Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272
15 August 1915, Dornach
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Faust, der strebende Mensch Geisteswissenschaftliche
8. Mystische Erkenntnis und Geistige Offenbarung der Natur Wahrnehmung der Geister
8. Mystische Erkenntnis und Geistige Offenbarung der Natur Wahrnehmung der Geister
nach einer eurythmischen Darstellung von Fausts Himmelfahrt
nach einer eurythmischen Darstellung von Fausts Himmelfahrt
[ 1 ] Wir haben versucht, eurythmische Darbietungen zu geben in bezug auf Goethes «Faust» zu Ostern und zu Pfingsten und am Feste von Mariä Himmelfahrt. Es war uns in gewisser Beziehung eine Art Bedürfnis, fertig zu werden mit diesen Darbietungen gerade bis zum Feste von Mariä Himmelfahrt. Sie werden sich erinnern, daß von mir in Anknüpfung an die vorigen Darstellungen aus Goethes «Faust» versucht worden ist, zu zeigen, wie die Art, in der Goethe seine Geistesentwickelung durchgemacht hat, in hohem Grade vorbildlich wirken kann, weil wir an ihm sehen können, wie gerade die große Persönlichkeit das, was der kleinere Mensch oftmals rasch zu ergreifen glaubt, wie der Genius das langsam und allmählich sich aneignet, sich langsam und allmählich durcharbeitet zu dem Standpunkte in bezug auf eine Sache, der ihn dann befriedigen kann. Wie glaubt mancher, ein guter Christ zu sein und das Christentum zu verstehen. Wir haben darauf aufmerksam machen müssen, wie Goethe damals, als er die ersten Szenen seines «Faust» hingeschrieben hat, im Grunde genommen eine, wenn auch nicht antichristliche, so doch, man kann sagen, achristliche Empfindungsweise hatte. Man sehe sich einmal durch, was erhalten ist als der - verzeihen Sie, daß ich den geschmacklosen Titel gebrauche, aber er ist einmal üblich geworden - sogenannte «Urfaust», und was dann veröffentlicht ist unter dem besseren Titel «Faust, ein Fragment».
[ 1 ] Wir haben versucht, eurythmische Darbietungen zu geben in bezug auf Goethes «Faust» zu Ostern und zu Pfingsten und am Feste von Mariä Himmelfahrt. Es war uns in gewisser Beziehung eine Art Bedürfnis, fertig zu werden mit diesen Darbietungen gerade bis zum Feste von Mariä Himmelfahrt. Sie werden sich erinnern, daß von mir in Anknüpfung an die vorigen Darstellungen aus Goethes «Faust» versucht worden ist, zu zeigen, wie die Art, in der Goethe seine Geistesentwickelung durchgemacht hat, in hohem Grade vorbildlich wirken kann, weil wir an ihm sehen können, wie gerade die große Persönlichkeit das, was der kleinere Mensch oftmals rasch zu ergreifen glaubt, wie der Genius das langsam und allmählich sich aneignet, sich langsam und allmählich durcharbeitet zu dem Standpunkte in bezug auf eine Sache, der ihn dann befriedigen kann. Wie glaubt mancher, ein guter Christ zu sein und das Christentum zu verstehen. Wir haben darauf aufmerksam machen müssen, wie Goethe damals, als er die ersten Szenen seines «Faust» hingeschrieben hat, im Grunde genommen eine, wenn auch nicht antichristliche, so doch, man kann sagen, achristliche Empfindungsweise hatte. Man sehe sich einmal durch, was erhalten ist als der - verzeihen Sie, daß ich den geschmacklosen Titel gebrauche, aber er ist einmal üblich geworden - sogenannte «Urfaust», und was dann veröffentlicht ist unter dem besseren Titel «Faust, ein Fragment».
[ 2 ] Wir können daraus sehen, daß Goethe ziemlich alt werden mußte, bevor er, beim Aussprechen der geheimsten Impulse seiner Seele in der bedeutungsvollen Weise diesen Dingen ein christliches Element einzufügen, in der Lage war. Unendliche Vertiefung in Welterkenntnis und Weltempfindung brauchte diese Seele. Und als das Fragment des «Faust» 1790 erschien, da war noch nicht darinnen jene Szene, die Goethe erst in einem viel reiferen Alter seines Lebens schreiben konnte, jene Szene, wo Faust zurückgenommen wird von dem Schritte, den er tun will, vom Selbstmord, durch die Osterglocken. Goethe fühlte sich erst im reifen Alter veranlaßt, dieses christliche Element in den ersten Teil seines «Faust» hineinzubringen. Viel, viel mehr muß ein solcher Genius durcherleben, durcherfahren, bis er sich zu dem in seiner Art reif fühlt, wozu sich mancher so bald sonst reif fühlt. Und wir sehen, daß Goethe wirklich dieser Ansicht war, so daß er dem «Faust», den er in seiner Jugend — aber auch schon in seiner späteren Jugend - begonnen und in gewissen Szenen durchgeführt hatte, etwas Christliches, etwas vom Christentum einfügte.
[ 2 ] Wir können daraus sehen, daß Goethe ziemlich alt werden mußte, bevor er, beim Aussprechen der geheimsten Impulse seiner Seele in der bedeutungsvollen Weise diesen Dingen ein christliches Element einzufügen, in der Lage war. Unendliche Vertiefung in Welterkenntnis und Weltempfindung brauchte diese Seele. Und als das Fragment des «Faust» 1790 erschien, da war noch nicht darinnen jene Szene, die Goethe erst in einem viel reiferen Alter seines Lebens schreiben konnte, jene Szene, wo Faust zurückgenommen wird von dem Schritte, den er tun will, vom Selbstmord, durch die Osterglocken. Goethe fühlte sich erst im reifen Alter veranlaßt, dieses christliche Element in den ersten Teil seines «Faust» hineinzubringen. Viel, viel mehr muß ein solcher Genius durcherleben, durcherfahren, bis er sich zu dem in seiner Art reif fühlt, wozu sich mancher so bald sonst reif fühlt. Und wir sehen, daß Goethe wirklich dieser Ansicht war, so daß er dem «Faust», den er in seiner Jugend — aber auch schon in seiner späteren Jugend - begonnen und in gewissen Szenen durchgeführt hatte, etwas Christliches, etwas vom Christentum einfügte.
[ 3 ] Charakteristisch ist nun, daß Goethe gewissermaßen noch einmal einen Anhub brauchte, um sich durchzuarbeiten in seiner Empfindungsweise und in der innerlichen Arbeitsweise seiner Gefühle gegenüber der Welt - ich möchte sagen durch ein Weltengebiet. aus dem die christlichen Impulse herausgerissen sind, bevor er in der neuen Weise, in dieser sein späteres Alter befriedigenden Weise, dem Christentum sich auch dichterisch nähern konnte.
[ 3 ] Charakteristisch ist nun, daß Goethe gewissermaßen noch einmal einen Anhub brauchte, um sich durchzuarbeiten in seiner Empfindungsweise und in der innerlichen Arbeitsweise seiner Gefühle gegenüber der Welt - ich möchte sagen durch ein Weltengebiet. aus dem die christlichen Impulse herausgerissen sind, bevor er in der neuen Weise, in dieser sein späteres Alter befriedigenden Weise, dem Christentum sich auch dichterisch nähern konnte.
[ 4 ] Ich habe Sie schon gestern darauf hingewiesen, wie sach- und fachgemäß, um den pedantischen Ausdruck zu gebrauchen, der ganze Aufbau der letzten Szene von der Himmelfahrt des Faust ist, Aber wir blicken noch tiefer in die Sache hinein, wenn wir uns ein weiteres klarmachen aus den geistigen Betrachtungen heraus.
[ 4 ] Ich habe Sie schon gestern darauf hingewiesen, wie sach- und fachgemäß, um den pedantischen Ausdruck zu gebrauchen, der ganze Aufbau der letzten Szene von der Himmelfahrt des Faust ist, Aber wir blicken noch tiefer in die Sache hinein, wenn wir uns ein weiteres klarmachen aus den geistigen Betrachtungen heraus.
[ 5 ] Stellen wir uns einmal vor: da tritt innerhalb einer besonders geeigneten Natur — Einöde, Bergschlucht, Felsen und alles mögliche, die einen der Mystik entsprechenden Eindruck machen - uns ein Chor, wir können uns einen Mönchs-Chor vorstellen, entgegen, der in seinem Bewußtsein das aufnimmt, was geschieht. Wir haben gehört, warum dieser Mönchs-Chor da ist, weil Goethe, um die Sache auf einen realen Boden zu stellen, dieses Bewußtsein draußen als ein Medium brauchte, damit aufgenommen wurden die Geschehnisse, die verbunden waren mit dem Hinaufstieg der Seele Fausts in die geistige Welt. Was geht vor? Der Chor weist uns zunächst darauf hin, was vorgeht. Wir können sagen: Dieser Chor empfindet dasjenige, was sonst ruhend ist, als Bewegung. Die Welt der Geister der Form beginnt langsam in die Welt der Geister der Bewegung überzugehen. Es vergeistigt sich, indem es beginnt, bewegt zu werden, dasjenige, was uns elementar entgegentritt — alles zunächst in Bewegung:
[ 5 ] Stellen wir uns einmal vor: da tritt innerhalb einer besonders geeigneten Natur — Einöde, Bergschlucht, Felsen und alles mögliche, die einen der Mystik entsprechenden Eindruck machen - uns ein Chor, wir können uns einen Mönchs-Chor vorstellen, entgegen, der in seinem Bewußtsein das aufnimmt, was geschieht. Wir haben gehört, warum dieser Mönchs-Chor da ist, weil Goethe, um die Sache auf einen realen Boden zu stellen, dieses Bewußtsein draußen als ein Medium brauchte, damit aufgenommen wurden die Geschehnisse, die verbunden waren mit dem Hinaufstieg der Seele Fausts in die geistige Welt. Was geht vor? Der Chor weist uns zunächst darauf hin, was vorgeht. Wir können sagen: Dieser Chor empfindet dasjenige, was sonst ruhend ist, als Bewegung. Die Welt der Geister der Form beginnt langsam in die Welt der Geister der Bewegung überzugehen. Es vergeistigt sich, indem es beginnt, bewegt zu werden, dasjenige, was uns elementar entgegentritt — alles zunächst in Bewegung:
Waldung, sie schwankt heran,
Felsen, sie lasten dran,
Wurzeln, sie klammern an,
Stamm dicht an Stamm hinan,
Woge nach Woge spritzt...
Waldung, sie schwankt heran,
Felsen, sie lasten dran,
Wurzeln, sie klammern an,
Stamm dicht an Stamm hinan,
Woge nach Woge spritzt...
[ 6 ] Warum ist das? Ja, das ist deshalb, weil uns gezeigt werden soll, wie von diesem irdischen Sein, dem physischen Plane aus, eine Seele sich erheben soll in die geistige Welt hinauf. Entwunden werden dem physischen Plane soll eine Seele - der physische Plan ist auch die Natur -, entwunden werden soll sie der Natur. Wir wissen nun, daß die Natur durchsetzt ist von der elementarischen Welt, daß in dem Augenblick, wo wir übergehen vom starren Naturdasein zum elementarischen Dasein, alles wirklich in Bewegung ist. Wir können uns nicht vorstellen, daß wir die Vorstellung vom Hinaufgehen der Seele des Faust in die geistigen Welten vor unsere Seele hingezaubert erhalten könnten, wenn wir uns nicht lebendig das Lebendigwerden der Natur und das Entlassenwerden aus dem Leben der Natur gegenüber der Seele Fausts vor unser Seelenauge hinstellen können. Denn das muß schon einmal gesagt werden: Gegenüber so vielem, so unendlich vielem Ungesunden, das sich gerade in mystisch-okkulten Bewegungen geltend macht, haben wir in alldem, was anknüpfen darf an Goethes Okkultismus, etwas durch und durch Gesundes, in dem festen Boden der Weltenwirklichkeit Fußendes. - Daher wäre Goethe gar nicht imstande, anders die geistige Welt vor uns hinzustellen, als indem er sie anknüpft an das, was dem Menschen auf dem physischen Plan entgegentritt, an die Natur, indem er gleichsam zeigt, wie die Natur sich vor den gesunden Sinnen vergeistigt. Und niemals würde Goethe sein Jawort gesagt haben zu einem Okkultismus, der nicht im innigen Bunde mit einer wirklichen Liebe zur Erkenntnis und zur Durchdringung der Natur auch verbunden wäre.
[ 6 ] Warum ist das? Ja, das ist deshalb, weil uns gezeigt werden soll, wie von diesem irdischen Sein, dem physischen Plane aus, eine Seele sich erheben soll in die geistige Welt hinauf. Entwunden werden dem physischen Plane soll eine Seele - der physische Plan ist auch die Natur -, entwunden werden soll sie der Natur. Wir wissen nun, daß die Natur durchsetzt ist von der elementarischen Welt, daß in dem Augenblick, wo wir übergehen vom starren Naturdasein zum elementarischen Dasein, alles wirklich in Bewegung ist. Wir können uns nicht vorstellen, daß wir die Vorstellung vom Hinaufgehen der Seele des Faust in die geistigen Welten vor unsere Seele hingezaubert erhalten könnten, wenn wir uns nicht lebendig das Lebendigwerden der Natur und das Entlassenwerden aus dem Leben der Natur gegenüber der Seele Fausts vor unser Seelenauge hinstellen können. Denn das muß schon einmal gesagt werden: Gegenüber so vielem, so unendlich vielem Ungesunden, das sich gerade in mystisch-okkulten Bewegungen geltend macht, haben wir in alldem, was anknüpfen darf an Goethes Okkultismus, etwas durch und durch Gesundes, in dem festen Boden der Weltenwirklichkeit Fußendes. - Daher wäre Goethe gar nicht imstande, anders die geistige Welt vor uns hinzustellen, als indem er sie anknüpft an das, was dem Menschen auf dem physischen Plan entgegentritt, an die Natur, indem er gleichsam zeigt, wie die Natur sich vor den gesunden Sinnen vergeistigt. Und niemals würde Goethe sein Jawort gesagt haben zu einem Okkultismus, der nicht im innigen Bunde mit einer wirklichen Liebe zur Erkenntnis und zur Durchdringung der Natur auch verbunden wäre.
[ 7 ] Wir können ungeheuer viel tun zur Gesundung unserer geisteswissenschaftlichen Anschauung, wenn wir uns bestreben, die Geheimnisse der Natur zu überschauen. Es ist das in unserer Zeit schwierig, weil — wie dies gestern gezeigt werden mußte für die Forschung zum Beispiel der Weisheit des Bakis oder anderer Dinge, die im geistigen Werden uns vor die Seelenaugen treten - in so törichter Art an die Natur herangegangen wird. Und wie ist es? Ebenso, wie jene scheinbar unendlich tiefsinnige Erklärung der acht Zeilen Goethes, die sich beziehen sollen auf alles Mögliche, während sie sich auf Pantoffeln und Zigarren beziehen, geradeso ist es in Wirklichkeit mit manchem, was heute von der Wissenschaft über die Natur gesagt wird. Sie sehen, wie vieles, was heute als Naturwissenschaft figuriert, sich genau so verhält zu der Wahrheit, wie das, was gestern Ihnen mitgeteilt worden ist als philologische Wissenschaft, und wie Goethes Weisheit sich zu dem verhält, worauf es sich in Wirklichkeit bezieht. Daher ist es in unserer Zeit schwierig, von der Wissenschaft ausgehend jenes Verhältnis zu der Natur zu gewinnen, das Goethe eigentlich hat. Aber wir müssen unablässig streben, unseren Okkultismus durchaus gesund zu gestalten. Und da gibt es für unsere Zeit keinen besseren, keinen würdigeren Ausgangspunkt als das, was Goethe gerade zum Okkultismus hinzugesteuert hat.
[ 7 ] Wir können ungeheuer viel tun zur Gesundung unserer geisteswissenschaftlichen Anschauung, wenn wir uns bestreben, die Geheimnisse der Natur zu überschauen. Es ist das in unserer Zeit schwierig, weil — wie dies gestern gezeigt werden mußte für die Forschung zum Beispiel der Weisheit des Bakis oder anderer Dinge, die im geistigen Werden uns vor die Seelenaugen treten - in so törichter Art an die Natur herangegangen wird. Und wie ist es? Ebenso, wie jene scheinbar unendlich tiefsinnige Erklärung der acht Zeilen Goethes, die sich beziehen sollen auf alles Mögliche, während sie sich auf Pantoffeln und Zigarren beziehen, geradeso ist es in Wirklichkeit mit manchem, was heute von der Wissenschaft über die Natur gesagt wird. Sie sehen, wie vieles, was heute als Naturwissenschaft figuriert, sich genau so verhält zu der Wahrheit, wie das, was gestern Ihnen mitgeteilt worden ist als philologische Wissenschaft, und wie Goethes Weisheit sich zu dem verhält, worauf es sich in Wirklichkeit bezieht. Daher ist es in unserer Zeit schwierig, von der Wissenschaft ausgehend jenes Verhältnis zu der Natur zu gewinnen, das Goethe eigentlich hat. Aber wir müssen unablässig streben, unseren Okkultismus durchaus gesund zu gestalten. Und da gibt es für unsere Zeit keinen besseren, keinen würdigeren Ausgangspunkt als das, was Goethe gerade zum Okkultismus hinzugesteuert hat.
[ 8 ] Wir sehen, wie im Bewußtsein des Chores — wobei dieses sich nun wirklich hineinstellt in das Unpersönliche der Natur, indem das Echo mitklingt — das Geistige der Natur sich losringt. Und wir können nun gleich hoffen, daß dasselbe Bewußtsein, das imstande ist, die Natur so zu durchschauen, daß alles tief aus der Natur herauskommt, die emporsteigende Seele mitschaut. Indem man es erst überhaupt sieht, schaut inan es mit der im Geiste emporsteigenden Seele, ganz hineingestellt in das wirkliche Leben. Aber wie kommt man zu der Anschauung dieser geistigen Welt? Ich habe schon gestern erwähnt: in drei Stufen wird es uns würdig dargestellt, indem hinzutritt zu dem Bewußtsein des Chors, der ein allgemeines Bewußtsein davon hat, daß innerhalb der Natur geistige Wesenheit verborgen ist, das Bewußtsein des Pater ecstaticus, das Bewußtsein des Pater profundus, das Bewußtsein des Pater Seraphicus: aufeinanderfolgende Stufen seelischer Entwickelung sind das. Wie die mystische Entwickelung von der Selbstvertiefung und dem Selbst sich erhebt zu dem Durchschauen weiterer Geistigkeit der Natur, als der Chor das durchschauen kann, das wird uns beim Übergang vom Pater ecstaticus zum Pater profundus gezeigt, und dann beim Übergang vom Pater profundus zum Pater Seraphicus, wie die Seele sich gesund entwickeln kann, wirklich hinein sich entwickeln kann in die geistige Welt, so daß sie die geistige Welt in ihren Urtiefen offenbar schauen kann. Dazu hatte Goethe die Anleitung schon früh in seiner Jugend erhalten, als er erfuhr, was Swedenborg für einen Verkehr mit der Geisterwelt hatte. Wir wissen, daß wir diesen nicht allzuhoch einzuschätzen haben, aber für Goethe war das eine mächtige Anregung. Swedenborg erzählt ja, daß er mit geistigen Wesen so verkehrte, daß diese ganz nahe an seinen Kopf herankamen, daß sie von seinen Sinnesorganen Besitz ergriffen, daß sie, durch seine Augen geführt, die Welt sehen, und selbstverständlich ganz anders das Gehörte und Gesehene mitteilen können als die Menschenseele. So erlebt Swedenborg durch jene englischen Wesen, welche in sein Sinnesorgan eingehen, die geistige Welt. Das machte auf Goethe einen großen Eindruck, dies Eingehen der Geister in den menschlichen Organismus. So daß es in einer gewissen Beziehung ihm ganz vertraut geworden war, wie ein solcher Geist umgeht mit der geistigen Welt. Goethe waren überhaupt diese Dinge ganz vertraut. Was wir hier noch nicht darstellen konnten - später werden wir es einmal, wenn unser Bau fertig ist —, das ist die Tatsache, daß der Pater ecstaticus auf und ab schwebt. Goethe schreibt am 26. Mai 1787 über Filippo Neri: «Im Laufe seines Lebens entwickelten sich in ihm die höchsten Gaben des religiösen Enthusiasmus: die Gabe der Tränen, der Ekstase und zuletzt sogar des Aufsteigens vom Boden und des Schwebens über demselben, welches von allen für das Höchste gehalten wird.»
[ 8 ] Wir sehen, wie im Bewußtsein des Chores — wobei dieses sich nun wirklich hineinstellt in das Unpersönliche der Natur, indem das Echo mitklingt — das Geistige der Natur sich losringt. Und wir können nun gleich hoffen, daß dasselbe Bewußtsein, das imstande ist, die Natur so zu durchschauen, daß alles tief aus der Natur herauskommt, die emporsteigende Seele mitschaut. Indem man es erst überhaupt sieht, schaut inan es mit der im Geiste emporsteigenden Seele, ganz hineingestellt in das wirkliche Leben. Aber wie kommt man zu der Anschauung dieser geistigen Welt? Ich habe schon gestern erwähnt: in drei Stufen wird es uns würdig dargestellt, indem hinzutritt zu dem Bewußtsein des Chors, der ein allgemeines Bewußtsein davon hat, daß innerhalb der Natur geistige Wesenheit verborgen ist, das Bewußtsein des Pater ecstaticus, das Bewußtsein des Pater profundus, das Bewußtsein des Pater Seraphicus: aufeinanderfolgende Stufen seelischer Entwickelung sind das. Wie die mystische Entwickelung von der Selbstvertiefung und dem Selbst sich erhebt zu dem Durchschauen weiterer Geistigkeit der Natur, als der Chor das durchschauen kann, das wird uns beim Übergang vom Pater ecstaticus zum Pater profundus gezeigt, und dann beim Übergang vom Pater profundus zum Pater Seraphicus, wie die Seele sich gesund entwickeln kann, wirklich hinein sich entwickeln kann in die geistige Welt, so daß sie die geistige Welt in ihren Urtiefen offenbar schauen kann. Dazu hatte Goethe die Anleitung schon früh in seiner Jugend erhalten, als er erfuhr, was Swedenborg für einen Verkehr mit der Geisterwelt hatte. Wir wissen, daß wir diesen nicht allzuhoch einzuschätzen haben, aber für Goethe war das eine mächtige Anregung. Swedenborg erzählt ja, daß er mit geistigen Wesen so verkehrte, daß diese ganz nahe an seinen Kopf herankamen, daß sie von seinen Sinnesorganen Besitz ergriffen, daß sie, durch seine Augen geführt, die Welt sehen, und selbstverständlich ganz anders das Gehörte und Gesehene mitteilen können als die Menschenseele. So erlebt Swedenborg durch jene englischen Wesen, welche in sein Sinnesorgan eingehen, die geistige Welt. Das machte auf Goethe einen großen Eindruck, dies Eingehen der Geister in den menschlichen Organismus. So daß es in einer gewissen Beziehung ihm ganz vertraut geworden war, wie ein solcher Geist umgeht mit der geistigen Welt. Goethe waren überhaupt diese Dinge ganz vertraut. Was wir hier noch nicht darstellen konnten - später werden wir es einmal, wenn unser Bau fertig ist —, das ist die Tatsache, daß der Pater ecstaticus auf und ab schwebt. Goethe schreibt am 26. Mai 1787 über Filippo Neri: «Im Laufe seines Lebens entwickelten sich in ihm die höchsten Gaben des religiösen Enthusiasmus: die Gabe der Tränen, der Ekstase und zuletzt sogar des Aufsteigens vom Boden und des Schwebens über demselben, welches von allen für das Höchste gehalten wird.»
[ 9 ] Ich möchte dies ausdrücklich erwähnen, weil ich Ihnen sagen muß, daß Goethe dies nicht etwa unbewußt oder wie ein bloßes Phantasiebild hingeschrieben hat, sondern daß er sehr wohl bewandert war in diesen Dingen, daß er sie kannte, tief kannte. Also er läßt den Pater ecstaticus nicht einfach auf und ab schweben, weil es ihm so einfällt; wir müssen bedenken, daß Goethe ein Mann war, der von Filippo Neri so sprach. Das vertieft ungeheuer das Gefühl. Viel weniger auf geistreiche Erklärungen kommt es bei diesen Dingen an, viel mehr darauf, sich hineinzuversenken in Goethes Seele, wie tief er in seiner Seele verbunden war mit diesem Hinaufsteigen des Menschen auf diesem Pfad der mystischen Erkenntnis. Und dann sehen wir, es zeigt uns der Pater ecstaticus, wie die Seele innerlich etwa in der Art des Meister Eckart oder Johannes Taulers oder des Suso aufnimmt das göttliche Walten, so daß die Seele soweit kommt, mit dem Meister Eckart sich zu gestehen: «Nicht ich, sondern der Gott in mir will und denkt und fühlt.» Denn steigt die Seele weiter auf, so wird ihr aus der elementaren Welt die geistige Offenbarung in der Natur, wie wir das beim Pater profundus sehen, dessen Inneres sich ausdehnt über das Ganze, Allwaltende der Natur.
[ 9 ] Ich möchte dies ausdrücklich erwähnen, weil ich Ihnen sagen muß, daß Goethe dies nicht etwa unbewußt oder wie ein bloßes Phantasiebild hingeschrieben hat, sondern daß er sehr wohl bewandert war in diesen Dingen, daß er sie kannte, tief kannte. Also er läßt den Pater ecstaticus nicht einfach auf und ab schweben, weil es ihm so einfällt; wir müssen bedenken, daß Goethe ein Mann war, der von Filippo Neri so sprach. Das vertieft ungeheuer das Gefühl. Viel weniger auf geistreiche Erklärungen kommt es bei diesen Dingen an, viel mehr darauf, sich hineinzuversenken in Goethes Seele, wie tief er in seiner Seele verbunden war mit diesem Hinaufsteigen des Menschen auf diesem Pfad der mystischen Erkenntnis. Und dann sehen wir, es zeigt uns der Pater ecstaticus, wie die Seele innerlich etwa in der Art des Meister Eckart oder Johannes Taulers oder des Suso aufnimmt das göttliche Walten, so daß die Seele soweit kommt, mit dem Meister Eckart sich zu gestehen: «Nicht ich, sondern der Gott in mir will und denkt und fühlt.» Denn steigt die Seele weiter auf, so wird ihr aus der elementaren Welt die geistige Offenbarung in der Natur, wie wir das beim Pater profundus sehen, dessen Inneres sich ausdehnt über das Ganze, Allwaltende der Natur.
[ 10 ] Dann steigt die Menschenseele, indem sie das durchgemacht hat, hinauf zu dem unmittelbaren Verkehr mit der geistigen Welt, wie wir das beim Pater Seraphicus sehen, der nun wirklich in sein Bewußtsein hereinbekommt die Wahrnehmung von solchen Geistern, wie es die seligen Knaben sind, die Mitternachtsgeborenen, die als geistige Wesenheiten dadrinnen leben in all dem geistigen Weben und Leben, das sich zwischen den Wohnungen der Anachoreten und der Mönche hier entwickelt.
[ 10 ] Dann steigt die Menschenseele, indem sie das durchgemacht hat, hinauf zu dem unmittelbaren Verkehr mit der geistigen Welt, wie wir das beim Pater Seraphicus sehen, der nun wirklich in sein Bewußtsein hereinbekommt die Wahrnehmung von solchen Geistern, wie es die seligen Knaben sind, die Mitternachtsgeborenen, die als geistige Wesenheiten dadrinnen leben in all dem geistigen Weben und Leben, das sich zwischen den Wohnungen der Anachoreten und der Mönche hier entwickelt.
[ 11 ] So tritt uns ganz lebendig entgegen — und auf die Vorstellung dieses Lebendigen kommt es an -, daß Goethe Faustens Seele in die geistige Welt hinaufgeleitet, daß er aber dazu eine spirituelle Szenerie braucht. Wir können vermuten, wie die Natur zuerst in Bewegung gerät, wie sich das elementarische Leben aus der Natur heraus erhebt, wie dann die Naturwesen übergehen in die Bewußtseine, die immer höhere sind, mit der Seele übergehen in das Umfangen von geistigen Wesenheiten, wie es die seligen Knaben sind, und wie es dann sein können die Seelen der Büßerinnen und auch die Seele des Faust selber. In der ganzen spirituellen Szenerie steckt das darinnen. Und dann fortwährend wunderbare Steigerungen bis zum Schlusse hin, wo der Chorus mysticus das Weltgeheimnis ausspricht, wo wir sehen, wie unser geistiges Auge heraufgehoben wird in eine geistige Welt. Wir machen den Aufstieg mit von dem Stehen in der Natur und auf dem festen Boden des physischen Planes zu den geistigen Welten, in welche die Seele des Faust aufgenommen wird.
[ 11 ] So tritt uns ganz lebendig entgegen — und auf die Vorstellung dieses Lebendigen kommt es an -, daß Goethe Faustens Seele in die geistige Welt hinaufgeleitet, daß er aber dazu eine spirituelle Szenerie braucht. Wir können vermuten, wie die Natur zuerst in Bewegung gerät, wie sich das elementarische Leben aus der Natur heraus erhebt, wie dann die Naturwesen übergehen in die Bewußtseine, die immer höhere sind, mit der Seele übergehen in das Umfangen von geistigen Wesenheiten, wie es die seligen Knaben sind, und wie es dann sein können die Seelen der Büßerinnen und auch die Seele des Faust selber. In der ganzen spirituellen Szenerie steckt das darinnen. Und dann fortwährend wunderbare Steigerungen bis zum Schlusse hin, wo der Chorus mysticus das Weltgeheimnis ausspricht, wo wir sehen, wie unser geistiges Auge heraufgehoben wird in eine geistige Welt. Wir machen den Aufstieg mit von dem Stehen in der Natur und auf dem festen Boden des physischen Planes zu den geistigen Welten, in welche die Seele des Faust aufgenommen wird.
[ 12 ] Zu Goethes Lebzeiten war vom «Faust» nur veröffentlicht der erste Teil, wie wir ihn jetzt haben. Dann die Szene: «Anmutige Gegend», Faust auf blumigen Rasen gebettet. Dann einzelne Teile der Szene am «Kaiserhof» vom ersten Akt des zweiten Teiles. Darin ein Übergang zum Hingehen zu der «Klassischen Walpurgisnacht», diese aber selber nicht, und dann die «Helena-Szene».
[ 12 ] Zu Goethes Lebzeiten war vom «Faust» nur veröffentlicht der erste Teil, wie wir ihn jetzt haben. Dann die Szene: «Anmutige Gegend», Faust auf blumigen Rasen gebettet. Dann einzelne Teile der Szene am «Kaiserhof» vom ersten Akt des zweiten Teiles. Darin ein Übergang zum Hingehen zu der «Klassischen Walpurgisnacht», diese aber selber nicht, und dann die «Helena-Szene».
[ 13 ] Es haben sich manche Menschen Gedanken gemacht, noch zu Goethes Lebzeiten, wie der «Faust» vollendet werden könnte. Wenn man diese Gedanken verfolgt — und solche sind ja auch gedruckt worden -, so findet man überall, daß die Leute schon gewußt haben: Fausts Seele muß erlöst werden, muß in die geistige Welt hinaufkommen. Aber alle die Vorstellungen, die sich die Menschen gemacht haben, haben etwas - man kann es nicht anders sagen — abstrakt vages, etwas außerordentlich vages. Goethe sagte dann zu Eckermann einmal, daß er die christlichen Bilder zu Hilfe rufen mußte, um aus dem Vagen in das hineinzukommen, was er als eine geistige Wirklichkeit hinstellen wollte.
[ 13 ] Es haben sich manche Menschen Gedanken gemacht, noch zu Goethes Lebzeiten, wie der «Faust» vollendet werden könnte. Wenn man diese Gedanken verfolgt — und solche sind ja auch gedruckt worden -, so findet man überall, daß die Leute schon gewußt haben: Fausts Seele muß erlöst werden, muß in die geistige Welt hinaufkommen. Aber alle die Vorstellungen, die sich die Menschen gemacht haben, haben etwas - man kann es nicht anders sagen — abstrakt vages, etwas außerordentlich vages. Goethe sagte dann zu Eckermann einmal, daß er die christlichen Bilder zu Hilfe rufen mußte, um aus dem Vagen in das hineinzukommen, was er als eine geistige Wirklichkeit hinstellen wollte.
[ 14 ] Und so tritt uns denn noch einmal in Goethes höchstem Alter dieses Wunderbare entgegen. Bedenken Sie, daß Goethe hingeschrieben hat das ganze Heidnische, das ganze Vorchristliche: die Verbindung des Faust mit der Helena. Dann wiederum etwas, was gewiß nicht antichristlich ist: den vierten Akt des «Faust», daß er erst, nachdem er noch einmal untergetaucht ist in dasjenige, worin nicht unmittelbar christliche Impulse wirken, nachdem er noch einmal sich da durchgewunden hat wiederum, indem er das Rätsel des Faust im höchsten Sinne vor uns hinstellen soll, daß er erst im höchsten Alter aus allem Heidenkultus heraus in den «Faust» das Christentum hineinpflanzen muß. Achtzig Jahre mußte Goethe alt werden, damit er sich sagen kann, er ist imstande, die christliche Vorstellungen so zu verwenden, daß sie eine Umkleidung sind für den Weg, den die Seele des Faust zu gehen hat.
[ 14 ] Und so tritt uns denn noch einmal in Goethes höchstem Alter dieses Wunderbare entgegen. Bedenken Sie, daß Goethe hingeschrieben hat das ganze Heidnische, das ganze Vorchristliche: die Verbindung des Faust mit der Helena. Dann wiederum etwas, was gewiß nicht antichristlich ist: den vierten Akt des «Faust», daß er erst, nachdem er noch einmal untergetaucht ist in dasjenige, worin nicht unmittelbar christliche Impulse wirken, nachdem er noch einmal sich da durchgewunden hat wiederum, indem er das Rätsel des Faust im höchsten Sinne vor uns hinstellen soll, daß er erst im höchsten Alter aus allem Heidenkultus heraus in den «Faust» das Christentum hineinpflanzen muß. Achtzig Jahre mußte Goethe alt werden, damit er sich sagen kann, er ist imstande, die christliche Vorstellungen so zu verwenden, daß sie eine Umkleidung sind für den Weg, den die Seele des Faust zu gehen hat.
[ 15 ] Es sind wirklich von Goethe die Wege gemacht worden, die wir in der Geisteswissenschaft als Wege bezeichnen, den Christus-Impuls immer mehr und mehr zu begreifen. Und zu den Anfängen des Begreifens, die wir jetzt durchmachen konnten, werden in der Zukunft viele andere noch kommen, wenn wir einmal nicht mehr dabei sein können, oder in folgenden Inkarnationen dabei sein können. Mit dem, was von der Geisteswissenschaft durchgemacht werden muß, wurde von Goethe der Anfang gemacht: mit dem Durchdringen der Wirklichkeit dasjenige zu verbinden, was in unserer Seele strömt durch den Christus-Impuls. Und in ungeheurer Tiefe hat Goethe dies dargestellt, aber so, daß es immer anschaulich ist, daß es immer sachgemäß ist.
[ 15 ] Es sind wirklich von Goethe die Wege gemacht worden, die wir in der Geisteswissenschaft als Wege bezeichnen, den Christus-Impuls immer mehr und mehr zu begreifen. Und zu den Anfängen des Begreifens, die wir jetzt durchmachen konnten, werden in der Zukunft viele andere noch kommen, wenn wir einmal nicht mehr dabei sein können, oder in folgenden Inkarnationen dabei sein können. Mit dem, was von der Geisteswissenschaft durchgemacht werden muß, wurde von Goethe der Anfang gemacht: mit dem Durchdringen der Wirklichkeit dasjenige zu verbinden, was in unserer Seele strömt durch den Christus-Impuls. Und in ungeheurer Tiefe hat Goethe dies dargestellt, aber so, daß es immer anschaulich ist, daß es immer sachgemäß ist.
[ 16 ] Da steht die Natur vor uns. Der Chor der Mönche, der zunächst auf das Geistige hinweisend uns entgegentritt, sieht aus der Natur die Elemente hervorgehen, und zu den Elementen hinzu gesellen sich geistigseelische Wesenheiten, das kommt aus der Natur heraus. Das empfand Goethe schon als spezifisch christliche Anschauung. Es kommt beim Christentum nicht darauf an, daß man immer sagt: Christus, Christus und wieder Christus! Es kommt beim Christentum nicht darauf an, daß man die christlichen Dogmen immer wiederholt. Es ist eine Art, zu empfinden, sich zur Welt zu stellen. Und dieses Empfinden, dieses Sich-zur-Welt-Stellen kommt in einer wunderbaren Weise dadurch heraus, wie es bei Goethe dargestellt ist. Wie dieses Empfinden die letzten Szenen des «Faust» durchlebt und durchwebt, das ist in eminentestem Sinne christlich, und seine Christlichkeit tritt uns dadurch besonders entgegen, daß der ganze «Faust» — trotzdem manches Fragment und manches unvollendet geblieben ist — künstlerisch so groß, so gewaltig konzipiert ist, daß man erst nach und nach auf die gewaltige künstlerische Konzeption kommt.
[ 16 ] Da steht die Natur vor uns. Der Chor der Mönche, der zunächst auf das Geistige hinweisend uns entgegentritt, sieht aus der Natur die Elemente hervorgehen, und zu den Elementen hinzu gesellen sich geistigseelische Wesenheiten, das kommt aus der Natur heraus. Das empfand Goethe schon als spezifisch christliche Anschauung. Es kommt beim Christentum nicht darauf an, daß man immer sagt: Christus, Christus und wieder Christus! Es kommt beim Christentum nicht darauf an, daß man die christlichen Dogmen immer wiederholt. Es ist eine Art, zu empfinden, sich zur Welt zu stellen. Und dieses Empfinden, dieses Sich-zur-Welt-Stellen kommt in einer wunderbaren Weise dadurch heraus, wie es bei Goethe dargestellt ist. Wie dieses Empfinden die letzten Szenen des «Faust» durchlebt und durchwebt, das ist in eminentestem Sinne christlich, und seine Christlichkeit tritt uns dadurch besonders entgegen, daß der ganze «Faust» — trotzdem manches Fragment und manches unvollendet geblieben ist — künstlerisch so groß, so gewaltig konzipiert ist, daß man erst nach und nach auf die gewaltige künstlerische Konzeption kommt.
[ 17 ] Und es steht vor uns das breite natürliche Dasein des physischen Planes, das wir im echt christlichen Sinne übergehen sehen in das elementarische und echt geistige Dasein. Da hinein wird Faust geführt, nachdem er seine Verbindung mit der Helena, mit der antiken geistigen Welt durchgemacht hat. Da stehen wir auch geistigen Wesenheiten gegenüber. Helena wird heraufgeführt aus der Unterwelt. Faust begegnet sich mit ihnen. Von einem Chor ist sie umgeben, zwölf Chorpersönlichkeiten umgeben die Helena. Als die Helena wiederum zurückkehrt zur Unterwelt, da steht der Chor da, und der Chor zeigt sich uns an diesem Ende des dritten Aktes als noch nicht voll zur Menschlichkeit gereift wie elementarische Wesen. Und wie verschwindet der Chor im dritten Akt des zweiten Teiles des Goetheschen «Faust»? Das ist sehr interessant! Da haben wir es auch mit elementarischen Wesenheiten zu tun. Und als Helena verschwindet, verschwindet auch der Chor dieser elementarischen Wesenheiten. Der Chor teilt sich in vier Teile. Das eine Viertel des Chores, was wird es? Nun - je drei Personen des Chores beschreiben es selber, wie sie verschwinden: sie verschwinden hinein in die Natur. Da, wo Goethe das Heidnische darstellt, zeigt er uns die elementarischen Wesenheiten, die als der Zwölfchor um Helena stehen, die verschwinden jetzt, sie gehen in die Natur. Fühlen Sie es, wie der erste Teil des Chors hineingeht in die Natur:
[ 17 ] Und es steht vor uns das breite natürliche Dasein des physischen Planes, das wir im echt christlichen Sinne übergehen sehen in das elementarische und echt geistige Dasein. Da hinein wird Faust geführt, nachdem er seine Verbindung mit der Helena, mit der antiken geistigen Welt durchgemacht hat. Da stehen wir auch geistigen Wesenheiten gegenüber. Helena wird heraufgeführt aus der Unterwelt. Faust begegnet sich mit ihnen. Von einem Chor ist sie umgeben, zwölf Chorpersönlichkeiten umgeben die Helena. Als die Helena wiederum zurückkehrt zur Unterwelt, da steht der Chor da, und der Chor zeigt sich uns an diesem Ende des dritten Aktes als noch nicht voll zur Menschlichkeit gereift wie elementarische Wesen. Und wie verschwindet der Chor im dritten Akt des zweiten Teiles des Goetheschen «Faust»? Das ist sehr interessant! Da haben wir es auch mit elementarischen Wesenheiten zu tun. Und als Helena verschwindet, verschwindet auch der Chor dieser elementarischen Wesenheiten. Der Chor teilt sich in vier Teile. Das eine Viertel des Chores, was wird es? Nun - je drei Personen des Chores beschreiben es selber, wie sie verschwinden: sie verschwinden hinein in die Natur. Da, wo Goethe das Heidnische darstellt, zeigt er uns die elementarischen Wesenheiten, die als der Zwölfchor um Helena stehen, die verschwinden jetzt, sie gehen in die Natur. Fühlen Sie es, wie der erste Teil des Chors hineingeht in die Natur:
Wir, in dieser tausend Äste Flüsterzittern, Säuselschweben,
Reizen tänzelnd, locken leise, wurzelauf des Lebens Quellen
Nach den Zweigen; bald mit Blättern, bald mit Blüten überschwenglich
Zieren wir die Flatterhaare frei zu luftigem Gedeihn.
Wir, in dieser tausend Äste Flüsterzittern, Säuselschweben,
Reizen tänzelnd, locken leise, wurzelauf des Lebens Quellen
Nach den Zweigen; bald mit Blättern, bald mit Blüten überschwenglich
Zieren wir die Flatterhaare frei zu luftigem Gedeihn.
[ 18 ] Das heißt, diese Wesen des Chors werden Bäume, werden Natur. Sie dürfen uns dann, wenn sie uns wieder entgegenkommen, aus den christlichen Impulsen heraus entgegenkommen als
[ 18 ] Das heißt, diese Wesen des Chors werden Bäume, werden Natur. Sie dürfen uns dann, wenn sie uns wieder entgegenkommen, aus den christlichen Impulsen heraus entgegenkommen als
Waldung, sie schwankt heran.
Waldung, sie schwankt heran.
[ 19 ] Die heidnischen Elementargeister verschwinden in die Natur hinein, und sie treten da, wo der Christus-Impuls sich mit der Erde lebendig verbunden hat, wiederum hervor. Oh, wie wunderbar dieser Chor mit der Helena da verschwindet, und dann — wir wissen es aus der letzten Szene - als die Wesenheiten, die als selige Knaben den Christus-Impuls empfangen haben, heraustreten aus der Natur. Und nehmen Sie gleich noch den andern Teil des Chores:
[ 19 ] Die heidnischen Elementargeister verschwinden in die Natur hinein, und sie treten da, wo der Christus-Impuls sich mit der Erde lebendig verbunden hat, wiederum hervor. Oh, wie wunderbar dieser Chor mit der Helena da verschwindet, und dann — wir wissen es aus der letzten Szene - als die Wesenheiten, die als selige Knaben den Christus-Impuls empfangen haben, heraustreten aus der Natur. Und nehmen Sie gleich noch den andern Teil des Chores:
Wir, an dieser Felsenwände weithinleuchtend glattem Spiegel
Schmiegen wir, in sanften Wellen uns bewegend, schmeichelnd an;
Horchen, lauschen jedem Laute, Vogelsingen, Röhrigflöten.
Wir, an dieser Felsenwände weithinleuchtend glattem Spiegel
Schmiegen wir, in sanften Wellen uns bewegend, schmeichelnd an;
Horchen, lauschen jedem Laute, Vogelsingen, Röhrigflöten.
[ 20 ] Wahrhaftig, das sind dieselben Felsen, in die hineingeschlüpft sind diese Elementarwesen, die dann «anklammern», und aus denen uns herauskommen später die Wesen der geistigen Welt, die aus der Erde, nachdem sie den Christus-Impuls empfangen haben, herauskommen.
[ 20 ] Wahrhaftig, das sind dieselben Felsen, in die hineingeschlüpft sind diese Elementarwesen, die dann «anklammern», und aus denen uns herauskommen später die Wesen der geistigen Welt, die aus der Erde, nachdem sie den Christus-Impuls empfangen haben, herauskommen.
[ 21 ] Da sehen Sie, wie tief empfunden dieses Faust-Gedicht ist, wie da noch andere Zusammenhänge darinnen sind, als die gewöhnlich beobachteten. Und auf diese Zusammenhänge kommt es ja so sehr an. Dessen war sich Goethe bewußt. Daß er sich dessen bewußt war, geht aus einer ganz bestimmten Andeutung hervor, die Goethe geben wollte, als er noch nicht ganz fertig war mit dem dritten Akt des zweiten Teiles des «Faust». Er hatte ihn ungefähr bis zu dem Verschwinden der Helena und bis zu dem «In die Natur hineingehen» dieser elementarischen Chorwesenheiten vollendet, gerade bis zu dieser Szene, ungefähr so weit, als ich jetzt gelesen habe. Dann wollte er, was er in einer gewissen Weise getan hat zum Schlusse des dritten Aktes, aus der Phorkyas den Mephisto entstehen lassen, und nun sollte Mephisto aussprechen, was Goethe beim Abschluß seines «Faust» mit diesem Faust eigentlich gewollt hat. Daß er es gerade durch den Mund des Mephisto sprechen ließ, das liegt in Aufführungsgründen, weil Mephisto gewissermaßen derjenige ist, der den dritten Akt doch zustande bringt. Der dritte Akt ist ja als klassisch-romantische Phantasmagorie einverleibt dem «Faust». Mephisto ist gewissermaßen derjenige, der mit einer Art spiritistischen Laboratoriumsmagie den dritten Akt einführt, er soll sagen, was Goethe eigentlich will, indem er den «Faust» fortführt. In einer Zeit, in der Goethe schon einsieht, daß er ihm den Christus-Impuls einverleiben muß, da will er sagen durch den Mephistopheles: Gewiß, es hat immer Zeiten gegeben, welche erkannt haben, daß auf dem Grunde des Sinnendaseins spirituelles Dasein ruht. Wir können zurückgehen in die Mystik des alten Indiens, des alten Ägyptens: da hat man gewußt und dargestellt, daß auf dem Grunde des natürlichen Daseins Geistiges ist. Aber es ziemt uns nicht — wollte Goethe sagen -, heute dies Geistige so aufzufassen, wie es in diesen alten Mystiken aufgefaßt worden ist. Der Christus-Impuls hat etwas gegenüber allen alten Mystiken und gegenüber aller uralten Weisheit völlig Neues in die Welt gebracht. Das Alte kann uns nicht mehr dienen. — Das wollte Goethe sagen. Und ich behaupte es nicht nur, daß er es hat sagen wollen, sondern die Stelle ist erhalten, sie ist jetzt nicht im «Faust» darinnen, aber die Stelle ist erhalten, von Goethe konzipiert, von seinem Schreiber mit Korrekturen noch versehen, die Goethe angegeben hat. Dort ist am Ende des dritten Aktes gesagt, wie er den neueren Christus-Impuls gerade für seinen «Faust» fordert, wie er nicht etwa irgendeine uralte Weisheit will, sondern etwas völlig Neues im Sinne des Christus-Impulses. Denn Mephisto sollte, indem er vor das Publikum hintreten soll, die folgenden Worte sprechen:
[ 21 ] Da sehen Sie, wie tief empfunden dieses Faust-Gedicht ist, wie da noch andere Zusammenhänge darinnen sind, als die gewöhnlich beobachteten. Und auf diese Zusammenhänge kommt es ja so sehr an. Dessen war sich Goethe bewußt. Daß er sich dessen bewußt war, geht aus einer ganz bestimmten Andeutung hervor, die Goethe geben wollte, als er noch nicht ganz fertig war mit dem dritten Akt des zweiten Teiles des «Faust». Er hatte ihn ungefähr bis zu dem Verschwinden der Helena und bis zu dem «In die Natur hineingehen» dieser elementarischen Chorwesenheiten vollendet, gerade bis zu dieser Szene, ungefähr so weit, als ich jetzt gelesen habe. Dann wollte er, was er in einer gewissen Weise getan hat zum Schlusse des dritten Aktes, aus der Phorkyas den Mephisto entstehen lassen, und nun sollte Mephisto aussprechen, was Goethe beim Abschluß seines «Faust» mit diesem Faust eigentlich gewollt hat. Daß er es gerade durch den Mund des Mephisto sprechen ließ, das liegt in Aufführungsgründen, weil Mephisto gewissermaßen derjenige ist, der den dritten Akt doch zustande bringt. Der dritte Akt ist ja als klassisch-romantische Phantasmagorie einverleibt dem «Faust». Mephisto ist gewissermaßen derjenige, der mit einer Art spiritistischen Laboratoriumsmagie den dritten Akt einführt, er soll sagen, was Goethe eigentlich will, indem er den «Faust» fortführt. In einer Zeit, in der Goethe schon einsieht, daß er ihm den Christus-Impuls einverleiben muß, da will er sagen durch den Mephistopheles: Gewiß, es hat immer Zeiten gegeben, welche erkannt haben, daß auf dem Grunde des Sinnendaseins spirituelles Dasein ruht. Wir können zurückgehen in die Mystik des alten Indiens, des alten Ägyptens: da hat man gewußt und dargestellt, daß auf dem Grunde des natürlichen Daseins Geistiges ist. Aber es ziemt uns nicht — wollte Goethe sagen -, heute dies Geistige so aufzufassen, wie es in diesen alten Mystiken aufgefaßt worden ist. Der Christus-Impuls hat etwas gegenüber allen alten Mystiken und gegenüber aller uralten Weisheit völlig Neues in die Welt gebracht. Das Alte kann uns nicht mehr dienen. — Das wollte Goethe sagen. Und ich behaupte es nicht nur, daß er es hat sagen wollen, sondern die Stelle ist erhalten, sie ist jetzt nicht im «Faust» darinnen, aber die Stelle ist erhalten, von Goethe konzipiert, von seinem Schreiber mit Korrekturen noch versehen, die Goethe angegeben hat. Dort ist am Ende des dritten Aktes gesagt, wie er den neueren Christus-Impuls gerade für seinen «Faust» fordert, wie er nicht etwa irgendeine uralte Weisheit will, sondern etwas völlig Neues im Sinne des Christus-Impulses. Denn Mephisto sollte, indem er vor das Publikum hintreten soll, die folgenden Worte sprechen:
Genug, ihr seht ihn,
Genug, ihr seht ihn,
[ 22 ] - gemeint ist Euphorion —
[ 22 ] - gemeint ist Euphorion —
ob es gleich viel schlimmer ist
Als auf der britischen Bühne, wo ein kleines Kind
Sich nach und nach herauf zum Helden wächst.
Hier ist’s noch toller. Kaum ist er gezeugt,
So ist er auch geboren,
Er springt, tanzt und spricht ein zierlich Wort.
Tadeln viele das,
So denken andere, dies sei nicht so grad
Und gröblich zu verstehen, dahinter stecke was.
Man wittert wohl Mysterien, vielleicht auch gar
Mystifikationen, Indisches und auch
Agyptisches, und wer das recht zusammenkneipt,
Zusammenbraut, etymologisch hin und her
Sich zu bewegen Lust hat, ist der rechte Mann.
ob es gleich viel schlimmer ist
Als auf der britischen Bühne, wo ein kleines Kind
Sich nach und nach herauf zum Helden wächst.
Hier ist’s noch toller. Kaum ist er gezeugt,
So ist er auch geboren,
Er springt, tanzt und spricht ein zierlich Wort.
Tadeln viele das,
So denken andere, dies sei nicht so grad
Und gröblich zu verstehen, dahinter stecke was.
Man wittert wohl Mysterien, vielleicht auch gar
Mystifikationen, Indisches und auch
Agyptisches, und wer das recht zusammenkneipt,
Zusammenbraut, etymologisch hin und her
Sich zu bewegen Lust hat, ist der rechte Mann.
[ 23 ] Goethe ahnt schon etwas voraus von jenen Lehren, die gekommen sind und alles etymologisch zusammengebraut haben, er will aber von all denen nichts wissen, denn er läßt hier sagen:
[ 23 ] Goethe ahnt schon etwas voraus von jenen Lehren, die gekommen sind und alles etymologisch zusammengebraut haben, er will aber von all denen nichts wissen, denn er läßt hier sagen:
Wir sagen’s auch und unseres tiefen Sinnes wird
Der neueren Symbolik treuer Schüler sein.
Wir sagen’s auch und unseres tiefen Sinnes wird
Der neueren Symbolik treuer Schüler sein.
[ 24 ] Das spricht Goethe aus: nicht ägyptisch, nicht indisch, sondern «der neueren Symbolik treuer Schüler sein»!
[ 24 ] Das spricht Goethe aus: nicht ägyptisch, nicht indisch, sondern «der neueren Symbolik treuer Schüler sein»!
[ 25 ] Dann kam er dazu — nicht bloß, indem er etwa da oder dort ein Christliches angebracht hat, sondern indem er die ganze Art und Weise der Seele, sich zu stellen, in den Fluß seines Schaffens hineingeheimnißt hat -, auf diese Art den Christus-Impuls seinem «Faust» einzuverleiben. Und wie wir sehen, tut er das. Wir sehen, wie er wirklich den Gang der Mystik kennt an der Steigerung der drei Patres, und wir finden auf der andern Seite, wie er ganz wunderbar den erst einheitlichen Engelchor trennt in zwei Gruppen: in den Chor der jüngeren Engel und in den Chor der vollendeteren Engel. Und wenn man liest, was die jüngeren Engel sagen und was die vollendeteren Engel sagen, so finden wir wiederum etwas ganz Merkwürdiges. Nehmen Sie das, was die jüngeren Engel sagen zunächst:
[ 25 ] Dann kam er dazu — nicht bloß, indem er etwa da oder dort ein Christliches angebracht hat, sondern indem er die ganze Art und Weise der Seele, sich zu stellen, in den Fluß seines Schaffens hineingeheimnißt hat -, auf diese Art den Christus-Impuls seinem «Faust» einzuverleiben. Und wie wir sehen, tut er das. Wir sehen, wie er wirklich den Gang der Mystik kennt an der Steigerung der drei Patres, und wir finden auf der andern Seite, wie er ganz wunderbar den erst einheitlichen Engelchor trennt in zwei Gruppen: in den Chor der jüngeren Engel und in den Chor der vollendeteren Engel. Und wenn man liest, was die jüngeren Engel sagen und was die vollendeteren Engel sagen, so finden wir wiederum etwas ganz Merkwürdiges. Nehmen Sie das, was die jüngeren Engel sagen zunächst:
Jene Rosen, aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen
Jene Rosen, aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen
[ 26 ] - man muß sich an die vorhergehende Szene erinnern —
[ 26 ] - man muß sich an die vorhergehende Szene erinnern —
Halfen uns den Sieg gewinnen
Und das hohe Werk vollenden,
Diesen Seelenschatz erbeuten.
Böse wichen, als wir streuten,
Teufel flohen, als wir trafen.
Statt gewohnter Höllenstrafen
Fühlten Liebesqual die Geister;
Selbst der alte Satansmeister
War von spitzer Pein durchdrungen.
Jauchzet auf! es ist gelungen.
Halfen uns den Sieg gewinnen
Und das hohe Werk vollenden,
Diesen Seelenschatz erbeuten.
Böse wichen, als wir streuten,
Teufel flohen, als wir trafen.
Statt gewohnter Höllenstrafen
Fühlten Liebesqual die Geister;
Selbst der alte Satansmeister
War von spitzer Pein durchdrungen.
Jauchzet auf! es ist gelungen.
[ 27 ] Aber die Engel sind schon in den vorhergehenden Szenen wahrzunehmen. Das sind jetzt die Jüngeren Engel. Man kann gar nicht sagen, wie tief man berührt ist, wenn man das Sachgemäße einer solchen Darstellung auf sich wirken läßt. Die jüngeren Engel — weshalb das, die jüngeren Engel? Das heißt: sie sind jünger, sie haben noch nicht so viel Zusammenhang mit der irdischen Welt.
[ 27 ] Aber die Engel sind schon in den vorhergehenden Szenen wahrzunehmen. Das sind jetzt die Jüngeren Engel. Man kann gar nicht sagen, wie tief man berührt ist, wenn man das Sachgemäße einer solchen Darstellung auf sich wirken läßt. Die jüngeren Engel — weshalb das, die jüngeren Engel? Das heißt: sie sind jünger, sie haben noch nicht so viel Zusammenhang mit der irdischen Welt.
[ 28 ] Die Engel sind in der vorchristlichen Zeit diejenigen Wesen, welche überhaupt ihr Antlitz verhüllen vor der Menschwerdung auf Erden, welche sich in der vorchristlichen Zeit in das nicht mischen, was da irdisch unten vorgeht. Sie bleiben ganz oben in geistigen Sphären.
[ 28 ] Die Engel sind in der vorchristlichen Zeit diejenigen Wesen, welche überhaupt ihr Antlitz verhüllen vor der Menschwerdung auf Erden, welche sich in der vorchristlichen Zeit in das nicht mischen, was da irdisch unten vorgeht. Sie bleiben ganz oben in geistigen Sphären.
[ 29 ] Nun denken Sie einmal, wie charakteristisch diese jüngeren Engel, die noch nicht den Anschluß gefunden haben an die christliche Sphäre, sondern die da oben sind, die noch nicht heruntergestiegen sind während der christlichen Sphäre, wie charakteristisch diese sind! Denken Sie daran, wie die Elohim bei der Schöpfung der Welt charakterisiert sind. Nachdem uns die Schöpfung von Tag zu Tag dargestellt wird, wird uns dann am Schlusse gesagt: «Und sie sahen, daß es gut war», oder «schön» war. Es ist das Wort schwierig zu übersetzen, das da steht. Das heißt, die Elohim sind solche geistige Wesen, daß sie zuerst die Dinge machen und nachher sehen, daß es schön war. Das ist es, worauf es ankommt. Das ist die andere Art von Wesenheiten, die auf dem alten Monde ihre Vollendung erlangt haben, und nun ins Erdendasein geistig übergehen, zuerst tun und dann schauen und wahrnehmen, daß es gelungen ist. Diese jüngeren Engel müssen die Wahrnehmung dieser geistigen Wesenheiten haben, sie müssen zuerst sagen, was sie getan haben. Jetzt werden sie gewahr, daß sie Rosen gestreut haben aus den Händen der Büßerinnen, daß sie selbst dem alten Satansmeister Pein gemacht haben.
[ 29 ] Nun denken Sie einmal, wie charakteristisch diese jüngeren Engel, die noch nicht den Anschluß gefunden haben an die christliche Sphäre, sondern die da oben sind, die noch nicht heruntergestiegen sind während der christlichen Sphäre, wie charakteristisch diese sind! Denken Sie daran, wie die Elohim bei der Schöpfung der Welt charakterisiert sind. Nachdem uns die Schöpfung von Tag zu Tag dargestellt wird, wird uns dann am Schlusse gesagt: «Und sie sahen, daß es gut war», oder «schön» war. Es ist das Wort schwierig zu übersetzen, das da steht. Das heißt, die Elohim sind solche geistige Wesen, daß sie zuerst die Dinge machen und nachher sehen, daß es schön war. Das ist es, worauf es ankommt. Das ist die andere Art von Wesenheiten, die auf dem alten Monde ihre Vollendung erlangt haben, und nun ins Erdendasein geistig übergehen, zuerst tun und dann schauen und wahrnehmen, daß es gelungen ist. Diese jüngeren Engel müssen die Wahrnehmung dieser geistigen Wesenheiten haben, sie müssen zuerst sagen, was sie getan haben. Jetzt werden sie gewahr, daß sie Rosen gestreut haben aus den Händen der Büßerinnen, daß sie selbst dem alten Satansmeister Pein gemacht haben.
[ 30 ] So sachgemäß schreibt Goethe, daß er weiß: Wesenheiten, die nicht in Berührung gekommen sind mit der christlichen Welt, erkennen erst nachher die Schönheit, die Güte des Getanen:
[ 30 ] So sachgemäß schreibt Goethe, daß er weiß: Wesenheiten, die nicht in Berührung gekommen sind mit der christlichen Welt, erkennen erst nachher die Schönheit, die Güte des Getanen:
Jene Rosen, aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen
Halfen uns den Sieg gewinnen ...
Jene Rosen, aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen
Halfen uns den Sieg gewinnen ...
[ 31 ] Daß der Sieg gewonnen ist, kommt hinterher. Sie sehen, ich spintisiere nicht!
[ 31 ] Daß der Sieg gewonnen ist, kommt hinterher. Sie sehen, ich spintisiere nicht!
Nebelnd um Felsenhöh’
Spür’ ich so eben,
Regend sich in der
Näh’ Ein Geisterleben.
Die Wölkchen werden klar;
Ich seh’ bewegte Schar
Seliger Knaben,
Los von der Erde Druck,
Im Kreis gesellt,
Die sich erlaben
Am neuen Lenz und Schmuck
er obern Welt.
Sei er zum Anbeginn
Steigendem Vollgewinn
Diesen gesellt!
Nebelnd um Felsenhöh’
Spür’ ich so eben,
Regend sich in der
Näh’ Ein Geisterleben.
Die Wölkchen werden klar;
Ich seh’ bewegte Schar
Seliger Knaben,
Los von der Erde Druck,
Im Kreis gesellt,
Die sich erlaben
Am neuen Lenz und Schmuck
er obern Welt.
Sei er zum Anbeginn
Steigendem Vollgewinn
Diesen gesellt!
[ 32 ] Die seligen Knaben sind längst da, und sie haben etwas zu tun mit dem Erscheinen dieser Engel, aber die Engel merken es erst, daß sie da sind, als das Ganze in Szene gesetzt ist. Das alles ist Goethe voll bewußt. Sie tragen nicht dasjenige an der Seele des Faust, was mit der Erde in Verbindung ist, das müssen diejenigen tragen, die etwas älter, vollendeter geworden sind, die durch das Mysterium von Golgatha mit hinuntergekommen sind und in Berührung gelangt sind mit dem Irdischen.
[ 32 ] Die seligen Knaben sind längst da, und sie haben etwas zu tun mit dem Erscheinen dieser Engel, aber die Engel merken es erst, daß sie da sind, als das Ganze in Szene gesetzt ist. Das alles ist Goethe voll bewußt. Sie tragen nicht dasjenige an der Seele des Faust, was mit der Erde in Verbindung ist, das müssen diejenigen tragen, die etwas älter, vollendeter geworden sind, die durch das Mysterium von Golgatha mit hinuntergekommen sind und in Berührung gelangt sind mit dem Irdischen.
Uns bleibt ein Erdenrest
Uns bleibt ein Erdenrest
[ 33 ] sagen die vollendeteren Engel, nicht die jüngeren
[ 33 ] sagen die vollendeteren Engel, nicht die jüngeren
Zu tragen peinlich,
Und wär’ er von Asbest,
Er ist nicht reinlich.
Zu tragen peinlich,
Und wär’ er von Asbest,
Er ist nicht reinlich.
[ 34 ] Und dann erklären sie, daß sie nun durch das Mysterium von Golgatha schon die Einsicht erlangt haben, vor der die andern Engel das Angesicht verhüllen, wie sich Geisteskraft verbindet mit den Elementen, die der Natur des irdischen Lebens beigemischt sind. Das ist etwas ganz Gewaltiges, wahrzunehmen, wie sach- und fachgemäß Goethe schildert, wie er so die einzelnen Glieder der geistigen Welt richtig zu charakterisieren weiß. Wenn man vergleicht, was andere, die auch Geister darstellen wollten, für buntes, charakterloses Zeug zusammenschmieden, so nimmt sich das manchmal geradeso aus, wie wenn irgendeiner die äußere Natur schildern wollte und sagen würde: Ach, ich ging über Wald und Wiese und sah auf den Wiesen so wunderbare blaue Rosen und so wunderbare gelbe Zichorien und so wunderschöne rote und gelbe Veilchen und ähnliches -, was alles nicht paßt. Derjenige, der die geistige Welt kennt, empfindet manche Schilderung als ungemein tölpisch, weil alles nicht stimmt. Bei Goethe stimmt alles! Das ist das Wesentliche, wahrzunehmen nicht eine spintisierte Interpretation, sondern wahrzunehmen, wie diese Seele in der geistigen Welt darinnen wurzelt in dem Moment, wo sie sich vornimmt, nun aus ihr selbst heraus ein geistiges Ereignis zu schildern, wie es der Aufstieg des Faust in die geistige Welt ist. Und dabei das im eminentesten Sinne Künstlerische, künstlerisch Kompositionelle in dem Spirituellen darinnen!
[ 34 ] Und dann erklären sie, daß sie nun durch das Mysterium von Golgatha schon die Einsicht erlangt haben, vor der die andern Engel das Angesicht verhüllen, wie sich Geisteskraft verbindet mit den Elementen, die der Natur des irdischen Lebens beigemischt sind. Das ist etwas ganz Gewaltiges, wahrzunehmen, wie sach- und fachgemäß Goethe schildert, wie er so die einzelnen Glieder der geistigen Welt richtig zu charakterisieren weiß. Wenn man vergleicht, was andere, die auch Geister darstellen wollten, für buntes, charakterloses Zeug zusammenschmieden, so nimmt sich das manchmal geradeso aus, wie wenn irgendeiner die äußere Natur schildern wollte und sagen würde: Ach, ich ging über Wald und Wiese und sah auf den Wiesen so wunderbare blaue Rosen und so wunderbare gelbe Zichorien und so wunderschöne rote und gelbe Veilchen und ähnliches -, was alles nicht paßt. Derjenige, der die geistige Welt kennt, empfindet manche Schilderung als ungemein tölpisch, weil alles nicht stimmt. Bei Goethe stimmt alles! Das ist das Wesentliche, wahrzunehmen nicht eine spintisierte Interpretation, sondern wahrzunehmen, wie diese Seele in der geistigen Welt darinnen wurzelt in dem Moment, wo sie sich vornimmt, nun aus ihr selbst heraus ein geistiges Ereignis zu schildern, wie es der Aufstieg des Faust in die geistige Welt ist. Und dabei das im eminentesten Sinne Künstlerische, künstlerisch Kompositionelle in dem Spirituellen darinnen!
[ 35 ] Ich habe einmal versucht, Ihnen zu zeigen, wie, ganz abgesehen von dem, was das Johannes-Evangelium sonst ist, einfach in der Stimmung des Johannes-Evangeliums etwas liegt, was es zugleich zu einem der größten Kunstwerke macht. Erinnern Sie sich an den Kasseler Zyklus über das Johannes-Evangelium! Wirklich, solche künstlerischen Bestrebungen, die im Spirituellen das Künstlerisch-Vollkommene anstreben, finden wir überall im «Faust» darinnen, so aber, daß das Künstlerische darinnen wirklich, indem es künstlerisch ist, zugleich spirituell richtig ist. Das ist das Bedeutsame. Denn darauf kommt es an, daß die Welt immer mehr und mehr einsieht, daß das, was aus dem Geiste heraus wirklich erkannt und erfahren wird, das Richtige ist, auch wenn es in die Welt hineingestellt ist. Das, was aus dem Geistigen heraus spintisiert wird, das nimmt sich gewöhnlich in der Welt wie ein Kartenhaus aus. Das aber, was aus dem Geistigen heraus erkannt ist, läßt sich in die Welt hineinstellen,
[ 35 ] Ich habe einmal versucht, Ihnen zu zeigen, wie, ganz abgesehen von dem, was das Johannes-Evangelium sonst ist, einfach in der Stimmung des Johannes-Evangeliums etwas liegt, was es zugleich zu einem der größten Kunstwerke macht. Erinnern Sie sich an den Kasseler Zyklus über das Johannes-Evangelium! Wirklich, solche künstlerischen Bestrebungen, die im Spirituellen das Künstlerisch-Vollkommene anstreben, finden wir überall im «Faust» darinnen, so aber, daß das Künstlerische darinnen wirklich, indem es künstlerisch ist, zugleich spirituell richtig ist. Das ist das Bedeutsame. Denn darauf kommt es an, daß die Welt immer mehr und mehr einsieht, daß das, was aus dem Geiste heraus wirklich erkannt und erfahren wird, das Richtige ist, auch wenn es in die Welt hineingestellt ist. Das, was aus dem Geistigen heraus spintisiert wird, das nimmt sich gewöhnlich in der Welt wie ein Kartenhaus aus. Das aber, was aus dem Geistigen heraus erkannt ist, läßt sich in die Welt hineinstellen,
[ 36 ] Solches wurde erstrebt bei der ganzen Architektur unseres Baues, daß er wirklich aus dem Geistigen heraus erzeugt ist. Daher ist auch alles ausführbar. Um so weniger Skrupel macht es einem, wenn da oder dort Menschen kommen und sagen: das gefiele ihnen nicht und das gefiele ihnen nicht. Es gibt solche Leute, die das oder jenes an unserem Bau zu tadeln haben. Aber, wenn man die Welt ein bißchen kennt und weiß, daß oder inwiefern die Menschen zu dem Chor derjenigen gehören, die derart Goethe interpretieren wie jener Herr, von dem ich Ihnen erzählt habe, so macht man sich aus all dem Tadel nichts, denn jener Herr zum Beispiel, der erwähnt wurde, könnte sagen, was er will über unseren Bau und unsere Denkungsweise und so weiter, es würde einem nicht zu imponieren brauchen. Und solchen Geistes sind ja schließlich die Leute. Man muß nur ein wenig das Leben kennen. Aber dasjenige, was aus dem Geistigen heraus geboren ist, wird möglich, da es zu gleicher Zeit Geist und zugleich Künstlerschaft ist.
[ 36 ] Solches wurde erstrebt bei der ganzen Architektur unseres Baues, daß er wirklich aus dem Geistigen heraus erzeugt ist. Daher ist auch alles ausführbar. Um so weniger Skrupel macht es einem, wenn da oder dort Menschen kommen und sagen: das gefiele ihnen nicht und das gefiele ihnen nicht. Es gibt solche Leute, die das oder jenes an unserem Bau zu tadeln haben. Aber, wenn man die Welt ein bißchen kennt und weiß, daß oder inwiefern die Menschen zu dem Chor derjenigen gehören, die derart Goethe interpretieren wie jener Herr, von dem ich Ihnen erzählt habe, so macht man sich aus all dem Tadel nichts, denn jener Herr zum Beispiel, der erwähnt wurde, könnte sagen, was er will über unseren Bau und unsere Denkungsweise und so weiter, es würde einem nicht zu imponieren brauchen. Und solchen Geistes sind ja schließlich die Leute. Man muß nur ein wenig das Leben kennen. Aber dasjenige, was aus dem Geistigen heraus geboren ist, wird möglich, da es zu gleicher Zeit Geist und zugleich Künstlerschaft ist.
[ 37 ] Und da möchte ich heute wenigstens noch auf eines hinweisen. Drei Büßerinnen im Verein mit der Büßerin, die sonst Gretchen genannt wird, treten uns entgegen. Ja, der Künstler macht das niemals so — der echte, wahre Künstler —, daß er sagt: Nun, ich will drei Büßerinnen auftreten lassen. Wo gibt es denn drei Büßerinnen? - Allerdings kann man auch im Leben allerlei Leute kennenlernen. So gibt es Leute, wirklich, solche Leute, die nehmen ein Reimlexikon und dichten darnach, man kann im Alphabet aufschlagen — was sich darauf reimt — und dann kommt die zweite Zeile und so weiter. Ich kannte auch solche Leute. Aber nicht einmal das macht der wahre Dichter, der ein Künstler ist, daß er etwa drei Büßerinnen in beliebiger Weise nimmt, sondern hier bringt er - das tritt besonders charakteristisch bei Goethe hervor — wiederum eine jener wunderbaren Steigerungen, einen Fall wunderbarer innerer Komposition, die zu gleicher Zeit sachlich treffend und richtig ist. Was sollen denn die drei Büßerinnen: zunächst die Maria Magdalena, dann die Samariterin am Brunnen, und dann gar die ägyptische Maria, was sollen sie? Nun, ich habe schon angedeutet. Sie sollen uns zeigen, daß in der weiblichen Natur ein Ewiges — «ewiger Liebe Dauerstern» - ist, daß der gewissermaßen nicht angefressen werden kann, will Goethe sagen, wenn sich verbindet mit der weiblichen Seele, auch mit der Schuld, die Liebe, die Liebe, die der Christus gebracht hat, trotzdem sie im äußeren Leben durchaus nicht Mustermenschen waren, aber ihre Seele war so geartet, daß sie die Liebe verstehen konnten. Wird das nun richtig gedacht, so müssen wir sagen: Ja, so etwas, was wie der Christus-Impuls sich in der Welt ausbreitet, zuerst ergreift er das Nächste, dann ergreift er das Weitere, dann ergreift er das Weiteste. -— Und es wäre nun schön, wenn sich der Liebesimpuls des Christus wie eine Welle ausbreitete, wenn er auch die Schuldigen ergriffe und die Schuldigen überstrahlte, immer weitere Kreise ziehend. Also, die Maria Magdalena, die jüdische, die Hebräerin, unmittelbar aus dem Lande, das innig im Judentum verbunden war mit dem Christus Jesus: die nächste Umgebung wird von der christlichen Liebe ergriffen. Dann geht er schon hinaus, der Christus, aus dem Bereich des Judentums, aber noch in die nächste Region, zu den Samaritern, die keine Volksgemeinschaft mit den Juden haben: der zweite Kreis. Und dann kommt er zum dritten Kreis. Sie wissen, dasjenige, was sehr ferne dem Christentum vorgestellt wird, wird als das Agyptertum vorgestellt: die ägyptische Maria. Sie kommt aus dem, was noch weit fremder draußen in der heidnischen Welt liegt, was nun ergriffen wird in einer fernen Weise, wie durch eine unsichtbare Hand zurückgedrängt wegen der Sünde von der Kreuzesberührung, und nur abbüßend die Schuld durch eine vierzigjährige Buße: wie weit schlagen die Wellen der Liebe da hinaus!
[ 37 ] Und da möchte ich heute wenigstens noch auf eines hinweisen. Drei Büßerinnen im Verein mit der Büßerin, die sonst Gretchen genannt wird, treten uns entgegen. Ja, der Künstler macht das niemals so — der echte, wahre Künstler —, daß er sagt: Nun, ich will drei Büßerinnen auftreten lassen. Wo gibt es denn drei Büßerinnen? - Allerdings kann man auch im Leben allerlei Leute kennenlernen. So gibt es Leute, wirklich, solche Leute, die nehmen ein Reimlexikon und dichten darnach, man kann im Alphabet aufschlagen — was sich darauf reimt — und dann kommt die zweite Zeile und so weiter. Ich kannte auch solche Leute. Aber nicht einmal das macht der wahre Dichter, der ein Künstler ist, daß er etwa drei Büßerinnen in beliebiger Weise nimmt, sondern hier bringt er - das tritt besonders charakteristisch bei Goethe hervor — wiederum eine jener wunderbaren Steigerungen, einen Fall wunderbarer innerer Komposition, die zu gleicher Zeit sachlich treffend und richtig ist. Was sollen denn die drei Büßerinnen: zunächst die Maria Magdalena, dann die Samariterin am Brunnen, und dann gar die ägyptische Maria, was sollen sie? Nun, ich habe schon angedeutet. Sie sollen uns zeigen, daß in der weiblichen Natur ein Ewiges — «ewiger Liebe Dauerstern» - ist, daß der gewissermaßen nicht angefressen werden kann, will Goethe sagen, wenn sich verbindet mit der weiblichen Seele, auch mit der Schuld, die Liebe, die Liebe, die der Christus gebracht hat, trotzdem sie im äußeren Leben durchaus nicht Mustermenschen waren, aber ihre Seele war so geartet, daß sie die Liebe verstehen konnten. Wird das nun richtig gedacht, so müssen wir sagen: Ja, so etwas, was wie der Christus-Impuls sich in der Welt ausbreitet, zuerst ergreift er das Nächste, dann ergreift er das Weitere, dann ergreift er das Weiteste. -— Und es wäre nun schön, wenn sich der Liebesimpuls des Christus wie eine Welle ausbreitete, wenn er auch die Schuldigen ergriffe und die Schuldigen überstrahlte, immer weitere Kreise ziehend. Also, die Maria Magdalena, die jüdische, die Hebräerin, unmittelbar aus dem Lande, das innig im Judentum verbunden war mit dem Christus Jesus: die nächste Umgebung wird von der christlichen Liebe ergriffen. Dann geht er schon hinaus, der Christus, aus dem Bereich des Judentums, aber noch in die nächste Region, zu den Samaritern, die keine Volksgemeinschaft mit den Juden haben: der zweite Kreis. Und dann kommt er zum dritten Kreis. Sie wissen, dasjenige, was sehr ferne dem Christentum vorgestellt wird, wird als das Agyptertum vorgestellt: die ägyptische Maria. Sie kommt aus dem, was noch weit fremder draußen in der heidnischen Welt liegt, was nun ergriffen wird in einer fernen Weise, wie durch eine unsichtbare Hand zurückgedrängt wegen der Sünde von der Kreuzesberührung, und nur abbüßend die Schuld durch eine vierzigjährige Buße: wie weit schlagen die Wellen der Liebe da hinaus!
[ 38 ] Wir sehen sie wirklich, die Wellen der Liebe, wie sie sich ausbreiten, und wir verstehen etwas von dem, was sich allmählich zusammenkristallisiert in Goethes Vorstellung als das, was er dann zum Schlusse als das «Ewig-Weibliche» bezeichnet, in dessen Auffassung jede Spur von Niedrigkeit entfernt bleiben muß.
[ 38 ] Wir sehen sie wirklich, die Wellen der Liebe, wie sie sich ausbreiten, und wir verstehen etwas von dem, was sich allmählich zusammenkristallisiert in Goethes Vorstellung als das, was er dann zum Schlusse als das «Ewig-Weibliche» bezeichnet, in dessen Auffassung jede Spur von Niedrigkeit entfernt bleiben muß.
[ 39 ] Und dem, was da sich ausbreitet an Liebe, entspricht genau, ich möchte sagen der Tonfall, die ganze Art und Weise, wie Goethe die Worte in den Mund genommen hat. Versuchen Sie nur einmal, jene wunderbare Steigerung herauszufinden, die nun in der eigentümlichen Empfindung, rhythmischen Bildung der Worte liegt:
[ 39 ] Und dem, was da sich ausbreitet an Liebe, entspricht genau, ich möchte sagen der Tonfall, die ganze Art und Weise, wie Goethe die Worte in den Mund genommen hat. Versuchen Sie nur einmal, jene wunderbare Steigerung herauszufinden, die nun in der eigentümlichen Empfindung, rhythmischen Bildung der Worte liegt:
Bei der Liebe, die den Füßen
Deines gottverklärten Sohnes
Tränen ließ zum Balsam fließen,
Trotz des Pharisäerhohnes;
Beim Gefäße, das so reichlich
Tropfte Wohlgeruch hernieder;
Bei den Locken, die so weichlich
Trockneten die heil’gen Glieder
Bei der Liebe, die den Füßen
Deines gottverklärten Sohnes
Tränen ließ zum Balsam fließen,
Trotz des Pharisäerhohnes;
Beim Gefäße, das so reichlich
Tropfte Wohlgeruch hernieder;
Bei den Locken, die so weichlich
Trockneten die heil’gen Glieder
[ 40 ] Wir fühlen etwas, wie das Rieseln in der Nähe.
[ 40 ] Wir fühlen etwas, wie das Rieseln in der Nähe.
Bei dem Bronn, zu dem schon
weiland Abram ließ die Herde führen,
Bei dem Eimer, der dem Heiland
Kühl die Lippe durft’ berühren;
Bei der reinen, reichen Quelle,
Die nun dorther sich ergießet,
Überflüssig, ewig helle,
Rings durch alle Welten fließer —
Bei dem Bronn, zu dem schon
weiland Abram ließ die Herde führen,
Bei dem Eimer, der dem Heiland
Kühl die Lippe durft’ berühren;
Bei der reinen, reichen Quelle,
Die nun dorther sich ergießet,
Überflüssig, ewig helle,
Rings durch alle Welten fließer —
[ 41 ] Denken Sie, wie sich das weitet! Wir sind eigentlich mit der ganzen Vorstellung in unmittelbarer Nähe der Person des Christus. Dann werden noch ganze Welten in dem Naturvorstellen aufgenommen. Und dann, indem wir zur ägyptischen Maria kommen:
[ 41 ] Denken Sie, wie sich das weitet! Wir sind eigentlich mit der ganzen Vorstellung in unmittelbarer Nähe der Person des Christus. Dann werden noch ganze Welten in dem Naturvorstellen aufgenommen. Und dann, indem wir zur ägyptischen Maria kommen:
Bei dem hochgeweihten Orte,
Wo den Herrn man niederließ;
Bei dem Arm, der von der. Pforte
Warnend mich zurücke stieß;
Bei dem hochgeweihten Orte,
Wo den Herrn man niederließ;
Bei dem Arm, der von der. Pforte
Warnend mich zurücke stieß;
[ 42 ] Das Unsichtbare, das Spirituelle wird unmittelbar angeschlagen. Noch einmal eine Steigerung! Es ist nicht so, daß man erst mit dem Verstand herauszufinden braucht, daß diese drei Kreise wirklich da sind. Man muß sie empfinden, indem die Worte ausgesprochen werden. Das ist das Bedeutsame.
[ 42 ] Das Unsichtbare, das Spirituelle wird unmittelbar angeschlagen. Noch einmal eine Steigerung! Es ist nicht so, daß man erst mit dem Verstand herauszufinden braucht, daß diese drei Kreise wirklich da sind. Man muß sie empfinden, indem die Worte ausgesprochen werden. Das ist das Bedeutsame.
[ 43 ] Und wir wollen nun folgendes bedenken. Wir haben in jahrelangen Betrachtungen die Tatsache durchgemacht, daß sich vor unserer Erdenentwickelung eine Saturnzeit entwickelt hat, dann eine Sonnenzeit, dann eine Mondenzeit, und daß wir jetzt bei der Erdenzeit stehen. Der Mensch hat gewissermaßen alles dasjenige mitgemacht, was durch diese Entwickelungsstadien durchgegangen ist. Worin liest denn das Wesentliche dieser Entwickelungsstadien? Das liegt darin, daß diese Zeiten einmal da waren und wieder vergangen sind, und daß die Erdenzeit aufgegangen ist. Der Mensch hat aber vor der Erdenzeit Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit mitgemacht, und er trägt die Wirkung dieser Zeiten in seinem Inneren. Wenn wir nun den heutigen Menschen mit den Mitteln der Geisteswissenschaft untersuchen, dann finden wir, daß der physische Leib, indem er seine erste Anlage auf dem Saturn erlangt hat, sich dann weiter entwickelt durch die Sonne, durch den Mond hindurch bis zur Erde, wo er sich neuerdings mit kosmischen Mächten verbunden hat, um etwas Neues an sich heranzunehmen. Was der physische Leib des Menschen durch die drei Stadien durchgemacht hat — und dadurch berühren wir den Saum eines bedeutsamen Mysteriums -, insofern es der physische Leib durchgemacht hat, das ist auf der Erde als deutlichste Wirkung in der Konstitution der inneren weiblichen Organe zum Ausdruck gekommen. Das Innere der weiblichen Organisation, sowohl des Physisch-Leiblichen, wie alles desjenigen, was in Verbindung mit dem physischen Leib auch als Seele zum Ausdruck kommt, das trägt die Wirkungen von Saturn, Sonne und Mond im eminentesten Sinne an sich. Es wird nicht umsonst in der Bibel erzählt, daß die Elohim den Staub, das heißt dasjenige, was auf der Erde erst hinzugetreten ist, so wie Luft und Wasser - man meint mit «Staub» das irdische Element — nahmen, um den Adam zu formen, den Mann. Aus dem Kosmos heraus wird zunächst dem Makrokosmischen, welches das Weib herüberträgt von Saturn, Sonne und Mond, das Männliche hinzugefügt. Es liegt ein tiefes Geheimnis über demjenigen, was auf der Erde sich als männlich und weiblich gegenübersteht. Selbstverständlich bezieht sich das eben Gesagte nur auf das, was eben in der Organisation des Menschen das Männliche und Weibliche zum Ausdruck bringt. Und dieses Mysterium hängt zusammen mit der ganzen Erdenwelt, hängt zusammen mit den Fähigkeiten, die dem Weibe nur als Weib eigen sind während der Erdenentwickelung, damit, daß im Inneren des Weibes herübergetragen wird das Makrokosmische der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung und in den Mikrokosmos des Weibes aufgenommen wird, während der Makrokosmos der eben vorhergehenden Erdenentwickelung in den Mikrokosmos des Mannes aufgenommen wird. In einer ganz besonderen Weise tragen das Weibliche und das Männliche in sich den ganzen Kosmos. Und wenn ich oftmals hier ausgesprochen habe, daß der Mensch überhaupt den ganzen Makrokosmos in sich trägt, so trägt ihn die weibliche und die männliche Organisation in einer verschiedenen Weise in sich.
[ 43 ] Und wir wollen nun folgendes bedenken. Wir haben in jahrelangen Betrachtungen die Tatsache durchgemacht, daß sich vor unserer Erdenentwickelung eine Saturnzeit entwickelt hat, dann eine Sonnenzeit, dann eine Mondenzeit, und daß wir jetzt bei der Erdenzeit stehen. Der Mensch hat gewissermaßen alles dasjenige mitgemacht, was durch diese Entwickelungsstadien durchgegangen ist. Worin liest denn das Wesentliche dieser Entwickelungsstadien? Das liegt darin, daß diese Zeiten einmal da waren und wieder vergangen sind, und daß die Erdenzeit aufgegangen ist. Der Mensch hat aber vor der Erdenzeit Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit mitgemacht, und er trägt die Wirkung dieser Zeiten in seinem Inneren. Wenn wir nun den heutigen Menschen mit den Mitteln der Geisteswissenschaft untersuchen, dann finden wir, daß der physische Leib, indem er seine erste Anlage auf dem Saturn erlangt hat, sich dann weiter entwickelt durch die Sonne, durch den Mond hindurch bis zur Erde, wo er sich neuerdings mit kosmischen Mächten verbunden hat, um etwas Neues an sich heranzunehmen. Was der physische Leib des Menschen durch die drei Stadien durchgemacht hat — und dadurch berühren wir den Saum eines bedeutsamen Mysteriums -, insofern es der physische Leib durchgemacht hat, das ist auf der Erde als deutlichste Wirkung in der Konstitution der inneren weiblichen Organe zum Ausdruck gekommen. Das Innere der weiblichen Organisation, sowohl des Physisch-Leiblichen, wie alles desjenigen, was in Verbindung mit dem physischen Leib auch als Seele zum Ausdruck kommt, das trägt die Wirkungen von Saturn, Sonne und Mond im eminentesten Sinne an sich. Es wird nicht umsonst in der Bibel erzählt, daß die Elohim den Staub, das heißt dasjenige, was auf der Erde erst hinzugetreten ist, so wie Luft und Wasser - man meint mit «Staub» das irdische Element — nahmen, um den Adam zu formen, den Mann. Aus dem Kosmos heraus wird zunächst dem Makrokosmischen, welches das Weib herüberträgt von Saturn, Sonne und Mond, das Männliche hinzugefügt. Es liegt ein tiefes Geheimnis über demjenigen, was auf der Erde sich als männlich und weiblich gegenübersteht. Selbstverständlich bezieht sich das eben Gesagte nur auf das, was eben in der Organisation des Menschen das Männliche und Weibliche zum Ausdruck bringt. Und dieses Mysterium hängt zusammen mit der ganzen Erdenwelt, hängt zusammen mit den Fähigkeiten, die dem Weibe nur als Weib eigen sind während der Erdenentwickelung, damit, daß im Inneren des Weibes herübergetragen wird das Makrokosmische der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung und in den Mikrokosmos des Weibes aufgenommen wird, während der Makrokosmos der eben vorhergehenden Erdenentwickelung in den Mikrokosmos des Mannes aufgenommen wird. In einer ganz besonderen Weise tragen das Weibliche und das Männliche in sich den ganzen Kosmos. Und wenn ich oftmals hier ausgesprochen habe, daß der Mensch überhaupt den ganzen Makrokosmos in sich trägt, so trägt ihn die weibliche und die männliche Organisation in einer verschiedenen Weise in sich.
[ 44 ] Goethe geht ein kosmischer Gedanke auf, indem er die Büßerinnen heranbringt an die Mater gloriosa. Denn, was ist ihm die Mater gloriosa? Diejenige, die am reinsten herübergetragen hat die ewig gebliebenen Wirkungen von Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit in die Erdenzeit herein, sie unberührt gelassen hat vom Irdischen und mit dem Makrokosmos sich verbunden hat, indem sie den Christus der Erde hat vorbereiten dürfen. Das Makrokosmische, das Ewige des Weiblichen, zieht hinan. Was zieht hinan? Wie könnten wir noch sagen, um diese Frage zu beantworten? Indem wir den Chorus mysticus nachsprechen.
[ 44 ] Goethe geht ein kosmischer Gedanke auf, indem er die Büßerinnen heranbringt an die Mater gloriosa. Denn, was ist ihm die Mater gloriosa? Diejenige, die am reinsten herübergetragen hat die ewig gebliebenen Wirkungen von Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit in die Erdenzeit herein, sie unberührt gelassen hat vom Irdischen und mit dem Makrokosmos sich verbunden hat, indem sie den Christus der Erde hat vorbereiten dürfen. Das Makrokosmische, das Ewige des Weiblichen, zieht hinan. Was zieht hinan? Wie könnten wir noch sagen, um diese Frage zu beantworten? Indem wir den Chorus mysticus nachsprechen.
[ 45 ] Das meinte Goethe — nur will er nicht einen allgemeinen Ausdruck gebrauchen -, das meinte Goethe:
[ 45 ] Das meinte Goethe — nur will er nicht einen allgemeinen Ausdruck gebrauchen -, das meinte Goethe:
Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Erreichnis;
as Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Die Mater gloriosa
Zieht uns hinan.
Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Erreichnis;
as Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Die Mater gloriosa
Zieht uns hinan.
[ 46 ] Dasjenige, was getan ist, was sich vor uns abgespielt hat, das zieht zu gleicher Zeit die ganze geistige Welt hinan.
[ 46 ] Dasjenige, was getan ist, was sich vor uns abgespielt hat, das zieht zu gleicher Zeit die ganze geistige Welt hinan.
[ 47 ] Tief christlich schließt Goethes Lebensgedicht. An diese aphoristischen Bemerkungen - solche sollten es sein -— werden wir dann im folgenden anknüpfen.
[ 47 ] Tief christlich schließt Goethes Lebensgedicht. An diese aphoristischen Bemerkungen - solche sollten es sein -— werden wir dann im folgenden anknüpfen.
