die Möglichkeit gehabt hätte, die Sache klar auszudrücken, sagen können: Um dasjenige, was von den Führern der Theosophischen Gesellschaft den Menschen gegeben worden ist, braucht man sich gar nicht zu kümmern, aber um das muß man sich kümmern, was die Seelen fragen, was sie wissen wollen. Deshalb waren dennoch diese Menschen eben zunächst die richtigen Menschen für die Anthroposophie.
[ 21 ] In welcher Formulierung mußten die Antworten erfließen? Nun, nehmen Sie die Sache so positiv, so tatsächlich als möglich. Da waren diese fragenden Seelen. Ihre Fragen konnte man erkennen. Sie hatten den Glauben, daß sie durch so etwas Antwort bekommen auf ihre Fragen, wie es zum Beispiel Annie Besants Buch «Uralte Weisheit» enthält. Nun werden Sie sich sehr leicht sagen können: Es wäre selbstverständlich töricht gewesen, den Leuten zu sagen, das oder jenes ist in dem Buch «Uralte Weisheit» für die neuere Zeit nicht mehr geeignet, denn da hätte man ja diesen Seelen nichts geboten, sondern ihnen nur etwas weggenommen. Es konnte sich nur darum handeln, ihre Fragen wirklich zu beantworten, während sie von der anderen Seite keine reinliche Antwort bekamen. Die wirkliche Beantwortung wurde nun so eingeleitet, daß, während zunächst die «Uralte Weisheit» sozusagen ein dogmatisches Buch unter diesen Menschen war, ich mich wenig um die «Uralte Weisheit» kümmerte, sondern mein Buch «Theosophie» schrieb und Antwort auf die Fragen gab, von denen ich wußte, daß sie gestellt werden. Das war die positive Antwort. Und weiter brauchte man nicht zu gehen. Man mußte den Leuten nun völlig die Freiheit lassen: Wollt ihr weiter die «Uralte Weisheit» in die Hand nehmen, oder wollt ihr die «Theosophie» in die Hand nehmen.
[ 21 ] In welcher Formulierung mußten die Antworten erfließen? Nun, nehmen Sie die Sache so positiv, so tatsächlich als möglich. Da waren diese fragenden Seelen. Ihre Fragen konnte man erkennen. Sie hatten den Glauben, daß sie durch so etwas Antwort bekommen auf ihre Fragen, wie es zum Beispiel Annie Besants Buch «Uralte Weisheit» enthält. Nun werden Sie sich sehr leicht sagen können: Es wäre selbstverständlich töricht gewesen, den Leuten zu sagen, das oder jenes ist in dem Buch «Uralte Weisheit» für die neuere Zeit nicht mehr geeignet, denn da hätte man ja diesen Seelen nichts geboten, sondern ihnen nur etwas weggenommen. Es konnte sich nur darum handeln, ihre Fragen wirklich zu beantworten, während sie von der anderen Seite keine reinliche Antwort bekamen. Die wirkliche Beantwortung wurde nun so eingeleitet, daß, während zunächst die «Uralte Weisheit» sozusagen ein dogmatisches Buch unter diesen Menschen war, ich mich wenig um die «Uralte Weisheit» kümmerte, sondern mein Buch «Theosophie» schrieb und Antwort auf die Fragen gab, von denen ich wußte, daß sie gestellt werden. Das war die positive Antwort. Und weiter brauchte man nicht zu gehen. Man mußte den Leuten nun völlig die Freiheit lassen: Wollt ihr weiter die «Uralte Weisheit» in die Hand nehmen, oder wollt ihr die «Theosophie» in die Hand nehmen.
[ 22 ] In weltgeschichtlichen Zeitaltern, in denen sich Wichtiges entscheiden muß, können die Dinge nicht so rationalistisch geradlinig liegen, wie man sich gewöhnlich vorstellt. So fand ich es denn durchaus begreiflich, daß, als Theosophen bei meinem damaligen Vortragszyklus über Anthroposophie bei der Begründung der deutschen Sektion erschienen waren, diese Theosophen gesagt haben, worauf ich Sie ja in diesen Betrachtungen schon aufmerksam gemacht habe: Ja, aber das stimmt ganz und gar nicht überein mit dem, was Mrs. Besant sagt.
[ 22 ] In weltgeschichtlichen Zeitaltern, in denen sich Wichtiges entscheiden muß, können die Dinge nicht so rationalistisch geradlinig liegen, wie man sich gewöhnlich vorstellt. So fand ich es denn durchaus begreiflich, daß, als Theosophen bei meinem damaligen Vortragszyklus über Anthroposophie bei der Begründung der deutschen Sektion erschienen waren, diese Theosophen gesagt haben, worauf ich Sie ja in diesen Betrachtungen schon aufmerksam gemacht habe: Ja, aber das stimmt ganz und gar nicht überein mit dem, was Mrs. Besant sagt.
[ 23 ] Selbstverständlich stimmte es nicht, konnte auch nicht stimmen, denn es sollte aus dem, was aus dem Bewußtsein, aus dem vertieften Bewußtsein der Gegenwart heraus gegeben werden kann, die Antwort sich finden. Und so ist es schon geworden, wenn ich zunächst, ich möchte sagen, mehr die großen Fäden charakterisieren will, daß zunächst etwa bis zum Jahre 1907 jeder Schritt für die Anthroposophie erobert werden mußte gegen die Tradition der Theosophischen Gesellschaft. Man konnte zunächst nur an die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft die Dinge heranbringen. Jeder Schritt mußte erobert werden. Polemisches hätte dazumal gar keinen Sinn gehabt, sondern einzig und allein das Hoffen, das Bauen auf die Selektion.
[ 23 ] Selbstverständlich stimmte es nicht, konnte auch nicht stimmen, denn es sollte aus dem, was aus dem Bewußtsein, aus dem vertieften Bewußtsein der Gegenwart heraus gegeben werden kann, die Antwort sich finden. Und so ist es schon geworden, wenn ich zunächst, ich möchte sagen, mehr die großen Fäden charakterisieren will, daß zunächst etwa bis zum Jahre 1907 jeder Schritt für die Anthroposophie erobert werden mußte gegen die Tradition der Theosophischen Gesellschaft. Man konnte zunächst nur an die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft die Dinge heranbringen. Jeder Schritt mußte erobert werden. Polemisches hätte dazumal gar keinen Sinn gehabt, sondern einzig und allein das Hoffen, das Bauen auf die Selektion.
[ 24 ] Die Dinge trugen sich durchaus nicht ohne innere Hemmungen zu. Jedes mußte an seiner richtigen Stelle, wenigstens nach meiner Meinung, richtig getan werden. Ich habe, wie ich glaube, in meiner «Theosophie» keinen Schritt über dasjenige hinaus getan, was dazumal für eine Anzahl von Menschen zu veröffentlichen möglich war. Die Verbreitung, die mittlerweile das Buch gefunden hat, zeigt ja, daß das eine richtige Voraussetzung war. So weit konnte man gehen.
[ 24 ] Die Dinge trugen sich durchaus nicht ohne innere Hemmungen zu. Jedes mußte an seiner richtigen Stelle, wenigstens nach meiner Meinung, richtig getan werden. Ich habe, wie ich glaube, in meiner «Theosophie» keinen Schritt über dasjenige hinaus getan, was dazumal für eine Anzahl von Menschen zu veröffentlichen möglich war. Die Verbreitung, die mittlerweile das Buch gefunden hat, zeigt ja, daß das eine richtige Voraussetzung war. So weit konnte man gehen.
[ 25 ] Unter denen, die intensiver suchten, die also in die Strömung, die durch Blavatsky angeregt worden war, hineingekommen waren, konnte man weiter gehen. Da mußte man den Anfang damit machen, nun weiter zu gehen. Da könnte ich Ihnen die einzelnen Beispiele alle charakterisieren. Ich will aber nur eines herausgreifen, wie der Versuch gemacht worden ist, Schritt für Schritt aus dem schlecht Traditionellen in das richtig Gegenwärtige, in das unmittelbar gegenwärtig Erforschte hineinzukommen.
[ 25 ] Unter denen, die intensiver suchten, die also in die Strömung, die durch Blavatsky angeregt worden war, hineingekommen waren, konnte man weiter gehen. Da mußte man den Anfang damit machen, nun weiter zu gehen. Da könnte ich Ihnen die einzelnen Beispiele alle charakterisieren. Ich will aber nur eines herausgreifen, wie der Versuch gemacht worden ist, Schritt für Schritt aus dem schlecht Traditionellen in das richtig Gegenwärtige, in das unmittelbar gegenwärtig Erforschte hineinzukommen.
[ 26 ] Da war die Schilderung in der Theosophischen Gesellschaft üblich, wie der Mensch das, was man Kamaloka nannte, nach dem Tode durchmacht. Diese Schilderung, wie sie bei den führenden Persönlichkeiten der Theosophischen Gesellschaft gegeben worden ist, konnte in meinem Buche «Theosophie» nur dadurch umgangen werden, daß ich zunächst mit dem Zeitbegriff dort nicht gerechnet habe. Aber innerhalb der Kreise der Gesellschaft wollte ich mit dem richtigen Zeitbegriff rechnen.
[ 26 ] Da war die Schilderung in der Theosophischen Gesellschaft üblich, wie der Mensch das, was man Kamaloka nannte, nach dem Tode durchmacht. Diese Schilderung, wie sie bei den führenden Persönlichkeiten der Theosophischen Gesellschaft gegeben worden ist, konnte in meinem Buche «Theosophie» nur dadurch umgangen werden, daß ich zunächst mit dem Zeitbegriff dort nicht gerechnet habe. Aber innerhalb der Kreise der Gesellschaft wollte ich mit dem richtigen Zeitbegriff rechnen.


[ 27 ] So kam es, daß ich innerhalb der damaligen holländischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in verschiedenen Städten Vorträge hielt über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und da zum ersten Mal, ganz im Anfange meines Wirkens, aufmerksam darauf gemacht habe, daß es ja ein Unsinn ist, so ohne weiteres vorzustellen, daß, wenn dies das Erdenleben von der Geburt bis zum Tode ist, dann Kamaloka so durchgemacht wird, als ob im Bewußtsein sich einfach ein Stück anstückelte (siehe Zeichnung, oben).
[ 27 ] So kam es, daß ich innerhalb der damaligen holländischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in verschiedenen Städten Vorträge hielt über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und da zum ersten Mal, ganz im Anfange meines Wirkens, aufmerksam darauf gemacht habe, daß es ja ein Unsinn ist, so ohne weiteres vorzustellen, daß, wenn dies das Erdenleben von der Geburt bis zum Tode ist, dann Kamaloka so durchgemacht wird, als ob im Bewußtsein sich einfach ein Stück anstückelte (siehe Zeichnung, oben).
[ 28 ] Ich habe gezeigt, daß da die Zeit rückwärts vorgestellt werden muß, und ich schilderte, wie das Kamaloka-Leben ein Rückwärtsleben ist, Etappe für Etappe, nur dreimal so schnell als das gewöhnliche Erdenleben oder als das auf der Erde zugebrachte Leben.
[ 28 ] Ich habe gezeigt, daß da die Zeit rückwärts vorgestellt werden muß, und ich schilderte, wie das Kamaloka-Leben ein Rückwärtsleben ist, Etappe für Etappe, nur dreimal so schnell als das gewöhnliche Erdenleben oder als das auf der Erde zugebrachte Leben.
[ 29 ] Im äußeren Leben hat ja heute natürlich kein Mensch eine Vorstellung davon, daß dieses Rückwärtsverlaufen eine Realität ist, eine Realität im geistigen Gebiete, denn die Zeit wird einfach als eine gerade Linie vom Anfang zum Ende vorgestellt, und von einem Rückwärtsverlaufen haben die Leute heute gar keinen Begriff.
[ 29 ] Im äußeren Leben hat ja heute natürlich kein Mensch eine Vorstellung davon, daß dieses Rückwärtsverlaufen eine Realität ist, eine Realität im geistigen Gebiete, denn die Zeit wird einfach als eine gerade Linie vom Anfang zum Ende vorgestellt, und von einem Rückwärtsverlaufen haben die Leute heute gar keinen Begriff.
[ 30 ] Nun gab man unter den Führern der Theosophischen Gesellschaft vor, die alte Weisheitslehre zu erneuern. Man knüpfte an Blavatskys Buch an. Es erschienen in Anknüpfung an Blavatskys Buch allerlei Schriften. Aber da wurde alles so vorgestellt, wie die Dinge ganz im Sinne der materialistischen Weltanschauung der neueren Zeit vorgestellt werden. Warum? Weil man wieder hätte erkennen müssen, nicht bloß alte Erkenntnis wieder erneuern müssen, wenn man auf das Richtige hätte kommen wollen. Es wurden immer die alten Sachen zitiert. Auch das Rad der Geburten von Buddha und von der alten orientalischen Weisheit wurde immer zitiert. Aber daß ein Rad nicht so ist, daß man eine gerade Linie als Rad zeichnen kann, das berücksichtigen die Leute nicht, und daß man ein Rad nur zeichnen kann, wenn es zurück in sich selber verläuft (siehe Zeichnung). Es war kein Leben in dieser Wiederbelebung der alten Weisheit, weil eben nicht eine unmittelbare Erkenntnis da war. Kurz, es war nötig, daß durch unmittelbare Erkenntnis etwas geschaffen würde, was dann auch die uralte Weisheit beleuchten könnte.
[ 30 ] Nun gab man unter den Führern der Theosophischen Gesellschaft vor, die alte Weisheitslehre zu erneuern. Man knüpfte an Blavatskys Buch an. Es erschienen in Anknüpfung an Blavatskys Buch allerlei Schriften. Aber da wurde alles so vorgestellt, wie die Dinge ganz im Sinne der materialistischen Weltanschauung der neueren Zeit vorgestellt werden. Warum? Weil man wieder hätte erkennen müssen, nicht bloß alte Erkenntnis wieder erneuern müssen, wenn man auf das Richtige hätte kommen wollen. Es wurden immer die alten Sachen zitiert. Auch das Rad der Geburten von Buddha und von der alten orientalischen Weisheit wurde immer zitiert. Aber daß ein Rad nicht so ist, daß man eine gerade Linie als Rad zeichnen kann, das berücksichtigen die Leute nicht, und daß man ein Rad nur zeichnen kann, wenn es zurück in sich selber verläuft (siehe Zeichnung). Es war kein Leben in dieser Wiederbelebung der alten Weisheit, weil eben nicht eine unmittelbare Erkenntnis da war. Kurz, es war nötig, daß durch unmittelbare Erkenntnis etwas geschaffen würde, was dann auch die uralte Weisheit beleuchten könnte.
[ 31 ] So ergab sich gerade in den ersten sieben Jahren des anthroposophischen Wirkens eigentlich dies, daß da auch Leute waren — nun ja, denen es ganz recht war, daß, wie sie es nannten, nicht eine Erneuerung auf theosophischem Feld da war. Sie sagten: Das, was da . gesagt wird, unterscheidet sich nicht von dem anderen; die Unterschiede sind unwesentlich. Da wurden sie wegdisputiert. Aber was dazumal gleich im Beginne des Wirkens innerhalb der holländischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft von mir sozusagen dadurch angerichtet worden ist, daß ich nun aus dem Lebendigen heraus diese Vorträge gehalten habe, nicht einfach dogmatisch nachgesprochen habe, wie es die übrigen taten, das, was in den Dogmenbüchern der Theosophischen Gesellschaft stand, das wurde niemals vergessen. Niemals wurde es vergessen. Es müssen diejenigen, die vielleicht sich an jene Zeiten unserer Entwickelung erinnern, nur zurückdenken, wie da im Jahre 1907, als in München der Kongreß stattfand, wo wir ja noch innerhalb des Schoßes der Theosophischen Gesellschaft waren, die holländischen Theosophen ganz geladen gekommen sind und furchtbar wild darüber waren, daß sich ein Fremdkörper, wie sie es empfanden, hineinschob. Sie spürten nicht, daß ein lebendiges Gegenwärtiges sich gegen ein bloß Traditionelles stellte, sondern sie empfanden das eben als einen Fremdkörper.
[ 31 ] So ergab sich gerade in den ersten sieben Jahren des anthroposophischen Wirkens eigentlich dies, daß da auch Leute waren — nun ja, denen es ganz recht war, daß, wie sie es nannten, nicht eine Erneuerung auf theosophischem Feld da war. Sie sagten: Das, was da . gesagt wird, unterscheidet sich nicht von dem anderen; die Unterschiede sind unwesentlich. Da wurden sie wegdisputiert. Aber was dazumal gleich im Beginne des Wirkens innerhalb der holländischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft von mir sozusagen dadurch angerichtet worden ist, daß ich nun aus dem Lebendigen heraus diese Vorträge gehalten habe, nicht einfach dogmatisch nachgesprochen habe, wie es die übrigen taten, das, was in den Dogmenbüchern der Theosophischen Gesellschaft stand, das wurde niemals vergessen. Niemals wurde es vergessen. Es müssen diejenigen, die vielleicht sich an jene Zeiten unserer Entwickelung erinnern, nur zurückdenken, wie da im Jahre 1907, als in München der Kongreß stattfand, wo wir ja noch innerhalb des Schoßes der Theosophischen Gesellschaft waren, die holländischen Theosophen ganz geladen gekommen sind und furchtbar wild darüber waren, daß sich ein Fremdkörper, wie sie es empfanden, hineinschob. Sie spürten nicht, daß ein lebendiges Gegenwärtiges sich gegen ein bloß Traditionelles stellte, sondern sie empfanden das eben als einen Fremdkörper.
[ 32 ] Aber etwas anderes mußte damals schon eintreten. Damals fand schon jenes Gespräch zwischen Frau Besant und mir in München statt, worinnen festgestellt worden ist, daß dasjenige, was ich zu vertreten habe, als Anthroposophie zu vertreten habe, völlig selbständig wirken wird, ohne Rücksicht auf irgend etwas, was innerhalb der Theosophischen Gesellschaft sonst sich geltend macht. Das wurde dazumal, ich möchte sagen, als ein Modus, unter dem man leben konnte, festgestellt.
[ 32 ] Aber etwas anderes mußte damals schon eintreten. Damals fand schon jenes Gespräch zwischen Frau Besant und mir in München statt, worinnen festgestellt worden ist, daß dasjenige, was ich zu vertreten habe, als Anthroposophie zu vertreten habe, völlig selbständig wirken wird, ohne Rücksicht auf irgend etwas, was innerhalb der Theosophischen Gesellschaft sonst sich geltend macht. Das wurde dazumal, ich möchte sagen, als ein Modus, unter dem man leben konnte, festgestellt.
[ 33 ] Allerdings, schon dazumal dämmerten auf dem Horizont der Theosophischen Gesellschaft jene Absurditäten herauf, durch die sie sich dann zugrunde gerichtet hat. Denn heute kann man sagen, daß, wenn sie auch noch viele eingeschriebene Mitglieder hat, sie sich als eine geistige Bewegung tragende Gesellschaft zugrunde gerichtet hat. Nicht wahr, die Dinge leben als Leichnam noch lange fort, nachdem sie sich zugrunde gerichtet haben. Aber dasjenige, was Theosophische Gesellschaft war, lebt heute eben nicht mehr.
[ 33 ] Allerdings, schon dazumal dämmerten auf dem Horizont der Theosophischen Gesellschaft jene Absurditäten herauf, durch die sie sich dann zugrunde gerichtet hat. Denn heute kann man sagen, daß, wenn sie auch noch viele eingeschriebene Mitglieder hat, sie sich als eine geistige Bewegung tragende Gesellschaft zugrunde gerichtet hat. Nicht wahr, die Dinge leben als Leichnam noch lange fort, nachdem sie sich zugrunde gerichtet haben. Aber dasjenige, was Theosophische Gesellschaft war, lebt heute eben nicht mehr.
[ 34 ] Man muß sich nur darüber ganz klar sein: In der Zeit, in der Anthroposophie zu wirken begann, war die Theosophische Gesellschaft voll von einer, wenn auch traditionellen, so doch begründeten und inhaltreichen Geistigkeit. Dasjenige, was durch Blavatsky in die Welt gekommen ist, war eben da, und man lebte eigentlich in dem, was durch Blavatsky in die Welt gekommen ist.
[ 34 ] Man muß sich nur darüber ganz klar sein: In der Zeit, in der Anthroposophie zu wirken begann, war die Theosophische Gesellschaft voll von einer, wenn auch traditionellen, so doch begründeten und inhaltreichen Geistigkeit. Dasjenige, was durch Blavatsky in die Welt gekommen ist, war eben da, und man lebte eigentlich in dem, was durch Blavatsky in die Welt gekommen ist.
[ 35 ] Nun war aber Blavatsky bereits ein Jahrzehnt tot für das irdische Leben. Man kann nur sagen: Die Stimmung innerhalb der Theosophischen Gesellschaft, dasjenige, was als Fortsetzung des Blavatskyschen Wirkens da war, war etwas kulturgeschichtlich durchaus Festes, etwas, was den Leuten durchaus etwas geben konnte. Aber es ‘waren eben doch schon dazumal gewisse Keime des Verfalls da. Nur war die Frage, ob nicht etwa diese Keime des Verfalls überwunden werden konnten, oder ob sie zu einer Art von völliger Disharmonie zwischen der Anthroposophie und der alten 'Theosophischen Gesellschaft führen mußten.
[ 35 ] Nun war aber Blavatsky bereits ein Jahrzehnt tot für das irdische Leben. Man kann nur sagen: Die Stimmung innerhalb der Theosophischen Gesellschaft, dasjenige, was als Fortsetzung des Blavatskyschen Wirkens da war, war etwas kulturgeschichtlich durchaus Festes, etwas, was den Leuten durchaus etwas geben konnte. Aber es ‘waren eben doch schon dazumal gewisse Keime des Verfalls da. Nur war die Frage, ob nicht etwa diese Keime des Verfalls überwunden werden konnten, oder ob sie zu einer Art von völliger Disharmonie zwischen der Anthroposophie und der alten 'Theosophischen Gesellschaft führen mußten.
[ 36 ] Nun muß man sagen, daß eine von den Strömungen, die da innerhalb der theosophischen Bewegung schon seit Blavatskys Zeiten her waren, eigentlich ein furchtbar stark zersetzendes Element war. Man muß einfach trennen, wenn man die Sache so betrachten will, wie ich es jetzt tue, dasjenige, was durch die Blavatsky als geistiger Inhalt in das moderne Leben hineingeworfen worden ist, von dem, was bewirkt worden ist durch die Art, wie Blavatsky angeregt wurde, aus sich heraus in der charakterisierten Weise dann diesen Inhalt zu geben. Denn zunächst lag in Blavatsky eine Persönlichkeit vor, die eben so war, wie ich sie Ihnen in den letzten Tagen beschrieben habe; die einfach, wenn sie sozusagen einen Einschlag bekam von irgendeiner Seite her, meinetwillen durch Verrat, in der Weise, wie ich es gesagt habe, dann doch aus sich selbst heraus — wie in der Erinnerung an eine frühere Lebensverkörperung auf Erden, und wenn auch nur als Wiedererweckung des Alten — geschaffen, und der Menschheit Weisheit in Buchform überliefert hat. Diese zweite Tatsache muß man voll trennen von der ersten, denn durch diese zweite Tatsache, daß Blavatsky auf eine besondere Art angeregt worden ist zu dem, was sie getan hat, kamen Elemente in diese theosophische Bewegung hinein, die nun nicht mehr so waren, wie sie hätten sein müssen, wenn die theosophische Bewegung eine rein geistige Bewegung hätte werden sollen.
[ 36 ] Nun muß man sagen, daß eine von den Strömungen, die da innerhalb der theosophischen Bewegung schon seit Blavatskys Zeiten her waren, eigentlich ein furchtbar stark zersetzendes Element war. Man muß einfach trennen, wenn man die Sache so betrachten will, wie ich es jetzt tue, dasjenige, was durch die Blavatsky als geistiger Inhalt in das moderne Leben hineingeworfen worden ist, von dem, was bewirkt worden ist durch die Art, wie Blavatsky angeregt wurde, aus sich heraus in der charakterisierten Weise dann diesen Inhalt zu geben. Denn zunächst lag in Blavatsky eine Persönlichkeit vor, die eben so war, wie ich sie Ihnen in den letzten Tagen beschrieben habe; die einfach, wenn sie sozusagen einen Einschlag bekam von irgendeiner Seite her, meinetwillen durch Verrat, in der Weise, wie ich es gesagt habe, dann doch aus sich selbst heraus — wie in der Erinnerung an eine frühere Lebensverkörperung auf Erden, und wenn auch nur als Wiedererweckung des Alten — geschaffen, und der Menschheit Weisheit in Buchform überliefert hat. Diese zweite Tatsache muß man voll trennen von der ersten, denn durch diese zweite Tatsache, daß Blavatsky auf eine besondere Art angeregt worden ist zu dem, was sie getan hat, kamen Elemente in diese theosophische Bewegung hinein, die nun nicht mehr so waren, wie sie hätten sein müssen, wenn die theosophische Bewegung eine rein geistige Bewegung hätte werden sollen.
[ 37 ] Das war sie nämlich nicht. Denn die Sache war doch so, daß Blavatsky zunächst von einer Seite her, über die ich nicht weiter sprechen will, eine Anregung bekommen hat, und dann dasjenige aus sich herausgesetzt hat, was in der «Entschleierten Isis» steht. Dann ist durch allerlei Machinationen das zustande gekommen, daß Blavatsky von orientalischen Geheimlehrern eine zweite Beeinflussung erlitten hat, und hinter denen steckte eine kulturpolitische Tendenz egoistischer Art. Es steckte von allem Anfang an eine Ostpolitik einseitiger Art in dem, was man nun auf dem Umwege durch Blavatsky erreichen wollte. Da steckte darinnen die Tendenz, dem materialistischen Abendlande zu zeigen, wie viel mehr wert die geistige Erkenntnis des Morgenlandes ist als der Materialismus des Abendlandes. Es steckte darinnen die Tendenz, eine Art zunächst geistigen, aber dann im weiteren Sinne überhaupt eine Art Imperium des Orients über das Abendland zu gewinnen, indem man zunächst der Geistigkeit des Abendlandes, oder meinetwillen der Ungeistigkeit des Abendlandes, morgenländische Weisheit überlieferte. Daher wurde, ich möchte sagen, jene Drehung vollzogen vom ganz Europäischen in der «Entschleierten Isis» zu dem ganz Orientalischen in der Blavatskyschen «Geheimlehre».
[ 37 ] Das war sie nämlich nicht. Denn die Sache war doch so, daß Blavatsky zunächst von einer Seite her, über die ich nicht weiter sprechen will, eine Anregung bekommen hat, und dann dasjenige aus sich herausgesetzt hat, was in der «Entschleierten Isis» steht. Dann ist durch allerlei Machinationen das zustande gekommen, daß Blavatsky von orientalischen Geheimlehrern eine zweite Beeinflussung erlitten hat, und hinter denen steckte eine kulturpolitische Tendenz egoistischer Art. Es steckte von allem Anfang an eine Ostpolitik einseitiger Art in dem, was man nun auf dem Umwege durch Blavatsky erreichen wollte. Da steckte darinnen die Tendenz, dem materialistischen Abendlande zu zeigen, wie viel mehr wert die geistige Erkenntnis des Morgenlandes ist als der Materialismus des Abendlandes. Es steckte darinnen die Tendenz, eine Art zunächst geistigen, aber dann im weiteren Sinne überhaupt eine Art Imperium des Orients über das Abendland zu gewinnen, indem man zunächst der Geistigkeit des Abendlandes, oder meinetwillen der Ungeistigkeit des Abendlandes, morgenländische Weisheit überlieferte. Daher wurde, ich möchte sagen, jene Drehung vollzogen vom ganz Europäischen in der «Entschleierten Isis» zu dem ganz Orientalischen in der Blavatskyschen «Geheimlehre».
[ 38 ] Es wirkten da die verschiedensten Faktoren mit. Aber einer dieser Faktoren war eben der, welcher Indien an Asien anschließen wollte, um ein asiatisch-indisches Imperium mit Hilfe des russischen Reiches zu schaffen. Und so bekam diese Lehre den indischen Einschlag, um auf diese Weise geistig das Abendland zu besiegen. Sehen Sie, das ist ein einseitig egoistischer, national-egoistischer Einschlag. Der lag von allem Anfange an darinnen, trat einem symptomatisch bedeutsam entgegen. Der erste Vortrag, den ich von Annie Besant gehört habe, handelte über Theosophie und Imperialismus. Und wenn man sich die Frage beantworten wollte: Liegt der eigentliche Grundimpuls dieses Vortrages in der Fortsetzung des eigentlich Geistigen bei der Blavatsky, oder liegt der Grundimpuls dieses Vortrages in der Fortsetzung desjenigen, was da nebenher gegangen war? — so mußte man das Letztere sagen.
[ 38 ] Es wirkten da die verschiedensten Faktoren mit. Aber einer dieser Faktoren war eben der, welcher Indien an Asien anschließen wollte, um ein asiatisch-indisches Imperium mit Hilfe des russischen Reiches zu schaffen. Und so bekam diese Lehre den indischen Einschlag, um auf diese Weise geistig das Abendland zu besiegen. Sehen Sie, das ist ein einseitig egoistischer, national-egoistischer Einschlag. Der lag von allem Anfange an darinnen, trat einem symptomatisch bedeutsam entgegen. Der erste Vortrag, den ich von Annie Besant gehört habe, handelte über Theosophie und Imperialismus. Und wenn man sich die Frage beantworten wollte: Liegt der eigentliche Grundimpuls dieses Vortrages in der Fortsetzung des eigentlich Geistigen bei der Blavatsky, oder liegt der Grundimpuls dieses Vortrages in der Fortsetzung desjenigen, was da nebenher gegangen war? — so mußte man das Letztere sagen.
[ 39 ] Annie Besant war oftmals so, daß sie Dinge sagte, von denen sie durchaus nicht die letzten Gründe kannte. Sie ging für irgend etwas ins Zeug, wovon sie nicht die letzten Gründe kannte. Die letzten Zusammenhänge waren ihr unbekannt. Aber wenn Sie ganz verständig den Vortrag «Theosophie und Imperialismus» lesen, der gedruckt ist, mit allen Untergründen lesen, dann werden Sie eben einsehen: Wenn irgend jemand Indien von England losreißen wollte, in einem gewissen Sinne auf eine geistige Weise losreißen wollte, so kann man den ersten unvermerkten Schritt mit einer solchen Tendenz, wie sie in jenem Vortrage war, unternehmen.
[ 39 ] Annie Besant war oftmals so, daß sie Dinge sagte, von denen sie durchaus nicht die letzten Gründe kannte. Sie ging für irgend etwas ins Zeug, wovon sie nicht die letzten Gründe kannte. Die letzten Zusammenhänge waren ihr unbekannt. Aber wenn Sie ganz verständig den Vortrag «Theosophie und Imperialismus» lesen, der gedruckt ist, mit allen Untergründen lesen, dann werden Sie eben einsehen: Wenn irgend jemand Indien von England losreißen wollte, in einem gewissen Sinne auf eine geistige Weise losreißen wollte, so kann man den ersten unvermerkten Schritt mit einer solchen Tendenz, wie sie in jenem Vortrage war, unternehmen.
[ 40 ] Das war immer der Anfang vom Ende von solchen geistigen Strömungen und geistigen Gesellschaften, daß sie angefangen haben, einseitig Politisches in ihre Sphäre zu mischen, während eine geistige Bewegung gerade heute nur dann in der Welt ihren Fortgang nehmen kann, wenn sie allmenschlich ist, ja es heute eine der wesentlichsten Lebensbedingungen einer geistigen Bewegung ist, die in die wirkliche reale Geistigkeit hineinführen soll, ganz allmenschlich zu sein. Und alles dasjenige, was nicht ganz allmenschlich ist, was in irgendeiner Weise auf Spaltung der Menschheit hinausgeht, das ist von vorneherein ein zerstörendes Element für eine geistige Bewegung, die in die wirkliche, reale Geisteswelt hineinführen soll.
[ 40 ] Das war immer der Anfang vom Ende von solchen geistigen Strömungen und geistigen Gesellschaften, daß sie angefangen haben, einseitig Politisches in ihre Sphäre zu mischen, während eine geistige Bewegung gerade heute nur dann in der Welt ihren Fortgang nehmen kann, wenn sie allmenschlich ist, ja es heute eine der wesentlichsten Lebensbedingungen einer geistigen Bewegung ist, die in die wirkliche reale Geistigkeit hineinführen soll, ganz allmenschlich zu sein. Und alles dasjenige, was nicht ganz allmenschlich ist, was in irgendeiner Weise auf Spaltung der Menschheit hinausgeht, das ist von vorneherein ein zerstörendes Element für eine geistige Bewegung, die in die wirkliche, reale Geisteswelt hineinführen soll.
[ 41 ] Aber bedenken Sie doch nur einmal, wie stark man mit solchen Dingen in die unterbewußten Regionen des Menschen hineingreift. Da gehört es eben zu den Lebensbedingungen einer solchen geistigen Bewegung, wie sie zum Beispiel auch die anthroposophische sein will, daß man wenigstens das ehrliche, ernste Bestreben hat, herauszukommen aus allen Partialinteressen der Menschheit und sich wirklich aufzuschwingen zu den allgemeinen Interessen der Menschheit. Und das war das Verderbliche der theosophischen Bewegung, daß sie vom Anfange an ein solches Element in sich hatte. Gelegentlich kann ein solches Element auch einmal den Dampf drehen: während des Weltkrieges ist dann diese andere Tendenz sehr englisch-chauvinistisch geworden. Aber gerade bei dieser Gelegenheit muß man sich eben völlig klar werden, daß es ganz unmöglich ist, eine reale geistige Bewegung zum Gedeihen zu bringen, wenn irgendein Partikularismus so vorliegt, daß man aus ihm nicht heraus will.
[ 41 ] Aber bedenken Sie doch nur einmal, wie stark man mit solchen Dingen in die unterbewußten Regionen des Menschen hineingreift. Da gehört es eben zu den Lebensbedingungen einer solchen geistigen Bewegung, wie sie zum Beispiel auch die anthroposophische sein will, daß man wenigstens das ehrliche, ernste Bestreben hat, herauszukommen aus allen Partialinteressen der Menschheit und sich wirklich aufzuschwingen zu den allgemeinen Interessen der Menschheit. Und das war das Verderbliche der theosophischen Bewegung, daß sie vom Anfange an ein solches Element in sich hatte. Gelegentlich kann ein solches Element auch einmal den Dampf drehen: während des Weltkrieges ist dann diese andere Tendenz sehr englisch-chauvinistisch geworden. Aber gerade bei dieser Gelegenheit muß man sich eben völlig klar werden, daß es ganz unmöglich ist, eine reale geistige Bewegung zum Gedeihen zu bringen, wenn irgendein Partikularismus so vorliegt, daß man aus ihm nicht heraus will.
[ 42 ] Daher ist unter den äußeren Gefahren, die heute gegen die anthroposophische Bewegung da sind, vor allen Dingen die, daß die Menschen in diesem Zeitalter, das überall abirrt in Nationalismen, so wenig tapfer sind, sich herauszuarbeiten aus den Nationalismen.
[ 42 ] Daher ist unter den äußeren Gefahren, die heute gegen die anthroposophische Bewegung da sind, vor allen Dingen die, daß die Menschen in diesem Zeitalter, das überall abirrt in Nationalismen, so wenig tapfer sind, sich herauszuarbeiten aus den Nationalismen.
[ 43 ] Aber worinnen wurzelt denn wieder so etwas, wie diese Einseitigkeit war? Sie wurzelt in dem, daß man als Gesellschaft Macht gewinnen will durch etwas anderes als durch die Offenbarung des Geistigen selber. Das kann man schon sagen: Während noch viel Gesundes in bezug auf Machtbewußtseins-Entfaltung um die Wende des 19. Jahrhunderts in der Theosophischen Gesellschaft war, war das 1906 schon fast ganz verschwunden, und es war ein starkes Machtstreben da.
[ 43 ] Aber worinnen wurzelt denn wieder so etwas, wie diese Einseitigkeit war? Sie wurzelt in dem, daß man als Gesellschaft Macht gewinnen will durch etwas anderes als durch die Offenbarung des Geistigen selber. Das kann man schon sagen: Während noch viel Gesundes in bezug auf Machtbewußtseins-Entfaltung um die Wende des 19. Jahrhunderts in der Theosophischen Gesellschaft war, war das 1906 schon fast ganz verschwunden, und es war ein starkes Machtstreben da.
[ 44 ] Es ist notwendig, daß man dieses Herauswachsen des Anthroposophischen aus allgemeinen Menschheitsinteressen wirklich einsieht und sich klar darüber ist, daß nur deshalb, weil dort in der Theosophischen Gesellschaft die Fragesteller waren, das Anthroposophische in die Theosophische Gesellschaft hineinwachsen mußte, ich möchte sagen, eine Zeitlang «Logis» nehmen mußte, denn sonst bekam es kein «Logis».
[ 44 ] Es ist notwendig, daß man dieses Herauswachsen des Anthroposophischen aus allgemeinen Menschheitsinteressen wirklich einsieht und sich klar darüber ist, daß nur deshalb, weil dort in der Theosophischen Gesellschaft die Fragesteller waren, das Anthroposophische in die Theosophische Gesellschaft hineinwachsen mußte, ich möchte sagen, eine Zeitlang «Logis» nehmen mußte, denn sonst bekam es kein «Logis».
[ 45 ] Nicht wahr, bald nachdem sozusagen die erste Periode vorüber war, zeigte sich insbesondere an der Christus-Frage die ganze Unmöglichkeit der theosophischen Bewegung für das abendländische Leben. Denn was bei Blavatsky im Grunde genommen eine Theorie, wenn auch eine von Emotionen getragene Theorie war, die Geringschätzung des Christentums, das wurde nachher in der theosophischen Bewegung zu einer so praktischen Geringschätzung des Christentums, daß ein Bube erzogen wurde, von dem man sagte: In dem wird man die Seele des wiedererstandenen Christus heranziehen. Man konnte sich ja kaum etwas Absurderes denken. Aber aus der Theosophischen Gesellschaft heraus wurde ein Orden begründet, um nun diese Christus-Geburt in einem Knaben, der eigentlich schon da war, zu bewerkstelligen.
[ 45 ] Nicht wahr, bald nachdem sozusagen die erste Periode vorüber war, zeigte sich insbesondere an der Christus-Frage die ganze Unmöglichkeit der theosophischen Bewegung für das abendländische Leben. Denn was bei Blavatsky im Grunde genommen eine Theorie, wenn auch eine von Emotionen getragene Theorie war, die Geringschätzung des Christentums, das wurde nachher in der theosophischen Bewegung zu einer so praktischen Geringschätzung des Christentums, daß ein Bube erzogen wurde, von dem man sagte: In dem wird man die Seele des wiedererstandenen Christus heranziehen. Man konnte sich ja kaum etwas Absurderes denken. Aber aus der Theosophischen Gesellschaft heraus wurde ein Orden begründet, um nun diese Christus-Geburt in einem Knaben, der eigentlich schon da war, zu bewerkstelligen.
[ 46 ] Nun ging es sehr bald dem vollständig Absurden zu. Es kommen bei solchen Dingen sehr bald natürlich Unklarheiten dazu, die furchtbar nahe an Unwahrheit grenzen. 1911 sollte in Genua ein Kongreß der Theosophischen Gesellschaft sein. Die Dinge waren schon im Flor, die zu solchen Absurditäten führten, und es war nötig, daß ich für diesen Genueser Kongreß meinen Vortrag ansagte: «Von Buddha zu Christus». Da hätte es zu einer prägnanten, klaren Auseinandersetzung kommen müssen, denn es hätte dazumal dasjenige sich ausleben müssen, was überall da war. Doch siehe, der Genueser Kongreß wurde abgesagt. Natürlich finden sich für solche Dinge Ausreden. Alle die Dinge, die vorgebracht worden sind, sahen eben Ausreden wirklich außerordentlich ähnlich.
[ 46 ] Nun ging es sehr bald dem vollständig Absurden zu. Es kommen bei solchen Dingen sehr bald natürlich Unklarheiten dazu, die furchtbar nahe an Unwahrheit grenzen. 1911 sollte in Genua ein Kongreß der Theosophischen Gesellschaft sein. Die Dinge waren schon im Flor, die zu solchen Absurditäten führten, und es war nötig, daß ich für diesen Genueser Kongreß meinen Vortrag ansagte: «Von Buddha zu Christus». Da hätte es zu einer prägnanten, klaren Auseinandersetzung kommen müssen, denn es hätte dazumal dasjenige sich ausleben müssen, was überall da war. Doch siehe, der Genueser Kongreß wurde abgesagt. Natürlich finden sich für solche Dinge Ausreden. Alle die Dinge, die vorgebracht worden sind, sahen eben Ausreden wirklich außerordentlich ähnlich.
[ 47 ] So kann man sagen, daß die anthroposophische Bewegung in ihre zweite Periode trat, indem sie ihren geraden Weg ging, der eingeleitet war eben dadurch, daß ich ganz im Anfang einen Vortrag hielt vor einem nicht-theosophischen Publikum, von dem nur eine einzige Persönlichkeit — nicht mehr! — geblieben ist, die jetzt noch da ist, trotzdem dazumal zahlreiche Persönlichkeiten den Vortrag angehört hatten. Der erste Vortrag aber, den ich gehalten habe, ein Vortragszyklus war es sogar, hatte den Titel: «Von Buddha zu Christus». 1911 wollte ich wieder den Zyklus halten: «Von Buddha zu Christus». Das war die gerade Linie! Aber die theosophische Bewegung war in eine greuliche Zickzacklinie hineingekommen.
[ 47 ] So kann man sagen, daß die anthroposophische Bewegung in ihre zweite Periode trat, indem sie ihren geraden Weg ging, der eingeleitet war eben dadurch, daß ich ganz im Anfang einen Vortrag hielt vor einem nicht-theosophischen Publikum, von dem nur eine einzige Persönlichkeit — nicht mehr! — geblieben ist, die jetzt noch da ist, trotzdem dazumal zahlreiche Persönlichkeiten den Vortrag angehört hatten. Der erste Vortrag aber, den ich gehalten habe, ein Vortragszyklus war es sogar, hatte den Titel: «Von Buddha zu Christus». 1911 wollte ich wieder den Zyklus halten: «Von Buddha zu Christus». Das war die gerade Linie! Aber die theosophische Bewegung war in eine greuliche Zickzacklinie hineingekommen.
[ 48 ] Wenn man die Geschichte der anthroposophischen Bewegung nicht ernst nimmt und diese Dinge nicht beim rechten Namen nennen will, so wird man auch nicht in der richtigen Weise auf dasjenige entgegnen können, was immer wiederum jene Oberflächlinge über die Beziehungen von Anthroposophie und Theosophie vorbringen, indem man sich absolut nicht davon unterrichten will, wie Anthroposophie vom Anfange an eben etwas ganz Selbständiges war, aber wie es natürlich war, zu antworten mit den Antworten, die sie den Menschen geben kann, die eben als Fragende da waren.
[ 48 ] Wenn man die Geschichte der anthroposophischen Bewegung nicht ernst nimmt und diese Dinge nicht beim rechten Namen nennen will, so wird man auch nicht in der richtigen Weise auf dasjenige entgegnen können, was immer wiederum jene Oberflächlinge über die Beziehungen von Anthroposophie und Theosophie vorbringen, indem man sich absolut nicht davon unterrichten will, wie Anthroposophie vom Anfange an eben etwas ganz Selbständiges war, aber wie es natürlich war, zu antworten mit den Antworten, die sie den Menschen geben kann, die eben als Fragende da waren.
[ 49 ] So möchte man sagen: Bis zum Jahre 1914 ging die zweite Periode der anthroposophischen Bewegung. Sie hat eigentlich, wenigstens was mich anbetrifft, gar nichts Besonderes getan, um das Verhältnis zur theosophischen Bewegung zu regeln. Die Theosophische Gesellschaft hat das Verhältnis geregelt, indem sie die Anthroposophen ausgeschlossen hat. Aber es interessierte einen nicht, Weil es einen von Anfang an nicht sehr stark interessiert hat, daf man eingeschlossen war, hat es einen jetzt auch nicht sehr stark interessiert, daß man ausgeschlossen war. Man tat ganz genau in derselben Weise fort wie früher. Das Ausgeschlossensein änderte gar nichts an dem, was früher geschehen war, während man eingeschlossen war.
[ 49 ] So möchte man sagen: Bis zum Jahre 1914 ging die zweite Periode der anthroposophischen Bewegung. Sie hat eigentlich, wenigstens was mich anbetrifft, gar nichts Besonderes getan, um das Verhältnis zur theosophischen Bewegung zu regeln. Die Theosophische Gesellschaft hat das Verhältnis geregelt, indem sie die Anthroposophen ausgeschlossen hat. Aber es interessierte einen nicht, Weil es einen von Anfang an nicht sehr stark interessiert hat, daf man eingeschlossen war, hat es einen jetzt auch nicht sehr stark interessiert, daß man ausgeschlossen war. Man tat ganz genau in derselben Weise fort wie früher. Das Ausgeschlossensein änderte gar nichts an dem, was früher geschehen war, während man eingeschlossen war.
[ 50 ] Sehen Sie sich nur an, wie die Dinge gegangen sind, so werden Sie sehen, daß eben mit Ausnahme der Abwickelung einiger Formalitäten innerhalb der anthroposophischen Bewegung überhaupt nichts geschehen ist bis zum Jahre 1914, sondern daß alles, was geschehen ist, von seiten der Theosophischen Gesellschaft geschehen ist. Ich bin eingeladen worden zunächst, dort Vorträge zu halten. Das habe ich getan. Ich habe anthroposophische Vorträge gehalten. Das habe ich auch ferner getan. Auf die Vorträge hin, die wieder abgedruckt sind in meinem Buche: «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», bin ich eingeladen worden. Dann habe ich das, was in der «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» geschrieben ist, nach den verschiedensten Seiten weiter ausgeführt.
[ 50 ] Sehen Sie sich nur an, wie die Dinge gegangen sind, so werden Sie sehen, daß eben mit Ausnahme der Abwickelung einiger Formalitäten innerhalb der anthroposophischen Bewegung überhaupt nichts geschehen ist bis zum Jahre 1914, sondern daß alles, was geschehen ist, von seiten der Theosophischen Gesellschaft geschehen ist. Ich bin eingeladen worden zunächst, dort Vorträge zu halten. Das habe ich getan. Ich habe anthroposophische Vorträge gehalten. Das habe ich auch ferner getan. Auf die Vorträge hin, die wieder abgedruckt sind in meinem Buche: «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», bin ich eingeladen worden. Dann habe ich das, was in der «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» geschrieben ist, nach den verschiedensten Seiten weiter ausgeführt.
[ 51 ] Von dieser selben Gesellschaftsanschauung bin dann ich und selbstverständlich meine Anhänger ausgeschlossen worden. Ich bin ganz wegen derselben Sache zuerst eingeschlossen und nachher ausgeschlossen worden. Ja, so liegt schon die Sache. Man wird eben die Geschichte der anthroposophischen Bewegung nicht verstehen, wenn man nicht das als eine fundamentale Sache wirklich richtig ins Auge fassen kann, daß kein Unterschied war gegenüber der theosophischen Bewegung, ob man ein- oder ausgeschlossen war.
[ 51 ] Von dieser selben Gesellschaftsanschauung bin dann ich und selbstverständlich meine Anhänger ausgeschlossen worden. Ich bin ganz wegen derselben Sache zuerst eingeschlossen und nachher ausgeschlossen worden. Ja, so liegt schon die Sache. Man wird eben die Geschichte der anthroposophischen Bewegung nicht verstehen, wenn man nicht das als eine fundamentale Sache wirklich richtig ins Auge fassen kann, daß kein Unterschied war gegenüber der theosophischen Bewegung, ob man ein- oder ausgeschlossen war.
[ 52 ] Das ist etwas, was Sie so recht in Selbstbesinnung bedenken mögen; das bitte ich Sie. Dann möchte ich auf Grund dessen morgen die letzte Phase, die schwierigste, die von 1914 bis jetzt, skizzieren, um auf Einzelheiten später noch in den folgenden Vorträgen einzugehen.
[ 52 ] Das ist etwas, was Sie so recht in Selbstbesinnung bedenken mögen; das bitte ich Sie. Dann möchte ich auf Grund dessen morgen die letzte Phase, die schwierigste, die von 1914 bis jetzt, skizzieren, um auf Einzelheiten später noch in den folgenden Vorträgen einzugehen.
