Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272
4 April 1915, Dornach
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Festivals of the Seasons, tr. Collison
3. Das Ringen Fausts nach dem Christdurchtränkten Quell des Lebens
Easter and Whitsuntide I
nach der eurythmisch-dramatischen Darstellung der «Osternacht»
Not translated
[ 1 ] Unter den Osterdarbietungen, die eben vor unseren Sinnen vorübergezogen sind, waren ja auch diejenigen, welche darstellen, wie eine Seele, die nahe daran ist, durch ihren eigenen Entschluß durchzugehen durch die Todespforte, zurückgeholt wird in die Welt des irdischen Lebens durch die Osterbotschaft. Ich glaube, daß unter den mancherlei Eindrücken, welche die Faust-Dichtung auf uns Menschen machen kann, dieser Szene Eindruck einer der tiefsten sein muß. Bringen Sie jetzt, ich möchte sagen, nach der Verwandlung der die Welt mit ihrer Entwickelung bedeutenden Szenerie,1Bei den Worten «Christ ist erstanden» verwandelte sich die schwarze Farbe der Szenerie In eine rote. bringen Sie das, was Sie als einen Ausblick innerhalb der Faust-Dichtung in Ihre Seele aufgenommen haben, in Zusammenhang mit dem, was gestern gewissermaßen vor der Verwandlung von mir hier gesagt worden ist über jene bedeutungsvolle reale Vision, die der Menschenseele aufgehen kann, wenn sie hintritt vor das Symbolum des im Grabe ruhenden Jesus Christus. Bedenken wir, daß wir gestern sagen durften, daß wachgerufen wird durch ein entsprechendes geistiges Anschauen oder geistiges Empfinden der Anblick dessen, was dem Menschenleben verbunden ist durch seine Erdenentwickelung in bezug auf die luziferische, die ahrimanische Welt. Bedenken wir, daß wir in der Faust-Dichtung vor uns haben eine Seele, welche sich uns sogleich, da die Dichtung beginnt, ankündigt als eine solche, welche aufgenommen hat in sich ahrimanisches Wissen, ahrimanische Erkenntnisse. Und schauen wir dann in diese Seele hinein, wie sie ringt aus ihrer Verbindung mit der ahrimanischen Weisheit heraus nach dem — wir dürfen von unserem Gesichtspunkte aus sagen - christdurchtränkten Quell des Lebens: ein bedeutungsvoller Augenblick, der uns für eine Menschenseele vorgeführt wird. Fassen wir sie ins geistige Auge, diese Menschenseele! Da steht sie vor uns mit all dem Wissen, das sie in sich aufgenommen hat durch die Beobachtung der äußeren materiellen Welt und ihrer Zusammenhänge, mit der Erkenntnis, die sie sich erobern konnte durch die Instrumente, durch die der äußere Naturforscher einzudringen versucht in die Zusammenhänge der Natur... Und wozu ist diese Seele gekommen mit all dem Forschen, das sich knüpft an die verschiedenen Instrumente und auch an die Phiole, in der die Säfte enthalten sind, die für das irdische Leben «eilends trunken machen»? Wir fühlen, wie schon ahrimanisches Wesen an der Seite der Faust-Seele waltet, und wie dieses ahrimanische Wesen verknüpft ist mit dem, was Erdentod ist. Ist es uns nicht, wie wenn diese mit ahrimanischem Wesen angefüllte Menschenseele das Ergebnis ihrer ahrimanischen Erkenntnisse zöge? Und dieses Erkenntnisergebnis, das Ahriman auf Erden den Menschen geben kann, das ist es, was sich zusammenfaßt in die Worte:
[ 1 ] During this Easter-Tide, a stately procession of events has been passing before our spiritual vision.1 These lectures were given in connection with scenes from Goethe’s Faust, demonstrated in Eurhythmy. Amongst these events there have been those which represented the struggles of a soul. This soul, of its own free will, was about to pass through the Portals of Death, but, at the last moment, it was recalled to this mortal existence by the Easter message. It seems to me that of all the impressions which the great poem Faust is likely to make upon the mind, the impression created by this episode will be the deepest and the most lasting. And now—that is to say, today, after the transformation of the scenery, representing the world and its evolution, (N.B. At the words: ‘Christ has arisen,’ the black scenery is changed to red)—now, consider, what your souls have assimilated from this view into the hidden meaning of Faust. Consider this in connection with what I said yesterday, when I spoke of that true vision which must appear before the soul of man, as it approaches the symbolical representation of Christ Jesus at rest in the sepulchre. You will remember that we saw yesterday, that according to the extent a man is connected in his earthly evolution with the Luciferic or the Ahrimanic. world, so in a corresponding measure will his spiritual insight or his spiritual sensations be quickened. We must consider that in Faust we meet at once with a soul which from the very first confesses that it is steeped in Ahrimanic wisdom and experience. In watching this soul, we see it tear itself away from its bondage in Ahrimanic wisdom and—from our spiritual level we may dare to express it thus—fly to the spring of Life, whose source is in Christ. What a tremendous movement in the history of a human soul is this, which is here presented to our spiritual vision! Let us pause and contemplate this human soul with all the powers of our spiritual understanding. There it lies before us with all the knowledge which it has assimilated during its investigation of the outward material world and its connections. There it lies before us, with all the knowledge and experience which it has been able to gain, to grasp by means of those instruments which the investigator of external nature uses in his endeavour to penetrate her secrets .... And to what goal has this soul arrived? To what has it attained with all its investigations with various instruments and also by means of the phial which contains the juices, which in this earthly life ‘do drunken make without delay.’ (Latham). We feel already that the Ahrimanic being is ruling at the side of the Faust-Soul, and we also feel how inseparable this Ahrimanic being is from earthly death. Does it not seem as if this human soul, so steeped in Ahrimanic knowledge, hesitates before the consequences of its Ahrimanic perception? And it is this perception and these consequences, which Ahriman is able to bestow upon mortal man, which find expression in the words:
Ich grüße dich, du einzige Phiole!
Die ich mit Andacht nun herunterhole,
In dir verehr’ ich Menschenwitz und Kunst.
Du Inbegriff der holden Schlummersäfte,
Du Auszug aller tödlich feinen Kräfte,
Erweise deinem Meister deine Gunst!
Ich sehe dich, es wird der Schmerz gelindert,
Ich fasse dich, das Streben wird gemindert,
Des Geistes Flutstrom ebbet nach und nach.
Ins hohe Meer werd’ ich hinausgewiesen,
Die Spiegelflut erglänzt zu meinen Füßen,
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.
‘Now hail, thrice hail, incomparable phial!
With reverent hand I bid thee to the trial.
In thee I honour human wit and skill.
Compendium of kindly, slumberous juices,
Essence compact of deadly, delicate uses,
Show now a favour at the master’s will!
I see thee, all the pain sinks into slumber;
I grasp thee, all the strife ceases to cumber;
The spirit’s flood ebbs with slow pulse away.
It draws me to the Deep, resistless streaming,
Full at my feet the glassy sea lies gleaming,
On to new shores, woos me the newer day.’1 The quotations from Faust in these lectures are (unless otherwise stated) taken from Latham’s translation.
[ 2 ] Und schon hat diese Seele die Vision, daß sie zum andern Ufer kommt, wo sie vielleicht dasjenige wird finden können, was sie glauben muß, durch ihre ahrimanische Verstrickung auf dieser Erde nicht finden zu können. Schon hat sie die Vision des Hinübergehens zu dem andern Ufer:
[ 2 ] And this soul has already the vision of arrival upon the other shore, where perhaps it may find that which, as it is forced to believe, it cannot find on this earth through its Ahrimanic bondage. Already the soul sees itself sinking gently downwards to the other shore.
Ein Feuerwagen schwebt, auf leichten Schwingen,
An mich heran! Ich fühle mich bereit,
Auf neuer Bahn den Äther zu durchdringen,
Zu neuen Sphären reiner Tätigkeit.
Dies hohe Leben, diese Götterwonne!
Du, erst noch Wurm, und die verdienest du?
Ja, kehre nur der holden Erdensonne
Entschlossen deinen Rücken zu!
Vermesse dich, die Pforten aufzureißen,
Vor denen jeder gern vorüber schleicht.
Hier ist es Zeit, durch Taten zu beweisen,
Daß Manneswürde nicht der Götterhöhe weicht,
Vor jener dunklen Höhle nicht zu beben,
In der sich Phantasie zu eigner Qual verdammt,
Nach jenem Durchgang hinzustreben,
Um dessen engen Mund die ganze Hölle flammt;
Zu diesem Schritt sich heiter zu entschließen
Und, wär’ es mit Gefahr, ins Nichts dahin zu fließen.
‘A flaming car floats down on wafting pinions
Hither to me. Ready to cleave am I
On pathways new, the ethereal dominions,
Borne to new spheres of pure activity.
That life divine, that bliss of God-like being,
Dar’st thou, but now a worm, make it thy goal?
Aye, thou hast but to turn thy face from seeing
The Earth’s sweet sun, with dauntless soul!
Be bold to wrench the brazen gates asunder,
Past which no mortal but is fain to slink!
’Tis time by deeds to show that e’en not under
The majesty of Gods, Man’s dignity need shrink.
To face yon gloomy cavern never tremble,
Where fancy dooms herself but self-bred torments to,
And though all Hell its flames assemble
About the narrow mouth, press boldly through;
Blench not, but blithely let the step be taken,
Were it with jeopardy, ne’er from the Naught to waken!’
[ 3 ] Und nachdem er nun auch noch das andere ahrimanische Instrument ergreift, da ist er bereit, den Weg hinüber zu nehmen in diejenigen Gefilde, von denen er in Ahrimans Schule gelernt hat, daß sie nummermehr erkennbar sind der Seele, solange sie im Erdenleibe eingeschlossen ist. Und aus dieser Stimmung wird diese Seele herausgerissen durch den Klang der Osterglocken und den Chor des Ostergesanges. Und wieder hat die Faust-Seele das irdische Leben, um jetzt innerhalb des irdischen Leibes das zu suchen, was diese Menschenseele als Ergebnis ihres Suchens im irdischen Leibe hindurchtragen soll durch die Pforte des Todes, damit sie es hinauftragen könne in die geistigen Gefilde, in denen sie es braucht zu ihrer weiteren Entwickelung.
[ 3 ] And having grasped the other Ahrimanic instrument he is ready to make his way over into those regions of which he has learned in the Ahrimanic school, that he will never have any knowledge, so long as he is imprisoned in the physical body. From this frame of mind the soul is suddenly snatched away by the sound of the Easter bells and the voices of the Easter choir. And Faust’s soul once more assumes the physical body, so that now it may seek in the secret meaning of physical life for that which, as a result of its search while in the physical body, it must take with it through the Portals of Death, so that it may carry it above into those spiritual regions where it will be needed for the soul’s further development.
[ 4 ] Dasjenige, was Sie heute gehört haben von dem ersten Teil von Goethes «Faust», und manches, was zu diesem Teile, zu dieser Szene von Goethes «Faust» gehört, erschien zuerst als abgeschlossener erster Teil der Dichtung im Jahre 1808. Vorher aber schon war im Jahre 1790 von Goethe erschienen «Faust, ein Fragment», dieses Fragment, das noch nicht die letzte Gretchen-Szene hatte. Aber auch die Szene hatte dieses Fragment nicht, die uns heute jene für Fausts Seele bedeutungsvollen Ereignisse vor die eigene Seele geführt hat. 1790 gab Goethe sein Fragment noch ohne diese Osterszene und ohne den Monolog heraus, der in die tiefsten Tiefen menschlich-seelischen Erlebens führt. Und am Ende des 19. Jahrhunderts ist dasjenige entdeckt worden, was Goethe fertig hatte in den achtziger, sogar schon in den siebziger Jahren, in den neunziger Jahren. Es ist dann veröffentlicht worden unter dem geschmacklosen Titel «Urfaust». In diesem Urfaust haben wir nun ebenfalls nicht, man kann sagen selbstverständlich nicht diese Osterszene. Warum haben wir sie nicht? Ja, Goethe, der ein Kind seiner Zeit war, mußte reif werden, um in seiner Art, seiner Seele gemäß, die Wirkung des Christus-Impulses auf Fausts Seele darstellen zu können; er mußte erst dazu reif werden. Und Goethe war bis zum Jahre 1790 nicht dazu reif. In die neunziger Jahre fällt jene Vertiefung Goethes in seiner Seele, die ihren Abglanz gefunden hat in dem uns ja bekannten «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Es fällt hinein in die Zeit zwischen dem Zeitpunkt, in dem der «Faust» erschienen ist ohne die Osterszene, und dem Zeitpunkt, in dem er erschienen ist mit der Osterszene. Fine unendliche Vertiefung erfuhr Goethes Seele durch das, was sie ausgestaltete in dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Und erst an diesem Erlebnis gewahrte Goethe, wie er wirken lassen dürfe die Osterauferlebens-Szene auf Fausts Seele.
[ 4 ] What you have heard today from the first part of Goethe’s Faust, as well as much that belongs both to this part and to this scene, appeared in Goethe’s Faust, when it was first published in completed form in 1808. But Faust, a Fragment, by Goethe, had already appeared as early as 1790. This Fragment, however, was without the Gretchen scene, also without the scene we have been considering today,—the one containing the episode of such vast importance for Faust’s soul. In 1790 Goethe published his Fragment again without the Easter scene and without the monologue, which probes into the innermost secrets of the human soul on earth. Towards the end of the nineteenth century, it was discovered how much Goethe had completed in 1780 and even in 1770, also what he had completed in 1790. This was published under the insipid title of The Original Faust. In this Original Faust, of course, we do not find the Easter scene. We say ‘of course’ advisedly.—Why is the Easter scene not there? My dear friends! Goethe was the child of his time. In order to be able to depict the effect of the Christ-Impulse upon the soul of Faust, from his own standpoint and according to the essential quality of his own soul, it was necessary for him to reach maturity. And up to 1790 Goethe had not reached maturity. About 1790 that expansion of Goethe’s soul took place, which is reflected in the well-known Fairy-tale of The Green Snake and the Beautiful Lily. This was written during that period of time extending from the first publication of Faust without the Easter scene, to the Second publication of Faust, which included it. An infinitely profound expansion of Goethe’s soul took place owing to the experience which he has related in the Fairy-tale of The Green Snake and the Beautiful Lily. And not until he had undergone this experience, could Goethe understand how he should allow the Easter Resurrection scene to influence the soul of Faust.
[ 5 ] Nun, sehen wir in diese Faust-Seele selber hinein, versuchen wir einmal, uns zu versetzen in den Anfang von Goethes «Faust», der in den verschiedenen aufeinanderfolgenden Veröffentlichungen so ziemlich gleich ist. Wir wissen, er heißt:
[ 5 ] Now, having gained an insight into this Faust soul itself, let us go to the opening lines of Goethe’s Faust which coincide fairly closely with the sequence of Goethe’s revelations about himself. We know that:
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr,
Herauf, herab und quer und krumm,
Meine Schüler an der Nase herum —
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
‘I have studied, alas I Philosophy,
And Jurisprudence, and Medicine too,
And, saddest of all, Theology,
With ardent labour, through and through I
And here I stick, as wise, poor fool,
As when my steps first turned to school.
Master they style me, nay, Doctor, forsooth,
And nigh ten years, o’er rough and smooth,
And up and down, and acrook and across,
I lead my pupils by the nose,
And know that in truth we can know—naught!’
[ 6 ] Zehn Jahre also ist er Dozent. Nehmen wir an, er wäre regelmäßig in die Dozentenlaufbahn hineingekommen, dann könnten wir etwa denken, so gegen die Dreißigerjahre hin wäre er Dozent geworden, so hat er also gewissermaßen seit dem dreißigsten Jahre seines Lebens seine Schüler an der Nase herumgeführt! Erinnern wir uns, was ich gestern sagte. In den Dreißigerjahren wird der Mensch stehen vor dem Bilde des Jupiterdaseins, wenn sich ihm vor Augen stellen wird jene Verführung, von der ich gestern gesprochen habe. Und eine Vision, eine prophetische Vision jener Verführung, hat man vor sich, wenn man vor dem im Grabe liegenden Christus Jesus steht. Haben wir nicht in Faust ausgestaltend dramatisch jene Vision? Steht er nicht förmlich vor uns vor dem Ostergeheimnis, und steht er nicht gerade, man kann sagen, am Ende der Dreißigerjahre vor uns vor dem Östergeheimnis? Dürfen wir nicht annehmen, daß in seinen Empfindungen rumort, was der Mensch aus dem Ostergeheimnis empfinden muß wie eine Vorahnung des Jupitererlebnisses mit Luzifer und Ahriman? Zu Goethes Zeiten konnte man das nicht so darstellen, wie man es jetzt darstellen kann, aber Goethe konnte darstellen die im Herzen rumorende Empfindung gegenüber dem Ostergeheimnis, und die rumorte in Fausts Seele. Und ist es nicht, als wenn Faust fühlte, da wo Mephisto-Ahriman an ihn herantritt, wie verfallen seine Seele ist den ahrimanischen Mächten? Wie er sich zu retten hat vor irgend etwas? Ja, vor was denn? Vor was hat er sich zu retten? Können wir nicht sagen, daß Goethe etwas davon empfunden hat, als er die eigene Faust-Stimmung seiner Jugend wiederum auf sich wirken ließ als reifer Mensch, als reife Seele etwas empfunden hat, so wie er es in seiner Zeit empfinden konnte, von der Osterstimmung, die wir uns in diesen Tagen vor die Seele malten, und daß daraus das Bedürfnis entstanden ist, die Osterszene einzufügen in den «Faust», der früher nicht diese Osterszene gehabt hat? Ins Christliche umgedichter ist der «Faust» mit der Einfügung der Osterszene zwischen den Jahren 1790 und 1800.
[ 6 ] Thus he had been a professor for ten years! We will take it for granted that he had followed the regular course necessary for a professorship. In this case he would have become a professor at the age of thirty. From his thirtieth year onward, he had been dragging his pupils by the nose around after him. Now recollect what I said yesterday. Between the age of thirty and forty man will be faced with the Image of the Jupiter Existence, when the temptation of which I spoke yesterday will rise up before him. And a vision, a prophetic vision of that temptation passes before everyone, as they stand before the Christ lying in the sepulchre. Is it not this vision which is represented in the drama of Faust? Do we not see plainly, that he is standing before the Easter Mystery? And has he not reached the late thirties as regards age? May we not take it for granted that something is stirring amongst his perceptions and that something, a kind of foreshadowing of the Jupiter experiences with Lucifer and Ahriman which come to all who are brought face to face with the Easter Mystery. In Goethe’s time, it was impossible to represent this as it can be represented today. But Goethe could represent the feelings which the Easter Mystery awakened in his heart, and these were the feelings which were stirring in the soul of Faust. And when Mephisto-Ahriman approaches him, does it not seem as if Faust realised how completely his soul is forfeited to the Ahrimanic powers? As if he must save himself from something? Yes I But from what? What is it from which he must save himself? May we not say that this was Goethe’s own experience? That after he had attained to maturity in body and soul, he had let work upon him the Faust-mood of his youth and in so doing, as far as it was possible in his times, Goethe had undergone the Easter experience as we recognise it today. Hence, the necessity for the insertion of the Easter scene into his Faust. By the insertion of the Easter scene between 1790 and 1800, Faust was transposed into the Christ-Consciousness.
[ 7 ] Welche Jahre hatte denn also Faust zu durchleben? Vor welchen Lebensjahren schauderte er so zurück, daß er selbst zur Phiole greifen wollte? Nun, vor dem zweiten, absteigenden Teil des Lebens, jenem Teil des Lebens, von dem wir gesagt haben, wie der Mensch, indem er vor die Vision des Jupiterdaseins tritt, weiß, daß er später auf den Jupiter tragen muß dasjenige, was ihm der Christus als Wegzehrung geben kann, weil er sonst der Nahrung ermangeln müßte in der zweiten Lebenshälfte. Was sucht denn Faust? Er sucht Nahrung der Seele für die zweite Lebenshälfte. Wir suchen sie im Grunde genommen alle seit der Zeit, da das Mysterium von Golgatha über die Entwickelung unserer Erde hinweggegangen ist. Wir suchen sie im Grunde alle. Denn dasjenige, was auf dem Jupiter physisch-psychische Gestalt annehmen wird, das lebt jetzt schon in unseren Seelentiefen, und etwas von dieser Faust-Stimmung müssen wir alle empfinden. Wir brauchen eine Kraft, die wir nicht haben können durch dasjenige, was uns als Mensch nur die Freiheit gibt und uns demgemäß zu Ahriman und Luzifer führt, wir brauchen eine Kraft für diejenigen Impulse in uns, die zusammenhängen mit der absteigenden Lebenshälfte. Die Christus-Kraft ist es, die Christus-Kraft, die der Christus hat, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist und in einem irdischen Leibe nicht durchlebt hat des Menschen zweite Lebenshälfte Warum durchlebte er sie nicht? Weil diese Kraft, die dem Menschen gespendet werden muß in der zweiten Lebenshälfte, in die Erdenaura ausfließen mußte, damit sie alle Menschen durch die Erdenentwickelung in sich finden können. Es aufersteht durch das Ostermysterium dasjenige, was wir brauchen, damit wir mit unserer Seele unser ganzes Leben auf der Erde durchpilgern können. Und denken Sie sich jetzt diesen tiefen Zusammenhang in Goethes «Faust». Faust hat in sich aufgenommen — Goethe wußte, wie man dieses aufnimmt, denn er hat es ohne das Östergeheimnis hingestellt, als er ohne das Ostergeheimnis sein Fragment herausgab -, Faust hat in sich aufgenommen, was der Mensch durch die Verbindung mit Luzifer und Ahriman aufnehmen kann, was uns die Möglichkeit der freien Seele gibt. Aber er, der die Seelentiefen durchmißt, ist sich klar, mit dem kann er nun nicht weiterleben, er braucht, um weiterzuleben, etwas anderes. Und Goethe wurde reif dazu, zu zeigen, wie es der Impuls des Östergeheimnisses ist, was Faust braucht. Steht nicht das Ostergeheimnis tiefsinnig vor uns in dem, was Goethe erst als ganz reifer Mann aus seinem «Faust» gemacht hat, was er 1790 noch nicht drinnen haben konnte, weil er es noch nicht verstand?
[ 7 ] What years were those which Faust had to endure? Which years were those from which he shrank so terribly that he was ready of his own accord to seize the phial? Those years which mark the second, that is, the descending, half of human life. That part of life when, as we have seen, man, as he is confronted with the vision of the Jupiter Existence, becomes aware that later, on Jupiter, he must carry with him the food that Christ can give him. Otherwise, he will have to suffer hunger during the second half of his life. What is it that Faust seeks? Nourishment for his soul during the second half of his life. We all seek for that as a matter of fact. Ever since the time when the Mystery of Golgotha disappeared from our earthly evolution, we have all been seeking it. For that which upon Jupiter will take a physico-psychic form, exists already in the depths of our souls and we must all share to some extent in this Faust-experience. We need a strength which we cannot obtain by those means which give us freedom only while we are mortals, and which afterwards lead us to Lucifer or Ahriman. It is the Christ-force, the Christ-strength, my dear friends! The Christ-strength which Christ Himself possessed, after he had passed through the Gates of Death. But Christ did not pass the second half of earthly life in the physical body. Christ came down and passed a part of the first half of human life in the physical body, but not the second part. Why did he not do this? Because this force which must be expended by man during the second half of his earthly existence, was to circulate into the earthly aura, so that all mankind might be able to find it in themselves during their earthly evolution. Through the Easter Mystery arises that which we require for the pilgrimage of our soul, our whole life long. And now, mark the deep significance of this in Goethe’s Faust. Faust had acquired—and Goethe knew by what means, for he published Faust, the first time, without the Easter scene—had acquired all that can be learnt from a compact with Lucifer and Ahriman, all that makes it possible to liberate the soul. But he who has fathomed the depths of his own soul sees clearly that he can no longer live by them. In order to live any longer he requires something else. And Goethe having arrived at maturity was in a position to show, that what Faust needed was the Impulse of the Easter-Mystery. Does not the Easter-Mystery in all its profundity come before us as we note this alteration made by Goethe in his Faust, after he had attained maturity? The Easter-scene could not have found a place in the first edition of Faust in 1790, because at that time Goethe did not yet understand it.
[ 8 ] Wie ist in dem jungen Goethe die dichterische Idee zu diesem Gedicht, von dem Sie sehen, daß es uns in solche Tiefen führt, entstanden? Wir wissen, daß der junge Goethe einen starken Eindruck bekommen hat sowohl von dem Puppenspiel des Faust, als er es gesehen hat, wo man einfach das Schicksal des Faust durch Puppen dargestellt finder, wie auch aus dem Volksschauspiel von dem «Doktor Faust». Dieses durchaus Volksmäßige trat vor Goethes Seele. Was ist denn nur dieser Faust? Und Goethes Seele war sogleich klar: Dieser Faust muß sein der strebende Mensch überhaupt, der durch sein Streben in alle Untergründe des menschlichen Seelenlebens hinuntertauchen kann und den Weg finden muß hinauf in die lichten Höhen des Geistes. Daß ein innerer Weg von einer Menschenseele durchlaufen werden müsse, das wußte der junge Goethe. Denn was ist es im Grunde genommen anderes als eine Meditation, was Faust in seiner Seele sengend durchlebt bei dem Anblick der verschiedenen Zeichen? Eine Meditation ist es, die ihn zuletzt zu der Vision des die Erde durchflutenden und durchwallenden Erdgeistes führt. Die Meditation erhält als Antwort die Worte:
[ 8 ] How did the idea of this poetic drama arise in young Goethe’s mind, by means of which we have been led into such immeasurable depths? We know that Goethe as a young man was deeply impressed both by the puppet play of Faust, where the fate of Faust was merely enacted by dolls, and also by the popular drama of Doctor Faust. The latter, though quite a play for the people, sank deeply into Goethe’s soul. And in Goethe’s soul the question arose at once, ‘What is the meaning of this Faust’? This Faust must represent struggling humanity in general. The man, who by his struggles can probe into all the hidden paths of the life of the human soul, and who must find the way above into the clear heights of the spirit. That a secret path must be travelled by the human soul, the young Goethe was certain. For what Faust’s soul experiences, at the sight of the various signs, is nothing else, in fact, but a meditation—a meditation which in the end leads him to a vision of the Earth spirit ranging over and permeating the earth. The answer to the meditation is contained in the words:
In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall’ ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff’ ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.
‘In floods of being, in action’s storm,
Up and down I wave! '
To and fro I flee,
Birth and the grave,
An infinite sea,
A changeful weaving,
An ardent living;
The ringing loom of Time is my care,
And I weave God’s living garment there.’
[ 9 ] Meditation und Gegenmeditation! Hinein führt es ihn in die Tiefen des Lebens, den Faust, aber wie hinaus? Wie hinauf in die geistigen Höhen?
[ 9 ] Meditation and contra-meditation! This carries Faust at once into the very depths of life. But what about the way out? How is he to escape to the spiritual heights?
[ 10 ] Nachdem wir uns also vor die Seele gestellt haben, welch grandiose Idee von dem strebenden Faust in Goethes Seele am Puppenspiel und am Volksschauspiel entstanden ist, und welche Gestalt diese grandiose Idee angenommen hat durch das Eindringen der Goethe-Seele in das Östergeheimnis, fragen wir uns Jetzt einmal: Was hat nun Goethe zeit seines Lebens aus dem «Faust» gemacht? — Nachdem wir uns das Grandiose desjenigen klargemacht haben, was in Goethes Seelenkraft gelegen hat durch den Eindruck des Faust-Impulses, dürfen wir uns wohl auch fragen: Was ist denn nun geworden künstlerisch-dichterisch aus diesen Eindrücken? -— Nun, schon eines, was ich eben sagte, kann uns zu unserem Hange, diesen «Faust» auch ästhetisch-künstlerisch zu begreifen, behilflich sein. Goethe hat ein Fragment, das ungefähr mit der Domszene abschließt, 1790 veröffentlicht. Das, was uns heute den «Faust» so grandios erscheinen läßt, ist nicht darinnen. Er hat es später hinzugedichtet, hat es hineingelegt, als er in Rom war. 1787 hat er das, was wir heute als «Hexenküche» kennen, hineingelegt. Andere Szenen hat er zu andern Zeiten hineingelegt in das Manuskript, das ursprünglich geschrieben und abgeschrieben war und das in der Zeit, in der die späteren Szenen hinzukamen, von ihm selbst als ein «vergilbtes Manuskript» bezeichnet wird. Und als Schiller Goethe aufforderte um die Wende des 18, zum 19. Jahrhundert, etwas zu tun, um den «Faust» abzurunden, da sagteGoethe, es würde ihm schwierig werden, das alte Ungeheuer «Faust» wiederum vorzunehmen und das, was so lange liegengeblieben ist, nun in entsprechender Weise zu ergänzen. Goethe hatte Angst, in diesen seinen «Faust» hineinzulegen das, wozu er später reif geworden war, in all dasjenige, was er war und was erschienen ist bis zum Jahre 1790.
[ 10 ] My dear friends, when we consider the greatness of Goethe’s conception of the struggling man—Faust—which owed its origin to the puppet play and to the popular drama, and then consider the form which this powerful conception took, after Goethe had realised the Easter Mystery in the depths of his own soul, the question arises: How much did Goethe contribute to Faust during his own life? Again, when we consider the powerful conception aroused in Goethe’s mind through the influence of the Faust-impulse, the question arises: How has this conception been treated from the artistic and poetical point of view? Considering what I have said before, it will be helpful for our purpose to understand Faust from this standpoint also. In 1790, Goethe published A Fragment, which ends approximately with the Cathedral Scene. But the scene which makes Faust so wonderful for us today was not there. Goethe composed it later and added it when he was in Rome. In 1787, he added the scene which is now called ‘The Witches' kitchen.’ From time to time he added different scenes to the original manuscript which was written over and corrected so much that by the time the later scenes were added, it was described by himself as a ‘dog-eared, time-stained manuscript.’ When Schiller at the end of the eighteenth century urged Goethe to take up Faust once more and finish it, Goethe replied, that after having left the old monster Faust for so long, it would be difficult for him to take up the threads of it again and finish it in a consistent manner. Goethe was afraid to insert into Faust, which represented himself, as he was and as he appeared to be up to 1790, the experiences he had undergone after he had reached maturity.
[ 11 ] Und schauen wir uns nun den ersten Teil dieses «Faust» an. Ist er denn nicht ein Werk, dem wir es genau ansehen, daß es zusammengeflickt ist aus dem, was zu verschiedenen Zeiten entstanden ist? Würden die Menschen nicht an traditionellen Urteilen hängen, so würden sie in dem «Faust» die grandioseste dichterische Idee, die jemals mit Bezug auf das einzelne Menschliche in die Welt gekommen ist, sehen. Und zu gleicher Zeit müßten sie sich gestehen, daß mit Bezug auf das Künstlerisch-Dichterische dieser «Faust» das uneinheitlichste, daß er ein durchaus unharmonisches Werk ist, in das man noch mancherlei hineinlegen könnte, was nicht darinnen liegt, das überall Risse und Sprünge hat, das künstlerisch durchaus nicht vollendet ist. Das große Genie Goethes konnte nur fragmentarisch immer vollenden, was vor seiner Seele stand. Und so sehr wir die grandiose Schönheit einzelner Szenen bewundern müssen, so wenig können wir, wenn wir uns nicht bloß an das traditionelle Urteil anhängen, das Literaturhistoriker gefällt haben, sondern wenn wir unbefangen sind, uns verhehlen, daß der «Faust», wie er ist, kein in sich harmonisches Kunstwerk ist, daß er an vielen Stellen geleimt ist, aber Risse und Sprünge überall zeigt. Warum denn dies? Goethe hat dann noch einmal im höchsten Alter unternommen, wiederum zu vollenden den zweiten Teil seines «Faust», wofür auch schon einzelne Szenen da waren, an die er wiederum angefügt hat dasjenige, was er im höchsten Alter hinzufügen konnte. Zum Beispiel: der Anfang der klassisch-romantischen Phantasmagorie, des Helena-Zwischenspiels, war schon um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert vollendet, und manche Partien waren früher vollendet. Und wiederum haben wir durchaus Veranlassung, nicht zu sagen, wie manche Literaturhistoriker sagen, daß man den zweiten Teil des «Faust» nicht verstehen könnte, oder, wie ein keineswegs blöder, sondern sehr gescheiter Mann gesagt hat, daß der «Faust» «ein zusammengeschustertes, geflicktes Machwerk des Alters» sei. Das ist er nicht! Anderseits ist er ein Werk, dessen Aufgabe so groß war, daß selbst die reiche Lebenserfahrung Goethes in seiner Zeit nicht hinreichte, um es durchzugestalten. Man darf schon auch gegenüber dem Größten in der Welt sein eigenes Urteil haben. Warum aber ist das also? Nun, ich habe es schon einmal gelegentlich eines Vortragszyklus, der in Den Haag gehalten worden ist, angedeutet, daß dieser Faust keineswegs, ich möchte sagen, welthistorisch so außerordentlich jung ist. Der Faust, wie er lebte in dem Volksschauspiel, das Goethe gesehen hat, und wie er lebte im Puppenspiel, stellt den in die Tiefen des geistigen Lebens hinuntersteigenden Menschen dar, und er stellt den sich zu den lichten Höhen erheben wollenden Menschen dar; er stellt ihn so dar, daß der neueren Zeiten größter Dichter das Ostergeheimnis für seiner Seele Befreiung brauchte. Wie er im Volksschauspiel dasteht, ist er zusammengeflossen zunächst aus der äußeren physischen Realität, aus jenem Dr. Georg Faust, der in der zweiten Hälfte des Mittelalters gelebt hat und wie ein Landstreicher herumgezogen ist; von dem uns berichten sowohl Trithem von Sponheim wie andere bedeutende Männer, die ihm begegnet sind, und die sogar eine gewisse Achtung vor ihm gehabt haben, die Achtung, die man entgegenbringt einer merkwürdigen Per sönlichkeit, welche durch die Art, wie sie sich seelisch ausdrückt, gar mancherlei weiß und gar mancherlei vermag. Und nicht umsonst wurde ja dieser reale Doktor Faust so genannt, wie ich es einmal hier angeführt habe:
[ 11 ] And now let us consider this first part of Faust in general. Is it not a work which, as a close study shows, has been woven together out of material collected at various periods of time? If we do not adhere too closely to traditional criticism, we shall see in Faust the most powerful conception of isolated human nature that has ever been given to the world. At the same time we must confess that from the artistic and poetical point of view Faust lacks unity, that it is throughout an inharmonious work. That everywhere there are gaps and chasms into which much might be inserted which is not there. Considered artistically, it is not even really finished. It is not, in fact, an artistically complete work. The great genius of Goethe could only gradually complete, in a fragmentary manner, the events which were passing in his own soul. And much as we must admire, the intense beauty of many of the scenes, just as little can we conceal from ourselves (that is, if we are impartial, and do not rely solely upon the traditional judgment passed by literature and history) that Faust as it stands is not in itself a harmonious work of art, but that it is patchy in many places and full of gaps and chasms, as a whole. Why is this, my dear friends? Why is this? Goethe, in advanced old age had once more undertaken to finish the second part of Faust. Isolated scenes for this were already completed, and these he incorporated with the Faust of his extreme old age. For example, the whole classical-romantic phantasmagoria, the Helena Interlude, was completed in 1799-1800, and many parts were written earlier still. Further, there is no ground whatever for saying, as some historians of literature say, that no one can ever understand Faust; or, to quote the words of a man who was by no means foolish, but, on the contrary, extremely clever, that ‘Faust is a bungling performance patched together by an old man in his dotage.’ It is not that, by any means. On the other hand, it is a work the scope of which was so tremendous that even the profound and long experience of life of Goethe himself was not sufficient to carry it out. Everyone may have his own opinion about even the very greatest in this world. Yes! Their own opinion. But why is this so? In a course of lectures given at the Hague, I pointed out that Faust is by no means anything new in the history of the world. Faust, as he existed in the popular drama which Goethe saw, and as he existed in the puppet play, represented a man descending into the very depths of spiritual experience in order that he might rise to the heights of knowledge. This representation was so realistic that it moved the greatest poet of modern times to invoke the aid of the Easter-Mystery in order to save the man’s soul. The Faust of the popular drama was taken almost directly from real life. He is taken from Doctor George Faustus, a vagrant scholar who lived in the second half of the Middle Ages. This we learn from Tritheim von Sponheim and other celebrated men who had met him and who even had a certain respect for him—the respect commanded by a striking personality endowed with intellectual knowledge and some spiritual power. And it was not without reason that this Doctor Faust was so styled. I quote his titles below:
[ 12 ] Magister Georgius Sabellicus Faustus Junior, fons necromanticorum, Magus Secundus, Chiromanticus Aeromanticus, Pyromanticus, in hydra arte secundus.
[ 12 ] ‘Master Georgius Sabellicus, the younger Faustus, Second Magician, the well-head of Necromancers, astrologer, cheiromancer, agromancer, pyromancer, the second in the hydric art.’
[ 13 ] So nannte er sich selbst. Nun war es allerdings im Gebrauch dazumal, so viele Titel von sich herumzutragen, und man könnte von Giordano Bruno und manchen andern bedeutenden Geistern des Mittelalters auch eine lange Liste ganz ähnlich klingender Titel sagen. Wenn es vielleicht heute von den ganz gescheiten Menschen als absonderlich empfunden wird, daß Trithem von Sponheim und andere Menschen, die um die Existenz dieses realen Faust gewußt haben, so dachten, daß er mit dämonischen Welt- und Erdenmächten in Verbindung stehe und durch sie mancherlei vermöge, so müssen wir eben bedenken, daß ja zu Luthers Zeiten zum Beispiel das gar nichts besonderes war, wenn man solches erzählte, Wir wissen, wie Luther selbst mit dem Teufel gerungen hat. Wir wissen, daß alles das gang und gäbe, Anschauungen und Erzählungen jener Zeit waren. Aber ein Gefühl lebte in alledem, was beitrug dazu, den Faust auszugestalten im Volksbewußtsein. Es lebte das Gefühl — ich sage das Gefühl und nicht der Begriff, nicht die Idee -, die Naturwissenschaft kommt herauf, die Naturwissenschaft, die den ahrimanischen Teil der realen Wirklichkeit vor die Menschenseele bringt. Und dadurch entstand das Gefühl: Faust ist eine Persönlichkeit und war eigentlich immer eine solche Persönlichkeit, welche etwas mit diesen ahrimanischen Mächten zu tun hat. Gleichsam die geheimen geistigen Verbindungsfäden erblickte man, die von der Seele des Faust zu den ahrimanischen Mächten hingingen. Und das Geschick des Faust fand man geknüpft an dieses Hinneigen zu den ahrimanischen Mächten. Daß Ahrimanisches und Luziferisches mit der ganzen Entwickelung der Menschenseele zu tun hat, von dem fühlte und empfand man noch etwas aus den Resten des alten Hellsehens und der alten hellsichtigen Erkenntnis. Und so verknüpfte sich die Faust-Figur mit diesem Erfühlen von des Menschen Zusammenhang mit den luziferischen und ahrimanischen Mächten. Aber es war zugleich die Zeit, in der dieses fühlende Erkennen bereits in die Dämmerung herunterstieg, in der das alles schon unklar wurde. Und so entstand dann, man möchte sagen, das Gefühl, da kann man den strebenden Menschen mit all seinen Versuchungen und Gefahren für seine Seele darstellen in der Figur des Faust. Aber wie das zusammenhängt, was da der Mensch erstrebt, mit Luzifer und Ahriman, das wußte man nicht mehr genau. Das war schon verschwommen geworden, und daraus ging dann jene ungeheuerliche Verschwommenbheit hervor, von der man einen Eindruck hat, wenn man das mittelalterliche Faust-Buch in die Hand nimmt, worin all dasjenige, was die Volksfigur durchlebt haben soll, geschildert wird, wo wie Kraut und Rüben durcheinander geworfen werden zu einem grotesken Ragout von allen möglichen Abenteuern, die des Menschen Seele durchlebt in ihrem Streben, alle möglichen dämonischen und Elementargeister und Ahriman und Luzifer. Nachdem man diese nicht mehr in ihrer vollen Gestalt gesehen hat, nachdem man sie zertrümmert und zu einem Ragout zusammengemahlen hat mit allen möglichen Elementargeistern der Natur, stellte man nun in diesem Volksbuch, in dieses Ragout die Figur des Doktor Faust hinein. Goethes genialem Tiefblick war es eben einzig und allein angemessen, in dem schauerlichen Ragout die gewaltige Grundidee zu ahnen und sie so weit hinaufzuführen, daß sie an das Ostermysterium herankam. Aber es ist im Grunde recht interessant, zu beobachten, wie, ich möchte sagen, Luzifer und Ahriman nach und nach zu solchen Ragoutteilen zerstückelt worden sind.
[ 13 ] Thus he styled himself . At that time it was the custom to bear as many titles as possible, and a long list of similar high-sounding appellations might be compiled, from those borne by Giordano Bruno and many other famous spirits of the Middle Ages. If today we find it extraordinary that learned men like Tritheim von Sponheim and others, who were aware of the existence of the real Faust, should have believed that he was in communication with the demon-world and the secret earth forces, and that through them he could work wonders, we must recollect that even in Luther’s time such phenomena were not considered anything very extraordinary. We know, indeed, that Luther himself wrestled with the devil. We know that all this sort of thing, with its visions and marvellous tales, formed an important part of the life of those times. But there was a feeling in all this which contributed to fix the figure of Faust in the popular consciousness. I say ‘feeling’; not a ‘conception,’ not ‘an idea.’ The feeling that natural science is advancing, natural science which brings the Ahrimanic part of true activity before the human soul. And from that arose the feeling that Faust is, and, in fact, always was, a personality who is in league with the Ahrimanic Powers. Simultaneously the secret threads are seen by which Faust is bound to the Ahrimanic Powers, and the fate of Faust was seen to be inevitable after his surrender to these powers. It was felt and acknowledged that Lucifer and Ahriman were inseparably connected with the whole evolution of the human soul. So much remained from the ancient clairvoyance and clairvoyant experience. The figure of Faust was connected with the feeling of man’s dependence upon the Luciferic and Ahrimanic Powers. At this time this perception was already disappearing in the twilight, and such matters had already become confused and indistinct. Still the feeling arose that struggling humanity with all its endeavours and trials and in all the dangers to which its soul is exposed might be adequately represented in the figure of Faust. But the exact nature of the relationship of struggling humanity with Ahriman and Lucifer was no longer understood. Little by little that knowledge had vanished. Hence the wild confusion, which meets us as we take up the Faust Book of the Middle Ages. Here all the experiences and adventures which this popular hero is supposed to have gone through, are jumbled up in the greatest confusion with all lands of adventures and experiences with which the human soul could meet during its struggles on earth: besides all possible and impossible demons, elementary spirits as well as Lucifer and Ahriman. Truly, a grotesque hash or ragout! When Lucifer and Ahriman could no longer be visualised, after they had been dismembered and ground into a pulp with all the elementary spirits of nature, the figure of Doctor Faustus was introduced into the mixture, namely, this popular Book of Faust. The keen insight and wide sympathies of Goethe enabled him to recognise the greatness of the root idea of this horrible mixture. He rescued it from the depths and brought it up to meet the fight of the Easter-Mystery.
[ 14 ] Wenn wir zurückgehen und die Figur des Faust in alten Zeiten suchen, so können wir in Büchern suchen, die damals als Volksbücher entstanden sind, und die in all derjenigen Händen waren, die sich damals mit Angelegenheiten befaßt haben, die sich auf solche Dinge beziehen. Augustinus’ Werke waren sehr verbreitet, als dieses Buch zusammengeschrieben, zusammengeschustert, zusammengeleimt worden ist. Man hat das Gefühl von einem Buchhändler, der ein möglichst dickes Buch machen wollte, und nicht, als ob es von einem Literaten oder gar einem Schriftsteller wäre. Aber seinen Augustinus muß er gekannt haben, namentlich die Lebensbeschreibung des Augustinus. Und Augustinus tritt uns ja in seiner ganzen Entwickelung so merkwürdig entgegen. Wie er zunächst nicht verstehen kann, was das Christentum in seinem Wesen ist, wie er sich nach und nach durch die inneren Widerstände, die er in der Entwickelung seiner Seele dem Christentum entgegenbringen muß, hindurchwindet, zuerst zu dem, was ihm nun an Kunde werden kann von der Manichäerlehre. Und von einem großen, bedeutenden Manne innerhalb der Manichäersekte erhält Augustinus Kunde, von dem Manichäerbischof Faustus. Und wir spüren fast, wer nun jener Faustus senior ist, dem gegenüber der Faust, den ich vorhin genannt habe, sich Faustus junior nennt. Derjenige ist es, dem Augustinus in alten Zeiten einmal entgegengetreten ist, derjenige, der etwas von der Manichäerlehre vertrat als Faustus, als Bischof der Manichäer.
[ 14 ] It is really most interesting to notice how from time to time Lucifer and Ahriman are cut up and made into these ragouts. If we look back and seek for the prototype of Faust in olden times, we shall find it in the popular books of the age, which were in the hands of everybody; and they all dealt with such matters. Augustine was a great favourite at the time when this book was patched, cobbled, glued together, which seems more as if it had been compiled by a bookseller whose one idea was to make as fat a book as possible, than written by a literary man or an author. But whoever he was he must have known his Augustine, that is to say, the biography of Augustine. Now the whole development of Augustine appears to us very remarkable. At first he cannot understand what the essence of Christianity is. Then, by degrees, he works his way through the secret antagonism to Christianity which develops with the evolution of his soul, and turns first to see what the Manichean doctrine has to teach him. From one of the most important men of the Manichean sect, Augustine hears about the Manichean Bishop Faustus. And we can almost guess now who the Faust senior was, as distinguished from that other Faust, who, as I mentioned just now, styled himself Faust Junior. This is he whom Augustine once came across in ancient times and who as Faustus, Bishop of the Manicheans, preserved something of the earlier Manichean doctrine.
[ 15 ] Aber was vertrat er von der Manichäerlehre? Dasjenige, was angefressen ist von Ahriman, dasjenige, wodurch man nicht mehr einsehen kann, wie der Mensch mit seiner Seele zusammenhängt mit dem ganzen Kosmos, mit allen kosmischen, allen Sternenimpulsen. Man kann sagen: Auch schon im Manichäerbischof Faustus ist zerrissen das Erkenntnisband, das hinaufführt zu den kosmischen Einsichten, die zeigen, wie die Menschenseele aus dem Kosmos herausgeboren ist, und die man kennen muß, wenn man in Wahrheit das Ostergeheimnis verstehen will. — So konnte in dem, der das Volksbuch vom Doktor Faust zusammenschrieb, gerade aus der Gestalt, die uns Augustinus schildert als den Manichäerbischof Faustus, — es konnte in diesem Zusammenschreiber und Zusammenleimer durch diese Gestalt der dem Ahriman verfallene Faustus auftauchen. Aber da alles verschwommen geworden war, so verstand er nicht, daß das gegen Ahriman hin ging. Die Fetzen von ahrimanischer Gefahr sehen wir daher durchschimmern durch die Erzählungen des Volksschauspiels, aber nichts Klares sehen wir durchschimmern. Doch können wir ein deutliches Gefühl erhalten, daß in Faustus der Repräsentant des strebenden Menschen hingestellt werden soll so, daß ihm von ahrimanischer Seite her Gefahr droht. Und vieles war in die Faust-Figur, wie sie sich herausgebildet hat bis zu Goethe, hineingefügt von jenem Manichäerbischof Faustus, dem Faust senior. Manche Kapitel des Volksbuches erscheinen geradezu, wie wenn sie abgeschrieben wären, aber schlecht abgeschrieben nur aus dem Buche, in dem Augustinus schildert seine eigene Entwickelung und sein Zusammentreffen mit dem Bischof Faustus. So sehr können wir beweisen, daß dasjenige, was als ahrimanischer Zug der Faust-Figur anhaftet, nach dieser Seite hinweist, daß also, als das Volksbuch niedergeschrieben worden ist, nur noch der letzte dunkle Drang da war, die ahrimanischen Elemente der Menschennatur gerade an der Faust-Figur darzustellen.
[ 15 ] And what was this? It was that which has since been devoured by Ahriman, so that mankind no longer understands the way in which man is connected with his soul, with the whole cosmos, with all the impulses from the stars. We may say that the girdle of knowledge leading to cosmic enlightenment, which shows how man was born out of the cosmos, which knowledge man must have if he would understand the Easter Mystery, was already sundered in the time of the Manichean Bishop Faustus. And it was possible for the compiler of the Horn-Book of Doctor Faustus to make Faust, the prisoner of Ahriman, arise out of the figure described by Augustine as the Manichean Bishop, Doctor Faustus. But as all these matters had become so confused, he did not understand that Ahriman was the adversary. We see traces of Ahrimanic danger glimmering through the plot of the popular drama, but they are very faint. It arouses, however, a distinct feeling that Faust is the representative of struggling humanity and that he is threatened with danger from the Ahrimanic powers. And there was much in the figure of Faust as he was portrayed until the time of Goethe, which was borrowed from that Manichean Bishop, Faustus Senior. Many chapters of the ‘Faust Book’ appear to have been copied, very badly, it is true, directly from the book in which Augustine describes his own development and his meeting with the Bishop Faustus. So we can prove clearly that the Ahrimanic features in Faust spring from this source, and also that when the ‘Faust Book’ came to be written down, only the last faint impulse was left to imprint the Ahrimanic elements in human nature upon the figure of Faust.
[ 16 ] Und nun gar, wie ist es denn mit dem luziferischen Element? Wie sind denn die luziferischen Elemente zerhackt worden in jene Ragoutteile, die dann hineingekocht worden sind in das Ragout aus Elementargeistern und aus Stücken von Luzifer und von Ahriman, wie ich eben gesagt habe? Ja, wir müssen schon suchen, wenn wir nun des Faust Verbindung mit Luzifer auch suchen wollen. Auch da können wir historisch suchen, da brauchen wir nicht einmal gar so furchtbar weit zu gehen, wir brauchen nur nach Basel zu gehen, und wir können Anhaltspunkte in Basel finden, wie Luzifer zu einem Ragout zerhackt worden ist. Es wird uns nämlich erzählt, wie gerade in Basel Erasmus von Rotterdam zusammengekommen sei mit Faust, wie sie dort im Kollegium eine Mahlzeit halten wollten, aber nicht die rechte Speise dazu fanden. Und da es dem Erasmus gebrach an etwas, was ihm nun schmecken sollte, so sagte er das dem Faust, der bei ihm saß und mit ihm essen wollte, aber sie hatten nichts Rechtes. Da erzählt uns die Faust-Sage, daß Faustus nun imstande gewesen sei, irgendwo her — man weiß nicht woher - ganz fremde, in Basel sonst nicht auf dem Markte zu habende Vögel plötzlich gekocht, gebraten auf den Tisch hinzubringen. Also wir sehen eine Szene zwischen Erasmus von Rotterdam und Faust, in der Faust imstande ist, solche Vögel, wie man sie in Basel dazumal nicht kaufen konnte, weit herum in der Umgebung auch nicht, dem Erasmus vorzusetzen. Was ist denn das nun eigentlich? Als solches ist es in der Sage gar nicht verständlich, man kann sagen, ganz und gar unverständlich, aber es wird uns die Sache verständlicher, wenn wir nachgehen und zusammenbringen dasjenige, was wir aus den Schriften des Erasmus von Rotterdam gewinnen können, der uns selbst erzählt, daß er in Paris die Bekanntschaft gemacht hat von einem gewissen Faustus Andrelinus. Dieser Faustus Andrelinus war ein außerordentlich gelehrter Mann, aber auch ein außerordentlich sinnlicher Mann. Erasmus wurde zunächst so bekannt mit diesem Faustus, daß er noch keinen rechten Geschmack hatte an den sinnlichen Seiten dieses Faustus. Aber wiederum hören wir da von einer Mahlzeit, welche die zwei miteinander aufgegessen haben sollen. Nun, allerdings, zwei gelehrte Herren der damaligen Zeit, wie Erasmus von Rotterdam und Faustus Andrelinus — wir dürfen ihnen nicht zumuten, daß der eine dem andern solche Vögel vorsetzt und auf solche Art gar, wie der Faustus von Basel sie dem Erasmus vorgesetzt haben soll. Es wird also wahrscheinlich dasjenige, was uns da überliefert worden ist, nur eine Art von, ich möchte sagen, scherzhafter Rede sein, welche die beiden bei der Mahlzeit ausgetauscht haben. Aber wir kommen doch ein wenig hinter diese scherzhaften Reden, wenn wir innerhalb dieser Reden auch vernehmen, daß der Faust — diesmal ist es wohl der Faust — sich auch nicht recht gaumenbefriedigt erklärte mit dem, was ihm da vorgesetzt wird, und anderes verlangte. Faust möchte nun essen, um sich besonders zu letzen, fremde Vögel und Kaninchen; ja, fremde Vögel und Kaninchen. Erasmus hat zunächst die Idee, daß das etwas bedeuten müsse. Er benimmt sich also genauso wie manche Theosophen, die nachdenken, was die Dinge bedeuten. Nun, da sagt der andere, gut, er will verzichten auf die Kaninchen. — Erasmus meinte nämlich: Könnte das nicht bedeuten Fliegen und Ameisen? — Auf die Kaninchen will er verzichten. Aber die Vögel sind wirklich Fliegen, und mit Fliegen wolle er sich einmal besonders letzen. — Jetzt sind wir sehr weit. Jetzt haben sich die Vögel durch astralische Verwandlung in Fliegen verwandelt. Und bei Goethe haben wir in der Gestalt des Mephisto den Gott der Fliegen. Es braucht nur der Geist da zu sein, der diesen Wesen gebietet, und er könnte diese Wesen hinzaubern. Und so haben wir die Verbindungsbrücke geschlagen von der unverständlichen Basler Legende und den sonderbaren Vögeln zu den Fliegen, die einfach vom Teufel herkommen. Und daß der Teufel Fliegen vorsetzt dem, den er zu Tische lädt, darüber brauchen wir uns nicht zu verwundern. Welcher Art aber jenes Faustus Andrelinus Seelenwesen ist, welcher Seelenart gerade dieser ist, ja, das wird uns klar, wenn wir den Erasmus nun ein Stückchen weiter seines Weges verfolgen in Paris. In Paris war Erasmus noch nicht so recht geneigt, einzugehen auf dieses Faustus Andrelinus Eigenart. Aber dann muß er eine Reise machen nach London. Da schreibt er denn, daß er jetzt gelernt habe — wahrhaftig, Erasmus, denken Sie! -, sich im Salon zu bewegen, während er früher Manieren gehabt hätte wie ein grober Bauer, — daß er nun gelernt habe, Verbeugungen zu machen und sogar sich auf dem Hofparkett zu bewegen verstünde! Und - ja, Erasmus schreibt es — daß er in einer Atmosphäre lebe, wo man, wenn man kommt und geht, durcheinander sich immer küßt. Man erkennt daraus, daß er den Geschmack seines Pariser Freundes treffen will. Er schreibt: Komme doch herüber. Und wenn die Gicht zu stark dich abhält, so komme auf dem Geisteswagen durch die Lüfte herübergeflogen. Das ist für dich ein Element! — Man sieht, da haben wir die Verbindung des Faustus mit der luziferischen Art der Seelentendenz.
[ 16 ] And now what about the Luciferic element? How have the Luciferic elements been dismembered in those bits of the ragout, which were then cooked up in the hash of elementary spirits, with bits of Lucifer and bits of Ahriman, as I said before? Yes, we shall have to hunt if we wish to discover Faust’s connection with Lucifer. And we must also seek in history. For this we need not travel very far, only to Basle, where we can halt and find out how Lucifer has been dismembered for the ragout. It is related that Erasmus of Rotterdam met Faust at Basle. They wished to have a meal in the College, but they could not find the food they wanted. Then suddenly it occurred to Erasmus what he would like to have and he told Faust, who sat next to him and was going to dine with him. But they could not get what they wanted. Then the Faustsaga relates that Faust suddenly produced strange birds on the table, no one knew from whence, for they were unobtainable in the Basle Market—cooked, baked and ready to eat. Here we have a scene between Erasmus of Rotterdam and Faust, in which Faust has power to set before Erasmus birds which could not be bought either in Basle or the neighbourhood at that time. What does this mean? As it stands in the saga it is incomprehensible, one must say utterly incomprehensible. But if we go further and seek amongst the writings of Erasmus of Rotterdam, the matter becomes more comprehensible. Erasmus himself tells us that in Paris he made the acquaintance of a certain Doctor Faustus Andrelinus. This Faustus Andrelinus was not only an extraordinarily learned man, but an extraordinarily sensuous man. Erasmus soon became well acquainted with this Faust, but had no liking for the sensuous side of his character. However, he speaks of a meal which the two had together. Now, certainly, two learned gentlemen of that time such as Erasmus of Rotterdam and Faustus Andrelinus would neither of them set before the other such a bird and in such a manner as Faustus is supposed to have put before Erasmus in Basle; we cannot entertain such an idea for a moment. It is probable that the tale has arisen from some kind of joke exchanged by the two during the meal. But we can see a little behind these joking words if we recollect that Faust—this time it really is Faust—had declared that he did not like what had been set before him and he would like to satisfy himself by eating strange birds and rabbits. Yes! Strange birds and young rabbits. Erasmus at once had the idea that this must have some hidden meaning. He behaved in exactly the same way as some theosophists do who meditate on the meaning of things and believe everything must have a meaning. Erasmus thought to himself: Might he not mean flies and ants? Now, he will forego the young rabbits, but the birds must really be flies, and these he particularly wished to partake of. Now we see daylight. Now the birds, through an astral change, have become flies. And in Goethe we find the figure of Mephisto as the god of flies. It only needs the presence of the spirit who rules these beings to bring them by magic to the place. And so we have found the connecting link between the incomprehensible Legend of Basle with the wonderful birds and the flies who came simply from the devil. And we need not be surprised that the devil should set flies before his guests. If we follow Erasmus a little further to his stay in Paris, we shall see more clearly the kind of soul possessed by Faustus Andrelinus. In Paris, Erasmus was not very willing to fall in with the views of this Faustus Andrelinus. However, he then had to go to London. From there he writes that he, Erasmus—can you believe it that he has now learnt how to behave in a salon, whereas before he had the manners of a rough peasant—that now he has learnt to bow and even how to move about upon the polished floors of the Court. And, yes!—Erasmus himself writes—that he is living in an atmosphere in which everyone kisses their neighbour on meeting and at parting. We see from this time that he wishes to please his Paris friend. He writes: ‘Come over here, and if the gout detains you, fly over in your magic car, through the air. That is one of your elements.’ Here is a reference to the Luciferic tendencies of Faust’s soul.
[ 17 ] Bei Goethe tritt uns dann das entgegen, wie Faust seine Verführungen macht, indem er Gretchen verführt und so weiter. Der Luzifer ist wirklich so abgefallen aus der Umgebung der Faust-Figur, daß man schon solche literarische Untersuchungen machen muß, wenn wir an dem Pariser Faust die Verbindung des Faust mit Luzifer konstatieren wollen. Aber wir sehen förmlich den Faust dastehen, Luzifer und Ahriman — wenn auch undeutlich durch die verworrene Zeit - an seiner Seite, im Volksbuch alles zu einem Ragout zusammengekocht. Brauchen wir uns darüber zu verwundern, daß wir in dem Volksspiel und Volksschauspiel, sogar auch in dem Marloweschen Faust etwas haben, was ein Überrest ist uralter Anschauungen, die noch wurzeln in jenen Zeiten, in denen man aus atavistischem Hellsehen heraus des Menschen Zusammenhang mit Ahriman und Luzifer erkannte? Aber all das ist verschwommen geworden, und in dem literarischen Produkt, von dem wir gesprochen haben, durchaus verschwommen hingestellt. Goethe empfand den tiefen Zusammenhang. Aber was konnte Goethe nun nicht? Luzifer und Ahriman voneinander sondern, das konnte er nicht. Sie verschmolzen ihm noch zu der Zwittergestalt des Mephisto, bei dem man nicht recht weiß, ist es nun der Teufel, der Ahriman, der wirkliche Mephisto? Denn er hat auch das, was Luzifer ist, auf sich geladen. Goethe empfängt gleichsam das Ragout, er spürt, daß da Ahriman und Luzifer walten, aber er kann es noch nicht auseinanderklauben, er verschlingt sie zu der okkultistisch unmöglichen Gestalt des Mephisto, der eine Zwittergeburt ist aus Ahriman und Luzifer. Man möchte die Zeit nennen, in die Goethe geblickt hat, indem er das Faust-Buch kennenlernte: das letzte Nachdunkeln eines alten Wissens über diese Sache, die verglimmende Abenddämmerung des alten Wissens von Ahriman und Luzifer. Und Goethes «Faust» ist die erste Morgendämmerung des noch nicht aufgestiegenen Wissens von Ahriman und Luzifer, dunkel und verworren in der Gestalt des Mephisto noch Ahriman und Luzifer durcheinander. Aber schon mit dem Bedürfnis, darzustellen, was die Menschenseele haben kann, indem sie auf sich wirken läßt dasjenige, was in die Erdenaura eingeflossen ist dadurch, daß das Christus-Wesen durch das Mysterium von Golgatha hindurchgegangen ist!
[ 17 ] In Goethe’s account we meet the Luciferic influence and its temptations in the betrayal of Gretchen. Lucifer has now become so faint among the influences which surround Faust, that we are obliged to make these kind of literary investigations if we wish to prove the connection between the Faust in Paris and Lucifer. But in the Horn-Book of Faust we see clearly Faust as he stands—with Lucifer and Ahriman beside him—although showing faintly through the confusion of that time, all jumbled together into a ragout. Need we be surprised to find in the popular play and in the drama and even in Marlowe’s Faust a remnant of the original intuition belonging to those times, when by means of an atavistic clairvoyance, the connection of humanity with Lucifer and Ahriman was recognised? But all that had become confused and in the literary productions of which I have spoken was always represented in a confused manner. Goethe indeed perceived the profound connection, but then what was there that he could not do? He could not, however, separate Lucifer from Ahriman. He welded them into the mongrel being, Mephisto, of whom we cannot rightly say whether he be the devil, or Ahriman, or the real Mephisto, for Goethe has invested him with some of the Luciferic qualities. Goethe takes the ragout, so to speak, he perceives that both Ahriman and Lucifer reign there, but he cannot as yet tear them apart, he combines them both in what—from an occult standpoint—is the impossible figure of Mephisto, who is a cross between Lucifer and Ahriman. The time of which Goethe caught a glimpse when he became acquainted with the book of Faust, may be termed the last aftermath of the ancient cognisance of Lucifer and Ahriman. And Goethe’s Faust is the early dawn of a knowledge, not yet above the horizon, of Ahriman and Lucifer. It is dim and confused in the figure of Mephisto, who is a combination of Lucifer and Ahriman.
[ 18 ] Das Ostergeheimnis erscheint uns selber wie der Aufgang einer neuen Zeit des geistigen Lebens der Menschheit in dem «Faust» Goethes, der trotz seiner grandiosen Art noch immer etwas Verworrenes hat, etwas von nur dunkler, nebelhafter Morgendämmerung hat. Er erscheint uns wie etwas innerhalb dieser dunklen Morgendämmerung, was wir erblicken können, wenn wir hinaufsteigen auf einen Berg und die Sonne früher aufgehen sehen, als wir sie sehen konnten, bevor wir auf dem Berge standen. Wie einer der größten Menschen durch das Streben nach Erneuerung alter Erkenntnis seine Seele hinwendet zum Ostergeheimnis, fühlen wir, indem wir Goethes «Faust» auf uns wirken lassen. Und lassen wir ihn im rechten Sinne auf uns wirken, dann fühlen wir, was in eines größten Menschen Herzen vor sich gehen kann, wenn dieses Menschen Herz vom Ostergeheimnis berührt wurde, wie das Goethe selber zugleich fühlte, wie auch in dieser Vorempfindung Goethes gegenüber dem Ostergeheimnis etwas liegt wie ein Hinweis darauf: Ja, nach der Morgenröte, in welche die ersten dunkel-hellen Strahlen des Ostergeheimnisses hineinscheinen, wird kommen die Sonne einer neuen geistigen Erkenntnis. Des Menschen Seele wird auferstehen aus dem Grabe der verdunkelten Erkenntnis, in das auch sie hinuntersteigen muß. Die Menschenseele selbst wird erleben im Laufe ihrer Entwickelung das Ostergeheimnis, die Auferstehung desjenigen, was der Christus-Impuls in ihren tiefen, grabartigen Untergründen ist, wenn sie sich verbindet mit der Kraft, die ausgeht durch die Anschauung des Christus-Ostergeheimnisses.
[ 18 ] But already the need had arisen of showing how mankind may profit by what was poured into the earth-aura, when the Christ-Being passed through the Mystery of Golgotha, if man will permit this to work upon his soul. The Easter Mystery itself in Goethe’s Faust appears to us as the beginning of a new era in the spiritual life of humanity. About this work, in spite of the masterly way in which the theme is handled, there is always a feeling of confusion, something of that dim, misty, morning twilight, which we see below us, if we climb a mountain to see the sun rise earlier than we should have done had we remained below. If we allow the Faust of Goethe to work upon our minds, we shall feel how one of the greatest of men, through his endeavours to revive the ancient knowledge, turns his soul to the Easter Mystery. And if we let it work on our souls in the right sense, my dear friends, we shall feel what takes place in the heart of a really great man, when that man’s heart is moved by the Easter Mystery—as was that of Goethe himself. We shall see also that in this early perception by Goethe of the Easter Mystery there is something which also demonstrates that after the red dawn into which the first faint, clear rays of the Easter Mystery are already streaming, the Sun of a new spiritual experience will rise. The human soul itself will arise from the grave of the darkened perception into which it had to descend. In the course of its evolution the human soul will itself experience the Easter Mystery, the resurrection of the Christ-Impulse which lies buried in the deep underworld of its being, if it unites itself with the force gained by a contemplation of the Christ-Easter-Mystery.
[ 19 ] So, möchte man sagen, empfinden wir Goethes Ruf und möchten ihn, nachdem wir die Tragik des Ostergeheimnisses auf uns haben wirken lassen, umwandeln in den Ruf: Es möge auferstehen die der Zukunft angemessene geistige Erkenntnis in der Menschen Herzen, in der Menschen Seelen! Es mögen der Menschen Herzen und der Menschen Seelen nach der Empfindung der tiefsten Tragik heilig jubelnd in ihrem Inneren des Ostermysteriums Tiefe empfinden und erleben die Auferstehung in sich durch den Christus!
[ 19 ] Let us thus realise Goethe’s appeal; and after we have meditated on the tragedy of the Easter Mystery let us transform it into an appeal for a corresponding resurrection of spiritual experience in the hearts and souls of men, in the future. May the hearts and souls of men receive the deep Mysteries of Easter with joy I Yes, after the realisation of this, the greatest of all tragedies, may they experience with holy joy the glories of the resurrection of Christ in the depths of their own being.
[ 20 ] Mögen Sie auch heute an diesem Tage durch die Worte, die ich mir erlaubte, zu Ihnen zu sprechen, etwas von der Empfindung in Ihre Seele aufnehmen, daß Sie deshalb hier vereinigt sind um unseren dem geistigen Forschen gewidmeten Bau, damit Sie durch die Kraft Ihrer Seelen in die Zukunft etwas hineintragen von jenem Auferstehungsimpulse, der uns so groß anschaulich wird am Ostermysterium, und von dem wir sehen konnten, wie die größten Geister derjenigen Zeit, die nun abgelaufen ist, nach ihm hindrängten.
[ 20 ] May you, my dear friends, through these words which I have permitted myself to speak to you today, experience something of this perception in your souls, that the reason you are here, the reason why we are gathered together around our Bau,2 The Johannes building or Goetheanum, at Dornach, Switzerland, then in course of erection, but later destroyed by fire. dedicated as it is to spiritual investigation, is that you may thus, through the strength drawn into your souls, carry away into the future something of the Resurrection-Impulse that has appeared so plainly to us in the Easter Mystery, and towards which, as we have seen, the greatest minds of the past pressed so eagerly.
[ 21 ] Empfinden Sie im «Faust» etwas von dem, was der Zauberklang der Osterglocken im Geiste in Ihren Seelen erklingen lassen kann.
[ 21 ] Not translated
